BILLION DOLLAR BABIES – Der Aal und die Gier· Folge 4

Folge 3 - Polen: Columbos sechs Katzen

Montag, 30. März 2026 · 26 min

MP3

Shownotes

Ein polnischer Journalist mit selbstgebauten Spionage-Gadgets, ein Informant an der russischen Grenze: Werden Aale unter dem Deckmantel von Naturschutz in Putins Kriegswirtschaft geschleust?

Hier geht es zum Film: kurz.zdf.de/bdb
Hier geht’s zu der Katze: instagram.com/miluniakotek

In Polen treffen Sebastian und Marcel auf Pawel - einen Investigativ-Journalisten mit selbstgebauten Spionage-Gadgets und der Hartnäckigkeit von Columbo.

Pawel hat sich in den europäischen Aalhandel verbissen. Er will wissen, ob unter dem Deckmantel von Naturschutz Aale in Russlands Kriegswirtschaft geschleust werden. Die Recherche führt das Team an die polnisch-russische Grenze, wo ein Informant Geheimnisse preisgibt - und einen alten Computer überreicht, der zur Smoking Gun werden könnte.

Die Aal-Dame erinnert derweil an den ältesten Aal der Welt, der 155 Jahre in einem schwedischen Brunnen überlebte - und an die Frauen in Marokko, die Aale mit gekochten Eiern fütterten, weil sie an deren übernatürliche Kräfte glaubten.

BILLION DOLLAR BABIES – Der Aal und die Gier ist ein Podcast von Lisa Ludwig, Sebastian Weis und Marcel Ozan Riedel.

Erzählt von Katja Riemann, Sebastian Weis und Marcel Ozan Riedel.
Regie & Schnitt: Nele Dehnenkamp.
Co-Autorin: Birgit Tanner.
Dramaturgische Beratung: Miku Sophie Kühmel.
Ton & Technik: Andre Moghimi & Stanisław Miłkowski & Jochen Voerste.
Musik: Andre Moghimi.
Mit weiterer Musik aus dem Film von Nils Kacirek.
Zusätzliches Sounddesign: Felix Denzer.
Produktionsassistenz: Stefanie Kaiser und Philipp Fischer.
Coverdesign: Victoria Müller.
Creative Producing: Maike Brülls.
Head Of Content Richtig Cool: Jan Lindenau-Rank.
Executive Producer Richtig Cool: Robin Blase.
Executive Producer DOCDAYS: Antje Boehmert.
Produktionsmanagement ZDF: Christiane Alsfasser, Anna Sophie Schmid.
Redaktion ZDF: Lisa Reisch und Vanessa Olivier, Susanne Mertens (ARTE)

Mit großem Dank an Sam Piranty, ohne den dieser Podcast nicht möglich gewesen wäre, sowie Anja Herrenbrück, Marla Hünninghaus, Katharina Fülle und das Kinderhospiz „Berliner Herz“

BILLION DOLLAR BABIES ist ein Podcast von ZDFkultur. Und eine Zusammenarbeit von Richtig Cool und DOCDAYS Productions.

Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Wie geht dein Rental-Carspruch? Don't be gentle, it's a rental. Mein Kollege Marcel Ozanriedl und ich sind auf dem Weg nach Polen. Wir wollen Pawel treffen. Einen Investigativjournalist, der auch zum Aalhandel recherchiert. Aber der Aalmann sagt Pawel. Vor unserer Reise habe ich schon x-mal mit ihm telefoniert. Pavel hat sich vollkommen in das Thema verbissen.

Du pennst ein und morgens hast du 160 Nachrichten von ihm auf dem Handy. Colombo ist der legendäre Fernsehinspektor, der jahrzehntelang Mordfälle in der Upper Class aufgedeckt hat. Seine Methode? Eine Frage hätte ich da noch. Damit bringt er die hohen Herrschaften eigentlich immer zu Fall. Im Grunde genommen ist Pablo nichts anderes. Ein Detektiv im journalistischen Auftrag.

Scheinbar zerstreut, aber irgendwie genial. Und Spoiler, das werden wir live miterleben. Zum Zeitpunkt unserer Reise habe ich zu dem laut Europol größten Wildtierverbrechen Europas recherchiert. Ich habe Wissenschaftler, Ermittlerinnen und Händler getroffen. Und ich bin der Frage nachgegangen, ob Geld aus dem Schmuggel von Ahlen in den russischen Angriffskrieg fließt.

Und ich wollte herausfinden, ob der Flugzeugabsturz mit dem Präsidentenmord auf Haiti zu tun hat. Ich bin Sebastian Weiß, Filmemacher und Investigativjournalist. Für ZDF Arte, ZDF Kultur und BBC Eye habe ich einen Film gemacht über eine gefährdete Tierart, die in den Flüssen vor unserer Haustür schwimmt und mit deren Schmuggel Milliarden verdient werden.

Und was ihr in der Doku nicht seht, hört ihr hier. Das hier ist nicht irgendein True Crime Podcast. Kein Wirtschafts-Thriller, zumindest nicht für uns. Das ist das größte Wildtierverbrechen, von dem kaum jemand weiß. Es ist das Jahr 1859, als ein kleiner Junge mich in einen Brunnen wirft. Der Himmel?

Nur noch ein kleiner Kreis weit über mir. Mein Horizont? Steinwände. Dunkelheit. Hier, in diesem Brunnen im schwedischen Ort Brantewig, werde ich sterben. Doch es dauert, bis mir das bewusst wird. 2014 pumpen meine Kiemen das letzte Mal Sauerstoff in meinen Körper. Ein, aus. Dann treibe ich langsam an die Oberfläche.

Normalerweise werden wir um die 30 Jahre alt, in Gefangenschaft sogar bis zu 100. In diesem dunklen Brunnenschacht habe ich 155 Jahre lang ausgeharrt und dabei zwei Weltkriege überlebt. Das macht mich zum ältesten Aal, der jemals von Menschen gefunden wurde. Als sie mich holen kommen und meinen rekordverdächtigen Körper zur Schlagzeile machen, ist meine Seele schon längst nicht mehr hier.

Auch in Marokko leben wir umgeben von Mauern Doch hier werden wir nicht vergessen, wir werden verehrt In den Ruinen der mittelalterlichen Totenstadt Chella gibt es ein Becken, das Bassin aux Anguis, also das Becken der Aale. Wir sind Raubfische und fangen unser Essen normalerweise selbst. Aber in Chella füttern uns jedes Jahr Frauen mit gekochten Eiern.

Natürlich nicht einfach so. Der Mensch gibt nichts, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, auch klar. Diese Frauen glauben an eine alte Legende, nach der wir denen, die uns füttern, Fruchtbarkeit gewähren können. Für sie sind wir übernatürliche Wesen, gottähnliche Kreaturen. Auf der ganzen Welt kennt der Mensch den Aal, verehrt ihn, verzehrt ihn, vergisst ihn gern.

Dabei braucht meine Art jede Unterstützung. Mein Leben ist eine tausende Kilometer lange Reise durch die verschiedensten Regionen der Welt. Wobei, mittlerweile haben wir zwei Routen. Eine, die uns die Natur vorgibt und eine Menschengemachte, bei der ihr uns von einem Land ins nächste fliegt und Geld mit uns verdient.

Wie zum Beispiel in Polen, wo man uns Ale Wengosch nennt. Der sieht ja freundlich auf. Paweł lebt und arbeitet in einem kleinen Städtchen in den Ausläufern der Westkarpaten im Süden Polens. Paweł empfängt uns vor seinem alten Häuschen. Er ist in seinen 50ern und sieht witzig aus mit seinen braun-grauen, langen, wuscheligen Haaren.

Ein herzlicher Typ, der ziemlich aufgedreht ist. Pavel stellt uns seine Frau vor. Und seine sechs Katzen. Das ganze untere Stockwerk gehört den Katzen allein. Eine von ihnen hat nur ein Auge, genau wie Colombo, aber dafür 1800 Follower auf Instagram. Verlinken wir euch in den Shownotes. Pawel nimmt uns mit in sein Büro.

An der Wand hängen vier Monitore, eingerahmt von heiligen Bildchen. Das Zimmer sieht aus wie eine Mischung aus Recherchehöhle und Elektronikwerkstatt. Pavel ist aufgeregt. Er hat etwas ausprobiert an uns. Ein Gadget der Marke Eigenbau. Pavel freut sich wie ein Kind, dass wir die versteckte Kamera in seiner Jacke nicht bemerkt haben.

Sein Büro ist voll von Zeug, das er selbst Special Stuff nennt. Zum Beispiel DIY-GPS-Tracker, die ja scherzhaft Tickerbocker-Family getauft hat. Das ist eine Anspielung auf Zecken. Sie können sich anheften, Informationen sammeln und unauffällig auf Kommando abfeilen. Pavel erinnert mich an Q aus den James-Bond-Filmen, der in 007 die explodierenden Uhren zusammenbaut.

Pavel hat begonnen, zum Aalhandel zu recherchieren, weil er denselben Artikel gelesen hat wie wir. In dem Artikel wird über die Lieferung von einer halben Tonne Baby-Aale nach Kaliningrad berichtet. Dies könnte Putin dabei helfen, seinen Krieg in der Ukraine zu finanzieren, heißt es dort. Pavel fragt sich, wie man mit dem Handel von Aalen einen Krieg finanzieren soll.

Das will er herausfinden. Er sieht das als seine Pflicht an. Pavel hat wochenlang jeden angerufen, der mit dem Aalhandel in Verbindung steht. Wirklich jeden. Die meisten höhen sich in Schweigen, keiner will sich öffentlich äußern. Doch dann hat ihm ein Informant den entscheidenden Hinweis gegeben. Der Informant hat Pavel erzählt, dass er laut offiziellen Dokumenten eine Lieferung Aaler aus Frankreich erhalten sollte.

Dabei habe er sie nie bestellt und auch nie erhalten. Die Aale wurden an einen anderen Händler geliefert. Interessant an diesen Papieren ist aber vor allem eins, der Absender. Peter Woods Firma in Frankreich. Für Paweu geht es bei diesem Thema nicht in erster Linie um den Naturschutz, sondern um Korruption.

Er will herausfinden, ob jemand mit der Ausbeutung der Tiere Profit macht. In unserem Beisein ruft er einen Informanten an. Hallo? Hallo? Pavel will wissen, ob die russische Mafia hinter den Geschäften steckt. Nein, sagt der Informant. Pavel fragt nach der belarussischen Mafia. Er zögert lange. Und dann? Sagt er, dass Pavel ihn besuchen soll.

Das klingt schon wieder nach organisiertem Verbrechen. Wir wollen mehr darüber erfahren und planen, Pavel zu begleiten. Er soll den Informanten auf einer Aalfarm treffen. Aalfarmen an sich sind ja nicht verboten. Am nächsten Morgen verladen wir unser Equipment. Pavel reist mit drei Bildschirmen und vielen seiner selbstgebasteten Gadgets.

Selbst seine 20 Jahre alte Karre ist voller DIY-Hightech. James Bond wäre neidisch. Mittlerweile ist auch unser britischer Kollege Sam Perenti in Polen angekommen. Sam unterstützt uns bei unserer Recherche und hat eine Warnung des Sicherheitsberaters der BBC im Gepäck. Wir sollen unsere Laufschuhe bereit haben. Oft sein ist die vermeintlich harmlosen Geschichten, die plötzlich brenzlig werden.

Unser Treffpunkt mit dem Informanten ist an der polnisch-russischen Grenze. Wir müssen einmal komplett durch Polen, vom Süden bis hoch in den Nordosten. Es ist stockdunkel, als wir vor dem abgelegenen Gebäude der Aalfarm ankommen. Kein Mensch ist weit und breit zu sehen. Nur etwas Licht scheint durch ein Fenster.

Wir entscheiden uns dazu, dass Pavel alleine reingeht und wir auf dem Grundstück warten. Der Informant weiß ja noch nichts von uns und wir alle zusammen würden vielleicht zu bedrohlich wirken. Dann schnappt das Tor zum Grundstück hinter Pavel zu und er ist außer Sichtweite. Ob die belarussische Mafia wirklich was damit zu tun hat? Keine Ahnung.

Wir haben ein mulmiges Gefühl. Pawel mag vielleicht Q sein, aber niemand von uns ist James Bond. Wir scherzen, dass man das eigentlich nicht machen sollte. Alleine einen Informanten treffen. Vor allem nicht, wenn es sich möglicherweise um die Mafia handelt. Aber wir können Pavlo hören, über ein Funkmikrofon. Wir haben dem Informanten Vertraulichkeit zugesichert.

Deshalb nehmen wir nichts auf, aber ich höre mit. Und wie immer, Pavlo fragt einfach alles. Wer, mit wem, wann und warum. Es fehlt das Wort Mafia. Ich verstehe nur einen Bruchteil. Die Funkverbindung ist einfach zu schlecht. Und dann reißt sie ganz ab. Draußen ist nur die tiefschwarze Nacht. Es ist gruselig auf dem verwilderten Grundstück der Aalfarm.

Plötzlich kommt Pavel wieder. Er sieht glücklich aus. Fast so, als wäre ihm Papst Johannes Paul II. Höchstpersönlich erschienen. Und er trägt etwas unter dem Arm. Einen alten Computer. Es sei das verrückteste Treffen seines Lebens gewesen, erzählt Pabbel. Er habe geklopft und jemand habe die Tür einen Spalt geöffnet.

Der Typ sei ein wenig betrunken gewesen, habe vielleicht schon ein, zwei Bier in Tusk gehabt. Und drinnen sei noch ein zweiter Mann gewesen, der habe Wodka getrunken. Wir verstauen schnell den PC vom Informanten und machen uns auf den Rückweg. Unterwegs erzählt Pawel uns, dass der Informant ihm gesagt habe, seit Jahren würden Klaas alle von verschiedenen Lieferanten nach Polen geliefert werden.

Offiziell für Besatzprojekte, also Restocking. Doch der Mann hat Pawel erzählt, dass nicht alle Aale in Polen bleiben würden. Manche würden nach Kaliningrad geschmuggelt werden. Kaliningrad, die russische Enklave an der Ostsee, direkt neben Polen. Wohin Peter Wutt erst vor kurzem Aale geliefert hat, ganz offiziell.

Pawel glaubt, wir haben eine neue heiße Spur. Denn die Aalfarm in Polen, wo wir gerade den Informanten getroffen haben, gehöre einem Russen aus Kaliningrad. Der sitzt dort wegen des Krieges in der Ukraine fest. Plötzlich bekommt Peter Woods' Joke, dass sich seine Aale in der Bucht treffen würden, eine ganz neue Bedeutung.

Das Problem? Wir haben keine Beweise für das, was der Informant sagt. Bis auf diesen alten Rechner. Einen Firmen-PC. Doch als Pawel den Rechner anschließt, raucht die Festplatte ab. Scheiße. Ausgerechnet jetzt. Wir müssen die Festplatte an Spezialisten übergeben, die die Daten retten können. Vorausgesetzt, es ist noch was zu retten. Das kann Wochen dauern.

Abwarten ist für Pawel keine Option. Er macht einfach weiter und wird fündig. Bei seiner Recherche stößt er auf den ehemaligen Gouverneur von Kaliningrad, Anton Alihanov, der auf einer seiner Social-Media-Seiten für ein Naturschutzprojekt wirbt. Für genau das Projekt, an das Peter Wood Ahle liefert und von dem Naturschutzorganisationen befürchten, dass es dabei helfen soll, den Krieg in der Ukraine zu finanzieren.

Alekhanov sagt in einem seiner Videos wörtlich, Fischer haben früher 180 Tonnen pro Jahr gefangen. Jetzt sind es 15 bis 16 Tonnen. Zum Teil dank einiger unserer internationalen Anstrengungen ist es uns gelungen, Glas alle zu beschaffen und aufzuziehen. Das heißt, sie in Fischzuchtbetrieben aufzuziehen, bis sie marktreif sind.

Ich bin mir sicher, dass unsere Fischer einen Anstieg des Aalbestandes in Kaliningrad und für das Kurische Haff sehen werden. Das klingt ehrlich gesagt nicht nach Umweltschutz, sondern nach industrieller Produktion und Profitinteressen. Anton Alikhanov ist mittlerweile Minister in der russischen Regierung und steht auf internationalen Sanktionslisten.

Er ist treuer Putin-Anhänger und unterstützt Russlands Angriffskrieg. Das Glasallbesatzprojekt nennen sie Spezialoperation. So hat Putin auch den Angriff auf die Ukraine bezeichnet. Uns gegenüber hat Peter Wutt unmissverständlich klargemacht, dass es sich um ein Naturschutzprojekt handelt. Aber kennt er auch die Aussagen von Ali Khanow, dass sie die Aale vor allem kommerziell nutzen wollen?

Wir haben Post. Und endlich Klarheit. Eine Firma konnte 98 Prozent der Daten auf der Festplatte wiederherstellen. Und was wir sehen, wollen wir eigentlich gar nicht sehen. Unterhose auf dem Computer. Auf dem Computer finden wir vieles. Ältere Männer mit Bauchansatz und Goldkette im Pool. Und viele Pornos.

Sie kuscheln und Spaß haben. Hier wird gegessen. Und komplett wilde Partyfotos mit jeder Menge Alkohol und sehr viel nackter Haut. Ein Mann mit einem witzigen Hut. I'm only here for the ladies, hat er auf seinem T-Shirt stehen. Ja, Wahnsinn. Ach, seit Jahrhunderten brandmarkt uns der Mensch als eklige Glitschtiere, Freud hat uns sogar als Bestien bezeichnet.

Aber wer ist hier der Freak? Die Perversionen des Menschen reichen tiefer als jedes Meer. Für die Befriedigung ihrer niedersten Triebe verletzen sie nicht nur einander, sondern vergehen sich auch an der Natur. An uns. Oder wie würdet ihr das nennen, wenn sich einer von euch ein lebendes Tier in den Hintern schiebt?

Mann schiebt sich lebenden Aal in den Po und stirbt fast. Vietnamesische Ärzte haben einem 31 Jahre alten Mann einen lebenden Aal aus dem Bauch entfernt. Wie das Wirduk-Krankenhaus in der Hauptstadt Hanoi mitteilte, schwebte der Patient in akuter Lebensgefahr. Der Aal war demnach gerade dabei, sich durch den Dickdarm des Mannes in den Bauchraum zu fressen.

Jetzt warnen die Ärzte vor möglichen Nachahmern. Ihnen zufolge tendieren gerade junge Männer dazu, lustvolle Empfindungen durch zum Sexspielzeug umfunktionierte Alltagsgegenstände zu erzielen. Interessant, oder? Da bringt jemand ganz bewusst einen von uns in Lebensgefahr und trotzdem schafft es dieser Artikel, uns als Monster zu stilisieren, die sich mutwillig durch Innereien fressen.

Wann dürfen wir uns denn gegen die Gewalt des Menschen wehren? Anscheinend ja nicht, wenn wir ausgerottet, gegessen oder durch andere Körperöffnungen eingeführt werden. Wann hat das angefangen, dass der Mensch uns als nicht liebens- oder schützenswert sieht? Liegt es daran, dass ihm so fremd ist, wie außergewöhnlich unsere Körper funktionieren?

Sauerstoff nehmen wir durch unsere Kiemen und die Haut auf. Das bedeutet, wir können unter- und über Wasser atmen. Unsere Körper tragen uns nicht nur durchs Wasser, sondern auch kilometerweit übertrockenes Land, wie bei Schlangen. Wir können das Magnetfeld der Erde spüren, was uns dabei hilft, die Flüsse dieser Welt zu durchqueren und anschließend den Atlantik zu überqueren.

Wie mit einem inneren Navigationssystem. Unsere vier Nasenlöcher orten Gerüche dreidimensional. Das macht uns zu den perfekten Jägern. Unser Blut ist giftig. Und in uns schlagen zwei Herzen. Eines in der Brust und ein zweites in unserem Schwanz. Doch eine Sache sind wir nicht. Leichenschänder. Ach, vielleicht war es wirklich diese verdammte Blechtrommel, die unser Image zerstört hat.

Günter Grass beschreibt uns in einer furchtbaren Szene als abstoßende Aasfresser, die einen Pferdekopf von innen heraus abnaben. Einer der Figuren wird bei dem Anblick so schlecht, dass sie sich übergeben muss. Wir werden als Todbringer gezeigt, von denen man sich abwenden muss. Doch das ist ein Missverständnis.

Wenn wir in Tierschädel schwimmen, dann, um uns zu verstecken, auch vor euch. Ich will nicht ungerecht sein. Es gibt Menschen, die uns helfen wollen. Deswegen behalte ich auch diese Journalisten im Blick. In meinen zwei Herzen regt sich etwas, von dem ich gar nicht mehr wusste, dass es noch existiert. Hoffnung.

Wir schauen uns noch einmal die Dokumente auf der Festplatte an, dieses Mal zusammen mit Pavel. Wir finden viele Pässe, russische, ukrainische, unter anderem natürlich auch Bilder von Aalen und höllisch viel Tabak. Aber dann findet Pavel plötzlich etwas Interessantes. Fotos und Dokumente zeigen, die polnische Aalfarm, bei der wir den Informanten getroffen haben, hat regelmäßig mit einem russischen Professor aus Kaliningrad zusammengearbeitet, Yevgeny Krustalev.

Das ist der Leiter für das Wiederbesatzprojekt mit Peter Wood. Und vor ein paar Jahren hat der Professor eine interessante Studie veröffentlicht. Darin bezeichnet er die Aalfarm, vor der wir standen, als Testlabor für die industrielle Aalzucht in Kaliningrad. Aale würden wegen ihres hohen Marktwertes zu den rentabelsten Fischen überhaupt gehören.

Und wegen des Exportverbotes aus der EU, schreibt er, habe Russland keinen Zugang zu Glaseilen. Dies würde sich aber bald ändern. Was es dann ja auch hat mit Peter Woods' Aalen. Werden die Glasaale also mithilfe eines vermeintlichen Naturschutzprojektes nach Kaliningrad geliefert? So langsam wird es richtig schräg.

Erst der Gouverneur von Kaliningrad, der von Profit redet, und jetzt auch noch der Fischprofessor, der von Aalindustrie redet, ganz offen. Kann Peter Wutt von all dem nichts gewusst haben? Pavel hat da seine Zweifel. Und noch ein Ass im Ärmel. Pavel hat einen neuen Informanten. Es geht um eine A-Lieferung.

Ein Flugzeug soll am Flughafen von Olstein landen, nicht weit entfernt von Kaliningrad. Nicht irgendein Flugzeug, sondern eins, in dem wir schon mal auf der kalten Rückbank gesessen haben. Und in dem uns zum ersten Mal das Gefühl beschlichen hat, dass Naturschutz nicht gleich Naturschutz sein könnte.

Wie es weitergeht, hört ihr in der nächsten Folge. Wir haben Peter Wood im Rahmen unserer Recherchen um Stellungnahme gebeten. Er sagte uns, dass seine Unternehmen rechtmäßig agierten. Alleiniges Ziel sei der Naturschutz und die Unternehmen würden entsprechenden Kontroll- und Berichtspflichten unterliegen.

Natürlich müsse mit äußerster Sorgfalt darauf geachtet werden, dass der Krieg Russlands gegen die Ukraine nicht unterstützt werde. Der Aalhandel im Zusammenhang mit Umweltprojekten diene aber dem Gemeinwohl und es bestehe kein Zusammenhang zu diesem Krieg. Davon, dass im Rahmen legaler und dokumentierter Vorgänge nach Polen gelieferte Glasaale illegal nach Russland geschmuggelt werden könnten, habe er noch nicht gehört.

Und dies entbehre auch jeder Grundlage. Und etwaige Unstimmigkeiten in den erwähnten Lieferdokumenten seien auf organisatorische Fehler zurückzuführen, die korrigiert worden seien. Das ist Billion Dollar Babys. Der Aal und die Gier. Ein Podcast von Lisa Ludwig und uns, Sebastian Weiß und Marcel Ozan-Riedel.

Erzählt hat außerdem Katja Riemann. Regie und Schnitt Nele Denenkamp. Co-Autorin ist Birgit Tanner. Dramaturgische Beratung Miku-Sophie Kümel. Ton und Technik haben André Mugimi, Stanislav Milkovski und Jochen Förste übernommen. Musik André Mugimi mit weiterer Musik aus dem Film von Nils Katschirek. Zusätzliches Sounddesign von Felix Denzer.

Produktionsassistenz Stefanie Kaiser und Philipp Fischer. Unser Cover hat Viktoria Müller gestaltet. Produktionsmanagement ZDF Christiane Alswasser und Anna-Sophie Schmidt. Creative Producing Maike Brülz. Redaktion ZDF Kultur Lisa Reisch und Vanessa Olivier. Redaktion ZDF Arte Susanne Mertens. Head of Content Richtig Cool Jan Lindenau-Rank. Executive Producer Richtig Cool Robin Blase.

Executive Producer Dog Days Antje Böhmert Mit großem Dank an Sam Perenti, Anja Herrenbrück, Marla Höninghaus, Katharina Fülle und das Kinderhospiz Berliner Herz. Billion Dollar Babies ist ein Podcast von ZDF Kultur und eine Zusammenarbeit von Richtig Cool und Dog Days Productions. Übrigens, Billion Dollar Babies gibt es auch als Film.

Milliarden Dollar Babies, große Geschäfte mit kleinen Aalen. Und zwar bei Arte und ZDF.

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