Die Boss - Macht ist weiblich· Folge 150

Ellen von Unwerth: Vom Waisenkind zur Starfotografin

Mittwoch, 30. September 2026 · 51 min

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Shownotes

Madonna und Kate Moss, David Bowie und Rihanna, Naomi Campbell und Melania Trump: Ellen von Unwerth hat sie alle in Szene gesetzt. Die gebürtige Deutsche, die heute in Paris und New York lebt und einst Claudia Schiffer entdeckte, zählt zu den bekanntesten Star-Fotografinnen der Welt. Mit legendären Mode- und Werbekampagnen wurde sie berühmt, inzwischen hängen ihre Werke auch in renommierten Museen und füllen Bildbände.

Ihr eigenes Leben ist so spannend wie ihre Bilder. Im Gespräch mit Multi-Aufsichtsrätin Simone Menne erzählt Ellen von Unwerth, wie sie als Waisenkind bei verschiedenen Pflegefamilien aufwuchs, später in eine Hippie-WG zog und als Zirkusmädchen arbeitete. Ein Casting-Direktor entdeckte sie an der Uni und engagierte sie für eine große Kampagne. Der Startschuss für ihre Karriere als Model. Zehn Jahre später änderte ein Geschenk alles, sie trat hinter die Kamera. Ein Gespräch über Models, magische Momente und den Male Gaze.

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Buch:
Ellen von Unwerth: Heimat. Taschen 2024, 452 Seiten.

+++"Die Boss" ist ein Podcast von RTL+.
Gastgeberin: Simone Menne.
Redaktion: Alexandra Frank, Kirsten Frintrop, Isa von Heyl, Sarah Klößer und Sarah Stendel.
Mitarbeit: Lara Asmann.
Projektmanagement RTL+ & Schnitt: Kirsten Frintrop und Alexandra Frank.
Postproduktion & Sounddesign: Aleksandra Zebisch.+++
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Als die Fotos rauskamen, das war über Nacht ein Erfolg. Und damals gab es noch nicht Instagram. Ich weiß auch nicht, wie das so schnell durch die Welt gegangen ist, aber über Nacht. Ich sagte, Maelle, hast du die Fotos gesehen? Hast du die gemacht von Claudia Schiffer? Und ich sage, ja, wieso? Und ja, alle Leute drehen durch und finden die super.

Und das hat natürlich ihre Karriere geboostet, hat meine Karriere geboostet und hat Guest Jeans geboostet. Und Claudia und ich, wir sind auch immer noch befreundet. Ja. Die Boss. Macht ist weiblich. Guten Tag, mein Name ist Simone Menner. Ich bin Gastgeberin vom Stern-Podcast Die Boss. Und heute spreche ich mit Ellen von Unwert. Sie ist eine berühmte Fotografin.

Ihre Bilder erscheinen in Zeitschriften wie Glamour, GQ, Walk und Vanity Fair. Sie hat mit ganz vielen Modehäusern gearbeitet. Ihre Bilder hängen auch in Museen, wie zum Beispiel dem Museum of Modern Art in New York oder dem Maison Européenne de la Photographie in Paris. Oder deine Ausstellung My Circus in Maastricht in einem Museum, dessen Namen ich kaum aussprechen kann, Arnhed Friedhof.

Ich freue mich, dass Sie sich die Zeit nehmen, Frau von Unwert. Ich bin ein bisschen aufgeregt, weil Sie haben mit so vielen Stars gearbeitet, dass Sie jetzt mit mir sprechen. Ist eine hohe Ehre für mich. Vielen Dank. Ist auch eine Ehre für mich. Bin froh, mit Ihnen zu reden und mit Stern. Und ja, super.

Fangen wir vielleicht gleich an mit dieser Ausstellung in Maastricht, My Circus. Zirkus ist für Sie ein Thema, denn Sie haben sehr früh in Ihrem Leben tatsächlich im Zirkus gearbeitet, und zwar im Zirkus Roncalli, richtig? Ja, die Ausstellung in Maastricht, das war eigentlich ein Produkt meiner ganzen Kindheit, wie ich aufgewachsen bin und wie ich angefangen habe zu fotografieren.

Also ich bin in Frankfurt geboren und mit zehn Jahren, ich war Waisenkind und bin aufgewachsen mit verschiedenen Eltern, und Waisenhäusern und mit zehn Jahren bin ich ins Allgäu gekommen. Dort war ich in Oberstdorf, habe ich mein Abitur gemacht und zur gleichen Zeit habe ich in einer Hippie-Kommune gewohnt.

Ja, wir haben auf dem Land gewohnt mit Musikanten und Hunden und es war halt diese Zeit, eine meiner schönsten Zeit meines Lebens. Totale Freiheit. Totale Freiheit, keine Sorgen, was machen wir morgen, wie verdienen wir Geld, wir brauchen kein Geld, ich kann ganz viele Rezepte mit Kartoffeln. Und jeden Abend kamen Leute zu uns und wir haben getanzt und Musik gespielt und alle unsere Klamotten waren alle vom Flohmarkt oder vom Sperrmühl.

Aber unser Haus sah natürlich toll aus und das war also wirklich meine Freiheit. Nachdem ich, wie gesagt, mit verschiedenen Pflegeeltern aufgewachsen bin, war das wirklich ein Breath of Fresh Air, wie man sagt. Und das war so zwei Jahre lang und da habe ich auch damals Herbert Knaub kennengelernt, der auch in meiner Schule war.

Ich weiß nicht, ob er natürlich ein berühmter Schauspieler in Deutschland. Wir waren zusammen, wir waren ein Paar damals. Und dann sind wir nach München gezogen. Und dort wollte ich eigentlich studieren. Aber man hat mich am ersten Tag in der Universität angesprochen, ob ich nicht Model werden wollte für einen Job L'Oreal.

Für Haarprodukte, weil ich hatte so schöne lockige Haare und die suchten jemanden, der gut aussieht mit lockigen Haaren, um eine Dauerwelle zu machen. Okay. Einfach so auf der Straße in der Uni kam jemand und hat gesagt, ich suche einen Model. Ja, das war halt ein Casting-Direktor und die haben mich gespottet.

Die hat lockige Haare und die haben mich angesprochen. Die haben gesagt, willst du Model sein? Da habe ich mich umgedreht und habe gesagt, ja natürlich. Ich hatte überhaupt keine Lust zu studieren und bin nach Hause gegangen und dann habe ich mich vorbereitet für das Shooting. Es war für Dauerwelle und die haben mir dann auch noch auf meine lockigen Haare eine Dauerwelle draufgeknallt und es eigentlich meine Haare ruiniert hat.

Die waren nie mehr so schön wie davor. Und ja, das war mein Einstieg in die Modelwelt. Und zu derselben Zeit war Zirkus Roncalli in der Stadt. Und ich bin hingegangen und habe ihn mir angeschaut und war so begeistert. Das war damals mit André Heller, der den kurzfristig übernommen hatte. Und viele junge Leute haben einfach den Job legen gelassen und haben da mitgemacht.

Und es war wirklich sehr, sehr magisch und einfach was ganz anderes, also eine andere Art von Zirkus. Und ich habe den gesehen, bin zu André Heller gegangen und habe gesagt, ich würde gerne da mitmachen. Und André Heller hat gesagt, ja, du siehst aus wie ein Zirkusmädchen, du kannst morgen anfangen. Fantastisch, fantastisch. Und wie war diese Zirkuswelt? Sie haben eben gesagt...

Magisch, weil André Heller und Zirkus Roncalli, das war ja nicht der klassische Zirkus, das war ja Kunst eigentlich, nicht? Und sie hat wirklich Menschen berührt. Ja, natürlich, der hatte den Clown, der, auf einer Sägegeige gespielt hat und das hat natürlich das ganze Zelt mit Magie ausgefüllt und alle Leute waren total hingerissen.

Und da kamen auch Polanski und Ingmar Bergmann, ganz, ganz viele berühmte Direktoren und Schauspieler. Anastasia Kinski war jeden Tag dort und ich habe halt das Nummerngirl gesehen, die mit dem Stern rumlief. Und ich wollte das einfach sein und habe dann auch dieses tolle Kostüm angehabt mit den Fischnetz und dem Zylinder und habe mich auch in einen MC verliebt, der wie eine Marionette war. Was heißt MC?

Confroncier oder wie sagt man da? Ah ja, okay, ja, den Confroncier. Der Direktor, ja, ja. Ja, und es war eine sehr, sehr schöne Zeit und es hat super Spaß gemacht. Ich war Assistentin vom Clown, vom Messerwerfer und bin rumgerannt mit einem Schmetterling und jemand anderes hinterhergerannt und wollte einen Schmetterling fangen.

Also es war eine wunderschöne Zeit, wirklich. Ich muss dazu noch sagen, dass ich fast überhaupt kein Geld hatte. Ich habe ein bisschen Geld vom Staat bekommen, also als Waisenkind. Aber mit Herbert, wir haben oft in der Straße Musik gemacht. Ah ja, okay, auch. Herbert ist ja so ein toller Musiker und ich hatte so ein, Vintage-Stirndl an und ich habe getanzt und Herbert hat die Gitarre gespielt und so haben wir ein bisschen Geld verdient.

Also es war auch schon ein bisschen Einstieg in den Zirkus damals schon. Also es hört sich so märchenhaft an, ihr Leben. Also aus Waisenhäusern, dann die Hippie-Kommune, wo man Spaß hatte, dann der Zirkus mit dieser magischen Welt und dann entdeckt sie jemand und sie werden Model. Ja, dazu kommt. Wo ich dann gelesen habe, das war schwierig für sie, weil Stillstehen war nicht ihrs.

Ja, es ist auch heute noch so. Okay. Also nicht mit mir, aber ich war immer schon kreativ. Ich war immer am Tanzen, am Singen, irgendwas machen, kochen. Immer, immer kreativ. Und als Model war ich halt ein bisschen frustriert, bei den meisten Fotografen stillzustehen und einfach nur zu posen und zu links und rechts schauen.

Und ich wollte einfach irgendwelchen Blödsinn machen und hüpfen und mich ausdrücken einfach, meine Persönlichkeit zu zeigen. Und das war zur damaligen Zeit schwierig und man wurde wirklich nur das Äußere. Eingeschätzt und das war eigentlich nicht meine liebste Zeit, obwohl ich das zehn Jahre gemacht habe.

Es war spannend, mit so berühmten Fotografen zu arbeiten, denke ich, nicht? Ja, natürlich. Ich habe mit Helmut Newton gearbeitet, mit Guy Bourdin, mit Toskani, mit Assel Elgort. Und irgendwie unbewusst ist es in mich reingesunken und habe viel gelernt. Und habe natürlich auch viele tolle Reisen gemacht und tolle Leute kennengelernt.

Also es war schon eine tolle Zeit. Aber ich denke mir, trotzdem meine zehn besten Jahre, meine Jugend, man darf ja dann auch nicht so viel essen und man muss viel schlafen. Und der Stress, werde ich jetzt gebucht oder nicht gebucht? Mögen die mich? Es ist nicht einfach, Model zu sein, sage ich jetzt mal im Allgemeinen.

Das ist ein sehr stressiger Beruf und natürlich hat es beide Seiten. Aber ich muss sagen, den Moment, als mein Freund mir damals eine Kamera geschenkt hat und ich bin auf die andere Seite gegangen, das war für mich eine Erlösung. Das war wirklich toll, dass ich das gefunden habe. Ja, und sie konnten dann aber natürlich umsetzen, was sie selber empfunden haben.

Und was sie auch nicht gut fanden. Ich habe auch gelesen, dass sie auch zu ihren Fotografien gesagt haben, ich mag es, wenn Menschen sich bewegen und etwas passiert. Das heißt, bei ihnen auf den Fotos passiert immer was. Ja, weil, wie gesagt, als. Mein Freund damals mir den Apparat geschenkt hat und gesagt hat, das ist ein Plus, ein Minus und ein Kreis.

Wenn der Kreis aufleuchtet, dann schießt du. Okay. Das war mein Crashkurs. Und dann habe ich auch auf meiner ersten Reise, da war ich noch Model damals in Kenia, erst so ein bisschen Reportage gemacht. Also Reportage einfach in den Straßen fotografiert und die Frauen im Dorf und die Kinder. Und das hat mich natürlich sofort begeistert. Und dann auch meine Modelfreundinnen habe ich angezogen und Make-up gemacht und mit meinen Klamotten und die fotografiert.

Und sofort wollte ich einfach, habe ich das einfach, diese Spontane geliebt. Auch wenn das Model post und dann plötzlich rennt sie weg und das ist dann oft der beste Schuss. Und das war sofort und auch, so bin ich einfach eingestiegen. Das war wirklich, und das ist auch heute noch so. Ich habe neulich hier ein Foto gemacht und das Mädchen weggerannt und das ist das beste Foto.

Also da hat sich eigentlich bei mir nicht viel geändert in meinem Obsession. Und ja, und schnell habe ich gemerkt, also ich kam dann zurück und Leute waren überrascht über meine Fotos. Die waren, Ellen, hast du das gemacht? Aber die Leute haben gesagt, aber du bist doch ein Model. Weil Models sind doch immer, werden immer als doof eingeschätzt.

Und ich war selber überrascht. Ich war selber überrascht, dass die Fotos schön aussahen. Und ich muss sagen, ich danke Gott, dass er mir dieses Talent gegeben hat und dass ich das auch entdecken konnte, weil ich hätte auch daran vorbeigehen können. Ich glaube, das ist wirklich eine Chance, dass man sagen muss, dass es wichtig ist, die kleinen Zeichen zu erfassen und nicht an irgendwelchen Talenten und Sachen vorbeizugehen zu können.

Und ja, und dann eben weiterhin habe ich wirklich in meinen Fotografien meistens mit Frauen immer herausgelockt, die Persönlichkeit herausgelockt. Und indem ich einfach sie animiere und sagen, sie sollen das machen und das machen, in kleinen Rollen geben, die sie spielen sollen und dann was anderes zu denken, als jetzt zu posieren.

Und das ist auch, das funktioniert sehr gut. Ich sehe immer sofort, man gibt etwas Kleines, dann ist ein anderer Ausdruck da und eine Bewegung. Und ich bin dann halt, ich sage, ich bin ein Sniper. Ich erfasse das dann. Ja, aber da hilft es ihnen ja, genau. Und sie helfen vermutlich auch den Models, dass sie sagen, nein, du kannst du selbst sein, spiel ein bisschen was, mach ein bisschen was und ich erfasse dann schon den richtigen Augenblick.

Und das macht es ja, denke ich, für die Models auch ein bisschen einfacher und sie haben mehr Spaß an dem Job. Total. Ich habe neulich ein Casting gemacht vor gestern und es kam ein wunderhübsches Mädchen rein, sehr, sehr groß und sie hat auch noch Stöckelschuhe und stand da wie so ein Nagel. Und dann nach zehn Minuten hat sie gelacht und posiert und alles Mögliche gemacht und dann hat sie gesagt, das hat so viel Spaß gemacht.

Überall ist alles so ruhig und steif und langweilig, weil die Leute das eben nicht so erfassen. Aber das ist einfach meine Persönlichkeit. Ich bin so und wenn jemand nur da steht, dann mache ich Klick, Klick, okay, dann habe ich das das Foto. Aber es macht keinen Spaß. Nee, nee. Hilft es, dass Sie Frau sind?

Was da vielleicht auch, wenn Sie zum einen ein anderes Auge auf Frauen haben, aber zum anderen auch weniger Hemmungen, die jungen Models? Es hilft in meiner Fotografie. Ich meine, jeder hat eine andere Art zu fotografieren. Männer fotografieren anders, Frauen. Ich meine, jeder hat eine andere Weise, Frauen zu sehen.

Und in einer gewissen Weise hilft es mir, näher zu Frauen zu kommen und ihre Persönlichkeit zu erfassen, weil ich eine Frau bin, das stimmt schon. Und es ist einfach, als ob wir Barbie-Puppen spielen. Aber ich habe auch gelesen, das war glaube ich im S-Magazin, was ein Magazin extra für Fotografie ist, dass sie durchaus auch ein Konzept haben, gerade wenn es um bestimmte Modestrecken geht.

Und einmal tatsächlich auch ein Konzept, das war eine Art Western. Und das heißt, sie erzählen den Models, wir haben hier jetzt ein Konzept, das ist eine Story, wir spielen ein Western. Und dann spielen die das und sie machen die Fotos daraus. Kann ich mir das so vorstellen? Ja, ich habe eigentlich jedes Mal schon ein richtiges Konzept.

Man muss ja, ich arbeite ja nicht alleine, ich arbeite ja mit einem Team. Also das Team muss man ja sagen, okay, wir machen jetzt, sagen wir mal, eine Western-Geschichte. Da muss der Stylistin die Sachen mitbringen. Wir machen der Make-up-Artist, der Friseur. Die müssen ja alle geprieft werden. Vor allen Dingen heute, früher hat man das nicht so gemacht, Aber heute muss man immer ein Moodboard haben mit den Fotos, damit die genau wissen, wo es lang geht.

Obwohl ich immer offen bin, dass sie auch ihre eigenen Ideen dazu bringen. Das sind ja Arzisten, deswegen ermutige ich das auch immer, dass sie auch selber ihr eigenes Moodboard machen oder ihre eigenen Sachen dazu bringen. Und ich habe dann schon ein richtiges Konzept. Oft mache ich sogar kleine, richtig wie für einen Film eigentlich, kleine Fotos. Okay, wir machen das Foto hier und da passiert das.

Und natürlich ist es auch wichtig fürs Casting. Man muss ja auch die Leute casten. Die richtig sind für die Rolle. Aber dann ist es aber doch nicht wie ein Film. Man kann dann aber trotzdem viel Freiheit geben und spontan sein. Da passiert was Spontanes. Weil das Foto ist natürlich was Magisches und das kann man nicht immer vorher sagen, genau, was ein gutes Foto wird.

Man kann es genau wissen vorher, was man will, aber vielleicht rennt plötzlich ein Hund durch das Bild und macht es, dass das Foto was Magisches bekommt und was Ikonisches. Also da bin ich auch sehr offen und ich liebe auch das Chaos und wenn alles ein bisschen auseinanderbricht und immer so um 5 Uhr nachmittags, da geht immer plötzlich, wird das alles ein bisschen mehr crazy.

Und das liebe ich. Das heißt, das Konzept ist schon gut in der Vorausplanung, aber dann die Spontaneität zulassen und manchmal auch das Chaos zulassen, damit dann was richtig Schönes entsteht. Genau, was unerwartet ist. Sie haben mit super vielen berühmten Leuten zusammengearbeitet, aber ich glaube, Sie haben sogar Claudia Schiffer entdeckt, richtig?

Da war sie noch gar nicht so bekannt und es war Ihr Foto, was Sie dann bekannt gemacht hat. Wie ist das entstanden? Ja. Also Claudia, das war damals, das war ich bei unserer, ich hatte vielleicht mein Fotoapparat, ich habe angefangen seit zwei Monaten und es war eigentlich die deutsche Elle, die mich angerufen hat und die, wollte, dass ich Claudia, die damals nach Paris gezogen ist, also sie war schon Model, aber sie hat halt noch nichts gemacht und wollte, dass ich sie fotografiere.

Was macht ein Model, wenn sie nicht arbeitet? Und dann war ich bei ihr zu Hause und habe sie gefunden, wie sie mit ihrem Hund spazieren geht und mit ihrem Freund. Und sie war süß und superhübsch. Und dann bin ich nach Hause gekommen und habe die Fotos angeschaut. Dann sage ich zu meinem Freund damals, schau doch mal, also ein anderer Freund, nicht der, der mir die Kamera gegeben hat.

Schau dir mal an, sieht die nicht aus wie Brigitte Bardot? Und ich sagte, ja, das ist wirklich wahr. Sie hat wirklich diese Lippen und diese Augen und die Zähne und auch dieses sexy, aber kittenisch Verspieltheit und Sensualität. Und daraufhin habe ich sie wieder angerufen und wir haben sie dann wirklich auf Brigitte Bateau hingetrimmt, also mit den Haaren und mit dem Make-up.

Und ich habe sie in meiner kleinen Küche fotografiert, die ich damals noch hatte in Paris. Und das war unglaublich. Und dadurch haben sie sie entdeckt, weil sie haben das Besondere aus ihr rausgemacht. Genau, und damals war das Zeitschrift Lay. Die hat dann das Cover gedruckt mit ihr. Und kurz danach habe ich angefangen, für Guest zu arbeiten, für Guest Jeans.

Und ich habe die Fotos Paul Marciono gezeigt und gesagt, schau mal das Mädchen an. Er sagt, ja super, lass uns mal probieren. Und wir haben die erste Strecke in Nashville fotografiert, also ein bisschen Dolly Parton-mäßig als Sängerin. Wie gesagt, wie das Konzept, weil ich habe ja immer ein Konzept, als Country-Western-Sängerin.

Und als die Fotos rauskamen, das war über Nacht ein Erfolg. Und damals gab es noch nicht Instagram. Ich weiß auch nicht, wie das so schnell durch die Welt gegangen ist, aber über Nacht. Ich sage, Maelle, hast du die Fotos gesehen? Hast du die gemacht von Claudia Schiffer? Und ich sage, ja, wieso? Und ja, alle Leute drehen durch und finden die super.

Und das hat natürlich ihre Karriere geboostet, hat meine Karriere geboostet und hat Guest Jeans geboostet. Und Claudia und ich, wir sind auch immer noch befreundet. Sie ist so toll und ja, es ist verrückt, wie das Leben geht. Ja, das finde ich auch, wenn ich mir ihr Leben anschaue. Und sie haben mit allen großen Models zusammengearbeitet, nur mit Kate Moss, mit Naomi Campbell, aber auch auf einem Bild ist auch David Bowie.

Also das heißt, sie haben das Who is Who der Welt und der Weltstars kennengelernt. Und ist das, ja, diese Welt ist ja sehr, für mich, sehr weit weg. Und man denkt dann immer, okay, wie kommt man da rein? Oder sind die auch eigentlich ganz normal und werden einfach dadurch, dass man so einen Glamour drumherum macht, viel höher stilisiert, als sie sind. Und sie sind nette, normale Menschen. Sie haben gerade gesagt, Claudia Schiffer, gute Freundin, netter Mensch in ihrer Küche.

Wie ist das so, wenn man in dieser Welt ist? Ja, jeder ist anders, würde ich sagen. Aber die meisten sind eigentlich super nett. Mein David Bowie war so nett, weil er so etwas Kühles hat. Sein Image ist ja eher so kühl, elegant und so. Aber der war wie ein kleiner Junge. Ich habe damals mit ihm eine Tommy Hilfiger-Kampagne gemacht, mit Iman und ihm. Jetzt habe ich auch neulich ein Foto gepostet.

Ich weiß nicht, ob ich das gesehen habe. Und er hüpfte auf dem Bett rum und spielt die Gitarre. Und Iman sagt, David, come on, David. Winitu, shoot now, wir müssen jetzt schießen. Und dann hat er meine Kamera geklaut und ist mir hinterhergerannt. Also so nett und so lustig. Viel, viel Humor natürlich, der englische Humor.

Und ich meine, die meisten sind eigentlich nett. Das sind die Leute drumherum, die es oft schwierig machen. Die natürlich von den Stars. Alle was abhaben wollen. Und dann natürlich gibt es die Divas, wo du fünf Stunden warten musst. Aber wenn sie in front auf der Kamera sind, ist es natürlich Profis. Genau.

Man muss auf das Resultat schauen, was sie geben. Es ist wie Billy Walder, der mal über Melanie Monroe geredet hat und gesagt hat, sie musste einen Schuss 32 Mal machen. Einen ganz einfachen Satz. Aber er meinte dann eben, was man am Ende hat, das kann niemand anders bringen. Und so ist es Das ist ein bisschen, also man darf das nicht so, muss man eher.

Sagen, patient, wie sagt man, patient, patient, geduldig sein. Geduldig sein, ja. Aber ich glaube, wahrscheinlich haben Sie doch auch eine Persönlichkeit. Wo dann Menschen auch Vertrauen zu ihnen aufbauen und sagen, ich traue der Ellen von Unwert zu, dass sie auch mich gut aussehen lässt und deswegen kann ich auch ein bisschen lockerer sein.

Sie haben auch die Hochzeit von Kourtney Kardashian aufgenommen, das ist ja wahrscheinlich auch ein schwieriges Umfeld, wo man sagt, also wir wollen, dass das schöne Fotos sind, aber man hat Vertrauen zu ihnen und deswegen besteht auch diese Offenheit, so würde ich das interpretieren. Ja, ich glaube, die Leute, die auf mich zukommen oder die mit mir arbeiten wollen, es gibt auch Leute, die nicht mit mir arbeiten wollen, weil sie sagen, oh, das wird zu sexy sein, das wird zu das sein. Tatsächlich? Okay.

Ja, ja, viele, obwohl ich meine, ich passe mich an. Ja, ich wollte gerade sagen. Ich kann für Vogue arbeiten, ich kann für Playboy arbeiten, ich kann überall arbeiten, weil ich weiß genau, was Leute wollen. Und deswegen passe ich mich total an. Aber es gibt halt Leute, die kein Vertrauen haben, aber die meisten Leute, viele Leute auch heute, so viele Mädchen und Frauen und auch Männer fragen mich an und wollen von mir fotografiert werden, weil die diesen Stil mögen.

Auch das ist ungepostet ein bisschen und die lieben das einfach und haben dann Vertrauen und die wissen, dass ich erstens mal, dass sie gut aussehen werden und außerdem auch, dass ich respektvoll bin. Ich würde jetzt kein vulgäres Foto von einer Frau veröffentlichen und passe immer auf, dass die Frau geehrt wird und dass sie stark aussieht und in Kontrolle und nicht irgendwie einen vulgären Touch hat.

Also das ist für mich auch sehr wichtig und deswegen vertrauen die auch mir. Sie haben gerade gesagt, Sie stellen Frauen stark dar und mit Respekt. Nichtsdestotrotz haben Sie teilweise aber auch Fotos, da sind die Frauen sehr sexy. Aber was unterscheidet da Ihr Blick von so voyeuristischen, vielleicht männlichen Blick?

Weil, dass ich eine Frau bin, schon mal. Und ich glaube, man kann auch nicht einfach sagen, ich meine, es gibt Homosexuelle Männer, es gibt viele verschiedene Arten von Männern, man kann das nicht einfach so in einen Topf werfen, der Male Gaze, der Female Gaze. Aber ich glaube, ich nenne das den Ellen Gaze.

Okay, das sehr Spezifische. Ich glaube, jeder hat seinen eigenen Gaze und ich nenne das das Ellen Gaze. Und ja, als ich angefangen habe zu fotografieren, es ist eigentlich, glaube ich, so eine gewisse Art Magie, die aus meiner Kamera herauskommt, dass Menschen sich sehr, auch Männer, auch sogar Tiere, würde ich sagen, auch Tiere fangen plötzlich an sich zu regeln und irgendwie vor meiner Kamera irgendwelche Sachen zu machen.

Und Frauen fühlen sich sehr komfortabel. Ja, komfortabel. Sie fühlen sich sehr wohl. Und Frauen wollen sich auch so zeigen. Sie wollen auch ihre Sexualität. Das kann man ja sehen auf Instagrams, wie Mädchen sich darstellen. Aber auch mit einem gewissen Vertrauen. Dass sie wissen, dass ich das in einer guten Weise erfasse.

Und ich natürlich das liebe, weil die Frau öffnet sich. Und zeigt ihre Persönlichkeit und zeigt ihre Frivolität und ist ein bisschen frech. Und ich erfasse das und es ist wie ein Spiel. Es ist ein bisschen meine Spezialität und es ist eine tolle Art, mit Frauen zu kommunizieren. Und natürlich die Bilder zu haben, die natürlich wirklich ikonisch sind und die Frauen dann auch lieben. Also das ist natürlich sehr aufregend.

Und das ist, wie gesagt, der deutsche Körper war schon immer in der Kunst einer der wichtigsten Themen und es ist immer wieder faszinierend in der Kunst. Mit einer gewissen Erotik finde ich immer mehr attraktiv oder aufregend als andere Sachen. Ja, ja. Also das und ich denke, das bespricht man ja vorher.

Also Sie können Fotos machen, wo jemand sehr sexy aussieht, wenn jemand das möchte. Haben Sie das Foto von Madonna auf der Vogue gemacht jetzt kürzlich? Nein. Nee, das habe ich nicht gemacht. Da sieht sie sehr sexy aus mit 67, muss ich sagen. Da habe ich gedacht, wow. Ja, auf der Vogue, ja. Das ist ein bisschen retuschiert, würde ich sagen. Vermutlich.

Vermutlich. Sie haben auch Melania Trump aufgenommen. Das ist ein sehr professionelles und wie Sie richtig sagen, mit Respekt und eine starke Frau. Ja, genau. Wie gesagt, ich fotografiere alle möglichen Frauen unserer Epoche. Von Frauen in der Straße zu Models, zu Popstars, zu Schauspielerinnen und auch The First Lady.

Für mich ist das normal, das ist historisch. Und Melania, ich kannte auch Melania schon. Ich habe ihre erste Kampagne geschossen, als sie nach New York kam. Sie war ja Model damals. Und ich habe eine Kampagne mit ihr geschossen für Camel Zigaretten. Die überall on Times Square hing und als sie jetzt diesen Film gemacht hat, hat sie gesagt, Ellen, ich habe diese Fotos so geliebt, würdest du mich wieder fotografieren für Amazon und für meinen Film?

Um dieses Foto von Melania Trump gab es viel Aufregung. Der Film wurde heiß debattiert, das Geld dahinter und dann eben auch das Foto, was Sie gemacht haben. Hat Sie das überrascht? Also ich meine, ich wusste schon, dass Leute sich darüber aufregen werden, weil natürlich Trump eine sehr zweispaltige, wie sagt man das, zweispaltige Figur ist. Zwiespaltige.

Aber ich habe auch drüber nachgedacht, ob ich es machen soll oder nicht. Aber ich dachte mir, hey, ich habe alles in meiner Karriere gemacht. Das ist keine politische Entscheidung. Es ist Melania, die einen Film macht, Amazon, der den produziert hat. Und es ist eine Gelegenheit in meinem Leben, eine First Lady zu fotografieren.

Das wird in die Geschichte eingehen und ich mache das. Und never mind, wenn Leute sich darüber aufregen. Aber als es dann herauskam, waren die Leute so heftig, so violent. Wie sagt man violent? Ja, wütend oder zornig. Und auch einfach so doof. Also diese Kommentare und mich zu beschimpfen als Nazi. Ich meine, die Leute sind so doof. Die wissen wahrscheinlich gar nicht, was das ist. Also es war einfach sehr, sehr heftig. Also doch ein bisschen überraschend, dass es so heftig war.

Ja, ja, ja. Aber Leute springen drauf und kriegen dann ein paar mehr Followers, wenn sie jemanden attackieren. Ich habe dann aber einfach alles blockiert und es an mir vorbeigelassen gehen. Ich bereue das auch nicht. Das ist mein Job. Und wie gesagt, das wird in die Geschichte eingehen. So ist es. Ja, und es ist ja tatsächlich, wie Sie sagen, jetzt keine Aussage im Hinblick auf eine politische Richtung.

Es ist ein Foto und das ist Ihr Job. Ja, genau. Es ist mein Job. Ich bin Fotografin. Man hat mich gefragt und ich glaube, viele Leute, die mich angegriffen haben, würden vielleicht das Gleiche machen, wenn sie die Gelegenheit hätten. Haben sie aber nicht. Okay. Sehr gut. Sie sind eine berühmte weibliche Fotografin. Wir kennen auch viele andere, Anni Leibovitz.

Aber man hat derzeit den Eindruck, es gibt weniger Frauen in der Fotografie, berühmte Fotografin. Und es kommen wieder mehr Männer als berühmte Fotografen. Täuscht mich da mein Eindruck oder nehmen Sie das auch so wahr? Nee, eigentlich stimme ich da nicht wirklich ein. Ich meine, was gibt es heutzutage noch für große Kampagnen?

Das Problem ist, dass. Leute warten, die investieren ja eher in Influencers und in Instagram als große Kampagnen. Es gibt ja auch nicht mehr viele Zeitschriften. Und das hat natürlich auch das Bild gewechselt in der Modelfotografie. Dass es jetzt viele, viele, viele Fotografen gibt, aber nicht wirklich welche, die unbedingt jetzt rausragen.

Und ich meine, jedes Mal, wenn ich zu der Fashion Show gehe, dann sind da 100 Fotografen, die rumrennen. Das ist auch super. Aber es hat natürlich das ganze Modebild irgendwie verwässert. Und ich glaube, deswegen ist es auch schwieriger, heutzutage rauszustechen. Und früher war das die italienische Vogue, die amerikanische Vogue, die die Stars gemacht hat.

Heutzutage sind es auch Fotografen, die wechseln auch ständig. Aber es gibt viele, ich kenne viele Frauenfotografen, die heutzutage arbeiten. Es gibt vielleicht weniger die ikonischen Starfotografen, weil es viele gibt, die auf Social Media oder in allen möglichen Kanälen posten. Es gibt so viele, so viele. Jedes Mal, wenn man eine Zeitschrift aufmacht, gibt es jemand Neues. Man kennt ihn nicht, man kann sich auch nicht erinnern.

Fotos sind alle okay, das sind alle super. aber, Welche ragen wirklich raus? Das ist eben die Frage. Und auch Instagram ist halt einfach, das sieht so viele tolle Sachen, aber es ist einfach so ein Muschi-Muschi-Ding. Ja, und wenig stilprägendes. Ja. Kommen wir nochmal zur Technik. Fotografieren Sie auch mit Handy?

Ja, ich fotografiere mit allem, was mir in die Hände kommt. Natürlich meine wirklich professionellen Shootings mache ich mit einer Canon-Kamera. Ich schieße auch immer noch zum Teil analog. Weil im Endeffekt sehe ich alle Fotos, die in Galerien hängen und in Museen sind eigentlich alles Fotos mit analog Fotografie.

Aber das Handy ist auch super. Man kann ja so viele Sachen damit machen. Man kann spontan was machen. Spontan. Und ich habe gerade die Katze auf dem Dach gesehen, habe sofort mit meinem Handy einen kleinen Film gemacht. Man kann es editen und man kann so viel machen. Es ist auch Spaß. Man bringt natürlich viel zu viel Zeit damit, was schade ist.

Und auch viel zu viele Fotos. Ich meine, heutzutage. Ja, das stimmt. Also das ist natürlich ein bisschen inflationär. Jeder macht Fotos von, also ich fotografiere meine Katze auch sehr gern, wo ich dann auch einfach sage, um Gottes Willen, das braucht man nicht so oft. Aber gleichzeitig kann man dann wirklich auch die spontanen Momente erfassen und daraus was Schönes machen.

Gehen Sie in Museen, um sich Fotos anzuschauen, also von anderen Fotografen? Ja, natürlich. Ja, ja, ja. Ja, ja, ja. Ich mag natürlich am meisten Fotos von den 60ern, dann 70er Jahren. Ich liebe Helmut Newton, Gibuda. In Ahr letztes Jahr war eine große Ausstellung mit Saint Laurent. Ja, ich liebe alles. Ich liebe alles. Gemälde, Skulpturen. Ich liebe in die Museen zu gehen. Es war inspirierend.

Ja, ich war neulich tatsächlich in der National Portrait Gallery in London und auch in einer anderen Galerie. Da hängen natürlich momentan überall Fotos von Marilyn Monroe in den unterschiedlichsten Varianten. Aber ich war auch in einer Galerie mit sehr vielen Stars in Schwarz-Weiß. Und das waren dann 60er Jahre, die Stones und Beatles und wirklich sehr schöne Fotos.

Ich habe dann tatsächlich aber ein Foto gekauft von einer deutschen Fotografin, Claudia Zimmermann heißt sie, glaube ich, von einer alten Chinesin mit einer Gans auf dem Kopf in Farbe. Ja, das war wirklich, also das hat mich sofort so ergriffen und ich denke, das können Fotos wirklich und das fangen sie eben auch ein, dass die...

Emotionen hervorrufen. Ja, genau. Das ist das Wichtigste. Das macht ein Foto ikonisch, wo man dann auch drauf zurückkommt und es immer wieder anschauen möchte und einfach das im Kopf gebrannt wird. Haben Sie ein Lieblingsfoto von sich, wo Sie sagen, das ist das Beste, was ich je gemacht habe? Oder sagen Sie, nee, das ändert sich.

Mal ist es das, was ich toll finde und am nächsten Monat ist es ein anderes? Es ändert sich immer. Ich meine, ich bin jetzt kein gequälter Künstler, der seine Arbeit nicht mag. Ich mag eigentlich lieber meine Fotos. Ich liebe sie zu machen, ich liebe sie anzuschauen und zu editen. Das ist eigentlich ein toller Prozess. Das ist mein Lieblingsprozess.

Wenn das dann rauskommt, ist es schon wieder was anderes. Da bin ich schon wieder auf anderem. Deswegen ist es schwierig zu sagen, ob ich ein Lieblingsfoto habe. Ich habe ein Lieblingsfoto von meiner Tochter, als sie sechs Jahre lang alt war. Und sie hatten so eine Schaukel, wo man sich dranhängt in einem riesigen Baum.

Und sie hatte die dünnen Beinchen und sie schwingt da in der Luft. Und das ist so ein Symbol für das Leben und dieser große Baum und dieses junge Leben. Also das ist eigentlich mein Lieblingsfoto, sehr privat. Das hört sich auch an wie ein sehr, sehr schönes Foto. Ja, und ich denke, es ist auch wichtig, ich glaube, das haben Sie auch mal in einem Interview gesagt, dass man auch ein Privatleben hat.

Gerade wenn man viel in dieser Glamour-Welt unterwegs ist, dass man dann auch sagt, aber ich habe auch meine Welt und mein Privates und das ist auch ein Rückzugsort, vermute ich jetzt mal. Ja, auf jeden Fall. Das. Private ist sehr wichtig. Leider ist jetzt mein Mann gestorben vor zwei Jahren, mit dem ich 38 Jahre zusammen war.

Und ja, das war und ist halt. Ein großer Verlust. Ein großer Verlust, aber meine Arbeit hat mich gerettet. Meine Arbeit hat mich gerettet. Und jedes Mal, wo es mich runtergezogen hat, habe ich wieder eine Box aufgemacht und meine Fotos angeguckt und wieder was anderes gedacht. Und ich habe auch ein tolles Team, mit dem wir zusammenarbeiten.

Und das hat mich wirklich oben gehalten, weil das so ein Verlust ist, wie viele Leute das wissen. Und deswegen erzähle ich das auch, weil vielleicht es Leuten helfen kann, einfach oben zu bleiben und einfach seine Passion weiterzugehen und weiterzuleben und so. Also ich finde es schön, dass Sie das erzählen und auch teilen, denn ja, wir haben alle Verluste in unserem Leben. Also bei mir ist meine Mutter vor zwei Jahren gestorben und natürlich ist das ein Rieseneinbruch.

Nichtsdestotrotz, der geliebte Mensch würde, glaube ich, gar nicht schön finden, wenn wir jetzt in Kummer versinken würden, sondern die mögen es dann, man kennt sie ja, also man hat sie ja kennengelernt, ihr sagt das ganze Leben, dass man weiterarbeitet und dass man genau das, was sie zeigen, die Lebensfreude weiter hat und nicht den ganzen Tag nur, in Trauer in der Ecke sitzt.

Ja, das ist das Schlimmste. Das ist natürlich nicht einfach für alle Leute, aber ich würde wirklich den Rat sagen. Irgendwelche Leidschaften zu entwickeln oder weiter zu haben und einfach oben zu bleiben. Und ich rede auch viel mit ihm. Natürlich vermisse ich ihn, weil er war mein Konziliere, wie ich immer sage. Der hat mir immer gute Ratschläge gegeben und das fehlt mir sehr.

Und ich rede mit ihm und frage ihn oft und irgendwo kommt dann die Antwort, da fliegt plötzlich ein Vogel aus dem Busch raus und dann sage ich, ah, okay. Das war jetzt deine Antwort. Ein Hinweis von dir. Ach, wie schön. Sie leben in Paris, richtig? Ich lebe in New York. Und Paris. Also ich bin beides, ja. Und auch ein bisschen in Berlin.

Das wäre meine nächste Frage gewesen. Die drei Städte stehen auf meiner Liste. Kennen Sie die CO Berlin? Ja, ja, ja. Als Fotogalerie? Ja, ja. Da bin ich im Kuratorium. Ah, super. Und da sind auch immer sehr, sehr schöne Fotoausstellungen. Und was sind so die Unterschiede? Also Paris, New York, also das sind ja zwei völlig unterschiedliche Städte.

Wie entscheiden Sie sich, heute bin ich in New York, heute liegt mir New York mehr oder ich gehe jetzt mal nach Paris, weil ich da vielleicht mehr Ruhe finde? Ja, obwohl Paris hat sich seit dem Covid sehr geändert. Da ist sehr, sehr viel los jetzt in Paris. Jeden Abend ist irgendwas, eine Party, ein Event, Fashion Show. Jetzt kommt wieder Haute Couture, dann kommt wieder die Männershow.

Dann ist irgendwie Football. Also Paris ist nicht mehr Sleeping Beauty. Ach, das ist interessant. Ich habe da mal gelebt. Und da fand ich es noch ein bisschen Sleeping Beauty und bin danach nach London gegangen. Aber ich gehe jetzt im September nach Paris. Dann werde ich mir das mal angucken, wie es sich geändert hat.

Das heißt, da tobt das Leben? Ja, also sehr, sehr viel los. Viele Leute kommen international. Viele Leute gehen auch aus Amerika weg. Viele Leute kommen nach Europa. Aber natürlich auch, ich finde, die Lebensqualität ist anders in Paris. Das Essen ist einfach gut. Es gibt Cafés überall. Die Natur ist hier. Ich sitze hier, ich habe einen kleinen Garten hier. Ich schaue meinen Garten an. und.

Die Lebensqualität ist einfach anders hier in New York da sitzt man irgendwie, in Sant'Ambro, so ein Restaurant, was sehr schön ist aber Café überall die Feuerwehr fällt vorbei alles ist stressig aber, es ist halt einfach ein anderes Leben, es ist voller Energie und sehr international und auch so viele tolle Leute man wird immer inspiriert neue Fotos zu machen und für mich ist es, aber beides ist cool.

Ja, ja, ja. Schön, wenn man wirklich sagen kann, ich kann mich jetzt entscheiden und ich kann beides genießen. Ja, ja, ja, ja. Aber jetzt bin ich in Paris, ich vermisse nicht New York. Und wenn ich in New York bin, vermisse ich auch nicht Paris. Also ich liebe beides. Sehr schön, sehr schön. Und manchmal zu Besuch dann in Berlin.

Ja, genau. Und ich habe viele gute Freunde. Also ich bin immer noch befreundet mit Herbert Knaub. Wir machen auch kleine Ausstellungen zusammen. Wir hatten gerade eine Ausstellung in Mallorca. die er kuriert hat. Ich liebe auch Berlin, es ist auch eine tolle Stadt und es ist natürlich auch meine Heimat.

Und ich kann auch wieder Deutsch sprechen, weil ich weiß nicht, ob man das merkt, aber ich habe einen kleinen Akzent, weil Leute denken manchmal. Weil ich schon seit über 40 Jahren weg bin. Aus Deutschland. Okay. Haben Sie ein bestimmtes Museum, was Sie empfehlen würden? Also gar nicht unbedingt Berlin, sondern irgendwo auf der Welt, wo Sie sagen, das ist ein Ort, da würde ich jedem empfehlen, mal hinzugehen.

Ja, Berlin ist Fotografiska, ist toll. Also ich finde, das Gebäude ist wahnsinnig schön und immer tolle Fotoausstellungen. Ich habe da neulich gesehen Toilet Paper. Ich weiß nicht, ob Sie das gesehen haben. Nee, das habe ich noch nicht gesehen. Das war super, die Ausstellung. Das war vor einem Jahr oder so.

Und ich bin da hingegangen und dann habe ich ein paar Fotos gepostet. Und dann haben, kennen Sie Toilet Paper? Ja. Diese Zeitschrift, diese Künstler, ja, ja. Und die haben das dann gesehen auf meinem Instagram und haben gesagt, ah, ich hoffe, du hast eine schöne Zeit. Und jetzt machen wir einen Kalender zusammen, der jetzt Ende des Jahres rauskommt.

Ah, das ist das nächste Projekt sozusagen. Ja, ja. Das ist lustig, wie Sachen entstehen können. Heutzutage, das ist gut mit Social Media, dass solche Sachen einfach passieren. Und natürlich liebe ich den Louvre. Das ist natürlich toll. Und Palais Tokyo in Paris. Und London, National History Gallery. Wir haben jetzt eine Ausstellung, Edward Enningfuhl macht jetzt eine Ausstellung in London, im Tate, über die 90er Jahre.

Ah ja, das lohnt ganz bestimmt auch. Ja, auf jeden Fall. Da habe ich auch ein paar Bilder drinnen. Und in New York immer in das Guggenheim. Ja, das finde ich aber auch immer schön. Alleine auch durch die Architektur, natürlich. Und die neue Galerie in New York ist auch toll. Die Klimt und Egon Schilaben.

Okay, gut. Also da haben wir genug Tipps und da kann man genug tun. Und wir haben auch gehört, Sie haben neue Projekte. Also Sie hören nicht auf, Sie machen immer weiter. Ich mache immer weiter, weil es meine Leidenschaft und ich bin auch immer wieder inspiriert. Und schieße wahrscheinlich bis zum Ende.

Ja, sehr gut. Und wir haben ja gerade gesagt, das hilft ja auch. Also es gibt immer wieder neue Inspirationen, gibt immer wieder neue gute Laune. Warum sollte man aufhören? Das ist ja einfach verrückt. Weil es ist ja, wir sind ja Artisten, wir sind ja Künstler. Also es ist ja nicht so, dass wir jetzt einen Beruf machen, der jeden Tag um neun Uhr da sein muss, immer dasselbe machen muss.

Es ist ja wie spielen in einer gewissen Weise. Also deswegen hört man dann auch nicht auf und sagt nicht jetzt, nee, geht's in die Rente, ich bin jetzt kein Künstler mehr. Und ich habe auch so ein riesiges Archive. Ich habe tausende von Boxen, wo ich jetzt im Moment dran bin, die zu scannen und zu digitalisieren, dass es einfach ist, auch Zugriff zu haben für neue Bücher, für neue Ausstellungen.

Und es geht immer weiter. Ja, Sie brauchen ja auch ein Werkverzeichnis. Und das ist ja wahrscheinlich unendlich viel. auch die ganzen Bildwände, die Sie schon produziert haben. Ja, genau. Ich habe schon elf Bücher gemacht und habe jetzt auch neue im Planning. Was haben Sie im Plan? Was planen Sie an Buch? Ich habe jetzt ein Layout gemacht, für die Supermodels, die ich ja damals das Glück hatte, die zu fotografieren und die Leute immer noch super fasziniert sind davon.

Und dann habe ich eine Bilderstrecke gemacht in Las Vegas. Da gibt es ein Rockabilly-Festival. Das ist immer Anfang Mai. Alle Leute von aller Welt kommen und im Rockabilly-Style sind. Es gibt ganz viele Rock'n'Roll-Gruppen, es gibt einen großen Flurmarkt, man kann ganz viele Sachen kaufen, also Kleider in dem Stil und dann eine riesige Car-Show, also eine Autoshow mit allen möglichen unglaublichen Autos von den 20er Jahren, Gangster-Autos, 30er, 40er Autos, die sich in ein Flugzeug verwandeln. Also eine wahnsinnige Show.

Und da habe ich fotografiert, also mehr Reportage und auch mit meinen Bolesk-Freundinnen. Ich habe ja viele Freundinnen, die im Tanzbereich arbeiten und Bolesk. Und da habe ich auch dort fotografiert. Die kommen da alle hin und sehen alle unglaublich aus. Und jedes Mal, wenn ich wieder weggeflogen bin aus Las Vegas, gesagt, wieso ist die Welt plötzlich so langweilig?

Weil sich alles in einem Hotel abspielt und man ist dann für drei, vier Tage in dieser Welt und plötzlich ist man wieder draußen und denkt, wieso ist jetzt wieder alles so langweilig? Und da habe ich auch ein Buch gemacht und das ist auch gerade jetzt am Fertigwerden. Okay, wie wird das heißen? Viva Las Vegas. Okay, gut, damit auch alle Zuhörerinnen und Zuhörer Bescheid wissen.

Was hier bei Ihnen noch kommt und auf dem Markt ist. Gibt es einen Menschen. Den Sie gerne noch mal fotografieren würden? Ja, es gibt viele. Es gibt immer wieder neue Menschen, die mich faszinieren. Jetzt habe ich gerade gestern einen Film gesehen mit, die ich liebe, Odessa Sarriot. Ich weiß nicht, ob Sie die kennen. Nee, kenne ich nicht. Toll, also eine unglaubliche neue Schauspielerin, die auch eben Martin Supreme mitgespielt hat.

Und die wirklich am Kommen ist, die ein tolles, super aussieht, ganz eigenartig und eine wilde Persönlichkeit hat. Und ich bin wirklich obsessed und wir sind auch dran im Reden zusammen zu fotografieren. Also es ist wirklich jemand sehr Spezielles, der irgendwie rausragt durch die Energie und diese auch moderne Persönlichkeit.

Und ja. Also da machen Sie auch so ein bisschen Scouting im Sinne von, Sie sehen jemanden zum Beispiel im Kino oder auf der Straße und denken dann, oh, das ist eine Persönlichkeit, da würde ich jetzt gerne weiter mit dieser Frau wahrscheinlich häufig arbeiten. Ja, ja, ja. Weil man merkt auch die Leute, mit denen man gute Fotos machen wird.

Es gibt Leute, wo ich weiß, I don't know, das wird vielleicht nicht so klappen oder vielleicht ein bisschen langweilig sein. Aber natürlich habe ich meine Tricks. Ja, das merkt man. Deswegen sind Ihre Fotos ja so gut. Ich habe meine Tricks der Persönlichkeit aus Leuten rauszulocken, die vielleicht, wo man vielleicht nicht unbedingt denkt, dass da was Gutes rauskommen könnte.

Aber dann habe ich meine Magic-Tricks und das funktioniert ja auch meistens. Aber es gibt natürlich Leute, wo ich wirklich super Lust habe, die zu fotografieren, wie diese Schauspielerin. Die Tricks sind Magic. Raten Sie trotzdem ein? Nein. Nein, ein Zauberer verrät nicht seinen Trick. Das stimmt. Aber ich muss sagen, eines kann ich verraten, Musik ist immer gut.

Ich habe immer Musik auf meinen Shootings, das ist sehr wichtig, weil plötzlich alle locker werden und ein bisschen tanzen. Und oft gucke ich hinter mir, tanzen alle, weil ich oft Disco-Musik habe und dann sind auch die Leute gut gelaunt. Und ab und zu hilft auch ein Glas Champagner. Ja, das macht definitiv auch ein bisschen lockerer. Ja, auf jeden Fall.

Sehr, sehr gut. Ganz herzlichen Dank. Wir müssen leider zum Ende kommen. Die Zeit ist begrenzt, die Sie haben. Sie haben auch immer noch einen vollen Terminkalender. Ich stelle am Ende immer eine Frage und die heißt, wie wäre der Titel Ihrer Autobiografie? Und mich wundert, dass Sie überhaupt noch keine geschrieben haben, denn Ihr Leben ist so ereignisreich gewesen.

Manche Leute schreiben ja heutzutage schon mit 30 eine Autobiografie. Aber selbst wenn Sie keine schreiben, wie wäre der Titel? Was ist der Titel Ihres Lebens? Ich bin dabei, ich denke daran, eine zu schreiben. Okay, das finde ich gut. Immer vorwärts. Okay. Sehr gut, sehr gut. Das sage ich jetzt spontan, aber das...

Okay. Ja, aber das hört sich gut an. Es soll ja spontan sein. Ja, ja. Also häufig ist ja das, was als erstes einem einfällt, dann wirklich auch eine sehr gute Idee. Ja, ja. Ich bin auch immer... Ich meine, mein ganzes Leben lang habe ich immer gesehen wie ein Buch und ich drehe immer die Seiten um. Und ich drehe auch nicht oft zurück.

Also ich drehe immer was Neues. Und jetzt kann ich noch eine Sache sagen. Meine Tochter hat gerade ein Kind bekommen, ein Baby. Herzlichen Glückwunsch. Danke, danke, vielen Dank. Zwei Monate alt und das ist die neue Seite in meinem Leben. Ja, klar, natürlich, natürlich. Ach, wie herrlich. Da kann man sich wirklich freuen. Ja, ja, super. Vielen Dank.

Sehr, sehr gerne. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Gespräch genommen haben. Ich werde noch mal viel, viel intensiver mir Ihre Bilder angucken, weil ich heute so viel gelernt habe, wie die auch entstehen und mit welchem Spirit Sie da rangehen. Herzlichen Dank, Ellen von Unwirt. Schönen vielen Dank. Es war sehr nett, mit Ihnen zu reden.

Dankeschön. Einen schönen Tag noch. Die Boss. Macht ist weiblich.

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