
BAYRAKTAR + BAYRAKTAR - True Crime and Law· Staffel 1· Folge 36
Der Fall JP – Der Untergang: Ein Geständnis, das folgenlos blieb?
Dienstag, 15. September 2026 · 46 min
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Shownotes
#Folge 36: 🎙️Ein Überwachungsvideo, rund 21 Sekunden lang. Ein öffentliches Geständnis vor Millionen. Und trotzdem war der Fall bei der Staatsanwaltschaft zunächst: eingestellt. Wie kann das sein?
In Folge 36 nehmen sich Rechtsanwältin Nurcan Bayraktar und Rechtsanwalt & Strafverteidiger Sayıl Bayraktar den Fall des Auto-YouTubers JP vor: zwei getrennte Vorfälle, ein umstrittenes Video, Gewaltvorwürfe – und die entscheidende juristische Frage, warum ein eingeräumtes Verhalten folgenlos bleiben kann und was die Wiederaufnahme des Verfahrens ausgelöst hat.
Dazu: Notwehr, Gewaltschutz und der Unterschied zwischen dem, was ein Video zeigt – und dem, was es nicht zeigt.
🎙️ Es sprechen: Rechtsanwältin Nurcan Bayraktar und Rechtsanwalt & Strafverteidiger Sayıl Bayraktar
💬 Ein 21-Sekunden-Ausschnitt – würde euch das für ein Urteil reichen? Oder wollt ihr erst die ganze Minute sehen?
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ℹ️ Alle Angaben nach öffentlicher Berichterstattung. Es gilt die Unschuldsvermutung; das Ermittlungsverfahren ist nicht abgeschlossen.
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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Stell dir vor, du sitzt vor einem Bildschirm auf der anderen Seite ein Mann, den in Deutschland Millionen Menschen kennen. Autos, Motoren, große Bühne, und jetzt sitzt er da, mit roten Augen und erzählt selbst mit eigenen Worten, wie er seiner Frau eine Kette vom Hals reißt, wie er sie am Hals packt, kein Reporter, der ihn stellt, keine undichte Quelle, er selbst vor seinem eigenen Publikum.
Er entschuldigt sich, er kündigt sogar eine Therapie an. Er sagt, er zieht sich zurück und er macht sein ganzes Firmenimperium dicht, genau in dem Moment, in dem er das erzählt, war seine Sache bei der Staatsanwaltschaft erledigt, eingestellt, ein Mann räumt öffentlich Gewalt ein, und strafrechtlich passiert erst mal nichts.
Wie kann das sein? Das ist keine Geschichte über ein Urteil, es gibt nämlich kein Urteil, es ist die Geschichte einer Akte und der Frage, wie man am Ende glaubt, by Doc ten by Und somit herzlich Willkommen zu einer neuen Podcast Folge von Baidactarin Baidactar Drew Come and Law. Ich bin Rechtsanwalt und Strafverteidiger Stay the Baidactar.
Und ich bin Rechtsanwältin Nuljan Baidactar, schön, dass du da bist. Wir sind beide Anwälte. Falls du neu hier bist und uns zum ersten Mal zuhörst und. Und wir nehmen uns jede Woche 2 Fälle vor, über denen ganz Deutschland redet, und schauen ihn uns an wie eine Act auf unserem Schreibtisch. Unsere Folgen erscheinen immer dienstags und samstags um 19:00 Uhr, ich betrachte das Ganze als Strafrechtler, weil ich auch Strafverteidiger bin, und nehme immer die Perspektive der Strafverteidigung an und meine Ehefrau, die zugleich meine Partnerin ist.
Ich betrachte das ganze vom familienrechtlichen Aspekt, manchmal auch wenn es der Fall zulässt, auch vom erbrechtlichen Aspekt her und vertrete auch gerne mal die Ansichten der Staatsanwaltschaft. Manchmal gibt es nämlich so diese Rollenverteilung, um beide Seiten aufzuzeigen. Ja, und heute? Die Folge, das passt perfekt eigentlich, weil dieser Fall genau auf dieser Grenze liegt.
Es geht nämlich um einen Mann, den viele von euch vielleicht tatsächlich kennen, insbesondere vielleicht auch Männer. Autowelt riesige Reichweite aber wir bauen das langsam auf, Stück für Stück, bevor es aber losgeht, erst einmal möchte ich mal kurz sagen, was war denn bitte nach der letzten Folge los, weil wir haben Teil 6 Fabian aus Güstrow online gestellt. Und haben auch eigentlich die Folge auch direkt n ziemlich nah an den Verhandlungstag aufgenommen, weil uns das auch beide interessiert.
Und dann ging das wirklich absolut viral. Unsere Podcast Folge wurde auf youtube knappe 20000 mal gehört, um viele Mengen an Likes und Kommentaren. Innerhalb eines Tages. Innerhalb eines Tages. Ganz, ganz vielen Lieben Dank an alle, die uns supporten. Wir sind noch ein recht kleiner Kanal, aber wir schätzen wirklich jeden einzelnen Kommentar.
Unsere Mitarbeiter haben uns paar vorgelesen und wir hatten teilweise echt pipi in den Augen, was für schöne Kommentare ihr uns hinterlassen habt, wir werden in den nächsten Tagen definitiv auf jeden einzelnen zurückkommen und danke noch mal an dieser Stelle. Und an dieser Stelle noch ein kleiner Reminder. Wir sind noch ein kleiner Podcast, deswegen brauchen wir Unterstützung.
Also wenn dir die Folge. Gefällt oder allgemein unser Kanal gefällt, würden wir uns freuen, wenn du uns abonnierst und gerne auch kommentierst oder ein Like da lässt. Also vorab schon mal vielen Dank und jetzt machen wir weiter mit der Folge und ein Satz vorweg, Das ist ein laufendes Ermittlungsverfahren, über das wir heute sprechen werden.
Es gilt die Unschuldsvermutung für beide Seiten. Wenn wir also soll sagen oder laut Angaben, dann hat es einen Grund. Und ich verspreche euch 1 an einer Stelle. In dieser Folge werdet ihr laut Ah deshalb denken und das ist mein Lieblingsmoment im Strafrecht, wenn ein Ergebnis, das erst völlig unlogisch wirkt, plötzlich total Sinn ergibt. Genau.
Wir erzählen wie immer, was gesichert ist, was jemand selbst eingeräumt hat und was die Darstellung einer Seite ist. Aber der Reihe nach fangen wir an mit Kapitel 1, also mit dem Mann, um den es heute gehen wird, Jean Pierre Krämer, für alle JP geboren, 1980 im Sauerland, die. In Plettenberg. Ja, und falls ihr Dinge nicht kennt. Bekannt geworden ist er ab 2009 mit einer Fernsehsendung, die PS Profis Autos aufmotzen, große Show und daraus hat er etwas gebaut, das im deutschen Netz seinesgleichen sucht, nämlich die Marke GP Performance.
Ja, und ein paar zahlen, damit man so ein bisschen Gefühl dafür bekommt. Wie groß eigentlich diese Marke geworden ist? Rund 2,7 Millionen Abonnenten auf youtube, da wollen wir auch hin. Ja 1,4 Millionen auf Instagram. Das ist keine bloße Nische, das ist eine kleine Fernsehanstalt in einer Person.
Ja, und er hat das in die reale Welt übersetzt, sozusagen eine. Tuning Werkstatt, ein Automuseum, einen Burgerladen, ein café und in Dortmund und auch vielleicht bundesweit kennt ihn einfach jeder. Aber da muss ich was loswerden. Es ist keine Schande, ihn nicht zu kennen, weil ich kannte ihn auch nicht. Aber jetzt kennst du ihn.
Jetzt kenne ich ihn wirklich auch sehr gut. Wir haben nämlich alles bis ins kleinste Detail recherchiert. Fangen wir an mit seinem ganzen Image. Er war sehr nahbar, also er, der Kumpeltyp, der Junge aus dem Pott, würde ich sagen, der es geschafft hat, aber immer noch einer von uns ist. Genau dieses Vertrauen macht das, was jetzt kommt für seine Fans ja fast schon unerträglich, deswegen ist der Fall auch so ein Beben.
Es ist nicht irgendein Promi, es ist einer, den Millionen geglaubt haben, dass sie ihn wirklich kennen. Und dieses Gefühl, jemanden zu kennen, ohne ihn je getroffen zu haben, dafür gibt es sogar einen Fachbegriff, das nennt sich parasoziale Beziehung. Fans bauen über Jahre eine echte emotionale Bindung auf, einseitig zwar, aber das ist wirklich eine echte. Bindung.
Ja, und deshalb reagieren manche auf seinen Vorwurf, als wäre ein Freund gemeint. Manche verteidigen ihn wie Familie, das erklärt einiges von dem, was später im Netz passiert, im Guten wie im ganz schlechten, aber dazu kommen wir, man liest oft 1884 Mitarbeiter, 100000000 Umsatz, kleiner Realitätscheck von uns, diese Zahlen gehen im Kern auf seine eigenen früheren Angaben zurück und.
Und das sind keine geprüfte Bilanzen als Größenordnung. Vielleicht ja, aber als Fakt mit nachkommastelle, Nein und zur Einordnung zurzeit der Vorwürfe war er 45 und diese Woche soll er 46 geworden sein. Ja, und dann gibt es noch eine zweite Person und auch eine kleine Erinnerung an dieser Stelle. Normalerweise nennen wir keine Nachnamen. Aber weil dieser Fall so öffentlich ist und die 2 Personen von ja, wie gesagt von Millionen gekannt werden bereits, werden wir eine Ausnahme machen. Die zweite Person ist Julia Mack, sie ist 25 Jahre alt, auch sie ist in der Öffentlichkeit Influencerin und Unternehmerin. Ja, macht viel mit Mode und Beauty und hat über 200000 Follower auf Instagram.
Die beiden waren verheiratet seit 2024. Inzwischen läuft die Scheidung. Du siehst sie in Medien, mal als Exfrau, mal als noch Ehefrau sauber ist getrennt lebende, in Scheidung lebende Ehefrau und. Und ein Wort ist mir wichtig. Wir nennen sie nicht das Opfer, nicht, weil wir ihr nicht glauben, sondern weil Opfer im Rechtssinne eine Feststellung ist, die es hier aber noch gar nicht gibt.
Sie ist juristisch die mutmaßliche geschädigte Sprache ist. Präzision und nicht Höflichkeit, das klingt vielleicht etwas spitzfindig, aber es ist der ganze Unterschied zwischen einem Vorwurf und einer Feststellung. Und ich zum Beispiel sage meinen Praktikanten und Studierenden, die bei uns in der Kanzlei tätig sind, ich sage immer, die Rechtswissenschaft ist eine Sprachwissenschaft, weil es genau auf die Bezeichnung ankommt zur Beziehung und da bitte auch vorsichtig. Berichten zufolge sollen sie sich kennengelernt haben, als sie 16 Jahre alt war.
Die Beziehung selbst soll sich erst deutlich später entwickelt haben. Und das ist eine Stelle, an der man leicht abrutscht. Man hört 16 und hat sofort ein Bild im Kopf, aber kennengelernt mit 16 ist nicht dasselbe wie Beziehung mit 16 wir bleiben bei dem, was berichtet wird und füllen die Lücke nicht mit Fantasien auf, was man trotzdem nüchtern festhalten darf, das ist ein Altersunterschied von 20 Jahren auf der einen Seite ist eine enorme Bekanntheit vorhanden und wirtschaftliche Macht auf der anderen.
Deutlich weniger. Und diese Schieflage, wie Juristen sagen, dazu machtasymmetrie, das wird Kontext sein. Ja, aber auch nur Kontext und kein Beweis. Ein Altersunterschied beweist keine Gewalt, aber er hilft vielleicht zu verstehen, warum so ein Fall so aufgeladen ist und warum manche sofort Partei ergreifen in die eine oder andere Richtung.
Kommen wir mal zu dem Sachverhalt und hier ist die wichtigste Sache der ganzen Folge, wenn du sonst nichts mitnimmst, dann das. Es sind 2 verschiedene Vorgänge 2 und in der öffentlichen Debatte werden sie ständig zu einem verrührt. Ja, und erkläre das mal, weil ich glaube, das ist genau die Stelle, an der die meisten Leute den Faden verlieren. Okay also Vorgang 1.
Ein Video vom November 2024 und. Und Vorgang 2, ein Polizeieinsatz im Juli 2026 anderthalb Jahre sind dazwischen und an 2 völlig verschiedenen Orten, wenn man die beiden durcheinander wirft, versteht man den ganzen Fall falsch. Das Video zuerst. Es ist eine Überwachungsaufnahme vom 23. November 2024 und geht ungefähr 21 Sekunden und das überrascht viele.
Es ist nicht zu Hause entstanden, sondern auf einem Werkstatthof seiner Firma. Also eine Firmenkamera und merkt ihr das? Das wird später juristisch noch einmal richtig interessant. Was auf diesen 21 Sekunden zu sehen ist. Nach übereinstimmenden Berichten und nach seiner eigenen Beschreibung. Er packt sie am Hals, er schleudert sie weg, er drückt sie gegen eine Wand und er greift ihr in die Haare.
Und das alles in 21 Sekunden. Auch auf diese Zahl werden wir noch zurückkommen. Warum 21 Sekunden gleichzeitig sehr viel und sehr wenig sein können. Genau und ganz wichtig, damit wir auch sauber bleiben. Dieses Video ist von 2024 es ist nicht die Aufnahme des Polizeieinsatzes von 2026, das sind völlig 2 verschiedene Sachen. Und warum ist das so entscheidend? Weil viele online das Video sehen und denken, das sei die Nacht mit der Polizei.
Ist es aber gerade nicht. Das ist eine alte Aufnahme, die jetzt erst auftaucht. Das andere ist ein Einsatz eineinhalb Jahre später, und wer das vermischt, baut sich eine Geschichte zusammen, die es so nie gegeben hat, und solche Vermischungen sind Gift, nicht nur für die Wahrheit, auch juristisch. Jeder Vorwurf steht für sich.
Mit eigener Ort, eigene Zeit und eigenen Beweisen. Genauso ist das. Und kommen wir jetzt zu Vorgang 2, nämlich zu diesem Polizeieinsatz vom 26. Juli 2026 diesmal geschieht das Ganze zu Hause bei ihm an der gemeinsamen Villa in Dortmund. Es ist eine häusliche Auseinandersetzung, und da rückt die Polizei an, und hier müssen wir ehrlich sein, was genau in dieser Nacht passiert ist.
Wissen wir auch nur aus öffentlichen Quellen und nicht im Detail. Deshalb müssen wir hier das wiedergeben, was gesichert ist. Nämlich es gibt einen Einsatz und danach standen Vorwürfe im Raum, Körperverletzung und Sachbeschädigung und jetzt etwas. Das man sich ebenfalls merken muss nach diesem Einsatz.
Gibt es anzeigen aber gegen beide, also gegen ihn und gegen sie? Genau gegen beide, und das ist bei häuslicher Gewalt gar nicht so selten, dass zunächst in beide Richtungen ermittelt wird, wenn beide Seiten etwas natürlich behaupten. Ja, wobei, und das ist auch ein wichtiger Punkt. Anzeige gegen beide heißt nicht beide gleich schuldig, es heißt erstmal nur, die Behörde schaut sich beide Richtungen an, wer am Ende was zu antworten hat, ist eine ganz andere Frage. Und dann passiert das, was unseren Code Open zur Hälfte erklärt.
Beide Seiten verzichten erstmal auf einen Strafantrag und die Staatsanwaltschaft stellt das Verfahren gegen ihn ein. So, jetzt wird es wieder zu juristisch. Das klingt auch nach Paragraphen Strafantrag, das heben wir uns mal auf für später versprochen, ich werde auflösen, was damit genau gemeint ist und was das für Auswirkungen hat.
Damit es auch wirklich jeder versteht. Und. Und kurz, wieso etwas überhaupt Fahrt aufnimmt. Es ist zunächst ein Gerücht da, dann ein Video, das die Runde macht, dann Nachfragen von Redaktion und irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem Schweigen selbst zur Nachricht wird. Genau da entscheidet er sich selbst zu sprechen. Ja, ich finde, das ist menschlich nachvollziehbar und zugleich aber riskant.
Denn was einmal gesagt ist, gehört ab. Da der Öffentlichkeit und potenziell der Achse. Ende August 2026 wird die Sache dann öffentlich und JP macht etwas Ungewöhnliches. Er geht selbst raus am 28. August 2026 gibt er 2 Statements auf Youtube am selben Tag und die beiden sind nicht gleich, das ist entscheidend, das erste versucht. Sagen wir vorsichtig, die Sache eher klein zu machen. Wechselseitige Körperlichkeiten spricht er so in der Richtung, er stellt sich da auch ein Stück weit als jemand da, der selbst einstecken musste, das zweite kommt später am Tag, nachdem offenbar klar wird, dass das Video ohnehin an die Öffentlichkeit gelangt und den zweiten zeigt er selbst Ausschnitte und räumt konkrete
Dinge ein. Er sagt sinngemäß also. Man schlägt keine Frauen, er räumt ein, ihr eine Kette vom Hals gerissen und sie mit der flachen Hand geschlagen zu haben. Zum Video selbst sagt er ja, Hals schubsen, Haare und dieser Schritt selbst rausgehen, bevor die Presse es tut, ist übrigens auch eine Strategie.
Krisenkommunikation erzähl deine Version zuerst, dann hast du den Rahmen gesetzt, in dem alle anderen dann diskutieren. Nur hat diese Strategie hier einen Haken. Genau der Haken ist, um glaubwürdig zu wirken, musste er einräumen und jedes Einräumen ist zugleich ein Baustein, den man später gegen ihn verwenden kann.
Dazu kommen wir bei den Beweisen. Ja, und einen Tag später, am 29. August, kündigt er eine Auszeit an und dass er eine Therapie machen wird. Am 30. August meldet sich Julia Mac in einem Interview mit der Bild und sie widerspricht seiner Version deutlich. Ihre Darstellung, und das ist ausdrücklich nur ihre eigene Darstellung.
Also parteivortrag, sie habe nicht angegriffen. Das, was man im Video sieht, wenn sie sich bewegt, sei ein Versuch gewesen, sich zu befreien, und sie spricht von wiederholter Gewalt in einer Beziehung und was von Todesangst geprägt gewesen sei. Und da haben wir sie, die klassische Konstellation. 2 Menschen, 2 Erzählungen er sagt, es war wechselseitig. Sie sagt, sie hat sich gewehrt und beide können nicht gleichzeitig vollständig recht haben und dann, Anfang September, überschlägt sich alles. Er kündigt nämlich an, seine Firma zu schließen, Sponsoren springen ab und die Wende, die Staatsanwaltschaft nimmt die Ermittlungen wieder auf.
Ja, und spätestens. Fragt sich doch da jeder Moment doch mal, wie kann das jetzt wieder aufgenommen werden? Die Ermittlung war noch eingestellt und das werde ich später beantworten. Genau. Zuerst geht es nämlich um die Beweise und um die Ermittlungen. Also was liegt wirklich auf dem Tisch und das stärkste Stück ist natürlich das Video. Ein Video ist ein wunderbares Beweismittel. Denkt man zumindest.
Aber immer nur für genau das, was drauf ist. Nicht mehr und 121 Sekunden Ausschnitt ist eben ein Ausschnitt. Ja, gib mal ein Bild dazu. Also stell dir vor, jemand filmt die letzten 20 Sekunden eines Streits. Du siehst einen, der schlägt. Was du nicht siehst, die 2 Minuten davor. Ein Gericht will aber genau das wissen, also was war in der Minute davor, was in der Minute danach gibt es einen Ton, ist geschnitten worden, wann genau und wo genau.
Also die Frage ist nicht nur, was sehe ich, sondern was sehe ich nicht. Exakt, und das gilt, gilt ja in jede Richtung. Der Ausschnitt kann ihn schwer belasten und er kann trotzdem unvollständig sein, beides gleichzeitig. Und jetzt kommt die Firmenkamera zurück. Genau. GP räumt nämlich den Vorfall ein, aber er stellt öffentlich die Herkunft des Videos in Frage.
Also wie kommt eine Aufnahme von einer betrieblichen Überwachungskamera von 2024 überhaupt an die Öffentlichkeit, wer hatte Zugriff, wie ist diese Datei überhaupt gewandert? Ja, und das ist keine reine Spitzfindigkeit. Wenn eine betriebliche Kamera läuft, gibt es normalerweise regeln. Wer darf zugreifen?
Wie lange wird gespeichert, wofür wird es genutzt? Eine Aufnahme, die dafür nicht gedacht war, taucht nun in einem ganz anderen Kontext auf. Ja, und dass er die Herkunft in Frage stellt, ist aus Verteidigersicht nicht mal ungeschickt. Nur die Frage, wie kam das raus, ist etwas anderes als die Frage, was ist drauf und das zweite hat er selbst bestätigt. Und da wird es für uns Juristen ehrlich gesagt spannend, weil eine heimliche oder private Aufnahme im deutschen Strafprozess nicht automatisch unverwertbar ist. Aber eben auch nicht automatisch verwertbar. Genau, es kommt auf eine Abwägung an. Persönlichkeitsrecht auf der einen Seite, Interesse an der Aufklärung auf der anderen Seite
bei einer erheblichen Tat wiegt logischerweise das Aufklärungsinteresse schwerer, das ist keine Formsache. Über die man einen ganzen Prozess irgendwie kippt, wie man das aus amerikanischen Serien zum Beispiel kennt. Mhm und wichtiger Hinweis an alle, die Denken, das ist illegal aufgenommen, also zählt es nicht.
So einfach ist das leider nicht, das ist ein Abwägungsthema, kein Automatismus und dann gibt es ein zweites Beweisstück und fast das interessanteste. Seine eigenen Videos. Ja, weil die in 2 Richtungen wirken. Auf der einen Seite liefern sie im Kontext seine Version, seine Gegenvorwürfe, auf der anderen Seite enthalten sie konkrete Selbstbelastungen er hat Dinge über sich selbst gesagt, die man so nicht wieder einfängt. Jetzt könnte jemand sagen, aber das war doch keine Vernehmung, das war nur youtube.
Zählt das dann auch? Ja, das ist eine gute Frage, tatsächlich. Aber die Antwort lautet Ja. Es war nämlich keine polizeiliche Vernehmung. Deshalb stellt sich hier die ganze Frage nach der Belehrung gar nicht in dieser Form, aber eine Äußerung, die man freiwillig öffentlich macht, kann sehr wohl in die Bewertung einfließen. Ein Geständnis auf youtube ist Strafprozessual nicht wertlos, nur weil es auf youtube war.
Ja, das ist Kontraintuitiv. Man denkt, ich hab es ja nicht bei der Polizei gesagt, aber es ist raus und was raus ist, ist eben ja gesagt. So sieht es aus. Und interessant. Ist die Doppelnatur, dieselben Videos, mit denen er sein Image retten wollte, liefern potenziell die Bausteine gegen ihn. Selten sieht man dieses Dilemma so deutlich.
Und was könnte seine Verteidigung denn jetzt damit machen? Naja, also das was ich machen würde wäre natürlich den Kontext zu betonen. Wie es ist ne Ausnahmesituation Emotionen und es ist auch hier ne mediale Verkürzung vorhanden. Ein Mensch am Boden der sagt etwas, was er juristisch vielleicht nicht so gemeint hat und das ist auch völlig legitim, aber, und das ist die Grenze, das macht die Sätze ja nicht ungesagt.
Und was liegt sonst noch potenziell in so einer Akte? Na ja, vermutlich der Polizeieinsatzbericht von dem Abend im Juli. Vielleicht gibt es Bodycams, Verletzungsdokumentationen von beiden Seiten, vielleicht gibt es notrufdaten Nachrichten, die vorher oder nachher geschrieben wurden, falls die Handys irgendwie beschlagnahmt wurden und die vollständigen Kameradaten und nicht nur die 21 Sekunden. Ja, und da sind wir auch ehrlich. Das meiste davon kennen wir nicht, wir sehen die Spitze des Eisbergs nur.
Die Akte selbst, die sehen wir natürlich nicht. Ja, und deshalb gehört hier ein Grundsatz dazu, der für das ganze Strafrecht gilt, im Zweifel für den Angeklagten, sprich in dubio proreo. Der Staat muss die Schuld beweisen, nicht der Beschuldigte seine Unschuld. Das fühlt sich manchmal ungerecht an, ja, gerade bei Themen von dir, bei häuslicher Gewalt, wo oft niemand dabei war außer den beiden, ist es aber einerseits auch gar nicht.
Aber wenn wir ehrlich sind von häuslicher Gewalt sind überwiegend Frauen betroffen. Und ich habe ja auch viele Gewaltschutzverfahren begleitet, und wenn ich zurückdenke, lässt mich ein Fall bis heute nicht los. Eine ganz liebe Frau wurde von ihrem Ehemann derart zusammengeschlagen, dass sie einen Kieferbruch und einen Nasenbeinbruch. Erlitt.
Und trotzdem behauptete der jemand anschließend, er habe lediglich in Notwehr gehandelt und wir mussten wirklich hart dafür kämpfen, diese Behauptung überhaupt aus der Welt zu schaffen. Am Ende ist alles gut ausgegangen, aber es war schon unglaublich nervenaufreibend und erschütternd, weil sie eben so ein Angriff ausgesetzt wurde und trotzdem sich rechtfertigen musste.
Ja. Ja, deswegen ich weiß, es ist nur die Versicherung dafür, dass am Ende nicht der Lauteste gewinnt, sondern der mit den Besseren beweisen. Aber trotzdem finde ich das so bisschen, ja hinterlässt bei mir so bisschen Bauchschmerzen. Ja, und genau deshalb ist ja auch so ein Video eben doch so wertvoll.
Es ist einer der seltenen Momente, in denen es nicht nur dann um Aussage gegen Aussage ist. Ja. So, jetzt lösen wir vielleicht mal den Teil unserer Einleitung auf. Wir haben gesagt, ein Mann räumt öffentlich Gewalt ein und die Sache war trotzdem eingestellt worden von der Staatsanwaltschaft, wie geht das, wie ist das überhaupt möglich? Okay ich versuche, es zu erklären, ohne dass es dabei nach einer Jura Vorlesung aussieht. Es gibt Straftaten, die.
Bei denen der Staat sagt, die verfolgen wir von Amts wegen, egal ob das Opfer das will oder nicht, zum Beispiel Mord, da fragt keiner das Opfer, ob es noch gern noch Anzeige hätte, und dann gibt es eine zweite Gruppe, da sagt der Staat, das ist zwar strafbar, aber ob wir das wirklich verfolgen, entscheidet auch das Opfer mit. Und die einfache Körperverletzung zum Beispiel. Eine Ohrfeige, ein Packen, gehört genau in diese zweite Gruppe, die verfolgt der Staat grundsätzlich nur, wenn jemand einen sogenannten Strafantrag stellt. Also das Opfer muss aktiv sagen, ja, ich will, dass das verfolgt wird, fast wieso ein Schalter?
Genau, ein Schalter im Grundsatz. Es gibt eine Ausnahme, dazu komme ich gleich, aber der Grundsatz lautet und jetzt? Schau, was dir passiert ist. Nämlich nach dem Juli einen Satz verzichten beide erstmal auf so einen Strafantrag, das heißt, der Schalter bleibt aus, kein Antrag, also keine Verfolgung, und die Staatsanwaltschaft stellt ein. Es war nicht so, dass jemand gesagt hat, das ist nicht schlimm.
Muss ich an dieser Stelle mal klarstellen. Es hat schlicht die Voraussetzung gefehlt, um überhaupt weiterzumachen. Genau. Beide haben keinen Strafantrag gestellt. Deswegen gibt es in dem Fall jetzt keinen Freispruch, keine Bewertung als harmlos einfach ein Puzzleteil fehlte und deshalb konnte zeitgleich öffentliche Dinge einräumen und strafrechtlich lag die Sache trotzdem stellen.
Ja, und das ist wirklich dieser Aha, deshalb Moment genau, eigentlich, weil diese Unterscheidung, mit wann Strafantrag überhaupt notwendig ist, das ist schon. Genau. Und genau der ist das und vielleicht an alle, die da draußen, die mal vielleicht eine Strafanzeige stellen wollten gegen jemanden, wird man ja gefragt, ob man noch mal einen Strafantrag stellen möchte im gesonderten, und das ist genau eigentlich dieser Schalter, aber da gibt es auch die Ausnahme, die ich jetzt auch noch erklären muss, die Staatsanwaltschaft kann.
Auch ohne Antrag verfolgen wenn sie ein besonderes öffentliches Interesse an diesem Fall sehen und wenn dieser bejaht wird und ehrlich gesagt, gerade bei häuslicher Gewalt gibt es dafür gute Anhaltspunkte, vor allem, wenn die Personen die Personen der Öffentlichkeit sind, so dass die Behörde das hier zunächst verneint hat, ist ein Punkt, über den man durchaus diskutieren kann. Aber aus der Ferne natürlich die Ermessensentscheidung in der Staatsanwaltschaft, hier zu hinterfragen, ohne die Akte zu kennen, das ist natürlich ja ins Blaue hinein. Wir kennen den Vorgang nicht, wir kennen ja nur die Zeitungsartikel, deswegen sage ich auch nur diskutierbar und nicht falsch, und vielleicht ist
genau das auch die ehrlichste Haltung, wir lassen beide Seiten hier zum zum Selberdenken. Ja, und dann kippt das Ganze und. Genau für Julia Mac meldet sich ein Anwalt und stellt genau diesen Strafantrag nach und somit geht dieser Schalter an und in dem Moment ist das fehlende Puzzleteil da. Das Verfahren wird wieder aufgenommen. Aber an dieser Stelle eine Frage, die sich viele Stellen dürften.
Ist es verdächtig, dass sie erst später den Antrag stellt? Spricht das gegen sie? Nein, und das ist mir wichtig. Ein Zögern bei häuslicher Gewalt hat 1000 mögliche Gründe, Angst, Abhängigkeit, Scham. Die Hoffnung, dass es besser wird aus spät folgt weder gelogen noch automatisch Angst. Juristisch zählt nur hier die eine Frage, nämlich ob das fristgerecht war und die Frist 3 Monate war hier im vorliegendem Fall gewahrt. Und da spreche ich mal aus der familienrechtlichen Praxis. Dieses Muster zwischen Anzeigen dann wieder zurücknehmen, wieder Anzeigen ist bei Gewalt in Beziehungen leider fast schon typisch.
Fachleute gehen davon aus, dass Betroffene oft viele Anläufe brauchen, bis sie endgültig gehen. Ja, was heißt ein Widerruf oder ein Zögern taugt für sich genommen nicht als Beweis, dass nicht zwar, genauso wenig übrigens, wie es ein Beweis dafür ist, dass es etwas war. Er sagt schlicht wenig. Und deshalb sind Gerichte vorsichtig, eigentlich mit dem mit dem schnellen Schluss.
Sie hat sie ja zurückgenommen, also war alles gelogen, das ist zu einfach. Bleiben wir kurz bei den Handlungen, selbst Kette vom Hals reißen, dann Ohrfeige, dann Haare, Hals ist das alles Körperverletzung? Ja Merksatz, den ich jedem Mitgebe, der uns zuhört. Körperverletzung fängt nicht erst im Krankenhaus an eine schmerzhafte Ohrfeige reicht ein Packen einziehen an den Haaren, je nach Intensität, ja, es braucht auch gar keinen blauen Fleck, den man ihn fotografieren kann.
Und der Griff an den Hals, weil online lese ich hier Sachen wie Würgen, das ist doch viel schlimmer. Vorsicht, und genau da darf man nicht überdrehen. Es gibt eine schärfere Stufe zwar, die die gefährliche Körperverletzung, aber ein Griff an den Hals ist nicht automatisch ne gefährliche Körperverletzung, dafür bräuchte man konkrete Feststellungen zur Gefährlichkeit aus 21 Sekunden Video mal eben lebensgefährliches Wirken zu machen, das wäre natürlich unsauber.
Mhm und dann zu dem Punkt. Sie hat ja gesagt, sie habe sich nur gewehrt. Und wollte so bisschen auf die Notwehrschiene damit hin. Ja, das ist der eleganteste Teil juristisch, selbst wenn beide körperlich werden, heißt das nicht automatisch beide gleich schuldig. Jede einzelne Handlung wird für sich geprüft, wer hat wann angegriffen, war der Angriff in dem Moment noch ein Gange und war die Reaktion nötig, um sich zu wehren?
Also sie hat auch zugeschlagen. Ist nicht das Ende der Diskussion. Nein, überhaupt nicht. Wer angegriffen wird, darf natürlich wehren, und das darf auch mal aussehen wie ein Schlag. Eine Abwehr sieht von außen manchmal aus wie ein Angriff und ein Standbild lügt ja manchmal auch. Machen wir an der Stelle einen kurzen Kompaktblock, damit es hängen bleibt. 3 Sätze. Okay also 1 Körperverletzung braucht keine sichtbare Verletzung, Schmerz reicht, ein Halsgriff ist nicht automatisch die schwere Variante und bei wechselseitiger Gewalt wird jede Handlung einzeln geprüft, nicht in einen Topf geworfen. Ja, 3 Sätze, die in fast jeder häuslichen Sache wieder auftauchen.
Gut zu merken, ja. Und vielleicht, wenn wir schon dabei sind, ganz kurz die Sachbeschädigung. Der zweite Vorwurf, was da genau beschädigt worden sein soll, ist öffentlich gar nicht belegt, also lassen wir das auch offen, statt uns da irgendwie was auszudenken. Und was ist jetzt mit dem Verfahren?
Wo stehen wir also, stand heute? Also das Verfahren ist ja wieder offen. Ermitteln wird wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung, ein Ergebnis gibt es noch nicht und weil wir ja die Akte nicht kennen. Gibt es wohl wahrscheinlich in Verletzungsdoku das ganze Video, die Vernehmungen, ja, und es wäre jetzt auch nur eine Prognose wie er wird verurteilt oder das wird eingestellt.
Das wäre natürlich auch unseriös, wenn wir so was sagen würden. Aber welche Wege gibt es überhaupt, damit die Leute so ein bisschen verstehen, worauf sie schauen müssen und? Also es gibt sozusagen 3 grobe Richtungen. Erstens, es gäbe die Anklage, dann gäbe es einen Prozess vor Gericht und zweitens, es wäre hier ein Strafbefehl möglich, quasi ein schriftliches Urteil ohne große Verhandlung, das ist dann meist eine Geldstrafe, wenn man es akzeptiert, oder drittens wieder eine Einstellung, aber diesmal vielleicht gegen Auflagen.
Also zum Beispiel Zahlung eines Geldbetrags. Und die Sache ist erledigt. Ohne Eintrag als Verurteilung dass über recht viele jemand zahlt und ist nicht vorbestraft. Ja, bevor man sich da aufregt. Das ist aber ein völlig normales Instrument, das tausendfach angewandt wird, wenn die Schuld nicht so schwer wiegt, dass eine Anklage nötig ist.
Ob es hier passt, ist natürlich eine andere Frage, die entscheidet die Staatsanwaltschaft anhand der Akte und nicht anhand der Schlagzeilen oder der Medienpräsenz. Und falls es doch zur Anklage käme, wie sähe so ein Prozess dann eigentlich aus? Also der wird erstmal öffentlich. Das überschätzen viele nicht. Ein Prozess gegen jemanden mit dieser Reichweite wäre natürlich ein absolutes Medienereignis, es würden Zeugen gehört, wahrscheinlich beide Seiten, vielleicht Polizisten vom Einsatz unter Umständen ein Sachverständiger, vielleicht zum Video und am Ende müsste das Gericht mit dem Maßstab keine vernünftigen Zweifel überzeugt sein. Und selbst bei einer Verurteilung reden wir bei einer einfachen Körperverletzung
typischerweise nicht über Gefängnis, oder? In aller Regel nicht bei einem nicht vorbestraften Menschen wäre eine Geldstrafe der wahrscheinlichste Rahmen und ehrlich, die eigentliche Strafe läuft hier ohnehin ja längst, nur eben nicht vor Gericht, sondern in der Öffentlichkeit, weil die Karriere die Marke, der Ruf, die sind ja auch alle jetzt schon fast am Boden. Ja, Sponsoren sind ja schon abgesprungen. Das sagt ja auch viel.
Jetzt komme ich mal auf mein Feld wieder zurück, weil man leicht vergisst. Neben dem Strafverfahren läuft ja noch etwas anderes, nämlich die Trennung, also die Scheidung, und da geht es um ganz andere Dinge für die Scheidung selbst gilt bei uns das Zerrüttungsprinzip das ist nicht in allen Ländern so. Und das bedeutet, im Kern geht es nicht darum, wer Schuld ist. Anders als in vielen Köpfen, geprägt vor allem oft von amerikanischen Filmen, ist Scheidung in Deutschland keine Schuldfrage.
Wo Gewalt aber sehr wohl eine große Rolle spielt, ist der Schutz. Stichwort Gewaltschutzgesetz ein Gericht kann auf Antrag Dinge anordnen wie näherungsverbot, Kontaktverbot, sogar dass einer die gemeinsame Wohnung verlassen muss, und zwar oft schneller als man denkt. Und da braucht es nicht erst ein Strafurteil.
Das ist ein wichtiger Punkt für alle da draußen, die das gerade vielleicht selbst betrifft. Der Schutz läuft auf einer eigenen Schiene, man muss nicht warten, bis ein Strafgericht darüber entscheidet. Genau, und da war ja auch etwas berichtet, und zwar ein Annäherungsverbot. Ja, angeblich ein Sechsmonatiges, so die Berichte.
Aber, und das ist mir wichtig, öffentlich ist nicht sauber belegt, ob das eine Anordnung nach dem Gewaltschutzgesetz war oder eine polizeiliche Maßnahme. Ja, deswegen lassen wir das mal so offen stehen. Und kommen wir zu der Frage, was so ein Annäherungsverbot überhaupt bedeutet, meist einen Mindestabstand zu bewahren. Kein Anrufen, kein Schreiben, kein Auflauern, auch nicht über Dritte.
Und wer sich nicht daran hält, riskiert echten Ärger bis hin zur neuer Strafbarkeit, und deshalb ist so eine Anordnung mehr als ein Stück Papier und derjenige, der eben. Kontakt sucht ist danach in der schwächeren Position. Kommen wir mal zu dem, was um den Fall herum passiert ist, weil das ist ja fast eine eigene Geschichte.
Ja, weil dieser Fall von Anfang an auch ein Kampf um die Deutungshoheit war. Wer erzählt die Geschichte? Also die Ausgangslage ist extrem ungleich. Er hat Millionen Follower, er kann seine Version in Sekunden direkt an sein Publikum senden. Erinnere dich an diese 2 Videos. Sie reagiert über ein Zeitungsinterview und das ist keine Waffengleichheit. Ja, und man sieht in solchen Debatten wieder ein Muster, das mir jedes Mal wehtut, die Relativierung. Es ist ja niemand getötet worden, als wäre das der Maßstab hier.
Das verschiebt den Maßstab weg von dem, was tatsächlich eingeräumt wurde. Niemand muss jemanden töten, damit Gewalt Gewalt ist. Genau, ja, und dann kippt ja die Öffentlichkeit in etwas, das strafrechtlich ein eigenes Kapitel ist. Nämlich nachdem er seinen Rückzug ankündigt, machen Teile seiner Fangemeinde ja nicht alle Teile Julia dafür verantwortlich.
Ja, und zwar heftig. Ihr Anwalt bestätigt sogar, dass er sie Drohungen im Netz erhält, nämlich Todesdrohungen und Vergewaltigungsdrohungen. Ja. Stell dir mal vor. Ja, und es soll Nachrichten geben, in denen ihr gesagt wird, sie solle ihr Haus nicht nicht mehr verlassen. Und das muss man sich erst mal noch mal überlegen. Ja, eine Nachricht, in der steht, er hätte sie töten sollen.
Ja, und sie hat natürlich Anzeige erstattet, und das ist juristisch ein völlig eigener Vorgang, losgelöst von der Frage, was. Was in der Ehe passiert, ist je nach Wortlaut reden wir da über natürlich Bedrohung, über Beleidigung, unter Umständen über die Aufforderung zu Straftaten, und das ist ein Punkt, der oft untergeht, nämlich ein Kommentar unter einem Video ist kein rechtsfreier Raum, das war nur Meinung, hört genau da auf, wo eine Drohung anfängt und ihr Satz dazu ganz kurz, natürlich habe ich Angst, hat sie gesagt und ehrlich bei.
Diese Nachrichtenlage natürlich auch absolut verständlich. Und parallel bricht ja auch das geschäftliche Weg innerhalb von Tagen. Der BVB nimmt eine gemeinsame Kollektion aus dem Sortiment und ein großer Energy Drink beendet die Zusammenarbeit. Ein Streaming Dienst nimmt die alten PS Profis und. Folgen raus und Ebay beendet auch die Partnerschaft. Ja, das zeigt, wie schnell eine Personenmarke natürlich kippt, wenn sie genau das ist.
Eine Person bei einem Konzern hängt das natürlich an vielen Schultern. Bei ihm hängt alles an seinem Gesicht. Genau, er ist die Marke. Ja, und man sieht hier live, wie Reputationsschaden funktioniert. Partner prüfen, kein Tatverdacht das. Die prüfen nur ein Risiko für die eigene Marke und das ist eine ganz andere Logik als das Strafrecht.
Schneller, härter, ohne Unschuldsvermutung. Und das Strafrecht fragt, Was ist beweisbar? Der Markt fragt, Was ist mir zu heiß? 2 völlig verschiedene Maßstäbe am selben Fall. Ja, und dann die Wendung bei den Firmen selbst. Er kündigt an. Alles dicht zu machen, Inventar wird eingelagert und dann die Kehrtwende, der Burgerladen von ihm und das café und das Automuseum machen dann doch weiter geführt von den Teams in Absprache mit ihm, aber ohne seine Rückkehr. Ja, und für die Mitarbeiter ist das die eigentliche gute Nachricht in dem ganzen Schlamassel. Die Jobs bleiben erstmal.
Man vergisst schnell an so einem Fall hängen auch viele Leute, die mit all dem gar nichts zu tun haben. Ja, und sein Rückzug und die Therapie, die bleiben erstmal. Er selbst tritt ab, die Betriebe laufen ohne ihn weiter. Und das ist vielleicht die bitterste Lehre für die Ganzen, für die ganze Creator Welt. Wenn du selbst die Marke bist, dann bist du auch die Sollbruchstelle.
Ein Konzern überlebt einen Skandal seiner Chefin. Eine Personenmarke aber nicht. Ja, und trotzdem bei allem Geschäftlichen. Der Kern bleibt natürlich ein völlig anderer am Anfang und am Ende steht nicht eine Marke, es stehen 2 Menschen die Frage, was zwischen ihnen wirklich passiert ist, das entscheidet kein Kommentar unter einem Video, sondern am Ende eine Akte und dann ganz am Ende das Gericht.
So was nehmen wir von dem heutigen Fall mit. Ich würde sagen, es sind 3 Sätze. Nämlich ein Geständnis auf Youtube kann folgenlos bleiben, nicht weil die Tat egal wäre, sondern weil ein Strafantrag zum Beispiel fehlte. Zweitens 121 Sekunden Video ist stark und trotzdem nur ein Ausschnitt und drittens wechselseitig ist keine fertige Antwort, nämlich jede Handlung wird einzeln geprüft. Bei mir würde ich sagen, kommt noch was dazu. Und zwar neben dem Strafrecht steht immer ein Mensch, der Schutz braucht.
Und dieser Schutz ist oft schneller zu haben, als viele denken. Wenn dich das gerade selbst betrifft. Gewalt im eigenen Haus du musst nicht auf ein Strafurteil warten, du kannst aktiv dagegen vorgehen und bitte mach das. Und die beiden Schienen Strafrecht und Gewaltschutz schließen sich nicht aus, man kann sie kombinieren und. Und das ist auch wichtig zu wissen. Der Fall selbst ist offen, wir behalten ihn im Auge und melden uns, wenn die Staatsanwaltschaft entscheidet, und jetzt seid ihr dran, nämlich die Frage, über die wir heute am längsten diskutiert haben.
Ein kurzer Ausschnitt 21 Sekunden, reicht euch das aus, um euch ein Urteil zu bilden oder wollt ihr die ganze Minute sehen, bevor ihr entscheidet? Schreibt uns gerne in die Kommentare. Ich sage an dieser Stelle schon mal Tschüss. Und ich sage schön, dass ihr bis hierhin zugehört habt und bedanke mich schon mal für euren Support. Passt auf euch auf und bleibt vorsichtig und achtsam.