
BAYRAKTAR + BAYRAKTAR - True Crime and Law· Staffel 1· Folge 19
Der Palliativarzt von Berlin – 15-facher Mord und 76 weitere Verdachtsfälle (Fall Johannes)
Dienstag, 14. Juli 2026 · 55 min
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Shownotes
# 19: 🎙️ Ein Arzt, dem schwerstkranke Menschen ihr Leben anvertrauten, wurde am 08.07.2026 vom Landgericht Berlin wegen 15-fachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Die besondere Schwere der Schuld, Sicherungsverwahrung und lebenslanges Berufsverbot wurden verhängt. Und die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits in 76 weiteren Verdachtsfällen: Der Fall Johannes M. könnte zur größten Mordserie der deutschen Nachkriegsgeschichte werden.
Nurcan und Sayil Bayraktar – beide Anwälte – rekonstruieren den Fall und einen Mammutprozess: 57 Verhandlungstage, über 200 Zeugen, Exhumierungen und toxikologische Gutachten, ein psychiatrisches Gutachten trotz verweigertem Gespräch und ein Geständnis am 54. Verhandlungstag.
Warum Mord und nicht Sterbehilfe? Was bedeuten besondere Schwere der Schuld und Sicherungsverwahrung wirklich? Und warum fiel drei Jahre lang nichts auf?
Das Urteil ist nicht rechtskräftig; für die 76 Verdachtsfälle gilt die Unschuldsvermutung uneingeschränkt.
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Stell dir vor, es ist Sommer, 2024 in Berlin. Die Feuerwehr rückt aus, eine Wohnung brennt, die Wohnung einer schwerkranken Frau, einer Palliativpatientin in häuslicher Versorgung, ein tragischer Unglücksfall, so scheint es zumindest. Doch dann fällt einer Polizistin am Brandort etwas auf, ein Mann kommt auf sie zu.
Es ist ausgerechnet der behandelnde Arzt, ihr Palliativmediziner. Was macht er hier am Ort des Feuers, und es war nicht der einzige Brand dieser Art, immer wieder hat es in Berliner Wohnungen gebrannt, in denen kurz zuvor schwerkranke Patienten verstorben waren, Patienten, die eines gemeinsam hatten, denselben Arzt.
Was die Ermittler in den folgenden Monaten Stück für Stück zusammentragen, wird zu einem der größten Mordverfahren der deutschen Nachkriegsgeschichte. Am 8. Juli 2026 hat das Landgericht Berlin sein Urteil gesprochen. Lebenslange Haft wegen 15 fachen Mordes und die Ermittler sagen, das war womöglich erst der Anfang. 76 weitere Verdachtsfälle liegen auf ihren Tischen. By Doc Ja, der Fall des Palliativarztes Johannes heute bei bei The Trooper mit Law und somit herzlich willkommen.
Mein Name ist Nujan bei Ractal. Ich bin Rechtsanwältin aus Mannheim. Und ich bin Rechtsanwalt und Strafverteidiger zugleich. Sail bei Ractal und schön, dass ihr wieder eingeschaltet habt. Der Fall, über den wir heute sprechen, wurde buchstäblich heute an unserem Aufnahmetag entschieden. Heute Mittag hat das Landgericht Berlin sein Urteil verkündet. Ein palliativarzt, 41 Jahre alt, promoviert, verheiratet, Vater eines Sohnes im Grundschulalter, wurde wegen fünfzehnfaches Mordes an seinen eigenen Patienten und Patientinnen verurteilt, lebenslange Freiheitsstrafe, und das ist möglicherweise erst der Anfang.
Denn die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits in weiteren 76 Verdachtsfällen. Bevor wir einsteigen, wie immer unser wichtigster Hinweis. Und heute ist der juristisch besonders interessant. Das Urteil von heute ist noch nicht rechtskräftig. Der Verurteilte kann einmal Revision zum Bundesgerichtshof einlegen.
Bis zur Rechtskraft gilt formal die Unschuldsvermutung fort und ganz entscheidend für die 76 weiteren Verdachtsfälle, über die wir am Ende sprechen werden, gilt die Unschuldsvermutung vollumfänglich und uneingeschränkt dort gibt es bislang nicht einmal eine Anklage, wir nennen den Verurteilten wie üblich nur beim Vornamen, nämlich Johannes.
Genau und noch etwas vorab. Es geht heute um Tötungen schwerstkranker Menschen, wir werden respektvoll über die Opfer sprechen und auf drastische Details verzichten. Uns interessiert vor allem die Frage, wie konnte das passieren und was hat das Gericht heute eigentlich genau entschieden, denn dieses Urteil hat es in sich.
Lebenslang besondere Schwere der Schuld, Sicherungsverwahrung. Und lebenslanges Berufsverbot, also das volle Programm, dass das deutsche Strafrecht zu bieten hat. Genau und vor allem, wenn es um Sicherungsverwahrung geht. Mit der Feststellung, besonders schwere der Schuld. Das ist auch nicht so üblich, sondern eher der Sonderfall, und das ist ja auch das. Da müssen ja auch mehrere Mordmerkmale zusammenkommen. Aber dazu kommen wir gleich.
Und jede dieser 4 Anordnungen hat natürlich eine eigene juristische Bedeutung, und die werden wir heute auch aufschlüsseln. Ja, fangen wir von vorne an. Wer ist dieser Mann überhaupt? Johannes wird in Frankfurt am Main geboren, er studiert Medizin an der Frankfurter Goethe Universität. Promoviert und absolviert 2 facharztausbildungen 2020 zieht er nach Berlin, wo er als Angestellter Arzt in der ambulanten Palliativversorgung arbeitet. Für einen Pflegedienst, der schwerstkranke Menschen zu Hause versorgt.
Für alle, die den Begriff nicht kennen. Palliativmedizin ist die Versorgung von Menschen mit unheilbaren, weit fortgeschrittenen Erkrankungen. Es geht nicht mehr um Heilung, sondern um Lebensqualität, Schmerzlinderung, symptomkontrolle, Begleitung in den letzten Lebensphase sozusagen. Und Palliativärzte kommen oft zu den Patienten nach Hause.
Das ist ein Bereich der Medizin, der von einem extremen Vertrauensverhältnis lebt. Und ich finde, genau das macht diesen Fall auch so verstörend. Die Menschen, die sich in die Hände von Johannes. Begaben waren extrem schwer, unheilbar krank, aber, und das hat auch die Vorsitzende Richterin heute ausdrücklich betont, ihr Tod stand nicht unmittelbar bevor. Die Menschen wollten lieben, sie holten sich einen Palliativarzt, um ihre letzten Lebensmonate so erträglich wie möglich zu machen, nicht um sie zu beenden.
Das ist auch juristisch ein zentraler, auch ein wichtiger Punkt, auf den wir gleich noch kommen werden. Denn die Verteidigungslinie beziehungsweise die Erklärung, die Johannes selbst abgegeben hat, er hat nämlich auch ein Geständnis abgelegt, ging in eine ganz andere Richtung und dies sorgt auch in den Medien. Für sehr viel Gesprächsstoff auch in den Kommentaren. Es geht nämlich um den Begriff der Sterbehilfe. Und was den Fall zusätzlich so unheimlich macht, Johannes galt als einfühlsam.
So haben ihn Patienten, Angehörige und Kollegen beschrieben, ein freundlicher auftretender Arzt, ein Familienvater, niemand, bei dem irgendjemand Verdacht geschöpft hätte. Das ist übrigens ein Muster, das wir aus vergleichbaren Fällen kennen. Nach mir fällt der Name nicht ein, aber der Krankenpfleger aus Niedersachsen auch dort galt der unauffällig, beliebt, hilfsbereit und Täter in Heil und Pflegeberufen und operieren in einem Umfeld, in dem der Tod alltäglich ist.
Das ist chronologisch der perfekte Schatten, und wenn ein schwerstkranker Palliativpatient stirbt, stellt zunächst niemand natürlich Fragen. Und genau deshalb hat es auch so lange gedauert, bis dieser Fall überhaupt aufgeflogen ist. Nach den Feststellungen des Gerichts tötete Johannes zwischen September 2021 und Juli 202415 Menschen, 12 Frauen und 3 Männer. Das jüngste Opfer war eine 25 jährige Frau, das älteste eine 94 jährige Frau.
Die Tatorte waren allesamt die Wohnungen der Patienten bei Hausbesuchen. Das Tatmittel war ein Gemisch verschiedener Medikamente, dass er seinen Patienten verabreichte, ohne medizinische Indikation und ohne deren Wissen und Zustimmung. Wer es in der Anklage hieß. Ja, also mehr müssen wir zu dem Tatmittel auch nicht sagen.
Wichtig ist nur, es handelte sich um Substanzen, zu denen er als Arzt legalen Zugang hatte und deren Wirkung er als Mediziner genau kannte und diese auch bewusst eingesetzt hat. Ja, und das Erstaunliche auch dabei. 3 Jahre lang fällt nichts auf und jetzt kommt die Wendung, die diesen Fall kriminalistisch so bemerkenswert macht. Aufgeflogen ist Johannes.
Nämlich nicht wegen der Todesfälle selbst, sondern wegen Bränden. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ja, er soll in mehreren Fällen Feuer gelegt haben, mutmaßlich um die Tötung zu verdecken. Die Ermittlungen begannen deshalb ursprünglich gar nicht als Mordermittlung, sondern wegen Brandstiftung mit Todesfolge. Erst im Zuge dieser Brandermittlungen geriet der Arzt zunehmend in den Fokus.
Juristisch interessant war nämlich Brandstiftung mit Todesfolge in Fokus, und das ist in Paragraph 306 CSTGB geregelt, selbst ein Verbrechen mit lebenslanger Freiheitsstrafe im Höchstmaß. Aber der eigentliche Punkt ist ein anderer, der Versuch, Spuren zu verwischen, hat die Spur überhaupt erst gelegt. Ein Brand in einer Wohnung, in der gerade ein Palliativpatient verstorben ist.
Und das ist genau ein Ereignis, dass Ermittlungsbehörden auf den Plan ruft. Ein stiller Tod im Krankenbett tut das nicht. Und dann kam ein zweiter entscheidender Faktor dazu, und zwar Hinweise aus dem eigenen Umfeld. Der Pflegedienst, für den Johannes arbeitete, gab den Ermittlern nach Angaben der Staatsanwaltschaft wichtige Hinweise.
Da hatten Kolleginnen und Kollegen offenbar Beobachtungen gemacht, die im Nachhinein ein Muster ergaben. Das möchte ich kurz hervorheben, weil es eine Lehre aus diesem Fall ist. Solche Serien werden fast nie durch einen einzelnen Beweis aufgedeckt, sondern durch Menschen, die den Mut haben, einen Verdacht aufzusprechen.
Und ich erinnere mich gerade auch in dem Fall mit dem aus Niedersachsen war damals das große Versagen hier gerade, dass Auffälligkeiten intern bekannt waren und trotzdem nichts passierte. Und hier hat der Pflegedienst mitgewirkt, und das war hier mitentscheidend. Genau so sieht es aus. Und das Berliner Landeskriminalamt richtete daraufhin eine eigene Ermittlungsgruppe des Morddezernats ein.
Und dann begann saubere Ermittlungsarbeit. Hunderte Patientenunterlagen wurden ausgewertet, Todesbescheinigungen, Medikamentendokumentationen Einsatzzeiten und Anfang August 2024 wurde Johannes dann schließlich festgenommen, und seitdem saß er auch in Untersuchungshaft. Und hier sieht man schön, wieso ein Fall prozessual wächst. Zunächst ging es um 4 Fälle.
Nach der Auswertung der Unterlagen erhob die Staatsanwaltschaft im April 2025 dann Anklage wegen Mordes in 15 Fällen. Und heute wissen wir selbst, diese 15 Fälle sind aus Sicht der Ermittler womöglich nur ein Ausschnitt. Das ist schon heftig. Ja, vor allem. Der hat ja versucht, allem danach die Leichen also beziehungsweise ja ganze Wohnungen oder Häuser abzufackeln.
Das ist echt. Um das also seine Taten zu verdecken, also das muss man sich erstmal geben. Kriminelle Energie um einiges höher als sag ich mal, die Tat an sich noch mal. Ist ja ohnehin schon schwer, aber dann noch mal Brandstiftung, das muss man erstmal Jo. Ja, also. Vor allem, es ist ja auch wirklich.
Ich bin wirklich gespannt, was das für ein Ausmaß noch annehmen wird. Das auch vor allem interessant ist auch also wir uns liegt leider Gottes sage ich mal jetzt die Ermittlungsakte nicht vor. Mich hätte es interessiert, wie denn die Gutachter es festgestellt haben, wie diese Personen wirklich verstorben sind, also.
Es wurde trotzdem ja eben niedergebrannt und da muss man ja dann wahrscheinlich an den Leichen. Noch diese Rückstände, Rückstände. Irgendwie auch gefunden haben. Also da ich dich auch rot ab an die Gerichtsmedizin. Wir kennen ja einige Gerichtsmediziner, vielleicht könnten wir ja einen von denen mal einladen, wenn euch sowas interessiert auch gerne.
Eine kurze Nachricht oder ein Kommentar würde uns freuen. Apropos Gerichtsmedizin. Hatte ich dir von meiner ersten Obduktion mal berichtet. Von deiner ersten Obduktion. Bei der ich teilgenommen habe. Nein, daran würde ich mich definitiv erinnern. Also es ist mindestens ein Jahrzehnt her. Auf jeden Fall.
Da habe ich in Freiburg studiert und ich weiß gar nicht, in welchem Rahmen das überhaupt stattgefunden hat, das ist jetzt so lange her, ich kann mich gar nicht mehr dran erinnern, so wirklich. Auf jeden Fall war das so, dass wir so ne ja Vorlesung Seminar besucht haben im Rahmen dieser ja ich glaub Schwerpunkt war das ich weiß nicht mehr auf jeden Fall. Es gab ne Leichenschau, ne, also es sollte eine Obduktion durch n Gerichtsmediziner durchgeführt werden und die Vorlesung bestand darin, dass man sich da sozusagen daran teilgenommen hat.
Das war so aufgebaut wie n Vorlesungssaal, nur dass die Obduktion in der Mitte durch n Gerichtsmediziner stattgefunden hat und man hat sich so Außenrum hingesetzt. Und es war an einem späten Nachmittag. Gegen Abend war das, und ich war mit einem Freund unterwegs, der übrigens gerade jetzt Richter in Hamburg ist.
Und wir waren aber zu spät. Ne, du kennst mich, ich bin nicht der Pünktlichste, auf jeden Fall waren wir dann dort und es gab nur noch Platz in der 1. Reihe und wir sind dann ganz entspannt dahin gegangen, haben uns hingesetzt und alle haben uns ein bisschen so Geschrägt angeschaut, warum wir uns in die 1.
Reihe setzen. Und der Prof kam dann und hat erstmal uns so angeschaut und hat gemeint, seid ihr sicher, dass ihr da sitzen wollt und hat uns erstmal kotztüten gegeben und wir haben uns schon gefragt sowieso. Präventiv oder wie? Präventiv hier und dann kam eine Wasserleiche. Oh mein Gott. Eine Wasserleiche und es sollte dann obduziert werden.
Schon bei der Vorstellung geht mir schlecht. Was denn was mir? Sowas ursi mal anschauen. Was die Todesursache war und so. Es war halt wirklich sehr, sehr interessant nur für meinen Sitznachbar war die Veranstaltung relativ kurz, weil er ist schon nach 3 Minuten gegangen, weil er sich übergeben musste.
Okay und du, ich hab. Durchgehalten? Tatsächlich. Wirklich? Ich hab das Durst. Zu wenigstens würden. Ja, weil es war schon ein unausstehlicher Geruch vorhanden und du musst halt vorstellen, so eine Obduktion, die dauert halt schon mindestens so 2 Stunden. Es läuft so ab jetzt alle die unter 18 sind ja nicht zuhören, aber die Leiche wird halt komplett sozusagen zerlegt, jedes Organ wird Abgemessen, jedes Organ wird gewogen. Der Schädel wur wird Aufgesägt, die Gehirn, das Gehirn wird rausgeholt.
Das wird gemessen, geschaut und so und so stellen sie dann wirklich einzeln durch diese. Also ein Glaswand oder oder? Nein. Nein, gar nicht. Das war also, das war so vielleicht 2 Meter Abstand von mir, ja, das war wirklich, und jetzt kommt's, jetzt kommt's, als wir uns kennengelernt haben, war ich ja Vegetarier.
Nach dieser Vorlesung bin ich Vegetarier geworden. Ich konnte danach kein Fleisch mehr essen. Habe ich das echt nicht erzählt? Nein. Okay gut. Hast du glaube ich verdrängt? Das habe ich wirklich verdrängt. Meine Traumata, die ich jetzt in dieser Podcast Serien. Warum man überhaupt freiwillig an so einer Vorlesung teilnimmt? Ich weiß auch gar nicht mehr, wieso ich das gemacht habe. Um ehrlich zu sein, naja egal.
Kommen wir zurück zu unserem Fall. Ja, und zwar zum Herzstück unserer heutigen Folge, dem Prozess. Und allein die nackten Zahlen zeigen die Dimension dieses Verfahrens. Prozessbeginn Juli 2025 vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Berlin die Anklageschrift umfasst stolze 255 Seiten, am Ende standen 57 Verhandlungstage an, an denen die Kammer mehr als. 200 Zeuginnen und Zeugen befragt hat Kollegen, Nachbarn, Polizeibeamte, Beamte und Angehörige der Opfer. Und das selbst war deutlich mehr, als das Gericht ursprünglich geplant hatte.
Ja, weil zunächst waren Verhandlungstage bis Ende Januar 2026 terminiert, schon nach 18 Verhandlungstagen zeichnete sich ab, dass das nicht reichen würde, das Gericht plante zusätzliche Termine zunächst bis in den Mai. Und am Ende wurde es dann tatsächlich Juli und das ist einfach typisch für solche Verfahren und kein Zeichen von Chaos, im Gegenteil. Ja, aber fast ein halbes Jahr länger gedauert als geplant. Warum dauert so etwas dann so lange überhaupt? Ja, weil hier nicht ein Mord verhandelt wurde, sondern 15. Und juristisch sind das 15, eigenständige Tatvorwürfe, und jeder einzelne muss natürlich für sich bewiesen werden. Und der Grundsatz ne, wir wissen es alle in dubio poreo im Zweifel für den Angeklagten gilt
für jeden Fall gesondert. Das Gericht muss sich für jede einzelne Tat die volle Überzeugung verschaffen. Todesursache. Tatgelegenheit, Täterschaft, Vorsatz, Mordmerkmale und dazu kommen noch der Anspruch des Angeklagten auf ein faires Verfahren, selbstverständlich und die Rechte der Nebenklage, die wir hier auch hatten, und ein Verhandlungstag pro Mordvorwurf wäre schon sportlich gewesen, und hier waren es im Schnitt fast 4.
Stichwort Nebenklage. Die spielte in diesem Prozess eine große Rolle. Angehörige der Opfer traten nämlich als Nebenkläger aus. Ja, kurzer Einschub für unsere Hörer, die die alten Folgen noch nicht gehört haben. Die Nebenklage, geregelt in den Paragraphen 395 folgende der Strafprozessordnung, gibt Angehörigen von Getöteten eine aktive Rolle im Verfahren. Sie sitzen nicht nur als Zuschauer im Saal, sondern haben eigene Anwälte, dürfen Fragen stellen, Anträge stellen. Dürfen plädieren und bei Tötungsdelikten ist das für viele Familien enorm wichtig.
Es gibt ihnen eine Stimme im Verfahren. Und diese Stimmen gehörten zu den eindrücklichsten Momenten des Prozesses. Der Sohn einer 72 jährigen, die im Juli 2024 starb, sagte aus, seine Mutter habe Pläne gehabt, habe, mit ihrer Schwester an die Ostsee reisen wollen. Er sagte, meine Mutter wollte weiterleben und die Mutter der fünfundzwanzigjährigen Patientin weinte im Gerichtssaal und berichtete, ihre Tochter habe nie davon gesprochen, nicht mehr lieben zu wollen. Diese Aussagen waren nicht nur emotional sehr mitnehmend sie waren Beweisrechtlich auch sehr zentral. Absolut.
Zentral. Denn erinnern wir uns an die spätere Verteidigungslinie des Angeklagten. Nämlich Erlösung von Leid. Ich habe das kurz angeschnitten, plädierte sozusagen auch in Richtung Sterbehilfe, und genau dagegen standen diese Zeugenaussagen, also wenn Angehörige Fall für Fall schildern, dass die verstorbenen Zukunftspläne hatten, Reisen, Familienfeste, Behandlungstermine, dann erträgt die Erzählung vom leidenden Sterbenden die. Der erlöst werden wollte, einfach nicht mehr. Die Kammer hat sich hier über Monate ein Bild von jedem einzelnen Opfer gemacht, das ist natürlich mühsam, aber genauso entsteht die Feststellung, die die Richterin am Ende so klar formuliert hat, und das war auch
wirklich ein eindrucksvoller Moment, diese Patienten wollten leben. Ja, vielleicht hätten sie ansonsten auf Palliativmedizin verzichtet? Ja, auf jeden Fall. Neben den Zeugen war dieser Prozess vor allem 1 ein Gutachten Prozess, lass uns das Aufdröseln. Ich liebe es. Wie beweist man Morde, die nach außen wie natürliche Todesfälle schwerkranke aussahen? Über 3 Beweisebenen also und alle 3 haben wir in diesem Verfahren wirklich gesehen.
Ich muss sagen, als Jurist war dieser Prozess ein Zuckerschlecken, muss man sagen, jetzt an dieser Stelle kurz, weil es war wirklich, es ging hoch und runter, ich habe das ja auch mitverfolgt, und das war sehr, sehr interessant, also die erste Ebene. Die Rechtsmedizin und die Toxikologie im Zuge der Ermittlungen wurden mehrere Leichen exhumiert und Rechtsmedizinisch untersucht.
Dazu erstellten die Sachverständige toxikologische Gutachten und allein am 18 Verhandlungstag ging es um toxikolische Gutachten zu 5 Fällen und diese Gutachten förderten das entscheidende Muster zutage, nämlich bei den Untersuchungen wurden wiederholt Rückstände eines Toxikolischen. Muskelrelaxanz gefunden. Das ist ein Medikament, dass die Muskulatur lähmt und ohne künstliche Beatmung binnen Minuten zum Atemstillstand führt, und das hat ein Toxikologe der Kammer genau erläutert und ein solches Mittel hat in der ambulanten Palliativversorgung ohne Beatmung schlicht nichts zu suchen und.
Und nach dem Bild der Anklage wurden die Patienten zunächst betäubt und erhielten dann dieses Mittel. Mehr Details braucht es nicht, finde es aber entscheidend ist, der Fund war medizinisch durch nichts zu erklären. Und die zweite Ebene? Genau das war die digitale Spurensuche und die Dokumentenlage.
Die Ermittler werteten die Mobiltelefone des Arztes aus und erstellten Bewegungsprofile und. War er zur fraglichen Zeit am fraglichen Ort? Sie fragten bei Apotheken ab, ob und wann er mir muskelrelaxanz bestellt hatte, dazu die Patientenakten, Medikamentendokumentation, Dienstpläne und dann die dritte Ebene ist die Musteranalyse die auffällige Häufung von Todesfällen im unmittelbaren Umfeld seiner Hausbesuche, für sich genommen kein Beweis zwar, aber in der Gesamtschau ein starkes Indiz dafür.
Und am Ende ist das ein klassischer Indizienprozess, also sprich kein einzelnes Beweisstück überführt den Täter, sondern die geschlossene Kette dieser Indizien. Also ein Mosaik. Genau. Und das erklärt auch, warum zunächst nur 4 Fälle im Raum standen, dann 15 angeklagt wurden und. 76 weitere noch geprüft werden. Genau angeklagt wird nur, was sich mit der für eine Verurteilung erforderlichen Sicherheit beweisen lässt. Ein Fall, in dem der Verstorbene eingeäschert wurde und die Aktenlage dünn ist, kommt möglicherweise nie zur Anklage. Selbst wenn ein Verdacht bleibt.
Und dann gab es noch ein viertes, ganz besonderes Gutachten, dass psychiatrische. Und da wird es richtig interessant, denn Johannes hat das Gespräch mit der psychiatrischen Sachverständigen komplett verweigert. Ja, was er, was er auch darf, die Mitwirkung an der eigenen Begutachtung ist freiwillig. Das erfolgt aus dem Grundsatz, dass sich niemand selbst belasten muss, aber, und das wissen viele nicht, das verhindert das Gutachten nicht, ja, und die Sachverständige hat ihn stattdessen über Monate in der Hauptverhandlung beobachtet. Und die Angaben der über 200 Zeugen ausgewertet. Kindheit, Werdegang, Verhalten im Beruf, man nennt das ein Gutachten nach Aktenlage und Verhaltensbeobachtung. Und wie ist das Ergebnis
ausgefallen? Voll schuldfähig, volle Kanne sie stellte fest, dass sich keine Störung finden lässt, die die Schuldfähigkeit auch nur ansatzweise zur Diskussion stellen würde. Was sie beschrieb, war etwas anderes, nämlich eine Selbstunsicherheit, die bereits in der Kindheit begonnen habe, und ein Mann, der sich ausgesprochen stark über seinen Beruf definierte.
Zeugen beschrieben ihn als den netten, lieben, hilfsbereiten, eine ehemalige Kollegin sprach sinngemäß von einer perfekt glatten Oberfläche, hinter der nichts zu erkennen war, das. Heißt kein psychischer Ausnahmezustand. Ja, also. Erklär uns einen höheren kurz, warum dieses Gutachten so wichtig war.
Weil an der Schuldfähigkeit natürlich alles hängt, wäre er schuldunfähig. Nach 20 st. Gb gewesen, gäbe es keine Strafe, sondern die Unterbringung in eine Psychiatrie bei erheblich verminderter Schuldfähigkeit nach 21 Strafgesetzbuch wäre eine Strafminderung möglich gewesen und vor allem. Das das, was wir ganz am Anfang gesagt haben, die Feststellung der besonderen schweren der Schuld und die Sicherheitsverwahrung, wären auf wackligem Fundament gestanden und mit dem Befund voll schuldfähig war dieser Fluchtweg hier auch für die Verteidigung versperrt.
Es gibt keine Krankheit, in der sich diese Taten einfach verstecken lassen, das war ja seine freie Entscheidung. Ja, vor allem Sicherungsverwahrung. Das heißt ja, dass. Er, obwohl er dann irgendwann vielleicht seine Spruch Strafe abgebüßt hat. Trotzdem. Der kommt nie raus. Ja, das muss ja noch mal extra geprüft werden.
Ab und wann und wen, das ist ja auch ein heftiger Grundrechtseingriff, aber ja. Und der Angeklagte? Der schwieg ja zum Fall. Fast 2 Jahre lang, seit seiner Festnahme im August 2024 und im Prozess Verhandlungstag um Verhandlungstag kein Wort zu den Vorwürfen. Was, das muss man juristisch sauber einordnen.
Sein gutes Recht ist. Niemand muss sich im Strafverfahren selbst belasten und das Schweigerecht ist ein Kernstück des rechtsstaatlichen Verfahrens. Deswegen sagen wir auch immer schweigendes Gold als Rechtsverteidiger. Aus dem Schweigen allein dürfen keine nachteiligen Schlüsse gezogen werden. Aber für Angehörige, die auf Antworten hoffen, ist das natürlich eine Qual. Ja, also wenn man schweigt, wird man ja vielleicht denken okay wer schweigt, hat was zu verbergen, aber das ist genau nicht der Fall.
Nicht dem Strafprozess. Ja. Okay ich sage nichts dazu. Und dann am 54 verhandlungstag, dem 25 Juni 2026 kurz vor dem Ende der Beweisaufnahme, nach fast einem Jahr Prozess, die überraschende Wendung, Johannes bricht plötzlich sein Schweigen und sagt, ich zitiere, Ich bin erst jetzt in der Lage, mein Handeln zu erklären.
Und er gesteht 12 der 15 Angeklagten taten. Und jetzt wird es spannend. Denn entscheidend ist nicht nur, dass er gestanden hat, sondern wie. Er erklärte nämlich, er habe geglaubt, schwerstkranke Menschen von ihrem Leid zu erlösen. Er bat die Angehörigen, seine Familie und seine Kollegen um Entschuldigung. Und das war.
Das ist, das ist juristisch betrachtet jetzt keine bloße Entschuldigung. Ja, das muss man ja auch jetzt bisschen so den Zuhörern etwas näherbringen, sondern das ist eine Verteidigungsstrategie womöglich der Verteidigung gewesen. Aber ich finde, wenn man diese Verteidigungsstrategie. Ach so, du meinst, er wollte vielleicht Reue. Zeigen ja, natürlich ja, aber wenn man diese Verteidigungsstrategie an den Tag legt, dann hätte er. Nicht jetzt ein Jahr lang den Prozess und alle Zeugen aussagen.
Also Entschuldigung 2 Jahre lang durch. Ja, 2 Jahre, 2 Jahre gesagt. Nichts gesagt und dann am Ende der Beweisaufnahme sagt er ja, OK, Entschuldigung, es tut mir leid, ich gestehe 12 Taten ist ja ohnehin bewiesen worden, jetzt versuche ich noch mal irgendwie das kurz vor Schluss noch mal gerade zu Entschuldigung gerade zu biegen und wer sagt ich wollte leiden beenden.
Der zielt hier auf die Kategorie der Sterbehilfe, wie ich das schon mehrmals angesprochen habe, zumindest auf ein Handeln aus Mitleid. Und das hätte natürlich massive rechtliche Konsequenzen haben können. Ein Handeln aus Mitleid kann im Einzelfall gegen niedrige Beweggründe sprechen, also gegen ein zentrales Mordmerkmal.
In eine ähnliche Richtung geht die Tötung auf Verlangen nach Paragraph 216 Strafgesetzbuch. Und setzt allerdings ein ausdrückliches und ernstliches Verlangen des Getöteten voraus und ist mit 66 Monaten bis 5 Jahren Freiheitsstrafe ein völlig anderes Kaliber als Mord auf. Jeden Fall. Und ja. Weniger als 15. Definitiv.
Und da war wahrscheinlich Verteidigungsstrategie. Ich will ja auch jetzt den Kollegen, die ihn jetzt vertreten haben, jetzt auch gar nichts Böses irgendwie an haften. Aber so ein Geständnis legt man nicht nach einem Jahr Prozess ab oder lässt den Mandanten auch nicht nach einem Jahr ablegen. Meinst du es wäre besser, wenn er von vornherein das eingeräumt hätte?
Selbstverständlich also, wenn man ein Geständnis ablegen möchte, dann läuft das so ab, dass man auch vielleicht ein Rechtsgespräch sucht mit der Staatsanwaltschaft und mit der Kammer und sagt, OK, Leute hier, wir werden uns geständig einlassen. Wir brauchen nicht 200 Zeugen, wir brauchen keine 5 Sachverständigengutachter et cetera. Mein Mandant wird hier so und so viele Taten einräumen. Und das Urteil wäre dann auch dementsprechend, also milde ausgefallen.
Vielleicht. Das kommt natürlich drauf an, aber grundsätzlich ja, das ist ja auch eine Entlastung A für die Justiz, Entlastung für die ganzen Nebenkläger, weil sie das ganze Leid nicht noch mal von vorne erleben müssen mit den ganzen Zeugen, und das hat natürlich eine ganz andere Dimension. Und eine ganz andere Dynamik im Prozess, als wenn man da jetzt komplett das volle Programm durchzieht. Und dann kommt ein Geständnis am letzten Verhandlungstag und sagt ja oder am letzten Beweisaufnahmetag und sagt, OK, ich gestehe jetzt doch alles auf einmal. Und ja, übrigens, Entschuldigung, ich wollte nur helfen, oder?
Ja, der wollte jetzt auf die auf die Sterbehilfe da bisschen sozusagen das Thema lenken. Aber ja. Gewiss, man, also ich, kann mir natürlich vorstellen, ja, dass ein Arzt, der schwerstkranke Menschen behandelt, natürlich auch Mitleid hat, aber dazu gibt es gleich näheres. Kommen wir zu den Plädoyers. Was haben die Parteien überhaupt beantragt? Also die Staatsanwaltschaft forderte nach der fast einjährigen Verhandlung das volle Programm. Lebenslange Haft wegen Mordes in 15 Fällen die Anklage ging von Heimtücke und sonstigen niedrigen Beweggründen aus, dazu die Feststellung der besonderen Schwere der Schuldsicherungsverwahrung im Anschluss an die Haft und ein lebenslanges Berufsverbot.
Die Verteidigung hat interessanterweise gar nicht auf Freispruch plädiert angesichts des Geständnisses in 12 Fällen wäre das auch kaum darstellbar gewesen, sie ging selbst von einer lebenslangen Freiheitsstrafe aus, beantragte aber. Weder die besondere Schwere der Schuld festzustellen noch Sicherungsverwahrung anzuordnen, also ein Kampf nicht mehr um das ob der Verurteilung, sondern eher um die Frage, ob es je wieder eine Perspektive auf Freiheit geben wird. Aber die Erzählung von der Erlösung, die hat das Gericht ihm nicht abgenommen.
Ja, im Gegenteil, die Vorsitzende Richterin. Hat sie in der Urteilsbegründung regelrecht zerlegt. Absolut. Und zwar mit einer bemerkenswerten Deutlichkeit. So auseinandergenommen. Ja, und das Gericht stellte nämlich fest, die Patienten wollten leben, ihr Tod stand nicht unmittelbar bevor und es gab auch kein Verlangen, keine Bitte oder Einverständnis.
Die Richterin sagte, der Angeklagte habe sich Überleben und Tod erhoben und zur Motivlage selbst stellte das Gericht dann fest, er habe nicht aus Mitleid getötet, nicht aus falsch verstandener Sterbehilfe, nicht aus Überforderung, sondern weil er unbehelligt dazu einfach in der Lage war, um als selbstunsicherer Mensch daraus ein Gefühl.
Größtmöglicher Macht zu ziehen. Das ist vielleicht die wichtigste Passage des ganzen Urteils, finde ich. Denn damit hat das Gericht die Weichen für alles weitere gestellt, für die Mordmerkmale, für die besondere Schwere der Schuld und für die Sicherungsverwahrung. Und die Richterin nannte ihn ausdrücklich einen Serienmörder und sagte, die Abgeurteilten Taten seien wahrscheinlich Achtung. Die Spitze des Eisbergs.
Ach ja, das lässt schon tief blicken. Und jetzt kommen wir nämlich zu dem Punkt, dass in den weitere 76 Fälle ermittelt werden. Also ich sag's mal jetzt ganz blöd, aber selbst wenn er die weiteren 76 Fälle begangen haben sollte. Gibt's ja nicht mehr als mehr. Das, was er sowieso ohnehin kassiert, lebenslang schwere, das Schuldsicherungsverwahrung, ja.
In Deutschland gibt es ja nicht irgendwie 300 Jahre. Ja, also von daher. Klar ist es interessant herauszufinden, ob er dahinter steckt, aber bleibt spannend. Ja, kommen wir aber mal zu der rechtlichen Analyse, warum Mord Mord ist. Ja, in 211. St. Gb geregelt. Was musste das Gericht hier feststellen?
Also für alle Jurastudierende und auch nicht jurastudierende und Interessenten und Interessenten. Strafgesetzbuch Strafrecht besonderer Teil also im deutschen Strafrecht ist nicht jede vorsätzliche Tötung. Mord der Grundtatbestand ist der Totschlag, 212 STGB und Freiheitsstrafe nicht unter 5 Jahren Mord, wird eine Tötung erst durch die sogenannten Mordmerkmale, die in Paragraph 211 STGB geregelt sind und nur Mord führt zwingend zur lebenslangen Freiheitsstrafe. Und im vorliegenden Fall kommen ja jetzt mehrere Mordmerkmale in Betracht, wie du gesagt.
Hast genau an erster Stelle die Heimtücke. Heimtücke tötet nach ständiger Rechtsprechung, wer die arg und Wehrlosigkeit des Opfers bewusst zur Tötung ausnutzt und jetzt überlegen wir mal, was hier passiert ist. Ein schwerkranker Mensch liegt in seinem Bett, zu Hause, sein Arzt kommt zum Hausbesuch, dieser Mensch ist nicht nur körperlich wehrlos, er ist vor allem arglos, er vertraut darauf, dass die Spritze, die Infusion, das Medikament.
Ihm helfen wird und auch hilft. Und es gibt kaum eine Konstellation, in der Arg und Wehrlosigkeit ausgeprägter sein können als beim Patienten gegenüber seinem behandelnden Arzt. Ja, diese Patienten haben nicht einmal die Kraft, selber hinzugehen. Ja, eben ja. Das Vertrauensverhältnis wird hier zur Tatwaffe. Genau das und daneben stehen hier die niedrigen Beweggründe. Beweggründe, die nach allgemeiner sittlicher Wertung auf tiefster Stufe stehen.
Und das Gericht hat die Motivlage ja festgestellt. Du hast es ja eh vorhin gesagt, Machtgefühl töten, weil man es unbehelligt kann, die Selbsterhöhung Überleben und Tod und wenn man diese Feststellung mal zugrunde legt, liegt hier ein niedriger Beweggrund auf der Hand, das ist gewissermaßen ein Lehrbuchbeispiel für ein Tötungsmotiv auf tiefster Stufe.
Welche Mordmerkmale die Kammer im Einzelnen bejaht hat, wird sich aus den schriftlichen Urteilsgründen ergeben. Die liegen naturgemäß noch nicht vor und aber kommen wahrscheinlich in den nächsten Monaten. Und warum war die Sterbehilfeerzählung letztlich so gefährlich für die Anklage? Ja, weil sie genau an diesen Merkmalen rüttelt, hätte das Gericht ihm abgenommen, dass er aus Mitleid wirklich handelte, wäre zumindest.
Über die niedrigen Beweggründe ernsthaft zu diskutieren gewesen. Deshalb war die Beweisaufnahme zu den einzelnen Fällen in dem Fall so wichtig. Waren die Patienten wirklich im Sterbeprozess, gab es Äußerungen, sterben zu wollen und die Antwort des Gerichts war ja eindeutig, wie du es gesagt hast, absolut nein, nein, nein, nein, diese Menschen wollten leben und.
Und damit bricht die Mitleidserzählung hier in sich zusammen. Und deswegen hat auch die Vorsitzende das ihm nicht abgekauft oder die Kammer, sagen wir mal denn Sicherheits, äh, Sorry, Sicherungsverwahrung kommt ja erst bei mehreren Merkmalen in Betracht, und wenn 1 weggefallen wäre, dann wäre Sicherungsverwahrung auch weggefallen. Ja, es wäre auf jeden Fall vielleicht auch ein guter Wohnbegriff gewesen.
Also ich höre dir zu. Ja. Sehr gut. Meine beste Schülerin. Genau. Und dazu passt, dass das Geständnis erst nach einem Jahr Beweisaufnahme kam, als die Beweislage wirklich erdrückend gewesen sein dürfte. Ja, das ist der Punkt, den man als Strafverteidiger nüchtern sehen muss. Ein Geständnis ist grundsätzlich ein strafmilderungsgrund es zeigt Verantwortungsübernahme und erspart auch die Beweisaufnahme.
Aber ein taktisches Geständnis am Ende des Prozesses, wenn die Beweise ohnehin auf dem Tisch liegen, hat ein ganz anderes Gewicht als ein frühes. Wie schon gesagt, ein vollständiges Geständnis. Und bei Mord ist der Spielraum ohnehin minimal. Lebenslang ist lebenslang ja, da gibt es kein Strafrahmen, in dem man nach unten gehen könnte, die eigentliche Musik spielt bei der besonderen Schwere der Schuld, und da hat ihm das späte Geständnis erkennbar nicht nicht mehr geholfen, einfach. Dann lass uns genau da weitermachen. Was hat das Gericht heute im Einzelnen verhängt? 4 Dinge erstens lebenslange Freiheitsstrafe, das ist beim Mord die absolute zwingende Strafe. Wichtig zu wissen.
Lebenslang heißt in Deutschland nicht automatisch bis zum Lebensende nach Paragraph 57 ASTGB kann die Reststrafe frühestens nach 15 Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden, aber nur, wenn nicht die besondere Schwere der Schuld entgegensteht. Und die hat das Gericht aber festgestellt. Das war Nummer 2.
Ja, genau, die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld bedeutet die Fünfzehnjahrestür ist ihr zu. Das Vollstreckungsgericht muss später bestimmen, wie lange über die 15 Jahre hinaus vollstreckt wird, bei 15 Morden über 3 Jahre an Schutzbefohlenen und der Ausnutzung des Arztberufes, da wird diese Frist sehr deutlich über 15 Jahre liegen, also.
Typische Kriterien sind eben Mehrfachtötungen, die Tatserie, die besondere Verwerflichkeit der Tatausführung. Und Nummer 3? Ja, und das ist juristisch die stärkste. Vor dem nicht die stärkste und die schärfste Waffe, würde ich sagen. Die Sicherungsverwahrung. Die unser Recht kennt. Ja, Sicherungsverwahrung ist in 66 STGB geregelt, es ist keine Strafe, sondern die Maßregel der Besserung und Sicherung.
Sie bedeutet, selbst wenn die Strafe irgendwann vollständig verbüßt wäre, hypothetisch kommt der Verurteilte nicht frei, solange er als gefährlich gilt, bei lebenslanger Freiheitsstrafe plus. Mit besonderer Schwere der Schuld ist die praktische Botschaft dieser Kombination unmissverständlich. Das Gericht geht davon aus, dass dieser Mann die Freiheit nie, nie, nie wieder sehen soll.
Erinnert euch an die Plädoyers genau um diese Punkte, um diese beiden Punkte hatte die Verteidigung gekämpft, das Gericht folgte stattdessen vollständig dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Interessant ist übrigens hier, dass die psychiatrische Sachverständige die. Die Schuldfähigkeit klar bejaht sich mit der langfristigen Gefährlichkeitsprognose aber deutlich schwerer getan hatte.
Für die Anordnung der Sicherungsverwahrung ist. Genau diese ist genau diese Prognose der zentrale Baustein, und hier hat sich die Kammer erkennbar festgelegt. Ich meine, ich kann das auch verstehen, weil wenn ihm ein Berufsverbot verhängt wird, kommt er ja auch nicht mehr an die Patienten oder an an diese Medikation.
Dann kann er ja auch nicht so leicht halt weitermachen, wo er aufgehört hat, oder? In dir steckt doch eine gute Strafverteidigerin. Vielleicht wolltest du zurück zu ihrem Strafrecht kommen. Nee, ich hab's ja mal versucht, aber irgendwie, ich bin ja eine leidenschaftliche Erbrechtlerin und Familienrecht mag ich auch sehr gerne, da fühle ich mich auch gut aufgehoben. Nein, danke.
Versuchs was wert. Läuft. Okay ja, aber guter Ansatz. Ich halte die Strafverteidigung vielleicht auch bestimmt an den Tag gelegt, aber wir haben hier noch das lebenslange Berufsverbot noch verhängt bekommen, das ist in 70 ST. Gb geregelt, ein Berufsverbot kann verhängt werden, wenn jemand seinen Beruf zur Begehung von Straftaten missbraucht und. Und hier ist es lebenslang sogar ausgesprochen worden. Er darf also nie wieder als Arzt arbeiten, man könnte sagen symbolisch angesichts der Haftperspektive, aber es ist die konsequente Antwort auf den Kern dieses Falles, die Tat aus dem Beruf heraus und unabhängig wird auch die Approbation Ärzte rechtlich zu entziehen sein, das läuft aber auf Verwaltungsschiene.
Du sagtest ja bereits, dass das Urteil noch nicht rechtskräftig ist. Was ist denn mit der Revision jetzt? Also grundsätzlich erstmal gegen ein erstinstanzliches Urteil des Landgerichts gibt es keine Berufung, sondern nur die Revision zum Bundesgerichtshof und die Revision ist keine zweite Tatsacheninstanz, sondern der BGH prüft nur Rechtsfehler, das heißt Verfahrensfehler, fehlerhafte Beweiswürdigung im rechtlichen Sinne, falsche Rechtsanwendung und. Und angesichts des Geständnisses in 12 Fällen dürften die Angriffspunkte ich halte mich etwas zur grö, aber begrenzt sein, und denkbar sind sie am ehesten bei den 3 nicht gestandenen Fällen und bei den Anordnungen zur Sicherungsverwahrung.
Ob Revision eingelegt wird, wissen wir stand heute nicht. Ja. Wir haben ja gesagt, es gibt noch weitere 76 Verdachtsfälle und das macht ja diesen Fall möglicherweise historisch. Die Staatsanwaltschaft Empelt noch und geht davon aus, noch in diesem Jahr eine weitere Anklage zu erheben. Und Johannes selbst hat in seinem letzten Wort etwas Bemerkenswertes gesagt.
Er kündigte an, sich im kommenden Verfahren deutlich früher einzulassen. Ja, was für sich genommen schon eine außergewöhnliche Aussage ist. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Ein Verurteilter, der das nächste Verfahren gegen sich quasi einpreist. Aber, und das kann ich nicht oft genug sagen, für jeden Einzelnen dieser Fälle, dieser einzelnen 76 Fälle gilt die Unschuldsvermutung.
Verdachtsfall heißt, die Ermittler prüfen es gerade noch, mehr nicht, wie viele dieser Fälle je zur Anklage kommen und wie viele davon zu einer Verurteilung führen, ist völlig offen. Aber dass er das alleine so gesagt hat, belegt ja, dass da noch was ist. Ja, und eine Frage, die sich viele höhere jetzt sicherstellen. Er hat doch schon lebenslang mit besonderer Schwere der Schuld und Sicherungsverwahrung bekommen. Was bringt ein zweites Verfahren überhaupt noch? Ja, eine sehr berechtigte Frage.
Das habe ich ja schon vorhin kurz angepriesen. Praktisch kann die Strafe ja kaum noch schärfer werden, weil mehr als lebenslang gibt es ja nicht bei mehreren lebenslangen Freiheitsstrafen wird als Gesamtstrafe wiederum oft lebenslang erkannt. Aber hier, also um das jetzt mal juristisch richtig einzuordnen, ein zweites Verfahren hätte trotzdem hier eine enorme Bedeutung, und zwar auf 3 Ebenen. Erstens für die Angehörigen der weiteren mutmaßlichen Opfer natürlich, die haben einen Anspruch darauf, dass der Tod ihrer Familienmitglieder aufgeklärt und wenn es eine Tat war, auch als solche festgestellt wird. Für diese Familien macht es einen fundamentalen Unterschied, ob der Tod ihres Vaters oder
ihrer Mutter oder. Verwandten Bekannten offiziell ein natürlicher Tod bleibt oder als Mord qualifiziert wird. Auf jeden Fall ja, und zweitens für die Vollstreckung jede weitere Verurteilung zementiert die Gefährlichkeitsprognose des Angeklagten und wirkt sich auf die Mindestverbüßungsdauer aus, die das Vollstreckungsgericht wegen der besonderen Schwere der Schuld festzulegen haben wird und drittens auch natürlich hier die historische Wahrheit, es geht schlicht darum, dass das tatsächliche Ausmaß dieser Serie mal festzustellen, also wir haben das ja ganz am Anfang gesagt, wir haben hier womöglich die größte Mordserie der Nachkriegsgeschichte, und ja, mal schauen. Ja, bleibt abzuwarten.
Und er selbst hat ja angekündigt, sich früher einzulassen, wenn es so weit kommen sollte. Und was heißt das strategisch? Wenn man es nüchtern liest, er hat verstanden, dass ihm das monatelange Schweigen im ersten Prozess nichts gebracht hat und ein frühes Geständnis im zweiten Verfahren würde die Hauptverhandlung erheblich verkürzen, was übrigens auch den Angehörigen eine monatelange Preisaufnahme ersparen könnte und an seiner Haftsituation ändert es, wie gesagt, praktisch nichts.
Mehr er hat ja nichts mehr zu verlieren. So sieht es aus. Sollte es zu weiteren Verhandlungen in dieser Größenordnung kommen, würde Johannes einen düsteren Rekord brechen. Bislang gilt die Serie des Ex Pflegers aus Niedersachsen, Nils. Genau, Nils, genau Nils. Als größte Mordserie der deutschen Nachkriegsgeschichte 2019 wurde er wegen 85 Morden. Zu lebenslanger Haft verurteilt.
Wobei man ja aus dem Fall Niels weiß, dass die tatsächliche Opferzahl vermutlich noch höher lag, weil viele Fälle waren schlicht nicht mehr beweisbar, weil verstorbene Eingeächert waren. Und das führt uns zur eigentlichen Systemfrage, finde ich, die beide Fälle hier verbindet. Warum fällt so etwas nicht früher auf? Ja.
Hier 3 Jahre 15 festgestellte Morde und möglicherweise weit mehr. Und niemand merkt etwas. Ja, der wunde Punkt ist die Leichenshow. Wenn ein Palliativpatient stirbt und ist der Tod hier erwartbar und die Todesbescheinigung stellt oft genau der behandelnde Arzt aus. Das ist ja das Problem hier, sage ich mal. Und im Extremfall bescheinigt der Täter also selbst die. Den natürlichen Tod seines Opfers also ne, das ist eine strukturelle Schwachstelle, über die nach dem Fall Niels intensiv diskutiert wurde, unter anderem mit Forderungen nach einer verpflichtenden zweiten unabhängigen Leichenschau, vor Feuerbestattungen und besseren Kontrollmechanismen bei auffälligen Sterbehäufungen.
Dieser Fall wird diese Debatte mit Sicherheit neu entfachen. Ja, und noch etwas wird bleiben. Der Schaden für einen ganzen Berufsstand. Die Richterin hat das heute auch ausdrücklich angesprochen, das Gericht habe im Prozess ein gutes Bild von der verantwortungsvollen Arbeit der Palliativmedizin gewonnen, und der Angeklagte habe diese Arbeit durch seine Taten in Verruf gebracht.
Ja, das ist mir wirklich wichtig, auch zu betonen. Ich muss sagen, Palliativmedizin ist ein wirklich Segen. 10 tausende Ärztinnen, Ärzte, Pflegekräfte leisten diesen Bereich tägliche harte Arbeit, die man gar nicht hoch genug schätzen kann. Und dieser Fall ist die absolute extreme Ausnahme und er darf niemanden davon abhalten, palliativmedizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, und das ist sehr, sehr wichtig, dass wir, glaube ich, mitgehen müssen.
So, ich würde an dieser Stelle noch mal kurz zusammenfassen. Das Landgericht Berlin hat Johannes heute wegen Mordes in 15 Fällen zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Die besondere Schwere der Schuld festgestellt, Sicherungsverwahrung angeordnet und ein lebenslanges Berufsverbot verhängt. Das Gericht sah keinen Mitleidstäter, sondern einen Serienmörder, der aus einem.
Machtgefühl, Heraustötete und der seine Taten hinter der Natürlichsten aller Fassaden verbarg, dem Sterben schwerkranker Menschen. Und ganz wichtig, noch mal, das Urteil ist nicht rechtskräftig. In den 76 weiteren Verdachtsfällen gilt die Unschuldsvermutung uneingeschränkt, aber es spricht vieles dafür, dass wir über diesen Fall noch einmal sprechen werden, wenn die angekündigte zweite Anklage kommt. Ja.
An dieser Stelle möchte ich auch unser Mitgefühl aussprechen für die Angehörigen der Opfer, den Familien, die ihre liebsten einem Arzt anvertraut haben und die heute nach einem Jahr Prozess zumindest ein erstes Stück Gewissheit haben. Und hiermit kommen wir zum Ende unserer Podcast Folge. Wenn euch diese Folge gefallen hat, abonniert uns gerne auf Spotify und youtube und folgt uns auf Instagram.
Dort ordnen wir aktuelle Redsthemen regelmäßig kurz und Einverständlich ein und verweisen auch auf die nächste Folge, was kommen wird. Ja, vielen Dank fürs Zuhören. Das war bei Rector and bei Rector True Crime and Law und. Bis zur nächsten Folge gegangen. Passt auf euch auf, bleibt vorsichtig, achtsam Crime and.