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Der Sicherheitsrat

Sitzung 68 - Sondersitzung - Deutschland brennt nicht

Dienstag, 3. November 2026 · 22 min

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Shownotes

In dieser Sitzung im Sicherheitsrat sprechen Peter und Timon mit Sicherheitsexperte Peter R. Neumann warum die Ereignisse am 31. Oktober eben nicht mit den Ausschreitungen in Frankreich zu vergleichen sind.

Außerdem sprechen sie über die Freude am Untergang, welche sich bei manchen Journalisten im Vorfeld des Tages breit gemacht hat, inwiefern Klicks die Schlagzeilen bestimmen und warum die Ausschreitungen in Frankfurt Gift für eine echte Protestbewegung sind.

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Peter Tauber: Herzlich willkommen bei einer weiteren Sitzung des Sicherheitsrats

Timon Radicke: Peter Lieglungs.

Peter Tauber: und ich bin Gott sei Dank nicht alleine dabei, sondern Timon Radekesta. Timon, hallo!

Timon Radicke: Hallo, einen wunderschönen guten Tag.

Peter Tauber: Und ebenfalls im Raum Peter R. Neumann. Peter, schön, dass du Zeit für uns hast. Du bist am Frankfurter Flughafen, aber das hält dich nicht davon ab, der Sitzung des Sicherheitsrats teilzunehmen. Klasse.

peter: Super, vielen Dank. Hallo Peter, Hallo Timon.

Peter Tauber: So, ich merke gerade, das sage ich jetzt an unsere Zuhörerinnen und Zuhörer und Zuschauerinnen und Zuschauer, wir haben eine hohe Latenz. Das wegen nicht wundern, wenn wir uns ab und zu ins Wort fallen, das liegt einfach daran, dass wir uns Zeit versetzt hören. Was machen wir heute? Wir wollen noch mal reden über das, was am Wochenende in Deutschland passiert ist. Nicht Reformationstag, nicht Halloween, sondern die Proteste, Gen Z regelt und was da so alles los war auf deutschen Straßen. Wir haben im Vorgriff darüber mit dir geredet, Peter, und haben uns ja dazu der These verstiegen, dass das, was wir in Frankreich gesehen haben, sich in Deutschland nicht wiederholen wird. Jetzt ist die Bild am Sonntag steilgegangen und andere Medien auch. Und auf Social Media sah man in der Tat auch in deutschen Innenstädten, mir blutete besonders beim geplünderten Laufladen in Frankfurt am Main das Herz. Eingeschmissene Scheiben. randalierende Jugendliche und die Medien haben das teilweise so zugespitzt, dass man den Eindruck haben könnte, na irgendwie war es doch wie Frankreich. Was stimmt denn jetzt? Hat der Sicherheitsrat in seiner letzten Analyse falsch gelegen, Peter? Oder bleiben wir bei dem, dass sich das, was da in Frankreich war, so in Deutschland nicht wiederholt hat?

peter: Ja. Also es kommt natürlich darauf an, was man meint mit sich wiederholen. Natürlich gab es sehr beunruhigende Szenen am Wochenende. Es gab auch Verletzte, über 100 Verletzte bei der Polizei. Es wurden auch Geschäfte geplündert. Besonders in Frankfurt ist die Situation bisschen außer Kontrolle geraten zeitweise und das war keine positive Bilanz, überhaupt nicht. Wenn man jetzt aber sagt, das was in Frankreich geschehen ist, Das war nochmal was ganz anderes. In Frankreich ging das ja über Wochen. Es gab nicht 100 verletzte Polizisten, sondern 1500. Es gab tausende geplünderte Läden, ein Sachschaden von über einer Milliarde Euro und eine Situation, wo Rathäuser abgebrannt sind, wo ein ganzes Land im Prinzip wochenlang im Ausnahmezustand war. Das hatten wir in Deutschland Gott sei Dank nicht. Insofern hat sich das, was in Frankreich war, nicht so in Deutschland wiederholt, auch wenn es in Deutschland natürlich Unruhen gab, wie wir sie kennen, vom 1. Mai jedes Jahr oder von anderen anlässen. Das ist beunruhigend und da muss man ran, aber so wie in Frankreich war es eben nicht.

Timon Radicke: Peter, du hast gerade den Vergleich zum 1. Mai gezogen. Lass uns mal einen Blick auf die Teilnehmer dieser Demonstrationen, wenn man sie denn Demonstrationen nennen möchte, legen. Wir hatten auf der einen Seite die friedlichen Demonstrationen, die dann irgendwann zu Ende gingen und dann, ich nenne sie mal, die chaotischen Auswüchse. Mit was für Personen hatten

peter: Ja. Also erstmal die Friedlichen Demonstranten, das war Kunter Bund. Das kann man jetzt gar nicht so einfach sagen, welche Gruppen genau da die größte Rolle gespielt haben. Die waren ja vor allem online mobilisiert. Da haben sich natürlich auch Schülergruppen mobilisiert, aber eben nicht nur. Diejenigen, die für den Krawall verantwortlich waren, das waren Gruppen, die aus dem linksextremen Spektrum bekannt sind. Vermummte, autonome Gruppen, linke Gruppen, die eben auch zum Beispiel beim 1. Mai immer wieder aktiv sind und an die haben sich dann verschiedene Leute angeschlossen aus, ja der Innenminister hat gesagt, migrantischen Milieus, ich halte das für etwas unpräzise, aber Leute, die halt vor allem auf Krawall, auf Plünderung auf waren, die sich wahrscheinlich auch irgendwie über Chatgruppen mobilisiert haben, die gesagt haben, da gibt es eine Möglichkeit mal was mitzunehmen. Und

Timon Radicke: Mhm.

peter: das haben wir eben am Abend gesehen. Auf der einen Seite die relativ organisierten links-extreme Szene, die wir auch seit Jahren schon kennen. Und auf der anderen Seite, sage ich mal, Mitläufer, die sich gedacht haben, wenn da so viel los ist und wenn da an der Zeit so viel Chaos herrscht, da kann ich vielleicht in Geschäft rein und mir was mitnehmen. Aber das war viel, viel weniger als in Frankreich. In Frankreich war das ja ein Großteil der Aktion, die dann stattgefunden hat, während des Tages und auch während der Nächte. Deutschland war das eine Episode. Schlimm genug, aber

Peter Tauber: Kammer

peter: trotzdem Leben nicht zu schlafen.

Peter Tauber: Kann man das nicht sogar für die Proteste insgesamt sagen? Also ich finde ja die Unterscheidung, die dann Gott sei Dank manche gemacht haben, auch wohltuend zu sagen, da sind junge Menschen, die haben Zukunftssorgen, die adressieren die, die gehen auf die Straße, das ist ja in der freiheitlichen Demokratie zunächst vollkommen legitim. Und dann gibt es welche, die diese Proteste hijacken, entweder weil sie eine politische Agenda haben wie Linksextreme

peter: Genau.

Peter Tauber: oder aber eben auch sogenannte erlebnisorientierte Jugendliche, wie man die in Frankfurt auf Social Media

peter: Ja.

Peter Tauber: beobachten konnte. Und ja, das ist aber in einer Stadt wie Frankfurt mit so einem hohen Migrationsanteil, gerade in der jüngeren Generation, auch kein Wunder, dass einem da hauptsächlich junge Männer begegnen,

peter: Genau.

Peter Tauber: die eben, wo man sieht, dass die Eltern nicht aus dem tiefsten Vogelsbeisch kommen, sondern wahrscheinlich aus anderen Teilen der Welt. So. Trotzdem, wenn man sieht, dass in Deutschland insgesamt nur 100.000 bei diesen Demos, bei den friedlichen Demos großenteils, mitmarschiert sind, ist doch auch das eine ganz andere Form des Protests. wir haben jetzt ein bisschen schon über die Gewalt geredet, aber dieses Aufstehen der jungen Generation, auch das ist doch ganz anders bei uns als in Frankreich.

peter: Ja, glaube ich auch. Ich glaube, das liegt auch daran, wie sich diese Demos organisiert haben. Das war ja in Deutschland tatsächlich eine relativ spontane Aktion. Spontan insofern, als dass man die Organisatoren vorher nicht kannte. Es waren tatsächlich junge Leute, die so politisch nicht aufgetreten sind bisher. In Frankreich war das ja anders. Demos wurden ja organisiert von der Gewerkschaftsbewegung und von ja, linken, aber nicht unbedingt, also von linken Parteien. Das würde man bei uns sagen vielleicht die Linke, aber die Linke hat in Deutschland teilweise regional mit organisiert, war aber nicht ganz vorne mit dran. Und wenn du natürlich solche

Timon Radicke: Mhm.

peter: Gewerkschaftsbewegungen hast und Parteibewegungen, da kannst du auch innerhalb kurzer Zeit mehr Leute auf die Straße bringen, als wenn du einfach nur eine Webseite ins Internet stellt und sagt Leute klickt mal hier wenn ihr kommen wollt. Wir wissen ja aus allen möglichen Veranstaltungen wenn Leute nur klicken müssen dann weiß man da kommen am Ende vielleicht höchstens ein Drittel davon wenn überhaupt. Genau das ist hier passiert das war relativ unorganisiert viele Leute haben drauf geklickt. Ich glaube am Ende waren da 300.000 Leute gesagt haben sie würden kommen von denen sind dann 100.000 gekommen. Das war eigentlich gar nicht so schlecht für so eine Aktivität. Aber es war natürlich nicht in derselben Liga wie Frankreich, wo echte, große Organisationen mit echten Strukturen dahinter gestanden haben. Aber du hast natürlich recht, Peter. eine wollte ich noch sagen. Die Anliegen sind natürlich im Prinzip absolut gerechtfertigt. Wir haben eine demografische Situation in Deutschland, wo wir in der Politik 90 Prozent der Zeit damit verbringen, über Rentner zu sprechen und über Renten und über Kranken- und Pflegefragen

Timon Radicke: Ja.

peter: alles Dinge, die vor allem ältere Leute interessieren. Ältere Leute, die hauptsächlich zur Wahl gehen. Und natürlich ist es so, dass die jüngere Generation da das Gefühl hat, dass ihre Anliegen, Bildung, Zukunft, Forschung und so weiter, dass die da eigentlich zu kurz kommen. Und das auszudrücken ist absolut legitim, auch durch eine Demonstration, die natürlich friedlich sein sollte.

Timon Radicke: Unter

peter: Ja.

Timon Radicke: werden. Also in dem Moment, wo die Sachen gehyjagt werden und wo, ich sag jetzt mal, migrantische Milieus auf die Straße gehen und Fensterscheiben einwerfen und Leiden plündern, ist das Anliegen

peter: total.

Timon Radicke: für diejenigen, die ihre Anliegen ja nun zurecht wirklich inhaltlich vorbringen, ... ja eigentlich schon eine Katastrophe.

peter: Ja, ich glaube auch. Und so ist das fast immer. Wenn solche Demonstrationen in Krawall umschlagen, da gehen die eigentlichen Anliegen total unter. Ich vermute mal, das, was Peter als die erlebnisorientierten Demonstranten beschrieben hat, die hat das wahrscheinlich überhaupt nicht interessiert und die haben sich auch mit den Forderungen nicht beschäftigt. Die sahen einfach eine Möglichkeit da irgendwie mal einen Abend in ein Turnschuhgeschäft reinzugehen und sich was rauszubekommen. bei den bei den linksextremen Gruppen ist es etwas anders gelagert. sagen natürlich, dass die Voraussetzung dafür, dass es eine bessere Zukunft gibt für die Jugend, die Zerstörung des kapitalistischen Systems ist. Und insofern passt es für die schon, dass die sagen, wir wollen jetzt nochmal Zahlen zulegen, uns interessiert eigentlich gar nicht, ob jetzt die Anliegen der Jugend von der Politik gehört werden, weil wir im Prinzip das ganze System ablehnen und eigentlich ein neues System an die Stelle setzen wollen.

Timon Radicke: Jetzt ist Peter gerade kurz,

peter: Jetzt ist Peter weg.

Timon Radicke: Peter ist kurz raus. Macht aber gar nichts, weil ich würde ganz gerne noch mal eine andere Perspektive

peter: Ja.

Timon Radicke: mit dir erörtern, Peter. Und das ist vor allen Dingen die Perspektive der Einsatzkräfte. Wir sind in Deutschland immer sehr, sehr schnell dabei, unsere Einsatzkräfte zu schimpfen. Wir sind immer sehr schnell dabei, irgendwelche Fehler zu suchen. Das, was ich wahrgenommen habe, auch in Frankfurt, auch in anderen Städten, war ein hochprofessionelles Einschreiten unserer Polizei und Einsatzkräfte. Wie hast du das wahrgenommen?

peter: Also ich glaube, das ist... Das ist auch ein ganz ganz wichtiger Punkt. Und das geht in dieser Diskussion aktuell völlig unter. Ich glaube,

Timon Radicke: Total.

peter: dass die Polizei einen wirklich guten Job gemacht hat. Das muss man bei aller Kritik, die vielleicht auch an anderer Stelle gerechtfertigt ist, einfach mal sagen. Die Polizei hat große Präsenz gezeigt, aber sie hat deeskalierend gewirkt in dem Sinne, dass sie auf provokative die ja aus diesen linksextremen Gruppen herauskamen, dass sie darauf nicht reagiert hat in den allermeisten Fällen und dass sie in den allermeisten Städten, ausnahme Frankfurt, in den allermeisten Städten diese Demonstration zu Ende gebracht hat, ohne dass was Größeres passiert ist. Also von

Timon Radicke: Ja.

peter: diesen 150 verletzten Polizisten sind 100 in Frankfurt und es haben über 20 Veranstaltungen stattgefunden. Also in den allermeisten Städten ist fast überhaupt nichts passiert und deswegen an dieser Stelle hätte ich mir auch gewünscht, Manchen Politikern, die sich jetzt in der Bildzeitung äußern, auch mal zu sagen, das ist auch deswegen glimpflich gelaufen, weil die Polizei einen so guten Job gemacht hat. Und anders als in Frankreich übrigens, wo die wirklich reingegangen sind und teilweise auch mit ihrem Handeln der Polizei zur Eskalation beigetragen haben, das habe ich gestern nicht gesehen und das ist ein großes Verdienst.

Timon Radicke: eskaliere ich

peter: Absolut.

Timon Radicke: wo weiß ich

peter: Genau.

Timon Radicke: ganz genau, dass weitere Schritte der Eskalation eher zu noch mehr Chaos führen.

peter: Ja, na. Genau, diese Mischung zwischen auf der einen Seite ist es absolut richtig und wichtig, klarere Kante zu zeigen, Präsenz zu zeigen und auch zu signalisieren, dass Straftaten, also Plünderung von Geschäften und so weiter, dass das Konsequenzen hat, aber gleichzeitig eben nicht auf jede Provokation. Es gibt ja bei Linksextremen ganze Handbücher dazu, wie man die Polizei

Timon Radicke: Nö.

peter: provoziert und wie man solche Eskalationen manipuliert, nicht auf alles ein zu steigen und das haben die glaube ich diese Mischung haben die glaube ich in an vielen Orten nicht an allen Orten aber in vielen Orten ganz gut hingekriegt gestern oder vorgestern.

Peter Tauber: Da muss ich sagen, hat auch, auch da gab es Videos auf Social Media von dem Versuch, Polizisten zu provozieren, indem man nach Dienstnummern fragt und so weiter. Da finde ich war auch beeindruckend, mit welcher stoischen Gelassenheit die das über sich

peter: Absolut.

Peter Tauber: haben ergehen lassen. Deswegen in der Tat auch, glaube ich, von unserer Seite mal ein dickes Lob an die Polizei. Timon hat vorhin schon nach dem 1. Mai gefragt. Das würde ich gerne noch mal mit dir einordnen, Peter. Denn den 1. Mai, da wissen wir, dass der kommt. Der steht im Kalender. Eigentlich Tag der Arbeit, aber naturgemäß auch der Tag, vor allem in Berlin, vielleicht auch in Hamburg, wo die von mir nicht nur erwähnten erlebnisorientierten Jugendlichen, sondern auch Linksextreme bewusst die Konfrontation mit der Staatsgewalt suchen. Wenn du das noch mal in Relation setzt, auch angesichts dieser hektischen Schlagzeilen vom Wochenende. Wird zu sagen, 1. Mai ist immer noch eine Spur härter und anders organisiert, auch von beiden Seiten, als das, was wir jetzt da am Sonntag gesehen haben? Oder wird zu sagen, andere Kategorie ist schwierig?

peter: Nee. Also würde ich überhaupt nicht anders bewerten. Ich glaube, das, wir am 1. Mai sehen, ist, du hast es ja selber gesagt, sehr örtlich konzentriert, vor allem in Berlin, ein bisschen auch in Hamburg. Das sind die zwei Städte, wo es passiert. Aber wir haben am 1. Mai regelmäßig allein in Berlin so viele verletzte Polizisten wie jetzt an diesem Wochenende in ganz Deutschland. Und deswegen ist auch das ein Hinweis darauf, dass die Polizei das am Wochenende ganz gut in den Griff bekommen hat. Du hast allerdings recht, mich wundert das auch, dass obwohl das ja bekannt ist und obwohl die Polizei viel Zeit hat, sich darauf vorzubereiten und auch ihre Pappenheimer kennt, dass das trotzdem jedes Jahr immer wieder zu großem Krawall führt. Ich weiß die Antwort auch nicht darauf, was der Grund dafür ist, dass das immer wieder gelingt. Vielleicht ist es einfach so, diese geballte Konzentration auf wenige Orte, das passiert ja auch in Berlin nicht überall, sondern in wenigen

Timon Radicke: Ja.

peter: Teilen von Kreuzberg und Friedrichshain. Vielleicht ist es das der Grund dafür, aber mich wundert das schon, dass das jedes Jahr immer wieder trotz dieser Vorbereitung zu diesen Krawallen kommt.

Peter Tauber: Und da gibt es einen Punkt, das ist mein letzter Punkt, der ärgert mich massiv, weil durch diese Art der Zuspitzung und der Berichterstattung, man könnte ja fast den Eindruck haben, es gibt so eine fast wohlige Lust am Untergang, an

peter: total.

Peter Tauber: Untergangsszenarien,

Timon Radicke: Ja.

Peter Tauber: machen wir eigentlich

peter: total.

Peter Tauber: das Geschäft nicht nur der Randalierer, wir werten sie auf, wir machen sie viel größer als sie sind. Und auch das

peter: Ich... ja...

Peter Tauber: Geschäft der Rechtspopulisten, sagen, schaut euch das mal an, der Staat kann überhaupt nicht mehr durchgreifen, wir haben keine Kontrolle mehr, da sind Menschen, die wir hier nicht haben wollen, die wir theoretisch angeblich durch Remigration loswerden könnten und dann wäre alles wieder gut. Und

peter: Ja.

Peter Tauber: angesichts der Fakten, die du uns jetzt beschrieben hast, muss man doch sagen, da war der Staat handlungsfähig, Recht und Ordnung.

Timon Radicke: Genau.

Peter Tauber: Durchgesetzt, schnell wieder hergestellt,

peter: Ja.

Peter Tauber: dort wo sie infrage gestellt waren und ein Lob an Verwaltung und staatliches Handeln und vor allem an die Polizei. Das ist doch das Fazit dieses Wochenendes.

peter: Ja, ich glaube das auch, aber es ist halt unglaublich schwierig zu kommunizieren aus zwei Gründen. Und ich habe mir da auch schon wieder viel Ärger auf Twitter eingehandelt, weil ich genau das auf Twitter gesagt habe, gestern Nachmittag und habe jetzt alle möglichen Leute, sagen, ich fahre harmlos oder Dinge und so weiter und so fort. Totaler Quatsch. Punkt Nummer eins ist, ich möchte keine Namen nennen, aber ich kenne Leute, Journalisten von bestimmten Medien, die sich regelrecht darauf gefreut haben auf dieses Wochenende und die auch wollten, dass da unglaublich viel schiefgeht und dass es da Riesenchaos gibt, wie in Frankreich. möglicherweise sogar Tote. Also gefreut ist vielleicht ein bisschen zu viel, aber die haben das erwartet und die hatten die Schlagzeilen schon geplant. Und wenn du jetzt auf die verschiedenen Medien schaust, dann siehst du, wie weit das 24 Stunden später schon im Prinzip in der Mitte von Webseiten verschwunden ist, weil es einfach

Timon Radicke: Ja.

peter: nicht die große Geschichte ist, die die Leute erwartet haben.

Timon Radicke: Ja, genau.

peter: Das ist das Erste. Und das Zweite ist, dass wir natürlich im Zeitalter der sozialen Medien leben und Wir alle auf Clips reagieren. Du siehst einen 20-sekündigen Clip aus Frankfurt von der Zeil, wo tatsächlich Plünderungen stattgefunden haben. Und natürlich sagen dann alle, so war das überall in Deutschland. Das ist unglaublich schwer dagegen anzukommen. Also du siehst ein oder zwei Clips und das ist für dich dann schon eine ganze Datenreihe und die Geschichte ist sozusagen so geframed, wie die Leute, die diese Clips posten es wollen. Und dagegen ist es unglaublich schwer mit differenzierte Analyse anzukommen, wie wir das jetzt gerade betreiben und zu sagen, Leute, okay, es gab diese zwei Clips, die sind nicht gefälscht, aber das ist halt nicht das ganze Bild. Wenn man sich das bundesweit anschaut, war das nicht so schlimm, wie es hätte sein können. Natürlich ist jeder verletzte Polizist einer zu viel, aber es ist nicht so schlimm, wie es eigentlich hätte sein können und der Grund dafür ist eben auch, ein gutes handelndes Staat ist. Aber das ist eine Botschaft, die kommt bei uns an, aber bei vielen Leuten, die soziale Medien nutzen, kommt die leider nicht an.

Timon Radicke: Wir sind dann häufig dran, Peter, dass wir sagen, diese Straftaten müssen mit der, wie ist der Satz immer so schön, mit der vollen Härte des Rechtsstaates

peter: Ja.

Timon Radicke: geahndet werden. Jetzt hat Peter gerade schon, ihr beide, die herausragende Leistung der Polizei an diesem Wochenende dargestellt. Was folgt denn jetzt daraus? unser Rechtsstaat eigentlich in der Lage, ist vielleicht auch eine juristische Frage, ist unser Rechtsstaat denn eigentlich in

peter: Ja.

Timon Radicke: der Lage, aus solchen Ereignissen, aus solchen Großereignissen wirklich die Strafprozesse abzuleiten, die er ableiten müsste?

peter: Ja. Das ist in der Tat ein wichtiger Punkt und das machen wir immer auch bisschen Sorge. Nicht nur in diesem Bereich, auch im Theorismusbereich.

Timon Radicke: Ja.

peter: Unsere Justiz ist bei solchen Taten zu milde und hat zu milde Urteile auch. Also wenn Leute überhaupt bestraft werden, bekommen sie sehr sehr milde Urteile und es ist sehr sehr schwer bei solchen Gemengelagen, wie jetzt am Wochenende, tatsächlich eine Weißkette zu produzieren, die dann Gerichte auch überzeugt. Und ich glaube, da müssen wir vielleicht ein bisschen ansetzen. Ich finde schon, dass mehr Leute bestraft werden sollten und tatsächlich in einigen Fällen auch Freiheitsstrafen bekommen sollten, wenn sie sich an Plünderungen beteiligen.

Peter Tauber: Ahem.

peter: Und das passiert leider viel zu selten. Ich spreche immer gerne über den Theorismusbereich. Wir hatten das ja letzten Sommer. Da hatten wir ja diesen Anschlag auf den CSD in Berlin. mit diesen Täter, der eigentlich gar nicht frei hätte sein sollen. Der war wegen einer schweren, staatsgefährdenden Gewalttat vor Gericht und hat 22 Monate Freiheitsstrafe zur Bewährung bekommen und wurde nach neun Monaten bereits freigelassen, obwohl bekannt war, dass er ein Gefährder war. Und

Timon Radicke: Ja.

peter: als ich dann in den Medien gesagt habe, das ist eigentlich verrückt, ist eigentlich irre, dass wir solche Leute rauslassen, habe ich ganz viel Schälte bekommen von liberalen Medien. Aber viele Leute, auch von BKA und von LKA, haben mich angerufen, haben gesagt, genau so ist es. Wenn man das vergleicht,

Timon Radicke: Ja.

peter: europaweit, hatten jetzt in Großbritannien, hatten wir jetzt einen, der war von Russland beauftragt, ein Lagerhaus in Brand zu setzen. Der hat 23 Jahre bekommen. Stell dir das mal vor. Der hat

Timon Radicke: Ja. Ja.

peter: 23 Jahre bekommen in Deutschland, wenn du diese Wegwerfagenten hast vor Gericht. Die bekommen zwei Jahre zur Bewährung. Also die müssen überhaupt nicht ins Gefängnis. Also ich finde da sind wir ein bisschen zu lasch und

Timon Radicke: Ja.

peter: da müsste man vielleicht mal ein bisschen nachlegen. Tatsächlich. Ja, richtig. Genau, der kann gleich weitermachen.

Timon Radicke: zieht dann auch der Begriff Wegfärf-Agent eigentlich gar nicht mehr, weil der ist ja recycelbar ehrlicherweise. ... dass du dir die Zeit

peter: Ja, danke.

Timon Radicke: wo auch immer es hingeht ... und wir freuen uns auf das nächste Mal.

peter: Danke schön. Herzlichen Dank, ihr beiden. Ich bin übrigens gerade angekommen. Ich fliege nicht irgendwo hin. Ich bin heute Nachmittag

Timon Radicke: So.

peter: bei der Lufthansa zu Gast. Die Lufthansa macht jedes Jahr

Timon Radicke: Okay.

peter: eine große Konferenz zum Thema Sicherheit. da werde ich heute referieren. Am Flughafen. Also sehr angenehm.

Timon Radicke: spannend. Deswegen, also du hast gar keinen,

Peter Tauber: Viel Erfolg, Spaß!

Timon Radicke: du sitzt gar nicht auf einem Trolley sozusagen, sondern du wartest darauf, dass es losgeht. Wunderbar. Vielen Dank. Tschüss.

peter: Ne, ne, Genau. Alles klar. Vielen Dank, ihr beiden. Tschüss.

Peter Tauber: Mach's gut, Peter, danke.

peter: Danke.

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