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BAYRAKTAR + BAYRAKTAR - True Crime and Law· Staffel 1· Folge 22

Die Kofferleiche von Filderstadt – 12 Jahre ohne Todesursache

Dienstag, 28. Juli 2026 · 46 min

MP3

Shownotes

# 22: đŸŽ™ïž Ein Rollkoffer und darin die Leiche einer Frau.
Keine feststellbare Todesursache, kein Tatzeuge, kein GestÀndnis, kein Motiv und am Ende trotzdem zwölf Jahre Haft wegen Totschlags.
Wie kommt ein Gericht zu einer solchen Überzeugung?
Wann reichen Indizien fĂŒr eine Verurteilung? Und was passiert, wenn ausgerechnet die Polizei mitten im Prozess einen folgenschweren Fehler einrĂ€umen muss?

RechtsanwĂ€ltin Nurcan Bayraktar und Rechtsanwalt & Strafverteidiger Sayıl Bayraktar analysieren den Fall „Kofferleiche von Filderstadt" – nicht sensationslĂŒstern, sondern anhand der Beweise, der Ermittlungen und der Frage: HĂ€lt dieses Urteil juristisch stand?

Eine Folge ĂŒber die Frage, wie ein Rechtsstaat verurteilen darf, ohne die ganze Wahrheit zu kennen – und darĂŒber, warum dieser Fall mit dem Urteil noch nicht zu Ende ist.
⚠ Das Urteil des LG Stuttgart vom 23.07.2026 ist nicht rechtskrĂ€ftig (Revision angekĂŒndigt); es gilt die Unschuldsvermutung.

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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Stell dir einen suchverlauf vor, irgendein Handy, irgendein Browser, Sommer 2025, jemand tippt, wie beseitigt man die Spuren einer Leiche, was ist der Unterschied zwischen Mord und Totschlag, in welches GefĂ€ngnis kommen UntersuchungshĂ€ftlinge? Wie ist eine Ausreise in die TĂŒrkei möglich und dann immer wieder ĂŒber Wochen? Leichenfund Filderstadt heute und einmal Katze gestorben auf Terrasse, Geruch beseitigen.

FĂŒr jede Einzelne dieser Suchanfragen mag es eine harmlose ErklĂ€rung geben. Das hat sogar die Vorsitzende Richterin im Prozess ausdrĂŒcklich gesagt, aber nicht fĂŒr alle zusammen. Heute sprechen wir ĂŒber einen Fall, in dem fast alles fehlt, was man aus dem Fernsehen kennt. Keine feststellbare Todesursache, kein Tatzeuge, kein GestĂ€ndnis, kein Motiv und trotzdem endet er erstinstanzlich mit 12 Jahren Freiheitsstrafe.

Die Kofferleiche von Filderstadt. By Doc ten Und somit herzlich Willkommen bei bei Reactarent, bei Reactar True Prime and Law. Ich bin RechtsanwÀltin Nojan bei Rectar. Und ich bin Rechtsanwalt und Strafverteidiger. Sale bei Rectar Wir analysieren reale KriminalfÀlle aus juristischer Sicht. Wir sind beide RechtsanwÀlte, Wir beurteilen das Ganze anhand der Beweise, der Ermittlungen und der Frage. Auch hÀlt das juristisch stand.

Vorab gibt es einige Dinge, weil sie bei diesem Fall besonders wichtig sind und deshalb erwĂ€hnenswert. Zum einen das Urteil, ĂŒber das wir heute sprechen, ist erst wenige Tage alt. Das Landgericht Stuttgart hat es am 23 Juli 2026 verkĂŒndet, es ist nicht rechtskrĂ€ftig, die Verteidigung hat bereits Revision angekĂŒndigt und alles, was wir sagen, steht unter diesem Vorbehalt.

Und hinzu kommt, dass wir konsequent zwischen gerichtlich festgestellten Tatsachen, anklagevorwĂŒrfen, Zeugenaussagen und Berichterstattung unterscheiden, wo etwas nicht sicher belegt ist. Sagen wir das auch ausdrĂŒcklich, das machen wir immer so, aber bei einem reinen Indizienprozess ist es die halbe Miete, es ist Donnerstag, der 28 August. 2025 Filderstadt, Landkreis Esslingen.

Ein Wohngebiet am nördlichen Ortsrand, nur wenige Kilometer sĂŒdlich von Stuttgart, nicht weit vom Flughafen entfernt. Eine parkĂ€hnliche Anlage, ein Spielplatz, ein kurzer, im Hochsommer ausgetrockneter Wasserlauf unter einem Steg, keine 20 Meter von KlettergerĂŒst und Schaukel entfernt. Seit Tagen liegt hier ein Geruch in der Luft.

Anwohner beschreiben ihn spĂ€ter als sĂŒĂŸlich, beißend, man denkt an ein totes Tier, an MĂŒll, den jemand illegal entsorgt hat. Die Hunde einer SpaziergĂ€ngerin schlagen an diesem Ort an, schließlich geht beim stĂ€dtischen Bauhof ein Hinweis aus der Anwohnerschaft ein, per e Mail da unten liegt etwas und es riecht. Bauhofmitarbeiter fahren raus, sie finden einen großen Rollkoffer, er ist mit einem VorhĂ€ngeschloss gesichert, mit einem Metallhaken bekommen sie es auf, was sie darin finden, wird diesen Ort fĂŒr immer verĂ€ndern, die sterblichen Überreste eines Menschen, sorgfĂ€ltig eingewickelt in Folie und MĂŒllsĂ€cke.

Die Polizei rĂŒckt mit einem Großaufgebot an. Das Landeskriminalamt lĂ€sst eine Drohne ĂŒber dem Wohngebet Kreisen. Erst einen Tag spĂ€ter, nach der Obduktion, steht fest, es ist eine Frau, und sie muss schon Wochen dort gelegen haben, mitten im Wohngebet in der Sommerhitze. Boah also. Es ist ja auch schon warm. WĂ€hrend wir diesen Podcast gerade aufnehmen. Aber dass da seit Tagen eine Leiche lag, ich kann mir diesen Geruch nicht vorstellen, also hast ihn zwar beschrieben, aber ich will kurz bei diesem Fundort noch mal bleiben, weil er sofort auf Fragen aufwirft, die wir vielleicht auch in der durch die ganze Folge begleiten, warum ein Rollkoffer und warum dieser Ort ein Spielplatz, ein Wohngebiet

und kein abgelegener Wald und. War das vielleicht geplant oder Panik? Und juristisch fÀllt noch etwas auf. Wer immer diesen Koffer dort abgelegen hat, hat erheblichen Aufwand betrieben. Ein erwachsener Mensch lÀsst sich nicht einfach nee transportieren, der Koffer musste beschafft werden, der Körper verpackt und das Ganze bewegt und abgelegt werden.

Also, und das nennen wir nach Tatverhalten und da muss man als Jurist sofort die Handbremse ziehen und. Denn das Verstecken einer Leiche beweist erst einmal nur eines, dass jemand eine Leiche versteckt hat. Es beweist nicht, wer getötet hat, und es beweist streng genommen nicht einmal, dass ĂŒberhaupt getötet wurde.

Genau. Und die Staatsanwaltschaft war da anfangs ĂŒbrigens selbst vorsichtig. In den ersten Tagen hieß es nĂ€mlich offiziell, man mĂŒsse erst klĂ€ren, ob ĂŒberhaupt ein Tötungsdelikt vorliegt. Diese Unterscheidung zwischen dem, was schockiert, und dem, was bewiesen ist, wird uns heute noch mehrfach beschĂ€ftigen.

Man. Muss ja erst mal prĂŒfen, ob ein Fremdeinwirken vorlag. So ist es. Und bevor wir ĂŒber einen Angeklagten sprechen, sprechen wir ĂŒber sie. Denn hinter jeder Gerichtsakte steht ein Mensch. Anfang September 2025 knapp eine Woche nach dem Fund. Gibt die Polizei bekannt. Die Tote ist identifiziert, eine Frau aus Stuttgart in der ersten Polizeimeldung ist von einer 40 JĂ€hrigen die Rede, in der spĂ€teren Urteilsberichterstattung von einer 39 jĂ€hrigen. Sie war klein, nur etwa 1 50 groß, zuletzt lebend gesehen wurde sie am Montag.

Dem 21. Juli 2025 in Stuttgart und danach verliert sich ihre Spur. Sie galt als vermisst, aber eine öffentliche Fahndung nach ihr hat es nicht gegeben. Dieser letzte Satz ist schon irgendwie wichtig. Eine Frau verschwindet im Juli, ihr Leichnam wird Ende August gefunden und dazwischen liegen ja circa 5 Wochen und niemand sucht offen offen öffentlich nach ihr.

Also. Ja, seltsam ist es schon, aber die Berichterstattung ordnet sie dem Stuttgarter Drogenmilieu zu. Und da muss man ehrlich sagen, dass Menschen in diesen Kreisen oft leiser verschwinden. Ja, das ist gar keine Kritik, auch eine eine einzelne Behörde, eine öffentliche Fahndung hat rechtliche Voraussetzungen, ist immer in AbwÀgung.

Aber es ist ein strukturelles Problem, dass Ermittlungen in solchen FĂ€llen von Anfang an erschwere, die spĂ€ter gesucht wird. Desto kĂ€lter ist jede Spur. Was wir ĂŒber diesen Menschen wissen, ist schon wenig. Und das wenige stammt aus dem Prozess. Zeugen beschreiben Sie als nett, eine Aussage blieb mir besonders im Kopf, sie haben nach einer Operation offenbar noch einmal neu anfangen wollen. Mehr ist ĂŒber ihr Privatleben öffentlich nicht gesichert und deshalb fĂŒgen wir auch nichts hinzu. True Crime lebt oft davon, opferbiografien AuszuschmĂŒcken, das Macht einen Menschen greifbar, ja, das stimmt, aber es erzĂ€hlt eben auch Geschichten, die nie belegt wurden, aber das machen wir nicht. OK, also was wir festhalten

können. Es war eine Frau 39 Jahre alt. Die Drogenmilieu unterwegs war aber die eine neu anfangen wollte und die ihn nicht mehr bekommen hat. Ja, leider hatte sie die Chance nicht mehr. Aber kommen wir mal zurĂŒck darauf, wie es zu diesem einen entscheidenden Hinweis kam. Und zwar die Staatsanwaltschaft Stuttgart und. Und das PolizeiprĂ€sidium Reutlingen eine Sonderkommission eingerichtet und ihr Name mit der nĂŒchternen Poesie deutscher Polizeiarbeit Soko trolli benannt. Sehr einfallsreich.

Ja, und die Ermittler arbeiten sich durch das Umfeld der Frau, sie verteilen Flyer im Stuttgarter Drogen und Obdachlosenmilieu. Ja, Sie befragen Anwohner rund um den Fundort, und es gehen ĂŒber Hunderte Hinweise ein und keiner bringt zunĂ€chst den Durchbruch und dann gehen sie in die Öffentlichkeit. Sie veröffentlichen ein Vergleichsbild des Koffers, es war ein beigefarbener Rollkoffer der Marke Juicy cordure 70 * 46 * 25 Zentimeter und es wird eine Belohnung ausgelobt. Dann schließlich kommt der Fall ins Fernsehen. Am 17.

September 2025 bei Aktenzeichen XY ungelöst und ein Ermittler der SOKO sitzt bei Rudi Serne im Studio. Ja, und jetzt kommt eine Pointe, die man sich nicht ausdenken könnte. Der entscheidende Hinweis. Kommt nach ĂŒbereinstimmender Berichterstattung kurz vor der Ausstrahlung ein anonymer Zeuge, meldet sich.

Er will einen Bekannten mit genau diesem Koffer schon mal gesehen haben. Also war streng genommen die Sendung gar nicht mehr der Auslöser. Aber ja, es war wohl das veröffentlichte Kofferbild und jemand hat diesen sehr auffÀlligen Koffer wiedererkannt. Ja. Vielleicht eine kurze kleine Anekdote aus dem kanzleialltag Mandanten fragen uns manchmal, ob Aktenzeichen XY wirklich etwas bringt oder nur Fernsehen ist.

Und die ehrliche Antwort ist meines Erachtens, es bringt vor allem eines. Es senkt die Hemmschwelle, Menschen, die seit Wochen etwas mit sich herumtragen und nicht nur zur Polizei gehen wollen, greifen eher dann zum Telefon, wenn dann plötzlich ĂŒberall ist. Also sprich im Fernsehen. Und manchmal reicht schon die AnkĂŒndigung der Sendung, wie hier, wenn die Berichterstattung stimmt.

Ja, jedenfalls fĂŒhrt dieser Hinweis zu einem Mann, zu einem 51 Jahre alten aus Filderstadt und nach den Erkenntnissen der Ermittler hatte er und die Frau sich wenige Wochen vor ihrem verschwindenden Stuttgarter Drogenmilieu kennengelernt und waren mehrfach zusammen gesehen worden. Beide besaßen einen tĂŒrkischen Pass und damit beginnt ein völlig neuer Abschnitt. Und fĂŒr einen Mann beginnt das, was man die volle HĂ€rte eines Ermittlungsverfahrens nennt.

Ja, was dann passiert, wissen wir ziemlich genau, weil ein Polizeibeamter es spĂ€ter im Prozess als Zeuge genau geschildert hat. Der Mann wird festgenommen. Er sagt, den Beamten erkenne das Opfer nicht, erkenne den Fall nur aus den Medien. Er habe gehört, dass eine Zeugin ihn belaste und man hĂ€tte ihn gar nicht verhaften mĂŒssen, er wĂ€re auch freiwillig aufs Revier gekommen.

Am nĂ€chsten Tag wird er in eine Justizvollzugsanstalt gebracht und beim Verlesen des Haftbefehls, so der Beamte, sei er ziemlich wĂŒtend geworden. Er. Parallel wird durchsucht und hier kommt ein Detail, das viele Zuhörer ĂŒberraschen dĂŒrfte. Im Einsatz war ein DatentrĂ€ger SpĂŒrhund. Ja, die gibt es wirklich.

Hunde, die darauf trainiert sind, elektronische Speichermedien zu erschlĂŒsseln, USB Sticks, Speicherkarten, Festplatten, auch versteckte und ein bestimmter chemischer. Unglaublich. Ja. Ja, das macht so ein bestimmter chemischer Stoff in diesen Bauteilen möglich. Warum dieser Aufwand ĂŒberhaupt? Weil heute praktisch jedes Kapitaldelikt eine digitale Seite auch hat und wie wir noch sehen werden, diese digitale Seite wird in diesem Verfahren noch eine erhebliche Rolle spielen und wird eine tragende SĂ€ule sein.

Aber bevor wir weitergehen, halten wir kurz inne. Stichwort Unschuldsvermutung. Wir können es nicht oft genug sagen. Vor allem als AnwĂ€lte. Genau ab diesem Punkt der Geschichte gibt es einen Beschuldigten, spĂ€ter einen Angeklagten. Er hat zu keinem Zeitpunkt gestanden, er bestreitet bis heute, die Frau ĂŒberhaupt gekannt zu haben und alles, was jetzt kommt, sind zunĂ€chst VorwĂŒrfe und Indizien, und erst am Ende steht die WĂŒrdigung eines Gerichts, die noch nicht rechtskrĂ€ftig ist. Ja.

So kommen wir zum juristischen Teil. Warum eigentlich Totschlag und nicht Mord? Weil als die Anklage öffentlich wird, wundern sich viele, eine Leiche im Koffer, in Folie gewickelt unter einer BrĂŒcke, und die Anklage lautet nur auf Totschlag. In so 90 Sekunden erklĂ€re bitte unseren Zuhörern. FĂŒr mich in 90 Sekunden ja ich. Könnte jetzt.

Ich könnte daraus eine Vorlesung halten. OK, also wie des öfteren schon, weil das deutsche Strafrecht nicht danach fragt, wie schockierend eine Tat wirkt. Totschlag ist geregelt in Paragraph 212 Strafgesetzbuch und es ist die vorsĂ€tzliche Tötung eines Menschen, das war es, mehr steht da nicht drin. Mordparagraph allerdings im Paragraph 211 Strafgesetzbuch ist die Tötung plus mindestens ein Mordmerkmal, zum Beispiel HeimtĂŒcke, Habgier, Grausamkeit oder niedrige BeweggrĂŒnde. Und diese Merkmale beziehen sich auf die Tat selbst, nicht auf das danach, das Verstecken einer Leiche ist kein Mordmerkmal, er kann sogar ganz banal erklĂ€rbar sein. Angst vor Entdeckung zum Beispiel, ja. Ja.

Und hier liegt das Kernproblem dieses Falles. Niemand weiß, wie die Frau gestorben ist. Wenn ich aber den Tathergang nicht kenne, kann ich HeimtĂŒcke nicht nachweisen, kenne ich das Motiv nicht. Kann ich niedrige BeweggrĂŒnde oder Habgier nicht nachweisen? Und die Staatsanwaltschaft hat schon zum Prozessauftakt erklĂ€rt, die Ermittlungen haben keine Hinweise auf Mordmerkmale ergeben und der. Unterschied ist ĂŒbrigens gewaltig. Mord bedeutet zwingend lebenslange Freiheitsstrafe, Totschlag dagegen sieht eine Strafe von 5 bis 15 Jahren 15 Jahren vor.

Und das sagt das Gericht spĂ€ter auch ausdrĂŒcklich. Ein Mord wie hier nicht etwa ausgeschlossen, lĂ€sst sich nicht nur beweisen, im Zweifel gilt auch natĂŒrlich das mildere. So funktioniert der Reststaat, auch wenn es sich manchmal an unbefriedigend anfĂŒhlt. Machen wir mal weiter mit dem Prozessbeginn und. Am 9.

Juni 2026 Landgericht Stuttgart Erste Große Strafkammer als Schwurgerichtskammer. 8 Verhandlungstage sind angesetzt und der Andrang ist wirklich riesig. Der Fall hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht, der Angeklagte betritt den Saal, versucht sein Gesicht von den Kameras zu verbergen und wĂ€hrend des Prozesses sitzt er meist aufgestĂŒtzt da. Er macht sich Notizen.

Schiebt sie immer wieder seinem Verteidiger zu, aber zur Sache schweigt er ĂŒber weite Strecken des gesamten Verfahrens sagt er kein Wort dazu. Ich weiß, wie das auf viele wirkt. VerdĂ€chtig, wer nichts getan hat, kann auch reden, das höre ich in fast jedem MandantengesprĂ€ch, es ist aber trotzdem falsch, denn schweigen ist ein Grundrecht des Beschuldigten, niemand muss an seiner eigenen ÜberfĂŒhrung mitwirken.

Und vollstĂ€ndiges Schweigen darf man vor Gerichten nicht negativ verwertet werden. Punkt ne, deswegen reden wir als Strafverteidiger immer von schweigendes Gold, jedes gesprochene Wort nĂ€mlich kann ĂŒberprĂŒft, missverstanden und widerlegt werden, schweigen nicht. Darf ich an dieser Stelle unseren Zuhörern deinen Spruch sagen? Schweigendes Gold.

Beirak da ist besser. Nein, schweigendes Gold Rechtsanwalt Beirak da ist der Schmied. Ach genau. Das ist mein Spruch, ja, aber intern nur ne. Intern ist es jetzt nicht. Mehr jetzt nicht mehr. Von ihr forscht mit einer wichtigen Nuance, die in diesem Fall zum Tragen kommt. Wer nicht schweigt, sondern sich einlÀsst.

Und zwar jetzt nur mit einem einzigen Satz, dessen Einlassung darf gewĂŒrdigt werden, so sieht's aus, und wenn sie sich wieder liegen lĂ€sst, darf das in die BeweiswĂŒrdigung natĂŒrlich einfließen. Merkt euch diesen Gedanken. Er wird am Ende dieser Folge entscheidend sein, ja. Und ich kann natĂŒrlich aus meiner Berufskarriere zig Geschichten dazu erzĂ€hlen, dass ich meinen Mandanten immer wieder gesagt habe, schweigen sie lieber.

Sagen Sie lieber gar nicht zur Tat. Ja, wir wollen hier keine abenteuerlichen Stories erzĂ€hlen, ja, wenn auch wenn die Story nach seiner Meinung irgendwie auch richtig ist und wahr ist. Sage ich, schweigen sie lieber trotzdem. Sagen Sie nicht zu der tat, weil es kann meistens auch immer nach hinten losgehen, weil wenn man auch dann anfĂ€ngt zu reden, dann eröffnet man auch die das die Möglichkeit auch Fragen zu beantworten und dann bohrt man nach und dann kommt man leicht in WidersprĂŒche deswegen schweigen ist Gold und Rechtsanwalt bei Rak, da ist jeder Schmied lĂ€sst lieber die Aufgabe der Profis. Einer Selbstlob stinkt beiseite.

Kommen wir zur Beweisaufnahme, denn die Beweisaufnahme hat ihr hier StĂŒck fĂŒr StĂŒck ein Bild zusammengetragen und 3 Momente stechen heraus. Moment 1 war eine Frau tritt in den Zeugenstand, sie berichtet von einem Vorfall aus dem Jahr 2012 donanden. Demselben Stadtteil, in dem spĂ€ter der Koffer gefunden wird. Sie sei damals als 53 JĂ€hrige in ihre eigene Wohnung gefesselt, geknebelt und ausgeraubt worden, und sie sagt ĂŒber den Angeklagten, ich habe ihn erkannt. Die Vorsitzende unterbricht an dieser Stelle mit einem bemerkenswerten Hinweis.

Wegen dieser Tat sei der Angeklagte bereits rechtskrĂ€ftig verurteilt. Worden. Ja, und genau hier muss Strafrecht einen kĂŒhlen Kopf bewahren. Ich sag es so deutlich, wie ich es im PlĂ€doyer sagen wĂŒrde, eine Vorstrafe ersetzt keinen tatnachweis, Menschen werden fĂŒr konkrete Taten verurteilt, nicht fĂŒr ihren Charakter oder ihre Vergangenheit, wir neigen alle dazu, Muster zu sehen, der hat schon mal eine Frau gefesselt, aber ein Gericht darf diese AbkĂŒrzung nicht nehmen.

Es darf die Vorgeschichte kennen und wĂŒrdigen, etwa bei der Persönlichkeit. Aber das war es auch dann schon. Der Beweis der jetzigen Tat muss aus den jetzigen Beweisen kommen. Ja, das mag sein, dass du das als Strafverteidiger so siehst. Ich sehe das absolut nicht so. Ja, wenn jemand schon vorher eine Frau gefesselt und hier Gewalt angewandt. Hat Resozialisierung.

Ja, aber das ist trotzdem vielleicht ein Muster. Ah ja, das kann man so nicht sagen, nur weil es nur einmal, nur einmal getan hat, heißt das ja nicht, dass. Es noch einmal ja. Also nur, wenn jemand nur einmal einen Menschen getötet hat, bedeutet das noch nicht, dass er noch mal töten wird. Ja, aber das bedeutet auch nicht, dass es dabei bleiben muss.

Ja, Moment 2 war die Wohnungsdurchsuchung. Ein Ermittler beschreibt die Wohnung des Angeklagten als auffĂ€llig aufgerĂ€umt, fast als wĂŒrde dort niemand leben. Unter dem Waschbecken fehlte der Siphon. Mhm. FĂŒr alle, die jetzt RĂ€tseln, der Siphon ist der Geruchsverschluss. Das u förmige Rohr. Dort sammeln sich RĂŒckstĂ€nde von allem, was jemals in diesen Abfluss gespĂŒlt wurde, insbesondere auch DNA Spuren an dieser Stelle.

Es ist auch einer der ersten Orte, an denen Spuren sicher nach Blut und DNA suchen. Ich möchte hier keine Tipps geben, aber wenn er fehlt, gibt es dafĂŒr harmlose ErklĂ€rungen. Ein Rohrbruch, eine Reparatur und weniger harmlose. Also kein appetitlicher Ort. Nicht unbedingt, nee. Moment 3 und der ist fast unheimlich.

In der Wohnung hĂ€ngen AnzĂŒge, bei einem fehlt die dazu passende Krawatte und um die Beine der Toten im Koffer. War eine Krawatte gewickelt? Und. Der Beamte im Zeugenstand war da ĂŒbrigens vorbildlich vorsichtig. Ob es sich um dieselbe Krawatte gehandelt hat, ließ sehr ausdrĂŒcklich offen. Und diese Vorsicht ist der Punkt, an dem ich als Verteidiger genau hinhöre ein fehlender Siphon ist kein Beweis, eine fehlende Krawatte ist schon mal auch kein Beweis. Eine aufgerĂ€umte Wohnung ist erst recht keiner, ja. Meine Mutter hĂ€tte nach diesem Maßstab einiges zu erklĂ€ren gehabt, aber im aber im Ernst, einzeln ist jedes dieser Dinge erklĂ€rbar.

Die Frage eines Indizienprozesses ist nie, was ein einzelnes Puzzleteil beweist, sondern ob alle Teile zusammen noch eine vernĂŒnftige, unschuldige ErklĂ€rung zulassen, und das wird hier spannend, weil wir wissen ja eigentlich das Urteil schon. Und damit sind wir wieder am Anfang dieser Folge, und zwar beim Suchverlauf.

Denn das, was ihr im Code oben gehört habt, stammt aus der Urteilsberichterstattung es ist das Indiz, dem das Gericht besonderes Gewicht beigemessen hat. Über Wochen, so die Feststellungen, recherchierte der Angeklagte nĂ€mlich, wie sich Spuren einer Leiche beseitigen lassen, wie eine Ausreise in die TĂŒrkei möglich wĂ€re.

Worin sich Mord und Totschlag juristisch unterscheiden und in welches GefĂ€ngnis UntersuchungshĂ€ftlinge kommen. Und immer wieder hat er gesucht, Leichenfundfilter statt heute und eben jene Suche Katze, gestorben auf Terrasse, Geruch beseitigen, wohlgemerkt, nachdem der Koffer wochenlang auf seinem Balkon gestanden haben soll. Dazu kommen wir aber auch gleich noch mal zurĂŒck. Bevor jetzt alle sagen, Na, das war es doch ja, eine Suchanfrage ist immer noch kein GestĂ€ndnis, sie belegt zunĂ€chst nur, dass auf einem GerĂ€t nach etwas gesucht wurde. Als Verteidiger wĂŒrde ich den IT SachverstĂ€ndigen dazu stundenlang befragen, wann genau wurde gesucht, mit welcher Zeitzone, mit welchem GerĂ€t.

Wer hatte Zugriff darauf wurde der Begriff vollstĂ€ndig eingetippt oder war es ein AutovervollstĂ€ndigungsvorschlag? Wie wurden die Rohdaten gesichert, mit welcher Software gibt es Protokolle? Also hunderte Fragen, also so ne Befragung dauert auch mehrere Stunden, teilweise digitale Beweise wirken auch objektiv, ihre Interpretation ist es nicht automatisch. Und trotzdem, und das hat die Vorsitzende ne UrteilsbegrĂŒndung auf den Punkt gebracht.

FĂŒr einzelne Suchanfragen gĂ€be es womöglich noch harmlose ErklĂ€rungen, aber nicht fĂŒr ihre Gesamtheit. Wer sucht denn zeitlich passend zum Verschwinden einer Bekannten nach Spurenbeseitigung nach dem Strafrahmen fĂŒr Tötungsdelikte, nach Fluchtwegen und nach dem eigenen kĂŒnftigen GefĂ€ngnis? Das ist die ehrliche Antwort. Ja, also.

Die Gesamtschau ist juristisch natĂŒrlich absolut zulĂ€ssig und hier erdrĂŒckend. Ich hĂ€tte als Verteidiger an den RĂ€ndern gekĂ€mpft, Zugriff, Zeitstempel, alternativnutzer, aber ich sage auch offen, also dieser Suchverlauf ist der Albtraum jeder Verteidigung, ja. Ja, kleiner Einschub an dieser Stelle, weil uns das immer wieder gefragt wird, darf die Polizei einfach meinen Suchverlauf lesen.

Nein, nicht einfach so. Und zwar. DafĂŒr braucht es einen Anfangsverdacht und in der Regel richterliche BeschlĂŒsse, auch auch nur Beschlagnahme des Handys und dann die Auswertung. Also was ihr Google interessiert im Normalfall nicht niemanden, aber in einem Mordverfahren wird euer Handy zur wichtigsten Akte ĂŒber euer Leben und das sollte mal gehört sein. Und dann, direkt vor dem PlĂ€doyer, passiert etwas, dass man in deutschen GerichtssĂ€len.

Er selten erlebt. Ein Polizeibeamter tritt in den Zeugenstand und trĂ€umt eine Panne ein. Oh Oh, und ich weiß schon, als Strafverteidiger hĂ€ttest du jetzt alle zerfetzt und auseinander genommen zur Vorgeschichte frĂŒher im Prozess hat er ein Polizist ausgesagt, bei der Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten sei ein SchlĂŒsselbund gefunden worden. Einer dieser SchlĂŒssel habe zum WG Zimmer des Opfers in Stuttgart gepasst.

Die Schlussfolgerung damals war, der Angeklagte muss die Frau gekannt haben. Ein scheinbar hartes Indiz, erinnert euch, er bestreitet ja bis zuletzt, sie ĂŒberhaupt gekannt zu haben, nur diese Schlussfolgerung war falsch und der Fehler lag bei der Polizei selbst. OK, und was ist da genau passiert?

Ja. Nach der Durchsuchung eines Kellerraums des Angeklagten hatten die Beamten das ursprĂŒngliche VorhĂ€ngeschloss aufgebrochen und ein eigenes neues Schloss angebracht. Den SchlĂŒssel dafĂŒr nahmen sie mit, ein Beamter hatte diesen PolizeischlĂŒssel spĂ€ter auch dabei, als er noch einmal im WG Zimmer des Opfers war und durch eine Kette von ZufĂ€llen und MissverstĂ€ndnissen wurde dieser SchlĂŒssel dann zum SchlĂŒsselbund des Angeklagten zugerechnet.

Also bitte. Und das ist das eigentlich TĂŒckische hier. Er passte tatsĂ€chlich in das Schloss des WG Zimmers, obwohl er dem echten ZimmerschlĂŒssel in GrĂ¶ĂŸe und aussehen deutlich unĂ€hnlich war. So entstand aus einem PolizeischlossschlĂŒssel ein vermeintlicher Beweis dafĂŒr, dass der Angeklagte Zugang zum Zimmer des Opfers hatte. Okay.

Das muss man sich erstmal vorstellen. Also ich will hier 2 Dinge sauber auseinanderhalten, weil ich finde beide sind wichtig. Also erstens aus Verteidigersicht das ist ein Geschenk, also wirklich und ich hĂ€tte es mit beiden HĂ€nden genommen, nicht weil ein vertauschter SchlĂŒssel den Fall irgendwie erledigt, sondern wegen der Frage, die hier aufwirft, ja, wenn hier ein Irrtum passiert ist, wo noch wurden andere Spuren ebenso und.

Vorschnell bewertet und genau diese Frage hÀtte ich eben PlÀdoyer gestellt. Ja, unmittelbar nachdem die Panne hier eingerÀumt wurde, das ist auch keine Polemik, finde ich, das ist die Aufgabe Verteidigung, und ich finde, es gehört auch zur Fairness dazu. Der Beamte hat den Irrtum nach eigener Aussage von sich aus gemeldet und sofort die Staatsanwaltschaft informiert und intern wurden Vorkehrungen getroffen, damit so etwas nicht wieder passiert.

Man kann einer Behörde den Fehler vorhalten, den Umgang damit muss man aber anerkennen, finde ich. Und ein Reststaat zeigt sich nicht daran, dass keine Fehler passieren, sondern daran, wie transparent sie auf den Tisch kommen. Und die dritte Ebene ist jedes Gerichts. Ein Ermittlungsfehler macht nicht automatisch die gesamte BeweisfĂŒhrung unbrauchbar.

Gerichte bewerten am Ende Beweise und nicht Ermittlungen. Aber die Kammer musste jetzt prĂŒfen, trĂ€gt die Indizienkette auch ohne den SchlĂŒssel und fĂ€llt dieses Puzzleteil Weg, hĂ€lt der Rest. Und ihre Antwort kennt ihr schon aus dem Code Open, denn der SchlĂŒssel war nie das stĂ€rkste Indiz. Das stĂ€rkste Indiz lag im Suchverlauf und in den Zeugen, die den Angeklagten mit der Frau in seinem Wohnhaus gesehen hatten.

Also hat das ĂŒberhaupt gar keine große Auswirkung gemacht, das hier. Wurde er ja verurteilt und deswegen denke ich, dass es fast gar nicht ins Gewicht gefallen ist. Ja. Auch die Rechtsmedizin blieb ohne Antwort, denn die entscheidende Frage, woran ist die Frau gestorben, konnte nicht mehr festgestellt werden. Wochen in der Sommerhitze.

Starke Verwesung, teilweise skelettierung es gibt keinen gerichtsfesten Nachweis, ob sie erstickt wurde oder ob stumpfe Gewalt im Spiel war oder ein anderer Ablauf. Ja, da kann man doch noch niemanden verurteilen. Das ist der naheliegende Gedanke hier, die vielleicht viele haben, aber juristisch stimmt er leider nicht, ein Strafgericht muss nicht jede einzelne. Einzelheit der Tat konstruieren oder rekonstruieren Paragraph 261 der Strafprozessordnung sagt nĂ€mlich, das Gericht entscheidet nach seiner Freien, aus dem Inbegriff der Verhandlung Geschöpften Überzeugung, es muss von der TĂ€terschaft ĂŒberzeugt sein und vernĂŒnftige Zweifel ausschließen können, also nicht jeden theoretisch denkbaren

Zweifel. Aber, und dieses aber ist groß. Wenn ein so zentrales Puzzleteil wie die Todesursache fehlt, muss der Rest der Indizienkette umso stĂ€rker sein und lĂŒckenlos ineinander gehen. Die Kammer hat hier ĂŒbrigens einen bemerkenswerten Zwischenschritt gemacht, die Vorsitzende sagte in der BegrĂŒndung sinngemĂ€ĂŸ, eine andere Todesursache als einen gewaltsamen Tod schließe die Kammer aus, also wir wissen nicht wie, aber die GesamtumstĂ€nde lassen keinen natĂŒrlichen Tod, keinen Unfall und auch keine Selbsttötung mehr plausibel erscheinen.

Wer stirbt schon natĂŒrlich und wird danach von fremder Hand verpackt, gefesselt und wochenlang versteckt, wĂ€hrend ein Bekannter nach Spurenbeseinigung Google. Also. Ich bin ja Strafverteidiger und deswegen gibt es fĂŒr aus meiner Sicht da 100 oder tausende Argumente, die genau das Gegenteil belegen wĂŒrden.

Ja, aber ich stell die mal zurĂŒck, jetzt erstmal. Ja, vielleicht können wir die dann aufgreifen, wenn hier noch mal verhandelt wird. Und die sind ja in Revision gegangen. Also ich glaube nicht, dass dieses Urteil standhalten, um ehrlich zu sein. Nicht, nee, ich kann es nicht, ich kann mir es nicht vorstellen. Also du hast keinen Tatnachweis, ja du hast kein GestĂ€ndnis. Aber es gibt Zeugen, die die beiden gesehen haben. Ja gut, aber trotzdem macht es nicht so ein Mörder. Ja, und wir wissen ja nicht, vielleicht waren es ja mehrere, vielleicht war er gar nicht der Mörder, vielleicht hat er es einfach nur gegoogelt und irgendjemand anderes gemacht, weil er einfach Angst hatte, dass es auf ihn fĂ€llt. Ja, wenn man bedenkt in diesem

Milieu, ja, da kann es schon gefĂ€hrlich werden. Ja, vielleicht waren es ja mehrere Leute. Vielleicht haben die gemeinsam irgendwas konsumiert und dann ist die gestorben. Dann hatte man Panik, dass die Leute denken werden, er hĂ€tte sie umgebracht, dann hat er danach gegoogelt, wollt einfach vielleicht die Leiche irgendwie wegschaffen, aber noch mal. Weil mir auch aufgefallen ist ĂŒber als er verhaftet wurde und ihm halt geschildert wurde.

Warum wurde er wĂŒtend? Ja, und davor hat er gesagt, er wollte ja ohnehin zur Polizei kommen. Ja, aber. Ja, mit auch mit so einem auffĂ€lligen Koffer eine Leiche irgendwie zu transportieren. Und ich finde auch. Das darf man hier jetzt auch nicht. Die hellste Kerze auf der Torte sein dafĂŒr, oder? Ja, ich finde auch gut.

Es gibt auch Mordprozesse, die wesentlich kĂŒrzer dauern, aber jetzt bei so einem Indizienprozess finde ich auch. Persönlich 8 Verhandlungstage etwas zu kurz geraten und ja. Ja, aber schließen wir mal an, die Verhandlungstage hier an. Nach 8 Verhandlungstagen kamen die AntrĂ€ge und die Staatsanwaltschaft zieht ein geschlossenes Bild ohne vernĂŒnftige Zweifel und beantragt 14 Jahre Freiheitsstrafe wegen Totschlags und die Verteidigung beantragt Freispruch. Und ihre Argumente eigentlich, was du schon gesagt hast, unbekannte Todesursache, kein Tatmittel, kein Tatzeuge, kein Motiv und es gĂ€be Hinweise darauf, dass mehrere Personen beteiligt gewesen sind.

Du siehst zu Hause, ja, siehst du mal, ja. Und der Verteidiger erklĂ€rt, er sei von der Unschuld seines Mandanten ĂŒberzeugt. Ja, und das ist keine Show, finde ich ja. Genau dafĂŒr gibt es uns Strafverteidiger nicht, um Taten schönzureden, sondern um zu verhindern, dass aus Wahrscheinlichkeiten Verurteilungen werden. Staatsanwaltschaft und Verteidigung dient demselben Rechtsstaat nicht aus, entgegen nicht auch in entgegengesetzten Rollen, auch wenn das immer so ist. Aber ich finde, dass das schon Hand und Fuß hat, was die Verteidigung mir sagt.

Ja. Bleibt abzuwarten, ob das Urteil ist. Schon. Also es ist schon. Es sind sehr viele ZufÀlle, ja, es sind zu viele ZufÀlle, dass es einfach nur Zufall sein kann, aber so, die die letzten Zweifel kann das meines Erachtens jetzt auch nicht beseitigen. Und der Grundsatz? Lautet. Könnte da wirklich vielleicht jemand anders am Werk gewesen? Sein.

Wo bleibt denn bitte bei so einem Prozess der Grundsatz in dubio poreo. Im Zweifel fĂŒr den Angeklagten. Also, wenn man das nicht absolut ausschließen kann, jede. Zweifel auch jetzt mit dem SchlĂŒssel. Ja eben. Also wenn da schon fehlt. Also deswegen hab ich ja vorhin gesagt, das ist einfach n Geschenk den man beiden HĂ€nden nehmen wĂŒrde, das ist ja ne Stallvorlage eigentlich fĂŒr die Verteidigung, wenn da schon so ein gravierender Fehler. Passiert ist ja mit einem SchlĂŒssel. Also als du mir das erzĂ€hlt hast, muss ich mich wirklich anstrengen, ĂŒberhaupt nachzuvollziehen, wie das ĂŒberhaupt alles abgelaufen ist mit diesem SchlĂŒssel. Ja, also es war ja schon ne Reihe verschiedener. Ja, das zeigt aber wiederum,

dass es wirklich ZufĂ€lle gibt, die man so kaum irgendwie glauben kann. Und nur weil er das mal gegoogelt hat, macht das ja auch nicht zu dem TĂ€ter. Zumal, zumal wir wissen ja auch nicht, ob er danach gegoogelt hat. Wir wissen nur, dass mit seinem Handy danach gegoogelt worden ist. Ja, und das wĂ€re auch sozusagen meine Verteidigungsstrategie gewesen. Ja, man weiß, man weiß ja nur, dass mit diesem Handy gegoogelt wurde, fertig, ob er es gemacht hat, ob jemand anderes vielleicht hatte in der Zwischenzeit jemand anderes sein Handy, vielleicht war er so zugedröhnt mit Drogen in der Zwischenzeit, dass jemand anderes sein Handy genommen hat und alle nach diesen Sachen gesucht hat, können wir es ausschließen?

Nein, das. Ja und? Also. Eben die Aufgabe. Der Verteidigung in der Revision. Genau das zu zeigen, auch die Aufgabe des Gerichts, das eben alles zu widerlegen. Eben. Ja zum Urteil. Und zwar ist am 23 Juli das Urteil dazu auch gefĂ€llt worden, fast auf den Tag ein Jahr nach der mutmaßlichen Tat. Das Landgericht Stuttgart spricht den Angeklagten des Totschlags schuldig. 12 Jahre Freiheitsstrafe, 2 Jahre unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft weil. Die Staatsanwaltschaft wollte hier 14 Jahre sehen, nach Überzeugung der Kammer hat sich die Tat so zugetragen, der Angeklagte tötet die Frau vermutlich am 23 Juli. 2025 in der Wohnung seiner Eltern in Filderstadt auf eine Art und Weise, die ihm ungeklĂ€rt blieb.

Danach kaufte er in der Stuttgarter Innenstadt einen großen Rollkoffer, fesselte die Beine der Toten mit einer Krawatte, verpackte den Leichnam in Folie und MĂŒllsĂ€cke, lagerte den Koffer zunĂ€chst auf seinem Balkon. Und brachte ihn spĂ€ter dann unter die BrĂŒcke. Tragende Indizien waren der Suchverlauf inklusive der Suche nach Polizeiberichten ĂŒber verschwundene in Stuttgart Zeugen, die ihn mit der Frau in seinem Wohnhaus gesehen hatten, und auch Zeugen, die ihn mit einem Koffer gesehen hatten, der aussah wie der spĂ€tere Fundkoffer und eine widerlegte Behauptung. GegenĂŒber bekannten, er sei in Berlin gewesen, dabei war er gar nicht weg und schließlich seine eigene Einlassung, denn in seinem letzten Wort erklĂ€rte er

erneut, die Frau nie gekannt zu haben. Genau das sah die Kammer, als jeder liegt an und wir haben ja vorhin gesagt, wer schweigt, dem kann daraus nichts gedreht werden, aber. Wer aber etwas sagt, das widerlegt wird, liefert selbst ein Indiz. Einen Mord schließt die Kammer nicht aus, aber kein Mordmerkmal ließ sich mit der erforderlichen Sicherheit nachweisen, so dass es hier beim Totschlag. Blieb ja.

Aber das Wichtigste ist unser Standardsatz der AnwĂ€lte, die hier keine Floskel ist. Dieses Urteil ist nicht rechtskrĂ€ftig. Die Verteidigung hat noch im Gerichtssaal Revision angekĂŒndigt. Das heißt, der Bundesgerichtshof in Karlsruhe wird das Urteil ĂŒberprĂŒfen, allerdings nur auf Rechtsfehler. Der BGH hört keine Zeugen neu, er wĂŒrde keine Beweise neu, er prĂŒft, ob die BeweiswĂŒrdigung der Kammer lĂŒckenhaft, widersprĂŒchlich oder gegen Denkgesetze verstoßen.

Ist gerade bei Indizienurteilen ohne Todesursache. Schaut Karlsruhe traditionell sehr, sehr genau hin. Dieser Fall ist also juristisch noch nicht zu Ende und deswegen hab ich auch gesagt, ich habe da so meine Zweifel, dass dieses Urteil so stehen bleibt und aber ich hab ja schon meine Meinung dazu gesagt, wie ich das auch als Verteidiger sehen wĂŒrde und wenn du jetzt meine Argumente so gehört hast.

Wenn du in dieser Kammer gesessen hĂ€ttest, hĂ€ttest du ihn verurteilt. Also diese Frage kann ich seriös nicht mit ja oder Nein beantworten. Und das ist jetzt keine Ausflucht oder so. Wir kennen wie alle Außenstehenden nur die öffentlich zugĂ€nglichen Informationen. Die Kammer hatte die vollstĂ€ndige Akte, alle Originalbeweise und jeden Zeugen unmittelbar vor sich.

Diesen Wissensvorsprung kann keine Berichterstattung ersetzen. Ja, aber ich kann juristisch nachvollziehen, warum meine Verurteilung trotz unbekannter Todesursache möglich ist. Wenn die Indizienkette geschlossen ist, muss das Gericht nicht jede Einzelheit der Tat kennen, meines Erachtens. Ja, und da hĂ€tte ich als Verteidiger trotzdem genau an diesen LĂŒcken angesetzt, weil wir haben keine Todesursache.

Wir haben kein Tatmittel, kein Tatzeuge, kein Motiv. Wir haben eine MehrtĂ€ter These und eine Ermittlungspanne, die erst unmittelbar vor den PlĂ€doyers eingerĂ€umt wurde, also noch mal im Prozess kurz vor den PlĂ€doyers, nicht wĂ€hrend der kompletten. Ist einiges bereits fest. So sieht es aus. Und ob das fĂŒr einen Freispruch reicht, entscheidet das Gericht. Und bald genau genommen der BH.

Aber diese. Punkte dĂŒrften niemals unter den Tisch fallen, finde ich. Und das ist keine Polemik, das ist der Job, den man als Strafverteidiger macht. Und vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis dieser Folge. Strafprozesse sind selten Schwarz oder weiß, sie bewegen sich fast immer zwischen Gewissheit und Zweifel, und die eigentliche Leistung eines eines Rechtsstaats ist nicht immer die ganze Wahrheit zu finden, das kann er oft nicht. Sondern ehrlich zu benennen, was er weiß. Was er nicht weiß und nur auf das Gewusste eine Strafe zu grĂŒnden.

Ja, und ich finde dieser Fall, also die Kofferleiche von Filderstadt, zeigt, wie moderne Strafverfahren funktionieren, nicht der eine große Beweis fĂŒhrt zum Urteil, sondern das Zusammenspiel vieler kleiner Mosaiksteine und die Sorgfalt, mit dem, mit der man sie zusammensetzt. Darin liegt die StĂ€rke eines Indizienprozesses.

Und das sagen wir genauso deutlich, auch seine Gefahr. Unsere Gedanken sind heute bei den Angehörigen der Frau in diesem Koffer. Gefunden wurde eine Frau, die einen Neuanfang wollte, wie wir, die auch bereits anfangs dargestellt haben. Wenn euch diese Folge gefallen hat. Abonniert gerne bei der Client by der True Crime and Law und schreibt uns, welche FÀlle wir als nÀchstes juristisch aufarbeiten sollen und wie euch dieser Fall gefallen hat. Sobald.

Ich möchte noch etwas sagen. Schreibt uns doch bitte in die Kommentare, ob ihr denkt, dass dieses Urteil standhalten wird oder nicht. Aber mal so eine Umfrage. Und sobald der BGH ĂŒber. Die Revision entschieden hat, hört ihr es hier zuerst bei uns. Ja, und bis dahin gelten wir immer, bleibt vorsichtig und achtsam.

Und auf Wiederhören. By Doc ten

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