Behind Science

Hermann Benjes: Tote Hecke voll Leben

Samstag, 22. August 2026 · 33 min

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Shownotes

Grünschnitt wegschmeißen? Nicht mit Hermann Benjes! Er hat sich ein Konzept überlegt, bei dem Gehölz aus Garten, Parks und Feldern aufgeschichtet wird, damit sich Tiere und Pflanzen darin ausbreiten können. Es entsteht eine neue Hecke, die Benjes-Hecke ist dann wie ein Hochhaus der biologischen Vielfalt. Wir finden: Das gehört in jeden Garten.

So sehen die Benjes-Hecken (google.com/search?sca_esv=6e8b339e2fdcab93&…) aus.

“Behind Science” gibt’s samstags – am Science-Samstag. Zwischendurch erreicht ihr uns per Mail und Instagram, und hier gibt's unsere Links (linktr.ee/behindscience), die gerade wichtig sind.

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Schönen Science-Samstag. Hallo. Du warst ja vor zwei Tagen bei mir. Und zwar bin ich umgezogen. Ja, das war so schön. Wir haben es ja noch gar nicht erwähnt. Umgezogen und nicht nur irgendwie neue Wohnsituationen, was so das Haus, die Wohnung angeht, sondern auch, es gibt einen Garten. Das ist neu. Und in diesem Garten warst du. Und ich glaube, du warst so ziemlich an jeder Ecke so, oh mein Gott, das ist so schön und hier kann man so viel machen.

Ja, weil, also so schön, weil so wild irgendwie, ne, also das ist so ein Garten, der ist schon ein paar Jahre Garten und das sieht man einfach, dass da irgendwie an jeder Ecke, also schlingen sich die Pflanzen ineinander und, dann guckst du irgendwie hinter die nächste, hinter den nächsten Busch und da ist dann irgendwie unterm Efeu verwachsen auf einmal so eine kleine Hütte und so.

So wie so ein kleiner Zauberwald. Ja, ja, ja, voll. Bist du denn vom Typ Garten so, dass du sowas eher schön findest als so eine geschnittene, perfekte Hecke in Bärchenform und hier noch ein Kiesweg und überall Unkraut gezupft und so? Ja, auf jeden Fall. Ich mag, wenn das irgendwie, weil das auch überraschender ist. Also du kannst ja viel mehr entdecken.

Das ist für mich wie so ein Wimmelbuch, aber in echt. In 3D. Ja, genau. Ich weiß, was du meinst. Und wir sind dann ja auch an einer Stelle vorbeigekommen. Und da habe ich dann ganz stolz gesagt, ja, und hier, da ist unsere ganz besondere Hecke. Ich sage jetzt nicht, wie sie heißt. Ja. Weil darüber sind wir auf das Thema dieser Folge gekommen. Dann habe ich dir quasi das Konzept erklärt.

Genau, und ich hatte es noch nie gehört. Ja, also ehrlich gesagt. Kenne ich jetzt auch noch nicht so viele Gartenbegriffe und so. Das kannte ich tatsächlich schon irgendwie, weiß ich jetzt gar nicht, woher genau. Aber wenn du das jetzt kennst, werde ich dir verraten, du wirst es überall entdecken. Und vielleicht ihr, die jetzt diese Folge hören, auch.

Marie, wir reden heute über eine Erfindung, die eigentlich gar nicht so eine richtige Erfindung ist oder wie eine Erfindung erstmal aussieht. Es ist jetzt irgendwie kein komplizierter Apparat, keine Maschine. Man hat dafür kein Patent angemeldet. Im Grunde braucht man dafür nur jede Menge abgeschnittener Äste und Zweige.

Und was sonst noch so im Garten anfällt. Wir sprechen heute über Hermann Benjes und die ziemlich schöne Idee, dass man manchmal einfach weniger aufräumen muss, damit die Natur mehr Platz bekommt. Behind Science – Geschichten aus der Wissenschaft Mit Marie Eickhoff und Luisa Pfeifenschneider, Ja, es ist Zeit, es wird jetzt der Moment kommen, dass wir über Hecken sprechen.

Wir sind wirklich im Spießer-Zeitalter angekommen. Nee, so spießig ist es hier gar nicht. Es ist hier ziemlich toll. Ja, und vor allem, es ist so witzig, wir erfüllen so total die 30er-Bucketlist irgendwie. Hier, Kind, Garten und jetzt sprechen wir hier über Gartenbegrünung und so. Also du sorgst dafür. Ja, ich bringe hier die 30 rein.

Ich bin die, die sie wundert. Stimmt. Stimmt, du holst mich immer wieder zurück in meine 20er. Ja, also auf meinem kleinen Balkongarten, da bin ich ja schon begeistert, wenn ich da eine Gurke ernten kann. Ja, ich fürchte auch, dass man da eine Bennyshecke bei dir auf dem Balkon nicht anlegen kann. Ich habe jetzt schon drüber nachgedacht, ne? Aber ich glaube, es wird eng.

Ja, ich glaube auch. Kannst mal nachgucken, ob sowas geht. Aber ich glaube, da braucht man eher eine Dachterrasse schon mindestens oder halt einen Garten. Und ich muss dazu sagen, es war so die eine der ersten Sachen, die wir in dem Garten angelegt haben, weil man natürlich dann irgendwie guckt, was soll bleiben und was muss irgendwie weg.

Wir haben vor allem irgendwie geguckt, dass da einheimische Bäume und Pflanzen und Hecken bleiben. Und ja, dann fällt man auch mal hier und da ein Baum. Und alles, was wir da so an Ästen und Zweigen zusammengesammelt haben, ist auf dieser Benjeshecke gelandet. Und wir kommen später dazu, was genau das ist und wie genau man so eine Bendis-Hecke, erstellt. Aber so sind wir sozusagen zur Bendis-Hecke gekommen.

Ja, und guck mal, da wird es bei mir ja schon mangeln. Also was soll ich abschneiden? Das stimmt. So viel hätte ich da nicht zum Sammeln. Die Verdruckten von Sonnenblumen oder sowas. Da musst du dir ein bisschen Unrat in den Kölner Parks zusammensammeln. Ja, das könnte eine Möglichkeit sein. Wer weiß, wir lassen uns jetzt alle mal inspirieren in dieser Folge.

Und wir müssen hier auch direkt mal ein kleines Missverständnis klären. Denn wenn man nach der Benjes-Hecke sucht, dann landet man fast automatisch bei Hermann Benjes. Um den es jetzt hier in unserer Folge auch hauptsächlich gehen soll. Aber eigentlich gehört zu dieser Geschichte noch ein zweiter Benjes und zwar sein Bruder Heinrich, genannt Hein.

Ich finde, das klingt auch schon irgendwie gartenmäßig. Gartenhain. Der Hain. Und die beiden haben gemeinsam dazu beigetragen, dass diese Form der Hecke bekannt wurde, wobei Heinrich die praktische Idee entwickelt hat. Also das können wir uns schon mal merken. Und Hermann war dann eher so der, der das Konzept gemacht hat und dann darüber geschrieben hat.

Und auch Vorträge gehalten hat, diese Idee verbreitet hat und deswegen ist sein Name so ein bisschen verknüpfter mit dieser Hecke. Genau, aber das soll hier nicht außen vor bleiben, dass Heiden da auch einen großen Einfluss hatte. Aber wir fangen jetzt erstmal bei Hermann an. Hermann Benjes wird 1937, also vor 89 Jahren in Niedersachsen geboren und wächst in einer großen Familie auf.

Später wird er Landschaftsgärtner, Naturfotograf und Sachbuchautor. Also da kommen so ein paar Berufsbezeichnungen im Laufe seines Lebens noch mit dazu. Also jemand, bei dem sich eigentlich das ganze Berufsleben aber um Landschaft und Natur gedreht hat. Und vor allem beschäftigt ihn irgendwann eine Frage, die in den so 1970er und 1980er Jahren immer drängender wird.

Was passiert eigentlich mit unserer Landschaft, wenn immer mehr Hecken und natürliche Strukturen verschwinden? Und vielleicht müssen wir da auch nochmal mit dem anderen Vorurteil aufräumen. Wir haben das jetzt gerade hier so rumgewitzelt, eine Hecke, das ist nicht nur was Spießiges oder so, das ist was.

Lebensraum für viele Insekten, für viele Vögel und so weiter. Und ja, die verschwinden immer mehr und diese natürlichen Strukturen fallen eben weg. Also, wie können wir diese Landschaften irgendwie gestalten? Das beschäftigt ihn. Ja, und ich finde, das ist auch so ... Und gruselig, weil man ja heute, also ein halbes Jahr später, so ein bisschen sieht, wohin es führt.

Nämlich zu Artenverlust und so. Aber damals bei ihm in den 70er, 80ern geht das eben los, dass das so ein großes, ökologisches Thema wird, denn durch die Flurbereinigung verschwinden immer mehr Hecken und Gebüsche und damit dann alle Lebensräume, die da drin stecken und es waren einfach so, wie so Verbindungskorridore für Tiere und Pflanzen, wie so Brücken und unter denen die leben konnten.

Genau und jetzt sowas halt irgendwie oft unterbrochen. Vielleicht müssen wir nochmal ganz kurz klären, was Flurbereinigung überhaupt, heißt, was damit gemeint ist. Früher hat ein einzelner Bauer nicht so einen großen Acker besessen, wie jetzt heute, sondern eben viele kleine Felder, die über die ganze Gegend verteilt waren.

Und das war natürlich für den einzelnen Landwirt, für den Bauern ziemlich unpraktisch, vor allem als immer größere landwirtschaftliche Maschinen eingesetzt wurden. Die haben sich halt auf so kleinen Äckern gar nicht gelohnt. Und deshalb beginnt man eben jetzt, diese kleinen Flächen neu zu ordnen und zu größeren Äckern zusammenzufassen, also eben mit dieser Flurbereinigung.

Ja, und für die Landwirtschaft war das natürlich total praktisch. Also die Felder waren jetzt leichter erreichbar. Sie konnten da mit viel größeren Maschinen drüber. Die Bewirtschaftung war einfach so landwirtschaftlich gedacht effizienter. Aber für die Landschaft hatte diese neue Ordnung sehr negative Folgen.

Denn zwischen diesen vielen kleinen Feldern waren ja vorher ... Eigene Naturräume. Da gab es Hecken, da gab es Gräben, da gab es Baumreihen. Und einiges davon musste eben verschwinden, damit jetzt Platz war unter anderem für die großen Maschinen. Und ja, so diese kleinen Bereiche dazwischen, die sind halt dann alle verschwunden.

Ja, und du hast es gerade schon gesagt, also das waren halt wie so Verbindungsräume. Zwischen diesen unterschiedlichen Lebensräumen. Und wenn man die jetzt entfernt, Dann sieht die Landschaft vielleicht irgendwie schön ordentlich aus. Du hast schon gesagt, das ist auf jeden Fall praktisch. Und man kann einen höheren Ertrag auch aus den Feldern erzielen.

Aber ökologisch wird es eben immer ärmer. Und genau diese Entwicklung beschäftigt Hermann Benjes später und eben auch seinen Bruder. Und macht ihm auch wirklich Sorgen. Ja, das ist gut, dass es ihnen Sorgen gemacht hat, weil sie dann überlegt haben, was können wir tun. Und diese Idee mit den Hecken, die passt deshalb genau in diese Zeit, weil das ja auch nicht nur die beiden beschäftigt hat.

Es gab da wie so eine kleine Bewegung, die haben sich alle damit beschäftigt und Hermann möchte jetzt irgendwie Strukturen zurückbringen in die Landschaft, die zuvor verschwunden sind. Das ist so, sage ich mal, die Grundidee. Genau, und jetzt kommt erst mal Hermanns Bruder Hein ins Spiel. Der erinnert sich nämlich an seine Kindheit. Und zwar hatte er als Junge so besonders gern in so einem Gestrüpp hinter der Kirche gespielt.

Weil dieses Dickicht, man kann es sich gut vorstellen, ziemlich viel Schutz geboten hat. Boah, ich erinnere mich auch an so ein Dickicht. Ja? Das war bei uns bei der Grundschule. Also das ist doch immer diese Räume, die so ein bisschen ... Wie soll ich es beschreiben, wild oder so unerwartet. Wo man das Gefühl hat, man entdeckt hier was, was vorher noch nie jemand vor einem entdeckt hat.

Ja, und man findet da so Verstecke und es fühlt sich direkt so abenteuerlich an. Ich glaube auch so unaufgeräumte Orte. Ja, das ist vielleicht das richtige Wort. Die sind viel spannender und machen viel mehr Spaß, als wenn alles so auf einen Blick irgendwie ersichtlich ist. Sie können dich überraschen. Ja, und das war irgendwie so total, ja, so ein Herzensort von ihm.

Also er ist da immer so rumgestreunert. Wie gesagt, die haben da irgendwie Verstecken gespielt. Dann ist er da immer im Dickicht untergetaucht. Und an dieses Gestrüpp, an diese, ja, ich nenne es jetzt auch schon mal Hecke, erinnert er sich. Und da entsteht eine Idee aus dieser Erinnerung. Er denkt sich, warum nicht aus ohnehin vorhandenem Gestrüpp eine Hecke bauen?

Also Strüpp, abgeschnittene Äste, abgeschnittene Bäume, abgeschnittene Sträucher fallen ja sowieso an. Und warum soll man daraus nicht eine Hecke bauen? Das klingt auch so witzig, eine Hecke bauen, man denkt ja, eine Hecke pflanzt man. Aber das ist eben das Neue. Die beiden überlegen sich eben ein Konzept, wie man eine Hecke bauen kann.

Ja, und all diese Sachen waren ja eben eh schon da, lagen rum und wären normalerweise wahrscheinlich verbrannt worden oder irgendwie entsorgt worden. Und Hain und ja, alle, die da jetzt dran mitdenken, die schichten aber erst mal das Material aufeinander, also bauen daraus so einen Wall auf. Und das Spannende daran ist nicht nur, dass natürlich sofort so eine.

Mauer entsteht aus diesem ganzen Gestrüpp, sondern dass dieser Haufen, der jetzt vielleicht erst mal tot aussieht, weil da so viel trockenes Zeug drin rumliegt, plötzlich anfängt sich zu verändern. Vielleicht müssen wir da nochmal erzählen, wie genau man sowas aufbaut. Also man steckt Pfähle in die Wiese oder in den Boden, immer im Abstand von einem halben Meter oder einem Meter. Es kommt jetzt darauf an, wie breit man die eben bauen möchte.

Und dann wird zwischen diese Pfähle, Gehölzschnitt und alles, was eben anfällt, so locker aufgeschichtet. Also man presst das da nicht rein. Es geht nicht darum, dass möglichst viel irgendwie reinpasst, sondern es wird eben locker so draufgeworfen. Eigentlich je unordentlicher, desto besser. Und dann übernimmt sozusagen die Natur den nächsten Teil. Da setzen sich dann Vögel auf die Äste, die da reingeschichtet wurden, hinterlassen mit ihrem Kot zum Beispiel Samen.

Andere Samen werden vom Wind herangetragen. Und im Schutz dieses Reisighaufens, dieses Walls, können die dann keimen und irgendwann wachsen eben aus diesem Totholzwall lebende Pflanzen heraus und so entsteht dann eine neue Hecke. Quasi in diesem Gerüst, was da von Menschen aufgebaut wurde, entsteht was Neues.

Boah, das ist so schön, das ist so ein richtiger Gänsehautmoment, weil da eben was Neues wachsen kann und, gleichzeitig ist das ja auch so ein Ort, das bietet jetzt so ein bisschen das, was die auch in dem Gestrüpp geliebt haben, wenn die da rumgerannt sind und sich versteckt haben. Auch das können ja jetzt die Tiere machen. Also die können sich dort verstecken, dann einen eigenen Lebensraum aufbauen.

Insekten tummeln sich da jetzt drin, Vögel, Kleinsäuger. Oder je nachdem, wie man es gestaltet, vielleicht auch mal einen Igel. Und das schützt die total. Auch alle jungen Pflanzen, die dort jetzt wachsen. Es ist geschützt vor Wind, vor Wildverbiss. Und es ist ja eigentlich alles nur Müll, würden vielleicht andere sagen. Gartenabfälle, ja. Ja, genau, wirklich Abfall.

Und die schaffen genau daraus da jetzt ein kleines Ökosystem. Ja. Toll. Und ich finde, ich bin jetzt ein bisschen in eine Gegend gezogen, wo viele Leute Gärten haben. Ist so witzig, weil man sieht, jeden Samstag Leute mit vollen Anhängern oder Schubkarren oder im Kofferraum den Grünschritt, die Gartenabfälle reingestopft.

Und ich denke mir immer so, lasst es doch einfach in euren Gärten, die sind groß genug, dann spart ihr euch die Arbeit. Ach, die das wegbringen, meinst du? Die das zur Deponie bringen oder so. Es wird dann weggeschmissen und... Halt weg und ökologisch halt, ja, verbraucht sozusagen. Und das finde ich so schade. Wird echt verbrannt, glaube ich, ne? Genau, ich glaube auch. Zum Teil, ja.

Und das finde ich so schade, wenn man halt weiß, okay, man kann mit so einer Bendishecke, und das sieht wirklich schön aus, also weil da beginnen ja dann Pflanzen auch drin zu wachsen und so weiter, ist ja dann auch wirklich eine Hecke, die daraus entsteht aus diesem Gerüst, haben wir jetzt zur Genüge, glaube ich, beschrieben.

Das macht so einen Garten auch wirklich schön. Und es ist halt ökologisch sinnvoll und deswegen vielleicht auch doppelt diese Folge, weil vielleicht dann ein paar Leute weniger ihren Grünschnitt wegfahren. Auf jeden Fall erkennt Hermann jetzt ziemlich schnell, dass in dieser Idee von dieser Hecke noch viel mehr steckt, als eine praktische Methode zur Entsorgung von Ästen.

Anfang der 1980er Jahre beginnt er deshalb sein Konzept dieser Feldhecken öffentlich vorzustellen. Er reist herum, hält Dia-Vorträge, so war das damals noch, nicht PowerPoint. Und zwar offenbar in einer enormen Zahl. Also er ist da wirklich wie so ein Hecken-Missionar unterwegs. Und seine Botschaft lautet im Kern, wenn wir Hecken zurück in die Landschaft bringen, können wir voneinander getrennte Lebensräume wieder miteinander verbinden.

Also die Hecke, die da quasi jetzt gerade die Runde macht durch Benjes. Ja, ich glaube, Hermann hätte auch sehr an deine Nachbarn appelliert. Also der hätte sich dann auch gewünscht, dass es eben nicht nur ein einzelner Garten ist, wo jetzt so eine Hecke drin ist, sondern, dass man eigentlich dadurch ganze Landschaften wieder lebendiger machen kann und dass diese Hecke wie so eine kleine ökologische Straße funktioniert, aber die im besten Fall halt nicht, am Ende vom Garten aufhört, sondern dass es einen Weg gibt auch weiter.

Also so ein Weg an Gartengrenzen entlang, nenne ich es mal, wo die Tiere sich entlang bewegen können, Nahrung finden, Schutz, Brutplätze und gleichzeitig ist das ja auch was. Was so vor Wind und Erosion schützt, also auch den eigenen Garten ein bisschen. Wir haben schon gesagt, es ist eigentlich wie so ein Walde da entsteht und dann kann es auch eben das Mikroklima verändern und so die eigene Umgebung, also einfach so.

Ja, den Garten noch angenehmer machen. Ja, also Leute, wir sind hier wirklich so im Benjeshecken-Rausch. Jedenfalls beginnt... Marketing für die Benjeshecken? Wir sind dabei. Ihr habt uns. Jedenfalls 1986 erscheint dann Hermanns Buch über Feldhecken und damit erreicht die Idee plötzlich ein viel größeres Publikum.

Wir haben es schon gesagt, Hermann war derjenige von den beiden, der die Hecke erst bekannt gemacht hat. Darin beschreibt er die Erfahrungen, die er und sein Bruder mit dieser Methode gemacht haben und liefert auch eine Anleitung zum Nachbauen dieser Hecke. Aus dieser sehr simpelen Idee aus Norddeutschland, was er eigentlich so auf einer Kindheitserinnerung aufgebaut hat, wird dann ein Thema für Naturschutzgruppen, für Landwirte und für Gartenbesitzer überall. Gut.

Und ich habe es dir schon angekündigt, wenn du durch Köln fährst, du wirst es sogar auch in einigen Parks sehen. Zum Beispiel im Mediapark gibt es Benjes Hacken. Nein. Also, falls du da mal vorbeifährst. Ja, da gibt es eine sehr gute Spazier. Oh Mann, ich glaube, ich bin jetzt herausgefordert, da vielleicht mal so eine Hacker zu suchen und zu fotografieren.

Ja, also die sieht man auch sehr gut von der Straße aus. Also, wenn ihr ja in Köln oder aus der Umgebung kommt und da mal vorbeifahrt, die werdet ihr nicht verpassen können. Das ist so eine ganz lange aufgeschichtete Hecke. Interessant, weil also der Mediapark, der sticht ansonsten eher so dadurch heraus, dass er so ein riesiges Hochhaus hat.

Ja, nicht so durch ökologische Vielfalt. Genau, und das ist eher so das, wo ich dann bis jetzt hingeguckt habe. Oder diesen angelegten kleinen Teichsee da. Da hat sich irgendein Gartenlandschaftsbauer richtig Gedanken gemacht. Wie man das wieder ausgleichen kann. Ja, genau. Krass, ja, muss ich mir angucken. Und das Tolle ist ja, die haben jetzt nicht nur ihre Idee verbreitet, sondern es passiert jetzt und ich glaube, das ist so ein bisschen der Traum, den dann vielleicht jeder Erfinder auch heimlich träumt.

Und irgendwann heißt das jetzt nicht mehr nur Totholzhecke, Reisigweil, sondern es wird eben die Benjeshecke. Also es spricht sich rum, dass diese beiden Brüder zu dieser Hecke gehören, das wird die Benjeshecke. Dabei ist die Grundidee halt echt so alt und das ist auch schon was, was jetzt nicht die beiden so ein bisschen zum ersten Mal gemacht haben.

Es gab auch schon Bauern, die immer schon viel früher so Gehölzschnitt aufgeschichtet haben, auch an Feldrändern, das heißt, sie haben da nicht sowas... Ganz Neues entdeckt, aber sie haben eben auch so was sehr Traditionellem, was vielleicht vergessen war, was gemacht, was in dem Moment sehr wichtig war und zu einem Naturschutzkonzept wurde.

Ja, genau, das relativiert natürlich diesen Begriff Erfindung so ein bisschen. Vielleicht kann man eher sagen, die Bendis-Brüder haben es eben wieder entdeckt oder beobachtet und verstanden. Berühmt gemacht, ja. Genau, und ja, verbreitet natürlich auch, das gehört ja auch zu einer Erfindung dazu. Und es passt eigentlich auch ziemlich gut zu vielen Geschichten aus der Wissenschaft, dass Innovation eben nicht immer bedeutet, was zu erfinden, was absolut neu ist und vorher nicht da war.

Das Rad neu zu erfinden, sondern eben vielleicht auch Bekanntes zu beobachten und neu zu interpretieren. Und das ist auch an dieser Geschichte so eine ganz schöne Sache, die man daraus mitnehmen kann, finde ich. Ja, und dann sieht man auch noch mal, wie entscheidend das ist, dass du Menschen für deine Idee begeistern kannst.

Also Hermann war ja jetzt nicht nur Landschaftsgärtner, das heißt, er hat es nicht einfach nur eine Hecke vielleicht selber irgendwo aufgebaut und die gezeigt, sondern er war auch Naturfotograf, er war Autor, er konnte das einfach total anschaulich vermitteln, was er mit diesen Hecken wollte. Und dann war Naturschutz nicht mehr abstrakt, sondern er konnte das einfach dem Menschen zeigen, was er macht.

Ja, das stimmt. Ich glaube, wir hatten ja schon so ein paar Beispiele, wo wir dann dazu gesagt haben, okay, diese Sache wäre halt nicht so bekannt geworden, wenn da nicht gute PR dahinter gestanden hätte. Wobei er ja nichts verkauft, sondern er animiert irgendwie zu so einer Idee. Ja, das stimmt. Das ist nochmal anders irgendwie.

Wobei er wahrscheinlich auch Geld verdient hat, damit da Vorträge zu halten. Aber klar, es ist jetzt schlicht das eine Produkt oder so, was er an den Gartenbesitzer oder die Gartenbesitzerin bringt oder den Feldbesitzer. Genau. Ja, und wie gesagt, es lässt sich perfekt im eigenen Garten umsetzen. Wir haben es schon beschrieben, einfach zwei parallele Reihen Pfähle in den Boden, den Zwischenraum mit Ästen und Zweigen füllen, ein neues Stittgut immer wieder oben drauflegen und dann, verrottet das alte Material unten und man hat eben keinen abgeschlossenen, perfekten Zaun, sondern so eine Struktur, die sich ständig, verändern kann und das haben wir vielleicht jetzt noch gar nicht dazu gesagt, das Ganze, wie gesagt, verrottet, das heißt, das sackt auch immer weiter ab

und dementsprechend kann man immer wieder was oben drauflegen, also das ist nichts Abgeschlossenes, sondern eben was, was... Ja, lebendig im wahrsten Sinne ist. Ja, wobei man vielleicht so ein bisschen drauf achten muss, was man da jetzt oben wieder draufschmeißt. Also wenn jetzt zum Beispiel, ja, alle da jetzt ihren Rasenschnitt draufwerfen wollen, wäre das wahrscheinlich nicht die beste Idee.

Also man sollte im besten Fall eben Gehölz nehmen, was man abgeschnitten hat. Damit das auch nicht so zusammengepresst wird. Das ist ja kein Komposthaufen, sondern es ist eben ein anderer Lebensraum, der nicht so kompakt ist. Ja, ja, genau. Und nur dann kann da eben auch so Platz entstehen für die Arten, die sich da tummeln sollen.

Ja, genau. Es gibt nämlich noch eine weniger romantische Seite dieser Geschichte, auf die wir auf jeden Fall auch hinweisen müssen. Die kam erst so ein bisschen später im Verlauf der Bennyshecke. Ja, auf nährstoffreichen Böden kann es nämlich passieren, dass sich erst mal vor allem Brennnesseln oder andere konkurrenzstarke Pflanzen in diesen Benishecken breit machen, also zum Beispiel auch sowas wie Brombeeren, die ja wirklich alles überwuchern können.

Und wenn in der Umgebung jetzt kaum die gewünschten Sträucher vorkommen, die sich da irgendwie ansiedeln sollen, dann können deren Samen natürlich auch schlecht in diese Hecke gelangen und sich da aussäen. Diese Vorstellung, ich lege Äste hin und zehn Jahre später steht da automatisch so eine perfekte Naturhecke, funktioniert also nicht immer und das eben auch ganz wichtig an der Stelle darauf hinzuweisen, Das ist, so wie wir jetzt gerade vielleicht ein paar Mal vereinfacht gesagt haben, eben doch nicht nur, ich werfe da Gehölz drauf und dann passiert da was mit, man muss sich schon ein bisschen damit auseinandersetzen, passt das hier an der Stelle, welches Gehölz lege ich da drauf, welches bringe ich vielleicht doch eher zum grünen Abfall.

Aber ja, die Theorie ist trotzdem ja immer noch sehr gut, also dass da sich Tiere und Pflanzen verbreiten können und da so einen Schutzwall haben. Ja, also Hermann animiert dann auch so ein bisschen, dass wenn man bemerkt, oh, ich habe jetzt hier eigentlich gar nicht so das. Passende Gehölz, was gut wäre und was ja auch dann für den Garten gut wäre, dass man das vielleicht dann drumherum einfach pflanzt.

Ja, genau. Damit du dann auch das passende Gehölz hast, also so ein bisschen Win-Win. Ja, genau. Das verändert so die ursprüngliche Idee ein bisschen, aber es bleibt trotzdem immer noch dieser Gedanke, dass man der Natur einen Startschubs gibt und sie eben ja da wieder so wachsen kann. Ja, und natürlich steckt darin auch irgendwie eine Haltung, die heute auch noch sehr modern wirkt.

Wir reden inzwischen ständig über naturnahe Gärten, Biodiversität, Kreislaufwirtschaft und eben darüber Gartenabfälle möglichst vor Ort zu verwerten und genau das macht eben diese Banyes-Hecke. Also ja, eine recht simple in Anführungsstrichen Idee, um eben genau das in den Garten zu bringen oder in Parks und so weiter.

Und aus Abfall halt eine Ressource zu schaffen und sich vielleicht auch einen Samstag Grünabfall wegbringen, zu sparen. Ja, ja, wobei, also es hat natürlich so ein bisschen einen traurigen Grund, also dass es jetzt auch vielleicht, wir haben es jetzt Mode genannt ist, Es ist ja vor allem nötig, also es ist ja nötig, dass wir.

Uns das aktiv vornehmen, weil es eben die meisten nicht machen, weil sich die Landschaften so verändert haben, dass wir uns jetzt gegenseitig dazu wieder animieren müssen, da auch mal ein Gehölz liegen zu lassen. Ja, auf jeden Fall. Also genau, es ist schon zu viel passiert. Auf jeden Fall, das hat auch Robin König, Robinga Schnögelrögel irgendwie in einem Video ganz gut auf den Punkt gebracht.

Da hatte ich fast so ein bisschen Panik. War ja auch schon unser Gast hier. Genau, der war schon Gast, gehört gerne mal in die Folge rein, Robinga Schnögelrögel. Weil der hat gesagt, mit einem Garten geht halt auch einfach eine Riesenverantwortung einher, weil du mit deinem Stückchen Wiese dafür sorgen kannst, dass Vielfalt entsteht oder eben nicht, also, da habe ich jetzt auch noch ein paar Mal dran gedacht, wo wir jetzt quasi diesen Garten da irgendwie anlegen und so weiter, also dass, man einfach wirklich eine Verantwortung hat. Und dass das nichts ist, was nur dir gehört, sondern dass du da auch dafür sorgen musst, dass andere Bewohner dieser Erde vielleicht ihren Platz finden können.

Deswegen diese Bennys-Hecke. Ich weiß jetzt nicht, ob er auch eine bei sich im Garten hat, der gute Robin. Aber würde ihm sicherlich auch gefallen, die Idee. Das denke ich auch. Und du hast gerade ja auch schon gesagt, das Stückchen Wiese. Also wenn es mal Wiese wäre. Das ist ja schon schön. Ja, das stimmt. Wobei alles an Wiese, wenn wir Robins Videos schauen, ja, weggehört.

Also eher so fette Wiesen mit eben vielen verschiedenen Pflanzenarten und so weiter. Ja, und das ist natürlich so, hat alles damit zu tun, wie wir, geprägt sind, was wir am Ende schön finden, dass wir denken, also dass viele vielleicht auch nicht jetzt an der Benyasecke vorbeigehen und sich denken, boah, sieht das toll aus, sondern vielleicht erst mal so, oh, was ist das jetzt hier für ein Haufen?

Ja, aber du guckst da drauf und denkst dir so, wow, krass, eine Benjasecke, da können jetzt Käfer, kleine Vögel, die können da alle leben, das ist voll der wertvolle Raum. Ja, voll. Für mich hat das so einen Glimmer drumherum irgendwie, aber genau, für andere sieht es halt unaufgeräumt aus. Ich glaube auch, dass es nicht allen jetzt so gefallen würde, wenn sie das...

Im Garten sehen, aber ich finde es toll. Trust the process, Leute. Am Ende wird es blühen und wachsen und gedeihen in dieser Hecke. Und es ist ja auch nicht immer alles nur fürs menschliche Auge. So nämlich. Ja, und neben dieser Bewerbung der Benjes-Hecke müssen wir jetzt noch ein bisschen den Teil 2 von Hermanns Leben auch erzählen.

Er ist auch politisch engagiert und engagiert sich auch im Naturschutz. Später nimmt sein politisches Engagement allerdings noch mal eine ganz andere Richtung. Und zwar beschäftigt er sich in den 1990er Jahren ganz intensiv mit Ideen. Des Sozialreformers Silvio Gesell und der sogenannten Freiwirtschaftslehre und hält auch darüber Vorträge und Ende der 1990er Jahre wird er sogar Vorsitzender der kleinen freisozialen Union, Einige seiner späteren Aussagen über Geldwirtschaft und deutsche Geschichte gelten allerdings als problematisch und greifen teilweise auch so verschwörungsideologische Vorstellungen auf.

Also auch das gehört zu seiner Biografie, auch das müssen wir hier erzählen. Nicht alle Personen, die wir hier irgendwie vorstellen, finden wir in allen Dingen, die sie getan haben, super oder unterstützenswert. Die Bennies-Hecke wollten wir euch hier aber als sehr spannendes Konzept vorstellen. Und in dem Zuge natürlich auch Hermann Bennies, der 2007 stirbt, aber eben sein Konzept bleibt inzwischen, wie gesagt, in Privatgärten, in Parks, in Naturschutzprojekten.

Also haltet einfach mal die Augen offen. Wir hängen euch mal ein Foto an. Vielleicht kann man sich das auch gar nicht so gut vorstellen, wie das aussieht. Ja, aber genau, wenn ihr vor allem irgendwie ein Stückchen Garten habt oder bei anderen mal helft, Bäume und Sträucher zu schneiden, dann guckt da doch vielleicht nochmal genau auf diese Sammlung an Ästen, die dann da so rumliegt, ob ihr da noch irgendwas mitmachen könnt, bevor ihr die wegfahrt.

Vielleicht steckt da ja ganz wertvolles Baumaterial drin und ihr habt dann bald neun Bewohner im Garten, die Benneshecke. Die Bendishecke und so viele mehr. Also es gibt doch kein schöneres Gefühl, als wenn man irgendwie abends im Garten sitzt und auf einmal kommt ein Igel vorbei. Das kann mir doch keiner mit einem englischen Rasen erzählen, dass das nicht irgendwie was in einem auslöst.

Also excuse me oder ein Marienkäfer landet auf dir oder ich weiß nicht. Es gibt doch so vieles Schönes, was einem entgeht, wenn man eben nicht diese naturnahen Gärten hat. Hat, sondern eben nur eine grüne Wiese. Also das kann ich mir im Fußballstadion angucken. Da bin ich rigoros. An der Stelle wirklich noch mal Empfehlung für Robinga Schnögelrögel.

Folgt dem doch mal bei Instagram. Der macht da wirklich tolle Videos über ökologische Vielfalt, über naturnahe Gärten und viele aufreger Thema mehr. Ich glaube, man muss da auch so ein bisschen Trendsetter werden in seiner eigenen Siedlung dann vielleicht. Ich glaube, oft ist es so ein bisschen auch Druck, der durch Nachbarn erzeugt wird.

Hast du recht. Wenn einer halt anfängt, samstags zu mähen, dann denkst du, hast bei dir schon Alarm und du denkst, scheiße, wieder zwei Wochen schon nicht gemäht. Ich muss jetzt auch mal hinterher. Total. Und dass das ja alles nur noch braune, im Moment trockene Orte sind. Voll, das stimmt. Das ist eigentlich recht offensichtlich. Die Arbeit könnt ihr euch sparen, Leute. Genau, ich bin da auch manchmal ein bisschen zu rigoros.

Du hast recht, das sind diese See- und Lerngewohnheiten, Gewohnheiten, die man irgendwie hat, wie ein Garten auszusehen hat. Und vielleicht schaffen wir es ja da in den nächsten Jahren mit aufzuräumen, dass wir ganz viele Naturnahen haben. Weniger aufzuräumen eigentlich. Weniger aufzuräumen, genau. Perfektes Schlusswort. Vielleicht schaffen wir es weniger aufzuräumen.

Sehr gut. Ihr könnt uns gerne mal eure Gedanken zu dieser Folge, zu Bennies Hecken, zu euren Gärten, falls ihr welche habt, schreiben. Und ob ihr auch so gerne früher in irgendwelchen Gewüschen rumgelaufen seid. Ja, wir freuen uns schon, euch in zwei Wochen eine neue Folge zu sehen.

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