Behind Science

Lord Kelvin: Und es geht noch heißer

Samstag, 27. Juni 2026 · 30 min

MP3

Shownotes

In der letzten Folge ging es um die Temperaturskala von Anders Celcius. Ihr habt uns drauf hingewiesen, es gibt nicht nur Fahrenheit, sondern auch noch Kelvin. Stimmt! Um den geht es heute.

Macht gerne das Experiment: Kältemischung für Eis ohne Gefrierschrank (tu-braunschweig.de/index.php?eID=dumpFile&…).

“Behind Science” gibt’s jeden Samstag – am Science-Samstag. Zwischendurch erreicht ihr uns per Mail und Instagram, und hier gibt's unsere Links (linktr.ee/behindscience), die gerade wichtig sind.

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Schönen Science-Samstag an wieder hitzigen Tagen, Leute. Seid ihr schon geschmolzen oder geht es euch gut an einem kalten Ort? Wie ist es bei dir, Louis? Dann verratet uns bitte, wo dieser kalte Ort ist, weil es ist ja wirklich rar. Ich weiß, wir haben eigentlich gesagt, wir wollen nicht mehr mit dem Wetter hier diese Show eröffnen. Aber excuse me, was ist denn los? Es ist kein Wetter mehr, es ist Hitze.

Es ist Hitze, einfach. Es muss dauerhaft hitzefrei sein. Ja, also bei mir geht's. Natürlich sitzen wir jetzt hier gerade vor dem Laptop, der auch noch so eine Hitze abstrahlt. Auf jeden Fall. Aber ich verbringe einfach auch sehr viel Zeit in Planschbecken und in irgendwelchen Badebütten und so im Schatten.

Deswegen, das geht, ja. Das klingt gut. Fußbad ist super. Und ich versuche, mit Wind gegenzuhalten. Also einfach Ventilator nonstop. Also gerade macht er Pause, damit er hier die Aufnahme nicht stört. Aber ansonsten lasse ich mir einfach warmen Wind ins Gesicht wehen. Besser als gar keine Windbewegung, habe ich das Gefühl. Das stimmt.

Alles für euch, Leute. Wir schalten hier unsere Ventilatoren aus, damit ihr hier einen guten Ton und eine gute Geschichte bekommt. Also ich hoffe, ihr wisst das zu schätzen. Nein, machen wir natürlich sehr, sehr, sehr gerne. Vor allem passt die Geschichte diese Woche so perfekt zu der Hitzewelle, oder?

Eben, ich wollte gerade sagen, vielleicht hilft die uns ja auch, weil die wird uns ein paar kühle Gedanken bringen. Und die wollen wir natürlich gerne mit euch teilen. Es ging ja in der letzten Folge schon so ein bisschen hier um das Thema Temperatur mit Anders Celsius, der eine Temperaturskala, erschaffen hat, die wir heute alle nutzen in unseren Wetter-Apps und um zu sagen, wie heiß es bei uns ist.

Und weil Anders den Gefrierpunkt von Wasser gesucht hat, wurde es dabei auch ein bisschen kühler in der Folge. Und heute geht es nochmal zu genau diesen niedrigen Temperaturen. So ist es. Wir sprechen heute über William Calvin und den absoluten Nullpunkt. Ja, wir wissen, ihr hattet am Ende der letzten Folge auch einige Emotionen, denn wir haben ein paar Mails bekommen.

Wer hätte gedacht, dass das so ein emotionales Thema ist, ne? Ja. Temperaturskalen. Es lag auch vor allem am Ende der Folge, wo wir uns so ein bisschen über Fahrenheit aufgeregt haben. Das war ein anderer Forscher, der war unseres Wissens nach ein Forscher, der einfach die niedrigste Temperatur genommen hat, die er an einem kalten Wintertag in seiner Heimatstadt Danzig messen konnte.

Und er hat dann beschlossen, okay, diese Temperatur ist jetzt der Nullpunkt. Und das fanden wir irgendwie nicht so plausibel und haben uns da ein bisschen drüber aufgeregt. Ja, ich glaube, wir sind so ein bisschen hitzig geworden, obwohl es gar nicht so notwendig gewesen wäre, sich so drüber aufzuregen.

Es hat sich nämlich dann Bernd bei uns gemeldet und der konnte diese Geschichte und unsere kritischen Punkte so ein bisschen ergänzen. Finden wir super, wenn ihr euch nochmal auf vor allem so Diskussionsthemen von uns meldet. Das bereichert unser Leben sehr. Und er schreibt, Fahrenheit hätte für seinen Fixpunkt, den er festgestellt hat, nicht nur irgendeine Temperatur gemessen, sondern er hat eine spezifische Kältemischung gemacht aus Eis, Kochsalz und Salmiak.

Salmiak, das ist Ammoniumchlorid, was damals wohl die niedrigste Temperatur war, die man damit herstellen konnte. Ja, so eine Kältemischung, ich hatte das vorher auch noch nicht gehört, aber das ist ziemlich praktisch, weil du kannst damit den Gefrierpunkt nach unten versetzen. Also der Gefrierpunkt des Schmelzwassers im Eis jetzt in dem Fall kannst du dadurch, dass du diese Salze dazu tust, senken.

Das Eis beginnt nämlich dann zu schmelzen und kann sich nicht mehr verfestigen und genau dieser Phasenwechsel von. Das war vorher fest und wird jetzt flüssig, den versucht das System aufrecht zu erhalten und benötigt dafür Wärme. Und weil es aber ja keine Wärme gibt, die so extra dazugefügt wird, nimmt das System einfach Wärme aus der direkten Umgebung.

Und dadurch wird es halt drumherum kalt. Und so kann man mit Kältemischungen dann Temperaturen von bis zu minus 21 Grad erreichen. Ja, ein bisschen komplexere Geschichte, als wir das quasi erzählt haben. Ja, spannend, aber. Steckt ein bisschen mehr hinter. Und so kann man halt super Proben zum Beispiel auch einfrieren oder auch Speiseeis herstellen, ohne einen Gefrierschrank zu haben.

Also, falls ihr das schon mal ausprobiert habt, lasst es uns wissen. Vielleicht habt ihr mehr Erfahrung mit Kältemischungen gemacht als wir. Das klingt auf jeden Fall nach einem Top-Experiment auch für den Schulunterricht. Vielleicht können wir euch da mal so eine passende Mischung anhängen, die ihr da mal nachmachen könnt.

Auf jeden Fall macht das natürlich total den Unterschied, wenn du jetzt diese Mischung als Fixpunkt nimmst, als unteren Fixpunkt von der Temperaturskala, so wie Fahrenheit das gemacht hat, dann würden alle, sage ich mal, krassen Wintertemperaturen, auch die du dann erlebst, wahrscheinlich eher im positiven Bereich liegen.

Und das war wohl auch eines seiner Ziele. Bernd schreibt nämlich, für die ganze Story muss man wohl wissen, dass Fahrenheit vorher zu Besuch beim Astronomen Ole Römer war. Ole Römer hatte auch eine Temperaturskala erfunden und der hatte, verwendet die Fixpunkte gefrierendes Salzwasser und siedendes Wasser.

Und wir sind ja auch so in der Zeit um 1700, also noch im Barock, darauf weist Bernd uns auch nochmal hin und vieles ist einfach noch nicht festgelegt zu der Zeit. Fahrenheit hat dann den unteren Fixpunkt noch weiter nach unten gelegt, also noch weiter als dieser Ole Römer, um einfach wirklich sicher zu gehen, dass es da keine negativen Werte mehr gibt, egal wie kalt der Winter wird.

Und deswegen hat er diese Kältemischung gemacht. Aber die Frage ist ja jetzt trotzdem, also klar ergibt irgendwie Sinn, aber warum haben die USA jetzt nicht das metrische System eingeführt, wie eigentlich der Rest der Welt. Und auch in anderen Maßeinheiten, in Bezug auf andere Maßeinheiten, hat die USA irgendwie so eine Sonderposition.

In den USA gibt es ja zum Beispiel auch Foot, Yard, Inch, also wirklich, wo man nicht die Hintergründe kennt. So denkt, was zur Hölle? Und dazu schreibt Bernd auch noch was, super Wissensquelle hier für diese Folge für uns. Eigentlich wollte die neu gegründete USA mit dem späteren Präsidenten Thomas Jefferson ebenfalls das metrische System einführen.

Eventuell auch die Celsius-Skala. Jefferson war ganz begeistert, als er zu Besuch in Paris war. Ein Franzose wurde beauftragt, die entsprechenden Unterlagen in die USA zu bringen, Aber dann ist das Ganze irgendwie nicht so aufgegangen, wie Jefferson sich das vorgestellt hat. Ja, und das ist eine ziemlich spannende Geschichte jetzt auch wieder, warum das nicht geklappt hat.

Denn anscheinend spielten da Piraten eine Rolle. Das ist so verrückt. Damals, ja, du hast schon gesagt, es wurde jemand losgeschickt. Und zwar ein Wissenschaftler, Joseph Dombey. Und der sollte jetzt mit Jefferson sprechen. Jefferson war damals Außenminister und dieser Wissenschaftler hatte jetzt eine, Stange dabei, die genau einen Meter lang war und ein Zylinder aus Kupfer, der ein Kilogramm wog.

Also um so diese Maßeinheiten wirklich als Anschauungsobjekt dabei zu haben. Ich stelle mir das vor, als wäre er so ein Vertreter gewesen für Maßeinheiten. Sehr schönes Bild. Hier, bitte nehmen Sie diese Maßeinheit für Ihr Land an. Hier, ich zeige Ihnen das mal. Ich würde Ihnen das empfehlen, das Mars, genau. Richtig gut.

Ja, aber leider kommt er nie an. Ich stelle mir vor, wahrscheinlich hätte er sonst die USA auf jeden Fall überzeugen können. Aber er kommt einfach leider nicht an, denn es stürmt während seiner Überfahrt so stark, dass er vom Kurs abkommt und sein Schiff in die Karibik treibt. Und da wird er dann von britischen Piraten gefangen halten.

Sie zerstören seine Ausrüstung, diese Maßeinheiten. Und kurze Zeit später stirbt er dann auch und kann es deswegen den Weg in die USA nie schaffen. Als dann noch mal versucht wird, einen zweiten Diplomaten jetzt loszuschicken, der kommt zwar an, aber da ist Jefferson dann schon nicht mehr Außenminister und hat auch irgendwie gerade eine Sinnkrise, zieht sich aus der Politik zurück.

Und deswegen wird das metrische Mars-System nie in den USA eingeführt. Boah, das finde ich so eine spannende Geschichte. Auf jeden Fall auch was für so eine Diskussion bei einer Party oder so, warum das nie eingeführt wurde. Ich finde immer so, das sind ja auch so Butterfly-Geschichte. Also wenn das nicht passiert wäre, dann dies und so.

Aber hallo, was ist das für eine spannende Info, dass Piraten quasi verhindert haben, welches System ist. Das ist ein neues System. Ja, ich finde das, also hatte ich vorher noch nie von gehört. Ich dachte, es wäre einfach irgendwie so in meinem, ich weiß nicht, ich dachte einfach, die USA will eine Sonderposition haben und hat extra das Ganze irgendwie aus Prinzip so gelassen.

Aber das ändert ja meinen kompletten Blick irgendwie da drauf. Also ja, ganz interessant, wie es dazu gekommen ist. Vielen, vielen Dank für diese Ergänzung der Geschichte. Wir finden es sehr schade, dass es damals so gekommen ist. Ja, vielleicht Aber klar, du musstest halt wirklich dich auf den Weg machen, um Menschen zu überzeugen mit solchen Sachen.

Wirklich, du musstest Vertreter, Vertreterin sein dafür und konntest nicht einfach natürlich eine Mail schicken und sagen, Leute, wir haben jetzt übrigens hier eine neue Skala, falls ihr da auch mitmachen wollt. So ein Kettenbrief schicken ging nicht so gut. Du musstest echt da ankommen. Ja, vor allem, weil du ja auch erstmal zeigen musstest, was ist denn quasi das Maß.

Also du konntest ja nicht einen Brief schicken und sagen, haltet euch doch daran, was ein Meter ist. Also der Brief hätte natürlich ankommen können, aber dann hättest du immer noch nicht gewusst, wie viel ist denn jetzt ein Meter? Oder wie viel ist denn ein Kilo? Oder ja, wie funktioniert diese Skala?

Also finde ich super spannend und, Wenn man das hört, umso krasser, dass die Welt insgesamt schon meist dieselben Skalen nutzt, dass sich das trotzdem dann so durchgesetzt hat. Also ja, hat uns mehr aus den Socken gehauen, diese Maßeinheiten und Methoden, um irgendwie so Zustände zu beschreiben, als wir es gedacht hätten.

Ja, und ein bisschen mehr Input haben wir auch noch zu dieser Folge von euch bekommen, den wir hier mit euch teilen wollen. Und zwar hat Holger uns gemailt. Er schreibt, man müsse der Fahrenheit-Skala auch einiges lassen. Also sie nicht so direkt abwatschen mit, die haben wir nicht, die nutzen wir nicht, die ist irgendwie blöd.

Und zwar schreibt er, sie habe einen unbestreitbaren Vorteil im alltäglichen Gebrauch, diese Fahrenheit-Skala. Das hat uns natürlich aufhorchen lassen. Er schreibt, im Grunde bildet sie das typische Temperaturempfinden des Menschen auf einer intuitiven Skala von 0 bis 100 ab. Und daraus würden sich zwei unschlagbare Komfortfaktoren für den Alltag ergeben.

Aha. Ja, damit sind wir natürlich zu catchen. Komfort klingt wieder ganz schön gut. Er nennt jetzt zwei Gründe. Erstens, es gibt keine Minuszeichen. Während wir im Winter schnell bei minus fünf oder minus zehn Grad landen, bleibt Fahrenheit in den bewohnten Regionen der westlichen Welt meistens im positiven Bereich.

Das sei ein Vorteil, schreibt Holger. Und der andere ist, es gibt keine Kommazahlen. Da die Abstände zwischen den einzelnen Gradstufen bei Fahrenheit kleiner sind, also ein Grad Celsius entspricht 1,8 Grad. Grad Fahrenheit ist die Skala von Natur aus präziser aufgelöst und man benötigt im Alltag schlichtweg keine Dezimalstellen, um feine Temperaturunterschiede zu beschreiben.

Und das Ergebnis ist dann eine Skala, die fast immer aus handlichen, positiven, zweistelligen ganzen Zahlen besteht. Auch wenn die Definition dahinter historisch gesehen ein bisschen kurioser ist, macht genau das für ihn die Anwendung erstaunlich pragmatisch. Also das sind so die Punkte, die praktischen Punkte, die er jetzt da reinbringt und sagt vielleicht…, Auch ein Vorteil. Ja, das muss man der Fahrenheit-Skala einfach lassen.

Und ja, ich sehe es total. Ich meine, man muss sich nur mal erinnern, im Mathematikunterricht, sobald Minus- und Kommazahlen dazu kamen, wurde einfach alles so viel unübersichtlicher. Stimmt. Also ich verstehe schon, woher diese Haltung kommen kann. Vielen, vielen Dank, Holger, für den Input. Ja, ich muss sagen, aber dieses ganz Intuitive, Also für mich ist das auch irgendwie schön zu wissen oder einfach zu begreifen, wenn da ein Minus bei der Temperatur steht, dann ist es unterm Gefrierpunkt.

Ja, ich weiß, was du meinst, das ist natürlich total so gelernt. Ja, das stimmt auch wieder. Ja, es geht halt so um die Darstellungsweise und wie greifbar halt so eine Zahl ist irgendwie. Also ich verstehe, worauf er hinaus will. Trotzdem natürlich sind wir einfach so sehr an Celsius hier gewöhnt, dass man da jetzt schwer irgendwie sich noch umlernen kann.

Ja, ihr könnt uns ja mal sagen, wie ihr das seht, würdet ihr gerne umlernen, und hier mal Vertreter für die Fahrenheit-Skala spielen und Deutschland davon überzeugen. Oder seid ihr weiterhin bei der Celsius-Skala? Falls es nicht zu abstrakt ist, diese Frage, würde uns sehr interessieren, wie ihr da eingestellt seid. Oder schreibt uns doch einfach mal.

Wie heiß es gerade bei euch ist? Weniger abstrakt? Ja, genau, wir sammeln mal Temperaturen. Aber vielleicht können wir hier das alles auch noch ein bisschen erweitern, unser Temperatur-Universum. Denn Holger hat uns noch geschrieben, er ist auf jeden Fall Team Celsius, Klammern oder sogar Kelvin. Und da ist uns aufgefallen, ach ja, Kelvin gibt es ja auch noch.

Der gilt, wenn du den mal googelst, als Vater der absoluten Temperaturskala. Und deshalb ist ja jetzt klar, okay, über Kelvin müssen wir jetzt auch unbedingt nochmal sprechen. Ja, wir machen hier das Temperaturquartett komplett. Oder es ist ein Trio, oder? Ein Trio, genau. Und hinter Kelvin steckt nicht jemand, der den Nachnamen Kelvin trägt, wie man vielleicht denken könnte, sondern William Thompson und seine Geschichte wollen wir heute erzählen.

William Thompson wird 1824 in Belfast in Irland geboren, also vor 202 Jahren. Und damit bewegen wir uns ungefähr 100 Jahre nach Celsius und Fahrenheit. Wir steigen mal ein in Williams Familiengeschichte. Denn seine Mutter stirbt schon ziemlich früh, da ist er gerade sechs Jahre alt und dadurch entsteht so eine ziemlich innige Beziehung zu seinem Vater.

Der Vater ist Mathematiker und fängt jetzt gezwungenermaßen auch so ein bisschen an, William einfach zu Hause zu unterrichten, zusammen mit seinem älteren Bruder James. Also die machen Homeschooling und als William neun ist, bekommt sein Vater dann ein neues Jobangebot. Er hat die Chance, Mathematikprofessor an der Uni Glasgow zu werden.

Das ist eine riesige Chance zu ihm. Deswegen nimmt er den Job an und die ganze Familie zieht um nach Schottland. Und als wäre das nicht schon Umbruch genug, wird William auch noch sehr, sehr krank in dieser Zeit. Er erkrankt am Herzen und stirbt fast daran. Aber zum Glück kann er das Blatt noch wenden. Er holt sich wieder und bleibt den Rest seines Lebens ziemlich gesund.

Und das Ganze ist gut, dass es so gelaufen ist, denn ja, er hat noch ein langes Leben vor sich und das beginnt, indem er sich mit zehn Jahren schon an der Uni einschreibt. Unfassbar. Das ist krass. Ja, andere, ja quasi anderes System, als wir jetzt haben, das ist irgendwie klar, aber trotzdem, ja, ist es auf jeden Fall schon eine Leistung, dass er es da schon so früh an die Uni schafft.

Ja, und sich das so zugetraut hat auch, ich glaube, er hat einfach entschieden, ich schreibe mich da jetzt ein und ich könnte mir vorstellen, vielleicht hat sich das auch einfach nicht so sehr unterschieden von dem Unterricht, den sie zu Hause gemacht haben, weil sein Vater war ja auch Professor und...

Und vielleicht hat er sich deswegen sehr viel zugetraut. Er hat auf jeden Fall... Erwartungen an sich selbst, denn er ist zwar nach außen hin also einfach auch ein lustiger Teenager, der hat so ein ganz ansteckendes Lachen wohl, aber er ist von innen auch ganz motiviert, besser zu sein als alle anderen.

Denn er konnte bei seinem Vater beobachten, wer eine gute Ausbildung hat, der hat einfach viele Möglichkeiten und das wünscht er sich für sein Leben auch und deshalb gibt er richtig Gas in der Uni und veröffentlicht schon mit 15 Jahren, das sind so OS, einfach noch so klein. Seine ersten wissenschaftlichen Arbeiten.

Ja, heute werden Kinder mit 15 Jahren noch von der Schule abgeholt. Ja, wirklich. Studiert einfach und veröffentlicht schon irgendwelche Arbeiten. Ja, andere Zeit, andere Dinge, die irgendwie möglich waren und gemacht wurden. Ich finde, das klingt ja erstmal so ein bisschen negativ, dass er dachte, ich muss besser sein als andere.

Aber so mit diesem, dass er sich so gedacht hat, okay, es gibt quasi diese Sachen, die man erreichen kann und ich will davon halt das Beste erreichen. Warum nicht? Ist dann irgendwie wieder, ja, klingt einfach hochmotiviert, als hätte er da einfach richtig was drauf. Und für seinen Abschluss wechselt William dann an eine andere Uni und geht nach Cambridge. Da entdeckt er jetzt noch mehr Interesse an Naturwissenschaften, auch Mathe und Elektrizität zum Beispiel.

Und zwischendurch arbeitet er außerdem in Paris mit dem französischen Physiker und Chemiker Henri-Victor Regnaud. Das war ein Tipp von seinem Vater. Henri wird Williams Mentor und bringt ihm wirklich gutes Experimentieren bei. Und dadurch kann William wirklich einige fundamentale Probleme in der Elektrizität lösen, wodurch andere später dann wichtige Entdeckungen machen konnten.

Und im Labor von Henri ging es zum Beispiel auch um die Wissenschaft hinter der Dampfmaschine. Da haben wir ja ganz, ganz, ganz am Anfang mal eine Folge zu gemacht, auch hörenswert. Klickt euch da gerne mal rein. Also ja, das Ganze greift hier wieder Hand in Hand so im Behind-Science-Universum. Also er ist jetzt da an einem Punkt, wo er wirklich...

An vielen Neuerfindungen und neuen Tüfteleien so mitwirken kann. Sehr spannende Forschungszeit. Und saugt da alles auf wie ein Schwamm. Genau. Und sein Hauptforschungsort, der wird aber, genau wie bei seinem Vater, Glasgow werden. Denn als Williams Vater stirbt, da verlägt William sein ganzes Leben jetzt nach Glasgow.

1847 hat er dann eine bedeutende Begegnung. Denn er hört einen Vortrag von James Joule. Den kennt ihr vielleicht auch als eine Einheit, Joule. Und dieser James spricht von Experimenten in seiner Brauerei. Das klingt auch nach einer Folge, die wir mal machen sollten, Experimente in der Brauerei. Oh ja, der Titel steht schon. Ja, genau, das klingt auch schon mal interessant für uns. Lieben wir ja Experimente an so ein bisschen außergewöhnlichen Orten.

Und da geht es wohl auch um Temperatur und um mechanische Arbeit. William ist total fasziniert davon. Er ist förmlich begeistert, besucht James auch in dieser Brauerei und lässt sich da so ein paar Live-Vorführungen geben. Und ja, da entwickelt sich jetzt sogar so eine Art Freundschaft zwischen den beiden.

Genau, sie freuen sich an, aber sind sich wissenschaftlich trotzdem nicht immer einig. Gestritten haben sie hauptsächlich in Briefen wirklich viel und intensiv, dass dabei am Ende sogar ... Eine Theorie daraus entstanden ist, aus diesem Briefverkehr und diesen Diskussionen. Und zwar der Joule-Thompson-Effekt.

Dabei geht es um Wärmeentwicklung von Gasen. Und die zwei entdecken, dass Gase sich abkühlen, wenn sie sich ausdehnen. Und dieser Joule-Thompson-Effekt wird beispielsweise bei Kühlschränken genutzt. Also, dass euer Eis kühl bleibt, habt ihr den beiden da in diesen Tagen zu verdanken. Ja, oder sie konnten es beschreiben. Und für James war die Diskussion mit William auch sehr wertvoll, weil dadurch einfach er nochmal eine ganz andere Anerkennung bekommen hat in der Forschungscommunity.

Und das geht so weit, dass er schließlich dann auch seine Brauerei verkaufen kann und sich nochmal ganz anders ums wissenschaftliche Experimentieren bemühen kann. Also er macht da auch so mit William zusammen echt einen Karrieresprung und dieses Thema Temperatur und Gase ist damals in der Forschung einfach eine viel diskutierte Frage, auch in Verbindung mit dem Thema Volumen, denn klar war, wenn ein Gas kälter wird, nimmt das Volumen ab, aber weil Gas ja schon irgendwie immer irgendein Volumen haben muss.

Weiß man auch, es müsste so einen Punkt geben, an dem das Gas nicht kälter werden kann. Und wo genau dieser Punkt liegt, dafür gab es viele Schätzungen, aber eben nur Schätzungen. Also nie so gut, wenn man nur schätzen kann und es keine Skalen gibt, an die alle sich halten. Genau. Kleiner Zwingy-Zwonky nach in die USA.

William entwirft jetzt ein Konzept, das Konzept des absoluten Nullpunkts. Und dieser Punkt ist die Temperatur, an der ein System keine Wärme mehr abgeben kann. Und dabei ist die Temperatur unabhängig davon, ob etwas gasförmig oder flüssig ist. Ja, also er macht theoretische Überlegungen, mit denen er zu diesem Punkt kommt.

Und dieser Nullpunkt, der liegt, wenn man den jetzt auf unsere Celsius-Skala übersetzt, bei minus 273,15 Grad Celsius. Ihr merkt schon, er hat so diese Gradeinteilung von Celsius benutzt, aber eben definiert, mein Nullpunkt, der soll jetzt genau an diesem Punkt liegen, minus 273,15 Grad Celsius. Und das entspricht dann, wenn man jetzt heute in der Einheit Kelvin denken würde, 0 Kelvin.

Das ist der Zusammenhang. Seine Temperaturskala, die von William, die wird auch als absolute Temperatur bezeichnet und ist heute die SI-Basiseinheit der thermodynamischen Temperatur. Das heißt, das ist eine Skala, die schon auch auf der ganzen Welt verwendet wird, aber eher so, wenn man in die Naturwissenschaften oder Technik guckt, um da in der Thermodynamik dann Temperaturen zu beschreiben.

Ja, noch eine Temperaturskala, oh mein Gott. Wird mir langsam viel. Ja, ich finde auch, also wir können festhalten, wir bleiben bei Celsius, aber wenn man mal irgendwie Leute verwirren will, dann kann man einfach auch mal in Kelvin was angeben. Einfach so, um mal die Diskussion anzuregen oder man wechselt dann irgendwann mal zwischen Fahrenheit, Kelvin und Celsius.

Irgendwie ein ganz, ganz guter Flex. Also, ja, interessante Gedanken und Überlegungen, die jetzt so in unserem Alltag nicht ganz so eine große Rolle spielen wie Celsius oder eben auch Fahrenheit. Dann wäre es ja, wenn wir jetzt unsere Temperaturen Kelvin angeben würden, wäre es ja immer gefühlt super heiß.

Also, das müssten ja ganz große Zahlen sein. Weil wenn die 0 minus 273 ist, wie groß wäre die Zahl dann jetzt? Das wäre schon krass. Wir bleiben bei Celsius. Wir bleiben dabei. Als Mensch ist William auf jeden Fall auch sehr beeindruckend. Vielleicht können wir das ja noch kurz erzählen. Denn er heiratet Margaret Crumb. Die zwei kennen sich schon seit der Kindheit, obwohl sie sich vielleicht im weiteren Leben danach gar nicht so begegnet wären.

Also Margaret ist in einer eher anderen Welt unterwegs. Ihre Familie, das war ein Baumwollhändler, ähm, Und die zwei kennen sich aber schon so lange, dass sie dann irgendwann heiraten. Aber ausgerechnet kurz nach der Hochzeit wird Margaret so krank, dass sie nicht mehr alleine, noch nichtmals mehr aus dem Bett kommt.

Und dann beginnt natürlich für die beiden eine ganz intensive Zeit. Ja, William kümmert sich aber sein Leben lang um Margaret. Er nimmt sogar eine Auszeit von seiner Akademikerwelt, weil er für sie da sein möchte. Und in der Zeit ergibt sich ein neues Projekt und zwar das atlantische Telegrafie-Kabel soll zwischen Nordamerika und Europa verlegt werden, um die Kommunikation zwischen den Kontinenten zu beschleunigen, damit das nicht mehr zehn Tage dauert, eine Nachricht per Schiff zu übermitteln, sondern quasi direkt übermittelt werden kann.

Und da hilft William jetzt mit und wenn euch die Geschichte interessiert, dazu haben wir natürlich auch schon mal eine eigene Folge gemacht. Also Kommunikation haben wir schon in einigen Folgen abgedeckt, aber auch spannend, dass sich da wieder so Geschichten kreuzen, finde ich. Ja, das ist mega schön und man merkt vielleicht langsam, dass William jemand war, der in vielen Geschichten und Veränderungen drin gesteckt hat.

Er veröffentlicht in seinem Leben insgesamt über 600 wissenschaftliche Dokumente, bekommt 75 Patente und. Hört irgendwie nie auf, da so mitzutüfteln, auch wenn er da aktiv dann irgendwann aus der Akademikerwelt so ein bisschen zurückgesteppt ist, kann er da trotzdem noch mithelfen mit seinem Wissen. Und dann kommt der Punkt, dass Margaret irgendwann stirbt.

Und ich finde interessant, was William dann gemacht hat. Denn dann kauft er sich als erstes eine Yacht und fängt an zu segeln. Und ich weiß nicht, ob er das gemacht hat, vielleicht um so seine Trauer zu bewältigen, um sich erst mal abzulenken. Aber vielleicht war das auch was, wo er dann echt mal so seinen Kopf ausmachen wollte.

Ja, ich kann es mir vorstellen. Er ist, auch wenn man jetzt Yacht hört, eigentlich in seinem leben bekannt dafür dass er sehr bescheiden ist, auch sehr beliebt ist und ja einfach so ein empathischer mensch ist der auf seine umgebung gut achtet kinder hatte er keine und. Was man vielleicht auch noch erzählen muss 1892 bekommt er einen ehrenvollen titel aus sir william thompson wird und da kommt jetzt calvin ins spiel, Baron Kelvin of Larchs. Und Kelvin, benannt nach einem Fluss, der an seinem Labor in Glasgow vorbeigeflossen ist, hat ja dann Cursey diese Kelvin-Skala, also den Titel Kelvin-Skala geprägt.

Und nach seinem Tod 1907 wird er in Westminster Abbey beerdigt, in der Nähe von Newton, also in bester Physiker-Nachbarschaft. Er ist auf jeden Fall in seinem Leben und nach seinem Tod ein anerkannter Wissenschaftler und Mensch gewesen, kann man so sagen. Und das sagt auch schon was, wenn du da in irgendwie direkter Nachbarschaft zu Newton beerdigt wirst, sagt das schon auch sehr viel darüber aus, was du in deinem Leben geleistet hast.

Manchmal, wenn ihr ihn nochmal ein bisschen suchen wollt, wird er auch Lord Kelvin genannt. Hat viele Namen. Ja genau und eben eine eigene Einheit jetzt, Kelvin. Schreibt uns gerne mal, was euer Favorit ist. Kelvin, Fahrenheit oder Celsius. Kommentiert das einfach unter unserer Folge oder schreibt uns bei Instagram oder per Mail.

Und wenn ihr nichts dazu zu sagen habt, lasst uns vielleicht einfach ein paar Sterne da, wenn euch die Folge gefallen hat. Ja, darüber freuen wir uns immer sehr. Vor allem bei der Hitze. Ja. Ich jetzt einfach mal. Wir stellen uns vor, jeder Stern ist eine Eisflocke. Ja, genau. Gebt uns doch ein paar Eisflocken. Das hört sich doch gut an.

Wir hoffen, ihr kommt gut durch die hohen Temperaturtage und vielleicht erhellen euch die Geschichten, wie es genau zu den Bezeichnungen dieser hohen Temperaturen jetzt kommt. Wir hören uns auf jeden Fall in zwei Wochen wieder am Science Samstag. Wir sind ja jetzt beim zwei-wöchentlichen Rhythmus. Bis dahin, macht's euch schön und tschüss. Tschüss.

0:00 / 0:00