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BAYRAKTAR + BAYRAKTAR - True Crime and Law· Staffel 1· Folge 37

Der Fall Rebecca Reusch | Das Mädchen auf dem Foto - Warum sucht Berlin mit dem falschen Gesicht?

Samstag, 19. September 2026 · 1 h 03

MP3

Shownotes

# 37: 🎙️ Berlin-Britz, 18. Februar 2019: Ein Montagmorgen mit Frost und Frühlingssonne. Die 15-jährige Rebecca Reusch schickt kurz nach sieben ein Selfie an eine Freundin, dann verliert sich ihre Spur im Haus ihrer eigenen Schwester. Bis heute ist sie nicht gefunden.
Ihr Schwager ist seit sieben Jahren Beschuldigter, war zweimal in Haft und wurde nie angeklagt.
Er bestreitet die Tat, es gilt die Unschuldsvermutung.
Und dann ist da dieses Foto: Ganz Deutschland kennt es , doch es zeigt ein mit Beauty-Filtern bearbeitetes Gesicht. Die amtliche Personenbeschreibung derselben Polizei nennt braunes, schulterlanges Haar.

Wir gehen dem nach: Wer hat dieses Bild ausgewählt? Warum wird bis heute damit gesucht? Und welche Entscheidungen der Ermittler wirken im Rückblick wie Fehler?
Dazu der Twingo auf der A12, ein Kennzeichen-Erfassungssystem, das es so nicht hätte geben dürfen, die Durchsuchungen in Tauche im Oktober 2025 und die juristische Kernfrage:
Warum reicht die Überzeugung der Staatsanwaltschaft nicht für eine Anklage?

Zwei Rechtsanwälte prüfen, was andere True-Crime-Formate nur erzählen. Mit Rechtsanwältin Nurcan Bayraktar und Rechtsanwalt & Strafverteidiger Sayıl Bayraktar.

📞 Hinweise zum Fall bitte an die 3. Mordkommission des LKA Berlin: (030) 4664-911333 oder über jede Polizeidienststelle.

💬 Eure Meinung: Hätte die Polizei das Foto austauschen müssen oder ist genau dieses Bild der Grund, warum der Fall bis heute nicht vergessen ist?

Schreibt es uns in die Kommentare. ❤️

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ℹ️ Alle Angaben nach der öffentlichen Berichterstattung und nach Mitteilungen von Polizei und Staatsanwaltschaft Berlin.
Gegen den Beschuldigten wurde keine Anklage erhoben; es gilt die Unschuldsvermutung.

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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Es ist ein Montagmorgen im Februar, Berlin liegt noch im Dunkeln auf den Autodächern im Süden von Neukölln hat sich reif gebildet, die Wetterstation in Tempelhof misst in der Nacht knapp unter 0 Grad, und keiner ahnt, dass dieser Tag einer der seltsamsten des ganzen Winters wird. Der Deutsche Wetterdienst nennt ihn später Frühling im Februar.

Mittags 15 grad strahlende Sonne, kein einziger Tropfen Regen. In den Wohnzimmern gehen die ersten Lichter an, Kaffeemaschinen, Schulbrote, Autoschlüssel, ein ganz normaler Wochenbeginn und irgendwo zwischen diesem Reif auf den Autos und dieser Frühlingssonne am Mittag verliert sich die Spur eines Mädchens nicht in einem Wald, nicht in einer fremden Stadt, in einem Haus der eigenen Familie. Gegen Viertel nach 7 geht die Sonne auf. Ungefähr in dieser Zeit steht in einem Flur in Britz 115 Jähriges Mädchen vor dem Spiegel.

Rosa Plüschjacke, weißer Kapuzenpulli, zerrissene Jeans, sie hält ihr Handy hoch und macht ein Foto, ein Snapchat Foto, eine Freundin sieht es um Viertel nach 8, sie schreibt zurück, die Antwort kommt nie an. Das Mädchen heißt Rebecca Reusch und Du kennst ihr Gesicht ganz sicher. Große Augen, volle Lippen, makellose Haut, blonde, perfekt gestylte Haare, seit über 7 Jahren taucht dieses Portrait auf, in Zeitungen, im Fernsehen, auf der Internetseite der Berliner Polizei, es ist eines der bekanntesten vermissten Bilder, die es in Deutschland je gab, es gibt nur ein Problem, so sah Rebecca nie aus.

I'd id Herzlich Willkommen zu einer neuen Podcast Folge von Bairactar and bairactar True Cramond Law. Ich bin Rechtsanwalt und Strafverteidiger Sail Bairactar. Und ich bin Rechtsanwältin Nujan Bairactar auch von mir herzlich willkommen. Heute geht es um einen Fall, in dem fast jede Uhrzeit umstritten ist. Um ein Auto auf einer Autobahn Richtung Polen, um einen Mann, der seit 7 Jahren Beschuldigter ist und nie angeklagt wurde. Und um eine Reihe von Entscheidungen, bei denen man sich im Rückblick fragt, musste das so laufen? Genau.

Aber bevor wir in diesen Morgen gehen, sollten wir uns erstmal Rebecca anschauen, Sie kennenlernen nicht das Mädchen aus dem Foto, sondern die wahre Rebecca. Ja, unbedingt. Also Rebecca ist damals 15 Jahre alt, sie wohnt bei ihren Eltern in Britz, das ist ein Ortsteil von Neukölln im Süden Berlins. Sie geht in die 10.

Klasse der Walter Gropius Schule in der Fritz-Erler-Allee, in der Gropius Stadt. Sie ist die jüngste von 3 Schwestern, die beiden Älteren sind längst ausgezogen, haben Partner, haben selbst kleine Kinder, rebekan ist also das Nesthäkchen, aber eben 1 mit 15 mitten in einer Phase, in der man zwischen Kinderzimmern und Instagram pendelt.

Und sie liebt BTS. Das ist eine südkoreanische Band für alle, die das nicht auf dem Schirm haben. Das ist nicht einfach eine Boy Band, das ist für viele Teenager damals eine ganze Welt. Fanseiten, Geburtstage der Mitglieder, eigener Account und jetzt kommt ein Detail, dass man sich merken sollte, der Pullover, den Rebecca an diesem Montag trägt, ist weiß mit Kapuze und hinten steht Rap, Monster, so nennt sich ein Mitglied von BTS früher.

Und der 18. Februar ist der Geburtstag eines anderen Bettmitglieds jaash Hoop. Die Familie hat später gesagt, vielleicht wollte Rebecca an diesem Tag fern treffen, vielleicht ist sie deshalb früher los. Rebecca ist nicht in einer festen Beziehung, das haben die Eltern gesagt und die Eltern, das sind Brigitte und Bernd Treusch.

Die beiden werden in diesem Fall noch sehr, sehr oft vor Kameras stehen. Und das muss man den Eltern wirklich lassen. Die warten nicht schon am Tag des Verschwindens fangen sie an zu suchen, mit Freunden, mit Nachbarn, mit Flugblättern. Die Schwestern bitten in den sozialen Medien um Hinweise, der Vater klebt Suchplakate an Laternen. Und diese Plakate, die merken wir uns, denn auf denen ist ein anderes Mädchen zu sehen als auf dem Foto, das später ganz Deutschland kennt.

Man muss sich auch klarmachen, in welcher Zeit wir sind. 2019 eine 15 jährige lebt zu einem großen Teil auf dem Handy. Snapchat, Instagram, whatsapp und genau das wird für die Ermittler später zum Segen und zum Fluch, denn jedes Handy hinterlässt Spuren, aber jede Spur hat eine Uhrzeit, über die man streiten kann, denn die Schwestern, die mittlere Vivien, tritt ebenfalls öffentlich auf, mit vollen Namen, unter anderem bei Markus Lanz und die älteste Schwester, bei der verbringt Rebecca diesen Sonntagabend. Die älteste Schwester lebt mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter in einem Haus im Süden von Britz. Die Polizei nennt später den Maurerweg als Aufenthaltsort und damit sind wir bei der Person,

um die sich dieser Fall seit 7 Jahren dreht. Es geht um Florian. Der Schwager, damals 27 Jahre alt, gelernter Koch. Laut Polizei und Staatsanwaltschaft ist der Beschuldigte in einem Ermittlungsverfahren wegen eines Tötungsdelikts. Er bestreitet das. Er ist nie angeklagt worden und die Familie Reusch hat überall die Jahre öffentlich gesagt, wir glauben an seine Unschuld. Das ist, glaube ich, das, was diesen Fall noch mal so besonders macht.

Normalerweise stehen sich in so einem Verfahren 2 Seiten gegenüber, die Familie des Opfers und der Verdächtige, hier steht die Familie des Opfers neben dem Verdächtigen. Ja, und auf der anderen Seite steht die Mordkommission und. Es ist die dritte Mordkommission des Landeskriminalamts Berlin. Das ist eine Konstellation, die man als Strafverteidiger selten sieht. Die Menschen, die am meisten verloren haben, sagen ihr Sucht am falschen Ort.

Und ich sag dir ehrlich, als jemand, der oft mit Familien in solchen Situationen spricht, ich kann das menschlich total verstehen, wenn du akzeptierst, dass der Mann deiner Tochter deine andere Tochter getötet haben könnte. Dann bricht nicht nur ein Mensch weg, dann bricht sozusagen die ganze Familie. Ja, und trotzdem muss man als Jurist sagen, ob die Familie jemanden für schuldig oder unschuldig hält, ist kein Beweis, weder in die eine noch in die andere Richtung. Ja, und das Verhältnis zwischen dieser Familie und der Polizei wird über die Jahre immer schwieriger. Die Familie wirft den Ermittlern nämlich vor, von Anfang an nur in eine Richtung zu schauen.

Und von Ermittlerseite hört man Frust darüber, dass die Familie nicht mitzieht. Der frühere Leiter der Münchner Mordkommission, Josef Wilfling, hat das mal sehr klug beschrieben. Für Mordermittler ist das Gespräch mit Angehörigen eines Vermissten immer ein Balanceakt, man braucht sie als Zeugen, man muss sie schützen, und manchmal gehört eben auch jemand aus ihrem Umfeld zu den Verdächtigen. Dann noch 2 Namen, die wir heute öfter hören werden die Behörden, die Staatsanwaltschaft Berlin mit wechselnden Sprechern über die Jahre und damals 2019 der Leiter der Mordkommission, Michael Hoffmann.

Der sogar live bei Aktenzeichen XY ungelöst auftritt. Dazu kommt Experten, die sich zu Wort melden. Der Profiler Axel Petermann, früher Leiter einer Mordkommission in Bremen, der Kriminalbiologe Marc Binnecke, der vermissten Experte Peter Jammin und ganz viele Menschen, die sich selbst für Experten halten, aber dazu auch später.

Gehen wir zurück zu diesem Sonntagabend. 17. Februar 2019 Rebecca ist bei ihrer ältesten Schwester, die Schwester ist allein mit ihrer kleinen Tochter, denn ihr Mann Florian ist nicht zu Hause. Er ist auf einer Feier mit Kollegen und nach seiner eigenen Darstellung kommt er erst am frühen Morgen zurück, gegen 05:45 Uhr.

Er legt sich ins Bett, Rebecca schläft zu dieser Zeit im Wohnzimmer auf dem Sofa. Und warum übernachtet sie überhaupt dort? Ganz einfach, am Montag fängt die Schule für Rebecca später an, laut Polizei hätte der Unterricht um 09:50 Uhr begonnen, sie will also direkt von ihrer Schwester aus los. Um kurz vor 7 ist es noch dunkel. Gegen 07:00 Uhr verlässt die Schwester mit ihrer Tochter das Haus.

Sie fährt zur Arbeit, nachdem was bekannt ist, schaut sie nicht mehr nach Rebecca. Und ab jetzt? Sind nach allem, was wir wissen, nur noch 2 Menschen in diesem Haus. Rebecca und ihr Schwager. Und genau das ist der Satz, auf dem die ganze Ermittlung aufbaut und gleichzeitig der Satz, der allein gar nichts beweist.

Irgendwann zwischen 7 und Viertel vor 8 macht Rebecca dieses Foto nach der Schilderung ihrer Mutter im Flur vor dem Spiegel. Sie hält die Jacke zu, sie schickt es später. An eine Freundin über Snapchat. Und hier kommt schon das erste technische Problem. Snapchat Bilder verschwinden nach dem Öffnen die genaue Uhrzeit, wann dieses Foto entstanden ist, ist deshalb öffentlich nicht bekannt. Die Freundin sieht es aber um 08:15 Uhr. Rebecas Mutter will ihre Tochter an diesem Morgen erreichen. Sie ruft an.

Es geht die Mailbox ran, sie ruft noch mal an und wieder Mailbox. Und dann, so hat es die Mutter später im Fernsehen erzählt, ruft sie ihren Schwiegersohn an. Der Anruf wird weggedrückt, sie will schon selbst hinfahren, da ruft er zurück und sagt, Rebecca ist schon weg. Und die Mutter ist beruhigt. Das muss man sich vorstellen.

Ein ganz normaler Satz, den jede Familie kennt, die ist schon weg und niemand denkt sich etwas dabei. Gegen 08:30 Uhr schickt die Mutter noch eine whatsapp Nachricht. 2 graue Haken zugestellt, aber nicht gelesen. Und jetzt das große Rätsel dieses Morgens, das Handy. Dafür muss ich ganz kurz erklären, warum ein Router in so einem Fall plötzlich wichtig wird.

Denn jedes Handy, das einmal im WLAN eines Hauses war, verbindet sich automatisch wieder, sobald es in Reichweite ist. Das kennen wahrscheinlich viele Leute. Und viele Router speichern, wann welches Gerät verbunden war. Also wie ein kleines Gästebuch an der Haustür. Genau, ein digitales Gästebuch. Nur dass es nicht aufschreibt, wer das Handy in der Hand hält und auch nicht, ob jemand im Wohnzimmer steht oder vor dem Gartenzaun.

Die Ermittler sagen Rebeckas Handy war an diesem Morgen im WLAN des Hauses eingeloggt und sein letzter bekannter Standort in dieses ist dieses Haus. Wann genau es sich zum letzten Mal eingewählt hat. Darüber gibt es in der Öffentlichkeit unterschiedliche Angaben, sowohl von der Familie als auch von den Ermittlern. Genau.

Die Familie sagt nämlich Rebecca ist ganz normal losgegangen. Ein WLAN reicht auch ein Stück über die Haustür hinaus und die zugestellte whatsapp Nachricht, die könnte irgendwo unterwegs angekommen sein an einem anderen WLAN. Und die Ermittler sagen, genau das passt nicht. Für sie spricht die Auswertung dafür, dass die Handyaktivität in diesem Haus endet und damit auch, dass Rebecca dieses Haus nicht lebend verlassen hat. 09:50 Uhr Unterrichtsbeginn in der Fritz-Erler-Allee. Rebecca kommt nicht.

Und jetzt, 57 Minuten später, passiert etwas auf einer Autobahn, das zu diesem Zeitpunkt noch niemand weiß. Um 10:47 Uhr fährt ein Auto an einer Kamera vorbei. Es ist die A 12 zwischen Berlin und Frankfurt an der oder Richtung Polen. Ein Himbeer roter Renault Twingo mit Berliner Kennzeichen, so beschreibt ihn die Polizei in vielen Medien liest man einfach nur Pink.

Das Auto gehört zum Haushalt der Schwester und des Schwagers und laut Polizei hatte zu dieser Zeit Florian Zugriff auf diesen Wagen. Rebecca kommt nicht nach Hause. Am späten Nachmittag melden die Eltern sie bei der Polizei als vermisst und sie fangen sofort an, selbst zu suchen, mit Freunden, mit Flugblättern. Am nächsten tag, dienstag, 19.

Februar um 22:39 Uhr, fährt der Twingo wieder an einer Kamera auf der A 12 vorbei, wieder zwischen Berlin und Frankfurt an der oder. Und wieder hat laut Polizei nur einer Zugriff auf dieses Auto. Und jetzt kommt ein Datum, bei dem ich jedes Mal kurz innehalte der 21. Februar 3 Tage nach dem Verschwinden.

Erst an diesem Tag geht die Polizei mit einer öffentlichen Vermisstenmeldung und einem Foto an die Öffentlichkeit. Einen Tag später übernimmt die dritte Mordkommission. Die Polizei schreibt dazu, man könne nicht mehr ausschließen, dass das Mädchen einer Straftat zum Opfer gefallen ist. Parks werden abgesucht, Alt kleine Container.

Und ein Hubschrauber fliegt über Berlin. Viele denken ja, man müsse 24 Stunden warten, bevor die Polizei eine Vermisstenanzeige aufnimmt. Ja, und dazu muss ich dir sagen, das ist absolut ein Mythos aus amerikanischen Serien. In Deutschland gibt es so eine Frist nicht und bei Minderjährigen gingen die Behörden grundsätzlich davon aus, dass eine Gefahr für Leib oder Leben bestehen kann, sobald sie ihr gewohntes Umfeld verlassen haben und niemand weiß, wo sie sind.

Die Anzeige am Montagnachmittag war also absolut richtig. Wichtig und sie wurde auch aufgenommen. Die Frage ist nur, was in dem Tag danach passiert ist. Das ist für mich der erste Moment, an dem man stolpert. Anzeige am Montagnachmittag öffentliche Suche, am Donnerstag Mordkommission am Freitag. Ja, aber da will ich fair bleiben. Die allermeisten vermissten Jugendlichen tauchen ja nach kurzer Zeit wieder auf.

Die Polizei kann nicht bei jedem fünfzehnjährigen Mädchen, das nicht nach Hause kommt, sofort eine Mordkommission einsetzen. Das wäre auch rechtlich und praktisch einfach nicht machbar. Nein, klar, aber hier war von Anfang an klar, das Mädchen kommt nicht in der Schule an, das Handy ist nicht erreichbar und Sachen fehlen und die Kriminaltechnik geht erst am 1.

März in dieses Haus, also 11 Tage später. Ja, man muss dazu sagen, ohne konkreten Verdacht gegen jemanden gibt es ja auch keinen Durchsuchungsbeschluss. Das ist die andere Seite. Nur so als Gedanke nebenher. Sporen altern nicht gnädig, wenn in den ersten 23 Tagen niemand mit Blick auf dieses Haus und dieses Auto geschaut hätte, ob man dann mehr gefunden hätte, weiß niemand, aber die Frage bleibt eben hängen. Aber noch mal dazu, was eigentlich alles fehlt. Die Polizei hat es selbst veröffentlicht, der weiße Kapuzenpulli mit Rapmonster, die schwarz weißen Sneaker von Vans, eine große Beige rosafarbene Handtasche, ein roter Rucksack und eine fleecedecke 150 * 200 Zentimeter. Die Decke gehört aber nicht

Rebecca, sondern kommt aus dem Haushalt der Schwester. Eine lilafarbene Decke, und die wird in diesem Fall nur eine Rolle spielen. Die Mutter hat später in einem Interview etwas gesagt, dass ich total nachvollziehbar finde. Als die Polizei ihr erzählt, dass eine Decke fehlt, war ihr erster Gedanke, vielleicht hat Rebecca einen Jungen getroffen und die Decke deshalb mitgenommen, um sich irgendwo draufzusetzen. Ja, und das ist das Muster dieses ganzen Falles. Jedes Detail hat nämlich 2 Interpretationen, eine harmlose und eine furchtbare.

Und die Decke hat noch eine Nebenwirkung, die niemand vorhersehen konnte. Die Polizei schreibt 2023 selbst, dass Menschen auf eigene Faust nach Rebecca Suchen und Hinweise geben, zum Beispiel weil sie im Wald decken gefunden haben. Ja, und man muss sich das Mal vorstellen. Irgendwo in Brandenburg liegt eine alte Decke im Unterholz und jemand denkt, das könnte sie sein, und jedes Mal muss das geprüft werden.

Es gab auch Knochenfunde im Oktober 2020 und im Januar 2021 wurden in Berlin und Brandenburg Knochen gemeldet. Es waren allerdings Tierknochen und Jugendliche fanden bei Kummersdorf eine Decke und Knochen, laut den Untersuchungen ohne jeden Bezug zu Rebecca. Ja, und für die Familie ist jedes Mal, dass ein Moment, in dem die Welt natürlich stehen bleibt und dann wieder weiterläuft.

Und dann der Donnerstag, 28. Februar 2019 10 Tage nach dem verschwinden. Ermittler der Mordkommission nehmen Florian vorläufig fest. Und die Begründung der Polizei ist bemerkenswert präzise formuliert. Es gebe derzeit nicht aufzuklärende Widersprüche zwischen seinen Angaben und den neuesten Ermittlungsergebnissen.

Die Nacht verbringt er im Polizeigewahrsam. Am nächsten Tag, Freitag, dem 1. März, rücken Kriminaltechniker im Haus in Britz an und am selben Tag wird Florian einem Ermittlungsrichter vorgeführt. Ja, und der Ermittlungsrichter sagt Nein. Ich sehe hier keinen dringenden Tatverdacht. Und Florian? Ist am Freitagabend wieder frei. Und am gleichen Tag schreibt die Polizei zum ersten Mal öffentlich, man geht inzwischen davon aus, dass Rebecca Opfer eines Tötungsdelikts wurde.

Ja, die Staatsanwaltschaft legt Beschwerde gegen die Freilassung ein und am Montag, am 4. März, erlässt der Ermittlungsrichter dann doch Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des Totschlags. Florian wird am Abend erneut festgenommen und kommt dann in Untersuchungshaft. Moment, derselbe Richter, der am Freitag Nein gesagt hat, sagt am Montag plötzlich ja. Genau so, genau so ist das.

Und so steht es auch in der Polizeimeldung nach der Beschwerde der Staatsanwaltschaft habe der Ermittlungsrichter antragsgemäß Haftbefehl erlassen, juristisch nennt man das sozusagen Abhilfe. Wenn gegen eine Entscheidung Beschwerde eingelegt wird, kann das Gericht, das entschieden hat, seine Entscheidung selbst noch mal überdenken und korrigieren, bevor die nächste Instanz überhaupt rankommt.

Das steht so in Paragraph 306 unserer Strafprozessordnung. Also kein Richter, der umfällt, sondern einer, der sich neue Argumente anschaut. Wobei wir nicht wissen, was genau ihm zusätzlich vorgelegt wurde. Die Akte kennt die Öffentlichkeit nicht, aber. Aber schon ein bisschen ja. Seltsam. Er hat aber seine Meinung geändert.

Und was sagt Florian selbst? Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagt am Tag der Haftverkündung er schweigt zu den Vorwürfen. Ja, und das sage ich immer wieder als Strafverteidiger. Schweigen ist sein gutes Recht. Als Beschuldigter muss man nichts sagen. Die Widersprüche, von denen die Polizei spricht, beziehen sich auf Angaben, die er offenbar vorher gemacht hatte.

Danach schweigt er, das darf niemals gegen ihn verwendet werden und noch mal schweigen ist kein Indiz. Paragraph 136 unserer Strafprozessordnung schreibt vor, jeder Beschuldigte muss vor der Vernehmung belehrt werden, dass er nichts sagen muss und jederzeit einen Verteidiger befragen dürfen und das Schweigen darf später vor Gericht nicht zu seinem Nachteil gewertet werden, nicht einmal ein bisschen. Und was ist mit dem, was er vorher gesagt hat, als Rebecca noch nur.

Vermisst war. Ja, und da wird das juristisch spannend. Wer als Zeuge befragt wird, obwohl die Polizei ihn eigentlich schon als Verdächtigen sieht und nicht als Beschuldigter belehrt wird, dessen Angaben können Unverwertbar sein. Wann genau aus dem Schwager ein Beschuldigter wurde, wissen wir nicht, aber in einem Prozess wäre das eine der ersten Fragen der Verteidigung. Mittwoch, 6.

März. Und jetzt wird dieser Fall endgültig ein Fall für ganz Deutschland. Die Polizei veröffentlicht 3 Fotos von Florian und Bilder seines Autos und am Abend sitzt der Leiter der Mordkommission, Michael Hoffmann, bei Aktenzeichen XY ungelöst. Er erklärte dort, dass der Twingo an beiden Tagen auf der A 12 erfasst wurde und dass Florian zu diesen Fahrten keine Angaben gemacht habe, jedenfalls keine, die zu den Aufnahmen passen. Und dann passiert es gehen rund 700 Hinweise ein und das Gesicht des Schwagers kennt jetzt ganz Deutschland. Ja, und hier muss ich als Strafverteidiger mal wirklich tief durchatmen.

Ihr müsst ihr das Mal vorstellen, da ist ein Mann gegen einen Richter, gegen den ein Richter wenige Tage vorher gesagt hat, kein dringender Tatverdacht und. Und dann wird sein Gesicht bundesweit gezeigt. Aber er saß zu diesem Zeitpunkt ja in Untersuchungshaft. Es gab einen Haftbefehl und die Polizei wollte wissen, wer hat dieses Auto gesehen, wer hat diesen Mann gesehen, das ist doch Sinn der Öffentlichkeitsverhandlung oder nicht? Ja, das Gesetz erlaubt es auch grundsätzlich. Das steht auch im Paragraph 131 Strafprozessordnung drin. Abbildung eines Beschuldigten dürfen veröffentlicht werden, wenn die Aufklärung einer erheblichen Straftat. Sonst deutlich weniger Erfolg verspricht. Seine Identität war bekannt,

aber es ging ja um Zeugen zu den Fahrten, nur die Bilder bleiben für immer im Netz, die Polizei hat sie am 25. März selbst wieder gelöscht, weil keine weiteren Erfolgsaussichten bestanden, nicht mal nach 3 Wochen. Und das Internet hat sie nicht gelöscht. Genau, nur als Gedanke nebenher, wenn man damals nur das Auto gezeigt hätte und nicht den Mann.

Ob es weniger Hinweise gegeben hätte, wissen wir nicht, aber sicher ist nur, es hätte heute sehr viel weniger Menschen gegeben, die sich berufen fühlen, diesen Mann auf eigene Faust zu überführen. Ja, genau. Am Tag nach der Sendung beginnt eine riesige Suche, ein Waldgebiet zwischen Kummersdorf und Wolzik südöstlich von Berlin, nicht weit von der A 12. Hunderte Polizisten, hundehubschrauber. Es wurde mit allen Mitteln gesucht. Später berichten Medien, dass ein Zeuge dort am 18. Februar einen Himbeer roten Twingo gesehen haben will und dass 2 Reiterinnen in der Gegend einen auffälligen Mann bemerkt haben sollen.

Die Suche bleibt aber ohne Ergebnis. Und es bleibt nicht bei diesem einen Wald. In den Wochen danach suchen Taucher in Seen Boote, fahren über das Wasser, Leichen, Spürhunde laufen Waldgebiete entlang der Autobahn zwischen Berlin und der polnischen Grenze ab. Einmal schlägt ein Hund sogar an. Die weitere Suche ergibt aber leider nichts. Das ist ein riesiger Aufwand und ein Hund, der anschlägt, ist eben auch kein Beweis.

Leichenspürhunde reagieren auf Verwesungsgeruch und in einem Wald gibt es viele Gründe dafür. Und in dieser Zeit tauchen die ersten Details aus dem Auto auf. Nicht von der Polizei, sondern aus der Bild Zeitung. Kriminaltechniker sollen im Twingo Haare von Rebecca gefunden haben und Fasern einer lila Fleecedecke. Ja, und ganz wichtig ist, das hat die Polizei nie offiziell bestätigt.

Und selbst wenn es stimmt, ist es das Familienauto. Eine Schwägerin sitzt vielleicht mal im Auto ihrer Schwester und genau darauf hat später auch der Profiler Axel Petermann hingewiesen. Spuren in einem Umfeld, in dem man jemand ohnehin ständig ist, lassen sich zeitlich kaum zuordnen. Mitte März geht dann die Familie mit einer eigenen Spur an die Öffentlichkeit.

Rebecca habe eine Internetbankernschaft gehabt, einen Max oder Maxi und dessen Instagram Profil sei seit dem 20. Februar gelöscht. Ja, und das klingt nach einer heißen Spur. Die Staatsanwaltschaft hat aber später gesagt, diese Spur hat sich zerschlagen, der Junge wurde als Verdächtiger ausgeschlossen. Und dann am 22.

März 2019 der zweite große Knall nach einer Haftbeschwerde der Verteidigerin hebt der Ermittlungsrichter den Haftbefehl auf, weil es Zweifel am dringenden Tatverdacht gebe. Der damalige Sprecher der Staatsanwaltschaft sagt einen Satz, der eigentlich den ganzen Fall zusammenfasst. Die Beweislage ist unverändert schwierig.

Die Staatsanwaltschaft legt diesmal keine Beschwerde ein. Sie hält die Entscheidung für vertretbar. Florian ist frei, er bleibt Beschuldigter und im April wird die Suche nach Rebecca eingestellt. Jetzt müssen wir über das Foto sprechen, denn ich glaube, keine andere Entscheidung in diesem Fall hat so lange Nachgewirkt.

Ja, das ist das. Das Bild, mit dem die Polizei am 21. Februar 2019 nach Rebecca sucht. Und man muss kein Bildbearbeitungsprofil sein, um zu sehen, was hier eigentlich los ist. Genau das ist ein Foto von Rebeccas Instagram Profil und es ist mit Beauty Filtern bearbeitet. Solche Filter machen die Augen größer, die Lippen voller, die Haut glatt wie Porzellan und das Gesicht schmaler.

Und das Ergebnis ist ein Gesicht, das aussieht wie ein Popstar auf einem Plakat. Ja, und eine Autorin von T. Online hat das damals im Selbstversuch nämlich getestet. Sie hat 2 Fotos im Abstand von 20 Sekunden gemacht, einmal mit und einmal ohne Filter, und das sind 2 verschiedene Menschen. Und die Familie hat selbst Suchplakate aufgehängt, mit ganz anderen Fotos. Auf denen hat Rebecca schmalere Augen, einen schmaleren Mund und auf einem Foto, auf dem sie richtig lacht, sieht man eine Zahnspange.

Ja, eine Zahnspange, das ist eben 115 jähriges Mädchen, nämlich kein Popstar. Ja, und warum das so wichtig ist? Weil eine Vermisstenfahndung auf einem ganz simplen Mechanismus beruht. Irgendjemand ist an diesem Morgen an einer Bushaltestelle in einer S Bahn oder an einer Tankstelle und sieht ein Gesicht. Und abends in den Nachrichten denkt er, Moment, die habe ich doch gesehen.

Das funktioniert nur, wenn das Bild in den Nachrichten, dem Gesicht an der Bushaltestelle ähnelt. Wiedererkennung ist natürlich extrem fragil, Menschen merken sich Proportionen, Augenabstand, Mundform, Gesichtsbreite und genau das verändern solche Beauty Filter. Und jetzt wird es wirklich spannend.

Denn die Frage, Wer hat dieses Bild ausgesucht und darauf gibt es in der Öffentlichkeit 4 verschiedene Antworten. Ja, Antwort Nummer 1. Ein Polizeisprecher sagt, 2019 Fahndungsfotos würden von den Angehörigen zur Verfügung gestellt, so auch hier. Und dann werde das Foto ausgewählt, das der Beschreibung am meisten entspricht.

Antwort Nummer 2, ebenfalls ein Polizeisprecher damals, so zitiert es der Berliner Kurier über die Auswahl, entscheiden nicht die Ermittler, sondern die Angehörigen. Die Polizei habe 2 Fotos veröffentlicht, das bearbeitete sei wegen der besseren Auflösung besser erkennbar gewesen. Antwort Nummer 3 nämlich der Mutter, sie habe am Anfang gar kein aktuelles Foto zur Hand gehabt, deshalb habe die Polizei 1 von Rebeccas Instagram Account genommen und das sehe ihrer Tochter wenig ähnlich. Und Antwort Nummer 4.

Juni 2019 ZDF, Markus Lanz da kommt Vivien Reusch, Rebeccas Schwester, ins Studio. Lanz spricht sie auf dieses Foto an und sagt, ich würde Rebecca wahrscheinlich so nicht erkennen. Und wie, wenn Reusch sagt, die Familie habe der Polizei auch andere Fotos gegeben, auf denen Rebecca mehr nach Rebecca aussieht.

Auch Passbilder von der Schule und die Polizei habe sich trotzdem nur für dieses Bild entschieden. Also. Die Polizei sagt, die Familie entscheidet, die Familie sagt, die Polizei hat entschieden, und irgendwo dazwischen hängt seit 7 Jahren dieses Gesicht. Ja, und jetzt kommt ein Detail, dass ich persönlich am krassesten finde. 2 Tage nach dem Foto am 23.

Februar 2019 veröffentlicht die Polizei eine Personenbeschreibung. 15 bis 18 Jahre alt, 170 bis 180 Zentimeter schlank und dann braunes, schulterlanges Haar. Okay braunes Haar. Ja, braunes, schulterlanges Haar und das Foto, mit dem sie sucht, zeigt ein Mädchen mit blonden und fast schon perfekt gestylten Haaren.

Ja, die Polizei verbreitet also gleichzeitig einen Text und ein Bild, die sich beim auffälligsten Merkmal widersprechen. Ja, und da sind wir bei der dritten Frage eigentlich sozusagen von den Ermittlungsfehlern, nämlich das falsche Gesicht. Ja, denn das Foto wird nicht ausgetauscht, nicht nach der Kritik in den Medien 2019, nicht nach Lanz, nicht als der Fall zur Mordermittlung wird, sondern.

Wikipedia verzeichnet 2024 das bearbeitete Bild ist weiterhin das einzige Porträt in der Polizeifahndung. Und 2025 bei der großen neuen Suche fragt der Berliner Kurier die Staatsanwaltschaft genau danach, warum denn immer noch dieses Bild und der Sprecher der Staatsanwaltschaft antwortet. Naja, wegen des Achtung hohen Wiedererkennungseffekts.

Und da ist das Paradoxe oder wiedererkannt wird das Foto ja gerade nicht. Also nicht Rebecca. Ja, und dann noch ein Punkt aus meiner Sicht. Die Fotos des Beschuldigten wurden nach 19 Tagen ja gelöscht mit der Begründung keine Erfolgsaussichten mehr. Die Polizei Berlin hat erst diesen Sommer wieder erklärt, Fahndungsbilder werden nach dem Ende einer Fahndung aus Datenschutzgründen gelöscht. Rebeccas Filterportrait steht seit über 7 Jahren online auf einer Meldung, die zwischen Ermittlungen wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts heißt.

Nur so als Gedanke nebenher. Was wäre gewesen, wenn ab dem 21. Februar das Mädchen mit der Zahnspange auf den Plakaten gewesen wäre? Vielleicht hätte es weniger Menschen gegeben, die sie in einem Einkaufszentrum in Polen. Oder in einer Hotelanlage auf Teneriffa gesehen haben wollen. Vielleicht hätte sich aber auch eine einzige Person gemeldet, die sie an diesem Morgen wirklich gesehen hat, oder die Gewissheit, dass es diese Person nicht gibt. Ja, und beides wäre für die Ermittlung Gold wert gewesen. Und diese Sichtungen gab es wirklich. Eine Frau will Rebecca am Tag des Verschwindens abends an einer Bushaltestelle telefonieren gesehen haben. Andere in einem Bus der Linie 171. Die Polizei hat die Kameras

ausgewertet und konnte aber das leider nicht bestätigen. Ja, und eine Zeugin will Rebecca am späten Vormittag in der Nähe des Hauses mit einer Decke gesehen haben. Sie erinnerte sich, dass sie sich wunderte, weil es an dem Tag vorher geregnet habe und der Boden nass war. Und am 17. Februar 2019 war es in Berlin trocken. Und am 18.

Auch. Also 0 Liter Niederschlag, so gesehen. Ja, und das Wetter ist Zeuge. Das ist eigentlich ein wunderschönes Beispiel dafür, wie Erinnerung funktioniert. Die Frau lügt wahrscheinlich auch gar nicht, ihr Gehirn baut aus einem echten Moment an irgendeinem Tag eine Geschichte zu diesem Tag. Jetzt zurück zu diesem Auto auf der A 12 denn da steckt ein Detail drin, das weit über diesen Fall hinausgeht.

Ja, die Frage ist ja, woher weiß die Polizei überhaupt, dass der Twingo um 10:47 Uhr an einer Kamera vorbeigefahren ist? Die Staatsanwaltschaft sprach in ihrem Anruf vor einer Verkehrsüberwachungsanlage und genau dadurch wird öffentlich, dass Brandenburg ein System hat, das Cassy heißt. Ja, und das bedeutet Kennzeichenerfassungssystem.

Und dieses System hat an Autobahnen in Brandenburg die Kennzeichen von allen vorbeifahrenden Autos erfasst und gespeichert. Von allen rund um die Uhr, teils über lange Zeit auf Vorrat. Und die Brandenburger Polizei war damals laut Tagesspiegel ziemlich sauer, dass dieses System durch den Fahndungsaufruf überhaupt bekannt wurde.

Kurz danach prüft nämlich die Landesdatenschutzbeauftragte das System ihr Ergebnis. Rätwidrig man hätte das überhaupt nicht machen dürfen. 2021 wird die massenhafte Aufzeichnung gestoppt und 2022, stellt das Landgericht Frankfurt an der oder in einem anderen Verfahren fest, dass es für diesen Aufzeichnungsmodus keine gesetzliche Grundlage gab.

Heißt das, der wichtigste Hinweis gegen Florian ist wertlos? Nein, so einfach ist es nicht. In Deutschland führt nicht jeder Fehler bei der Beweiserhebung automatisch dazu, dass ein Beweis nicht verwertet werden darf. Der Bundesgerichtshof wägt da ab. Wie schwer war der Verstoß und wie schwer ist die Tat. Aber ich sag dir 1, wenn es in diesem Fall jemals zu einem Prozess kommt, wird die Verteidigung genau in diesem Punkt ansetzen.

Das heißt, wenn der Twingo heute so erfasst würde, gäbe es diese Daten wahrscheinlich gar nicht mehr. Seit 2021 regelt ja Paragraph 163 G der Strafprozessordnung die Kennzeichenerfassung. Nur gezielt, nur befristet und nur nach Anordnung der Staatsanwaltschaft und rückwirkend nachschauen, wo ein Auto vor 3 Tagen war.

Das geht doch nicht mehr. Ja, und genau das ist die Ironie des Falls. Ohne ein rechtswidriges System gäbe es vielleicht keinen Hauptverdächtigen und wegen dieses Systems wäre der Hauptbeweis vor Gericht angreifbar. Nach dem März 2019 wird es ruhig, zumindest in den Behörden. Im Mai 2020, sagt der ermittelnde Staatsanwalt Mansure Rebeccas Handy inzwischen auch in den östlichen Nachbarländern.

Und die Staatsanwaltschaft formuliert 2020 einen Satz, der keinen Zweifel lässt. Sämtliche Alternativgeschehen können wir nach den Ermittlungen ausschließen. Für ein Freiwilliges Verlassen des Hauses gebe es überhaupt keine Hinweise. Und im Hintergrund passiert etwas, das erst Jahre später rauskommt.

Die Ermittler fragen bei Google Daten an. Laut Medienberichten landet die Anfrage 2020 beim Rechenzentrum in Dublin. Die Daten kommen Anfang 2021 und im März 2023, also 4 Jahre nach dem Verschwinden von Rebecca durchsuchen Ermittler erneut das Haus in Britz. Die Staatsanwaltschaft bestätigt das auf Beschluss des Amtsgerichts Tiergarten, und ein Sprecher sagt dazu, Es muss sich zumindest ein neuer Anhaltspunkt ergeben, um eine Durchsuchung zu rechtfertigen. Was dieser Anhaltspunkt ist, sagt die Staatsanwaltschaft nicht.

Aber die Bild Zeitung berichtet, und die Berliner Zeitung greift das auch auf. Aus den Google Daten solle hervorgehen, dass Florian am Morgen des 18. Februar im Internet nach Videos mit Fesselsex und Strangulationspraktiken gesucht habe, zu einer Zeit, in der er nach eigener Aussage geschlafen haben will.

Ja, und auch hier, das ist ja nur ein Zeitungsbericht, keine Mitteilung der Behörde. Und selbst wenn das Stimmen sollte, was jemand im Internet anschaut, ist legal, solange es legale Inhalte sind. Es ist kein Beweis für eine Tötung, es kann aber einen Widerspruch zu einer eigenen Darstellung zeigen, ja, da bin ich bei dir.

Bei der Durchsuchung sollen die Ermittler laut RTL Akustikmessungen im Haus gemacht haben, also getestet, was man in welchem Raum hört. Und sie sollen einen Bademantel gefunden haben, ohne Gürtel. Genau. Und Rebeccas Mutter hat dafür sofort eine Erklärung. Mit dem Gürtel habe man ein Bobbycar gezogen, er sei schmutzig geworden und deshalb weggeworfen worden.

Sein entweder das Muster dieses Falles, eine harmlose Interpretation und eine furchtbare Interpretation gleichzeitig. Und das ist für mich der nächste Punkt, an dem ich hängenbleibe. Es gibt eine Anfrage 2020, dann die Daten 2021 und dann gibt es eine Durchsuchung. 2023, das sind Jahre. Ja, wobei man die Behörden hier nicht anlasten, nicht alles anlasten kann.

Daten von US Konzernen aus Irland zu bekommen ist ein wirklich ein zäher Rätselhilfeweg, das dauert oft ewig und eine Durchsuchung darf man nicht auf Verdacht machen, da muss ja auch ein Richter dabei sein, der das anordnet. Ja. Wenn aber solche Daten schon im März 2019 auf dem Tisch des Haftrichters gelegen hätten, ob er dann am 22 März genauso entschieden hätte, das weiß natürlich niemand. Aber es ist schon auffällig, wieviel in diesem Fall immer ein paar Jahre zu spät auf dem Tisch landet und im Februar 2024 pünktlich zum fünften Jahrestag gibt es wieder eine Schlagzeile. Ein Nachbarschaftsvideo soll nämlich zeigen, wie um 07:24 Uhr ein pinkfarbener Twingo wegfährt und 46 Minuten später zurückkommt.

Ja, und die Staatsanwaltschaft sagt dazu ganz trocken, wir kennen das Video, Wir haben es ausgewertet, es ergeben sich keine neuen Erkenntnisse. Und dann der 20 Oktober 2025 sechseinhalb Jahre nach dem Verschwinden. Tauche. Ein Dorf in Brandenburg, rund 60 Kilometer südöstlich von Berlin im Landkreis oder Spree im Ortsteil Lindenberg sperrt die Polizei an diesem Vormittag ein Grundstück mit Flatterband ab. 115 Einsatzkräfte, Mitarbeiter des Bundeskriminalamts, ein kleiner Bagger, eine Drohne, bodenradar, Leichenspürrunde, die immer wieder über das Gelände geführt werden. Das Grundstück gehört einer 72 jährigen Frau. Der Großmutter von Florian.

Laut Staatsanwaltschaft ist sie beim Einsatz im Haus. Und wer an diesem Morgen in Taura aus dem Fenster schaut, sieht Polizeiwagen aus Berlin, Einsatzkräfte in Overalls und bald auch die ersten Fernsehteams in einem Dorf, in dem sonst vermutlich wenig passiert. Der Untertagesspiegel schreibt dazu etwas ganz Wichtiges.

Intern sei von einem ernst zu nehmenden Ermittlungsansatz die Rede. Und das muss es auch sein, denn ohne konkrete Anhaltspunkte hätte die Staatsanwaltschaft von keinem Gericht einen Durchsuchungsbeschluss für das Grundstück einer unbeteiligten Frau bekommen. Und dann veröffentlichen Polizei und Staatsanwaltschaft einen Satz, der nach sechseinhalb Jahren fast wie ein Donnerschlag wirkt. Ja, und ich?

Ich lese Ihnen vor, weil er so wichtig ist. Nach zwischenzeitlich erlangten Erkenntnissen liegen Anhaltspunkte dafür vor, dass der mittlerweile 33 Jahre alte Beschuldigte am Morgen des 18 Februar 2019 seine damals 15 Jahre alte Schwägerin getötet und deren Leiche und ihr gehörende Gegenstände zumindest vorübergehend auf das Grundstück seiner Großeltern in Tauche verbracht haben könnte.

Haben könnte. Ja, haben könnte. Ganz wichtig. Die Behörden schreiben im Konjunktiv und es gilt weiterhin die Unschuldsvermutung, aber so deutlich hatten sie das vorher nie öffentlich formuliert. Am nächsten Tag geht es dann weiter. Herzberg gleich in der Nähe ein Haus, in dem die Großeltern bis 2005 gelebt haben, sollen nach Medienberichten ein Alter, leerstehender, stark verwilderter Bauernhof.

Dazu ein Waldstück. Ja, und wieder Leichen, Spürhunde, wieder Bagger, wieder Radar. Die Polizei brummt, sogar einen unterirdischen Wassertank leer. Und in tauche verteilen Polizisten Flugblätter von Tür zu Tür mit einem Foto des Twingos und 2 Fragen. Wer hat dieses Fahrzeug am 18. Februar 2019 oder kurz danach gesehen? Und wer hat Beobachtungen gemacht, die auf ein Versteck oder Vergraben eines Leichnams hindeuten könnten? Am 22.

Oktober ist der Einsatz dann beendet. Polizei und Staatsanwaltschaft teilen mit, Es wurden Spuren gesichert, ob sie mit der Tat zusammenhängen, ist ein Gegenstand der Ermittlungen, die Auswertungen dauern mehrere Wochen an. Und da frage ich mich natürlich als erstes, warum erst jetzt? Das Auto war laut Staatsanwaltschaft schon 2019 auf dieser Autobahn.

Auch in der Nähe von Tauche erfasst. Die Großeltern wohnen da, das ist doch nicht erst 2025 auf irgendeine Landkarte nicht aufgetaucht. Und Achtung, das kommt nicht oft vor. Ich muss die Staatsanwaltschaft ausnahmsweise mal verteidigen. Ihr Sprecher hat es gegenüber einer Zeitung erklärt, bei Zeugen. Wie den Großeltern sind die Hürden für eine Durchsuchung besonders hoch.

Beim Beschuldigten selbst reicht nach Paragraph 102 St. Po die Vermutung, dass man etwas finden wird, bei allen anderen Menschen, Paragraph 103 braucht man Tatsachen, aus denen sich ergibt, dass die gesuchte Spur gerade dort ist. Eine Großmutter, die nichts getan hat, hat ein sehr starkes Recht darauf, dass die Polizei nicht einfach ihren Garten umgräbt, nur weil ihr Enkel verdächtig ist.

Ja, natürlich, das verstehe ich auch, aber ich sehe eben auch eine Familie, die sechseinhalb Jahre nicht weiß, wo ihr Kind ist. Ja, und ich sehe eine alte Frau, deren Garten vor laufenden Kameras aufgegraben wird. Aber wenn die neuen Erkenntnisse 2019 schon da gewesen wären, dann hätten die Hunde in einem Boden gesucht, der 6 Jahre weniger regen, Frost und ja, Wurzeln erlebt hat.

Was auch immer da vielleicht war. Nach dem Einsatz meldet sich eine neue Zeugin bei der Polizei. Die Bild berichtet über sie, eine pensionierte Lehrerin. Sie will am Vormittag des 18. Februar 2019 auf der a 12 bei Fürstenwalde einen kleinen Himbeerroten Twingo überholt haben, am Steuer ein angespannter Mann mit tief ins Gesicht gezogener Basecap.

Und hinten im Auto etwas Großes unter einer dunklen Decke. Und da muss ich jetzt wirklich mal als Strafverteidiger auf die Bremse treten. Diese Frau, die meldet sich sechseinhalb Jahre später nach Tausenden berichten, nachdem das Auto bundesweit gezeigt wurde, nachdem jeder weiß, wann es wo war. Die Aussagepsychologie nennt das Kontamination. Das heißt nicht, dass sie lügt, aber eine Erinnerung, die 7 Jahre lang mit Schlagzeiten gefiltert wurde, ist vor Gericht sehr, sehr schwer zu gewichten.

Jetzt die Frage, die mir wirklich jeder stellt, wenn es um diesen Fall geht. Wenn die Ermittler so überzeugt sind, warum gibt es dann keine Anklage? Ja, weil es im Strafprozess 3 verschiedene Verdachtstufen gibt. Und die werden in der Öffentlichkeit ständig durcheinandergeworfen. Stufe 1 ist der Anfangsverdacht, es gibt zureichende tatsächliche Anhaltspunkte, das reicht für Ermittlungen und für eine Durchsuchung. Das haben wir ja alles seit 2019. Die Stufe 2 ist der dringende Tatverdacht. Eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass jemand der Täter ist. Das braucht man für Untersuchungshaft, das hatte der Richter am 4.

März angenommen und am 22. März wieder bezweifelt. Und Stufe 3? Das ist der hinreichende Tatverdacht. Eine Verurteilung muss wahrscheinlicher sein als ein Freispruch, erst dann darf die Staatsanwaltschaft anklagen, und diese Stufe sieht sie offenbar bis heute nicht erreicht. Und deshalb ist das eben kein Widerspruch, wenn die Staatsanwaltschaft sagt.

Sich schließe alle Alternativen aus und trotzdem nicht anklagt. Genau Überzeugung ist das eine, beweisbar vor Gericht ist das andere. Aber kann man denn überhaupt jemanden verurteilen, wenn es keine Leiche gibt? Ja, grundsätzlich schon. In Deutschland gilt die freie richterliche Beweiswürdigung, das steht in Paragraph 261 unserer Strafprozessordnung. Es gibt kein Gesetz, das sagt, ohne Leiche kein Urteil. Auch Marc Benecke hat gesagt, eine Verurteilung ohne Leiche sei nicht ausgeschlossen.

Das Gericht muss am Ende aus der Gesamtschau aller Indizien überzeugt sein. Und da gibt es ein Beispiel, dass man in diesem Zusammenhang einfach kennen muss, du. Meinst den Fall Peggy Knobloch? Genau. Ja, da ein neunjähriges Mädchen verschwindet. 2001 in Oberfranken das Landgericht Hof verurteilt im April 2004, einen jungen Mann zu lebenslanger Haft.

Ohne Leiche, im Wesentlichen auf der Grundlage eines Geständnisses, das er widerrufen hatte. Und da ist ja 10 Jahre später etwas passiert. Ja, das Verfahren wurde dann wieder aufgenommen am 14. Mai 2014 spricht ihnen das Landgericht Bayreuth frei und 2016 findet ein Pilzsammler Peggys sterbliche Überreste in einem Wald. Das ist der Grund, warum mich als Verteidiger ein Indizienprozess ohne Leiche immer etwas nervös macht. Und jetzt kommt der Punkt, bei dem Axel Petermann gewarnt hat. Eine Anklage ohne neue, belastbare Beweise sei ein großes Risiko.

Aber bevor wir dazu kommen, ein Punkt, der in diesem Fall kaum jemanden auffällt und der einen Prozess massiv prägen würde, nämlich Paragraph 52 STPO das Zeugnisverweigerungsrecht. Wer mit dem Beschuldigten verheiratet ist, muss gegen ihn nicht aussagen. Das betrifft hier rebekkas älteste Schwester auch, also seine Ehefrau.

Und die Eltern? Ja, die Eltern sind seine Schwiegereltern, also mit ihm verschwägert, in gerader Linie. Auch sie dürften die Aussage verweigern, genauso seine eigene Familie, etwa die Großmutter und die mittlere Schwester ist mit ihm ja auch verschwägert, im zweiten Grad der Seitenlinie, also ebenfalls ein Verweigerungsrecht.

Das heißt, fast alle Menschen, die über diesen Morgen dieses Haus und dieses Auto etwas wissen könnten, müssten vor Gericht nichts sagen. Genau. Und es kommt noch schlimmer für eine Anklage, wenn ein solcher Zeuge erst in der Hauptverhandlung von seinem recht Gebrauch macht, darf seine frühere Aussage bei der Polizei grundsätzlich nicht einfach verlesen werden, das steht so in Paragraph 252 Strafprozessordnung.

Man kann in bestimmten Fällen einen Richter hören, der die Person früher vernommen hat, aber nicht die Polizeiprotokolle. Also eine Familie, die an seine Unschuld glaubt und ein Gesetz, das diese Familie davor schützt, gegen ihn aussagen zu müssen. Ja, und das ist vielleicht der unterschätzeste Grund, warum es in diesem Fall so schwer ist, eine Anklage zu erheben. Dann gibt es noch etwas, nämlich den Grundsatz Nebis in idem. Artikel 103 Absatz 3 unseres Grundgesetzes schreibt, Niemand darf wegen derselben Tat zweimal bestraft werden und in der Praxis heißt das, wird jemand rechtskräftig freigesprochen, ist die Sache erledigt, für immer. Aber es gibt doch diese Gesetzesänderung, dass man bei Mord wieder anklagen darf, wenn

neue Beweise auftauchen. Ja, die gab es. 2021 stimmt, und das Bundesverfassungsgericht hat sie am 31. Oktober 2023 für nichtig erklärt. Ein Freispruch bei Mord bleibt ein Freispruch, auch wenn morgen eine neue DNA Spur auftaucht. Und solange nicht angeklagt ist. Solange nicht angeklagt ist, kann die Staatsanwaltschaft jederzeit weiter ermitteln. Selbst eine Einstellung des Verfahrens verbraucht nicht. Deshalb ist warten aus Sicht der Staatsanwaltschaft hier wohl rational.

Und da bin ich ehrlich gesagt etwas hin und hergerissen, denn für die Familie heißt warten noch mal vielleicht 7 Jahre und vielleicht noch mal 7 Jahre. Die Familie glaubt an die Unschuld des Schwagers, aber auch der Schwager selbst lebt seit 7 Jahren mit diesem Verdacht, ohne dass ein Gericht ihn jemals prüft. Ja, das ist ein wirklich guter Punkt. Ein Beschuldigter ohne Anklage hat keine Bühne, auf der er freigesprochen werden kann, er bleibt einfach der Schwager. Also ich finde, irgendwann muss ein Gericht das entscheiden dürfen.

Ja, und ich finde, ein Gericht sollte erst dann entscheiden, wenn die Beweise tragen. Denn einen Freispruch kann man danach nicht mehr zurückholen. OK, da kommen wir dann nicht zusammen an diesem Punkt. Ja, und vielleicht ist es auch richtig so. Letzte Rechtsfrage, weil die immer kommt. Kann das ganze irgendwann verjähren? Ja, also der Haftbefehl 2019 lautete auf Totschlag, Totschlag verjährt in 20 Jahren, aber jede richterliche Durchsuchungsanordnung, jeder Haftbefehl unterbricht diese Verjährung.

Sie fängt dann wieder von vorne an, absolute Grenze bei Totschlag das Doppelte, also 40 Jahre Mord dagegen. Verjährt nie. Das wissen wir aus früheren Folgen. Das heißt, die Frage, ob es jetzt letztlich Totschlag oder Mord wäre, ist hier nicht nur eine Frage der Strafe. Sondern auch eine Frage der Zeit. Aber wo stehen wir denn heute eigentlich im November? 2025, sagt die Staatsanwaltschaft. Es gehen weiter vereinzelte Hinweise ein, die Spuren aus Brandenburg werden noch ausgewertet über 3200 Hinweise insgesamt.

Am 18. Februar 2026 7 Jahre nach dem Verschwinden haben wir rund 3500 Hinweise allein 150 seit dem Großeinsatz im Oktober und die kriminaltechnische Untersuchung der gesicherten Spuren dauern ja auch noch an. Und seitdem? Die offizielle Sammelmeldung der Polizei ändert stand unserer Recherche mit dem 22.

Oktober 2025 kein Ergebnis zu den Sporen, keine Festnahme und auch keine Anklage. Die Staatsanwaltschaft sagt zu Details nur zum Schutz der Ermittlungen kann keine Auskunft erteilt werden. Und das ist in so einer Phase auch nachvollziehbar. Und was kann jetzt eigentlich noch passieren? Also ganz nüchtern.

Gibt es eigentlich 3 Wege? Erstens die Spuren aus Brandenburg oder neue Hinweise liefern etwas, das die Beweislage wirklich verändert, dann wäre eine Anklage denkbar, zweitens, es bleibt wie es ist. Das Verfahren läuft einfach weiter, ohne dass nach außen etwas passiert und drittens, die Staatsanwaltschaft könnte das Verfahren irgendwann einstellen und ja, was, wie gesagt, das ist ja nichts endgültig beendet.

Und es gibt einen vierten Weg, an den Axel Petermann erinnert hat. Manchmal meldet sich jemand nach Jahren, und weil sich eine Beziehung verändert hat, zum Beispiel, weil jemand nicht mehr schweigen will. Ja, das passiert in Coldcases tatsächlich immer wieder. Man kann es nur nicht planen. Rebecca wurde in wenigen Tagen 23 Jahre alt. Ja.

Ja, Florian ist Beschuldigter. Er bestreitet die Tat. Natürlich gilt auch hier die Unschuldsvermutung, allerdings gibt es eben noch die Familie, die wartet auf ein Lebenszeichen, vielleicht auf eine Antwort auf irgendetwas. Vivien Reusch hat das bei Markus Lanz schon im Juni 2019 in einem Satz gesagt, der mir nicht aus dem Kopf geht, sie könne sich nicht vorstellen, dass ihre Schwester tot sei und.

Jedes Mal zu lesen, dass nach einer Leiche gesucht wird, schmerze ungemein. Und seit Oktober 2025 wird genau das wieder gelesen, mit Bildern von Baggern und Hunden. Das muss man natürlich als Familie erstmal aushalten, ja. Aber ich glaube, man kann über diesen Fall nicht sprechen, ohne auch darüber zu sprechen, was er in der Öffentlichkeit ausgelöst hat. Ja, der Vermisstenexperte Peter Yamin hat gesagt, nur der Fall mit mit Lay mccann habe in Deutschland für ein noch größeres Aufsehen gesorgt.

Es gibt mittlerweile eine RTL Doku, es gibt mehrere Podcasts, es gibt Foren mit tausenden Seiten und es gibt Menschen, die sich mit Kameras in Wälder stellen. Ja, man sieht das auch an den Zahlen rund 700 Hinweise nach Aktenzeichen XY im März 2019 über 3000 im Februar 2023 und dann über 3200 im November, 2025 und 3500 im Februar 2026.

Ja, und hinter jeder dieser Zahlen steht ein Mensch, der irgendwo angerufen hat, und ein Ermittler, der das prüfen muss. Die allermeisten davon führen ins Leere, aber man weiß vorher nie, welcher nicht. Ja, und die RTL Dokumentation 2021 hieß übrigens Rebecca. Was geschah mit unserer Tochter besteht aus 3 Teilen und schon dieser Titel zeigt, aus welcher Perspektive dieser Fall in der Öffentlichkeit oft erzählt wurde, aus der Perspektive von Eltern, die keine Antwort haben.

Im Februar 2025 zum Beispiel Staaten, die aus dem Fernsehen bekannten Trovatos einen Livestream auf Tik Tok und besuchen eine Laube im Wald, die der Schwager nach ihren Angaben öfter aufgesucht haben soll. Andere Kanäle ziehen Kameras durch Wälder bei Friedersdorf ja, und in solchen Livestreams wird dann auch über rebecas Privatleben geredet, über Partys, über Kontakte von Leuten, deren Glaubwürdigkeit niemand prüfen kann. Und ich finde, das ist der Punkt, an dem aus Anteilnahme etwas anderes wird.

Da geht es nicht mehr um das Mädchen und da geht es einfach um Klicks und die Polizei hat im Oktober 2025 in ihrer offiziellen Meldung etwas getan, was ich so selten gesehen habe. Sie schreibt wörtlich, Bitte nehmen Sie von weiteren eigenen Ermittlungen bis auf weiteres Abstand mit, Ausrufezeichen sogar. Und der Sprecher der Staatsanwaltschaft hat sogar ergänzt, Diese Leute behindern.

Konkret die Ermittlungen. Sie könnten Spuren vernichten und beginnen, teils selbst Straftaten. Ja, und da reden wir juristisch ganz schnell über Hausfriedensbruch, über Bildaufnahmen von Menschen in ihrem privaten Bereich, über Persönlichkeitsrechtsverletzungen, wer auf fremdes Grundstück läuft, um einen Fall zu lösen, löst vor allem ein eigenes Verfahren aus.

Und dann sind da die Medien selbst. Ich lese mal ein paar Schlagzeilen vor. Berliner Zeitung, Mai 2023 vermisste Rebecca Verdächtiger Schwager Google in der Tatnacht nach Fesselsex? Ja, in der Tatnacht steht, als wäre es bewiesen, dass es eine Tat gab und dass sie in dieser Nacht war, dass es juristisch eine Vorverurteilung in 2 Wörtern und demselben Artikel steht. Er sei für diese unwahre Behauptung in Untersuchungshaft gekommen, das ist einfach schlicht falsch, für eine Lüge kommt niemand in o Haft, man braucht einen dringenden Tatverdacht.

Und dann volksstimmung Februar 2026 da stand erneute Anklage birgt Risiko. Ja, und erneute Anklage, das gab es nie. Es gab auch nie eine erste. Und t online schon 2019 hat geschrieben. Darum ist ihr Fahndungsfoto so alarmierend. Und in genau diesem Artikel ist das Foto natürlich abgedrückt. Das ist das Problem mit diesem Bild.

Alle kritisieren es und alle zeigen es, weil es funktioniert. Und eine Sache muss ich noch sagen, es gab Experten, die öffentlich darüber spekuliert haben, ob die Familie vielleicht mehr weiß. Da gibt es keine Tatsache, die das stützt, und diese Familie hat eine Tochter verloren, das darf man auch nicht vergessen. Und der Verdacht gegen eine.

Ganze Familie macht diesen Fall nicht klarer, nur lauter. Weißt du, was mich bei diesem Fall am meisten beschäftigt? Nicht die Uhrzeiten, nicht das Auto oder sonst was, sondern dass ein Mädchen, das offensichtlich gerne Musik gehört hat, das eine Zahnspange hatte und morgens vor dem Spiegel ein Foto für ihre Freundin macht.

In der öffentlichen Erinnerung zu einem bearbeiteten Instagram Portrait geworden ist. Und zu einer Zeitleiste, zu einem Kennzeichen auf einer Autobahn und zu einem Rätsel. Ja, und sie war vor allem 1 15 lass uns zum Schluss noch einmal die Punkte nebeneinander legen, an denen wir heute gestolpert sind. 1. Die ersten Tage öffentliche Suche erst nach 3 Tagen Kriminaltechnik im Haus, erst nach 11 2. Die Fotos des Beschuldigten im Fernsehen gelöscht, nach 19 Tagen im Netz für immer und 3 das Filterfoto ausgewählt, von wem auch immer beschrieben, mit braunen Haaren gezeigt, mit Blonden behalten bis heute 4.

Cassie ein zentrales Indiz aus einem System, das es sogar nicht hätte geben dürfen. 5. Die langen Wege der Daten Anfrage 2020, Durchsuchung erst 2023 und 6. Sechseinhalb Jahre bis zum Grundstück der Großeltern, wobei du da eine rechtliche Erklärung hast, die ich natürlich respektiere. Und vielleicht noch ein siebter Punkt, der eigentlich kein Ermittlungsfehler ist, sondern ein Kommunikationsproblem. Uhrzeiten, die zwischen Familie und Ermittlern unterschiedlich erzählt werden, eine Familie, die sich nicht ernst genommen fühlt, Ermittler, die sich nicht unterstützt fühlen und in diesem Fall reden 2 Seiten seit 7 Jahren aneinander vorbei. Ja, und keiner dieser Punkte beweist, dass die Ermittler falsch liegen und keiner

beweist, dass die richtig liegen. Aber zusammen erklären sie ziemlich gut, warum ein Fall mit einem so engen Zeitfenster, einem Haus, einem Auto und einer Autobahn nach 7 Jahren immer noch offen ist. Ja, ein Montagmorgen. Reif auf den Autos, Frühling bis zum Mittag, ein Mädchen vor einem Spiegel und ein Foto, das eine Freundin um Viertel nach 8 sieht.

Und ein anderes Foto, das ganz Deutschland seit 7 Jahren sieht und das dieses Mädchen nichts zeigt. Wenn ihr etwas gesehen habt, damals am 18. Februar 2019 oder in den Tagen danach in Berlin auf der A 12 oder in tauche. Dann meldet euch bitte nicht bei uns, sondern bei der dritten Mordkommission des LKA Berlin.

Ja, und die Telefonnummer lautet 0 3046 6491 1333 oder über polizei.berlin.de. Und uns interessiert Eure Meinung zu einer Frage. Hätte die Polizei das Filterfoto austauschen müssen? Oder ist genau dieses Bild der Grund, warum dieser Fall bis heute nicht vergessen ist und Anklage jetzt riskieren? Oder warten, bis die Beweise tragen? Schreibt uns Eure Meinung in die Kommentare. Ja, und wenn ihr bis hierhin dabei wart, würden wir uns über eine Bewertung ebenfalls freuen.

Ihr könnt uns auch gerne folgen und uns zu unterstützen, wir sind noch recht jung und. Und so einem Mini Podcast bis jetzt ja. Und ich sage schon mal, nee, du musst erst sagen. Ich sage immer. Tschüss, du erst. Und dann komme ich. Ja, und ich sage schon mal Tschüss und vielen Dank fürs Zuhören. Und ich sage, wie immer, passt auf euch auf, bleibt vorsichtig und achtsam.

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