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Die Boss - Macht ist weiblich· Folge 139

Christine Thürmer: „Wandern ist mein Job“

Mittwoch, 22. April 2026 · 1 h 05

MP3

Shownotes

Sie ist „Die Boss“ der Wanderer: Mehr als 70.000 Kilometer hat Christine Thürmer zu Fuß zurückgelegt und ist damit die „meistgewanderte Frau der Welt“. Wenn sie von ihren Erlebnissen auf Touren durch mehr als 40 Ländern erzählt, bricht sie gern mit Klischees. Beispielsweise, dass man besonders sportlich sein muss, um aufzubrechen, teures Equipment braucht oder als Frau eher Gefahren ausgesetzt ist. Stattdessen beweist sie mit konkreten Tipps und Anekdoten das genaue Gegenteil.

Dabei verrät sie, was die größten Fehler beim Packen sind, wie man unterwegs Krisen am besten bewältigt, und warum man wirklich niemals in schwachen Momenten mit den Lieben daheim telefonieren sollte. Außerdem erzählt die ehemalige Managerin sehr unterhaltsam, wieso sie ihr Leben radikal änderte, aber im Herzen trotzdem immer noch eine Geschäftsfrau ist, die „nach dem Devisenkurs“ wandert und statt auf Lagerfeuerromantik eher auf Aktienkurse setzt.

Links:
Website mit Tourdaten: christinethuermer.de
FB: facebook.com/ChristineThuermer
Insta instagram.com/christine_thuermer
Bücher: piper.de/autoren/christine-thuermer-4450
„Hiking Asia“; „Auf 25 Wegen um die Welt“; „Weite Wege Wandern“; „Wandern. Radeln.
Paddeln.“; „Laufen. Essen. Schlafen.“

+++"Die Boss" ist ein Podcast von RTL+.
Gastgeberin: Simone Menne.
Redaktion: Alexandra Frank, Kirsten Frintrop, Isa von Heyl, Sarah Klößer und Sarah Stendel.
Mitarbeit: Jane Reimers.
Projektmanagement RTL+ & Schnitt: Kirsten Frintrop und Alexandra Frank.
Postproduktion & Sounddesign: Aleksandra Zebisch.+++
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Der erste Lifehack ist beim Packen, also da gibt es eigentlich nur eine einzige entscheidende Frage und die lautet, gibt es ohne diesen Gegenstand ein lebensbedrohliches Problem? Lautet die Antwort, nein, bleibt das Ding konsequent zu Hause? Ich sage mal so, ohne Unterhose stirbt man nicht. Deswegen wandere ich persönlich ohne Unterwäsche.

Okay, cool. Also eigentlich ist es für mich jetzt nur so ein Gag. Also natürlich habe ich jetzt für Städtetriebs, weil ich bin ja auch oft mal in der Stadt so, da habe ich schon eine Unterricht dabei. Also ich sage dieses Beispiel eben, weil es so die Leute ein bisschen vor den Kopf stößt und die Radikalität zeigt.

Also das geht dann so weit, dass ich mir aus Gewichtsgründen die Etiketten aus der Kleidung trenne und die Zahnbürste absäge, weil die Gramm läppern sich. Also hier fünf Gramm und da fünf Gramm, das kommt einfach zusammen. Und 50 Gramm sind schon ein Schuldigemann. Fokoriegel und das ist sowieso die Maßeinheit aller Langstreckenwanderer. Okay.

Die Boss. Macht ist weiblich. Guten Tag, mein Name ist Simone Menne und ich bin die Gastgeberin vom Stern-Podcast Die Boss. Heute spreche ich mit Christine Türmer. Sie ist Thru-Hikerin. Ein Wort, was ich nicht kannte, jetzt gelernt habe. Und ich bin gespannt, sehr viel darüber zu lernen. Man kann es auf Deutsch übersetzen, glaube ich, als Langstreckenwanderin.

Und sie ist zu Fuß mehr als 70.000 Kilometer gewandert. Und das scheint ein Weltrekord zu sein. Das macht sie seit 2007 und hat darüber auch mehrere Bücher geschrieben, zu ihren Büchern und auch zu Vorträgen. Hat sie Preise gewonnen, über die ich auch gerne mehr erfahren möchte. Von daher freue ich mich, dass Sie heute mal nicht auf Wanderschaft sind, Frau Türmer, sondern Zeit für mich und unsere Zuhörerinnen und Zuhörer haben. Schön, dass Sie da sind.

Ja, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich sehr. Sie sind nicht naturgegebene Langstreckenwanderin. Das heißt, eigentlich in der Planung Ihres Lebens, als Sie so 18 waren, hatten Sie was ganz anderes vor, richtig? Total. Also ich bin zum Langstreckenwandern gekommen wie die Jungfrau zum Kinde.

Also ganz im Gegenteil, in Sport hatte ich immer eine 4, obwohl ich ansonsten eine richtige Streberin war, so eine Einser-Schülerin. Ich habe auch bayerisches Abitur, muss ich sagen. Oh ja. Ja, das hätte niemand vorher gesagt, obwohl meine Sportlehrerin, die habe ich bei einer meiner Shows wieder getroffen, sagte, Frau Türme, ich wusste immer schon, dass aus Ihnen Größeres wird.

Ja, sie hat mir trotzdem eine 4 gegeben, außer im Basketball, weil ich war schon immer sehr groß, ich bin 1,84, da musste ich mich einfach nur in den Korb stellen. Aber ansonsten Sport, die volle Niete, damals wie heute. Das heißt, Wandern ist kein Sport. Sehe ich so. Also löst du mir totales Erstaunen aus? Nein, ich finde es kein Sport.

Es ist letztendlich das, wozu unser Körper ja seit Hunderttausenden von Jahren evolutionsmäßig optimiert worden ist. Nämlich jeden Tag laufen, es waren ja alles Jäger und Sammler. Und jeder kann ja eigentlich wandern, der einen Schritt vor den anderen setzen kann. So, das heißt, in der Schule eine Vier in Sport, ansonsten nur Einsen.

Bei mir war das ziemlich anders. Also ich hatte noch nicht mal in Sport eine Eins, aber woanders auch nicht. Und dann noch in Schleswig-Holstein. Aber ich glaube, wir haben recht ähnlich angefangen. Sie haben dann studiert und sind Managerin geworden, richtig? Ja, aber auch nur durch totalen Zufall. Also ich habe erst mal sowas Brotloses studiert, wie Anglistik und Philologie und sowas.

Und dann wurde mir ein Diskothekenbesuch zum Verhängnis. Okay. Ja, ich hatte in der Disco immer zwei Anmachsprüche. Also entweder, wo hast du diese tolle Brille her oder studierst du nicht mit mir Anglistik an der Uni Bamberg, wo ich damals studiert habe. So ein besagter Mensch an der Disco hatte keine Brille auf, also kam Spruch 2 zur Anwendung und er sagte, nein, um Gottes Willen, ich studiere nicht in Bamberg, ich studiere in Berlin Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation.

So, und dann sind wir darüber ins Gespräch gekommen. Mehr passierte dann auch nichts. Und ich habe das dann ewig recherchiert und festgestellt, das kann man nur in Berlin machen mit einem wahnsinnig hohen Numerus Clausus. Den hatte ich natürlich. Und das war für mich die perfekte Idee oder die perfekte Anlass, jetzt aus Oberfranken, da wo ich herkomme, wegzukommen und mit mütterlichen, väterlichen, elterlichen Segen nach Berlin zu gehen.

Und das war nicht nur der coole Typ aus der Disco? Das war tatsächlich einfach, wo ich dachte, okay, Werbung, das hört sich ja total toll an. Also Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation ist nichts anderes als Marketing und Werbung, hört sich super an, fand ich spannend, habe ich dann gemacht und während des Studiums habe ich mir dann also mein Geld nebenbei verdient, ich habe dann bei einem deutschen Großkonzern gearbeitet und da bin ich dann hängen geblieben, erst im Controlling, dann im Einkauf und da habe ich dann Karriere gemacht.

Und dann einfach aufgehört? Von einem Tag auf den anderen? Nein, wahrscheinlich nicht. Also das war wahrscheinlich irgendwie auch ein längerer Prozess. Nee, eigentlich gar nicht. Der Prozess wurde mir abgenommen, weil ich bin zweimal in hohem Bogen aus meinem Job geflogen. Ich bin gekündigt worden. Rückblickend muss ich sagen, das war das Beste, was mir je passieren konnte.

Also ich habe ja gemacht, also ich bin gelandet in der Unternehmenssanierung. Also nicht Beratung, sondern wirklich Sanierung. Und das heißt also, wenn der Job getan ist, dann muss die Saniererin gehen. Das war mir damals noch nicht so ganz klar. Ja, und so bin ich dann wie im schlechten, beim ersten Mal bin ich also wirklich wie im schlechten Film am letzten Werktag vor Weihnachten gekündigt worden.

Ich hatte dann zehn Minuten Zeit, meine persönlichen Sachen zu packen. Ist logisch, ich war damals Prokuristin, ich hätte die ganze Firma verkaufen können, wenn man da unterdrückt. Deswegen will man mich dann natürlich schnell loshaben. Und ich habe noch während des Kündigungsgesprächs gedacht, oh, das passt ja jetzt zeitlich gut, jetzt beginnt gerade die Wandersaison. Und so kam es dann auch.

Ich habe dann meine erste Wandern gemacht, habe dann nochmal zweieinhalb Jahre in der Sanierung gearbeitet, bin dann wieder gekündigt worden, eben weil der Sanierungsjob auch erledigt war. Und seitdem ist Wandern mein neuer Job. Und dann war das keine Krise für Sie? Oder in dem Moment doch? Also ich plaudere mal ein bisschen aus dem Nähkästchen, ich hatte zweimal auch ähnliche Erlebnisse.

Ich war dann schon im ersten Moment erstmal geschockt und habe gesagt, okay, du hast versagt und habe hinterher nach ein bisschen Zeit auch gesagt, war eigentlich was ganz Gutes, was mir da passiert ist. Ich frage nur wegen auch unserer Zuhörer und Zuhörerinnen. Also wenn man so einen Niederschlag hat, sollte man durchaus auch auf die dummen Sprüche hören, die dann sagen, in fünf Jahren werden sie sich freuen.

Ja und nein. Also ich würde sagen, scheitern als Chance. Also wenn ich damals nicht gekündigt worden wäre, wäre ich wahrscheinlich die Langstreckenwanderin geworden, weil ich hätte mich selbst nicht getraut, das zu machen. Also so gesehen, ja, tatsächlich. Ich glaube aber, es reicht nicht zu sagen, in fünf Jahren wirst du dich freuen, sondern man muss in dem Moment auch offen sein, dieses Scheitern als Chance zu sehen.

Also ich hätte damals, also in beiden Fällen, ich bin ja zweimal gekündigt worden, hatte ich andere Jobangebote. Das wäre überhaupt kein Problem gewesen, gleich weiterzuarbeiten. Aber dann wirklich zu sagen, okay, jetzt bist du genau richtig zur Wandersaison gekündigt worden. Das musst du jetzt nutzen.

Ja, also das ist schon eine Einstellungssache dann eben, das zu tun. Aber wenn Sie wussten, dass Wandersaison ist, dann hatten Sie ja doch schon ein bisschen was mit Wandern zu tun, oder? Also ich bin auf diese Trails gekommen, wie schon gesagt, wie die Jungfrau zum Kinde. Ich war vorher in einem Juppie-Urlaub in den USA und habe dann eigentlich nur so einen kleinen Wanderausflug gemacht im Yosemite-Nationalpark.

Und dort habe ich eben diese Langstreckenwanderer getroffen, war total angefixt, habe mich natürlich auch interessiert, wie machen die das. Habe entsprechende Bücher gelesen und wusste, aha, die Wandersaison beginnt Mitte April. Man braucht natürlich ein bisschen Vorbereitung. Also war mir schon klar, wenn ich das machen will, müsste ich quasi schon bald anfangen mit der Vorbereitung.

Aber ich hätte mich da selber nicht getraut. Und kam dann eben im Kündigungssprech noch, wo ich dachte, ja super, das passt ja. Jetzt hast du drei Monate Zeit und kannst dann eben losgehen. Aber das Entscheidende ist dann in so einer Situation eben nicht zu denken, um Gottes Willen, ich habe versagt oder ich muss jetzt schnell wieder einen Job finden.

Da gehört schon was dazu. Also A, ein gewisses finanzielles Polster, um dann eben auch sagen zu können, okay, ich muss jetzt nicht gleich wieder arbeiten. Und halt auch die Freiheit zu sagen, okay, mein Selbstwertgefühl hängt jetzt nicht an diesem Job. Mhm. Das heißt, in beiden Fällen kann ich auch bestätigen, eine gewisse Unabhängigkeit.

Zum einen finanziell, aber zum anderen auch mental. Ich denke, das ist ganz wichtig. Aber ich habe den Eindruck, Sie sind ehrgeizig. Sie haben die erste Langstrecke gewandert. Was ist denn eine Langstrecke? Ab wann ist es eine Langstrecke? Wie viele Kilometer und wie viele Tage? Also die Frage hat mir auch meine Lektorin gestellt, weil ich habe ja diverse Bücher geschrieben.

Und die sagt, ja wo ist jetzt die Grenze? Und ich habe ewig recherchiert. Und es gibt de facto keine Grenze. Also versuchen das so 300, 400 Kilometer oder verschiedene Bundesländer oder Länder, aber das ist eigentlich alles Quatsch. Ich glaube, die Grenze kann man eigentlich so beschreiben. Eine Wanderung ist immer toll. Also Wandern ist toll für Körper und Geist.

Aber nur wenn man sich diesem Wandern und auch dieser Mentalität langfristig aussetzt, nämlich wie schon eine längere Zeit, dann hat das auch das Potenzial, die eigenen Werte und Einstellungen zu verändern. Das geht eben nicht bei einer Wochenendwanderung oder bei einem Vollpension- und Gepäcktransport, sondern da muss man schon ein paar länger unterwegs sein.

So, und ich persönlich mache nichts unter 1000 Kilometer, da ist man dann also guten Monat beschäftigt und da würde ich sagen, da beginnt es dann langsam. Wovon das halt wirklich immer auf die Person drauf ankommt. Also für mich müssen die Langstrecken schon sehr lange sein, während jetzt jemand, der das zum ersten Mal macht, der hat diesen Effekt vielleicht schon nach drei Wochen.

Ist das so ein Effekt, wie ja auch Pilgerreisen zugestanden wird? Ja, ich wehre mich so ein bisschen gegen diese, wie soll man sagen, diese Verklärung des Pilgerns. Also Pilgern, wenn man das mal genauer betrachtet, ist ja nichts anderes als eine Unterform des Wanderns. Und die Idee des Pilgerns ist, dass man durch die Entbehrungen auf der Strecke mit Gottes Hilfe zu einem besseren Menschen wird. Betonung liegt, Entbehrungen und Betonung darf Gottes Hilfe helfen.

Jetzt sind aber die meisten heutigen Pilger zwar alle wahnsinnig spirituell, aber überhaupt nicht religiös. Und vor allen Dingen, je mehr da unterwegs sind, desto mehr boomt Gepäcktransport, Vollpension. Also da ist ja alles schon vorgebucht. Von Entbehrung ist da jetzt wirklich nur noch wenig die Rede.

Und deswegen findet da auch wenig Läuterung statt. Also ich habe jetzt nichts gegen Pilgern. ich finde das toll, weil das ein schöner Einstieg ist, einfache, gut ausgebildete logistische Wege, aber da von einer. Wahnsinnsveränderung zu reden, das ist einfach schwierig. Okay, und, Sind denn Ihre Wanderungen von Entbehrungen geprägt? Ja, in der Regel schon.

Okay, was heißt das? Also ich bin natürlich immer sehr unterschiedlich unterwegs und versuche das auch immer abzuwechseln. Also zwischen harten und einfachen Trails. Aber zum Beispiel die letzte wirklich sehr, sehr harte Tour, die ich gemacht habe, ich glaube das war 2022 oder 2023, da bin ich durch die Hochwüste von Oregon gewandert.

Und da hatte ich in sechs Wochen, war ich zweimal im Hotel. Okay, ja. Ich glaube sogar noch zweimal im Hotel für eine Nacht. Und der Rest war halt, also nicht mal waschen konnte ich mich irgendwo. Waschen halt irgendwo in einem Bach. Proviant musste ich mir vorne wegschicken. Also ich musste mein Wasser aus irgendwelchen Viehtümpeln holen. Also es war wirklich, wirklich schlimm.

Wussten Sie das vorher? Ja, das wusste ich vorher. Ich habe mich auch bewusst darauf eingelassen. Aber so eine Wanderung mache ich natürlich nicht andauernd, weil das schlägt sich irgendwann aufs Gemüt. Also letztes Jahr war ich zum Beispiel jetzt in Osteuropa pilgern. Also da kann man wirklich alle paar Tage mal ins Hotel gehen, sich was Leckeres zu essen holen oder so.

Also da sind jetzt nicht alle Trails so heftig, aber die sind auch immer wieder jedes zweite oder dritte Jahr dabei. Und sind das fertige Trails im Sinne von, wenn man dann da durch die Hochwüste in Oregon wandert oder trailt, das ist schon ein bekannter Weg und man trifft auch andere, die ähnliche Sachen machen?

Oder denken Sie sich selber auch, ich gucke jetzt mal auf eine Karte und dann gehe ich da längs? Also Wandern ist definiert als eine absichtslose Tätigkeit, das ist das Erste. Das unterscheidet sich von Militärmärschen und Burschen auf der Wald. Und zweitens, die zweite Definition ist, dass sie die Nutzung einer wanderspezifischen Infrastruktur voraussetzt.

Ah, das ist genau definiert, ja. Das ist genau definiert, also ja, das wird so googelt. Das heißt, es gibt zum Beispiel so um die Welt Wanderer, genau genommen wandern die nicht, weil die laufen größtenteils auf Straßen und das ist eigentlich der Definition kein Wandern mehr. Und das heißt, ich bin tatsächlich Wanderin in diesem Sinne.

Ich nutze also immer eine vorhandene Infrastruktur, also entweder vorhandene Wanderwege oder die Geschichte in Oregon. Das war tatsächlich auch ein Wanderweg, aber zu einem Drittel Weg los. Also da gab es aber schon, es gibt ein Wanderfutter, ich wusste, die Route geht da lang, dass es halt hoch wüsste, da ist jetzt eh nicht viel.

Also ich wusste, okay, ich hatte einen Track, ich hatte einen Wanderführer. Also ich hatte schon eine gewisse Infrastruktur. Und tatsächlich diese langen Wege, die ich gehe, ich bin ja zum Beispiel mehrfach durch ganz Europa gewandert. Vom nördlichsten zum südlichsten Punkt und Ost nach West. So und da stückele ich einfach vorhandene Wanderwege zusammen.

Also auch der Weg ist jetzt als solcher nicht definiert, jetzt nicht als der Nord-Süd- oder Ost-West-Trail. Aber ich nutze vorhandene Wanderwege. Und haben einen Kompass dabei und ein Handy? Kompass ist ein bisschen old school. Okay. Aber wenn man kein Handy empfangen hat, was macht man dann? Ja, man kann ja trotzdem mit dem Handy navigieren. Das GPS auf dem Handy ist ja unabhängig vom Handyempfang. Und man kann sich die Karten vorher runterladen.

Ansonsten habe ich immer ein GPS-Gerät dabei, mit dem ich dann auch tatsächlich navigiere. Kompass, also soll jetzt gar nicht böse gemeint sein, aber Kompass nutzt mir ja nur etwas, wenn ich auch eine Karte habe. Aber Papierkarten wären bei meiner Länge, also 1000 Kilometer plus, einfach viel zu schwer.

Größerer Aktenordner, der definitiv keinen Sinn hat mitzuschleppen. Ich sehe meine wirklich altmodischen Ideen, wie man wandert. Und treffen Sie dann Leute, also auch wie verpflegen Sie sich? Also wenn man aus Tümpeln das Wasser holen muss und kein Hotel findet, jagen Sie Kühe? Also ich bedauere es manchmal sehr, dass ich keine Kuh melken kann.

Also tatsächlich in der Wochenliste von Oregon, also die Frage ist wirklich gut, da gab es also tatsächlich nur Rinder, aber halt keine Milchkühe, sondern einfach nur Rinder. So, das ist etwas, wo mir mein früheres Berufsleben wirklich sehr zu Pass kommt. Also ich habe ja früher Unternehmenssanierung gemacht, das heißt Businesspläne stellen, Logistikkonzepte, war mein Spezialgebiet.

Und so gehe ich auch meine Wandertouren an, also wie ein Businessprojekt. Das heißt, ich plane also vorher ganz genau, das ist gerade bei diesen Wildnis-Touren sehr wichtig, wo gibt es den nächsten Proviant-Nachschub, wo kann ich endlich wieder einkaufen. Und man muss sich dann halt zur Not oft auch was zuschicken.

Ich brauche ja nicht nur Proviant, ich brauche auch alle sechs Wochen neue Schuhe, ich brauche neue Gaskanister, also als Brennstoff und, und, und. Und das will natürlich alles geplant sein. Europa, relativ unproblematisch, da steht ja an jeder Ecke irgendwie ein Supermarkt, aber in solchen Wildnisgebieten schon eine logistische Herausforderung, auf die ich mich aber immer freue.

Sie haben jetzt ganz am Anfang gesagt, Sie wussten, dass man auf die Vorbereitung von so einem, von so einer Langstrecke drei Monate Vorbereitung braucht. Das ist dann Logistik, aber auch Training im Laufen oder vor allem durch Denken, Logistik, Ausrüstung? Also erstens, ich trainiere tatsächlich nie, habe ich auch bei meiner ersten Wanderung nicht gemacht, weil wenn man so lange unterwegs ist, wird man zwangsläufig unfreiwillig fit.

Das heißt, es ist natürlich schön, wenn man schon trainiert, aber das ist nicht zwingend erforderlich, weil meine erste Wanderung war ja gleich von Mexiko nach Kanada. Und ganz ehrlich, also da ist man nach einem Monat sowieso fit. Also das kann man sich eigentlich auch sparen. Was man sich nicht sparen kann, ist eine möglichst leichte Ausrüstung, weil das ist der entscheidende Faktor für so einen Erfolg.

Also man sagt immer so, unterwegs ist der große Luxus nicht das, was ich dabei habe, sondern das, was ich nicht tragen muss. Und deswegen war die Vorbereitungszeit damals relativ lange. Normalerweise dauert so eine Vorbereitung, so eine Tour etwa ein Drittel der Zeit, die ich dann auch wandere. Also sechs Monate Wanderung, zwei Monate Vorbereitung.

Damals war es ein bisschen länger, weil ich hatte überhaupt keine Ahnung und vor allen Dingen keine Ausrüstung. Und das erstmal zu recherchieren, das war relativ aufwendig. Heute weiß ich genau, also heute ist Packen oder Ausrüstung für mich kein Problem. Ich packe einfach ein, was ich da habe und muss mich nur noch um die Logistik kümmern.

Wenn jetzt jemand auch anfangen möchte, Ihre erste Ausrüstung zu der Ausrüstung heute, hat sich da was geändert? Sagen Sie, oh Gott, das war echt ein Fehler, was ich damals eingepackt habe? Überhaupt nicht. Also ich muss dazu sagen, da kommt einfach die Geschäftsfrau durch. Ich habe das damals, ich habe wirklich drei Monate geplant am Rechner, habe also Ausschuss recherchiert.

Das heißt, mittlerweile ist es jetzt über 20 Jahre her, haben sich natürlich einige Marken geändert. Also bestimmte Rucksäcke oder jetzt Isomar oder sowas würde ich heute überhaupt nicht mehr bekommen. Aber vom Prinzip her hat sich dort wirklich nichts getan, außer dass die Marke halt eine andere ist. Also ich bin damals genau mit denselben Sachen unterwegs wie heute.

Das unterscheidet mich aber tatsächlich von den meisten Langstrengenwanderern, weil die machen erstmal alles falsch am Anfang. Ja, das hätte ich vermutet. Also ich würde bestimmt was Falsches einpacken. Die müssen erstmal auf die harte Tour lernen, wie man denn so richtig packt. Also das Gepäck muss und soll so leicht wie möglich sein.

Ein Handy ist dabei, habe ich auch gelernt. Was sind zusätzliche Tricks, um ... Gewicht zu sparen oder sich auf besondere Situationen einzustellen, wenn man trotzdem bei 5 Kilo bleiben möchte? Also der erste Lifehack ist, beim Packen sich zu fragen. Also da gibt es eigentlich nur eine einzige entscheidende Frage.

Und die lautet, gibt es ohne diesen Gegenstand ein lebensbedrohliches Problem? Lautet die Antwort, nein, bleibt das Ding konsequent zu Hause? Ich sage mal so, ohne Unterhose stirbt man nicht. Deswegen wandere ich persönlich ohne Unterwäsche. Okay, cool. Also eigentlich ist es für mich jetzt nur so ein Gag.

Also natürlich habe ich jetzt für Städtetriebs, weil ich bin ja auch oft in der Stadtsombe, da habe ich schon eine Unterhose dabei. Und im Winter ist es kalt. Aber Sie müssen nicht jeden Tag eine andere Unterhose haben. Ganz bestimmt. Also ich wandere ganz oft tatsächlich ohne Unterwäsche, also komplett.

Also ich sage dieses Beispiel eben, weil es so die Leute ein bisschen vor den Kopf stößt und die Radikalität zeigt. Also das geht dann so weit, dass ich mir aus Gewichtsgründen die Etiketten aus der Kleidung trenne und die Zahnbürste absäge, weil die Gramm läppern sich, also hier 5 Gramm und da 5 Gramm, das kommt einfach zusammen.

Und 50 Gramm sind schon Schokoriegel und das ist sowieso die Maßeinheit aller Langstreckenwanderer. Okay. So und das nächste ist einfach, dass man nicht immer teure Ausrüstung braucht. Also zum Beispiel, obwohl ich es mir wirklich leisten könnte, also ich könnte mir eine teure Regenjacke kaufen. Nein, meine Regenjacke kostet 7,99 Euro, ist vom Discounter und ich habe auch keine Regenhose an, sondern einfach einen aufgeschnittenen Müllsack.

Das ist sowieso viel besser, weil leichter, robuster, wenn der kaputt ist, einfach hole ich mir einen neuen Müllsack, viel besser belüftet. Ich habe auch keine Trinkblasen zum Beispiel oder gibt es da so spezielle Trinksysteme? Nee, ich habe einfach Plastikflaschen aus dem Supermarkt. Also Wandern muss jetzt nicht wahnsinnig teuer sein. Es geht vor allen Dingen halt ums Gewicht und um Multi-Use, dass man eben Sachen öfter verwendet für unterschiedliche Geschichten.

Also zum Beispiel den Trekkingstock zum Selfie-Stick umfunktioniert oder dergleichen Dinge mehr. Okay, okay. Also es gibt eigentlich zwei Tipps. Ich werde ja oft gefragt, was soll man machen? Ich gebe mal drei Tipps, das ist immer der Klassiker. Ja, das ist sehr gut. Ein psychologischer. So, der Praktische ist wirklich ein möglichst niedriges Rucksackgewicht.

Kann ich nicht oft genug betonen. Das ist wirklich der Hauptfehler. Der zweite Hauptfehler, den alle machen, sie laufen, weil falsch beraten, in schweren Wanderstiefeln los. Hätte ich auch gedacht. Ja, angeblich, weil man einen robusten, möglichst knöchelhohen Schuh braucht, um den Fuß zu schützen. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall.

Man ist in so einem knöchelhohen Wanderstiefel wie in ein Korsett gepresst, muss bei jedem Schritt dieselbe Bewegung machen, was passiert, man ermüdet und man bekommt ganz leicht Blasen, zumal die Dinger dann auch noch relativ schwer sind. Deswegen laufen Profi-Wanderer wie ich ausschließlich, wirklich ausschließlich in leichten Trail-Running-Schuhen, haben eine flexible Sohle, da kommt man immer ein bisschen anders auf, belastet andere Stellen, Effekt keine Blasen, man ermüdet weniger, weil die auch viel leichter sind.

Ich weiß, es hört sich jetzt erstmal absurd an, weil in Deutschland in den Läden, die halt immer noch alle falsch beraten, Aber ich bin wirklich alle Gebirgszüge dieser Welt gewandert, also nicht gebergsteigt, sondern gewandert in ganz leichten Turnschuhchen. Und der dritte? Ach so, stimmt, jetzt wäre der dritte der psychologische Dritte.

Da sind wir jetzt wieder beim Thema heute. Und zwar wollen ja die meisten so eine lange Wanderung machen, ja um auszusteigen, um, ja wie soll ich sagen, aus dem Hamsterrad, ich höre dann immer Komfortzone, Hamsterrad. Zu sich selber finden, könnte ich mir vorstellen. Genau. Und das ist so eine Urlaubseinstellung.

Ich bin jetzt auf meinem Once-in-a-Lifetime-Trip und jetzt muss ja alles gut werden. Jetzt ist aber unterwegs nicht die Frage, ob es ein Problem gibt. Es ist lediglich die Frage, wann, wie oft und welche. Jetzt prallt also das erste Problem, also Dauerregen, Blasen an den Füßen, schnarchende Schlafsaal-Mitbewohner, sonst wie, auf diese Urlaubseinstellung.

Und dann kommt so, oh Gott, ich habe meinen Job gekündigt. Ich habe mir ein Sabbatical genommen und ich habe jetzt wahnsinnig viel Geld investiert und jetzt muss das doch toll werden. Warum regnet das jetzt die ganze Zeit und es ist so furchtbar. So, dann scheitern Sie an Ihrem eigenen Anspruch. Das heißt, mein Tipp ist jetzt, wirklich da ranzugehen und zu sagen, hey...

Das ist jetzt mein neuer Job. Also wandern ist jetzt meine neue Aufgabe. Und bei dem Job erwartet man ja auch nicht, dass jeder Tag immer super toll ist. Da geht es auch mal durchstrecken, man kriegt mal Ärger mit dem Chef oder die Kollegen. Also da ist man gewohnt, dass nicht immer alles super ist. Und mit der Einstellung geht man dann mit diesen Problemen auch viel besser um und ist einfach nicht enttäuscht, weil die gehören dazu. Ich habe gelesen, dass Sie auch mal gesagt haben, wer unterwegs sich selber finden will, der hat schon verloren.

Wie haben Sie das gemeint? Also seit Harpe Kerkelings Buch, ich bin da mal weg, glaubt ja jeder, wenn man ein Problem hat, muss man einfach nur loswandern, dann löst sich das in Luft auf. Oder noch besser, man geht in die möglichst unberührte Natur, setzt sich da unter den Baum und dann fällt die Weisheit vom Himmel. Und so ist es halt nicht.

Und ganz im Gegenteil, so war auch dieser Spruch gemeint, wer loswandert und schon emotional vorbelastet ist durch Todesfall, Jobkündigung und hin und her. Und dann kommen noch die Probleme auf den Weg dazu. Der bricht dann unter dieser doppelten Last zusammen und ist hinterher wahnsinnig gefrustet, so nachdem er nicht mal das Wandern hat geholfen.

Das ist der erste Aspekt. Und der zweite Aspekt tatsächlich, diese Herangehensweise, eigentlich wollen ja alle ausbrechen, also da gibt es immer so Konsum, ich will nicht mehr konsumieren, ich will alles aus dem Hamsterrad und und und. Und letztendlich ist dieses, aha, ich muss nur auf den richtigen Weg gehen, an den richtigen Ort und dann fällt die Erleuchtung mit Wanderer vom Himmel, ist ja wieder eine passive Einstellung.

Also ich muss nur genug Geld zahlen, genau das Richtige machen, dann werde ich von außen geläutert. Wandern macht so einem glücklicheren Menschen, das sieht man ja an mir, aber nur durch den Weg von Blutschweiß und Tränen, dass man sich eben quält, dass man sich reduziert, dass man sich eben an die Grenzen geht und beweist, wie es weitergeht.

So, das ist eine aktive Herangehensweise. Und wer halt glaubt, ich gehe jetzt da wie Harpik-Erkling los und dann passiert schon irgendwas, das funktioniert halt nicht. So war dieser Spruch gemeint. Und es ist eben, Sie haben es auch gesagt, man muss es so sehen wie, das ist jetzt mein Beruf und nicht, das ist Urlaub und alles wird schön. Genau.

Und wenn Sie nun mal so einen Tag haben, wo Sie sagen, es ist vier Wochen um, ich habe drei Tage nichts Vernünftiges zu essen gekriegt, es regnet, mir tun die Füße weh. Was machen Sie dann? Also das ist auch jetzt, jetzt kommt ein Ratschlag, den ich auch immer ungefragt habe, alle Leute verteile, die zum ersten Mal loswandern.

Also das ist auch ein Fehler, den alle am Anfang machen. Also wenn es einem so richtig schlecht geht auf dem Trail, so dann Ratschlag mache ich auch selber. Runter vom Trail, ab in die nächste Stadt. Und das Allerwichtigste ist jetzt in der Situation, nicht zu Hause anrufen. Also nicht bei Mama, Papa, Mausi oder Hasi, weil was wird denn Schatzi zu Hause sagen? Oh, Christine, tu dir das nicht an, komm gleich zurück. Du Arme.

Genau, komm gleich zurück. Und bevor man dann richtig nachdenkt, kommt man in so einen Sog und bricht ab. Also auf gar keinen Fall anrufen. Nettes Hotel, also nicht der 20-Mann-Schlafsaal in der Pilgerherberge. Was Leckeres essen, also nicht irgendwie wieder Thunfisch aus der Dose. Nicht nachdenken. Wäsche waschen, duschen, schlafen gehen. Nicht nachdenken.

Nächsten Morgen nicht nachdenken. Erstmal all you can eat breakfast Buffet. Okay. Und dann langsam nachdenken. Und dann überlegen, will ich das wirklich abbrechen? Und in wirklich 90 Prozent der Fälle kommt man, okay, das war jetzt nur kurzfristig schlimm, aber jetzt habe ich Luft holen können. Jetzt konnte ich mich wieder ein bisschen entspannen.

Und dann will man auch wieder weiter warten. Und deswegen darf man dann auch zu Hause anrufen. Und in der Regel wird man dann nicht mehr sagen, wird alles zu viel, sondern in der Regel wird man dann sagen, oh, das war ein ganz schwerer Tag, aber jetzt habe ich mir ein bisschen Luxus gegönnt. Also ich denke, ich mache das weiter.

Das ist vielleicht auch kein schlechter Tipp in anderen Krisensituationen, dass man wirklich denkt, okay, geh jetzt mal den Weg zur Seite und nicht, ich muss jetzt unbedingt das machen, was eigentlich geplant war, sondern setz einen Schritt zur Seite, gönn dir was und ruf nicht gleich um Hilfe. Also ich kann mir das auch für andere Situationen vorstellen, dass das ein guter Rat ist, für Wanderung auf jeden Fall. Ja, vor allem, wenn man dann bei dem Frühstück sitzt und dann anrufen will, sage ich auch noch, überlegt euch, denkt zwei Szenarien durch.

Szenarium Nummer eins, ich breche jetzt trotzdem ab und gehe nach Hause. Wie fühle ich mich dann, wenn ich jetzt zwei Wochen dann einfach wieder im normalen Trott bin? Oder Szenarium Nummer zwei, ich laufe weiter. Und in der Regel ist das Szenario, ich laufe weiter, deutlich angenehmer als das Szenario, was mache ich denn dann?

Also deswegen, ja, kann man gerne auf andere Situationen auch übertragen. Ja, aber was motiviert Sie? Also wenn man jetzt sagt, okay, es ist nicht die Selbstfindung. Ich habe gelesen, dass Sie auch irgendwo geschrieben oder gesagt haben, Landschaft ist scheißegal. Stimmt. Ja, also und Sie haben jetzt also einen neuen Job und der ist, ich laufe sechs Wochen.

Was ist da die Motivation? Außer ich möchte noch länger oder noch exotischer oder was motiviert Sie für die nächste Wanderung? Also da kommen jetzt ganz viele Faktoren zusammen. Das Erste, jetzt sprechen wir mal das an, was vielleicht Menschen mit einem beruflichen Kontext am ehesten nachvollziehen können, das ist wirklich die große Freiheit und auch vor allen Dingen der Flow.

Flow ist ja ein Begriff aus der Psychologie, also definiert einen Zustand, eine selbstbestimmte Tätigkeit, die einen weder über noch unterfordert. Was wir in den meisten Berufen heutzutage halt nicht mehr haben, weil die meisten Berufe ist man eben fremdbestimmt. Und entweder leidet man an einem Bore-Out, weil es zu langweilig ist, oder Burn-Out, weil es einen überanstrengt.

Und das heißt, man hat bei den meisten Berufen gar nicht mehr die Chance, in so einen Flow zu kommen. Wandern hingegen ist perfekt dazu. Also A, es ist selbstbestimmt, ich bestimme ja, wann ich aufstehe, wann ich Mittagspause mache. Also alles liegt ja an mir, ich bin komplett selbstbestimmt. Und Wandern ist jetzt keine wahnsinnig große Aufgabe, aber es gibt schon einige Challenges am Weg, Flussüberquerungen oder Hunger oder so.

Oder wochenlanger Regen. Genau, aber es ist perfekt, um in diesen Flow zu kommen. Und das ist alleine schon wow. Normalerweise kennt man das ja nur so bei Kindern, die spielen oder Künstler so im Schaffensrausch. Künstler hört man nicht. Genau, das habe ich dort natürlich total. Und das Zweite ist, das Wichtigste eigentlich, das ist die Senkung der Glücksschwelle.

Okay. Also ich habe festgestellt, also die Glücksforschung ist sich total einig, dass Menschen, je älter sie werden, desto unglücklicher werden sie, so sagen wir, desto weniger glücklich. So, und das korreliert, meines Erachtens, total offensichtlich mit der Anspruchshaltung. Je älter man wird, desto mehr Geld verdient man in der Regel und desto höher werden die Ansprüche.

Aber je höher die Ansprüche, desto schwieriger wird es, die zu erfüllen. Also Beispiel, ich weiß nicht, wie Sie früher gewohnt haben, ich habe zum Beispiel mal früher in der WG gewohnt, fand ich alles super. Und dann je älter man wird, dann muss es die eigene Wohnung sein, Eigentumswohnung, eigenes Haus und so weiter.

Und eigentlich ist es eine One-Way-Street, es geht immer nur in die eine Richtung. Und beim Wandern, also bei meiner ersten Tour war gleich ein brutaler Bruch. Also ich vorher schicke Firmenwagen, Managerinnen, also alles, was man so hat mit gutem Einkommen und plötzlich waren alle weltlichen Besitztürmer, haben gerade mal fünf Kilogramm gewogen und passten an den winzigen Rucksack.

Und man reduziert sich auf das absolut Lebensnotwendige. Und alles, was dann plötzlich darüber hinausgeht, das wird plötzlich zum totalen Luxus und löst unwahrscheinliche Glücksgefühle aus. Okay. Das heißt die Dusche beispielsweise oder was Schönes zu essen. Exakt. Also mich kann man wirklich, ich weiß nicht, ich hatte so ein Aha-Erlebnis, da war ich auf meiner ersten Wanderung auf so einer richtig harten Gebirgsstrecke, wo man also zehn Tage keine Möglichkeit zum Proviant nach Schuhe fährt.

Mir war schon das ganze Essen ausgegangen und ich hatte noch 27 M&Ms, das weiß ich noch wie heute. Ich habe immer mehrfach gezählt, wie viel esse ich jetzt wann. Und dann habe ich so ein paar Wochenendwanderer getroffen, nett geplaudert und als die sich verabschieden haben, sagten die, oh, wir sind ja heute Abend wieder bei unserem Auto, wir hätten da aber noch ein bisschen Proviant übrig.

Möchtest du einen Schokoriegel? Frau Menne, ich sage Ihnen, also wenn die mir jetzt 1000 Euro geschenkt hätten, ich hätte mich ja nicht mal ansatzweise so gefreut wie bei diesen Schokoriegel. Das ist wirklich sinnbildlich, dass halt diese kleinen Sachen plötzlich eine ganz große Bedeutung bekommen. Okay, okay.

Und wenn Sie dann wieder zu Hause sind? Haben Sie da, da gehen Sie schon häufiger ins Restaurant und sagen, ich mache jetzt nicht mit Absicht nochmal Entbehrung. Sie wohnen, glaube ich, in Berlin und erspare mir vieles, sondern das mache ich dann auf den Wanderungen. Also tatsächlich bleibt dieses reduzierte Leben, der Anspruch bleibt erhalten.

Also ich sitze jetzt gerade in meiner winzigen Plattenbauwohnung in Berlin-Marzahn. Okay. Also obwohl ich jetzt 58 bin und mir das auch durchaus leisten könnte, wohne ich dort für 300 Euro Ware miete. Also ganz winzig. Okay. Aber einfach, weil ich den Sinn einer größeren Wohnung nicht einsehe. Also für jemand, der sonst im Zelt wohnt, ist eine 30 Quadratmeter Plattenbauwohnung der totale Luxus.

Aber das heißt jetzt nicht, das möchte ich wirklich dazu sagen, dass ich jetzt überhaupt kein Luxus mag oder so. Also ich gehe gerne essen. Also ich gehe auch auf eine Wanderung, wenn ich merke, mir wird jetzt alles zu viel, gehe ich auch gerne mal irgendwie runter vom Trail, mal in ein wirklich nettes Hotel, auch mal wirklich was Schickes essen.

Also dann genieße ich das auch, dass ich jetzt eben in meinem Alter schon gut gespart und mein Geld gut angelegt habe und auch mal nicht auf das Geld gucken muss, sondern auch mal sage, okay. Scheißegal, jetzt gibt es kein anderes Hotel, dann zahle ich jetzt halt mal irgendwie und gehe in ein Sternehotel oder sonst was.

Und das ist einfach toll. Also ich genieße das dann auch. Also ich bin jetzt nicht Asket aus Überzeugung, sondern aber ich brauche das halt auch nicht. Also ich finde es toll, wenn es da ist, aber ich gebe das jetzt nicht immer ständig an. Okay, verstanden. So, das heißt häufig im Zelt, manchmal im Hotel.

Wie ist das mit Menschen in den Gegenden, durch die sie laufen? Haben sie da Begegnungen? Ist ihnen die Kultur einer Region dann auch wichtig? Oder sagen sie ehrlich gesagt, auch das muss nicht sein, weil ich bin ja bei mir in meinem Flow und will gar nicht abgelenkt werden? Also ich bin total begeistert, das ist auch das von meiner Umgebung, von Kultur, Religion und Geschichte.

Und vor allen Dingen, weil man die auf so einer Wanderung ganz anders wahrnimmt. Ich habe ja alle Zeit der Welt beim Wandern. Und man sieht dort geschichtliche Relikte, die man jetzt als normal Pauschaltourist gar nicht wahrnimmt. Also ich gehe zum Beispiel begeistert auf Friedhöfe, schaue mir an, wer liegt denn dort, recherchiere denn auch viel, sehe irgendwelche Kriegerdenkmäler, irgendwelche Kirchen.

Das heißt, Sie biegen, sorry, wenn ich unterbreche, aber dann biegen Sie auch mal ab und sagen, hey, hier gibt es einen Ort, das weiß ich, der ist in der Nähe, den würde ich gerne sehen. Also ich muss nicht jeden Tag jetzt meine 100 Kilometer abreißen, sondern ich gönne mir in dem Fall ja tatsächlich auch den Luxus.

Ich schaue mir etwas Schönes an. Also das fällt mir insofern leicht, als ich sowieso einmal die Woche einen Ruhetag mache. Das machen einige, so wie im Alten Testament, sechs Tage sollst du arbeiten, am siebten Tage sollst du ruhen. Das ist sowieso von vornherein eingeplant. Und damit ich da auch wirklich was Schönes sehe, gehe ich dann natürlich auch bewusst an Orte an dem Ruhetag, wo es auch kulturell was gibt.

Also wo ich mal ins Museum gehen kann oder Schloss oder Kirche besichtigen. So, ansonsten weiche ich eher weniger von der Route, aber ich muss ja vorankommen. Oder ich plane die Route halt so, dass ich da also vorbeikomme. Vorbeikommen. Und ich habe tatsächlich auch sehr viele geschichtliche Routen geplant.

Also bin ich zum Beispiel mal, das war auch ganz bizarr, ich radel ja und paddel auch noch ein bisschen. Ich bin zum Beispiel mal die Frontlinie des Ersten Weltkriegs abgeradelt. Okay. Da habe ich also jeden Tag irgendwie Soldaten, Friedhöfe und Schlachtfelder besucht. Das schlägt sich so ein bisschen aufs Gemüt.

Aber wirklich solche, also oft habe ich wirklich einen geschichtlichen Hintergrund, dass ich mir bestimmte Sachen anschauen will. Genau. Gibt es irgendwas, irgendeine Begegnung oder irgendeinen Ort, der Sie... Und nachhaltig weiterhin bewegt oder beschäftigt? Das kann man bei 60.000 Kilometer ehrlich gesagt nicht so richtig sagen.

Ich bin jetzt bei 70, ich vergesse das schon, wenn ich bin bei 70. Da prägen sich ganz viele Orte ein. Was mich wirklich sehr beeindruckt hat, war eine Wanderung vor drei Jahren. Dort bin ich in Japan gewandert. Die Japaner haben einen Wanderweg angelegt an der Küste, die 2011 durch den Tsunami zerstört worden ist.

Ah, okay. Das ist der Michinoko Coastal Trail. Und da wandert man also A an Traumstränden vorbei, aber B an jeder Menge Tsunami-Gedenkstätten. Und das geht wirklich total unter die Haut. Also ich kann auch seitdem nicht mehr am Meer zelten, weil ich halt weiß um Gottes Willen, da gab es eben diese Tsunami.

Und das sind 1000 Kilometer langer Wanderwege, dass man halt ständig damit konfrontiert. Und das hat sich schon extrem eingeprägt, diese Geschichte. Und wie gehen Sie, wenn Sie dann in Japan in Gegenden sind, die wenig zivilisiert sind, mit der Sprache um? Wie kommen Sie voran? Ich habe auch gelesen, Sie sagen auch, als Frau ist gar nicht schlecht, weil eigentlich kommt man mir offener entgegen.

Also die Sprache ist seit Google Translate oder beziehungsweise Übersetzungs-Apps eigentlich kein großes Problem mehr. Das ist auch einer der Gründe, warum ich immer natürlich mit dem Handy unterwegs bin, also eSIM oder Camille, dass ich auch immer wirklich ins Internet kann, um mit den Leuten kommunizieren zu können.

Und mittlerweile kennt auch jeder schon im Bulgarischen Hintertupfingen oder sonst irgendwo diese Sprach-Apps. Also das klappt auch. Da steht jetzt keiner mehr. Ich fahre ja jetzt nicht irgendwie zu indigenen Völkern nach Papua-Neugenäa, die noch nie ein Handy gesehen haben. Also deswegen ist das sprachliche Problem überbewertet. Und man kann ja auch mit diesen Übersetzungs-Apps einfach dann Texte im Supermarkt unter Speisekarten oder so übersetzen lassen.

Das ist eigentlich am wichtigsten für Wanderschilde. Also nicht, dass man aus Versehen jetzt irgendwie eine Erdbebenwarnung übersieht oder sonst irgendwas. Und als Frau allein unterwegs ist kein Problem. Also das ist ja bei der absolute Hassfrage, die ich immer bekomme. Hast du denn keine Angst so als Frau alleine?

Und nein, also tatsächlich, mich ärgert es, dass die geschlechtsspezifischen Nachteile immer nur in den Vordergrund gehoben werden, während niemand über die Vorteile spricht. Also erstmal zu den Nachteilen. Erstmal empfehle ich den Blick in die Polizeistatistik. Denn als Mann hat man ein mehr als doppelt so großes Risiko, einem Gewaltverbrechen zum Opfer zu fallen, als als Frau.

So, im öffentlichen Raum. Also ganz, ganz klar. Natürlich, und jetzt kommt das Aber, ist man als Frau natürlich häufiger Sexualdelikten ausgesetzt. Da sind Frauen natürlich zu 90 Prozent Opfer im Gegensatz zu Männern. Aber auch da hilft die Statistik, die tragen sich eigentlich alle im häuslichen Umfeld zu und nicht im Wald.

Weil es ist ja auch logisch, ich meine, welcher Übeltäter wird sich schon im Wald hinter den Bäumen verstecken und warten, bis jetzt... Warten, dass eine einzelne Frau da vorbeikommt, ja. Das passiert einfach nicht, zumal man auch nachts im Wald im Dunkeln einfach unsichtbar ist. Und mich ärgert das halt, weil im Gegenzug niemand über die Vorteile spricht, die da sind.

Frauen werden eben nicht als Bedrohung wahrgenommen, weil sie angeblich ja schwächer sind. Und deswegen habe ich natürlich deutlich mehr Hilfsbereitschaft und Nachsicht als jetzt irgendein Mann. Das ist, glaube ich, wirklich wichtig, das als Botschaft auch zu verkünden. Aber also im dunklen Wald, also ich wohne hier teilweise jedenfalls auf dem Dorf, da ist es auch sehr dunkel und ich habe auch morgens Rehe im Garten.

Ich kenne viele Menschen aus der Stadt, die sagen, das ist mir zu dunkel, zu still und so, das ist mir nicht geheuer. Und man denkt ja dann auch, wenn man von Mexiko nach Kanada wandert, vielleicht an Bären. Wie gehen Sie mit sowas um? Also auch bei Bären steht man nicht auf dem Speiseplan. Also die wollen dann mal einen Proviant. Also natürlich kann ich zum Kollateralschaden werden, wenn ich zwischen Bär und Proviant komme.

Gerade wenn es 10 M&M sind. Da braucht man schon ein bisschen mehr. Aber letztendlich muss man schon bestimmte Vorsichtsmaßnahmen walten lassen. Man muss die Bären vor allen Dingen rechtzeitige Waren nennen, dass die wissen, dass man kommt. Aber auch hier wird die Gefahr überschätzt. Also ich sage mal wieder ein schönes Beispiel. Ich bin ja großer Statistik-Fan, kommt vielleicht auch aus meiner Berufung. Ich werde das, ja.

So vor ein paar Jahren ist ja tragischerweise ein Jogger in den Dolomiten ums Leben gekommen, aufgrund von einer Bärenattacke. So, damals wurde ich in wirklich jedem Interview gefragt, haben Sie denn keine Angst vor Bären und hin und her? Und dann habe ich gesagt, so, jetzt überleg doch mal, in den letzten 50 Jahren gab es einen Bären-Toten, aber Zehntausende von Verkehrstoten.

Und selbst wenn man jetzt ins Verhältnis setzt, natürlich sind weniger Leute auf Wanderwegen unterwegs als auf den Straßen, aber trotzdem, wenn man es ins Verhältnis setzt, ist das statistische Risiko, bei der Anreise auf den Wanderweg einem Verkehrsunfall zum Opfer zu fallen, deutlich höher als vom Bären gefressen zu werden.

Heißt jetzt nicht, dass man da keine Vorsichtsmaßnahmen treffen sollte oder den Bär warnen oder so, aber es ist einfach unwahrscheinlich. Genau dasselbe trifft jetzt auf Blitzschlag zu oder Schlangenbisse. Also all das ist möglich. Natürlich sollte man sich auch schützen, aber es ist statistisch gesehen unwahrscheinlich.

Und genau das auch mit dem Gewaltverbrechen an Frauen. Natürlich kann ich im Wald überfallen werden, aber statistisch gesehen bin ich jetzt in Berlin, in der Großstadt, viel gefährdeter als bei meinen Wanderungen. Ja, vermutlich schon. Gehört Statistiklesen zur Vorbereitung? Also, dass Sie so sagen, okay, also wenn ich jetzt da und da längs laufe, da gibt es Bären, aber statistisch sind die nicht so schlimm oder aber auch, was weiß ich, was da ansonsten noch Blitzschläge oder es gibt viel Gewitter.

Ich weiß, wie ich mich dann zu verhalten habe. Das gehört zur Vorbereitung. Ja, wovon auch man, also Statistik lesen jetzt nicht unbedingt, aber man sollte schon ein bisschen Skills mitbringen. Das ist ja auch das Problem heutzutage, dass ich kriege ja hunderttausend Anfragen zum Thema, welche Ausrüstung.

Und man kann jetzt noch so teure Ausrüstung nehmen, das ersetzt nicht das Wissen, wie man sie anwendet. Und da habe ich einfach das wahnsinnig große Glück, dass ich eigentlich einfach schon alles durch habe. Also ich habe einfach schon von Gewittern über Bärenbegegnungen, Klapperschlangen etc. Schon alles erlebt und weiß halt auch in der Regel, es geht gut aus oder wie verhalte ich mich da.

Da habe ich natürlich einen Wahnsinnsvorteil gegenüber jetzt Anfängern oder die zu ehren. Aber ich musste da auch mal durch. Also ich lag auch schon irgendwie bübbernd im Zelt bei Gewittern oder habe bei meinem ersten Bären oder ersten Klapperschlangen einen halben Herzinfarkt bekommen. Ja. Und was haben Sie mit der Klapperschlange gemacht? Einfach einen großen Bogen außen rum gehen.

Okay, sehr pragmatischer Ansatz. Ja, hört sich vernünftig an. Das ist auch eine sehr lustige Geschichte. Ich habe einfach eine Klapperschlange gesehen. Ich habe die zu spät gesehen, weil ich natürlich immer, ich höre immer Podcasts oder Hörbücher. Und habe das Klappern zu spät wahrgenommen. Habe die dann gesehen, habe mich so erschrocken und ich hatte so viel Gewicht auf dem Rücken, weil ich gerade aus der Stadt vom Einkaufen kam, dass ich wirklich gestolpert bin und hingefallen bin, direkt neben der Klapperschlange. Oh je, ja.

Und da habe ich gedacht, okay, passiert auch nichts, weil, um jetzt auf die Schlangen zu gehen, Schlangen haben überhaupt kein Interesse, einen Benschen zu beißen, weil damit würden sie ihr Gift verschwenden, was ihnen schwerfällt, das wieder zu produzieren. Und das verschwenden die nicht an jemanden, der jetzt keine potenzielle Beute ist.

Wahrscheinlich hat sie die Schlange auch einfach so erschrocken. Auch erschrocken, genau. Genau, sie sind ja ein potenzieller Angreifer. Was ist das für ein Idiot, der sich da jetzt hinlegt? Aber das finde ich spannend. Sie hören auf ihren Wanderungen Podcasts und Hörbücher. Genau. Also auch das ist wieder so ein Mythos, dass die Leute mal denken, so, ich müsste jetzt ja die ganze Zeit angestrengt den röhrenden Hirschen und den Rauschen der Blätter im Wild lauschen.

Das tue ich sowieso die ganze Zeit. Aber auch das ist so ein Mythos auf einer Wanderung, ist nicht immer alles toll, großartig, super, spektakulär. Das heißt, da gibt es immer eine Durststrecke. Und da ist es einfach toll, wenn man für diese Durststrecken einfach Unterhaltungsprogramm dabei hat. Also deswegen diese Podcasts und Hörbücher mache ich wirklich am Tag vier bis fünf Stunden.

Oder ich telefoniere auch sehr häufig mit Freunden und Bekannten. Ah ja, okay, ja, da sehen Sie. Das ist jetzt wirklich, das passt überhaupt nicht zu meinem Mythos von Wandern. Vielen Dank. Okay, ja. Das heißt, Sie bleiben mit der Welt verbunden, Sie sind auf dem Laufenden und Sie suchen sich vorher spannende Hörbücher, damit Sie sagen, wenn es mal ganz dröge wird, dann kann ich das und das hören.

Ja, nicht nur dröge, meine mache ich eh standardmäßig. Und jetzt muss ich sowieso noch einen weiteren Mythos brechen. Also ich versuche immer Zeltplätze mit Handyempfang zu finden, weil ich gucke nämlich abends nicht aufs Lagerfeuer, sondern ich checke die Kurse meiner Aktien. Aber ich dachte, Sie gucken sich irgendeine Binge-Watching irgendeiner coolen Serie.

Nein, also irgendwo muss das Geld ja herkommen. Also ich habe mein, ich habe früher gut verdient, das alles schön angelegt in Aktien und ich höre unterwegs auch ganz viel Börsen-Podcasts und sowas und ja, mach dann eben, schau doch mal abends, was ist denn gerade wieder gelaufen, was ist denn gerade da passiert.

Also das ist auch sehr unremannisch, also Aktienkurse statt Lagerfeuer. Okay, ich hätte nach einem Hörbuch-Tipp gefragt, aber wenn es dann Börsengeschichten sind, dann ist das vielleicht nicht ganz für jeden. Oder hören Sie auch Krimis oder Familienromane? Ich höre alles Mögliche, vor allen Dingen bevorzugt die deutsche Klassik.

Also ich habe mal das Niebelungenlied in Mittelhochdeutsch mit Neuhochdeutscher Versetzung kommentiert von Peter Wabnewski, also Altphilologie-Professor. Das war irgendwie zehn Stunden lang, habe ich mir voller Begeisterung angehört, weil im normalen Leben hat man dafür ja keine Zeit. Aber unterwegs ist das toll.

Und wenn Sie mich nach einem Hörbuch-Tipp fragen, also was mich sehr beeindruckt hat, war Alexis Sorbas. Das kennt ja jeder in der Verfilmung von Nico Katsanzakis. Und ich komme mir oft vor wie so ein moderner Alexis Sorbas in weiblicher Fassung, weil das Buch ist ja eine Ode auf das Leben. Das Leben eben zu genießen, allen Facetten und das tue ich auch.

Okay, das ist ein herrlicher Tipp und gleichzeitig auch eine gute Einstellung für alle, die zuhören zum Leben. Also sie machen ja aber auch, sie haben es vorhin gesagt, sie machen auch Shows, sie machen Vorträge, sie schreiben Bücher. Wie merken Sie sich Ihre Reiseerlebnisse? Also diktieren Sie die abends auch oder schreiben Sie Tagebuch? Das ist ja wahrscheinlich viel zu schwer.

Also ich schlage hier zwei Fliegen mit einer Klappe. Und zwar braucht man ja als Autor, also heutzutage geht ja nichts mehr ohne Social Media. Und seit vielen Jahren, also wirklich seit, was ich denken kann, poste ich jeden Morgen mit Preußische Disziplin, jeden Morgen früh um sechs, den Reisebericht vom letzten Tag.

Sie sind Influencerin? Nee, Influencerin ist ja ein Geschäftsmodell. Also ich bin eine der wenigen im Outdoor-Bereich, die Sponsoren-Kollaborationen streng ablehnen. Also ich lasse mich von niemandem bezahlen. Also wirklich nichts von niemandem. Ich poste quasi in eigener Sache. Okay. Und da muss ich ja immer einen Bericht schreiben. Also jeden Tag, was mir da so passiert ist.

Es ist nicht immer schön. Also manchmal nervt es mich auch, auch wenn also der Tag wirklich ganz furchtbar war und ich muss dann irgendwie noch jetzt irgendwie einen Social-Media-Post loswerden. Aber hinterher ist es natürlich toll, weil ich dann, das ist die Grundlage für meine Bücher. Okay. Das ist wie mein Tagebuch, ne? Das ist auf Instagram oder wo kann man sie finden?

Beides, Instagram und Facebook, also unter meinem Namen, Christine Türmer, Türmer mit TH und UE. Und das geht so weit, weil ich halt wirklich, also ich habe festgestellt, ich habe jetzt mit einigen Influencern zu tun, und seitdem traue ich in dieser Branche niemanden mehr. Also da wird ja berufst ohne Ende. Man glaubt, man ist bei denen immer dabei, die posten teilweise wirklich um Wochen versetzt.

Und ich poste wirklich absolut tagesaktuell, also man bekommt früh um sechs immer den Bericht, was ist am letzten Tag, was ist passiert. Weswegen ich zum Beispiel auch, deswegen glaube ich auch den Influencer nichts mehr, die posten immer wahnsinnig toll geschnittene Reels. Ich hätte überhaupt nicht den Nerv, die Zeit und die Akkuleistung und vor allen Dingen auch nicht den Handyempfang, um irgendwelche großen Reels da hochladen zu können.

Also deswegen glaube ich da schon gar nichts mehr. Bei mir gibt es immer nur ein paar Fotos und einen Reisebericht. Okay, sehr schön, aber ich werde drauf gucken. Aber Sie müssen es richtig gut machen, denn also 2019 haben Sie den ersten Preis der Discovery Days für den besten Vortrag bekommen. Was tragen Sie da vor?

Also das ist eine sehr spannende Geschichte, weil das ist ein Discovery Days, das ist ein Speaker-Wettbewerb, also im Outdoor-Bereich. Und dieser Outdoor-Bereich, der war bis vor kurzem sehr dominiert durch irgendwelche Multivisions-Shows oder halt so Reinhold Messner-Bergsteiger-Berichte und vor allem halt sehr bildgewaltig.

Was man schon dadurch sieht, dass die Leute, da haben dann also eine riesen Leinwand und die stehen dann so als Referent so im Dunkeln daneben und erzählen irgendwas. So, jetzt bin ich ja ultraleicht unterwegs. Das heißt, ich fotografiere unterwegs ausschließlich mit meiner Handyknipse und kann jetzt also nicht die tollen Fotos bringen.

Deswegen habe ich von Anfang an auf Comedy gesetzt. Also ich stehe mich in der Mitte der Bühne, interagiere mit dem Publikum, erzähle lustige Geschichten, binde die auch ein. Und es geht wirklich, es ist extrem erheiterndes Infotainment. Es geht bei mir also nie um eine bestimmte Wanderung, sondern immer um das Wandern generell.

Also zum Beispiel meiner aktuellen Show Wandern Total, da stelle ich verschiedene Wanderkulturen weltweit vor. Und es wird zwar überall gewandert, aber überall anders. Und im zweiten Teil gibt es eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, gerade für Frauen, wie man die Angst vorm Alleine-Wandern und Zelten verliert.

Eben mithilfe der Statistik, dass man sich anguckt. Okay, ja. Das ist einfach unrealistisch. Und damit habe ich mir quasi mein eigenes Genre erschaffen. Dazu kommt noch, ich bin also vertriebsmäßig, das war gar nicht so geplant, in eine Nische gestoßen, weil natürlich Frauen meiner Generation, ich bin 58, und die interessieren sich natürlich auch für Outdoor, aber die haben keine Rollenmodelle.

Outdoor ist ja immer noch sehr männlich dominiert, wenn dann gibt es so Influencerinnen Ende 20 und wenn die sagen, oh, wandern kann jeder, dann sagt man als Frau um die 60, du kannst mich malen, so das glaube ich nicht. Und da bin ich halt wirklich zum Rollenmodell geworden. Sehr erfolgreich und es freut mich auch.

Und ich möchte es auch, diese Freude am Wandern auch weitergeben. Das tun Sie. Also das tun Sie derzeit auch mit diesem Podcast. Also ich habe wirklich, ich habe ein bisschen mir Gedanken gemacht. Okay, also was redet man eine Stunde über lange Wanderung? Das kann man mit Ihnen also locker auch noch viel länger machen.

Und das macht super Spaß. Also Sie haben es eben angesprochen, also Sie sind 58. Gibt es Altersgrenzen? Ich vermute mal, Sie werden sagen, nö, das kann man auch noch mit 90 machen. Also ich weiß nicht, ob 90, aber tatsächlich der älteste Langstreckenwanderer, den ich persönlich kenne, der noch von Mexiko nach Kanada gewandert ist, der war damals 83.

Ja. Der wird jetzt 90 und will es nochmal probieren. Ja, sehen Sie. Also es gibt tatsächlich, solange man einen Schritt von anderen setzen kann, keine Altersgrenzen. Zumal, wenn es halt nicht mehr ganz so schnell geht, dann läuft man halt nicht mehr wie ich 30 bis 35 Kilometer jeden Tag, sondern halt irgendwie nur noch 25. Ist ja auch egal.

Und wandern halt auch einfach gesund. Also ich liege ja dann immer im Zelt. Und wenn man halt gezwungen ist, sich immer auf dem Erdboden hinzulegen und wieder aufzustehen, das hält einfach fit und jung. Ja, cool. Und was sind jetzt Ihre neuen Ziele? Pläne, haben Sie schon irgendwas in Vorbereitung? Es wird sehr wahrscheinlich wieder nach Asien gehen, weil, das wird Ihnen jetzt auch gefallen, ich wandere lustigerweise eben nicht nach einer tollen Landschaft.

Also deswegen tatsächlich, Landschaft ist mir scheißegal, war mal ein Arbeitstitel für ein Buch. Es wundert mich nicht, dass das kein Verlag gekauft hat, sondern ich wandere mit dem Devisenkurs. Ja, weil, heißt, naja, ich will natürlich möglichst dahin, wo ich am meisten für mein Euro bekomme. Und deswegen geht es jetzt wieder, wie die letzten Jahre auch, nach Japan, weil der japanische Yenis auf einem historischen Tief stand.

Und ist ja klar, ich habe ja begrenzte Mittel und es ist natürlich angenehmer, wenn ich jetzt nicht auf den Euro gucken muss, weil man sagen kann, okay, egal, ich gehe jetzt mal essen oder ich gehe jetzt mal ins Hotel. Also ich war einmal in den USA, da war der Euro zum Dollar in Parität, also eins zu eins. Das hat überhaupt keinen Spaß gemacht.

Klar. Wäre jetzt ein bisschen besser. Ein bisschen, ja. Aber der Yen ist wahrscheinlich noch besser. Im Moment sind Sie in Japan billiger unterwegs als in Deutschland. Ja, ja. Das war mir eine Lehre, dass ich sage, okay, also ich war oft genug in den USA. Ich werde auch sicherlich wieder hinkommen. Dann muss ich jetzt nicht ausgerechnet dann hinfahren, wenn der Devisenkurs ungünstig ist.

Ja. Ja, sehr, sehr verständlich. Und das heißt, auch das gehört zur Vorbereitung. Sie haben jetzt nicht als erstes im Kopf, wo ist eine schöne Gegend oder ein Trail, den ich noch nie gemacht habe, sondern auch ein bisschen, okay, wie kann ich lange laufen? Wo gibt es gute Trails, die lang sind und für mich passen, aber wie passen die auch zu meiner finanziellen Lage?

Also der Hauptauswahlgrund ist eigentlich die Abwechslung. Also wenn ich jetzt, also ich bin jetzt mal, ich bin mal zum Nordkap gelaufen, also durch ganz Skandinavien durch. Das war wahnsinnig teuer, ich sage nur, da kostet die Schokolade fünf Euro, ich esse vier Tafeln pro Tag, das hat überhaupt keinen Spaß gemacht.

Das Wetter war andauernd schlecht. Also das war eine echte Herausforderung auch. Also durch den Weg los, durch das skandinavische Fjell zu wandern. So, war toll, dass ich es gemacht habe. Aber ich hatte wirklich dann die Nase voll. Und als nächstes geht es dann halt nach Bella Italia. Ja, wo es schön warm ist. Es ist schön warm, es gibt leckeres Essen, ist nicht ganz so teuer.

Und so wechsle ich halt immer ab. Also dass ich dann so, jetzt war zum Beispiel jetzt 2024 war ich in Asien. Dann war ich halt 2025 wieder in Europa unterwegs. Jetzt geht sie dann nach Asien und so geht es hin und her. Also im Prinzip leitet sich immer die folgende Tour aus der aktuellen Tour eben ab.

Also meistens als, okay, ich brauche jetzt mal wieder was anderes. Also Sie sind ja nun eindeutig auch Geschäftsfrau, sowohl in der Planung als auch in den Aktien, die Sie sich abends angucken und natürlich jetzt auch durch Vorträge und Bücher. War das von Anfang an die Idee, dass man das auch verschriftlichen kann, dass man tolle Geschichten darüber erzählen kann oder sind Sie da auch eher durch Zufall dazu gekommen wie damals in der Disco oder zur ersten Wanderung?

Also tatsächlich war das extrem zufällig. Ich mache auch heute noch, muss ich dazu sagen, obwohl das mein Verlag gerne anders hätte, dass ich erstmal irgendwo hinwandere und erst anschließend beschließe, schreibe ich da ein Buch drüber oder nicht. Ich möchte nicht in dieses Influencer-Dilemma reinkommen, zwangsweise Abenteuer erleben zu müssen, damit ich dann irgendwas drüber schreiben kann.

Das finde ich ganz furchtbar, weil das ist ja wirklich meine Berufe, meine Passion und die möchte ich mir nicht durch so eine geschäftlichen Aspekte kaputt machen lassen. So war es dann auch sehr früh, kamen die ersten Verlage zu mir, ob ich denn nicht ein Buch schreiben wollen würde, habe ich immer abgelehnt, weil der Wissensvorschlag, ich habe einfach noch wahnsinnig viel gelernt beim Wandern.

Ich habe dann ja auch noch angefangen zu radeln und zu paddeln, übrigens auch aus einem Business-Kontext. Also nie nur auf einen Kunden oder Lieferanten sich verlassen, sondern früh diversifizieren. Genau, okay. Da dachte ich, okay, habe ich auch gebraucht. Mal bei einer Verletzung konnte ich nicht mehr laufen, musste ich dann eben paddeln gehen. Also super, ne?

Und ich bin halt ein sehr neugierig getriebener Mensch. Und irgendwann wusste ich halt, wie das alles geht. Und ich brauchte eine neue Challenge. Und als dann ein Verlag ankam, Und sagte, willst du nicht ein Buch schreiben? Da dachte ich, super, jetzt ist mal Zeit für was Neues. Und zwar jetzt weniger aus finanziellen Gründen, sondern wirklich, um die intellektuelle Herausforderung zu haben.

Also Ihnen muss ich das nicht erzählen, in der Sanierung entscheiden Sie ja wirklich über Schicksale. Und es war für mich einfach wegzustecken, aber trotzdem hatte ich halt viel Verantwortung und das macht auch was mit einem. Und plötzlich war die einzige Entscheidung, die ich nur noch treffen muss, jetzt nicht, wie viele Leute entlasse ich jetzt oder was machen, Da war nur noch, esse ich jetzt erst ein Maß oder ein Snickers-Schokoriegel.

Ist ein bisschen übertrieben, aber ich verstehe, dass die intellektuelle Herausforderung eine andere ist. So, dann habe ich gedacht, okay, jetzt machen wir was ganz anderes. Jetzt will ich mal wissen, kann ich einen Bestseller schreiben? Zumal, was die wenigsten Leute wissen, ich habe, bevor ich Vollzeit gearbeitet habe, habe ich promoviert oder ich wollte promovieren.

Eine der wenigen Sachen in meinem Leben, die ich nicht zu Ende gemacht habe. Und ich wollte promovieren über die Vermarktung von Bestsellern. Okay. Und meine These der Promotion war damals, tatsächlich, man kann Bestseller bewusst planen. Also das ist jetzt vielleicht nicht so 100% sicher, aber es gibt bestimmte Ingredienzien.

Und als sein Verlag ankam und sagte, so, willst du nicht ein Buch schreiben, dachte ich, super, das bringst du jetzt an. Also ich will, dass das jetzt... Das heißt, Sie wollten es auch so schreiben, dass es dann ein Bestseller wird, was es geworden ist, meines Wissens. Also alle meine Bücher, ich habe jetzt vier Bücher geschrieben, das fünfte kommt jetzt erst. Alle vier wurden Bestseller.

Ja, also es hat tatsächlich funktioniert. Ich habe es tatsächlich darauf angelegt. Und da kam mir halt sehr zu Hilfe, dass ich aus der Werbung komme. Ich habe ja Werbung und Marketing studiert. Das heißt, für mich war Schreiben oder Text immer Handwerk. Also um eine Botschaft, damals eine Werbebotschaft, jetzt eine Bücherbotschaft rüberzubringen. Und da geht es jetzt nicht darum, dass ich mich jetzt literarisch, künstlerisch austoben will, sondern es geht, was interessiert das Publikum am meisten.

Und deswegen habe ich das auch sehr schnell begriffen mit dem Schreiben. Ich weiß das noch, wie heute meine, ich habe ein Probekapitel geschrieben, hat meine Agentin mir in der Luft zerrissen. Die sagte, das darf nie ein Verlag zu Gesicht bekommen. So schreibt man nicht, um Gottes Willen. Dann hat sie mir das erklärt und ich halt Pobacken zusammengekniffen. Dachte, okay, dann machst du das nochmal.

Und der Erfolg gab mir recht, das wurde dann ja ein Bestseller. Und meine Agentin sagte, sie hatte noch nie eine Autorin, die das so schnell verstanden hat wie ich, wie das mit dem Schreiben funktioniert. War ich sehr stolz auf mich. Und ja, also deswegen, das ist die Challenge und genau dasselbe war mit den Shows, wo ich da auch gedacht habe, und das macht mir nach wie vor am meisten Spaß jetzt, also wie kann ich meine Botschaft rüberbringen und andere Leute begeistern?

Aber das ist der Punkt, Sie haben halt die Leser oder auch das Publikum im Kopf und nicht, ich bin die Wichtigste und muss jetzt meine Selbstfindung erklären, sondern was macht den Lesern, den Leserinnen, dem Publikum Spaß? Was wollen die gerne hören? Und wenn man das im Kopf hat, glaube ich, das ist ein Teil des Geheimnisses, oder? Genau.

Deswegen sage ich auch, ich bin keine Schriftstellerin. Das wäre nämlich künstlerisch orientiert. Ich bin einfach Autorin und ich bin tatsächlich publikumsorientiert. Noch mehr bei den Shows, wo ich dann halt sehr auf Comedy gehe, auf Infotainment, um die Leute eben zu unterhalten. Die Botschaft kommt trotzdem rüber. Eigentlich sogar noch viel besser, weil die Leute akzeptieren natürlich oder merken sich natürlich sowas viel leichter, wenn das eben lustig, unterhaltig oder einfühlsam präsentiert wird.

Aber eine Fernsehshow wollen Sie noch nicht machen. Doch, sehr gerne. Also wenn Sie da Kontakte haben, tatsächlich gerne. Ich finde ja auch, Frauen meines Alters sind da unterrepräsentiert im Fernsehen. Also definitiv und ich könnte mir schon vorstellen, dass auch das, genau wie Sie es vorhin sagen, mit dem Publikum bei den Shows auf hohes Interesse stößt, weil Menschen sagen, ach das könnte ich auch, ach das macht Spaß, das schaue ich mir dann gerne auch mal als Show an und probiere es dann vielleicht auch aus. Genau.

Und das ist wirklich das tollste Effekt, wenn ich mir die Bewertungen anschaue, die ich da bekomme. Heißt immer, ich bin aus der Show raus und wäre am liebsten gleich losgelaufen. Da denke ich, Christine, da hast du alles richtig gemacht. Zumal auch noch ein anderer Effekt hinkommt. Also ich meine, ich bin jetzt nicht der Überphilandroph. Also ich genieße das auch, dass ich damit Geld verdiene.

Aber tatsächlich, was mir auch wichtig ist, ich habe im Laufe meiner Karriere, haben mir andere Menschen unglaublich viel geschenkt oder mir beigebracht. Also diese Through-Hiker-Community ist sehr dicht vernetzt. Das ist wirklich sehr family-mäßig. Und da haben mir immer Leute geholfen. Und ich möchte das gerne weitergeben.

So, jetzt ist das Weitergeben nicht für mich der Fall. Ich habe einfach auch zu viele Follower, dass ich mit denen jetzt konkret wandern gehe oder die konkret berate. Aber das Bücherschreiben und auch die Shows sind tatsächlich eine Art der, wie man an den Trails so sagt, give it back to the community.

Oder forward karma. Also ich habe gutes Empfang, das möchte ich jetzt auch gerne weitergeben. Okay, ich könnte stundenweiter fragen, aber das interessiert mich jetzt auch nochmal, wie sieht denn diese Community aus? Also weil auf dem Weg werden Sie ja nicht zufällig jetzt jemanden treffen. Wie kommt es dann zum Austausch?

Also die im digitalen Zeitalter sind die alle wahnsinnig vernetzt. Also es gibt genug Foren, Instagram-Accounts oder, oder, oder, wo man eben Fragen stellen kann, wo man sich dann eben auch kennenlernt. Und tatsächlich trifft man auch unterwegs sehr viele Leute, mit denen sich dann halt, also gerade diese US-Trails, da habe ich ja leider auch mit zu beigetragen.

Als ich meinen ersten Weidwanderweg gegangen bin, Pacific Crest Trail, bin ich noch mit 300 Leuten gestartet und mittlerweile ist das nur noch mit Permit möglich, da werden pro Jahr 7000 vergeben. Oh ja, das heißt die lassen nur bestimmte Anzahl auch zu, weil es sonst, was weiß ich, wäre wie auf Mount Everest. Also 50 Leute pro Tag dürfen starten.

Und ich habe immer noch Kontakt mit Leuten dort am Trail, die mir geschrieben haben, also jeder deutschsprachige Wanderer, der hier vorbeikommt, hat dein Buch gelesen, Christine. Okay. Also zumindest im kleinen Rahmen, im deutschsprachigen Rahmen, was dazu beigetragen. Da müssen wir mit den Fernsehshows vielleicht doch aufpassen.

Oh, gerne. Also ich finde, man kann gar nicht oft genug wandern. Ja, genau. Und man kann es ja regeln, nicht? Das ist ja gut. Wir sind leider schon am Ende unserer Zeit, aber am Ende stelle ich immer eine Frage und die ist dann, wenn Sie mit 90 den nächsten Trail machen, was wäre der Titel Ihrer Autobiografie?

Sie haben ja nun schon viele Bücher geschrieben, aber das sind ja alles so Wanderbücher. Was wäre der Titel Ihrer Autobiografie? Naja, entweder schöne Landschaft ist mir scheißegal. Endlich kommt der Titel zum Dreh. Dass ich das endlich mal verwende. Oder wahrscheinlich etwas in der Art, mein Leben im Glück.

Schön. Also weil das ist tatsächlich das, was ich den Leuten als Abschluss mitgeben möchte. Wandern macht einfach einen zu einem glücklicheren Menschen. Und deswegen kann ich es jedem nur raten, das einfach einmal selbst auszuprobieren. Wow, was für ein Schlusswort. Ganz, ganz herzlichen Dank. Mal gucken, wann ich das nächste Mal hier loswandere.

In England habe ich es viel gemacht, weil das da so einfach war. Hier in Deutschland mache ich es momentan gar nicht, aber mal gucken. Ich lese erst mal ein Buch von Ihnen. Genau, das ist schon mal der erste richtige Einstieg. Also in diesem Sinne würde, wie die Wanderer sagen, Happy Trails. Glückliche Wege. Happy Trails, auch für Sie. Vielen Dank. Dankeschön.

Die Boss. Macht ist weiblich.

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