
Alle Zeit der Welt· Staffel 1· Folge 149
Kabbala in der Moderne: Vom Baal Schem Tov bis zur Verschwörungstheorie
Freitag, 19. Juni 2026 · 1 h 01
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Shownotes
Episode 5 von 5 zur Geschichte der Kabbala. Podolien, Mitte des 18. Jahrhunderts: Während Jakob Frank seine Anhänger in die Konversion führt, wandert wenige Tagesmärsche entfernt ein anderer Mann von Dorf zu Dorf. Sein Name: der Baal Schem Tov. Aus seinen Ideen wird der Chassidismus, die erfolgreichste mystische Massenbewegung des Judentums.
In dieser letzten Folge verfolgen wir die Kabbala in die Moderne: den Aufstieg des Zaddik, die Verdrängung von Frauen aus der Mystik, Gershom Scholems Lebenswerk und die absurde Welt der Kabbala-Verschwörungstheorien. Am Ende steht die Frage, die schon Isaak Luria umtrieb: Kann die Welt repariert werden?
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Kapitel
• Intro: Gershom Scholem packt seine Koffer
• Rückblick auf die Kabbala-Reihe
• Zurück nach Podolien: Der Baal Schem Tov
• Frank vs. Besht: Dieselbe Wurzel, andere Wege
• Wer war der Baal Schem Tov wirklich?
• Kabbala für alle: Die Demokratisierung der Mystik
• Der Zaddik als neuer Führungstypus
• Revolutionäre Lehren des Chassidismus
• Frauen im Chassidismus: Türen wieder geschlossen
• Nachman von Bratslav & die schmale Brücke
• Der Widerstand: Elias von Vilnius und der Cherem
• Chabad: Von Schneur Salman bis Brooklyn
• Messianische Krise: Der Tod des Rebbe 1994
• Gershom Scholem: Lebenswerk und Tragik
• Der Streit mit Martin Buber
• Rav Kook: Kabbala trifft Zionismus
• Siedlerbewegung: Tikun wird Landnahme
• Das Kabbalah Center: Kabbala als Wellness-Produkt
• Tikun Olam heute: Triumph oder Ende?
• Verschwörungstheorien: Sabbatianer regieren die Welt?
• Fazit: Kann die Welt repariert werden?
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Berlin, 1923. Ein 26 -jähriger Mathematikstudent packt seine Koffer. Er heißt Gerhard Scholem und er hat beschlossen, nach Jerusalem auszuwandern. Nicht aus religiöser Überzeugung, sondern um eine akademische Arbeit zu erledigen, die noch niemand erledigt hat. Die Geschichte der jüdischen Mystik zu schreiben. In der ganzen Welt der Wissenschaft des Judentums hat sich niemand ernsthaft um die Kabbala gekümmert. Heinrich Kretz, der große jüdische Historiker des 19. Jahrhunderts, nannte sie ein Krebsgeschwür. Die aufgeklärten Berliner Juden, Scholems Familie eingeschlossen, halten die Mystik für Aberglauben. Scholem hält sie für den Schlüssel. Sein engster Freund, Walter Benjamin, der brillanteste Kopf ihrer Generation,
erwägt mitzukommen. Er wird es nie tun. Scholem dagegen wird in Jerusalem zum größten Kabbala Forscher der Geschichte. Er wird eine These aufstellen, die bis heute diskutiert wird, dass der Hasidismus, die erfolgreichste mystische Bewegung des Judentums, ohne das Desaster des Sabbatianismus nicht denkbar gewesen wäre, dass Zerstörung und Erneuerung aus derselben Wurzel wachsen und dass diese Wurzel die lorianische Kabbalah ist, von der wir seit der ersten Episode dieser Serie erzählen. Ja, wir sind am Ende unserer fünfteiligen Reihe zum Thema Kaballe angekommen heute, Jonas. Verrückt, es ging doch alles sehr schnell. Wir nähern uns der Moderne. Oder wir sind mittendrin heute wahrscheinlich. Ja, wir
nähern uns und kommen hinein. Also wir starten noch mal da, wo wir letztes Mal waren, auch im 18. Jahrhundert und arbeiten uns dann vor. Ja, und in Episode 2 haben wir gesehen, wie Isar Gloria in Starfield das kosmische Drama der zerbrochenen Gefäße und der verstreuten Funkengottes entwarf. In Episode 3 waren wir dann mit Chappatai Tsvi unterwegs, dem Drama des falschen Messias, der die Ideen Lurias auf die Weltbühne brachte und am Ende auch an seinen eigenen Messianismus zerbrach.
In der letzten Folge, in Episode 4, haben wir uns über Jakob Frank und die Frankisten unterhalten, die das Ganze dann nach Eigenaussage und der Aussage anderer jüdischer Gemeinden in den Abgrund führten. Und jetzt fragen wir uns am Ende der Folge, wie ging es damit weiter mit diesen Ideen. Ich meine, Frank und der Frankismus waren nicht das Ende der Kaballer, genauso wenig wie Schaper 3 .2. Und wir schauen uns den gesamten Weg in die Moderne an. Es wird ein langer Weg, Jonas.
hoffentlich nicht lang, sondern kurzweilig anzuhören. Und ja, wie schon gesagt, um diese Geschichte abzuschließen, müssen wir noch mal zurück nach Podolien und Wallinien in den 1750er Jahren, Mitte des 18. Jahrhunderts, dieselbe Region, in der wir letztes Mal waren, in der auch Frank unterwegs war und seine Anhänger sammelte. Jakob Frank führte sie in die Konversion. und in den aus religiöser Perspektive gesehenen Abgrund des Katholizismus am Ende, gleichzeitig wenige Tagesmärsche entfernt, wandert ein anderer Mann von Dorf zu Dorf. Sein Name Israel Ben Elishair genannt der Baal Shem Tov, der Meister des guten Namens. Und er heilt Kranke, erzählt Geschichten.
und betet und hält Vorträge mit der Inbrunst, die seine Zeitgenossen nachträglich beeindrucken werden. Als Frank 1759 in Lemberg zum Massentaufe führt, reagiert der Bahl Schemtow. Was er sagt, ist ausschließlich in den haareografischen Sammlungen zu seinem überlieferten Wissen, dem Herr Habescht überliefert. Jonas Bitter. Ich hörte von dem Rabbiner unserer Gemeinde, dass der Bescht hinsichtlich derer, die in Lemberg konvertierten, sagte, solange das Glied verbunden ist, besteht Hoffnung auf Heilung. Aber wenn das Glied abgeschnitten wird, ist keine Reparatur mehr möglich. Jeder Mensch aus Israel ist ein Glied der Shechina. Ja, da haben wir sie wieder, die Shechina und die Hoffnung auf Heilung und all diese Motive, die uns in
unseren letzten Kaballa -Erfolgen auch begleitet haben. Die Schechina, die feminine göttliche Gegenwart, hat einen mystischen Körper in dieser Vorstellung und jeder Jude ist Glied und Teil dieses Körpers. Frankskonvertiten sind damit quasi amputierte Glieder. Der Bescht trauert. Also der Bescht ist die Kurzvariante vom Baal Schemtow. Das wird immer als der Best bezeichnet, was ich sehr schön finde und sich sehr gut sagt.
Vor allem als Süddeutscher rollt einem Best sehr gut runter. So sagen Menschen in Süddeutschland Best. Das ist der Best. Der ist der Beste. Interessanterweise gibt er die eigentliche Schuld an dieser Konversion nicht Frank in erster Linie und seinen Folgenden, seinen Anhängern, sondern den rabinischen Autoritäten seinerzeit. Er war sehr zornig auf die Rabbiner und sagte, es sei ihretwegen geschehen, denn sie hätten eigene Lügen erfunden. 150 Jahre später schrieb der junge Schmuel Josef Angon, der später den Nobelpreisträger für Literatur, einen Essay, in dem er den Best mehr oder weniger sanft korrigierte.
Wir sind nur Staub unter den Füßen dieses heiligen Mannes und doch wagen wir anderer Meinung zu sein. Frank und seine Bande waren kein Glied des Körpers Israels. Sie waren vielmehr ein krankhafter Auswuchs. Lob und Dank unseren Ärzten, die ihn rechtzeitig abschnitten, bevor er sich im Körper festsetzte. Ja, ein sehr biologischer Ansatz, sag ich erst mal hier. Da wird das Ganze, wird der Gegner der Theologische schnell zum Krebsgeschwür verdreht. Interessant fand ich, dass beide, Frank und der Best, im Endeffekt auf der gleichen Basis arbeiten. Die nutzen beide die Lurianische Kaballer.
Beide sprechen einfache Menschen an und brechen mit den rabinischen Eliten ihrer Zeit und sind deswegen auch jeder in seinem eigenen Streit mit diesen Autoritäten. Aber der eine hat mehr zerstört von Frank Vermechten ist zweifelhaft und der andere hat eben eine sehr große und lang nachhallende Bewegung aufgebaut. In der Wahrnehmung der Menschen ist der Unterschied klar, dass Frank eben derjenige, der in den tiefsten Niederungen in den Klipphort hinabsteigt und dann irgendwie dort bleibt und darauf wartet, dass es da noch einen Schritt rausgibt in der Zukunft irgendwann und der Best ist eben die Figur, die diese Funken aus der Klipphorte herausbringt nach oben in der Selbsterstellung. So wie es ursprünglich
gedacht war? Ja, wahrscheinlich. Also so ein bisschen derselbe. Grundstoff, auf den sich beide beziehen, aber eben mit anderen Auslegen, anderen Herangehensweisen. Und der Bescht und Frank waren zeitgenau in derselben Region. Es gibt keine gesicherte, direkte Bewegung, aber die Wirkungskreise sind schon sehr nah aneinander und überlappen sich auch. Einige Gelehrte wie Scholem, den wir in unserer Einführung erwähnt haben und heute noch weiter verfolgen werden, ist ein Lebensweg.
Und Liebes haben vermutet, dass der Bescht sabbatianischen Lehrer kannte, also persönlichen Kontakt hatte, unter anderem Herzl Zorev aus Vilnius, der seinerseits wieder Kontakte zu den sabbatianischen Zellen in Norditalien unterhielt. Die Trennung zwischen dem reinen Hasidismus, der auf den Bescht zurückgeht, und dem heretischen Sabbatianismus auf der anderen Seite war in der Praxis und in der Realität unter den Kabbalisten im 18. Jahrhundert nicht so scharf.
wie das spätere fasidische Geschichtsschreifer gerne darstellen dann, die sich ganz klar trennen und sagen, wir sind ja die Guten und die anderen waren die Bösen. Das war damals alles noch nicht ganz so klar abgesteckt und im Endeffekt waren das beides Bewegungen, die ja auch irgendwie gegen die rabbinische, das bestehende System irgendwie rebelliert haben, indem sie neue theologische Ansichten vertreten haben. Beide auf ihre Art und Weise sehr radikal. Denn der Best? Israel Ben Elishia, geboren 1700 wahrscheinlich, war Weiße, Hilfslehrer, Kalkgräber, also verschiedene niedere Tätigkeiten und eben Wanderheiler. Im traditionellen Sinne war er jetzt kein Talmud Gelerter, er hatte keine Karriere, also hatte
nicht irgendwie lange die Talmud studiert. Stattdessen heilt er auf so eine kabbalistisch -magische Weise. Mit Amuletten, Kräutern, Gebeten, Besprechungen, Gottes Namen. Bal Shem war kein Ehrentitel, sondern eher eine Berufsbezeichnung. Deshalb auch ein Mann, der die Kraft der göttlichen Namen kennt und sie therapeutisch einsetzt. Da sind wir wieder bei unserer Aprakadabra -Folge. Bei dem Amulett, bei dem Aussprechen von Worten, bei dem Heilen mit dem magischen Wort. Hört euch gern unsere Folge zur langen Geschichte der Zauberwörter an, die wir auch dieses Jahr aufgenommen haben.
Oder Ende letzten Jahres, ja Anfang dieses Jahres. Ja und hört euch alle Folgen von uns an und lasst euch von unseren Worten heilen. Ja, jetzt gerade, wenn wir so eine positive Note haben. Man kann uns auf patreon .com slash allezeitderwelt unterstützen. Wenn man unsere Arbeit gut findet, findet ihr auch einen Link in der Beschreibung. Und ansonsten lasst gerne ein Like da, kommentiert, teilt es mit Leuten, die es sonst noch interessieren könnte.
Wir freuen uns da sehr drüber. Okay, back to topic. Was den Best revolutionär macht und ihn von anderen Wunderheilern seiner Zeit unterscheidet? ist sein generell demokratisierender Ansatz, was die Kaballe angeht. Die Lurianischen Kavanot, die also hochkomplexen Meditationstechniken, die in Safed entwickelt wurden und die von Generation von Generation von Mystikern weitergegeben und aufeinander aufgebaut haben, wurden vom Bescht zu was Einfachem Zugänglichem gemacht, nämlich dem Dewekut, den Anhaftung an Gott. Jeder kann sie erreichen. Man muss nicht besonders gelehrt dafür sein. Man muss nicht besonders gut lesen oder schreiben können. Das kann man beim Gebet machen. Das kann man bei der Arbeit machen, beim
Essen. Das ist was Alltägliches. Man muss nicht nach Safel ziehen und zehn Jahre lang studieren, um das zu können. Und der Bescht sagt, die göttlichen Funken sind überall. In jedem Ding und in jeder Handlung. Und damit meint er jedes Ding und jede Handlung. Alle Handlungen, die ihr euch gerade vorstellen könnt. Man muss sie nur erkennen und zu dem Göttlichen erheben. Jonathan Garb, den wir immer wieder zitiert haben in unserer Reihe, das in History of Kabbalah auch so ein Grundstein für unsere, unseren Fünfteiler war, beschreibt, wie der Bescht seinen, seinen Kreis aufbaute damals. Die Bekehrung einer Reihe von Gelehrten durch den Bescht, häufig durch Demonstration seiner mystischen oder schamanischen Kräfte,
und ihre Abkehr von asketischen Regimen markierte die Gründung seines Kreises, der sich in ähnlichloser Weise aus seiner Herkunftsgruppe heraus entwickelte. Also das Gegenteil eigentlich von Franks Kompanie, von diesen Soldaten, die blind gehorchen, sondern, ja, Gelehrte, die überzeugt werden durch Demonstrationen und dann vor allem so eine Art, ja... universell in Gott gepredigt bekommen, wer in allem stecken kann. Es gibt nicht mehr diese Trennung zwischen rein und unrein. Du kannst Gott nur in den reinen Dingen finden, sondern du kannst Gott in allem finden. Hier ist es vielleicht wichtig zu erwähnen, dass der Beste selber, wie so oft bei religiösen Gründungsfiguren, kein einziges selbst verfasstes
Schriftwerk oder Schriftstück hinterlassen hat. Alles, was wir von dem Wissen sind, Schülernotizen, mündliche Überlieferungen. Es wurde vor allem auf Jidisch transkribiert zu der Zeit. Das ist wieder mal so der Fall, dass da im Endeffekt die erfolgreichste, mystische Bewegung des Judentums in der Moderne auf Hörensagen aufbaut. Wie wir das ja bei anderen Religionsgründern haben, das Problem. Deswegen ein wichtiger Vorbehalt. Es gibt neuere Forschungen, zum Beispiel ein Buch von Moshe Rossmann, Founder of Racism, von 2013, in dem er auch zeigt, dass wir eben sehr, sehr wenig über den tatsächlichen historischen Best wissen. Die meisten Geschichten über ihn stammen aus der eben schon genannten Schifche Habescht,
so einer hagiografischen Sammlung, die erst eine Generation nach seinem Tod zusammengestellt wurde. Die Princeton -Gruppe unter David Beier argumentierte in ihrer monumentalen neuen Geschichte des Hasidismus von 2018, der Becht habe wahrscheinlich nie die Absicht gehabt, eine eigene Bewegung zu gründen.
Der Hasidismus als organisierte Bewegung entsteht erst nach seinem Tod im Jahr 1760. Und was wir den Besten nennen, ist zum guten Teil eine Rückprojektion späterer Schüler, die dann tatsächlich in der frisch gegründeten Bewegung des Hasidismus sind und eben einen mystischen Vorvater brauchen, den wir die Sache notfalls ... in den Mund legen kann, auf die man den zurückprojizieren kann, eben auch viele Dinge. Das heißt, wir haben eine bunte Mischung aus Dingen, die er vielleicht wirklich gesagt hat und Dingen, die die Schüler danach für notwendig hielten, dass er das gesagt habe. Ähnliche Probleme, wie schon erwähnt, haben wir in allen anderen Religionen, auch im Buddhismus und sonst wo. Der Einzige, der es versucht hat,
richtig zu machen, war Mani und der Manichelismus ist heute leider kein großes Ding mehr. Also die einzige Religion, wo der Religionsgründer gesagt hat, nee, das funktioniert bei den anderen wirklich nicht gut und diese ganze Sektenbildung und keiner weiß, und die streiten sich die ganze Zeit. Ich schreibe alles richtig nieder und es wurde eine Weltreligion von Südosteuropa oder vielleicht Südeuropa bis nach Westchina. Und heute haben wir ihn komplett vergessen. Manichesmus tut meine eigene Folge. Der Einzige, der versucht hat es richtig zu machen und es hat doch nicht geklappt. Was war jetzt eigentlich die zentrale Innovation des Chassidismus? Und das ist der Tzadik, Jonas. Der Tzadik. Das spricht man niemals
so aus. Nee, das ist der Tzadik. Schreibt bitte in die Kommentare, ob es Tzadik oder Tzadik heißt. Wir wollen Leute mit qualifizierten Gittischkenntnissen, bitte. Nach Möglichkeit. In der traditionellen Form des Rabbinertums war natürlich der Rabbiner der Rechtsgelehrte. derjenige, der mit Gott kommuniziert und Sachen auslegt. Dann hatten wir die andere Seite, den Kabbalisten eher einen esoterischen Mystiker statt einem Rechtsgelehrten. Rabbiner als Rechtsgelehrte deswegen, weil die im Endeffekt die aus, diejenigen sind, die das göttliche Wort auslegen und die jetzt hier an Textauslegung so und die die Gesetze Gottes vermitteln an die anderen. Und der Kabbalist eher der, der das mystisch mit mit Selbsterfahrung rechtfertigt.
Und dann gibt es den dritten Typus, der jetzt hier vom Krasidismus eingeführt wird, nämlich der gerechte Mensch, der zwischen Gott und dem einfachen Volk vermittelt. Und dieser gerechte Mensch ist der der Tzadik. In ihrem Kern steht die Wechselbeziehung zwischen dem Tzadik und den Massen, wobei letzterer Begriff ein neues modernes Bewusstsein widerspiegelt, ausgelöst durch die demografische Explosion. Ja, und diese demografische Explosion ist ganz wichtig dabei mitzudenken. Denn der Chalcedismus entsteht in dem Moment, in dem die jüdische Bevölkerung Osteuropas explodiert und die alte rabinische Struktur ab einmal nicht mehr ausreicht. Die fängt das nicht mehr auf. Wir haben tatsächlich extrem viele
junge Leute, die was wissen wollen. Und immer in Gesellschaften, wo du auch einmal sehr viele junge Leute hast und sehr wenige alte, kippt es sehr schnell. Da hat man Revolution. Da kann man was Neues starten. Wir sind leider in einer Situation, dass unsere Bevölkerungspyramide andersrum aussieht. Deswegen können wir keine Revolution machen, liebe Kinder. Das wird nichts. Also es gibt nicht mehr genug Grabiner, um das aufzufangen.
Es gibt nicht mehr genug Schulen. Es gibt nicht mehr genug Gelehrsamkeit für alle. Und der Zadik, der füllt eben diese Lücke. Er braucht keinen Abschluss. Er braucht Charisma, Gebet und die Fähigkeit. die kapalistischen Funken zu heben. Und damit geht es vielmehr darum, wie gut kann ich reden, wie gut kann ich die Aufmerksamkeit von Leuten auch für mich einnehmen, anstatt zu sagen, ich habe so und so viele Jahre unter dem und dem Lehrer studiert. Und das hat natürlich auf der anderen Seite auch eine gefährliche Seite, denn wie Garb schreibt, gibt es eindeutig aufrührerische Aspekte dieser Chalere, also was wir heute als ultraorthodox wahrnehmen würden und was sich heute als so sehr veraltet für kommt, war damals
der heiße neue Scheiß im 18. Jahrhundert in Mittel und Osteuropa. Die aufrührerischen Aspekte der chasidischen Lehre zeigen sich deutlich in Doktrinen wie dem Abstieg des Sadiq in die Kilipod, der Erhebung fremder Gedanken, ablenkender Art, einschließlich sexueller Fantasien, die einen während des Gebets überfallen, zu ihrer himmlischen Quelle. Diese Radikalisierung bestehender Themen ist ihrerseits Teil eines Ideenclusters, zu dem die Vorstellung gehört, dass das Böse nur ein Stuhl für das Gute sei. Also da geht es dann zum Beispiel ganz konkret um solche Ideen, wie was ist, wenn ich sexuelle Gedanken beim Gebet habe. Und da wurde vorher eben gesagt, du musst dich verdrängen, das ist nicht hier angebracht.
Im Chassidismus würde man eher sagen, naja, das ist ja auch Teil ein Funken Gottes. Also auch dieser Gedanke kommt ja irgendwo von Gott. Und wenn ich es schaffe, diesen Gedanken quasi zum Göttlichen zu erheben und ihn zu seiner göttlichen Ursprung gedanklich zurück zu verfolgen und mir dieser lustvolle Gedanke hilft, Gott näher zu sein oder besser mit Gott zu kommunizieren, dann ist das gut. dann ist es nichts, was man sich quasi, dessen man sich irgendwie verwehren muss.
Und das ist natürlich auf eine Art und Weise eine revolutionäre Vorstellung. Dann gab es junge Männer, die sich getroffen haben mit ihren charismatischen Führern und dann da tagelang zusammen gesungen und gefeiert und gebetet haben auf eine sehr ekstatische Art und Weise. Und wenn die dann auch noch erklären, den arabischen Autoritäten, dass wenn man, keine Ahnung. mit den sexuellen Gedanken näher zu Gott kommen kann, dann ist es schon ganz schön revolutionär in dem, was vergleicht, was man sonst vorher in Naturwasserschule gelernt hätte. Interessanterweise bleibt im Unterschied zu Frank, obwohl es große Auseinandersetzungen gibt, dieser Hasidismus innerhalb der Hallacher.
Also die werden nicht verstoßen. Die werden nicht offiziell als eine eigene Religion bezeichnet, sondern das passiert eben alles als Bewegung innerhalb des Judentums und als innerer theologischer Streit. Aber gleichzeitig gibt es da natürlich auch wie so oft eine Kierseite. Na ja, und zwar haben wir, falls ihr euch erinnert, in Episode 3 haben wir schon besprochen, wie Shabbat al Zwi den Frauen in Smyrna Befreiung versprochen hat. In Episode 4 dann war es noch mal eindrücklicher, da hat Frank seine Tochter Eva zur göttlichen Gestalt erhoben und von einem weiblichen Messias gepredigt und bei all seinen Abgründen hatte dann dieser frankistische Messianismus doch eben Räume für weibliche Spiritualität geöffnet. Ja,
der Hasidismus hat jetzt wieder geschlossen. Ada Rappaport Albert, von der haben wir auch schon mal gehört, hat die These aufgestellt, dass der Hasidismus Frauen deshalb ausgeschlossen hat, weil der sabatianische Skandal, eine tiefe Angst vor der weiblichen Spiritualität hinterlassen hat. Und diese sexuelle Freizügigkeit, die man den Sabbatianern zuschrieb, die war untrennbar mit der aktiven Rolle ihrer Frauen verbunden.
Und die vielleicht bittere Lektion daraus war dann, weibliche Spiritualität ist eine mächtige Kraft, aber sie wurde als als vorzeitig oder voreilig freigesetzt betrachtet und man muss sie jetzt wieder einsperren. Bis zu einem unbestimmten... Die sind noch nicht bereit. Also ich sage mal, der Chichina und der weiblichen Sexualität und Religiosität und so, das war schon mal kurz, aber die haben wir ja gesehen, hat nicht funktioniert bei denen. Die Welt war noch nicht bereit dafür.
Da muss man auch noch nicht warten. Da machen wir noch ein bisschen Patriarchat, Leute. Die Welt ist noch nicht bereit. Bis dann ein neuer Messias kommt, so ungefähr. Ist praktisch. Ja, also so gesehen haben oder wurden die Frauen im Hasidismus also vor allem auf ihre Körperlichkeit und ihre potenziell gefährliche Sexualität reduziert.
Der spirituelle Aspekt, der wurde gänzlich ausgeschlossen. Es wurde alles auf... Ja, ist eigentlich komisch. Wenn man so viel ans Masturbieren denkt und sowohl sexuelle Gedanken zulässt um mehr zu Gott zu finden, sollte man doch ein entspannteres Verhältnis zum anderen Geschlecht haben. Ja, dazu kam dann natürlich auch noch, dass der Sadiq, der war männlich. Das Gebet wurde, war auch männlich, also es haben Männer gebetet. Die Deextase, alles, war den Männern vorbehalten. Also was im Sabbatianismus noch eine Öffnung war, hat sich dann, wie gesagt, im Chassidismus wieder verschlossen. Wahrscheinlich ist das gerade auch der Punkt. Gerade weil der Sabbatianismus eben die Frauen einbezogen hat, hat der Chassidismus sie wieder ausgeschlossen.
Als Gegenbewegung. Ja, genau wie später gesagt wurde, man soll sich erst mal 30 oder 40 mit der Kaballa beschäftigen, um zu verhindern, dass man so messianische Charaktere wie Shabbat al Zwi hat, dass es besser ist, damit erst später anzufangen. Aus sicheren Gründen. Die Leute in der Familie sind ein bisschen gesetzter, sind weniger risikobereit und setzten sich weniger wahrscheinlich mit dem dackten Arsch auf irgendwelche Tora -Rollen, wie Shabbat al -Zwi das gemacht hat. Kleiner Callback. Die rassidische Bewegung hat sich sehr stark und schnell verbreitet. Der Enkel des Best, Nachmann von Praslav, war auch ein sehr interessanter Mensch, wie sein Urgroßvater.
Er war poet, depressiv. und gleichzeitig auch visionär. Was eine sehr spannende Kombination ist, Jonas, findest du nicht? Das ist die logischste, das ist eine absolut kohärente Kette, also das passt perfekt zusammen. Der wurde eben bekannt als Geschichtenerzähler, Märchenerzähler, Gleichniserzähler von so Geschichten aus dem jüdischen Sprachraum auch. Seine Masjott gehören zur Weltliteratur.
Warum Nachman hier wichtig ist und erwähnenswert ist, er ist einer der chassidischen Denker, der dem Abgrund am nächsten kommt ohne hineinzufallen. Sein Konzept des leeren Raumes, Chalal -Hal -Panui, ein Ort an dem Gott scheinbar nicht ist, durch den der Glaube hindurch muss, das ist lorianischer Zimzum existentiell angewendet. Und es ist das Gegenmodell zu Franks Abgrund. Nachman durchquert die Dunkelheit, aber kommt eben zurück. Seine berühmteste Lehre Die ganze Welt ist eine sehr schmale Brücke und die Hauptsache ist, sich nicht zu fürchten. Garb weist daraufhin, dass Nachmanns Geschichten auf Franz Kafka wirkten, vermittelt durch Martin Buber. Es gibt deutliche Belege für den Einfluss der Geschichten Nachmanns auf
sein Gefühl existenzieller Suche. Ebenso spiegeln seine Zürauer Aphorismen von 1917 und 18 rassistisch. rassidische Lehren über die göttliche Emannenz und damit die Scheinhaftigkeit des Bösen wieder. Und der Nachmann ist der einzige oder er Nachmann ist der einzige rassidische Rebbe. Also die haben dann so Rebbe zu Dynastien gegründet im Endeffekt, die auch weiter vererbt wurden, wo einer den Nachfolger dann hat und es gibt so eine Art wie bei der in der christlichen Kirche mit den Ja, quasi den durchgehenden Ketten bis zu Paulus oder den Aposteln scheinbar. Diese Weitergabe von Wissen von Lehrer an Schüler. Nachmann ist der einzige dieser chasidischen Rebbe, der keinen Nachfolger hatte. Also Rebbe hier jidisch für
Rabbi. Und nach seinem Tod blieben seine Anhänger die toten Chasidim, falls ihr das mal hört, die Bresloff Chasidim, die bis heute keinen lebenden Rebbe haben. Stattdessen pilgern die einmal im Jahr zum Grab in Uman, in der Ukraine, Zehntausende Anhänger, selbst während des Ukraine -Kriegs weiter. Das Ganze sorgt natürlich aber auch für einen Aufruhr. Es gibt Leute, die sich an Khazidim auch deutlich stören und die gern zurück zu einer legalistischeren Auslegung ihrer Religion wollen.
Und einer dieser Personen ist eben Eliyahu von Vilnius, der 1772 den ersten Cherem, also einen Bannspruch, einen biblischen, gegen die Hasidim erlässt. Das ist so ein bisschen wie Nefatwa. Nun glaube ich nicht so krass. Ich glaube, es geht eher darum. Es hört sich fast an wie Haram. Ja, tatsächlich. Und es ist so ein bisschen dieses, also so ein Bannspruch. gegen eine Theologie, so ein Verbanden. Und er nennt die Chassidim eben Heretiker, Pantheisten, weil sie Gott in allem sehen und da keine Abgrenzung treffen können.
Und Jugendliche Schwärmer, waren eine sehr junge Bewegung zu der Zeit. Und wie gesagt, viele junge Männer, die sich treffen und tagelang zusammen ecstatisch Zeit verbringen, ohne Frauen. Vielleicht das pantheistische Schwärmer, der der geringste Verdacht, der von den anderen gehegt wurde. Die rasidischen Gebetshäuser sollten geschlossen werden und ihre Bücher auch verbrannt. Also das hatte schon Konsequenzen. Das Paradox der Gaon, also Elio von Vinius, war selbst Kabbalist. Er kompensierte die Idrot -Texte der Zohar, entwickelte eigene Positionen innerhalb der lorianischen Tradition und er war für so oft den Rasidim eben vor, die Thora falsch auszulegen. wie sie diese Generation getäuscht haben, indem sie diese Worte
empor riefen. Das sind eure Götter Israel, jeder Stock und jeder Stein. Sie interpretieren die Tora falsch hinsichtlich des Verses, gesegnet sei der Name der Herrlichkeit Gottes von seinem Wohnort. Und ebenso hinsichtlich des Verses, du belebst alles. Der Vorwurf ist klar. Die Hasidim finden Gott in jedem Stück Holz und jedem Stein.
Das hat nichts mit Frömmigkeit zu tun, dass du aus seiner Perspektive einfach Götzendienst und am Ende muss die Polizei eingreifen und die beiden Lager davon abzuhalten, sich gegenseitig zu lynchen, wie schon beim Eibschutz, das Streit, den wir in der letzten Folge besprochen haben. Die Hasidim und ihre Gegner, die Mitnadim, prügeln sich in den Synagogen. Aber trotzdem So gab, passiert dabei was Merkenswertes. Trotz seiner Opposition gegen den Hasidismus ist es möglich, dass er Eliyahu eine positivere Haltung zum Sabbatianismus hatte und er hielt sich in jedem Fall im Eibschütz Emden -Streit zurück. Also der Hexenjäger des Hasidismus war kein Hexenjäger des Sabbatianismus und die Linien, die wir in Episode 2 verfolgen,
verlaufen, jetzt nicht gerade linig hierher. Der Feind meines Feindes ist in der Theologie nicht unbedingt mein Freund. Und es gibt da viele Unschärfen, die wir rückwirkend oft zu einfach machen, indem wir ganz klar Leute einem Lager zuordnen. Und aus dem ecstatischen Kassidismus, den wir jetzt kennengelernt haben, entwickelte dann Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts ein Mann namens Schneuer -Salmann von Jadi die Shabbat -Bewegung. Das hast du von denen schon mal gehört, Jonas. Ich kenne den Shabbat, aber nicht die Shabbat -Bewegung. Ich glaube, es heißt Shabbat. Aber auf jeden Fall ist es ein Akronym.
Es kommt nicht direkt vom Shabbat, sondern es ist ein Akronym für die Wörter für Weisheit, Verstand und Erkenntnis. die ich jetzt nicht falsch aussprechen will, also die drei obersten Sefi -Rot des Kamalistischen Baumes. Hochma Dina Da 'at. Dankeschön. Und das eben zusammengezogen ist dann Shabbat. Und der theologische Versuch, der Kern der Bewegung ist eigentlich die Idee, diese rasistische Ekstase mit ... zu einer klassischeren, thalmutischen Intellektualität zu versöhnen.
Da irgendwo so einen goldenen Mittelweg zu finden, zu sagen, auf uns zu streiten, wir machen so ein bisschen was von beiden Jungs. 1797 veröffentlicht Schnör Salmann den Tanja. Das ist ein, das ist die systematischste Hasi, doch, doch, er veröffentlicht den Tanja. Das ist, das ist ein systematischste hasidisches Werk. Es ist das, was Frank Slová Panskýr nie waren. Es ist ein geordnetes philosophisches Buch. 1798 wird er daraufhin von den zaristischen Behörden verhaftet, aufbetreibend der Mitnagdieben, die ihn der Subversion beschuldigen. Er wird freigesprochen und der 19. Tekislev wird zum rassidischen Feiertag. Das ist bis heute eine große Debatte, warum er da freigesprochen wurde.
Er wurde der zartistischen Russland verhaftet und war dann auch festungshaft auf irgendeiner Insel und kam dann überraschenderweise wieder frei. Und deswegen ist es ein Feiertag. So, jetzt machen wir einen kleinen Schukrum. Und zwar in das Brooklyn des 20. Jahrhunderts. Dort baut der siebte Lubavitcher Rebbe Menachem Mendel Schneerson. die Shabbat -Bewegung zu einer globalen Bewegung aus. Es gibt Shabbathäuser in über 100 Ländern. Das bedeutet Kabbala im Alltag, Shabbatkerzen auf dem Times Square. Der Rebbe wird von vielen Anhängern für den wahrhaftigen Messias gehalten.
So, jetzt sind wir voll in der Moderne angekommen, denn am 12. Juni 1994 stirbt der Rebbe. wieder ohne Nachfolger. Das ist eine neue messianische Krise, die wir seit Schabbat al -Zwi kennen und die wiederholt sich. Einige Lubavitscher glauben bis heute, der Rebbe sei der Messias und dass er irgendwann zurückkehren werde. Wir warten immer noch. Und da wir jetzt in der Moderne angekommen sind und sich hier auch wieder parallel zu Schabbat al -Zwi so ein bisschen sehen und sehen also in diesen verschiedenen verzweigten, chassidischen Bewegungen und ihren lokalen Messianismus, je nach Bewegung, je nach Gruppe, gibt es natürlich auch eine politische Dimension immer. Und zum Beispiel bei der Shabbat -Bewegung ganz wichtig
zu erwähnen ist, dass die zum Beispiel letztes Jahr Besuch vom rechtsradikalen, trailischen Sicherheitsminister Itomar Ben -Gabir hatten. der ja auch in letzter Zeit in den Medien aufgefallen ist, dadurch, dass er die Gefangenen der Flotilla irgendwie da radiert hat und gefeiert hat, dass die schlecht behandelt werden und so. Ein, ja, durch und durch. Ein würdiger Mensch. Das muss man einfach so sagen. Kann man hier anders sagen.
Und er wurde da auch im Schaubad Haberhauptquartier in Crown Heights empfangen, während sich viele andere jüdische Organisationen auf Distanz geben zu ihm, aber ... Das ist durchaus auch Teil, das ist die Bodingbasis von Itamar Ben Queer. Die Stammwähler. Und bevor wir das noch ein bisschen genauer behandeln, müssen wir die Rahmenerzählung noch ein bisschen weiterführen, nämlich was mit Gershom Scholem passiert. Über den haben wir am Anfang der Folge geredet. Man hat mich jetzt ein bisschen vergessen. Wir haben von Gershom ja schon mehrere Zitate in unseren anderen Folgen auch mit eingebaut gehabt, weil er immer noch so eine große Autorität zur Geschichte der Kabbala darstellt und so der Fixpunkt, an dem sich dann
die anderen Autoren alle abarbeiten. Ja, Gershom Sholem, geboren 1897 in Berlin, gestorben 1982 in Jerusalem, war Sohn einer assimilierten deutsch jüdischen Familie. Gut integriert, würde man heute total sagen. Er wird dann Zionist. Gegen den Willen des Vaters, was ihn auch ein bisschen zu ärgern, lernt Hebräisch als Akt der Rebellion.
Und ihn verbindet eine enge Freundschaft mit einem Schriftsteller, den ich sehr gern mag. Du hast auch schon was von ihm gelesen. Walter Benjamin. Wie eingangs schon erwähnt. Dem er in Jerusalem auch Zuflucht anbietet. Aber Benjamin zögert und zögert. wie der gute Mann das so macht, den ihr das Passagenwerk mal gelesen habt, dann wisst ihr, wenn ihr ihn liest, habt ihr den Eindruck, er zögert über Seiten, aber was er literarisch dann am Ende eben doch immer auf den Punkt gebracht hat, war teilweise nicht so entscheidungsfreudig.
1941 hält Scholem in Hildastruck Lectures, 1941 hält Scholem in New York die Hildastruck Lectures. Und daraus wird Major Trends in Jewish Mysticism das Buch, das die Kabbala -Forschung im Endeffekt im Moderne begründet, die sekuläre wissenschaftliche Auseinandersetzung mit jüdischer Mystik. Und seine Hauptthese, die gesamte Vorlesungsreihe durchzieht damals in auch das Buch, ist folgende.
Der Sabbatianismus muss als die bedeutendste messianische Bewegung im Judentum seit der Zerstörung des zweiten Tempels angesehen werden. Also er sagt im Endeffekt, seit der Gründung des rabinischen Judentums gab es keine größere Revolution mehr. Und das wird im Endeffekt, ja, nicht so, wurde bis dahin nicht so gesehen und wurde immer so als so kleine, komische, anekdotische Apartheiz wie und so in der Geschichte abgetan. Aber für Scholem hatte das sehr, sehr weitreichende Folgen auf die gesamte Religion. oder gerade deswegen, weil es so geendet ist, wie es endete. Die sabbatianische Bewegung muss als der Fall einer mystischen Idee angesehen werden, die direkt zur Desintegration des orthodoxen Judentums der Gläubigen führte.
Für den Historiker kann der Sabbatianismus als Beispiel einer apokalyptischen Bewegung dienen, die die radikalsten Schlussfolgerungen aus ihren geistigen Premissen zog. Ja, das ist wahrscheinlich so die weitreichendste und auch damit umstrittenste These von ihm. Schulm argumentierte, dass aus dieser sapatianisch -frankistischen Zerstörung der traditionellen jüdischen Ordnung alles das hervorwuchs, was die jüdische Moderne ausmacht.
Die Haskala, also die jüdische Aufklärung, der Hasidismus und der Zionismus. Und mit dieser Idee folgt nicht jeder ihm. Da gab es durchaus viele Debatten drüber. Moshe Idel hat in seinen Schriften zum Beispiel die sapatianische Genealogie des Chasidismus relativiert, um zu zeigen, dass es vielleicht zu ähnlichen Zeit und Parallel entstanden ist, aber es ist nicht so eindeutig klar, inwiefern diese große Eklise des Sapatianismus dazu geführt hat, dass der Bestürz unterwegs war. Maciejko hat die Details präzisiert, die Scholem auf tausend Seiten ausgelegt hat, hat dann Maciejko nochmal auf 500 Seiten nachpräzisiert und nachjustiert. Aber die Grundintuition bleibt schon irgendwie bestehen. Also ohne die Lurianische
Kabbala kein Zapatianismus und ohne den Zapatianismus kein Rassidismus und ohne den Rassidismus kein jüdisches Osteuropa wie wir es kennen. Das ist so ein bisschen die Grundlinie, die dann in den Details durchaus mal diskutabel ist, aber so einen großen, ja, hat sich diese These schon auch gehalten. Ganz spannend ist, wenn wir uns Gershon Scholems Leben anschauen, sein Streit mit Martin Buber. Buber, sagt ihr was? Wie viel haben wir nicht auch zitiert heute schon? Es war ein Philosoph gewesen, der eben auch so in einem weiteren Kreis jüdische Geschichten, Mystik und kabbalistische Mystik irgendwie näher gebracht haben, aber eben auf so einer historisierenden Ebene eher. Und das war so der große Streit zwischen
den beiden. Inwieweit muss man Mystik nachfühlen oder inwieweit muss man sie historisieren, um sie begreifen zu können, um sie bearbeiten zu können als Thema. und daraus ergibt sie auch so ein bisschen Schulungspersönliche Tragik, denn er rettet die Kaballer auf eine Art und Weise ja dadurch, dass er gerade er sie historisiert, obwohl er das mit Buba diskutiert hat so stark.
Aber diese Historisierung ist eben auch eine gewisse Neutralisierung aus der lebendigen Mystik wird Gegenstand der Analyse und in einem Brief an Salman Schocken beschrieb Scholems eigenes Dilemma, die Forschung müsse der Kaballer eine Tür zur Moderne öffnen, ohne sie dabei zu töten. Scholem und Benjamin tauschten über Jahrzehnte Briefe aus. Benjamin, der Marxist und Messianist, erwägte mehrfach nach Jerusalem zu kommen, aber die Nazis kamen und dann wurde sein ewiges Zögern am Ende tödlich, weil als er 1940 dann versuchte, von Frankreich nach Spanien zu fliehen, stirbt er an der Grenze. Und ich glaube, es war so, dass der Grenzübergang, weil der Judi war, verweigert wurde und er Selbstmord begangen hat. Habe ich
das richtig in Erinnerung. Ich weiß es gerade nicht. Nichts über die Umstände zu seinem Tod. Korrigiert bitte mein beschränktes Wissen über Walter Benjamin's Tod. Wir haben es vor kurzem irgendwo mal besprochen. Mein Gehirn, Jonas. Es ist zu voll mit Dingen. Oder zu leer. oder zu klein für die Dinge, die ich reinstopf, man weiß es nicht. Was ganz interessant ist in ihrem Verhältnis ist das nach Benjamins Tod, Scholem seine Schriften aufbewahrte und dann für den er in der Publikation sorgte nach dessen Tod.
In gewisser Weise war Scholem dafür für Benjamins Werk sowas, was Nathan von Gaza für Chabatai Zwi wurde oder sein wollte auch, der den Nachlass des Propheten verwaltet. Und das deutet im Endeffekt an der Publikation Arbeit. Aber so viel zu unserer kleinen Rahmengeschichte und jetzt zu weniger schönen Themen. Ja. Und wenn es um weniger schöne Dinge geht, dann müssen wir natürlich ins 20.
Jahrhundert zurück. Ja, wir schauen uns mal Abraham Isaac Cook an. Der war erster Ashkenazischer Oberrabiner des britischen Mandatsgebiets Palästina. Und der hat Kaballa und Zionismus. miteinander verbunden. Und er sagt eben, dass auch die säkularen Zionisten unbewusst einen göttlichen Plan erfüllen.
Auch die Kibbutznicks, die am Schabbat arbeiten und keinen Kopf kennen, heben göttliche Funken. Also die lorianische Figur des Tikun wird zur theologischen Grundlage des nationalen Projekts. Und hier lohnt es sich jetzt auch mal genauer hinzuschauen, denn das gängige Bild trügt. Man erzählt die Geschichte gern als Tragödie vom milden Vater und vom radikalen Sohn, also der weise, tolerante Rav Kuck, dessen Erbe erst der Sohn verzehrt habe. Der Historiker Alan Nedler, Professor für jüdische Studien emeritiert, hat dieses Bild im Januar 2025 allerdings frontal angegriffen, in einem Aufsatz mit dem Titel Vater des militanten messianischen Zionismus. Und nattlos Punkt ist der. Schon der Vater war religiös wie
politisch, eben alles andere als liberal. Cook habe sich gegen Frauenwahlrecht, gegen co -edukativen Unterricht, also den Unterricht von Jungs und Mädels zusammen im gleichen Klassenzimmer, und gegen die pragmatische herzennahe Misrachiströmung gestellt. der man ihnen fälschlich zuordnet. Und dieses romantisierte, aufpolierte Cook -Bild, das manche liberalen, religiösen Zionisten heute pflegen, sei deshalb nicht bloß fehlgeleitet, sondern gefährlich für Israels Überleben als anständige und demokratische Nation. Ja, denn nach dem Sextagekrieg 1967 radikalisiert der Sohn Zvi Yehuda Cook dieses Erbes eines Vaters.
Er schreibt, dass Bestiordanland sei heiliges Land, das nicht zurückgegeben werden dürfe. Gush Emunim, die Siedlerbewegung, baut auf genau diesem ideologischen Fundament dann auf. Zvi Yehuda formulierte es mit brutaler Klarheit sinngemäß, jeder Jude, der einwandert, jeder Baum, der gepflanzt wird, jeder Soldat der israelischen Armee sei buchstäblich eine weitere Stufe im Prozess der Erlösung. Aus Theologie wird ein Bauprogramm.
Tja, da müssen wir kurz innehalten. Was die Siedlerbewegung da als Erfüllung göttlicher Verheißung versteht, ist nach dem ganz überwiegenden Stand des Völkerrechts ein fortgesetzter Rechtsbruch. Das ist nicht irgendwie meine Meinung, sondern das ist sehr gut dokumentiert. Da passiert was ganz, aha, also diese Lurianische Kaballa, die bei Luria ein kosmisches Drama der Reparatur war, wird bei den Siedlern zur theologischen Rechtfertigung von territorialer Expansion. Das Tikkun, die Reparatur der Welt, wird zu Tikkun Landnahme.
Und aus der universellen Mystik wird es so ein ganz... ...partikulärer Nationalismus. Und ihr wisst alle, was wir in diesem Podcast von Nationalism enthalten. Wir sind keine Fans. Keine Fans. Ja und Scholem selber, der Sekulärreationist, selber auch mit den Sätzen betrachtet, dass da lorianische Ideen und auch kabbalistische Ideen im Endeffekt dazu benutzt werden, um Menschen zu vertreiben.
Umzubrengen. Umzubrengen. Um zu ermorden. Ja. dieselbe Energie, die im Endeffekt schon mal da jetzt wie in die Katastrophe geführt, treibt dann eine politische Bewegung an, die im Namen Gottes eben Fakten auf dem Boden schafft. Mit Waffen und Gewalt. Und das passiert, wenn man mystische Systeme, wie das Luch eben aufhört, in diesem mystischen Rahmen zu verorten und auch einmal anfängt auf der Landkarte einzuzeichnen, wo genau die Mystik stattfindet. Hier. Bis dahin muss sich damals die Welt repakiert. Geopolitik bewaffnet mit göttlicher Gewissheit, das hat die Moderne gezeigt, ist keine gute Kombination und führt zu sehr viel Leid. Schief wir jetzt doch leider heute wieder sehen. Nicht nur in
Palästina, auch anderswo auf der Welt. Auf der ganzen Welt, ja. Die gesamte Reihe, die wir jetzt so gemacht haben, Wenn diese messianische Energie aus diesem mythischen Kontext ausbricht und die Leute anfangen, echte Weltreiche zu vergeben, wie Schabbatels wie, dann wird es problematisch. Und genauso ist es bei dieser Siedlerbewegung.
Hört auf, Gott und Mystik als Rechtfertigung für eure politischen Interessen zu nehmen. Schon funktioniert das nicht. Aber es funktioniert immer noch. Es funktioniert immer noch weiter. Ja, und am ganz anderen Ende dieses Spektrums gibt es dann noch das... Absurde andere Gegenteile, nämlich das Kabalas Center von Philip Burke, was wir auch schon angesprochen hatten, der 1929 als Schrager Berger in Brooklyn geboren wurde und dann in den 1980er Jahren eben eine Organisation begründet, die ganz ähnlich wie der Bescht auch Kaballa für jedermann zugänglich macht. Nur eben über rote Fäden am Handgelenk, die man sich teuer kaufen muss. Kaballawasser. Madonna, Demi Moore, Ashton Kutcher werden Mitglieder. Und da wird
Kaballa eben zu so einem typisch westlichen Venice Produkt gemacht. Auf der einen Seite kann man das als Demokratisierung lesen. Best hat die Kaballa, der für einfache Juden in Osteuropa geöffnet. Berg öffnet sie für jedermann. Unabhängig von Religion, Geschlecht oder Hebräischkenntnissen, solange sie genug Geld haben. Das ist quasi der Paulus der Kaballabewegung. der die innerjüdische Bewegung zu den Nicht -Juden bringt. Ich vergleiche Leute so oft mit Paulus in diesem Podcast. Ich habe die Vermutung, dass manche Hörerinnen und Hörer das für ein Kompliment halten. Ich bin kein Fan von Paulus. Das muss ich dazu eigentlich immer als so kleinen Asterix anfügen. Auf der anderen Seite kann man das Ganze natürlich auch
als Banalisierung lesen. Eine 800 Jahre alte mystische Tradition wird auf Armbänder und Selbsthilfeseminare und Bücher reduziert. kauf dir diese Kassetten und du wirst erleuchtet. Gleichzeitig dieses Tickun -Ulam, diese Reparatur der Welt, ist heute ein sehr, vielleicht der am häufigsten zitierte Begriff der kabbalistisch -jüdischen Welt. Er steht auf Plakaten bei Demos, wird in Synagogen Newslettern verwendet, in Reden bei den Vereinten Nationen. Die meisten, die ihn verwenden, wissen nicht, dass er unbedingt aus der lorianischen Kabbala stimmt, stammt, weil das mittlerweile schon so ein gängiger, ein geflügeltes Wort ist.
Und die Frage ist, ist es der Triumph der Kaballer, dass die Ideen und so weit quasi in den Alltagsgebrauch aufgegangen sind? Oder ist es ihr Ende, weil sie im Endeffekt auf verschiedene Wege ins Extreme geführt wurde? Es gibt noch eine dritte Nachwirkung, die wir unbedingt besprechen wollen, sonst wäre sie unser Podcast. Das sind, ja... die Verschwörungstheorien über die Sabbatianer und die Frankisten, die einem online begegnen, wenn man zu dem Thema was suchst. Und das ist sehr beunruhigend. Jonas, bitte. Seit ungefähr seit den 2000er Jahren gibt es in den Randgebieten des Internets die Theorie, dass der Sabbatianismus und Frankismus als geheime Weltverschwörung deutet und die These ist eben,
dass diese sabbatianisch -frankistischen Sekten nie verschwunden seien, dass sie im Verborgenen weiter operieren unter wechselnden Masken und dass sie eben heute die Regierungen kontrollieren, die Finanzmärkte, religiöse Institutionen und die Unterhaltungsindustrie Hollywood und so weiter. Das Gute ist allerdings, dass der Ursprung dieser Theorie identifizierbar ist. Und zwar veröffentlichte der orthodoxe Rabbiner Marvin Antelmann ein Buch mit dem Titel To Eliminate the Opiate 1974, in dem er behauptete Kommunismus, Reformjudentum, die Haskala, die Rotschilds, die Illuminaten und die französischen Jakubiner seien allesamt Ableger des Sabbatianismus und Frankismus. Also es war eine typische Mita -Verschwörungstheorie,
wie wir die bei QA men und anderen. Wir haben ja auch bei der Freimaurerei uns mit den Ursprüngen der Ideen über die Freimaurer unterhalten, wo die herkommen, von welchen Autoren. Und all das wird jetzt hier quasi von diesem ultraorthodoxen Rabbiner aufgenommen und weiterverarbeitet und weiterverwuschtet. All das, was über die Jacobiner und die Freimaurer und ihre Illuminaten unsere Illuminatenfolgen, können wir euch auch empfehlen, so bis dahin geschrieben wurde, fließt jetzt hier alles in eine Meta -Erzählung, wo er sagt, das stimmt alles, aber eigentlich waren es tatsächlich im Hintergrund die Sabbatianisten und die Frankisten, die sich all das ausgedacht haben, um die Welt zu kontrollieren. Ja, Gershorm Scholem, dessen
Forschung von Antwilmann sehr gerne und sehr oft zitiert wurde, es soll laut dem Forscher Zwile Schemm ein Exemplar des Buches mit vier Worten annotiert haben. Nonsense based on me. Unsinn, der auf mir basiert. Ob die Anekdote wahr ist, das lässt sich nicht sicher belegen, aber sie beschreibt das Problem ziemlich präzise.
Hanschen Mann benutzte seriöse Forschung als Rohmaterial für unseriöse Schlüsse. Und das ist die Quintessenz der Verschwörungstheorie. Und Andelmans Ideen wären an sich irgendwie wahrscheinlich mit ein paar harten Fans in seiner Gemeinde in der Obskurität verschwunden, hätte sich nicht der britische Verschwörungstheoretiker David Icke damit beschäftigt und das für eine großartige Idee gehalten. Icke, der ursprüngliche gescheiterter Fußballprofi war und dann in den 1990er Jahren mit den Reptilientheorien bekannt wurde, popularisierte den Begriff Sabatien Frankist in englischsprachigen Verschwörungsmilieus. Der große Verpreiser davon.
Der Journalist und Religionswissenschaftler Jay Michaelson hat die Transmissionskette nachgezeichnet. Eick verwanderte Antlmanns ultra -orthodoxe Polemik in ein breiteres Narrativ über einen okkulten Kult, der Judentum und Christentum gleichermaßen unterwandert hatte. Das Center for Countering Digital Hate berichtete 2020, dass Aix Covid 19 -Verschwörungsmaterial den angeblichen Manipulatoren häufig explizit jüdische Identitäten zuschrieb, darunter die bekannten Rothschildsionisten, aber eben auch die Sabatien. Sabatien Frankists, also die sabatianischen Frankisten. Und die jüngste und prominenteste Trägerin aktuell dieser Ideen, die das weiter verbreitet, ist Candice Owens, die seit 2024 in Podcasts und auf Social Media
regelmäßig auf Sabatien Frankists vorweist. Michael Sons beschrieb ihr Vorgehen in einem Aufsatz von diesem Jahr folgendermaßen. Warum ist die Welt zerbrochen? weil die sabatianischen Illuminaten sie immer wieder ruinieren. Im trüben Sumpf des Online -Antisemitismus sticht eine Stimme heraus. Candice Owens. Ihr Antisemitismus ist eine abenteuerliche Verkettung halbgarer Wangebilde, zusammengeschustert aus den Rändern des hirnverrotteten Internets.
Ja, und das ist natürlich sehr praktisch, aber damit eben nicht sagen kann, die Juden, sondern man kann damit eben sagen, ne, das sind nicht die Juden, sondern die wurden ja selber unterwandert. Die Juden sind ja selbst quasi Opfer von den Frankisten und den Sabbadianen, die sie seit Jahrhunderten unterwandern und sie wissen vielleicht selber gar nicht, wie ihnen geschieht. Und damit baut man so eine extra Ebene ein. Das ist ganz praktisch natürlich. Und das ist tatsächlich die Vorstellung, man würde ja nicht die Juden angreifen, sondern nur die tatsächlichen inneren Feinde. Er hat spannenderweise auch in der Kabbala und quasi im jüdischen Denken äquivalent, nämlich dieses Erev -Raf -Motiv. Also diese Idee der
gemischten Menge, dass sich da beim Auszug der Israeliten auch Ägypter unter das Volk gemischt hat. Und diese Sorge der ausgewanderten Israeliten, dass sie von innen zerstört werden könnten durch diese Dazugekommenen, durch diese wilde Menge. Das ist irgendwie lustig, dass die Verschwörungstheoretiker damit selbst ein zutief kabbalistisches Denkschema verwenden, um die Kabbaler zu demonisieren. Da sind wir jetzt schon die dritte Runde auf der Metaebene angekommen. Und gerade aus einer historischen Perspektive ist das ganz natürlich grotesk, weil die sabatianische Bewegung eine sehr gut dokumentierte religiöse Bewegung der Neuzeit eben war. Man hat schon tausend Seiten dazu geschrieben, Maciejko
nochmal 500. Die Dänme Gemeinschaft in Saloniki ist gründlich erforscht worden von zum Beispiel Cengiz Sisman. Und die Frankisten sind ins polnische Bürgertum aufgegangen. Es gibt keine Breaking News, es gibt keine geheime sabbatianische Weltregion. Es gibt YIV -Dateien, es gibt auch zu spannende Dissertationen und ab und zu eine akademische Tagung zum Thema. Aber so richtig viel, es wird schwer werden noch ein paar Dönme zu finden, die in der Türkei tatsächlich leben. Und das ist nicht so, weil die sich so gut getarnt haben, sondern weil diese geheimen Bewegungen ausgestaut sind in vielen Bereichen einfach auch. Wenn ihr noch Dönme in der Türkei findet und wisst, dass es die dort gibt, sagt ihr uns gerne Bescheid,
das würde mich interessieren. Aber Verschwörungstheorien brauchen ja auch keine Beweise. Ist auch eine gute Geschichte, die gerade geheimnisvoll genug ist, um faszinieren zu wirken und gerade jüdisch genug, um alte Ressentiments zu bedienen und die Kavala liefert da als Motiv mit den Frankisten und den Sabbatianen und eben beides. Und ja, das führt dann eben dazu unter anderem, dass man auf Substackblogs mit den Namen wie der Sarapäum oder Fritz Freud folgende Sätze finden kann wie Zitat Hitler war ein Sabbatianisch -Frankistischer Jude finanziert von den Sabbatianistisch -Frankistischen Globalisten Juden. Das tut weh. Das ist so hirnverbrannt.
Ich bin froh, dass wir das zu Ende bringen. Ich gehe sonst kaputt an diesen Thema. Als Quelle wird von ihm rade mal Gerschaum Scholem eingeführt. In der Fußnummer. Macht Sinn. Ja, Jonas. Jetzt haben wir 450 Jahre das Jubiläum. der Expansion in ein kabbalistisches Zentrum. Es wird heute von Touristen, die irgendwie was mit Kabbala machen wollen, besucht, die sich dann dort irgendwelche Bildchen kaufen von den Sefirot und schöne Bilder auf Instagram machen können. Da gibt es heute noch genau wie die Stadt, auch wenn weder die Stadt noch die Kabbala so... kommuniziert werden oder so geworden sind, wie sich das Luria selber vorgestellt hätte, bin mir ziemlich sicher. Es ist nämlich trotzdem Teil einer modernen Welt
gebrochen geworden. Die Ideen sind an der historischen Realität mehrfach zerbrochen und wurden dann repariert durch Argumentationsmuster, durch neue Ideen immer wieder, die wir in unserer Reihe gesehen haben. Und jetzt überlasse ich dir das letzte Wort zum Sonntag. Zimtum zu dieser Reihe. Zimtum? Ja, die Serie, also wir haben versucht, eine Geschichte zu erzählen, die von Safed nach Smyrna führt, von Smyrna nach Podoljen, von Podoljen nach Hamburg und Amsterdam, von dort nach Czesłuchowa und Offenbach und dann wieder zurück nach Jerusalem.
Es ist aber vor allem die Geschichte einer Idee, dass die Welt zerbrochen ist und referiert werden kann. dass göttliche Funken in der Dunkelheit verstreut sind und gehoben werden müssen. Und dass jeder Mensch an dieser Reparatur mitwirkt. Die Idee hat dann Schabbatai Zwi inspiriert und zerstört. Sie hat Jakob Frank in den Abgrund geführt, sie hat den Baal Shem Tov in die Dörfer Podoliens getrieben und Frauen zugleich aus dem mystischen Raum verdrängt, den der Sabbatianismus ihnen geöffnet hatte. Sie hat Gershon Sholem nach Jerusalem gebracht. Sie hat Siedler auf die Hügel des Westjordanlandes getrieben. Sie hat Verschwörungstheoretiker auf Sabsteg beflügelt.
Und sie steht auf den Plakaten bei Demonstrationen für soziale Gerechtigkeit. Die Frage, die am Anfang der lorianischen Kaballa steht, ist noch immer unbeantwortet. Ist Tikun möglich? Kann die Welt repariert werden? Und wenn ja, durch wen? Durch Mystiker? Durch Politiker? durch jeden einzelnen Menschen. Und damit sind wir zum Ende angekommen. Ich hoffe, ihr hattet eine gute Zeit.
Da haben wir ja was Wichtiges vergessen. Bestimmt ganz viel. Schreibt es uns in die Kommentare. Oder schreibt uns eine Mail. Damit wir noch mal fünf Folgen aufnehmen. Genau. Damit wir das nächste Jahr noch mal eingehen, vertiefen können. Ansonsten thematisch, was steht als nächstes an? Ich glaube, nächstes Mal, nächste Folge wird, glaube ich, eine UFO -Folge mit einem UFO -Experten. Seid gespannt. Es wird wild, wie ich das zu gern sage.
Ansonsten ist eine Folge zum historischen Jesus in der Mache und Folgen zu den Jesuiten. Und live bereitet die Reptiloiden vor den Ursprungen der Idee der Reptiloiden. Da kommen wir dann nochmal zu David Icke zurück, den wir heute schon erwähnt haben. Ja, so viel dazu. Ansonsten kommt gerne dazu auf YouTube oder auf Patreon .com und unterstützt uns. Das macht unsere Arbeit hier möglich. Vielen lieben Dank an Fanny Dietrich, Freja Stuart, Onkel Didi, Katharina, Fernando, Brigitte, Petrusi, Jös Zvakelmann, der coolere Herr Fischer vom Ardennes -Gymnasium, Sylvie, die Schmaus, Tamaro, Herr Mikrobi, Sinet Reclef, Muttis Moppel, der Maddin, Spinoza369 und Panotti Schiapos. Hab ich richtig ausgesprochen. Ja,
vielen lieben Dank und wir hören uns in zwei Wochen. Bis dahin, Jörg. Bis dahin!