
BILLION DOLLAR BABIES – Der Aal und die Gier· Folge 7
Folge 6 - Großbritannien: Liebe Grüße aus Moskau?
Montag, 20. April 2026 · 34 min
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Shownotes
Das Ende der Spurensuche: drei Kontinente, 12 Länder, 33 Flüge später kommt die Recherche zum großen Finale. Geleakte Bankdaten bringen einen wichtigen Hinweis.
Hier geht es zum Film: kurz.zdf.de/bdb
Liebe Grüße aus Moskau?
In einem vom Michelin Guide empfohlenen Restaurant namens „Eels" treffen Sebastian und Marcel auf Duke, den europäischen Projektmanager einer Triade. Er ist jung, reich und hineingeboren in die Welt des organisierten Verbrechens. Er bestellt Aal, beschwert sich über die Qualität - und erklärt beiläufig, wie sein Schmuggel-Geschäft funktioniert: Wer seine Arbeit nicht zur Zufriedenheit der Triade macht, wird „ein bisschen aufgeschlitzt". Und er sagt auch: Jeder, der eine Glasaal-Lizenz besitzt, könnte etwas Illegales tun. Wir wissen: So eine Lizenz haben nur wenige.
Und dann schickt ein russischer Journalist im Exil brisante Dokumente aus Kaliningrad: Die dortige Aalfarm läge auf dem Gelände des FSB, des russischen Geheimdienstes. Der geschützte Europäische Aal wird vor Ort als „baltische Delikatesse" vermarktet – und nicht als Naturschutzprojekt.
Nicht nur das - geleakte Bankdaten zeigen verdächtige Zahlungen aus Russland.
Die Aal-Dame verabschiedet sich mit dem letzten großen Geheimnis ihrer Art: der Reise in die Sargassosee, wo der Kreislauf des Lebens endet - und beginnt.
BILLION DOLLAR BABIES – Der Aal und die Gier ist ein Podcast von Lisa Ludwig, Sebastian Weis und Marcel Ozan Riedel.
Erzählt von Katja Riemann, Sebastian Weis und Marcel Ozan Riedel.
Regie & Schnitt: Nele Dehnenkamp.
Co-Autorin: Birgit Tanner.
Dramaturgische Beratung: Miku Sophie Kühmel.
Ton & Technik: Andre Moghimi & Stanisław Miłkowski & Jochen Voerste.
Musik: Andre Moghimi.
Mit weiterer Musik aus dem Film von Nils Kacirek.
Zusätzliches Sounddesign: Felix Denzer.
Produktionsassistenz: Stefanie Kaiser und Philipp Fischer.
Coverdesign: Victoria Müller.
Creative Producing: Maike Brülls.
Head Of Content Richtig Cool: Jan Lindenau-Rank.
Executive Producer Richtig Cool: Robin Blase.
Executive Producer DOCDAYS: Antje Boehmert.
Produktionsmanagement ZDF: Christiane Alsfasser, Anna Sophie Schmid.
Redaktion ZDF: Lisa Reisch und Vanessa Olivier, Susanne Mertens (ARTE)
Mit großem Dank an Sam Piranty, ohne den dieser Podcast nicht möglich gewesen wäre, sowie Anja Herrenbrück, Marla Hünninghaus, Katharina Fülle und das Kinderhospiz „Berliner Herz“
BILLION DOLLAR BABIES ist ein Podcast von ZDFkultur. Und eine Zusammenarbeit von Richtig Cool und DOCDAYS Productions.
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Es beginnt wie ein elektrischer Impuls tief im Inneren. Los, sagt mein Körper, der nur noch ein Ziel kennt. Es ist Zeit. Jetzt weiß ich, dass ich bald sterben werde. Menschen haben Religionen und kulturelle Praktiken, die sich über Jahrtausende entwickelt haben. Doch auch Tiere funktionieren nach einer höheren Macht, nur dass wir ihr keine Tempel errichten müssen.
Die menschliche Wissenschaft mag es Genetik nennen. Für uns ist es diese innere Stimme, die ein Kompass für uns ist, eine Uhr, eine Landkarte. Sie lebt in uns. Und wenn wir alt genug sind, sagt sie zu uns Aalen, brecht auf eure letzte Reise auf, zurück an den Anfang. Ich habe euch versprochen, dass ich euch das Geheimnis der Aale verrate.
Dafür müsst ihr mir folgen, durch die Tiefen des Atlantiks bis zum sagenumwobenen Bermuda-Dreieck, in die Sargasso-See. Ich schwimme durch Rhein und Elbe Richtung offenes Meer. Mein innerer Kompass, der sich am Magnetfeld der Erde orientiert, ist wie ein GPS. Er weist mir den Weg. Mein Körper braucht nicht lange, um sich wieder an das Salzwasser zu gewöhnen, das er Jahrzehnte nicht mehr geschmeckt hat.
Große Teile meines Lebens bin ich im Landesinneren in Süßwasser geschwommen. Jetzt muss mein Körper sich ein letztes Mal anpassen. Meine Seiten werden silbern, mein Rücken schwarz. Ich muss mir keine Gedanken mehr darum machen, Nahrung zu jagen. Mein Magen hat schon vor Wochen angefangen, sich zu verändern, zu transformieren.
Aristoteles hat vor über 2000 Jahren behauptet, wir seien geschlechtslos. Für ihn ist der Aal einfach irgendwann da, aus dem Schlamm geboren. Ob der große Philosoph und Naturforscher ein persönliches Problem mit uns hatte, wie Sigmund Freud, der an der Suche nach unseren Geschlechtsorganen verzweifelt ist?
Die Wahrheit ist, dass Aristoteles, Freud und wie sie alle hießen, gar keine Geschlechtsorgane finden konnten. Sie waren zu klein, um mit den wissenschaftlichen Mitteln jener Zeit entdeckt zu werden. Erst wenn wir uns auf unsere letzte Reise zurück in die Sargassusee begeben, wachsen Keimdrüsen in unserem Inneren heran und ersetzen langsam unseren Magen.
Das macht uns fundamental anders als euch. Ein Geschlecht bestimmt nicht, wer wir glauben sein zu müssen und wie wir wahrgenommen werden. Es wird nur wichtig, wenn wir es brauchen, um unsere Art zu erhalten. Wenn ich in der Sargasso-See ankomme, bleibt nicht mehr viel Zeit, bevor ich verhungere. Aber das ist nicht schlimm.
Mein Körper hat jetzt nur noch eine Aufgabe. Familie. Wir sind Millionen. Jedes Jahr weniger, aber noch sind wir hier. Zusammengekommen aus den Flüssen und Küstengebieten Europas, aber auch der Dominikanischen Republik, Haiti und Nordamerika. Es ist ein letzter Tanz, den wir vollführen. Hunderte Meter unter der Wasseroberfläche. Eine Orgie, sagen Menschen.
Eins zu eins ist die ultimative Form von Liebe, sage ich. Ein Teil von uns leicht in hunderten Metern Tiefe ab, der andere befruchtet die Milliarden winziger Eier. Wir blicken uns ein letztes Mal in die Augen. Unser doppeltes Herz schlägt synchron. Dann hört es auf zu schlagen. Seetang streicht über meinen Körper, während ich immer tiefer sinke.
Aristoteles hatte halb recht. Wir werden nicht aus dem Schlamm geboren, aber wir werden eins mit ihm, wenn unsere Aufgabe vollendet ist. Ich habe euch versprochen, ich zeige euch, wofür es sich lohnt zu sterben. Hierfür das Überleben meiner Art. Später schlüpfen Milliarden winziger Larven aus den Eiern.
Meine Kinder sehen aus wie durchsichtige kleine Blätter. Bis heute wissen eure Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht eindeutig, Warum dieser Tanz nur in der Sargasso-See stattfindet. Sie erklären es sich mit Evolution. Ein Ritual, das uns zu denen gemacht hat, die wir sind. Weswegen die Reise zu einem festen Teil unseres Seins geworden ist.
Aber wer kann schon genau sagen, warum sich ein Zuhause wie ein Zuhause anfühlt. Warum es einen immer wieder an bestimmte Orte zurückzieht. Ich bin froh, dass meine Kinder in den ersten Jahren ihres Lebens den weiten Ozean vor sich haben, tausende Kilometer Meeresströme reiten, inmitten von Millionen Geschwistern wachsen und ihre Form verändern, bis sie schließlich in Europa ankommen.
Bevor sie gefischt, durch die Welt geflogen und zusammengepfercht in Wassertanks darauf warten, an den meistbietenden verkauft zu werden. Es mag Teil unseres Untergangs sein, dass wir so trotzig auf diesem Ritual beharren. Dass wir uns nicht in Gefangenschaft züchten lassen, damit der Mensch die Auslöschung unserer Art noch etwas hinausschieben kann.
Aber diese Weigerung zur Kooperation ist unser letztes bisschen Freiheit. Mein Kollege Marcel Ozan-Riedl und ich sind in Paris, in einem schicken Restaurant in der Nähe des Gardinans, das sogar vom Giedmischler empfohlen wird. Es heißt Iles, Aale, weil der junge Koch so fasziniert ist von den, wie er schreibt, glitschigen Geschöpfen.
Wir bestellen das Fünfgangmenü für 89 Euro. Der Kainer serviert geräucherten Aal mit grünen Äpfeln, an einer Haselnuss-Würzmischung aus Lakritz, in einer Soße aus gerösteter Butter und Sauerkleeblättern. Das Signature-Dish des Restaurants. Duke hat das Restaurant als Treffpunkt vorgeschlagen. Er ist der Chef von Tony und Driver, den beiden Triadenmitgliedern, die wir in der letzten Folge in Hongkong getroffen haben.
Er sitzt in Jogginghose und Hoodie am Tisch. Und probiert den Aal. Das sei kein europäischer Aal. Mit diesem unverwechselbaren Aroma, vermutet er. Aber ganz okay. Vielleicht eine 8 von 10? Um das Gericht perfekt zu machen, bräuchte man besseren Aal. Duke grinst. Er müsse es wissen. Schließlich sei er der Project Manager für eines der wichtigsten Geschäftsfelder der sogenannten Company, Firma.
So nennen die Mitglieder selbst die Triaden. Und er sei für den Aalsschmuggel in Europa verantwortlich. Zum Zeitpunkt dieses Restaurantbesuchs habe ich zu dem laut Europol größten Wildtierverbrechen Europas recherchiert. Ich habe Wissenschaftler, Ermittlerinnen und Händler getroffen. Und ich bin der Frage nachgegangen, ob Geld aus dem Schmuggel von Aalen in den russischen Angriffskrieg fließt.
Und ich wollte herausfinden, ob der Flugzeugabsturz mit dem Präsidentenmord auf Haiti zu tun hat. Ich bin Sebastian Weiß, Filmemacher und Investigativjournalist. Für ZDF Arte, ZDF Kultur und BBC Eye habe ich einen Film gemacht über eine gefährdete Tierart, die in den Flüssen vor unserer Haustür schwimmt und mit deren Schmuggel Milliarden verdient werden.
Und was ihr in der Doku nicht seht, wird hier. Das hier ist nicht irgendein True Crime Podcast. Kein Wirtschafts-Thriller, zumindest nicht für uns. Das ist das größte Wildtierverbrechen, von dem kaum jemand weiß. Das ist Billion-Dollar-Babys. Folge 6 Großbritannien. Liebe Grüße aus Moskau. Die fünf Gänge sind gegessen und wir bestellen eine Runde Espresso.
Duke erzählt uns, dass man ihn wegen seines Aussehens nicht für einen Gangster halten würde. Und tatsächlich hat er mit seinem Handy so viele Fotos von seinem Essen geschossen, dass einer der Köche ihn für einen Food-Influencer gehalten und nach seinem Insta-Namen gefragt hat. Er habe ein reines Gewissen, sagt Duke. Er mache kein Geld mit Frauen, Drogen, Glücksspiel oder damit Leute, um ihr Spartes zu bringen.
Oder wenn die Opfer nur Tiere seien oder der Schaden nicht so groß sei wie in anderen Geschäftsbereichen, warum soll er dazu nicht Ja sagen? Erst als wir ihn danach fragen, was passiert, wenn mal etwas schief geht, ist plötzlich nicht mehr alles total easy. Wenn eine Lieferung verloren geht, können sich die Mittelsmänner freikaufen.
Und die, die nicht zahlen können, werden körperlich bestraft, erzählt uns Duke. Sie nennen es ein bisschen Aufschlitzen. Er sagt, das sei normal. Dann zahlen wir und verlassen das Restaurant. Duke ist entspannt. Die meisten Überwachungskameras würden die Aufnahmen nur 14 Tage lang sichern, sagt er. Er wolle sich noch den Eiffelturm anschauen und ein paar Austern essen.
Dann sagt Duke noch einen Satz, der uns zu denken gibt. Es gäbe viele Leute in der Branche, die berüchtigt seien, sagt Duke. Er glaube, jeder, der eine Klaas-Lizenz besitzt, könnte etwas Illegales tun. Das haben wir so ähnlich schon einmal gehört von Bruneau, dem französischen Ermittler, den wir auch in Paris getroffen haben.
Die Leute im Glaser-Geschäft machten das ihr ganzes Leben lang, sagt Bruno. Einige von ihnen wurden wegen Schmuggels, illegaler Fischerei und verschiedene andere Aktivitäten verurteilt. Nach ein paar Jahren kämen sie alle wieder zurück. Wenn man weiß, wie es geht, mache man es sein Leben lang. Außer man vergisst, wie es geht. Wie der englische Rentner Gilbert Kuh, der Baby-Ale nach Hongkong geschmuggelt hat. Aus einer Farm in Clostershire.
Die Gegend kennt ihr. Da wohnt auch Peter Wood. Es gibt Fotos von Kuh, auf denen er mit Goldbarren posiert. Konnte er sich anscheinend locker leisten. Er soll Baby-Ale im Wert von über 53 Millionen Pfund geschmuggelt haben. Deshalb wurde Kuh zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Als die Staatsanwaltschaft dann aber versucht hat, die Millionen sicherzustellen, kam der eigentliche Clou.
Sie fanden nur 2500 Pfund. Von den Millionen keine Spur. Kuh behauptete, an Demenz erkrankt zu sein und sich nicht mehr daran erinnern zu können, wo das Geld abgeblieben sei. 53 Millionen Pfund vergessen, kann ja mal passieren. Dann gibt es noch José A., genannt Tarzan, auch Aalhändler. Tarzan war früher bei der baskischen Untergrundbewegung-slash-Terrororganisation ETA.
Danach ist er in den Glasalhandel eingestiegen. Als die Polizei 2013 sein Haus durchsuchte, fand sie über eine Million Euro in bar. Tarzan behauptete, dass in den Plastiktüten verpackte Geld in der Abstellkammer stamme aus der Tageskasse der Fischliden seiner Frau. Im Februar 2026 wurde er verurteilt. 13 Jahre nach der Hausdurchsuchung.
Tarzan bekam drei Jahre auf Bewährung. Auch uns ist Tarzan mehrmals begegnet. Angeblich hat der Peter Wood mal eine Morddrohung geschickt. Per Fax. Erzählt man sich. Und dann haben wir seinen Namen auf einer Rechnung gefunden. Er hat die Aalfarm in Polen beliefert, von der Pawel, ihr erinnert euch, der Journalist mit den vielen Katzen, den Firmenrechner bekommen hat. Kleine Aalwelt.
Und dann sind da noch die Guten, jene, die sich als Retter inszenieren. Einer von ihnen ist Jerome Gurutschaga, Mitinhaber von Nivis, einem Branchenriesen im europäischen Aalhandel, der eng mit der Sustainable Eel Group, SEG, verflochten ist. Die SEG hat sich offiziell dem Schutz des Aals verschrieben.
Aber der Grüne anscheinend trügt. Die NGO ist finanziell fast vollständig von der Industrie abhängig und ihre Lobbyarbeit in Brüssel sichert vor allem die Profite der Händler. Fun Fact, Peter Wood ist Gründungsmitglied dieser Naturschutzorganisation. Dann aber wegen seines Restocking-Programms in Russland rausgeflogen.
Selbst die SEG hat ihm nicht mehr geglaubt, dass es hier um Umweltschutz geht. Peter Wood lässt uns einfach nicht los. Was weiß er? Was weiß er nicht? Er behauptet steif und fest, dass es in Kaliningrad nur um den Umweltschutz gehe. Die Russen wollten den Aal genauso retten wie der Westen. Wir schauen uns noch einmal die Videos vom YouTube-Kanal von GoodFish an.
Die russische Firma, die Peter Wood's Projekt in Kaliningrad abgewickelt hat. Alter, hast du diese Fischfarm-Bilder? Diese Isoliestation für Aal? Wie groß das ist? Ja, das war ein bisschen krass, ne? Ist das für ein Restocking-Projekt so viel Geld, was nur für Restocking ist, ist das realistisch? Also ich war ein bisschen schockiert.
Ich fand es ein bisschen, also aber ich, keine Ahnung. Ja, es war auf jeden Fall riesengroß. Es war fast eine Minute, was habe ich gesagt, eine Minute 30 brauchst, um einmal durchzulaufen. Ja. Und dann hast du da irgendwie drei Reihen von Tanks. Ja, aber das macht auf jeden Fall für Restocking also wenig Sinn.
Kannst die Aale auch einfach ins Wasser schmeißen. Wir wollen endlich mit Kaliningrad weiterkommen. Deswegen sind wir wieder bei Pawel in Polen. Mittlerweile hat er elf Katzen und einen neuen, riesigen Monitor an der Wand. Pawel erwartet ein paar wichtige Rechercheergebnisse. Direkt aus Kaliningrad. Die Infos kommen per Videocall.
Aber den müssen wir erstmal einrichten. Das ist Ilya Schumanov, den ihr da hört, ein Kollege von uns. Ilya ist in Kaliningrad aufgewachsen, lebt aber inzwischen im Exil. Seine investigativen Recherchen haben dem russischen Regime nicht gefallen. Deshalb gilt Ilya als sogenannter ausländischer Agent und steht auf mehreren Fahndungslisten.
Ilya hat aber nach wie vor beste Kontakte in seiner Heimatstadt. Diese Festung mit Atombomben, wie er sie nennt. Die Aal-Recherche sei eine der schwersten seines Lebens gewesen und eine der absurdesten. Die Aal-Firma sei auf demselben Gelände wie der FSB, der russische Inlandsgeheimdienst, erzählt uns Ilja.
Das heißt, es müsse zumindest informelle Beziehungen zwischen den Besitzern der Aal-Firma und dem Geheimdienst geben. Sonst wäre es der Firma nicht möglich, dort ein Gebäude anzumieten. Es sieht nicht wie ein Problem, weil die Kosten für die gute Fische für die Eel von Interwoods in der UK ist Ilja sagt, es sähe nicht wie ein Besatzprojekt aus.
Laut seinen Recherchen hat Gutfisch für die Aale von Peterwoods Firma deutlich mehr bezahlt, als sie vom russischen Staat für das Projekt bekommen hat. Das mache betriebswirtschaftlich keinen Sinn. Gutfisch müsse mit dem Projekt ja auch Geld verdienen und nicht nur draufzahlen. Und noch etwas sei interessant. So the owner of Good Fish, she has companies that are directly related with the fish industry.
They call it like Kalingrad eel and the Baltic eel. Die Inhaberin von Goodfisch hat noch weitere Unternehmen in der Fischindustrie. Kaliningrad-Eel und Baltic-Eel. Dann zeigt uns Ilja ein Foto. Einer seiner Kontakte hat es ihm geschickt. Er hat für uns vor Ort recherchiert und sich die Büros von Gutfisch und Kaliningrad-Ihr einmal genauer angeschaut.
Dabei hat er auch einen Flyer gefunden, der bewirbt den europäischen Aal explizit als kulinarische Sehenswürdigkeit der Region Kaliningrad. Eine ziemlich eindeutige Marketingstrategie. Und auf Instagram heißt es in einem Video von einem Feinkostladen über die Produkte von Kaliningradil, das ist süßer Unagi und das hier ist mit Pilzen. Gefällt euch der Riese?
Ja, das sind echte baltische Kameraden. Eine Aalfarm auf FSB-Gelände. Und am Ende wird womöglich der geschützte europäische Aal als baltische Räucherdelikatesse vermarktet. Der ehemalige Gouverneur von Kaliningrad, Anton Alikhanov, nennt es Spezialoperation. Der Feinkostladen nennt es eine baltische Delikatesse. Und Peter Wood nennt es Naturschutz.
Und uns fehlen langsam die Worte. Ende September 2025. Marcel und ich sind wieder auf dem Weg nach England zu Peter Wood. Wir wollen mit ihm über das Projekt in Kaliningrad sprechen. Da gibt es Neuigkeiten. Die englische Regierung hat sich eingeschaltet. Und Benoit Chambon, der die Glaser-Firma in Frankreich leitet und mit dem Peter Wood seit vielen Jahren zusammengearbeitet hat, hat auch Ärger mit der französischen Justiz.
Wir sind gespannt, wie Peter Wood reagieren wird, wenn wir ihn mit unseren Recherchen konfrontieren. Er lacht ja immer sehr. Teuflisch, also sympathisch teuflisch, wenn es halt über diese Sachen geht. Na ja, Säk hat doch, wir haben hier Unrecht und so. Also er streitet sich, glaube ich, gerne. Dieses Katz-und-Maus-Spiel findet er, glaube ich, doch egal.
Am nächsten Morgen holt uns Wood mit seinem Auto ab. Er ist ein bisschen aufgeregt, aber erstaunlich gut gelaunt, so als sei überhaupt nichts passiert. Nach wenigen Fahrminuten klingelt sein Telefon. Benoit ist in der Leitung, auch bestens gelaunt. Die beiden unterhalten sich ausgiebig über ihre nächste Lieferung nach Polen und darüber, dass sie zusammen dorthin wollen.
Scheinbar will uns Swut klar machen, wer hier die Katze und wer die Maus ist. Dann führt uns Peter Wut durch seine Halle. Plötzlich ist er gar nicht mehr so gut gelaunt. Er zeigt uns seine Becken, gefüllt mit 400.000 mittlerweile größer gewordenen Baby-Aalen. Er würde auf ihnen festsitzen, könne sie nicht mehr wie geplant nach Russland liefern.
Peter Wood sagt, die britische Regierung habe alle Exporte nach Kaliningrad gestoppt. Wegen des Krieges in der Ukraine. Dies habe gravierende Folgen. Die Fischerei, die er seit 50 Jahren betreibt, stehe vor dem Aus. Seine Mitarbeiter würden ihre Jobs verlieren und sie könnten nicht mehr mit Aalen handeln.
Wood kann die Entscheidung der britischen Regierung nicht nachvollziehen, sagt er. Wir wollen wissen, warum. Ist das in Kaliningrad ein kommerzielles Projekt oder ein Naturschutzprojekt, frage ich ihn? Er sagt, es sei kein kommerzielles Projekt. Wir fragen noch mal nach. Also definitiv ein Umweltschutzprojekt? Ja, das ist ein Einwohnerprojekt.
Es folgt genau die gleiche Regulation die in der Europäischen Union für stocking genutzt. Wood bekräftigt, es sei zu 100 Prozent ein Naturschutzprojekt und nicht kommerziell. Ganz im Gegenteil, es würde den gleichen Regularien folgen wie in der EU und es sei das größte Projekt zur Rettung des europäischen Aals in Nordeuropa.
Ganz Europa würde davon profitieren. An der Wand in seinem Büro entdecken wir ein Bild. Es zeigt den ehemaligen Gouverneur von Kaliningrad Anton Alichanov dabei, wie er gerade Wutzaale in die Bucht kippt. Als wir Wood anschließend auf Benoit Chambon ansprechen, wird er wütend. Benoist Schambau ist verabschiedet von diesen Fischerern und schmutzende die Glasseels zu Spain und dann von Spain zu Asia.
Wood sagt, dass sein Kollege Benoit Chambon beschuldigt werde, gemeinsam mit Fischern Glasalle illegal nach Spanien und von dort nach Asien geschmuggelt zu haben. Eine aussichtslose Lage, sagt Wood. Die Leute würden einfach annehmen, Benoisa ein Gauner. Dabei stimme das gar nicht. Im Dezember 2025 werde Chambon zusammen mit neun Personen wegen Glaseilschmuggels in La Roche-sur-Yon in Frankreich vor Gericht stehen.
Händler wie er seien Gefährdeter als der Aal. Wenn sie nicht überleben würden, dann wird der Aal zu einem Museumsstück, sagt Wood. Da sitzt also jemand auf seinem feudalen Landsitz und fühlt sich bedrohter, als wir es sind. Obwohl er elementar mitverantwortlich dafür ist, dass europäische Flüsse, Seen und Meere leer gefischt werden.
Ist das nicht verrückt? Oder bin ich schon verrückt? Ihr denkt wahrscheinlich, ich hasse euch. Aber so einfach ist das nicht. Wenn ich für die meinen kämpfe, bin ich nicht egoistisch. Ich kämpfe für alle Tierarten, die ihr ausschlachtet, aber sonst verachtet. Wir sind nicht kuschelig. Wir sind nicht süß.
Polizeibeamte können niemanden mit uns einschüchtern. Wir bellen nicht, wenn wir verbotene Substanzen in Koffern riechen. Auf unserem Rücken könnt ihr keine Medaillen gewinnen. Ihr könnt mit uns nichts anfangen, außer Geld zu verdienen. Eure eigenen Experten sagen, wir verschwinden, wenn ihr nicht aufhört, uns abzufischen.
Doch offenbar ist euch das egal. Ich verstehe schon, das ist jetzt alles ein bisschen viel. Und ihr würdet ja gerne was machen. Aber bei dem ganzen Doomscrolling müsst ihr Grenzen setzen und eure Psyche schützen. Und was weiß ich? Wenn Kriege egal sind, wenn Klimawandel egal ist. Wieso sollte sich dann jemand um uns Aale scheren?
Wir sind doch die. Ach ja. Du hast richtig gehört. Diese länglichen, komischen Fischviecher. Wir sind eine der ältesten, noch lebenden Tierarten der Erdgeschichte. Und ihr seid die Nemesis von jedem einzelnen Lebewesen auf der Erde. Für den kompletten Planeten. Erfüllt euch das mit Stolz? Mit Scham? Fühlt ihr überhaupt noch irgendetwas außer Angst?
Wohin geht ihr eigentlich, wenn alles kaputt ist? Am Anfang verschwindet nur eine Art. Verträglich. Dann aber folgt die nächste. Plötzlich hat jemand anderes keine Nahrungsquelle mehr oder keine Fressfeinde. Egal, sagt der Mensch und macht weiter. Er setzt Natur durch Technik. Brennt Löcher in die Atmosphäre und höhlt den Boden aus, auf dem er steht.
Frisst und konsumiert und verbrennt, verbrennt, verbrennt, bis auch das letzte Eis zu Wasser wird, bis alles tot ist und in den Schutzbunkern niemand mehr zu töten, zu konsumieren und zu unterwerfen ist. Außer ihr selbst. Ich kann euch nicht dazu bringen, uns zu lieben. Wenn wir irgendwann aufhören müssen zu existieren, will ich, dass der letzte meiner Art in der Sargasso-See zur Ruhe kommt.
Getragen von den Meeresströmungen und dem Echo seiner Vorfahren, der letztes Mal zu Boden sinkt und eins wird mit dem Urschlamm. Und nagle ich e-mails von den Tags-Diener. Wir sind wieder in Polen. Ilja hat weitere Dokumente geschickt, erzählt uns Pawel. Woher Ilja die Dokumente hat, dürfen wir nicht sagen. Quellenschutz.
Es sind Kontoauszüge von Peter Woods, britischer Firma. Sie sind echt. Das konnten wir überprüfen. Gleichzeitig haben wir die Flugdaten der G-EELS, diese Cessna. Kennt ihr ja. Beim Abgleich der Kontobewegung mit den Flugdaten fallen uns ein paar interessante Dinge auf. Geldflüsse aus Russland fallen mit den Zeitpunkten von Lieferungen nach Polen zusammen.
Pavel hat alles genau analysiert. Geldflüsse in den Jahren 2022 bis 2024 und Flüge nach Polen, an den Flughafen Olsztyn. Dort waren wir in Folge 4. Er hat 745.000 Yuan. Pawel hat herausgefunden, dass Wood nach Olsztyn geflogen ist und eine Überweisung aus Kaliningrad erhalten hat. 745.000 Yuan. Ungefähr 100.000 Euro.
Es gab noch weitere Zahlungen aus Russland, sagt Paweł, immer einige Tage vor oder nach den Lieferungen. Paweł findet noch eine Lieferung nach Polen. 380.000 Dollar wanderten am selben Tag auf das Firmenkonto von Peter Wood. Und Pawel fragt, wenn das Flugzeug des Unternehmens in Polen gelandet ist, warum kam das Geld dann aus der russischen Enklave Kaliningrad?
Wofür war die Zahlung? Vielleicht für Fische, die in einem weißen Van doch nach Kaliningrad gebracht wurden? Wir haben Peter Wood mit unseren Rechercheergebnissen konfrontiert. Er sagt, die Lieferungen nach Kaliningrad seien legal gewesen. Die Zahlungen von Gutfisch hätten nur Aale aus dem Vereinigten Königreich betroffen.
Peter Wood besteht darauf, dass sein Unternehmen rechtmäßig agiere. Seine Mitarbeiter hätten niemals gegen nationale oder internationale Gesetze im Zusammenhang mit dem Glas-Aalhandel verstoßen. Und dann hat er uns noch geschrieben, ich bin Tierarzt und kein Spion. Ich habe weder die Fähigkeiten noch die Erfahrung, um Spione zu identifizieren.
Wir wissen auch nicht, was er damit meint. Auch Benoit Chambon haben wir geschrieben. Der französische Händler, der wegen illegalen Aalhandels Ende 2025 vor Gericht stand, zusammen mit neun weiteren Angeklagten, unter anderem Fischer. Er wies alle Vorwürfe des illegalen Aalhandels zurück. Das französische Gericht sprach ihn vom Vorwurf der Hehlerei frei.
Aber er wurde wegen des unerlaubten Besitzes von 51 Kilogramm eingefrorener Glasaale unentsprechende Nachweise zu einer Geldstrafe von 5000 Euro verurteilt. Die meisten Angeklagten legten Berufung ein. Und dann ist da noch Goodfisch, ihr wisst schon, die russische Firma auf dem Hochsicherheitshafengelände.
Goodfisch teilte uns mit, ihr einziges Ziel sei die Wiederherstellung des Bestands. Baltic-Ile und Kaliningrad-Ile verwendeten keinen europäischen Aal und es bestehe keine Verbindung zu staatlichen Stellen. Außerdem seien sämtliche Zahlungen an Peter Wood für Lieferungen von Glas-Aalen nach Kaliningrad gewesen.
Wir waren auf drei Kontinenten in zwölf Ländern. Und was haben wir herausgefunden? Auf jeden Fall keine einfachen Antworten. Unser Kollege Sam von der BBC hat immer gesagt, it's all smoke, smoke, smoke, smoke, überall Rauch. Aber kaum etwas, das man klar greifen kann. Denn in dieser Geschichte gibt es kein Schwarz und Weiß, nur Grau.
Viele Schattierungen von Grau. Konnten wir den Mord am Präsidenten von Haiti aufklären? Nein, natürlich nicht. Aber wir haben herausgefunden, dass es in den Monaten vor seinem Tod einen massiven Konflikt gab, der im direkten Zusammenhang mit seiner Ermordung steht. Es geht um Geld, um sehr viel Geld. Millionen, vielleicht Milliarden und um die Macht, die damit verbunden ist.
Ist Geld aus dem Naturschutzprojekt von Peter Wood in Kaliningrad in den russischen Angriffskrieg geflossen? Auch hier keine Beweise. Aber wir haben herausgefunden, dass die Firma Gutfisch, die die alle erhalten hat, auf einem Gelände sitzt, das dem russischen Geheimdienst FSB gehört und dass einer von Putins engsten Ministern das Projekt unterstützt hat.
Er hat es The Special Eel Operation genannt, ein Millionenprojekt. Und dann ist da noch eine unbequeme Wahrheit. Enthüllungen verändern die Welt nicht immer so, wie man es sich erhofft. Manchmal wird es besser, manchmal wird es schlimmer und manchmal passiert einfach nichts. Bei den Aalen könnte es am Ende sein wie beim Kokain.
Solange Menschen bereit sind, viel Geld dafür zu zahlen, wird es andere geben, die sie liefern. Legal oder illegal, das hängt davon ab, wem man fragt. Aber ihre Geschichte zeigt eines, die Wahrheit ist oft kompliziert. Und manchmal reicht es schon, sie zu erzählen. Das war Billion Dollar Babys, der Aal und die Gier.
Ein Podcast von Lisa Ludwig und uns, Sebastian Weiß und Marcel Ozanriedl. Erzählt hat außerdem Katja Riemann. Regie und Schnitt Nele Denenkamp. Co-Autorin ist Birgit Tanner. Dramaturgische Beratung Miku-Sophie Kühmel. Ton und Technik haben André Mogimi, Stanislav Milkovski und Jochen Förste übernommen.
Musik André Mogimi mit weiterer Musik aus dem Film von Nils Katschirek. Zusätzliches Sounddesign von Felix Denzer. Produktionsassistenz Stefanie Kaiser und Philipp Fischer Unser Cover hat Victoria Müller gestaltet Produktionsmanagement ZDF Christiane Alswasser und Anna-Sophie Schmidt Creative Producing Maike Brülz, Redaktion ZDF Kultur Lisa Reisch und Vanessa Olivier Redaktion ZDF Arte Susanne Mertens Head of Content Richtig Cool Jan Lindenau-Rank Executive Producer Richtig Cool Robin Blase Executive Producer Dog Days Antje Böhmert Mit großem Dank an Sam Perenti, Anja Herrenbrück, Maler Höninghaus, Katharina Fülle und das Kinderhospiz Berliner Herz.
Billion Dollar Babies ist ein Podcast von ZDF Kultur und eine Zusammenarbeit von Richtig Cool und Dog Days Productions. Übrigens, Billion Dollar Babies gibt es auch als Film. Milliarden Dollar Babies, große Geschäfte mit kleinen Aalen und zwar bei Arte und ZDF.