Behind Science

Gerhard Mercator: Eine gerechtere Welt

Samstag, 3. Oktober 2026 · 31 min

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Shownotes

Seit dem 16. Jahrhundert prägt seine Erfindung unsere Perspektive auf die Welt. Jetzt möchten die Vereinten Nationen die Weltkarte von Gerhard Mercator ersetzen. Warum? Und was hat das alles mit Duisburg zu tun? Als realere Alternative zu Gerhards Karte empfehlen wir euch die Equal Earth Map (equal-earth.com).

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Einen schönen Science-Samstag euch. Ja, wir sind bereit. Wir sind sowas von bereit, hier wieder eine Runde mit euch über Wissenschaft zu quatschen. Und heute auch mit einem aktuellen Anlass, denn vielleicht habt ihr es mitbekommen, die UN, die Vereinten Nationen, haben vor kurzem eine Abstimmung gemacht, die jetzt unser Leben schon auch verändern könnte.

Und ja, es geht genauer genommen sogar um unsere Weltanschauung. Ja, ich habe mich richtig gefreut, als dieses Thema in den Nachrichten war. Ja, oder? Total. Es ist so eine Good News, finde ich. Finde ich auch. Für mich auf jeden Fall. Die UN-Generalversammlung hat nämlich eine Resolution beschlossen, die von den Weltkarten, die aktuell in vielen Schulbüchern oder Navigationssystemen und Atlanten zu sehen sind, abrät.

Und sie fordert, auf flächentreuere Weltkarten zu setzen. Hm, was das genau ist, das klären wir heute. Wow, aber das ist auf jeden Fall ein historischer Schritt, auch wenn das jetzt zwar nicht bedeutet, dass sofort alle alten Karten irgendwie weg müssen, überall geändert werden müssen. Auch vor allem rückwirkend jetzt nicht in den Büchern, die schon gedruckt und jetzt vielleicht schon im neuen Schuljahr verteilt wurden.

Aber Weltkarten sollen eben künftig die Flächen der Kontinente möglichst korrekt darstellen. Den Appell gibt es jetzt von der UN und das klingt, ja, also für uns nach einer Good News, nach einem richtig... Eindeutigen Upgrade. Und in dem Zuge wurde jetzt aber auch immer wieder von der originalen Weltkarte aus Duisburg gesprochen, weil der Erfinder dieser Karte, die bis jetzt genutzt wurde, also auch die Karte, mit der wir groß geworden sind, die ich irgendwie mit zur Schule getragen habe, der kommt scheinbar aus Duisburg.

Und ich muss sagen, das wusste ich noch nicht. Ich auch nicht. Und wir als hier halbe Ruhrpottler, weil wir ja da studiert haben, sind da natürlich noch mal mehr neugierig geworden. Vielleicht haben wir hier auch Leute aus Duisburg. Schreibt uns total gerne mal, ob ihr von dieser Geschichte gehört habt. Ja, wirklich.

Da müssen wir jetzt noch mal genauer hingucken. Wer war eigentlich der Mensch, der die Weltkarte entwickelt hat, die unsere Ansicht der Welt in den letzten Jahren geprägt hat? Wie hat er die Weltkarte geschaffen und warum ist sie wirklich nicht mehr zeitgemäß? Wir sprechen heute über Gerhard Mercator, der den ersten Atlas erfunden hat.

Behind Science – Geschichten aus der Wissenschaft Mit Marie Eickhoff und Luisa Pfeifenschneider. Wir machen heute eine ziemliche Zeitreise, wir müssen weit zurückreisen, denn die Weltkarte, über die wir heute sprechen und die wir eben alle damals kennengelernt haben und die ihr vielleicht auch zu Hause stehen habt, die ist schon richtig alt.

Wir reisen heute für die Wissenschaftsgeschichte ins 16. Jahrhundert Und ich habe ehrlich gesagt auch noch nie so richtig darüber nachgedacht, dass diese Karte so alt ist. Ich weiß nicht, irgendwie dachte ich vielleicht, da wird immer einfach eine aktuelle gedruckt. Ich weiß es nicht. Also alt im Sinne von jetzt nicht nur Ländergrenzen und so weiter, sondern die Perspektive ist ja alt.

Ja, das ist das richtige Wort. Weil die wird natürlich schon immer geupdatet. Also Deutschland ist jetzt in den Landen, die jetzt gedruckt werden, nicht mehr geteilt, so zum Beispiel. Aber die Perspektive ist alt. Also diese Art, die Welt und die Umrisse der Länder darzustellen, ist alt. Ja, und das liegt daran, dass der Protagonist unserer heutigen Folge auch ziemlich, ja, vor langer Zeit schon gelebt hat.

Er wird 1512 geboren, wir müssen also heute 514 Jahre zurückgehen, also soweit gehen wir ja auch hier nicht oft zurück. Und damals wird er geboren als Gérard de Crémer, spreche ich das jetzt mal aus? Ich glaube, das ist gut, ja. Ruppelmont, das ist in Flandern, das ist heute Belgien. In manchen Quellen steht da auch schon Gerhard Crémer, also Belgien ist ja auch, sehr, sehr multilingual, kann man sagen, immer noch.

Wir nennen ihn jetzt aber in dieser Folge Gerhard, weil er ja heute so bekannt ist. Oder so. Gerard. Gerard. Ja, und Gerhards Vater kommt aus Gangelt. Das ist ein Dorf in der Nähe von Jülich. Kenne ich sogar auch. Da fährt man irgendwie auch häufig immer, weiß ich nicht, vorbei. Und er stirbt früh, der Vater. Und deshalb wächst Gerhard bei seinem Onkel auf.

Der ist geistlicher und erkennt schon sehr früh, dass da viel Neugier und Intelligenz in Gerhard schlummert. Und er sorgt dann auch dafür, dass er eine ausgezeichnete Schulbildung bekommt. Lieben wir doch, wenn sowas gefördert wird. Das ist toll, genau. Der hat Glück, dass er diesen Geistlichen in seiner Familie hat, der das fördert.

Und nach der Schule folgt dann auch eine Zeit an der Uni. Gerhard kann studieren und zwar zuerst an der Uni Löwen. Und da ändert er jetzt seinen Namen, Denn als Wissenschaftler beschließt Gerhard jetzt, möchte er seinen Namen lateinisieren. Und das macht er, indem er aus Crema, seinem Nachnamen, jetzt Mercator macht, was übersetzt so viel bedeutet wie wieder Crema, also Crema war sowas wie so ein Händler oder Kaufmann und auf Latein.

Bedeutet das eben Mercator. Und deswegen wird es jetzt Gerhard Mercator. Und das ist ja auch der Name, der bis heute dann berühmt ist. Es ist sowas ja nicht wie sein Künstlername, es war dann quasi sein Wissenschaftsname. Ja, ich wusste das gar nicht, dass das so eine gängige Praxis war und habe tatsächlich auch mal meinen Namen auf Latein übersetzt. Ich hatte ja kein Latein.

Du hättest es vielleicht so aus aller Menge übersetzen können. Ich habe dafür Google-Übersetzer genutzt. Mein Nachname wäre Sibillare Sator. Klingt auch wie so eine Kämpferin irgendwie. Und dann Schneider. Was für ein cooler Künstlername. Also wenn ich irgendwann mal DJ werde oder, Kunst erschaffe oder so, werde ich mich so nennen.

Sibilare Sator. Ich möchte, dass du mich ab sofort so ansprichst. Voll gut, das müssen wir mit deinem Namen auch mal machen. Eichhof. Also müssen wir mal Eiche und dann Hof. Ja, stimmt. Stimmt. Ja, das reichen wir euch beim nächsten Mal nach. Aber das ist natürlich, deiner ist ja kaum zu toppen. Sibilarisator. Mein Name.

Mein Name und der Zauberspruch, mit dem ich erscheine. Ja, wirklich. In Harry Potter sind ja auch sehr, sehr viele Namen und Zaubersprüche aus dem Lateinischen entnommen oder abgewandelt oder so. Das klingt für dich auch wie Serious Black oder so. Ja, es klingt krass. Also ja, gut. Severo Snape. Wir bleiben jetzt mal bei Mercator, um jetzt zur Geschichte zurückzukommen.

Finde ich eine sehr weise Entscheidung, den Namen so anzupassen. Sehr, sehr cool. Jedenfalls mit den Fächern, die sein Onkel ihm nahegelegt hat, Theologie und Philosophie, ist er nicht so happy. Er merkt, das bringt mich eigentlich nicht weiter. Ich möchte die Welt irgendwie ganz anders erklären und nicht eben mit Religion, mit Philosophie.

Und deswegen studiert er jetzt Kosmografie, Mathematik, Philosophie und Astronomie. Es ist eine ganze Menge. Und an der Uni kommt er in Kontakt mit anderen Forschenden, die gerade in Löwen ein neues Zentrum aufbauen, das sich für exakte Wissenschaft einsetzt, so ist quasi der Leitspruch, um eben die Welt zu vermessen und bildlich darzustellen.

Und das ist genau sein Ding. Ja, also ich glaube, das ist kein offizielles Zentrum, was die da jetzt gründen, aber es bildet sich irgendwie. So ein bisschen, wie wir euch ja auch schon mal erzählt haben, in Göttingen war so ein bisschen das Zentrum von Mathematik und Physik. Und in Löwen an dieser Uni entsteht jetzt so ein bisschen zu der Zeit ein Zentrum, was so ganz exakt die Welt vermessen möchte.

Und ja, unter seinen Kollegen sind da jetzt zum Beispiel Mathematiker, ein Kupferstecher aber auch. Weil das ist ja auch, also du musst ja diese Karten dann auch irgendwie drucken können. Dafür brauchst du eben einen Kupferstecher und einen Kartograf. Und von all diesen Kollegen kann Gerhard jetzt an der Uni eigentlich alles lernen, was er so handwerklich und wissenschaftlich dann als Grundlage für seine eigenen Karten braucht und für das, was er noch so vorhat.

Und parallel lernt er zu der Zeit aber auch noch eine besondere Frau kennen und zwar Barbara Schellecken. Die wird er heiraten 1536 und die beiden bekommen in ihrem Leben zusammen auch dann sechs Kinder. Und Gerhard hat jetzt, also ihr könnt euch vorstellen, große Familie. Er hat da jetzt auch Verantwortung für diese Familie genannt.

Und fängt deswegen direkt nach dem Studium an zu arbeiten, erstmal als Instrumentenbauer und Kupferstecher, aber irgendwann dann auch schon als Landvermesser und Kartenmacher. Und da kommen wir ihm jetzt schon, ja kommen wir so ein bisschen dem näher, wofür er dann auch bekannt wird. Ja, genau. Und als erstes veröffentlicht er jetzt ein Globenpaar. Heißt das Globen? Ja.

Ja, ne? Nicht Globusse. Genau. Also zwei Globen, die zusammengehören. Ein Erd- und ein Himmelsglobus. Stimmt, so ein Himmelsglobus hatte ich auch schon mal gesehen. Wow, wirklich. Ich glaube, der steht in Duisburg im Stadtmuseum oder so. Da kann man auf jeden Fall noch so ein Globus von Mercator sehen.

Wow, okay, auf nach Duisburg. Gibt es ein paar ganz spannende, ah nee, das ist Oberhausen, nee, wo ist da nochmal das große Museum? Gasometer, das ist Oberhausen. Ist auch in, ah, das ist Oberhausen, okay, aber ist ja alles nah beieinander, kann man ja mal einen Tagesausflug hinmachen. Jedenfalls entwickelt er dann auch noch Wandkarten von Palästina und Flandern und eine erste Weltkarte.

Und was da sehr auffällig ist, Gerhard vermisst und rechnet für seine Karten nicht nur, sondern er bezieht schon auch die Theologie und Philosophie in seine Weltbeschreibung ein. Also eigentlich wollte er da ja gar nicht so bleiben bei diesem Fachgebiet. Aber er bezieht das dann doch irgendwie ein. Das lässt ihn nicht so ganz los.

Er ist ja natürlich auch mit einem Geistlichen aufgewachsen, also jemandem, dem das sehr nahe ist. Und dabei beschäftigt er sich aber kritisch eben auch mit der Bibel und der Naturphilosophie von Aristoteles, die damals gilt. Also er schreibt das jetzt nicht eins zu eins ab, sondern setzt sich damit kritisch auseinander.

Und er benennt auch Widersprüche zur Natur und ist eben auch Anhänger der Reformation. Und dass er diese Sichtweisen in seine Wissenschaft einbringt, wird nicht so gerne gesehen. Und deshalb kommt es so weit, dass er tatsächlich dafür verhaftet wird. Er wird wegen Heresie, das ist Gotteslästerung oder Ketzerei angeklagt und sechs Monate inhaftiert.

Also ja, das Ganze bekommt jetzt hier erstmal eine dicke, fette Bremse. Dass er quasi mit seiner Wissenschaft da nicht weiterkommt. Also vielleicht ganz kurz nochmal Reformation, was Sie vielleicht so zusammenfassen als eine Reformbewegung in der Kirche. Also in der katholischen Kirche, da wurde erstmal ganz viel dadurch aufgebrochen, es ging da.

Zum Beispiel Ablasshandel als mal ein Stichwort, aber es ging dann auch darum, dass zum Beispiel in der Theologie nicht mehr nur Latein verwendet wurde als Sprache, sondern dass das so übersetzt wurde für alle. Also es hat schon auch so ein bisschen Wissenschaft mit verändert in dieser Zeit und es war eben, ihr kennt es schon, es war eine Reform, eine Veränderung, eine Erneuerung, die da angestoßen wurde und ja, die bestehenden Systeme, für die ist das immer schwer.

Ja, deswegen eckt man damit auf jeden Fall an und es geht dann bei Gerhard eben so weit, dass er inhaftiert wird. Also es klingt jetzt vielleicht noch irgendwie relativ neutral, wie wir das formuliert haben, in anderen Quellen klingt das ziemlich dramatisch. Also da wird geschrieben, er wird gefangen genommen und eingekerkert und ist nur so knapp der Inquisition entkommen. Ja.

Denn wenn du damals für Ketzerei beschuldigt wirst, bedeutet das, dass du wirklich ... Nicht nur ein bisschen Stress hast mit der katholischen Kirche, sondern dass es sehr, sehr gefährlich für dich werden kann. Lebensgefährlich. Lebensgefährlich, absolut. So ein paar Jahrhunderte davor bedeutete das im schlimmsten Fall, dass du wirklich gefoltert und auf einem Scheiterhaufen verbrannt wurdest.

Die katholische Kirche bekommt jetzt eben noch ein bisschen mehr Stress und Druck, weil wir uns jetzt auch schon in einer Zeit befinden. Es gibt langsam den Buchdruck. Und das bedeutet eben auch so Reformations-Erneuerungsgedanken, die können sich viel schneller verbreiten. Und das erzeugt natürlich so ein bisschen Stress. Der Papst gründet jetzt auch eine Behörde, die sich um Inquisition kümmern soll.

Ganze Bücher werden zensiert. Es wird so getan, als sei Wissenschaft mit diesem neuen Gedankengut, was ganz gefährlich ist. Und auch andere prominente Forschende wie Galileo Galilei, die landen auch in solchen Prozessen, in Inquisitionsprozessen, also ihnen wird Ketzerei vorgeworfen. Weil sie sich eben wissenschaftlich damit beschäftigen.

Ja, und genau, Reformen wollen. Über Galileo Galilei müssen wir auch nochmal unbedingt eine Folge machen. Das machen wir. Das ist schon ganz lange auf der Liste. Das machen wir mal. Jetzt beschließt Gerhard deshalb, er zieht um, er möchte umziehen. Er nimmt also seine Familie mit nach Duisburg. Das ist protestantisch geprägt und deshalb ist es da sicherer für die Familie und ja vor allem für ihn.

Und er lernt da zwei Brüder kennen, die sehr einflussreich sind damals in Duisburg und zwar Walter und Johannes Güm. Johannes ist Bürgermeister von Duisburg und öffnet zusammen mit Gerhard ein Gymnasium, an dem er jetzt Geometrie, Mathe und Kosmologie unterrichten kann. Und weil seine Kollegen am Gymnasium ihn aber auch wieder anklagen wegen Protestantismus, kann er nicht an der Schule bleiben und wechselt jetzt direkt an den Hof des Herzogs Wilhelm von Jülich.

Der gilt als gemäßigt und Gerhard wird jetzt der offizielle Kartograf des Herzogtums Kleve sein. Endlich, denn jetzt kann er sich nur noch um seine große Leidenschaft kümmern, also nach ein paar Umzügen und. Ein paar sehr unschönen Erfahrungen kann er dann endlich wieder zu dem zurückkehren, wo er eigentlich schon immer von geträumt hat, also Karten zeichnen.

Ja, genau. Und wir merken uns mal, wie kam also Mercator nach Duisburg? Es war sein Safe Space. Also es war nicht der Ort, an dem er geboren wurde, aber es war für ihn so ein bisschen der Ort, der ihn vielleicht gerettet hat und wo er endlich mit seiner Leidenschaft so richtig durchstarten konnte. Und Gerhard erarbeitet sich jetzt den Ruf ziemlich schnell mit seinen Karten, dass die so detailliert sind und so aufwendig und richtig wie von sonst niemandem.

Er macht Karten für Adelige, für Herrscher. Das sind teilweise Karten von ganz Europa, aber was ihn so richtig berühmt machen wird, ist eine Wandkarte der ganzen Welt. Und seine Karten sind nicht nur interessant anzugucken, sondern sie haben für manche damals auch richtig praktische, wichtige Funktionen und zwar nicht für die Herrscher, sondern für die Seefahrer.

Was im Endeffekt natürlich dann auch wieder den Herrscher, der in die Karten spielt, muss man dazu sagen. Oh ja. Und für die Seefahrt ist es damals wirklich lebensnotwendig, möglichst genaue Karten zu haben, um halt das Ziel sicher zu erreichen. Und in der Zeit damals boomt die Seefahrt wirklich. Es ist das Zeitalter der großen Entdeckungen und Eroberungen und, muss man auch dazu sagen, der großen gewaltvollen Übernahmen durch Europäer.

Das heißt, die Schiffswege werden länger und die Navigation schwieriger und, gute Karten werden immer wichtiger. Und in diese Zeit kommt jetzt eben dieser Kartenprofi, könnte man sagen, der da sich dem Ganzen widmet. Ja, zum Glück, denn Anfang des 16. Jahrhunderts ist es oft noch Glückssache, ob die Schiffe überhaupt ankommen, weil die Karten einfach nicht winkeltreu sind.

Das heißt, man kann mit den Karten nicht so einen eindeutigen Kurs berechnen, und Gerhard wird aber jetzt eine Möglichkeit finden, die Oberfläche der Weltkugel. Zweidimensional so darzustellen, dass die Breiten- und Längenkreise nicht gekrümmt werden. Die Karte zeigt also symmetrische Rechtecke. Und das kennt ihr bestimmt heute auch noch so von der Kartenansicht, dass da immer so ganz feine, dünne Rechtecke oft drüber liegen.

Und das hilft jetzt den Seeleuten, dass sie einfach mit dem Lineal Start und Zielhafen verbinden können und dann schon den Kurs ihrer Reise haben. Und dieses System ist einfach viel einfacher, viel genauer und wird deswegen bis heute noch im Flug- und Schiffsverkehr benutzt. Ja, und jetzt müssen wir mal klären, wie Gerhard es geschafft hat, diese Karten zu erschaffen.

Seine Idee klingt jetzt erst mal einfach, aber ist wirklich genial. Da muss man erst mal drauf kommen. Und zwar legt er um einen Globus einen Zylinder, der die Erde... Ja, man kann sich das vorstellen wirklich, wie wenn man so einen einfachen Blatt nimmt und das so um diesen Globus wickelt, dann hast du ja schon so einen Zylinder.

Ach witzig, dass du das so dir überlegt hast. Ich habe mir nämlich gedacht, ein Zylinderhut. Na ja, würde ja auch funktionieren. Ja, natürlich. Aber ich finde es irgendwie anschaulicher, dass man sich so ein Blatt vorstellt. Und einmal um diese Kugel herum wickelt. Sich was abpauschen kann vielleicht.

Ja, genau. Und dann berührt sozusagen dieser Zylinder die Erde am Äquator. Also bildet da quasi so einen Kreis drumherum und die Erdmitte ist das Projektionszentrum und von dort überträgt er alle Punkte vom Globus auf den Zylinder und danach rollt er, deswegen dein Blatt Beispiel, dein Blatt Bild ist natürlich besser, diesen Zylinder ab und erhält eine glatte, winkeltreue Karte der Erde.

Also genau, er legt ihn da drumherum, macht diese Punkte quasi, überträgt die und dann hat er das Ganze nicht mehr mehr, also 3D, sondern quasi eindimensional. Ja, und das aber in einer Größenordnung, die jetzt für die Seefahrt noch ein bisschen unhandlich ist. Also seine Weltkarte, die ist so... 1,30 breit Meter und über zwei Meter hoch.

Das ist jetzt nichts, was du mal eben so auf eine Seefahrt mitnimmst. Deswegen wird diese Karte in 29 Blätter zerschnitten, mit einem Band zusammengefügt, dass du so ein bisschen so ein Heft dabei hast. Und das ist jetzt der erste gedruckte Seeatlas. Für die Navigation ist diese Mercator-Projektion, So heißt sie bis heute eine absolute Bereicherung, denn die Kapitäne der Schiffe können jetzt einfach easy den genauen Kurswinkel, zu ihrem Ziel ermitteln und das hat für sie einfach so einen großen praktischen Vorteil.

Dass sie das natürlich total feiern. Ja, total. Das ist die Sicherheit in Kartenform quasi. Aber diese Projektion hat eben auch Nachteile, denn sie ist weder Flächen noch Linientreu. Das ist damals nicht das Ziel, aber es ist eben ein großer Kritikpunkt, der jetzt halt ganz aktuell wieder aufgeworfen wurde.

Vor allem, dass die Flächen eben verzerrt sind, ist ein Kritikpunkt. Nur am Äquator der Projektionsmitte ist die Fläche exakt wiedergegeben. Und zu den Polen hin ist die verzerrt. Das heißt, die Bereiche wirken deutlich größer. Und deshalb hat Grönland etwa die gleiche Größe wie Afrika, was total krass ist, weil es wirklich hinten und vorne nicht stimmt.

Aber hast du das als Kind mal hinterfragt? Überhaupt nicht. Ich dachte immer, Grönland, wow, ein Riesenland. Ja, und das ist doch krass eigentlich. Ja, finde ich auch. Also ich habe das ganz spät erst verstanden und auch wieso das so verzerrt ist, also, Das wurde uns auch, glaube ich, in der Schule nicht mitgegeben, als wir in Geografie... Ich dachte, so sieht halt die Welt aus.

Ja, genau. Boah, ist schon schlimm, echt. Ja, und die Bundesregierung schreibt dazu, Grönland, die USA, Russland und das zentral abgebildete Europa erscheinen überproportional groß, während Afrika, Südamerika und Ozeanien im Vergleich randständig und, unbedeutend wirken und damit reproduziert und verstärkt die Karte koloniale Hierarchien, die einem als Betrachterin oder Betrachter kaum auffallen, aber unbewusst Wirkung entfalten.

Und so wirkt Afrika im Vergleich klein, obwohl es in Wirklichkeit der zweitgrößte Kontinent und 14 Mal größer als Grönland ist. Also Grönland passt 14 Mal in Afrika. Also jetzt ist es ja so, bei dieser, ich sag jetzt mal, verzerrten Darstellung, passt Grönland vielleicht anderthalb Mal rein. Ja, fast gleich groß wirkt auf jeden Fall. Und ich finde interessant, dass das jetzt in so einem Flyer steht von der Bundesregierung, weil...

Ja, wie du sagst, bei mir hat das auch auf jeden Fall ganz unbewusst sehr lange gewirkt. Ja, auf jeden Fall. Also ich muss da, habe jetzt nach dieser Folge, nach der Recherche auch gedacht, ich muss mir nochmal eine neue Weltkarte kaufen, um das einfach in mein, inneres Auge einzubrennen, weil das geht ja gar nicht, dass man da so falsche Vorstellungen hat.

Absolut. Ja, bitte sagt auch mal Bescheid, ob ihr das machen werdet, das irgendwie jetzt anschaffen werdet. Wie geht es euch damit? Und habt ihr das auch so gespeichert? Also es ist auf jeden Fall der Grund, warum jetzt die UN abgestimmt hat und gesagt hat, wir finden das wirklich gar nicht mehr zeitgemäß.

Wir möchten, dass Karten heute nicht mehr aussehen wie im 16. Jahrhundert, sondern dass da die Größenverhältnisse einfach besser abgestimmt sind. Eingebracht hatte diesen Vorschlag zur Abstimmung, dass westafrikanische UN-Mitglied Togo und die Afrikanische Union Und 164 Mitgliedstaaten haben aber auch, eben eindeutig dafür gestimmt, die USA als einzige Nation dagegen und sechs Nationen haben sich enthalten.

Aber ja, die Frage ist natürlich jetzt auch so ein bisschen, wie könnte denn eine realere Darstellung aussehen? Und da gibt es eben schon, ja, schon länger, also eine von 2017, 2018 auf jeden Fall, die ist sehr bekannt, eine Darstellung, das ist die Equal Earth Map. Die werden wir euch auf jeden Fall auch unter dieser Folge verlinken.

Da sind diese Größenverhältnisse einfach angepasst. Ja, finde ich richtig gut. Vielleicht gibt es die auch zu kaufen, habe ich jetzt noch gar nicht geguckt. Gibt es auf jeden Fall. Es gibt auch so, das finde ich auch spannend, so digitale Tools, da kannst du mal quasi dein Land anklicken und dann gucken, wie oft würde das jetzt in ein anderes Land reinpassen. Das finde ich auch super.

Um ein Gefühl zu bekommen. Ja, gerade was so die größten Verhältnisse beim afrikanischen Kontinent angeht. Also es ist einem einfach bewusst, wie viele Menschen da leben. Also das finde ich ganz wichtig. Nochmal kurz zurück zu Gerhard in die Zeit vor unserer Zeit. Oh ja. Nach Gerhards Tod 1594 wird noch eine Sammlung von Karten veröffentlicht, die ihr auch kennen werdet.

Und zwar heißt diese Sammlung Atlas. Das ist auch der erste Mensch, der diesen Namen benutzt, Atlas. Er hat ihn erfunden. Er hat ihn erfunden, er hat das so benannt. Das ist seitdem auch der feste Begriff für Kartensammelwerke und es ist eben sein Lebenswerk. Ist ein Bestseller geworden, würde ich sagen.

Sein Ziel ist es, immer eine umfassende, eine allumfassende Beschreibung von Himmel und Erde zu veröffentlichen. Und ja, das hat erst so richtig nach seinem Tod geklappt, weil es erst dann veröffentlicht wurde, aber es beruht quasi ja auf seiner Arbeit. Also er hat genau das geschafft, was er sich in seinem Leben vorgenommen hat.

Ja, wir hatten uns da kurz gefragt, Atlas, wie ist er auf diesen Namen gekommen? Also hat das irgendwie was zu tun noch mit irgendwie griechischer Mythologie oder so? Aber man hat irgendwann, also sehr viel später, 1993, mal die Originalausgabe von seinem Atlas aus dem lateinischen Übersetz und da konnte man dann lesen, also diese Übersetzung war vorher verboten von der katholischen Kirche, deswegen gab es die einfach noch nicht.

Und da konnte man aber danach lesen, dass er den Atlas nach dem mythischen König Atlas von Mauretanien benannt hat. Dem hat er sein Kartenwerk gewidmet. Ja, wow. Jetzt wisst ihr das auch. Ich finde irgendwie schade, dass er irgendwann aufhören musste, selber Karten zu zeichnen. Er hatte dann mehrere Schlaganfälle, konnte es nicht mehr. Aber einige seiner Kinder, die haben wohl auch dann seinen Beruf in der Zwischenzeit schon gelernt, konnten das ein bisschen weiterführen.

Und eben bis heute gibt es Atlanten. Wahnsinn. Ich habe mal nicht mehr. Du hast da ja nicht mit. Nee, ich habe den ihr hier mal verschenkt. Ah, okay, weil ich habe meinen letztens, oh Gott, da mache ich mir jetzt glaube ich keine Freunde, aber der war wirklich, wirklich, wirklich alt, habe ich den zerrissen, also ich habe quasi Seiten rausgerissen und mache daraus jetzt Briefumschläge.

Hä, das ist doch voll schön. Vor allem ist es doch, also jetzt nach dieser Folge, ist es doch vielleicht total die gute Inspiration, Leute, dass wir uns jetzt vielleicht alle mal eine, Equal-Earth-Map zulegen und aus den Alten einfach Briefumschläge machen und die, in die Welt verschicken für nette Worte. Hä, ist doch eine Top-Idee.

Ja, okay. Ich finde so, Bücher beschädigen ist ja immer so, finde ich, geht natürlich eigentlich überhaupt nicht. Ja, aber Bücher, die unsere Weltanschauung verzerren, geht noch viel weniger. Aber die, doch, die dann zu recyceln geht gut. Okay, das ist ein guter Kompromiss. Ich liebe ja auch so Karten.

Ich finde das so interessant, mir das anzugucken. Ich fand ja auch diesen, also es war dieser Dürke-Weltatlas, dieser Klassiker, den man irgendwie in der fünften Klasse bekommen hat. Und da sind ja dann auch so verschiedene Karten, also wo dann auch so die Struktur der Erde, also wo sind welche Gebirge und so.

Und das finde ich so spannend. Ich könnte mir Stunden irgendwelche Karten angucken, wie welche Verteilungen sind und so. Also ich finde, fast nichts prägt das eigene Weltbewusstsein so sehr wie auf eine Karte zu blicken. Ja, Leute. Also es ist entscheidend, auf welche Karten wir blicken. Auf jeden Fall. Das hier als kleiner Appell an dieser Stelle.

Ich fand noch schön im Stadtmuseum Duisburg, da wurden jetzt auch natürlich. Menschen nochmal interviewt zu dem Thema und da hat auch eine Sprecherin gesagt, dass sie glaubt, dass es auch für Gerhard total okay wäre, dass seine Karte da jetzt überarbeitet wird. Also Zitat, Mercator würde das gut finden.

Es ist nicht die einzige Art, wie er die Welt dargestellt hat. Er hat auch andere Karten gemacht. Wenn das Ziel ist, die Länder und Proportionen in Zusammenhang zu setzen, das hätte er vollkommen verstanden. Ja, ich denke auch. Das fand ich sehr versöhnlich, auch das zu wissen. Ja, auf jeden Fall. Und es ist auch einfach manchmal dann Zeit, weiterzuziehen. Und eben das Weltbild, was wir bisher hatten, umzusetzen.

Auch mal zu überdenken. Schreibt uns total gerne mal, wie ihr dazu steht. Kommentiert, was so eine Weltkarte für euch irgendwie bedeutet, ob ihr eine habt, ob ihr euch vielleicht jetzt eine neu bestellen werdet. Und wir haben ganz am Anfang gefragt, ob ihr Leute aus Duisburg dabei seid, die diese Geschichte kannten.

Würde uns auch sehr interessieren. Also nehmt gerne mit uns Kontakt auf. Wie genau ihr das machen könnt, findet ihr in den Shownotes, per Mail, bei Instagram oder als Kommentar bei Spotify. Genau, ihr werdet einen Weg finden. Wir hören uns in zwei Wochen wieder mit einer neuen Geschichte aus der Wissenschaft.

Bis dahin, macht's euch schön und tschüss. Tschüss.

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