
eGovernment Podcast· Folge 269
Status "Souveräne und digitale Verwaltung" in Bayern, Deutschland und ein bisschen Europa
Samstag, 25. Juli 2026 · 27 min
Kapitelklicken springt direkt hin
Shownotes
Ich war eingeladen zum Nürnberg Digital Festival und durfte bei der IHK Nürnberg für Mittelfranken einen Vortrag zum Thema Status “Souveräne und digitale Verwaltung” in Bayern, Deutschland und ein bisschen Europa halten.
Ihr hört auch Fragen aus dem Publikum, daher hat die Aufnahme an manchen Stellen nicht die übliche Qualität.
Kommentare unter: egovernment-podcast.com/egov269-digitale-souve…
oder beim Amtsfunk amtsfunk.communex.app/group/12116
Linksammlung
Zielarchitektur Postfach- und Kommunikationslösungen (ZaPuK)
gitlab.opencode.de/it-planungsrat/fit-ab/zapuk
PLAIN – Plattform Analysis and Information System
Deutschland Stack (dStack)
technologie.deutschland-stack.gov.de (Landschaft)
KERN-UX
OpenCode
Servicestandard
FIT-Connect
ELSTER
bundID
EUDI-Wallet
SPARK
bmds.bund.de/themen/kuenstliche-intelligenz/ki…
OpenDesk
NOOTS
OSI-Modell
de.wikipedia.org/wiki/OSI-Modell
X-Road Schleswig Holstein
OSCI
itzbund.de/DE/itloesungen/standardloesungen/os…
governikus.de/service/osci-bibliothek
governikus.de/produkte/com-vibilia
DVDV
docs.fitko.de/dvdv/allgemeines
ZenDiS
Fitko
Digitale Dachmarke
XÖV
de.wikipedia.org/wiki/X%C3%96V
FIM
BundesMessenger
Wenn ihr uns und unsere Arbeit unterstützen möchtet, dann könnt ihr das gern durch einen Einkauf im Shop (egovernment-podcast.com/shop)
Weitere Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten findet ihr hier (egovernment-podcast.com/unterstuetzung). (jetzt auch ohne Abhängigkeiten von außereuropäischen Großkonzernen möglich)
Sticker gibt es hier (egovernment-podcast.com/sticker-bestellen).
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Torsten Frenzel Hallo und herzlich willkommen beim e-Government-Podcast. Ich bin Thorsten Frenzel und ich war mal wieder unterwegs. Und zwar war ich beim Nürnberg Digital Festival und ich war eingeladen von der IHK zu deren IT-Souveränitäts- und Open-Source-Tag 2. Und das war bei denen in der IHK die Geschäftsstelle Nürnberg für Mittelfranken.
Torsten Frenzel Und dort durfte ich einen Vortrag halten über digitale Souveränität in der öffentlichen Verwaltung. Und vor allen Dingen durfte ich einen Vortrag halten über das, was es schon gibt in der öffentlichen Verwaltung an digitaler Souveränität. Und ich habe bemerkt, dass im Publikum doch einige sehr überrascht darüber waren, was tatsächlich schon möglich ist und was schon funktioniert.
Torsten Frenzel Ich wünsche euch viel Spaß beim Anhören. Ich muss euch leider ein bisschen vorwarnen. Es könnte die Audioqualität etwas anders sein, als ihr es gewohnt seid. Aber ich gebe mir Mühe, dass das so ankommt, dass es immer noch gut hörbar ist. Also ich wünsche euch viel Spaß und bis zum nächsten Mal. Ja, erstmal vielen Dank Ich war gerade versucht die ganze Zeit zu sagen Geduld, Geduld Ich werde gleich aufklären Deswegen war es sehr gut, dass dieser Vortrag gerade war, Vielen Dank, vielen Dank Auch Per hat schon, der ist auch schon weg Hat auch schon den Weg bereitet Ich werde jetzt viel, aufklären Und vor allen Dingen Wird der eine oder andere Erstaunt sein, was es tatsächlich schon gibt In Deutschland, weil so schlecht sieht es gar
Torsten Frenzel nicht aus aus? Man sieht's nur noch nicht. Ich bin Torsten Frenz, ich bin gerade schon vorgestellt worden, ich bin Podcaster, ich war heute mit meinem Chef da, ich mache ja auch noch einen richtigen Job und der ist aber schon gegangen. Ich arbeite in einem Behörden-Startup, wir rollen so Dinge aus, Online-Dienste, Fachverfahren und ich bin aber heute hier ganz explizit als Podcaster, weil da kann ich ein bisschen mehr in die Tiefe gehen.
Torsten Frenzel Ich will erstmal ganz kurz auf die Schichten der Abhängigkeiten eingehen, also nachdem das heute schon mehrmals Thema war, wirklich nur kurz. Dann auch mal ganz kurz aufklären, was denn die Verwaltung überhaupt benutzt, vor allen Dingen an Software, welche Lösungen es schon gibt und dann will ich einfach noch ein paar Ausblicke geben und ein Fazit ziehen.
Torsten Frenzel Ich orientiere mich hier so ganz grob am OSI-Modell. Das OSI-Modell, ich weiß, das hat sieben Schichten, manche behaupten auch zehn. Ich habe es stark vereinfacht und habe jetzt hier vier draus gemacht und das Thema Hardware lassen wir komplett raus, weil da ist es mit der Souveränität in Deutschland, wenn wir da reinleuchten, wird es ein bisschen schwieriger als bei Software.
Torsten Frenzel Ich gehe auf den Betrieb ein, Kommunikation, Datenübertragung und Anwendung. Das sind im Wesentlichen die Schichten, die man auch sehen kann und manche von uns auch anfassen können. Und ich fange jetzt einfach mal an, was die Verwaltung überhaupt alles einsetzt und benutzt. Ich habe jetzt hier nur einen Auszug geschrieben, weil schlichtweg benutzt die Verwaltung im Betrieb alles.
Torsten Frenzel Alles, was man sich so vorstellen kann, wird benutzt und auch das Thema Cloud ist in der Verwaltung nicht unbekannt. Das hat nur einen anderen Namen, das hieß Outsourcing. Und ist im Prinzip genau das gleiche wie Cloud. Es werden Linux-Systeme verwendet, Windows-Systeme, Datenbanken, glaube ich, alles, was es auf der Welt so gibt.
Torsten Frenzel Cloud-Systeme werden verwendet, die es auf der Welt alle so gibt. Und was noch dazu kommt, was eine Besonderheit ist gegenüber den Unternehmen, es gibt zentrale Register und auch zentrale Systeme, die staatlich zur Verfügung gestellt werden, die natürlich hier auch genutzt werden. Manche unter Zwang, manche tatsächlich auch freiwillig. Bei der Datenübertragung sieht es schon ein bisschen koordinierter aus. Es gibt verschiedene Netze.
Torsten Frenzel Es gibt Bundesnetze, Landesnetze und es gibt auch Kommunalnetze. Es gibt das Netz des Bundes. Hier in Bayern gibt es das Bayerische Behördennetz. Und es gibt auch ein paar Kommunalnetze, die meistens von Landratsämtern so aufgebaut werden. Es gibt VPN, das wird benutzt. Letztendlich die Netze sind im Prinzip auch nichts anderes.
Torsten Frenzel Es gibt diverse Mittelware, die benutzt werden, um diese Netze miteinander zu verbinden und die Daten von einem Netz ins nächste Netz zu schieben. Und es gibt staatliche Datenübertragungsstandards und Datenübertragungsdienste. OSCI, XTA, FitConnect. Wahrscheinlich hat das noch niemand hier im Haus gehört. Sebastian hat das klar.
Torsten Frenzel Aber von den anderen wahrscheinlich nicht. Aber das sind Lösungen, die auch von Unternehmen genutzt werden können. Ich kann mir dann gleich später nochmal drauf zu sprechen. Welche Anwendungen werden denn in der Verwaltung aktuell verwendet, wird auch niemanden überraschen. Alles. Es gibt diverse Fachverfahren, das sind die Spezialanwendungen für die öffentliche Verwaltung, wo man zum Beispiel ein Einwohnerwesen hat, ein Kfz-Meldewesen, ein Führerscheinwesen.
Torsten Frenzel Da gibt es verschiedene Fachsoftware für, die auch von verschiedenen Fachverfahrensherstellern programmiert werden. So als Faustformel sagt man immer, pro Fachverfahren gibt es ungefähr fünf verschiedene Hersteller, die teilweise nicht miteinander kompatibel sind. MS Office wird natürlich verwendet, vollkommen klar. Outlook, Atlassian wird auch immer beliebter.
Torsten Frenzel Und auch bei KI-Anwendungen wird kein Verwundern, es wird alles verwendet, was so gibt. Außer bei denen, wo es schon KI-Richtlinien gibt. Jetzt habe ich erst mal erzählt, was alles so verwendet wird. Jetzt haben wir aber auch Lösungen dafür, wie wir souveräner werden. Und zwar fangen wir hier auch wieder an mit Betrieb und Architektur.
Torsten Frenzel Für jemanden, der nicht aus der Branche kommt, sind hier tatsächlich Begriffe drauf, die man noch nie im Leben gehört hat. Der Deutschland-Stack. Vorhin haben wir was vom EU-Stack gehört oder vom Euro-Stack gehört. Der Deutschland-Stack ist speziell für deutsche Softwarehersteller, gerade in der öffentlichen Verwaltung gedacht. Ich mache nachher noch einen kleinen Exkurs dazu und gehe ein bisschen tiefer drauf ein.
Torsten Frenzel Dann gibt es die deutsche Verwaltungs-Cloud. Die deutsche Verwaltungs-Cloud ist nicht eine Cloud im klassischen Sinn. Die deutsche Verwaltungs-Cloud ist eher ein Zusammenschluss, von verschiedenen Software-as-a-Service-Anbietern aus der öffentlichen Verwaltung, die ihre Leistungen hier in einem großen gesammelten Store anbieten, wo dann verschiedene, Behörden sich diese Leistungen da einkaufen können.
Torsten Frenzel Dann gibt es Plane, das ist relativ neu. Das ist eine Betriebsinfrastruktur, die ist auch Open Source. Übrigens alles andere ist auch Open Source. Plane ist eine Open Source Infrastruktur, die man auch benutzen kann, wenn man das möchte. Da geht es von Deployment bis hin zu Betrieb. Das ist alles bei Plane mit standardisiert.
Torsten Frenzel Ich gucke ab und zu mal zu Sebastian rüber, wenn der nickt, dann bin ich sehr glücklich. Da sehe ich nämlich keinen Quatsch. Ansonsten bitte, bitte einschreiten. Jetzt der angekündigte Exkurs zum Deutschland-Stack. Das habe ich von der Webseite vom Deutschland-Stack, weil die Ideen hinter dem Deutschland-Stack, die sind ziemlich gut.
Torsten Frenzel Es gibt hier einen klaren API-First-Ansatz. Es gibt eine Service-Orientierung, also eine lose Kopplung. Also es gibt keine dicken, fetten Monolithen mehr. Wiederverwendbarkeit, auch ein ganz, ganz großes Thema, auch für die Souveränität. Also ich hatte ja vorhin schon mal gesagt, Exit First. DevSecOps, da zählt dazu auch Zero Trust.
Torsten Frenzel Also tatsächlich ist der Stack so aufgebaut, dass hier der Zero Trust Ansatz gelebt wird. Und wir finden das auch noch in verschiedenen anderen Bereichen, weil es gibt hier die FITCO, das ist die föderale IT-Koordination. Da sind wirklich gute Leute da, die sich wirklich Gedanken machen und die auch modern denken.
Torsten Frenzel Und die haben von vornherein gleich gesagt, wenn wir was machen, Zero Trust, Ende zu Ende verschlüsselt und es kommen keine Daten da rein oder keinen Zugriff rein, der da nichts zur Suche hat. Moderne Technologie oder aktuelle Technologie, das ist tatsächlich Stand der Technik, ist da gefordert. Made in EU first, prefer buy or make, also wir kaufen, bevor wir es selber machen.
Torsten Frenzel Ende zu Ende Digitalisierung, gut, das ist ein Thema, da kann man nochmal drüber diskutieren, was es auch tatsächlich bedeutet. Und Managed Service, vollkommen klar, dass da keiner irgendwelchen Quatsch selber betreiben muss. Das ist die Landschaft. Die ist jetzt hier wahrscheinlich nicht wirklich lesbar. Die findet man auch auf der Webseite.
Torsten Frenzel Viele von euch werden Dinge hier wiedererkennen aus dem täglichen Umgang. Da sind tatsächlich auch bis auf Protokoll-Ebene Dinge mit standardisiert. Es muss alles nicht fotografiert werden. Zu allem habe ich Links. Und da gibt es nachher einen QR-Code, wo es eine saubere Linkliste gibt mit allen Informationen.
Torsten Frenzel Gibt es erstmal Fragen zum Deutschlandsteak, wenn ich gerade so, Schnell so durchgehastet bin. Muss erst mal sitzen wahrscheinlich. Genau, der IT-Planungsgrad hat den Deutschlandsteck verabschiedet und die Länder haben sich alle verpflichtet, dafür zu sorgen, dass der Deutschlandsteck auch so eingehalten und ausgeholt wird. Der Bund zahlt und die Länder haben sich verpflichtet mitzumachen.
Torsten Frenzel Es ist in der Praxis angekommen. Genau, also. Was ist dann der Zero Trust? Zero Trust ist der klassische Zero Trust Ansatz. Also es geht nur rein, was ich erlaube und nichts, was ich nicht erlaube. Und Ende zu Ende Digitalisierung ist eine Definitionssache, die jeder immer mal so ein bisschen anders definiert. Aber der Ansatz ist gut.
Torsten Frenzel Das ist nicht nur die Idee für die Planung, das ist eine klare Verpflichtung. Also es ist ganz klar, wenn ich einen digitalen Antrag stelle, kriege ich auch einen digitalen Bescheid. Und zwischendrin wird auch digital verarbeitet, weil es nützt mir nichts, wenn ich digitales Papier in Form von PDF habe. Da hat sich gerade eben der IT-Planungsrat in der 50. Sitzung, letzte Woche oder vorletzte Woche, letzte Woche war es glaube ich, dazu auseinandergesetzt und beschlossen.
Torsten Frenzel Aber die Idee ist schon lange da und an der Idee arbeiten schon viele sehr lange dran. Aber welche Lösungen haben wir denn jetzt tatsächlich schon fertig und verfügbar? FitConnect. FitConnect ist eine, ich nenne es einfach zentrale Datendrehscheibe, andere sagen Middleware dazu. Es ist auf jeden Fall eine zentral betriebene Software, an die ich meine Daten im bestimmten Format schicke.
Torsten Frenzel Und diese Software routet die Daten dann an den richtigen Empfänger über die sicheren Netze, so dass es genau an der richtigen Stelle ankommt. Dazu gibt es den Adressierungsdienst dvdv. Der im Prinzip ein Telefonbuch ist, wo nachgeschaut wird, es kommt was mit der ID an. Ich gucke mein Telefonbuch und schicke das an den richtigen Empfänger.
Torsten Frenzel Vielleicht kommt das dem einen oder anderen bekannt vor. DNS funktioniert ähnlich. FitConnect, ich kann dich beruhigen, FitConnect ist ausgerollt und funktionsfähig. Man muss es nur benutzen. Viele Fachverfahrenshersteller sträuben sich noch dagegen, weil die natürlich alte Legacy-Systeme haben, wie zum Beispiel OSCI, was hier auch mit auf der Liste draufsteht. Das OSCI ist ein Datentransportstandard, der 25 Jahre alt ist. Entsprechend funktioniert er auch wie eine 25 Jahre alte Software, aber funktioniert noch.
Torsten Frenzel Gut, Verbrennerautos fahren auch noch. Dann gibt es noch einen anderen Datenübertragungsinfrastruktur, die heißt X-Road, die kommt aus Estland. Die hat jetzt Schleswig-Holstein eingeführt, weil denen das mit FitConnect und ähnlichem nicht schnell genug ging, haben sie sich den Datenübertragungsinfrastruktur aus Estland eingekauft.
Torsten Frenzel Die Datenübertragungsinfrastruktur Also X-Rode ist ein bisschen offener gestaltet als FitConnect, aber auch bei FitConnect gibt es ähnliche Ansätze. Es können bei X-Rode und FitConnect auch Unternehmen mitspielen. Auch Unternehmen können genau diese Schnittstellen ansprechen. Also man kann nicht nur im normalen Rechtsverkehr mit Verwaltungen seine Daten dahin schicken, man kann auch tatsächlich Software bauen, die über diese Infrastruktur kommuniziert.
Torsten Frenzel Was auch ganz, ganz wichtig ist, gerade für Unternehmen, die gern digital mit der Verwaltung kommunizieren möchten, ist XÖV. XÖV, das sind XML-Datenstandards, die zentral gepflegt werden, wo ich genau... Und rechtssicher Daten von A nach B bringen kann. Also wer XÖV verstanden hat, kann mit der Verwaltung kommunizieren.
Torsten Frenzel Auch hier wieder das Problem, es gibt Fachverfahrenshersteller, die gern eigene Geschmacksrichtungen von XÖV-Standards benutzen, aber es gibt ja genügend Standards, kann man auswählen. Was ganz neu ist und was gerade ausgerollt wird oder was jetzt gerade kommt, ist ZAPUG, ein schöner Name, wir haben immer schöne Akronyme.
Torsten Frenzel Das ist ein Postkorb und Kommunikation für Behörden und Bürgerinnen. Und wenn ich sage, dass das auf dem Matrix-Protokoll basiert, also vollständig Open Source ist, wird es vielleicht den einen oder anderen überraschen, weil hier wurde ganz gezielt darauf geachtet, dass man keine proprietäre Infrastruktur aufbaut, sondern sich auf Protokolle beruft oder Protokolle benutzt, die offen sind.
Torsten Frenzel Und Matrix wird auch noch maßgeblich in Deutschland weiterentwickelt. Es gibt noch mehr Lösungen. Anwendungen gibt es Spark. Spark ist eine KI-Anwendung. Das ist übrigens das, was Markus Richter neulich immer wieder erzählt hat. In Spark haben sie verschiedene Gesetze reingeschmissen. Sebastian hat es vorhin gesagt.
Torsten Frenzel Und Spark hat gesagt, irgendwie manche Gesetze widersprechen sich. Das hat man dadurch herausgefunden. Gut, man hätte es vielleicht vorher auch anders herausfinden können, aber diese Infrastruktur existiert jetzt. Die kann genutzt werden. Ist auch Open Source. Wo man das alles findet, da komme ich gleich noch dazu. Wir haben OpenDesk.
Torsten Frenzel Das ist eine Open Source Office Suite. Also man könnte damit einen Teil von M365 ablösen. Ich sage bewusst einen Teil, weil M365 ist wesentlich mehr als nur ein Office Suite. Es gibt den Bundesmessenger. Das ist ein sicherer Messenger, der VSNFD zertifiziert ist. Also VSNFD bedeutet Verschlusssache nur für den Dienstgebrauch.
Torsten Frenzel Also es ist eine relativ hohe Sicherheitsklasse und basiert auf Matrix. Also auch wieder Infrastruktur, die nachnutzbar ist. Und nachdem ich den Vortrag vorhin gehört habe, ist mir direkt noch der Government Site Builder eingefallen. Der Government Site Builder ist ein CMS, was auf Typo 3 basiert, was auch speziell für den Bund, aber auch für die Länder entwickelt wurde und auch Open Source zur Verfügung steht.
Torsten Frenzel Genau, aber auch jede kleine Kommune darf den Government-Seite-Bilder benutzen. Also es ist nicht so, dass das nur für, also für den Bund ist es vorgeschrieben, weil der Bund das so entschieden hat. Aber auch andere Behörden, die keine Bundesbehörden sind, dürfen den Government-Seite-Bilder benutzen. Kleiner Ausflug zu Identifizierung oder Authentifizierung.
Torsten Frenzel Da gern jetzt nochmal nachfragen. Es gibt die Bund-ID, auch Deutschland-ID manchmal genannt. Da ist mir noch nicht so ganz klar, ob das jetzt tatsächlich in Deutschland-ID umbenannt wird oder ob das Projekt weiterhin Bund-ID heißt. Da hört man mal hier oder so. Ich benutze aktuell beides. Ist synonym zu verwenden, aktuell.
Torsten Frenzel Die Bayern-ID gibt es noch in Bayern, die wird aber jetzt so nach und nach zurückgefahren und abgeschaltet. Da gibt es einen Migrationspfad, da werden Bürgerinnen und Bürger informiert, was sie jetzt tun müssen oder auch nicht tun müssen. Das wird jetzt so nach und nach passieren. Das heißt, alle, die sich eine Bayern-ID eingerichtet haben, werden jetzt nach und nach benachrichtigt werden und es wird ein Pfad festgelegt.
Torsten Frenzel Die Eudewallet gehe ich jetzt gar nicht weiter darauf ein, weil da hatten wir gerade einen hervorragenden Vortrag dazu. Was für euch als Unternehmerinnen und Unternehmer wichtig ist, ist das älste Unternehmenskonto. Das älste Unternehmenskonto ist eines der zentralen Authentifizierungsmöglichkeiten für Unternehmen.
Torsten Frenzel Beziehungsweise für juristische Personen. Ich kann mich hier authentifizieren als Unternehmen, ohne meine privaten Credentials zu verwenden. Jetzt wird der eine oder andere sagen, naja gut, wenn ich ein Auto miete im Auftrag meiner Firma, muss ich auch meinen privaten Führerschein vorzeigen. Ja, aber hier gibt es einen Rechtsverkehr, der teilweise ganz anders gestrickt ist.
Torsten Frenzel Und viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben auch ein wesentlich besseres Gefühl, wenn die fürs Unternehmen handeln, auch mit einem Unternehmenszertifikat signieren und nicht mit ihrem privaten oder persönlichen Zertifikat. Genau, der wird der Standard bleiben, das ist ganz sicher. Das wird auch noch weiter ausgebaut, das Elster-Unternehmenskonto. Elster ist ja ein bisschen mehr, das ist ja ein ganzes Ökosystem.
Torsten Frenzel Übrigens zwischen 30 Jahren altes Ökosystem. Also die erfolgreichste und größte E-Government-Anwendung in Deutschland. Und da auch gleich noch ein kleiner Seiten-Effekt. Die Software, die unter Elster liegt, die ist inzwischen auch Open Source. Also die kann auch verwendet werden. Also es gibt kaum komplexere Rechtsgebiete in Deutschland, wie unser Steuerrecht. Also man könnte wahrscheinlich mit dieser Elster-Open-Source-Software wesentlich mehr abdecken als nur Finanzen.
Torsten Frenzel Ja, schade für die Frage, die kann ich nicht beantworten. Es gibt ein Rollenrechte-Konzept, das ist noch nicht so ganz gar. Wann da was passiert, wann das besser wird, weiß ich einfach nicht. Übrigens, das älste Unternehmenskonto benutzen auch Behörden oder können auch Behörden benutzen. Und das ist die einzige Möglichkeit für eine Behörde, sich zweifelsfrei digital zu authentifizieren.
Torsten Frenzel Was auch ziemlich seltsam ist, dass man als Behörde, die keine Steuern zahlt, trotzdem ein Steuermittel benutzen muss, um sich authentifizieren zu können. Aber eine Behörde ist letztendlich auch nichts anderes als ein Unternehmen. Ja, das wird ja hier schon immer weniger. Also wir haben, wie gesagt, wir haben jetzt hier die Bund-ID, wir haben die Eudi-Wallet und wir haben Elster.
Torsten Frenzel Die Bund-ID wird mehr oder weniger in die Eudi-Wallet mit integriert werden, beziehungsweise ja nicht darin aufgehen, die wird noch parallel existieren. Elster, das Elster-Unternehmenskonto, wozu brauche ich denn das auf dem Handy? Wann authentifiziere ich mich denn mal als Unternehmen so mal eben, keine Ahnung, Also mobil, das passiert wahrscheinlich selten.
Torsten Frenzel Wird da auch gehen, weil es auch nur zertifikatsbasiert. Aber wahrscheinlich hat das nicht die hohe Priorität, das in die Wallet reinzubringen. Ja, was gibt es denn sonst noch so? Ich hatte ja von den ganzen vielen schönen Open-Source-Lösungen gesprochen. Und auch dafür hat die Verwaltung eine Lösung gefunden.
Torsten Frenzel Es gibt ein öffentliches Code-Repository. Es gibt ein GitLab, das heißt OpenCode. Das ist ein GitLab für Verwaltung. Und da habe ich heute im Katalog gesehen 262. Einträge im Softwarekatalog. Es gibt da noch wesentlich mehr, weil in dem GitLab, was dahinter hängt, sind viel, viel mehr Projekte drin als die 262.
Torsten Frenzel Aber die 262 sind inzwischen so geschaltet, dass die nach außen auch ohne Login in dem Code-Repository sichtbar sind. Dann sind irgendwelche Webdesigner hier vor Ort. Nicht, aber trotzdem, das Kern-UX ist ein Designsystem. Ich habe das neulich einem Designer vorgestellt und der hat gesagt, Mensch, das könnte ich ja direkt verwenden. Das ist besser als manche Designsysteme, die man sich für teuer Geld einkaufen kann.
Torsten Frenzel Das Kern-UX ist natürlich ganz klar auf ein Design, was für die öffentliche Verwaltung sinnvoll ist und sehr schlank ist, gebaut. Aber man kann es benutzen. Es sieht ganz gut aus, ganz modern aus und es ist ganz leicht zu benutzen und es gibt sehr viel Dokumentation. Man kann es super leicht implementieren. Service Standards, Dienstbeck 66336, das ist eine schöne Nummer, ist aber auch eine schöne Dienstbeck.
Torsten Frenzel Die Service Standards, die beinhalten ganz, ganz viele Informationen, wie denn so ein Prozess in der Verwaltung am besten abzulaufen hat und wie denn so ein Online-Antrag am besten auszusehen sollte. Die Service-Standards, die sind, wie gesagt, spezifiziert. Es gibt eine Dienstbegröße, es ist also auch standardisiert und die kann man auch hervorragend benutzen und zusammenspielen mit Kern-UX, mit dem Design-System.
Torsten Frenzel Tun sich zum Beispiel und Behörden total leicht mit der Ausschreibung, weil die schreiben einfach rein, ich will Kern-UX und Service-Standards und schon sind mehrere Seiten im Ausschreibungstext obsolet. Es gibt noch FIM, das ist das föderale Informationsmanagement. Das sind Prozessstandards. Der FIM-Katalog ist riesig groß. Ich habe leider vergessen, wie viele tausend Einträge es da gibt.
Torsten Frenzel Es gibt aber für jede Antragsmöglichkeit und nicht nur Antragsmöglichkeit, gibt es einen Prozess. Und im Idealfall, jetzt sind wir wieder bei Law as Code, fällt genau dieser Prozess, wenn ich ein Gesetz schreibe, hinten raus und ich kann daraus dann Software machen. FIM definiert jeden einzelnen Prozessschritt, inklusive dem vorhin schon genannten XÖV, also Datenübertragungsstandard.
Torsten Frenzel Das ist alles im FIM kodifiziert quasi, sodass ich auch relativ einfach mich an so einen Prozess ranarbeiten kann. Also wenn ich jetzt Software herstellen möchte für die öffentliche Verwaltung, XÖV, FIM, Service Standards, CanUX, habe ich schon einen Riesenhaufen an Know-how, um diese immer noch hohe Hürde, Einstiegshürde in die öffentliche Verwaltung zu nehmen.
Torsten Frenzel Wir hatten vorhin schon ganz kurz vom Zendes gehört. Das ist das Zentrum für digitale Souveränität. Das ist das OSPO, also das Open Source Program Office der öffentlichen Verwaltung. Die führen zum Beispiel auch das Open Code. Die haben das Projekt Open Desk, das haben sie entwickelt. Und die sind dafür zuständig, dass hier auch Entwickler miteinander vernetzt werden, dass das Code-Repository wächst, dass da sinnvolle Dinge reinkommen.
Torsten Frenzel Die machen auch regelmäßig Reviews. Wenn irgendwelcher Quatsch drin ist, werden die Projekte auch angeschrieben. Und die pflegen das also alles. Und dann gibt es die FITCO, hatte ich vorhin auch schon mal erwähnt. Das ist die föderale IT-Koordination. Das ist, wie sagt man so schön, der Arbeitsmuskel des IT-Planungsrates.
Torsten Frenzel Die setzen tatsächlich das um, was im IT-Planungsrat beschlossen wurde. Fazit, ist eigentlich ziemlich positiv. Wir haben schon total viel. Wir haben schon total viele souveräne Lösungen. Wir müssen nur noch damit anfangen, den ganzen Kram auch zu nutzen. Auch tatsächlich hier der Aufruf von mir an Unternehmen.
Torsten Frenzel Wenn ihr mit Behörden zusammenarbeiten wollt, schaut euch das an und fragt, ob ihr nicht den Antrag digital einreichen könnt. So, und jetzt gerne Fragen. Wenn ich noch eins ergänzen darf. Es gibt in der öffentlichen Verwaltung verdammt viele motivierte und gute Mitarbeiter, die Bock drauf haben, das Ganze zu digitalisieren, das Ganze moderner zu machen.
Torsten Frenzel Und wenn man die findet als Ansprechpartner, dranbleiben, weil die werden euch helfen, nach vorn zu kommen.