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AstroGeo - Geschichten aus Astronomie und Geologie· Staffel 2· Folge 85

Böse Doppelgänger aus der Parallelwelt: Die Physik des Multiversums

Donnerstag, 8. Februar 2024 · 59 min

MP3

Shownotes

Für AstroGeo recherchieren wir regelmäßig eine ganze Geschichte. Nur wenn du uns finanziell unterstützt, bleibt der Podcast weiter kostenfrei. Danke! (astrogeo.de/unterstuetze-uns)

Wir Menschen sind nichts Besonderes: Wir leben auf keinem besonderen Planeten, wir befinden uns in einer ganz und gar gewöhnlichen Galaxie. Ist dann wenigstens unser Universum etwas ganz Besonderes, das es so nur einmal gibt?

Normalerweise machen die harten Naturgesetze der Physik spannenden Ideen aus der Science Fiction eher einen Strich durch die Rechnung: Beamen? Geht nicht, gibt’s nicht. Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit? Kann man sich abschminken, ist rein physikalisch unmöglich. Und was ist mit dem bösen Doppelgänger, der im Paralleluniversum nebenan nur darauf lauert, die Herrschaft übers Multiversum an sich zu reißen?

In dieser Folge des AstroGeo-Podcast erzählt Franzi die Geschichte der Parallelwelten, Paralleluniversum, den Vielen Welten und dem Multiversum: Tatsächlich kennt die Physik nicht nur eine Art von Parallelwelt – sondern gleich mehrere! Leben wir tatsächlich in einem vor lauter Universen nur so blubbernden Multiversum? Gibt’s irgendwo da draußen vielleicht wirklich einen bösen – oder, noch viel schlimmer: einen guten! – Doppelgänger von uns allen? Vielleicht besteht das Paralleluniversum nebenan aus einem gigantischen Schwarzen Loch und sonst nichts? Und gibt es sie überhaupt?

Weiterhören bei Astrogeo

• Folge 47: Die ersten Gravitationswellen zerfielen zu Staub (astrogeo.de/die-ersten-gravitationswellen-zerf…)

• Folge 69: Vakuumzerfall: Wenn das Universum sich auflöst (astrogeo.de/vakuumzerfall-weltuntergang-mit-li…)

Weiterführende Links

• WP:de.wikipedia.org/wiki/Parallelwelt

• WP:de.wikipedia.org/wiki/Viele-Welten-Interpretat…

• WP: Hugh Everett (de.wikipedia.org/wiki/Hugh_Everett)

• WP:Feinabstimmung der Naturkonstanten (de.wikipedia.org/wiki/Feinabstimmung_der_Natur…)

• WP: de.wikipedia.org/wiki/Quantenmechanik

• WP: Schrödingers Katze (de.wikipedia.org/wiki/Schr%C3%B6dingers_Katze)

• WP: Kopenhagener Deutung (de.wikipedia.org/wiki/Kopenhagener_Deutung)

• WP:Anthropisches Prinzip (de.wikipedia.org/wiki/Anthropisches_Prinzip)

• WP: Infinite Monkley Theorem (de.wikipedia.org/wiki/Infinite-Monkey-Theorem)

• WP: de.wikipedia.org/wiki/Universum

• WP: Inflation (Kosmologie) (de.wikipedia.org/wiki/Inflation_(Kosmologie))

• WP: Magnetischer Monopol (de.wikipedia.org/wiki/Magnetischer_Monopol)

• WP: Alan Guth (de.wikipedia.org/wiki/Alan_Guth)

• WP: Zyklisches Universum (de.wikipedia.org/wiki/Zyklisches_Universum)

• Forbes.com:Ask Ethan: Have We Finally Found Evidence For A Parallel Universe? (forbes.com/sites/startswithabang/2020/05/22/as…)

• 42 (arte): Leben wir im Multiversum? (arte.tv/de/videos/109816-011-A/leben-wir-im-mu…)

• Buch: Max Tegmark – Unser mathematisches Universum (ullstein.de/werke/unser-mathematische-universu…)

• BR: Leben wir im Multiversum? (von Franzi) (br.de/radio/bayern2/sendungen/iq-wissenschaft-…)

Quellen

• IQ – Wissenschaft und Forschung (BR): Paralleluniversen – Leben wir im Multiversum? (br.de/mediathek/podcast/iq-wissenschaft-und-fo…)

• Fachartikel:Inflationary universe: A possible solution to the horizon and flatness problems (1981) (journals.aps.org/prd/abstract/10.1103/PhysRevD…)

• Fachartikel:„Relative State“ Formulation of Quantum Mechanics (1957) (journals.aps.org/rmp/abstract/10.1103/RevModPh…)

• Fachartikel: Birth of Inflationary Universes (1983) (journals.aps.org/prd/abstract/10.1103/PhysRevD…)

Episodenbild: Keith Williamson (flickr.com) (flickr.com/photos/elwillo/5171931863), CC BY 2.0 DEED (creativecommons.org/licenses/by/2.0)

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Franziska Konitzer Wie sähe dein böser Doppelgänger aus, Karl?

Karl Urban Genauso wie ich, nur böse. Ach, bitte. Journalisten Franzi ist Astrophysikerin, die sich derzeit fragt, ob im Inneren eines schwarzen Lochs doch keine Singularität steckt. Und ich bin Geologe, der sein Physikstudium lange vor dem Zeitpunkt abgebrochen hat, wo man sich dort mit Singularitäten beschäftigt hat.

Karl Urban Und in diesem Podcast erzählen wir uns gegenseitig Geschichten, die uns entweder die Steine unseres kosmischen Vorgartens eingeflüstert haben, oder die wir in den Tiefen und Untiefen des Universums aufgestöbert haben.

Franziska Konitzer Und heute mit der Ausgabe 85 habe ich gestöbert und habe dir eine Geschichte mitgebracht. Karel, bist du bereit? Ich.

Karl Urban Muss mal wieder ganz freundlich schauen, nicht mehr böse. Ich bin bereit.

Franziska Konitzer Ja, die Frage nach dem bösen Doppelgänger hat es dir vielleicht schon verraten, welche Art von Geschichte ich dir heute erzähle.

Karl Urban Also ich denke an Star Trek Böse Paralleluniversen, Spock, der einen Bart hat.

Franziska Konitzer Ja, genau, da denke ich auch immer dran. Also in der Physik ist es ja schon so, dass man manchmal Träume zerstören muss oder zumindest die fantastischen Möglichkeiten, die sich in der Science-Fiction so auftun, zum Beispiel beamen, geht nicht, wird nie gehen. Also Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit, Warp-Geschwindigkeit wird auch nicht gehen.

Franziska Konitzer Eine Abkürzung im All durch Wurmlöcher gehen, nein, auch nicht. Aber der böse Doppelgänger, also der Spock mit Bart, der geht vielleicht doch. Und von diesem vielleicht doch erzähle ich dir. Heute nämlich von Paralleluniversen oder von Parallelwelten oder von der Möglichkeit, dass wir in einem Multiversum leben.

Franziska Konitzer Also von den Möglichkeiten, dass unser Universum, in dem wir leben, nicht das einzige Universum ist, das es gibt. So, und die Kurzzusammenfassung, was ich mit unserem Universum meine, unser Universum ist jenes Universum, das laut derzeitigen Verständnis vor rund 13,8 Milliarden Jahren mit einem Urknall begonnen hat, es dehnt sich seither aus, dieses Universum enthält hunderte von Millionen, 200 Milliarden noch mehr Galaxien.

Franziska Konitzer Wir wissen nicht genau, wo es aufhört. Es hört vielleicht auch gar nicht auf. Aber was wir wissen ist, es dehnt sich derzeit beschleunigt aus und zumindest auf einem Planeten in einer dieser Galaxien, in diesem einen Universum gibt es Leben und das sind wir.

Karl Urban N gleich 1.

Franziska Konitzer Ja, N gleich 1, die Stichprobe mit der mangelnden Größe sozusagen. Die Frage lautet jetzt, gibt es da vielleicht noch ein weiteres Universum, also eins nebenan, vielleicht wo es dann auch einen weiteren Karl gäbe, ob als böser Doppelgänger oder nicht. Oder einfach ein Kahl Nummer zwei, was natürlich ein totaler Gewinn wäre.

Franziska Konitzer Und tatsächlich wird diese Frage nach so einem Paralleluniversum oder weiteren Universen in der Physik eigentlich nicht von vornherein als Spinnerei abgetan. Und bei meiner Geschichte von den Paralleluniversen konzentriere ich mich aber heute tatsächlich auf die Physik, also was die Kosmologie, Astrophysik, Physik dazu zu sagen hat oder sagen kann und nicht auf philosophische Hintergründe oder sowas, weil tatsächlich so die Frage nach Parallelwelten, Paralleluniversen hat auch schon irgendwelche griechischen Philosophen beschäftigt, darauf gehe ich heute nicht ein.

Franziska Konitzer Aber es ist tatsächlich so, dass es in der Physik, je nachdem wen du fragst, sogar ganz unterschiedliche Parallelwelten oder gar Multiversen gibt. Hurra! Und kurz zur Begriffserklärung, weil ich habe bis jetzt so Paralleluniversum, Parallelwelt, Multiversum, ja, wo ist da der Unterschied? Also mit Paralleluniversum oder Parallelwelt, das wäre ein weiteres Universum außer dem unsrigen, also außer unserem Universum.

Franziska Konitzer Und die Summe all dieser Parallelwelten oder Paralleluniversum wäre das Multiversum. Also das Multiversum ist eins, in dem unser Universum nur ein Universum von vielen Universen ist. So, dann würden wir also, würden wir in einem Multiversum leben, würden wir immer noch in unserem Universum sein, aber daneben gibt es eben noch wie auch immer wie viele Universen.

Karl Urban Multiple.

Franziska Konitzer Multiple Universen, aka Multiversum, genau. So, und tatsächlich gibt es mehrere Level an Paralleluniversen, beziehungsweise Parallelwelten in der Physik. Also, auch wie gesagt, je nachdem, wen du fragst, gibt es ganz verschiedene Arten von Parallelwelten und Paralleluniversen. Aber wir fangen mal mit Level 1 an.

Karl Urban Das ist immer gut, wenn man keine Cheatcodes hat, ja.

Franziska Konitzer Ja, genau. Level 1 heißt, es gibt unendlich viele Karels in einem unendlich großen Universum. So.

Karl Urban Schon in einem? Nein, in einem?

Franziska Konitzer Ja, tatsächlich. Also das ist vielleicht die einfachste Form eines Paralleluniversums, wenn auch ein bisschen geschummelt, weil das Universum wäre nicht wirklich nebenan. Das ist also nicht wirklich parallel, sondern immer noch in unserem Universum, ist aber für uns unendlich weit weg. Was meine ich damit?

Franziska Konitzer Ich habe ja gesagt, unser Universum, nach dem derzeitigen Verständnis, hat vor 13,8 Milliarden Jahren angefangen und dehnt sich seitdem aus. Und wir wissen, oder es ist eigentlich nicht wirklich bekannt, wie groß das Universum ist. Das Einzige, was wir wissen können, ist, wie groß ist unser beobachtbares Universum.

Franziska Konitzer Also wenn man annimmt, dass es vor 13,8 Milliarden Jahren in einem winzigen Punkt oder in der Singularität angefangen hat und sich seitdem ausdehnt, dann hat seitdem…. Das Licht hat 13,8 Milliarden Jahre Zeit gehabt, um sich in diesem Universum auszubreiten und uns zu erreichen. Sprich, wir können nur das im Universum beobachten, was so weit weg ist, dass das Licht eben schon die Zeit hatte, uns zu erreichen.

Franziska Konitzer Und da kann man sich dann wieder vorstellen, dass unser beobachtbares Universum wie so eine Art Kugel ist, weil das Licht kommt ja von allen Richtungen auf die Erde zu. Und unser beobachtbares Universum ist laut dem eben eine Kugel, aber nicht mit einem Radius von 13,8 Milliarden Jahren, das wäre ja zu einfach, sondern das ist ein bisschen größer oder sehr viel größer, weil sich das Universum ja seitdem ausgedehnt hat und auch noch beschleunigt ausdehnt.

Franziska Konitzer Und deshalb ist unsere Grenze des beobachtbaren Universums, ist also eine Kugel und der Durchmesser dieser Kugel ist rund 93 Milliarden Lichtjahre. Ja? Ja, also das ist das, was wir als unser Universum bezeichnen. Oder unser beobachtbares Universum. Aber was kommt jenseits dieser Kugel? Tatsächlich ist es so, wir selber werden das nie herausfinden.

Franziska Konitzer Aber falls das Universum jenseits dessen unendlich groß sein sollte, das ist ja durchaus möglich, dann ist einfach die statistische Wahrscheinlichkeit, dass es irgendwo eine zweite Erde gibt. Ja, auch nicht null, weil du bist ja unendlich groß. Egal, wie klein die Wahrscheinlichkeit ist, dass es irgendwo in diesem unendlich großen Universum noch eine zweite Erde gibt, auf dem Franzis und Karls und alle anderen Menschen genauso wohnen, nur dass sich in diesem Universum die Franzi heute statt langweiligen grauen Socken, lustige Bienchensocken mit weiteren neonfarbenen Punkten drauf angezogen hat.

Franziska Konitzer Hat. Diese statistische Wahrscheinlichkeit ist einfach nicht null. Und wenn das Universum unendlich groß ist, dann muss es diese zweite Erde mit den Bienchensocken geben. Genauso wie alle anderen Konfigurationen. Das ist also Level 1 des Paralleluniversums. Es ist kein Paralleluniversum, vielleicht kann man es eher als Parallelwelt bezeichnen, aber was heißt das jetzt für uns?

Franziska Konitzer Wir können nie rausfinden, ob das wirklich so ist, weil wir nicht durch Beobachtungen rausfinden können, ob das Universum unendlich groß ist. Und wir können auch mit diesen zweiten Karls und zweiten Franzis oder der zweiten Erde allgemein nie kommunizieren, weil die so weit von unserem beobachtbaren Universum entfernt sind, dass es einfach nicht funktioniert aufgrund der Lichtgeschwindigkeit.

Franziska Konitzer Egal, wie lange wir warten, kannst du vergessen. Also wir könnten nie beobachten, dass es so etwas wie eine zweite Erde als Parallelwelt gibt. Die Nachweisbarkeit von diesem Level 1 Paralleluniversum, Parallelwelt, ist also bei Null. Aber, soweit man davon ausgehen kann, wären die physikalischen Gesetze da genau gleich.

Franziska Konitzer Also die Naturkonstanten, die Naturgesetze wie Masse des Elektrons, die Lichtgeschwindigkeit und so weiter und so fort. Die physikalischen Gesetze wären genau gleich, weil wir würden uns ja immer noch in unserem Universum befinden. Nur eins eben, was unendlich groß ist. Und dann gäbe es eben alles mal zwei.

Franziska Konitzer Oder mal unendlich. Im unendlich großen Universum. Okay, was hältst du von dieser Art von Parallelwelt?

Karl Urban Da stecken auch schon sehr viele Annahmen drin und auch so gerade dieses, was gibt es hinter dieser Kugel, auch wenn wir es nie erfahren können. Also ich strauche auch da schon mir vorzustellen, dass es wirklich so ist, auch wenn du natürlich sagst, es ist eine Wahrscheinlichkeit, die größer Null ist.

Karl Urban Also das ist natürlich trotzdem nicht wahnsinnig wahrscheinlich, aber. Ja.

Franziska Konitzer Das ist so, man kann sich Unendlichkeiten sehr schnell, sehr schwierig vorstellen. Ich habe auch neulich für die Recherche eine Sendung, 42 auf Arte, angeschaut, die hatten auch eine Folge über Multiversen gemacht und die hatten den Vergleich gemacht, gerade mit diesem unendlich großen Universum, wo dann eben auch winzig kleine Wahrscheinlichkeiten nicht gleich null sind, die hatten den Vergleich gemacht mit diesem Infinite Monkey Theorem. Kennst du das?

Karl Urban Ist das Douglas Adams? Oder verwendet Douglas Adams das?

Franziska Konitzer Ach, das kann sein. Das weiß ich gar nicht.

Karl Urban Die irgendwie dann durch zufälliges Bubblen irgendwie Shakespeare wiedergeben, ne? Genau.

Franziska Konitzer Das ist die Sache, wenn ich unendlich viele Affen hätte, die vor unendlich vielen Schreibmaschinen tippen und da rumtippen, wie auch immer, und unendlich viel Zeit hätten, dann wird irgendwann einer von diesen Affen mit einer dieser Schreibmaschinen Shakespeare's Hamlet tippen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist winzig, winzig, winzig, winzig klein, aber eben nicht null, weil man hat ja unendlich viele Affen und unendlich viel Zeit. Also.

Karl Urban Ich kann das tatsächlich aus dem Anhalter, diese Szene, weil die haben ja da diesen Unwahrscheinlichkeits-Drive, aber mir war nicht klar, dass da ein Theorem dahinter steht.

Franziska Konitzer Vielleicht hat sich auch Douglas Adams überlegt und inzwischen nennt man es einfach Theorem, aber es ist ein schlagendes Argument, dass ich mal wieder Douglas Adams lesen sollte.

Karl Urban Auf jeden Fall.

Franziska Konitzer Oder anhören sollte zum Einschlafen, dann schlafe ich wahrscheinlich nie wieder.

Karl Urban Oder zum Autofahren, um wach zu bleiben. Ich glaube, das ist auch gut geeignet.

Franziska Konitzer Ja, das stimmt. Aber gut, wir lassen die unendlich vielen Affen mit den unendlich vielen Schreibmaschinen zurück und das unendlich große Universum und gehen zu Level 2.

Karl Urban Hurra!

Franziska Konitzer Level 2 der Paralleluniversen ist die viele Welteninterpretation mit vielen toten und lebendigen Katzen. Also Level 2 der Paralleluniversen hat eigentlich per se nichts mit Astro zu tun, also mit Astrophysik oder Kosmologie, aber man kommt nicht daran vorbei, wenn man sich über Paralleluniversen Gedanken macht, nämlich die viele Welteninterpretation.

Franziska Konitzer Und die Viele-Welten-Interpretation ist in der Physik eine Interpretation der Quantenmechanik und die geht ursprünglich auf den US-amerikanischen Physiker Hugh Everett III. zurück. Und das geht so. Also ich habe als Beispiel natürlich das klassische Beispiel, wenn man die wunderbare Welt der Quantenmechanik beschreiben will, Schrödingers Katze.

Franziska Konitzer Schrödingers Katze, altbekannt, sitzt in einer Box drinnen. Ich kann nicht in die Box reingucken. Und diese Box, die ist angeschlossen an ein, ja wie, ich will jetzt sagen Gashahn, aber das ist kein Gashahn, also ein Fläschchen mit Gift, whatever. Und dieses Fläschchen mit Gift, was die Katze töten würde, ist quasi angeschlossen an ein einzelnes radioaktives Atom, von dem man laut den Gesetzen der Quantenmechanik nicht weiß, man kann nur die Wahrscheinlichkeit vorhersagen, wann es zerfällt, aber du kannst nicht genau vorhersagen, okay, in fünf Minuten wird es zerfallen.

Franziska Konitzer Und die Gesetze der Quantenmechanik besagen nun, solange ich nicht nachgucke, ob das Atom zerfallen ist oder nicht, ist es in beiden Zuständen gleichzeitig. Also es ist gleichzeitig zerfallen und nicht zerfallen. Und das heißt aber auch, da ja das Schicksal der Katze von diesem Atom abhängt, heißt es auch, dass die Katze gleichzeitig tot und lebendig ist.

Franziska Konitzer Und erst in dem Moment, wo ich eine Messung mache, also wo ich die Schachtel öffne und nachgucke, sehe ich entweder Katze tot oder Katze lebendig.

Karl Urban Ich glaube ja, die Schrödingers Katze ist schuld daran, dass die meisten Leute außerhalb der Physik Quantenmechanik für Quatsch halten. Das ist durchaus möglich.

Franziska Konitzer Vielleicht hätte er auch einfach ein weniger putziges Tier nehmen können. Ich hätte dir das jetzt auch alles mit dem Doppelspaltexperiment erklären können, aber das ist tatsächlich weniger einprägsam.

Karl Urban Es ging ja darum, das in die makroskopische Welt zu übertragen. Genau.

Franziska Konitzer Also wir machen uns jetzt auch nicht darüber Gedanken, ob das überhaupt gehen würde wegen Quantendekohärenz und bababababababababab.

Karl Urban Und die Tierethik nicht zu vergessen. Genau.

Franziska Konitzer Und die Tierethik, ich meine, whatever, wir bleiben einfach dazu, laut der Quantenmechanik, erst in dem Moment, wo ich die Messung mache, sehe ich, tot oder lebendig oder Atom zerfallen oder nicht zerfallen. Und die vorherrschende Interpretation der Quantenmechanik, also was sagt uns das jetzt, was heißt uns das jetzt, was passiert da eigentlich, besagt, das ist diese sogenannte Kopenhagen-Interpretation, heißt, dass ich habe ein, quantenmechanisches System, wie eben dieses Atom kann durch eine Wellenfunktion beschrieben werden.

Franziska Konitzer Und diese Wellenfunktion sagt dir, wie sich ein System in der Zeit weiterentwickelt. Und dann kannst du eben die Wahrscheinlichkeiten ausrechnen, in welchem Zustand es sein wird nach X-Zeit. Und was passiert nun, wenn ich eine Messung mache? Die Kopenhagener Interpretation heißt, in dem Moment, wo ich eine Messung habe, kollabiert diese Wellenfunktion zu genau einer Lösung.

Franziska Konitzer Also sie kollabiert entweder zu der Lösung zerfallen oder zu der Lösung nicht zerfallen, zu Katze tot, Katze lebendig. Und in dem Moment ist die Wellenfunktion kollabiert. Ich habe nur noch eine Möglichkeit. Fertig. Hugh Everett III. hat sich nun hingesetzt und wollte sich mathematisch gesehen um den Kollaps dieser Wellenfunktion herum mogeln.

Franziska Konitzer Und hat sich überlegt... Hm. Eigentlich könnte man diese ganzen quantenmechanischen Systeme durch eine große Wellenfunktion beschreiben, durch eine universelle Wellenfunktion, die, wenn ich eine Messung mache, eben nicht kollabiert, sondern sich im Grunde genommen aufspaltet in zwei verschiedene Welten.

Franziska Konitzer Also um dabei zu bleiben, heißt das, in dem Moment, wo ich messe und die Kiste öffne, würde sich laut dieser Interpretation der Quantenmechanik die Welt aufspalten in zwei Welten. Nämlich in eine, Atom zerfallen, Katze tot, und in eine, Atom nicht zerfallen, Katze lebendig. Die Wellenfunktion wäre nicht kollabiert und ich hätte auf einmal zwei parallele Welten.

Franziska Konitzer In jeder Welt mache ich meine Kiste auf Und sehe, was da drin nun Sache ist. Aber auch in diesem Moment ist man aufgetrennt. Also ich hätte keine Möglichkeit, jemals wieder in diese andere Welt zu kommen, wo eben die Katze lebendig oder tot war, je nachdem, was in meiner Welt nicht war.

Karl Urban Genau, und wir wissen auch nichts voneinander, ne?

Franziska Konitzer Die wissen nichts voneinander, man kann niemals mit ihnen kommunizieren, weil die mathematische Beschreibung ist eben so, dass diese Wellenfunktion einschließlich der Beobachter, also dir, die verzweigt und die verzeigt eben in diese zwei verschiedenen Möglichkeiten und die sind miteinander überlagert und die können aber niemals miteinander interagieren.

Franziska Konitzer Deshalb viele Welten. Ich erschaffe quasi durch jede einzelne quantenmechanische Messung zwei oder wie viele Möglichkeiten es auch eigentlich immer gibt. Welten, jede Möglichkeit wird realisiert, aber man kann nicht miteinander kommunizieren. Das ist die viele Welteninterpretation der Quantenmechanik. Das würde natürlich letztendlich heißen, wenn das dann so wäre, dass ich tatsächlich unendlich viele Paralleluniversen hätte.

Franziska Konitzer Und tatsächlich gäbe es dann laut dem ein Paralleluniversum, in dem du, Carl, dich für eine Karriere als Bankräuber, was auch immer dein böser Doppelgänger machen würde, in der du dich für eine Karriere als Bankräuber entschieden hättest. Oder eine Welt, in der eben ja alle Katzen lebendig sind oder eine Welt, in der aufgrund von irgendeiner quantenmechanischen, ja, Dingen die Dinosaurier noch am Leben wären oder wie auch immer.

Franziska Konitzer Also ich hätte super viele verzweigte Welten, die aber auch niemals miteinander kommunizieren könnten. Und es wäre so, dass in diesen Parallelwelten, in diesen vielen Welten der Quantenmechanik, wären natürlich auch die Grundgesetze, die Naturgesetze, die Naturkonstanten, wären auch die gleichen wie bei uns.

Franziska Konitzer In den Welten, die entstanden sind, vielleicht ganz am Anfang des Universums, als das Ganze erst entstanden ist. Und das waren ja vielleicht auch quantenmechanische Zustände. Und dann wären vielleicht auch andere Welten, viele Welten entstanden mit ganz anderen Gesetzen. Und das würde alles so nebeneinander herdümpeln oder eben überlagert sein.

Franziska Konitzer Und wir könnten es nicht messen, weil eben alles durch diese eine große universelle Wellenfunktion beschrieben wird, die niemals kollabiert.

Karl Urban Darf ich etwas fragen?

Franziska Konitzer Absolut.

Karl Urban Also bei Level 1 kann ich die Notwendigkeit dieses Gedankens so ein bisschen schon nachvollziehen. Also dass man sagt, der Raum ist sozusagen nur so groß. Man kommt da halt nicht mehr hin, weil es irgendwie nicht geht. Aber da ist sozusagen die Materie vorhanden und hat viele Möglichkeiten. Bei Level 2 gibt es irgendeinen physikalischen Grund zu glauben, dass es diese Aufsplittung gibt? Oder ist das einfach nur ein Gedankenmodell?

Franziska Konitzer Nein, das ist einfach nur ein Gedankenmodell. Und es ist auch tatsächlich nur eine Interpretation. Das ist der Witz. Ich habe die Regeln und die Gesetzmäßigkeiten der Quantenmechanik. Und die kann ich auf verschiedene Arten und Weisen interpretieren, was da eigentlich gerade passiert. Deshalb auch die Kopenhagener Interpretation ist eine Interpretation, wo ich halt sage, okay, ich gucke diese Mathematik an und das interpretiere ich so.

Franziska Konitzer Die Wellenfunktion ist kollabiert. Während hingegen diese viele Welteninterpretation, die ist, wie die formuliert ist, ist die auch nicht verkehrt. Aber du kannst auch nicht sagen, dass sie richtig ist, weil es eben eine Interpretation ist. Das ist, du kannst diese mathematischen Formeln und Gleichungen, kannst du so interpretieren, weil, und das ist der Witz, alles, was du natürlich im echten Leben messen kannst, ist das, was du messen kannst.

Franziska Konitzer Und wie du das dann interpretierst, ob du aus Einfachheit sagst, okay, ich sag einfach, die Wellenfunktion ist kollabiert, egal, ob es passiert ist oder nicht. Aber das ist das, was ich sehe. Deshalb interpretiere ich so, die Wellenfunktion ist kollabiert. Oder indem ich sage, okay, ich habe das und das gemessen.

Franziska Konitzer Und das wird durch die Formeln der viele-Welten-Interpretation genauso gut beschrieben. Außer, dass die viele-Welten-Interpretation sagt, ja, okay, universelle Wellenfunktionen. Wir haben unendlich viele, viele Welten. Das ist beides nur eine Interpretation.

Karl Urban Aber das kommt so ein bisschen aus diesem Wahrscheinlichkeitsproblem. Wir haben keine Realität. Wir haben immer eine Wahrscheinlichkeitsverteilung in der Quantenmechanik und das ist so ein bisschen schwer vereinbar mit unserer makroskopischen Erfahrung.

Franziska Konitzer Genau, und alles, was wir halt messen können, ist natürlich nur eine Möglichkeit, die dann schon passiert ist. Ich habe, bevor das radioaktive Atom zerfallen ist, habe ich beide Möglichkeiten, ist es zerfallen oder nicht zu fallen. Ich mache eine Messung und sehe, es ist zerfallen. Dann sagt die Interpretation, diese Kopenhagen-Interpretation, die derzeit auch vorherrscht eigentlich, seitdem sie von Nils Bohr und Kolleginnen und Kollegen entwickelt worden ist, die sagt halt, okay, du siehst, dass das Atom zerfallen ist, weil in dem Moment, als du die Messung gemacht hast, hat sich der Zustand festgelegt und die Wellenfunktion ist kollabiert.

Franziska Konitzer Während hingegen die Viele-Welten-Interpretation sagt, in dem Moment, wo du die Messung gemacht hast, ist die Wellenfunktion zwar nicht kollabiert, aber es haben sich einfach zwei verschiedene Welten abgesplittet und du bist halt nun mal zufällig in der gelandet, wo das Atom zerfallen ist. Während dein Gegenpart gerade misst, das Atom ist nicht zerfallen.

Franziska Konitzer Ja, es ist beides Interpretation. Es ist auch so, dass die Viele-Welten-Interpretation wird noch von manchen Physikerinnen und Physikern favorisiert. Das ist aber keine Mehrheitsmeinung. Also zum größten Teils, wenn sich Forschende überhaupt Gedanken machen oder so, die meisten sind entweder von der Sorte dieses Shut up and calculate.

Franziska Konitzer Du kannst alles in der Quantenmechanik wunderbar berechnen. Du musst dir ja nicht Gedanken machen, wie du das interpretieren willst. Oder die Kopenhagener Interpretation mit diesem Kollaps der Wellenfunktion. Die Viele-Welten-Interpretation ist nicht sonderlich favorisiert, außer natürlich dann in der Science-Fiction und woanders, das, wo es natürlich spannend wäre.

Franziska Konitzer Aber Hugh Everett III. hat auch eigentlich nach seiner Doktorarbeit Academia verlassen. Lustigerweise ist sein Sohn der Frontman von der Band Eels. Ich weiß nicht, ob du die kennst.

Karl Urban Doch.

Franziska Konitzer Es ist eine sehr gute Alternative-Band, würde ich sagen. Und ja, das ist der Sohn von Hugh Everett III. und seiner vielen Welteninterpretation. Ja.

Karl Urban Wissenschaft und Kreativität, das gehört zusammen. Zum Thema Science Fiction fällt ja irgendwie zu jedem dieser Fälle direkt irgendeine Star Trek Episode ein. Also es gibt eine TNG Episode, wer ist denn das? Ich glaube Worf, der durch diese verschiedenen Entscheidungsbäume, Baumdinger da, also verschiedene Paralleluniversen reist und immer sind so einzelne Details plötzlich anders irgendwie und das wird immer abgefahren.

Karl Urban Aber da gibt es wahrscheinlich einige so. Ja.

Franziska Konitzer Weil es ja auch am, ich meine natürlich aus einem narrativen Standpunkt ist es natürlich auch am spannendsten, wenn man im Paralleluniversum landet, wo eben nicht alles komplett unterschiedlich ist, sondern eben nur ein paar Details, ein paar entscheidende Details in den meisten Fällen.

Karl Urban Entscheidende Details. Es fängt doch an, dass er irgendeinen Buttlet-Wettbewerb gewonnen hat und den ersten Preis gemacht hat und irgendwann geht er wieder in sein Quartier zurück und dann hat er nur den fünften Preis gemacht und das ist irgendeine Gurke, die da steht und irgendwie ist alles anders. Das ist aber auch schade.

Franziska Konitzer Wenn ich mal einen Buttlet-Wettbewerb gewonnen hätte, dann würde ich mich aber auch ärgern, wenn ich auf Platz 5 gelandet wäre.

Karl Urban Vor allem, wenn du Worf wärst. Ja, eben.

Franziska Konitzer Wir zeigen auch gerade unser Alter, weil normalerweise oder inzwischen ist ja auch, wie gesagt, Everything Everywhere All at Once war ja vor zwei Jahren ein großer Erfolg dieser Film oder auch Doctor Strange anscheinend aus dem Marvel Cinematic Universe, dem ich seit Jahren nicht mehr folge, geht es ja auch im Paralleluniversum noch und nöcher.

Franziska Konitzer Aber ja, Star Trek. The Original. Mit dem bösen Spock, mit dem Bart.

Karl Urban Richtig.

Franziska Konitzer Dann habe ich jetzt noch Level 3 für dich vorbereitet.

Karl Urban Eigentlich bräuchte ich hier so Computerspiel Jingles noch, oder? So ein bisschen.

Franziska Konitzer Ich habe mir noch überlegt, ob irgendwas...

Karl Urban Die Musik wird schneller, wir kriegen eine chromatische Verschiebung und Franzi muss noch schneller reden. Oh nein. Nee, lieber nicht. Ich gebe extra Mühe.

Franziska Konitzer Langsam zu leben.

Karl Urban Es wird ja nicht einfacher auf Level 3. Insofern red lieber normal weiter. Genau, es wird nicht einfacher.

Franziska Konitzer Weil Level 3 ist ewige Inflation mit ewig vielen Universen. Oh.

Karl Urban Gott, okay.

Franziska Konitzer Das ist nach dem Prinzip, schlimmer geht immer.

Karl Urban Ja.

Franziska Konitzer Wir hatten also jetzt Parallelwelten im unendlich großen Universum auf Level 1. Wir hatten die viele Welten mit der Quantenmechanik auf Level 2. Aber jetzt tauchen wir tatsächlich ins Multiversum ab und gehen dafür zurück oder spulen dafür zurück zum Anfang unseres Universums. beziehungsweise seiner heutigen Form.

Franziska Konitzer Wenn man unser Universum heute anguckt, auf seinen großen Strukturen und wie es so ausschaut, dann fallen einem, Fachmenschen eine Sache auf oder fällt einem Fachmenschen eine Sache auf und zwar, ganz dramatisch, halte ich fest, es gibt keine magnetischen Monopole.

Karl Urban Ja. Ich bin wieder integriert. Ich brauche...

Franziska Konitzer Also, was sagt uns das? Keine magnetischen Monopole, was heißt das? Wenn man sich einen Magneten anguckt oder irgendwas, was magnetisch ist, dann hat ein Magnet immer was?

Karl Urban Zwei Pole. Habe ich ja deutlich erzählt. Sogar die Erde. Genau.

Franziska Konitzer Sogar die Erde. Immer zwei Pole. Nord- und Südpol. Immer. Es gibt im Universum keine Keine magnetischen Monopole. Also du kannst nirgendwo im Universum, und du wirst es auch nicht finden, wirst du nirgendwo finden, dass du sagst, okay, es gibt halt nur einen Südpol. Schaut ja auch gut aus. Oder einen Nordpol. Es gibt es nicht.

Franziska Konitzer Keine magnetischen Monopole. Und dieses Problem hat einen Menschen namens, oh Gott, heißt er Allen? Gut. Er heißt auf jeden Fall Gut, G-U-T-H mit Nachnamen. Beschäftigt in den 1970er Jahren. Und dieser Forscher wollte eigentlich nur dieses Problem der magnetischen Monopole lösen und hat sich überlegt …, Okay, aus Gründen, auf die ich jetzt nicht näher eingehen werde, dieses Problem der magnetischen Monopole könnte gelöst werden durch die kosmische Inflation.

Franziska Konitzer Und die kosmische Inflation hat nichts mit wirtschaftlichen Zusammenhängen zu tun. Gar nichts. Also nix irgendwie so, oh mein Geld ist nichts mehr wert. Nein, die kosmische Inflation ist eine Idee, dass es ganz am Anfang des Universums eine sehr, sehr kurze Phase gab, in der sich das Universum sehr, sehr schnell ausgedehnt hat und so über einen sehr großen Raum dieselben Bedingungen geschaffen hat.

Franziska Konitzer Also, die eigentliche Story ist ja sowieso, es war der Urknall und seitdem dehnt sich das Universum aus. Und die kosmische Inflation wäre in den allerersten Sekundenbruchteilen nach dem Urknall eine Phase, in der sich das Universum inflationär schnell ausgedehnt hätte. Also richtig, richtig, richtig schnell.

Franziska Konitzer Ich glaube, es ist um den Faktor 26 gewachsen. Irgendwie sowas. Und danach war die Inflation vorbei und dann hat sich das Universum quasi mit einer normalen Geschwindigkeit weiter ausgedreht. Aber diese super kurze Phase der kosmischen Inflation hätte eben über einen großen Raum dieselben Bedingungen geschaffen.

Franziska Konitzer Dadurch, durch diese kurze Phase, hat eben dafür gesorgt, dass es im Universum eben keine magnetischen Monopole gibt. Hurra! Und das Gute ist an dieser kosmischen Inflationstheorie, Hypothese, dass, wie gesagt, die wurde ursprünglich dafür entworfen oder hat man sich überlegt, um das Problem dieser magnetischen Monopole zu erklären und dann ist anderen Forscherinnen und Forschern aufgefallen, Mensch, das trifft sich eigentlich super gut, weil das löst noch zwei weitere Probleme, die man mit unserem heutigen Universum hat.

Franziska Konitzer Und die sind, wenn ich mir das Universum angucke, dann sehe ich, dass das gilt, was heute als das kosmologische Prinzip gilt. Und das kosmologische Prinzip besagt, das Universum ist auf ganz großen Skalen, also nicht innerhalb von einer Galaxie oder von einem Superhaufen, sondern auf ganz, ganz großen Skalen, ist es homogen und isotrop.

Franziska Konitzer Und was heißt das? Das heißt, auf großen Skalen ist es egal, in welche Richtung ich gucke, es schaut überall gleich aus, also es gibt keine bevorzugte Richtung im Universum und homogen heißt, es ist im Großen und Ganzen gleich verteilt, also es gibt keine riesigen Strukturen. Also was heißt das? Im Grunde genommen heißt es, dass wenn ich jetzt an den Himmel nach links gucke, werde ich in 5 Milliarden Lichtjahren Entfernung kein riesengroßes, Milliarden Lichtjahre großes Dreieck aus Galaxien sehen und wenn ich nach rechts gucke, dann sehe ich in der gleichen Entfernung einen riesengroßen Kringel am Universum.

Franziska Konitzer Macht das Sinn, was ich mit homogen meine? Also es ist auf ganz großen, es ist gleichmäßig verteilt.

Karl Urban Mhm.

Franziska Konitzer Das ist das Horizontproblem oder das kosmologische Prinzip. Und dann gibt es noch ein Problem, was man damals hatte, und zwar das Flachheitsproblem. Und das Flachheitsproblem sagt, dass wenn ich mir die Materiedichte im Universum angucke oder überhaupt die Form des Universums, dann ist das Universum flach.

Franziska Konitzer Und das ist eigentlich komisch. Was heißt das? Das Universum ist flach. Es ist natürlich nicht wirklich flach. Es ist ja 3D, 4D. Aber es ist ein Universum, in dem die euklidische Geometrie gilt. Also wenn ich auf ein Blatt Papier ein Dreieck male, dann sind da die Winkel 180 Grad. Die Summe der Innenwinkel ist 180 Grad.

Franziska Konitzer Und das gilt für das Universum auch. Das Universum scheint flach zu sein. Also eines, in dem die euklidische Geometrie gilt. Das ist jetzt aber auch irgendwie komisch. Warum ist es genau flach? Also warum ist die Materiedichte genau 1 eigentlich? Sodass es flach ist. Also es könnte ja auch geformt sein wie ein Sattel oder wie eine Kugel oder wie auch anders, dass es auf jeden Fall nicht flach ist.

Franziska Konitzer Also es ist alles ein bisschen komisch. Und man hat dann eben rausgefunden, cool, wenn das mit der kosmischen Inflation stimmt, dann habe ich eigentlich drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Ich habe meine magnetischen Monopole weg erklärt, warum es die nicht geben kann. Ich habe erklärt, warum das Universum auf großen Skalen wirklich langweilig und gleichmäßig ausschaut.

Franziska Konitzer Und ich habe erklärt, warum es flach ist, weil eben kurz nach dem Urknall für eine sehr kurze Zeit das Universum so stark expandiert ist, dass eben während dieser sehr kurzen Zeitspanne der Mechanismus der kosmischen Inflation dafür sorgen konnte, dass eben sich die Materie im Raum super gleichmäßig verteilt.

Franziska Konitzer Und dann habe ich was Flaches, was Gleichmäßiges und so weiter und so fort.

Karl Urban Macht.

Franziska Konitzer Das irgendwie Sinn?

Karl Urban Keine Ahnung.

Franziska Konitzer Du musst dir das alles merken, Karl. Du weißt nicht, was in den heutigen Quizfragen dran kommt.

Karl Urban Ich habe tatsächlich so einiges mitgeschrieben, weil ich große Angst vor dem Quiz habe. Aber tatsächlich, bei diesem Thema schwirrt mir immer der Kopf. Also mich interessiert es schon immer. Aber ich habe jedes Mal, wenn ich wieder darüber was lese oder höre, so das Gefühl, boah, keine Ahnung. Das ist alles so groß und auch so weit von dem weg, was wir ja messen können meistens.

Karl Urban Also klar, diese Isotropie und Homogenität und so, das können wir messen, aber so was die Ursachen angeht und woher jetzt diese Inflation kommt und so, das wissen wir alles nicht, ne? Und dann weiß ich auch nicht weiter Ja Es wird sogar noch schlimmer.

Franziska Konitzer Karl, weil ich meine Jetzt hab ich mir in der kosmischen Inflation zugetextet, aber wir waren ja eigentlich beim Multiversum Richtig.

Karl Urban Die müssen jetzt auch noch irgendwo rausfallen Wo kommt das ins Spiel?

Franziska Konitzer Die vereinfachte Erklärung für das Multiversum ist ist, dass eine grundlegende Voraussetzung dafür, dass das alles funktioniert hat, dafür diese Phase der kosmischen Inflation in unserem Universum nur sehr, sehr kurz gedauert haben. Und wie man das erklärt hat, ist, dass es einfach, man hat das letztendlich mit, Quantenfluktuationen erklärt. Aber, Ich versuche es mal richtig einfach zu machen. Die Phase darf nur sehr kurz angedauert haben, aber in der ewigen Inflation ist es so, wenn man das dann alles durchrechnet und sich damit beschäftigt, dann findet man raus, dass, wenn man die Frage stellt, wann hört denn die Inflation eigentlich wieder auf, man die Antwort erhält, gar nicht.

Franziska Konitzer Also mathematisch und von dieser ganzen Gedankenkonstrukt ist es nicht möglich, dass unser Universum entstanden ist, dann gab es aus irgendeinem Grund super kurz eine Phase der Inflation, die dann vorbei war und dann war alles wieder beim Alten und normal. Sondern man kann diese kosmische Inflation, diese Kurzweil in unserem Universum nur haben, wenn die Inflation eigentlich ewig weitergeht.

Franziska Konitzer Ewige Inflation.

Karl Urban Was ja nicht der Fall war.

Franziska Konitzer Genau, und das heißt, in unserem Universum, aber das heißt, dass ich jenseits unseres Universums quasi ein Multiversum habe oder etwas, was jenseits drüber ist, wo die Inflation tatsächlich ewig aufhört. Und in winzigen lokalen Bereichen, wo die Inflation aufhört, entsteht dann überall ein neues Universum mit einem Urknall.

Karl Urban Wieso mit einem Urknall? Ich dachte, der Urknall war vor der Inflation.

Franziska Konitzer Ja, das ist alles so ein bisschen unsicher. Bei der Inflation ist es auch so, mit der Inflation hat eigentlich dann das Universum erst wirklich angefangen. Also wann der Urknall war, oder manche sagen auch, da war die Inflation halt dann zu Ende und dann gab es den Urknall. Aber ob man dann überhaupt noch im klassischen Sinne von einem Urknall sprechen kann, ergibt jetzt auch nicht so wirklich Sinn. Man kann sich das letztendlich vielleicht ein bisschen so vorstellen, wenn ich dieses Feld, dieses Inflationsfeld, da gibt es auch Quantenfluktuationen.

Franziska Konitzer So kleine Quantenfluktuationen und große Quantenfluktuationen und diese winzigen Unebenheiten, wenn die dann eben aufhören. Dann, ja, sind diese winzigen Unebenheiten, haben eben in unserem Universum dafür gesorgt, dass es eine kurze Phase der Inflation gab und danach, okay, cool, aber diese Unebenheiten, Quantenfluktuation gibt es eben auch in groß und die sorgen eben dann dafür, dass das Universum immer, das Multiversum, es ist, die Inflation hört niemals auf. Du kriegst das eine nicht für das andere.

Franziska Konitzer Und deshalb sagt, wenn die kosmische Inflation stimmt, wenn das wirklich so war, dann leben wir tatsächlich in einem Multiversum, wo immer da, wo die Inflation aufhört in einem lokalen Bereich, ein neues Universum entsteht. Du schaust sehr unglücklich aus.

Karl Urban Schön.

Franziska Konitzer Oder eingelullt.

Karl Urban Zweiteres, wir schwören lauter Universen um den Kopf gerade.

Franziska Konitzer Ja.

Karl Urban Das ist ganz schlimm.

Franziska Konitzer Und da wisst ihr auch, wie sähe es in einem solchen Multiversum aus? Wir hatten ja, okay, böse Karls, gute Franzis, Bienchensocken und so fort.

Karl Urban Ja, da war ich noch bei dir. Ja.

Franziska Konitzer Genau, da war doch alles gut. Das ist natürlich auch so, du hättest in so einem Multiversum, würden natürlich in jedem Universum die eigenen Gesetze gelten. Also unterschiedliche Naturgesetze. Dann hättest du halt in unserem Universum unsere Naturgesetze, die wir jetzt haben, Aber das muss ja in einem anderen Universum oder im anderen Teil des Multiversums, wo eben die Inflation aufgehört hat, muss ja überhaupt nicht so sein. Da können ja ganz andere Naturgesetze gelten.

Franziska Konitzer Also du hättest wirklich Universen, die mit dem Unsrigen nichts zu tun hätten. hätten andere... Ja.

Karl Urban Irgendwie andere Naturkonstanten, wo sich dann vielleicht gar keine Atomkerne bilden können und so Geschichten.

Franziska Konitzer Genau, oder das Universum gleich wieder kollabiert. Die Gravitationskonstante könnte genau anders sein. Also du hättest wirklich ein Zoo aus Parallelwelten, Parallelwelten kann man doch nicht mehr sagen, in diesem Multiversum. Das ist Level 3.

Karl Urban Man kann doch nicht mal Parallelwelten sagen, weil die auch komplett anders sein können und dann sind sie nicht mehr so richtig parallel. Aber sie existieren ja trotzdem irgendwie parallel, ne? Also so zeitlich gedacht.

Franziska Konitzer Zeitlich gedacht ja, wobei es auch eigentlich nicht so richtig geklärt ist, weil ich meine zeitlich gedacht, auch da könnten wir natürlich nie hin, weil ja, zeitlich gedacht irgendwie schon, aber es wäre ja, ich meine unser Universum besteht aus, soweit wir wissen, drei Dimensionen und einer Raumzeit.

Franziska Konitzer Muss in anderen Universen im Multiversum halt nicht so sein.

Karl Urban Ich glaube, bei dir kollabieren gerade auch irgendwelche Wellenfunktionen.

Franziska Konitzer Oh.

Karl Urban Meine Webcam ist abgestürzt. Selbst meine Webcam ist schon am Ende.

Franziska Konitzer Ich weiß nicht, ob das die schönste oder die beleidigendste Beleidigung ist, die ich je gehört habe.

Karl Urban Man muss das immer alles im Kontext sehen, finde ich.

Franziska Konitzer Jetzt wirst du vielleicht froh sein, dass es kommt kein Level 4.

Karl Urban Ah, schön.

Franziska Konitzer Zu deiner großen Erleichterung.

Karl Urban Wobei, es gibt bestimmt Level 4, du willst mir bloß nicht davon erzählen.

Franziska Konitzer Nein, es gibt tatsächlich Level 4. Ein Physiker namens Max Tegmark hat auch vor einigen Jahren ein Buch geschrieben, in dem er verschiedene Arten von Parallelwelten-Multiversen entworfen hat. Da hat er tatsächlich auch ein Level 4, aber das ist seine eigene Theorie und die erspare ich dir und uns jetzt allen.

Karl Urban Das kannst du mir erzählen, wenn sie bewiesen wurde.

Franziska Konitzer Oder wenn wir betrunken sind.

Karl Urban Genau, dann bin ich vielleicht aufnahmefähig genug.

Franziska Konitzer Aber zum Schluss vielleicht nochmal diese Multiversumsgeschichte. Man kann sich ja schon fragen, warum brauche ich das überhaupt? Genau.

Karl Urban Diese Frage hätte ich mir noch aufgehoben, ja.

Franziska Konitzer Warum brauche ich das überhaupt? Es ist so, dass es gibt in der Physik ein Problem, da geht es um die Feinabstimmung der Naturkonstanten. Das sagt dir wahrscheinlich auch was. Stimmt's?

Karl Urban Das hatte ich auch schon im Kopf, ja.

Franziska Konitzer Und? Was besagt das?

Karl Urban Das besagt, ist auch Teil dieses antropischen Prinzips, dass wir beobachten, dass wenn die Naturkonstanten oder bestimmte Naturkonstanten geringfügig anders wären, wir gar nicht existieren würden. Also oder zum Beispiel auch die Materie gar nicht existieren würde. Und die Frage ist, warum das so ist. Also warum die gerade so sind, dass wir existieren können. Und vielleicht ist es nur so, weil wir existieren.

Franziska Konitzer Genau, also was ein irrer Zufall.

Karl Urban Genau.

Franziska Konitzer Also was ein irrer Zufall, dass alle Naturkonstanten, die wir kennen, also Gravitationskonstante und Lichtgeschwindigkeit und Masse des Elektrons, dass die genau so sind, dass wir in einem Universum leben, in dem wir leben können. Also, weil, wenn die, sagen wir mal, die Gravitationskonstante, wenn die jetzt geringfügig geringer wäre, dann hätten sich im Universum keine Galaxien bilden können, das wäre schlecht oder stell dir vor, sie wäre viel größer, dann hätte sich alles direkt, nachdem sich das Universum gebildet hätte, verklumpt und dann hätte man jetzt ein gigantisch großes schwarzes Loch und auch kein Leben.

Franziska Konitzer Und da spielt, wie du eben auch gesagt hast, das antropische Prinzip mit rein, das besagt, dass das für uns beobachtbare Universum eigentlich nur beobachtbar ist, weil es alle Eigenschaften hat, die dem Beobachter oder der Beobachterin ein Leben ermöglichen. Weil wenn es anders wäre, könnten wir es nicht beobachten, weil wir dann nicht da wären.

Karl Urban Genau, was irgendwie groß klingt, aber eigentlich ist es eine Null-Aussage. Ja.

Franziska Konitzer Es ist eine Sache, das beißt sich voll in den So. Aber dann ist natürlich die Frage, okay, Feinabstimmung der Naturkonstanten, da kann man sich natürlich schon fragen, was ist denn das für ein irrer Zufall, dass wir genau in einem Universum leben, dass wir da eben drin leben können. Weil ich meine, die Naturkonstanten könnten ja vielleicht auch jeden anderen Wert eingenommen haben.

Franziska Konitzer Und warum sind die alle so fein aufeinander abgestimmt? Und dass sich das alles echt hart gut trifft. Und da ist es dann eben so, dass dieses Gedankenkonstrukt des Multiversums durch die ewige Inflation ist dafür eine vermeintlich elegante Lösung. Weil das sagt, ja, ist so, aber ist halt kein Zufall, sondern einfach wieder nur Wahrscheinlichkeit.

Franziska Konitzer Weil es gibt ja im Multiversum mehr oder weniger unendlich viele Universen durch die Inflation. und da können die Naturkonstanten alle möglichen Werte annehmen. Aber natürlich muss es dann auch Universen geben oder zumindest eins, in dem die alle genau so sind, dass es uns geben kann. Also man muss sich nicht Gedanken drum machen, warum sind wir so special, dass wir in so einem schönen Special-Universum leben, wo eben die Naturkonstanten genau richtig sind, sondern im Grunde genommen würde dann das Multiversum der kosmischen oder ewigen Inflation sagen, es gibt ja unendlich viele Universen und da wird schon eins dabei sein, wo man drin leben kann.

Karl Urban Das ist so ein bisschen die kopernikanische Wende in groß. Also kopernikanische Wende heißt ja, der Mensch hat erkannt, dass irgendwie die Erde gar nicht im Zentrum des Universums steht, sondern irgendwie um so eine Sonne kreist, die Sonne kreist und was ja auch irgendwie das religiöse Weltbild so ein bisschen erschüttert hat in der Zeit und das ist sozusagen das Übertragen auf dieses kosmologische Thema. Das ganze Universum.

Franziska Konitzer Thema.

Karl Urban Genau.

Franziska Konitzer Und das ist auch natürlich, das kann man natürlich auch sagen, das ist tatsächlich ein Argument der Befürworterinnen und Befürworter dieser multiversumsewigen Inflationsgeschichte, dass man sagt, es hat sich in der Geschichte der Menschheit oder so schon immer gezeigt, dass weder die Menschen noch die Erde noch irgendwas Besonderes sind.

Franziska Konitzer Die Menschheit ist keine besondere Spezies. Die Erde ist an keinem besonderen Ort. Im Sonnensystem. Die Sonne ist nichts Besonderes, unsere Galaxie ist nichts Besonderes. Wir sind an keinem besonderen Punkt im Universum. Warum sollte denn unser Universum etwas Besonderes sein? Als Gegenargument kann man einbringen, dass es dann auch Forscherinnen und Forscher gibt, die sagen, das ist aber eine letztendlich auch gefährliche Einstellung, weil man kann ja damit alles weg argumentieren, wenn man sich jetzt als Forscherin fragt, warum ist die Lichtgeschwindigkeit so groß, wie sie ist?

Franziska Konitzer Warum hat das Higgs-Boson die Masse, die es hat? Warum ist das so? Warum haben Naturkonstanten die Werte, die sie haben? Die Leute sind ja, oder solche Menschen sind ja auf der Suche nach solchen Antworten, weil sie denken, dass dahinter ein weiterer Mechanismus steckt oder ein weiteres Verständnis oder die berühmte Theorie von allem zum Beispiel.

Karl Urban Das ist eigentlich dieses, dieses dahinter suchen ist sozusagen der Hauptantrieb der Wissenschaft am Ende eigentlich.

Franziska Konitzer Genau und wenn man jetzt natürlich sagt, hey wir leben im Multiversum, dann muss es dafür keine Antwort geben, weil alle Werte sind vorher möglich und wir leben halt zufällig in dem einen. Und es gibt dann auch Theorien oder Forscherinnen und Forscher, die das Multiversum dann mit der Stringtheorie in Verbindung bringen und die Stringtheorie ermöglicht auch alles, alle Möglichkeiten und das wäre dann halt einfach, ja, es wäre dann halt mathematisch einfach wahrscheinlich, dass wir in so einem Universum leben, aber es hätte keinen tieferen Grund, warum jetzt die Gravitationskonstante genau den Wert hat, den sie hat.

Franziska Konitzer Also das ist auch so ein Ding. Ja.

Karl Urban Ich meine, da geht ja auch die Physik irgendwie so ein bisschen in die Philosophie über oder vielleicht sogar auch in die Theologie, weil wir da uns in einem Bereich bewegen, da kann man zwar drüber nachdenken und irgendwelche Modelle hernehmen und irgendwie so ein bisschen überlegen, was aus der Quantenmechanik und was aus der Relativistik rausfällt und so, aber wir können nachweisen, dass wir das nie nachweisen können.

Karl Urban Also es bleibt ja trotzdem offen. Ja.

Franziska Konitzer Aber zu guter Letzt will ich noch sagen, diese kosmische Inflation ist seit den 70er Jahren eigentlich, seitdem sie entwickelt worden ist, ist sie sehr beliebt. Sie gehört nicht eigentlich zum Standardmodell der Kosmologie oder zu diesem einfachen Urknall-Universum. Also sie ist quasi so draufgeschustert.

Franziska Konitzer Und sie ist vor allen Dingen bislang noch nicht durch Beobachtungen nachgewiesen worden. Es gab ja vor ein paar Jahren, und davon habe ich dir auch schon mal in der Folge 47 erzählt, diese Messungen von BICEP2, diesem Teleskop am Südpol, wo die Meldung war, man hätte Signale von Gravitationswellen im kosmischen Mikrowellenhintergrund entdeckt.

Franziska Konitzer Und diese Art von Gravitationswellen wäre ein Hinweis eben auf die kosmische Inflation gewesen. Und auch das wäre dann indirekt ein Hinweis darauf, dass diese Sache mit dem Multiversum stimmen könnte. Aber diese Beobachtung hat sich als nicht richtig erwiesen. Und letztendlich ist die kosmische Inflation noch nicht durch Beobachtungen belegt worden.

Franziska Konitzer Es gibt auch nichts im Moment, was ihr widerspricht, aber in dem Sinne ist es auch keine wirkliche, ja, es ist schon eine Theorie, aber ja, also man weiß nicht, ob es so war. Und deshalb ist auch die Sache mit den Multiversen steht nach wie vor aus.

Karl Urban Wie auch der Urknall selbst, ne?

Franziska Konitzer Wie auch der Urknall selbst. Und es gibt auch tatsächlich Physikerinnen und Physiker. Tatsächlich einer der Physiker, der ursprünglich diese kosmische Inflationsgeschichte mitentwickelt hat, der forscht inzwischen seit Jahren an einem anderen Modell des Universums, nämlich am zyklischen Universum. Wo das zyklische Universum geht eher davon aus, es gab in dem Sinne keinen Urknall oder es gab doch einen Urknall, beziehungsweise im zyklischen Universum, es fängt an, es dehnt sich aus und irgendwann geht es dann zyklisch in ein neues Universum über Also quasi eins nach dem anderen Und, auch das ist eine, mögliche Erklärung Und Und auch das wäre eine Möglichkeit, das ist vor allem ein Szenario, was ohne die Inflation auskommt und wo es keine Multiversen gibt.

Franziska Konitzer Es gäbe dann wirklich nur unser Universum. Aber ja. Schön. Und das, lieber Karl, war meine Geschichte für dich heute von unendlich vielen Universen, Multiversen, viele Welten, Parallelwelten, die anscheinend nicht von vornherein so unmöglich zu sein scheinen, wie Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit, Beamen oder Abkürzungen durch ein Wurmloch. Genau.

Karl Urban Aber es war möglich, mir das in endlicher Zeit zu erzählen. Das ist doch schön.

Franziska Konitzer Ich hoffe. Doch.

Karl Urban Meine Uhr sagt ja.

Franziska Konitzer Perfekt.

Karl Urban Ja, sehr gut. Ich finde es super, dass du dich da mal durchgekämpft hast. Mit mir zusammen.

Franziska Konitzer Mit dir zusammen. Ja.

Karl Urban Und ich bin mir auch sicher, dass bei mir mehr kollabiert ist. Definitiv. Nicht umsonst habe ich ein Physikstudium abgebrochen. Das ist schon alles richtig.

Franziska Konitzer Das ist ja die Geschichte mit den Multiversen. Irgendeine von diesen Interpretationen stimmt, dann gibt es vielleicht auch ein Universum, wo dich jetzt diese Geschichte dazu inspiriert hat, dich morgen wieder für ein Physikstudium einzuschreiben.

Karl Urban Vielleicht ruft mich dieser andere Karl irgendwann demnächst an, weil er einen Weg gefunden hat, mit mir Kontakt aufzunehmen.

Franziska Konitzer Das ist dann die letzte Frage. Böser Doppelgänger ist ja immer gut, aber wie sähe denn ein guter Doppelgänger aus?

Karl Urban Der müsste noch besser sein als ich. Das geht ja gar nicht.

Franziska Konitzer Ja, aber... Aber hätte der dann auch so einen prächtigen Rauschebart? Oder was würde der gute Doppelgänger beruflich machen? Also ich glaube, meine gute Doppelgängerin würde es schaffen, jeden Morgen pünktlich aufzustehen. Das ist so.

Karl Urban Ja, um da liegen zu bleiben. Das ist ja auch eine Frage. Also die, die früh aufstehen, die müssen ja noch mehr kämpfen. Und vielleicht ist die einfach besser zu sich. Weil sie alle gesellschaftlichen Konventionen einfach ignoriert. Ach, ist das alles kompliziert.

Franziska Konitzer Ja. Aber jetzt habe ich noch was Komplizierteres, weil ich habe jetzt das Quiz für dich. Ja.

Karl Urban Richtig.

Franziska Konitzer Heute mit extra fiesen Fragen.

Karl Urban Okay.

Franziska Konitzer Vorbereitet nicht von meiner bösen Doppelgängerin, sondern von mir ganz alleine.

Karl Urban Okay, ich bin einigermaßen bereit.

Franziska Konitzer Frage Nummer eins. Was ist der Durchmesser unseres beobachtbaren Universums?

Karl Urban Das sind die 13,8 Milliarden Lichtjahre, oder?

Franziska Konitzer Nope.

Karl Urban Andi, Moment. Mal zwei?

Franziska Konitzer Nein.

Karl Urban Andi, was ist das mit diesen 90? Ja.

Franziska Konitzer Außerdem war es der Durchmesser und nicht der Radius.

Karl Urban Das fängt ja gut an.

Franziska Konitzer Das war die Fangfrage. Also der Durchmesser unseres beobachtbaren Universums ist 93 Milliarden Lichtjahre.

Karl Urban Die Milliarden habe ich glaube ich auch noch vergessen.

Franziska Konitzer Der Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren ausdehnt.

Karl Urban Okay.

Franziska Konitzer Frage Nummer 2 Von wie vielen verschiedenen Arten von Paralleluniversen oder Multiversen habe ich dir heute erzählt?

Karl Urban Arten, nicht Zahl der Universen. Drei Levels waren es, also drei.

Franziska Konitzer Ja.

Karl Urban Richtig. Eine richtig, schon mal. Schön.

Franziska Konitzer Frage Nummer drei. Was ist die kosmische Inflation und gib mir ein Beispiel für ein Problem, das sie eigentlich löst.

Karl Urban Oh Gott. Also, kosmische Inflation bedeutet die Ausdehnung des Universums mit Überlichtgeschwindigkeit?

Franziska Konitzer Ja, das lasse ich so stehen, ja.

Karl Urban Ja, so grob, also das Raum ist, ne? Und ein Problem, was sie löst, ist dieses kosmologische Problem, dass die Naturkonstanten fein abgestimmt sind in unserem Universum.

Franziska Konitzer Nee, nicht wirklich.

Karl Urban Okay. Eines der drei Probleme. Den Honk suchen. Wo ist der Honk? Honk? Ja. Ja, den habe ich wohl verdient.

Franziska Konitzer Wenn die kosmische Inflation so stimmt, dann löst sie auch oder mit den Multiversen so stimmt, dann löst sie auch das Problem der Feinabstimmung mit Naturkonstanten. Aber worauf ich eigentlich hinauf wollte, ist ursprünglich, dass sie entwickelt wurde, um zu erklären, warum wir keine magnetischen Monopole beobachten, warum das Universum so homogen ist, also so langweilig ausschaut und warum es so flach ist.

Karl Urban Na gut.

Franziska Konitzer So, sorry. Frage Nummer vier. Können wir je mit Paralleluniversen kommunizieren?

Karl Urban Nein.

Franziska Konitzer Ja, richtig. Und Frage Nummer 5. Und was glaubst du nach dieser Folge?

Karl Urban Was glaub ich? Ja.

Franziska Konitzer Ich glaub nichts mehr. Sag jetzt korrekt oder falsch.

Karl Urban Ich glaub nichts mehr. Ich glaub an Steine. Ja, richtig. Du hast dich sehr wacker geschlagen. Ja, ich hab gekämpft.

Franziska Konitzer Gekämpft hast du.

Karl Urban Danke. Es war sehr unterhaltsam. Und ich glaube, irgendwann im letzten Sommer, wo wir uns getroffen haben, hab ich mir dieses Thema gewünscht. Ich bin irgendwie auch mit Schuld.

Franziska Konitzer Ich hab seitdem ein ganzes Feature darüber gemacht. Das verlinke ich auch in den Shownotes.

Karl Urban Das hör ich mir dann auch noch an.

Franziska Konitzer Aber ich habe es jetzt schon eigentlich, also die String-Theorie habe ich dir heute nicht angetan, zumindest. Das ist eine eigene Folge.

Karl Urban Würde ich sagen, oder? Also ich habe auch da noch weniger Ahnung, aber ich habe da viele böse Dinge schon drüber gehört. Aber gut, das diskutieren wir wann anders, würde ich sagen.

Franziska Konitzer Eben, würde ich auch sagen.

Karl Urban Das ist jetzt kein Zeitpunkt.

Franziska Konitzer Das anzufangen. Nein, aber unterm Strich, wie gesagt, diese Paralleluniversen, Multiversen kann man ungefähr auf einem Level einordnen von der, wie spekulativ ist das, oder kann man irgendwie so einordnen, wie die Sache mit dem Vakuumzerfall. So eher, ne, also da, weil das ist auch so eine Sache, du kannst es nicht beobachten, du kannst es nicht, ja, in dem Sinne, es ähnelt wirklich wie so eine Art mittelalterlicher ja Gott ist Beweis, du kannst es nicht beweisen, dass es sie gibt, du kannst es nicht beweisen, dass es sie nicht gibt und dann ist natürlich die Frage, ist das überhaupt noch Wissenschaft?

Karl Urban Ja, wobei das macht die Wissenschaft ja auch ständig. Also ich meine, gerade in der Grundlagenforschung gibt es überall Bereiche, wo man irgendwie sich Dinge überlegt, die man gerade nicht messen kann oder von denen man sogar weiß, dass man sie nie messen können wird. Geht dann die andere Richtung genauso.

Franziska Konitzer Ja, aber dann ist halt die Frage, ist es überhaupt noch eine wissenschaftliche Theorie?

Karl Urban Das ist die Frage.

Franziska Konitzer Oder im strikten Sinne finde der dann nämlich nicht, wenn ich nur Hypothesen oder wenn ich aus der Theorie, wenn ich aus der Theorie Vorhersagen ableiten kann, aber sagen kann, das kann ich eh nie messen. Dann ist ja die Frage, ich meine, zum Beispiel bei der Stringtheorie, da gibt es ja auch verschiedene Spielarten, die trifft ja teilweise manchmal auch Vorhersagen.

Franziska Konitzer Da kann man sagen, prinzipiell könnten wir die messen, aber wir bräuchten irgendwie, weiß ich nicht, einen Teilchenbeschleuniger so groß wie eine ganze Galaxie. Das ist per se nicht, also unrealistisch, dass das jemals geschieht, aber es ist per se nicht unmöglich. Während hingegen diese Geschichte bei den Paralleluniversen trifft, die vorhersagen, dass es gibt unendlich viele Universen und wir lesen ein Multiversum, aber wir können es per se niemals messen.

Franziska Konitzer Es ist unmöglich und das ist so eher so der Unterschied, ist das noch Wissenschaft? Wissenschaft, wenn ich... Ja.

Karl Urban Es ist Physik oder Metaphysik. Aber ich finde ja, also ich meine, Philosophie ist auch eine Wissenschaft. Es ist halt keine Naturwissenschaft und deswegen meinte ich, das geht halt so ein bisschen in die Richtung. Also ich finde, man kann... Wir als Homo sapiens können über diese Fragen nachdenken. Wir können formulieren, dass wir es nicht beweisen können.

Karl Urban Und wir können halt, ja, wir können daraus irgendwelche Schlüsse ziehen. Und auch wenn die rein theoretisch sind, ja, ist das Wissenschaft? Wissenschaft, ich glaube, das hängt sehr stark davon ab, wen du fragst und da gibt es wahrscheinlich auch sehr viele theoretische Physiker, die sagen, das vehement verteidigen würden als Wissenschaft.

Franziska Konitzer Absolut, absolut. Ich meine, das ist ja auch die Wissenschaft und Menschen in der Wissenschaft haben unterschiedliche Meinungen und Neigungen, auch wenn man immer objektiv sein sollte. Es sind natürlich auch Wissenschaftler, die auch wissenschaftlich argumentieren, okay, ich habe diese paar Probleme im Universum oder oh, ist doch irgendwie komisch, dass das Universum so flach ist und dass es keine magnetischen Monopole gibt.

Franziska Konitzer Aber dann schmeiße ich quasi, dann überlege ich mir einen Mechanismus, aber baue ein ganzes Multiversum mit unendlich vielen Möglichkeiten drumherum. Das ist ja dieses Ockhams Rasiermesser, die einfachste Erklärung sollte eigentlich. Klingt nicht so richtig einfach. Ich überlege mir, unendlich viele Universen mit unendlich vielen Naturgesetzen.

Franziska Konitzer Also schon ein harter Tobak, würde ich sagen.

Karl Urban Harter Tobak. Damit lassen wir es enden, oder? Mit hartem Tobak.

Franziska Konitzer Lassen wir es gut sein.

Karl Urban Gut, dann war sie das. Nicht die unendlichste, sondern die 85. Ausgabe von Astrogeo. Und wir danken allen, die uns bis hierhin zugehört haben und die unsere Arbeit unterstützen. Den danken wir auch. Das sind die regelmäßigen AbonnentInnen der Riff Reporter. Die Riff Reporter sind eine Genossenschaft von über 100 freien und unabhängigen Journalistinnen und Journalisten, die zu vielen relevanten Themen arbeiten und alles frei von Werbung und Trackern.

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Franziska Konitzer Genau. Genau.

Karl Urban Und wir danken euch damit fürs Zuhören und sagen Tschüss.

Franziska Konitzer Ad Astra.

Karl Urban Und Lücke auf. Bis zum nächsten Mal.

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