
Alle Zeit der Welt· Staffel 1· Folge 147
Sabbatai Zwi: Der falsche Messias?
Freitag, 22. Mai 2026 · 1 h 15
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Shownotes
Im Dezember 1665 schreibt Henry Oldenburg, Sekretär der Royal Society, an Baruch Spinoza: Halb London spricht von der Rückkehr der Juden in ihr Land. Selbst Europas radikalster Philosoph zögert mit seiner Antwort. Denn in Smyrna hat ein Mann namens Sabbatai Zwi sich zum Messias erklärt, und die Nachricht erfasst die jüdische Welt wie ein Lauffeuer. Unser Teil 3 zur Geschichte der Kabballa.
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Diese Episode erzählt die absurdeste, traurigste und folgenreichste Messias-Geschichte der jüdischen Neuzeit: von einem bipolaren Mystiker aus Smyrna, der den verbotenen Gottesnamen ausspricht und eine Tora-Rolle heiratet. Von Nathan von Gaza, dem jungen Kabbalisten, der zum Propheten wird, bevor er den Messias überhaupt trifft. Von Sara, der Frau aus dem Kloster, die sich selbst zur Braut des Erlösers erklärt. Von Glückel von Hameln, deren Schwiegervater in Hamburg Fässer mit eingesalzenem Fleisch für die Reise ins Heilige Land packt. Und von jenem Tag im September 1666, an dem Sabbatai Zwi vor dem Sultan steht, den jüdischen Hut absetzt und den weißen Turban aufsetzt.
Aber die eigentliche Geschichte beginnt erst danach. Denn für Nathan von Gaza und Tausende Gläubige bestätigt die Konversion zum Islam alles: Der Messias muss in die tiefste Unreinheit hinabsteigen, um die letzten heiligen Funken zu bergen. Eine Theologie des Scheiterns entsteht, die das Judentum für Jahrhunderte spalten wird.
QUELLENVERZEICHNIS
• Scholem, Gershom: Sabbatai Sevi: The Mystical Messiah, 1626–1676. Princeton University Press, 1973. Dt.: Sabbatai Zwi. Der mystische Messias. Jüdischer Verlag/Suhrkamp, 1992.
• Garb, Jonathan: A History of Kabbalah: From the Early Modern Period to the Present Day. Cambridge University Press, 2020.
• Goldish, Matt: The Sabbatean Prophets. Harvard University Press, 2004.
• Rapoport-Albert, Ada: Women and the Messianic Heresy of Sabbatai Zevi, 1666–1816. Littman Library, Oxford 2011.
• Nadler, Steven: Spinoza: A Life. Cambridge University Press, 1999.
• Ruderman, David: Early Modern Jewry: A New Cultural History. Princeton University Press, 2010.
• Coenen, Thomas: Ydele verwachtinge der Joden getoont in den persoon van Sabbathai Zevi. Amsterdam 1669.
• Glückel von Hameln: Die Memoiren der Glückel von Hameln. Übers. Bertha Pappenheim, Wien 1910. Neuausgabe: DTV, 1994.
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Im Dezember 1665, während die Pest in London wütet und Zehntausende sterben, setzt sich ein Mann an seinen Schreibtisch. Sein Name? Henry Oldenburg. Sekretär einer brandneuen Institution namens Royal Society. Er schreibt einen Brief. Empfänger? Baruch Spinoza. Thema? Ein Gerücht. Das Gerücht, schreibt Oldenburg, hält halb London in Atem. Die Juden, seit 2000 Jahren zerstreut, würden in ihr Land zurückkehren. Nur wenige glaubten es. Viele wünschten es. Aber sollte es stimmen, bringe es womöglich eine Revolution in allem.
Er bittet Spinoza um dessen Meinung. Spinoza, der gerade in Vorburg über den Entwurf seines theologisch -politischen Traktats brütet, antwortet. Wir wissen das. Es gibt eine Erwähnung in einem späteren Brief. Aber Spinosas Antwort, das Schreiben, in dem Europas radikalster Philosoph zum ersten Messias Auftritt der Neuzeitstellung bezog, ist verloren. Vielleicht im Feuer des großen Brandes von London 1666. Vielleicht einfach verlegt.
Wir haben den Brief nie mehr gefunden. Ja, und diese Episode heute handelt von dem, was Spinoza wusste? Sie handelt von einem Mann in Smirna, der an seinem Geburtstag den Tempel wieder errichten wollte, von einer Frau aus Polen, die als Kind in ein Kloster verschleppt wurde und sich dann gegen alle Wahrscheinlichkeit zur Braut des Messias erklärte, von einer Hamburger Kauffrau, die miterlebte, wie ihr Schwiegervater Fässer mit eingesalzenem Fleisch packte, um für die Reise nach Jerusalem bereit zu sein, und von einem Tag im September 1666, an dem all das zusammenbrach wie ein Kartenhaus.
Die absurdeste und folgenreichste Messias Geschichte der jüdischen Neuzeit. Willkommen bei Episode 3 zum Thema Kabbalah. Willkommen zurück, Jonas. Schön, dass du mit dabei bist. Hallo. Schön, hier zu sein, wie immer. Wir haben in den ersten beiden Folgen zu dem Thema ja schon ... Also vor allem in der ersten Folge ein bisschen das Thema Kabbalah versucht einzukreisen. Was ist das? Was ist es vielleicht nicht? Was gehört alles mit dazu? Und was sind alles Rezeptionslinien?
Wo führen sie denn zurück, wenn wir uns tatsächlich angucken, wo da die historischen Ursprünge liegen? Und im letzten Teil sind wir dann nach der Vertreibung der Juden aus Spanien in Safed gelandet, in Palästina, in einer Kleinstadt, die zum mystischen Zentrum der kabbalistischen Welt avancierte und wo die grundlegenden Theologien eigentlich, die wir als kabbalistisch heute erkennen würden, irgendwie von mehreren großen Denkern und Mystikern hervorgebracht wurden. Und da haben wir uns mit den ganzen Grabenkämpfen beschäftigt, wo diese unterschiedlichen Ideen herkamen, wie unterschiedlich die Ausprägungen auch waren. Und am Ende der Folgen haben wir angekündigt, dass das Ganze jetzt zu, nachdem
wir uns viel in der mystischen Theorie bewegt haben, jetzt zu Handlungen führen wird. Aus der Theorie in die Aktion gehen in der dritten Folge. Und es wird wild. Also das ist wirklich, ich habe mich auf diese Folge sehr gefreut. Aber ich hatte auch ein bisschen Respekt vor ihr. Und ich bin mal gespannt, wie das heute läuft.
Ja, das sind doch beste Voraussetzungen. Bevor wir anfangen mit der Geschichte von Shabbat al Zwi, um den es heute gehen soll, wenn ihr es noch nicht mitbekommen habt von der Überschrift der Podcast -Folge oder des Videos auf YouTube. Es geht um Shabbat al -Zwi heute. Und um zu verstehen, wie die ganzen absurden Geschehnisse, über die wir reden, tatsächlich ... passieren konnten, müssen wir erst mal einen Schritt zurücktreten und uns ein bisschen des 17. Jahrhunderts anschauen, das frühe noch mal. Was für eine Stimmung waren die Leute da unterwegs? Warum gab es überall auf einmal religiöse Gruppen, die wild gewackelt haben, während sie mit Gott kommuniziert haben?
Und was lag da sonst noch so in der Luft? Was waren denn andere große Themen, um so ein bisschen zu kontextualisieren die Gedankenwelt der Menschen? Und dafür starten wir erst mal im Jahr 1648. Die Lurianische Kaballa, in der wir in der letzten Folge in Episode 2 viel erzählt haben, hat aus mystischen Berechnungen heraus dieses Jahr, also das Jahr 1648, als potenzielles Messias Jahr markiert. 5408 nach jüdischer Zählung. Das Jahr, in dem die Welt erneuert werden könnte oder würde.
Ja, tatsächlich wird in diesem Jahr eine Welt vernichtet. Nur nicht die Alte. In der Ukraine bricht der Melnitsky Aufstand los. Kosaken und Bauern unter Bogdan Melnitsky ziehen gegen die polnische Adelsherrschaft. Und für die jüdischen Gemeinden, die als Pächter und Verwaltende des polnischen Adels zwischen den Fronten stehen, wird das ein Massaker ohne Präzedenz. Also zwischen 50 und 100 .000 Juden sterben. ganze Städte werden ausgelöscht. Nimirov, Tulcin und Polone. Ich entschuldige mich für meine Aussprache. Das Trauma halt durch die gesamte jüdische Welt. In Amsterdam, in Venedig, in Smyrna, in Jerusalem. Es gibt kaum eine jüdische Familie Europas, die keine Flüchtlinge aufnimmt. Und die einzige theologische
Sprache, die man für dieses Entsetzen hat, ist die Lurianische. Das muss die dunkle Nacht vor der Morgenrüte sein, die Geburtswehen des Messias. Die messianische Erwartung erreicht einen Siedepunkt. Gleichzeitig brüte die christliche Welt über einem anderen Datum, 1666, das Jahr des Tieres plus tausend. In der englischen puritanischen Revolution in den Kreisen der Quaker, der fifth monarchy man, Der niederländischen Chiliasten rechnet man. Man mit dem baldigen Ende, also da rechnet man mit der kommenden Apokalypse.
Ja, und man rechnet auch in Amsterdam, wo der Rabbiner Mennase Ben Israel ausgerechnet Oliver Cromwell besucht, um ihnen von der Wiederzulassung der Juden in England zu überzeugen. Auch das mit messianischem Kalkül. Denn die Sammlung der jüdischen Zerstreuung sagt die christliche Apokalyptik, muss der Wiederkunft Christi vorausgehen. Also ihr merkt, sowohl im Judentum als auch im Christentum liegt hier im 17. Jahrhundert sehr viel Apokalyptik in der Luft. Alle erwarten das Ende der Zeit aus unterschiedlichen Gründen und mit unterschiedlichen Herangehensweisen, aber das liegt auf jeden Fall groß in der Luft. Ein paar kurze Sätze dazu, warum bei mir Nizki Aufstand dann gerade Juden als Ziele ausgesucht wurden. Wir haben seit dem
Mittelalter ja verschiedene Push -Faktoren in Mitteleuropa am Rhein, wo sehr viele jüdische Gemeinden traditionell gelebt hatten. Es gibt seit den Kreuzzügen immer wieder organisierte Progrome und es gibt die zunehmende Ghettoisierung der Juden im Deutschen Kaiserreich. Also dass eigentlich in allen Städten, glaube ich auch in Regensburg, habe ich das verwechselt, in einer dieser spekischen Städte, als Ausnahme eigentlich kein Ghetto gegründet wurde, denn sonst eigentlich überall die Ghettoisierung stattfindet. Und man redet oft über diese Push -Faktoren. Warum wollen die Leute weg? Warum wollen die Leute umziehen?
Das sind die Push -Faktoren. Was läuft vor als schlecht? Und dann ist aber die Frage, wo gehen denn die Leute dann hin? Und das sind eben die Pull -Faktoren. Und die Pull -Faktoren zu der Zeit waren eben so, dass es in Osteuropa das Polnisch -Lithuanian Commonwealth gab, also das Großreich Polen -Lithauen, was der europäisch größte Flächenstaat Europas war, und weite Teile Polens und der Ukraine, also Osteuropa, auch Teile Jodhi -Russlands, sind alles unter sich vereint hat. Und da hatte man sehr starke, eigenständige Adelige. Das ist jetzt die ultimative Kurzfassung.
Nagel, ich bitte auf dich fest, da muss man eine eigene Folge dazu machen. Aber das hat dazu geführt, dass die dort vor Ort teilweise eben Litauische oder polnische Adlige hatten, die über ukrainische Bauern oder andere Bauern in Weißrussland geherrscht haben und die dann jemanden gebraucht haben, der für sie die Ländereien vor Ort verwaltet und so was wie Gasthäuser und Kneipen führt.
Und um zu vermeiden, dass man lokale Leute benutzt, die erstens selten so richtig gut mit den Abrechnungen und den Steuerberechnungen waren, wegen mangelnder Bildung und auf der anderen Seite immer die Gefahr dargestellt haben, wegen ihren lokalen Netzwerken, dass sie einen Machtfaktor werben können vor Ort. Wenn da jemand vor Ort viel Geld verdient außer dir, dann sollte das im Idealfall jemand sein, den du kontrollierst und der von außerhalb kommt und der keine lokalen Verbundenheiten zu den Familien und den Alteingesessenen hat. Und dementsprechend wurden sehr viele Juden eben dazu rekrutiert oder wurden ihnen diese Jobs gegeben, um Gasthöfe, Bars, Kneipen, die auch immer das nennen wollt heutzutage, also Alkoholausschankrechte
quasi zu haben in Osteuropa. Und das war dann der Ort, wo die Bauern oft ihr weniges Geld versoffen haben, was sie bekommen haben von ihren Herren und den Adeligen. Und das hat natürlich zu einem gewissen Kreislauf geführt vor Ort, wo man sich vorstellen kann, dass quasi die Juden und die Besitzer, bei denen man sein Geld in der Kneipe dann hat liegen lassen. in dieser kleinen zirkulären Wirtschaft eben zum Aushängeschild der ungerechtfertigten Macht der Adligen wurden. Und wenn ich einen Aufstand dann starte gegen die Adligen, die teilweise weit weg sitzen, in Warschau oder sonst wo, dann wen habe ich vor Ort, den ich massakrieren kann und der quasi die Zielscheibe darstellt, das sind eben diese Juden, die für die Adligen arbeiten.
Ich will das nicht entschuldigen, aber das ist die Psychologie dahinter. Da braucht man keine große Verschwörungstheorie, um zur Zielscheibe zu werden in dieser Situation in Osteuropa. Ashkenazi, die jidisch geredeten Menschen, die ursprünglich aus dem deutschen Gebiet kamen, die dann zunehmend nach Osteuropa abgewandert sind. Also nicht alle, aber eben... Viele sind dann nach Osteuropa auch abgewandert, weil man dort bessere Lebensbedingungen hatte. Und mit dem Janinitzky -Aufstand als große Katastrophe wurde das alles in Frage gestellt.
Kann man da wirklich leben? Wo lebt man dann? Wo muss man hin, wenn die Progrome jetzt quasi auch dort aus der Europa erreicht haben? Und deswegen auch die gezielte Suche nach der Möglichkeit, vielleicht nach England zu kommen, wo die Juden vorher komplett ausgewiesen worden waren oder ... andere Gebiete für sich zu sichern, wo man sich erleben kann. 1666 ist damit ein Jahr auf das Alle warten in Europa und ein englischer Kaufmann in Smyrna hatte das auch dem Vater eines aufgeweckten jüdischen Jungen erzählt. Und der Junge ist der Hauptcharakter unserer heutigen Folge, nämlich Shabbat al -Zwi. Dessen Vater, Mordecai Zwi, war ursprünglich von einem einfachen Geflügelhändler aus der Peloponnes abgestammt,
also Griechenland. und war dann aber durch den Handel mit einer englischen Handelsgesellschaft in Smyrna wohlhabend geworden, bezog seine Nachrichten auch aus England und von seinen englischen Geschäftspartnern und war damit eben sehr am europäischen Puls der Zeit. So ein globaler Informationsfluss, der eben auch dazu geführt hat, dass dieses Datum in diesem kleinen jüdischen Haushalt in Smyrna gelandet ist. über das geredet wurde, lange bevor der Sohn sich selber mit in diese Prophezeiung hineininterpreziert hat. Aber gehen wir erst mal noch zu Henry Oldenburgs Brief zurück vom 8. Dezember 1655 aus London an Baruch Spinoza bei Den Haag, wie wir es vorhin ernährt haben.
Oldenburg ist kein Mensch, der lernt Worte. Er ist Sekretär der Royal Society der führenden wissenschaftlichen Gesellschaft Europa. Er schreibt an Newton, Leibniz und Beuhe, an alle großen Köpfe seiner Zeit, dass er sich 1665 an Spinoza wendet, einen ex -kommunizierten jüdischen Linsenschleifer, und unter dem Radarphilosophen in Holland ist selbst an sich schon bemerkenswert. Aber Oldenburg fragt eben Spinoza, was sagen die Juden in Amsterdam?
Was denkst du über dieses Gerücht? Solange es nicht von vertrauenswürdigen Männern aus Konstantinopel bestätigt werde, schreibt er, könne er es nicht glauben. Aber sollte es stimmen, bedeutet das eine Umwälzung aller Dinge. Hier spricht alle Welt von einem Gerücht über die Rückkehr der Israeliten in ihr Land. Sollte sich dies bestätigen, könnte es eine Umwälzung in allen Dingen herbeiführen.
Das schreibt Oldenburg an Spinoza. Und die erfolglose Suche nach der Antwort von allen möglichen Spinoza Forschern seitdem hat, ja, wie gesagt, leider keinen Erfolg gehabt. Aber was er geschrieben haben könnte, wurde dann von der Forschung auch versucht zu rekonstruieren. Besonders ausflussreich in seinen späteren Schriften ist eine Passage aus dem theologisch -politischen Traktat von 1670 im dritten Kapitel. Dort schreibt Spinoza Was Besonderes, Bemerkenswertes, wenn die Grundlagen ihrer Religion nicht den jüdischen Geist verweichlicht hätten, sei er geneigt zu glauben, die Juden könnten unter günstigen Umständen ihr Reich durchaus wiederherstellen und Gott sie erneut erwähnen.
Erstaunlicher Satz für einen Philosophen, der sonst von übernatürlicher Auserwähnung sehr wenig hielt. Der Spinoza -Biograf Steven Nadler vermutet in seinem Standardwerk Spinoza Alive, dass Spinoza in seinem verlorenen Gangenbrief eine ähnliche zurückhaltend offene Position bezogen habe. Also nicht glauben, aber auch keine Ablehnung, keinen Spott. Selbst der Rationalist aller Rationalisten zögerte im Dezember 1665, als das Gerücht aus Myrna kam und war sich nicht so ganz sicher.
Und er zögerte lange genug, um eine ausführliche Antwort wertzufinden, also um das investieren zu wollen. Und wenn schon Sprechnosa gezögert hat, was sollen dann die anderen empfunden haben? Also wenn er schon so ein bisschen verleitet ist und sich überlegt, na das könnte doch vielleicht doch wahr sein. Aber jetzt sollten wir erstmal der Frage nachgehen. Wer dieser eigenartige junge Mann aus Smyrna denn ist, über den ganz Europa auf einmal redet und der im Winter 65 sogar die Aufmerksamkeit der führenden Gelehrten Europas auf sich zieht. Schabatay Zvi wird am 1. August 1626 in Smyrna geboren. Das ist das heutige Izmir, damals eine boomende Hafenstadt des Osmanischen Reiches. Und die Geschichte seiner Geburt trägt
bereits Jene Mischung aus Fakt und Legende, die sein ganzes Leben prägend wird. Er wird an einem Shabbat geboren, daher der Name Shabbatai, der am Shabbat geborene. Macht filmen. Aber der Name verweist noch auf etwas anderes. Auf Saturn. Im Hebräischen heißt Saturn Shabtai. Und in der astrologischen Tradition des 17. Jahrhunderts gilt Saturn der äußerste und langsamste der sichtbaren Planeten als der Planet der messianischen Zeit.
Und die Überlieferung sagt, er wird am 9. Aff geboren, dem großen jüdischen Trauertag, an dem man der Zerstörung bei der Tempel gedenkt. Ausgerechnet dieser Tag ist nach rabbinischer Tradition auch der Tag, an dem der Messias geboren werden wird. Ob das Datum tatsächlich stimmt oder später konstruiert wurde, ist offen. Scholem diskutiert diese Frage in seinem Meisterwerk ausführlich. Sein Ergebnis, es ist egal. In der Welt der Symbolik, die das 17. Jahrhundert bewohnt, wird aus der bloßen Möglichkeit bereits Bedeutung. Ja und Shabbatai wächst in dieser Welt auf. Er ist sehr klug, er studiert an der Yeshiva des angesehenen Rabbiners Joseph S. Kapah. Mit 18 Jahren erhält er die Ordination zum Haqqam. Das bezeugt Leib Ben Ozer,
der Notar der Ashkenazischen Gemeinde in Amsterdam, der später einer der wichtigsten Grundisten der ganzen Affäre wird. Shabbatai hat eine wunderschöne Singstimme anscheinend, ein begabter Sänger. Ein Detail, das immer wieder erwähnt wird in den Quellen. Und seine Stimme habe eben mindestens genauso viele Leute überzeugt wie seine Worte.
was ich eine ganz schöne Einordnung fand. Aber das ist von Anfang an auch irgendwas anders mit ihm. Es gibt Historiker, die ihn rückwirkend, auch wenn man das immer mit Vorsicht genießen muss, solche Diagnosen als bipolar diagnostiziert haben. Einfach weil wir diese Beschreibung haben, dass er sich bochenlang zurückzieht, ausschließlich tiefe Schwermut und Depression verspürt, mit niemandem spricht. Und dann kommt er wieder zurück in diese Phasen, die er Leuchtung nennt, so Phasen manischen Hochgefühls, in denen er tanzt, singt, Gesetze bricht, Selbstbehauptungen liefert, die an Gotteslästerung grenzen oder eindeutig Gotteslästerung sind nach allen Maßstäben der Zeit. Er spricht zum Beispiel dann den Tetragrammaton aus, also
JHW, die vierbuchstabige Gottesnamen im Hebräischen. dessen Aussprache seit Jahrhunderten verboten ist. Er erhält eine Hochzeit mit einer Tora -Rolle als symbolischer Braut. Er segnet Fett, das nicht gegessen werden darf. Wenn wir später mal alle Tempel aufzählen werden, die der Mann entweiht hat, es ist eine Menge. Er zieht so eine Spur sakraler Vorpas hinter sich her. Und das Rabinat ins Myrna muss sich eben auch die Frage stellen, die sich die kommenden zwei Jahrzehnte an alle jüdischen Gemeinden in Europa stellen werden.
Sobald Chabadet -Zvi irgendwie als Thema aufkommt, ist dieser Mann ein Heiliger? Ein Wahnsinniger? Ein Besessener? Wie geht man mit dem um? Und die Antwort ins Myrna, wie später in Salonika und Constantinople, ist recht pragmatisch. Wir wissen es nicht, aber es soll woanders hingehen, bitte. Bitte. Wir sind uns nicht sicher, was sie bedeutet, aber es ist zu viel für uns. Chabadet Zvi hat ja auch eine gelehrte Schwester namens Ora Gadol. großes Licht bedeutet. Ora war in der jüdischen Gemeinde Smirna für ihre Gelehrsamkeit auch bekannt und sein Interesse und seine Offenheit gegenüber weiblicher Spiritualität, die später auch die gesamte Bewegung, die er gründet, die sapatanische Bewegung prägen wird, hat damit
auch wahrscheinlich sehr biografische Wurzeln. Also er wächst einfach in einem Haushalt mit gebildeten und gelehrten Frauen auf. Und das sorgt auf jeden Fall ideologisch zu einer gewissen Vorprägung, die sich auch später in seiner Theologie wiederfindet. Abgesehen von den ganzen weiblichen Aspekten Gottes in der Schechina und so, also er knüpft da eigentlich auch an diese kabalistische Tradition an und führt die in so eine praktischere Realität, wo er eben auch offener ist für...
Es sind immer nur Männer, die im Gebet dann irgendwie die Gottheit vereinen müssen miteinander. In den 1650er Jahren beginnt Shabbatei dann zu wandern. wie es jeder große, gute Prophet tut, weil er in den meisten Fällen eben nicht mehr zu Hause bleiben darf, sondern rausgeworfen wird aufgrund auffälligen Verhaltens. Das ist der Schicksal der Propheten. Von Smirna wandert er nach Salonika, nach Konstantinopel, nach Cairo, nach Jerusalem.
Eine Welt des Osmanischen Ostens, also immer innerhalb des Osmanischen Reiches. Er wird verehrt, verbannt, wieder verehrt, wieder verbannt. 1664 befindet er sich dann in Cairo und dort würde auch eine freie Frau heiraten, deren Geschichte an sich eigentlich einen eigenen Roman wert ist, würde ich sagen. Als 1648 das Pokrom durch Podolien zieht, ist das kleine Mädchen Sarah etwa sechs Jahre alt. Ihre Eltern werden getötet, christliche Hände greifen nach ihr. Ob zum Schutz oder zum Zugriff, darauf gibt es widersprüchliche Berichte.
Jedenfalls landet sie in einem polnischen Kloster und dort wird sie zehn Jahre lang bleiben. Mit etwa 16 Jahren flieht sie dann und in einer Version findet man sie eines Morgens auf dem jüdischen Friedhof mit nichts als einem Hemd an ihrem Körper und sie erzählt, der Geist ihres toten Vaters habe sie in der Nacht dorthin getragen. Sie zeigt Abdrücke auf ihrem Körper als Beweis. Ja, das ist Version 1. Eine andere Version sagt deutlich schlichter, dass sie einfach wegläuft, ohne auf die Details einzugehen. Wahrscheinlich die wahre Geschichte der Version. Meistens Orkans, Razor, wahrscheinlich ist sie einfach wegläuft. Sie gelangt danach Amsterdam, später nach Mantua, danach Livorno. dem toskanischen Hafen, wo eine
große sephardische Gemeinde lebt. In Livorno führte sie angeblich ein Leben von ihrer Schönheit, wie ein Chronist umschreibt. Also sie sei Prostituierte geworden. Gleichzeitig halte sie mit derselben Viermenz daran fest, dass sie für den Messias bestimmt sei, dass sie keine gewöhnliche Ehe schließen dürfe und dass sie in der Zwischenzeit einfach frei leben müsse. Er ist ja wie Jesus und Maria. Die Historikerin Ada Rappaport -Albert hat die Quellen auch mal neu ausgelesen, nachdem es eben diese Standardauslegung immer war, dass die Quellen sagen, sie war Prostituierte, dann muss sie Prostituierte gewesen sein. ist natürlich eine Möglichkeit. Die Event Historikerin Rappaport Albert hat aber in ihrem Standardwerk Women and
the Messianic Heresy of Shabbatites von 2011 argumentiert, dass die Darstellung Saras als Hure vor allem die patriarchale Perspektive der männlichen Chronisten widerspiegelt, in der eben Frauen religiös die Schnauze zu halten haben und nicht irgendwie prophetisch sich überlegen sollen, welchen Messias sie jetzt heiraten. Und sie argumentiert dafür, dass Sarah wahrscheinlich eine echte Prophetin war oder auf jeden Fall eine junge Frau, die gegen die gesellschaftlichen Erwartungen eine eigene spirituelle Mission verfolgte.
In jedem Fall erreicht sie Nachricht von dieser Frau irgendwie Schabadellzwi in Kairo. Und er habe, so sagt er, genau von dieser Frau geträumt. Und er beruft sich dabei auch gezielt auf die biblische Geschichte des Propheten Hosea, dem Gottbefallene Prostituierte zu heiraten. Wie Hosea den ungehorsamen Israels durch seine Ehe symbolisierte, so wolle er Shabbatai die vergangene Sünde der Welt durch Sarah heiligen. Es wird quasi zur Doktrin auch, dass sie Prostituierte war oder ist. Das spielt da quasi mit rein. Ganz spannende Parallele auch zu Simon Magus, der ja in der frühen Kirche als der böse, gnostische Zauberer auftritt. Und der hat ja auch eine prostituierte Geheiratin ist, mit der dann durch die Jägen
gezogen und hat früh christliche Gemeinden aufgewiegelt gegen sich mit seinen gnostischen Ideen. Aber da sehen wir von Rosea über Simon Magus bis zu Schabbat al -Zvi auf jeden Fall eine gewisse Traditionslinie. Der Messias heiratet eine Prostituierte. Schabbatei schickt dann Booten nach Livorno, Sarah wird nach Kairo gebracht und am 31. Mai 16 heiraten die beiden im Haus des reichen Rafa Ebi, des Chefs der ägyptischen Münze und großzügigen Förderer der jüdischen Gemeinde. Sarah bringt eine dramatische Aura ins Schabbateis Leben und, was wichtiger ist, viele neue Anhänger. Ihre Schönheit, ihre Exzentrität und paradoxerweise ihre Vergangenheit ziehen die Menschen an. Sex sells. Für seine Anhänger ist diese Ehe eben
ein weiteres prophetisches Zeichen. Wenn er nicht der Prophet wäre, würde er dann eine prostituierte heiraten. Hier nochmal Ada Rababord -Albert zum Thema. wie an der göttlichen Dimension seiner Person angesehen wurde. Schau mal da, er hat jetzt also eine Frau, Geld, Unterstützer und einen Ruf. Er hat auch still und heimlich eine theologische Krise, wie das so oft ist. Er fühlt, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Er ist unsicher.
Deshalb macht er sich 1665 auf den Weg nach Gaza, um einen Kabbalisten aufzusuchen, der ihm helfen soll. Und der junge Mann ... Den Schabater in Gaza aufsucht, heißt Nathan Benjamin Halevi Ashkenazi. Mental Note war, als ich das erste Mal gelesen habe, der Name. So würde J .K. Rowling einen jüdischen Kabbalisten aus dem 17. Jahrhundert benennen. Er ist Mitte 20, geboren in Jerusalem, tief gebildet in lorianischer Kabbala, asketisch Visionär. Man hält ihn in Gaza für einen besonders begabten Seelenrektifizierer. Ein Mann, der über die komplizierten Lurianischen Techniken verfügt, um verletzte Seelen zu heilen und wieder in die göttliche Ordnung einzufügen. Er ist so eine Art kapalistischer Therapeut. Und ein bisschen
Exorzist natürlich auch. Das spielt damit rein. Also wir sind ja in einem Spektrum irgendwo zwischen mystischem Exorzismus und meditativer Therapie. Schapatei kommt also als Patient zu ihm. Nathan soll ihm eine Tikkun geben, eine seelische Reparatur. Also die Tikkun haben wir schon drüber geredet, die Wiederherstellung der Welt, das Heilemachen.
Und er will ein Heilemachen für sich selber. Einmal Heilemachen bitte. Aber Nathan, so erfahren wir aus einem späteren Brief, den Gershom Sholem erstmals entdeckt hat, hat bereits vor Schapateis Ankunft eine Vision gehabt. Im März 1665, einige Wochen bevor Schapatei in Gaza auftaucht, kommt der Geist über Nathan. Er sieht Gott Tag und Nacht. Und mit äußerster Klarheit schreibt er selbst, er kennt sein Herz, wem die Prophetie galt. Einem Mann namens Schapatei Zwee, der sich in Gaza offenbaren und sich zum Messias ausrufen wird. Der Geist kam über mich. Ich sah Visionen Gottes, den ganzen Tag und die ganze Nacht. und mir wurde wahre Prophetie zuteil. Und mit äußerster Klarheit erkannte mein Herz, auf wen sich meine
Prophetie richtete. Nathan hat bereits eine Antwort, bevor die Frage kommt. Als Shabbat in Gaza ankommt und nach einer seelischen Reparatur fragt, antwortet Nathan, deine Seele ist nicht krank. Deine Seele ist die Seele des Messias. Alles, was du als Wahnsinn und Zerrissenheit erlebt hast, deine manischen Phasen, deine Depressionen, deine Gesetzesbrüche, all das ist nicht Pathologie. Es ist messianisches Leiden. Es ist der kosmische Konflikt, der durch dich ausgetragen wird. Ich meine, was will man von seinem Therapeuten anderes hören? Bist austherapiert, erste Sitzung, direkt, du bist perfekt. Das Problem ist, die Welt um uns herum, die zerbrochen ist, nicht du. Das wäre wahrscheinlich auch in den
meisten Therapien ganz gut mal anzumerken, dass nicht nur die Leute das Problem wissen, sondern ... Im Chawadai ist praktischerweise in dieser Zeit für solche Nachrichten sehr empfänglich, weil er aus einer depressiven Phase in Kairo ein bisschen raus ist und in einer manischen Phase steckt und deswegen glaubt er Nathan natürlich vollumfänglich. Mehr noch, er fühlt, dass Nathan Recht hat. Sobald man was fühlt, wird's gefährlich.
Das wissen die Romantiker unter uns mehr als alle anderen. Hat man drei Kinder. Die zernissenen Teile seiner Biografie machen auch einmal alle Sinn. Und damit erschafft Nathan natürlich auch die Prophetie, die Vision, die er selber hatte. Er hatte die Vision von diesem Mann, der zu Messias ausgerufen wird und erklärt dann einem seiner Patienten, dass er der Messias sei. Selbst erfüllende Prophezeiung. Am 31. Mai 1665, Shavut ruft Shabbatai Zvi sich in Gaza öffentlich zu Messias aus. Nathan übernimmt die Rolle des Propheten Eli Elia, des Vorläufers. Duo ist geboren, die perfekten zwei, der kabbalistische Doppelpack, der jetzt aufsehen erregt wird. Was ich ganz spannend fand, ist, dass Nathan auch mit einem Federstrich zu diesem
Zeitpunkt das gesamte Herzstück der Lurianischen kabbalistischen Praxis über den Haufen wirft. Nämlich die Kavanot, also diese komplexen mystischen Meditationstechniken über, die wir in der letzten Folge geredet haben, die seit Generationen safetischer Kabbalisten verfeinert wurden und aufgebaut und erweitert. Nathan erklärt aber, dass im Messias Zeitalter das alles obsolet sei. Das brauchen wir alles gar nicht mehr, weil der Messias ist jetzt da. Das war alles davor notwendig. Jetzt können wir das alles durch Schaperteiz wie erleben.
Und ganz erstaunlich, dass Rabbi Schmuel Vital, der Sohn von in der letzten Folge dem erwähnten Chaim Vital, dem Hauptschüler Isaa Glourias, auch nicht dagegen protestiert hat. Er schloss sich einfach die Bewegung an. Und das ist natürlich auch ein Signal für alle anderen, denn selbst der Sohn des bedeutendsten lurianischen Tradenten mitzieht bei dieser Bewegung. Was ist da noch zu zweifeln? Es muss der Messias sein. Schauen wir ihm folgt. Ein zweites berühmtes Zeugnis aus den ersten Monaten der da gerade frisch entstehenden Bewegung stammt von Baruch von Arezzo, einem italienischen Zappatianer, also Anhänger von Schabbatai. Er beschreibt, was Nathan am Schawutfest wenige Tage nach Schabbatais Proklamation im
nächtlichen Gaza erlebte. Er sprang auf und tanzte im Zimmer, warf ein Kleidungsstück nach dem anderen ab, bis nur noch sein Untergewand übrig war. Dann machte er einen großen Sprung und blieb flach auf dem Boden liegen. Eine sehr leise Stimme war zu hören. Achtet auf meinen geliebten Sohn! Spannend, ne? Also, Nathan tanzt, entkleidet sich, fällt zu Boden wie ein Toter und spricht dann, eine Stimme spricht aus ihm, nachdem er quasi kollabiert ist. Es wird nicht nur von uns und von euch, sondern auch von der Forschung als typische Dross -Zustände interpretiert, diese Berichte. Matt Goldish hat in seiner Studie des Sabbatien Prophets betont, dass Nathan damit keineswegs allein war. Wir haben im Anfang in
der Einführung ja schon gehört, dass es eben weit verbreitet war zu dieser Zeit. Im 17. Jahrhundert gab es eine Europa - und weltweite Welle, ähnlicher prophetischer Überschwangsphänomene. Also von den englischen Quakern, die von ihren Gegnern so genannt wurden, weil die quasi... Und die Shaker, die es auch gab. Über italienische Nonnen bis hin zu türkischen Sufi -Mystikern, den Fifth Monarchists, den Milleniaristen. Da... sehen wir sehr zeittypisch eigentlich dieses Besessenwerden und diese Welle von religiöser Ekstase international in verschiedensten Kreisen. Das wird gerade da ein großes Thema. Abraham Elkayam, einer der wichtigsten zeitgenössischen Forscher, fügt hinzu, Natan sei besonders von den Sufi -Orden um Gaza
beeinflusst gewesen. Orden wie der Kalandariya, die ekstatische Nächte, rituelle Nacktheit und Dronstzustände kultivieren. Generell sind die Kaballer zu einer ähnlichen Zeit in All Andalus aufgekommen wie die ersten Sufi -Orten. Das sehen wir schon von Anfang vor der Vertreibung, eine Ähnlichkeit, die sich fortführt. Und Gaza war zu dieser Zeit eben auch wieder eines der großen Sufi -Zentren. Der Übergang zwischen jüdischer Mystik und islamischer Ekstase war quasi nur ein paar Minuten Fußweg vom Sufi -Zentrum zu Natanz raus. Und das war alles am gleichen Ort.
Von daher kein Zufall, dass es am gleichen Ort auch aufkommt. Abgesehen von den nackten Tänzen fangen auch Briefe an, sich zu verbreiten. Nicht nur Berichte über Natanz -Tanz. Die Sufi -Mystiker hätten auch mal eine eigene Folge verdient an dieser Stelle. Mit Rostzuständen durch Tanz kenne ich mich aus. Stimmt, ich muss ja auch ein bisschen an dich denken. Tatsächlich. Also ich kann das alles nur bestätigen. Gott hab ich nicht gesehen, aber ich hab mich gefühlt. Ja, egal. Zurück zu den Briefen. Also Nathan schreibt, und er schreibt wie ein Bessessener. An die jüdischen Gemeinden in Konstantinopel, in Saloniki, in Venedig, in Livorno, in Amsterdam, in Hamburg, in Lemberg, in Krakau, in Vilnius. In Sanaa, in Jemen, in
Fez, in Marokko. Seine Briefe sind von bemerkenswerter literarischer Qualität. Und sie verbinden lorianische Theologie mit messianischer Dringlichkeit. Die Antworten kommen mit einer Geschwindigkeit, die man sich in der frühen Neuzeitkampf vorstellen kann. Briefe reisen von Gaza nach Amsterdam in sechs bis acht Wochen. Die Kaufmannsnetze, die eigentlich für Seide und Gold gebaut wurden, werden zu Propagandakanälen des Messias. David Ruderman beschreibt in Early Modern Jewry, A New Cultural History, diesen Moment als die erste wahrhaft transkontinentale jüdische Bewegung, die Ashkenaz und Sepharad überbrückt Osten und Westen, Städte und Dörfer. In Amsterdam entscheiden sich die prominenten Rabbiner, unter ihnen Isaac
Abu Abda von Sekar und Moses Rafael de Aguilar, nach anfänglicher Skepsis für die Anerkennung. Sogar Chaim Benveniste, einer der größten Halachisten seiner Zeit, wird zum Anhänger. Und dann, im Sommer 1665, reist Nathan selbst durch Palästina, Aleppo, Damaskus. Die Stimmung ist überall überhitzt. In Aleppo schreibt ein lokaler Rabbiner Paneg Yiriken. In Damaskus schließen sich Hunderte an. Im Herbst trifft Shabbatai in Smyrna ein, in seiner Geburtsstadt, aus der er einst verbannt worden war. Und dort wartet auf ihn auch ein weiterer berühmter Augenzeuge, nämlich Thomas Quenen. ein niederländisch reformierter Geistlicher, der in Smürna als Prediger der holländischen Kaufleute dient. Koenen ist Koenen, Thomas Koenen,
Protestantischer Beobachter mit schöner Beobachtungsgabe. Sein Buch, Ideele Dinge der Juden, eine eitle Erwartung der Juden von 1669, wird zu einer unserer wichtigsten Quellen über diese Ereignisse in Smürna. Kühnen sieht alles und schreibt doch alles auf. Aber lassen wir erstmal Smirna in Ruhe und schauen, was in Deutschland los war zu der Zeit. Das hat ja auch davon mitbekommen.
Es war ja nicht nur Amsterdam und es war nicht nur Osteuropa, sondern Deutschland war natürlich Teil dieses Netzwerkes. und Glückel Basjuda Leib, besser bekannt als Glückel von Hameln, wird 1646 in Hamburg geboren, in das jüdische Viertel der Altonare Vorstadt. Sie wird zu einer der außergewöhnlichsten jüdischen Autorinnen ihrer Zeit, Kaufraumutter von 14 Kindern, Witwe ab 1689, erfolgreiche Edelsteinhändlerin und Memoiren -Schreiberin. Ihre auf Westjidisch verfassten Lebenserleberungen sind das erste von der Frau geschriebene prämoderne Ego -Dokument des deutschen Judentums. Im dritten Buch ihrer Erinnerungen beschreibt Glöckel das Jahr 1666.
Sie ist damals 20 Jahre alt, frisch verheiratet mit Chaim von Hameln, lebt im Hause der Schwiegereltern. Und sie erinnert sich, wie ihr Schwiegervater, ein angesehener Hamelner Kaufmann, auf die Nachricht vom Messias reagierte. Ihr Schwiegervater, schreibt Glückl, habe zwei große Fässer vorbereitet. In diese Fässer habe er eingesalzenes Fleisch, getrocknete Früchte, Datteln, Zwieback gepackt. Alles, was eine lange Seereise überdauern würde. Die Fässer sollten bereitstehen für den Tag, an dem der Messias rufen würde, für die große Reise ins heilige Land, für die Sammlung der Zerstreuten, für das Ende des Exils. Er hat diese Fässer zwei Jahre lang bereitgehalten. Zwei Jahre lang wartete die Familie darauf, dass der Ruf käme. Und Glückl
erzählt das nicht mit Spott. Nicht mit Bitterkeit. Sie erzählt es eher im Ton einer Haushaltsbilanz. Zwei Fässer. Eingesalzenes Fleisch. Datteln. Zwei Jahre gewartet. Und das ist ein erstaunlicher Blickwinkel. Weltgeschichte reduziert auf das, was in einer Hamburger jüdischen Küche passiert. Und gerade darin liegt ihre Größe. Weil sie uns zeigt, wie total die messianische Erwartung in das Alltagsleben eintrang. Es ging nicht um Theologie und Theorie. Es ging um die Frage, ob die Fleischpräservation lange genug halten würde. Glückl beschreibt auch die Reaktionen Anderer. Menschen verkauften ihre Häuser. Menschen fasteten tagelang. Menschen verhielten sich Tag und Nacht in Gebeten. Es sei, stellt sie fest, als sei die ganze Welt
aus den Fugen geraten. Und das nicht ins Schlechte, sondern ins Wunderbare. Ja, wenn wir jetzt fragen, wie das eben möglich ist, dass so eine Geschichte aus Smyrna auf einmal die bürgerlich etablierten Gemeinden Hamburgs, Amsterdams und Frankfurs erfassen konnte, Glückl gibt damit so ein bisschen die Antwort. Es ist nicht keine Naivität, es war Hoffnung. Es waren 50 Jahre traumatisierte Erwartungen. die endlich ein Gefäß fanden, in das man die jetzt gießen konnte. Und ein fast eingesalzenes Fleisch ist kein Zeichen von Dummheit.
Das ist ein Zeichen von bitterem Ernst und dass man ernst macht. Das wird jetzt bald passieren. Wir sind bereit, weil bald geht es wirklich los. Das ist keine theoretische Idee, sondern Realität. Aber kehren wir mal zurück nach Simirna. Thomas Könen, der holländische Prediger, notiert mit einer Mischung aus Entsetzen und Faszination die Ereignisse in der jüdischen Gemeinde vor Ort. Schabbatai predigt, er hält Hof und er tut etwas, das Könen geradezu schockiert. Er spricht direkt zu den Frauen. Er verspricht ihnen Befreiung.
Wie kann er nur? Unerhört! Was euch unglückliche Frauen betrifft, groß ist euer Elend, denn wegen Eva's Sünde leidet ihr Qualen bei der Geburt. Ich bin in die Welt gekommen, um euch von all euren Leiden zu erlösen, euch zu befreien und euch euren Männern bleich zu stellen. Das ist im Kontext des 17. Jahrhunderts natürlich eine revolutionäre Aussage. Ada Rappaport -Albert, die es in Polen schon zitierte, argumentiert, dass dieser messianische Feminismus keine bloße Rhetorik war, sondern dass in den sapazianischen Gemeinden Frauen ermutigt wurden, in der Synagogen gelaut zu beten, predigen zu halten. selbst eigene Prophezeiung zu verkünden. Und einige von Shabbatais bedeutendsten Propheten, Sarah Ashkenazi selbst,
aber auch andere wie Hannah Mark, sprechen in öffentlichen Trance -Zuständen. Was komplett undenkbar gewesen wäre im Vergleich zu der gängigen Praxis. Und auch zur gängigen Praxis heutzutage noch. Also, ich meine, weibliche Rabbiner sind ja nur in ganz wenigen reformierten Gemeinden überhaupt ein Thema. Für die Gegner der Bewegung ist es natürlich ein Riesenskandal und es ist auch etwas, worauf sich viel fokussiert wird in der Propaganda und in der Mobilmachung gegen Schapartei. Frauen, die in der Synagoge sprechen, sprechen geht nicht. Das ist ein Bruch aller Konventionen, das ist ein Schritt zu weit. Aber er zieht an auf die Gegenreaktionen, er gibt nicht nach, sondern macht das Gegenteil, er legt
nach, er zieht besonders junge Frauen an, die in der traditionellen jüdischen Religion kaum Räume zum Ausdruck ihrer Spiritualität finden und ist damit auch so ein bisschen, ich habe ihn mir so ein bisschen Osho -mäßig vorgestellt eigentlich. Also dieses sechziger Jahre, die sechzehnsechziger Jahre. Ähnlich den 1960er -Jahren, 300 Jahre später, wo viele junge Menschen auf Erlösung gehofft haben. Nicht nur junge Menschen, sondern generell das in der Luft lag. Jetzt kommt das Ende der Zeit bald. Was passiert denn jetzt?
Im Zuge, der sich in späteren Ausläufern der Bewegung auch fortsetzen wird, also dieser Gleichberechtigungsgedanke in den Dönner -Gemeinden, in Saloniki, beim Frankismus in Polen und schließlich auf verschlungenen Wegen im frühen Hasidismus. Und sogar im Chalutzischen Frühzionismus, die Historikerin Rachel Elio hat das ausführlicher untersucht, wie das dann quasi weitergeführt wurde. Und da können wir, denke ich, in nächsten Folgen auch immer mal wieder drauf zurückkommen und zurückverweisen. Ja, im Herbst 1665 kehrt Schabatai dann nach Smürna zurück. Die Gemeinde ist gespalten. Die etablierten Rabbiner allen voran, Salomon Nisim Al -Ghazi, die lehnen ihn ab. Die jüngeren und die ärmeren Mitglieder der Gemeinde, die feiern ihn. Und
an einem bestimmten Tag im Dezember 1665 kommt es zum Eklat. Die etablierten Rabbiner haben die Synagoge geschlossen, um Shabbatai den Zutritt zu verwehren. Shabbatai erscheint dann mit einer Axt in der Hand und schlägt die Tür ein. Dann betritt er die Synagoge und setzt den antierenden Rabbiner Aaron LaPapa ab. Einfach so. Er ernennt Chaim Benveniste zum neuen Rabbiner der Stadt.
Benveniste lässt das geschehen, wohlgemerkt. Und dann, in einer der surrealen Szenen dieser ganzen Geschichte, verteilt er vor der versammelten Gemeinde die Königreiche der Welt. Du bekommst Frankreich. Du bekommst Spanien, du bekommst Polen. Ich nehme das Osmanische Reich und setze dem Sultan seine eigene Krone auf meinen Kopf.
Die Menge jubelt, Männer tanzen, Frauen weinen, Kinder singen. Ja. Anfang 1666 bricht Schapatei nach Konstantinupel auf. Nathanand prophezeit, dass er dort dem Sultan die Krone abnehmen wird. Ganz friedlich, messianisch. Ohne Blut vergießen. Man packt Geschenke für den Sultan. Man erwartet das Wunder. Ja, und der Großvizier Sadegh, Fasil, Köprülülü Sadegh. Köprülülü Sadegh. Der Großvizier Fasil Ahmed Pasha, ein nüchterner Mandettat, der fährt rechtzeitig von Schabbateis Reisen, ist ganz gut. informiert über die Vorgänge in Smirna. Als das Schiff im Februar 1666 im Hofen von Konstantinopel anlegt, stehen Osmanische Soldaten schon bereit als Empfangskomitee. Shabatei wird sofort verhaftet, noch bevor er an Land
gehen kann. Er wird in Ketten gelegt und in ein Gefängnis in Konstantinopel gebracht. Hier würde normalerweise die Geschichte enden, aber in dem Fall von Shabatei, wie beginnt sie eigentlich? Ist so richtig hier. nach seiner Festsetzung knarrt und nachdem die Autoritäten ja auch mitbekommen haben, dass er unter anderem ihr eigenes Königreich, also das Osmanische Reich, gerade eben vergeben hat, sich selber zum Sultan erinnert hat sozusagen und es ja auch um einen politischen Umsturz ging hier. Also er ist nach Konstantinopel gereist in der Erwartung, dass der Sultan sich vor ihm niederwirft, konvertiert und er quasi zum Gottkönig des Osmanischen Reiches wird. Dass das jetzt nicht so passiert ist, keine Überraschung. Und
der Osmanische Verwaltung ist natürlich auch klar, dass sie da einen gefährlichen Mann an der Hand hat, aber eben auch keinen, den man einfach exekutieren kann, denn die jüdischen Gemeinden zahlen, sie zahlen viel. An das Osmanische Reich und einen Aufstand und einen offenen Konflikt will man eigentlich jetzt auch nicht riskieren.
Nicht, dass es nicht gut geht, aber das bringt nur das ganze System ins Ungleichgewicht. Chamathai wird dementsprechend nach zwei Monaten aus Konstantinople heraus verlegt in die Festung Gallipoli am Hellespont, der Meerenge der Dardanellen heute auf türkisch ge - und Gallipoli ja dann später sehr berühmt wegen den Schlachten im Gallipoli war nur erster Weltkrieg und hier geschieht dann das absurdeste, weil die Bestechungsgelder der Gläubigen fließen, wird aus dem Gefängnis nach und nach ein Palast.
Schabbateis Anhänger nennen die Festung Mikdalos, der Turm der Stärke nach Psalm 61. Wir müssen uns das ein bisschen vorstellen, wie wenn ein großer Drogenbaron im Knast landet und dann sehr schnell das ganze nur so richtig Knast -Feeling hat. Schabbatei empfängt täglich Dutzende Besucher. Rabbiner, Kaufleute, Mystiker, Neugierige und auch Kritiker. Sie kommen aus ganz Europa und dem Nahen Osten. Das Gefängnis wird zum wichtigsten Wallfahrtsort des Judentuts. Der Messias hält Hof wie ein Papst. Und er vergibt weitere Königreiche.
Er ernennt seine zwölf Apostel, die Repräsentanten der zwölf Stimme Israels. Er feiert Festmäler. Er singt spanische Liebeslieder, die er zu Lobliedern an Gott umwidmet. Denn für Schabbatei ist Gott nicht ein fernes, abstraktes Wesen, sondern sein persönlicher Geliebter. der traditionelle Hymnen überflüssig macht. Er hebt den Fast des 17. Tammuts auf, er hebt den Fast des 9. Av auf, seinen eigenen Geburtstag, den größten jüdischen Trauertag, und erklärt ihn zum Freudenfest. In Europa wird weiter gepackt. Glöckels Spiegervater schickt seine Fässer nach Hildesheim. Amsterdamer Kaufleute verkaufen ihre Häuser. In Hamburg tobt die Diskussion zwischen Gläubigen und Skeptikern in der Synagoge so heftig, dass die christliche Strobrigkeit
eingreifen muss. Und selbst Rabbiner, die insgeheim zweifeln, wagen es kaum, öffentlich Stellung zu beziehen. Wer gegen den Messias spricht, riskiert in einigen Gemeinden tätliche Angriffe. Da liegt das Klima einer religiösen Revolution in der Luft. Und in so einem Klima zu zweifeln, ist gefährlich. Schabbatai unterschreibt in dieser Zeit seine Briefe auch mit einer Formel, die die rabbinische Welt schockiert. Ich bin der Herr, euer Gott, Schabbatai Zwi. Das ist nicht eine schlichte Megalomanie. Für Schabbatai ist der wahre Gott, der persönliche Gott Israel, buchstaublich mit ihm identisch. Der deutsche Soziologe Ulrich Beck hat das in seinem Buch, der eigene Gott. von 2008, als eines der frühesten
Beispiele einer vollständig individualisierten, personalisierten Spiritualität beschrieben. So ein bisschen wie der Sonnenkönig den Staat in sich trägt als absoluter Monarchist, als absoluter Monarch, als absoluter Herrscher. Trägt eben Shabbat -Tai als absolut personalisierter, spiritueller seine Gott -Erfahrung auch derart zentral in sich, dass er Gott sowohl sein Geliebter als auch seine Einheit mit ihm ist. Das klingt jetzt erst mal, als hätte er eine sehr gute Zeit im Knast gehabt. Hatte er. Ich meine, wenn man weiterhin Königreiche vergibt, nachdem er fürs Königreiche vergeben in den Knast gekommen ist, hat man offensichtlich seine Lektion nicht gelernt. Und es konnte natürlich auch nie ewig gut gehen. Im Spätsommer 1666 erreicht
ein Fremder die Festung Gallipoli. Sein Name? Nehemia Hakonin. Hakohen. Ich musste ja auch immer, wenn ich den Namen gelesen habe, die ganze Zeit an Dune denken. Der Charakter aus Dune erreicht jetzt die Festung Gallipoli. Er ist ein polnischer Kaballist, gesandt von den polnischen jüdischen Gemeinden, die wissen wollen, ist dieser Mann wirklich der Messias? Fact -Checker für weite Teile Osteuropas kommt quasi an als abgesandter und als Experte und Nehemiah ist nicht einfach nur ein Kritiker, sondern eben selbst der gebildete Kabbalist, hat eigene messianische Spekulation entwickelt, kennt die Texte, auf die sich Nathan von Gaza bezieht und so weiter, er kennt die Grundlagen und die polnischen Gemeinden haben
deswegen auch ihn ausgewählt, weil er eben theologisch auf Augenhöhe prüfen kann. Das Gespräch, wir kennen Fragmente aus verschiedenen Zeugenberichten, verläuft desaströs. Nehemia bringt eine klassische eschatologische Frage auf den Tisch. Nach traditioneller jüdischer Lehre soll dem Messias Ben David, dem königlichen Messias, ein Messias Ben Joseph vorausgehen, der leidet und stirbt. Erst dann kommt der eigentliche Erlöser. Nehemia fragt, wer ist der Messias Ben Joseph in deiner Theologie? Wo ist sein Tod, wo ist sein Leiden? Schabbatai hat keine befriedigende Antwort. Er improvisiert und das macht Nehemiah zunehmend wütend. Das Gespräch zieht sich über Tage hin. Schabbatai Anhänger beschuldigt Nehemiah.
Nehemiah beschuldigt Schabbatai. Nach einer Darstellung planen einige Sabbazianer Nehemiah sogar zu töten um die kritische Stimme zum Schweigen zu bringen. Nehemiah ahnt die Gefahr für sein Leben und flieht. Aber er flieht nicht irgendwohin, sondern er flieht nach Konstantinopel und dort konvertiert er scheinbar zum Islam, die einzige Möglichkeit eine Audienz bei wasmatischen Regierungsvertretern zu bekommen. Er ist flexibel und er will gehört werden und er wird nicht vor ein, zwei, drei kleinen Konvertierungen stoppen, nur um hier sich hinten anzustellen in der Schlange. Und dann meldet er nach seiner Konvertierung, in Gallipoli sitzt eben ein Jude, der behauptet, dem Sultan die Krone abzunehmen. Also jetzt kommt
es tatsächlich auch nochmal an. von einem Konvertiten, der gerade nur um das mitzuteilen und wahrscheinlich die Gefahr für die anderen jüdischen Gemeinden abzuwenden, die daran glauben, statt einzigen Ausweg gesehen hat, zu sagen, naja, wenn ich snitschen will, dann muss ich auch gehört werden, dann muss ich konvertieren, umgehört werden, aber er snitscht. Und das ist einer der entscheidendsten Momente, weil der Stadtkommandant dann den Sultan informiert und Sultan Mehmet, der vierte zu dieser Zeit eben junger ambitionierter Mann ist und er betreibt eine Politik, die man heute Islamisierung von oben nennen würde. Die Vorstellung, einen selbsternannten jüdischen König in seinen Dardanellen zu dulden, ist ihm ein Greul und deswegen wird
Shabbatai nach Adrianople, dem heutigen Edirne, gebracht. Und am 16. September 1666, im großen Jahr der Apokalypse tritt er vor den Sultanen. Die Szene ist überliefert durch zwei unabhängige Quellen, durch den Osmanischen Hofkronisten Abdi Pasha auf der einen Seite und den englischen Diplomaten Sir Paul Rico, der zu dieser Zeit Konsul ins Myrna war. Und damit haben wir eine ganz gute Perspektive von zwei Seiten darauf, was wahrscheinlich wirklich abgeging. Sultan Mehmed IV. sitzt, so die Überlieferung, hinter einem Vorhang. Er will sehen, aber nicht gesehen werden. Schabbatai wird hereingeführt. Die Fragen beginnen. Bist du der Messias? Schabbatai, offenbar in einer depressiven Phase und nicht in manischem
Ruchgefühl, verneint. Er sei nur ein einfacher Rabbiner. Der Sultan verlangt ein Wunder. Schabbatai kann keines liefern. Die Optionen werden daraufhin klar formuliert. Erstens, ein Gottesurteil. Bogenschützen schießen auf ihn und wenn Gott ihn rettet, ist er göttlich bevollmächtigt. Zweitens, Tod durch Pfählung. Drittens, Konversion zum Islam. Shabbatai wählt die dritte Option. Er setzt den jüdischen Hut ab und den weißen osmanischen Turban auf.
Er spricht die Shahada, das islamische Glaubensbekenntnis, und nimmt den Namen Asis Mehmet Effendi an. Der Sultan ist zufrieden. Er gibt Shabatai eine kleine staatliche Pension. Spätere Darstellungen entgegen einer weit verbreiteten Legende haben ihn nicht zum Kapiçi Bashi, zum obersten Zörtner des Palastes ernannt. Das hat der türkische Historiker Erhan Afyonchu archivgestützt widerlegt. Er bekommt schlicht ein staatliches Ruhegeld. Auch Sarah konvertiert übrigens. Sie nimmt den Namen Fatima Kadin an. Das Paar verschwindet vorübergehend aus dem Licht der Öffentlichkeit. Also, ich muss dir jetzt mal vorstellen, der Messias, für den irgendwie die Hälfte der europäischen Juden ihre Koffer gepackt haben, um fürs Ende der Zeit ins
Heilige Land zu reisen, ist konvertiert zum Islam. What the hell? Also das ist tatsächlich, als wäre Jesus quasi doch noch, statt gekreuzigt zu werden, lieber zum römischen, keine Ahnung, Politismus konvertiert oder so. Das ist ja die Ultimative. Wenn ein Messias eins nicht darf, dann statt mit mehr Tyre tot zu sterben, zu konvertieren.
Das geht nicht. Das ist das Delegitimisierendste. Wobei natürlich die drei Optionen von Pfeilen durch Löcher und Gepfälte oder halt zu konvertieren. Ich hätte auch konvertiert in dieser Lage. Vor allem wenn ich gerade in der depressiven Phase bin und sowieso alles scheiße wirkt. Klar, hätte er ihn in einer anderen Phase erwischt, wäre es anders ausgegangen wahrscheinlich. Dann hätten wir vielleicht den glorreichen Märtyrertod von Shabbat -al -Zwi erlebt. Aber das wurde seinen Anhängern leider nicht gegönnt. Diese Chance.
Dieses Glück, dass der Messias stirbt. Stattdessen braucht die Nachricht Wochen, um Europa zu erreichen. Und in Amsterdam, Hamburg und Frankfurt erfährt man dann zwischen dem Oktober 1666 und dem Januar 1667 von der Katastrophe. Und die Reaktion ist, Glückl beschreibt es auch in ihren Memoiren, zunächst völliger Unglaube, dann Schweigen und dann tiefe, tiefe Scham. Weil, kennt ihr das Gefühl, wenn ihr gescampt wurdet, wenn ihr Geld verloren habt, weil ihr nicht gesehen habt, dass die Website offensichtlich keine echten Produkte verkauft, wenn ihr Geld verliert, weil ihr irgendjemandem Zugangsdaten gegeben habt, die ihr nicht geben sollen. Also das Internet ist ja heute voller Betrugs... Mechanismen und Betrugsmuster. Genau
so müssen sie sich gefühlt haben, nur viel, viel schlimmer, weil die haben nicht 50 Euro verloren hier, sondern so ein bisschen ihre Glaubwürdigkeit in ihre religiöse Deutung. Wenn die ganzen Autoritäten, wenn die ganzen Eliten, wenn die ganzen Führer der Gemeinden da mitgegangen sind und sich das jetzt alles so derart schnell in Luft aufgelöst hat, was sagt es dann über die Glaubwürdigkeit unserer religiösen Autoritäten aus? Also unglaublich peinlich. Was machst du mit einem christlichen Nachbarn, der mitbekommen hat, dass du das eingepökelte Fleiß seit zwei Jahren bereit hast und schon das irgendwie nach Süddeutschland hast schiffen lassen? Wie guckst du dem das nächste Mal in die Augen, wenn der kommt und sagt, und euer
Messias ist doch jetzt ein Moslem geworden? Wie läuft's? Also, ja, unangenehm, unangenehm. Man kann das, versetzt euch da mal emotional rein. Irch, wirklich. Kein gutes Gefühl. Tja, und endet die Geschichte hier? Natürlich immer noch nicht. Denn hier beginnt mit der Katastrophe, wie so oft, die theologisch faszinierende Wendung der ganzen Geschichte. Nämlich für Nathan von Gaza und für eine erstaunlich große Zahl von Anhängern verändert die Apostasie das Konvertieren nichts.
Sie bestätigt alles. Das ist das Tolle mit Religion. Making this shit up as we go kann man alles mit einbauen in die Geschichte. Natans Argumentation ist kühn bis hin zur Dreistigkeit, gerade weil der Messias in das Unreine hinabgestiegen ist. Irritivste Niederung der Klippert, der dunklen Schalen des Bösen in der Lurianischen Charasmologie, gerade deshalb sei er der wahre Messias. Er müsse in die Finsternis um die letzten heiligen Funken aus den Tiefen des Bösen zu erretten. Die Konversion zum Islam sei kein Versagen. Sie sei der Tiefpunkt des messianischen Leidens, aus dem erst die endgültige Erlösung ihn emportauchen lassen werde. So. Und das klingt natürlich nach einer theologischen Art Toc -Rechtfertigung aller Christentum. Scheiße,
Jesus ist tot. Was machen wir denn jetzt? Und das ist es wahrscheinlich auch. Aber es ist zugleich eine kohärente theologische Konstruktion, die direkt aus der Lurianischen Kaballe erfolgt. Wenn Funken des Heiligen in alle Bereiche des Unreinen verstreut sind und erlöst werden müssen, warum nicht auch die dunkelsten Winkel der Heidenschaft?
Wer, wenn nicht der Messias, könnte dorthin gehen und das quasi durchstehen? Gershom Scholem hat auf die frappierenden Parallelen zum frühen Christentum hingewiesen. Also der leitende Messias Das paradoxe Glaubensbekenntnis, gerade weil er gestorben ist bzw. konversiert, ist der der Messias und Christentum der Tod. Hier die Konversion, der Antinomianismus, die Erlösung der Sünden. Die Trinität, die bei Abraham Miguel Cardoso, einem Neukristen aus Spanien, der zum Judentum zurückgekehrt war und der die ganze Bewegung dann weitergeführt hat, auch explizit auftaucht. Das heißt, wir haben ja auch teilweise führende Leute wie Kurt Cardoso, die jüdisch geboren wurden, dann zwangskonvertiert wurden zum Christentum, dann zu einer Art messianischen
Judentum zurückkehren, aber Teile von ihren Theologien aus dem Christentum mitnehmen und reintegrieren. auch ein spannender Weg wie Ideen. Sie hat jahrelang im christlichen Kloster leben müssen. Was glaubst du, was sie da an Bildung mit erfahren hat, außer christlicher Theologie? Da ging es ja um die Rettung ihrer Seele die ganze Zeit. Und dass das irgendwie dann Spuren hinterlässt, wenn man das vielleicht integriert, kein Wunder. Und das ist auch keine oberflächliche Analogie, sondern das ist wirklich eine strukturelle Ähnlichkeit, die da zwei messianische Krisen gemeinhaben, obwohl die 1600 Jahre auseinanderliegen. Shabbatai selbst lebt noch 10 Jahre nach der Apostasie.
Er ist nach außen hin Moslem. Er besucht die Moschee, er rezitiert den Koran und er bricht gleichzeitig weiter jüdische und muslimische Gesetze nach Belieben. Ich meine, wenn man das davor mit Judentum nicht so ernst genommen hat, kennt man das Regelbrechen schon ganz gut. Er empfängt heimlich jüdische Anhänger, er singt hebräische Psalmen, er praktiziert weiterhin kapalistische Riten. Die Osmanischen Behörden beobachten das. Gewisse Toleranz gibt es, aber auch als Schabbatai mit jüdischen Gläubigen öffentlich Psalmen singt, wird es den Behörden zu bunt.
Seine erste Verbannung nach Konstantinopel. Die zweite Verbannung, als er dort wieder mit Juden Psalmen singt, er kann das Psalmen -Singen einfach nicht lassen. Nach Dulcigno, dem heutigen Ulcinj in Montenegro, also wirklich die letzte Hinterland. des Osmanischen Reiches. Wenn die dich loshaben wollten, haben sie dich nach Albanien und Montenegro geschickt. So einmal hinter die Berge, Griechenland über die Berge, da hörst du nie wieder von dem, das war so das Abstellgleis. Und dort in Osmanischen Sibirien an der Atriarküste, fand ich schön, das Osmanische Sibirien, weil die Leute hier verbannt werden, aber ist natürlich, also Ich werde tausendmal lieber nach Montenegro verbanden, wie nach Sibirien. Also verband mich bitte mal
im Alter nach Montenegro, da kann ich in Ruhe irgendwo auf Fluss sitzen und irgendwie angeln. Bin ich glaube ich zufrieden mit. Und so geht es auch Schabbatai am Ende. Der stirbt dann dort am Yom Kippur 1676 allein in der Verbannung. Sarah ist bereits einige Jahre vor ihm gestorben. Das Paar hat es sich außerdem 1671 bereits scheiden lassen. und sofort wiedergeheiratet. Eines jener seltsamen Rituale, die ihr Leben prägten. Also es ist alles extrem modern auf eine Art, das kommt mir alles so zeitlos vor. Nathan von Gaza, der nie aufgehört hatte an Schapatei zu glauben, reist nach dessen Tod durch Italien und Griechenland und stirbt 1680 auch nicht weit weg in Mazedonien.
Das Grab Schapateis in Ulcinj existiert bis heute, ein kleines, fast vergessenes Denkmal in einer muslimischen Stadt in einem Land, das es zu Schabbatais Zeiten noch nicht gab. Jährlich pilgern einige wenige Menschen dorthin, vielleicht auch ihr bald. Einige davon Dönme aus der Türkei, deren Gemeinschaft eigentlich fast vergessen wurde, aber doch noch im Geheimen, auch oft bis in die Gegenwart existiert. Und deswegen müssen wir kurz über noch zum Abschluss über das Erbe. des ganzen Reden. Die eben erwähnten Dönme, den Frankismus und die Moderne. Denn, wir haben es jetzt schon gesagt, die Bewegung endet nicht mit Schapateis Tod und auch nicht mit dem Tod von Nathan von Gaza. Das ist nach der ganzen anderen Geschichte
hier davor das eigentlich Unglaubliche. Denn in der Türkei bildet sich aus den Gläubigen, die mit Schapatei konvertiert waren, noch eine eigene Gemeinschaft. Die Dönme. Salonika wird ihr Zentrum. Und sie sind nach außen hin Muslime, nach innen hin aber sapazianische Kavalisten mit dem eigenen Kalender, eigenen Festen, eigenen Hochzeitsfrieden. Sie heiraten ausschließlich innerhalb der Gruppe oder haben das immer so gemacht, weil man die Geheimnisse, die hinter der Fassade bestehen, natürlich vor der Mehrheitsgesellschaft schützen muss und das ist sicher auch ... wenn man nur andere Leute heiratet, die eben das gleiche System haben. Und dann, obwohl die Alters - bis ins 20. Jahrhundert fortführen, gibt es eine
große Wendung. Als das Osmanische Reich im 20. Jahrhundert in die Krise gerät und die Jungtürken 1908 die Revolution vorantreiben, die zur modernen, säkulären, mehr oder weniger mittlerweile säkulären Republik Türkei führt, sind unter den Jungtürken prominent auch die Dönme. nicht als religiöse Juden oder Sabbatianer, sondern als Säkuläre, als Träger eines säkulären Modernisierungsprojektes, das aus einer sektiererisch -sabbatianistischen Tradition hervorgegangen ist. Dazu schreibt Jonathan Garp in A History of Kabbalah folgendes. die die Türkei im frühen 20. Jahrhundert säkularisierte.
In Nordeuropa führte der Weg der Bewegung in deutlich dunklere Gefühle. Hier entwickelte sich im 18. Jahrhundert der Frankismus. Die messianische Sekte um Jakob Frank, der sich selbst zum Nachfolger Schaperteis erklärte. Frank wird die antinomische Tendenz ins Radikale zu treiben. Er wird zur Konversion zum Katholizismus auffordern. Er wird seine eigene Tochter Eva zum göttlichen Gestalt erklären. Er wird unter anderem die Ritualmordlegende als wahr erklären, um mit seinen christlichen Verbündeten nach der Konvertierung gegen die anderen Juden vorzugeben. Aber das ist die Geschichte der nächsten Episode. Scholem hat über all das hinaus eine noch weitreichende These in seinem Buch gewagt. Er argumentiert, dass der sabbatianische
Zusammenbruch der traditionellen jüdischen Ordnung etwas in der jüdischen Welt freigesetzt hat. dieser Schock des falschen Messias, was sich später und die kommenden Jahrhunderte in verschiedenen Gestalten zeigen wird. In der Haskala, der jüdischen Aufklärung, die eine neue, nicht jüdische Identität suchte. Im frühen Chasidismus, der eine neue, unmittelbare Gottesbeziehung versprach. Im politischen Zionismus, der das alte messianische Heilstrama in säkulärer Form wiederbelebte. Und sogar so bemerken manche jüdische Radikale des 19. Jahrhunderts in einer rebellisch -emanzipatorischen Haltung gegenüber aller Autorität. Was auch erklärt, warum wir im frühen Kommunismus schon viele überzeugte Juden in Osteuropa haben, die jetzt hier nicht
aus einer religiösen Perspektive heraushandeln, sondern die richtig Bock auf Kommunismus haben, weil es endlich meine Ideologie ist, die eine tatsächliche Veränderung der Umstände beschreibt. während die anderen in der Synagoge die ganze Zeit versuchen kapitalistisch die Welt zu heilen, gibt dir der Kommunismus auf einmal was methodisch an die Hand, wo du sagst, jetzt kann ich die Welt wirklich verändern. Und immer nur mein Verhältnis zur Welt, oder versuchen Gott zu heilen. Und das zorgt dann natürlich für eine sehr, sehr große Anziehungskraft. Dass diese Theorien von Scholem auch kritisiert werden, muss ich nicht sagen. Es gibt auch da aktuelle Forschungen noch zu. Pavel Maciejko in The Mixed Multitude hat
da die Details noch mal präzisiert. Wenn euch das interessiert, lest da gerne mal rein. Aber eines der unbestritten Schabbatai -Zwies -Geschichte ist nicht einfach eine Rantennotiz der Geschichte und irgendwie eine dieser Geschichten, die hier manchmal im Podcast erzählen, sondern es ist... die konstitutive Krise der jüdischen Moderne.
Und von allem, was danach kommt. Und auch das Verhältnis zur Kaballa heutzutage ist noch zutiefst von diesem Schock von Shabbat -Haitzvi geprägt. Dass heutzutage oft gesagt wird, man soll Kaballa nicht vor dem 40. Lebensjahr lernen, sonst wird man verrückt, als wird so in jungen Menschen erklärt, die sich mit jüdischer Mystik auseinandersetzen wollen. Das liegt daran, dass Schabbat al -Zwi früh Kaballa gelesen hat und dann verrückt wurde.
Und dass auf die Kaballa geschoben wird, anstatt zu sagen, der hatte vielleicht schon eine gewisse Prä -Disposition. Und es gibt quasi bis heute, das Verhältnis zu Kaballa ist deutlich skeptischer, deutlich vorsichtiger seit Schabbat al -Zwi. Weil man da sehen kann, wie es schiefgehen kann, wenn man ... sich da rein vertieft, dem glaubt und dem blind folgt. Weil dann schämt man sich danach und kriegt eine ganz schöne Abreibung.
Und deswegen ist es sicherer, die Kabbala den älteren, gefestigteren Männern nur zu überlassen, die weniger wahrscheinlich sind, sich zum Messias zu erklären in den 40ern. Ich meine, Jesus hat es ja auch bekanntlich mit 30 gemacht und nur bis 33 geschafft. Also dieses in den 20ern und frühen 30ern sich nochmal zum Messias erklären, ist ja auch ein Muster, das man sehen kann. Und das sollte eben, dem sollte vorgebeugt werden.
Und zum Abschluss kehren wir nochmal zu dem verlorenen Brief vom Anfang zurück, dem Schreiben von Baruch Spinoza an Henry Oldenburg, das verschwunden ist. Wir haben den Text dieses Briefes nicht wie eingehend schon erwähnt, aber wir haben spätere Briefe von Oldenburg, in denen er auf Spinosas Antwort zurückkommt. oder Sie wahrscheinlich genau auf diese Frage überziehen. Wahrscheinlich, das ist die These des Spinoza -Forschers Steven Nadler, hat Spinoza etwas geschrieben, das jener Passage im Traktat ähnelt, dass die Wiederherstellung eines südischen Reichs historisch nicht unmöglich sei, dass er selbst aber nicht ohne sichere Bestätigung glauben wolle, darf man auf vertrauenswürdige Nachrichten warten müssen. Vertrauenswürdige
Nachrichten kamen dann und die waren desaströs. Und so endet diese Geschichte mit einer seltsamen Symmetrie. Der Mann, der in seinem Gefängnis in Gallipoli die Königreich verteilte, starb in einem vergessenen Grab in Montenegro. Der Philosoph, der auf einen Brief antwortete, hinterließ einen Schweigen, das wir nicht ausfüllen können.
Die Hamburgerin, die Fässer mit Fleisch packte, lebte weiter, wurde Geschäftsfrau, schrieb Memoiren, begrub ihren Ehemann, zog zwölf weitere Kinder groß. Das Leben ging weiter, aber die Frage blieb. Was geschieht, wenn die größte Hoffnung der Geschichte in sich zusammenbricht? Wie rechtfertigt man das Weiterleben? Wie erfindet man Religion neu, nachdem sie gescheitert ist? Und darauf antworten auf je ihre Weise die Hasidim und die Frankisten, die aufgeklärten Juden von Berlin und die frühen Zionisten von Basel. Aber das ist, wie gesagt, dann eine andere Episode, zu der wir bald kommen werden. Ein kleiner Ausblick auf Episode 4. Der Sabbatianismus geht nach 1666 unter die Erde.
Er wird zu einem Geflecht geheimer Überzeugung, dass für zwei Jahrhunderte die jüdische Welt durchziehen wird. Hexenjäger wie der Altonar Rabiner Jakob Emden entlarven vermeintliche Sabbatianer. Also ganz spannend, was dann da noch abgeht. Und der berühmte Gelehrte Jonathan Eibeschütz wird in einem jahrzehntelangen Streit verwickelt.
Und dann, in den 1754 Jahren, taucht im polnischen Podolien, ein Mann auf, der sich selbst als Reinkarnationschapatais und Nachfolger Nathan von Gasas präsentiert, nämlich der schon erwähnte Jakob Frank, ein Mann, der seine Anhänger zur Konversion zum Christentum führen wird und in seinem unveröffentlichten Buch die Worte des Herrn, die wohl nihilistischste Theologie formulieren wird, die das Judentum je hervorgebracht hat. Es geht um die Zerstörung der Welt mit kapitalistischen Mitteln. Und all das in der nächsten Folge über Jakob Frank und den Frankismus. Vielen Dank, dass ihr zugehört habt. Wenn ihr das hier gut findet, was wir machen und es unterstützen wollt, dann freuen wir uns da sehr drüber. Das könnt ihr zum einen unter
patreon .com alle Zeit der Welt machen. Ich mach den Link wie immer hier in die Beschreibung der Folge. Und da gibt es auch eine Liste von Produzentinnen und Produzenten, die uns unterstützen und die das hier möglich machen, weil sich das tatsächlich für uns generell schon sehr wenig rechnet. Und wenn es sich dann ein bisschen rechnet bei unseren Ausgaben, die wir für den Podcast haben. dann eben über unsere Unterstützerinnen und Unterstützer.
Ihr könnt auch eine YouTube Premium -Mitgliedschaft machen, wenn ihr uns vor allem auf YouTube hört. Das ist das Gleiche, da bekommt ihr auch die Folgen. Ein paar Tage früher immer, ihr bekommt Premium -Folgen. Ich poste ab und zu mal Sachen aus der Community, die mir geschickt werden oder Updates zur aktuellen Recherche. Und genau, wie jede Folge bedanken wir uns da ganz, ganz herzlich bei unseren Produzentinnen und Produzenten. der coolere Herr Fischer vom Ardennes -Gymnasium, Fanny Dietrich, Freier Stuart, Onkel Didi, Katharina, Fernando, Brigitte, Bedrosilius Zwackelmann, Spinoza369, Sylvie, Die Schmaus, Tamaro, Hermi Grobi, Sinedre Clef, Mutis Moppel, Dermadin und Panotis Chiapodus. Vielen lieben Dank. Kommt
da gerne dazu. Wir freuen uns sehr. Und ansonsten teilt es gerne. Kommentiert, liked. Schickt das an Leute, die es noch interessieren könnten. Das ist die allerbeste Werbung, die wir kriegen können. Vielen, vielen lieben Dank und bis nächste Woche oder bis in zwei Wochen genauer gesagt. Bis dann. Bis bald.