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Shownotes
Frauen dürfen nicht studieren. Deshalb muss Dorothea Erxleben damals zugucken, wie ihr Bruder studiert. Das darf nicht wahr sein! Sie schreibt dem König und wird von Kollegen angezeigt. Wird sie es schaffen, Ärztin zu werden?
Auch heute gibt's noch viele strukturelle Probleme für Frauen in der Medizin. Dazu habt ihr uns den Tagesschau-Podcast 11km (tagesschau.de/multimedia/podcast/11km/podcast-…) empfohlen.
“Behind Science” gibt’s samstags – am Science-Samstag. Zwischendurch erreicht ihr uns per Mail und Instagram, und hier gibt's unsere Links (linktr.ee/behindscience), die gerade wichtig sind.
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Einen schönen Science-Samstag wünschen wir euch. Hallo. Ach man, Science-Samstag, das ist ja eigentlich immer ein Tag, der ist viel zu schön, um Um wahr zu sein. was Negatives zu fühlen auch. Und das könnte ein bisschen passieren in dieser Folge, dass wir auch ein bisschen wütend werden vielleicht. Das passiert ja leider in einigen unserer Folgen, wenn Menschen irgendwie ungerecht behandelt werden oder ausgegrenzt werden oder so.
Das kann ich auch nicht anders. Ja, ihr könnt schon mal ein bisschen eure Wutreserven sammeln, aber es hat ja auch was Positives, diese Geschichte. Hundertprozentig. Und ich glaube... Wir können hier dann am Ende vielleicht trotzdem mit einem ganz guten Gefühl gehen, hoffe ich. Ja. Aber es wird eine Reise. Es wird eine Reise.
Aber vielleicht können wir uns vornehmen, vielleicht können wir am Ende diese Wut irgendwie umkehren. Ich stand neulich bei meinem Patenkind zu Hause am Kühlschrank und da waren so Magnete mit so Buchstaben. Und da hatten die dann irgendwie geschrieben, ihre Namen und so. Und da stand aber irgendwie, warum auch immer das Wort Wut?
Und als ich da so drauf geguckt habe, war so offensichtlich, wenn man dieses W am Anfang umdreht, steht da halt Mut. Und wie viel schöner ist Mut? Und dann haben wir das umgedreht und irgendwie fand ich es nochmal so einen guten Reminder, dass man das umkehren kann. Vielleicht schaffen wir das heute auch. Aus Wut wird Mut. Ja.
Ich meine, Wut ist ja erstmal jetzt kein schlechtes Gefühl, keine schlechte Emotion. Weil das ja auch viel freisetzen kann, viel Mut. Also ja, stimmt, guter Gedanke. Vielleicht machen wir da heute einfach Mut draus. Also ja, seid gespannt auf diese Folge, die wütend und mütend, wollte ich gerade schon sagen, werden könnte.
Das ist übrigens ein Wunsch von euch, diese Folge zu machen. Pia hat uns schon vor längerer Zeit geschrieben. Sie hat dazu liebe Grüße aus Aachen geschickt. Die geben wir einfach mal jetzt an euch weiter und sagen vielen, vielen Dank. Und auch die Geschichte, die sich Pia gewünscht hat, geben wir an euch weiter, weil super Vorschlag, haben wir uns sehr gefreut und uns natürlich direkt an die Recherche begeben.
Wir sprechen heute über Dorothea Erksleben, die erste promovierte Ärztin in Deutschland. Mit Marie Eickhoff und Luisa Pfeifenschneider. Louis, es ist ja so, wir wandern ja beide gerne. Hast du da Vorlieben? Wie sieht für dich der perfekte Wanderweg aus? Boah, schwierig. Also nicht zu viele Leute auf jeden Fall. Was natürlich schwierig ist, weil die, die schön sind, die werden auch von vielen Leuten begangen.
Aber was ist für dich schön? Also wie muss so der Untergrund sein zum Beispiel? Ja, im besten Fall... Halt angenehmer Untergrund, kein, nicht geteert oder so, also, ja, so feiner Sand-Kies-Gemisch oder irgendwie so, also, wie soll ich das beschreiben? Oder Moos oder egal. Ja, so ein typischer Waldwanderweg vielleicht auch.
Ja, aber auf jeden Fall die kleineren, oder? Ja, auf jeden Fall, nicht jetzt so diese großen. Ich bin ja auch schon mal gewandert in Nepal, das war natürlich auch nochmal ein Next-Level-Wandern. Und da ist es dann teilweise so, also weiter oben dann auch nicht mehr, aber wenn du startest, da bist du teilweise wie irgendwie hier in Köln auf der Hohestraße unterwegs, bewegst dich da wirklich wie mit so einem Lindwurm den Berg hoch, weil da so viele Menschen sind.
Oh Gott, wie mitten in der Fußgängerzone. Genau, das wäre mir dann auch zu viel oder war mir dann auch zu viel, also das fand ich wirklich krass. Deswegen ja eher die kleineren, schmaleren Pfade, die vielleicht nicht so überlaufen sind, wo man sich irgendwie so durchschlängeln kann. Das mache ich sehr.
Gerne auch mal eine Abkürzung. Ja, durchs Unterholz. Genau, manchmal ist es eine Abkürzung. Aber ich finde, manchmal ist es auch eigentlich ein Umweg. Man läuft so ein bisschen parallel. Aber ich liebe das auch, wenn man hier irgendwie der Weg geht, eigentlich über so eine richtige Straße. Und dann siehst du, nee, warte mal, hier rechts kann man auch abbiegen auf so einen Trampelfahrt, lass einfach mal reingehen.
Und manchmal kommt man dann auf den großen Weg wieder raus, aber ist egal, man hatte dazwischen irgendwie die bessere Zeit. Ja, es ist witzig, wir haben in unserer Familie so einen Running Gag. Meine Mutter liebt nämlich auch Abkürzungen, wir gehen auch sehr viel als Familie wandern. Und dann ist es wirklich immer so, also wir haben uns schon so schlimm verlaufen und dann teilweise auch, als wir halt noch Kinder waren und auch einfach müde und nach Hause und Hunger und kalt und Pipi und so.
Und deswegen ist es jedes Mal so, wenn meine Mutter sagt, lass doch mal hier lang gehen, ist das so, ist das eine Abkürzung? Ja? Ist das eine Abkürzung? Sind wir dann kürzer unterwegs? Und es ist halt oft genau das Gegenteil. Aber ja, es hat uns schon an wunderschöne Orte geführt. Nicht immer schlecht. Jetzt voller Stolz, ich bin deine Mutter.
Ich bin auf jeden Fall wie deine Mutter. Das Wie hat mir gefehlt gerade. Ja, stark. Also in unserer Familie bin ich deine Mutter. Vielleicht solltet ihr mal zusammenwandern gehen. Kommt ja gar nicht mehr nach Hause. Wir würden nie wieder zurückfinden. Aber wir hätten viel Spaß. Ja, ist ja vielleicht manchmal wichtiger.
Aber ich glaube, wir driften ab. Wir schweifen völlig ab. Ja, du wolltest auf irgendwas hinaus. Das wirst du mir jetzt verraten. Bevor wir jetzt hier auch die Orientierung verlieren, ich wollte eigentlich darauf hinaus, dass auch Dorothea Erksleben in ihrem Leben ganz oft Wege finden musste, also oder wieder zurückfinden musste, aber sie musste auch echt Wege gehen, die es noch gar nicht gab, also die noch gar nicht sichtbar waren.
Ist jetzt alles hier ein bisschen plumper übergangen, aber ich finde, das ist wirklich so mit das Besondere an ihrer Geschichte, nicht unbedingt das, was sie gemacht hat, aber unter welchen Umständen sie das gemacht hat. Ja, stimmt. Schönes Bild auf jeden Fall. Also sie musste einige Male so durchs Unterholz kraxeln, weil sie wusste da auf der anderen Seite, da geht der Weg, auf den sie möchte, weiter.
Wir denken uns jetzt mal... Auch wenn sie es nicht wusste, ist sie trotzdem gegangen. Stimmt, auch das. Wir denken uns jetzt mal in Dorotheas Zeit. Sie wird 1715 geboren, also vor 311 Jahren. Boah, das ist auch wieder so eine Zahl. In Quedlinburg. Ihr Vater ist praktischer Arzt, heißt er ist Arzt, aber hat es sich selbst beigebracht. Das finde ich auch ganz schön krass.
Er findet aber, dass das Medizinstudium zu theoretisch ist und dass man mehr lernt, wenn man Zeit mit den PatientInnen verbringt, also wirklich praktisch arbeitet. Aber was jetzt nicht heißt, dass er Wissenschaft gegenüber total skeptisch ist, also dieser theoretischen Wissenschaft. Und neue Erkenntnisse interessieren ihn schon und er findet auch, so eine Grundausbildung ist wichtig für den Beruf.
Und deshalb unterrichtet er jetzt Dorothea und ihren älteren Bruder gemeinsam und bringt denen da das ganze Know-how erstmal bei. Und das ist für diese Geschichte schon mal sehr entscheidend. Also wir können uns hier schon mal merken, das ist der erste Mann in dieser Geschichte, der sagt, lern mal ruhig, Dorothea, da steckt was in dir.
Und dieser erste Mann ist eben ihr Vater. Er sieht da schon ganz ruhig was schlummern und fördert Dorothea genau wie ihren Bruder. Und das ist sehr besonders zu der Zeit, das ist wirklich nicht selbstverständlich, denn Frauen dürfen damals nicht studieren. Also wir sind im 18. Jahrhundert und alleine, dass Dorothea da jetzt die Wissenschaftssprache lernt, dass sie Latein lernt, das öffnet für sie halt Wege, an denen andere Frauen noch nichtmals vorbeigekommen sind.
Ja, und das ist einfach toll, dass der Vater sich quasi dagegen die Gegebenheiten hinweggesetzt hat. Und ihr Lateinlehrer, der auch Rektor der Schule ist, schreibt ihr in einem Brief, dass er von einer Frau gehört hat, die in Bologna promoviert hat. Also wirklich... Big News, was da verkündet wird, genau, also in Italien.
Dorothea ist zwar gerade erst 16, aber er schreibt dazu, dass er ihr auch ein ähnliches Ziel nahelegen würde. Also der nächste Mann in dieser Geschichte, der sie unterstützt. Der Lateinlehrer oder Rektor der Schule, der da auch irgendwas sieht und ja so ein bisschen auch ein Role Model da schon entdeckt hat, was vielleicht so als Vorbild für ihren Weg auch dienen kann.
Also ja, auch da setzt der zweite Mann sich quasi über die Gegebenheiten hinweg. Richtig toll. Und es berührt auf jeden Fall was in Dorothea, denn auch wenn sie weiß, dass sie als Frau in Deutschland nicht studieren darf und sie sieht es eben auch nach der. Offiziellen Schulzeit, weil ihr Bruder kann studieren, aber sie nicht.
Und sie bekommt das so richtig nah mit, aber ist total motiviert durch diese Geschichten, die sie hört, aber auch durch ebenso Männer um sie herum, die ihr auch immer mal wieder sagen, vielleicht überlegt doch mal, ob wir da nicht einen Weg finden. Und dann nimmt sie eines Tages selber, ich denke es war ein Füller, in die Hand und schreibt einen Brief und sie schreibt da jetzt nicht zurück an ihren Lateinlehrer, sondern sie schreibt an den König, und zwar an Friedrich den Großen.
Den König höchstpersönlich. ob sie nicht vielleicht doch das Medizinstudium mit ihrem Bruder zusammen machen kann an der Uni in Halle. Also ihre Formulierung ist natürlich noch ein bisschen malerischer. Sie schreibt da von der königlichen Majestät. Und da fallen so Worte wie allergnädigst. Ja, Wahnsinn. Ja, sie tut da jetzt alles, damit sie auch... auch an die medizinische Fakultät nach Halle kommen kann.
Ja, ich weiß nicht, wir können das Zitat ja auch mal vorlesen. Man kann es kaum... Lesen, weil das so alte und hochgestochene Wörter, hochgestochene Sprache ist. Ja, go for it. Sie schreibt, worauf ihre königliche Majestät zu reskribieren aller Gnädigst Geruerten, dass sie der medizinischen Fakultät zur Halle mich rekommendieren wollten.
Wow. Also, ja, das schreibt sie jetzt. Das schreibt sie und man muss sagen, das hat sie gut formuliert. Ja, wenn ich mir das so durchlese, denke ich mir, oh Gott, wir sprechen ja wirklich wie die Letzten. Heute, ne? Ja, ne? Ich finde das manchmal ein bisschen erschreckend. Aber gut, wir geben uns hier die größte Mühe, da könnt ihr sicher sein.
Und der König zeigt sich tatsächlich großzügig und erteilt 1741 seine Genehmigung. Das muss man sich mal vorstellen. Stell dir mal, du wolltest studieren. Ich weiß nicht, da war Angela Merkel noch an der Macht hier in Deutschland. Du hättest der eine Mail schreiben müssen oder einen Brief, ob sie dir erlauben könnte zu studieren. Also es ist wirklich krass.
Ja und dann halt, klar, der König, der irgendwie über allem stand und so, ist natürlich jetzt überhaupt nicht mehr vergleichbar hier, aber das Bild ist irgendwie stark, so mäßig, dass der König sich so sehr in die Leben der Menschen einmischen konnte, dass er quasi da Hopp oder Topp sagen konnte, zur Zukunft eines Menschen.
Ja gut, da ist schon ein bisschen besser, dass wir heute freie Wahl haben, was wir studieren, egal welchem Geschlecht wir angehören, zumindest in Deutschland, muss man ja auch dazu sagen. Aber es ist eben nicht einfach so passiert, vor allem nicht, dass wir als Frauen studieren dürfen. Ja, das stimmt. Ja, wir sind jetzt hier, wieder 1741, die Genehmigung ist sozusagen raus.
Es klingt aber jetzt so ein bisschen zu perfekt und zu einfach. Sodass das wahr sein könnte. Ja, genau. Also irgendwie so, hm, wo ist da der Haken? Also es ist natürlich absurd, dass sie jetzt fürs Studium eine Genehmigung vom König braucht, aber bekommen hat sie sie ja jetzt irgendwie recht einfach, indem sie einfach gefragt hat. Vielleicht hat das vorher auch einfach noch niemand so gemacht.
Und sie hat einfach Glück in dem Moment, weil der König damals schon sehr aufgeklärt ist und auch kluge Frauen und gebildete Frauen bewundernswert und in der Mode fand. Also ja, das war da quasi so die neueste Mode, dass Frauen auch intelligent sind und intelligente Dinge tun können und gebildet sein können. Ja, stimmt.
Aber das klingt jetzt wirklich so, als würde sie hier ganz easy durchrutschen. Erst der Vater, dann dieser Lateinlehrer und dann auch noch das Go vom König. Fragt man sich so ein bisschen, okay, wieso erzählen wir die Geschichte? Hier ist doch irgendwie alles prima. Aber man muss dazu sagen, vorher, vor diesem Go vom König, haben schon ziemlich viele andere versucht, Dorothea, den Weg zu versperren. Oh ja, und zwar mit allen Mitteln.
Also sehr auffällig waren da zum Beispiel drei Kollegen aus Quedlinburg, also da, wo sie auch gelebt hat. Dorothea war nämlich schon eine Weile mit ihrem Vater dann auch unterwegs. Also er hat sie ja unterrichtet, aber er wollte eben auch, dass sie das praktisch lernen kann, wie es ist, Ärztin zu sein und hat sie mitgenommen zu Arztterminen, die er so hatte.
Das heißt, er hat sie da unterstützt, indem sie ihn unterstützt hat. Und das, weil er überzeugt war, dass Frauen genauso viel Verstand besitzen wie Männer, würden wir sagen. Ja, hallo. Ja, aber ich finde, man muss sich mal reinversetzen in die Zeit, was für ein großer Gedanke das gewesen sein muss. Also weil, wenn du in dem Wissen aufwächst, dass eben Männer einfach diese Berufe ausführen sollen und mehr Verstand haben und mehr Bildung verdient haben, ist es schon nicht so leicht, sich daraus zu befreien.
Also das finde ich schon auch faszinierend und toll, dass er da sich drüber hinweggesetzt hat. Eben, genau. Das war definitiv ihr Glück. Aber es geht da nicht nur darum, ja, da sind Frauen irgendwie nicht für den Beruf geeignet, sondern es galt wirklich, Frauen haben weniger Verstand als Männer. Also wow. Ja, gut.
Ihren Vater stört das zum Glück nicht, hält das nicht auf. Und er ist da überzeugt, nee, wir besitzen alle gleich viel Verstand. Ich weiß, was da in meiner Tochter steckt. Und deswegen unterrichte ich sie und nehme sie auch mit bei meinem Termin, weil sie ist gut. Sie hilft mir hier. Aber das fällt natürlich so ein bisschen auf, könnt ihr euch vorstellen.
Es gibt natürlich noch andere Kollegen in Quedlinburg, die auch medizinisch unterwegs sind und die bekommen jetzt langsam ein bisschen Angst vor Konkurrenz. Die beobachten, dass Dorothea da mitläuft und dass sie auch gut ist und überlegen sich, okay, das müssen wir jetzt verhindern. Und sie klagen Dorothea an. Und ihr Vorwurf ist ziemlich hart für die Zeit.
Sie sagen nämlich, Dorothea pfuscht. Ja, richtig krass und richtig hinterhältig. Und vielleicht müssen wir nochmal erklären, warum das jetzt so ein heftiger Vorwurf ist, auch für eine angehende Medizinerin. Ist es im 18. Jahrhundert nämlich so, dass es da noch sehr, sehr viele Wunderheiler gibt. Also mit so einem Krämerlädchen, die dann da so ein paar Cremes und ein paar Pillen und Adalas und sowas angeboten haben, aber nicht medizinisch ausgebildet waren.
Es gibt sogar mehr, wesentlich mehr Wunderheiler als ausgebildete Ärzte. Und deshalb ist es an sich schon okay, diese Medizin hochzuhalten. Also es ist schon wichtig, da ein Augenmerk draufzulegen, dass da auch alles mit rechten Dingen zugeht. Aber bei Dorothea ist es nicht angebracht. Also genau, Pfuschen hast du gerade gesagt.
Also da geht es jetzt nicht um Abgucken, Spingzen, dieses Puschen, sondern eben, dass sie quasi sich wie so eine Wunderheilerin verhält, aber als Medizinerin tarnt. Ja, das werfen sie ihr vor. Genau. Und in ihrer Anklage sprechen die Kollegen von Badern und Barbieren, also von einer, die scheinbar das Schlimmste ist.
Und sie sagen halt, sie würde sich mit einer unverschämten Verwegenheit in der medizinischen Pfuscherei besonders auszeichnen, da sie die Patienten öffentlich besuche. Also das, was Männer auch, also männliche Mediziner da auch ganz normal machen, ist auf einmal für eine Frau irgendwie zu anzüglich oder... oder ja, nicht angemessen und das eben auch noch mit dem.
Mit dem Vater, also es ist ganz verrückt, was da, in welche Trickkiste der verachtenden Vorwürfe gegenüber Frauen sie da greifen. Also einmal alles ausgepackt quasi. Genau, sie tun halt sogar so, als wäre das gefährlich für die Patientin. Ja, genau. Wie kann sie nur, sie besucht, also sind wir ehrlich, sie besucht diese Leute ja nicht nur, sie behandelt sie.
Und das ist gut so, sie macht das zusammen mit ihrem Vater, das ist quasi ihre Ausbildung, weil alles andere eben nicht geht. Studieren kann sie nicht, das heißt, ja, sie muss ja, möchte irgendwie lernen, wie Medizin funktioniert und da muss man jetzt schon fragen, ruiniert sie da wirklich an der Stelle die Medizin oder ruiniert sie vielleicht eher das Geschäft dieser drei Herren und deswegen, hauen sie da die Anklage raus.
Ja, aber das ist eh egal, denn sie haben sich mit der falschen angelegt. Dorothea hat schon längst beschlossen, sich von gar nichts abhalten zu lassen und deswegen, ja, nimmt sie diese Einklage natürlich wahr, aber lässt sich davon nicht stoppen, das können wir euch schon verraten. Aber man muss jetzt auch dazu sagen, ihr Leben geht nicht ganz einfach so weiter.
Privat wird sich nämlich jetzt auch einiges ändern. Und zwar so viel, dass sie die Sondergenehmigung überhaupt nicht nutzen kann, die ihr jetzt erteilt wurde, also von dem König. Und das Studium wird jetzt erstmal zweitrangig, denn eine Cousine von Dorothea stirbt und hinterlässt fünf kleine Kinder. Ja, sie kümmert sich jetzt um diese Kinder, was allein natürlich schon super intensiv ist.
Aber es wird so weitergehen, dass sie später den Vater der fünf Kinder Johann heiratet. Er ist ja jetzt Witwer und er ist Diakon und mit 26 Jahren ist Dorothea plötzlich in der Rolle der Mutter, der Pfarrersfrau und der Hausfrau. Also ja, auf einmal ist sie doch wieder richtig tief in den Rollenbildern, die es dann damals gab.
Also ja, es war eben klar, die Frau kümmert sich jetzt halt um die Kinder. Gut, man kann vielleicht davon ausgehen, dass sie den Johann da auch irgendwie wirklich geliebt hat. Man weiß es natürlich nicht so genau, aber davon auszugehen. Aber trotzdem bringt sie das jetzt eben wieder in diese Position der Hausfrau.
Ja, also sie ist gerade wirklich ganz weit entfernt von Studentin und Ärztin. Zu diesem Johann, ich finde noch ganz schön, die zwei verbindet quasi ein gemeinsamer Zweitname. Denn Johann heißt eigentlich Johann Christian und unsere Dorothea heißt eigentlich Dorothea Christiana. Ja, wirklich. Ich kenne auch ein paar, die heißen Christian und Christina. Wirklich?
Nein, das sind jetzt quasi die beiden. Ach, wie schön. Stimmt, muss ich dir mal erzählen. Ja, und die zwei, also sie lieben sich schon, sie bekommen dann auch noch vier Kinder zusammen, aber das heißt, Dorothea kümmert sich am Ende um da eine Bande von neun Kindern zu Hause und sie kann jetzt die Genehmigung fürs Studium wirklich überhaupt nicht einlösen.
Also sie hat einfach nicht die Kapazität dafür, aber sie hat da schon ein bisschen länger was in der Schublade, was sie schon veröffentlichen kann, das schafft sie, denn da schlummert schon eine Weile ein Buch, und dieses Buch ist quasi ein Plädoyer dafür, dass Frauen dasselbe Recht auf Bildung und Beruf haben wie Männer.
Es ist wie so ein Essay und darin plädiert sie dafür, dass Frauen studieren dürfen, öffentliche Ämter übernehmen und akademische Berufe haben sollen. Und das heißt, sie kann zwar nicht studieren, aber sie schafft es trotzdem in der Zeit, was zu veröffentlichen. Ja, richtig stark. Ich weiß nicht, wie man das macht mit neuen Kindern.
Ich glaube, sie hatte das schon geschrieben. Ja, gut, okay. Trotzdem beeindruckend. und ja, kommt wahrscheinlich bei den drei Kollegen mit der Anklage auch super an, dass sie jetzt quasi das auch noch veröffentlicht. Ja, dann auch sowas. Aber die sind Dorothea wirklich völlig egal. Denen antwortet sie mit einem ganz besonderen Move, finde ich auch richtig stark.
Nicht ganz freiwillig, muss man dazu sagen, aber es ist quasi das Grand Finale dieser Geschichte. Oh ja. Denn um ihre finanzielle Lage aufzubessern, behandelt Dorothea auch selbst jetzt Kranke weiterhin und, Und dabei stirbt eine ihrer Patientinnen an einer Krankheit, aber ein. Paar alteingesessene Ärzte nutzen jetzt diese Gelegenheit, um zu behaupten, ja, das war eine Fehlbehandlung von Dorothea und zeigen sie tatsächlich bei den Behörden an, richtig hart. Klar, das war jetzt natürlich eine Gelegenheit.
Und daraufhin wird Dorothea auferlegt, dass sie jetzt innerhalb von drei Monaten, ihre Promotion nachholen muss. Das heißt, sie muss jetzt irgendwie nach Halle zur Uni und muss da eine Promotionsprüfung ablegen. Und wir wissen ja, sie hat bis hierhin nicht Medizin studiert. Sie hat das gelernt einfach durch die Praxis.
Sie hatte die Erlaubnis, aber sie hatte ja keine Zeit zu studieren. Aber ihr glaubt ja nicht, dass sich Dorothea davon aufhalten lässt. Die lässt sich das nicht zweimal sagen. Die sagt sich, okay, drei Monate, let's go. Sie stellt jetzt beim König noch mal einen Antrag, dass sie zur Promotion zugelassen wird.
Er sagt, ja klar, kannst du machen, habe ich dir ja schon mal gesagt. Und 1754 kommt es dann wirklich dazu, dass sie als erste Frau in Deutschland eine Dissertation in Medizin einreicht und das ohne überhaupt ein Studium beendet zu haben. Und ihre Doktorarbeit ist so gut, dass sie sofort akzeptiert wird.
Die mündliche Prüfung ist für sie überhaupt gar kein Problem. Also sie kann da ihre Doktorarbeit verteidigen, besteht das easy, sodass sie dann offiziell die erste Prüfung, Ärztin in Deutschland ist. Wow. Die erste promovierte Ärztin. Das ist richtig krass, vor allem, weil sie quasi aus der Not eine Tugend gemacht hat.
Also wieder hier diese Anzeige bei den Behörden aufgrund von einem vermeintlichen Fehler und dann quasi ja ein bisschen so. Vor das Gericht gestellt wurde, so entweder jetzt hier diese Promotion ablegen oder weiß ich nicht, was die andere Option gewesen wäre. Nie wieder behandeln wahrscheinlich. Irgendwie sowas. Und sie macht einfach, verwandelt den Schuss quasi.
Ja. Ja, zeigt denen, wo der Hammer hängt. Ja, also richtig, richtig stark. Da hat sie es, glaube ich, allen, die an ihr gezweifelt haben und sie ja auch wirklich geächtet haben, kann man sagen, öffentlich, hat sie es gezeigt. Leider, leider gibt es jetzt hier, sage ich mal, in ihrem privaten Leben noch eine sehr traurige Nachricht.
Ihr Vater stirbt, ihr größter Supporter, den sie leider jetzt nicht mehr um sich hat und ihr Mann wird auch schwer krank. Und Dorothea hat aber trotzdem bis zum Ende gekämpft. Leider kann sie ihren Erfolg nur wirklich kurz genießen, weil sie selbst kurz, zu kurzer Zeit später nach ihrem großen Erfolg...
Sie bekommt Brustkrebs und stirbt schon im Alter von 46 Jahren daran. Also hier wirklich, das Schicksal ist ein mieser Verräter. Boah, wirklich, ja. Richtig bitter. Ja, also sie behandelt bis zum Ende als Ärztin noch Menschen, aber der Weg ist da einfach für sie kurz darauf vorbei. Aber trotzdem ist sie mit ihrem Lebensweg so vielen Frauen so viel voraus.
Und da braucht man jetzt nochmal zwei Jahre zahlen, um sich das zu verdeutlichen. Ich bin sonst ja nicht so ein Fan von Zahlen, aber ich sage sie langsam, Leute, 1754, da hat sie promoviert. Und erst 1899 werden Frauen in Deutschland offiziell zum medizinischen Staatsexamen zugelassen. Wahnsinn. Und auch nur zum Examen. Über 100 Jahre. Also genau, zum Studieren dauert es dann noch länger, bis sie auch wirklich studieren dürfen. Das müssen sie erstmal eine Weile im Ausland machen und können immer nur zum Examen dann nach Deutschland kommen.
Also total krass, dass selbst nachdem sie das geschafft hatte, wie viele Jahre alle anderen Frauen aber noch kämpfen und warten mussten, um den gleichen Weg zu gehen. Das heißt, sie hat den irgendwie gefunden, sie ist den zum ersten Mal gegangen, aber trotzdem war das noch kein Weg, den man danach easy nehmen konnte.
Ja, es ist eigentlich auch so ein bisschen die traurige Wahrheit dieser Geschichte, dass sie jetzt ja zwar Vorreiterin war, aber nicht unbedingt Wegbereiterin, wäre sie natürlich gerne gewesen. Aber es war jetzt nicht so, dass dann irgendwie, dass die Leute gesehen haben, okay cool, die Dorothea, die macht hier einen guten Job, dann können ihr ja andere Frauen nachfolgen.
Das war leider dann doch noch nicht so, also sie war schon die absolute... Die Ausnahme, die hatte da die Ausnahmegenehmigungen, war sicherlich, ich weiß, ich glaube, du magst diesen Ausdruck nicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Aber es war schon so, sie hatte die richtigen Leute irgendwie um sich, natürlich, ja, vor allem lag es an ihr.
Naja, man könnte halt auch sagen, man könnte die Geschichte auch ganz anders erzählen, dass sie quasi die ganze Zeit versucht wurde zu stoppen, also sie wurde ja sogar angeklagt, aber sie hatte eben den Mut, trotzdem weiterzugehen. Den Mut und vielleicht die Wut, sich darüber hinwegzusetzen. Ja, ein Glück ist das in Deutschland und auch in den meisten europäischen westlichen Ländern nicht mehr so. Das kann man sich nicht mehr vorstellen.
Natürlich irgendwie in anderen Teilen der Welt schon noch. Ich finde, das ist auch immer ein ganz guter Reminder, dass wir da noch sehr viel Arbeit vor uns haben. Medizin zu studieren ist aus anderen Gründen heutzutage schwierig. Da kann man sich auch drüber streiten, ob das so gleichberechtigt ist, weil man vielleicht keinen Platz bekommt.
Aber vom Geschlecht hängt es eben nicht mehr ab. Zum Glück, dank Frauen auch wie Dorothea. Vielen Dank, Dorothea, für diese... Ja, doch irgendwie Wegbereitung, die danach gekommen sind. Ja, ihr Schwerpunkt war übrigens dann auch, als sie als Ärztin gearbeitet hat, sich zu kümmern um Frauen und Kinder.
Und sie hatte da auch noch mal einen besonderen Blick zum Beispiel auf die Psyche bei der Behandlung. Sie erkennt, das ist auch ein wichtiger Teil, um gesund zu werden. Und es gibt noch einen anderen Aspekt. Sie empfiehlt anderen Kolleginnen, dass sie sich nicht vom Patienten stressen lassen sollen, die jetzt schnell wieder fit werden sollen.
Sondern sie plädiert sehr stark dafür, dass Sicherheit immer wichtiger ist. Auch das gute Gedanken innerhalb ihrer Arbeit. Schonen ist wichtig. Nicht zack wieder arbeitsfähig werden, so nach dem Motto. Und tatsächlich veröffentlicht sie auch auf Latein, weil sie das ja auch gelernt hat und das die Wissenschaftssprache ist.
Aber, Das ist neu. Sie besorgt auch eine Übersetzung auf Deutsch, damit es allgemein verständlich ist. Also auch im Rahmen dessen, was ihr zur Verfügung stand, hat sie neue Dinge entwickelt und nicht nur quasi, dass sie als Frau sozusagen da ein Novum war. Sie hatte auch Ideen, die über das hinausgingen, was bisher so angedacht wurde.
Und das vielleicht auch aus der Position heraus, aus der sie kam. Ich finde, da sieht man nochmal, wie wertvoll es ist, einfach viele Perspektiven damit zu haben in so einem System. Ja, total. Ich finde, das ist auch in unserem Beruf total wichtig, also im Journalismus. Ja, und auch nicht so vielfältig. Nee, überhaupt nicht.
Häufig ist man ja auch blind für so Probleme von anderen und denkt irgendwie, ach, müssen wir jetzt echt darüber berichten? Und da braucht es nur einen in der Redaktion, der sagt, ey, das war, meine ganze Kindheit lang war das total das Problem. Wie auch immer, ne? Das finde ich auch ganz wichtig. Ja, Vielfalt ist einfach.
Auf allen Ebenen, in allen Berufen sehr, sehr wichtig, um da ganzheitlich den Beruf ausführen zu können. Eigentlich egal, in welchem Feld. Das stimmt, aber in der Medizin eben manchmal dann auch überlebenswichtig. Es erinnert mich übrigens auch so ein bisschen an diese Geschichte von Emmi Nöter, die Geschichte von Dorothea, weil die ja beide so einen Bruder hatten, mit dem sie eigentlich parallel angefangen haben zu lernen.
Bei Emmy Noether war das in der Mathematik, in dem Feld. Und da war auch immer, die sind so parallel gestartet. Und der Bruder konnte alles halt so viel schneller machen. Stimmt, ja. Und da musste ich ganz oft dran denken bei dieser Geschichte. Ja, total. Wir haben das ja mal bei so einem Vortrag zum Weltfrauentag, haben wir doch mal den Weg von Emmy Noether und ihrem Bruder.
Ihr Bruder, so eine gerade Linie. Und Emmy Noether, so eine verschlungene Linie mit vielen Abkürzungen, in Anführungsstrichen. Eigentlich lieben wir ja die verschlungenen Wege, aber sie sind dann eben in der Realität, weil so Berufssegen manchmal auch unfair, weil man sieht, andere. Können den straighten Weg gehen. Ja, der Vergleich ist dann halt das, was einem vor Augen führt, wie ungerecht das ist.
Also ja, eine wirklich beeindruckende Frau und Geschichte und ja, auch die inspirierenden und helfenden Männer, muss man da vielleicht nochmal hervorheben, die gab es natürlich auch. Die konnten wegbereiter sein. Ja, genau. Sie hat sich zwar auch selbst durchgebissen, aber sie hatte eben auch viele stützende Hände, die ihr das ermöglichen konnten oder sie unterstützen konnten.
Ihr könnt ja mal erzählen, ob es hier in der Community Menschen gibt, die Medizin studiert haben. Vielleicht auch Frauen, die Medizin studiert haben, quasi als Nachfolgerinnen von Dorothea, also ihr seid quasi die Schwestern im Geiste, meldet euch gerne mal mit einem Like oder so oder ihr könnt uns auch schreiben von euren Erfahrungen berichten.
Vielleicht gibt es ja auch Erfahrungen, wo ihr sagt, da gibt es jetzt noch Punkte, wo man irgendwie benachteiligt wird. Geld spielt ja zum Beispiel jetzt im Studium schon auch noch eine Rolle. Also wenn du Geld hast, kannst du halt auch im Ausland studieren, während wenn du das nicht zur Verfügung hast, dann bleibt dir nur der Weg hier.
Und der ist halt immer an sehr, sehr gute Noten geknüpft, die wiederum auch, daran geknüpft sind, wie du quasi in der schulischen Laufbahn gestützt wurdest. Also ja, wir sind noch nicht bei 100 Prozent, aber wir haben da schon einen, großen Meilenstein hinter uns. Den Dorothea ins Rollen gebracht hat. Ja, den Dorothea-Weg.
Vielen Dank, dass ihr hier bei der Geschichte dabei wart. Schreibt uns super gerne eure Gedanken. Wir hören uns nächste Woche am Science Samstag wieder, ohne in zwei Wochen am Science Samstag wieder. Bis dahin, macht's euch schön und tschüss. Tschüss.