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BAYRAKTAR + BAYRAKTAR - True Crime and Law· Staffel 1· Folge 20

42 Jahre nach der Tat: lebenslang wegen Mordes – der Cold Case Maria Köhler.

Mittwoch, 22. Juli 2026 · 33 min

MP3

Shownotes

# 20: 🎙️ 1984 wird die 19-jährige Krankenschwesterschülerin Maria Köhler in ihrem Zimmer in Aschaffenburg getötet. Der Verdacht fällt früh auf ihren Ex-Freund – doch er verlässt Deutschland einen Tag nach der Tat mit einem One-Way-Ticket nach Istanbul.
Jahrzehnte später die unglaubliche Wendung: Er soll jahrelang unter falscher Identität wieder in Aschaffenburg gelebt haben.
2026 verurteilt ihn das Landgericht Aschaffenburg wegen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe.
Rechtsanwältin Nurcan Bayraktar und Rechtsanwalt sowie Strafverteidiger Sayil Bayraktar analysieren den Fall aus echter anwaltlicher Praxis – nicht als Kommentatoren vom Spielfeldrand, sondern als Juristen, die täglich vor Gericht stehen: Warum war die Frage „Mord oder Totschlag?" hier eine Alles-oder-nichts-Frage? Was bedeutet Heimtücke juristisch wirklich? Und warum kann ein Mord auch nach 42 Jahren noch verfolgt werden, während Totschlag längst verjährt wäre?

Wir erzählen den Fall respektvoll und ordnen ein, ohne vorschnell zu urteilen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig – die Verteidigung hat Revision zum BGH eingelegt.
Bayraktar & Bayraktar – True Crime and Law: Der Podcast, in dem echte Anwälte echte Fälle juristisch einordnen.

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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Stell dir vor. Du bist 19 Jahre. Jung. Du machst eine Ausbildung zur Krankenschwester, lebst in einem Wohnheim in Aschaffenburg und hast dein ganzes Leben noch vor dir. Du trennst dich von deinem. Freund, du. Willst deinen eigenen Weg gehen. Du entscheidest selbst, wen du liebst und wen nicht und dann wirst du in deinem eigenen Zimmer getötet. Der Verdacht fällt schnell auf deinen Exfreund, aber er ist schon weg.

Am Tag nach der Tat verlässt er Deutschland mit einem One Way Ticket Richtung Istanbul. Türkei Jahre vergehen, dann Jahrzehnte, dein Fall wird zu einem Cold. Case. Aber das wirklich. Unglaubliche kommt erst später heraus. Der Mann soll nicht einfach 40 Jahre irgendwo verschwunden gewesen sein, er soll jahrelang unter falscher Identität wieder in Aschaffenburg. Gelebt haben.

Also in der Nähe des Ortes. An dem Maria Köhler getötet wurde. Und so und herzlich. Willkommen bei bei Reaktorin bei Reaktor. True Crime and love Ich bin Rechtsanwältin Nojan bei Reaktor. Und ich bin Rechtsanwalt. Und Strafverteidiger Sale bei Reaktor. Und heute sprechen wir über einen. Fall, der zeigt. Dass manche Akten niemals wirklich geschlossen sind. Aber bevor es hier losgeht, muss ich erstmal ein großes Lob an dich aussprechen.

Du bist trotzdem hast du dich bereit erklärt, heute diese Podcast Folge aufzunehmen, trotz angeschlagener Stimme und Erkältung. Ja, in der Tat. Aber ich hoffe, dass die Stimme jetzt bis zum Ende. Durchhält. Und dass ich alles verständlich. Rüberbringen kann. Ach, das kriegst du auch mit angeschlagener Stimme auch hin. Da bin ich ganz zuversichtlich.

Ja, ich versuche. Es auf jeden. Fall aber es gibt auch News und. Zwar erreicht. Mir ja inzwischen Meilenstein. Nach Meilenstein. Ja, jetzt wurden wir innerhalb von einer Woche 2500 mal gestreamt und. Gedownloadet also. Vielen, vielen Dank. Für euren Support das. Ist schon mega. Das ist schon wirklich grandios.

Wirklich. Vielen Lieben Dank an alle Zuhörer. Danke, danke, danke auch von mir und wir würden uns auf jeden Fall freuen, wenn ihr euch. Sichtbarer Macht, indem ihr uns folgt und auch gerne Kommentare hinterlasst. Das würde uns sehr freuen. Und somit steigen wir auch schon in unseren heutigen Fall ein.

Ja, denn eine 19 jährige Krankenschwester, Schülerin wird 1984 tot in ihrem Zimmer in Aschaffenburg gefunden und. Der Tatverdacht richtet sich früh. Gegen ihren ehemaligen Freund, den sie kurz vorher verlassen hatte. Und oder sich. Von ihr getrennt, hatte doch der Mann. Der verschwindet jahrzehntelang passiert.

Scheinbar nichts. Und dann? Mehr als 40 Jahre später wird er. Festgenommen, nach Deutschland überführt. Und vor Gericht gestellt. Und. Dieser Fall ist juristisch. Besonders spannend, weil es nicht nur um die Frage geht, wer war es, sondern vor allem. War es Mord? Oder Totschlag. Denn genau daran hängt nach über 40 Jahren alles.

Genau, bei Mord gibt es in Deutschland. Nämlich keine Verjährung bei. Totschlag. Wäre nach so langer Zeit die Frage der Verjährung entscheidend gewesen? Genau. Wir sprechen heute über Maria Köhler, über den. Tatablauf über die Flucht des später. Verurteilten Angeklagten über seine Rückkehr unter falscher Identität nach Aschaffenburg. Und.

Über die juristische Frage. Warum kam das Gericht hier zu Mord? Und wichtig direkt am Anfang. Das Landgericht Aschaffenburg hat den Angeklagten jetzt Erstinstanz, nicht wegen Mordes. Zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt, aber. Die Verteidigung hat Revision eingelegt und somit ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.

Magst du kurz erzählen, Wer Maria Köhler war? Maria war 19 Jahre. Alt sie war. Krankenschwester, Schülerin, also in Ausbildung in Aschaffenburg und. Lebte im. Beschäftigtenwohnheim des städtischen Krankenhauses in der Lamprechtstraße. Das ist wichtig, weil man bei True Crime fällen manchmal sehr schnell noch über tat, Täter, Urteil und Beweise spricht. Aber ich finde, es ist wichtig hier. Zu erklären, dass immer noch ein Mensch am Anfang steht. Maria war, wie du es gesagt hast, 19 Jahre alt und sie hatte.

Ihr eigenes Leben, ihre eigenen Pläne, ihre eigenen Entscheidungen und. Das wurde ihr sehr früh genommen. Nach den Ermittlungen erschien sie am 30. Juli 1984 nicht zum Dienst. Beziehungsweise nicht zum Unterricht. 2 Tage später, am 1. August 1904 und. 80 wurde. Sie in ihrem Zimmer tot aufgefunden. Laut Polizei ergab die Obduktion, dass sie mit einem um den Hals.

Gelegten Schal erdrosselt. Worden war. Und schon an diesem Punkt merkt man, finde ich, wie. Brutal, dieser Fall eigentlich. Ist eine junge Frau in einem Wohnheim. An einem Ort. Der eigentlich Sicherheit vermitteln. Sollte ein Zimmer ein privater Rückzugsort und genau dort passiert dann die Tat. Und.

Ich finde auch hier, ja, wir merken bei solchen Fällen ja sowohl du als auch ich immer wieder. Man darf bei True Prime nicht vergessen, dass hinter jedem Fall natürlich auch Angehörige stehen. Eltern, Geschwister, Freunde, Kolleginnen. Für die Öffentlichkeit ist das ein Fall und für die Familie ist es ein Leben, das zerstört wurde und vor allem, ich finde immer auch bei Taten, die mit Erdrosseln zu tun haben, ja, das ist auch schon mal so von da. Muss man ja richtig aktiv mit also handeln damit. Also da ist das, da ist.

Schon ein ich kenne das ja auch aus eigenen Fällen, da gibt es auch immer Gutachten dazu, wie lange und wieviel Kraft et cetera angewendet werden muss. Das ist schon. Auch ein enormer Kraftakt, jemanden wirklich zu erdrosseln und vor allem mit einem Schal. Das muss man sich ja vorstellen, ist ja kein jetzt kein Gürtel gewesen oder jetzt nichts irgendwie, sondern so ein Schal hat ja noch ein bisschen eine gewisse Elastizität und. Und das ist dann schon ein sehr, sehr. Enormer Krafteinwand, den man da an den Tag legen muss. Nach den bekannten Informationen hatte de Maria die Beziehung zu ihrem damaligen Partner beziehungsweise ex Partner beendet.

Es gab Hinweise darauf. Dass sie sich einem US Soldaten zugewandt. Hatte. Außerdem sollen sie den. Späteren Angeklagten nicht heiraten. Wollen und genau diese Aspekte. Spielten. Später bei der Bewertung. Möglicher Motive. Beim Landgericht eine Rolle. Und das ist juristisch relevant, weil beim Mord nicht nur gefragt wird, hat jemand getötet, sondern auch aus welchem Beweggrund war es? Eifersucht war es, Rache war es besitzdenken. Das kann bei der Frage der niedrigen Beweggründe eine Rolle spielen.

Ja. Und jetzt kommen wir noch mal zu dem Tatabend und zu dem Fund der Leiche. Du hast es ja vorhin kurz erwähnt, die Tat soll ja am 30. Juli. 1984 passiert. Sein Maria befand. Sich in ihrem Zimmer. Im Schwesterwohnheim und der spätere Angeklagte, also ihr früherer Partner, soll sie dort aufgesucht haben. Genau.

Und im. Prozess ging es dann später darum. Was genau in diesem Zimmer passiert ist? Der Angeklagte räumte ein, Maria nach einem Streit getötet zu haben. Die Verteidigung. Stellte es als Totschlag beziehungsweise Affekt tat dar. Die. Staatsanwaltschaft sah darin einen Mord, ja. Und jetzt komme ich vielleicht noch mal zu dem Punkt, was ich schon in der letzten Folge, ich weiß nicht, ob das die letzte.

Folge war aber. Das mit dem Geständnis. Viele fragen sich natürlich dann so OK. Warum räumt er denn die Tat direkt am Anfang ein und wieso, ja wird wird, spricht man überhaupt dann als Täter zu der Tat? Und hier müsste schon, also man muss ja sich vorstellen, wir haben hier n Cold Case, es ging darum, dass man den Täter versucht hat, 40 Jahre aufwendig zu machen, weil man dachte, er ist im Ausland untergetaucht.

Und dann wird er gefasst, nach Deutschland überführt, und dann kommt es zu einer Einklage. Und da war jetzt so bei der Verteidigung, dass die direkt am Anfang ein Geständnis abgelegt haben. Wahrscheinlich waren die Beweise so gravierend. Genau darauf, genau darauf wollte ich hinaus. Wahrscheinlich waren die Beweise so gravierend, es lag wirklich alles auf der Hand, dass das jetzt gar nicht mehr darum ging, ob er es getan hat, sondern dass. Dann ging es nur noch um die juristische Frage okay wenn man als Verteidigung daraus den Totschlag hätte machen können, dann wäre die Tat verehrt.

Und dann wäre ja komplett straffrei davon. Gekommen. Genau, und das war hier auch der zentrale Konflikt des ganzen Prozessablaufes nicht nur hat er es getan. Sondern. Wie ist diese Tat rechtlich einzuordnen? Und das Landgericht kam zu dem Ergebnis. Mord. Laut Berichten sah das. Gericht insbesondere das Mordmerkmal der Heimtücke als erfüllt an. Maria.

Sei arg und wehrlos. Gewesen, als sie angegriffen wurde. Genau. Und bei Heimtücke geht es vereinfacht gesagt darum, dass das Opfer im Moment des. Angriffs nicht mit einem Angriff rechnet und deshalb nicht in der Lage ist, sich angemessen zu verteidigen. Ja, und das ist ja bei Beziehungstaten oft. Juristisch sehr schwierig.

Denn es kann vorher Streit geben, es kann eine angespannte Situation geben. Trotzdem kann Heimtücke vorliegen, wenn das Opfer im entscheidenden Moment nicht mit einem tödlichen Angriff rechnet, ja. Die Verteidigung hat auch hier versucht, daraus einen eine reine Affekttat zu konstruieren. Und nach Berichten wurde auch darauf abgestellt, dass das Strangulieren mehrere Minuten gedauert haben soll. Und das war auch ein Anhaltspunkt für das Gericht dafür, dass das hier offenbar keine reine. Affektat sein kann, denn.

Gerade bei einem längeren Strangulationsvorgang wird juristisch oft darüber gesprochen, ob das gegen eine bloße Kurzschlussreaktion und für Tötungsvorsatz spricht. Ja, wenn irgendwie keine Ahnung, wenn er ihr so ne Vase. Über den Kopf gezogen hätte oder sowas. Ja, das wäre ja vielleicht. Genau das war ein.

Affekt geschehen. Ja, ich hab ein bisschen so Vorgegriffen eigentlich. Ich hab ja gesagt, so ein. Strangulieren ist ja ne. Enorme ist ein enormer. Kraftakt, und das spricht eigentlich auch auch gegen dann einen Affekt, hat bei solchen Fällen, weil das dauert wirklich Minuten, bis man jemanden. Damit tötet.

Und genau hier sieht man warum Strafrecht so? Präzise sein. Muss. Es reicht nicht, emotional zu sagen. Das war schlimm. Ja, natürlich war es schlimm, juristisch muss aber geprüft werden. Welche Tatbestandsmerkmale erfüllt sind, gibt es Mordmerkmale? Gibt es Verjährung? Gibt es Zweifel? Und das ist alles.

Relevant, um letztlich geht. Jemanden wegen Mordes, Totschlags etc. Hinter Gitter zu. Bringen. Kommen wir zum Täter. Was wissen wir über ihn? Ja. Der Tatverdacht richtet sich. Früh gegen Marias ehemaligen Freund Nazmir G. Er war zur Tatzeit 25 Jahre alt und. Und nach Angaben der Polizei verließ er Deutschland am 31. Juli 1904 und. 80 also am Tag.

Nach der Tat. Über den Flughafen Frankfurt Richtung Istanbul. Die Polizei veröffentlichte später sehr konkrete Details zu dem Fall. Ein One Way Ticket, Turkish Airlines Barzahlung, Flug von Frankfurt nach Istanbul und. Solche Details sind für Ermittlungen extrem wichtig, weil sie Bewegungen nach einer Tat nachvollziehbar machen. Natürlich gilt.

Flucht allein beweist keine Täterschaft, aber sie kann im Gesamtbild ein sehr starkes Indiz dafür sein. Gerade wenn jemand kurz nach einer Tat das Land verlässt und später jahrzehntelang nicht greifbar ist und untertaucht. Ja, und hier wird der Fall besonders ungewöhnlich, denn. Er war nicht einfach 40 Jahre irgendwo verschwunden.

Ja genau, denn nach den Ermittlungen lebte er zwischen 1998 und 2014 unter der alias Identität Jamil G. Wieder in Aschaffenburg. Er war mit einer deutschen Staatsangehörigen verheiratet und arbeitete im Landkreis Aschaffenburg als Handwerker. Das ist für diesen Fall wirklich extrem stark. Der später verurteilte Angeklagte war nicht einfach 40 Jahre irgendwo weg.

Er soll jahrelang wieder in der Nähe des alten Tatorts gelebt haben, unter falscher Identität und. Mit Familie. Mit Familie. Kind. Et cetera. Und die dachten wahrscheinlich, ah OK, jetzt haben wir hier mal ein One Way Ticket gefunden von ihm, der hat sich ein Ticket gekauft nach Istanbul und. Der kommt nicht mehr zurück, der kommt. Nicht mehr zurück.

Deswegen machen wir daraus einen Call Case Zack Akte weg 40 Jahre schauen wir mal was passiert. Ja. Staatsanwaltschaft Frankfurt sage ich dazu nur, da kann ich ein Buch schreiben, ich könnte ein Buch schreiben mit dem Titel. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt. Du schaust. Mich so an, aber. Ich. Kann wirklich ein Buch darüber schreiben?

Also. Aber jetzt lass ich das mal am Rande. Jetzt nur kurz erwähnt, vielleicht mache ich daraus eine extra Podcast Reihe. Okay. Naja, okay. Gut, laut Berichten soll der Richter diesen Umstand in der Urteilsbegründung auch als sehr dreist bezeichnet haben. Ja, aber jetzt noch mal. Wie kann es denn bitte sein, dass jemand unter anderer Identität wieder in derselben Stadt lebt? Ja, was bedeutet das für Angehörige, wenn sie später das erfahren?

Der mutmaßliche Täter war jahrelang wieder in deiner Nähe. Also. Ja. Das kann man doch nicht. Also was macht einen sprachlos? Da wird sich doch jeder Angehörige fragen, warum hat man nicht noch mal danach ermittelt, warum vor allem auch sein. Oder auch vielleicht Augenzeugen. Ich meine. Ja, den hat man ja gekannt.

Also. Ja, gab es kein Phantombild oder sowas. Hat man nicht irgendwie öffentlich gefahndet nach ihm? Ja, irgendwo hier, der ist irgendwie weg, aber falls da mal wieder kommt, oder? Hat sich der Ermittler. Nicht damals. Gedacht. Ah okay, der ist mal jetzt. Nach Istanbul. Vielleicht kommt er wieder, da muss er nicht. Wieder zurückfliegen.

Der kann ja auch mit dem Auto einreisen von der Türkei hierher, oder ist er überhaupt eingetreten? Den Flug ist auch noch die große Frage, hat man das überhaupt kontrolliert? Ja, nur weil sich ein One Way Ticket gekauft hat. Kann man noch nicht eine Akte schließen? 40 Jahre? Okay ich merke, du redest dich jetzt wieder in Rage.

Komm jetzt runter. Okay ich atme mal tief. Du komm jetzt zurück zum Fall. So, jetzt bin ich, hast du mich aus dem Konzept gebracht? Nee, aber das regt doch einen auf, wenn man sowas wirklich mal liest. Und auch als ich diesen Fall vorbereitet habe, ich konnte es einfach nicht fassen. Ja und dann wird das noch irgendwie groß. Thematisiert.

Wir haben einen neuen Coldkiss gelöst. 40 Jahre nach der Draht Täter gefunden. Ja, das liegt aber an euch Leute, wenn ihr 40 Jahre lang ne Akte nicht bearbeitet. 40 Jahre lang, vielleicht vor der Nase. Der Täter dann ist es aber kein Erfolg, das würde ich eher nicht als einen großen Erfolg betiteln, sondern einen größten Schlamassel der Bundesrepublik.

Ja, aber die Polizei schreibt ja, dass die Akte wie bei anderen ungeklärten Tötungsfällen auch, immer wieder geprüft wurde. Später nahm Altfallermittler den Fall erneut auf, Zeugen wurden nochmals befragt und asservate wurden auch moderne Untersuchungsmöglichkeiten überprüft und das zeigt, dass viele Menschen denken, wenn nach ein paar Jahren nichts passiert, ist der Fall vorbei, aber gerade bei Mordfällen bleibt die Akte im Grunde.

Immer offen. Ja, also. Die wird ja nicht so einfach weggepackt. Ja, die wird ja immer wieder rausgeholt. Vor allem wahrscheinlich hat man damals auch diese ganze moderne Ermittlungsarbeit nicht an den Tag gelegt und man hat jetzt wahrscheinlich den Fall aufgearbeitet. Man hat noch mal die DNA überprüft, Fingerabdrücke vielleicht doch alte Fotos, neue Zeugenvernehmungen.

Vielleicht gab es ja auch eine internationale Zusammenarbeit, mal nach 40 Jahren, dass man gesagt hat, kommen wir fragen mal bei den türkischen Behörden nach, wann ist die Einreise, Ausreise geschehen. All das kann natürlich Jahrzehnte später noch mal Bedeutung bekommen. Ja, und im Fall Maria Köhler wurden die Ermittlungen schließlich dazu geführt, dass Nazmi Ende Juli 2025 in der Türkei festgenommen wurde. Also das heißt, er ist dann von Aschaffenburg irgendwann wieder in die Türkei ausgereist und am 12 September 2025 wurde er nach Deutschland ausgeliefert beziehungsweise überstellt und kam in Untersuchungshaft erstmal. Ja, und das ist hier noch mal interessant, finde ich juristisch Deutschland, Türkei,

internationale Fahndungen, Auslieferung, identitätsfragen. Das ist nicht einfach hier. Polizei findet den Täter, sondern da steckt wirklich viel internationale Zusammenarbeit dahinter, und das ist übrigens auch ein Punkt, den man in Filmen oft in 2 Minuten erzählt bekommt. Er wurde gefasst. In der Realität steckt wirklich dahinter, jahrelange, auch Aktenarbeit nochmal zu sagen, rechtshilfeverfahren, Behörden, Kommunikation, Übersetzungen et cetera, aber. Aber.

Und sehr viel Geduld. Und sehr viel Geduld, vor allem aber, was ich nicht herauslesen konnte, auch nichts. Dazu gefunden habe. Ich habe mich gefragt, wann der wieder zurück in die Türkei gegangen ist. Also die tun so, dass er jetzt ja. Wahrscheinlich, weil er unter einem Alias gelebt hat, kann man das nicht mehr so richtig nachverfolgen.

Oder er hat mitbekommen. Oder er ist illegal ausgereist. Oder man hat. Nach ihr nochmal den Fall ja aufgearbeitet und man hat begonnen irgendwie Zeugen zu vernehmen und der hat davon irgendwie erfahren und dachte. Gut. Jetzt mach ich mal wieder die Fliege. Das kann ich. Das vermuten, weil. Es so heiß wurde, hat er gedacht. Vielleicht.

Genau. Dann hat er gedacht, okay gut, vor 40 Jahren hat es ja geklappt. Da bin ich einfach mal in die Türkei und das war dann wieder Buch zu. Ja, und jetzt? Aber da war Endstation. Da war Endstation. Lies man. So und so kam's, dass 2026 dann der Prozess vor dem Landgericht Aschaffenburg stattfand.

Der Angeklagte soll die Tötung eingeräumt haben, aber eben nicht die Mordqualität. Ja, und das habe ich auch vorhin noch mal gesagt. Also es ist ein ganz wichtiger Unterschied. Ein Geständnis bedeutet nicht automatisch, dass alle juristischen Fragen direkt geklärt sind. Er kann, ja, er kann dir sagen, ich habe es getan, ich habe, ich habe sie getötet, aber trotzdem kann dann gestritten werden, war es Mord, war es Totschlag, lag kein Glück bevor, gab es hier niedrige Beweggründe, vielleicht wegen etwaiger Eifersucht, war es ein Affekt, tat oder ist?

Und dann ist die Tat verjährt oder nicht. Die Verteidigung argumentierte in Richtung Totschlag und Verjährung. Die Staatsanwaltschaft und Nebenklage sahen Mordmerkmale, insbesondere Heimtücke und niedrige Beweggründe als gegeben an. Und hier liegt der juristische Kern der Folge. Wäre das Gericht zu Totschlag gekommen, hätte das nach über 40 Jahren möglicherweise dazu geführt, dass eine Verurteilung nicht mehr möglich gewesen wäre. Bei Mord ist das anders.

Mord verjährt nicht. Deshalb war die Frage Mord oder Totschlag in diesem Fall nicht nur eine Strafmaßfrage, sondern eine alles oder nichts frage. Ja, vielleicht noch mal kurzer Exkurs um den juristischen Teil hier sauber auseinander zu nehmen. Im deutschen Strafrecht ist die vorsätzliche Tötung eines Menschen nicht automatisch Mord.

Erst einmal denkt man an Totschlag. Mord liegt nur vor, wenn zusätzlich ein Mordmerkmal erfüllt ist und die typischen Merk Mordmerkmale sind zum Beispiel Heimtücke, niedrige Beweggründe, Habgier, Grausamkeit oder die Tötung zur Ermöglichung oder Verdeckung einer anderen Straftat und in diesem Fall ging es insbesondere um Heimtücke und um niedrige Beweggründe und.

Heimlücke habe ich ja schon gesagt, ist, wenn das Opfer arglos und dadurch wehrlos ist. Also sie hat nicht mit einem Angriff auf ihr Leben gerechnet. In diesem Moment ja. Und das Landgericht sah aber Maria als arglos und wehrlos an, als sie von ihrem damaligen Ex Freund im Wohnheim besucht wurde. Niedrige Beweggründe sind juristisch noch schwieriger. Es geht um Motive, die nach allgemeiner sittlicher Wertung auf niedrigster Stufe stehen.

Bei Beziehungsdaten kann es zum Beispiel um Besitzdenken, Eifersucht, Rache oder gekränkte Kontrollen gehen. Ja, aber man muss sie ja vorsichtig formulieren, weil nicht jede Eifersucht ist automatisch ein niedriger Beweggrund im strafrechtlichen Sinn. Es kommt auf die konkrete Gesamtwilligung an.

Genau, und das ist für die Aussage Eifersucht gleich Mord, einfach nicht ausreichend. Das Gericht muss prüfen, ob die konkrete Motivation so verwerflich war, dass sie ein Mordmerkmal trägt. Ja, und hier wurde als möglicher Hintergrund genannt, dass Maria die Beziehung beendet hatte. Sie wollte den Angeklagten offenbar auch nicht heiraten und. Und es gab Hinweise auf eine neue Beziehung zu einem US Soldaten.

Außerdem wurde berichtet, dass eine Ehe für den Angeklagten auch im Zusammenhang mit seinem Aufenthalt in Deutschland relevant gewesen sein könnte. Und das sind genau die Punkte, die juristisch in Richtung Motivlage natürlich gehen. Ging es hier um Verletzten Stolz, um Eifersucht und Kontrolle, um die verlorene Perspektive in Deutschland und das alles kann bei der Bewertung.

Wir eine Rolle spielen? Und dann kommen wir mal zum Punkt der Verjährung. Ja, also wie schon gesagt, bei Mord gibt es keine Verjährung. Das bedeutet auch nach 4050 Jahren kann ein Mord noch verfolgt und abgeurteilt werden, bei Totschlag wäre es anders gewesen und deshalb war die Verteidigungslinie hier so entscheidend, wenn es in Anführungszeichen nur. Totschlag gewesen wäre, hätte die Verteidigung argumentieren können, dass eine Bestrafung nach so langer Zeit nicht mehr möglich ist.

Ja, und genau deshalb ist es ja auch so spannend, gerade für die Öffentlichkeit klingt es vielleicht wie ein Detail, Mord oder Totschlag, aber hier entscheidet diese Einordnung darüber, ob am Ende lebenslange Freiheitsstrafe steht oder ob die Tat möglicherweise nicht mehr verfolgt werden kann. Ja, aber ich glaube, jetzt ist meine Stimme auch langsam am Ende. Das.

Ist ein guter Punkt. Wir sind auch gleich am Ende. Das Urteil müssen wir noch kurz besprechen. Das übernehme ich einfach am 29 Juni 2026 verurteilte das Landgericht Aschaffenburg den inzwischen 7. Und. 60. Jährigen Angeklagten wegen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe. Und ich weiß auch schon was von dir kommen wird.

Nämlich dein Recht. Sinn versus Moral? Und Empathie. Du wirst. Es sagen, ich würde. Sagen Okay, der ist jetzt 67 Jahre alt und hat jetzt 40. Jahre, der hat sein ganzes Leben gelebt, seine Jugend gelebt, letztlich aber eine 19 Jährige aus dem Leben gerissen. Und ob das damit jetzt mit einer Verurteilung wieder wettgemacht werden kann?

Ja, ist fraglich. Abgesehen davon, wenn jetzt in der Revisionsinstanz vielleicht rauskommt, okay doch Totschlag und die ganze Sache ist verjährt, das wäre ja fatal. Ja, klappt auf jeden Fall. Interessant. Das Gericht folgte also nicht der Verteidigung, sondern der Staatsanwaltschaft und kam letztendlich zum Mord.

Interessant an dieser Stelle ist auch die besondere Schwere der Schuld. Wurde nach Berichten nicht festgestellt. Das bedeutet nicht, dass die Tat nicht schwer war, natürlich, Mord ist immer schwer, aber die besondere Schwere der Schuld hat vor allem Bedeutung für die Frage, ob eine Entlassung nach 15 Jahren realistischer geprüft werden kann oder ob die Vollstreckung deutlich länger dauern kann. Genau.

Zugunsten des Angeklagten wurden unter anderem sein Geständnis, sein Alter und eine fehlende Vorstrafe berücksichtigt. Und trotzdem bekam er lebenslang. Das zeigt, wie gravierend die rechtliche Einordnung als Mord ist. Ja, aber auch hier noch mal ganz wichtig. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Verteidigung hat Revision eingelegt, sodass sich voraussichtlich der Bundesgerichtshof mit dem Fall befassen. Wird genau die Revision ist keine neue Tatsacheninstanz. Das heißt?

Das wird nicht einfach noch mal komplett neu verhandelt, als lese man wieder im ersten Prozess. Der BGH prüft im Wesentlichen nur die Rechtsfehler. Ja, zum Beispiel wurde das Recht richtig angewendet, ist die Beweiswürdigung Rechtsfehlerfrei und eben hier ganz entscheidend, wurden die Mordmerkmale sauber begründet.

Genau. Und darauf, damit wird auch alles stehen und fallen, wenn der BGH sagt, es liegt hier kein Mordmerkmal vor, dann wird daraus wahrscheinlich ein Totschlag und vielleicht wird das Ganze auch dann eingestellt wegen Verjährung. Aber was macht denn für dich diesen Fall so besonders? Für mich sind es hier mehrere Punkte. Eigentlich erstens das Alter des Falls. 42 Jahre zwischen Tat und Urteil sind schon extrem lang und zweitens die Rolle der Verjährung natürlich.

Bei kaum einem Fall merkt man so deutlich, warum Mord und Totschlag juristisch so unterschiedlich behandelt werden, und hinzu kommt die Flucht und die spätere Rückkehr unter alias Identität. Ist auch bestimmt auch besonders. Und wenn ich so nachdenke, auch die Perspektive der Angehörigen auf jeden Fall jahrzehntelang keine endgültige Antwort zu haben.

Das. Kann ich mir gar nicht vorstellen. Ja, ich finde, gerade der Alias Teil bleibt halt wirklich hängen. Der soll halt wirklich jahrelang unter falscher Identität wieder in Aschaffenburg gelebt haben, auch nicht irgendwo anders irgendwie. In Norddeutschland oder in Süddeutschland oder woanders, also nicht irgendwo weit weg, sondern wirklich in der Nähe des Ortes, an dem Maria getötet wurde. Das muss er ja auch irgendwie verarbeitet haben müssen und. Ja, unfassbar einfach für die Angehörigen. Ja, und für die Öffentlichkeit ist das Halt auch wirklich spektakulär.

So, das war unsere juristische Einordnung zum Cold Case Maria Köhler. Schreibt uns gerne. Was findet ihr in diesem Fall juristisch am spannendsten? Die Verjährung, die Heimtücke, die Flucht oder die Tatsache, dass der Angeklagte jahrelang wieder unter falscher Identität Aschaffenburg gelebt haben soll. Und wenn euch solche Fälle interessieren, folgt gerne unserem Podcast.

Und auch bei Lacta Lord Talk auf Tik TOK und Instagram und ein Challenge an euch. Ja, 2500. Streams in einer Woche, das ist schon eine Hausnummer, würde ich sagen. Also deswegen starte ich jetzt diesen Challenge spontan. Die 5000 haben in dieser Woche. Nee, ganz, ganz so spektakulär ist es nicht.

Ich will einfach nur 20 Kommentare auf Youtube oder Spotify sehen. Und ich bedanke mich ganz herzlich, dass du das durchgehalten hast. Gerne. Jetzt kann ich mich meinem Tee widmen und hoffe, dass ich morgen noch reden kann, weil ich habe noch einige Gespräche zu führen. Ja, hoffentlich ganz, ganz schnelle Genesung.

Ja, danke fürs Dabeisein und bis zur nächsten Folge. Bye bleibt vorsichtig und achtsam.

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