Capital – der Wirtschaftspodcast· Folge 384

Wie Chinas Autoriese BYD den deutschen Markt angreift

Freitag, 30. Oktober 2026 · 31 min

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Shownotes

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Es gilt als eines der größten Schreckgespenste der deutschen Wirtschaft: Der chinesische Autohersteller BYD erobert weltweit den Markt für Elektroautos und breitet sich auch in Deutschland immer energischer aus. Im laufenden Jahr dürfte BYD unter die Top Ten der meistverkauften Pkw-Marken in Deutschland aufrücken. „Wir wachsen in Deutschland so stark, wie wir uns das nicht vorstellen konnten“, sagt Lars Bialkowski, Deutschlandchef von BYD, im Capital Wirtschaftspodcast. Sein Unternehmen habe „in Lieferwege, Prozesse und Kapazitäten investiert“, wozu ein immer größeres Händlernetz gehört. Allerdings muss BYD auch mit politischem Gegenwind leben. Die Europäische Union will die Einfuhr chinesischer Plug-in-Hybride, die auch von BYD kommen, begrenzen, um die heimische Industrie zu schützen. „Wir warten die Details dieser Vereinbarung ab“, sagt Bialkowski. „Aber wir nehmen natürlich politische Entscheidungen zur Kenntnis.“ Schon jetzt baut der Konzern auch eine eigene Produktion in Ungarn auf, um von dort aus in Europa produzierte Fahrzeuge zu verkaufen. „Die Entscheidung, in Europa zu produzieren, ist schon vor geraumer Zeit gefallen“, sagt Bialkowski. Der Manager erzählt im Podcast, wie das Ladetempo seiner Autos zunehmen soll und wonach BYD seine Händler aussucht.

Eine Produktion von RTL+ Podcast.Host: Nils Kreimeier.Redaktion: Lucile Gagnière.Produktion: Andolin Sonnen. +++Weitere Infos zu unseren Werbepartnern finden Sie hier: linktr.ee/diestundenull +++60 Tage lang kostenlos Capital+ lesen - Zugriff auf alle digitalen Artikel, Inhalte aus dem Heft und das ePaper. Unter Capital.de/plus-gratis
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Willkommen in einer neuen Folge dieses Podcasts. Mein Name ist Nils Kreimeyer und ich bin Redakteur beim Wirtschaftsmagazin Kapital. Das derzeit vielleicht größte Schreckgespenst der deutschen Wirtschaft hat exakt drei Buchstaben. B, Y, D oder wie es normalerweise ausgesprochen wird, B, Y, D, also in der englischen Variante.

Dieser größte chinesische Autohersteller drängt mit Macht auf den Markt in Europa. Mit seinen Elektroautos und Plug-in-Hybriden attackiert BYD auch die deutsche Autoindustrie. Also Hersteller wie vor allem Volkswagen, aber auch Mercedes und BMW. Ein Blick auf die Zahlen. In der ersten Hälfte des Jahres 2026 hatte BYD in Deutschland einen Marktanteil von gut 2%.

Das klingt erstmal nicht so wahnsinnig hoch. Das ist so ungefähr das, was die Billigmarke Dacia erreicht. Was da allerdings wirklich passiert, das sieht man am Wachstum. BYD legte im Vergleich zum Vorjahr mit dreistelligen Raten zu. Mehr als 270% Zuwachs war es zum Beispiel im Monat Juni. Die Chinesen rücken damit in die Top 10 der in Deutschland verkauften Automarken vor. Und das mit Riesenschritten.

Das liegt vor allem an einem zentralen Vorteil. BYD baut wichtige Komponenten wie die Batterien selbst und kann die Fahrzeuge daher deutlich günstiger anbieten als deutsche und andere europäische Hersteller. Allerdings, und das ist der Kern der derzeit laufenden Debatte, gibt es gegenüber chinesischen Herstellern auch den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung.

Es heißt, in der Industrie und in der Politik in Deutschland, Die Chinesen profitierten von Subventionen und einer unterbewerteten Währung. Und das verschaffe ihnen eben unfaire Vorteile auf dem europäischen Markt. Und aus Angst vor dieser Konkurrenz hat die EU inzwischen begonnen zu handeln. Die Europäische Kommission hat unlängst einen begrenzten Schutz für die heimischen Hersteller ausgehandelt.

So soll künftig eine Obergrenze gelten und zwar für Importe von Plug-in-Hybriden und Hybriden, also Autos, die sowohl einen Elektro- als auch einen Verbrennerantrieb haben. Was kann das ändern? Und sind die Vorwürfe und Befürchtungen der Deutschen gerechtfertigt? Und welche Pläne hat BYD überhaupt in Deutschland?

Darüber habe ich für diese Folge mit Lars Bialkowski gesprochen. Bialkowski ist Deutschlandchef bei BYD und erkennt sich in der Branche ziemlich gut aus. Vor seiner Zeit bei der chinesischen Marke arbeitete er bei den Autokonzernen Nissan, Renault und Stellantis. Herzlich willkommen, Lars Bialkowski, bei uns im Podcast. Ja, vielen Dank für die Einladung.

Herr Bialkowski, wenn man sich so die Debatte in Deutschland anschaut oder anhört, dann ist es mit Ihrem Unternehmen oder mit Ihrer Marke sehr häufig so, dass man das Gefühl hat, das ist mit Angst verbunden. Da kommen die Chinesen, da greift ein Unternehmen unsere heimische Autoindustrie an und was da dergleichen Ängste mehr sind. Fühlen Sie sich eigentlich als Marke willkommen in diesem Land?

Absolut. Also wir fühlen uns nicht nur willkommen, sondern wir fühlen uns auch mit offenen Armen sogar aufgenommen. Der Markterfolg spricht ja für sich. Wir wachsen in Deutschland so stark, wie es wir uns eigentlich nicht vorstellen konnten. Im September haben wir über 6.000 Fahrzeuge an Endkunden ausgeliefert und zugelassen.

Zwei Drittel davon waren Privatkunden. Darauf sind wir besonders stolz. Und erstmals gehören wir zu den zehn stärksten Marken im deutschen Privatkundenmarkt. Das ist ein Ergebnis, das wir uns jetzt seit Start mit BVD in Deutschland Ende, 2024 harte Arbeit haben mit unseren Handelspartnern. Wir starteten mal mit 26 Handelspartnern und sind jetzt bei circa 250 angekommen, werden Ende des Jahres bei circa 300 sein.

Also es ist eine vom Markt getragene Wachstumsgeschichte. Insofern sind wir nicht nur willkommen, sondern wir sehen sehr, sehr viel Perspektive für die nächsten Jahre, mit BWD weiterzuwachsen. Sie haben ja gerade gesagt, Sie sind jetzt unter den Top Ten der deutschen Marken, das heißt mit einem Markteinteil von so etwas über zwei Prozent, wenn ich das richtig gesehen habe, 2,3 Prozent sowas in der Größenordnung.

Dahinter steht auch, das haben Sie auch schon gesagt, ein sehr, sehr starkes Wachstum, das Sie im vergangenen Jahr gehabt haben. Ich glaube so im Vorjahresvergleich für einzelne Monate 270 Prozent, 280 Prozent Wachstum. Das muss man ja erstmal hinlegen. Das heißt, da brauchen Sie auch ein Händlernetz, das sehr schnell aufgebaut werden muss.

Wie funktioniert sowas? Das belastet ja auch eine Organisation. Also der strategische Überbau, der wurde schon vor Jahren für den europäischen Markt entschieden, indem wir gesagt haben, wenn wir in Europa und in Deutschland wachsen wollen, und das ist unser Plan, dann müssen wir die Marktgegebenheiten in Deutschland und in Europa zu 100% respektieren.

Bedeutet, die Nähe am Kunden ist uns, ist BWD sehr, sehr wichtig. Die Entscheidung, dass ein Kunde beim Neuwagenkauf nicht mehr als 20 Minuten fahren möchte mit ein paar Abweichungen, die haben wir von Beginn an respektiert. So haben wir festgestellt, Nähe am Kunden zu realisieren, bedeutet in Deutschland.

Bis zu 350 perspektivisch 400 Service- und Vertriebsstandorte zu haben. Das in einer Geschwindigkeit zu etablieren, wie wir es jetzt in den letzten Quartalen gezeigt haben, bedeutet natürlich, dass wir investieren. Wir investieren mit und in unsere Händler. Wir investieren aber auch in eine Organisation hier in Offenbach, die stetig wächst.

Wir beschäftigen aktuell 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Tendenz weiter steigen. Wir haben selbstverständlich mit unserer Entscheidung, in Europa zu investieren, auch in Lieferwege, Prozesse und Kapazitäten investiert, was sich nachhaltig auch im Erfolg in den letzten Monaten dann auszahlt. Aber der Weg, den wir eingeschlagen sind, mit unseren Handelspartnern zu wachsen, ist der richtige.

Das ist der strategische Entscheidungsarm, sage ich es mal, den wir getroffen haben, um in Europa und vor allem in Deutschland im größten Markt in Europa erfolgreich zu sein. Sie tun das ja auch in einem Land, das eine sehr starke Servicekultur gerade im Automobilbereich gewöhnt ist und auch mit einem sehr hohen Anspruch an Service verbunden ist.

Das muss man ja auch erstmal hinstellen können und das kostet ja am Ende auch. Das ist ja für Sie auch ein steigender Kostenfaktor dann hier im Land, wenn Sie in dieses Händlernetz gehen, in diese Service-Struktur investieren. Ja, richtig. Also die Entscheidung, nach Europa zu gehen und unsere Geschäftstätigkeit hier nachhaltig aufzubauen, folgt so ein bisschen dem Muster, dass es ein Marathon ist und kein Sprint.

Wir wissen auch, dass langfristiger Erfolg natürlich mit Investitionen verbunden ist und diese tätigen wir. Ich möchte mal ein paar Beispiele nennen. Also die Entscheidung, in Europa zu produzieren, ist schon vor geraumer Zeit gefallen. Wir werden in den nächsten Monaten die Serienproduktion in Ungarn beginnen.

Wir werden dort zwei Modelle von Beginn an produzieren, den Dolphin Surf, das ist ein rein elektrisches Fahrzeug im A-Segment und dann den Atto 2 elektrisch, das ist ein B-Segment-Fahrzeug, auch rein elektrisch, die für den europäischen und deutschen Markt entwickelt und dann auch in Europa produziert werden.

Das ist eine sehr große Entscheidung. Wir haben bereits über 200 europäische Zulieferer unter Vertrag, die uns bei dem Hochlauf der Produktion behilflich sind. Wir sind in Gesprächen mit weiteren 600 Suppliern und Zulieferern, diese Aktivitäten mit uns auszubauen. Selbstverständlich rekrutieren wir lokale Arbeitskräfte.

Am Ende dieses Hochlaufs des Werkes in Ungarn sollen bis zu 10.000 Arbeitsplätze entstehen. Das ist ein Beispiel, was aufzeigt, dass BWD langfristig denkt und langfristig. In unseren Kontinent und in unseren Markt investieren. Wir haben aber auch on top 15, Teilezentren in Europa in Entwicklung und in Umsetzung, welche die lokale Nähe der Teileversorgung zu unseren Handelspartnern sicherstellt.

Auch das ist ein großes Invest. Wir wollen so nah wie möglich am Kunden sein, lange Lieferzeiten von Teilen, über Nacht Belieferungen sicherstellen, dass alle unsere Servicekunden zukünftig, einen Servicetermin schnell bekommen und auch die Reparatur oder das Service an Ihrem Fahrzeug rasch umgesetzt werden kann.

Unsere Servicepartner werden intensivst geschult. Auch das ist kostenintensiv. Wir bilden eigene Service- und vor allem Schulungszentren in jedem Land, auch in Deutschland. Entsteht unser Schulungszentrum aktuell in Darmstadt. Das sind alles Investitionen, die langfristig erfolgreich die Umsetzung unserer Strategie sicherstellen.

Respektiert und unterstützt wird es natürlich auch durch Investitionen unserer Handelspartner. Mit wachsendem Erfolg, den wir in den letzten Monaten und Quartalen zusammen mit den Handelspartnern realisieren konnten, wächst natürlich auch die Bereitschaft, in unsere Marke im Rahmen von zusätzlichen Standorten, zusätzliches Personal, zusätzliche Kapazitäten auch zu investieren.

Jetzt haben Sie gerade sehr ausführlich beschrieben, wie viele Investitionen da laufen. Das Werk in Ungarn läuft gerade hoch, aber auch die Investitionen in den Service. Jetzt ist es ja so, dass BYD in Deutschland in der Konkurrenz ja schon sehr stark über den Preis kommt. Und wir hatten kürzlich einen großen deutschen Autohändler in diesem Podcast. Er hat gesagt, BYD sei vor allem etwas für die preisbewussten Kunden.

Besteht da nicht das Risiko, dass Ihnen die Kunden weglaufen, sobald sie die Preise anheben müssen, weil sie eben auch steigende Kostenfaktoren haben? Also ich möchte die Frage sehr konkret beantworten mit einem Punkt. Also zunächst einmal sind wir auch durch unsere Technologieführerschaft im Fokus unserer Kunden.

Wir sind im Bereich der Plug-in-Hybride und in der Elektromobilität globaler Führer, Weltmarktführer und haben natürlich auch unsere Kompetenz in unseren europäischen Produkten natürlich den Kunden zur Verfügung gestellt, zu Preisen, von denen wir glauben, dass sie sehr marktgerecht sind. Wir sind nicht die Günstigsten, wir sind aber auch sicherlich nicht die Teuersten.

Was wir aber tun, und ich glaube, das macht ein Stück weit unser Alleinstellungsmerkmal aus, Wir machen sehr gute Angebote im Barbereich, also im klassischen Endkundengeschäft, also sogenanntes B2C-Geschäft. Und wir haben natürlich auch sehr gute Finanzierungsangebote. Unser Anteil am klassischen Leasinggeschäft ist unterproportional im Verhältnis zum Markt.

Und das ist eine Art der Transparenz, die wir dem Kunden anbieten in der Preiskommunikation, die Anklang findet. Zuzüglich natürlich unsere Produktqualität, unser Design und nicht zu vergessen auch unsere Ladequalität, die wir mit dem Flash Charging, welches wir jetzt vor geraumer Zeit mit dem Densa, unserem Prämienfahrzeug Z9 GT in Europa, eingeführt haben.

Die Flash Charging Technologie, das ist ein Alleinstellungsmerkmal, welches uns sicherlich in Qualität und Technologie von allen unseren Wettbewerbern derzeit abgrenzt, natürlich stark macht. Und das wollen wir unseren Kundinnen und Kunden anbieten in ganz Deutschland. Also Sie sagen, der Preis ist gar nicht das entscheidende Argument, sondern Sie haben da andere Dinge zu bieten.

Aber Sie bewegen sich ja trotzdem in einem sehr preisbewussten Markt, in dem das eben schon eine Rolle spielt. Sie haben viele Kunden, die über Jahrzehnte an bestimmte Marken gebunden sind und die sich nur unter bestimmten Bedingungen vielleicht entscheiden für eine neue Marke, für eine in Europa zumindest neue Marke.

Also das Entscheidungskriterium der Kunden ist natürlich nicht immer generell gleich, aber man kann schon, da haben Sie vollkommen recht, sagen, dass der Preis in Deutschland. In der aktuellen Situation des Marktes auch eine sehr große Rolle spielt, definitiv. Aber hinzu kommt insbesondere bei uns, bei BYD und bei unserer Premium-Market Densa, dass wir natürlich für einige Alleinstellungsmerkmale bekannt sind, die unsere Wettbewerber so nicht zu bieten haben.

Und unsere Kompetenz im Bereich der Batterietechnologie, im Bereich der Softwaretechnologie, gepaart mit einem tollen Design und einem attraktiven Preis, von dem ich glaube, dass wir da marktgerecht positioniert sind, macht uns für unsere Kunden insbesondere gerade bei den klassischen Privatkunden sehr attraktiv.

Aber heißt nicht, dass wir auch nicht im gewerblichen Bereich wachsen. Wir haben im Bereich des Taxigeschäftes jetzt erste Erfolge zu vermelden. Unsere Aktivitäten im Bereich des Taxigeschäfts Fuß zu fassen tragen Früchte. Wir werden jetzt nächste Woche Freitag auf der Taximesse in Köln wieder präsent sein, um unseren Seal 6 DMI Plug-in-Hybrid, Reichweite 1350 Kilometer.

Das ideale Produkt für Taxi-Unternehmer. Das werden wir dort zeigen. Das werden wir dann natürlich auch mit guten Konditionen versehen. Und so glauben wir, dass wir auch im gewerblichen Bereich stufenweise wachsen werden, um unsere Ziele im nächsten Jahr und darüber hinaus weiter erreichen zu können.

Inwieweit profitieren Sie auch von den steigenden Benzin- und Dieselpreisen und den dahinterstehenden geopolitischen Verwerfungen? Das ist ja schon auch so ein bisschen eine Welle, auf der Sie ganz gut reiten können jetzt, oder? Also wir profitieren da sicherlich genauso davon wie unsere Wettbewerber auch.

Wir sind ja nicht alleine im Markt für Elektromobilität oder wie sagen so schön New Energy Vehicles, aber dadurch bedingt, dass wir ausschließlich auf. Elektrische Antriebe und auch Plug-in-Hybride als Kombination aus thermischem und elektrischen Antriebssätzen profitieren wir selbstverständlich davon.

Aber das ist ein branchenüblicher Unterstützungsfaktor, den würde ich jetzt nicht unter- und auch nicht überschätzen. Unsere Wahrnehmung aktuell ist folgende, BYD hat die richtigen Angebote zur richtigen Zeit mit der richtigen Technologie. Wir sind ein Unternehmen, das in die Zukunft gerichtet und investiert.

Wir werden unterstützt von einer breiten Unterstützerzahl von Handelspartnern in Deutschland und Europa, die unsere strategische Linie schätzen. Und Handelspartner schätzen es auch sehr, wenn wir einen Plan auf den Tisch legen, von dem man weiß, er funktioniert, einen verlässlichen Partner zu haben und an der Seite zu haben. Das ist ein Faktor, der ist im deutschen Markt sehr, sehr wichtig.

Jetzt haben Sie schon mehrfach erwähnt, dass Sie ja auch sehr stark Plug-in-Hybride im Angebot haben in Deutschland. Ich glaube, der BYD-CLU ist dieses Jahr bisher der meistverkaufte Plug-in-Hybrid sogar in Deutschland. Korrigieren Sie mich, wenn das falsch ist. Jetzt gibt es gleichzeitig Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und China, die darauf hinauslaufen, dass es eine festgesetzte Obergrenze von Plug-in-Hybriden gibt, die aus China importiert werden dürfen.

Gefährdet das dann nicht auch diesen Hochlauf und dieses Geschäftsmodell? Also wir warten natürlich jetzt zunächst mal auf die wirklichen Details dieser Vereinbarung ab, um sie wirklich bewerten zu können. Aber wir nehmen politische Entscheidungen immer zur Kenntnis und werden im Rahmen dieser Entscheidungen natürlich unser Geschäft vorantreiben.

Wir sind im Bereich der elektrischen Mobilität sehr stark aufgestellt und bei den Plug-in-Hybriden zur gleichen Zeit. Wir haben im deutschen Markt derzeit eine Wachstumsgeschwindigkeit von 55 Prozent circa bei den Elektromobilen für den gesamten Markt. Bedeutet, der am schnellsten wachsende Marktsegment ist die Elektromobilität.

Wir sind dort sehr stark vertreten. Wir werden das unabhängig dieser Veränderungen sehr stark in den nächsten Quartalen und Monaten weiter nutzen. Wir sind vom A- bis ins D-Segment mit einer Abdeckung des Gesamtmarktes von 90 Prozent vertreten. Das gibt uns sehr, sehr viel Zuversicht und auch Rückmeldung aus dem Handel, dass wir unabhängig von politischen Entscheidungen das richtige Portfolio haben.

Wir werden auch weiterhin die richtige Preispositionierung haben, um weiter zu wachsen in Deutschland und auch in Europa. Aber trotzdem würde man sich als Unternehmen ja vorbereiten auf bestimmte Szenarien. Also wenn es zu so einer Obergrenze kommt, des Imports von Plug-in-Hybriden, dann würden Sie als Unternehmen oder als Marke ja irgendwie darauf reagieren müssen. Also was gibt es da für Überlegungen sozusagen?

Also wir legen voll den Fokus darauf, dass wir unser Werk in Ungarn jetzt in die Umsetzung und in den operativen Hochlauf bringen. Als europäischer Produzent werden wir da natürlich Fokus drauflegen, dass wir unsere Elektrofahrzeuge, die ich eingangs erwähnte, den Dolphin Surfen, den Atto 2, so schnell wie möglich natürlich in die Produktion und dann in die Vermarktung bringen.

Vom Gesamtportfolio werden wir unabhängig von Entscheidungen politischer Art im Rahmen unseres Wachstums dann nicht eingeschränkt sein. Sind denn neben dem Werk in Ungarn noch andere europäische Standorte denkbar? Ist das in der Debatte? Ich weiß, das ist jetzt etwas über dem sozusagen, was Sie zu entscheiden haben. Aber trotzdem ist es ja eine interessante Frage auch für die Hörerinnen und Hörer.

Also ich kann Sie auf jeden Fall darüber aufklären, dass unser Unternehmen voll darauf fokussiert ist, Ungarn jetzt in die Umsetzung zu bringen. Das ist eine riesige Investition seitens BYD in den europäischen Markt. Sobald dort das erste Fahrzeug wirklich vor Band gelaufen ist und die ersten deutschen Kundinnen und Kunden ein Fahrzeug übergeben bekommen aus europäischer Produktion, da freuen wir uns sehr, unsere Handelspartner auch.

Und die Fantasie ist natürlich groß. Unsere Wachstumsraten in den letzten, sagen wir mal, 24 Monaten in Europa waren. Wirklich beeindruckend positiv. Sollte es so weitergehen, haben wir natürlich Fantasie für alles. Aber für den deutschen Markt kann ich Ihnen sagen, wir werden mit dieser Entscheidung, Ungarn jetzt in den Hochlauf zu bringen, im nächsten Jahr weiter wachsen und alles, was danach kommt, werden wir dann zu gegebener Zeit diskutieren.

Aber da höre ich so ein bisschen raus, Sie gehen davon aus, dass es mit diesem Tempo, was das Wachstum angeht, nicht weitergeht. Also dass Sie diese Wachstumsraten jetzt nicht fortsetzen werden, die ja auch tatsächlich exorbitant sind. Also wir haben in 2024 Fahrzeugen ausgeliefert, da waren es circa 24.000 Fahrzeuge.

Dieses Jahr werden wir mindestens 55.000 Fahrzeuge machen. Ich und wir sind sehr optimistisch, dass wir unseren Wachstumskurs in 2027 fortsetzen können. Wie weit es uns tragen wird, das ist sicherlich auch von dem aktuellen Markt ein Stück weit beeinflusst. Der aktuelle Markt in Deutschland ist für uns und für alle auch kein leichter.

Ich sagte auch im Rahmen dieses Gesprächs ja schon, dass die Kunden natürlich, auch sehr scharf rechnen und das ist auch berechtigt. Kostendruck ist überall, deswegen sind alle unsere Wettbewerber auch angehalten, scharf zu rechnen und gute Angebote zu machen. Aber es geht eben nicht nur um den Preis und es geht vor allem auch darum, dass ein Kunde das Gefühl hat, dass er eine Technologie erwirbt, ein Auto erwirbt, das auch in den nächsten Jahren als Spitzenprodukt wahrgenommen wird, gute Gebrauchtwagenpreise erzielen kann. Und da ist ja bei BYD genau richtig.

Wir investieren Jahr für Jahr viel Geld in Forschung und Entwicklung und setzen auf ein Ecosystem, welches über Batterie, Flash-Charging-Technologie gepaart mit einem wunderbaren Design zu einem guten Preis ein tolles Angebot für unsere Kundinnen und Kunden darstellt. Deswegen sind wir optimistisch, dass die Wachstumsgeschwindigkeit auf jeden Fall in 2027 fortgesetzt werden kann.

Sie haben gerade die Innovationsseite angesprochen und damit auch das Batteriethema. Sie haben ja den Vorteil oder das Alleinstellungsmerkmal auch gegenüber anderen Autoherstellern, dass sie auch selbst in der Batterieherstellung aktiv sind. Können Sie uns ein bisschen ein Gefühl dafür geben, was da an Entwicklung zu erwarten ist, was die Batterietechnik angeht? Das war ja lange so der Hemmschuh in der Elektromobilität.

Sie kennen das Wort Reichweitenangst. Die Deutschen haben Angst, die fahren auf die Autobahn und dann ist nach 300 Kilometern Schluss. Wohin geht da die Reise? Da wir klassische Anbieter sind, mittlerweile klassische Anbieter von beiden Möglichkeiten, Plug-in und Elektromobilität, kann ich Ihnen sagen, dass die Nachfrage an unseren Produkten immer wieder auch mit dem Thema der Ladegeschwindigkeit verknüpft ist.

Deutsche Kundinnen und Kunden haben immer noch, die Zahl wird zwar kleiner, aber es gibt immer noch eine sogenannte kleine Zutritt oder Schwelle zur Elektromobilität, wenn es um das Thema der Ladegeschwindigkeit geht. Und ich glaube, die Entwicklung, die wir hier unterstützen und massiv rein investieren, geht in das Thema Ladegeschwindigkeit.

Wir haben mit der Blade 1.0, also praktisch der ersten Batterieform, die wir im Seal und im Sealion 7 verbauen, Technologien, wo wir mit 250 kW schon laden können, abhängig auch von der. Ladefähigkeit und Abgabequalität der Ladeinfrastruktur in Deutschland. Das ist zwar schon schnell, aber es ist noch nicht so schnell gewesen, dass alle Kundinnen und Kunden überzeugt sind.

Deswegen hat BYD gesagt, wir investieren in die 2.0-Technologie gepaart mit der Flash-Charging-Technologie. Also Laden mit 1000 Kilowatt in Deutschland und in Europa, welches einen Ladevorgang von 10% auf 97% Batterieauslastung in nur 9 Minuten ermöglicht. Dieser Vorgang im Rahmen unseres sogenannten Ecosystems BYD, trägt dazu bei, dass der Unterschied zwischen klassischen Tanken zu laden mit BYD im Jahr 2026, 2027 keinen Unterschied mehr macht.

Na neun Minuten ist ja schon noch eine Zeit, also das ist ja schon noch ein Unterschied, oder? Oder wie lange ist der klassische Tankvorgang? Der klassische Tankvorgang, ich bin schon lange nicht mehr rein thermisch gefahren, aber ich entsinne mich fernab davon, dass es eine Weile gedauert hat, wenn ich auch zur Tankstelle gehe, mir vielleicht noch ein bisschen Kaffee mit auf die Fahrt nehme.

Da ist kaum noch ein Unterschied, zumal Sie ja auch während dieses Ladevorgangs ja auch im Auto sitzen können und auch vielleicht nochmal telefonieren können. Aber es ist ein Angebot an alle Kunden in Deutschland und ich kann Ihnen versichern, ich habe diese Ladesäule in Betrieb genommen in Amsterdam mit holländischen Händlern vor einigen Wochen und die Begeisterung, welche ich da gespürt habe, dass wirklich, Händler auf uns zugekommen gesagt haben, also damit kriege ich wirklich die letzten Zweifler zur Elektromobilität, weil das rein elektrische Fahren sowieso sehr viel Spaß macht, vielleicht sogar mehr Spaß macht.

Deswegen sind wir zuversichtlich, dass wir mit diesem Ökosystem, welches jetzt mit dem Premium-Fahrzeug Densa Z9 GT und dann als erstes bei BYD der neu gelaunchte Ato 8, den wir in Paris gelauncht haben, dann also wirklich voll einschlägt und wir in 2027 damit weiterwachsen werden. Das heißt, Sie sagen, das zentrale Argument ist gar nicht mehr die Reichweite, dass wir sozusagen die Reichweite steigern, sondern dass wir die Ladegeschwindigkeit dahin kriegen, dass es für die Kunden keinen Unterschied mehr macht.

Also die Reichweite wird auch noch angesprochen, aber bei Weitem nicht in dem Maße wie die klassische Frage nach Infrastruktur und Ladegeschwindigkeit. Ich muss feststellen, dass wir in Deutschland durchaus die Ladeinfrastruktur schon abgebildet haben. Ich fahre ja wie gesagt nur rein elektrisch jetzt längere Zeit Und ich kann berichten, man findet überall Ladeinfrastruktur, aber ein Fahrzeug, das 250 kW laden kann und dann kommen nur 60 aus der Säule.

Das ist manchmal ein bisschen frustrierend, das muss ich schon sagen. Deswegen ist unsere Lösung, ein eigenes Ladeinfrastrukturprojekt zu launchen in ganz Europa für alle Kundinnen und Kunden, auch über BYD hinaus, die richtige Entscheidung. Das ist ein Riesen-Invest, welches wir da tätigen, welches wir in Deutschland, mit den Händlern gemeinschaftlich umsetzen werden und mit Ladeinfrastruktur.

Plätzen nahe von Autobahnen und Verkehrsknotenpunkten, um auch hier so schnell als möglich ein nationales Netz abzudecken. Mit was für einer Reichweite sind denn Ihre Modelle jetzt derzeit unterwegs? Also mit was für einer realen Reichweite, mit der ich dann wirklich arbeiten kann, wenn ich mich auf den Weg mache von, sagen wir, von Berlin nach Stuttgart?

Also abzüglich aller Themen fahren Sie mit einem Seal 480 Kilometer weit und mit einem Seal Line 7 fahren Sie circa 470 bis 500 Kilometer weit. Das ist die Reichweite, mit der ich wirklich rechnen kann? Mit der können Sie rechnen, mit der fahre ich auch. Jeder Elektrofahrer weiß, dass er ein bisschen auch auf den Fahrstil achten kann oder sollte. Ansonsten wird es ein bisschen weniger, aber das ist ein absolut, reichweitenfressendes Fahren. Was ich hier meine, ich fahre viele Kilometer, das macht Spaß.

Und die weiteren Modelle, die kommen werden, wie der ATO 8 oder die Densa Z9 GT, das sind Fahrzeuge, die in der Reichweite deutlich über die 500 Kilometer hinausgehen werden. Bei noch schnellerer Ladetechnologie, als wir sie heute schon haben, Flash Charging bedeutet 1000 kW, die gesichert aus der Säule kommen werden, weil wir mit einem Zwischenspeicher arbeiten werden und eben nicht auf die Geschwindigkeit der Abgabe aus dem Boden angewiesen sind.

Herr Biankowski, ich würde Sie gerne abschließend nochmal so ein bisschen im Anschluss an die Eingangsfrage etwas fragen. Sie haben ja gesagt, Sie fühlen sich hier durchaus willkommen als Marke und haben auf Ihr starkes Wachstum verwiesen. Begegnen Sie gar nicht mehr im Laden so diesen Vorbehalten, na, ob ich da ein chinesisches Auto kaufe?

Wir sind ja eine Autonation, die gewöhnt ist an Ihre heimischen Marken. Gibt es das gar nicht mehr, dass die Leute zu Ihnen kommen und diese Zweifel mit sich bringen? Also ich kenne das gar nicht, bis wenig, würde ich sagen. Wir sind ja nicht der erste Asiate, der nach Deutschland gekommen ist. Es gab ja mal eine Zeit, da sind japanische Unternehmen nach Deutschland gekommen.

Aber da gab es ja auch die Vorbehalte. Auch da gab es große Vorbehalte gegenüber den japanischen Marken. Die Vorbehalte kannte ich zu diesem Zeitpunkt nicht, war ich nicht tätig. Aber ich kann Ihnen sagen, dass diese Marken auch gewachsen sind. Und ich glaube, wir leben in einer Zeit, in der die Transformation unserer Branche deutlich schneller geworden ist als noch vor einigen Jahren und der Fokus auf Technologie, und Zukunftsfähigkeit der Fahrzeuge, auf ein geschlossenes Ökosystem, auf nachhaltige.

Mobilität viel größer geworden ist und dass das Produkt und die Technologie im Vordergrund steht. Und wir bei BYD sagen, wir überzeugen durch unsere Leistung, durch unsere Technologie und das ist etwas, was wir im Markt so wahrnehmen, dass wir da den richtigen Punkt treffen. Diesen Weg gehen wir konsequent weiter.

Und wenn es Zweifler gibt, dann werden wir auch diesen ein faires Angebot machen und sie überzeugen, dass BYD die richtige Wahl ist. Sie sind jetzt, das haben Sie schon gesagt, unter den Top Ten der deutschen Marken. Wo ist das Ziel für die nächsten Jahre? Wo wollen Sie hin im Ranking? Also Rankings ist man natürlich am liebsten immer oben.

Aber wir sind auch realistisch. Wir sind hier in Deutschland. Wir haben eine sehr starke deutsche Automobilindustrie im Wettbewerb mit hervorragenden Produkten. Und selbstverständlich trauen wir uns einiges zu, noch ein bisschen zu steigern, aber wir sind auch Realisten und wissen auch, dass es uns nicht kampflos überlassen wird.

Deswegen wage ich da jetzt keine Prognose, sondern wir denken wirklich jetzt mal langfristig und sagen, lassen Sie uns die Technologien, die wir für viel Geld in den europäischen Markt bringen, den Kunden schmackhaft machen. Und dann wird der Markt den Rest tun und dann werden wir sehen, wie weit wir kommen.

Vielen Dank, Lars Bialkowski, für dieses Gespräch. Vielen Dank für die Möglichkeit. Es gibt ja ziemlich viele Halbwahrheiten, die in der deutschen Autodebatte herumschwirren. Die Industrie sagt gerne, ihre Misere sei politisch begründet, weil das Verbrenner verboten hat. Und das ist offenkundig falsch. Die Leute kaufen ja inzwischen aus eigenem Antrieb Elektroautos und nicht, weil ihnen die Verbrenner verboten werden.

Kritiker der Industrie wiederum behaupten, die deutschen Hersteller hätten den Trend zur Elektromobilität schlichtweg verschlafen. Und auch das ist eigentlich ziemlicher Unsinn. Alle deutschen Konzerne hatten schon ziemlich früh eigene Modelle auf dem Markt und waren dabei zum Teil auch geradezu mutig.

Was allerdings wahr ist, keiner hat den Umstieg auf Elektro mit solcher Konsequenz betrieben wie die großen chinesischen Hersteller. Was natürlich auch daran liegt, dass man mit den herkömmlichen Dieseln und Benzinern lange noch so gutes Geld verdient hat. Da ist Umsteuern schwer. Vielen Dank, dass Sie heute wieder zugehört haben. Den redaktionellen Schnitt dieser Folge hat wieder die Kollegin Lucille Garnier übernommen.

Die Schlussproduktion hatte Andolin Sonnen in seinen Händen. Bleiben Sie mobil und seien Sie wieder dabei, wenn der nächste Kapital Wirtschaftspodcast erscheint. Überall da, wo es Podcasts gibt. Bis dahin wünsche ich, Nils Kreimeyer, alles Gute und sage Tschüss.

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