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Shownotes
Dass Seeleute Zitronensaft brauchten, um nicht an Skorbut zu erkranken, war schon im 17. Jahrhundert klar (höre letzte Folge (open.spotify.com/episode/14tQcU8cKgkqE1FdEImV9…)). Aber dass dahinter Vitamin C-Mangel steckt und wie Vitamin C isoliert werden kann, findet Albert Szent-Györgyi erst drei Jahrhunderte später heraus. Die geheimen Stars dieser Geschichte: Meerschweinchen und Paprika.
Hört gerne unsere Folge zur Vitamin C-Forschung von Linus Pauling (open.spotify.com/episode/6znJKd8KXPPHHlspXapqy…) oder die über Fanny Hesse (open.spotify.com/episode/2SxJHPHFCKtNlN9BBgK7B…), bei deren Entdeckung Wackelpudding wichtig war.
“Behind Science” gibt’s jeden Samstag – am Science-Samstag. Zwischendurch erreicht ihr uns per Mail und Instagram, und hier gibt's unsere Links (linktr.ee/behindscience), die gerade wichtig sind.
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Schönen Science Samstag. Es ist hier wieder der schönste Tag der Woche. Ja, mindestens. Ja, vielleicht hört ihr uns ja direkt schon morgens. Dann hätte ich auch mal hier eine Frage. Habt ihr eigentlich so eine Morgenroutine? Irgend so ein Ritual vielleicht? Morning Routine. Ja, vielleicht sind wir ja Teil eurer Morgenroutine.
Aber sonst ist das bei dir ein Thema, Dui? Oh, ich finde dieses ganze Thema Morning Routine und so so anstrengend. Und ich weiß nicht, vielleicht wisst ihr gar nicht, wo wir gerade sind mit Morning, mit diesem Begriff. Aber bei Instagram und TikTok ist das ein totaler Trend, so eine Morgenroutine zu haben.
Dass man immer zur gleichen Zeit aufsteht, dann immer die gleichen Sachen macht, morgens erst mal sich dehnt. Aber halt schon sehr pedantisch. Also dann, genau, dann dehne ich mich zwei Minuten. Dann trinke ich diesen besonderen Tee. Dann esse ich ein Stück Zartbitterschokolade. Dann wasche ich mein Gesicht mit Eiswürfeln.
Also ich glaube, es ist nicht schlecht, wenn man es kann, wenn man die Zeit dafür hat. Ich glaube, es kann schon gesund sein. Da wollen wir nicht schlecht reden. Ein bisschen, aber so ganz pedantisch. Ja, das stimmt. Ist dann auch ein bisschen extrem. Vor allem, wenn man sich die ganze Zeit dabei filmen muss. Dann weiß ich auch nicht mehr, ob das für die Gesundheit so gut ist.
Aber ich muss sagen, ich versuche mich ... Morgens daran zu erinnern, zumindest schon mal ein Glas Wasser zu trinken, dass man das schon mal so intus hat. Und vielleicht, also wenn ich gut drauf bin, mache ich da auch immer schon ein bisschen Zitrone rein. Oha, das ist schon wirklich Peak-Morning-Routine. Also ich muss sagen, vor allem für den Geschmack.
Aber vor allem jetzt nach unserer Folge letzte Woche versuche ich da noch mal ein bisschen mehr drauf zu achten, weil man ja schon festhalten kann, Vitamin C ist wichtig. Wir sind in der letzten Folge ins 17. Jahrhundert gereist. Und da sind Menschen auf langen Seefahrten ganz oft an Skorbut erkrankt, weil sie Vitamin C-Mangel hatten.
Das ist jetzt eine Extremform. Das würde ich wahrscheinlich nicht bekommen, wenn ich da in der Morgenroutine mal das Zitronenwasser vergesse. Schadet aber auch nicht. Schadet nicht, genau. Und schmeckt. Und herausgefunden hat das James Lind, Den haben wir hier letzte Woche vorgestellt und geführt hat das zu einem extremen Run auf Zitrusfrüchte, die dann im Endeffekt auch dazu geführt haben, dass das Geschäft so geboomt ist, dass da sich mafiöse Strukturen um die Zitronenplantagen in Sizilien entwickelt haben.
Ihr könnt die Folge super gerne nochmal nachhören. Also ich bin jetzt auf Sizilien und wenn ihr das hört hier zumindest, jetzt gerade noch nicht und deswegen passt es perfekt und vielleicht versteht man dann auch ein bisschen besser, wieso die Zitrone so stark mit Sizilien verbunden ist als Symbol. Also ja, ganz spannender Symbol.
Ja, spannende Geschichte, die da mit dem Vitamin C zusammenhängt. Und heute erzählen wir diese Geschichte so ein bisschen weiter. Es wird ja eine Fortsetzung geben. Aber dafür müssen wir dieses Land der Zitronen verlassen und reisen in das Land der Paprika. So könnte man es doch formulieren. Das klingt wirklich so wie ein Downgrade, ist es aber überhaupt nicht. Die Paprika hat es drauf.
Ja, das solltet ihr in eure Morningroutine einführen. Und eine Paprika essen. Warum, das erfahrt ihr am Ende. Ja, und gemeint ist mit diesem Land Ungarn, denn wir sprechen heute über Albert St. Church, der Vitamin C zum ersten Mal isolieren konnte. Behind Science – Geschichten aus der Wissenschaft Mit Marie Eickhoff und Luisa Pfeifenschneider, Also man muss ja sagen, wir haben James Lindt hier in der letzten Folge sehr gefeiert, weil er entdeckt hat, dass Zitronen, Zitrusfrüchte gegen Skorbut helfen.
Das hat extrem viele Menschen gerettet, aber man muss eventuell auch nochmal sagen, kann man so sagen, so richtig gecheckt hat er es nicht. Also er hat halt zum ersten Mal so eine richtig experimentelle Beweisführung gemacht, so eine richtige kleine Versuchsreihe, was ein riesiger Schritt war damals, aber so richtig die...
Aber Hintergrund, das hat er noch nicht durchschaut. Also er war eher so damit beschäftigt, wie kann ich jetzt hier während der Katastrophe die Menschen heilen, wie kann ich hier wirklich so Rettungsmaßnahmen erschaffen. Aber er hat noch nicht so einen richtig wissenschaftlichen Beweis oder eine Erklärung dafür liefern können.
Warum die Zitrusfrüchte genau helfen und vor allem auch gar nicht durchschaut, dass Skorbut durch so eine einseitige Ernährung verursacht wurde. Ja, er ist davon ausgegangen, dass die Säure in den Zitronen, zum Beispiel in den Zitronen, dazu führt, dass Skorbut zurückgeht. Ja, er dachte, das wäre so eine Fäulniskrankheit im Körper. Kann man ihm nicht verdenken, wenn man sich nochmal anguckt, wieso das Erkrankungsbild ist.
War auch egal in dem Moment. Ja, genau. Es hat Menschen geheilt, auch wenn leider das Wissen darum wieder verloren gegangen ist. Und jedenfalls der Beweis kam erst 200 Jahre später, 1907, mit der wissenschaftlichen Unterstützung eines ganz besonderen Versuchstiers. Es hatte schon einen kleinen Gastauftritt in der letzten Folge und zwar das Meerschweinchen.
Denn ganz viele gängige Versuchstiere wie Ratten, Mäuse oder Kaninchen, die kamen gar nicht erst in Frage, denn die können nicht an Skorbut erkranken. Aber durch Zufall entdecken zwei Forscher der Uni Osto, Axel Holst und Theodor Fröhlich, das Meerschweinchen durch eine entsprechende Diät an Skorbut erkranken.
Oh, das klingt jetzt irgendwie, also die Ehe klingt irgendwie noch so... Lockig, flockig, aber dass die Ansgobut erkranken, ist natürlich schon auch ein bisschen brutal. Es war aber tatsächlich für die Forschung damals ein absoluter Glücksfall. Wir können mal ganz kurz in die Geschichte gucken, wie sie darauf gekommen sind, dass das mit den Meerschweinchen klappt und vor allem, warum sie das überhaupt ausprobiert haben.
Axel und Theodor sind damals damit beschäftigt, die Erkrankungen an Bord norwegischer Handelsschiffe zu untersuchen. Auf diesen Handelsschiffen haben damals viele täglich schon eine Portion Zitronensaft eingenommen. Also damit Skorbut nicht auftritt, das wussten sie damit schon. Das war ja auch wirklich sehr gut so.
Aber es gibt eine andere Krankheit, die an Bord damals Probleme macht, die sogenannte Schiffsberiberi. Das ist auch eine Mangelerkrankung, die allerdings nicht durch einen Vitamin-C-Mangel, sondern durch zu wenig B1 entsteht. Und die Symptome sind aber zum Teil ähnlich. Also man ist ganz doll müde, die Muskeln werden schwach, es kann zu Lähmungen kommen und es kann dann im schlimmsten Fall auch dazu führen, dass das Herz so schwach wird, dass es nicht mehr stark genug pumpt.
Und spätestens dann wird es eben echt lebensgefährlich. Und die beiden beobachten, interessant, wir können diese gleichen Symptome auch beobachten bei Tauben. Und zwar, wenn die auch nur Weizenbrot essen, so wie die Seeleute damals auf diesen Schiffen, denn das Weizenbrot war so ein bisschen... Das Klassiker-Essen, was die immer dabei hatten.
Was man auch gut getrocknet dann noch über sehr lange Zeit essen konnte. Also eigentlich sind sie gerade eine andere Krankheit auf der Spur, der Schiffsberiberi. Ja und jetzt wollen sie aber diese These mit dem Brot bestätigen, also dass die Beriberi-Krankheit auf eine Mangelernährung zurückzuführen ist.
Und das wollen sie jetzt nochmal in einem anderen Tier testen, das dem Menschen näher ist, also das näher mit dem Menschen verwandt ist. Und deswegen testen sie mit Meerschweinchen. Aber da werden sie überrascht, denn die Meerschweinchen, die auf die Weizenbrot-Diät gesetzt werden, bekommen keine Symptome von Beriberi, sondern von Skorbut.
Das heißt, anders als Ratten, Mäuse und Kaninchen können anscheinend Meerschweinchen an Skorbut erkranken und bieten sich dann als perfektes Tier an, um da weiter zu forschen. Ja, sie bekommen sowas wie blutendes Zahnfleisch, zerbrechliche Knochen, innere Blutungen. Also ganz super unangenehm Symptome.
Ruhigbar auch, genau. Also haben wir ja letztes Mal schon gesagt, das klingt einfach so fürchterlich. Und auch der Heilungsbeweis, den man ja da schon hat, klappt. Also wenn man die Meerschweinchen mit frischem Obst und Gemüse füttert, dann geht es ihnen bald wieder gut. Also ja, sie sind sozusagen durch Zufall über einen kleinen Umweg dazu gekommen, das Meerschweinchen.
Diese Erkrankung Skorbut bekommen können. Und von da aus geht es mit den Forschungen dann mit den Meerschweinchen weiter. Ja, sie haben ein Versuchstier gefunden, das geeignet ist und können jetzt Skorbut viel genauer untersuchen. Also das ist wirklich sehr, sehr hilfreich für die weitere Forschung. Es kommt zum Beispiel raus, dass frische Kartoffeln helfen gegen Skorbut, getrocknete aber nicht.
Und dieser Faktor, den sie da rausfinden, der gegen Skorbut hilft. Sie nennen den antiskorbutischen Faktor in den Früchten und Pflanzen. Der wird dann ab etwa 1920 noch mal anders genannt. Und zwar so, wie wir ihn auch heute kennen. Das ist auch irgendwie so abstrakt. Mir fällt der Satz richtig schwer, weil wir da heute nicht mehr Faktor zu sagen, sondern wir würden einfach sagen, es ist Vitamin C.
Also Sie untersuchen jetzt einfach, wie viel Vitamin C ist da drin. Interessant übrigens, A und B konnte es damals nicht genannt werden. Nur deswegen ist es Vitamin C, weil A und B gibt es schon. Also genau deswegen hat man beschlossen, das heißt jetzt Vitamin C. Und jetzt beginnt damals ein richtiger Wettlauf.
Man hat jetzt zwar bemerkt, okay, es gibt da dieses antiskorbutische Vitamin C in bestimmten Früchten und Pflanzen, aber wer wird am Ende die erste Person sein, die Vitamin C isoliert? Das wäre halt jetzt ein richtig großer Schritt. Wer kann die Struktur aufzeigen und wer wird es dann schaffen, Vitamin C künstlich herzustellen, also zu synthetisieren im Labor?
Ja, ich dachte früher aber übrigens, Vitamin C kommt von Zitrone. Also irgendwie so eng damit verknüpft. Oh, das ist ja viel cooler. Ja. Oh, das ist ja viel schöner, aber es war einfach nur A und B gab es schon. Ja, sehr gut, so einfach ist die Erklärung da manchmal. Jetzt wird jedenfalls fieberhaft an vielen Unis gearbeitet, vor allem mit Zitronensaft, damit man da irgendwie dazu kommt, dieses Vitamin C zu isolieren.
Aber es ist eben nicht so einfach. In dem Saft der Zitrone stecken ganz viele Zuckerderivate und die muss man erst mal vom Vitamin C trennen. Also allein das ist schon eine riesen Herausforderung. Und so bekommt plötzlich ein absoluter Außenseiter eine Chance, sich in diesem Wettbewerb zu behaupten. Und zwar der ungarische Biochemiker Albert St.
Church, der in Cambridge arbeitet. Ja, Albert wird 1893 in Budapest geboren, also vor 133 Jahren. Er kommt aus einer Akademikerfamilie, aber muss sein Studium relativ früh unterbrechen, weil der Erste Weltkrieg ausbricht und da wird Albert eingezogen in die Armee. Er kann da als Militärarzt arbeiten, aber seine Einheit entkommt nur ganz knapp der russischen Armee.
Und ja, Albert ist davon so fix und fertig, also von diesem ganzen Kriegsgeschehen, er ist richtig kriegsmüde, dass er sich entdeckt. Und irgendwann, und das ist nicht so krass, dass er das macht, aber dann kann man sich vorstellen, wie schlimm es war, selber in den Arm schießt, um ins Krankenhaus zu kommen und quasi kriegsunfähig zu sein.
Also er fügt sich das selber zu. Ja. Und weil er dann aber nicht weiter kämpfen kann, darf er weiter studieren und macht in einem Schnellkurs einen medizinischen Abschluss. Er heiratet dann auch und wird aber wieder als Militärarzt eingesetzt. Also das Militär holt ihn quasi wieder ein. Und dann ist aber der Krieg zu Ende und für Albert bedeutet das endlich wieder richtig studieren.
Er wird natürlich jetzt der Pharmakologie und Physiologie und schließlich habilitiert er in Biochemie und mit Mitte 30 geht es für ihn nach Cambridge, wo er jetzt seine bedeutendste Entdeckung machen wird. Und das, obwohl er eigentlich damals einer ganz anderen Sache auf der Spur ist. Denn er sucht nach einem möglichen biochemischen Zusammenhang, warum sich die Haut von Menschen mit der Edison-Krankheit braun färbt und frisch geschnittene Kartoffeln und Äpfel sich ja auch mit der Zeit braun färben.
Also der Zusammenhang hat ihn interessiert. Also finde ich auch, auf den Zusammenhang muss man erst mal kommen. Aber gut, also damit ist er so ein bisschen beschäftigt mit dieser Frage, könnte das irgendwie zusammenhängen? Ja, aber spannend, wie man sich dann so zwei Phänomene genommen hat und einfach mal geguckt hat. Oh, die Haut wird braun. Was wird denn noch braun?
Oh, Äpfel, wenn ich sie aufschneide und liegen lasse. Ja, verrückt. Tatsächlich wird diese Edison-Krankheit durch eine Fehlfunktion der Nebenniere verursacht. Und deshalb untersucht er die Inhaltsstoffe dieser Drüsen und kann schließlich eine Verbindung isolieren, die die Symptome reduziert. Und die Anleitung, wie er das Ganze da isolieren kann, also diese Verbindung, klingt wie aus so einem Zauberspruch.
Man nehme gekühlte und fein gehackte Nebennieren von frisch geschlachteten Rindern und extrahiere sie mit Methanol. Und dann geht es eigentlich sehr chemisch weiter zu dem Filtrat. Gebe man Bleiacetat und filtere das, was sich absetzt. Der Niederschlag sollte mit verdünnter Schwebelsäure versetzt werden und das Filtrat im Vakuum bis zur Trockenheit eingedampft werden. Denn der Feststoff wird wieder in Methanol gelöst und mehrere der Schritte werden wiederholt.
Das kenne ich noch ganz gut, diese Sprache aus dem Laborpraktikum. Ja, genau. Also da steht dann nicht mal Nehmen und so, aber dieses, dass man Sachen filtert. Ja, und der Ausschlag dann gesammelt wird und so. Genau. Da war auch in dieser Beschreibung, da fällt ganz oft das Wort Niederschlag, was jetzt nicht gemeint ist als Regen, Sondern in der Chemie ist das dann das, was quasi übrig bleibt als Pulver, was du dann wieder rausfilterst, wieder löst.
Und wenn du das mehrfach machst, dann wird eben das, was übrig bleibt, immer konzentrierter und reiner. Ja, voll interessant. Ja, also das ist echt spannend und das ist eine Methode, die man so bis heute in der Biochemie benutzt. Und bei Albert ist es so, dass am Ende der Feststoff, der übrig bleibt, nochmal in Aceton gelöst wird, mit Leichtbenzin gemischt wird, sodass eine gelbliche Verbindung entsteht.
Und die bildet jetzt ganz langsam Kristalle. Und so entsteht wirklich aus vielen Kilo Rindernebennieren am Ende, was aussieht wie Kristalle, also sind Kristalle, gelbe Kristalle und Türen. Was er schon beobachten kann, die können jetzt zum Beispiel Jodlösung entfärben. Also das scheint eine besondere Verbindung zu sein. Ja, und das fühlt sich in dem Moment auf jeden Fall schon ziemlich aufregend an.
Denn Albert und vor allem sein Chef glauben, dass sie da gerade ein neues Nebennierenhormon gefunden haben. Und Albert versucht, das jetzt zu veröffentlichen im Biochemical Journal. Es gibt aber etwas Stress wegen des Namens. Ja, wie soll diese Entdeckung jetzt heißen? Das finde ich auch so interessant, wenn man sowas dann benennen darf.
Und das Journal und Albert sind sich, man könnte sagen, nicht so ganz einig. Ja, also Albert hatte da so ein bisschen so ein paar Spaßnahmen sich überlegt und dann immer argumentiert, was er alles in diesen Wörtern lesen kann. Aber das Journal sagt so, nee, nee, Leute, wir brauchen hier einen wissenschaftlichen Namen.
Und irgendwann, die sind richtig genervt von ihm und sagen, also wenn du jetzt hier mit keinem gescheitem Namen um die Ecke kommst, dann lehnen wir die ganze Arbeit ab und dann schlagen die einfach selber einen Namen vor. Und sagen, komm, wir nennen diese Verbindung jetzt Hexoronsäure. Und dann sagt Albert, okay, alles klar, ich gebe nach, Hauptsache das wird veröffentlicht.
Und das passiert dann auch mit seinen Ergebnissen, mit dem Hinweis, dass es sein kann, dass diese Wirkung von Zitronensaft auf Zitronensaft, diese neue Verbindung, die er isoliert hat, zurückgeht. Also dass scheinbar Hexoronsäure in Zitronensaft ist. Ja, wir kommen der Sache näher. 1929 wechselt er dann an eine Klinik in Minnesota und ist damit an einer perfekten Quelle für ein unendliches Rinder-Nebennieren-Buffet.
In Minnesota gibt es nämlich riesige Schlachthäuser. Schön. Und kann Albert 25 Gramm Hexoronsäure isolieren. Also das ist richtig, richtig viel, wenn man überlegt, wie wenig da aus einer Nebenniere quasi entsteht. Und davon schickt er die Hälfte an einen Kollegen nach Birmingham. Er will davon eine Strukturaufklärung durchführen, aber die Menge reicht nicht.
Und deswegen bleibt die Struktur weiterhin unbekannt. Ja, für Albert geht es jetzt zurück an die Uni nach Ungarn und da lernt er einen amerikanisch-ungarischen Kollegen kennen. Joe Swerbly und der hat schon eine Weile versucht, Vitamin C aus Citrus-Säften zu isolieren, aber bis jetzt immer vergeblich und jetzt steht er bei Albert auf der Matte und fragt, du sollen wir das nicht zusammen nochmal probieren?
Albert sagt dann, ja, kann ich mir grundsätzlich vorstellen, aber was kannst du denn? Und da sagt Joe, ja, also ich könnte herausfinden, ob eine Substanz Vitamin C überhaupt enthält. Und das findet Albert an sich schon mal spannend und gibt ihm jetzt sein allerletztes Gramm Hexoronsäure, weil er rechnet ja damit, dass diese Hexoronsäure mit Vitamin C identisch ist.
Aber genau das soll Joe jetzt prüfen. Es sind viele Vokabeln und viele verschiedene Stränge, die wir hier ziehen. Wir hoffen, ihr seid noch dabei. Albert selbst hat tatsächlich nie überprüft. Hexuronsäure, Vitamin C enthält. Und warum genau? Dazu sagt er selbst, ich war mit Tierversuchen auf diesem Gebiet nicht vertraut und das ganze Problem war für mich zu glamourös.
Das finde ich auch so eine verrückte Bezeichnung. Nach meinen Vorstellungen waren Vitamine theoretisch uninteressant. Vitamin heißt doch, man muss das essen. Und was man essen muss, ist in erster Linie Sache eines Küchenchefs, nicht eines Wissenschaftlers. Wenn der wüsste, dass es heute Wissenschaftler gibt, die sich mit nichts anderem beschäftigen, als wie ernährt man sich gesund und wie kann man bestimmten Krankheiten vorbeugen.
Es ist ja ein eigener Wissenschaftszweig. Weil es so wichtig ist. Ja, es ist so verrückt. Aber ich finde es auch, es spricht irgendwie für ihn, dass er sagt, er findet das zu glamourös für ihn, weil er glaube ich auch ein bescheidener Typ war. Ja, weil er gedacht hat, das ist für mich zu glamouröse Wissenschaft.
Ich beschäftige mich lieber mit den Basics. Ja, vielleicht. Vielleicht drauf. Ja, vielleicht hat er sich damit auch ein bisschen so rausgeredet, aber ich finde schon fair, dass er zum Beispiel sagt, ich war mit Tierversuchen auf diesem Gebiet nicht so vertraut. Also er sagt ja im Prinzip auch, ich konnte das nicht so gut.
Aber dann ist ja vielleicht perfekt, dass er da jetzt mit Joe in Kontakt ist, denn tatsächlich bestätigt sich jetzt der Verdacht, Joe kann mit Tierversuch nachweisen, dass die Hexoronsäure aus den Nebennieren von Rindern physiologisch identisch mit den Vitamin-C-Extrakten aus Zitrusfrüchten ist. Und damit deutlich wird, dass die Verbindung auch gegen Skorbut hilft, nennen sie sie ab jetzt Ascorbinsäure.
Also da steckt wieder Skorbut ein bisschen drin. Die zwei sind echt jetzt richtig begeistert, dass sie das zusammen nachweisen konnten. Denke ich mir so schön, Albert. Hast du ja schlau angestellt. Ja, stimmt. Aber so super. Gutes Teamwork. Und sie würden das jetzt natürlich auch am liebsten direkt wieder veröffentlichen.
Ja, und sie wollen dann an die englische Zeitschrift Nature herantreten und erzählen davon auch Joes ehemaligen Mentor in Pittsburgh. Und das ist ein Riesenfehler. Wir haben das hier schon ein paar Mal gehabt, dass Geschichten so verlaufen sind, weil es nicht irgendwelche Blätter achtlos rumliegen gelassen wurden oder man ja so von seinen Erkenntnissen erzählt hat und dann hat sich das jemand anderes geschnappt.
Denn dieser Mentor in Pittsburgh, der schickt sofort einen Hinweis an die Zeitschrift Science und tut so, das ist so dreist, ich kann es gar nicht fassen, als hätte er das Vitamin C selbst isoliert. Genau. Die Audacity. Ich weiß gar nicht, wie man darauf kommt. Wenn du mir jetzt erzählen würdest, du hättest irgendwas herausgefunden, dann hätte ich doch gar nicht den Mut...
Quasi so zu tun, als hätte ich das herausgefunden, weil ich viel zu viel Angst vor Fragen hätte. Also das ist wirklich, ja, Albert ist auch geschockt. Also er kann es gar nicht fassen. Vor allem war das halt, also Joe war halt ja vorher sein Schüler sozusagen und dann einfach so zu tun, als hätte man es selbst gemacht.
Schlimm und den, also Joe wurde gar nicht erwähnt. Ja, und es ist ein Verhalten, das das Gegenteil von allem ist, wofür auch Albert so an sich steht. Er ist ein total offener Wissenschaftler, der immer viel auch von seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen mit anderen geteilt hat und das wurde bisher nie missbraucht und in dem Fall jetzt aber schon und er ist wirklich fassungslos, wie wenig ehrlich die Wissenschafts-Community scheinbar ist.
Zum Glück durchschaut das Nobelkomitee in diesem Fall die ganze Sache und verleiht Albert 1937 den Medizin-Nobelpreis. Glück gehabt, ganz anders als zum Beispiel mal bei Marietta Blau, die wir hier vor ein paar Folgen vorgestellt haben, die ja die Zerstrümmerungssterne entdeckt hat und die dann aber keinen Nobelpreis dafür bekommen hat, sondern dann eben ein Mann, der das Ganze als seine Erkenntnis ausgewiesen hat, wo das Nobelpreiskomitee wirklich einen sehr, sehr groben Fehler gemacht hat.
Aber hier in dem Fall trifft es den Richtigen. Das stimmt. Da haben sie es noch durchschaut, zum Glück. Aber, Okay, der Nobelpreis, das ist alles gut gelaufen, aber was bleibt denn jetzt eigentlich übrig und in diesem Fall tatsächlich nichts, denn Joe und Albert haben ja für ihren Beweis den letzten Rest Hexoronsäure aufgebraucht.
Sie haben ihn jetzt an die Meerschweinchen verfüttert und in der Stadt in Ungarn, in der sie sind, da gibt es auch nicht so große Schlachthäuser wie in Minnesota vorher. Also das heißt, sie brauchen irgendwie jetzt eine andere Quelle. Woraus sie überhaupt die Hexeronsäure isolieren können, das Vitamin C.
Und jetzt kommt Alberts Frau ins Spiel. Ja, ein Glück, weil ich finde dieses da immer neben ihren Zusitzieren, das ist ja auch irgendwie aufwendig. Und jetzt serviert die Frau von Albert ihm eines Abends zum Abendbrot frische Paprika, typisch Ungarn, wir haben es am Anfang schon gesagt. Und in seiner Autobiografie schreibt Albert darüber später, ich hatte keinen Appetit darauf und überlegte, was ich damit machen könnte.
Ein Glück hatte er darauf keinen Appetit an diesem Abend. Das ist auch schon wieder typisch Albert, oder? So, nee, darauf habe ich keinen Lust, hier Versuche kann ich nicht, das möchte ich nicht wissen. Paprika, kein Hunger. Das machst du jetzt da raus. Und weiter geht das Zitat. Plötzlich stieß mir auf, dass ich diese Pflanze noch nie untersucht hatte.
Ich brachte sie sofort ins Labor und schon um Mitternacht wusste ich, es war eine Schatztruhe voll mit Vitamin C. Das finde ich so verrückt. Die Frau dachte sich wahrscheinlich auch so, ja danke, ich habe dir das jetzt hier angerichtet und serviert und du zerschnibbelst das da jetzt im Labor. Haust wieder ab ins Labor damit. Stell dir mal vor, du kochst für irgendwen so ein Essen und dann ist er, nö, kein Hunger, ich...
Ich sitze hier erst mal die Kartoffel im Labor. Wobei sie sich vielleicht am Tag da drauf, als sie wieder da beim Abendbrot zusammensaßen und sie dann gehört hat, wozu das geführt hat, vielleicht hat sie dann auch gedacht, ja, gern geschehen. Ja, kein Problem. Wir hatten doch schon mal hier diese Geschichte, wo ein Wackelpudding dazu geführt hat, dass auf Petrischalen Agar genutzt wurde.
Und ja, was genau auch aufgrund eines Essens, was serviert wurde. Eben diese Erkenntnis freigeschaltet hat. Passt auf, was ihr esst, Leute. Aber das Beste an dieser Paprika ist, die hat zum einen weniger Zucker, der abgetrennt werden muss, um das Vitamin C zu isolieren. Also das ist ja wohl mal ein absoluter Glückstreffer jetzt für die Forschung.
Und innerhalb einer Woche kann es jetzt gelingen, dass fast ein Kilogramm Kristallines Vitamin C aus Paprikaschoten isoliert wird. Also das ist mal wirklich ein ganz anderes Level und davon geht direkt wieder auch eine große Menge an seinen Kollegen nach Birmingham und der kann es mit dieser großen Menge jetzt endlich schaffen, die Vitamin C Struktur aufzudröseln.
Das heißt, die Paprika hat da wirklich zu einem wissenschaftlichen Durchbruch geführt. Ja, wer hätte das gedacht. Ich liebe ja Paprika sowieso schon. Oh, ich auch. Und jetzt nochmal viel mehr. Ich finde, in jeder Form kann man die essen. Ah, war lecker einfach. Habe jetzt richtig Lust auf Paprika. Welche ist deine Lieblingssorte?
Rot, ganz klassisch. Also Sorte nicht, die sind ja gleich genau Farbe. Nicht Farbe, ne? Ja. Rot? Ja. Ganz früher fand ich immer gelb am besten, aber jetzt bin ich auch team rot. Aber wer mag denn grün? Das frage ich mich. Ja doch, manchmal, aber da muss ich so eine Stimmung für sein oder warm dann eher.
Ah, ja okay, stimmt, so mit Reis. Ja doch, das kann man schon auch essen. Hier noch ein kleiner Funfact zum Schluss, damit ihr mit Paprika-Wissen noch ein bisschen angeben könnt. Botanisch gesehen ist die Paprika übrigens eine Frucht und genau genommen eine Beere. Eine Beere, die mehr Vitamin C hat als eine Zitrone. Deswegen morgens in die Morning-Routine vielleicht lieber einführen, eine Paprika zu essen.
Denn wenn man zum Beispiel eine halbe bis ganze Paprika isst, am besten da tatsächlich eine rote, hat man schon seinen ganzen Tagesbedarf an Vitamin C gedeckt. Also nichts mit irgendwie hier noch ein Liter Zitronensaft zum Wasser dazugeben und dann noch irgendwelche Tablettchen hier und da mit Vitamin C.
Es reicht, eine Paprika zu essen. Schön. Ich freue mich auf die nächste Paprika. Und wir können hier noch mal echt nicht nur einen hoch aussprechen auf die Paprika, sondern natürlich auch auf Albert. Denn er hat da echt zu sehr viel wissenschaftlichen Erkenntnissen uns geleitet. Und ob Vitamin C auch gegen Erkältung hilft und nicht nur gegen Skorbut, das könnt ihr noch mal in der Folge über Linus Pauling nachhören.
Die werden wir euch auf jeden Fall hier verlinken. Definitiv, da geht es nochmal in ganz andere Gefilde, was das Vitamin C angeht. Also ja, wir haben am Anfang ja schon ein bisschen was darüber erzählt. Vielleicht kennt ihr die Folge ja auch schon. Linus Pauling auf jeden Fall eine sehr streitbare Figur, würde ich sagen, aus der Wissenschaftsgeschichte.
Übrigens hilft mir die Paprika aktuell bei noch was. Und zwar darf man ja vor kleinen Kindern nicht fluchen, Und deswegen überlege ich immer, wie man quasi, man muss ja manchmal, wenn einem was auf den Fuß fällt oder man stößt sich den kleinen Zeh oder es passiert sonst was, man verpasst den Bus, muss man ja einfach mal fluchen.
Man muss ja das rauslassen. Und dann sage ich mal schon, oh, Paprika. Paprika? Ja. Ich weiß nicht, von wem ich das habe. Ich glaube, von jemand anderem mit kleinem Kind. Die hat auch immer gesagt, Paprika, ich weiß es nicht mehr. Danke an diese Person an dieser Stelle anonymerweise. In Paprika, das hat so ein, diese Plop-Laute. So ein Plop.
Dass man da genug von seiner Emotion reinstecken kann. Nein. Und es ist einfach nur ein Gemüse oder eine Beere, wie wir gerade gelernt haben. Ja, Leute, also ihr könnt gerne über Paprika fluchen, ihr könnt sie feiern. Ihr solltet sie aber nicht verfluchen. Ja, so, die Paprika, ein Hoch auf sie. Das war es mit unserer Teil 2 sozusagen zu, das hatte ich jetzt geschockt, ne?
Ja, das muss uns noch ein bisschen nachwirken. Also, dass die Paprika sehr knackig ist, da hatte ich eben schon auch lange drüber nachgedacht, dass sie deswegen so toll ist, aber du hast recht, das Wort hat auch schon einen gewissen Plopp. Ja, total. Vielleicht übernehmt ihr das ja jetzt. Danke, dass ihr hier dabei wart bei unserer Vitamin C Geschichtsfolge sozusagen.
Wir hören uns nächste Woche wieder. Bis dahin, habt ganz viele schöne Morgende, macht's euch schön und tschüss. Tschüss.