BAYRAKTAR + BAYRAKTAR - True Crime and Law· Staffel 1· Folge 17

Der Fall Fabian aus Güstrow - Teil 2: Was spricht für, was gegen Gina H.?

Dienstag, 30. Juni 2026 · 38 min

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Shownotes

# 17: 🎙️ Ein Tümpel im Wald bei Klein Upahl. Eine Nacht im Oktober, lange bevor irgendjemand sonst diesen Ort kennt. Und ein Satz, der einem Zeugen bis heute nicht aus dem Kopf geht: "Jemand muss diesen Ort gekannt haben."
In Teil 2 unserer Sonderserie "Der Fall Fabian aus Güstrow" nehmen sich die beiden Rechtsanwälte und Ehepaar Nurcan und Sayil Bayraktar den eigentlichen Tatvorwurf vor: die Beziehung, die alles ausgelöst haben könnte, die Beweise, die seit Ende April vor dem Landgericht Rostock zusammengetragen wurden – Funkstille im Todeszeitraum, zwei Männer, die unabhängig voneinander zum Tümpel geführt wurden, ein Indiz, das sich als falsch herausstellte, und die Einschätzung eines Profilers, der von einer geplanten Tötung spricht.
Mit Stand Verhandlungstag 15 wird eine erste Gesamtbilanz gezogen: Was spricht gegen Gina H. und was begründet Zweifel?

⚖️ Zwei Rechtsanwälte. Zwei Perspektiven. Eine Akte. Keine vorgefertigten Urteile.
🎙️ Teil 3 folgt in Kürze.

Hinweis: Diese Folge behandelt den Tod eines Kindes. Gina H. hat sich bislang nicht zur Sache geäußert; für sie gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglicher Gerichtsberichterstattung, Stand 26. Juni 2026.

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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Ein Tümpel mitten im Wald bei Kleinupal kaum einsehbar, 70 Meter vom nächsten Feldweg, ein Ort, den man nur kennt, wenn man ihn schon einmal gesehen hat. 13 Oktober 2025 mitten in der Nacht, dort steht ein Mann mit einer Taschenlampe, neben ihm eine Frau. Sie sagt einen Satz, der ihm bis heute vor Gericht nicht aus dem Kopf geht.

Jemand müsse diesen Ort gekannt haben, er eigne sich gut, um jemanden wörtlich bewusst zu entsorgen. Eine Woche zuvor verschwand der achtjährige Fabian aus Güstrow, diese Frau steht an diesem Tümpel, lange bevor irgendjemand sonst von ihm weiß. 8 Monate später derselbe Tümpel jetzt im Landgericht Rostock. Ein Profiler sagt einen anderen Satz, Es war eine geplante Tötung, was zwischen diesen beiden Sätzen liegt, erzählen wir jetzt Buy.

Doc Tan Buy Willkommen bei bei Ractar and bei ractar True Crime and Law. Ich bin Nojan bei Ractar Rechtsanwältin mit Schwerpunkt Erb und Familienrecht mit dem eigentlichen Strafprozess habe ich beruflich also eher selten zu tun. Aber gerade deshalb schaue ich auf diesen Fall vielleicht mit etwas anderen Augen auf die Familie, auf die Beziehungen, auf das, was zwischen den Menschen wirklich passiert ist. Ich bin Silberlak Dash Strafverteidiger und Rechtsanwalt.

Ich bringe heute den juristischen Senf dazu, aber ich verspreche in kleinen Portionen, wir wollen heute euch in diesem Fall mitnehmen, nicht durch ein Lehrbuch. In Teil 1 haben mir erzählt, wer Fabian war, wer Gina h. Ist und was am 10. Oktober 2025 passiert sein soll. Heute geht es um 3 Dinge, den genauen Tatvorwurf, die möglichen Hintergründe und die Beweise, die seit Ende April vor dem Landgericht Rostock auf den Tisch gekommen sind.

Mittlerweile gab es 15 Verhandlungstage und wir fassen die wichtigsten Entwicklungen für euch zusammen. Ein Satz vorweg, weil er uns durch die ganze Folge begleiten wird. Alles, was wir gleich erzählen, ist Anklage, Zeugenaussage oder Sachverständigengutachten. Kein Urteil für Gina gilt noch die Unschuldsvermutung bis zum letzten Tag dieses Prozesses. Fangen wir mit dem an, was schwarz auf weiß in der Anklageschrift steht.

Am Vormittag des 10. Oktober 2025 ist Fabian allein zu Hause krank, ein verlängertes Wochenende quasi. Seine Mutter ist zur Arbeit, bis 10:51 Uhr ist er online, zockt auf seinem Handy. Und dann? Laut Anklage holt Gina ihn ab, nicht mit Gewalt, sie soll ihm, so hat das später gehörte Profiler formuliert.

Einen positiven Anreiz gesetzt, das Haus zu verlassen, etwas, das attraktiv genug war, dass ein Achtjähriger sein Handy, sein Geld alles liegen lässt und einfach mitgeht. Das ist, wenn man kurz innehält, fast das Verstörendste an der ganzen Geschichte. Es brauchte offenbar keine Drohung, es brauchte nur Vertrauen.

Und sie fährt mit ihm 15 Kilometer aus Güstrow heraus nach kleinupal. Dort, an diesem kaum einsehenbaren Tümpel, soll sie unvermittelt zugestochen haben, mindestens 6 mal in Brust und Oberkörper, 2 Stiche direkt ins Herz. 6 Stiche, das ist eine Zahl, die uns später noch einmal beschäftigen wird, weil ein Sachverständiger im Prozess genau zu dieser Zahl eine Aussage gemacht hat, die im Saal für betroffenes Schweigen gesorgt haben dürfte.

Und danach? Laut Anklage hat sie den Leichnam mit Brandbeschleuniger. Nach Gutachterangaben offenbar eine Mischung aus Lampenöl und Brennspiritus in Brand gesetzt haben. Aus Angst, sagt, die Berichterstattung entdeckt zu werden. Der Körper verbrannte bis zur Unkenntlichkeit. Mit einer Ausnahme. Und auch das ist ein Detail, dass wir uns für später aufheben, weil es vielleicht das Bemerkenswerteste an der gesamten forensischen Beweisaufnahme ist. Der juristische Vorwurf dahinter? Ist heimtückischer Mord aus niedrigen Beweggründen und heimtückisch heißt ganz knapp gesagt, soll die Arglosigkeit eines Kindes ausgenutzt haben, das ihr vertraute und nicht mit einem Angriff rechnete.

Mehr Senf dazu brauchen Sie an dieser Stelle nicht, dieses Wesentliche steckt ja in einem Satz. Am ersten Verhandlungstag Ende April. Wird Gina übrigens in Fußfesseln in den Saal geführt? Sie hält sich nach Augenzeugenberichten einen roten Aktendeckel vors Gesicht, keine 10 Meter von ihr entfernt sitzt fabians Mutter. Und 16 Minuten dauerte dieser erste Tag, mehr nicht. Die Anklage wird verlesen, die Angeklagte schweigt, der Saal leert sich wieder rund 80 Zuschauer, 30, Medienvertreter. Für genau 16 Minuten.

Das ist fast surreal, wenn man bedenkt, was an diesem Tag eigentlich verlesen wurde. Aber genauso fängt praktisch jeder große Indizienprozess an, nicht mit einem Knall, sondern mit einem trockenen Aktenvortrag, hinter dem sich erst nach und nach das ganze Ausmaß zeigt und jetzt zur Beziehung dahinter, weil ich glaube, dass man diesen Fall ohne sie überhaupt nicht versteht.

Gina 30, Jahre alt, Reiterin aus Reimershagen 4 Jahre lang zusammen mit fabians Vater, einem fünfunddreißigjährigen Mann, der von fabians Mutter getrennt lebte. Im August 2025 ist Schluss, endgültig nach allem, was wir wissen. Hier kommt etwas hinzu, dass im Prozess am dritten Verhandlungstag eine überraschend große Rolle spielte.

Und zwar Geld. Der Vorsitzende Richter Holger Schütt fragte sehr genau nach, wieviel Geld fabians Vater seiner damaligen Partnerin während der Beziehung zukommen ließ. Verglichen mit früheren Chat Nachrichten und Polizeiangaben relativierte der Vater seine eigenen Aussagen dazu deutlich, ich meinte das aber anders, sagte er an einer Stelle zu einer früheren Aussage.

Wenn ein Zeuge unter Eid beziehungsweise hier ohne Eid, aber unter Wahrheitspflicht plötzlich relativiert, was er vorher gesagt hat, dann ist das aus Verteidigersicht immer ein Moment, an dem man als Anwalt hellhörig wird. Nicht zwingend, weil er gelogen hat, aber weil sich da offenbar etwas verschoben hat, dass er ungern in voller Schärfe stehen lassen möchte. Ja, der Richter lies nicht locker. Ich möchte nur die Wahrheit wissen, sagt er eher ihm sinngemäß ins Gesicht.

Ja, ein Satz, der eigentlich für jeden Zeugen in jedem Strafprozess gilt, hier aber mit besonderem Gewicht, wie wir gleich sehen werden. Und dann der 9. Oktober 2025 ein Tag vor Fabians verschwinden. Fabians Vater teilt Gina per Chat mit, dass er die Beziehung nicht wieder aufleben lassen will. Endgültig dieses Mal auch mit Blick auf seinen Sohn, wie er später sagte. Nach Zeugenaussagen soll sich Gina an diesem Tag in einem regelrechten psychischen Ausnahmezustand befunden haben und trotzdem mitten in diesem Zustand, schrieb sie ihm weiterhin liebevolle Nachrichten. Liebevolle Nachrichten am Vorabend und am nächsten Mittag laut Anklage der Tod eines Kindes. Das ist die zeitliche Nähe, auf

die die Staatsanwaltschaft ihr Motiv stützt, dass Fabian in der Vorstellung der Angeklagten einer Wiederaufnahme der Beziehung im Weg gestanden habe. Juristisch heißt das Wortmerkmal dafür niedrige Beweggründe. Ein Motiv, das nach allgemeiner Wertung auf der untersten Stufe menschlicher Beweggründe steht, ja mehr, sonst brauche ich, glaube ich, dazu nicht.

Das Etikett erklärt sich an dieser Stelle praktisch selbst. Ein Motiv ist eine Erklärung dafür, warum jemand etwas getan haben könnte. Kein Beweis dafür, dass er oder sie es getan hat. Das werden wir heute noch öfter sagen müssen, weil die Beweislage, die jetzt kommt, genau an diesem Punkt ansetzt. Was mich an dieser Vorgeschichte am meisten beschäftigt, ist eigentlich etwas ganz anderes, wie normal die Tage davor wirken, keine Drohungen.

Keine Eskalation, die irgendjemand öffentlich bemerkt hätte. Eine Trennung wie unzählige andere, einen Chatverlauf, der nach allem klingt, was wir aus zerbrochenen Beziehungen kennen. Ja, und genau das macht solche Fälle für jeden, der Strafrecht macht, so schwer. Ergreifbar finde ich, es gibt selten einen Moment, an dem man im Rückblick sagen könnte, hier hätte jemand etwas ahnen müssen.

Güstrow selbst hat diesen Fall übrigens nie wie eine abstrakte Akte behandelt. Kurz nach Fabians Tod gab es einen Trauergottesdienst in der Kirche mitten in der Stadt, der Bürgermeister verfolgt den Prozess nach eigenen Angaben persönlich und hat öffentlich gesagt, der Fall belaste die, belaste die Menschen in der Stadt bis heute.

Eine Kleinstadt mit gut 13000 Einwohnern, da kennt man sich, da sitzt man, ob man will oder nicht. Näher an dieser Geschichte, als einem manchmal lieb ist. Was dann am zweiten und dritten Verhandlungstag passiert, hat selbst erfahrene Gerichtsreporter überrascht. Fabians Vater sagt Aus und erklärt, er Glaube an die Unschuld der Frau, die seinen Sohn getötet haben soll.

Mehr noch sogar auf Nachfrage des Richters gibt er zu, dass er und Gina inzwischen wieder ein Paar sind, entstanden aus seinen Besuchen bei ihr in der Untersuchungshaft. Puh, das muss man sich mal wirken lassen. Ein Vater besucht die Frau, die seinen toten Sohn auf dem Gewissen haben soll, im Gefängnis und verliebt sich wieder in sie. Also ich muss dazu sagen, aus Verteidigersicht ist das wie ein Geschenk, aber aber jetzt kommt das Gericht, konfrontiert ihn an diesem Tag mit 4 konkreten Beweisstücken, dem Bewachungsvideo.

Einer Internetsuche zu Wildschweinen und Leichen, faserspuren in ihrem Autospuren, einer Reithose am Fundort und bei jedem einzelnen Punkt bleibt er bei seiner Überzeugung. Und dann eine Woche später, der Bruch. Die Staatsanwaltschaft eröffnet ein eigenes Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen des Verdachts der Falschaussage.

Das hat mit dem Mordwurfwurf gegen Gina im Grunde nichts zu tun. Es geht darum, ob seine Angaben als Zeuge in bestimmten Punkten wahr waren, aber natürlich wirft es ein neues Licht auf alles, was er bis dahin gesagt. Hat aus meiner Perspektive als jemand, der beruflich viel mit zerbrochenen Familien zu tun hat, ist das fast das Tragischste an diesem ganzen Fall.

Ein Mann, der seinen Sohn verloren hat, verliert im selben Prozess möglicherweise auch noch seine eigene Glaubwürdigkeit. Aus Liebe zu der Frau, die ihm möglicherweise seinen Sohn weggenommen haben könnte. Was diesen Loyalitätskonflikt noch verschärft bei der Befragung am dritten Verhandlungstag ging es eben auch um Geld.

Darum, wieviel er ihr während der Beziehung finanziell unter die Arme griff. Und genau dort relativierte er, was er der Polizei früher gesagt hatte und kleine Widersprüche, die sich für die Verteidigung gut anhören, solange sie ihr nützten und die für ihn selbst inzwischen zum eigenen Risiko geworden sind. Ein Vater, der für die Frau, die er liebt, möglicherweise mehr riskiert als ihm Boost war.

Ja, kommen wir mal zur harten Beweislage, dem eigentlichen Rückgrat dieses Indizienprozesses. Ein Überwachungsvideo zeigt den Wagen der Angeklagten binnen wenigen Minuten zweimal in der Nähe von fabians Wohnung am Vormittag des 10. Oktober. Zweimal in wenigen Minuten das. Klingt nicht nach einer zufälligen Durchfahrt. Ja, und dann das, was mich als Verteidiger in diesem ganzen Fall am meisten umtreibt.

Um 11:22 Uhr schaltet Gina ihr eigenes Handy aus, erst um 12:43 Uhr wieder an. Also eine Stunde 21 Minuten, in denen sie für niemanden erreichbar war. Und genau in diesem Fenster, sagt die Rechtsmedizin, ist Fabian gestorben. Das heißt, eine Stunde, für die es kein Alibi geben kann, weil es schlicht keine Daten gibt.

Ja, genau. Dazu kommen 2 forensische Spuren dazu, Fasern in ihrem Auto, die zu einem Pullover fabians passen könnten, und eine Spur, die zu einer Reithose passt, direkt am Fundort. Sprich 4 völlig verschiedene Beweisarten, also ein Video, eine Lücke. 2 Spuren. Ja, und keine einzige davon beweist für sich allein eine Tötung. Aber das ist genau der Kern eines Indizienprozesses, ein Mosaik und kein einzelnes Foto, ein Punkt, den die Rechtsmedizin im Prozess auch noch klären sollte, ist, lässt sich aus den Stichverletzungen ablesen, ob eine rechts oder linkshändige Person zugestochen hat.

Ja, in der Tat, das ist eine Frage, die nicht zufällig gestellt wurde. Gina ist nämlich Linkshänderin. Genau. Und deshalb war die Antwort des Gutachtens für die Verteidigung ein kleiner, aber echter Erfolg, eine sichere Aussage dazu sei anhand der Verletzungen nicht möglich, also kein Beweis, der in die eine oder andere Richtung zeigt. Und das ist doch genau das Kleingedruckte, das in Schlagzeilen meistens untergeht.

Ein Indiz, dass man erwarten würde und dass sich am Ende einfach nicht ergibt. Und das gehört zur Ehrlichkeit dieses Prozesses dazu. Wir erzählen heute viele Dinge, die belastend wirken, aber es gibt eben auch Punkte, an denen die Wissenschaft schlicht sagt, wir wissen es nicht. Und jetzt zu dem Teil dieser Geschichte, der mir ganz ehrlich am meisten unter die Haut geht. 2 Männer aus Chinas Bekanntenkreis. Beide sollen unabhängig voneinander mitten in der Nacht an genau diesen Tümpel bei Kleinupal geführt worden sein, lange bevor fabians Leiche offiziell gefunden wurde. Der erste am Abend des 13 Oktober. Sie ruft ihn an, bittet ihn, sie hinzufahren, in völliger Dunkelheit, er selbst kann

nichts erkennen, sie aber sagt, dort liege etwas, und das sei er. Er ruft nicht die Polizei, er will nur noch weg, setzt sie bei einem Nachbarn ab und fährt heim. Vor Gericht sagt er später, ich zitiere, ich fühlte mich benutzt, dass ich da meine Spuren hinterlassen soll. Genau an diesem Ort, an dieser Schweinesohle, wie sie es selbst nannte, soll sie ihm gegenüber noch einen zweiten, fast unheimlicheren Satz gesagt haben. Jemand müsse diesen Ort gekannt haben. Ereignet sich gut dafür, jemanden wörtlich bewusst zu entsorgen.

Ein Satz, den ein Mensch normalerweise nicht einfach so sagt. Sowohl der Zeuge als auch später anwesender Polizist reagierten nach eigenen Angaben überrascht, fast befremdet. 3 Tage später der zweite Mann wieder mitten in der Nacht, wieder dasselbe Muster. Sie führt ihn dorthin unter dem Vorwand, nach Fabian zu suchen, auch er ruft nicht die Polizei. Bei diesem zweiten Mann lohnt es sich, genauer hinzuschauen, weil seine Geschichte noch eine Schicht komplizierter ist. Die beiden waren befreundet bis zu ihrer Festnahme und er hatte sich nach eigenen Angaben am Anfang ihrer Bekanntschaft. Durchaus mehr von dem Verhältnis erhofft. Es kam zu privaten, anzüglichen Nachrichten zwischen ihnen, zu einer intimen Beziehung

allerdings nicht. Also hat er sie angebaggert, aber hatte keinen Erfolg. Aussage psychologisch interessant aber ist vor allem deshalb ein Zeuge, der eine eigene persönliche Geschichte mit der Angeklagten hat. Hat theoretisch auch ein eigenes Interesse daran, wie diese Geschichte vor Gericht aussieht. Trotzdem hat genau dieser Zeuge im Prozess Dinge ausgesagt, die für Gina denkbar ungünstig sind.

Im Gericht wurden außerdem Telefonate zwischen beiden abgespielt, aus denen sich ergibt, sie sprachen eine gemeinsame Geschichte für 10.10. Ab, dass sie angeblich den ganzen Tag zusammen gewesen seien. Was nach den Ermittlungen nicht der Wahrheit entsprach. In denselben Telefonaten äußerte sie wiederholt die Angst, man werde ihr etwas anhängen und gleichzeitig den Verdacht, fabians eigene Mutter könne mit seinem Tod zu tun haben.

Eine Behauptung, für die sich, soweit öffentlich bekannt, in der übrigen Beweisaufnahme keine Stütze findet. Und noch ein Detail, das im Saal offenbar für Stirnrunzeln sorgte. Der Zeuge erzählte von einer früheren Verurteilung der Angeklagten wegen Diebstahls eines Pferdesattels, die sie ihm selbst erzählt haben soll.

Ein Satteldiebstahl beweist gar nichts über ein Tötungsdelikt, aber solche Details bleiben einfach hängen. Und genau deshalb muss ein Gericht bei der Urteilsfindung sehr genau trennen, was tatsächlich zur Sache gehört und was nur ein schiefes Licht wirft. 2 unabhängige Zeugen derselbe Ort, dieselbe Vorgehensweise, das ist genau die Art von Wiederholung, die einen Indizienprozess trägt.

Ein einzelner Vorfall lässt sich erklären, aber 2 identische eher schwierig, oder? Ja, richtig schwerer, schwerer erklären, ja. Unmöglich zu erklären ist es aber trotzdem nicht. Also die Verteidigung wird hier mit Erinnerungslücken und dem enormen Druck argumentieren und dem, unter dem beide Männer standen.

Das ist kein rhetorisches Argument, da muss das Gericht auch das ernst nehmen. Ja, kommen wir an den Morgen, an dem sie den Jungen fanden, am. 14. Oktober 2025 früher morgen eine langjährige Freundin von Gina. Beide kennen sich seit Jahren, teilen die Leidenschaft für Pferde, wird von ihr angerufen, also geweckt.

Gina sagt nur, Wir haben ihn gefunden, er ist tot. 4 Worte und mehr nicht. Genau. Und die Freundin fragt, ob die Polizei informiert sei. Gina verneint, sagt, das könne sie noch nicht, stattdessen wird offenbar überlegt, ob eine andere Geschichte zu erzählen, dass der Hund der Freundin an dieser Stelle ausgebüxt sei und sie deshalb dort gewesen sein. Ja, und die Freundin macht zum Glück nicht mit. Vor Gericht, sagt sie später.

Für sie sei klar gewesen. Sollte sich bestätigen, dass es wirklich Fabian ist, werde sie alles offenlegen. Und als sie schließlich tatsächlich die Polizei ruft, läuft das Gespräch nach Zeugenangaben auffallend nüchtern ab. Ein Beamter berichtet später, sie habe gesagt, sie glaube, sie habe etwas gefunden.

Ja, und auf die Nachfrage, was die meine mit einer derart kalten direkten Formulierung über das, was von dem Jungen noch übrig war, geantwortet, dass es selbst erfahrenste Ermittler im Saal sichtlich getroffen hat, als der Satz Monate später vorgelesen wurde. Ein anderer Polizeibeamter, der vor Ort war, schildert, wie Gina ihm gegenüber erklärte, sie könne nicht weinen. Sie habe in den letzten Tagen schon so viel geweint. Ja, und noch ein Detail aus diesen Stunden, das uns beiden beim Recherchieren wirklich nah gegangen ist. Vor Gericht wurde erörtert, dass Gina den Hund ihrer Freundin mit einer Leine.

Bis in die Nähe der Leiche geführt haben könnte damit dessen Sporen im Boden den späteren offiziellen Fund für einen reinen Zufall wirken lassen würden. Eine Inszenierung des Zufalls sozusagen. Wenn sich das so zugetragen hat, ist genau. Die Art von kühler Planung, die einem Indizienprozess am meisten schadet, nicht ein einzelnes Beweisstück, sondern das Gefühl, dass eine ganze Szene eigens dafür gebaut wurde, unschuldig auszusehen. Und als der Hund dann tatsächlich zurückkam, soll er sich nach Aussage der Freundin in unmittelbarer Nähe der Leiche erleichtert haben.

Ein Detail, das im Saal eher unfreiwillig komisch wirkte. Aber genau darum ging es ja bei der Theorie mit der Leine Spuren eines Hundes an dieser Stelle sollten erklären, warum überhaupt jemand dort war. Als die beiden Frauen die Polizei schließlich anrufen, beschreiben mehrere Beamte später vor Gericht denselben Eindruck.

Gina habe aufgeregt, aber gefasst gewählt. Kein Zusammenbruch, kein Schreien, nur diese auffällige, fast geschäftsmäßige Ruhe. Und genau diese Ruhe ist es, die mehrere Zeugen unabhängig voneinander an diesem Tag bemerkt haben wollen. Ja, aber nicht jeder Verhandlungstag in diesem Prozess ist noch schwer auszuhalten gewesen am 14. Tag, als Polizeibeamte über die Stunden am Fundort berichteten. Erzählte einer von ihnen eine kleine Anekdote, die im Saal für echtes Lachen sorgte.

Er hatte damals versehentlich die Standheizung seines Einsatzfahrzeuges eingeschaltet, mitten am hellen Tag, und der Wagen qualmte minutenlang, als stünde er in Flammen. Auch ein Mordprozess besteht eben aus Menschen. Ja, und nicht nur aus Schwere. Und manchmal braucht ein ganzer Saal genau so einen Moment, um überhaupt wieder weiter atmen zu können. Das ist dann auch bisschen auflockernd auch für alle Beteiligten kommen.

Wir doch mal zu dem Teil, da ist ja ein Indiz weggefallen, ja. Ganz bewusst der Gegenpol zu allem, was wir bisher erzählt haben. Denn ein fairer Prozess besteht nicht nur aus Indizien, die sich zu einem Bild zusammenfügen, manchmal fällt auch ein eines wieder heraus, ja. Ja, die Geschichte mit der Google.

Suche genau am dritten Verhandlungstag hatte das Gericht vorgetragen, Gina habe bereits am Tag von Fabians verschwinden nach vermisste Person Güstrow gesucht und das angeblich, bevor Fabians Vater ihr überhaupt gesagt hatte, dass sein Sohn vermisst wird. Auf den ersten Blick ein fast unmögliches Vorwissen. Das wäre, wenn es stimmen würde, eines der schwersten. Indizien im ganzen Verfahren gewesen. Wäre es ja.

Wochen später musste das Gericht das korrigieren. Ein Polizeibeamter hatte die Handydaten noch einmal mit den konkreten Uhrzeiten ausgewertet, und es stellte sich heraus, die Suche fand tatsächlich erst statt, nachdem der Vater sie informiert hatte. Ganz normal, also ganz erklärbar. Ja, ein Indiz, das einfach verschwindet. Ja, das ist genau das, was einen Indizienprozess von einer reinen Erzählung unterscheidet.

Eine gute Geschichte würde dieses Detail einfach weglassen, weil es nicht ins Bild passt. Ein Gericht darf das nicht und ehrlich gesagt, genau das ist der Grund, warum ich diesen Beruf eigentlich auch mache. Ja, jetzt kommen wir zu dem interessanten Teil mit dem Profiler. Dem 15. Verhandlungstag vergangenen Freitag ein Sachverständiger für operative Fallanalyse, ein Profiler, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt, nur eben echt und untereit. Sein Auftrag, ein Täterprofil erstellen, ohne sich dabei auf eine bestimmte Person festzulegen. Die Fallanalytiker sprechen deshalb bewusst von Täterschaft, nicht vom Täter oder der Täterin. Eine sprachliche Vorsicht, die uns Juristen sehr vertraut ist. Ja, ich würde an dieser Stelle

auch seine Schlussfolgerungen noch mal zusammenfassen. Die Tat war von einer einzelnen Person leistbar, es bestand eine direkte Beziehung zwischen Täterschaft und Opfer, die Täterschaft kam wahrscheinlich aus der Region. Kannte den Ort, hatte an diesem Tag Zeit und ein Fahrzeug. Vor allem aber, es war seinen Worten nach eine geplante Tötung, kein Impuls, kein Unfall.

Und dann die Sache mit den 6 Messerstichen, die wir vorhin angekündigt haben. Der Profiler sagt vor Gericht sinngemäß, Wer einen Menschen töten will oder muss, die ihm reichen 1 bis 2 Stiche. 6 sind mehr als nötig gewesen wäre. Das nennt man in der Fallanalyse eine Übertötung. Sie kann auf starke Emotionen hindeuten, Wut, Verzweiflung, manchmal auch beides zugleich. Beweisen, tut sie für sich genommen nichts über die Identität der Täterschaft, aber sie erzählt etwas über den Zustand, in dem natürlich diese Tat tat begangen wurde. Und dann das vielleicht eindringlichste Detail des ganzen Prozesses bisher.

Der Leichnam war bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, mit einer Ausnahme Gesicht und eine Hand blieben weitgehend unversehrt. Der Profiler deutete das so. Wer einem Menschen nahesteht, dem fällt es offenbar selbst im Affekt der Spurenvernichtung schwer, auch noch das Gesicht anzuzünden. Kein Beweis aber in seinen eigenen Worten ein Indiz für persönliche Nähe zwischen Täterschaft und Opfer. Zur Brandlegung selbst hatte er übrigens 2 mögliche Interpretationen parat, die eine schlechte Spurenvernichtung, eine sogenannte Totalvernichtung, bei der am Ende im Idealfall alles in seinen Worten sich in Rauch auflösen sollte.

Die andere, deutlich befremdlichere Theorie, eine Art improvisierte Feuerbestattung. Eine Zeugin hat das Feuer am 10. Oktober aus der Distanz fotografiert, ohne sich damals etwas zu bedenken. Einfach Rauch am Horizont, mehr nicht. Erst Monate später bekam dieses Foto eine ganz andere Bedeutung. Ja, das ist finde ich eines der unheimlichsten Bilder in diesem. Fall irgendwo in Güstrow steht jemand am Fenster, sieht Rauch, denkt sich nichts dabei und wären 15 Kilometer entfernt gerade etwas, ja unfassbares geschieht. Schrecklich ist wenn man das alles nebeneinander legt. Die geplante Lockung, der gekannte Ort, die Übertötung, das verschonte Gesicht.

Entsteht ein Bild, das sich liest wie aus einem ja. True Crime Drehbuch, nur dass es hier keine Drehbuchautorin gibt, sondern ein Gericht, das jeden Einzelnen dieser Punkte noch gegen alle anderen Beweise abwägen muss. Und das ist der Satz, mit dem wir dieses Kapitel auch beenden sollten, finde ich. Eine Fallanalyse ist ein Werkzeug für die Ermittlungsarbeit.

Das ist noch kein Urteil, und sie wurde schon im Januar erarbeitet, als Gina längst in Untersuchungshaft saß. Sie hat also nicht zu ihrer Festnahme geführt, sondern begleitet, seit er die Ermittlungen. Ja, hat die Verteidigung darauf reagiert? Nach allem, was öffentlich bekannt ist, ja, mit dem naheliegenden Argument, dass ein Täterprofil eben genau das ist.

Ein Profil, kein Fingerabdruck. Es beschreibt, wer in Frage kommt, nicht wer es war. Jedes einzelne der genannten Merkmale aus der Region kannte den Ort, hat ein Fahrzeug, hat eine Beziehung zum Opfer, könnte auf mehr könnte auf mehr als eine Person zutreffen. Ja, theoretisch schon. Praktisch wird die Liste mit jedem weiteren Merkmal kürzer.

Ja, lass mich für einen Moment die Seite wechseln, denn das ist ja auch mein eigentlicher Beruf. Wie würde ich diese Mandantschaft verteidigen, jenseits der einzelnen Vorhalte von heute? Ja, bitte. Also ich würde bei den beiden Tümpelzeugen erstmal anfangen. Beide haben eine eigene persönliche Geschichte mit Gina, der eine erhoffte sich mehr, der andere sprach eine Alibi Lüge mit ihr ab, beide hatten also Gründe ihre eigene Rolle im Nachhinein günstiger darzustellen als sie war.

Ja, und der Vater? Ja, das ist mein zweiter Hebel. Solange gegen ihn selbst wegen Falschaussage ermittelt wird, kann ich jeden einzelnen Satz, den er jemals gesagt hat, mit einem Fragezeichen versehen, ohne ein einziges eigenes Gegenargument liefern zu müssen, finde ich. Und das Indiz mit der Google Suche, dass wir gerade besprochen haben. Ja, genau, und das wäre mein drittes und tatsächlich stärkstes Argument.

Wenn sich ein Indiz schon mal als falsch herausgestellt hat, warum sollte ausgerechnet keines der übrigen denselben Fehler enthalten? Also eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied und dieses eine schwache Glied haben wir heute schon gesehen. Tja, eine überzeugende Geschichte ist eben noch keine bewiesene Geschichte.

Das ist exakt der Satz, mit dem ich vielleicht das Plädoyer in einem solchen Verfahren tatsächlich beginnen würde. Ja, und ein kurzer Blick vielleicht durch meine Brille zum Schluss aus meinem eigentlichen Fachgebiet, dem Familienrecht, weil mir dieser Fall darüber hinaus etwas zeigt, dass wir Juristen sonst eher in ganz anderen Akten sehen.

Hier prallen 2 Familienkonstellationen aufeinander, die rechtlich nichts miteinander zu tun haben, ja, menschlich, aber alles. Auf der einen Seite eine getrennt lebende Mutter, die als Nebenklägerin im Saal sitzt, wie die Frau, die ihren Sohn getötet haben soll. Auf der anderen Seite einen Vater, der sich ausgerechnet während dieses Prozesses wieder mit genau dieser Frau zusammentut. In meiner alltäglichen Praxis sehe ich häufig, wie schwer es familienfeld nach einer Trennung überhaupt vernünftig miteinander umzugehen, wenn es um ein gemeinsames Kind geht. Umgangsregelungen, neue Paten, Eifersucht, Geld. Hier ist im Grunde jede dieser Spannungen vorhanden, nur eben in einer Dimension, die kein

Familiengericht je zu sehen bekommt. Und das erklärt vielleicht auch, warum dieser Fall so viele Menschen weit über Mecklenburg Vorpommern hinaus bewegt. Es ist nicht nur ein Mordprozess, es ist die Geschichte einer Familie, die in jede erdenkliche Richtung zerbrochen ist. Ja, kommen wir zum Stand heute 15 Verhandlungstage ursprünglich waren bis Anfang Juli 17 Tage angesetzt, inzwischen ist der Zeitplan schon einmal verlängert worden und nach allem, was wir wissen, geht es im Juli weiter.

Was bisher fehlt, und das ist nach 15 Verhandlungstagen durchaus bemerkenswert, eine eigene Einlassung der Angeklagten also. Bislang schweigt jeder. Zur Sache ob und wann sich das ändert, wissen wir noch nicht, aber das ist genau der Moment, auf den dieser ganze Prozess seit Ende April zusteuert. Ja, noch offen ist außerdem die Aussage eines weiteren Sachverständigen, der die gesamte digitale Kommunikation, also sämtliche Nachrichten, Anrufe, sprachmemos systematisch auswerten soll.

Der war für den 15. Verhandlungstag eigentlich. Auch geladen wurde dann aber auf einen späteren Termin verschoben. Ja, das heißt, ein gutes Stück der dichtesten Beweismasse in diesem ganzen Verfahren liegt der Kammer aller Voraussicht noch gar nicht vollständig ausgewertet vor. Und da ist dann noch die eine Frage, die über allem schwebt. Seit der ersten Verhandlungstag vorbei ist, was passiert, wenn Gina irgendwann tatsächlich den Mund aufmacht? Genau das, ihr erste eigene Einlassung, könnte schon in den kommenden Wochen kommen und an dem Tag, das verspreche ich euch, sitzen wir wieder hier und erzählen das. Ja, und was wir heute zusammengetragen haben, ist schon viel.

Ein geplanter Lockruf, eine fehlende Stunde, 2 Männer am selben Tümpel. Eine Freundin am Telefon, ein Indiz, das verschwand, und ein Profiler, der von Übertötung und einem verschonten Gesicht spricht. Wenn ihr das alles nebeneinander legen würdet, könntet ihr jetzt 1 denken. Das ist doch klar. Und genau an diesem Punkt würde ich Ihnen.

Und oder euch als Strafverteidiger sagen. Warten wir mal ab. Eine Kammer hat 60 Zeugen, mehrere Gutachten und 17 plus Verhandlungstage noch vor sich, gerade weil ein Bauchgefühl nach einer Stunde Podcast kein Urteil ersetzt. Und trotzdem, am Ende dieser Folge derselbe Satz wie am Anfang. Das ist alles Indizienlage, kein Urteil.

Für Gina gilt die Unschuldsvermutung weiterhin. Bis die Kammer in Rostock spricht und nicht eine Sekunde länger, aber auch keine Sekunde weniger. Und wenn euch diese Podcast Folge gefallen hat, dann like ihn doch bitte. Ihr könnt gerne auch einen Kommentar da lassen. Zu folgen. Zu empfehlen zu speichern, alles was geht.

Ja, Quatsch beiseite, bis zum nächsten Mal. Bleibt vorsichtig und achtsam. Auf Wiederhören.

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