eGovernment Podcast· Folge 271

Die deutsche EUDI Wallet

Samstag, 18. Juli 2026 · 58 min

MP3

Shownotes

Die deutsche EUDI Wallet soll ab dem 2. Januar 2027 allen Büger:innen zur Verfügung stehen.

Viele Mythen und Fragen ranken sich darum und genau aus diesem Grund habe ich eine Sendung mit Hagen Saxowski aufgenommen. Der kennt sich aus und beantwortet Fragen und räumt mit einigen Mythen auf.

Kommentare unter: egovernment-podcast.com/egov271-eudi-wallet-de

oder beim Amtsfunk amtsfunk.communex.app/group/12116

Linksammlung

• Offizielle Seite zur EUDI-Wallet – eudi-wallet.gov.de

• BMDS-Infos zur EUDI-Wallet – bmds.bund.de/themen/digitaler-staat/digitale-i…

• SPRIND-Infos zur EUDI-Wallet – sprind.org/taten/strategische-projekte/eudi-wa…

• SPRIND-Podcast zur EUDI-Wallet – sprind.org/worte/podcasts/97-new-episode

• EUDI WALLET PROTOTYPES – sprind.org/taten/challenges/eudi-wallet-protot…

• Hardware Sicherheits Modul – de.wikipedia.org/wiki/Hardware-Sicherheitsmodul

• BundID – de.wikipedia.org/wiki/BundID

• EUDI-Wallet – de.wikipedia.org/wiki/EUDI-Wallet

• NOOTS – de.wikipedia.org/wiki/NOOTS-Staatsvertrag

• XÖV – de.wikipedia.org/wiki/X%C3%96V

• Know your customer – de.wikipedia.org/wiki/Know_your_customer

Teilnehmer:innen

Moderator:in

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Torsten Frenzel

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Gast

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Hagen Saxowski

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Hagen Saxowski Ja, hallo und danke für die Einladung. Ja, sehr gern. Hier habe ich Zeit. Ich mache das auch gerne. Ich werde ja auch nicht hierbleiben, das ist schon geleakt. Also ich komme zurück, auch weit vor Livegang der Bullet. Ja, sehr gerne. Hagen Saksowski, gerade in Italien. Normalerweise lebe ich mit meiner Familie in Berlin.

Hagen Saxowski Ich glaube, ich bin eingeladen hier heute, weil ich auch Referatsleiter im BMDS bin, Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung. Und da verantwortet mein Referat die Themen EU-Bullet und unter anderem auch die Bund-ID. Und ich glaube, deswegen bin ich heute hier, ist meine ganz heiße Vermutung.

Hagen Saxowski Sehr schön. Genau, die European Digital Identity Wallet. Das ist eine Vorgabe der EU. So, das ist aber kein Compliance-Projekt. Das ist, glaube ich, nochmal wichtig, wenn man Vorgabe der EU hat. Aber bis zum 24.12.2026 soll jeder Mitgliedstaat in der EU eine sogenannte EUDI-Wallet anbieten. Und das ist eine digitale Brieftasche. Die kann folgendes, nämlich digitale Identität.

Hagen Saxowski Und dann kann die Nachweise ablegen, also was ist ein Nachweis? Ein Nachweis kann alles sein, also vom Führerschein bis zu einer Fahrkarte, bis Fitness-Club-Mitgliedschaft oder Rabattcodes, also alle Formen von Nachweisen. Qualifizierte elektronische Signatur, dann sogenannte Strong Customer Authorization, also Transaktionsfreigabe für Zahlungen zum Beispiel.

Hagen Saxowski Genau, und Wallet-zu-Wallet-Kommunikation, Pseudonymer-Login, das sind alles so die Funktionen, die die Wallet am Ende des Tages kann. Wie gesagt, 24.12.26, also europäische Infrastruktur in Deutschland, werden wir nicht am 24.12. live gehen, sondern am 2.1. Und das auch in einer ersten Ausbaustufe. Das heißt, alle Funktionalitäten, die ich gerade genannt habe, die wird die Wallet nicht aus dem Stand in Deutschland können, aber wir bauen die sukzessive auf.

Hagen Saxowski Genau, also jetzt müssen wir natürlich der Ehrenrettung sagen, auch die erste war jetzt nicht nur eine Vorschrift, sondern hat ja so ein bisschen auch geordnet, wie Vertrauensdienst und digitale Identitäten, innerhalb der EU miteinander kommunizieren. Das war vielleicht an der einen oder anderen Stelle noch ein bisschen sperrig.

Hagen Saxowski Diesmal soll das wirklich eine Infrastruktur aus einem Guss sein. Und ich glaube, das ist der große Sprung in der EIDAS-2, also in der Novellierung der EIDAS-Verordnung, dass hier wirklich ganz stark auf diese Interoperabilität gesetzt wird, dass man wirklich eine gemeinsame Infrastruktur baut und nutzt.

Hagen Saxowski Und ich glaube, das ist der Riesenschritt nach vorne. Also ja und nein. Das kommt ein bisschen darauf an. Also wir haben da ja auch wieder diese verschiedenen Vertrauensniveaus und wir müssen Vertrauensniveau hoch erreichen. Und das kommt darauf an, wie man auf die Wallet onboardet. Und in Deutschland ist das mit dem Online-Ausweis.

Hagen Saxowski Ich würde jetzt mal sagen, dass die Franzosen in Frankreich jetzt nicht unbedingt einen Onboarding-Mechanismus für vielleicht einen deutschen Staatsbürger irgendwie vorgesehen haben. Ich weiß es aber nicht, aber vom Grundsatz her, also du wirst nicht leer ausgehen. Spätestens als deutscher Mitbürger in Deutschland wirst du mit einem Online-Ausweis auf die deutsche Wallet kommen.

Hagen Saxowski Ja, also okay, du stellst ja die Frage, ich frage, warum das eines deiner Lieblingsprojekte ist. Okay, perfekt. Okay, also ja und nein. Also erstmal vielleicht das Nein. Also wir werden mit dem sogenannten Cloud-HSM arbeiten. Also wir nehmen eine gesicherte Umgebung in den Smartphones an sich und haben dann nochmal einen Schlüssel mit so einem Cloud-HSM.

Hagen Saxowski Also ein Hardware-Sicherheitsmodul in der Cloud. Und perspektivisch schauen wir natürlich schon darauf, wie wir dann auf die, Secure Enclave oder das Secure Element bei den Smartphones kommen. So, das ist aber ein Weg. Also, wer die Smart EID kennt, hätte man die Smart EID live genommen, hätten wir keine hohe Verbreitung erreicht, einfach weil viele mobile Endgeräte nicht auf diese Lösung ausgelegt sind.

Hagen Saxowski Und so, wir wollen ja jetzt mit der EU-Wallet eine sichere Lösung für viele Bürger schaffen. Und deswegen machen wir jetzt erstmal diesen Weg, aber wir, also das perspektivisch ist schon auch nochmal der Blick, weil es auch bestimmte Sicherheitsfeatures hat, wie man womöglich auch später mal im Verlauf in Smart EAD-Umgebung wechselt.

Hagen Saxowski Ich würde jetzt gar nicht mehr den Begriff Smart ARD so in den Mund nehmen, aber wie man die Sicherheit über ein Sicherheitselement in den Smartphones noch mehr erhöht, neben den Sicherheitselementen, die wir dann schon in Smartphones nutzen werden. Aber Verbreitung ist hier der Schlüssel. Sehr gut. Genau, okay. Also so einen Ring habe ich auch, Thorsten und auch schöne Grüße an Christian Carlo, der hat mir damals den Floh ins Ohr gesetzt. Genau.

Hagen Saxowski Also genau, man kennt sich, genau, ja, kenne ich. Ist ja auch insgesamt gut, aber du wirst mir recht geben, ist ein bisschen geeky, also Also ob das jetzt irgendwie 80 Prozent der Bevölkerung komplett mitnimmt, also so ein Smartring zu nutzen, ich glaube es nicht. Ja, gut formuliert. So würde es auch ehrlicherweise unterschreiben wollen.

Hagen Saxowski Das ist der Plan der EU. Und das ist auch Plan in Deutschland. Wir haben es ja jetzt auch, zum Beispiel wenn wir mal auf digitale Verwaltung gehen, das ist ja immer ein großes Thema bei dir im Podcast, haben wir jetzt auch mit dem IT-Planungsrat-Beschluss ja auch quasi ganz klar gesagt, die Wallet ist gesetzt.

Hagen Saxowski Also das wird der zukünftige Weg sein. Beides bleibt bestehen. Ich fange mal mit der EID an, also der Online-Ausweis. Der Online-Ausweis, der wird ein bisschen dann so ins Backend rücken. Also ich hatte es eingangs schon gesagt, wir haben den Riesenvorteil mit dem Online-Ausweis, dass wir schon was gelöst haben, was vielen Mitgliedstaaten schwerfällt, nämlich ein Onboarding der Bürger auf die Wallet auf einem sehr hohen Sicherheitsniveau, also nach diesem EID das Vertrauensniveau hoch.

Hagen Saxowski Das haben wir mit dem Online-Ausweis. Also wir wissen schon, wie der Bürger mit dem Online-Ausweis in die Wallet kommt. Also da beißen sich andere Mitgliedstaaten noch die Zähne aus. Da geht man dann im Regelfall womöglich dann irgendwie Polizeistation, Bürgeramt, muss dann eine Vor-Ort-Identifikation nochmal vornehmen und wird dann irgendwie auf die Wallet gelassen. So, den Punkt haben wir gelöst.

Hagen Saxowski Was man immer dazu sagen muss, die Verwendung der Wallet ist ja auch freiwillig. Also der Online-Ausweis bleibt auch bestehen als alternatives Identifikationsmittel in zum Beispiel Verwaltungsverfahren. So, bei der Bund-ID, da ist das ein bisschen anders gelagert. Also vom Grundsatz her, wenn wir jetzt schauen, was muss eine Kommune können.

Hagen Saxowski Wenn die Wallet kommt, also wo gibt es so eine sogenannte Akzeptanzpflicht, das gilt für Online-Verfahren, die schon bestehen oder die noch kommen, wo eine Identifikation stattfindet. So, und um diesen Weg zu vereinfachen, nutzen wir unter anderem auch die Bund-ID. Also wer die Bund-ID heute schon eingebunden hat, wird dann auch die Wallet unterstützen. Das ist, glaube ich, der große Effizienzhebel.

Hagen Saxowski Das ist jetzt erstmal für Identifizierung und Authentifizierung. Weil du kannst auch eine Wallet direkt anbinden oder über sogenannte Konnektoren verwenden. Also es gibt drei Wege, die wurden auch im IT-Planungsrat festgelegt. Wir wollen da gar keine Vorgabe machen. Das ist aber dann erstmal Identifikation. Also für Nachweise gibt es dann noch einen Weg zu gehen, aber das ist erstmal nicht aus dem Stand die Verpflichtung der Kommune, das zu unterstützen.

Hagen Saxowski Nee, das ist nicht nur ein Namensthema. Also wo anfangen? Das ist jetzt so ein bisschen persönliche Sicht. Also das OZG ist sehr kontenzentrisch gebaut. Es könnte mittel- und langfristig ein anderes Modell sein, was man mit einem Wallet-zentrischen Infrastruktur verfolgen würde. Also es gibt ja den Auftrag, die Bund-ID Richtung Deutschland-ID weiterzuentwickeln.

Hagen Saxowski Und da gibt es, glaube ich, auch ein relativ langes Lastenheft. Also wer sich mit der Bund-ID befasst, ich darf das glaube ich sagen, weil sie auch bei mir im Referat liegt, die hat viele Erfolge, hat aber auch ein paar Nachteile. Also die Usability wird ehrlicherweise oftmals kritisiert. Brauche ich jetzt, glaube ich, hier gar nicht sagen, ob das stimmt oder nicht stimmt, aber ich würde die Usability auf jeden Fall verbessern wollen.

Hagen Saxowski Es gibt auf jeden Fall perspektivischen Weiterentwicklungsbedarf. Wahrheit ist aber auch, dass man die Wallet und die Bund-ID, also die Bund-ID als solches, die nächsten Jahre noch sehen wird. Also das wird jetzt nicht aus dem Stand durch eine neue Lösung ersetzt werden. Aber Deutschland-ID ist ja der stehende Auftrag, die Bund-ID weiterzuentwickeln.

Hagen Saxowski Genau. Ich glaube, dass irgendwann auch die Bund-ID vielleicht erstmal für sich betrachtet in fünf oder mehr Jahren nicht mehr so visibel ist. Also, dass sie gar nicht mehr so stark als eigenständiges Produkt in Erscheinung tritt. Und wie gesagt, löst uns ein Riesenproblem, wie kommt man denn überhaupt in die Wolle rein auf dem hohen Vertrauensniveau.

Hagen Saxowski Andere Mitgliedstaaten haben das Privileg nicht, den Online-Ausweis schon zu haben. Wir haben den. Also wenn wir jetzt uns selber loben würden, dann würden wir sagen, jetzt haben wir schon vor über zehn Jahren diesen Schritt schon angelegt. Identifizieren, authentifizieren kannst du auf jeden Fall mit der Wallet.

Hagen Saxowski Genau, aber das ist noch nicht die Magie. Und daran wird effektiv wirklich gearbeitet. Das ist ein guter Punkt. Also das wurde ja jetzt auch nochmal bei den sogenannten Implementing Acts, also vielleicht mal ganz kurz, was sind die Implementing Acts? Also es gibt die Verordnung an sich, die in der EU was regelt und dann gibt es die sogenannten Implementing Acts, die es nochmal stärker spezifizieren für bestimmte Anwendungsfälle, teilweise auch technisch. Also das gilt dann zusammen mit der Verordnung für die Mitgliedstaaten.

Hagen Saxowski Und da wurde jetzt, glaube ich, noch nicht beschlossen, aber meine Prediction ist, wenn der Podcast rauskommt, kann ich mir vorstellen, ist es so beschlossen, dass auch das Lichtbild mit in die Wallet kommt. Also zumindest als sogenannte, also dass man wirklich Opt-in machen muss, also dass der Bürger sagt, ich möchte auch das Lichtbild ablegen, weil dafür gibt es auch echt berechtigte Anwendungsfälle.

Hagen Saxowski Und das wird nicht mit dem Start der Wolle zur Verfügung stehen, aber einen technischen Prototypen dafür wurde schon gebaut. Das gibt es schon. Wo brauche ich das zum Beispiel? Zum Beispiel, ein beliebtes Beispiel ist an einer Klubtür. Also wenn ich meinen Personalausweis hinhalte, dann sieht halt der Türsteher mein Foto, aber auch alle Angaben, die auf dem Ausweis sind.

Hagen Saxowski So, wenn ich das zukünftig mit einer Wallet machen kann, ist dann nur mein Bild und da steht dann Ü18 und womöglich noch, oder was heißt womöglich, noch ein QR-Code. Den QR-Code scannt dann der Türsteher ein und sieht, der Nachweis ist echt und ist aktiv. Das heißt, ich sehe dort dann weniger Daten, als wenn ich einen Ausweis vorlege.

Hagen Saxowski Und das ist ein Szenario, das quasi in der realen Welt ist. Das ist kein Online-Verfahren. Also das Lichtbild ist, glaube ich, schon auch nochmal ein Hebel für ganz viele Anwendungsfälle. Ja, also es ist ein technisches und eigentlich ein rechtliches Problem. Also das technische Problem ist, es gibt ja verschiedene Arten von Ständen des Online-Ausweises, also der Ausweise im Feld.

Hagen Saxowski Wir haben es aber für beide im Feldbefindlichen gelöst, dass man das Foto auslesen kann und in die Wallet übertragen könnte. Aber eigentlich war es ehrlicherweise eine regulatorische Frage, die gelöst werden musste. Einerseits kommt ja jetzt ein Implementing Act wahrscheinlich, der das erlaubt. Also dann hast du eine EU-Vorgabe, weil davor waren die Anwendungsfälle, wo du dieses Lichtbild nutzen darfst und auslesen darfst, auf einem ganz engen behördlichen Kontext begrenzt.

Hagen Saxowski Und das hat man ein Stück weit jetzt erweitert, einfach weil sich die Lebenslage irgendwie so angepasst hat in der Realität. Also das war eigentlich ehrlicherweise ein sehr stark rechtliches Problem, wo es aber jetzt auf EU-Ebene eine Lösung gibt. Ja, habe ich auch übrigens. Vielen Grüße an die Kollegen.

Hagen Saxowski Also dann brauche ich die App nicht mehr. Genau, jetzt muss ich bei der eKfz sagen, die kann ja sogar mehr als nur den Fahrzeugschein, dich an die AU zum Beispiel erinnern und noch so andere Sachen. So, genau. Also hat jetzt nochmal andere Funktionalitäten, die wir jetzt in eine Wallet nicht reinpacken wollten. Weil deine Frage wäre ja wahrscheinlich dann als nächstes gekommen, warum braucht man zwei Lösungen?

Hagen Saxowski Also wir sehen das additiv. Jetzt könntest du sagen, naja, muss er ja antworten. Es kommt ja aus dem Ministerium. Aber vom Grundsatz her, also wie gesagt, die eKfz-App hat nochmal andere Funktionalitäten, die würden wir einfach in so eine Wallet nicht als Feature irgendwie reinlegen. So, jetzt aber die berechtigte Frage, Also soll der Fahrzeugschein auch mal in der Wallet ablegbar sein? Ja, also ganz klar.

Hagen Saxowski Also Fahrzeugschein, Führerschein sollen in die deutsche Wallet. Ja, das ist so. Daran wird auch gearbeitet. Also beim MDL, also beim Mobile Driver License, beim Führerschein, arbeiten wir auch schon daran, dass der dann in die Wallet kommt. Okay. So tief bin ich da nicht drin, aber muss man ehrlicherweise sagen, diese sogenannten Akzeptanzstellen, also, wie wird das dann in der Praxis gelöst, das sind ja die Kernherausforderungen, die werden wir bei der ganzen Vielfalt der Bullet auch Stück für Stück lösen müssen. Also ich sage da auch Stück für Stück, weil...

Hagen Saxowski Ich glaube, das war irgendwie eingangs ja schon erwähnt, wie groß der Funktionsumfang der Wallet sein soll. Wir können dort alle möglichen Arten von Nachweisen einlegen. Das ist halt echt schon eine brutal komplexe Infrastruktur. Deswegen führen wir auch quasi stückweise in Deutschland ein. Also wir machen keine Big Bang Einführung.

Hagen Saxowski Ich wage jetzt auch einfach mal die Prognose, das werden fast alle Mitgliedstaaten so machen. Also ich bin gespannt, wer alles eine Feature-Completed-Wallet mit Akzeptanzstellen, die dann diese Wallet auch aus dem Stand überall akzeptieren, am 24.12.26 oder eine Woche später wirklich live nimmt. Also ich glaube, den Weg, den Deutschland geht, also eine sukzessive schrittweise Einführung, das ist das Modell, was der Großteil der Mitgliedstaaten verfolgt.

Hagen Saxowski Absolut. Absolut, ja. Also auf jeden Fall identifizieren, Authentifizierung, dadurch dann auch also pseudonymische Altersverifikation und bestimmte Nachweise sind auch drin. Verrate ich noch nicht. Also dazu muss man eins sagen. Ganz viele Nachweise werden halt eben nicht von staatlichen Stellen genutzt.

Hagen Saxowski Also das ist glaube ich auch nochmal ganz wichtig fürs Verständnis, die Wallet wird gar nicht so stark für die digitale Verwaltung gebaut, sondern der Großteil der Anwendungsfälle läuft im privatwirtschaftlichen Sektor. Also ganz viele Nachweise, die reinkommen oder auch dann hinterher ausgelesen werden, das wird ganz viel privatwirtschaftlicher Sektor sein und die kann man nicht einseitig irgendwie vergattern zum zweiten, ersten.

Hagen Saxowski Wir werden dann natürlich noch kommunizieren, wer dann mit aus dem Stand dabei ist, also wer da quasi so die Launch-Partner sind. Aber genau, Stand heute kann ich das hier aus dem Urlaub so noch nicht beantworten. Genau. Also so ist es jetzt erstmal festgelegt. Also wir haben erstmal einen Start mit einer nationalen Wallet, also die der Staat bereitgestellt hat.

Hagen Saxowski Wir haben jetzt schon darüber gesprochen, das ist eine sukzessive Einführung. Das heißt, wir bereiten auch ein Stück weit den Weg für private Anbieter, weil in Deutschland ist die Festlegung, wir öffnen das auch für private Anbieter. Die müssen sich dann aber auch zertifizieren lassen. Also nach unseren Regeln, das heißt, das ist da nicht irgendwie so Wildwest, sondern da geht man schon auch als sogenannter Wallet-Provider auch eine sehr hohe Verpflichtung ein.

Hagen Saxowski So, warum betone ich das? Weil das haben wir auch bewusst so entschieden, weil es dem Bürger ja in der Verwendung so viel so frei sein soll, ob er die Wallet nutzt oder nicht. Und dann gibt es aber auch Personen, die möchten womöglich keine staatliche Wallet nehmen, sondern möchten vielleicht lieber eine private Wallet nehmen.

Hagen Saxowski Das wollen wir gar nicht entscheiden müssen. Wir wollen einfach diesen Weg offen halten. Ich glaube auch, dass das jetzt mal rein für so ein Ökosystem, was ja auf Innovation ausgelegt sein soll, der richtige Weg ist. Weil das können wir uns, glaube ich, auch alle vorstellen. Wenn es weiterhin nur einen Browser geben würde fürs Internet, ich glaube, das Internet wäre anders gewachsen, als es uns heute jetzt irgendwie so entgegenblickt.

Hagen Saxowski Also auch da, warum nur ein Browser? Irgendwann gab es dann mehrere und ab dann fing die Innovation an. Und ein Stück weit wollen wir das mit den Wallets auch zulassen. Alles klar. Also es gibt ja eine bestimmte Form von Nachweisen. Da ist es relativ klar, wie zum Beispiel diese PIT, also die Personenidentifikations-Daten-Set.

Hagen Saxowski Also das wird ja aus dem Online-Ausweis quasi dann hergestellt, signiert und dann in die Wallet gelegt. Das macht bei uns die Bundesdruckerei so, die wird für die PIT zuständig sein. Dort ist es relativ klar. Teilweise haben wir Nachweise, die kommen aus den Registern. Also da werden wir über eine Notschnittstelle quasi den Nachweis in die Wallet bringen.

Hagen Saxowski Was wir versuchen werden, ist, dass man Nachweise womöglich in die Bund-ID bringt und von der Bund-ID in die Wallet dann quasi ablegt. So. Die Privatwirtschaft, die löst den Fall für sich selbst. Also die werden selber dann Issuer von Nachweisen sein. Die müssen aber dann natürlich auch mit signierten Daten arbeiten.

Hagen Saxowski Später wird das so sein, ja. Genau. Also du willst ja eine möglichst große Breite von Nachweisen haben. Das heißt, ich habe es ja eben gesagt, wie so eine Fitnessclub-Mitgliedschaft. Genau, also das ist so. Also am Ende des Tages sollen verschiedenste Formen von Nachweisen den Weg in die Wallet finden.

Hagen Saxowski Ja, genau. Ja. Nee, also da gibt es verschiedene Wege. Wir verproben das ja auch gerade zum Beispiel mit Dresden. Die ist ja die sogenannte Pilotkommune für bestimmte Nachweise. Die können dann einen Abruf über die Wallet machen. Also das findet dann den Weg quasi Punkt zu Punkt. Und wir verproben natürlich auch den Weg, ob man die Bund-ID ertichtigen kann, dass von dort aus dem Postfach der Bund-ID in die Wallet abgelegt wird.

Hagen Saxowski Nein. Also die Wallet, weil, das muss man auch nochmal sagen, das ist ja schon extrem großer Leistungsumfang. Und das muss dann hinterher irgendwann auch sicherheitstechnisch bewertet werden. Und umso mehr du da dransetzt, umso komplexer wird es. Also auch in der Sicherheitsbewertung. Und die Wallet wird kein eigenes Postfach haben.

Hagen Saxowski Das bleibt an anderen Lösungen vorbehalten. Das ist, glaube ich, nochmal ganz wichtig. Wir wollen das Feature-Set so belassen bei der Wallet, zumindest bei der national bereitgestellten, so wie es von der EU vorgesehen ist, weil darauf wird auch zertifiziert und die Sicherheitsüberprüfung gemacht. Also jetzt Entwicklung an sich jetzt nicht.

Hagen Saxowski Ja, genau. Also wie gesagt, wir haben jetzt erstmal vielleicht mal andersrum angefangen. Also was kommt denn auf eine Kommune zu, so am 2.1.27.? Also was nicht passiert ist, da stehen dann lauter Bürger am Tresen und halten Mitarbeitern quasi eine Wallet entgegen und sagen, das ist jetzt übrigens meine Identifikation.

Hagen Saxowski Okay, gut. Den kannst du ja dann für was anderes nutzen vielleicht. Genau. Aber erstmal die Verpflichtung für eine Kommune, das bezieht sich erstmal auf bestehende Online-Verfahren oder Online-Verfahren, die man gerade baut, wo eine Identifizierung und Authentifizierung stattfindet. Also alles das, was jetzt zum Beispiel bisher mit dem Online-Ausweis gelaufen ist, das muss dann auch mit der Wallet möglich sein.

Hagen Saxowski Also das ist erstmal die sogenannte Akzeptanzpflicht, die auf die Kommune zukommt. Also da will ich erstmal so ein bisschen vielleicht mal so, ich will nicht sagen, einbremsen, aber es gibt ja schon durchaus die Befürchtung der Kommune, oh Gott, also jetzt kommt da auf einmal noch so mal ein ganzer Batzen an Anforderungen und ich muss hier noch fünf weitere Funktionalitäten unterstützen.

Hagen Saxowski Das ist erstmal nicht der Fall. Also wie gesagt, Online-Verfahren, wo eine Identifizierung, Authentifizierung stattfindet. Das löse ich unter anderem teilweise auch, wenn ich eine Bund-ID habe mit der Bund-ID, weil die Bund-ID einfach um dieses Identifizierungs-Authentifizierungsmittel-Wallet ergänzt wird.

Hagen Saxowski Für die Identifizierung und Authentifizierung. Weil bei den Nachweisen wird es dann komplexer. Das ist jetzt erstmal nicht die Akzeptanzpflicht, aber natürlich kann das ein riesen Entlastungsinstrument sein, wenn ich maschinennäßbare Nachweise habe, wo ich auch Fehler minimiere. Wir haben auch zum Beispiel sowas wie Fischereischein, also wer angeln geht.

Hagen Saxowski Also will vielleicht diesen Schein auf der Wallet haben. Das löse ich dann nicht aus dem Stand mit der Bund-ID. Das löse ich vielleicht später, aber da gibt es dann andere Wege. Aber erstmal wichtig ist, glaube ich, Akzeptanzpflicht bezieht sich Identifizierung, Authentifizierung, Online-Verfahren. Das ist erstmal das, was die Kommune lösen muss.

Hagen Saxowski Wie wir einbinden, ist natürlich ganz stark und da auch dann ein Stück weit natürlich klassisch über IT-Planungsrat. Also für den Bund sind ja erstmal die Länder der Ansprechpartner. Da gab es jetzt ja auch im letzten IT-Planungsrat wichtige Beschlüsse. Was wir jetzt aber auch angegangen sind, ist mit den kommunalen Spitzeverbänden halt ein Regelformat aufzusetzen und mit denen zu sprechen, weil, das brauche ich dir nicht sagen, 80 Prozent der Bürgerverwaltung findet in den Kommunen statt.

Hagen Saxowski Das heißt, die Digitalisierung des Staates wird wahrscheinlich mit in den Kommunen entschieden und nicht unbedingt im BMDS in Etage 3, wo ich sitze. Der Bund? Also jetzt Spezifizierung, bevor jetzt alle loslaufen und dann die Bestellung aufgeben. Naja, also genau. Es gibt den Altiplanungsrat-Beschluss und da gilt das ja sogar nicht nur für die Wallet, sondern auch für andere Komponenten.

Hagen Saxowski Also ich will jetzt nicht zu sehr hier auf den Deutschland-Stack eingehen. Das machst du dann mal mit irgendwelchen anderen Sendungen. Aber der Altiplanungsrat hat sich ja auf fünf Basiskomponenten geeinigt. Eine Basiskomponente ist Identifizierung und da ist die Wallet. Und da hat sich der Bund verpflichtet, Wallet-Infrastruktur bezahlt der Bund.

Hagen Saxowski Das heißt aber auch, ist auch Teil des Beschlusses der Flächen-Rollout, also wie kriege ich dann die Lösung ins Land und die Kommunen. Das ist wiederum dann eine Zuständigkeit, bei den Ländern. So, jetzt eben hatten wir das Beispiel Bund-ID. Die Bund-ID ist auch vom Bund finanziert. Also das heißt, eine Kommune, die die Bund-ID nutzt, braucht ja weder die Wallet zu finanzieren, noch die Anbindung an die, also nicht die Anbindung, die Anbindung bezahlt so selber, aber die Bund-ID, auch die Bund-ID ist finanziert.

Hagen Saxowski So, was natürlich Anbindungskosten sind, ist bei der Kommune dann das Fachverfahren an die Bund-ID oder die Wallet direkt anzubinden. Das ist so. So, da gibt es jetzt erstmal keine Bundesfinanzierung. Genau, die Online-Dienste. Ja, genau. Naja, ich würde das, also erstmal, also so beruhigen müssen wir die gar nicht.

Hagen Saxowski Die sind, glaube ich, immer, also ich sehe die meistens schon immer sehr ruhig, aber auch die wissen schon ganz ehrlich, warum sie was wie fordern. Wie gesagt, ich will da Werbung für machen, dass man die Wallet als Ermöglichung sieht, also als Entlastungsmöglichkeit. Also die müssen ihre Fachverfahrenshersteller auch ein bisschen prügeln, dass die Fachverfahrenshersteller gucken, okay, da gibt es jetzt eine neue Infrastrukturkomponente, da gibt es eine Akzeptanzpflicht.

Hagen Saxowski Das wird auch ehrlicherweise ganz stark prägen, wie Verwaltung sich weiterentwickeln wird, weil nochmal, das ist ein europäisches Projekt, das heißt, es ist auch ein Stück weit Investitionssicherheit. Also diese Infrastruktur, die geht nicht weg. Also Fachverfahrenshersteller müssen sich dieser Realität stellen und müssen Transformationspartner für die Kommunen werden. Also das ist für mich auch ganz klar.

Hagen Saxowski Also das ist ein Job, den müssen alle leisten. Das ist schon eine Riesentransformation, die wir da jetzt anschieben. Wenn du das darfst. Sehr gut. Das verstehe ich ja auch. Ja, das verstehe ich auch. Wichtig ist aber erstmal, also wie gesagt, die Akzeptanzpflicht ist erstmal auf bestimmte Fälle eingegrenzt.

Hagen Saxowski Ja, und teilweise werden die eh schon unterstützt. Genau, das ist glaube ich die wichtige Message an der Stelle. Yes. Ja, aber man muss schon teilweise nachweisen. Also erst mal, also natürlich gibt es die Transportstandards, also JSON und also diese ISO-Spezifikation, das sind die Transportstandards für die Nachweise.

Hagen Saxowski Also wie, das ist glaube ich erstmal das Wichtige, weil jetzt zum Beispiel, wir bauen jetzt nicht ein neues XÖF, aber da sprichst du einen wichtigen Punkt an, was eine Herausforderung sein wird, das wird auch nicht über Nacht gelöst, ist natürlich, also ich sage mal, die semantische Interoperabilität europaweit, Also nochmal die Erinnerung, also kann ja auch ein französischer Nachweis kommen.

Hagen Saxowski Ja, genau. Bei einer deutschen Behörde. Und natürlich untereinander, aber das ist halt echt noch ein Riesenfeld. Aber das muss ich auch an der Stelle immer wieder betonen. Also das ist eine brutal große Infrastruktur, die muss wachsen. Also das wird auch mit 2.1.7.20, wenn wir live gehen, wir sagen intern schon immer, dann geht das Projekt einfach nur genau so weiter.

Hagen Saxowski Also kein Durchatmen, weil das wird uns auch noch die nächsten zwei, drei Jahre beschäftigen. Also da ist noch viel, da ist noch viel aufzubauen. Hast du, genau. Da haben wir jetzt quasi ein Abo. Ja, gut, das machen wir. Genau, ja, das ist ein wichtiger Punkt, also wie zum Beispiel die Freibadkarte. Also erstmal ist natürlich ein digitaler Nachweis, der in der Bullet liegt, was wir jetzt natürlich nicht den Leuten beibringen wollen, dass die einfach einem Screen vertrauen.

Hagen Saxowski Weil jetzt muss ich was lieben. Du sitzt ja vor einem schönen Hintergrund, da hast du mir eben gewascht. Der ist auch KI generiert. So könnte ich ja auch einfach Nachweise mir irgendwie lustig generieren und dann in meinem Smartphone anzeigen lassen. Also die Leute sollen ja nicht dem Screen vertrauen.

Hagen Saxowski Was wir noch parallel bauen, ist eine Verifikations-App, eine Checker-App. Die macht dann folgendes. Du zeigst mir die Freibadkarte und dort ist auch auf dem Smartphone QR-Code. Ich scanne das mit meinem Smartphone ein, mit der App und die macht dann im Hintergrund die Verifizierung, ob das ein gültiger, also ein aktiver Nachweis ist.

Hagen Saxowski Das heißt, was wir jetzt nicht mit dem 2.1.7.20 direkt zur Verfügung stehen haben werden, aber wir arbeiten daran, dass es möglichst zeitnah kommt, ist so eine Verifikationslösung, so eine Checker-App. Dass dann halt eben Freibadpersonal so eine Checker-App auf dem Handy haben kann, um dann halt den Nachweis zu verifizieren. Also dass das halt eben nicht passiert. Ich vertraue einfach nur irgendwie dem Bildschirm, der mir irgendwie ins Gesicht gehören wird.

Hagen Saxowski Du musst dich registrieren, dass du die nutzt. Das ist schon so. Du musst dann halt hinterlegen. Ich will auch bestimmte Nachweise auslösen, also du musst dich da wirklich dann identifizieren. Aber vom Grundsatz her ist das ein offenes Portal, wo du relativ niedrigschwellig reinkommst, weil wir halt eben wollen, dass so eine Verifikationslösung halt relativ schnell distributiert ist, weil das glaube ich vor Ort nochmal echt ein Riesenmehrwert sein kann.

Hagen Saxowski Also das ist glaube ich dann nochmal ein Hebel, um auch für Kommunen einen Mehrwert zu schaffen. Also du musst dich zumindest registrieren. Also es ist ein bisschen anders als beim Online-Ausweis. Aber du musst schon einen Grund angeben. Du musst dich quasi dann anmelden. Was ich immer als Wallet-Inhaber kann, ich sehe ja immer, mit wem ich die Daten teile, zu welchem Zweck und welchem Datenumfang.

Hagen Saxowski Und in der Wallet wird auch ein Button sein. Wenn das komisch ist, dann lehne ich halt einfach ab. Ich möchte es nicht zeigen und kann auch direkt reporten. Also das heißt, wir gehen den Weg darüber, dass halt der Bürger und die Bürgerin dann selber halt, wenn er ein mumiges Gefühl hat, dass der mit einem Klick quasi solche komischen Sachverhalte direkt melden kann.

Hagen Saxowski Naja, du musst ja vom Grundsatz her, vom Grundsatz her ja. Was wir allerdings auch gesehen haben, teilweise bei anderen Identifikationslösungen, die wir in Deutschland haben, dass es sogenannte Sammelzertifikate gab. Da kamen wir ehrlicherweise bei demselben Ergebnis raus. Ein Stück weit müssen wir es ein bisschen umdrehen und müssen sagen, eine Person muss sich halt registrieren, muss angeben, für welche Fälle sie das macht und wenn es dann darüber hinaus geht, dann kann der Bürger oder die Bürgerin es melden.

Hagen Saxowski Und ich kriege ja auch immer das Datenset angezeigt. Und wir bauen die Lösung ja auch immer so, dass wirklich nur die minimalen Daten geteilt werden, die für den jeweiligen Zweck erforderlich sind. So sind die Nachweise ja gebaut. Ja, es gibt aber nicht so ein, ich will jetzt nicht so stark, wie das Online-Ausweis rein, aber es gibt jetzt nicht nochmal so ein Organisationszertifikat und ein technisches Zertifikat, den Schritt gibt es nicht.

Hagen Saxowski Weil man ehrlicherweise sagen muss, wenn man sich mal dieses Zertifikatswesen anguckt, wie viel Versagung es gab, weiß ich nicht, ob da Aufwand und Nutzen ehrlicherweise so sinnvoll war. Genau, ja. Ja, genau. Also ich finde Ideen gut, wenn sie in der Praxis funktionieren, weil ansonsten ist es erstmal einfach nur eine Idee.

Hagen Saxowski In der Praxis hat es halt eben womöglich jetzt nicht so gegriffen, wie man sich das vorgestellt hat. Also Mitarbeiterausweise, ich darf nicht zu stark quasi teilweise reingehen. Also wir haben ja die sogenannte Sandbox-Umgebung, wo schon Anwendungsfälle vertestet werden mit Organisationen, sowohl Unternehmen als auch Hochschulen als auch Verwaltung.

Hagen Saxowski Und ein Thema ist da auf jeden Fall auch der Mitarbeiterausweis. Also ich bin natürlich glücklich, wenn mein Ausweis, also den ich als Beamter habe, mein BMDS-Hausausweis, wenn der dann irgendwann auch in der Wallet ist, oder auch der Hausausweis des Bundestages. Aber solche Sachen, klar, die sollen auch irgendwann als Nachweis in der Wallet.

Hagen Saxowski Ja, okay, gut. Dann bist du ja informiert. Also ja, wir hatten zwei Phasen in dieser Sandbox. Die erste Phase war alles, was Identifizierung und Authentifizierung betrifft. Ich glaube, die Sandbox ist operativ gegangen. Anfang dieses Jahres. Und jetzt im April sind wir nochmal um Nachweise quasi erweitert worden. Also auch Nachweise werden schon vertestet.

Hagen Saxowski Und also wir kommen teilweise, also das muss man echt sagen, was die Sandbox uns gebracht hat als Programm oder Projekt ist eigentlich folgendes. Diese ganzen Anwendungsfälle, die es gibt, also die Kombination der Identität mit bestimmten Nachweisen, das hätten wir uns up front gar nicht überlegen können.

Hagen Saxowski Also das müssen wirklich die Partner reinbringen in dieses Ökosystem, die viel näher an dem Kunden oder an der Bürgerin sind. Das heißt, es sind da auch Anwendungsfälle entstanden, die hatten wir ehrlicherweise so nicht auf dem Schirm. Aber wir haben echt alle möglichen Fällen, also ganz platt, ich meine, das ist natürlich wichtig, aber schon bekannt.

Hagen Saxowski Also alles, was nur your customer ist, also Kontoeröffnung, zweifelsfreie Identifikation ist sowas. Aber wir haben dort auch zum Beispiel wirklich sowas wie Rabattsystem. Also du kannst irgendwie einen Nachweis bekommen und hast dann im Online-Shop irgendwie 14% Nachlass. So und kannst das direkt im Online-Checkout als Nachweis aus der Wallet heraus quasi in diesen Checkout-Prozess einspielen.

Hagen Saxowski Was wir auch haben, ist Altersverifikation. Also das ist halt echt ein Riesenthema, weil das ist ja ganz oft auch regulierter Bereich. Also da drehen sich auch ganz viele Use Cases rum. Also ich glaube, das Positive, was wir in der Sandbox-Umgebung sehen, ist, dass es halt echt ein extrem breites Feld an Anwendungsfällen gibt.

Hagen Saxowski Deswegen bin ich da auch echt sehr zuversichtlich, dass wir da ab Live-Gang schon extrem gute Anwendungsfälle haben werden und dass so ein Ökosystem dann auch wirklich schnell wächst. Ja, also genau, das habe ich gesehen. Die Sparkassen haben das schon gebaut als Lösung. Das funktioniert. Das ist dann so Tap-to-Pay und Tap-to-Age-Verification.

Hagen Saxowski Also ein Tap, du machst, wie du es beschrieben hast, halt ist wirklich ein Einrutsch und, Und das hört sich vielleicht irgendwie so für Hörerinnen und Hörer irgendwie so wie ein komischer Use Case an, aber für einen Einzelhandel ist das echt ein riesenrelevantes Thema. Also die können das echt beziffern, was das für einen merkantilen Mehrwert hat, auch irgendwie für die Nutzererfahrung, wenn ich halt eben nicht wegen der einen Flaschen Bier irgendwie jetzt warten muss, bis dann meine Altersbestätigung gelaufen ist.

Hagen Saxowski Also mich nervt das schon, ganz ehrlich. Also bei mir, ich muss ja nicht mehr jetzt den Ausweis rausholen. Also bei mir ist so reine Augenscheinnahme schon relativ klar, dass ich über 18 bin. Aber es gibt ja auch viele Personen, das ist nicht so eindeutig. Die fummeln dann erstmal den Ausweis raus. Den Fall hatte ich ja vor Augen. Dann wartest du da erstmal, also bis eine Kassiererin oder Kassierer kommt.

Hagen Saxowski Absolut, ja. Ja, also Mobilität haben wir auch relativ viele Use-Case in der Sandbox. Also da ist es genauso. Also da gibt es immer ganz viele. Und wie du es beschrieben hast, das ist ja nämlich wirklich das Tolle in der... In der Wallet ist wirklich die Use Cases, die entstehen durch eine Kombination der Identität mit verschiedensten Nachweisen und Nachweisen untereinander.

Hagen Saxowski Das ist ehrlicherweise, es gibt ein riesiges Spielfeld frei, was man wirklich bauen kann, was auch wirklich dann hinterher für Bürgerinnen und Bürger eine extrem positive Nutzenderfahrung ist, weil es einfach viel mehr convenient ist, aber ich weiß, dass es sicher ist. So, das ist ja, also die Wallet lebt ja davon, dass wir am Ende des Tages eine Lösung bauen, denen die Leute vertrauen, die halt echt zu Rocksolid sicher ist.

Hagen Saxowski Du musst dich registrieren, ne? Also du musst dich registrieren als Autovermietung und dass du bestimmte Feldern von Nachweisen auslesen willst. Das schon, ne? Genau. Nee, also du musst dich bei so einem zentralen Portal registrieren. So, da wirst du hinterlegt. Und das ist dann halt nicht über Zertifikate, sondern, wie gesagt, der umgedrehte Weg.

Hagen Saxowski Also du bist halt ganz eindeutig mit deiner LegalPIT, also LegalPIT bist du hinterlegt, mit den Anwendungs-, mit dem, was du an Nachweisen auslesen willst. Und wenn wir jetzt sehen oder wenn der Bürger merkt, naja, da passt irgendwie was nicht, dann kann er dich halt melden. Und das führt dann bis hin zu, du wirst aus dem System rausgenommen.

Hagen Saxowski Ja, genau. Ja, genau, so gehen wir das auch mal nicht mal. Ich habe ganz tolle Business-Ideen, aber die Polizei steht im Weg, ja. Ja, wir mussten gerade in der Anfangsphase auch den Zugang in die Sandbox echt ein bisschen limitieren. Also wir hatten mehr Nachfrage, als wir raufgelassen haben, weil das ja auch ein System ist, was wir erstmal stabil aufbauen mussten.

Hagen Saxowski Aber das ist auch ehrlicherweise ein positives Signal. Also die Nachfrage, in die Sandbox zu kommen, die ist schon auch echt groß und da. Das ist, glaube ich, auch mal ganz positiv. Also hauptsächlich europäisch, aber ja, auch amerikanische Unternehmen. Also wir wissen auch, bestimmte Zahlungsdienstleister, die schauen sich die Wallet-Infrastruktur auch an.

Hagen Saxowski Aber ganz ehrlich, ich sehe ja irgendwie Europa als Hub und nicht als Fortress. Ja, also solange sich Unternehmen quasi auch den europäischen Regelungen unterwerfen, muss es ja auch ein offenes System sein. Das ist aber ehrlicherweise der ganz große Hebel, den die AI das hat. Also wer hier in diese Infrastruktur kommt, der macht das nach europäischen Werten, nach europäischer Gesetzgebung. Das ist, glaube ich, der ganz große Hebel, den so eine Infrastruktur hat.

Hagen Saxowski Weil das muss man ja auch immer sagen, die Frage ist es ja nicht, gibt es eine Digitale Identität, sondern wer gibt die heraus und wer beherrscht diese? Mit der EUDI Wallet ist es halt ganz klar, das soll eine europäische Lösung nach europäischen Werten, nach europäischen Regeln sein. Aber natürlich sind es auch amerikanische Unternehmen, die im Wallet-Ökosystem arbeiten wollen.

Hagen Saxowski Wir hatten ja sogar ein Hackerson bei der Audion, im Vorfeld der Audion, also der Wallet-Konferenz, die jetzt war, da hatten wir sogar ein Hackerson. Und da gab es auch echt spannende Sachen, also wie zum Beispiel, warum nimmt man die EIDAS nicht als Baseline, um quasi Mandate an agentische KI zu geben.

Hagen Saxowski Also das muss man ehrlicherweise sagen, ich glaube, wenn wir ein paar Jahre weiter sind mit der EIDAS und diese europäische Infrastruktur steht, dann wird man sich noch wundern, was alles auf diesen Rahmen echt alles aufsetzen kann. Also weil das wurde selbst von großen amerikanischen Plattformunternehmen oder asiatischen Anbietern noch nicht geschafft, also was die EIDA schaffen könnte.

Hagen Saxowski Also ich bin immer vorsichtig, so Begriffe wie Leapfrog in den Mund zu nehmen, aber ich glaube echt in der EIDA steckt echt brutal Potenzial. Ja, genau. Ja, also ich kann es jetzt nicht aus dem Stand der Bestand beantworten. Ich weiß aber, dass das ein Thema ist. Also ein Stück weit wird das ja gelöst, dass die Nachweise teilweise ja dann einfach expiren und du ja quasi es auf deinem Smartphone primär hast und du es ja mit deinem eigenen persönlichen Faktor freigeben musst.

Hagen Saxowski Das heißt, es passiert jetzt schon mal nicht, dass es einer dir irgendwie außer Hand reißt und kann dann irgendwie deine Nachweise verwenden. Zumindest kann der Gebrauch ein Stück weit eingegrenzt werden. Darüber hinaus, das kann ich dir jetzt aus dem Stand gar nicht beantworten. Das ist aber ein dickes Brett.

Hagen Saxowski Das weiß ich. Ich glaube, das ist bei Identitäten immer ein Riesenthema und Nachweisen. Das wäre ja bei der Wallet anders. Also da müsstest du ja Besitzfaktor haben und Wissensfaktor. Ja, genau. Ja, also wir nennen das Rollout-Kommunikation, weil es mehrere Facetten hat. Also einmal Bürgerinformation und dann auch noch Kampagne.

Hagen Saxowski Also du hast ja jetzt sehr stark auf Kampagne angesprochen. so und ja, also alle fordern immer primär eine Kampagne und nicht ein Rollout-Konzept, so, genau, so, das bringt aber ehrlicherweise nichts, wenn wir das vor einem halben Jahr gestartet hätten oder heute starten, weil das ist zu weit weg vom Live-Gang, also, wir wollen das entlang von wirklich Anwendungsfällen machen was ja auch noch passieren wird ist die EUDI-Wallet wird in Deutschland nicht EUDI-Wallet heißen, die wird ein Eigenname haben Kannst du schon was sagen?

Hagen Saxowski Leider nein. Nein, weil wir müssen es auch markenrechtlich sichern und wir wollen nicht, dass jetzt andere jetzt schnell was anmelden. Aber wir haben ein eigenes Design, wir haben eine Wortbildmarke und das wird dann auch Gegenstand zu einer Kampagne sein. Also die Bürger sollen natürlich unmittelbar dann auch eine Information haben, okay, das ist die deutsche Wallet, weil am Anfang haben wir ja nur die nationale Lösung.

Hagen Saxowski So, das soll dann auch passieren, wenn für den Bürger dann die Anwendungsfälle auch da sind. So, und wir verschränken das auch, weil die Frage kommt auch, weil du ja im Onlineausweisumfeld unterwegs bist, mit wieder dem PIN-Rücksetz-Brief, der ja auch wieder kommen wird, ja, zumindest zeitlich befristet, ja, weil der kostet nämlich ordentlich Geld.

Hagen Saxowski Das ist ja nicht nur ein Brief, da könnte man eigenen Podcasts drüber machen, aber wir wollen das natürlich auch verschränken, dass die Leute dann ihren Online-Ausweis und die PIN haben. Also das heißt, wenn die Kampagne kommt, dass die Leute draufgehen auf die Wallet und dass die die aktivieren und nutzen können, dass wir die Anwendungsfälle haben.

Hagen Saxowski Das ist das alles. Dann müssen wir natürlich noch Bürgerämter informieren und Kommunen. Das ist nochmal alles Information. Dann auch Bürgerinformation nochmal losgelöst von der Kampagne, nämlich ist das Ding sicher und ist es vertrauensselig. Und das ist nicht unbedingt der Kampagnenteil, das ist nochmal eine andere Art der Informationen, weil was wir auch wissen, das hast du in der Schweiz gesehen, das hast du in UK gesehen, zumindest gibt es so einen CSU-Punkt, glaube ich, so nach Corona gibt es auch immer einen gewissen Teil der Bevölkerung, die bei dem Thema digitale Identität ganz stark so Befürchtungen haben, dass es ein Überwachungsinstrument sein könnte.

Hagen Saxowski Wir machen uns da auch keine Illusionen. Auch eine bestimmte Art der Berichterstattung wird wahrscheinlich in diese Richtung versuchen zu gehen. Wird auch bestimmte politische Strömungen geben, die versuchen oder die meinen, dass es ein Überwachungsinstrument ist. Das ist ehrlicherweise das komplette Gegenteil davon.

Hagen Saxowski Aber auch das muss natürlich nochmal eine eigene Art von Kommunikation sein. Also dass man ganz klar zeigt, das ist datensparsam, das ist sicher, das ist europäisch. Es ist halt eben nicht irgendwas, was dann bei großen Cloud-Anbietern irgendwie in die Hände fällt. Also es sind ganz viele Facetten, aber deine wichtige, deine 5 ist Trump-Kampagne oder wie du die dann designt hast, ja, die ist geplant. Aber da muss die Wallet schon mit den Use Cases aktiv sein.

Hagen Saxowski Ich glaube, das ist jetzt komisch, wenn ich sage, wird clean deutsch, oder? Also jetzt wird ja jeder sagen, wird cool. Aber ich meine, du kannst dir mal das Look and Feel bisher des gesamten Programms angucken. Ich glaube, wir waren jetzt schon nicht so schlecht unterwegs. Also wir sind da, glaube ich, schon kompetitiv auch mit anderen Anbietern.

Hagen Saxowski Also bisher treffen wir da, glaube ich, eine gute Design- und Kommunikationssprache. Und so soll das auch angelehnt sein. Also das ist auch ein ganz wichtiger Punkt. Also das Vertrauen in die Lösung wird auch gespeist darüber, dass es eine gute Usability ist und dass es halt echt einfach mit bestehenden Lösungen absolut kompetitiv wirkt. Also das muss ein geiles Design sein.

Hagen Saxowski Sonst vertrauen Bürger heute so einer Lösung nicht mehr. Also das ist so. Also das Vertrauen des Bürgers wird am Smartphone gewonnen. Also das muss gut aussehen. Also genau, deutsche Verwaltung liebte Akronyme, Elster, Ente, Elefant, also so viel kann ich schon mal liegen. Also es wird kein Tiername sein.

Hagen Saxowski Ja, genau. Also irgendwie so griechische Mythologie oder Tiere ist es aber beides nicht. Also diesmal kein Herkules, kein Elefant. Genau, also du hast es gesagt, es ist glaube ich auch relativ viel zu Wallet dokumentiert. Wir haben ja echt seit Tag 1 echt auch den ganzen Prozess transparent gemacht. Also ganz viel liegt bei uns Open Code, also der Architekturprozess, auch die ganzen Formate, die wir gefahren sind, um halt diese Konsultation zu haben. Also von Zivilgesellschaft, von Wirtschaft, Wissenschaft.

Hagen Saxowski Auch das ist alles bei OpenCode abrufbar. Was mir nochmal wichtig ist, weil ich ja immer von Infrastruktur spreche. Also wir bauen ja auch wirklich, weil es europäische Infrastruktur ist, wir bauen ja echt nach Open Source Grundsätzen. Also auch die Wallet selber wird später dann Open Source veröffentlicht werden, auch bei OpenCode.

Hagen Saxowski Und das ist, glaube ich, auch wichtig, weil wir selber a Code-Contribution machen wollen, aber natürlich auch immer Mitarbeit dann, also wollen. Was jetzt, glaube ich, schon auch ein großer Erfolg ist, ist, dass ja Rumänien gesagt hat, dass die die nationale Wallet übernehmen werden. Das geht halt, weil wir Open Source entwickelt haben, weil wir immer vorhatten, Lösungen, die bei uns gut sind, sollen andere gerne nutzen, im Sinne halt einer europäischen Infrastruktur.

Hagen Saxowski Und das ist, glaube ich, auch nochmal ganz wichtig bei der Wallets, aber auch gerade, wie wir es in Deutschland aufgesetzt haben. Wir machen das halt nach Open-Source-Grundsätzen, weil ich glaube, so eine Art von Basis-Infrastruktur musst du so auch bauen und betreiben. Also es gibt ein paar sicherheitskritische Ausnahmen, aber vom Grundsatz her, auch mehr als jetzt bei der EU. Bei der EU ist es eh gefordert auf die App-Lösung an sich.

Hagen Saxowski Wir setzen mehr Open-Source. Es gibt ein paar Ausnahmen, wo halt sicherheitskritische Bedenkungen entgegenstehen, aber vom Grundsatz her haben wir nicht proprietär gebaut. Also wir wollen ja auch keinen harten Vendor-Login, sondern bestehende Komponenten womöglich auch irgendwer entweder doppelt vergeben oder austauschen, weil wir auch relativ viel Leistung am Markt ausschreiben.

Hagen Saxowski Also es ist ja eine modulare Infrastruktur und bestimmte Teile werden einfach auch am Markt ausgeschrieben. Ja, genau. Ja, das stimmt. Ein andermal. Dieses Jahr war ich jetzt schon mit Italien verplant. Vielen Dank dir. Okay, gut.

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