Behind Science

Caroline Herschel: Von Stickerei zu Sternenstaub

Samstag, 25. Juli 2026 · 45 min

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Shownotes

Eigentlich ist Carolines Weg vorgezeichnet. Sie soll eine gute Hausfrau sein, bei der Mutter bleiben und am besten gar keine Bildung erhalten. Ein erweiterter Horizont könnte sie ja auf dumme Gedanken bringen... Ihr Vater und ihr Lieblingsbruder Wilhelm sehen mehr in ihr. So kommt es, dass die Frau die eigentlich nicht mehr als Haushalt und Familie sehen sollte, die unendlichen Weiten des Universums erforscht und eine anerkannte Astronomin wird.

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Schönen Science-Samstag, ihr Lieben. Und Marie, ich starte direkt mit einer Frage rein. Wann hast du zuletzt eigentlich mal in die Sterne geschaut? Das kann ich dir beantworten. Das weiß ich sogar sehr genau, weil als jetzt diese ganz heißen Tage waren, habe ich in einer Nacht was gemacht, was ich immer schon mal machen wollte. Ich habe auf dem Balkon geschlafen.

Oh, wie schön. Und da also... In der Kölner Innenstadt. Mitten in der Kölner Innenstadt. Also die Geräusche, da wollen wir jetzt noch nicht drüber reden. Aber ich konnte halt in den Himmel gucken. Und da habe ich ein paar Sterne gesehen. Das war cool. Das ist so ein richtiges Mikroabenteuer. Ja, richtig schön. Ich war sehr früh wach, weil es ist ja dann sehr früh hell. Und die Vögel waren früh wach.

Aber ich habe ein paar Sterne gesehen. Wahrscheinlich viel weniger als irgendwo anders im Land, weil Stadt- und Lichtverschmutzung und so. Aber da waren welche. Ja, ach schön. Ja, ich muss sagen, ich mache das viel zu selten. Und das Ding ist ja, man macht es ja eigentlich wahrscheinlich dann eher im Sommer.

Aber da muss man ja relativ lange wach bleiben, um überhaupt so eine Dunkelheit zu haben. Im Winter siehst du ja dann theoretisch schon viel früher. Boah, ich habe so viele Sterne immer gesehen früher auf dem Weg zur Schule. Ich musste immer so ganz früh zum Bus. Und da habe ich immer die gleichen Sternenbilder auch so gesehen, wenn ich dann aus der Einfahrt irgendwie raus bin. Wie schön.

Und die haben mir auch so ein gutes Gefühl gegeben. Ich hatte dann immer so, okay, ich bin hundemüde, aber da ist wieder dieses eine, ich weiß noch nie, wie die heißen. Für mich war das die umgedrehte Sieben. Stimmt, ich glaube, da haben wir schon mal drüber geredet. Ach stimmt, genau. Stimmt, bei einer Sternenfolge, ja. Und irgendwie schön, so in die Sterne zu gucken.

Ja, voll, finde ich auch. Ich habe auch das Gefühl, die wachen so ein bisschen über uns. Und ich finde die Vorstellung auch so faszinierend. Überall auf der Welt Menschen Sterne sehen können. Jetzt nicht überall dann natürlich dieselben, aber teilweise ja sogar dann dieselben, wenn es nicht zu weit auseinander ist.

Oder dass man die auch abwächst. Also dass die quasi dann weiterreisen. Also das ist irgendwie so, finde ich, ganz magisch. Also Sterne. Du fühlst umgeben davon, ne? Ja, ziehen uns ja irgendwie schon sehr an. Wir hatten ja hier auch schon einige Sternenfolgen. Und also ich habe das letzte Mal in die Sterne geguckt, da war so eine Sternschnuppen-Nacht.

Das ist schon viele Jahre her und das habe ich aber immer noch so schön in der Erinnerung, da lagen wir im Garten und auf so Liegestühl mit dicken Decken, und haben uns die Sterne angeguckt und sind die ganze Zeit immer wieder dabei eingeschlafen, aber es war so schön und dann haben wir halt Sternschnuppen gezählt.

Also vielleicht nochmal ein kleiner Tipp für die nächste sternklare Nacht. Gab es ja jetzt echt einige von jetzt gerade, wenn ich so rausgucke, ist wieder eine dicke Wolkendecke, aber das kommt wieder. Ja, ja, ja. Ja, wir reisen heute ein bisschen zu den Sternen und deswegen haben wir uns die Sterne mal hier so ein bisschen reingeholt.

Ja, und wir reisen dorthin zusammen mit einer besonderen Frau, über die wir heute sprechen möchten. Wir sprechen heute über Caroline Herschel, eine der ersten Astronomin, die zusammen mit ihrem Bruder sogar einen bis dahin unbekannten Planeten entdeckt hat. Behind Science Geschichten aus der Wissenschaft mit Marie Eickhoff und Luisa Pfeifenschneider.

Ja, diese Folge müssen wir eigentlich mit diesem Zitat beginnen, das Caroline Herschel in ihre Memoiren geschrieben hat. Und zwar steht da, sie besagt, ich hätte alle Arbeiten meines Bruders publiziert. Natürlich wird mir das niemand glauben. Okay, also sie hat anscheinend alles, was ihr Bruder publiziert hat, selbst geschrieben und nicht ihr Bruder.

Dem müssen wir natürlich nachgehen. Also ja, anscheinend war sie an den Forschungsarbeiten des Bruders beteiligt oder allein verantwortlich, aber ja, anscheinend würde ihr das niemand glauben. Was steckt dahinter? Damit sind wir jetzt voll drin im Leben von Caroline, die immer so ein bisschen im Schatten des Bruders gestanden hat, der ihre Erkenntnisse teilweise für seine ausgab, aber ohne ihren Bruder hätte sie gar nicht, wäre sie gar nicht dahin gekommen, wo sie dann stand.

Und irgendwie war es auch eine partnerschaftliche und liebevolle geschwisterliche Beziehung also ein bisschen komplexer. Und wir müssen dem Ganzen jetzt hier mal nachgehen. Genau, wir gehen da wie immer ganz skeptisch ran, um alles uns ganz genau anzugucken. Und wir müssen uns diese Geschichte auf jeden Fall auch angucken vor dem Hintergrund ihrer Zeit damals.

Denn Caroline wird 1750, also vor 276 Jahren geboren. Und damals sind Frauen in der Wissenschaft allgemein sehr selten. Und noch seltener werden sie tatsächlich überhaupt ernst genommen oder dürfen publizieren. Das heißt, das, was sie da schon geschrieben hat, das sie publiziert hat, ist erstmal eine richtig spannende Nachricht.

Denn genau das bedeutet, dass Caroline das geschafft hat, selber zu publizieren. Geboren wird sie in Hannover und ist die achte von insgesamt zehn Geschwistern. Ihr Vater ist Militärmusiker und das ist auch schon so ein bisschen Hinweis auf ihre zweite große Leidenschaft, die hier später in der Folge auch noch wichtig werden wird. Ja, Musik ist auf jeden Fall in der Familie allgegenwärtig.

Leider ist ihre Kindheit aber auch geprägt von vielen Krankheiten. Das war eben damals einfach üblich. Vor allem Kinder waren betroffen. Vier ihrer Geschwister sterben schon im Kindesalter und auch sie erkrankt erst an den Pocken und dann an Typhus. Sie übersteht diese Krankheiten zwar, aber ihr Körper stellt nach der Typhuserkrankung einfach das Wachstum ein, sodass sie als Erwachsene nur 1,40 Meter groß ist.

Also das finde ich irgendwie nochmal einen Blick auf die Medizin heute, fand ich das so beeindruckend. Heute sieht man ja selten Menschen, die von irgendwie Krankheiten so gezeichnet sind oder ja auch könnte man sagen entstellt sind. Also das ist ja was, was es eigentlich gar nicht mehr so gibt in der...

In Deutschland zumindest. Das zeigt nochmal so den riesen Fortschritt der Medizin. Also, dass es diese Krankheiten halt einfach, dass es gar keine Rolle mehr spielt. Man ist einfach dagegen geschützt heute. Und deswegen sieht man diese Krankheitsbilder nicht mehr. Also das hat Carolines Leben nämlich auch sehr dann geprägt, weil es was bedeutet hat eigentlich für ihre Zukunft schon in dem Moment, weil sie diese geringe Körpergröße hatte, diese Narben, die die Pocken hinterlassen haben, ist eigentlich schon klar, dass Caroline mal heiratet, dafür gibt es keine Hoffnung, das können wir uns irgendwie direkt schon mal abschminken und deswegen ist die damalige Auffassung, ihr Weg ist vorgezeichnet und sie soll jetzt am besten ihr Weg sein. ja.

Ihr Leben lang den Eltern und Geschwistern zur Verfügung stehen als Haushaltsangestellte, so könnte man sagen. Ihre Mutter will auch gar nicht, dass sie besondere Bildung erhält, so nach dem Motto, das ist nicht nötig, du wirst nur hier im Haus helfen, das kann ich dir zeigen. Und der Vater ist da aber ein bisschen anderer Meinung zum Glück.

Ja, also er ist da wirklich ihr Anker. Der nährt ihren Wissensdurst ihr ganzes Leben lang und, das liegt auch ein bisschen so an der persönlichen Geschichte des Vaters, denn er kann als Kind keine Ausbildung machen, weil seine Familie zu arm ist und deshalb muss er sich so richtig hochackern, hochkämpfen.

Das schafft er aber auch und er bringt sich dann zum Beispiel auch selbst das Oboe-Spielen bei, was ein sehr kompliziertes Instrument ist und bekommt als Musiker beim Militär eine relativ gute Anstellung. Und deshalb vielleicht trägt diese Erfahrung dazu bei, dass er jetzt bei seinen eigenen Kindern auch auf eine Ausbildung Wert legt und das eben nicht nur bei seinen Söhnen, sondern auch bei seinen Töchtern und ja, das.

Zeigt, dass er da jemand war, dem Bildung einfach wichtig war und der schon bemerkt hat, dass das eben ja die ganze Zukunft prägen kann und davon profitiert Caroline sehr. Total, weil er sie da nicht ausschließt und sie dann sogar zusammen mit ihren Brüdern die Schule besuchen kann. Aber auch zu Hause lernt Caroline viel. Zum einen ist da eben die Musik, die immer bei Herschels irgendwie zu hören ist und wo sie viel lernen kann.

Alle Brüder werden später auch Musiker, aber es gibt auch so philosophische Fragen und Themen, die da irgendwie besprochen werden. Es geht auch ganz viel über Astronomie und all das wird zu Hause da bei den Herrschitz diskutiert. Die Mutter findet das gar nicht so gut, weil in ihren Augen sollte sich Caroline am besten gar nicht mit solchen Themen befassen.

Aber ihr Vater hat nichts dagegen und zeigt seinen Kindern sogar häufiger mal die Sterne. Vielleicht haben die sich auch so wie ihr in den Garten gelegt und erklärt dann auch was dazu. Also erklärt die Planeten, deren Bewegung und macht Caroline so richtig neugierig auf Astronomie. Das heißt, ihr Vater ist wirklich so in ihrem Leben ein absoluter Lichtblick, und beeinflusst ihr Leben da und macht das vom Gefühl her, glaube ich, sehr viel freier.

Weil eigentlich waren da halt schon sehr gesetzte Grenzen, so gesellschaftlich. Aber der Vater hat das für sie so ein bisschen aufgebrochen. Ja, deswegen könnte man vielleicht, das ist jetzt natürlich nur eine Theorie, sagen, dass diese Krankheiten, die sie ja gezeichnet haben. Und die sie, wie man ja damals meinte, für den Heiratsmarkt unattraktiv gemacht haben, eigentlich so ein bisschen auch ihr heimliches Glück waren, weil wer weiß, wenn sie jetzt in einer Ehe gewesen wäre, dann hätte sie wahrscheinlich gar nicht die Möglichkeit gehabt, sich weiterzubilden.

Und dadurch, dass sie so ein bisschen so eine Sonderrolle hatte und ja so ein bisschen ausgenommen war eben von ehelichen Pflichten, war das eben dann möglich. Und ja, die späteren Entwicklungen zeigen eben auch, dass dieses Leben außerhalb einer Ehe sie eigentlich erst dazu geführt hat, was sie machen konnte. Ja.

Ja, aber jetzt passiert in ihrem Leben erst mal was wirklich Schreckliches und zwar stirbt ihr Lichtblick, ihr Anker, ihr Vater. Carolines Vater stirbt und von da an haben ihre Mutter und der älteste Bruder das sagen im Haushalt. Und der Bruder ist, so wie die Mutter, auch der Meinung, Frauen sollen vor allem im Haushalt arbeiten und keine Bildung erhalten. Und die müssen auch, geschweige denn, müssen die irgendwie in die Sterne schauen.

Und jetzt liest sie irgendwie nur noch heimlich Bücher und auch ihr Lieblingsbruder Wilhelm ist da schon weg, der ist nämlich schon vor Jahren nach England gegangen, also auch den vermisst sie sehr, der war auch immer so ein Wissensgeber, nochmal für sie. Und sie schreibt da auch in dieser Zeit über ihre Mutter, sie hatte beschlossen, dass ich ein roher Klotz sei und auch bleiben sollte, allerdings ein nützlicher.

Ja, also ein bisschen traurig und sie schreibt das eben sehr zynisch, ein roher Klotz, aber ein nützlicher Klotz sollte sie für die Mutter sein und ist da sehr frustriert über ihre Situation. Ja, und auch das Wort roh irgendwie in dem Zusammenhang, so nach dem Motto, in mir hätte noch so viel gesteckt, aber ich sollte so roh bleiben, so irgendwie ohne zu wachsen.

Ja, dumm, ohne Horizonterweiterung, so, ne? Boah, richtig bitter. Ja, also irgendwie gerade keine gute Phase. Da gibt es nur einen Lichtblick. Wir haben gerade schon von ihrem ältesten Bruder Wilhelm erzählt. Denn der könnte da jetzt doch nochmal so eine kleine Möglichkeit aufmachen, denn er könnte sie vielleicht mit nach England nehmen, wo sie zur Musikerin ausgebildet werden soll.

Denn in der Musik ist Caroline auf jeden Fall begabt. Sie kann sehr gut Geige spielen, hat auch eine schöne Singstimme, da sind sich alle einig. Allerdings lassen die Mutter und die anderen Brüder sie nicht so einfach gehen und es wird erstmal lange verhandelt, wie es jetzt weitergehen soll für Caroline.

In dieser Zeit soll sie wohl Strümpfe gestrickt haben für zwei Jahre, für die ganze Familie so ein bisschen, nicht weil sie so viel Zeit hatte oder nicht oder Lust darauf sondern. So ein bisschen auch als Bestechungsversuch, als Vorschuss, so ein bisschen als Beweis, okay Leute, ich habe jetzt hier echt Gas gegeben, ich habe jetzt hier zwei, also Socken für zwei Jahre für euch gemacht, jetzt lasst mich bitte gehen, das ist jetzt hier mein Vorschuss und ich weiß nicht, ob es daran liegt, aber es hat auf jeden Fall am Ende geholfen, denn sie darf losziehen, die Familie lässt sie gehen.

Ja, ich finde das mit diesen Socken irgendwie so schön bildlich. Also ich stelle sie mir vor, wie sie wirklich so Tag und Nacht da gestiegen hat, um sich quasi den Weg nach England zu stricken. Also das ist irgendwie, ja, richtig zeigt nochmal, wie verzweifelt sie in der Situation war und wie gerne sie aber auch eben da bei ihrem Bruder Wilhelm in England leben wollte.

Und dass sie jetzt losziehen darf, dann nach endlosen Verhandlungen da, ist für sie wirklich wie so ein Befreiungsschlag, endlich ist sie eben weg von ihrem großen Bruder und der Mutter die sie klein halten wollten, und jetzt ist sie da in England und die fremde Sprache oder dieses fremde Land machen ihr auch überhaupt nichts aus weil sie einfach frei ist sie ist unabhängig und jetzt arbeitet sie von da an sehr erfolgreich tatsächlich auch, als Sängerin, also von dem.

Strickzeug bei ihrer Mutter zu der großen, weiten Welt sozusagen darf sie jetzt als Sängerin auftreten. Also das klingt richtig nach Freiheit. Das klingt nach Freiheit und sie ist damit erstmal sehr, sehr zufrieden, wie ihr Leben gerade so läuft. Und jetzt plötzlich taucht aber schon das nächste Thema auf, denn ihr Bruder Wilhelm, der, entwickelt auf einmal so ein bisschen so eine Obsession für ein neues Thema.

Also die beiden wohnen ja zusammen, deswegen kriegt sie das hautnah mit. Und der kriegt auf einmal so eine richtige kleine Sucht fürs Thema Astronomie. Und Caroline muss ihn da ja wohl wirklich auch manchmal ans Essen erinnern. Also sie beschreibt, dass sie müsste ihn teilweise wirklich so füttern, damit er nicht vergisst, während er da so am Forschen ist, überhaupt was zu essen.

Und sie macht ja eben auch noch, sie ist ja Musikerin, macht da den Haushalt, wo die zusammenwohnen und soll ihn jetzt aber auch noch bei der Forschung unterstützen. Das heißt, das kommt für sie da jetzt noch on top. Und zwar soll sie bitte immer die Beobachtung von Wilhelm aufschreiben. Die macht er natürlich nachts, wenn er dann die Sterne beobachten kann.

Und er schaut aus dem Fenster, ist halt da völlig fixiert auf die Sterne und sie muss das dann aufschreiben, damit er nicht immer sich ungewöhnen muss von, ich gucke gerade in die Sterne und jetzt muss ich wieder hier auf so einen Zettel gucken und ins Kerzenlicht. Das wäre halt für seine Augen ein bisschen too much und würde einfach zu viel Zeit kosten.

Deswegen ist sie da jetzt irgendwie seine Schreibhilfe geworden. Ja, richtig verrückt. Ich finde es auch so krass, weil das auch wieder zeigt, wie wichtig auch so eine Assistenz in der Forschung ist. Also wenn er halt dann wieder aufs Papier gucken würde, bräuchte er erst mal ein paar Sekunden, bis die Augen sich an das Helle gewöhnt haben.

Ja, ist ja ein Punkt. Hat er einen Punkt. Genau, dann wieder zurück zu gucken, braucht es wieder, bis die Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt haben. Da würden halt wichtige Sekunden vergehen, in denen die Sterne schon an einer anderen Position sind. Und ja, wir hatten das ja irgendwie jetzt, letzte Folge war das ja, glaube ich, oder vorletzte Folge.

Wo wir auch darüber gesprochen haben, wie wichtig es einfach ist, dass es da jemanden gibt, der auch so akribisch so Sachen notiert. Also nicht nur die, die halt durchs Fernrohr gucken, sind die, die die Erkenntnisse irgendwie am Ende dann zusammenbringen, sondern halt auch die vielen Assistentinnen vor allem, die ja da akribisch.

Die Sachen notiert haben und unterstützt haben. Ja, und sie sieht sich zwar in der Zeit schon wieder wie so eine Art Werkzeug von ihrem Bruder, der sie ein bisschen so für seine Zwecke nutzt, aber tatsächlich sieht sie auch die positiven Seiten, weil sie profitiert ja auch sehr, sehr viel davon, wenn sie mit bei diesen Forschungen dabei ist.

Und Wilhelm bringt dir tatsächlich jetzt auch die wichtigste Mathematik bei, die es braucht, um die Positionen der Sterne und Planeten zu bestimmen, weil sie das ja parallel zu seinen Beobachtungen dann da anfertigt, und das ist ja Wahnsinn, welche Welt ihr da auf einmal eröffnet wird, also wieder halt von.

Dem Leben, wo sie täglich über Stickereien gebeugt sitzt, zu einem Leben, wo sie... In die unglaublichen Welten des Universums schauen darf und der Mathematik schauen darf. Und das ist schon cool. Und dafür nimmt sie das dann sozusagen auch gerne in Kauf, dass sie da jetzt so eine Dreifachbelastung hat aus dem Haushalt und ihrer, Sängerinnenkarriere und dann noch da nachts im Labor zu, hocken. Oder vor dem Teleskop.

Auf einmal wird irgendwie aus dieser Geschwisterbegeh so ein richtiges kleines Labor. Ich stelle mir das schon auch sehr cool vor. Ich glaube, die haben es auch beide schon genossen, da so irgendwie diesen Extremzustand zusammen zu erleben. Also weil die schlafen ja auch kaum in der Zeit, sind immer am Beobachten mitten in der Nacht.

Also William isst auch kaum noch was. Sie müssen ja trotzdem auch beide weiterarbeiten, der Haushalt muss gemacht werden. Sie versuchen das so irgendwie alles parallel zu handeln und parallel wird diese WG eben mehr und mehr zu so einer Art Werkstatt oder einem Forschungsort, denn Wilhelm baut da jetzt auch in der Wohnung sein erstes eigenes Spiegel-Teleskop.

Ja, richtig. Verrückt. Also gerade hast du übrigens William gesagt, nur ganz kurz zur Einordnung, als er nach England gezogen ist, wurde er tatsächlich dann ja William genannt, deswegen Wilhelm ist. Alles sein Name. Aber wir bleiben hier erstmal bei Wilhelm. Ja und jedenfalls dieses Spiegelteleskop funktioniert so, da ist ein Konkava-Metallspiegel, der am unteren Ende der Teleskopröhre angebracht wird und der sammelt das einfallende Licht und reflektiert es, vereinfacht gesagt, zum Auge des Beobachters, also wirft es quasi zurück ins Auge des Beobachters.

Die Oberfläche des Spiegel muss nicht nur extrem glatt, sondern auch in der berechneten Wölbung absolut exakt bearbeitet sein. Sehr, sehr schwierig, das hinzubekommen, um eben optische Verzerrungen auszuschließen. Und es darf nur um ein Achtel von der Idealform abweichen, der beobachteten Wellenlänge.

Also das ist eine unglaublich präzise Handarbeit, die da notwendig ist. Und hier werden jetzt also in der Küche oder im Wohnzimmer Metalllegierungen geschmolzen und gegossen. Und Caroline hilft natürlich auch da wieder kräftig mit. Und sie muss vor allem dann den Spiegel des Teleskops immer wieder herausnehmen, polieren und wieder einsetzen, was wohl eine sehr mühsame Arbeit ist.

Macht sie mit Hingabe, so wie sie in ihrem Leben ja alles mit Hingabe gemacht hat bisher. Boah, ich glaube, ich bin schon für Gläser polieren zu ungeduldig oder so. Aber so ein Teleskopspiegel, da hängt ja dann auch viel von ab. Ja, total. Und der wurde ja dann auch selbst gebaut oder gegossen. Und wenn du da dann nicht ordentlich polierst, hinterher geht dann da noch was kaputt oder so. Also da hängt ja total viel dran.

Total, ja. Ja, sie ist aber sehr präzise und kriegt das da irgendwie gut hin, das ordentlich zu machen. Ja, die zwei sind jetzt ein richtig gutes Team und es funktioniert auch ziemlich reibungslos. Die grooven sich so immer mehr zusammen ein. Man könnte sagen, das ist eigentlich vielleicht sogar das effektivste Team, Geschwisterteam, das die Wissenschaft je gesehen hat.

Denn Caroline zeichnet die Beobachtung eben auf, sie macht aber auch die Berechnungen, die sie brauchen. Also Caroline zeichnet die Beobachtung auf, führt die notwendigen Berechnungen durch, um sie mit Faktoren wie der jeweiligen Zeit zu standardisieren und stellt dann die Daten für die Veröffentlichung in Fachzeitschriften zusammen.

Und dadurch bekommt Wilhelm mit der Zeit einen guten Ruf unter den Astronomen in der Umgebung, weil eben auch die Forschung jetzt so nach und nach bekannt wird. Aber Caroline und auch ein weiterer Bruder, Alexander, der irgendwann. Auch den beiden noch ein bisschen hilft und unverzichtbare Arbeit macht beim Schleifen der Spiegel, die beiden wirken halt eher so im Hintergrund und fallen deswegen jetzt nicht schon mit auf.

Und das ist natürlich sehr schade, dass sie da erst mal gar keine Anerkennung bekommen und zusehen müssen, wie Wilhelm da jetzt bekannt wird. Ja, der muss da wahrscheinlich so ein bisschen die Zeit mit beachten, zu der das passiert. Aber es ist schon sehr ärgerlich. Ja, natürlich aus heutiger Sicht denkt man sich, boah, das ist so ungerecht.

Aber sie wird auch noch zu ihrem Lohn kommen. Ihre Zeit wird kommen, genau. Und die langwierige Arbeit zahlt sich auf jeden Fall bald auch aus. Und zwar mit dem richtig, richtig großen Knall. Und zwar 1781. Da entdeckt Wilhelm das Unglaubliche. Damit hat wirklich in der Astronomie-Welt niemand gerechnet.

Bei seiner Beobachtung des nächtlichen Himmels entdeckt er nämlich einen, neuen Planeten und seit Menschengedenken waren die mit bloßem Auge sichtbaren Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn bekannt, zusammen dann mit Sonne und Mond, und die Zahl dieser Himmelskörper beträgt sieben und diese Zahl gilt deshalb auch in vielen Kulturen so als magische Zahl.

Also mit den sieben Himmelskörpern erklärt sich zum Beispiel auch die Woche, die in vielen Kulturen ja die sieben Tage hat. Da ist jeder Himmelskörper dann eben einem Tag zugeordnet, beziehungsweise dem Gott, der ihn verkörpert, zugeordnet. Und jetzt heißt es auf einmal von diesem Hobby-Astronomen mit seiner Schwester da, der zu Hause irgendwie sich ein eigenes Teleskop gebaut hat, ey, ich habe hier einen achten Planeten entdeckt.

Das klingt unglaublich und wirft wirklich das Wissen von Jahrhunderten über den Haufen, wo man ja wirklich... Auch einiges an Sagen und so weiter aufgebaut hat. Also das ist wirklich eine Riesenentdeckung, die beiden, muss man sagen, jetzt machen. Genau, die beiden, aber ja wirklich mehr so ein bisschen hobbymäßig, entdeckt da in ihrer eigenen Wohnung mit selbst gebasteltem Teleskop.

Also das ist schon sehr cool. Und später wird Wilhelm dadurch so ein bisschen der Held der wissenschaftlichen Welt, weil wirklich klar wird, das ist so eine große Entdeckung. Und mitgewirkt, hat da eben ganz eindeutig seine Schwester Caroline Herschel. Nur, dass die erstmal gar nicht so bekannt wird damit.

Ja, und Wilhelm ist scheinbar irgendwie Stratege auch noch, also strategisch auch sehr begabt. Er nennt nämlich diesen neuen Planeten Georgs Stern nach dem König George III. Dritten oder Georges Stern, der selbst Hobby-Astronom ist und deswegen sehr interessiert an Planeten und Sternen. Wohl auch deshalb wird Wilhelm jetzt als Hofastronom bei eben König George dem Dritten eingestellt und bekommt endlich auch ein Gehalt, mit dem er dann seine Hobby-Astronomie zum Beruf machen kann, und dabei braucht er natürlich auch verstärkt Unterstützung von der Schwester, das heißt Die beiden sind jetzt quasi am Hofe, höchstpersönlich als Astronomen angestellt, also sie nur als Gehilfin, quasi nur als die, die da mitkommt.

Aber das ist ein Riesenschritt, auch privat für die beiden jetzt. Ja, genau. So riesig, dass Caroline da auf jeden Fall alles andere jetzt sehr beiseite stellen muss. Und auch unter anderem ihren Beruf als Sängerin aufgibt, um sich voll der Astronomie zu widmen und ihrem Bruder da zu unterstützen. Aber die wäre ja nicht Caroline, wenn sie nicht daraus auch wieder das Beste machen würde, wie immer.

Und sie zieht jetzt sogar auch mit ihrem Bruder um in ein kleines Dorf, wo sie die Sterne noch ein bisschen besser beobachten können. Das können wir auch alle nachführen, dass man da einfach noch viel mehr sieht. Und die beiden interessieren sich bald für vor allem unregelmäßig geformte, als Sternennebel bezeichnete Objekte.

Sie entdecken als erstes manche, der Sternennebel ungewöhnlich dicht beieinander stehende Fixsterne, sogenannte Sternhaufen sind. Heute sind die Sternennebel als Sternhaufen, interstellare Nebel und Galaxien identifiziert. Und Caroline wird immer mehr jetzt auch als eigenständige Forscherin anerkannt.

Also das ist eine ganz positive Entwicklung. Ja, wirklich. Ich finde, die Geschichte von Caroline ist auch wieder wie so ein Roman. Also, dass die da jetzt in so einem Dorf zusammen sind und die Sterne beobachten, so als Geschwister. Das ist irgendwie. Das ist schön, ja. Irgendwie klingt das schön. Also, hat er natürlich seine großen und kleineren Herausforderungen.

Ja, aber irgendwie gehen sie beide ja doch jetzt ihrer Leidenschaft nach und das ist ja immer eine schöne Sache. Und jetzt macht Caroline tatsächlich auch ihre erste komplett eigenständige Entdeckung. Wilhelm ist nämlich im Hochsommer für einige Wochen im Auftrag des Königs unterwegs, also nicht zu Hause. Sturmfrei für Caroline.

Und sie kann jetzt tatsächlich endlich mal sein Teleskop verwenden, also das des Bruders. Und am 1. August gelingt Caroline etwas, was für Astronomen schon immer so ein bisschen der heilige Gral gewesen ist. Und zwar entdeckt sie einen neuen Kometen. Und einen Tag später schreibt sie dem Sekretär der Royal Society einen Brief und danach regnet es Glückwünsche zu dieser Entdeckung für sie.

Also da schildert sie dann die Entdeckung des Kometen. Und ein Jahr später erscheint dann dieser Brief, den sie den Tag später geschrieben hat, in den Philosophical Transactions, der damals einflussreichsten Zeitschrift der Royal Society of London. Und so wird sie zur ersten Frau in England, deren wissenschaftliche Arbeit über Astronomie unter ihrem eigenen Namen veröffentlicht wird.

Das muss man wirklich fett unterstreichen, weil natürlich gab es schon Veröffentlichungen, die von Frauen. Waren, stammten, aber die wurden halt dann einfach unter männlichem Namen veröffentlicht und nicht anerkannt, dass sie da Teil von waren. Aber jetzt ist das ihr Name, der darunter steht. Oh Gott, endlich. Und Leute, noch was passiert, was richtig schön ist und wo sie wirklich nochmal so eine Grenze überschreitet, die eigentlich damals undurchdringbar schien.

Und zwar bekommt sie eine Stellung auf Lebenszeit ab. Bei König George III. Also jetzt sie persönlich bekommt diese Stellung. Und ja, das ist einfach ein riesiger Schritt. Mit dieser Anstellung wird sie zur ersten Frau Englands, die als Astronomin ein reguläres Gehalt bezieht. Ja. Wahnsinn. Ja, man freut sich jetzt so rückblickend noch mal richtig für sie.

Das ist irgendwie, hat sich alles so ausgezahlt, wofür sie so gekämpft hat. Und die vielen schlaflosen Nächte und das Durchhalten, während sie noch bei der Mutter gelebt hat. Ja, unbezahlt, Wahnsinn, ja. Also dieses unbezahlte Arbeiten, das ist ja wirklich auch einfach so krass. Und dann aber bitte zu Hause auch noch die Care-Arbeit machen.

Genau, ja. Einfach auch noch schaffen. Ja, wie zur Hölle? Also was ist das? Das ist irre, ja. Ja, sie hat ja wirklich da drei Jobs quasi, ne? Ja. Care-Arbeit zu Hause, Haushalt führen, dann nachts irgendwie in den Himmel gucken und dann hat sie ja irgendwann noch gesungen und ist aufgetreten. Hammer. Also das hat sie ja dann irgendwann schon drangegeben, aber trotzdem, also, puh und sich dann auch so in dem Moment so in die Abhängigkeit wieder von dem Bruder zu begeben, weil sie ja dann, als sie den Sängerinnenjob aufgegeben hat, ja auch nichts mehr verdient hat, finde ich ja auch sehr mutig. Genau, ja.

Ja, aber sie hat da Vertrauen und das hat sich jetzt ausgezahlt. Ja, das Ganze hat natürlich vor allem mit ihrer Fähigkeit als Astronomin zu tun, aber es heißt auch, dass sie vom Typ her sehr willensstark ist und obwohl sie ja eher. In ihrem Kindheitszuhause so zurück zu Zurückhaltung erzogen wurde, dass sie bescheiden auftreten soll, bloß nicht auffallen soll und so weiter ist.

Ist sie wohl eine willensstarke Frau, die ja auch weiß, was sie kann. Und das macht sie auch so erfolgreich. Zeigt nochmal hier so ein Beispiel, als sie einen besonders hellen Kometen entdeckt, den vermutlich auch, weil er so hell ist, schon andere Astronomen vor ihr oder gleichzeitig eben mit ihr entdeckt haben könnten, reitet sie direkt am nächsten Tag 30 Mal nach Greenwich, das ist da die nächstgrößere Stadt, um von ihrer Entdeckung zu berichten, damit sie bloß die allererste ist, der dieser Entdeckung zugeschrieben wird.

Und allein dieser Ritt alleine als Frau im Morgengrauen ist eine unerhörte Aktion für eine Frau. Und sie ist aber wirklich da so verbissen und selbstbewusst auch, dass sie halt sagt, das mache ich jetzt einfach. Also was soll ich mir da von einem Mann wieder hier meine Entdeckung wegnehmen lassen? Ich will, dass da mein Name drunter steht. Also ihr geht es da auch ums Prinzip so ein bisschen.

Und auch das macht sie am Ende so erfolgreich. Also nicht nur ihre reinen Fähigkeiten, auch so ihre Charakterstärke. Sie setzt das da durch, ja. Und trotzdem, also das klappt dann zum Beispiel. Aber man merkt dann aber an so anderen Stellen auch wieder, da ist wieder eine Grenze. Also zum Beispiel wird kein von ihr entdeckter Komet nach ihr benannt.

Obwohl das natürlich ansonsten bei Männern üblich ist. Aber immerhin der Komet, den sie 1788 entdeckt, der wird 151 Jahre später nochmal von einem französischen Astronomen, einem männlichen Astronomen Roger Rigolet wiederentdeckt und trägt dann seitdem jetzt den Namen 35P-Ausse. Slash Herrschel Regulé. Also da kommt sie vor.

Aber eben nicht als die Ursprungsentdeckerin ist sie da markiert. Und sie erlebt es halt auch nicht mehr. Ja, das stimmt. Dieser Komet wird übrigens wahrscheinlich wieder im Jahr 2092 von der Erde aus sichtbar sein. Wird für uns, glaube ich, ein bisschen schwer, das noch zu erleben. Aber vielleicht sieht es da noch jemand von euch. Ich vermute es auch.

Ach ja, wenn es hier wirklich sehr, sehr junge Menschen zuhören, die jetzt vielleicht so zwölf sind oder so. Dann schreibt es gerne auf. Ja, schreibt euch das schon mal in euren Kalender. Genau. In 2022. Ich finde sowas ja auch so krass, dass man dann ja einfach dieselben Sachen sieht, also die dann quasi nicht mehr sichtbar waren und dann auf einmal wieder sichtbar werden, die sie schon gesehen hat.

Und ach Gott, da kann man sich auch drin verlieren, finde ich. In so was. Aber ja, ein kleiner Blick in die Vergangenheit immer, wenn man in die Sterne schaut. Und die Zukunft, stimmt, ja. Ja, privat muss sie jetzt leider den nächsten Rückschlag hinnehmen, denn ihr Bruder, ihr geliebter Bruder, der sie ja auch wirklich unterstützt und gefördert hat und mit dem sie so ein tolles Team war, der heiratet. Nein.

Und zieht weg von Caroline. Ja, und sie hat sich auch so ein bisschen natürlich darüber definiert, jetzt so diese wachende Hausfrau über das Wohl ihres Bruders zu sein. Also das war einfach ihr Tagesablauf, das war ihre Struktur. Sehr eingespielt. Genau, eingespielt. Und das belastet wohl jetzt auch so ein bisschen die Beziehung zwischen ihr und dieser Schwägerin, dass sie da irgendwie so ein bisschen sauer auf die ist, dass sie quasi den Bruder so weggenommen hat. Das ist natürlich nicht so.

Und die Schwägerin muss aber auch zurückstecken, weil ihr Mann Wilhelm in jeder sternenklaren Nacht sofort zu seiner Schwester eilt, um mit ihr die Sterne zu beobachten. Also ja, immerhin hat Caroline jetzt aber mehr Zeit für ihre Studien, weil sie eben nicht mehr den Haushalt noch für den Bruder mitführen kann.

Aber das ist dann wieder irgendwie so ein kleiner Rückschlag, wo diese Gewohnheit, die sie sich da aufgebaut hat und das, woraus sie auch viel Stolz geschöpft hat, ja eigentlich dann komplett weggefallen ist. Es war natürlich auch einfach ihre Familie, weil sie hatte ja auch nicht geheiratet und so. Also das war diese Geschwisterbeziehung, war ihre Familie.

Schon eine sehr enge Beziehung, die die beiden haben. Ich glaube, so ein Forschungsgeschwisterpaar hatten wir jetzt hier auch noch nicht. Hatte wahrscheinlich Vor- und Nachteile für die beiden. Ja, ich stelle es mir aber schon auch eher als Vorteil vor, weil in den meisten Geschwisterbeziehungen ist es ja so, dass man sich auch schon Sachen mal an den Kopf wirft, die...

Man jetzt einer Freundin nicht so sagen würde. Kann man halt, ne? Weil Geschwister bleiben und sind im besten Fall dann immer noch da. Also natürlich gibt es Dinge, die Geschwisterbeziehungen so zerrütten können, dass man auch da dann den Kontakt ja nicht mehr so weiterführt. Man kennt sich lange. Man kennt sich lange, man verzeiht sich irgendwie mehr und ist vielleicht auch irgendwie eingespielter und hat so denselben Rhythmus.

Ja, jetzt mal hier vielleicht an der Stelle Frage an euch. Könntet ihr euch vorstellen, so eng mit euren Geschwistern zusammenzuarbeiten oder tut ihr das sogar? Und wie sind da so eure Erfahrungen? Das wird mich sehr interessiert. Da muss man auch sehr gleich ticken. Ja, gleich ordentlich sein und den gleichen Anspruch an alles.

Und man muss natürlich auch sagen, Karoline, die hatte ja sehr viele Geschwister. Stimmt. Die waren ja bis 10, haben wir gesagt. Da hast du dann, kannst du dir ja dann auch wirklich den einen Bruder aussuchen, mit dem ich richtig verstehe. Ja, und das war ja schon von Anfang an ihr Lieblingsbruder, mit dem sie den der das beste Match hatte.

Ja, erzählt gerne mal. Würde mich interessieren. Ja, also genau, erzählt ihr mal. Also bei den beiden geht es auf jeden Fall dann irgendwann so weiter, dass Wilhelm mit 84 Jahren dann stirbt und dann ist es wirklich für Karoline so, okay, jetzt hält mich auch gar nichts mehr in England. Also das ist für sie dann ganz klar und das ist für sie der Zeitpunkt, zurück nach Hannover zu gehen.

Auch in Deutschland gilt sie zu der Zeit dann als anerkannte Astronomin und bekommt da recht berühmten Besuch immer mal wieder, zum Beispiel von Karl Friedrich Gauss, der kommt dann auch einfach mal so vorbei und sie arbeitet auch in Deutschland dann weiter als Astronomin. Ja, du hast es gerade schon gesagt, ihr geliebter Bruder Wilhelm ist ja dann im hohen Alter verstorben und trotzdem bleibt sie jetzt aber dem Arbeiten mit Familienmitgliedern treu.

Es gibt nämlich einen Sohn, der aus dieser Ehe von Wilhelm und seiner Frau entstanden ist. Und zwar ist das John Frederick William Herschel oder Herschel wird er wahrscheinlich dann mittlerweile eingeenglischt genannt. Und John, also der Sohn von Wilhelm, der hat jetzt auch ein großes Interesse für Astronomie und auch sehr großes Talent anscheinend.

Und Johns herausragende Stellung als Wissenschaftler sieht man zum Beispiel auch daran, dass er zwischen den Gräbern von Charles Darwin und Isaac Newton in der Westminster Abbey beerdigt wird. Also er hatte da anscheinend noch mal eine höhere Stellung als Wilhelm und Caroline, wobei man jetzt nicht weiß, ob Caroline vielleicht nur nicht da beerdigt wurde, weil sie eine Frau war.

Who knows? Jedenfalls, genau, mit John arbeitet sie jetzt weiterhin so ein bisschen zusammen. Also sie ist eine, die gerne mit der Family zusammenarbeitet. Sie bleibt der Familie treu. Ja, und man muss nochmal sagen, jetzt auch die Familie Herschel, die hat wirklich sich in der Astronomie einen Namen gemacht.

Das liegt vor allem daran, dass Caroline so unglaublich akribisch und präzise arbeitet. Sie gehen auch kleinen Himmelskörpern nach und deshalb haben sie ganz viel zur Dokumentation von Sternenhaufen, Galaxien und all sowas beigetragen. Das ist viel Fleißarbeit, aber das kann Caroline scheinbar einfach gut.

Über die Hälfte der heute etwa 7600 bekannten Deep Sky Objekte, also das sind alle Himmelsobjekte außerhalb unseres Sonnensystems, die keine Einzelsterne sind, und die wurden, davon wurde eben über die Hälfte von einem Mitglied der Familie Herschel gefunden und katalogisiert. Das ist eine Menge. Das ist krass, oder? Ja, finde ich auch.

Heute würde diese Familie Herschel wahrscheinlich so auf dem Nabensschild am Briefkasten so ganz viele Sterne haben. Das ist ja wirklich so deren Ding. Das klingt auch wirklich so, als könnten das die Nachbarn von nebenan sein, die Herschel. Die Herschels kommen heute Abend noch rüber. Da wird Musik gemacht.

Ja, und eine Beschreibung ihres Neffen John über Caroline wollen wir euch nicht vorenthalten, um das Bild von ihr nochmal so ein bisschen plastischer zu machen. Es hat uns besonders gut gefallen. Als Caroline nämlich schon über 80 Jahre alt ist, schreibt John seiner Frau den folgenden Text über Caroline.

Sie läuft mit mir in der Stadt herum und hüpft ihre zwei Treppen hinauf, so wunderbar frisch wie einige Leute, die ich nennen könnte, die nicht einmal ein Viertel so alt sind wie sie. Morgens bis elf oder zwölf ist sie dumpf und müde, aber je weiter der Tag fortschreitet, desto lebendiger wird sie und um zehn oder elf Uhr abends ist sie ganz frisch und lustig und singt alte Reime, ja tanzt sogar zur großen Freude aller, die sie sehen.

Oh, richtig schön. Da kann die Sängerin noch mal kurz raus. Genau, ich finde es auch so witzig, dass sie dann anscheinend immer nur um elf, zwölf erst aufgestanden ist, also wie so eine Studentin. Ja, aber dann abends halt gut wach geworden ist. Genau, aufgedreht hat, weil sie halt dann natürlich in die Sterne geschaut hat und ihre Studien dann gefertigt hat. Das war ihr Rhythmus.

Total lebensfrohe Frau, die natürlich sehr viele Schicksalsschläge erlebt hat, aber trotzdem sich irgendwie so eine Leichtigkeit beibehalten hat. Ja, das ist schön. Wir haben es ja gerade schon gesagt, vielleicht wirklich, weil sie eben einfach, nicht dieses Leben in der Ehe wählen konnte oder wählen wollte oder wie auch immer, es war wahrscheinlich eine Mischung aus beidem.

War sie eben so ein freier Geist und konnte sich da voll ausleben, natürlich dank ihres Bruders auch. Sie ist auch echt alt geworden, also 96 Jahre, es ist schon ein, stolzes Alter und sie ist eine der wenigen Frauen vergangener Jahrhunderte, deren Wirken immerhin schon während ihren Lebzeiten anerkannt und geschätzt wurde, auch wenn sie da teilweise im Schatten von ihrem Bruder stand, aber, trotzdem hat sie noch mitbekommen, dass sie da einen Platz zwischen den großen Wissenschaftlern hatte.

Ja, auf jeden Fall und in ihrem Namen wird weiterhin auch für mehr Gleichberechtigung in der Astronomie gesorgt. 2021 stifteten die Royal Astronomical Society und die Deutsche Astronomische Gesellschaft, weil sie ja quasi diese englische und deutsche Astronomiewelt auch so ein bisschen vereint hat, eine Medaille, die an herausragende Astronominnen abwechselnd aus Großbritannien und Deutschland verliehen wird.

Und das mit dieser Ehrung verbundene Preisgeld von 10.000 Pfund soll dann direkt in die Forschung überführt werden oder auch, das finde ich ganz spannend, ja in Arbeiten oder. Kosten, die in Zusammenhang mit der Forschung stehen. Zum Beispiel wird auch explizit erwähnt, dass es auch für Kinderbetreuung ausgegeben werden kann.

Also, weil das natürlich was ist, was ja auch bezahlt werden muss, dass das Kind eben während der Zeit, in der man forscht, genau, betreut ist und das ist irgendwie so ein…. Full-Circle-Moment, den sie natürlich nicht selbst irgendwie mitentschieden hat, aber dass sie eben erst als ihr quasi diese Care-Arbeit, die sie bei ihrer Mutter da leisten musste, also die Haushaltsarbeit, als sie die nicht mehr machen musste, konnte sie ja dann sozusagen erst forschen.

Und sie hätte wahrscheinlich sogar noch besser forschen können, wenn es die Möglichkeit gegeben hätte, den Haushalt abzugeben. Und das ist eben auch abgedeckt durch diese Ehrung, die es da in ihrem Namen gibt und ja, dieser Preis lautet Caroline Herschel Medaille und ich finde, das wird ihr sehr gerecht.

Vielleicht ist das jetzt auch eine gute Gelegenheit, um als nächstes nochmal in die Folge reinzuhören mit Insatile Eich, mit der wir gesprochen haben in einem Spezial, die sich gerade auf einen Flug ins Weltall vorbereitet und die selber auch mehrere Kinder hat und uns so ein bisschen davon berichtet hat, wie sie das jongliert bekommt.

Ja, total, ja, auch wahnsinnige Leistung dieser Frau. Fünf Kinder hat sie, glaube ich, ne? Vier, fünf, ja, es waren viele. Wirklich alle Hände voll zu tun. Ja. Und trotzdem bereitet sie sich eben gerade als Astronautin auf eine Fahrt ins All vor. Das ist richtig cool. Da bin ich gespannt, wann wir das dann in den Nachrichten lesen werden.

Was ihr natürlich auch immer tun könnt, passend zur Sternen-Folge hier. Ihr könnt uns Sterne vergeben, zum Beispiel bei Spotify. Da sind Sterne-Cursi die Währung, wie man uns hier bewerten kann. Gerne natürlich die fünf vollen Sterne. Sonst schreibt uns auch total gerne eine Nachricht mit Gedanken, die ihr zur Folge habt. Wie gesagt, ob ihr mit Geschwistern zusammenarbeitet, würde uns interessieren.

Und ob ihr vielleicht noch Vorschläge für andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler habt, die wir hier mal vorstellen können. Und was euch sonst noch so auf dem Herzen.

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