Behind Science

John Franklin: Gefangen im Eis

Samstag, 23. Mai 2026 · 29 min

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Shownotes

Diese Folge wird kalt... eiskalt! Wir gehen auf Expedition mit John Franklin, einem Seefahrer und Abenteurer, der im Sinne der Wissenschaft mit zwei Schiffen in die Arktis segelte und nie zurückkehrte. Die modernen Schiffe scheinen spurlos verschwunden, die gesamte Crew ist verschollen und von John fehlt jede Spur. Die Erforschung des Expeditionshergangs entwickelt sich zu einer eigenen Forschungsexpedition. Wir zeichnen die Geschehnisse nach. Einige Geheimnisse werden aber für immer bleiben!

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Einen schönen Science-Samstag. Wir hoffen, ihr habt es schön und habt es gemütlich und muckelt euch irgendwie gut ein und seid trotzdem bereit für ein Abenteuer. Wir hatten nämlich mal so richtig Lust auf so eine Abenteuer- und Expeditionsgeschichte und wir wagen uns vor in Gefilde, in denen wir wirklich noch nie unterwegs waren und wahrscheinlich die meisten von euch noch nicht.

Weder hier im Podcast waren wir da unterwegs, noch privat. Also es wird sehr, ja, es ist sehr, sehr anders als alles, was wir kennen. Es wird einzigartig. Ich glaube, es wird richtig aufregend. Richtig hart auch zwischendurch. Wir hoffen also, ihr habt gute Nerven für diese Folge und dieses Abenteuer.

Wir sprechen heute über John Franklin und seine Expedition ins ewige Eis. Behind Science. Geschichten aus der Wissenschaft. Mit Marie Eickhoff und Luisa Pfeifenschneider. Wir waren hier ja schon mal bei den Seefahrer-Geschichten in verschiedenen Folgen, aber jetzt zuletzt haben wir uns damit auseinandergesetzt.

Während wir über die Behandlung von Scorbut gesprochen haben und James Lind, der ja die heilende Wirkung von Citrusfrüchten erkannt hat. Also wenn man Skorbut hatte oder vorbeugend, damit man das gar nicht erst bekommt, sollte man dann Zitrusfrüchte essen und das hat tatsächlich gewirkt, das hat er herausgefunden und da wurde es einem fast so ein bisschen warm, weil die Geschichten ja dann teilweise auch so auf Sizilien gespielt haben und man hatte da irgendwie so ein...

Warmes Sommergefühl mit diesen leuchtenden Zitrusfrüchten und so. Heute müssen wir uns hingegen richtig, richtig, richtig warm anziehen, denn es wird extrem kalt. Eisig. Wir sprechen, ja, eisig. Wir sprechen über eine Geschichte, die bis heute als eine der größten Rätsel der Seefahrergeschichte gilt.

Also nicht nur die Expedition selbst hat quasi mit Forschung zu tun, Und auch dann später, was man über diese Expeditionen dann erforscht hat, ist quasi Teil der Forschung. Es geht um John Franklin, einen britischen Offizier, einen Entdecker und Polarforscher, der mit 129 Männern in der Arktis verschwunden ist.

Doch bevor wir über die Expedition sprechen, schauen wir erst einmal darauf, wer dieser Mann überhaupt ist. Denn Johns Weg beginnt, lange bevor er ins ewige Eis aufbricht. Und zwar 1786, also vor 240 Jahren. Da wird er in einer englischen Kleinstadt geboren. Seine Familie wünscht sich eigentlich, dass er Theologe wird.

Ich finde, das kommt in vielen auch von diesen forschenden Geschichten vor, dass da eigentlich immer so Plan A der Eltern für ihr Kind war, Theologie. Theologe, ja. Und es ist halt schon so ein bisschen konträr, dass man sich dann quasi nicht dem Geistlichen widmet, sondern irgendwie so dem Weltlichen, der Wissenschaft. Ja, richtig.

Also auch John interessiert sich irgendwie schon als Jugendlicher für ganz andere Dinge und zwar für Abenteuer und das Meer. Also das fixt ihn schon sein Leben lang an und das interessiert ihn auch viel mehr als dieses, ja, Es kommt ihm zumindest so vor, eher ruhige Leben in der Kirche. Mit gerade mal 15 Jahren geht er deshalb schon zur Royal Navy.

Und dort beginnt er eine harte Ausbildung auf britischen Kriegsschiffen. John erlebt schon früh, also lange Reisen, schwere Stürme, militärische Einsätze auf See und kennt dieses Seefahrerleben schon seit er Teenager ist. Ja, auch Wahnsinn, wenn ich mir irgendwie mich selbst als 15-Jährige vorstelle und überlege, ich wäre da auf so einem Schiff unterwegs, wo du ja auch nicht weißt, wann du wiederkehrst.

Ob das jetzt ein Abschied für ein Jahr ist oder für zehn Jahre. Also das stelle ich mir auch jetzt schon ganz anders vor als so eine Sizilien-Segeltour oder so. Ja, das stimmt. Oh ja, oh Gott, ich musste auch viel an unsere Mini, das war wirklich dann so ein Mini-Ausflug. Wir sind ja mal nach Schweden gesegelt, von Deutschland aus.

Musste ich jetzt auch wieder viel dran denken, das war ja wirklich nichts dagegen, was er da erlebt hat. Aber gut, vielleicht kann man sich schon vorstellen, wie sehr man so dem Wasser ausgesetzt ist. Und wenn man sich umguckt, ist einfach gefühlt nichts drumherum. Aber natürlich, heutzutage sind so viele Schiffe drumherum.

Du kannst schnell Hilfe holen. Du hast irgendwie gute Rettungsboote und so weiter. Also wenn was passieren sollte. Das gab es damals natürlich nicht. Es zeigt sich jetzt aber wirklich, dass er ein großes Geschick hat, auf Schiffen unterwegs zu sein. Dass er auch sehr, sehr ehrgeizig ist. Und er nimmt dann an mehreren Expeditionen teil und kämpft sogar in der berühmten Schlacht von Trafalgar unter Admiral Nelson.

Später reist er dann in die Arktis und macht sich dort auch als Entdecker ein Namen. Allerdings verlaufen diese Expeditionen nicht immer erfolgreich. Bei einer früheren Reise leiden seine Männer unter extremen Hunger, Deshalb John später den Spitznamen der Mann, der seine Stiefel ist, bekommt, weil die Crew angeblich sogar Leder kocht, um zu überleben.

Uff, richtig krass und ein kleiner Vorgeschmack, was später auf einer Expedition passieren wird bei ihm. Boah, da kriegt man jetzt schon irgendwie die ersten Schauer, finde ich. Und John hat in dieser Zeit aber trotzdem noch Glück, denn in der Zeit, in der er über die Weltmeere segelt, wird das Reisen für Expeditionen erst so richtig interessant.

Nach dem Sieg über Napoleon gilt England als unbestrittene Weltmacht. Die Kriegsflotte wird abgebaut und die Engländer widmen sich jetzt Forschungsreisen. Das heißt, man kann reisen mit Schiff zum Forschen. Ja, und das kommt ihm ja gerade gelegen. Also klar, er wäre wahrscheinlich auch in Kriegszeiten irgendwie im Schiffsbusiness unterwegs gewesen, aber das Ganze ist natürlich erstmal ein bisschen ungefährlicher, wenn das Schiff dann nicht noch auf See angegriffen wird oder selbst andere Schiffe oder so.

Land angreift. Ist schon amtäulich genug. Ja, da will ich mich gar nicht reinversetzen, wie krass das sein muss. 1818 nimmt John dann an seiner ersten Polarexpedition teil. Der Auftrag der britischen Admiralität lautet, mit den Schiffen Dorothea und Trent den Nordpol zu erreichen. Aber es geht um mehr als diesen Pol.

Man hofft auf eine nördliche Passage in den Pazifik. Vielleicht sogar auf ein eisfreies Polarmeer. John ist der Kommandant der Trent. Die Expedition segelt dann erstmal nach Spitzbergen und jenseits von 75 Grad nördlicher Breite schneit es. Die Takelage vereist die Besatzung, schlägt wohl mit Stöcken auf die Taue, um sie beweglich zu halten und bei minus 81 Grad, das ist so krass, verkeilen sich die Eisschollen dann ineinander.

Das kann man sich ja kaum vorstellen, so kalt. Ja, wirklich, das ist richtig krass. Und dann gibt es den Befehl zur Umkehr. Und das zeigt einfach, Eis kann ein wirklich unbezwingbarer Gegner sein, ist aber nur ein kleiner Vorgeschmack darauf, was ihm auf einer anderen und ja, so viel kann man jetzt schon mal sagen.

Seiner letzten Expedition begegnen wird. Man muss aber sagen, bei dieser Expedition, die da im Endeffekt jetzt auch nicht erfolgreich war. Stellt sich heraus, dass John ein sehr guter Kapitän ist. Also er konnte sich da wirklich auszeichnen, gilt von da an in England als Held. Und das schafft ihm dann neue Aufträge und meist geht es bei diesen Aufträgen dann darum, ja so bestimmte Landabschnitte oder auch Felsen oder Küstenabschnitte insgesamt zu kartieren oder halt Länder und Kontinente zu vermessen.

Also das war ja alles noch ganz unbekannt. Man konnte nicht einfach drüber fliegen und von allem mal ein Foto machen und deswegen musste man eben zur See fahren. Ja und er wird nicht nur für das bewundert, was er so kann, also was er da so an Bord drauf hat, sondern auch einfach allgemein für seinen Mut und seine Ausdauer, also dass er sich diese Reisen traut und genau deshalb bekommt er schließlich den Auftrag für eine der wichtigsten Expeditionen seiner Zeit. Mitte des 19.

Jahrhunderts versucht Großbritannien nämlich, die Nordwestpassage zu finden, einen Seeweg durch die Arktis, der Europa und Asien verbindet. Und wer diese Route entdeckt, das ist damals schon klar, der wird Geschichte schreiben. Denn vor John haben schon zahlreiche andere Seefahrer genau das versucht und unzählige Menschen sind genau bei diesem Versuch gestorben.

Und jetzt ist er dran. Ja, jetzt will John Franklin schaffen, was keiner vor ihm geschafft hat. 1845 startet schließlich die große Expedition. John ist zu diesem Zeitpunkt fast 60 Jahre alt. Viele halten ihn eigentlich schon für viel zu alt für so eine gefährliche Reise, aber er will sich beweisen. Und das ist wirklich so.

Ja, genau. Ja, total. Und dadurch, dass so viele schon gescheitert sind, wächst natürlich dann auch so die Gier danach, es zu schaffen und es dann doch irgendwie allen zu beweisen und der Erste zu sein. Jetzt werden zwei Schiffe vorbereitet, die HMS Erebus und die HMS Terror. Beide Schiffe gelten als technisch modern, aus Holz, aber mit eisenverstärktem Bug.

Es wird eine Dampfmaschine eingebaut, die die Crew unabhängig vom Wind macht. Auch das ist so der neueste technische Stand. Und die damit betriebene Schiffsschraube kann dann bei Eis in einen Schacht im Bootskörper hochgehievt werden. Also eigentlich alles durchdacht. Es gibt außerdem Rohre, die im Schiff verlegt werden, durch die so Dampf, also erhitztes Wasser geleitet werden kann, sodass einige Räume sogar beheizbar sind.

Klingt irgendwie cozy. Und das Ganze wird sozusagen so ausgestattet, dass es auf dem neuesten technischen und wissenschaftlichen Stand ist und keine Eventualitäten gibt. So könnte man es irgendwie sagen. Musste ich jetzt nochmal dran denken und auch eine Empfehlung aussprechen. Ich war jetzt am langen Wochenende im Schiffsmuseum in Lelystad.

Das ist am Eiselmeer in den Niederlanden. Das kann ich sehr empfehlen. Und da konnte ich mich auch nochmal gut reinversetzen. Perfekte Vorbereitung für die Folge. Wie das ist, auf so einem Schiff zu leben. Weil da ist ein sehr großes Schiff ausgestellt, was da im Hafen liegt. Und man kann sich die Kajüten angucken und die Kombüse.

Und die Toiletten und wo der Kapitän geschlafen hat und so. Also es ist richtig interessant und man merkt aber auch, wie beengt das ist. Und da war ja ein Bruchteil der Menschen, die da sonst so unterwegs waren. Und wir lagen irgendwie sicher vor Anker, aber du musst da ständig den Kopf einziehen, dich ständig ducken, stößt überall an.

Also das ist schon krass, aber ja, natürlich Abenteuer pur auf jeden Fall. Ja, also Schiffsmuseum in Lillistat kann ich sehr empfehlen. Sehr guter Tipp. Und also bei John jetzt auf dem Boot haben sie auch erst mal das Gefühl, okay, es ist jetzt zwar ein bisschen beengt und es ist ein absolut großes Abenteuer, was wir vorhaben, aber eigentlich die Expedition ist perfekt organisiert.

Neben der Erkundung einer Nordwestpassage sollen auch noch geomagnetische Messungen und meteorologische Beobachtungen gemacht werden, wenn sie schon unterwegs sind. Auch ein Naturkundler ist deshalb an Bord und jedes der beiden Schiffe hat auch eine eigene Bibliothek. Ich weiß nicht, ob das das Schiff auch hatte, was ihr angucken konntet.

Mehr als 1000 Bücher hatten die da an Bord. Vorräte für drei Jahre. Darunter sind zum Beispiel 62 Tonnen Mehl, 4200 Liter Zitronensaft. Wir erinnern uns an die Skorbut-Folge, warum der wichtig ist. Und als neueste Errungenschaft auch 8000 Konservendosen mit eingekochtem Fleisch. Also die waren schon...

Sehr, sehr gut ausgestattet. Die Crew hat da ein absolut gutes Gefühl, als sie starten. Und als die beiden Schiffe jetzt England verlassen, stehen am Hafen auch, wie, ich stelle es mir fast vor, wie bei so einem Raketenstart, ganz viele Menschen, die jubeln, die diese Crew anfeuern. Und alle sind total hyped, dass diese Mission, diese Expedition jetzt beginnt.

Und niemand wird ahnen, dass dieses Winken und Jubeln aber der letzte Abschied für die Crew sein wird. Ja, richtig unheimlich. Übrigens besteht die Crew nur aus Freiwilligen. Also alle haben aus voller Motivation an dieser Expedition teilgenommen. Die Reise beginnt jetzt zunächst ruhig. Die Expedition macht halt in Grönland und nimmt weitere Vorräte auf und in der Zeit verfasst der dritte Offizier der Expedition noch folgende Nachricht.

Wir sind sehr glücklich und sehr stolz auf Sir John Franklin. Er gewinnt noch, je näher wir ihn kennenlernen. Also alle voll des Lobes und alle sind glücklich und zufrieden, wie es bisher gelaufen ist. Danach fahren die Schiffe Richtung kanadische Arktis und im Juli 1845 sehen Walfänger die Erebus und die Terror zum allerletzten Mal in der Baffin Bay.

Danach verschwinden sie spurlos. Es gibt keine Briefe, keine Nachrichten, nichts. Einfach weg. Das ist gruselig. Ja, am Anfang machen sich da aber noch nicht sofort Menschen Sorgen, weil es ist auch normal, dass so große Reisen mehrere Jahre dauern. Also damit hat man irgendwie gerechnet. Doch es bleibt einfach still und diese Stille wird langsam richtig unheimlich.

Vor allem eine, die macht sich jetzt ganz besonders große Sorgen und zwar die Ehefrau von John, Jane Franklin und sie drängt die britische Regierung jetzt dazu, bitte endlich Suchtrupps loszuschicken. Die sagt, ihr müsst da jetzt mal bitte nachgucken. Das ist zu lange schon still. Und diese Suche entwickelt sich dann aber selbst zu einer riesigen Geschichte.

Denn immer mehr Expeditionen fahren jetzt hinterher, fahren in die Arktis und versuchen irgendwelche Hinweise zu finden. Aber jeder dieser Suchtrupps macht ja wie eine kleine eigene Expedition. Ja, total. Genau, und nimmt auch wieder Gefahr auf sich. Und 1850 entdecken Suchtrupps dann auf Beachy Island drei Gräber von Crewmitgliedern.

Und das ist der erste echte Hinweis darauf, was passiert sein könnte. Die Männer sterben offenbar schon während des ersten Winters, in dem sie da unterwegs sind. Trotzdem wirken die Gräber irgendwie ordentlich und sorgfältig angelegt. Und das deutet darauf hin, dass die Crew zu diesem Zeitpunkt zumindest irgendwie noch Hoffnung hatte und auch noch Kraft, überhaupt diese Gräber anzulegen.

Also das sieht eigentlich ganz gut aus. Und das ist halt der allererste Hinweis. Jahre später können Forschende die Leichen noch ein bisschen genauer untersuchen und dabei stoßen sie jetzt auf neue Hinweise und zwar die Hinweise, dass die Männer vielleicht an Krankheiten gestorben sind, genauer genommen an Bleivergiftungen.

Und das führt sie zu einer neuen Theorie, denn ihr erinnert euch, die Expedition hatte ja sehr viele Konservendosen an Bord. Das war damals was, man hat sich total gefreut, dass man die hatte, denn das war noch eine ganz neue Erfindung. Und manche Historiker glauben heute, dass das schlecht verarbeitete Blei aus den Dosen die Männer langsam vergiftet haben könnte.

Also das könnte die Gesundheit und sogar dann ihre Entscheidungen auch beeinflusst haben, diese weinsame Vergiftung. Ja, also genau, wenn man dann halt schon nicht mehr ganz so bei sich war und die haben das ja alle gegessen, dass es dann vielleicht irgendwie dazu geführt hat, dass eben falsche Entscheidungen getroffen wurden.

Ja, richtig gruselig. Und der entscheidende Fund kommt aber erst 1859. Auf King William Island entdeckt ein Suchtrupp eine Nachricht in einem Steinhügel und diese Nachricht verändert plötzlich alles. Denn darin steht, dass die Schiffe schon seit 1846 im Eis feststecken, zwei ganze Winter lang. Außerdem erfährt man, dass John bereits 1847 stirbt und mit dieser Nachricht zeichnen sich so langsam die Geschehnisse der Expedition ab.

Endlich, endlich hat man da irgendwie so ein... Hinweis, wie das Ganze abgelaufen sein könnte. Und wir können diesen Ablauf jetzt mal versuchen nachzuzeichnen. Also am Anfang verläuft die Reise zunächst gut. Dann wird sie aber von den wachsenden Eismassen gestoppt. John dreht nach Süden um, umrundet Cornwallis Island und überwintert auf Beachy Island.

Hier sterben drei seiner Leute. Danach fährt schon vermutlich nach Südwest in den Peel Sound, von dort aus nach Süden. Im Herbst 1846, 20 Seemeilen lördlich von Cape Felix, geraten die Schiffe dann ins Packeis und wahrscheinlich hacken die Männer sie wieder frei, sägen das Eis auf, kämpfen gegen die Naturgewalt, aber frieren trotzdem ein.

Und dabei haben sie noch Glück, dass die Schiffe an dieser Stelle noch nicht zerbersten, aber das ist schon ein absolut kritischer Punkt. Ja, auf jeden Fall und das ist eigentlich auch so der Endpunkt dieser Expedition, das wissen sie natürlich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Ich finde das einfach so eine krasse Vorstellung, dass du dann da feststeckst und ja dein Fortbewegungsmittel einfach nicht mehr funktioniert und du da gefangen bist, aber trotzdem halt noch am Leben und….

Du weißt, deine Vorräte gehen zu Ende, also richtig schrecklich. Sie überwintern dann ein zweites Mal, aber auch im Sommer 1847 tauen die Eismassen nicht auf. In diesem Sommer stirbt John dann und es muss ein drittes Mal im Eis überwintert werden. Das heißt, wir sind jetzt schon im dritten Jahr. An der gleichen Stelle einfach.

Genau, ja. Und was das jetzt heißt, ist kaum zu beschreiben. Also Dunkelheit, klirrende Kälte, kein Zeitgefühl, Todesangst. Die stecken da fest, wissen nicht, ob sie jemals da rauskommen. Und diese Eismassen schieben die Schiffe wohl so 30 Seemeilen nach Südwest. Sie sind nur noch zwölf Seemeilen von der Nordwestküste von King Williams Land entfernt.

Und dann treffen die geschwächten Seeleute eine ganz krasse Entscheidung am 22. April 1858. verlassen sie wohl zu Fuß die Schiffe. Und jetzt beginnt der Albtraum erst so richtig. Mehr als 100 Seeleute ziehen zu Fuß, man muss das nochmal sagen, durch die Arktis. Und das drei Jahre, nachdem sie sozusagen noch da fest, also die haben ja schon drei Jahre da festgesteckt, sind schon total geschwächt.

Sie schleppen jetzt Boote und Vorräte über das Eis und hoffen, irgendwie das kanadische Festland zu erreichen. Aber die Bedingungen sind wirklich brutal. Jetzt haben sie auch nicht mehr den Schutz ihrer Schiffe. Die Temperaturen sind weit unter 0 Grad. Hunger, Krankheiten und völlige Erschöpfung begleiten sie auf diesem Weg.

Aber das ist quasi der letzte Rettungsanker. Den sie sich erhoffen, dass sie da irgendwie noch mal rauskommen. Ja, aber ihr müsst euch vorstellen, die sind da jetzt unterwegs, egal, wo sie hingucken. Sie sehen quasi endlos Eisflächen. Sie haben natürlich nur noch kaum Nahrung dabei. Es ist dunkel. Viele Männer sind wahrscheinlich schon eigentlich viel zu schwach zum Laufen, weil sie ja schon länger da nur ausgeharrt haben, die sich kaum bewegen konnten, kein Essen hatten.

Inuit berichten später europäischen Seeleuten, dass sie diese Männer halt total orientierungslos durch die Gegend ziehen sehen haben, die schon aussahen, jetzt würden sie kurz vorm Zusammenbruch stehen. Einige sind dann auch zusammengebrochen, sterben einfach mitten im Schnee. Heute weiß man, dass King William's Land eine Insel ist.

Das heißt, hätte John versucht, östlich an ihr vorbeizusegeln, wäre er aus dem Eis freigekommen, denn auf dieser Seite taut es im Sommer regelmäßig. Heute weiß man auch, dass genau dort die Nordwestpassage verläuft. Weiß man halt leider erst heute. Sie hatten keine Ahnung davon zu dem Zeitpunkt, leider. Und so nahm die größte Tragödie, die sich je auf einer Polarfahrt ereignet hat, ihren Lauf.

Dann tauchen noch viel düstere Hinweise auf. Forscher finden später Knochen mit Schnittspuren. Und das deutet darauf hin, dass die Männer in ihrer Verzweiflung Kannibalismus betreiben. Und für die damalige britische Gesellschaft ist das wirklich ein riesiger Schock. Das ist ja auch grauenhaft. Viele wollen diese Berichte erstmal auch gar nicht glauben.

Aber moderne Untersuchungen bestätigen diese Theorie und bestätigen, dass diese Hinweise wahrscheinlich stimmen. Und das macht nochmal bewusst, in was für einer krassen Ausnahme und Notsituation diese Männer da waren. Also über Jahre. Also... Und es ist auch interessant, welche Rolle die Inuit dabei spielen, denn sie erzählen den Suchtrops schon früh, dass sie verhungerte Männer und verlassene Schiffe gesehen haben.

Lange Zeit ignorieren die britischen Forscher diese Berichte aber oder halten sie für übertrieben. Heute weiß man, dass viele Aussagen der Inuit erstaunlich präzise waren und ohne ihr Wissen wären viele Hinweise wahrscheinlich niemals entdeckt worden. Ja, also da gab es so viele Vorurteile den Inuit gegenüber, dass denen einfach nicht geglaubt wurde.

Einfach ignoriert wurde, wo ich mir auch denke, hä, da sind doch Leute, die das überlebt haben. Also wie kann man das denn ignorieren? Aber gut, das war einfach eine andere Zeit. Ja, und trotzdem bleibt das jetzt alles ein riesengroßes, seit Jahrzehnten ungelöstes Rätsel. Denn eine Frage stellt sich immer wieder, wo sind eigentlich die beiden Schiffe?

Viele glauben irgendwann, dass sie für immer verschwunden bleiben. Doch dann passiert etwas Unglaubliches. Im Jahr 2014, also noch gar nicht lange her, entdeckt ein kanadisches Forschungsteam die HMS Erebus auf dem Meeresgrund und zwei Jahre später findet man auch die HMS Terror. Sie sind also aufgetaucht, aber eben gesunken.

Boah, das stelle ich mir auch so krass vor, wenn du das dann entdeckst. Also das ist ja nochmal eine eigene Forschung für sich, also da dann das Wrack zu inspizieren. Ja, und ich finde noch krasser ist eigentlich, dass das noch erstaunlich gut erhalten ist. Also scheinbar hat das kalte Wasser die Gegenstände an Bord sehr gut konserviert, denn die Forschenden finden da noch Geschirr, Werkzeug, Kleidung.

Persönliche Gegenstände auch, die die Crew dabei hatte. Und manche Räume an Bord, die wirken eigentlich noch so, als hätte die Besatzung da erst, als wären die erst vor kurzem ausgezogen. Also man kann da wirklich noch ganz viel vom Schiff sich angucken und kann die so richtig begehen und da Spuren von dieser Crew und der Expedition finden und das sorgt dann natürlich weltweit nochmal für fette Schlagzeilen.

Ja, das finde ich, also, oh, gibt mir wirklich so einen kalten Schauer. Die Forschung um diese Expedition geht bis heute weiter. Wissenschaftler analysieren Knochen, Tagebücher und DNA-Spuren und immer wieder tauchen neue Hinweise auf, die das Schicksal dieser Expedition besser erklären. Trotzdem bleiben weiterhin viele Fragen offen.

Zum Beispiel, warum sitzen die Schiffe so lange fest? Warum verlassen die Männer ihre wahrscheinlich sichersten Zufluchtsorte dann irgendwann? Also was gibt da den Ausschlag? Und wie genau stirbt überhaupt John Franklin und seine Crew? Also was hat da noch eine Rolle gespielt? Es gab ja zum Beispiel auch diese Theorie mit der Bleivergiftung, wo noch nicht ganz abschließend geklärt ist, ob das tatsächlich dazu geführt hat.

Aber ja, also auf jeden Fall eine unheimliche und spannende Geschichte, wenn man das so nennen darf. Und vielleicht ist sie genau deswegen bis heute so faszinierend, weil sie einfach Abenteuer mit Hoffnung verbindet, mit Katastrophe auch. Und die Männer eigentlich ja aufbrechen, um Ruhm und Entdeckung zu finden und dann komplett verschwinden in so einer lebensfeindlichen Welt aus Eis.

Und es zeigt irgendwie auch so ein bisschen, trotz modernster Technik schützend. Also die Natur ist halt... Und erbarmungslos, also da kannst du dann noch so ein gut ausgestattetes Schiff haben. Mit Heizsystem, ja. Ja, und die Arktis ist dann am Ende stärker als Planung, Erfahrung und Ehrgeiz. Und deswegen hat es auch den großen John Franklin das Leben gekostet.

Genau deshalb bleibt eben diese Geschichte bis heute so unheimlich und spannend zugleich. Ich muss sagen, mir ist jetzt frösterlich, obwohl irgendwie gerade die Sonne durch die Wolken gekommen ist. Also ich finde das irre, was diese Menschen auch schon bis dahin geschafft und überstanden haben. Und ja, habe diese Geschichte gerne gelesen, aber es hat mir auch ein ungutes Gefühl verschafft.

Total, aber auch gut, dass wir hier, also an diesem Science-Samstag soll es in Köln 30 Grad werden, dass wir an so einem Tag über das ewige Eis sprechen. Genau, vielleicht, ja, genau, gibt das euch dann wieder warme Gedanken, dass es draußen tatsächlich warm ist. Genau, also jetzt dann vielleicht raus in die Sonne mit dieser spannenden Geschichte.

Ihr könnt gerne mal teilen, ob es noch andere so Expeditionsgeschichten gibt, die euch interessieren. Vielleicht haben wir da ja noch mal ein paar Gute, die wir euch hier erzählen können. Ich hatte Lust, mit euch auf Expedition zu gehen. Also das ist wirklich wissenschaftliche Arbeit. 5.0, finde ich, wenn man da auch noch sein Leben so riskiert.

Hut ab, es gibt ja auch viele Menschen, die heute noch so extreme Expeditionen unternehmen. Wobei natürlich die Technik und die Voraussetzungen Aber es ist immer noch Abenteuer pur. Ja.

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