Behind Science

Maryam Mirzakhani: Mach dein Ding!

Samstag, 16. Mai 2026 · 28 min

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Shownotes

Sie ist in der Schule in allem gut – außer in Mathematik. Da hat sie kein Talent, meint ihr Lehrer. Aber er wird sich noch wundern! Denn bald ist Maryam Mirzakhani die erste Frau im iranischen Team der Mathe-Olympiade, und ab da ist kein Mathe-Titel mehr vor ihr sicher.

Bei "Geschichten aus der Mathematik" (open.spotify.com/episode/0aeAWZaUcZS3WwjTbRqrB…) erfahrt ihr ab Minute 13, was Maryams Mathematik mit Donuts und Chips zu tun hat.

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Schönen Science-Samstag und heute an diesem Science-Samstag. Hallo und ganz liebe Grüße an Carina, denn von Carina haben wir schon vor längerer Zeit wirklich. Ja, ist schon sehr lange her. Es ist sehr lange her und es ist eine sehr lange liebe Nachricht, die wir von ihr bekommen haben und davon möchten wir euch jetzt in dieser Folge unbedingt mal erzählen.

Ja, irgendwie haben wir die hier nie so richtig eingebaut, obwohl wir das total gefühlt haben und auch danach uns darüber noch ausgetauscht haben, aber zu dieser Geschichte passt das irgendwie auch. Ja, ganz gut und deswegen, ja, genau, genau und aber auch was sie inhaltlich so schreibt, passt irgendwie ganz gut, also wir haben uns jetzt auch entschieden, die Mail mal in voller Länge vorzulesen.

Liebes Team von BehindScience, ich möchte euch ein großes Lob aussprechen. Ich höre euren Podcast erst seit geraumer Zeit, aber seitdem sehr regelmäßig. Vielen Dank erstmal. Ich mag es sehr, dass ihr die Menschen hinter der wissenschaftlichen Erkenntnis vorstellt. Das ist super spannend und öffnet den Blick.

Das finden wir immer besonders gut, wenn das passiert. Ich mag auch sehr euren persönlichen Touch, dass ihr von euch selbst erzählt und so weiter. Das macht den Podcast so angenehm anzuhören. Soweit, so gut. Gut, dass du das sagst, Carina. Zum Lob hier an uns. Danke dafür schon mal. Und jetzt appelliert sie aber auch ein bisschen an uns. Sie schreibt nämlich, es gibt eine Sache, die ich gerne anmerken möchte.

Ihr sprecht immer wieder davon, dass die ProtagonistInnen eures Podcasts Talente beziehungsweise Begabungen hatten. Euch selbst sprecht ihr dagegen Talente und Begabungen in bestimmten Bereichen ab. Also sie schreibt dann in Klammer noch, ich habe jetzt kein Beispiel. Aber ich glaube, wir könnten zum Beispiel beide mal das Beispiel Mathe nennen, das wir hier öfter erwähnen, wo wir sagen, da haben wir wirklich nicht so das Talent oder das, da waren wir einfach nie so gut drin.

Und jetzt kommt Carinas Mail weiter. Daher möchte ich euch das Buch Das neue Lernen von Jo Bola ans Herz legen. Sie erklärt wissenschaftlich fundiert, dass es Talente und Begabungen nicht gibt. Jeder kann alles lernen und die Menschen, die wir heute als Genies kennen, haben ihre Leistung in erster Linie aufgrund erheblichen Einsatzes erreicht.

Das ist richtig schön. Ich meine, wir haben schon mal ein paar Folgen dazu gemacht, dass man nie auslernt und dass man immer…. Nochmal neue Sachen auch in hohem Alter lernen kann. Genau, und dass man auch vorsichtig sein sollte mit diesem Begriff Genie, ne? Ja, genau. Ja, voll. Aber es stimmt, dass wir manchmal vielleicht dann zu bescheiden sind oder uns irgendwie so verstecken, obwohl wir es nicht müssten.

Und ich glaube, das gilt jetzt vielleicht nicht nur für uns, sondern auch für sehr viele andere Menschen, die sich dann so verstecken. Und sie schreibt aber jetzt weiter, dass Jugendliche dies erfahren, ist mir so wichtig, denn auch sie geben viel zu häufig das Lernen bestimmter Themen auf. Unter der Annahme, sie hätten keine Begabung und auch Eltern und Lehrkräfte wäre geholfen, wenn sie nicht von lernhinderlichen Annahmen wie Talenten und so weiter ausgingen.

Finde ich witzig, weil man denkt ja immer Talent wäre was Positives oder wenn man sagt, der hat so ein Talent dafür, ist es natürlich auch, es gibt sicherlich Leute, die Dinge leicht fallen, aber damit spricht man quasi anderen Leuten ja ab, diese Sachen auch zu erlernen. Genau. Und sie sind sozusagen schlechter, weil sie erstmal, es ihnen schwerer fällt oder der Weg dahin länger ist.

Ja und jetzt sagt sie, ihr habt das eigentlich schon anklingen lassen in eurer Folge zu Rita Levi Montalcini, aber da ging es schwerpunktmäßig um das Lernen im Alter. Genau, das war die Folge, die ich gerade angesprochen habe. Vielleicht würde es sich anbieten, eine Folge über Mariam Mirzakhani zu machen, die ich in dem Podcast Geschichten aus der Mathematik, Grüße an die Kollegen, kennengelernt habe und der gesagt wurde, sie habe kein Talent für Mathematik.

Dabei hatte sie eben nur einen ganz anderen Zugang zu ihr und hat dann Herausragendes geleistet. Ich würde mich riesig freuen, wenn ihr eure Reichweite nutzen würdet, Kindern und Jugendlichen, die euch hören und eigentlich allen Hörern ein flexibleres Mindset zu vermitteln. Das Potenzial ist so riesengroß und verkümmert leider unter starren Annahmen.

Ich freue mich auf viele weitere schöne Folgen. Wow. So eine schöne Mail. Also das hat uns wirklich bewegt, weil wir... Echt auch noch viel darüber gesprochen haben, ja, wie unsere Haltung so zu uns ist, ne, also wie wir uns selbst irgendwie auch manchmal sehen oder verkaufen oder so und ich weiß, dass meine Mutter mir manchmal auch spiegelt, so, ne, jetzt sag doch nicht immer, dass du das nicht kannst oder so, also damit macht man es sich ja auch irgendwie so ein bisschen einfach, also wenn man sagt, man hat einfach kein Talent, dann.

Sag mal im gleichen Zuge, lohnt sich nicht dafür zu lernen oder das noch weiter zu probieren. Ich sage auch jetzt in Bezug auf Mathe in meiner Familie oft, ich bin die Einzige, die dieses Mathe-Gen einfach nicht hat. Ja, Mathe-Gen, total. Ja, total, das ist bei uns in der Familie auch total. Die eine Seite auch ständig, ja, wir können halt einfach kein Mathe, ist einfach so.

Ist so gesetzt. Carina, danke, dass du uns noch mal motiviert hast und ein bisschen hier ins Gewissen geredet hast. Damit hier kein Potenzial verkümmert, wie du es schreibst, das wünschen wir uns natürlich nicht. Und deswegen erzählen wir diese Geschichte heute sehr, sehr gerne, die du dir gewünscht hast.

Damit euch hier weiterhin jede Folge, jede Geschichte aus der Wissenschaft, die wir erzählen, hoffentlich bestärkt und inspiriert. Damit ihr alle das Gefühl bekommt, dass Wissenschaft mit eurem Leben was zu tun hat. und dass es was für euch ist. Ja, ihr wisst schon, um wen es geht, aber noch einmal, wir sprechen heute über Mariam Mirzakhani und die Entdeckung ihrer Leidenschaft für Mathematik.

Behind Science – Geschichten aus der Wissenschaft Mit Marie Eickhoff und Luisa Pfeifenschneider Für diese Geschichte reisen wir in den Iran. Mariam ist in Teheran geboren, 1977, also vor 49 Jahren und zwei Jahre später übernimmt da das Mullah-Regime. Der Iran ist also ganz frisch Islamische Republik zu der Zeit und, Und Mariam wächst während des Krieges auf. Er endet, als sie in der Schule ist.

Das heißt, so als Teenagerin verändert sich auch im Land ganz viel. Es stabilisiert sich so vom Gefühl her. Was ihr auf jeden Fall zugutekommt, sagt sie auch später. Und was sie aber zu der Zeit interessiert als Kind, das sind vor allem Geschichten. Also sie liebt Romane, sie liebt Lesen. Sie hat so ganz viel Fantasie und irgendwie lustig in Geschichten zu graben. Ihr Vater, Ahmad, ist Elektroingenieur und ihre Mutter, die heißt Sacha.

Wahrscheinlich sprechen wir die damit nicht ganz richtig aus, aber wir geben uns große Mühe. Ihr dürft uns gerne immer korrigieren. Was die gemacht hat, weiß man nicht, aber das ist so ein bisschen das Setting, in dem Mariam aufwächst. Was ich auch an dieser Geschichte mag, ist, dass man häufig diese Vorstellung hat, dass so Geisteswissenschaften, das ist jetzt mal im übertragenen Sinne, also so eine Fantasie für Geschichten und so dieses Fiktive sich widerspricht mit dem Technischen und sie eigentlich zeigt, dass ja auch zu Mathematik total viel Kreativität gehört.

Also ja, ganz viele Facetten, diese Geschichte. Und Mariam hat noch zwei Geschwister und möchte zu dem Zeitpunkt am liebsten Schriftstellerin werden. Das hatte ich auch den Wunsch als Kind. Wobei, das kann man ja nie aufgeben, also muss man ja nicht aufgeben. Und sie kommt dann nach der Grundschule, weil sie sehr gut in der Schule ist, auf eine Mädchenschule für besonders begabte Schülerinnen.

Sie ist wirklich in allen Fächern sehr, sehr gut. Außer, dreimal dürft ihr raten, in Mathe. Und ihr Lehrer sagt sogar, dass sie überhaupt nicht talentiert in Mathe sei. Hier, Grüße an Carina. Und ja, sie hätte mal da ins Zwiegespräch mit diesem Lehrer gehen können. Aber dann wechselt der Lehrer und beim nächsten Lehrer, der dann da an die Schule kommt, Surprise, wird sie plötzlich super gut.

Ich weiß nicht, ob wir das hier schon mal besprochen haben, aber ich hatte einen wirklich für mich sehr, sehr schlimmen Mathelehrer in der Grundschule und ich bin eigentlich der Überzeugung, dass der mir das Mathe versaut hat. Also das war ganz mit so Angst, irgendwie ist ja da schon in die Klasse gekommen und war immer schon so, ja die, die und die sind gut und die anderen nicht und so.

Also ganz blöder Start in dieser Schuhe. Ich erinnere mich auch noch an die Grundschule, ich erinnere mich noch an so einzelne Sprüche der Mathelehrerin, denn als wir hier einmal eins auswendig lernen mussten, das war ja auch meine persönliche Hölle und dann wurde sie ja immer abgefragt. Und dann hat die immer, wenn man es falsch hatte, hat die immer gesagt, nein, kleines Mädchen. Was?

Was bitte? Und das ist so, ich habe mir keine Gedanken gemacht über diesen Spruch, aber jetzt im Nachhinein denke ich mir auch, warum hat sie uns kleine Mädchen genannt? Und hat sie auch gesagt, nein, kleiner Junge, wenn es ein Junge nicht wusste? Das hat sich bei mir jetzt nicht so eingeprägt. Sarah, was ist das denn? Also ich glaube, es war liebevoll gemeint vielleicht sogar, aber es war irgendwie komisch. Das ist schräg.

Und ich hatte dann aber später auf dem Gymnasium auch einmal so zwei Jahre eine Mathelehrer, da hat es mir einfach nur Spaß gemacht und auf einmal hatte ich dann eine Eins. Ja, hatte ich auch. Und bei anderen dann eine Fünf. Also so, ja, echt verrückt. Ganz so weit auseinander lag es bei mir nicht, aber trotzdem, genau, und ich hatte auch einmal in der weiterführenden Schule einen ganz tollen, der hat da glaube ich noch Referendarreat gemacht oder so, der war super motiviert und ganz, ganz toll, aber trotzdem konnte er mir diese Angst nicht nehmen, die ich da in der Grundschule vermittelt bekomme. Habe ich das hier noch nie erzählt?

Grundgefühl, ich kann das nicht, ne? Ja, genau, ja. Und da hast du ja schon so eine Blockade im Kopf, wenn du mal was dann nicht verstehst direkt, weil du immer so denkst, okay, ich kann das eh nicht und jetzt verstehe ich auch diesen konkreten Fall sozusagen nicht. Und dann weiter zu probieren, puh, ja. Also ich fühle, oder wir beide fühlen hier Mariam sehr, dass das sehr viel auslösen kann.

Dass sie jetzt gerade in dieser Phase ist, dass sie da einen Lehrer bekommt, wo es ihr plötzlich Spaß macht und sie richtig gut ist. Das ist ein sehr guter Moment. Und dann wisst ihr ja schon über sie, dass sie Geschichten liebt. Damit ist sie immer zu kriegen. Und ihr älterer Bruder, der erzählt ihr dann irgendwann die Geschichte von Karl Friedrich Gauss, einem deutschen Mathematiker.

Und diese Geschichte, die catcht sie total. Denn Gauss hat damals schon als Schüler einen Lösungssatz entdeckt. Und ja, das ist jetzt irgendwie was, das bleibt bei Mariam auf jeden Fall im Kopf kleben, dass der das so als Schüler schon geschafft hat und ihr macht es gerade einfach auch total Spaß. Sie macht da auch nicht mehr nur die nötigsten Hausaufgaben in Mathe, nee, sie macht das jetzt einfach auch in ihrer Freizeit.

Sie löst da so ein paar Rätsel, sie sagt später, just because of the challenge hat sie es gemacht, I enjoyed it. Oh, wie schön. Wie schön, ja. Das ist toll. So wie andere irgendwie Sudoku oder Kreuzworträtsel lösen, macht sie dann halt so Mathe-Rätsel. Sie hat es genossen. Richtig cool. Schön. Und ja, es macht ihr so viel Spaß, dass sie mit ihrer besten Freundin Roja zusammen eine Mathe-AG gründet.

Die zwei haben nur ein Ziel, sie wollen an der berühmten Mathe-Olympiade teilnehmen. Zur Orientierung, der Iran hat bis jetzt immer nur rein männliche Teams zu dieser Olympiade geschickt. Das ist also ein ziemlich großes Ziel und das hält sie halt auch nicht ab. Also obwohl sie wissen, bisher waren da nur Männer, gehen sie so völlig unvoreingenommen da rein und sagen so, ey, es geht ja ums Mathe-Talent und nicht ums Geschlecht.

Also warum sollten wir nicht dabei sein? Aber sie wissen halt, sie müssen üben und deswegen die Mathe-AG. Ja, cool. Einfach so als Schülerin gründen sie das selber. Ja, finde ich super motiviert. Wobei ich so gedacht habe, so ein Mathe-Test, wo man so richtig, also so ein Wettbewerb, dass die sich so richtig jetzt auf so einen Mathe-Wettbewerb vorbereiten, schon richtig cool.

Also ich war schon immer, es gab ja einmal ein Jahr diesen Känguru-Test. Ja, habe ich auch teilgenommen. Da bin ich sogar mal eine Runde weitergekommen, aber auch dann voller Fragezeichen. Also dann bin ich da weitergekommen und ich war so, nein, das muss ein Fehler sein. Es kann doch nicht sein, dass ich weitergekommen bin. Obwohl ich doch gar kein Talent habe. Ja, die hier beim Eckenrechnen fast einen Heulkrampf bekommen hat.

Aber dann die nächste Runde auch nicht mehr. Ich fand die Sachen auch echt schwer, muss ich sagen. Ja, wobei ich hatte da jedes Mal auch irgendwie Hoffnung. Ich dachte, also manchmal hatte ich so dieses Gefühl... Jetzt wird sich zeigen, dass ich es doch kann. Okay, das ist ja... Aber irgendwie diese Chance, noch mal losgelöst von den Strukturen der Klasse, die man sonst hatte, irgendwie einfach noch mal da ein bisschen so ein Rätsel zu lösen, hat Spaß gemacht.

Ja, voll. Genau, das waren ja wirklich auch so Rätsel. Das waren ja jetzt nicht so ganz klassische Rechenaufgaben, glaube ich. Ja, genau. Erinnere ich mich. Richtig. Ja, und auch Mariam und Roja, die sind jetzt einfach total angefixt und wissen, sie wollen bei dieser Mathe-Olympiade mitmachen. Die ist in dem Jahr in Hongkong und sie werden es schaffen.

Sie sind dabei 1994 beim iranischen Team als die ersten zwei Mädchen. Also können wir wirklich sagen, weil sie sind noch jung. Mariam ist gerade mal 17 Jahre alt und sie werden da sowas von abliefern, denn Mariam holt einfach direkt 41 von 42 Punkten, die du kriegen kannst. Und das ist also, nur noch mal zu Dimensionen, so durchschnittlich haben die Leute da so 15 Punkte.

Wenn du 20 bis 25 hast, bist du schon überdurchschnittlich gut. Und sie holt da einfach direkt 41 Punkte, das ist so krass. Wahnsinn, einfach mal doppelt so viele wie quasi schon der Gute, die über dem Schnitt sind. Das finde ich so toll und ich möchte, dass diese Geschichte irgendwie, oder vielleicht wurde sie auch schon, aber verfilmt wird.

Das klingt ja wie die maximale Hollywood-Geschichte, das ist so cool. Es gibt eine Dokumentation, ja, aber nochmal als richtig coole Geschichte. Ja, wirklich. Also falls ihr da an den richtigen Stellen sitzt, setzt das doch mal um. So, und im Jahr drauf kann sie sich dann sogar noch selbst toppen und erreicht die volle Punktzahl.

42, die Antwort auf alles. Ich weiß nicht, ob sie das damit beabsichtigt haben. Da ist die Mathe-Olympiade in Toronto, also auch cool, wo sie da hingeführt wird durch dieses Interesse an Mathe. Jetzt hätte ich fast schon gesagt, durch dieses Mathe-Talent. Man muss sich da jetzt mal selber beobachten. Also ja, ein riesen, riesen, riesen Erfolg und daran beteiligt ist wohl auch ihre Schuldirektorin.

Die hat damals gesagt, wenn du etwas wirklich willst, kannst du es schaffen, auch wenn du die Erste bist. Was für ein cooler und empowernder Satz von der Schuldirektorin. Oh mein Gott, ich wünsche allen so eine Schuldirektorin oder eine Freundin oder eine Bekannte, die sowas sagt. Ja, richtig schön. Richtig toll. Nach der Schule studiert, also Mariam ist ja jetzt schon 18 gewesen.

Das heißt sie ist jetzt weit von der Schule runter, aber es geht direkt weiter mit Mathe. Jetzt studiert sie das an der Scharif-Universität in Teheran und nach dem Bachelor zieht sie um in die USA. Da macht sie jetzt ihre Doktorarbeit in Harvard und am Anfang versteht sie da noch nicht viel, ist ja jetzt auch eine andere Sprache und so.

Aber sie fängt einfach an, direkt ihren Doktorvater alles zu fragen, was ihr in den Kopf kommt und macht sich dann so für sich Notizen, macht auch Notizen, dann erfahr sie, damit sie sich das besser merken kann und sie fragt einfach so lange, bis sie es checkt. Ja, auch das, viele Fragen stellen einfach. Immer lohnenswert.

Und ihr Doktorvater bemerkt auch sofort, das sind so andere und so ungewöhnliche Fragen mit einer ganz anderen Vorstellungskraft, mit einer ganz anderen Fantasie. Also als wäre sie dabei in einer richtigen Science-Fiction-Welt unterwegs. Also sie stellt sich richtig so Szenarien vor, fragt nach Details, zu denen auch er tatsächlich nichts sagen und antworten kann.

Und er muss immer wieder sagen, weiß ich nicht. Und das von seinem Professor, also ich glaube, wir haben das hier schon mal besprochen. In der Schule war es ja so, wenn jemand eine Frage gestellt hat, dachten alle so, oh, das hat er wieder nicht zugehört. Wieso fragt er das denn jetzt? Und wenn in der Uni jemand eine Frage gestellt hat, war man so, oh mein Gott, er hat so viel verstanden oder sie, dass die eine Frage stellen kann.

Also wow, da war man richtig beeindruckt. Also er findet das total faszinierend und nicht irgendwie nervig oder... Tut das jetzt nicht irgendwie als Zeitverschwendung ab, sondern ist da voller Hochachtung. Und ich glaube, da kommt ihr wirklich diese Fantasie, die sie vielleicht auch durch ihre Romane da gelernt hat.

Kann man Fantasie lernen? Ja, vielleicht schon. Oder die sie zumindest genährt hat, kommt da richtig zum Tragen dann. Ja, und irgendwie auch schön so diese Perspektive von dem Doktorvater zu haben, so zu wissen, der war davon nicht genervt, sondern der fand das auch total inspirierend und cool, dass sie so viel gefragt hat. Ja, für ihn auch selbst.

Ja, so auch die Perspektive zu wissen, man muss da kein schlechtes Gefühl haben, wenn man mal viel fragt. Selbst wenn die Person nichts mehr sagen kann, er fand das richtig cool. Ja und zu Hause macht Mariam jetzt auch eigentlich nichts anderes mehr, denn sie ist sogar mit einem Mathematiker zusammen, Jan Wondrag, der kommt aus Tschechien nach Harvard, da lernen sie sich kennen, später heiraten sie und haben auch eine Tochter.

Und diese Tochter wird übrigens sehr lange denken, dass Mariam eigentlich Künstlerin ist, weil bei ihm zu Hause wohl immer so viel Papier rumliegt und Mariam da auch oft einfach in so Bergen von Zeug sitzt und alles sortiert und ja man das Gefühl hat, sie ist da irgendwie... Eigentlich eine Künstlerin oder Schriftstellerin oder so. Dabei ist sie damit beschäftigt, mathematische Rätsel zu lösen. Ja, richtig spannend.

Aber vielleicht ist ja Mathematik auch eine Kunstform für sich und im Endeffekt hat sie da Kunst mit Zahlen und Gedanken und mathematischen Rätseln gemacht. Also ja, auch irgendwie spannend, wie dann das eigene Kind sie wahrgenommen hat. Ja und manchmal geht es aber auch einfach wirklich ihr und nur um den Spaß, also es ist weiterhin, sie bleibt diesem Rätsellösen aus Spaß irgendwie treu und sie nimmt sich vor allem so die geometrische Welt vor und arbeitet sich da komplett ein.

Sie beschäftigt sich ganz vereinfacht gesagt mit Kurven, aber auf Gebilden. Also wie viele Kurven können zum Beispiel um die Erde, Spoiler, eine, aber wie viele könnten um Planeten, die ganz anders aussehen. Ich glaube, so eine Art von Mathematik ist so schwierig vorzustellen, dass... Also ja, man kann das jetzt versuchen, hier dann irgendwie darzulegen, aber das ist so komplex und findet oft ja auch nur im Kopf der Person selbst statt.

Ja, ganz, ganz schwierig, das zu erklären jetzt. Aber ihr könnt dafür wirklich gerne nochmal in diesem Podcast Geschichten aus der Mathematik hören, von dem Carina ja auch schon erzählt hatte und den ihr auch schon aus unseren Folgen wahrscheinlich kennt. Manon und Demian, die Hosts dieses Podcasts, waren schon bei uns zu Gast.

Und Manon erklärt als Physikerin immer in diesem Podcast die Mathematik so sehr anschaulich und sie erklärt die Mathematik von Mariam mit Donuts und Chips, also, es ging natürlich dann um andere Sachen, aber das hilft, um es so zu verstehen, also wenn ihr da nochmal eintauchen wollt, werden wir euch die Folge auf jeden Fall verlinken und die Doktorarbeit von Mariam wird am Ende auf jeden Fall 2004 ist das ein echtes Meisterwerk.

Sie beschäftigt sich mit den hyperbolischen Riemannschen Flächen. Also es sind geometrische Flächen und Figuren, die, wie du eben schon gesagt hast, man sich in der realen Welt eigentlich gar nicht vorstellen kann, weil es die auch in der realen Welt nicht gibt. Aber man kann sie eben mit Zahlen beschreiben und das ist ihr Thema, das ist ihre Fachwelt.

Ja, wow. Und in ihrer Doktorarbeit löst sie nebenbei auch noch zwei Forschungsfragen, die andere schon vorher hatten und seit Jahrzehnten nicht lösen konnten. So sorgt sie dann echt in der Szene für sehr viel Aufsehen und ihre Arbeit wird direkt in drei Fachzeitschriften veröffentlicht. Meinst du, sie hat diesen Lehrer vom Anfang nochmal getroffen?

Oder hat sie irgendwie vielleicht in der Zeitung gesehen oder so? Echt wirklich sowas? Das hat er auf jeden Fall. Ich bin froh, dass zum Glück diese Leidenschaft von ihr noch zum Vorschein gekommen. Oh ja, sie wird nämlich jetzt auch nach dieser Doktorarbeit Stipendiatin in Cambridge. Gleichzeitig ist sie noch Juniorprofessorin in New Jersey.

Und dann mit 31 Jahren 2008 bekommt sie an der Stanford University in Kalifornien eine eigene Professur für Mathematik. Wow, was ein Meilenstein, was sie da erreicht hat. Und sie hört auch nie auf, weiter nach Lösungen zu suchen, die eigentlich unmöglich erscheinen. Und dabei kommt es ihr einfach so zugute, dass sie...

Nicht nur so Spaß an Mathe hat, sondern dass sie sich auch nicht einschränkt, immer so fantasievoll ist und auch verschiedene Disziplinen so miteinander verknüpft. Nie verkehrt. Ich glaube, da haben wir hier auch schon häufiger drüber gesprochen. Sie soll mal gesagt haben, ich habe kein bestimmtes Rezept, neue Beweise zu entwickeln.

Es ist wie, wenn ich mich im Dschungel verlaufen hätte. Ich versuche, alles Wissen, das ich zusammenkratzen kann, mit neuen Tricks zu verbinden und mit etwas Glück finde ich einen Weg heraus. Ein bisschen wie die Folge über Juliane Köpke, die wirklich auch aus dem Dschungel nicht raus musste, aber übernehmen musste.

Ja, und so ist das in ihrem Kopf. Also ja, da auch eine kleine Verknüpfung. Und die Fragen, die sie beschäftigen, klingen zwar sehr theoretisch, aber sind dann für die Physik oder Ingenieurwissenschaften zum Beispiel in der Praxis relevant oder zum Beispiel beim Verschlüsseln von Daten. Es gibt auch so eine Forschungsarbeit von ihr, die ist über 200 Seiten lang und sie beschäftigt sich damit, wie man die Bewegung einer Billardkugel berechnen kann.

Also ja, das sind eigentlich schon irgendwie, ich glaube in ihrem Kopf sehr praktische Fragen. Die man nicht immer sehen kann, aber die sie sich dann so vorstellt und die sie löst. Ja, und wer weiß, das ist jetzt vielleicht so quasi das Bild, was sie gesehen hat mit dieser Billardkugel. Aber dann wird das vielleicht in einem ganz anderen Zusammenhang nochmal auch für die Praxis wichtig.

Ja, aber sie wagt sich da wirklich halt an Gedanken, die andere noch nie zu Ende gedacht haben. Und dafür ist sie in Fachkreisen schon lange bekannt. Und sie wird jetzt 2014 auch eine Auszeichnung bekommen, die als die höchste in der Mathematik gilt. Denn es ist eine Medaille, die noch nie eine Frau bekommen hat.

Die Fields-Medaille, ungefähr vergleichbar mit dem Nobelpreis in Mathematik, den es ja gar nicht gibt. Und diese Fields-Medaille wird alle vier Jahre vergeben an Menschen aus der Mathematik, die unter 40 Jahre alt sind. Ja, also eine absolute Sensation, dass sie nach 55 Männern jetzt als erste Frau diese Auszeichnung bekommt.

Sicherlich auch ein Vorbild für viele Frauen, die ja vielleicht daran zweifeln, ob sie das schaffen können, weil sie Frauen sind. Aber sie erzählt noch nicht mal ihren Eltern von diesem Preis. Die erfahren das aus der Zeitung. Und die Laudatio hört sie tatsächlich auch nicht richtig, weil sie die meiste Zeit mit ihrer Tochter beschäftigt ist.

Trotzdem ist sie aus Zeitung. Cool, dass sie die mitgenommen hat zu dieser Verleihung. Richtig schön. Ja, stimmt. Kenne ich aber auch, wenn man irgendwo ist. Und eigentlich, keine Ahnung, auf irgendwelchen Hochzeiten oder Geburtstagen. Und aber eigentlich nur mit, tja, wie auch immer, Spielen und was auch immer beschäftigt ist.

Trotzdem ist die Auszeichnung total wichtig, weil sie auf der ganzen Welt wirklich dadurch Berühmtheit erlangt. Und diese Medaille hat wirklich Strahlkraft. Auch im Iran wird Mariam eine absolute Heldin, kann man echt so sagen. Also weil sie ja wirklich damit weltberühmt wird und natürlich auch... Damit bekannt macht und repräsentiert. Ja, es gibt damals auch einen Tweet vom damaligen Staatspräsidenten Hassan Rouhani, der gratuliert mit zwei Bildern von ihr.

Auf einem trägt sie Kopftuch, auf dem anderen nicht und so kennt man sie eigentlich aus. Ihr habt so eine ganz markante Kurzhaarfrisur und das macht aber so direkt so eine ganz große Debatte nochmal auch auf, dass Leute dann auch ihr drohen, boah, wenn du zurückkommst in den Iran, wir werden dich sofort verhaften, wenn du hier das Land wieder betrittst.

Und so weit kommt es aber auch gar nicht mehr. Sie wird nicht wieder zurückgehen in den Iran, denn während sie diese Auszeichnungen verdienen bekommt, die Fields-Medaille, weiß sie schon, dass sie Brustkrebs hat. Und drei Jahre später, da ist sie erst 40 Jahre alt, stirbt sie daran. Aber sie ist bis heute ein Vorbild für Frauen auf der ganzen Welt, was weiterlebt in den Gedanken vieler Menschen.

Vor allem als Mathematikerin, aber auch als eine Frau, die bewiesen hat, du kannst alles schaffen, was du möchtest, was dir Spaß macht und was so vielleicht noch niemand vor dir gemacht hat. Und ich glaube, mit dem Satz können wir sie ja wirklich ganz gut in Erinnerung behalten. Und wir haben eine Überraschung für euch, denn wir werden euch schon am Mittwoch jemand vorstellen, einen viel jüngeren Menschen in einem Spezial, der aber was sehr ähnliches vermittelt mit dem, was er so tut.

Und ich glaube, das wird eine Folge, die sich hier ganz gut anschließt. Da freue ich mich sehr drauf. Du hast das Gespräch geführt. Also auch für mich eine kleine Überraschung. Wir konnten es also am Mittwoch schon hören. Ansonsten hören wir uns natürlich wie immer am nächsten Science-Samstag. Bis dahin, macht's euch schön und tschüss. Tschüss.

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