Alle Zeit der Welt· Staffel 1· Folge 140

Karl Kiesewetter: Alchemie in der deutschen Provinz

Freitag, 13. Februar 2026 · 1 h 46

MP3

Shownotes

In dieser Folge von „Alle Zeit der Welt" widmen wir uns einem Mann, über den es bisher keine wissenschaftliche Biografie gibt – obwohl er zu den wichtigsten deutschsprachigen Okkulismushistorikern des 19. Jahrhunderts zählt: Karl (oder Carl) Kiesewetter (1854–1895).
Zu Gast ist der Kultur- und Religionswissenschaftler Benjamin Rübsam, der selbst aus Meiningen stammt und diese Forschungslücke schließen will. Gemeinsam erkunden wir Kiesewetters Familiengeschichte – von einem schiffbrüchigen Alchemisten an der niederländischen Küste über das herzogliche Bergwerk Glücksbrunn bis hin zu Rosenkreuzer-Briefwechseln im 18. Jahrhundert.
Wir sprechen über Kiesewetters Kindheit, geprägt von Hexengeschichten und mystischen Erlebnissen, seine Selbstexperimente mit halluzinogenen Hexensalben, seine Versuche der psychischen Fernwirkung (inklusive eines Fahrradsturzes) und seine Konflikte mit der Theosophischen Gesellschaft. Am Ende steht ein Grab auf dem Meininger Friedhof mit Rosenkreuzer-Siegel und die Frage, wie ein so einflussreicher Autor so in Vergessenheit geraten konnte.
Eine Folge für alle, die sich für Esoterikgeschichte, Okkultismus und die verborgenen Traditionen der deutschen Provinz interessieren.
🔗 Der Artikel von Benjamin Rübsam erscheint noch (Link folgt).
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Kapitel:
Intro & Vorstellung des Gastes
Warum eine Biografie über Karl Kiesewetter?
Die Familienlegende: Der Alchemist Seton und die Familie Haußen
Das Bergwerk Glücksbrunn und die herzoglichen Alchemisten
Der Großvater Johann Salomo Haußen in Meiningen
Verbindung zum Sagensammler Ludwig Bechstein
Alchemie und hermetische Philosophie am Meininger Hof
Rosenkreuzer-Briefwechsel und geheime Netzwerke
Kiesewetters Kindheit: Hexengeschichten und Kriegsvisionen
Die Messerstecherei und Großvaters Heilzauber
Erste Veröffentlichungen und Luthers Horoskop
Die Theosophische Gesellschaft und die Zeitschrift „Sphinx"
Selbstexperimente mit halluzinogenen Drogen
Psychische Fernwirkung: Der Fahrradsturz-Versuch
Der Hypnotiseur Hansen in Meiningen
Streit mit der Theosophischen Gesellschaft
Tod, Grab und Rosenkreuzer-Symbolik
Citizen Science: Erforscht eure lokale esoterische Geschichte!

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Herzlich willkommen zurück zu einer neuen Folge von Alle Zeit der Welt. Heute schließen wir uns an die letzte Folge an, in der wir über Esoterik als scheinbares Elitenphänomen gesprochen haben. Wir haben uns Leipzig um 1900 genauer angeschaut. Netzwerke, Konkurrenz auch innerhalb der Szene. Und in der heutigen Folge wollen wir den Blick am Anfang jedenfalls in die Provinz verschieben aus der Stadt nach Meiningen. Und das ist lustigerweise auch die Heimatstadt von unserem heutigen Gast.

Herzlich willkommen, Ben. Stell dich gerne mal kurz vor. Ja, hallo. Mein Name ist Benjamin Hübsam. Ich komme, wie gesagt, auch aus Meiningen. Aber ich bin vor allem Kultur - und Religionswissenschaftler und bin daher über unser heutiges Thema gestolpert. Besser gesagt, ich habe in den letzten Jahren eine Biografie geschrieben über jemanden aus der theorosophischen Szene, Karl Kiesewetter.

Und um den soll es in der heutigen Folge auch gehen. Sehr gut, dass du klargestellt hast, deine Qualifikation über Kiesewetter zu sprechen. Nicht der Fakt ist, dass ihr beide aus Meiningen kommt, dass du das gleich mal gerade rückst. Aber dieses Leben, warum es spannend ist, zu diesem Mann eine Biografie zu haben, da kannst du gleich noch tiefer einsteigen, weil du hast in der letzten Folge schon erwähnt, dass es da bisher noch keine zu gibt und dass eigentlich ein großes Loch in der Forschung ist, weil dieser Mann eben als Historiker das sehen ist ja wichtig war, selber Freimaurer war er selber mal in der theosophischen Gesellschaft. Ein Freimaurer, das muss ich gleich sagen. Na, hast du was falsch verstanden, Johannes?

Er war nie Freimaurer? Nein. Okay, das hab ich tatsächlich falsch verstanden. Ich bin keine Grün zu, kann ich nichts zu sagen. Er war Theosoph, Rosenkreuzer, Schriftsteller und Außenseiter in Meiningen. Das trifft schon eher, wer gesagt hat, ob er so ein Außenseiter war, das werden wir heute zusammen erkunden. Diese Stimmen gibt es, aber ob die so stimmen, das werden wir eben untersuchen. In der letzten Folge haben wir ja über Okkultismus, Esoterik, diese Szene um 1900 in Leipzig gesprochen. Es geht letztendlich genau um dieselbe Szene, nur eben aus einer anderen Soziologischen Perspektive her, sondern aus einem kleinen Fürst, bei einem kleinen Herzogtum, Satzen Meining, das damals noch existierte bis 1918.

Und Meining war eben die Hauptstadt dieses Herzogtums mit seiner ganz eigenen Geschichte zu diesen Themen. Wir werden uns da so ein bisschen anschauen, wie diese Szene abseits der Metropolen funktioniert hat. Vielleicht weniger als Szene und mehr als Tradition. Das ist mir jedenfalls als Vorgedanke. kommen und wie vielleicht familiäres Erbe und gelebte Praxis da auch mit reinspielen, als Teil von der lokalen und familiären Geschichte auch.

Wir können das vielleicht mal ganz einfach soziologisch darstellen. Wenn wir jetzt eben die theosophische Gesellschaft uns in Leipzig angeschaut haben, können wir uns sozusagen als klassischer in Anführungsstrichen Geheimbund, der sich mit ähnlichen Themen beschäftigt, auch die Freimauerei in Sachsen. in dem Fall denkendlich in Leipzig, in Dresden und so weiter.

Und ganz ähnlich sah es auch in den kleinen Fürstentümern, in dem Fall im Thüringen Haus. Ich habe in meiner Masterarbeit zu dem Einfluss der Freimorderei auf die Kulturpolitik im ehemaligen Herzogtum Sachsen -Weimer -Eisenach und dem ehemaligen Herzogtum Sachsen -Meiningen geschrieben, welche Einflüsse es eben da gab, welche Akteure, welche Diskurse. Um mal bei dem Vergleich zu bleiben über Weimer, Goethe, Karl August, den Einfluss der Freimaurerei auf das Thema gibt es schon etliche Forschungsliteratur. Das dürfte dem einen oder anderen schon bekannt sein. Und ja, ganz ähnlich verhält es sich eben in dem benachbarten und verwandten Herzog zum Sachsen -Meining. Und diesen Vergleich, den habe ich mir damals in

meiner Masterarbeit angeschaut. Und bei der Recherche bin ich immer wieder tatsächlich jetzt nicht primär zu dem Ort, sondern tatsächlich inhaltlich. Als ich mich mit der Theosophie beschäftigt habe und so weiter, bin ich immer wieder über den Namen Karl Kiesewetter gestolpert. Ich habe dann als Student mir angefangen, die ersten Bücher von ihm anzuschaffen und habe direkt im Vorwort festgestellt, dass er aus dem Mining kommt. Das war sozusagen die Sache, wo ich dann persönlich angefixt war und dachte, Mensch, da musst du mal ein bisschen gucken. Habe ihn als Steinbruch und Lexikon und so weiter verwendet und hatte erst, ja, eben auch aus beruflichen Gründen erst letztes Jahr Zeit, mich intensiver jetzt mit

dem Thema zu widmen und zu sagen, okay. Er war Akteur in der Szene, er war bekannter Autor in der Szene. Es gibt keine Biografie zu ihm, der Religionswissenschaftler Dr. Walter Hanegraaff. Er hat tatsächlich ihn mit A. E. White für einen anglophonen Raum verglichen, für einen deutschsprachigen Raum. Und er hat auch schon festgestellt in Aufsätzen, dass es keine Biografie zu ihm gibt. dass es ein bisschen merkwürdig ist, dafür, dass der Mann so einen großen Einfluss hatte. Und diese Forschungslücke, die wollte ich eben schließen.

Genau. Da es bisher noch gar keine Literatur zu ihm gibt, war es relativ einfach, bei Null anzufangen. Genau. Ja, da hast du auch schon erzählt, dass in meinem Internet nicht nur richtige Aussagen zu ihm findet, wenn man nach ihm sucht, also dass es nicht unbedingt die verlässlichsten Anlaufquellen sind, die man vielleicht findet.

Hoffentlich ein kleiner Beitrag heute, dass Leute, die in Zukunft nach Kiesewetter suchen, vielleicht den Podcast hier finden und eine ausführlichere Biografie bekommen, wie man sie sonst im Internet finden würde. Ja, das wäre wunderbar. Das würde mich natürlich sehr freuen, wenn viele Hörer diesen Podcast hören und natürlich noch mehr, wenn vielleicht einige dann nächstes Jahr das Jahrbuch des Henneberg -Schränkischen Geschichtsvereins erwerben wollen, in dem der Artikel veröffentlicht werden soll. Die musst du mir auf jeden Fall schicken, sobald er veröffentlicht ist, damit ich denen dann auch rückwirkend noch hier in die Folgenbeschreibungen die Kommentare einfügen kann. Nur kurz, um das vorweg zu schicken. Also

Mining hat eben wie Weimar und andere kleine Fürstentümer in Thüringen eine freimauerische Tradition. Es gibt auch eine Anbindung. an die Alchemie im 17. Jahrhundert usw. Und in diese Szene oder an diese Tradition knüpft Kiesewetter mit seiner eigenen Familiengeschichte an. Er wurde zwar nicht gefragt, aber hier und da hat er in seinen Werken kleine biografische Angaben fallen lassen, die habe ich gesammelt, systematisiert, chronologisiert und dadurch ungefähr 25 Stichpunkte zu seiner Biografie zusammentragen können und eben mit anderen Quellen abgleichen können. Die ganze Geschichte, die beginnt tatsächlich in der frühen Neuzeit, in der Zeit der klassischen Alchemie. Und wie Kiesewetter und seine Familie

mit dem Thema zusammenhängen, das beschreibt er folgendermaßen. Und zwar geht es um einen niederländischen Fischer, den Herrn Hausen. Und bei dem an der Küste landet eines Tages ein schiffbrüchiger Alchemist, Seton, der auch tatsächlich in der Literatur bekannt ist. Und dieser Alchemist, der zeigt diesen Fischer, der ihn sehr gastfreundlich wohl aufnimmt, eben wie man aus Blei Gold macht.

Und damit beginnt die Geschichte der Familie Hausen und der Alchemie. Kiesewetter schreibt dazu Folgendes. Doch ist Hausen richtig. Er war einer meiner Vorfahren mütterlicherseits und reiste Seetorn nach Sachsen nach, wo er zu Weißenfels, dem damaligen Sommeraufenthalt des Kurfürstlichen Hofes, wohnen blieb. Hier wohnte die sehr reiche Hausensche Familie bis um die Mitte des vorigen Jahrhunderts und dort wurde 1729 mein Urgroßvater mütterlicherseits der nachmalige Berginspektor zu Glücksbrunnen, Johann Salomohausen, ein eifriger Rosenkreuzer, welcher die mehrfach erwähnte Sammlung alchemistischer Handschriften anlegte, geboren.

Er starb zu Glücksbrunn am 6. August 1802. Dessen Sohn war mein Großvater, der herzüglich Mainingische Johann Salomohausen, dessen jüngste Tochter meine Mutter ist. Zithaben. Und wie nachvollziehbar ist denn diese Geschichte, die er da über seine Familie und diese Verbindung erzählt? Also, dass man den schiffsfrüchtigen Seetorn jetzt genau irgendwie nachweisen kann, ist natürlich unwahrscheinlich.

Aber er ist ja schon als Historiker irgendwie auch sonst mit seinen Schriften unterwegs. Hast du dazu irgendwas gefordert? Ja, das ist natürlich wie bei allen Mythen am Anfang dunkel. Also, Seton, der ist tatsächlich auch durch mehrere andere Quellen als Alchemist in der Zeit belegt. Okay, den Schiffsbruch habe ich jetzt so direkt nicht gefunden und auch nicht in Fischerhausen und so weiter. Das ist der legendarische Teil.

Was uns aber hier erzählt wird, ist natürlich, dass ein armer Mann erfolgt, indem er der Alchemie und dem Meister Seton folgt, dann so anders zu Sachsen, im Ausland, weit, weit weg zu Ruhm und Reichtum kommt. Und dann wird die Familie ja sehr reich, die Reiche. hausische Familie in Weißenfels. Inwieweit das mit den Quellen übereinstimmt, das bedarf noch der weiteren Forschung. Was aber entscheidend ist und wo auch die Quellen einsetzen, die sich überprüfen lassen, ist das Bergwerk zu Glücksbrunnen. Das existierte tatsächlich und das hängt eben im alten Herzog vom Sachsen Meining tatsächlich mit praktizierter Alchemie zusammen. Dazu gibt es wunderbare Quellen und das ist der Einstieg, wo die ganze Sache dann

verifizierbar wird. Kleiner Fun -Fact hier am Rande. Der Urgroßvater hat exakt denselben Namen wie der Großvater, was es teilweise wirklich schwierig macht. Und selbst das Brockhaus hatte Probleme 1897. Denn Karl Kiesewetter wurde sogar im Brockhaus als deutscher moderner Schriftsteller aufgenommen. Allerdings mit dem Pseudonym Johann Salomohausen. Und auf den Düsseldorf, was sich auch nicht verifizieren lässt. Also wann der Mann in Düsseldorf gelebt haben soll, ist mir vollkommen schleierhaft. Und nein, Kiesewetter ist auch nicht sein eigener Großvater und das stellt er auch ganz oft klar. Aber hier geht es um das Erbe, um die Schriften, die er eben von seiner Mutter bekommen hat, die von ihrem

Vater stammen und die wiederum von dessen Vater stammen. Dieser Großvater war alchemistisch ... Interessiert? Wo ist der Großvater? Der Großvater schon nicht mehr? Ja, das ist genauso ein Bruch. Genau dazu werden wir kommen. Ich habe eben versucht, anhand dieser verifizierbaren Daten mich da lang zu hangeln und habe das Ganze chronologisch aufgezogen.

Also als ich dann alle Daten zusammen habe, dachte ich mir, okay, wenn ich jetzt irgendwo im 17. Jahrhundert anfange, ist es ein ganz weiter Weg zu Karl Kiesewetter. Also mache ich es andersrum. Ich beginne bei Karl Kiesewetter, seinem Vater, seiner Mutter. und biege dann ab über die Mutter hin zu ihrer Familie. So weit zum Aufbau. Und an diesen Hintergrundapparat, den ich dann eben mit zeitgenössischen Quellen zur Alchemie, Rosenkreuzerei und so weiter abgleiche, da dran, als zweiter Teil, kommen dann die konkreten biografischen Angaben zu, gerade Kiesewetter, in ungefähr 25 Punkten. Und wie zum Aufbau, genau, das ist agronologisch.

Ich bin gespannt. Ja, dann steige ich direkt ein. Also über seinen Vater erfahren wir tatsächlich in den Angaben, die Kiesewetter so fallen lässt in seinem Berg relativ wenig, um nicht zu sagen, gar nichts. Wir erfahren eigentlich nur was über seine Mutter. Und ich habe geschaut in zeitgenössischen Adressbüchern der Stadt Meining nach der Frau Kiesewetter und habe sie gefunden. Bertha Kiesewetter des Salzsteuer -Emanuele Kiesewetters Witwe.

Und das war der Einstieg, da hatte ich Namen von Vater und Mutter und konnte eben da weiterschauen. Erster Punkt, der Vater Immanuel Kiesewetter. Zudem habe ich die Lebensdaten 1831 bis 1892 ermitteln können. Und er hat wohl als junger Mann, 1849, mit 18, hat er die Mutter Berthahausen kennengelernt. Dann wurde 1854 Karl Ludwig Kiesewetter.

unser Hauptakteur, als uneheliches Kind der beiden geboren. Wir haben einen jungen Militär, dazu kommen wir noch, und eine junge Dame, die unvorheiratet, aber wohl schwer verliebt, Ende 1854 ein Kind bekommen. Da sind wir, wenn wir es jetzt bürgerlich betrachten oder aus der sozio - logischen Perspektive, bei schon einem Zabu, einem Regelverstoß, uneheliche Kinder. Bastard. Ja. Jaja. Damit geht's schon mal los. 1859 wird Kiesewetter dann allerdings befördert militärisch. Er wird ein Feldjäger.

Und 1860 heiratet er dann die Mutter, Bertha, und zwar in der Hofkirche von Meiningen. Das ist natürlich vom Ort her was Besonderes. Das kann wahrscheinlich nicht jeder. Das ist gesellschaftlich auf jeden Fall was. Der Vater von der Mutter ist Rat in der Stadt und hat damit ein gewisses Prestige. Jetzt ist es natürlich so, die beiden haben ein uneheliges Kind. Der kleine Karl ist wohl auch bei der Eheschließung anwesend. Okay, wir haben auf der einen Seite einen Regelverstoß und auf der anderen Seite haben wir eine Art Aufwägung dessen durch den besonders repräsentativen Ort und den Rang und die Stellung der Personen, die damit zusammenhängen. Damit hat sich die Sache einigermaßen vielleicht ausgeglichen. 1865

wird Emanuel Kiesewetter dann zum Salzsteueraufseher ernannt und 1879, da haben wir einen Brief in den Akten an seinen Vorgesetzten. Bis dahin haben wir also einen jungen Mann, der Karriere über Militärmacht und die Aufsicht über die Salzsteuer, die gehörte zu den Feldjägern. Das habe ich in einem alten Staatshandbuch gefunden des Herzogtums.

Seit 1823 war das Aufgabe der Feldjäger. Das heißt, wenn du eine Salzmine besitzt im Herzogtum oder eine Salzsiedelanstalt, Da kommt dann nicht ein netter Beamter vorbei, da kommen dann raubeinige Militärs vorbei, um die Steuer einzutreiben, damit auch ganz klar ist, wem hier der Teil gebührt. Also wir haben da mit eben, anschließend an die letzte Folge, zu welcher Schicht gehörte Kiesewetter.

Na ja, sein Vater war ein kleiner Beamter. Das ist nicht Elite, Mutter Hausfrau, das ist sozusagen kleines mittleres Bürgertuch. Und eben diesen Fall, dass er unehelich geboren wurde und es wahrscheinlich ein bisschen, also in der damaligen Gesellschaft natürlich größeres Problem dargestellt hat, stellungstechnisch, als das heute Gott sei Dank tut, sag ich jetzt mal. Ja, eine Verbesserung im Vergleich zu den ersten sechs Jahren seines Lebens dann, was die Legitimität nach der Heirat angeht. Genau, das ist das Entscheidende, diese nachgezogene Legitimität, öffentlichkeitswirksam und so weiter. Genau, richtig. Genau, 1879 schreibt Emmanuel einen Brief an seinen Vorgesetzten in der Behörde und in dem erläutert oder ja, bittet

er um eine Gehaltserhöhung und stellt eben seine Lebensumstände dar. Das ist schon mal ganz interessant und dazu werden wir auch später noch kommen. Gut, ungefähr zehn Jahre später, 1887. Er leidet dann einen Schlaganfall in seiner Dienstwohnung in Oberneu -Sulzer, das ist im heutigen Bad Sulzer, wer das kennt. Und erst 1888 war die Familie das erste Mal in Meining überhaupt zusammen gemeldet.

Das heißt, für mich die meiste Zeit lebte der Vater einfach an seinen Dienstorten, wo er als Salzsteueraufseher hinge... schickt worden war, eben die kleinen Salz-, aber wichtigen salzproduzierenden Städte wie Bad Sulzer. Und seine Familie, wir haben gesagt seine Frau und seinen Sohn, die lebten die meiste Zeit in Meiningen tatsächlich.

Später werden wir noch sehen, lebte aber auch der jugendliche Karl allzeit lang bei seinem Vater in Oberneu -Sulzer. Es könnte sogar sein, dass er ihn gefunden hat nach dem Schlaganfall. Das ist so eine Sache. Der Vater leitet eben zum Schlaganfall. Dann kommt er nach Mining, zieht um, ist bei der Familie geweldet, wird wohl von der Mutter gepflegt, er ist halbzeitlich gelähmt. Das ist dann schon wirklich familiär, psychologisch, emotional und so weiter eine Herausforderung und einfach auch beengte Lebensverhältnisse in gewisser Weise. Es gibt einen spannenden Einblick in Lebensrealitäten zu der Zeit. Das sind vielleicht so die kleineren Schicksale, die man sonst bei den größeren historischen Begebenheiten, über

die spricht, außen vor lässt oder an die man nicht so denkt. Dieses sehr alltäglich klingende Familientrama, was sich da abspielt, was wahrscheinlich zeitlos ist. So ist es. Genau. 1892 stirbt Immanuel dann. Wo ab da sind Berta, Berta Kiesewetter und ihr Sohn. Karl -Kiese Wetter zusammengemeldet. Was hier auch sofort deutlich wird, Karl -Kiese Wetter gründet nie einen eigenen Hausstand. Er heiratet nicht, er hat offiziell keine Kinder, er hat offiziell keine eigene Wohnung. Er lebt sein Leben lang bei seinen Eltern, was aber auch für einen Unverheirateten in der Zeit nicht ungewöhnlich ist. Die Idee, dass jeder 20 Jahre seine eigene Wohnung hat, das gab es lange Zeit gar nicht.

Gerade auch wenn eben der Vater pflegebedürftig ist, dann war seine helfende Hand bestimmt auch nicht zu unterschätzen, kann ich mir gut vorstellen. Und wenn er auch den Heimatort nicht groß verlässt, sondern dann eben, also das vielleicht hängt ja auch zusammen, dass man den Weihnachten ihren Heimatort nicht verlässt, das bedingt sich dann vielleicht gegensätzlich, weil man die Mutter hat, die sonst alleine wäre, oder aber man, warum sollte man im gleichen Orten einen anderen Wohnstand gründen, wenn die Familie ja sowieso so klein ist und eigentlich. Also die nukleare Familie dann nur aus zwei Leuten besteht. Ja, also wenn er jetzt eine eigene Frau gehabt hätte, wäre das auch sicher kein Problem gewesen, aber ist

einfach nicht der Fall. Also generell das Thema Ehe, Sexualität und so, das ist alles sehr dunkel bei ihm. Es ist nicht klar. Es spielt keine Rolle großartig. Einmal gibt es einen kleinen Hinweis, aber da kommen wir später zu. Ja, zur Mutter. Sie heißt Berta. Hausen, geborene Hausen, später eben Kiesewetter, lebte von 1824 bis 1903. Sie wurde tatsächlich relativ alt. Ihr Vater, der kam eben aus Glücksbrunn mit seinen Brüdern nach Meining übergesiedelt, hatte Karriere gemacht.

Ihr Bruder war Otto Hausen, Hochfotograf, und ihre Schwester war Luise Hausen. Am 14. April 54, wie gesagt, kommt ihr unehrlicher Sohn Karl zur Welt. 1860 heiratet sie ihren Geliebten. Am 01 .03 .1892 stirbt Emanuel, wie gesagt. Ab da lebt sie mit Karl alleine. Ab 1892 ziehen sie öfter um. Und zum Schluss stirbt sie in der Ernestiner Straße 56. Und hat tatsächlich ihren Mann und ihren einzigen Sohn überlebt. Also, wir können eine sehr trauervolle Dame denken.

die aber auch viel erlebt hatte, tatsächlich. Also sie hat ihren Sohn aktiv unterstützt bei seinen Forschungen. Später beim Thema Mediumismus führt Mutter Wertha auch mal Protokoll und so. Okay, sie wusste also auch, was ihr Sohn da mit was für Themen sagt, ihr Sohn sich so beschäftigt. Ja, na klar. Sie und die Heimfamilie haben Karl eben auch als kleinen Jungen schon von eigenen Spukerlebnissen erzählt und so weiter, was natürlich seinen Interesse und seine Fantasie wiederum bestärkt hat. Da kommen wir aber später im biografischen Teil dazu. Ja, also de facto war Bertha oft alleinerziehend mit Karl, eben in der Wohnung entweder ihres Bruders mit oder eben ihrer Schwester im Hausstand oder auch bei den Großeltern. Also, Karl beschreibt

eben diese Verbindung zu ihren Eltern, Johann Salomohausen, sehr innig und auch öfters und vielleicht haben sie dort auch im Hausstand gelebt. Ich habe mir übrigens in dem Artikel ein sehr schönes Bild. aus der Zeit gefunden von dem Gasthof, über dem sie gelebt haben. Und oben schaut ein kleiner Junge aus dem Fenster. Das könnte der kleine dicke Karl sein. Es ist sehr unscharf, aber es gibt Bilder zu der Zeit. Und wenn man sich das Gebäude anschaut, das ist schon eine große Dachwohnung. Ja, das ist jetzt nicht irgendwie ein kleines Hinterzimmer. Das ist schon die obere Etage von einem echt großen repräsentativen Haus, in dem da der Großvater lebt. Als herzoglicher Rat immerhin. Aber dazu kommen wir jetzt gleich

zum Großvater, dem meinengischen Johann Salomohausen. Ganz wichtig. Nicht zu verwechseln mit seinem Vater, dem aus Glücksbrunn. Ja, Fragen des hiehen, Johannes. Das ist wie ein russischer Roman, wenn alle den gleichen Namen haben oder alle. Das macht das auf jeden Fall ein bisschen verwirrender. Aber der Großvater ist derjenige, der mehrere Töchter hat oder wo die jüngste Tochter von ist.

Genau. Und er ist der junge, aufstrebende Mann, der während der napoleonischen Zeit von Glücksbrunnen dieser Bergbau -Stadt oder diesem Bergwerk eben nach Meining gekommen ist. Er hat diesen Wechsel vollzogen vom Dienstort seines Vaters hin zur Residenzstadt, zur Hauptstadt des Herzogtums. Tatsächlich taucht er auf in einem Ständerhandbuch des Herzogtums. und zwar als herzoglicher Büchsen Spanner. Das ist natürlich die Frage, was ist ein herzoglicher Büchsen -Spanner? Jetzt ist es so, Büchsbrunn, das Bergwerk liegt neben einer sehr beliebten Residenz der damaligen Herzöge von Sachsen -Meining. Und der Herzog Georg I., der hat sich dort oben in der Nähe des Bergwerks eine sehr spannende Residenz bauen lassen. Den

alten Stein mit angelegten Praghöhle, Grotten, Der ging auch sehr gerne jagen dort. Ein Herzoglicher Büchsen -Spanner ist natürlich auf der einen Seite der, der dem Herzog auf der Jagd die Büchse vorbereitet. Ganz prinzipiell sozusagen der Chefjäger, der Leibjäger des Herzogs. Andererseits kann ich mir vorstellen, dass dieser Titel auch im Rahmen militärischer Aktionen, also wenn ich mich jetzt militärisch bewährt habe, dass der Ehrenhalber verliehen wurde. Das bedarf noch näherer Recherche. Ob er wirklich der war, der dem Herzog sehr, sehr nahe war, das wäre dann nochmal ein anderes persönliches Verhältnis, oder ob er wegen anderer Dienste diesen Titel bekommen hat. Und gerade die persönliche Bindung

zum Herzoghaus, die spielt auch eben bei dem Thema Alchemie in der früheren Zeit schon eine Rolle. Die Herzöge von Sachsen -Meining, die, naja, die förderten nicht nur dieses Bergwerk, sondern die allerersten, die dort hochprofessionell arbeiteten, waren Alchemisten. Dazu gibt es ein wunderbares Buch, das ich auch als Fußnote angegeben habe, bei mir über dieses Bergwerk Inglücksbrunn.

Und da sehen wir, dass eben um 1700 dort hauptamtliche Alchemisten der Herzlöge arbeiten und diese Produktion voranbringen. Da geht es auch um Kobaltärze und solche Geschichten, also Sachen, die wir heute seltener Erden nennen würden. Vom chemischen her wirklich interessant. Da haben wir eben diese Verbindung, nicht nur zu dem Ort und diesem Bergwerk, sondern auch zu dem Beruf seines Vaters als Alchemist in diesem Bergwerk. 1801 kam er mit seinen Brüdern Karl Friedrich und Julius Karl Christoph Hausen aus Schweiner, dem Ort, wo dieses Bergwerk ist, an die Forstakademie nach 30 Acker. Das ist heute ein Ortsteil von Meining, ein kleiner Dorf neben Meining. Und dort wurde in dieser Forstakademie

30 Acker moderne Forstwirtschaft gelehrt. Auch schon mit Prinzipien der Nachhaltigkeit und so weiter. Das hatte einen großen Einfluss. An dieser Forstakademie war er tatsächlich einmal Schüler. Also er muss wirklich talentiert gewesen sein. Aber er wurde vor allem nach seinem Abfluss direkt auch Lehrer an dieser Akademie. Ja, und dieser junge Mann, der wird eben 1803, Zitat, erst provisorisch dann definitiv Hand und Plan zeichnen, Zitat, Ende unterrichten. Und Leiter dieser Forstakademie ist Johann Matthäus Bechstein. Er ist der Ziehvater des späteren berühmten Sagensammlers Ludwig Bechstein, der eigentlich ganz anders hieß und auch ein uneheliges Kind aus Weimar war, von einem Franzosen auch noch. Also Ludwig Bechstein, der Sagensammler.

auch ein Meininger, der hier unbedingt erwähnt werden muss. Du merkst schon, die Sachen hängen zusammen, nicht? Ludwig Bechstein ist an sich sehr bekannt, dazu jetzt keine großen Sachen. Er wuchs aber, er bekam den Namen von seinem Pflegevater und er wuchs zum Teil eben an dieser Akademie auf. Und nach eigenen Angaben später macht er dort auch seine ersten Sagensammlungen und ließ sich von dem Kutscher Sagen erzählen und so weiter und so fort. Ja, also wir können tatsächlich eine Verbindung zwischen Johann Salomo Hausen in Meiningen und vielleicht dem jungen Ludwig Bechstein feststellen. Immerhin, sein Enkel bekommt ja als zweiten Vornamen auch Ludwig als zweiten Vornamen. Vielleicht hier so eine

Verbindung. Und vor allem später, es gibt einen gemeinsamen Freund von Ludwig Bechstein und dem Herrn Hausen. Das ist A .W. Müller. Der ist Logenmeister in Meiningen. Ja, Mechstein war auch Freimaucher in Meiningen. Und er erzählt dem Großvater Hausen in den 1860er Jahren eben krasse Geschichten über die Hexenprozesse, die früher hier stattfanden.

Und der kleine Karl hört diese Geschichten von A .W. Müller, wie sie beim Großvater erzählt werden in der Stube und ist hin und weg. Er schreibt, das war der Einstieg meiner Forschung. Also diese Familienlinie, die wir vielleicht später nochmal besprechen, die einfach wichtig ist für das Interesse mit diesen Themen und auch die, deine Tradition, die er fortführt auf eine Art und Weise auch durch seine Bücher, die er schreibt, auch wenn er es auf eine andere Art und Weise, vielleicht auch als praktischer Alchemist. Ja, ja, zum Teil schon. Kommen wir zu, kommen wir zu. Genau, ja.

Und wir haben also dieses Milieu, wir haben den Großvater, der da gut reinpasst. Der scheint selber jetzt nicht unbedingt okkult drauf gewesen zu sein. Der war eben Lehrer. Er war Scharfschütze, sehr wahrscheinlich. Und eben Jäger. Also das ist auch eine interessante Lehre. Stell dir vor, dein Mathelehrer ist Scharfschütze. Und jeder weiß das so. Das ist nochmal eine ganz andere Geschichte. Er trifft dich mit dem Kreidestück ganz anders. Aber der trifft dich halt. Genau.

Ja, und 1822 erscheint sogar eine Schrift von Johann Salomohausen, die er verfasst hat, nämlich Zitat, theoretisch praktische Anweisung zum Plan und Situationszeichnen zunächst für Forstmänner, auch für Kameralisten und Ökonomen. Zitat Ende. Also das ist jemand, der das tatsächlich auch, wie wir heute sagen würden, in vielen verschiedenen Dimensionen denkt und verschiedenen Fachbereichen.

Interdisziplinär begreift er sein eigenes Fach. Und ja, die Sache mit den Scharfschützen, das hängt mit den napoleonischen Kriegen zusammen. Denn Meining stellte damals ein Kontingent von Scharfschützen. Hier steht 120 Scharfschützen. Bei dem könnte er dabei gewesen sein. Das wäre so ein Titel für einen Scharfschützen. Er ist Lieutenant. Also wenn ich Lieutenant der Scharfschützen bin, dann passt der Titel zum büchsten Spanner als militärische Titel wunderbar. Der hat da, was weiß ich, wie viele Franzosen abgeknallt oder so. Ja, wunderbar. Das ist in britischen Dokus immer ganz lustig über britische Adestokraten.

Wenn die dann erzählen, warum sie ihren Titel bekommen haben, dann ist es meistens eine Geschichte, wie sie in den letzten 500 Jahren ganz viele Franzosen in einer Schlacht getötet haben irgendwo und deswegen befördert wurden. Also der beste Weg, also entweder Opium handeln erfolgreich mit China oder viele Franzosen toten waren ein sicherer Weg in die Adestokratie in England.

Genau, oder eben zu einem schönen Ratsposten, einem Lieutenant -Posten und so weiter. Also als bürgerlicher Mensch ist das schon was. Und hier sehen wir tatsächlich von der sozialen Schichtung her eine Veränderung. Er ist der Sohn eines kleinen Beamten in einem Bergwerk, kommt in die Provinz, macht Karriere, wird selber Lehrer, bekommt diese Titel und so weiter. Also da haben wir quasi, wenn man es jetzt unbedingt so ausdrücken möchte, vom unteren, mittleren Schicht zur oberen Mittelschicht.

Ganz klar, wenn ich Rat bin und die Cheat Lab bin, gehöre ich nicht mehr zur einfachen Mittelschicht. Die Leute ziehen den Hut auf der Straße. Und 1866, da passiert es eben, dass, seit auch das deutsch -österreichische Krieg ist, wohlgemerkt, der auch in der Gegend eine Rolle spielt, passiert es eben, dass dem kleinen Karl, von dem Großvater und Arve Müller diese Hexengeschichten erzählt werden. Und was das Ganze besonders macht, ist, dass es tatsächlich reale Grundlagen hat. Meiningen war einer der Orte, der mit am allermeisten Hexen verbrannt hat in der Zeit. Und in dem Gasthaus zur Weise, über dem das Ganze passiert und in dem sie ja sitzen, dort soll eine Hexe überführt worden sein, die Kinder ausgekocht habe. aus

magischen Zecken. Ja, und damit ist der kleine Karl voll dran. Er ist zwölf Jahre alt und das inspiriert ihn. Irgendwie muss man seine Hexensalbe ja kochen. Ich meine, wie fliege ich sonst auf meinen Besen? Wichtiger Fakt, den alle immer vergessen, ist, dass man sich ja vorher mit seiner Hexensalbe einschmieren muss, bevor man auf den Besen fliegen kann. Genau. Hexensalben schreibt Karl auch später. Richtig. Vor allem über seine Selbstexperimente. Der meinigische Johann Salomo Hausen, der ist arriviert, könnte man sagen.

Jetzt gehen wir noch einen Schritt zurück zu seinem Vater, dem Urgroßvater Hausen. Da sind wir genau bei dieser Rosenkreuzerischen Geschichte, bei der Sache Alchemie und Bergwerke und in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Der Urgroßvater Hausen Der hat seine Lebensdaten 1729 bis 1802. Er stammt eben aus dieser holländischen Familie, die er nach Weißenfels übergesiedelt ist. Legende nach.

Und was hier mit eifriger Rosenkreuze von Kiesewetter beschrieben wird, das war meine Frage. Hängt das mit den Gold - und Rosenkreuzern zusammen, diesem offiziellen Orden? Oder ist es nur einfach eine dieser Spielarten in der Zeit? Genau, das war so meine Sache. Ansonsten habe ich eben die Daten von Glücksbrunn abgegeben. mit der Geschichte.

Wie vorhin schon erwähnt, förderten die Herzöge dort das Bergwerk. Und ja, Alchemisten galten als Fachleute in dem Bereich. Das muss man jetzt gar nicht theologisch zu hoch hängen. Dieser Salomo Hausen, der lebt zwei Generationen später nach der Initiation dieses Bergwerks, hat denselben Job, hat dieselbe Ausbildung, hat dieselben Interessen.

Passt. Er ist Bergwerkinspektor. Was auch passt, ist, dass eine Briefwechsel von dem alten Hausen, der überliefert ist, sein Vorgesetzter namentlich genannt wird und der findet sich auch so genau in den Quellen als Pächter des Bergwerks der Herze. Also insoweit ist das eine realistische Geschichte. Warum auch nicht? Ja, es geht um Fachkräftemangel damals auch schon. Wer kennt sich mit Kobalt aus? Niemand. Ja. Weil sie sind super reich geworden. Also die Pächte haben sich heute, wenn man dort hinfährt, das Bergwerk ist da zu besichtigen. Und vor allem auch die Nachbärte Bad Schaubergwerk, die haben sich dort ein kleines Floss hingestellt, diese Pächte. Das ist wirklich beeindruckend. Auch so eine Aufstiegsgeschichte,

die hier eher in der Zeit passiert ist. Wir haben in der Folge zu den Bauernaufstellung darüber geredet gehabt, dass Bergwerke extrem wichtig wurden in der frühen Neuzeit für die verschiedenen lokalen Lokalherren, um ihre eigene Macht zu legitimieren und sich zu finanzieren langfristig. Entweder du hattest Bergwerke oder du hattest keine und du keine hattest, dann musstest du dir ständig neue Steuern überlegen, um gleichziehen zu können mit den anderen, die so was hier am Laufen hatten. Oder du hast ein Bergwerk, was du aber nicht richtig ausbeuten kannst. Weil du genau weißt, da ist was drin, aber ich habe nicht die Leute, nicht die Technik, das so umzuwandeln, dass das marktfähig ist. Da ist natürlich viel

spezialisiertes Know -how, das man dafür braucht. Der Archimist ist eben die Person, die sich mit Stein und Chemie auskennt. Also der Geologe und der Chemiker in einer Person, in Personalunion, das ist die richtige Person, um sowas zu leiten, dass man vor allem irgendwas abbauen kann, jeder, aber das dann marktfähig zu verfeinern. Und genau darum geht es und das wird dort auch entwickelt.

Kiesewetter schreibt eben über die Schriften seines Urgroßvaters, die er habe und die sind teilweise eben erhalten. Die habe ich zum Teil schon ausgewertet, zum Teil transkribiere ich die noch. Da haben wir einmal tatsächlich Briefwechsel von eben Alchemisten untereinander. Kiesewetter bringt das eben mit den Rosenkreuzzeiten Verbindung.

Sprich doch einiges dafür. Was interessant ist, ist, dass in diesen Schriftverkehr mit den Rosenkreuzern in Anführungsstrichen tatsächlich auch die Probleme des Bergwerkes behandelt werden, thematisiert werden und es auch eine Antwort gibt. Also nicht nur, dass die Vorgesetzten Bescheid wissen um die Lage des Bergwerks, sondern sie geben dann eben auch theosophisch rosenkreuzerische Tipps, wie man ein Bergwerk optimieren kann. Das hört sich dann so an, Zitat. Ich habe dir noch zu sagen, dass du dem Hausherren, dem du zum Hüter und Wächter von Gott gesetzt bist, die Worte 1. Timotheus 6, Vers 17 bis 19 imprägnieren sollst, wenn sein Bergwerk eine gesegnete Fundgrube sein bleiben und es noch besser damit werden soll,

auch dass die Arbeiter ihr Werk mit Freuden und nicht mit Seufzen tun. Das ist meine großartige Lösung. Anderen Spruch an die Wand hängen. Ihr braucht ein anderes Motivationsblockart. Genau so ist es. Das wären die Motivationscoaches heute. Und naja, ich hab da mal geschaut, was steht denn da in Timotheus drinnen. Es ist so, der Hausherr, der Chef des Bergwerks, der soll doch auf einen Teil seines Lohns verzichten. Und die Arbeiter sollen doch bitteschön, so könnte man es deuten, nicht so große Handsprüche haben.

Und da wird es schon werden. Es gibt ja heute auch solche Unternehmensberater nicht. Ja, einmal umstrukturieren, dann wird das schon. Genau, am Mindset arbeiten, so richtig, richtig, genau. Ja, und Gisetta bekommt irgendwann von seiner Mutter dieses Konvolut an Briefen, in dem Fall ja schon 150 Jahre alte Briefe und auch anderen alchemistischen Handschriften geschenkt, weil sie ja merkt, dass ihr Sohn sich für sowas interessiert, dass die Hexengeschichten vom Papa verfangen haben. Und er sagt, ja, also wir haben ja noch vom Uropa und nicht. Und in dem Moment ist er hin und weg. Und auf diesen Fundos baut er. Und da braucht er keine aktuellen Geschichten, weil er eben geistig dort unterwegs ist. Und ganz

spannender Kontrast eben zu dieser Theorie. Man müsse zu... Also es wäre elitär oder allein elitär geprägt gewesen, die esoterische Szene, weil man da zu gewissen Vorträgen in der Großstadt hätte gehen müssen, um... Zugang zu bekommen. Wir haben in der letzten Folge schon darüber geredet, wie weitläufig Zeitschriften zu, also wie viele Zeitschriften es gab, wie viel geschrieben und auch auf Flugblättern verbreitet wurde. Das ist ja das ironische Kiesewetter ist genau der, der dann in die Großstädte geht und diese Vorträge hält, wo die Traditionslosen dann sitzen, um sich esoterik abzuholen. Das ist genau das, was passiert. Aber das ist vielleicht die zweite Seite, die immer notwendig ist. Du brauchst Leute,

die das konsumieren und begeistert sind und sich vielleicht traditionslos fühlen. Und du brauchst Leute, die diese Tradition vermitteln können. Ob sie sie haben oder nicht, ist eine andere Frage. Vor allem von Sepp Wottendorff denke oder so. Also Leute, die dann eben ihre Geschichte einfach auch erfinden, wie es ihm passt. Aber Kiesewetter hat ja tatsächlich eine Traditionslinie.

Du familiärer Altenamisten. Genau, so ist es. Und naja, wo ist jetzt die Verbindung zum Mining? Naja, also dieses Bergwerk, und das ist auch viel schon angeklungen, das geht dann Ende des 18. Jahrhunderts zur Neige. Der Ertrag stimmt einfach nicht mehr. Egal, was sie tun und so weiter, es raut nicht mehr hin. Und dann kommt der Herzog eben auf die Idee, in der Nähe seine Residenz und seinen Park auszubauen. Bei den Bauarbeiten wird eine Höhle entdeckt. Und dann heißt es eben, dass 300 arbeitslose Bergleute und wohl auch Ingenieure und Vorgesetzte dann bei dem Ausbau dieser Höhle beschäftigt wurden.

Und da können wir jetzt natürlich gut vorstellen, dass der Berginspektor Hausen da irgendwie auch eine Rolle spielt. Vielleicht auch sein Sohn, der sich immer vortut und dann sagt der Herzog, hey, prima, die Jungs, die taugen was, die kriegen Platz an meiner Forstakademie und so weiter. Ja, also das kann man sich wirklich ganz praktisch vorstellen, denn die Orte liegen 100 Meter nebeneinander.

Das ist alles überhaupt keine große Welt. Und ja, ich meine, auch als Herrscher hatte er einfach das Problem, dass du jetzt hunderte arbeitslose Bergleute da sitzen hast. Ein kleiner Hinweis noch zur ideellen Seite tatsächlich. Also schon die ersten Herzöge, die dort diese Alchämie und das Bergwerk fördern, die kommen gerade noch aus einer Zeit der Hexenverfolgung. Das ist doch gar nicht lange her. Und der Herzog, der da die Wände schafft, das ist Bernhard, der Erste, der von Kiesewetter auch ironischerweise so bedacht wird. Ja, also Kiesewetter checkt die Sache, forscht nach dem Bergwerk, stößt auf die alten Verträge mit den Alchemisten, Auber hatte doch recht und so. Dieser Herrscher, der hat es tatsächlich

geschafft, eine mentale Wende einzuleiten, ja, von einem Staat der Hexen verfolgt hin zu... einem Staat, der offen ist für Alchemie und hermetische Philosophie, ganz ausdrücklich. Er hat sogar Studenten ein Stipendium gegeben für das Studium der Alchemie und der hermetischen Philosophie. Steht ausdrücklich so in den Quellen. Klar, die Zeit hatte sich geändert, die Religionskriege waren vorbei. Alle Hexen waren verbrannt. Das Problem wurde von seinen Vorfahren gelöst. Die wurden mit Stumpf und Stil. Von daher musste er ja auch sich keine Sorgen mehr machen, weil alle schlechte Magie war ja schon erledigt sozusagen.

Da kann man sich dann auch so ein bisschen hermetischer Philosophie zudämmen, wenn man keine ernsten Hexenprobleme mehr hat. Ja, vor allem bei den Jungs wird ja immer drauf geachtet, das merkt man dann im Briefverkehr, dass sie zu hermetischer Sinn und die alten Weisheiten pflegen wollen. Aber alles sehr, sehr christlich ist. Auf jeder Seite ist zehnmal mein himmlisches Jesulein.

Den Texte, den ich transkribiert habe, ganz ehrlich, das ist schon sehr barock in der Sprache. Ich drücke es mal so aus. Wenn du dir diese ganzen kitschigen kleinen Putten vorstellst und diese Lierungen, so ist auch die Sprache. Das ist ja bei vielen auch auch Grimoires und Sachen aus dem Mittelalter, also Zauberbücher und Sachen, die als besonders deviant gelten. Und dann gerne auch hier als Tradition von esoterischen Szenen oder mittlerweile wieder gerne als irgendwie benutzt werden. Die sind extrem christlich, also da wird die ganze Zeit die ganze, also die Bibel zitiert und es werden die ganze Zeit Namen Gottes entweder rezitiert oder fabuliert, aber es gibt auf jeden Fall so viele Namen und es ist eben

ganz wichtig, dass alles im Namen Gottes geschieht, weil so kann ich die Dämonen kontrollieren und so weiter. Genau und das ist auch eine ernsthaftes Spirituell Handgelegenheit, das ist nicht nur Tarnung, um irgendwie nicht doof aufzufallen, da sind wir beim Thema Devianz vollkommen. richtig. Er spielt vielleicht irgendwo eine Rolle, aber nicht unbedingt. Man muss sich tatsächlich vorstellen, die Leute sind im christlichen Kontext aufgewachsen, gezogen und alles. Hausenerfall ist ein Problem.

Ihm wird irgendwann in dem Brief aufgetragen von seinem Rosenkreuz, der Vorgesetzten aus Amsterdam. Er soll doch unbedingt die Heilige Messe, aber die katholische Besuchung. Jetzt sitzt er aber im Kernland des Protestantismus und hat das wirklich weit bis zur nächsten katholischen Messe. Und dann schreibt er, ja, das habe ich versäumt.

Und dann schreibt der Vorgesetzte, das soll ich dir noch fünf Kroschen schicken, dass du dir deine Reise kosten und so. Weil du sollst unbedingt zur Messe gehen und du sollst die katholische Messe erleben. Das ist ganz elementar wichtig, sonst brauchen wir nicht weitermachen. Und das sind wirklich harte Geschichten, um die es da geht. Die werden ganz schön zusammengestaubt von ihren Rosenkreuzer Vorgesetzten. Das ist ja doch wirklich die kleine Gruppe, die sich mit Hausen da gebildet hat, dass sie nicht aktiv genug sein und dass sie saumselig sein und dass sie gar nicht merken, wie ernst die Situation ist. Und auch interessant, sie werden angehalten als kleine Gruppe. Ihren Hausherrn, also ihren

Chef, ihren Bergwerkschef, den sollen sie unbedingt doch auch für die richtige Lehre begeistern und so. Das unterstreicht nur meine inoffizielle Verschwörungstheorie, dass die Rosenkreuze eigentlich nur Jesuiten mit einer Maske waren. Naja, was auffällt ist, dass sie tatsächlich auf das wichtige Tum setzen. Es ist wirklich erinnert an Werkgerechtigkeit, nicht ganz, aber so ein bisschen. Ja gut, aber andererseits klar, da wird dann geschrieben, okay, ich hab euch alles gezeigt, ich hab euch die ... geheime Chemie gezeigt. Ich habe euch die Lehren des Noah und des Hermes gezeigt. Ich habe euch die göttliche und die natürliche Mandi gelehrt. Und ihr sitzt da und da war drum, dass meine Frau krank ist und meine Kinder. Ja, ihr

sollt mal hier ins Machen kommen. Der Weg zur Messe ist zu weit. Ich würde nur ausreden. Da kriegt man schon quasi alle geheimes Wissen und dann machen sie nichts draus. Das muss aber nicht frustrierend gewesen sein. So ist es. Und Hausen gibt das aber auch weiter. Also er schreibt dann auch Briefe als Imperator dieses Zirkels, was eigentlich nur der Ortsgruppenleiter ist. Und dann gibt er das eins zu eins weiter. Ja, ihr seid zusammenseelig. Ist spannend, ist nicht ganz unironisch. Aber man kriegt eben, das ist das Ding, es wird viel über die Rosenkreuze und ihre Lehre und so geschrieben und fabuliert.

Aber wenn man in die realen Korrespondenzen reinschaut, wie du es richtig gesagt hast, auf meinen Grimoires, da sieht es oft ganz anders aus. Und es ist oft nicht das, was die Leute sich vorgestellt haben. Also ich bin mir sicher, wenn ich das als gebundenes facsimile herausbringen würde, als echte Rosenkreuzerschriften, die es ja sind, wären die ganz viele Anhänger der Rosenkreuzer enttäuscht. Weil die erlassen sich was anderes. Genau und ich musste gerade an Adam Weishaupt denken, der sich sowohl mit den Jesuiten als auch mit den Rotkreuzern dann in den Freimauerlosen wogen gestritten hat und der ja da auch in diesem Spannungsverhältnis stand zu sagen, wir wollen weniger Rosenkreuzereinfluss

auf unsere Lehren haben und wir wollen eine Alternative anbieten für die jungen Menschen. Genau und das Thema, wie eben die Gold - und Rosenkreuzer und die Freimauer sich im 18. und 19. Jahrhundert zueinander verhalten, das war Teil meiner Masterarbeit auch und das ist auch Teil jetzt wieder in dem Artikel anders aufgezogen. Kleiner Fun -Fact am Rande. Die größten Konkurrenten der Goldenen Rosenkreuze waren die Freunde von der strikten Observanz, die Neotempler. Und die fanden in Meiningen nicht nur in den beiden Herzögen, damals ihre besten Freunde und Förderer, sondern das letzte Hauptquartier, eines der wichtigsten Hauptquartiere, war die Loge in Meiningen. Und Ordensgründer von Hund und Alten Grottkau, der ist in Meiningen

gestorben im Kreis seiner Brüder. und wurde dann ins 20 Kilometer entfernte Meristadt in einen katholischen Ort gebracht. Mit einem offiziellen Leichenzug, der groß beschrieben ist, pompös und alles. Mit Haiduken und Fanfaren, mit allem. Von Hund haben wir in der Freimauer in der Folge kam, er kam ja auf mit der strikten Observanz, da haben wir mal drüber geredet, genau. Ja, auch ein Illustrer. Ein illustrer Charakter. Wenn man sich jetzt anschaut im 17. Jahrhundert, diese Alchemie -Geschichte der Herzöge, dann im 18.

Jahrhundert ganz stark die Freimauerei und dieses absolute Push des Templarsystems und dann Akteure wie Bechstein im 19. Jahrhundert und so. Man merkt, da ist eine rote Linie da. Ähnliches könnte man für Weimar erzählen, ganz einfach. und die beiden gehörten zusammen. Also diese selben Akteure, die ihr von Weimar damals schon benannt habt in eurer Sempler -Folge, die tauchen auch in Meining auf, als Regierungsräte dann auf einmal von Türk ist dabei. Und alle haben sie nach Meining abgeschoben und die konnten da halt einfach mit ihren Herzögen zusammen den Start nach ihren Vorstellungen gestalten. Ja, also wenn man es ins Böse meint, ist das ein Ort, wo die Verschwörungstheorie vielleicht sogar wahrscheinlich wird, so ein

bisschen. Aber eben auch nur, wenn man es aus der Elitebrille betrachtet. Und dieses Thema Freimaurerei, das lasse ich hier jetzt einfach komplett raus, die Krise wird da ja auch. Nur kurz dazu, es gab in den 1920er Jahren einen Freiherrn von Gökling Fambach, der war Freimaurer in Meining und der hat quasi soziologisch die Soziologie und Historie seiner Loge geschrieben.

Und da hat er tatsächlich im Anhang die Mitgliederverzeichnisse. Alle. Und da taucht kein Hausen rauf und da taucht kein Giesewetter auf. Aber warum? Sie hat es nicht nötig. Ja, ja. War einfach auch philosophisch anders und organisatorisch und so. Da war es wichtiger, Briefe aus Amsterdam zu bekommen als jetzt hier mit dem Herzog am Freitag und so weiter.

Da wollte ich das denken. Okay, ich würde sagen, wir können ja echt mal einsteigen. Einfach in die Lebensstation von Karl Kiesewetter. Die habe ich eben wieder richtig rumchronologisiert. Als Erstes kommt natürlich die Geburt am 14. April 1854. 1858. Genius Loki. Mit vier Jahren hatte Kiesewetter einen lebhaften, immer wiederkehrenden Traum. Und zwar befindet er sich in diesem Traum unterhalb einer Burgruine. auf einem Berg sporen beim Mining, der sogenannten Habichtsburg. Und in dem Traum, schreibt er später, hätte er Ähnliches erlebt, was auch in den Sagen des Ortes vorkommt.

Es ist natürlich die Frage, wenn ich mich 20 Jahre später an einen Traum erinnere, den ich mit vier hatte. Und wenn mir mit vier von den Lokalsagen erzählt wird von meiner Familie, dann träume ich da auch davon. Es ist ja, wie viele Träume ich von Harry Potter hatte, als ich mit 13 Harry Potter Bücher gelesen habe. Genau. 1859, 1860 passiert etwas und zwar, Zitat Die Frau des Schlossermeisters Schreck von gutem Ruf schloss mit dem Teufel einen Pakt in der kalten Staude über der Rohrerstürn und schrieb sich in dessen Buch ein. Zitat Ende. Hier haben wir also ein klassisches Hexenmotiv. Ja, jemand begegnet der Teufel. Wie aus hunderten Hexensagen und Prozessen.

Klassische Geschichte. Und diese Frau macht einen Pakt mit dem Teufel, ohne groß zu zögern und schreibt sich direkt in sein Buch an. Jetzt so war jetzt sozusagen die klassische Hexerei. Aber wir sind Mitte des 19. Jahrhunderts. Und etwas ganz anderes passiert, nämlich diese Frau des Schlossermeisters Schreck. Die rennt in der Stadt rum und erzählt allen davon. Okay, ich bin im Teufel begegnet und ja, und er hatte dieses Buch dabei und so. Komischer Selbsterhaltungstrieb, nachdem in meinen, also als eine Stadt war, mit langer Tradition, dass solchen Frauen nicht besonders lange gut geht, die letzten 300 Jahre oder so, das 19. Jahrhundert, vielleicht dachte sie das ist schon alles passé oder... Genau, das ist

die Frage. Ja, wahrscheinlich ist das auch alles passé, natürlich. Es kann auch einfach eine krasse Selbstironie sein. Es kann auch einfach eine Reflektion auf die alten Hexenprozesse sein. Das ist alles sehr, sehr unklar. Aber entscheidend ist, sie wird nicht bezichtigt, eine Hexe zu sein, sondern sie läuft überall in der Stadt rum und verbreitet es selber. Was aber passiert?

Der Hofprediger, der nimmt sie ernst, der bittet sie zum Gebet, zum Gespräch. und die Bilch wird auf die Bibel, dass das alles so passiert sei. Und danach passiert Folgendes, sie wird nicht auf dem Marktplatz verbrannt, sondern die Meininger, die pilgern da hoch in die geile Staule zum Sonntagspicknick, weil schau doch, wer auch dem Teufel begegnet.

Das passiert. Der ganz verändertes Verhältnis dazu, wie in jedem Jahrhundert auch diese gleiche Nachricht, vielleicht den gleichen Mental Breakdown, den diese Frau hatte. Wer weiß, wie gut es ihr ging, als ihr das allen erzählt habt. Je nachdem, welchem Jahrhundert du erzählst am gleichen Ort, ist die Reaktion eine ganz andere und die Konsequenzen für dich sind wahrscheinlich auch ganz andere.

Richtig, richtig. Zumal dazu kommt, dass es ein wirklich schöner Ort ist, also mit Aussicht über die Stadt. Blumenwiesen. Und es ist ein schöner Ort, wirklich. Also romantisch. Der Teufel hat ja bekanntlich Geschmack. Ich meine. So ist es. Genau. Im selben Jahr passiert aber auch die Hochzeit der Eltern 1860. 1866. Da kommt eben das Thema der Hexerei, was wir hatten mit den ausgekochten Kindern, zusammen mit dem Krieg.

Es ist die Zeit des deutsch -österreichischen Krieges. und in der Nähe tatsächlich findet eine Schlacht dieses Krieges statt. Und das sind natürlich Sachen, die den Zwölfjährigen Karl sehr aufwühlen. Und dann beschreibt er, wie er mit seiner Großmutter und seiner Tante spazieren lässt. Und diese beiden Damen, die sehen am Abendhimmel Figuren, sie sehen Dampf. Ich werde das mal zitieren. Die beiden Frauen sahen bei Sonnenuntergang deutlich, Zitat, Menschen, Pferde, Dampf und große Kugeln.

Zitat Ende. Und sie sehen das selber als Zeichen des Krieges, dass eben der Krieg näher kommt und so weiter. So wie Menschen schon immer Vorzeichen am Himmel sehen im Zusammenhang mit Krieg. Sozusagen eine klassische divinatorisches Erlebnis, ja, ohne dass es irgendwie militär sein muss. Ja, dass Leute in Kriegszeiten Wahrnehmung haben, ist der Klassiker seit der Antike. Und dadurch, dass es so eine persönliche Erfahrung ist, hat es ja was. ein bisschen was Mystisches. Das reiht sich ein in seine Gesamterzählung von sich selber dann natürlich, die er dann rückwirkend, wie du gesagt hast, 20 Jahre später konstruiert, in denen natürlich hier die Dinge, die ihm übernatürlich, kamen damals schon, ihm eine Art Bestimmung,

eine Art Lebensweg vorzeichnen. Ja, allerdings ist hier ein Bruch drin. Karl selber schreibt, dass er überhaupt nichts sah, außer den goldgelben Abendhimmel. Und Oma und Tante ihn ausschimpften dafür, wie er das denn nicht sehen könne und so weiter. Und ich denke ganz einfach, das hatte ihm zu der ganzen Story mit den Hexen kurz vorher dieses Gefühl, ich will auch jemand werden, der das sieht. Was sehen die denn da? Da ist doch nur der Himmel. Mensch, Oma. Ja, vielleicht muss ich einfach ein bisschen mehr lesen, dann sehe ich auch was. Vielleicht muss ich noch ein bisschen mehr oder... oder oder mehr Erfahrung machen.

Das ist ein bisschen anders. Genau. Da war die Motivation da. Genau. Wolken gucken. Warum gucken Menschen in die Wolken? Weil sie was sehen. Ja, dazu gibt es natürlich tolle religionswissenschaftliche Studien, die ich hier nicht zitieren möchte. Aber ja, das sind so. Klassische Phänomene. 1867 passiert dann was Interessantes. Skala ist 13 und gewalttätige Jugendliche gab es auch damals schon. Denn da beschreibt er in seiner Schule beim Mittagessen von einem Mitschüler, die Elle durch und durchgestochen bekam. Also diesen kleinen Zwischenraum zwischen Elle und Speiche. Und das ist natürlich heftig, denn das ist ein ganz schön festes Gewebe. Und wenn wir uns vorstellen, das sind 13 Jahre mit einem Messer zum Beispiel.

in der Schule eine Mitschüler, das durchsticht im Unterarm. Vor allem in der Zeit, wo das die Mittel der Desinfektion noch nicht, also wir sind noch nicht infektionstechnisch, kann das im späten 19. Jahrhundert schon auch kritischere Folgen haben, wie im, sagen wir nach dem ersten Weltkrieg, wenn Penicillin dann irgendwie ein großes Ding wird, oder? Das stimmt, aber vor allem gesellschaftlich das Thema Jugendliche Messerstecher. ist nichts Neues. Also ja, hier haben wir sozusagen die bio -deutsche Variante.

Tatsächlich gibt es auch Untersuchungen dazu, dass das Gewaltpotenzial in der Gesellschaft sich seit weniger Gewalt den Kindern gegenüber ausgegeben wird. potenziell auch weniger Gewalt in der Gesellschaft praktiziert wird? Oder hältst du das für hinfällig so? Weiß ich nicht. Aber ich habe die Korrelation einfach im Kopf, dass wenn in der Gesellschaft der Gebrauch mit Messern üblich ist, so wie auch eben bei uns jahrhundertelang, jahrtausendelang, dann gibt es auch Vorfälle mit Messern. Und das, was heute eine Schlägerei ist, war damals eben eine Messerstecherei. Wenn ich halt aus einer Kultur komme, in der das noch so ist, zum Beispiel, in der ein Dolch am Körtel völlig normal ist. Ja, hey, dann sehe ich das

auch anders. Also, man muss das alles mal ein bisschen relativieren, würde ich sagen. Tatsächlich, eine Tat hängt auch am Tatmittel. Was hier aber passiert ist, Karl rennt nach Hause zu seinem Großvater. Er wohnt wohl beim Großvater. Und der ist ja nun alter Militär. Und der verbindet die Wunde nicht. Der wäscht sie nur aus. Und dann bespricht er sie. So eine Art Wortmagie.

Das Thema Desinfektion und Penicillin braucht man nicht, wenn Opa heilzauber kann. So ist es. Genau. Das ist es. Und ja, ich habe mir von einem Arzt, ich habe das mit meiner Arztin besprochen und die meinte, naja, es geht vor allem darum, ob das ein glatter Durchstich ist und ob eben Gefäße oder Therian verletzt sind. Wenn der wirklich so glücklicher Durchstich ist, dass da nichts verletzt ist, dann kann das auch so heilen, wenn man es vor, also auswaschen muss man es, aber eben nicht verbinden. Da war ich auch überrascht, aber. Also es entwickelt sich für seinen Wundbrand da drin, wenn es tatsächlich so tief ist, wenn man das verfügen will. Ich kann es nicht sagen, aber nur gut, der Mann war Lieutenant, war Scharfschütze,

der hat wahrscheinlich schon einige Durchschüsse gesehen. Ja, er weiß genau. Genau, also es ist nicht nur die Frage des Heizers, sondern dass dieser Mann Spezialist ist für sowas irgendwo. Der hat Erfahrung. Ja, aber für einen kleinen Karl war das ein... ein mächtiges oder interessanter Erfahrung. 1970 besiegt ja der deutsch -französische Krieg. Das ist eine Zäsur für Karl, nicht wegen dem Krieg, sondern bei dem Kriegsaufruf, wie es heißt, kam es zu einem Unglücksfall. Es ist unklar, was da genau passiert ist. Aber danach musste Karl die Schule verlassen. Er musste seine Schulausbildung abbrechen mit 16. Okay, ein eingetretener Unglücksfall während der Feierlichkeiten. Genau, der antreibt das später in seinem Brief an den

Vorgesetzten, dass aufgrund dieses Unglücksfalls während des Kriegsaufrufes und der Feierlichkeiten Karl die Schule verlassen musste und er auch kein Geld mehr hatte, ihm eine weitere Schulbildung zu finanzieren. Ich habe geschaut mit dem Hinweis zu einem Kollegen, der in die Chronik geschaut hat. Ich hab auch noch mal in die Chronik geschaut.

Es gibt ein halbes Jahr später einen Vorfall mit einem Jungen in einem Nachbardorf, der sich aus Versehen erschießt aus Leichtwürdigkeit, weil er mit einer Pistole rumspielt. So was Ähnliches können wir uns vielleicht auch denken. Ja, der 16 -jährige Karl, keine Ahnung, Jugendstreiche. Die Stadt ist voll, alle sind aufgeputscht. Sie ist voller Soldaten, Waffen, Munitionen werden ausgegeben. Ja, klar, die sind 16. Irgendwie so was, vielleicht ein missglückter Streich.

Also in der Zeitung findet man nichts. Wenn es was so Großes gewesen wäre, das alles mitbekommen hätten, hätte es auch in der Zeitung gestanden. Immerhin hat der Herzog als Oberbefehlshaber seine Truppen persönlich abgenommen und in den Krieg geführt. Das wäre, es muss irgendwas keines, aber Heftiges gewesen sein. Vielleicht hat Karl sich an dem Jungen gerecht, der ihm vor drei Jahren gestochen hat. Aber das wäre alles Spekulation.

Er selber scheint wohl nicht verletzt worden zu sein. Aber klar ist, die Schule kriegt es mit. Vielleicht war es eine Schulveranstaltung. Ihr müsst jetzt alle Parade stehen zu dem großen Umzug. Und dann hat der eine Knallbombe losgelassen und die Pferde sind scholl geworden. Oder was weiß ich denn. Nee, findet man nichts Genaueres.

Nur dein Vater sagt, okay, damit muss er die Schule verlassen. Und das passte Karl auch ganz gut. Der war 16, jugendlich, und er wollte unbedingt Schauspieler werden. Der Herzog Georg II. war damals ein neuer Herzog nach dem deutsch -österreichischen Krieg geworden. Er war theaterbegeistert. Georg II. von Sachsen -Meining gilt als der Erfinder des modernen Regietheaters mit Ensemble -Szenen.

Das passierte auch in diesem kleinen Ort zur selben Zeit. Karl muss davon begeistert gewesen sein und möchte da unbedingt als Statist mitmachen. Und wie der Vater später schreibt, auf Glade des Herzogs hin wird ihm das auch erlaubt. Genau. Und Karl träumt von einer Schauspielerkarriere. Und der geht er dann auch nach? Außerhalb dieses Theaters wird er Schauspieler? Ja, er wird tatsächlich Schauspieler. Vater schreibt, dass er dann durch mehrere kleinere Städte Thüringens und Theater getingelt ist. Aber er wurde oft um seinen Lohn bedrogen, wo er die Theatersepleite gegangen hat. Also es war finanziell. Es hat nicht gereicht, um einen eigenen Hausstand zu gründen. Am Ende saß er wieder bei seinen Eltern. Aber das erklärt

auch die Lücken, die man einfach da findet. Klar, er war unterwegs, er war unsicher. Aber in der Zeit fängt er auch schon an, sich eben mit seinem Familienerbe auseinanderzusetzen. Mit Faustlegenden und tatsächlich auch Mediumismus schon so ein bisschen. Ja, er liest zumindest zu dem Thema und versucht in der eigenen Krisensituation und Unsicherheit da eben irgendwie so einen Halt zu finden auch. 1874 kommt es dann zu einem Stadtbrand und bei dem wird eben ein Siegel, das Siegel des Urgroßvaters, was ihn als Rosenkreuzer Imperator auszeichnet, wird verbrannt. Und Kari konstruiert später aus dem Gedächtnis dieses Siegel. Das ist auch in einem seiner ersten Artikel in der Zeitschrift Zwingstern abgedruckt. Diese Familientradition

wurde später bei seinem Tod von seinen Freunden tatsächlich respektiert und er wurde mit den Siegeln seines Urgroßvaters auf dem Grabstein beerdigt. 1876 ist er unter anderem in Erfurt unterwegs und untersucht die Legenden über Dr. Faustus, die es dort gibt, und findet die richtigen Orte. und noch einige sagen. Und ja, ich habe selber auch geschaut in Erfurt, weil ich da beruflich öfter bin. Viele Orte der Sage existieren noch, zum Beispiel in der Schlösser Gastsorg. So eine Faust -Stadtführung durch Erfurt wäre auf jeden Fall auch was Cooles. Kannst du dich gerne bei mir bewerben, weil ich mache ja auch freiberufliche Stadtführung. Tatsächlich auch in Erfurt, ja?

Das wäre doch mal ein spannendes Konzept. Ja, gerne. Kommt vorbei, meldet durch. Ja, und andersrum, falls du die anfängst anzubieten, machen wir gerne Folge zum historischen Dr. Faustus dazu. Dann machen wir es sich gut gegenseitig den Leuten empfehlen. Wenn sie das noch in echt erleben wollen, wenn sie schon ein bisschen Hintergrundwissen haben, dann können sie zu dir auf die Stadtführung gehen. An alle, die uns jetzt zuhören, wenn ihr gute Ideen habt für kreative Stadtführung, schreibt die gerne mal in die Kommentare. Gerne auch out of the box gedacht. Ich finde, bei Stadtführung gibt es auch Raum für neue Ideen. Und da war, so ist es. Ja, 1877 ist seine Theatertour vorbei.

Es hat wohl nicht geklappt und er ist dann bei seinem Vater in Sulzer gemeldet. Das heißt, er lebt mit 21, mit seinem Vater jetzt in dessen Dienstwohnung in Oberneu -Sulzer, was aber auch wiederum dafür spricht, dass sie ein recht gutes Vater -Sohn -Verhältnis gehabt haben müssen. In dem Moment hat er seinem Vater vertraut. Er ist eben nicht zurück nach Meining zu Oma und Opa und Mama, sondern er ist zu seinem Vater nach Bad Sulzer. Und der wollte ihm auch helfen, einen Job zu finden, wie man das eben so tut.

Und er schreibt Zitat Jetzt waren wir gemeinschaftlich bestrebt. Es war genau eine beflissene bürgerliche Existenz, ihm zu verschaffen. Zitat Ende. Er hat aber weiterhin Kontakt natürlich nach meinen. Und da ist das einzige Mal, wo eine gleichaltrige Frau erwähnt wird. Er kennt in meinen eine junge Dame und sie sie. Er beschreibt es als Fälle von Mediumismus. in denen sie sich in der Hölle zu sein glaubt und die Hölle beschreibt. Mit der trifft er sich öfter. Die hat wahrscheinlich einfach nur seine Interessen vielleicht auch einfach geteilt oder geweckt. War das eine romantische Beziehung? Nein, nein, nein. Es geht hier nur um Mediumismus und wie sie das beschreibt und so. Eben erhält sich bei solchen Sachen sehr,

sehr, sehr zurück. Wenn er auf der Suche nach seiner bürgerlichen Existenz war, dann wäre das ja eigentlich Teil davon gewesen. Ja, ja, genau. Es liegt da, aber es passiert nicht. Es gibt ja dieses Minen, wo es eben darum ging, dass ihm dann in der Biografie steht, er hat nie geheiratet und man weiß nicht warum. Und 20 Jahre später, wo er lebte sein Leben lang mit einem engen Freund zusammen. Also keine Ahnung, dass es diese...

Ja, das kann doch sein, dass er schwul war. Na klar. Aber du hast jetzt auch keine Berichte über Freunde von ihm oder? Freunde schon, aber die werden halt im rein wissenschaftlichsten Kontext beschrieben. Bei privaten Freunden, ja, man merkt, dass er karl -du -brel in München sehr verbunden ist, aber das hat auch andere Gründe. Max de Soir kommt vorbei, der kommt gleich als Besuch vorbei tatsächlich und wird über Karl Kiesewetter ablästern. Es gibt keine Gedichte aus dem Badehaus wie bei Dürer? Nein, nicht dass ich wüsste. 1979 lebt er weiter in Sulzer und ist aber endlich einen bürgerlichen Job. Und zwar verkauft er Lebensversicherung in Weimar.

Nicht sehr lange, denn drei Jahre später lebt er immer noch in Sulzer. Vielleicht macht er diesen Job auch noch, ist unklar. Aber 1882, da passiert es, dass er eben Kontakt zur Zeitung aufnimmt. Und erst mal hilft er einem anderen Journalisten. Nämlich für die Zeitung Daheim arbeitet ein Jobpunkt Bolte. Und dem gibt er Tipps zum Geschichte des Drachensteigens. Genau, der bedankt sich bei ihm in seinem Artikel. Karl Kiesel wird der Wohnort. Sulzer. 1884 kommt dann die erste eigene Veröffentlichung in derselben Zeitschrift. Daheim. Der Kontrakt zu J. Bolter hat sich also ausgezahlt. Und der erste Artikel von Kiesel, der überhaupt hier zu finden ist, der betrifft den wahren Geburtstag Luthers, nämlich

anhand von Luthers Horoskop errechnet. Moment. Er hat Luthers Horoskop gemacht oder er hat Luthers Horoskop gefunden? Er hat es gefunden und mit den Angaben abgeglichen und festgestellt, dass er doch wohl einen halben Tag vorher geboren ist. Einen halben Tag? Okay, also wir reden wirklich über sehr detaillierte astronomische Berechnungen.

Es geht um einen halben Tag. Es geht nicht darum, dass er zehn Jahre älter war oder? Nein. Es geht um einzelne Stunden, um welcher Planet doch schon weiter war. Und ja, aber Kieselter zeigt hier, dass er einfach praktischer Astrologe ist und will zeigen, dass er sein Handwerk versteht. 1885, da tritt er der theosophischen Loge Germania in Elberfeld bei, die er eben aus anderen Kontexten auch schon bekannt ist. Und er hat Briefverkehr mit Hübbe Schleiden, der ja dann Herausgeber der Zeitschrift Sphinx wird. Ja, die Sphinx war einfach eine der größten theosophischen Zeitungen im deutschsprachigen Raum damals und eben von zentralen Akteuren der theosophischen Gesellschaft gestaltet im Vergleich zu anderen Zeitschriften,

die sie eben nicht waren. Und auch sehr auflagenstark. Also es gibt auch sehr viele Sphinx -Ausgaben. Ja, auch über Jahre und wirklich dicke. Also hunderte Seiten ist so eine Ausgabe teilweise dick. Das ist schon ordentlich. Gleichzeitig Art Kiesewetter aber auch Kontakt. zu einer anderen Zeitschrift, nämlich Psychische Studien, monatliche Zeitschrift vorzüglich der Untersuchung der wenig gekannten Phänomene des Seelenlebens. Dort schreibt er zum Beispiel eine historische Studie über den Zauberer Geronimo Scotto. Und ab 1986 beginnt er dann bei der Sphinx. Also die psychische Studien kommen tatsächlich noch vor der Sphinx und er tritt auf der psychologischen Gesellschaft. in München. Also er ist eben zwar der, der in der

Provinz lebt, aber er ist gut vernetzt. Und was ich auch ganz spannend finde, ist diese Nähe zwischen psychologischen Studien und magischen Studien, die wir auch teilweise bei Leuten aus dem Golden Dawn sehen, die wir bei einem jungen Crowley auch sehen, der sich sehr abschätzig über die Psychoanalyse und so weiter äußert und sagt, naja, die machen eigentlich nur schlechte Magie und sind nicht auf dem richtigen Weg. Die erkennen so ein paar Weiswahrheiten, die So ein paar kleine magische Wahrheiten, aber wir wissen eigentlich mit der Magie, wie man den Geist richtig formt. Und ja, also ganz spannend, dass sich die Leute zu der Zeit schon für beide Sachen oft interessiert haben, teilweise auch in Personalunion.

Wir das heute ja wieder zusammenbringen, wenn wir eine sehr materialistische Auslegung von dem Werk von solchen Magiern drei Weisen sehen, dass wir sagen, naja, damit wurde versucht, so beschreiben Mitglieder des Golden Dawns teilweise auch so Selbstoptimierung und Selbstveränderung, eine Selbstbildung in einem gewissen Rahmen voranzutreiben und da wird dann das magische Ritual fast zu so einer Art Therapie. wenn man sich die Berichte darüber teilweise durchliest. Ja, auch wenn man sich mit den Stuhlchen Freuds beschäftigt. Er war ja gar nicht weit weg von den Themen und er wusste genau um die Schnittmengen zwischen dem, was er tut und dem des klassischen Okkultismus.

Karl Gustav Jung, selig angedenken, nicht? Ja, da schießt sich der Geist dann wieder bei Jung. Da heisst sich der Drache in den Schwanz, so ist es. Ja, 1886 beginnt dann eben die Zeitschrift für die Swings, aber es ist auch das Jahr, in dem er aus der Loge in Elbersfeld wieder austritt. Also er hat sozusagen organisatorisch überhaupt keine Lust auf die Leute, aber inhaltlich und in den Zeitschriften möchte er schon veröffentlichen.

Da fühlt er sich thematisch schon zu Hause. Im selben Jahr veröffentlicht er auch seine Selbstexperimente mit halluzinogenen Drogen und Hexensalben und schreibt von lebhaften inneren Reisen. Zitat. Dabei kam es mir auch öfter vor, dass ich mich auf eine Art Pagode stehen sah, welche auf einem hohen Berg lag. Im Tal darunter befand sich eine Stadt mit würfelförmigen, mehreren stockhohen Häusern, bei denen die obersten Stockwerke stets kleinere Würfel waren. Ich sprach als eine Art Priester zum versammelten Volk. Deine eigene Zoroaster -Erfahrung. Zoroaster. Oder mabilonisch oder so. Ja, ja, richtig. Genau so ist es. Und ja, so dieser priesterliche Habitus, das passt schon zu ihm. Das hat er später auch noch mal.

Ja, so können wir ihn schon ein bisschen vorstellen. Er bekommt auch Zuschriften in der Zeit. Sein Fanpublikum wächst. Also seine Artikel werden gelesen im deutschsprachigen Raum. Er bekommt zum Beispiel aus der Schweiz eine Zusendung von einem Friseur. der aber auch Alchemist ist in seinem Hobby. Und der schickt ihm nun ganz viele Reagenzgläser. Und hier ist es Reagenzgläser mit distilliertem, abgefaultem Blut. Und die zerbrechen aber. Also in der großen Paket, für das Kiesewetter doch Eingangszoll bezahlen muss, hat er dann eben eine richtig ekelhafte Suppe, die er direkt wieder wegwerfen kann. Aber es zeigt, er stößt auf Resonanz. Ja, also er bekommt nun aus der Schweiz Reagenzgläser nach Mining

geschickt. 1887 taucht er eben in der psychologischen Gesellschaft München im Mitkiederverzeichnis aus. In dieser Zeit geht es unter anderem auch darum, dass er Zeitungen und aktuelle Kriminalfälle untersucht. Er ist wohl ein Fan von True Crime, wie wir heute sagen würden. Unter anderem gibt es einen Prozess in Mining, über den wird auch in der Zeitschrift berichtet, die lässt er sich sogar nach Sulzer schicken. Da hat die Staatsanwaltschaft den Verdacht, dass es bei einer Leichenschändung an Kinderleichen tatsächlich magische Motive dahinter stecken könnten, Stichwort Hexenprozesse.

Und da ist er natürlich Feuer und Flamme und lässt sich da diese ganzen Artikel zuschicken. Ich habe das mal ein bisschen untersucht. Ja, tatsächlich also auch in den neuesten Untersuchungen von Kai Lehmann. Über den Henker in mining tauchen solche Vergleichsfälle aus dem 17. Jahrhundert aus, dass eben gezielt Leichenteile benutzt werden und so weiter. Wir werden später noch ein anderes Beispiel für Magie mit Leichenteilen haben. Wir haben eine Folge zu den Henkern vor kurzem aufgenommen und da haben wir auch darüber geredet, dass ja die Teile auch Außerhalb dieses Kontextes, dass Teile von Verstorbenen verwendet wurden in Apotheken, dass man das arme Sündervett in Apotheken kaufen konnte, ganz legitim, und es da verschiedenste

Praktiken gab, von armen Sündervett über Mumia und was man sonst auch kaufen konnte, ist es jetzt nicht so weit weg zu sagen, man verwendet Teile eines toten Körpers für magische oder auch nicht magische Nutzen. Da sind wir eigentlich genau bei der Frage des Okultismus. Man tut etwas Verborgenes, etwas Okultes. Es hat nichts Elitäres.

Es ist klassische Volksmagie, wenn man den Begriff benutzen möchte. Im Sinne von Tyler ist es ein Survival, nicht einfach einer älteren Kulturepoche, das aber noch existiert, das früher ganz normal Teil des Mainstream -Bars jetzt aber nicht mehr ist. Das ist schon alles, was passiert ist. Wenn ich im 17. Jahrhundert jede Apotheke kaufen kann, Bechstein beschreibt, das ist eine Apothekeausbildung.

Die Sachen aus dem 17. Jahrhundert, die haben sie noch, aber halt auf dem Dachboden, weil das heute komisch wirken würde. Menschenfett. Er beschreibt Menschenfett. Ihm ist das klar, dass das früher so war, aber heute landet das im Giftschrank, weil die Leute würden sich erschrecken. Du kannst sie nicht mehr bringen, Mitte des 17. Jahrhunderts.

Uns gibt ein weniger ekliges Mittel gegen das Schnupfen oder so. Von daher ... Ja, wahrscheinlich. Und im selben Jahr 1887 veröffentlicht er auch in der Familienzeitschrift über Land und Meer, so heißt die Zeitschrift, veröffentlicht er einen Artikel über den antiken Balskult. Also wir sehen, auch Familienzeitschriften haben so in bestimmten Genres, da ist mal ein bisschen was creepy dabei, ein bisschen was Unheimliches. Ja, man kann in einer ... In einer kaiserzeitlichen Familienzeitschrift kann man über den antiken Baalskult schreiben und lesen. Ja, und das ist sozial akzeptiert und findet Interesse und ist ja auch gerade die Zeit der großen Religionsstudien und der Religionswissenschaft, die als Methode irgendwie auch aufkommt. Ja,

was wir vorhin hatten, eben die Popularisierung von Religionssystemen, was wir in der letzten Folge hatten, das ist genau das. Und es klingt jetzt so, als wären vorher Religiensystem nicht populär gewesen. Die waren davon auch sehr populär. Aber wir haben so ein gewisses Öffnen der Blickwinkel weg von Christentum und dem Islam und Judentum, zu sagen, was gab es denn vorher? Was gab es denn noch? Was gibt es denn sonst noch so auf der Welt? Da wird es nicht durch diese Linse des Monotheismus immer gedacht. Also das ist, glaube ich, eine große Veränderung. Ja, 1888 ist er dann eben mit seinem Vater wieder zurück in Meining und mit seiner Mutter zusammen alle in der Sedanstraße 18 gemeldet. Vater wie gesagt

pflegebedürftig und wir müssen uns eben eine recht kleine Wohnung für die drei denken mit einem halbseitig gelingten Vater. Und Ende des Jahres 1888 kommt ein Münchner Bekannter von ihm vorbei zu Besuch der Max Dessoirs. Und Max Dessoirs ist eigentlich nur dafür bekannt, dass er Jahrzehnte später seine Anekdoten über alle möglichen Leute, die er gekannt hat, in München erzählt und eben auch über Karl Kiesewetter und Dessoirs. Er bewertet halt alles. Also er bewertet alles, was du anhast, wie du aussiehst, wie du stehst, wie du gehst, wie du lebst. Und er weiß es dann auch und er hat ja so einen weltläufigen Lebensstil und so weiter. Und über Karl Kiesewetter, das geht schon mal mit dem Missverständnis los.

Also Kiesewetter äußert sich über Karl Diebrell von der Psychologischen Gesellschaft von München über Jahre hinweg sehr, sehr positiv. Jetzt ist er mit This World and Mining spazieren. Und Kiesewetter redet über Dybrellerei. Das ist natürlich einfach ein Wortspiel. Es ist in der Mentalität der Leute in Syltüring absolut normal, sich gegenseitig zu necken, Kruse namen, Spitz namen. Das ist überhaupt nicht kritikwürdig geweint. Und Dessois macht 40 Jahre später daraus, aber ... dass er eh nicht leiden konnte. Und überhaupt. Und dass er ihn eigentlich für einen Betrüger hielt. Was sich aber wieder entkräftet, weil Kieselwetter ein ganzes Werk Karl Typurell widmet. Okay, also eine ganz schöne Zweiskaltigkeit zwischen der

Rezeption der einen und der anderen Seite oder wie er... Ansonsten beschreibt de Soir, dass er ein Antiasket mit einem wüsten Lebensstil sei. Das werde ich allerdings mal auf seinen, ich weiß nicht, Alkohol - und Drogenkonsum in der Zeit... Auf seine Experimente mit Hexenkleidung wahrscheinlich. Genau, die Experimente. Und er steht auch im Garten und er hat nämlich etwas gefunden. Karl, er hat etwas gefunden in der Zeit. Und zwar wie man, Zitat, durch gezieltes Pfeifen im Garten Eidexen anlocken könne, Zitate, Ende. Okay. Biestmaster. Ja. Der Eidechsenflüsterer.

Der Eidechsenflüsterer, Peacemaster, genau. Und das kommt des Soir alles schon sehr wüst vor, das versteh ich. Weil an der Lebenssituation kann's nicht geleben haben, weil er wohnt bei seinen Eltern, er hat ein Zimmer, wie er schreibt, und der Vater ist disabled. Also so wüst, es ist keine wüste Single -Wohnung, weißt du, was ich mein? Und wenn die Mutter Bertha die Hausfrau ist, so wüst kann's nicht aussehen. Also Karl versucht in der Zeit Eidechsen anzulocken. 1888 legt er auch in einer Zeitschrift die Horoskope der deutschen Kaiser dar. Das ist relativ speziell.

Das war lange Zeit nicht so einfach, das Horoskop eines lebenden Herrschafts zu veröffentlichen. Aus verschiedenen Gründen. Karl tut es. Und er prophezeit vor allem einen neuen Krieg. Oh. Genau. Ja. Und er wird ausgelacht dafür. Es gibt eine Satirezeitschrift, der Junge Kikariki, in der gibt es dann ein Satiregedicht, ein Kiesewetterprophet.

Und da wird es nicht mehr lustig gemacht, wie er als Astrologo und Okultist. Nein, wir haben doch jetzt unser Kaiserreich. Wir haben den Erbwald Frankreich niedergebrungen. Was für ein Unsinn. Wo soll denn jetzt ein neuer Krieg herkommen? Und er hatte Recht. Ich meine ... Ja, genau, er hatte recht. Ja, 1819 zieht die Familie wieder um an den oberen Hasen II. Und danach arbeitet er an seiner ersten großen Monographie, nämlich Geschichte des neueren Okultismus. Und die hat den Untertitel von Agrippa von Nettesheim bis Karl -Dübrell. Also wenn ich Karl -Dübrell namentlich im Titel meiner Hastmonographie nenne, dann ist er In der Regel wohl ein Freund. Er experimentiert in der Zeit auch weiter, eben mit psychischer

Fernwirkung, wie es heißt. Da können wir uns tatsächlich Sachen wie Telekinese zum Beispiel darunter vorstellen. Und hier bringt er ein interessantes Beispiel, denn er versucht einen anderen Menschen aktiv zu verzaubern und er schreibt ganz offen darüber in seinem Artikel. Er ist jetzt 37 Jahre alt, er ist recht füllig. Und er beschreibt, Zitat, wie er versteckt hinter einer Hecke den fahrradfahrenden Sohn seines Vermieters mittels Imagination zum Fallen brachte, als er diesen Sommer auf der Ebenenchaussee vor dem Hausgarten übte. Er befragte den Betroffenen danach auch qualitativ, wo und wie er denn etwas gespürt habe. Zitat Ende. Also nicht nur, dass ich dich mit meiner psychischen Kraft vom Fahrrad reiße,

sondern... Ich komme danach auf dich zu und frage, wie es für dich war. Und wie hat sich für dich eingefühlt, von mir verzaubert zu werden? Und auch diese Diskrepanz zwischen dem fülligen Mann, der da hinter der Hecke hockt und dem Jungen. Vor allem, ich kenne die Ecke. Das ist eine wirklich befahrene Straße. Das hätte richtig toll zu Hause gehen können. Also... Super Bild, ja. Das Bild im Kopf kieselt er hinter der Hecke und dann kommt er aber und ist super nett. Genau. So müssen wir uns ein bisschen denken. Im selben Charakter, das gibt so einen Einblick von den Drogen und den Selbstexperimenten mit diesen Sachen zu.

Wie heißt dieser Kinderfilm mit dem kleinen Mädchen, was ihr durch ihre Gedanken diese Fernwirkung tatsächlich umsetzen kann? Mir liegt es auf der Zunge. Matilda. Der Matilda -Film ist so ein Weihnachtsklassiker, der jedes Jahr läuft. Das war meiner Kindheit mein erster Kontakt mit der Idee, dass man mit seinem Geist telekinetisch etwas bewegen könnte. Ich stelle mir Kiesewetter als eine sehr große Matilda vor. Ja, so ungefähr.

Richtig. Ja, interessant ist, dass eben im selben Jahr als der Junk -Crime -Fan auch eine Schwurgerichtssitzung stattfindet gegenüber einem Hauptmörder. Und da ist er dann im Publikum. Also sowas macht er häufiger, geht auch ins Theater und so. Also ist Gesellschaft nicht schon unterwegs. Und während der Richter bei dem Prozess das Todesurteil verkündet, schlägt genau in dem Moment draußen ein Blitz in den Baum ein. Und er erkennt es als Synchronicität, beschreibt es als Synchronicität und erklärt, hey, genau aus sowas sind in früheren Zeiten Sagen entstanden. Genau aus solchen Synchronicitäten.

Er erklärt es nicht nur theoretisch, sondern anhand seines eigenen Beispiels, ohne dass das etwas von dem magischen Charakter nehmen würde. Diesen guten Zitaten ist ja trotzdem passiert, auch wenn sie im geheimen personalen Zusammenhang steht. Es ist eine ganz spannende Zweischneidigkeit zwischen jemandem, der diese Mieterperspektive auf diese Dinge hat, auf sein eigenes Erleben von solchen Erlebnissen und gleichzeitig dann ja Leute mit seiner Magie vom Fahrrad schubst.

Also das sind so zwei Geister, die im gleichen Menschen wohnen. Ja, richtig. Und das macht es wirklich spannend, weil er schämt sich für nichts. Das ist interessant. Also viele Sachen, wo man sagt, oh, und Okultisten, die verbergen ja alles, wir werden gleich einen Beispiel haben. der wird den ganzen Verschwörungstheoretikern ein Licht aufgehen. Ja, 1892 stirbt eben sein Vater, das war wohl wirklich ein Einschnitt, er zieht mit der Mutter um in die Leipziger Straße und im selben Jahr gibt es eine Vorstellung und zwar Zitat des bekannten Hypnotiseur Karl Hansen in Meiningen. Da sind wir eben bei der Sache, Hypnotiseure, Bühnenhypnotiseure, das sind derzeit auch Männer.

von wegen Mediumismus und so. Er ist also natürlich Teil im Publikum bei dieser Vorderführung. Und er beschreibt sich selber eben als den Fachmann und Kritiker, der diese Show des Kollegen zuschaut. Und in der Pause hilft er dem Herrn Hansen auch und gibt ihm den Tipp. Und zwar bittet Karl, der Meininger -Magier, bittet nun den Hypnotiseur Hansen doch bitte ein Stück aufzuführen von Dr.

Faustus. Und zwar geht es darum, die Leute glauben zu lassen, dass sie Weintrauben wären. Und Hansen kennt es nicht, aber er checkt sofort, ja, okay, das ist auch eine Nosenung. Und Karl instruiert ihn, wie er schreibt, sodass Hansen dieses Stück nach der Pause dann perfekt zur Aufführung brachte. Und alle waren begeistert. Und Karl schreibt dann auch so suffisant ein Jahr, Zitat, da ich nun hier als Fachmann bekannt bin, ließ er mich bitten, doch nun einmal mit ihm zu experimentieren.

Und zwar nicht der Hansen, sondern ein junger Zuschauer. Im Kubikum sitzt ein 17 -jähriger Apothekergeselle, der Herr Sänger. Und der ist total fasziniert von dem, was hier passiert und was er erlebt. Und er checkt, dass dieser füllige Mann, dass der hinter die Bühne darf und dass der Fachmann ist. Man erzählt sich in der Stadt ja und so weiter. Und nach der Show, die Freunde kommen ins Gespräch und erbittet Karl, eben in der Version, mit ihm zu experimentieren, weil diese Hypnose gerade, die sie erlebt haben, hat bei ihm besonders gut funktioniert und er möchte davon mehr wissen. Und hier sehen wir natürlich, wie die Aktion von Kiesewetter auf Resonanz stoßen.

Ja, in dem Fall bei diesem 17 -jährigen jungen Mann. Und ja, sie verabreden mehrere Termine. Und Karl wird jetzt mediumistisch mit dem jungen Herrn Sänger arbeiten. Ist das sein erster Gefolgsmann oder ist das der, der die Experimente vorher eher allein gemacht und jetzt hat er jemand, der gemeinsam experimentiert oder... Genau, so könnte man es sehen. Richtig, richtig. Und vor allem ganz wissenschaftlich, wie er ist, macht er es nicht alleine, sondern mit verschiedenen Zeugen. Zitat. Ich sagte zu und am 21. August kam Sänger zum ersten Mal zu mir. In seiner Begleitung befand sich der Kaufmann Albert Bernstein und der Kandidat der Medizin Moritz Bernstein, beide von hier, außerdem noch ein vorübergehend anwesendes

Student der Medizin aus Hannover, dessen Name mir entfallen ist." Zitat Ende. Und sie vier experimentieren also mit dem 17 -jährigen Sänger, spielt auch hier überhaupt keine Rolle, zeigt nur, dass er eben überhaupt nicht dieses Thema hat, was die Freimaurer haben in der Zeit oder sogar nicht. Der Mann ist Arzt. Das ist entscheidend.

Er hat keine Berührungsängste, genau. Und er hat das gleiche Interesse vor allem auch. Er will ja auch dieses... Darum geht's. Nur darum geht's. Genau. Alles andere spielt da überhaupt keine Rolle. Ja, es sind also nur Männer anwesend bei dieser ersten Sitzung und sie machen ein paar Tests. Sie verbinden Sänger die Augen und bitten ihn, Sachen abzulesen. Keine Ahnung, Buchrücken, Buchtitel und so weiter. Das klappt noch relativ.

gut und sehr flüssig. Und dann versuchen sie so die Fehlerquellen zu minimieren nach eigenen Angaben. Und dann passiert das tatsächlich. Und darüber schreibt Kiese, wird er häufiger. Er braucht jetzt mehr Experimentierpersonen, um eben Vergleichsexperimente zu machen. Und im Garten spielt das zwölfjährige Mädchen des Nachbars.

eines Hofmusikers. Und die lädt er, der 38 -jährige füllige Mann, in sein Zimmer bei den Eltern ein, doch mal mit ihm zu experimentieren. Problematisch? Ja, ist halt der Frage, was man anlegt. Er schreibt offen darüber, nennt sogar den vollen Namen des Mädchens und ihres Vaters. Ja, es mutet etwas komisch an von außen, aber ja. Ja, das sind genau solche Quellen für Missinterpretation. Das Mädchen ist aber auch sehr begabt tatsächlich. Und dann verschärfen Sie das Experiment, da ist wieder nur Sänger dabei. Und tatsächlich fangen Sie mit dem an, was man Channelen nennen würde. Also Sänger ist in einem anderen Bewusstseinszustand und lässt lauter Geister durch sich durch. Kiesewetter lässt sie auch unterschreiben. Und Sänger unterschreibt

dann eben keine Ahnung. Zum Beispiel mit alten französischen Adelstiteln. Und Kiesewetter recherchiert dann, ja, die Leute hat's wirklich gegeben. Solche Sachen. Okay, es gibt natürlich keine Meta -Analyse davon. Wir müssen die Geschichte so nehmen, wie sie uns hier erzählt wird. Dann lässt Faust aber auch seinen Lieblingszauberer Faust channeln.

Und der junge 17 -jährige Sänger, der channelt nun Dr. Faustus. Und das möchte ich mal vorlesen, was uns Dr. Faustos durch den Körper dieses 17 jährigen Jungen zu erzählen hat. Oh ja, bitte. Zitat Ich befinde mich heute am 18. September anno 1892 so wohl, wie sich niemand der vergänglichen, unwissenden Erdensöhne auch nur im Entferntesten vorstellen kann. Deshalb verfehle nicht meinen lieben Anhängern die herzlichsten Grüße zu sagen.

Folgt mir nach in meinem geheimnisvollen Wandel. So wird es euch so gehen, dass ihr euch unleserlich werdet. Zitatend. So für die Grüße von Dr. Faustus. Darf ich raten, dass es unleserlich bewusst heißt? Könnte sein. Könnte sein. Es würde jetzt mal reinpassen in die Lücke. Wenn es ein Lückentext wäre, würde ich bewusst reinschreiben. Klar.

Klar kann jeder reinschreiben, was er möchte oder ... Das ist interessant, weil das hat Kiesewetter nicht transkriptiert, sondern als Fotomontage in seinen Text eingefügt. Diese Handschrift. Weil er eben zeigen will, dass auch Sängers Handschrift im mediumistischen Zustand verändert ist. Ah, er hat die Handschrift von Faustus. Er schreibt altmodisch. Er spricht altmodisch, er schreibt altmodisch. Er weiß Dinge, die der 17 -jährige Sänger nicht wissen kann. Und bei einem dieser Experimente ist eben auch seine Mutter Berta anwesend. Bertha selber, die hat eben auch Spukgeschichten zu erzählen aus ihrer Jugend, die Kieselwetter einbaut. Und unter anderem, da sind wir nochmal bei dem Thema der Leichenteile, Bertha beschreibt,

dass sie als junge Frau einen alten Markt eines Metzgers kannte. Und dieser alte Markt, die trug stets ein Kinderhändchen, ein getrocknetes Kinderhändchen als Amulett in ihrer Tasche, um sich bei Diebereien im Haus unsichtbar zu machen. Okay. Das ist auch weit weg von Edite, sondern bei tradierten Formen der Volksmagie sich unsichtbar machen. Also hier ganz krass, dass eine alte Magd einer vielleicht 17 -jährigen Jugendlichen erzählt, ja, also eigentlich bin ich kriminell, seit Jahrzehnten bestehle ich meinen Chef. Das klappt auch ganz gut, dank meines magischen Händchens und so. Achso, wenn Sie Diebstähle vor... Jaja, die eine Frau. Wie oft wurde bei der eingebrochen, dass jedes Mal, wenn bei ihr jemand einen Einbrecher kann, Sie

sich unsichtbar machen. Sie ist diebend bei Ihrem Herrn, beim Metzger. Ich versteh's jetzt. Okay, so. Macht viel mehr Sinn. Ich hab mich schon gewundert, wie oft wird bei der Metzger eingebrochen. Ja. Also, wenn ich da arbeite, super. Ja, vor allem, was für ne Kutzpe als alte Frau, dass du einfach mal... Das mache ich schon ewig, das funktioniert auch gut. Das sind genau solche Sachen, solche Survivals in dem Fall. 1893 erforscht Kiesewetter tatsächlich noch mal regional genauer in Erfurt und so weiter nach. Und er macht ein paar Reisen. Also unter anderem in Leipzig werden Sachen veröffentlicht. Aber er reist auch nach Hamburg und hält dort am 12. Januar 1993 in der Hamburger Loge zum Licht einen Vortrag zum Thema

Die Entwicklungsgeschichte des Spiritismus. Von der Urzeit bis zur Gegenwart im selben Jahr erscheint auch eine Biografie, die er geschrieben hat, und zwar über Franz Anton Mesmer. Kiesel hat eine Mesmer -Biografie geschrieben, die auch die Mesmer -Anhänger europaweit super gefeiert haben. Ja, der Mesmerismus, also Mesmer oder Mesmer auf jeden Fall auch jemand, der das erste Mal auch mal eine eigene Folge verdient hat, weil der natürlich in diesem Umfeld extrem einflussreich war, die besten Ideen bis heute noch sich wiederfinden lassen in verschiedensten weiterentwickelten und abgeänderten Formen und der da ein Wegbereiter für viele so Gedanken, Welten sind, die jetzt ihr eigen Leben entwickelt haben seitdem, sag

ich. Vor allem auch Anwendungen, nicht nur philosophisch, sondern Da geht es ja um Anwendung auch. Lustige Apparate und andere Dinge, das stimmt. Ja, und dann gerät Kiesewetter aber so ein bisschen ins Streit mit seiner theosophischen Geschichte und vor allem mit Hübe Schleiden, weil der sagt irgendwann, Karl, was du treibst, das ist aus meiner Sicht schwarze Magie. Ich möchte damit eigentlich nichts zu tun haben und ich werde doch genau überlegen, was ich davon noch truppen werde und nicht. Und Karl antwortet darauf in seiner nächsten Monographie, die Geheimwissenschaft, auch großes Werk. Und da geht er darauf ein. Zum Schluss, letztes Kapitel, weiße und schwarze Magie. Und dann erklärt er seinen theosophischen Freunden, dass sie von

Geschichte keine Ahnung haben, dass sie von den Quellen keine Ahnung haben und dass das, was sie hier als Dogma der schwarzen und weißen Magie überall umher erzählen, überhaupt keine historische Grundlage hat. Und dass Sie ihm doch bitte mal Barclipper zeigen sollen, wo das steht. Ja, so halt. Also Zitat dazu. Kiesewetter aus dem Diskurs mit der TG. Zitat. Ja, da ist eigentlich alles gesagt. Wenn ihr die Quellensammlungen nicht kennt, dann erzählt mich zu Indien. Oder nicht nur von Indien, sondern gerade von Plavatsky, Besson und Orchardt, die diesen Asienfokus hatten, aber die auch generell nicht für die saubeste Quellenarbeit bekannt waren. Also im Plavatskys Fall zum Beispiel. Das ist halt das Ding. Und

dann brauchen sie halt eher Mr. Hohe kann nicht kommen mit schwarzer, weißer Magie. Der hat das nicht ernst genommen. Vor allem, weil er in dem Buch tatsächlich Tafeln abgedruckt hat, die in der frühen Neuzeit Maginicre genannt werden, schwarze Magie, was aber nicht derselbe ist, als was die darunter definieren. Er aber oberflächlich betrachtet, auch bei alten Grimoires, kann es so wirken, dass es irgendwie... Ja, es ist ja heute auch so. Die Leute sehen umgedrehtes Pentagramm und denken, das ist ein böses Symbol. Aber solche Missinterpretationen gehen tatsächlich auch auf diese Schwarz -Weiß -Debatte der TG zurück. Das ist leider wirklich so. Und im Nachhinein haben sie ihrer Szene damit keinen großen Dienst erwiesen.

Denn heute, wenn du bei YouTube schaust, also ja... Die Videos, die zur theosophischen Gesellschaft und zur Theosophie online sind, sind schon eine... Ein bunter Blumenstrauß, sag ich mal. Und seit es KI -Bilder gibt, sind die Sachen auch nur noch wilder geworden, sag ich mal. Genau so ist es. Ja, und im nächsten Jahr stellt er dann auch tatsächlich kurz zu seinem Tod die Arbeit ein.

In dem Moment, wo Miss Bessent erscheint in der Sphinx, schreibt er seinen letzten Artikel über Filo von Alexandria und seine Theosophie. Geburtstag. Also sehr jung. Es muss man aber sehen, bei Wikipedia steht, er stirbt aus Versehen als Selbstversuchen. Bei jemanden, der so lange sich selbst Hexensalben mischt, sich lange Zeit Drogen konsumiert, also kein Anfänger ist, der aus Versehen zu viel nimmt, der bringt sich nicht aus Versehen. Wenn, dann hat er sich mit Absicht genau an dem Tag mit einer Überdosis selbst suizidiert. Aber dass er jetzt aus Versehen zu viel nimmt und daran ausgerechnet an dem Tag zufällig stirbt, das ist quasi ausgeschlossen. Wobei in dem offiziellen Obduktionsbericht, also es gibt im Kirchenbuch

einen Eintrag, offiziell Todesursache ist Leberverhärtung. Okay, ist das ein Begriff für was Spezielles, was wir heute anders nennen? Leberverhärtung, hab ich sagen lassen. Aber dafür ist das Datum, dass er genau an dem Tag stirbt, komisch. Gibt es aber auch. Es gibt Leute, die um ihren Geburtstag herum sterben. Das kann ja auch sowohl als auch sein. Man kann ja nach jahrelangem Alkoholismus eine Leberzerose haben und dann trotzdem ein bisschen zu viel Stechapfel nehmen, weil man vielleicht nicht mehr will. Genau, irgendwie so eine Mischung. Entscheidend ist, seine Mutter überlebt ihn und seine Freunde kommen und spendieren ein großes Grabmal. Dafür verkauft Mutter Bertha oder gibt ihnen aber auch eben diese Aufzeichnung

von Urgroßvaterhausen mit. Die sind zum Teil heute in einem großen Archiv gelagert. Genau, die sind aber zum Teil, nicht alles, aber zum Teil gut digitalisiert. Das Grab, naja, das Grab an sich, das enthält eben einmal dieses Siegel von Urgroßvaterhausen, dieses Rosenkreuzersiegel. Und auf der Tafel des Friedhofs und jetzt auch auf dem neuen Flyer steht eben die Selbstbezeichnung Theosoph und Rosenkreuzer. Auf dem Grabfartein selber da steht lediglich hier ruht in Gott Karl Kieseletter Schriftsteller und gewidmet von seinen Verehrern. Das ist alles was auf dem Stein selber steht dazu, dieses Rosenkreuzersiegel und eben die Erklärung auf der Tafel. Theosoph und Rosenkreuzer.

Und ja, es ist letztendlich, wenn man danach fragt, ist das realistisch? Ja, ist es. Es ist seine Selbstzuschreibung. Es ist so, wie er sich selbst gesehen hat, die Tradition, in der er sich selbst verortet hat. Ich wurde auf was Interessantes auf Detail hingewiesen und zwar, ob ich untersuchen könne, warum der Grabstein am Sockel mit einer Art Kralle, also das sind wie kleine Krallen, ob das eine Bedeutung hat. Und tatsächlich, ich habe tatsächlich in der klassischen alchemistischen Literatur eine Deutung dieser Krallen gefunden.

Und zwar stehen laut einer Rosenkreuzer Bildtafel des 17. Jahrhunderts stehen diese Krallen oder Greifenfüße im Zusammenhang mit Capricius und Bayard. Und in diesem Mythos geht es darum, dass beide primaterielle, also geistige Prinzipien verkörpern. die aber die Materie beherrschen. Und der Beischlaf dieser beiden hängt mit dem Tod zusammen. Deswegen passend für einen Grabstein Zitat Der Beischlaf des Capricius mit Baer führt zu seinem sofortigen Tod. Denn Baer erhebt sich über Capricius und schließt ihn in ihrem Schoß ein, sodass rein gar nichts mehr von ihm zu sehen ist. Mit so großer Liebe hat sie ihn ganz in ihrer Natur aufgenommen und in unteilbare Teile geteilt. Das ist doch eigentlich ein sehr schönes

Bild für den Tod, vor allem wenn das durch so ein paar Grallen ausgedrückt wird für die Eingeweihten und die anderen das ja nicht sehen. Also das ist ja ein schönes Bild. Schöne Wildigkeit. Aber ich finde auch, das ist ein sehr schöner Abschluss zum Leben von Kiesewetter. Und wir sehen jetzt hier an dem Leben so ein paar grundlegende Unterschiede zwischen der Provinz und der Großstadt, oder?

Wir sehen so ein bisschen, um die Brücke nochmal zu schlagen, es gibt Gemeinsamkeiten und es gibt Unterschiede. Aber im Endeffekt beschäftigen sich beide mit ähnlichen Themen aus unterschiedlicher Perspektive und mit unterschiedlicher Rangehensweise und vielleicht auch mit anderen, mit anderen persönlichen Bezug. der vielleicht auch einen Unterschied macht zur Herangehensweise generell.

Und ich denke, im Kontrast zur letzten Folge wird das wirklich schön deutlich. Man hat zwar ähnliche Themen, die aber ganz anders aufgehängt sind. Ja, in dem Artikel selber, der ist auch nochmal viel ausführlicher zu den Hintergründen. Und ja, letztendlich diese ganze Story von dem Bergwerk. über die Rosenkreuzer in Freimaurer des 18. Jahrhunderts, den Diskurs im 19. Jahrhundert und eben die Biografie von Kiesewetter und so weiter. Zu dem Thema plane ich eine Doktorarbeit.

Und wenn von unseren Zuhörern sich jemand tatsächlich beteiligen möchte oder mich unterstützen möchte bei dieser akademischen Arbeit, dann kommt gerne auf uns zu oder auf mich. Ja, eine schöne regionalhistorische Forschung. zu Magie und religiöser Devianz. Ja, also ihr könnt das natürlich an uns schreiben, aber wie können die Leute denn direkt erreichen, wenn sie dich direkt rufen? Tatsächlich über euch am besten. Genau, weil dann leite ich das weiter. Wenn das bei uns ankommt unter allezeitderweltpodcast .gmail .com, dann leite ich das weiter an Ben.

Das wäre super. Und ich melde mich dann bei den Leuten entsprechend sehr gerne noch. Ja, und ich fand's ganz spannend mal wirklich in so einen vielleicht unbekannteren Lebenslaub auf so einer detaillierteren Mikroebene reinzugehen, weil halt dieses Wetter tatsächlich so ein bisschen... nicht zu manchen Zuschreibungen und Klischees ganz gut passt und zu anderen dann auch wieder nicht. Das ist immer das Schöne, wenn man sich die Einzelfälle anguckt, ist ja auch so ein bisschen die Methode, wie dann Historiker arbeiten. Wenn man sich dann wirklich auf einen Ort und eine Persönlichkeit einschließt, sage ich jetzt mal, und sich detaillierter damit beschäftigt, dann bekommt man Perspektiven, die die große Erzählung

halt meistens relativieren. Also wo wir dann sehen, okay, es ist nicht so einheitlich, kein so einheitliches soziales Phänomen und ist in verschiedensten Räumen verankert, in der Provinz wie in der Stadt, in unterschiedlichen Formen, aber diese Netzwerke funktionieren ja auch darüber hinaus. Kiesewetter selber hat seine Bücher in Leipzig publizieren lassen, hat Sachen aus der Schweiz bekommen, war irgendwie vernetzt und war nicht allein mit seinem Interesse, nur weil er in der Provinz war. Gegenteil, er konnte eigentlich aus der Provinz kommen und sagen, ich habe hier eine echte Traditionslinie, guckt mal an, ihr Städter, so sieht es aus, wenn man aus einer Alchemistenfamilie kommt. Oder er hat schon sämtliche

Hexencreme getestet. Das finde ich ganz spannend, um diese abstrakten Ebenen mehr rauszubrechen. Crowley haben wir uns ja auch ausführlich angeguckt, deswegen, weil ich da mal dachte, da muss man tiefer rein und immer mal wieder zwischendrin zu sehen. Wir sind auch sehr verwandt. Also Crowley, ich bin mir sicher, dass er die Schriften von Kliesewetter gelesen hat, allein wegen dem Quellenmaterial.

Mal so als allererstes. Und der Ansatz ist ähnlich. Crowley will ja auch in die Praxis. Dem reicht es überhaupt nicht, da intellektuell rumzutun. Der will wirklich gucken, wo wir das praktizieren. Wie kann ich das praktizieren? Wie kann ich selber unsichtbar durch Mexico City laufen? Genau. Die Leute zum Freien bringen mit Telekinese, hat er ja auch gemacht. Er ist interessant, weil, soweit ich die Story von Crowley gehört habe, er hat es über Nachahmung gemacht. in dem er z .B. jemandem, der vor ihm gegangen ist, du versuchst ihn komplett nachzuhaben in seinem Gang, seiner Haltung und allem und dann lässt du dich fallen und er fällt parallel auch. Das ist aber was anderes als der Kiesewetter, der

sich nicht bewegt, nicht Fahrrad fährt, sondern starr bleibt und den Vorbeifahrten allein mit seiner Gedankenkraft vom Fahrrad reißen will. Mir gefällt die kiesewetterische Methode besser, weil dann muss ich nicht selber hinfallen. Ja, ja, ja, ja. Ja, aber wir sehen, das sind genau solche Themen. Und vieles ist ja heute tatsächlich, gerade Channeling und so, Remote Viewing und so weiter. Also viele Sachen aus der klassischen Magie erleben ja totale Revivals, haben unglaublich viele Aufrufszahlen und so weiter. Aber man sieht so gut wie nie. Also wenn, dann melde ich mal eine gute Quelle. Die Älter ist als 50 Jahre, als hätte das alles erst in den letzten 50 Jahren entwickelt wurden, als hätte es das alles nie

gegeben. Weiß ich nicht, was damit mit ihrem Geschichtserständnis los ist, aber vielleicht sind sich viele dieser Macher einfach auch bewusst, dass sie keine Quellen haben. Also hole ich mir irgendjemanden, der erzählt, dass er gestern irgendwas gechannelt hat und dann mache ich zwei Stunden mit dem Interview und lasse mir was vom Melmark erzählen und hab meine Stunden auch voll.

Ja, genau. Heute hat es die Leute inspiriert, bei einigen Quellen genauer nachzuschauen. Es gibt zu allem wunderbare Quellen. Sonst hätte ich dazu auch nichts gesagt. Aber ja, wenn man eben sein Gebiet genau absteckt und man hat nun mal den Vorteil, in meinen Dingen eine gute Quellenlage zu haben. Es ist einfach wirklich eine gute Quellenlage.

Ich würde gerne die Hörer dazu aufrufen, bei sich zu Hause mal zu recherchieren. Welche Gruppen, welche Akteure gab es? Und ja, die Stadtarchive und so, die sind oft sehr offen und hilfsbereit. Also, ja, an die Citizen Science, beteiligt euch alle. Guckt alle vor eurer Haustür. Ja, lokale esoterische Szene erforschen als Hausaufgabe für euch alle. Das finde ich so schön. Wir sollten viel mehr Arbeitsaufträge geben in dem Podcast.

Das kommt viel zu selten. Ist deine Wissensvermittleraufgabe, kommt da auf jeden Fall durch, dass du direkt noch so dem pädagogischen Schritt gehst und den Leuten eine Aufgabe gibst. Ja, ich sehe es einfach. Wenn du das konsumierst und dir so ein Podcast anhast, ist das natürlich super. Klar, vor allem alle Zeit der Welt. Aber es ist natürlich was anderes, selber echte Forschung zu betreiben.

Und das geht eben niedrigschwellig. Man braucht dafür keinen großen Abschluss. Man braucht dafür nämlich viel Aufwand und Zeit. Und überall gibt es ein Stadtarchiv. Überall, wo es nicht abgebrannt oder niedergeht. Man muss schauen, wie bei euch der Lokal die Lage ist, wenn der Treisteg ein bisschen hart durchgefegt ist durch die Gegend und danach alles schlecht gelagert wurde. Manche Orte haben auch wirklich schlechte Quellenlagen, aber dann ist es auch eine Erforschung. Es ist auch ein Wissensgewinn zu wissen, bei mir zu Hause gibt es wenig zu holen. Und oft gibt es mehr, als man denkt. Genau, in der Regel gibt es viel mehr. Schaut einfach mal. Lauf, lauf und du wirst sehen. Vielen lieben Dank Ben für

diesen spannenden Einblick in zwei Folgen. Ich hatte sehr viel Spaß. Ich hoffe ihr auch. Gebt uns gerne Feedback, wie ihr die Folgen fandet. Und ich werde den Link hier erweitern, sobald das publiziert ist. Wenn ihr uns und den Podcast unterstützen wollt, dann könnt ihr das auf YouTube mit der Kanalmitgliedschaft machen oder auf Patreon .com. Der Link wird auch in der Beschreibung sein. Und wir haben eine Liste von unseren Produzentinnen und Produzenten, die ich immer gern vorlese.

Am Ende der Folge mit einem Special Thanks. Vielen Dank an euch. Vielen Dank an den herkuleren Herr Fischer von Ardennes Gymnasium, Fanny Dietrich, Freyer Stuart, Onkel Didi, Katharina, Fernando, Brigitte. Petrusilius Zwackelmann, Miauze Tung, Spinoza369, Sylvie, Die Schmaus, Tamaror, Hermikrobi, Sinet, Reclav, Muttis Moppel, Drakvonald Damp und der Maddin. Vielen Dank. Und natürlich nochmal ganz besonderen lieben Dank an dich, Ben, für deine Zeit. Und ja, ich bin gespannt auf die fertige Doktorarbeit. Ja, danke, Johannes. Ich bleibe mich dann nochmal bei euch. Ja, auf jeden Fall. Es ist mal noch eine schöne Woche. Dir und allen Zuhören. Oh mein Gott, ich kann nicht mehr reden. Nach zwei Folgen ist meine intellektuelle

Kapazität für heute erreicht. Ich glaube, ich muss mich jetzt hinlegen und irgendwas Gedankenloses machen. Es wird Zeit, irgendwas zu konsumieren. Das hat sie jetzt falsch angehört. Da hab ich Serie gemeint für alle, die jetzt hier gleich sich ärgern. Also macht's gut, ihr Lieben, wir hören uns und bis bald mal vielleicht.

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