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Shownotes
Auf dem Rückflug von ihrem Abschlussball, beginnt für Juliane Koepcke plötzlich der freie Fall – 3000 Meter überm Regenwald. Sie stützt in den Urwald, in dem sie sich zum Glück gut auskennt. Aber wieviele Tage kann man alleine im Urwald überleben?
Nach dieser Folge empfehlen wir die Spezialfolgen mit Tierisch (open.spotify.com/episode/1OCrIbMukVBXaZ8BrfbZ0…) oder Ralph Caspers (open.spotify.com/episode/1cJKkZ2CjzEge5kzRiU8I…).
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Schön sein Samstag und es ist draußen grün. Ja, es ist ganz schön grün, das passt sehr gut zu unserer Folge, man guckt so richtig in die Blätterdächer und das ist ganz eng mit dem verknüpft, wo wir euch heute hinnehmen mit. Wir finden das sehr schön jetzt gerade, wobei ich es auch immer wieder dann faszinierend finde, wie sich der Blick auf einmal verändert, wenn alles so grün ist, was du dann auf einmal nicht mehr sehen kannst.
Wo du so im Winter durchgucken konntest und auf einmal hast du so eine ganz neue Perspektive. Aber wir werden hier heute über ein ganz besonderes Blätterdach sprechen und zwar eins, was die Frau, über die wir heute sprechen, von oben gesehen hat und was ihr vielleicht das Leben gerettet hat. Wir sprechen heute über Juliane Köpke, die einen Flugzeugabsturz im Urwald überlebt hat und deshalb Naturforscherin geworden ist.
Es ist wirklich eine heftige Geschichte, die wir euch heute erzählen und die auch noch gar nicht so lange her ist, deren Hauptperson sogar noch lebt. Das haben wir ja hier gar nicht so oft bei unseren Folgen. Und gerade bei dieser Geschichte ist es auch keine Selbstverständlichkeit, dass sie noch lebt. Auf jeden Fall.
Irgendwie kribbelt es mich total bei dieser Geschichte. Ja, es wird ja heute viel kribbeln. Sie ist bekannt auch als das Mädchen, das vom Himmel fiel. So heißt ihr Buch und so heißen viele Podcast-Folgen, die ihr finden werdet, wenn ihr sie sucht. Juliane wird 1954 geboren, also vor 71 Jahren. Ihre Eltern Hans-Wilhelm und Maria Köpke sind Biologen aus Deutschland und wandern nach dem Zweiten Weltkrieg nach Peru aus, weil sie im Amazonas-Regenwald zur Artenvielfalt forschen wollen.
Erstmal das schon, spannender Eintrag in ihre Biografie. Und deshalb wird Juliane in Peru geboren und wächst in der Forschungsstation ihrer Eltern auf, mitten im Land. Im Regenwald. Wow, was ein Ort. Ja, diese Forschungsstation heißt Panguana, die ist benannt nach einem Vogel, der dort lebt. Und diese Station wird jetzt wirklich Julianes zu Hause. Sie begleitet ihre Eltern auf Expeditionen und ist von Anfang an mit in diesem Lebensraum und ist deshalb mit dem Dschungel total vertraut.
Das hat mich auch ein kleines bisschen an Ralf Kaspers erinnert, muss ich sagen. Ja, musste ich auch direkt dran denken. Den hatten wir hier auch schon mal als Gast im Spezial. Da haben wir nicht so sehr darüber geredet, wo er aufgewachsen ist. Aber er ist auch an einem besonderen Ort geboren, denn seine Eltern waren bei einer Hilfsorganisation auf Borneo und haben dabei der Aufzucht von Orang-Utans geholfen, als er geboren wurde.
Wie er dann später Moderator für Wissenschaftssendungen geworden ist, das hat er bei uns im Spezial erzählt. Vielleicht wollt ihr da nach dieser Folge nochmal reinhören. Wir verlinken die euch auf jeden Fall. Ja, super interessant. Ich weiß noch, als ich das das erste Mal gehört habe, dass er da aufgewachsen ist, also als Kind, dann wollte ich unbedingt auch auf Borneo leben und im Dschungel aufwachsen und fand das total interessant.
Jetzt denke ich mir manchmal so, boah, es ist schon auch wahrscheinlich einsam, da so zwischen Tieren aufzuwachsen. Er war auch früh, dann glaube ich als Kind schon nicht mehr dort, aber er ist eben da geboren und... Ja, es hat, glaube ich, so, es war prägend. Ja, auf jeden Fall. Und auch für Juliane war das prägend. Kommen wir zu ihr zurück, denn ihre Geschichte geht sehr dramatisch weiter.
Es ist das Jahr 1971, nicht irgendein Tag, sondern Heiligabend. Juliane ist 17 Jahre alt und mit ihrer Mutter auf dem Rückweg von Lima. Da war der Abschlussball ihrer Schule und sie fliegen jetzt nach Pucallpa, um von da aus weiter nach Panguana zu reisen. Also sie haben eine ganz schöne Reise vor sich und in Panguana, da wartet ihr Vater.
Ja genau, es ist eine ziemliche Reise, der Flug dauert so eine Stunde, es ist aber auch eine Reise, die sie öfter machen, also so diese Verbindung nach Lima, da war auch ihre Schule eben und sie wollte eigentlich schon Tag R zurückfliegen, weil es ist ja auch Weihnachten, aber Juliane hat gesagt, nee, ich möchte so gerne einfach noch bei diesem Abschlussball dabei sein und deswegen fliegen sie erst am 24. Dezember.
Es sind 92 Menschen an Bord, Juliane hat einen Platz am Fenster, sie sitzt auf Platz 19f, das ist vorletzte Reihe und zwar der Platz ganz außen von der Dreierbank, ich finde ja der Platz am Fenster ist immer der schönste, weil man da rausgucken kann. Bester Platz. Neben ihr in der Mitte sitzt ihre Mutter und ihr Vater wartet eben dann am Flughafen, der wartet in Panguana auf die beiden.
Und ich stelle mir vor, die sitzen da jetzt, die quatschen nochmal so über den Abschlussball, die haben bestimmt richtig viel zu erzählen, sind aber auch schon so voller Vorfreude zurück in den Urwald zu kommen, zu der Forschungsstation, dem Vater alles zu erzählen. Und wir müssen auch bedenken, es ist ja Heiligabend.
Also das ist wirklich auch für die Köpkes ein wichtiger Tag, ein wichtiger Familientag. Und jetzt wird aber was passieren, womit die beiden überhaupt nicht gerechnet haben. Es sieht eine... Heftige Gewitterfront auf. Ja, richtig, richtig heftig. Und der Pilot weicht dem Gewitter leider nicht aus, sondern bleibt auf der geplanten Route, weil es einfach der kürzeste Weg ist.
Also er unterschätzt das auch so ein bisschen, das Gewitter. Augen zu und durch, denkt er sich, glaube ich. Genau, und das ist richtig spürbar, dieses Gewitter. Es kommt zu heftigen Turbulenzen. Sie schreibt, es war beängstigend, die Wolken strichen um das Flugzeug wie lebendige Wesen. Es war pechschwarz, pausenlos von Blitzen erhellt.
Also ich kriege wirklich schon Panik, wenn ich das hier lese. So beschreibt sie das dann eben. Und dann passiert das wirklich Worst Case, das Allerschlimmste. Juliane erinnert sich dann später nur noch an ein unwahrscheinlich grelles, blendend weißes Licht auf der rechten Tragfläche. Ein Blitz trifft wohl das Flugzeug. Es beginnt ein Sturzflug.
Das Flugzeug zerbricht in der Luft und stürzt mitten in den Regenwald. Boah, das ist so heftig. Ja, also es ist... Es ist so heftig, wie es jetzt klingt. Also wir müssen hier auch nichts dramatisieren, weil das Flugzeug zerbricht in der Luft. Und die stürzen jetzt circa 3000 Meter in die Tiefe. Also die waren auch noch wirklich richtig hoch.
Juliane ist noch auf ihrem Sitz angeschnallt. Das heißt, sie fliegt jetzt kopfüber mit dieser Sitzbank durch die Luft. Und sie sieht, das beschreibt sie später, Sie sieht noch, dass das Blätterdach sich unter ihr dreht und dann wird sie ohnmächtig und ja, ab diesem Zeitpunkt wird es dann einfach in ihrer Erinnerung schwarz.
Als sie wieder aufwacht, ist es still, also die ganzen Schreie der Menschen, die natürlich vorher auch ohrenbetäubend laut waren, sind jetzt verstummt. Sie beginnt so ein bisschen zu fühlen, was höre ich da gerade, bemerkt, okay, hier zwitschern Vögel, hier sind Insekten zu hören und das ist für sie ein vertrautes Gefühl, das sind erstmal Geräusche, die sie kennt, das klingt so ein bisschen nach zu Hause.
Ja, also sie wacht da an einem völlig anderen Ort auf, als sie quasi... Die letzte Erinnerung hatte. Ja, genau. Ja, und ab dem Moment weiß sie jetzt, ich bin im Urwald und ich habe gerade einen Flugzeugabsturz überlebt. Das ist ihr wirklich sofort klar. Wie genau sie überleben konnte, versucht sie später natürlich oft durchzuspielen. Sie hat sich wohl noch irgendwie vom Sitz abgeschnallt.
Vielleicht hat der so ein bisschen was abgefedert, abgefangen. Vielleicht waren es auch die Baumkronen, durch die sie da gefallen ist. Als sie aufwacht, hängt der Sitz auf jeden Fall über ihr, aber er berührt sie nicht. Also es ist nicht auf sie gefallen. Auch das war ein großes, großes Glück. Ja, manche sagen auch später, vielleicht war der Sitz dann sogar wie so eine Art Feilschirm, weil er ja noch an ihr hing und dann vielleicht wie so ein Feilschirm gewirkt hat.
Also wie auch immer, es ist einfach unfassbar viel Glück da mit im Spiel. Viele sagen später sogar, es ist ein Wunder. Also, ja, sie wird auch wirklich so dann ein bisschen dafür gefeiert. Menschen wollen sie anfassen und so, weil sie sagen, das ist so diese Person, sie ist in sich ein Wunder. Ja, sie ist fast wie eine Heilige. Ja, genau. Ja, genau. Sie wird, glaube ich, auch Heilige Juliane wirklich genannt.
Und Juliane selber ist ja in einem sehr wissenschaftlichen Haushalt aufgewachsen. Und ihr fällt das als wissenschaftlich denkende Person schwer, an Wunder zu glauben. Aber selbst sie muss später sagen, okay, diese Geschichte ist wirklich so krass. Ich kann es mir bis heute nicht alles erklären. Also da ist was Wundersames auf jeden Fall dabei. Und...
Ganz rational können wir aber noch mal gucken, sie ist da jetzt am Boden angekommen, sie hat eine Gehirnerschütterung, ihre Halswirbel sind gestaucht, ihr Schlüsselbein ist gebrochen und ihr Kreuzband ist gerissen. Also ja, schon einige Verletzungen, aber sie lebt noch. Sie lebt, ja. Und sie kann sich halt einigermaßen fortbewegen. Das ist total krass. Ja, das ist krass.
Das sind so die Diagnosen, die sie dann aber auch erst später bekommt. In dem Moment, als sie da im Dschungel aufwacht, spürt sie gar nichts. Also sie ist einfach so im Überlebensmodus. Es ist der nächste Morgen, also ungefähr 20 Stunden nach dem Unfall. Und in diesem Überlebensmodus wird sie jetzt einige Tage bleiben müssen.
Was sie da noch nicht weiß, sie ist die einzige Überlebende dieses Flugzeugabsturzes. Vielleicht ganz gut, dass sie das noch nicht weiß, weil sie geht jetzt natürlich auch erstmal in den Suchmodus. Also sie bemerkt, sie selber hat überlebt und ist jetzt natürlich erstmal auf der Suche, wo sind denn die anderen, die mit mir im Flugzeug saßen und vor allem.
Wo ist meine Mutter, denn die saß ja direkt neben ihr. Sie findet ein paar Trümmerteile, sie findet wohl auch zum Beispiel so eine andere Sitzreihe, aber da sitzen nur drei tote Menschen drauf, ihre Mutter ist es nicht. Und diese Trümmerteile, die liegen auf einer Fläche von über 15 Kilometern verstreut.
Juliane schlägt sich da jetzt wirklich durchs Dickicht über Stunden und findet nichts, findet vor allem ihre Mutter nicht. Sie erinnert sich jetzt daran, dass ihr Vater ihr mal gesagt hat, wenn du so im Dschungel dich verloren fühlst, im Urwald, dann versuch irgendwie ein Wasser zu finden, also versuch einem Bachlauf oder so zu folgen, denn dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass du Menschen irgendwann triffst, eigentlich am größten.
Das macht sie jetzt, auch wenn, vielleicht hätten andere da auch Panik bekommen, denn am Wasser leben ja auch Krokodile. Da sind Piranhas, da sind giftige Rochen. Aber Juliane hat davor keine Angst, weil sie weiß, wie sie mit diesen Tieren umgehen muss, wie sie sich verhalten. Und dass zum Beispiel die Krokodile sie als Mensch eigentlich nicht angreifen werden.
Und deswegen hat sie vor denen keine Angst, sondern mehr einfach vor der Gesamtsituation. Ja, sie bewegt sich da einfach sehr viel selbstbewusster als Menschen, die da noch nie unterwegs waren. Und das ist ihr großes Glück, dass sie eben keine Angst vor dem Urwald hat, sondern einfach so weiß, wie sie da die ersten Schritte geht.
Aber sie muss jetzt nicht nur ein paar Stunden überbrücken, sondern am Ende zehn Tage. Also krass, fast zwei Wochen ist sie da alleine im Urwald unterwegs, auch verletzt, ohne Nahrung. Es ist ja kalt, heiß, also sie erlebt da ja alles. Und in den ersten Tagen hat sie noch ein paar Bonbons dabei, die sie da an der Absturzstelle gefunden hat.
Danach muss sie hungern, denn es ist Regenzeit, es wachsen noch keine Früchte an den Bäumen. Sie hat nur Wasser immerhin von Blättern oder aus Bächen und so schlägt sie sich dann irgendwie durch. Folgt auch immer wieder dem Ruf eines Vogels, der an den Flüssen lebt. Also auch da kommt ihr wieder ihr Wissen zugute, was sie aus ihrer Kindheit gesammelt hat.
Und so landet sie schließlich nach zehn Tagen am Fluss Rio Paritea. Sie lässt sich am Flusslauf treiben, auch sehr clever, sich so da noch mal so ein bisschen einfacher vorzubewegen. Ja, sogar im Fluss, genau. Bis sie dann am Ufer einen kleinen Unterstand mit einem Motorboot entdeckt. Und da übernachtet sie.
Also das erste Mal nach zehn Tagen Zivilisation, die sie da entdeckt. Ja, und einen sicheren Unterschlupf so ein bisschen. Ansonsten hat sie wohl immer einfach sich an Bäumen angelehnt. Weil auch, das stelle ich mir so gruselig vor, sie war ja auch jede Nacht da im Urlaub. Ja, und dann mit den ganzen Geräuschen.
Und boah, das ist echt heftig. Das ist C, ja. Sie ist langsam auch wirklich richtig apathisch. Also man merkt auch, sie merkt das körperlich und psychisch, dass sie einfach so lange nichts gegessen hat. Und deswegen ist es ein riesiges Glück, dass da am nächsten Tag an diesem Unterstand Waldarbeiter auftauchen, die sie finden und natürlich auch völlig aus dem Häuschen sind, weil die ja auch dachten, es hätte niemand überlebt.
Und als die sie dann zehn Tage später da finden, die sind auch völlig baff, versorgen sie natürlich sofort. Sie hatte nämlich auch wirklich echt auch so tiefere Schnittwunden, die sie gar nicht bemerkt hat. Und da waren teilweise schon so Fliegenmaden drin. Das ist ein bisschen eklig. Julian hat wohl auch versucht, die zwischendurch zu reinigen. Aber mit den Mitteln, die sie hatte, ging das natürlich nicht so gut.
Ja, und sie sah wahrscheinlich auch einfach sehr schlimm aus. Also sie hatte ja nicht viel am Körper. Alles, ich glaube, sie hatte einen Schuh noch, habe ich irgendwo gelesen, bei sich und auch so blutunterlaufende Augen, als sie die gefunden haben, also sah bestimmt ganz schlimm aus und ja auch erst 17, also wirklich noch jung. Kind quasi.
Ja, und jetzt wird sie da von diesen Waldarbeitern erstmal ein bisschen aufgepäppelt und fliegt dann zurück nach Purkalpa, fliegt zurück, da musste ich auch erstmal so ein bisschen stutzen, weil ich so dachte, krass, direkt nach so einem Absturz. muss sie dann fliegen. Es gibt halt keine andere Option, da hinzukommen. Genau, das war aber wohl so ein kleineres Sportflugzeug.
Und da trifft sie dann aber endlich ihren Vater, der natürlich auch... Das kaum erwarten kann, sie wiederzusehen. Ja, das ist echt so ein Wunder. Ja, und was sie da aber halt noch nicht weiß, dass es außer ihr keine Überlebenden gibt. Sie hatte zwar gehört, dass die Suchflugzeuge irgendwann nicht mehr geflogen sind, aber gedacht, dass das bedeutet, sie haben alle anderen gefunden.
Genau, oder aufgegeben, das wäre der Worst Case gewesen. Aber sie hat dann natürlich gehofft, dass es bedeutet, dass sie wahrscheinlich alle gefunden haben. Suche erfolgreich abgeschlossen. Ja, und tatsächlich hat es eben bedeutet, Keine Überlebenden wurden gefunden, sie ja eben auch nicht. Und als Juliane jetzt auftaucht, ist natürlich die Hoffnung wieder groß, dass es noch mehr Überlebende gibt.
Und es gibt nochmal eine große Suchaktion. Also da muss man sich auch mal vorstellen, wie schwierig das ist, in diesem Terrain da Menschen zu suchen. Und alle anderen Passagiere werden aber nur tot gefunden. Auch Julianes Mutter, das ist das wirklich fürchterliche, die fürchterliche Nachricht, die sie jetzt da bekommt.
Es hätte wohl auch noch 13 andere gegeben, die nicht sofort tot waren, außer Juliane. Aber eben außer ihr konnte niemand anderes im Urwald überleben, weil sie dieses unglaubliche Wissen hatte. Und natürlich auch in dem Sinne Glück, dass sie nicht ganz so verletzt war. Also für sie war dieser Dschungel einfach kein Ort, Vor dem sie Angst hatte. Und ich glaube, das hat einen ganz großen Unterschied gemacht. Für sie war das vom Gefühl her ein Ort, der sie gerettet hat.
Und sie sagt heute auch, damals hat mich der Regenwald gerettet und heute möchte ich ihn retten. Also ihr könnt da schon raushören, sie ist Naturschützerin geworden. Sie ist sehr engagiert für den Regenwald, denn sie ist wie ihre Eltern Biologin geworden. Und sie hat nie aufgehört, in dieser Forschungsstation ihrer Eltern zu arbeiten.
Und leitet sie sogar heute selbst weiter mit ihrem Mann Erich zusammen. Ja, genau. Man könnte jetzt so denken, sie ist quasi so in die Hölle gefallen. Aber für sie war das eigentlich so das größte Glück. Weil wahrscheinlich haben sie ja die Blätter und Äste der Bäume aufgefangen. Und das war quasi wie so die schützende Hand, die sie da haben überleben lassen.
Und genau, da will sie irgendwie jetzt so was zurückgeben. Wenn man es jetzt mal auf diese ganz spirituelle Art und Weise beschreibt. Wir haben sie auch bei Instagram gesucht, als wir hier das recherchiert haben. Und da ein Profil gefunden, wo wir uns aber nicht ganz sicher sind, ob sie das ist. Also wir glauben eher, dass es ein Fan-Account ist.
Aber die Profilbeschreibung ist irgendwie so ganz süß. Und es sind ganz schöne, spannende Bilder und Zeitungsausschnitte. Könnt ihr euch nochmal angucken. Einfach Juliane unterstrich Köpke einmal suchen. Sie schreibt da, sie ist Zoologin und liebt Tiere. Mit so Emojis, ne? I love animals. I love animals, genau. Und I love Erich.
Ich glaube, es ist ein Fan-Account. Aber da könnt ihr noch mal ganz schön Bilder von ihr sehen. Wie jung sie einfach aussah, als das passiert ist. Also ich kann es kaum fassen, dass das wirklich passiert ist. Total, zum Glück ist es wahr, dass sie überlebt hat und auf der Seite von der Panguana Stiftung gibt es auch so einen gefilmten, ich denke das ist ein Drohnenflug, also man hat so die Perspektive von oben auf die Baumkronen und fliegt da so drüber und wenn man das sieht, da bekommt man auch irgendwie richtig Gänsehaut, wenn man jetzt Julianas Geschichte kennt, weil so ähnlich muss es ja für sie gewesen sein.
So dieser Blick von oben auf diese Bäume, die aber wie so ein rettendes Netz für sie waren in dem Moment. Und dann halt der Blick von unten einfach so in die Baumkrone. Ja, dass sie beides sehr nah hatte. Ja, diese Station, die hat mittlerweile auch einen Beobachtungsmast für meteorologische Messungen oberhalb und unterhalb der Baumkrone.
Also da wird auch wirklich in den Bäumen geforscht. Julianes Forschungsarbeiten. Sie hat da unter anderem ihre Diplom und Dissertation geschrieben in dem Urwald, in dem sie überlebt hat. Da ging es dann um Schmetterlinge und um Fledermäuse. Also sie selbst hat auch dort einfach ihr Leben lang geforscht und macht es immer noch.
Es wurde damals öfter über sie geschrieben, sie ist das Mädchen, das die grüne Hölle überlebt hat. Du hast das Wort eben auch schon benutzt. Dass andere eben dachten, das wäre die Hölle gewesen. Aber für sie ist es einfach die Rettung. Und sie fühlt sich diesem Urwald so verbunden. Und vor allem natürlich dem Panguana.
Und da hat sie mal ... Ganz schön, irgendwie das beschrieben. Wir haben hier mehr als 80 Froscharten, über 100 Säuger, darunter allein 56 Fledermausarten und gut 370 Vogelarten nachgewiesen. Und jedes Jahr kommen neue Arten hinzu. Das finde ich auch so unglaublich, dass da immer noch neue Arten entdeckt werden.
Am Anfang haben die Köpkes wohl nur zwei Quadratkilometer untersucht. Sie wollten ganz genau verstehen, wie die Ökosysteme der Tier- und Pflanzenarten hier ineinander greifen. Und das war so ein ziemlich neuer Forschungsansatz, der auch extrem viel Arbeit war, weil sie das wirklich so durchforstet haben, also jeden Quadratzentimeter gefühlt.
Und weil eben dieses Ökosystem Regenwald so dynamisch ist, war das ja so auf so vielen Ebenen herausfordernd. Mittlerweile ist die Forschungsstation ein Treffpunkt für Forschende aus der ganzen Welt und Juliane hat für ihre Naturschutzarbeit das Bundesverdienstkreuz bekommen. Also ja, ihre Hartnäckigkeit da im Naturschutz haben sich auch auf dem Wege ausgezahlt.
Ja, ihre Eltern waren auch echt schon auch bekannt als Biologen und ich glaube, deswegen war das auch das Entsetzen so groß, dass dann die Mutter gestorben ist, genau, und dann aber so, okay, wow, die Tochter führt das fort, weil diese Forschungsstation war auch erst ganz kurz vorher gegründet worden, also 68 gegründet, 71 war dieser Unfall oder dieses Unglück vielmehr.
Und die Köpke setzen sich auch dann für die Menschen ein, die dort auf dieser Forschungsstation und drumherum leben mit sozialen Projekten, denn sie sagen, das hier ist auch ein Lebensraum für Menschen. Also wir leben hier irgendwie mit in einem Ökosystem. Und mittlerweile ist das Forschungsgebiet von den zwei Quadratkilometern am Anfang auf 13 gewachsen.
Also nicht nur die Artenvielfalt wächst dort, was natürlich fantastisch ist, sondern auch das Gebiet, was da zum Forschungsbereich gehört. Ja, das finde ich eben besonders schön, dass da quasi diese sozialen Aspekte auch mit einbezogen werden und ist ja ein bisschen auch das, was sie vielleicht auch mitgenommen hat von ihrem Wahnsinnsüberlebensmarsch da.
Also der Dschungel ist nicht gegen mich, sondern irgendwie mit mir und wir müssen hier alle irgendwie unser Leben führen. So einen ähnlichen Ansatz haben auch die zwei Forscherinnen vom Podcast Tierisch, die wir hier auch schon mal im Spezial mit dabei hatten. Da muss ich auch dran denken. Können wir euch auf jeden Fall auch noch mal verlinken, die unter anderem im Pantanal unterwegs sind.
Also auch richtig spannende Forscherinnen, die hier, wie gesagt, schon mal bei uns zu Gast waren. Können wir euch wärmstens empfehlen, um noch mal so ein bisschen Forscherinnen zu finden. Lebensrealität zu schmecken. Und die auch erzählt haben, wie es ist, dort im Dschungel zu arbeiten als Forscherin.
Total spannend, genau. Und die gucken eben auch, dass die sozialen Aspekte von den Menschen, die da eben leben, mit denen, die sie quasi auf Forscherinnenseite haben, so zusammenkommen. Und das ist ja so ein ganzheitlicher Ansatz. Also das eine funktioniert ohne das andere eben nicht. Es gibt mittlerweile tatsächlich auch einen Film über Julianes Geschichte, aber leider einen sehr schlechten Spielfilm.
Es gibt aber auch einen sehr guten Dokumentarfilm, für den Juliane mit dem Filmemacher Werner Herzog nochmal an den Unglücksort gereist ist. Werner Herzog wäre, das ist so krass einfach, fast selbst in diesem Flugzeug gewesen, was da abgestürzt ist und deshalb ist das eine ganz besonders intensive Reise für die beiden und Juliane hat ihre Geschichte auch aufgeschrieben im Buch als ich vom Himmel fiel.
Also falls euch das noch weiter interessiert, ihr könnt hier noch ein paar Sachen dazu lesen und anschauen. Ihr könnt euch auch vorstellen, es gibt natürlich viele Berichte über sie. Also direkt nach dem Abschutzt, damals hat sich der Stern die Rechte für ein Exklusivinterview mit Juliane gesichert, weil diese Geschichte so unglaublich war.
Und im Nachhinein sagt sie aber, dieses Interview, das war für sie total komisch, komisch weil sie noch ganz neben sich stand und diese journalisten hätten dann danach wohl aufgeschrieben ja juliane war so unemotional und das ärgert sie eigentlich bis heute weil sie sagt nee ich war nicht unemotional ich war voller emotionen ich war natürlich auch voller trauer zum beispiel dass meine mutter gestorben ist aber sie konnte das in dem moment noch gar nicht fühlen.
Weil sie so traumatisiert war. Und da geht es ja auch dann um viel Verantwortung, wenn man über sowas berichtet, weil das ist natürlich traumatisch. Also wir sagen jetzt, das ist ein Wunder. Andere sagen, oh mein Gott, sie hat die Hölle überlebt. Aber für sie war es vor allem erst mal ... Ein Trauma. Und auch ihr Vater war lange so richtig versteinert, weil der auch so getrauert hat und im Schock war.
Er dachte ja sogar, er hätte seine Tochter und seine Frau verloren lange. Und als Juliane dann wiederkommt, sagt er auch, du musst, glaube ich, jetzt erstmal hier eine Weile nach Kiel zu deiner Tante, weil ich packe es gerade nicht. Ganz krass, krasse emotionale Geschichte Und finde ich auch wirklich erschreckend, wie unempathisch da von einigen Journalistischen, wie die da vorgegangen sind.
Aber sie hat sich da irgendwie ganz gut rausgekämpft und hat das ganz gut aufgearbeitet. Ja, also ein emotionaler Ritt, den wir hier hinter uns haben. Wie gesagt, ihr könnt euch den Dokumentarfilm anschauen, Wings of Hope heißt der. Da kehrt sie dann nochmal an diese Unglücksstelle zurück. Und seit sie da nochmal zurückgekehrt ist, das ist 1998, ist sie aber auch regelmäßig eben im Urwald, führt das Erbe ihrer Eltern weiter.
Und auch wenn sie in Deutschland lebt und hier zum Beispiel lange die Zoologische Sammlung in München geleitet hat, ist sie eben immer noch dem Urwald sehr verbunden. Also das ist, könnte man sagen, so ihr Herzensort. Es gibt auch eine ganz spannende Podcast-Folge von Plothouse. Also da werden auch immer so mit krassem Storytelling so Geschichten nacherzählt, aber da gibt es eine Special-Folge, in der dann am Ende Juliane Koppke zu Gast ist und dort kann man sie reden hören und das ist auch nochmal besonders, da einfach ihre Stimme zu hören und so ihre Perspektive.
Ja, vielleicht hört sie das ja hier und möchte zu uns auch mal zu Gast kommen. Wir haben es noch nicht gewagt, sie anzufragen, aber vielleicht wäre das mal ein Versuch wert. Könnt gerne mal kommentieren, ob ihr die Geschichte von ihr schon kanntet. Ja, sollen wir sie mal fragen, was meint er? Fragen kostet nix, ne? Ja, können wir mal machen.
Und aber erzählt uns gerne vielleicht auch, weil für Juliane war ja der Urwald wirklich so ein Herzensort und vielleicht können wir auch einfach ein paar Herzensorte mal unter dieser Folge sammeln. Ihr habt ja auch so Orte, die euch so verbunden fühlt. Oder wenn euch das alles überfordert, lasst ihr uns einfach ein paar Sterne da.
Das wäre genau so ein Highlight für uns. Ein paar Sterne, ein paar Abos und natürlich die nächste Folge gehören. Bis zum nächsten Timesamstag. Bis dahin, macht's euch schön und tschüss. Tschüss.