
Alle Zeit der Welt· Staffel 1· Folge 137
Geschichte der Henker: Ehre und Unehrlichkeit in der Frühen Neuzeit
Freitag, 2. Januar 2026 · 1 h 22
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Shownotes
Warum hat der Henker in unserer Vorstellung eine schwarze Kapuze auf? Warum wurden manche Berufe in der Frühen Neuzeit als „unehrlich“ gebrandmarkt – und was bedeutete das konkret für Betroffene?
In dieser Folge sprechen wir mit Prof. Dr. Jutta Nowosadko über das Leben und Wirken von Scharfrichtern in der frühen Neuzeit in Deutschland, über das berühmte „Tagebuch“ des Franz Schmidt, den rechtlichen Begriff der Unehrlichkeit – und darüber, wie die Romantik unser Bild vom Henker bis heute geprägt hat. Eine Folge über Recht, Gewalt, Stigma und das Spektakel der Gerechtigkeit.
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Kapitel:
– Kann ein Henker ruhig schlafen?
– Einführung: Henker, Unehre und frühe Neuzeit
– Was ist „Ehre“? Gesellschaftsbild der Frühen Neuzeit
– Der unehrliche Beruf: Ausschluss, Alltag, Ambivalenz
– Vom Akkusationsprozess zur Inquisition: Wandel des Rechts
– Die Carolina: Staatliches Gewaltmonopol & Strafordnung
– Franz Schmidt: Malefiz-Chronik & Nürnbergs Henker
– Öffentliche Hinrichtungen als Spektakel
– Der Henker als literarische Figur (Romantik vs. Realität)
– Henker als Heiler: Medizin, Anatomie, „Sünderfett“
– Das Ende der Scharfrichterdynastien im 19. Jahrhundert
– Die schwarze Kapuze – eine romantische Erfindung?
– Vom Schreckbild zum Antihelden: Henker in der Popkultur
– Fazit: Was wir vom Henkerbild über Recht & Ordnung lernen
– Outro & Dank an Prof. Dr. Jutta Nowosadko
Quellen & Literatur:
• Jutta Nowosadko, Scharfrichter und Abdecker. Der Alltag zweier „unehrlicher Berufe“ in der Frühen Neuzeit, Paderborn u.a. 1994, zugleich: Essen, Univ. Diss. phil., 1993.
• Jutta Nowosadko, „Und nun alter, ehrlicher Franz“ – Die Transformation des Scharfrichtermotivs am Beispiel einer Nürnberger Malefizchronik, in: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur 31 (2006), S. 223-245.
• Jutta Nowosadko, Zwischen Integration und Ausgrenzung. „Unehrliche“ Fremde und alteingesessene „Unehrlichkeit“, in: Essener Unikate, Heft 6/7 (1995, unveränderte Neuauflage 1999), Geisteswissenschaft: Fremdsein – Historische Erfahrungen, S. 64-73.
• Peter Preisendörfer: Staatsbildung als Königskunst, 2000.
• pta-forum.de/ausgabe-092012/der-henker-als-hei…
• br.de/radio/bayern2/justiz-in-alter-zeit-zwisc…
• dn710601.ca.archive.org/0/items/bub_gb_sI5PAAA…
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Als Kaisernapoleon den berühmten Pariser Henker Charles -Henri Samson fragte, ob er denn nach 3000 Hinrichtungen noch ruhig schlafen könne, soll dieser geantwortet haben, wenn Kaiser, Könige und Diktaturen ruhig schlafen können, warum soll es nicht auch der Henker können. Und damit herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Allerzeit der Welt, heute mit einem ganz besonderen Gast.
Herzlich willkommen, Frau Prof. Dr. Jutta Nowosadko. Wir sind heute hier zusammengekommen, um über Schafrichter, Henker und das Thema der Unehrlichkeit auch ein bisschen zu sprechen in der frühen Neuzeit. Das ist das Thema, zu dem du promoviert hast, unter anderem und viele Artikel veröffentlicht hast. Wir wollen ein bisschen der Frage nachgehen, was ist eigentlich ein unehrlicher Beruf? Was für falsche Vorstellungen verbinden wir vielleicht damit? Und ganz speziell, wie sehr wurde auch das Bild des Henkers durch die spätere Rezeptionsgeschichte geprägt? Wie das ja so oft ist mit unserer Geschichte.
Die Rezeption ist prägsamer, als was wirklich vielleicht passiert ist. Man muss graben, um an die Geschichte heranzukommen, während man sofort die romantischen Narrative des 19. Jahrhunderts trifft. Die sind auch präsent und eben enorm prägend gewesen. Wenn wir mit der Unehrlichkeit einsteigen und mit dem Ehrbegriff, also nicht der Unehrlichkeit, sondern mit dem Ehrbegriff der frühen Neuzeit einsteigen können, Wie könnten wir das jemandem erklären, der gar keine Vorstellung von der Gesellschaftsordnung der frühen Neuzeit hat? Ziehen wir es mal andersrum auf. Unsere Gesellschaft ist ja dadurch gekennzeichnet, dass zunächst mal prinzipiell von der Gleichheit aller Menschen ausgegangen wird. dass es dann in der
Praxis doch soziale Unterschiede gibt. Ja, d 'accord. Das wird aber dann eher kamoufliert. Das wird teilweise beschönigt. Das wird eben auch rationalisiert und erklärt. Aber zunächst mal sind alle der Überzeugung, dass alle Menschen gleich sind. In der frühen Neuzeit ist es umgekehrt. Da wird explizit davon ausgegangen, dass die Menschen ungleich geboren sind. Dass das die natürliche Weltordnung sei. und dass es Gleichheit nur vor Gott und im Himmel gibt. Das ist der Stand der frühen Neuzeit, also mehr oder weniger die Vorstellung, Gott hat dich qua Geburt auf diesen Platz gestellt, nimm es an und mach das Beste draus. Also eine Gesellschaft, die per Folg darauf angelegt ist, stabil zu sein, unveränderlich
und eben geburtständig organisiert. Diese Gesellschaft hat dann allerdings ein Problem damit, dass sie insofern ignoriert, als sie es, so wie unsere Gesellschaft, manchmal Ungleichheit nicht zur Kenntnis nimmt. Nehmt diese Gesellschaft nicht zur Kenntnis, dass es gleichwohl soziale Aufstiegs-, Abstiegsprozesse gibt, dass diese Gesellschaft sich vor allen Dingen rasant ab dem 16. Jahrhundert, differenziert. Also ganz viele neue Berufe, Funktionen und so weiter entstehen. Zumindest offiziell wird das ignoriert. Und Teil dieser Differenzierung von Berufen ist ja auch der Henke, auf den wir uns heute speziell ein bisschen fokussieren wollen.
Und diese ... Also er wird als unehrlicher beschrieben, was hat denn das konkret bedeutet? Weil ich hatte tatsächlich, bevor wir in diese Folge eingestiegen sind, dieses ganz klassische Bild nie tiefergehend damit beschäftigt. Naja, das ist eben Ausschluss aus den Zünften. Meine Vorstellung war, dass man da nicht auf den normalen Friedhof begraben werden dürfte und dass es so eine Art räumliche Ausgrenzung gäbe. Ja, Schafrichter betritt die Straße und alles wurscht. nicht auseinander, um dem gar nicht nahezukommen. Ja, eine Vorstellung.
Mein Referenzpunkt ist für das eben auch oft Indien, weil ich da länger gelebt hab und da so ein bisschen quasi eine Art gelebte Ständegesellschaft, könnte man sagen, auch wenn das heutige ... Indische Recht, da auch. Eigentlich sind wir alle gleich, aber die Kasten sind trotzdem festgeschrieben im Gesetz. Und es gibt eben die unantastbaren, die Dalits, wo man nicht mal gemeinsam aus einer Tasse trinken darf, wenn ich an einem Teestand war. Und alle haben die gleichen Tassen bekommen, die gespült wurden. Aber wenn jemand an einer bestimmten, niederen Kaste kam, dann wurden denen aufgeschnittene Cola -Flaschen gegeben aus Plastik, weil quasi auch das gewaschene Glas von ihnen verungreinigt werden würde. Und das ist, glaube
ich, so ein bisschen die Vorstellung, damit reingetragen habe, zu sagen, na ja, also so müssen ja auch die Henker quasi behandelt worden sein. Genau, das ist relativiert in der Vorbereitung. Ja, insoweit als... Also das indische Kastenwesen weist bestimmte Parallelen zur europäischen Ständegesellschaft aus. Keine Frage. Also man hat es mit gebotständischen Konzepten zu tun. Wobei die Kasten sind natürlich nicht so viele. Die europäischen Gebotstände sind vielfältiger differenziert in der Hinsicht.
Und es ist so, dass man so die höchste indische Kaste, also die Brahman, die nicht notwendigerweise mit Herrschaft identifizieren kann. Da ist die moderne indische Industriegesellschaft in der Hinsicht. Was ich zum Beispiel spannend fand, ist, dass man Brahman ganz gerne als Köche verwendet, weil die für alle kochen können. Also auch die indische. Kastengesellschaft hat sich ja vielfach verwandelt und das ist so der entscheidende Punkt.
Also die Gesellschaften betrachten sich selbst als unveränderlich, sind aber ungeheuer dynamisch und auch flexibel. Das mit der Flexibilität, was unser einer dann manchmal so als Inkonsequenz wahrnimmt, ist praktisch schlichtweg. notwendig. Bourdieu hat in diesen feinen Unterschieden eben ja sehr deutlich erklärt, also sobald es nicht mehr praktisch ist, verhalten sich Gesellschaften nicht mehr regelkonform. Und dadurch kann man diese zahlreichen Inkonsistenzen und Widersprüche, die es darin gibt, eigentlich ganz gut erklären.
Es ist ein praktisches System, das in der Praxis funktionieren muss. Und wenn es dann nicht passt, verhält man sich halt anders. Und dadurch entstehen, also es ist nicht systematisch und ganz sicher nicht konstruiert. Also es ist wenn überhaupt ein gelebtes System und keines, das so normativ gefestigt wäre. Ganz im Gegenteil. Und die Unehrlichkeit weist einige Probleme auf. Also einerseits ist es ein rechtlich definierter Status. nach römischem Recht, weil das hat in der frühen Neuzeit gegolten.
Also tatsächlich, also das justinianische römische Recht hat, in der frühen Neuzeit war das geltendes Recht. Ausgerechnet die Vertreter, die dieses Recht ja definieren, für seine Ausliegung sorgen, also die Juristen, das sind ausgerechnet die, die sich die gesamte frühe Neuzeit hindurch ungeheuer wert tun mit der Unehrlichkeit. Und da fangen sie dann schon an, die Probleme. Mal abgesehen davon, dass so ein Jurist viele auch der Universitätsjuristen, die Professoren an frühen Neuzeitlichen Universitäten sind, die haben parallel noch andere Jobs. Die sind häufig noch in der Staatsverwaltung tätig, aber häufig sind das auch Richter. Das heißt, die sind nah dran am Rechtssystem. Die kennen zum Teil auch die Staatsrichter. Und da ist ein
ganz spannender Punkt, dass diese Grenze zwischen Richter und Scharfrichter sich ja auch erst mit der Zeit auftut in dieser Differenzierung. Ja, mit der Rechtsentwicklung. Also zunächst mal ist es so klar, mit dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches, auch wenn das, was man inzwischen weiß, auch dieses berühmt -berüchtigte germanische Recht, dann doch ... römisch -rechtlicher Beeinflusst war, als man sich vielfach gedacht hat. Also auch das englische Common Law ist dann doch gut, da haben die Römer geherrscht. Also da gibt es ein paar Implementen. Also auch das ist nicht ganz unbeeinflusst. Aber wir haben seit dem Spätmittelalter ausgehend von Bologna und ausgehend von den Städten, die das schneller umgesetzt haben als, sag ich
mal, so in der Fläche. haben wir breite Rezeption, die wieder auf das römische Recht zurückgreift. Wir haben Bereiche, die immer römischrechtlich geblieben sind. Also das Kirchenrecht, das kanonische Recht hat niemals aufgehört, römischrechtlich zu sein. Auch da hat man wesentliche Einflüsse so in die Rechtsprozesse Mitteleuropas. Aber tatsächlich die Vollrezeption erfolgt dann ab dem 16. Jahrhundert und ganz massiv. Auch mit dem Hintergrund, dass letztlich studierte Juristen die entscheidenden Posten übernehmen. Also, dass eben das Leinenrecht hört auf. Also, dass ehrbare Leute, gut, die werden immer noch zu Schöffen gewählt. Also, es gibt immer noch Gerichtsformen, auch die ganze frühe Neuzeit hindurch, in denen
Schöffen Gerichte existiert haben. Aber der Vorsitzende, das war ein gelehrter Richter und den hat der Landesheer ernannt. Und waren die dann auch selber für die Hinrichtungen verantwortlich? Ich hab gelesen, dass es so Formen gab, wie dass der jüngste Richter derjenige war, der das vollzogen hat. Ja, das ist dieses mittelalterliche, das sind diese älteren Rechtsformen, die in der frühen Neuzeit komplett aufhören. Also das sind, solche Regelungen gab es. Allerdings steckt da natürlich auch so ein bisschen drin, dass die Prozesse anders gelaufen sind. Also die Älteren, man spricht da von diesen Akkusationsprozessen, das läuft mehr oder weniger so. Ich vereinfache jetzt ganz schrecklich, die Rechtshistoriker mögen mir verzeihen,
also dass an festen Gerichtstagen Menschen im Grunde ihre Klagen vortragen konnten. Geladen war dann auch, also klar, wenn man das angemeldet hat, weil der Beklagte musste dann auch erschreien und geladen werden. Und beide sind sozusagen mit Unterstützern und Eideshelfern gekommen. Und ad hoc wurde dann entschieden. Das heißt, die Kläger mussten im Grunde die Beweise selber sichern und mitbringen. Und der Angeklagte musste sich ad hoc entlasten. Was diese Gerichte nicht gemacht haben, war in irgendeiner Form Ermittlungen anzustellen. Das waren reine Schießgerichte.
Und häufig erfolgte die Entlastung auch dadurch, dass je nach Delikt waren es andere Zahlen von Eide -Selfon. Aber dass sozusagen zwölf Leute einem bescheinigen konnten, dass man ein ehrbarer Mann ist. Und dann musste man laufen gelassen werden. Das erinnert mich an die Nachkriegszeit, wo wir auch gesagt haben, er findet drei Leute, die sagen, du warst kein Nazi, dann warst du schon kein Nazi. Ja, so in der Richtung ist das.
Das gehörte übrigens zu den Pflichten, die Hanse Kaufleute hatten. Wenn die so in diesen entfernten Hanse -Stützpunkten waren, waren sie verpflichtet ihren Mit -Kollegen. Also anderen Kaufleuten, die eventuell da in Novgorod oder wo auch immer vom Gericht stehen, als Eideshelfer zu dienen. Das ist ganz spannend. Ja, ja. Und aus diesem Kontext kommt das auch, dass man verurteilt ...
dann hinterher dem Kläger eventuell übergibt, dass der ihn hinrichtet, wobei der Kläger den dann auch sozusagen die Strafe abarbeiten lassen kann. Also der Kläger kann den Menschen auch vor Sklaven verkaufen. Also ja, so in diese Richtung geht das dann. Und das verändert sich in der frühen Neuzeit, wo wir sagen, wir gehen vom Akkusations zum Inquisitionsprozess. Und Inquisition, für alle, die jetzt direkt denken, wir reden über die kirchliche Inquisition, nein, das geht einfach generell darum, dass jetzt Fragen gestellt werden.
Ja, Ermittlung, ein Gericht, das Gericht ist gehalten und das ist so eine der Leistungen des römischen Rechtes tatsächlich, auch schon in der Antike, weil auch das römische Recht entwickelt sich ja Ja, Rom ist ja zum Hessen einfach nur eine Stadt. Also die Stadtrechte, die dann auf ein Imperium angepasst werden müssen. Und das gelingt in Rom relativ erfolgreich. Also Kern des römischen Rechtes ist tatsächlich das Gericht, den materiellen Strafbestand. feststellen muss.
Also die müssen tatsächlich ermitteln. Stimmt das denn? Sind die Zeugen glaubhaft? Wie ist denn der Tathergang mit größter Wahrscheinlichkeit gewesen und dergleichen mehr? Und das müssen die ermitteln. Und das ist tatsächlich eine besondere Leistung des politischen Rechtes. Und wenn man das übernimmt, hat es sozusagen auch ein vorneuzeitliches oder auch spätmittelalterliches. Also die Städte, die die großen, haben schon vorher Rechtsreformationen, die in diese Richtung gehen. Also die reformieren bereits im Spätmittelalter ihre Stadtrechte dahingehend und fangen damit an. Aber dann haben sie natürlich auch an der Backe sozusagen, dass sie tatsächlich den objektiven Straftatbestand ermitteln müssen.
Also es geht nicht anders. Aus der Nummer kommen sie nicht raus. Ich hatte jetzt in meinem Skript ursprünglich geschrieben, dass der erste Schafrichter 1276 im Augsburger Stadtrecht erwähnt wurde. Und dann hast du kommentiert, dass das mit den Ersterwähnungen in Stadtrechnung komplizierter und nicht so eindeutig ist, wie man das am Anfang denkt. Ja, das Problem ist, da steht nicht Nachrichter Schafrichter Henker. Häufig steht da irgendwas anderes. Und dann weiß man nicht. Ja. Ist das der Büttel? Was macht der sonst noch so? Ist das der Stadtknecht? Ist das jemand, der im Nebenjob vielleicht immer haltigen Richtungen macht? Also man weiß es nicht so richtig. Gisela Wilberts hat dazu ein größeren Aufsatz geschrieben, wo
sie mal diese kompletten Ersterwähnungen, also Ersterwähnungen in Anführungsstrichen, mal zusammensortiert hat, um dann zu gucken, na ja, was verbirgt sich dahinter. Was zu zweifeln Anlass gibt, ist zum Beispiel, dass diese angeblichen Erstbezeichnungen, dass die weiter existieren in der frühen Neuzeit und dass die, was weiß ich, einen Stadtknecht beschreiben und eben keinen Schafrichter. Das beste Beispiel ist in der Hinsicht tatsächlich immer der Nürnberger Löwe, der ja zwar im Umfeld der Hinrichtungen auftaucht, dem Schafrichter assistiert, aber der noch mit x anderen Aufgaben beschäftigt ist, also der wirklich so ein Stadtknecht ist, also beispielsweise Marktaufsicht hat und also so mit der Markt - und Gewerbeaufsicht betraut
ist und noch so so ein Bündel anderer Aufgaben hat und der definitiv auch nicht dem Schafrichter untersteht, jenseits der Hinrichtung. Und der heißt nun Löwe. Und solche merkwürdigen Bezeichnungen tauchen da zum Teil im Mittelalter auf. Und das wurde zunächst mal in der älteren Literatur alles pauschal so als Schafrichter geframed. Ja, und wenn man dann einfach nur den Eintrag hatte im Rechnungsbuch oder im Ratsprotokoll, dass da so jemand, ja, wenn man den Amtseid hatte, ist es dann klar. Aber die tauchen leider später auf. Häufig ist es dann nur so ein Ersteintrag im Rechnungsbuch. Und dann wird es wirklich schwierig.
Der Titel war Nürnberger Löwe. Das ist ein extrem cooler Titel für jemanden, der ein bisschen Marktaufsicht und ein bisschen Ordnungsamt und ein bisschen Mann für alles ist. Da haben sie wahrscheinlich gesagt, du machst all diese Sachen, die keiner machen will, aber dafür darfst du dir deinen Namen selber aussuchen. Aber es ist sehr spannend.
In den Artikeln, die ich über Henker gelesen hatte, vor allem in Bezug auf Hexenprozesse, ging es auch oft um Rechnungen als Nachweis. Da können wir vielleicht später noch mal drüber sprechen. Wie wissen wir denn überhaupt vom Arbeitsalltag derjenigen? Was waren denn jetzt die Kernaufgaben der Schafrichter oder Henker, nachdem sich das entwickelt hat nach und nach? Ja, mit wenigstens im 16. Jahrhundert die Carolina, also tatsächlich die allgemeine Strafprozessordnung, die deswegen Carolina heißt, weil sie unter Karl V. auf dem Reichstag beschlossen wurde und dann vom Kaiser in Kraft gesetzt wurde. Danach auch von allen Reichsterritorien, das ist so der normale Gesetzgebungsprozess für Reichsgesetze, kann man sich so vorstellen
wie heutiges EU -Recht, weil diese Reichsgesetze dann in Landes... Rechte umgesetzt werden müssten. Also das gilt tatsächlich im kompletten heiligen römischen Reich deutscher Nationen. Das war auch da, wo versucht wurde, das Federecht zu... und Karolina wurde auch quasi versucht, das Federecht einzuschieben. Ja, das Federecht, also letztlich wird die Selbsthilfe mit dem Allgemeinen Landfrieden 1495 untersagt. letztlich dauert es dann, und da gehört dann die Karolina auch hinein, dauert es dann doch mindestens bis Mitte des 16. Jahrhunderts, bis man die Fede im Griff hat. Und man kann recht gut erkennen. Also es gab auch das ganze Mittelalter hindurch Landfriedensbemühungen, partiell geltende Landsfrieden, eben auch Versuche, die längerfristig
durchzusetzen. Das funktioniert im 16. Jahrhundert. Deswegen und hält auch durchaus im modernen Sinne das Vorbild auch hier wieder das Römische Reich, wo man natürlich im Inneren auch das Friedensgebot hat. Also auch die Trennung von Krieg und Frieden, also Frieden im Inneren und staatliches Gewaltmonopol nach außen hin. Krieg als Teil der Außenpolitik.
Das sind ja so römische Standards, die im Mittelalter nicht gegolten haben. Ja, man versucht zwar immer wieder, sie durchzusetzen. Die Norm ist noch präsent. Unter anderem auch deswegen, weil kanonisches Recht im Bereich der Kirche gilt. Aber funktionierend tut es so roundabout ab dem ... 16. Jahrhundert auch mit Einschränkungen. Es gibt immer wieder Leute, die dann doch Selbstjustiz, also das irgendwie selbst in die Hand nehmen oder Konflikte in dieser Art und Weise lösen. Aber es funktioniert ab dem 16. Jahrhundert dann eher, weil die größeren Landesherren Interesse daran haben. Also die größeren Territorien haben genau wie der Kaiser, genau wie die Reichstädte, die natürlich durch viele ihren Handel, ihre Wirtschaft gefährden.
sehen. Also das funktioniert. Ja, so ein im Grunde Agent, der das beispielsweise in der sehr kleinräumigen schwäbischen Struktur durchsetzt. Das ist ja der Schwäbische Bund. Wenn man sich da deren Mitgliederstruktur anguckt, da trifft man genau auf die größeren Territorien, die geistlichen Territorien und die Reichstädte. Das sind so diejenigen, die da Interesse haben, es durchzusetzen.
Deswegen funktioniert das auch. So mit kaiserlicher Unterstützung dann. Ich glaube, in unseren Folgen zu den Bauernaufständen und zu Götz von Bärlichen ist das genau das. wo es Schwäbischer Bund gegen entweder Fedeführende oder wütende Bauern und die ihr so hierfragen wollen. Ja, das sind sozusagen diejenigen, die den Landfrieden durchsetzen und die auch das Fedeverbot durchsetzen. Und das Geld für die Söldner haben am Ende. Das war ja das schlagende Argument. Ich hab mir die Söldner gekauft, jetzt mach ich Gehör. Ja, also auf jeden Fall. Und das auch gegen tatsächlich Soldunternehmer dann, wie Franz von Siking. Auch jemand, der erwähnt wurde, der noch eine eigene Zeit verdient hätte. Und drei dieses Gewaltmonopols, dass der
Staat sich quasi da ja generell nach innen und nach außen so Stück für Stück unter den Nagel reißt, sind ja auch die Henker. Also eigentlich ist das ja auch diese Professionalisierung dieses Berufsstandes, könnte man ja auch ein bisschen als Ergebnis der Differenzierung des Gewaltmonopols sehen. Ja, sicherlich. Letztlich braucht man jemanden, der auch, weil der weniger schöne Aspekt der Rezeption des römischen Rechts ist, dass man im 16. Jahrhundert auch die Folter in den Strafprozess integriert. Ganz wichtig, denn letztlich die Ermittlungen stecken in den Anfängen und letztlich kann man nach damaliger Rechtsauffassung niemanden hinrichten, der nicht ... der kein Geständnis abgelegt hat, der das hinterher dann
auch noch mal öffentlich, das passiert auch vor der Hinrichtung, noch mal öffentlich sich schuldig bekennt und damit die Strafe annimmt. Also man kann nach dieser Rechtsauffassung niemanden hinrichten. Ergo, man braucht das Geständnis. Und wenn dann jemand es freiwillig nicht geben möchte, dann, ja ... Dann bleibt einem anderes übrig. Das ist so ein bisschen die Logik, die dahinter steckt.
Wobei auch die Folter letztlich, die wurde auch schon im Mittelalter angewendet. Und die wird in der frühen Neuzeit schon auch reglementiert. Also das ist auch Ziel. Die Carolina war eine Strafprozessordnung, die reglementiert auch die Folter, wann gefoltert werden darf, unter welchen Voraussetzungen und so weiter. Also man versucht auch da Leitplanken und Regeln einzuziehen. Wie oft wiederholt werden darf und wann dann Schluss ist. Bei den Hexenprozessen haben wir darüber geredet, dass es dann eben freie Auslegung davon gab, dass man sagt, man kann ja Untersitzungen einlegen. Wenn ich nur dreimal quasi foltern darf, dann mache ich zehn Untersitzungen pro Hauptfoltersitzung. Die Versuche gibt es aber
interessanterweise, wenn dann jemand, in der Regel sind es ja Verwandte. unter anderem weil sie Angst um ihr Erbe haben und dass damit der Hexenprozess bezahlt werden soll. Also wenn dann jemand beim Reichskammergericht oder Reichshofrat den höchsten Reichsgerichten klagt, wird das dann üblicherweise kassiert. Das sind dann diese Unregelmäßigkeiten in Hexenprozessen, wo dann wiederum das Reichskammergericht und die kassieren das sofort als Verfahrensfehler. Klar, da kommen ganz brutale, ganz fürchterliche Praktiken zum Ausdruck. Aber das wird durchaus als Verfahrensfehler moniert. Und das sind dann die Verfahren, die gerügt werden. Gut, es hilft den Betroffenen im Nachhinein nichts mehr, weil die eilig hingerichtet
wurden. Aber es gibt da durchaus so Kontrollinstanzen dann doch. Die Hexenprozesse sind in vielfacher Hinsicht nicht die Norm gewesen, weil ein völlig fiktives Delikt das wirklich pure Fantasy ist. Da hat man nur das Geständnis. Das andere gibt es nicht. Die machen durchaus veranstaltend die Ermittlungen. Es gibt so einen Fall in Nürnberg, den ich immer ganz gerne verwende, um zu sehen, wie damals Gerichte arbeiteten. Ein Nürnberger Bürger wird im Wald erschossen, weil er sich so nach Vogelfangenetzen um die kümmern will.
Da wird er aus dem Hinterhalt erschossen. Man findet im Gebüsch tatsächlich einen Handschuh, den wahrscheinlich der Täter ... hinterlassen hat und mit diesem Handschuh klappern die Leute vom Nürnberger Gericht alle Handschuhmacher ab. Das ist noch sehr modern. Wir finden tatsächlich denjenigen, der den Handschuh repariert hat.
Und turns out, es war der Sohn des Toten, der seinen Vater dahinterrücks ermordet hat aufgrund familiärer Streitigkeiten. Ja, und der wird ... dann tatsächlich gefoltert, bis er die Tat gesteht. Nur die Indizienkette, die ist modern. Und das findet man tatsächlich öfter, dass man zunächst mal solche Indizien substanziell, anders kommt man ja auch nicht auf die Angeklagten. Tatsächlich, also die Ermittlungen stecken ja wirklich in den Kinderschuhen. Man hat überhaupt keine forensischen Möglichkeiten. Und vor dem Hintergrund ist man auf Zeugen angewiesen, die wen gesehen haben, der vom Tatort, den Tatort verlässt oder dergleichen.
Aber so diese Art von Ermittlung findet statt. Nur aufgrund der Grundlage von Indizien lässt sich niemand zum Tode verurteilen. Und deswegen eben die Folter und dann das Geständnis und der Täter wird dann gerädert. Gerädert für alle, die sich das nicht vorstellen können, da wird quasi ... Dann die Knochen gebrochen in den Extremitäten und dann wird man einmal rund ums Rad rumgebunden.
Es gibt manchmal eine Kirche, eine Kirchenfenster. In der Kirche, in der ich als Kind immer war, gab es eine schöne Darstellung einer Räderung von einer Heiligen. Ich habe vergessen, was die Heilige, das war nicht die Heilige Barbara, die Heiligen, die auch damals schon gerätet wurden, wo das dann quasi zum Symbol wird und eine besonders Ja, für uns schwer vorstellbare, ähnlich wie das vier Teilen Dinge, die nicht Teil unserer Rechtsvorstellung mehr sind, die damals aber Teil für so Dinge wie Vatermord oder so besonders schreckliche Verbrechen in Anführungszeiten als besonders verwerflich galten, da wurde gerädert.
Und eben auch was, denke ich, abschreckend wirken sollte. Du hast gerade Nürnberg schon erwähnt. Und eigentlich haben wir Deutschlands berühmtesten Scharfrichter und Henker, ist eigentlich der gute Franz Schmidt aus Nürnberg, von dem die Hörerinnen und Hörer vielleicht auch schon gehört haben in anderen Podcastfolgen, in literarischen Rezeptionen. Das ist der, über den wir sehr viel wissen, weil er einen Also es heißt offiziell Tagebuch. Du hast in deinen Artikeln auch kritisiert, dass Tagebuch eigentlich nicht der richtige Begriff ist. Es ist eigentlich eher diese Chronik, die Malefiz -Chronik seiner Arbeit, wo er eben die Arbeit mit fast 1000 Leuten verausstellt oder erwähnt, was in seinem Metier natürlich heißt,
dass er die gefoltert und hingerichtet hat. Das erlaubt uns einen besonders tiefen Einblick. Auf der anderen Seite ist es ein sehr deutsches Tagebuch, deswegen eher Chronik, weil es jetzt weniger private Dinge offenbart, sondern eigentlich ist nur eine Auflistung, ist ja nüchter eine Auflistung all seiner Arbeitsschritte oder seiner Taten. Ich habe drei kurze Ausschnitte einmal hier raus kopiert und die würde ich euch gerne vorlesen. Das erste ist ein Eintrag vom 19. April 1591. Andreas Brunner, welcher Gott im Himmel gelästert. Sonst auch heftig geflucht, alhie aus Ganten ein Viertelstund an Pranger gestellt und auf der Fleischbrücken ein Stück von der Zunge genommen. Sehr methodische Beschreibung
von dem, was da passiert ist. Oder eine Aufzeichnung vom 5. Juni 1593. Andreas Meyer und Wolf Amos bete Diebsjungen. Sohn von Herr Spuck hereingeführt, alhi mit Ruten ausgestrichen, der Amos hernach zu Herrstrunk stranguliert worden. Und das dritte, vom 19. Oktober 1615, fünf Jungen mit dem Strang gerichtet, die viel gestohlen. Alle fünf an einem Balken gehangen, ritten sechs Stadtknecht mit, denn es war ein Großgedös des Volks. Und da hat man jetzt in diesem Zwas ein Haiku, würde ich sagen. sehr kurz, so lakonisch erklärt, wie er quasi fünf, hier fünf Jungen, die eben die bewahren, hingerichtet wurden. Dieses große Gedös des Volkes wird auch erwähnt, also das Spektakel, das ja außenrum stattgefunden hat, das ja auch ein wichtiger
Teil der Hinrichtung war. Was ich extrem spannend fand, ist, dass du in deinem Artikel, und nun alter ehrlicher Franz, geschrieben hast, dass eben diese Rezeption dieser Malefiz -Chronik uns ganz viel über den Übergang des Bildes vom Henker, wie der Henker in der Aufklärung gesehen wurde und wie der Henker dann in der Romantik und heute gesehen wird. Und was diese Tage oder diese Chronik eigentlich für eine Projektionsfläche ist. Könntest du uns das ein bisschen erklären?
Projektionsfläche deshalb, weil man eigentlich nichts über Franz Schmidt erfährt. Eigentlich weiß man, was übrigens für viele Menschen der frühen Neuzeit gilt. Man weiß sehr wenig über die. Also wir wissen relativ viel über Oberschichtsangehörige, die tatsächlich Tagebuch geschrieben haben oder wo Briefkorrespondenzen erhalten sind oder so.
Über die wissen wir viel. Da sind wir so beim Adel und den städtischen Oberschichten angelangt. Über mittleres oder kleines Bürgertum, Handwerker wissen wir herzlich wenig. Da gibt es nur sehr, sehr wenige, die auch Korrespondenzen hinterlassen haben. Und ja, ich sag mal, die große Mehrzahl der Bevölkerung, wir wissen eigentlich gar nichts über die. Das heißt im Klartext natürlich auch, wir wissen nicht, ob das ein Netter war oder ob das eine fürchterlich pedantische Nervensäge oder was auch immer war. Wir wissen nichts. Es gab ja Untersuchungen schon zu ihm, es gab großes Interesse an ihm, weil wir diese Malefiz -Chronik haben und dann eben nachgesucht wurde und versucht wurde, mehr über ihn rauszufinden. Und was ich
gelesen hatte, ist, dass sein Vater durch ein Unglück in diese Rolle der Unehrlichkeit in dieses Henker -Geschäft hineinkam, weil er bei einer Schlacht oder am Ende von einem Fürsten herausgefordert wurde, jemanden umzubringen. Und dann ist man abgetriftet aus der Ehrlichkeit in die Unehrlichkeit. Ja, das sei den Übergang recht schön. Also der Landesherr, das ist der böse Markgraf, der auch die Nachbarterritorien mit Krieg und Fede überzogen hat, gegen den dann Reichsexekution tatsächlich erfolgt. Also das ist eine höchst interessante Figur. Und das der einen seiner Jagdbedienten, weil der Vater von Franz Schmid war ursprünglich Jäger. Dass der den dann beauftragt, ja, mach du mal den Schafrichter, unter anderem auch deshalb,
weil es geht da um die Hinrichtung städtischer Bürger. Ich habe jetzt noch, ja, das habe ich jetzt gerade nicht präsent aus dem Kopf, welche Stadt das war. Und die städtischen Einrichtungen weigern sich sozusagen, das zu machen. Also auch die Stadt, die möglicherweise tatsächlich einen Profi davon gehabt hätte. Und dann wird eben einer der Jagdbedienten, also in dem Fall der Vater von Franz Schmidt, eben halt damit beauftragt.
Ja, der sich gegen seinen Arbeitgeber, seinen Dienstherren offensichtlich auch nicht wehren kann, weil er befürchten muss, dass er sonst selber ... dran ist, in dem Fall schon. Aber was möglicherweise der Vater komplett unterschätzt hat, und das ist wirklich da sinnvoll wieder bei der Unehrlichkeit, ist die Tatsache, dass er da nicht mehr rauskommt. Weil mit diesem Systemwechsel den wir in der frühen Neuzeit haben, wird der Scharfrichterberuf letztlich zu so was. Der wird eben halt zu einem Berufsstand und der wird vererbt.
Vom Vater auf dem Sohn. Das ist im Mittelalter noch nicht der Fall. Wenn wir uns die mittelalterlichen Rechnungsbücher angucken, da steht wenig drin, aber es steht meistens der Name drin. des Scharfrichters. Und da sieht man, also die Leute machen den Beruf nur ein paar Jahre, so maximal sechs Jahre, machen danach was anderes, verschwinden also komplett aus, manchmal auch nur so ein, zwei Jahre. Also das wechselt sehr, sehr schnell. Und ab dem 16.
Jahrhundert, da haben wir wirklich diese lebenslangen, in Anführungsstrichen, Beamtenkarrieren. Ja, wo dann auch der Sohn übernimmt. Und das ist was komplett anderes. Im Mittelalter ist es offensichtlich möglich gewesen, das aus finanziellen Gründen oder was auch immer, den Beruf ein paar Jahre auszuüben und danach was anderes zu machen. Das ist in der frühen Neuzeit nicht mehr der Fall oder zumindest nicht mehr so einfach der Fall, weil die Ständegesellschaft im Grunde geburtsrechtlich aufgefasst wird. Man geht davon aus, dass der Stand qua Geburt weitergegeben wird. Und die frühe Neuzeit, das ist tatsächlich unversucht, hat ein Problem mit der Resozialisation. Das heißt, was im Mittelalter noch möglich ist, dass
jemand dann eben begnadigt wird, dass es da bestimmte Rituale gibt, dass jemand wieder in die Gesellschaft aufgenommen wird und so weiter, das fällt in der frühen Neuzeit schwer. Weshalb ja im 17. Jahrhundert auch Pranger nicht mehr ganz so populär sind. Ja, weil die Schande, die man da über Leute bringt, tatsächlich zu sehr nachwirkt. Das ist zu effizient. Ich bin gespannt, dass der Pranger Opfer seines eigenen Erfolges wurde. Ja. Oder seines Misserfolges, klar. Weil Pranger lebt davon, dass die Bevölkerung die Meinung teilt, dass da jemand Strafe verdient hat. Und wenn jemand ... Gerd Schwerhoff hat das gefunden und dazu einen Aufsatz veröffentlicht zu, wenn jemand da ein despektierliches Liedchen als Geselle
über die Tochter eines Ratsherren ... gesungen hat abends in der Kneipe. Und wenn man den dann auf den Pranger stellt, er dann prompt, anstatt Buße zu tun, das Liedchen noch mal in aller Öffentlichkeit zum Besten gibt und die Zuschauer mitsingen, dann ist das kontraproduktiv. In Bühne dann? Natürlich ist das eine Bühne. Also populäre, populäre Delinquente kann man da nicht hinstellen.
Bei anderen wirkt es zu stark nach. Spannend, habe ich noch nie darüber nachgedacht, dass man ja auch den Pranger, genau wie den Gerichtsprozess hier nutzen kann, um die öffentliche Meinung zu sein, Gunsten zu verändern. Ja, beziehungsweise der öffentliche Meinung dann Ausdrucksverleihung. Oder so, genau, das eigentlich zu zeigen. Das will man ja vielleicht nicht als Obrigkeit, dass den Vertrauen gebraucht wird. Nee, das möchte man definitiv nicht als Obrigkeit. Und das kann man auch nur sehr eingeschränkt kontrollieren, was da passiert. Auf dem Pranger, das hat man nicht unter Kontrolle. Und so ab dem 17. Jahrhundert kontrolliert man ja auch Hinrichtungen sehr stark.
Das ist ja alles spätestens ab dem 17. Jahrhundert sehr stark skriptet und hat sehr stark Vorführungscharakter. Zu diesem Vorführungscharakter habe ich einen kleinen Ausschnitt aus deinem Artikel zu Hinrichtungsritualen herausgezogen, der, ich dachte, das schön auf den Punkt bringt für alle, die ... Die, die nicht so viel Foucault gelesen haben, vielleicht über Wachen und Strafen, ist die ganze Zeit in meinem Hinterkopf mitgeschwungen bei diesem Thema. Und das hat es irgendwie gut auf den Punkt gebracht.
Ich lese das mal kurz vor. Zitat. Nicht zufällig töten moderne Staaten nicht mehr im Namen des Herrn, sondern im Namen des Volkes. Die Hinrichtungen zielen eher auf das Leben als den Körper und sollen deshalb möglichst schmerzfrei vollzogen werden. Der Gegensatz zum früh neuzeitlichen Strafverständnis könnte kaum größer gedacht werden.
Im alten System wurde der Körper nicht als Mittler, sondern als Ziel der Strafe angesehen. Die dabei zugefügten Schmerzen wurden an der Schwere der Schuld bemessen. Die Legitimität physischer Gewaltanwendungen manifestierte sich gerade in der demonstrativen Öffentlichkeit der Hinrichtungskrituale. Galt im Zeitraum zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert, dass die Prozesse geheim geführt und die Strafen öffentlich vollstreckt wurden, so trifft seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für die juristische Praxis das genaue Gegenteil zu. Diese Veränderung, jetzt sind unsere Gerichtsprozesse öffentlich und die Hinrichtungen privat oder geheim. Und vorher war es andersrum gedacht.
Das kommt uns komisch vor. Es wirkt auf uns im ersten Moment irgendwie verstörend, wenn wir uns vorstellen, dass die Leute am Wochenende oder wie auch immer zur Hinrichtung gegangen sind. Freitags war Hinrichtungstag. Häufig Ja, da hat man Zeit, vielleicht zum Ausklingen der Woche noch ein, zwei schöne Hinrichtungen mitnehmen.
Das ist jetzt nicht unsere Form von Untertaining. Wobei, wenn ich den Fernseher anmache, geht es ja da auch die ganze Zeit um Verbrechen, um Gewalt. Also in den Serien, in den Filmen ist das ja auch extrem, wie viele Polizeiserien es gibt und wie groß die Faszination für True Crime heutzutage ist. Ich habe den Eindruck, wenn man sich das durchliest, ist das ja auch so eine Art früheres True Crime. auch diese jämmerlichen Zeichnungen.
Das heißt, es wurden Bilder von der Folter und der Hinrichtung. Nein, nicht der Folter, also von der Hinrichtung. Aber wie die Person dann auch bei der Hinrichtung mit glühenden Zangen zum Beispiel gezwickt wurde und wie quasi, also das Leid bei der Hinrichtung, es war jetzt nicht nur das Hängen, sondern schon auch der gesamte Prozess dorthin, das gemeinsame Prozessieren und die ja schon fast rituelle, symbolische Gewalt, die da ausgeübt wird, in einem ganz gewissen Muster. folgt und die auch das Verbrechen widerspiegelt und das auf eine Art und Weise verkehrt. Die Hinrichtung simuliert noch mal so einen richtigen alten Prozess. In der Regel sind es ja Männer gewesen, die hingerichtet wurden. Der angeklagte
Tritt wird der Öffentlichkeit im Grunde präsentiert. Er wiederholt da noch mal sein Geständnis. Das ist wichtig, so in aller Öffentlichkeit. Dann findet diese Prozession zum Richtplatz statt. Er wird begleitet von Seelsorgern. Also auch in fänglichste gesamte Zeit ist er da unter seelsorgerischer Betreuung. Sofern es sich nicht um einen verstockten Sünder handelt, der sowieso Gott lästert, dann begleiten die Seelsorger ihn auch zum Schafott.
Also die sind mit dabei, das Gericht ist mit anwesend und das ist eine genau choreografierte Prozession, die da zum Schafott zieht und dann erfolgt die Hinrichtung und eben buchstabengetreu im Regelfall. Letztlich die Zuschauer nach dieser Logik sind die Zeugen, die Zeugen, dass Gerechtigkeit geschieht. Und es wird ja auch, das ist auch diese Symbolische, die Abschreckung natürlich spielt auch irgendwie mit rein, aber es ist ja mehr als nur Abschreckung. Es geht ja um, wir stellen die Gerechtigkeit der Welt wieder her.
Also ihr seid alle Teil davon. Die Ordnung wird wieder hergestellt, die aus dem Lot geraten ist und wir kümmern uns jetzt darum, dass wir wieder alles ins Lot kriegen. Ich hab aus den Jahr 1799 eine öffentliche Hinrichtung auf dem Galgenberg am Wedding in Berlin gefunden. Und da ich in der Nähe hier wohne, mich das besonders fasziniert.
Vor allem fand ich 1799 sehr fortgeschritten. Da kommen wir später noch mal zu dieser romantischen Vorstellung des Henkers als einer oder der Hinrichtung vielleicht auch als etwas ... mittelalterlichem, als etwas, was lange, lange zurückliegt. Und tatsächlich hat es sich bis ins 19. Jahrhundert hineingezogen, diese Praxis. Und auch das Spektakel außenrum und auch diese Vorstellung. Ich lese das kurz mal vor, weil ich das sehr schön fand.
Früh um vier waren die Straßen schon lebhaft. Alles drängte sich nach der Gegend des Rathauses hin, wo über die unglückliche, noch unter freiem Himmel ein peinliches Hochgericht gehalten werden sollte. Um 6 Uhr waren bereits alle Straßen, welche dahin führten, mit Menschen angefühlt, dass man Mühe hatte, sich durchzudrängen. Ein Kommando Hussarn, welches die Deleguentin begleitete, ritt mitten in den Volkshaufen hinein und sprengte ihn mit Gewalt auseinander, um einen Weg nach dem Ort des Gerichts zu bahnen. Auf den Straßen standen Dichtereien von Zuschauern, alle Türen, Fenster, selbst Dachfenster waren besetzt. Um die Zuschauer, die aus allen Ständen und Volksklassen und ebenso viel Weibern als Männern bestanden,
drängten sich eine zahllose Menge Marquetender mit Likör und Brandwein herum und wurde ihre Ware häufig los. Morgens, muss man sagen. Endlich kamen sie Unglückliche an und die Exekution ward vollzogen. Ein junger Mann, der Sohn des hiesigen Scharfrichters, vollstreckte sie. Der Tod durchs Rad von oben herab war gewiss für die Unglückliche weniger grausam als schauderhaft für den gefühlvollen Zuschauer. Den gefühlvollen, sag ich, aber hier schien kein solcher zu sein. Man spottete, zankte und lachte, während sie den Geist aufgab. Ja, ist sie mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich. Also man muss dazu sagen, Räderungen sind selten.
Dass eine Frau gerädert wird, ist eine völlige Ausnahme. Also das habe ich tatsächlich in den Akten, die ich so durchgesehen habe, nie gefunden. Also das ist wirklich extrem exotisch. Also die Regelrichtung ist die Enthauptung bzw. das Aufhängen. Das ist so das, was üblich ist. Rädern ist unglaublich selten. Und Frauen werden eigentlich nie gerädert.
Da schicke ich dir nachher noch mal den Verweis dazu, wo ich das herhabe. Für die Hörer, die es interessiert, das ist von Peter Preißendorfer Staatsbildung als Königskunst, Seite 234. Aber genau, nur für alle, die sich da noch mehr einlesen wollen. Aber ich fand das so faszinierend, weil ich könnte mir diese Szene, mit diesen Menschenmengen, das könnte ich mir heutzutage in Berlin auch vorstellen. Das Kommando Hussarn wäre jetzt, keine Ahnung, die Polizei in ihrem Auto. Ja, die können auch noch beritten sein. Das ist auch seltener, aber immer noch manchmal sich zu sehen, das stimmt. Und immer wieder fühlt sich sehr altertümlich an, Polizei auf Pferden durch Stadtreiten zu sehen, wenn große Events sind. Und diese Faszination
der Menge kam da einfach, fand ich, sehr schön. Dieses Spektakel, dieses wir früh morgens schon unterwegs und es wird sich eben gezankt, gelacht, gespottet und sich betrunken, gemeinschaftlich, als Akt der Gemeinschaft irgendwie auch. Jaja, das ist schon gemeinschaftsstiftend. und wurde im Zuge der Aufklärung halb Suspekter. Ja. Und da sind wir jetzt bei einem guten Punkt. In der Aufklärung wurde dieses Tagebuch oder diese Malefiz Chronik von Franz Schmidt auch zunehmend erst eher als Zeichen der Ordentlichkeit gedeutet.
Da herrschte ja Ordnung in Nürnberg. Ja, das schon. Aber ja, ausgegraben hat es Enter. Man muss dazu sagen, Enter kam aus einer Patrizierfamilie in Nürnberg, war beim Stadtgericht tätig und setzte sich als guter Aufklärer für Justizreformen ein. In seiner ... Heimatstadt Nürnberg erschwerend kam aus seiner Perspektive hinzu. In den Freien Reichsstädten galt immer noch die Karolina des 16. Jahrhunderts, also kaiserliches Recht. Also die Strafprozessordnung ist bis dato nie reformiert worden. Die größeren Territorien hatten da schon Anpassungen. vorgenommen. Ganz bekannt sicherlich Preußen, Österreich, aber auch die anderen großen, im Grunde die Kurfürstentümer, die haben alle in irgendeiner Form Reform durchgeführt für die
Freien Reichstädte, die ja kaiserliche Städte waren. Da galt immer noch kaiserliches Recht und das war auch im 18. Jahrhundert die Carolina. Und Enter hatte dieses Tagebuch ausgegraben im Archiv. Als Justizangehöriger und eben auch beim Gericht tätiger, hatte er da ja freien Zugang zum Archiv, konnte da also hingehen und hatte da dieses Tagebuch gefunden. Das hat er eigentlich ediert, um seinen Zeitgenossen im Grunde vor Augen zu führen, was nach damaligen Recht gültig gewesen ist. auf derselben Grundlage, die immer noch gültig ist. Das war ihm das besondere Herzensanliegen.
Und was heutzutage aus seiner Perspektive, also Ende 18. Jahrhundert, eigentlich gar nicht mehr ginge. Und deswegen hat er das eigentlich publizieren wollen. Dann wurde aus dieser Idee, wir sollten unser Recht vielleicht ... Erneuern, vielleicht ist das nicht mehr der Standard, nach dem wir leben sollten. Guck hier, das ist eigentlich unser Recht auf der Basis, was wurde auf dieser Basis alles verübt. Und dann wird es aber eigentlich zu dieser Projektion für dieses dunkle Bild des Henkers. Ja, das ist besonders toll, weil es passiert etwas, was ich enter auch gar nicht vorgestellt hätte. Weil wir haben die napoleonischen Kriege, also zunächst die Revolutionskriege, danach die napoleonischen Kriege. Das alte Reich
wird aufgelöst. Es gibt den Reichsdeputationshauptschluss, die Kaiserkrone wird niedergelegt und die Freien Reichstätte sind auf einmal keine kaiserlichen Städte mehr, sondern die werden den verschiedenen Territorien zusortiert und Nürnberg kommt zu Bayern. Und was dann passiert ist, in dem Moment, wo Bayern übernimmt... ist, dass eine riesige Verwaltungsreform und Justizreformwelle über Nürnberg rollt und zwar in einem Ausmaß, wie es sich auch Enter in seinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt hätte. Er ist ja sogar in der Reformkommission vorgesehen gewesen, stirbt dann allerdings recht plötzlich und vorzeitig, um da noch mit zu tun. Aber da passieren Reformen in einem Ausmaß, wie Enter sie sich nicht erträumt
hätte. Also sein Reformanliegen ist da zunächst mal obsolet und was er damit unterfüttern könnte. Nun ist das Schafrichter -Tagebuch aber in der Welt und kaum dass es erscheint, interessieren sich auf einmal die Romantiker dafür. sein gefundenes Fressen für sie, weil das ja natürlich ganz dem Bild, das schie von der Vergangenheit auch irgendwie hat. Dieses dunkle, der herzlose, emotionslose Henker, der all diese Dinge tut und kein Wort über seine Emotionen verliert dabei, weil es natürlich auch eine Chronik ist. Also da kann man natürlich viel reininterpretieren, wenn man so fachlich ... korrekt in Anführungszeichen auflistet, was so gemacht wurde. Dieses typische Bild, das dadurch geprägt wird, ist eben dieser,
also die erste Variante ist, glaube ich, der durchweg böse Scharfrichter, der, also von allen, wie du gesagt hast, er tritt auf die Straße und alle verstecken sich, weil sonst sind sie vielleicht die Nächsten, keiner will Kontakt mit ihm haben, keiner will ihn heiraten und all diese Dinge. Er ist eben an sich auch ein Charakter, der als Projektionsfläche für das Dunkle, für das Böse, für die schlimme Vergangenheit dient, die man jetzt scheinbar überkommen hat, aber den trotzdem fasziniert und das Unterbewusstsein der Menschen irgendwie anspricht. Und dann gibt es die spätere Variante, wo der Henker als so ein sehr reflektierter, etwas lakonischer Mensch am Rande der Gesellschaft dargestellt wird, der eben als Außenstehender
auf diese Gesellschaft blickt, was dann so ein bisschen die Verkehrung ist des ersten Bildes, was konzipiert wird. Ja, es läuft alles parallel interessanterweise. Also er ist der romantische Held par excellence eigentlich. Das sieht man auch, wenn man sich so diese Memoiren Heinrich Heines anschaut oder so. Da ist der Schafrichter tatsächlich so, der teilweise der edle Außenseiter, der qua Geburt da diesen Job machen muss und hochgebildet und dann furchtbar unter der Situation leidet und der taucht schon sehr sehr, der taucht im Grunde gleich zu Anfang auf und da wäre die bürgerlichen Filister, also gerade diese Handwerker in ihrer Spießigkeit. Und da ist der Schlafrichter der ideale Gegenpart. Natürlich auch so Geheimnis
und wie rubert, verrucht und dergleichen mehr. Was da auftaucht, ist tatsächlich das – und da gehörte Enter ganz klar auch zu – Es ist im Grunde das Bild der Juristen, das da romantisiert wird. Enter war ja auch Jurist, der das dann publiziert hat. Zwar mit anderem Anliegen, aber das ist anschlussfähig. Letztlich, die Juristen halten eigentlich gar nichts von der Unehrlichkeit.
Nur weil die eben auch römisch -rechtlich fundiert ist. Die neigen dazu, dass spätestens ab dem 17. Jahrhundert eigentlich schon im 16. als sogenannten Handwerksmissbrauch darzustellen. und halten das eigentlich für völligen Blödsinn. Klarerweise ist das im Grunde der Delement, der da einen Job machen muss, den er eigentlich nicht machen will, und dann von dieser spießigen, engstirnigen Gesellschaft ausgegrenzt wird. Das ist so der Schafrichter der Romantik. Es gibt übrigens eine eigene Literaturgattung. Es gibt in 19. Jahrhundert den sogenannten Schafrichter -Roman. Und da hat man dann entweder den absoluten Bösewicht, also wenn in dem Roman Hexenprozesse thematisiert werden, oder die andere Variante ist halt dieser
edle Außenseiter, der von einer engstiernigen Gesellschaft drangsaliert, gemobbt und ausgegrenzt wird. Ich musste an den Roman Till denken, der vor einigen Jahren rauskam von Daniel Kehlmann, wo eben auch der Der Scharfrichter, dieses lakonisch philosophische, diese letzte Ansprache vor dem Tode und der eigentlich da so eine lakonische Weisheit von sich gibt und ein bisschen über den Dingen steht. Das ist ein typischer romantischer Scharfrichter. Und ganz spannend, dass Franz Schmidt da auch als Referenzpunkt mit diesen Malefiz -Chroniken genommen wird, weil er ist ja eigentlich derjenige, der es rausschafft.
Er schafft es ja tatsächlich aus der Unehrlichkeit selber wieder in die Ehrlichkeit seit seines Lebens und ist da sicherlich nicht der klassische Fall. Ja, es gibt Ende des 16. Jahrhunderts tatsächlich doch ein paar, die aus dem Job aussteigen. Das taucht Ende des 16. Jahrhunderts mehrfach aus, dieses Phänomen. Teilweise weiß man es auch nicht so genau. Denn klar, die Berufsverehrerbung, das ist dann so. Ein Sohn übernimmt dann den.
oder aber es ist die Tochter, die vom Nachfolger geheiratet wird. Das ist die andere Variante oder es ist die Schafrichterwitfe, die der Nachfolger heiraten muss, was übrigens in der frühen Neuzeit gängig ist beim Berufseinstieg. Das ist auch für Handwerksberufe der Fall, dass ein Geselle, der selber nicht Meistersohn ist, dass der in den Betrieb kommt, indem er eine Meisterwitfe heiratet. oder die Tochter des Meisters oder dergleichen. Ansonsten hat auch ein Handwerksgeselle kaum eine Chance, Meister zu werden, eine andere.
Also das ist eigentlich eine recht typische Lösung. Gilt auch für andere Berufe, für Amtsärzte interessanterweise auch. Also selbst für Studierte, sogar für protestantische Pastoren. Das ist eine ganz typische Sache in der frühen Neuzeit. Das sind aber auch die ersten, bei denen das abgeschafft wird, by the way. Aber das ist ja so ein bisschen das Ergebnis, wenn man so reklementierte Stände, also wenn man sagt, okay, wir haben eben so und so viel, wir haben Platz für drei Schuster in der Stadt und was sollen wir machen? Nur weil der Mann gestorben ist, soll die Familie jetzt nicht mehr das Schusterrecht haben. Ich meine, die machen seit 100 Jahren Schuhe hier oder wie auch immer. Dann heiratest
du dich ein und dann kannst du da mitmachen oder du lässt das. Ja und auf die Art und Weise die Familie ist dann versorgt. Also wir haben in der frühen Neuzeit keine Rentenregelungen oder nur sehr rodimentäre. Also es gibt so in den Anfängen, aber die Anfänge von so Witwenversorgung, das ist dann tatsächlich, das sind dann so die wirklich die Pastoren. Es gibt dann zum Teil so Regelungen für Offizierswitwen oder dergleichen, aber das beginnt erst in der frühen Neuzeit und es ist selten. In der Regel versuchte man die dann eben, ja, wenn sie jung genug waren, über Verheiratung oder über dann über Namen halt der Sohn oder eben eine Tochter wurde verheiratet dann. Ben, bevor wir zur Abschaffung jetzt kommen,
weil du es gerade schon angesprochen hast, fand ich noch einen ein Punkt ganz interessant, nämlich der Henker als Heiler. Das ist ja auch immer so ein Aspekt, der auch im romantisierenden Bild mit reinspielt, weil man eben sagt, naja, die waren ja tatsächlich hochgebildet, die kannten sich mit der Anatomie aus, des Körpers, sie waren quasi die besseren Ärzte, weil die hatten tatsächlich Kontakt zu den Leichen im Gegensatz zu denen.
Also die konnten tatsächlich mal gucken, wie es den Menschen so aussieht. Und das ist was, was auch immer wieder aufgekommen ist. Wir sehen ja tatsächlich, dass Sie eine gewisse Art medizinische Kompetenz hatten und auch so von der Bevölkerung wahrgenommen wurden. Nicht nur die Bevölkerung. Jeder Schafrichter hat so plus minus bis Mitte des 18. Jahrhunderts eine medizinische Praxis in seiner Dienstwohnung. Da werden teilweise auch Kranke aufgenommen und gesund gepflegt.
Stichwort Unehrlichkeit. Diese medizinische Bereich ist komplett ausgeklammert. Und das passt genau, das wollte ich auch sagen. Das passt ja gar nicht zu dieser Idee von Unehrlichkeit. Oh, ich muss mich vom Henker auf der Straße fernhalten. Das ist, ehrlich gesagt, konnte der ganz normal zum Markt gehen. Aber das findet man eben. gehört zu den Problemen der Geschichtswissenschaft generell.
Aktenkundig wird etwas nur, wenn es Probleme gibt. Liegelt dann sozusagen das Problem den Regelfall? Oder läuft es ansonsten prima und es ist halt mal skandalisiert worden? Was passiert da eigentlich? Wenn es gut läuft, findet man da keine Aktennotizen. nirgendwo. Also man findet nur die Konflikte, wenn wirklich irgendwelche Sachen gerichtsnotorisch geworden sind. Und man findet höchstens mal, aber das sind so Zufallspunde, so wirklich ein Zufallspund in all den Stadtrechnungen, die ich gelesen habe, oder Arztprotokollen. Das war der Zettel eines Handwerkers. Der Hintergrund war den dem Münchner Scharfrichter ist eine Daumenschraube bei der Arbeit kaputtgegangen. Und der nahm die dann auf dem Nachhauseweg, nahm der die mit zu
einem Handwerker, der die reparieren sollte. So weit so überhaupt kein Problem. Man muss sagen, der Handwerker guckt sich das an und agiert mit einem Folterinstrument, das auch eingesetzt wird. Aber da ist irgendwie die Halterung abgebrochen. Schmid schreibt dann eine kurze Anfrage an das Münchner Stadtgericht. Ja, wie ist das mit der Rechnung? Soll der Schafrichter das Geld vorstrecken oder soll ich die Rechnung direkt bei euch einreißen?
Ja. Ja, das zeigt in dem Fall die Normalität. Und das eigentlich nur die Frage war, wer organisiert die Bezahlung? Mache ich die Arbeit oder mache ich sie nicht? Ja doch, wer soll sie machen, ist völlig klar. Aber wer kriegt die Rechnung? Und das ist wie gesagt eine Daumenschraube, die wird eingesetzt im Prozess. Und da sieht man schon, da ist zumindest die Geschäftsbeziehungen, die sind völlig außen vor. Was gegebenenfalls skandalisiert wird von den Handwerkern, sind die privaten und die freundschaftlichen Beziehungen.
Aber immerhin, die kommen auch vor in den Akten. Und die Konflikte werden handwerksintern dann durchgeführt. Da ist häufig der unehrliche Mensch gar nicht dabei. Also es ist dann so, dass dann im Grunde diese handwerksinternen Strafgerichte, so bei geöffneter Lade werden ja da Beschwerden vorgebracht und wird auch geurteilt, werden Bußen festgelegt und dergleichen. Aber das passiert ja wirklich ohne, dass da irgendein Unehrlicher dabei ist. Und in die Zunftstuben sind die wirklich nicht gegangen, weil das ist so der interne Raum, aber da gehören die Handwerker hin. Da gibt es nur eine Situation, wo jemand Ja, und das ist dann wirklich ganz großes Kino, was vergleichsweise öfter vorkommt, was so mit den entsprechenden
hygienischen Verhältnissen zusammenhängt und den Situationen eben in Städten. Also es kann im Metzger durchaus schon mal passieren, dass er Hunde vorsehnlich tot schlägt. Die Fleischbänke, also die Schlachtbänke sind ja öffentlich. Und wenn man sich da mit streuenden Hunden konfrontiert sieht, die klarerweise da Interesse dran haben an diesen Schlachtvorgängen, da kann es schon mal ... sein, dass ein Metzger im Affekt ein Messer einem Hund hinterher wirft und zu gut trifft und diesen Hund tötet. Und dann das spricht sich im Regelfall rum in der Stadt und dann wird tatsächlich noch am selben Abend oder zumindest einen Tag später der Abdecker mit ja mit mindestens zwei seiner stärksten Knechte begeistert in der
Zunftstube der Metzger auftauchen. Der wird dahingehen und dem besagten Gesellen auffordern, bei ihm anzufangen, weil er seine Leistung ja schon unter Beweis gestellt hätte. Dann gibt es so ein stark ritualisiertes Geplenkel und am Ende muss der Geselle zum einen den Abdecker bezahlen, also der kriegt dafür eine Richtung, weil er ihm in das ... in sein eigenes privilegiertes Handwerk eingegriffen hat. In das Metier reingepfuscht.
Ja, er hat das Metier des Abdeckers gefuscht, muss also den Abdecker entschädigen und muss gleichzeitig noch eine hohe Strafe an die Zunftkasse zahlen. Und das ist hochgradig ritualisiert, aber das ist so ein Moment und das ist wirklich eine großartige Aufführung. Ich kann mir vorstellen, dass mancher Abdecker da auch richtig Spaß dran hatte. So, jetzt zeigen wir's dem, dem, dem.
Ja, ja, und der hat da rein und hatte dann da seinen großen Auftritt. Genau, zu Medizin und zum armen Sünderfett, zum Beispiel, wollte ich dich was fragen. Weil Münchner Apotheken bis Mitte des 18. Jahrhunderts, also sehr lang, verfahren im Münchner Schafrichter mit armen Sünderfett, zum Beispiel. Ja, sofern's vorhanden war. Also tatsächlich ist Menschenfett etwas, was in ...
Apotheken gehandelt wurde. Man konnte ja auch, ja Mumia ist wieder etwas anderes. Also da hat man ja was Archäologen und auch Kunsthistoriker sehr misslich finden. Also man hat tatsächlich in Ägypten diese antiken Mumien eingeäschert. Die wurden wirklich als Heilmitteln dann in Europa vertrieben. Aber eben Menschenfett ist ein Therapeutikum.
Also man findet in diesen Apothekenkataloren lange Listen mit unterschiedlichsten Fetten, die man für unterfriedlichste Zwecke verwendet. Menschenfett ist eine Möglichkeit, die auch therapeutisch eingesetzt wird. Das heißt nicht, dass jede Apotheke das vorrätig hatte oder so, aber das gilt als Therapeutikum tatsächlich. Abgesehen von diesem Liefern von wichtigen Teilen der hingerichteten Antiapotheke gab es einen spannender Fall ist das Buch, das Buch der Medizie, was in Kaufbeuren 715 dem Schafmächter Johannes Seitz bzw. wahrscheinlich seiner Frau gehört hat, weil in der Einleitung steht auch irgendwie drin, dass es der Seitz gehört. Es gibt zwei Handschriften und es scheint auch irgendwie mit seiner Frau zusammen zu hängen
und da gibt es Also ganz spannende Sachen, die da drinstehen. Nachdem am Anfang erwähnt wird, dass der Mensch eben aus Feuer, Luft, Erde und den Elementen besteht, gibt's da eine sehr ausführliche Urinschau, was ich gar nicht erwartet hatte, weil ich dachte, als Henker kennt man sich dann eben mit Wundversorgung und so weiter aus. Aber nein, es geht tatsächlich, eigentlich ist es Stand der Zeit. Es sind nicht bloß Wunderz, sondern durchaus weitreichend werdender Sachen von ...
Also Wundversorgung, Bekämpfung gefährlicher Seuchen bis hin zu Schwangerschaftsbeschwerden, Wochenbetterkrankungen und Kinderkrankheiten werden erwähnt. Also sehr alleumfassend. Gegen die Pest wird zum Beispiel folgendes Rezept in Neudeut, übersetzt auf Hochdeutsch jetzt empfohlen. Fange eine Kröte im März, hänge sie auf und trockne sie. Wenn die Pest den Menschen anfällt, nimm die Kröte, lege sie eine Stunde in Essig, danach binde sie auf die Beulen. Lasse sie eine Stunde oder zwei liegen. Danach nimm sie ab und wirf sie in fließendes Wasser. Du musst sie aber auch vor dem Aufbinden aufschneiden. Dazu ein Glas voll Angelika, Meisterwurz und Baltrianwasser, eine halbe Quintel Tyriads und ein Quintel Angelikapulver.
das zusammen warm gemacht und drei Morgen hintereinander getrunken, so ist der Mensch genießen. An dem Punkt sehen wir auch so ein bisschen diese magische Vorstellung, dass die Kröte im März gefangen werden muss und in fließendes Wasser danach geworfen wird. Ansonsten klingt das ja eigentlich wie ein normales Rezept, aber diese speziellen Punkte haben so einen magischen Anstrich auf jeden Fall.
Nun ist es natürlich so, dass die Pest eine schwierige Krankheit ist, weil dagegen wirklich nichts hilft, außer diesen Isolierungsmaßnahmen. An der Pest wurden Quarantänebestimmungen entwickelt. im Grunde, was so viele Vertreter der deutschen Öffentlichkeit ja so überrascht hat. Wenn man sich hier mit Medizingeschichte befasst hat, waren die Corona -Maßnahmen gänzlich unüberraschend.
Das sind im Grunde Maßnahmen, die anhand der großen Kestzüge des 14. Jahrhunderts so sukzessive entwickelt wurden. Also das sind so typische Quarantänemaßnahmen tatsächlich. Und das ist so das einzige. was gegen die Seuchenzüge geholfen hat. Man weiß es ja noch nicht mal, wodurch die Pest entsteht. Und da sind wir ja tatsächlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wo das Bild dann insgesamt klarer wird. Aber insofern ist die Pest eine besondere Krankheit. Ganz sicher, die Schafrichter gehören zu den regulären Heilern.
Diese Einkünfte aus der medizinischen Praxis sind auch eingepreist. Das heißt, der Nachfolger von Franz Schmidt, weil Franz Schmidt blieb ja in der Stadt Nürnberg wohnen und praktizierte weiter, der bekam tatsächlich eine gewisse Zeit lang, solange Franz Schmidt weiter praktiziert, eine Gehaltsaufstockung um diese finanziellen Verluste, dass die immer noch zum Franz gehen.
ausgeglichen wurden. Die Väter haben das im Grunde eingepreist. Alle Schafrichter haben eine medizinische Praxis in ihrer Dienstwohnung unterhalten. Und gehören damit zum Kontext der regulären Heiler, wie eben Wundärzte, Barbire. Das ist ein und dieselbe Zunft. Der Chirurg ist von Haus aus eigentlich Friseur. Und in diesem Kontext eigentlich gehören die Schafrichter zu diesen Handwerkschirurgen.
In diesem Kontext gehören die Reihen, und das sind ihre Hauptkonkurrenten, in üblicher Weise, sobald die innere Kuchen anbieten und auch die Harnschau usw., da fuschen sie dann bei den studierten Ärzten im Metier. Das haben aber die Handwerkschirurgen auch gemacht. Also das ist flächendeckend und das ändert sich im Grunde Mitte 18. Jahrhundert.
Also in dem Moment, wo das verboten wird und wo sich die Ärzte, also die Kollegen ja... auf Regierungsebene, also diese eigentlich Vorläufer dann der Gesundheitsämter etablieren, unter der Aufsicht studierter Ärzte. Da steigen dann auch die alten Familien aus dem Schafrichterjob aus und schicken ihre Söhne auf die Uni und damit die Medizinstudie an. Aber die gehören so bis Mitte 18. Jahrhundert zum Standardpersonal der heilenden Berufe. Und in dieser Zeit haben wir dann ja auch 18, 19. Jahrhundert haben wir diesen Wandel zusehend sind, dass wir eben keine öffentlichen Hinrichtungen mehr haben, dass dieser Schafrichterberuf in der klassischen Form seinem Ende hinzugeht.
So und dass wir diesen Wandel dann haben. Aus den Familien werden da teilen, die öffnen Wirtshäuser oder sie werden Ärzte, wie du gerade eben schon erwähnt hast. Und es gibt einfach diesen Wandel in andere Berufsfelder hinein, dass ich glaube die letzte in Würzburg, der Josef Kisslinger, der 1880 gestorben ist, hier habe ich irgendwo gefunden, dass es eine der letzten Scharfrichterfamilien in Süddeutschland gewesen sei. Das weiß ich nicht genau. Ja, das war ein Fall, den hatte ich in Bamberg entdeckt. Es ist tatsächlich so, dass nach den Justizreformen, Bayern hatte generell wenig Scharfrichter. was es für meine Dissertation dann tatsächlich möglich machte, die ganz gut zu untersuchen, weil man so dieser gesamte, dieses
gesamte Territorium Bayern in der frühen Neuzeit ist mit sechs Schafrichtern ausgekommen und die saßen in den, in diesen zentralen Verwaltungsstätten und Regierungsstätten. Also, was weiß ich, Ingolstadt, Landshut, natürlich München, Schongau erstaunlicherweise auch, aber das lag, Schongau hatte so ein bisschen eine Sondorffunktion, also eigenes Recht war zunächst mal etwas anders an dem bayerischen Staat angebunden. Landsberg am Lechburghausen, das sind tatsächlich diese sogenannten Landregierungen, Regierungssitze Bayerns. Und da hat man dann auch die Schafrichter darüber hinaus, so in der Fläche eigentlich niemand. Und mit dem Reichsdeputationshauptschluss werden ja Bamberg war ja vorher Fürstbistum.
kam dann nach Bayern. Und in Bamberg hatte man einen Schafrichtersohn, der bereits für seinen alten kränklichen Vater den Job übernommen hatte, allerdings eben die Stelle noch nicht inne hatte. Und weil sich offensichtlich das Gericht in Bamberg für den verantwortlich fühlte, versuchen, die den Hände ringend auf frei werdende Schafrichterstellen zu setzen. Und zu vermitteln. Bis dann irgendwann wirklich die strikte Direktive aus München kommt.
Also Leute, gebt Ruhe. Wir brauchen nur noch einen. Und das ist der Münchner Scharfrichter. Alle anderen brauchen wir nicht mehr. Und die sind auch nicht mehr etatmäßig. Es gibt kein Budget dafür. Hört auf. Die typische Budget -Kürzung bei den Scharfrichtern, der muss jetzt anderes machen. Und das konnte man anhand dieser Bamberger Stelle wunderbar nachvollziehen, weil die tatsächlich versuchen, den auf alle frei werdenden Posten zu bringen. Da wurde es sich gekümmert. Das ist doch mal... Also das Gericht versucht wirklich, sich zu kümmern. Es ist auch nicht so, dass das...
Tatsächlich, man spricht ja dann immer so gerne von Volksmedizin oder so. Das entkoppelt sich im Verlauf der frühen Neuzeit, bis es dann Mitte 18. Jahrhundert wirklich so als abergläubische Volksmedizin gilt. Bis dahin eben die Jahrhunderte davor ist es eigentlich State of the Art. Nur, dass eben die Medizin und insbesondere die Chirurgie ab dem 16. Jahrhundert eine rasante Entwicklung hinlegt. Auch der Akademisierung und das auch die übrige Medizin. Wobei, das sagen auch naturwissenschaftlich interessierte Aufklärer, dass die Medizin im Grunde die letzte. Disziplin ist, die sich da verwissenschaftlicht. Ja, die Schwierigkeiten sind dieselben, die man heute auch noch hat.
Das ist ja spannenderweise auch ein bisschen unter dem Druck der Erfindung der Hymiopathie dann in Deutschland entstanden, dass wir in Nürnberg den ersten Doppelblindversuch hatten, um zu beweisen, dass Hymiopathie nicht funktioniert. Das heißt, die Medizin hat dann erst, als die Hymiopathie aufkam, jetzt sollten wir wirklich, jetzt brauchen auch wir Methoden, also ist ganz flapsig vereinfacht gesagt, da müssen wir uns auch mit der Zeit gehen und uns auch an das Verwissenschaftlichen, weil sonst laufen uns die hier den Rang ab. Und das geht ja nicht. Ja, gefordert wurde es schon wesentlich länger, die Verwissenschaftlichung. Also da die Forderung hat man natürlich schon im 18. Jahrhundert.
Nur es ist tatsächlich schwierig, weil tatsächlich der medizinische Markt wenig reguliert ist. Klar hat man da auch entsprechend Berufsgenehmigung und dergleichen. Aber die Regulierungen werden da im Grunde erst unter Maßgabe der Kollegia. Das sind vorher überwiegend Privilegien. Also tatsächlich, wenn jemand Stadtarzt ist, hat er Anspruch darauf, dass er da auch im Grunde seine ... sein Einkommen hat und dass es da nicht unbedingt weitere Praxen gibt, die da so ein bisschen, also diese Art von Regulierung, aber tatsächlich diese Heilertätigkeit ist wenig reglementiert.
Und das beginnt so im 18. Jahrhundert sukzessive, dass man es einschränkt und dass man Prüfungen verlangt. Und was dann allerdings dazu führt, so einen Fall hatte ich auch mal, dass dann auf einmal die Prüfung soll natürlich auch gegenüber den handwerklich organisierten Heilon, also sprich den Handwerkschirurgen, durchgesetzt werden.
Und dann hat man dann teilweise so absurde Effekte, dass dann der unehrliche Abdecker zur Prüfung geht und der erste examinierte Heilon. im Landgericht ist, im Gegensatz zu denen, wie dann Stolz das Collegium Medicum verkündet, diese eselhaften Landbader, die sollten sich mal eine Scheibe von ihm abschneiden und auch zur Prüfung gehen.
Die hätten es auch nötig. Ja, da wird dann das Ständesystem natürlich mit einer neuen Art von System überholt, das Konkurrenz zu bekommen, quasi zu sagen, naja, warum soll ich mich denn jetzt prüfen lassen? Ich bin doch schon in der... Klar, ich habe ja schon die Lehre gemacht. Eben, sollte doch reichen. Ja, genau. Und da merkt man, da werden so andere Standards etabliert und laufen teilweise zunächst mal in Konkurrenz zueinander. Bis zu diesem Zeitpunkt ist die Schafrichter Medizin aktuell. Klar, in dem Moment, wo sich die andere Medizin stärker akademisiert, erwächst da so eine Konkurrenz - und Kontrollinstanz peu à peu, die diese Erwerbsmöglichkeit untergräbt.
Ich meine, wir haben heute ja immer noch Scharfrichter. In Deutschland, wo wir die Todesstrafe nicht mehr haben, aber es gibt ja weltweit dieses Berufsbild, das ist ja nicht ausgestorben, nur weil wir es jetzt nicht mehr so wahrnehmen. Aber es ist eben versteckt und wir sind nicht mehr bei der Attraktion, bei der großen Hinrichtung freitagnachmittags oder freitags früh dabei und sehen die vor uns.
Ja, ich weiß es nicht. Im Internet kursieren ja durchaus diese schrecklichen IS -Videos. Und tatsächlich auch Saudi -Arabische Hinrichtungen sind immer noch öffentlich. Soweit ich weiß. Hat sich da auch aktuell nichts geändert. Also man hat da immer noch ... Haben wir noch etwas vergessen? Oder ich hoffe, wir haben allen jetzt ein differenzierteres Bild von Henkern und Schafrichter schon mittelt. Und wie das mit der Ehrlichkeit und Unehrlichkeit doch nicht so einfach war in der frühen Neuzeit und nicht so eindeutig, wie uns die Romantik das vielleicht glauben machen will. Ja, was ich zur Romantik noch sagen möchte, ist, die Schafrichter haben keine Kapuzen getragen.
Ah, also diese schwarze, berühmte Haube. Die kriegen sie erst im 19. Jahrhundert. Ich bin immer noch nicht ganz sicher, wie das passiert ist. Also, die bekommen die Schafrichter in dem Moment, wo Hinrichtungen nicht mehr öffentlich sind. Da werden dann historische Schafrichter zunehmend mit Kapuze dargestellt. Ich halte es für möglich. Dafür habe ich keine Beweise befunden, dass man diese Bußbrüderschaften, die es in Spanien und Italien gibt, dass man die möglicherweise als Schafrichter missverstanden hat. Das ist auch oben ohne. Also das ist komisch. Die haben diese Haube auf, diese spitze Haube. Das ist oben ohne. Und ein Bilentenschurz. Ja, ich habe den Eindruck, dass es auch noch so sadomasomäßig
fetischisiert wird. Auf jeden Fall. Bin ich mir sicher, dass das mit reinspielt, weil so ganz praktisch wirkt es nicht als Berufsleitung. Und vor allem, wenn alle wissen, der ist der Scharfrichter der Stadt, warum sollte der sich anonymisieren? Das ist ja nur der Gleiche. Ja, natürlich. Klar, also die haben keine Kapuze getragen und diese Kapuzen sind wirklich ein sehr faszinierendes Accessoire, weil seit dem neunzehnten Jahrhundert wird das da Stereotyp dargestellt. Das ist ein sehr guter Punkt, da werde ich schöne Bilder heraussuchen von Schafrichtern in Kapuzen für YouTube und die hier drüber legen. Schöne Beispiele zum Anschauen. Ja, was? Generell wollte ich mich bedanken für das tolle Gespräch, dass du dir
die Zeit genommen hast hier. Und ich fühle mich sehr geehrt, dass du uns gehört hast generell, weil wir sind ja ursprünglich in den Kontakt gekommen, weil du auf so einen Halbsatz aus einer Folge von mir per E -Mail geantwortet hast über die Heiligen Bücher der Drusen. Und ja, das hat mich auf jeden Fall sehr gefreut und freut mich immer noch. Und ich hoffe, wir können das vielleicht mal wieder bei einer anderen Folge Du hast ja auch ganz viele andere spannende Forschungsgebiete mit Militärgeschichte in der frühen Neuzeit und das wird da nochmal drüber reden oder generell über das Spektakel der öffentlichen Hinrichtung.
Ich denke, das wäre auch eine eigene Folge. Das ist eine eigenspendige Folge tatsächlich. Ja, es gibt ja viele Möglichkeiten. Jetzt speziell diese Konstruktion, diese rechtliche Konstruktion der Unehrlichkeit wäre im Grunde auch nochmal eine eigene Folge, weil das ein eigener, aber da haben wir Rechtsgeschichte auch. Das wird dann kompliziert. Und wir haben jetzt schon anderthalb Stunden gesprochen und da merkt man, man kommt schnell vom Hundertste ins Tausendste und das ist kein Ende. Aber das, ja, also vielen Dank für die Zeit und ich wünsche dir noch einen sehr schönen Tag und Bis nächstes Mal für alle, die uns hier hören. Ja, gerne. So, ihr Lieben, vielen Dank fürs Zuhören. Teilt die Folge gerne mit
allen, die sich für Henker und Hinrichtung in der frühen Neuzeit interessieren könnten oder die ein ganz falsches Bild von diesem Thema haben. Ich hoffe, wir konnten euch viele neue Aspekte und Feinheiten hier heute irgendwie herausarbeiten. Für alle, die uns unterstützen wollen, lasst uns gerne eine Bewertung da auf Spotify, Apple Podcasts, YouTube, wo immer ihr uns hört. Ein Like, ein Kommentar, das macht sehr viel für den Algorithmus und damit helft ihr uns wirklich.
Und für alle, die uns finanziell unterstützen wollen, können uns auf Patreon oder auf YouTube unterstützen. Also YouTube einfach mit einer Mitgliedschaft oder auf Patreon .com alle Zeit der Welt. Dort haben wir auch eine Liste mit Produzentinnen und Produzenten, die uns unterstützen und die wir vorlesen. Wenn ihr da Teil der Liste werden wollt, abonniert uns da und schreibt euren Namen einfach in die Liste. Tamaror, Hermikrobi, Skintree Glue, Muttis Moppel, Truck Funnel Dump und der Martin. Vielen Dank für alle, die schon länger dabei sind und ganz besonderen Dank für alle, die jetzt neu dazugekommen sind. Und wir hören uns in einer oder in zwei Wochen mit dem nächsten Thema. Bis dahin ihr Lieben. Ahja, was
ich vergessen habe zu erwähnen. Es gibt natürlich ab und zu mal Bonusfolgen. Wir hatten jetzt zum Neujahr auch eine Bonusfolge mit Live, wo ich und er gemeinsam unsere Ancient Aliens Videos angucken und dazu mit Video eine kleine Reaction aufgenommen haben. Die könnten wir, weiß ich nicht, die könnten wir noch nicht online stellen wegen irgendwelchen Copyright -Problemen auf YouTube oder auf Patreon und für die YouTube Mitglieder. ist es auf jeden Fall jetzt zum neuen Jahr 2026 schon online. Wenn euch das interessiert, dann kommt gern vorbei und schaut euch das an und es gibt immer mal wieder genau Bonusfolgen, extra Content für alle Unterstützerinnen und Unterstützer. Bis dahin, ihr Lieben. Tschüss!