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Shownotes
In dieser Sendung spreche ich mit Florian Fastner über die Digitalisierung der Feuerwehr. Wir sprechen über Redundanzen und eine Einsatzfähigkeit auch ganz ohne IT.
Kommentare unter: egovernment-podcast.com/egov248-feuerwehr
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Torsten Frenzel Ja, hallo und herzlich willkommen beim e-Government-Podcast. Ich bin Thorsten Frenzel und heute beschäftige ich mich mal mit einem ganz, ganz anderen Thema, obwohl ihr werdet gleich hören, worum es geht und ihr werdet die Parallelen zur Verwaltung sehen. Und dazu habe ich mir einen alten Kollegen eingeladen, den ich schon seit vielen Jahren kenne und der irgendwann auch den Weg in die, nennen wir es mal Verwaltung, gefunden hat.
Torsten Frenzel Wir haben früher zusammen quasi dafür gesorgt, dass Autos verkauft werden können. Und jetzt ist er hier. Hallo Florian, ich grüße dich.
Florian Fastner Hallo Thorsten, vielen Dank für die Einladung in deinen Podcast.
Torsten Frenzel Sehr gern und vielleicht stellst du dich ganz kurz vor.
Florian Fastner Ja, gerne. Florian Fasten ist mein kompletter Name und wie Thorsten gesagt hat, wir hatten vor vieler langer Zeit mal bei Autoscout und Truckscout gearbeitet. Ich bin aber seit meinem 14. Lebensjahr schon bei der Feuerwehr, zuerst in der Freiwilligen Feuerwehr und habe dann nach Autoscout den Weg zur Berufsfeuerwehr genommen.
Florian Fastner Und da bin ich immer noch, bin dort im Bereich der Leitstelle tätig und habe nebenbei auch, also kein Podcast, sondern diverse Social-Media-Kanäle unter dem Namen Feuerwehrleben. Da berichte ich oder spreche ich über diverse Themen rund um das Thema Feuerwehr. Und deswegen freut es mich, dass wir heute uns über das Thema Digitalisierung, also unsere Vergangenheit, austauschen können und das Thema Feuerwehr.
Torsten Frenzel Genau, und das Ganze bringen wir zusammen. Und übrigens, Deinen Instagram-Kanal Feuerwehrleben, den habe ich entdeckt und da bin ich auf die Idee gekommen, so Mensch, den kennst du, den haust du mal an und der soll mal ein bisschen was über Digitalisierung in der Feuerwehr erzählen, weil hier ganz viele Kommunen auch zuhören, bundesweit und Kommunalverwaltungen und da ist ja die Feuerwehr direkt angesiedelt.
Torsten Frenzel Und vielleicht fangen wir da einfach mal direkt an. Warum muss so eine Feuerwehr überhaupt digital sein? Weil wenn ich mir das so vorstelle, Feuerwehr brennt hin, Wasser drauf, zack, fertig.
Florian Fastner Genau, das haben auch die meisten Leute wahrscheinlich erst mal im Kopf. Wir Feuerwehrleute haben natürlich Interesse, möglichst schnell und möglichst gut zu helfen. Und um das zu tun, spielt natürlich das Thema Informationen eine ganz wichtige Rolle. Fängt schon damit an, dass die Leitstelle weiß, wo sind denn überhaupt meine Feuerwehrfahrzeuge?
Florian Fastner Wen kann ich denn da am besten alarmieren? Wenn ich ausrücke, brauche ich entsprechende Feuerwehrpläne. Vielleicht habe ich auch schon durch eine Drohne oder durch die Einsatzkräfte vor Ort ein Live-Bild, das in die Leitstelle oder auch in die Fahrzeuge übermittelt wird. Ja, und wenn ich dann vor Ort bin, muss ich Abschnitte bilden, muss mich austauschen.
Florian Fastner Da gibt es dann auch Informationen, die hin und her geschickt werden können. Und da merkt man eben schon relativ schnell, dass man sowohl in der Leitstelle als auch an der Einsatzstelle oder bei Großschadenslagen, wenn es darum geht, im Einsatzstab zu sitzen und alles zu koordinieren, dass man da einfach permanent digitale Medien braucht, um den Einsatz zu bewältigen.
Florian Fastner Und das war halt vor 30 Jahren noch ein bisschen weniger und das wird halt zunehmend mehr.
Torsten Frenzel Was vielleicht die meisten gehört haben, ist das ganze Thema Digitalfunk. Ich weiß nicht, ob ich jetzt bei dir Ärger hervorrufe, weil wenn man andere von diesen Blaulichtorganisationen nach Digitalfunk fragt, sind die immer nicht so begeistert, aber bei der Feuerwehr erscheint das ganz gut zu funktionieren.
Florian Fastner Ja, also ich sage mal, jede Technologie hat ihre Vor- und Nachteile. Man muss dazu sagen, der Alte, der Analogfunk hatte einige Schwächen. Zum einen war der relativ schnell überlastet und zum anderen konnte man den sehr leicht abhören bzw. konnte darüber sogar Alarmierungen tätigen. Und das ist natürlich was, was in der heutigen Zeit einfach ein Riesenproblem ist.
Florian Fastner Und da hat uns der Digitalfunk schon einen Riesenschritt nach vorne gebracht, weil er einfach solche Dinge abgestellt hat. Dadurch ist er sicherer geworden. Zur Wahrheit gehört aber auch dazu, dass sich alles schon verteuert hat. Also wenn du eben schaust, wie heute die Zyklen sind, um Digitalfunkgeräte auszutauschen, im Vergleich zu den analogen Geräten, die Jahrzehnte gehalten haben, ist das natürlich schon etwas, was sich geändert hat und was dann letztendlich natürlich dem Steuerzahler wieder auf der Tasche liegt. Aber das hast du wahrscheinlich in vielen Bereichen.
Florian Fastner Je technologischer es wird, desto mehr musst du auswechseln. Und das ist halt auf Dauer natürlich auch ein ganz schöner Kostenblock, den man nicht ganz außer Acht lassen darf.
Torsten Frenzel Aber fangen wir doch direkt mal ganz vorne an mit der Digitalisierung, Mit der Alarmierung. Also das kennt ja jeder. Ich rufe die 112 an, dann habe ich da die Leitstelle dran und schildere meine Problematiken. Wie geht es denn dann da weiter?
Florian Fastner Genau. Also erstmal wird der Anruf entgegengenommen. Da geht es dann schon los, weil wenn derjenige nicht weiß, wo er ist, habe ich schon mal die Möglichkeit, in der Leitstelle den zu orten. Da geht es dann schon los mit dem Thema Digitalisierung. Und dann ist es so, dass eben die Leitstellendisponenten ein Leitstellensystem vor sich haben.
Florian Fastner Also der schreibt das nicht irgendwie auf dem Zettel auf, sondern sitzt vor einem Computer, da stellt er dann bestimmte Fragen und anhand dieser Frage ist dann auch ein Algorithmus im Hintergrund, der dann eben guckt, ah okay, der meldet jetzt einen Zimmerbrand in der Müllerstraße 5 und in dem und dem Ort und dann wird im Hintergrund geschaut, okay, welche Fahrzeuge brauche ich dafür, welche sind gerade verfügbar.
Florian Fastner Man kann dann auch in der Regel über Live-Tracking gucken, wo sind gerade meine Autos und dann werden eben verschiedene Fahrzeuge vorgeschlagen. Dann wird alarmiert. Das, wie wir gerade gesagt haben, erfolgt dann in der Regel auch digital. Und dann gehen die Informationen raus. Die Einsatzkräfte rücken an die Einsatzstelle an.
Florian Fastner Und dann geht es eben auch darum, dass man beispielsweise auf der Anfahrt schon mit einem iPad guckt. Okay, habe ich Informationen zum Gebäude? Was machen meine anderen Fahrzeuge? Kann ich schon gewisse Einsatzabschnitte zuteilen? und dann wird der Einsatz abgewickelt und im Nachhinein muss man natürlich auch vieles dokumentieren.
Florian Fastner Ja, auch das erfolgt natürlich digital. Und dann kommt ein sehr spannender Teil, weil wenn man dann die ganzen Einsätze auswertet, kann man eben dann im Nachhinein auch Einsätze für die Zukunft optimieren. Also beispielsweise, wenn man eben feststellt, dass wir bei bestimmten Einsatzobjekten oder in bestimmten Stadtteilen zu langsam sind, kann man eben dann über diverse Auswertungen eben schauen, zukünftig da Verbesserungen herbeizuführen, indem man beispielsweise andere Feuerwehren alarmiert oder, oder, oder, oder.
Florian Fastner Und das ist eben das Wichtige für uns aus Feuerwehrsicht, dass man eben von Anfang bis Ende möglichst viel digitalisiert hat, um nicht nur den Einsatz direkt abzuwickeln, sondern eben auch im Nachhinein zu schauen, was man dann noch optimieren kann.
Torsten Frenzel Wenn ihr die Alarmierung bekommt, habt ihr so eine Art Tablets oder Computer mit an Bord, wo ihr schon Informationen zu dem Fall bekommt oder müsst ihr euch das alles irgendwie vor Ort anschauen?
Florian Fastner Wie heißt das schön? Es kommt darauf an. Die Feuerwehr, muss man dazu sagen, ist kommunale Aufgabe in der Regel. Es gibt ganz wenige Feuerwehren, die an dem Bundesland dranhängen. Aber jede Gemeinde ist in der Regel für den Brandschutz und dafür auch für die Feuerwehr verantwortlich. Und es gibt viele Feuerwehren, die Tablets nutzen, manche Feuerwehren noch gar nicht.
Florian Fastner In meiner Feuerwehr ist es erfreulicherweise so, dass wir sehr digital unterwegs sind. Das heißt, so ähnlich wie du es gerade gesagt hast, bereits auf der Anfahrt sehe ich, welche Fahrzeuge sind unterwegs, wo befinden die sich. Ich kann schon mit denen mich austauschen. Ich kann beispielsweise diese Einsatzabschnitte schon mal auf Anfahrt zuweisen, sprich ich strukturiere meine Einsatzstelle schon.
Florian Fastner Ich kann mir entsprechende Feuerwehrpläne abrufen. Ich habe eine digitale Lagekarte oder Taktikkarte, in der kann ich reinzeichnen, dass ich beispielsweise eine Anfahrt einzeichnen kann oder ich kann ein Kreuz machen, wo ich sage, okay, wir treffen uns an diesem Punkt. Und das sind Dinge, die uns ungemein helfen, den Einsatz zu verbessern, weil das gab es früher nicht.
Florian Fastner Und wie du auch schon gesagt hast, ich musste mir dann halt alles erstmal vor Ort angucken. Und das kann ich jetzt alles schon auf der Anfahrt machen und das spart natürlich ganz viel Zeit.
Torsten Frenzel Das heißt, du könntest auf dem Tablet direkt auch einzeichnen, welches Einsatzfahrzeug an welcher Stelle sich aufstellen soll?
Florian Fastner Genau. Also den ersten Schritt, den ich mache, ich kann es dir vorstellen, wir bilden so kleine Teams an der Einsatzstelle und das mache ich schon auf der Anfahrt. Das heißt, das Fahrzeug weiß schon, ach wunderbar, auf Anfahrt hat mich jetzt der Einsatzleiter in einen Einsatzabschnitt reingeschoben. Mein Ansprechpartner hat sich dadurch schon geändert. Und dann ist es so, dass wir alle gemeinsam auf eine Karte drauf gucken können über das Tablet und da kann jeder einzeichnen.
Florian Fastner Und da kann ich eben Symbole einzeichnen oder eben sagen, okay, die Straße ist gesperrt, fahr bitte andersrum oder der Einsatzort hat sich geändert und das ist eben live. Also jeder, der alarmiert worden ist, kann da drauf gucken und kann eben das sehen, was ich einzeichne oder auch Fotos beispielsweise. Wenn ich der Ersteintreffende bin und ein Foto vom Objekt mache, dann kann eben jeder drauf schauen und sich schon mal ein Bild von der Lage machen.
Florian Fastner Und das ist, wie gesagt, gerade bei uns ein Riesenvorteil, um eben möglichst schnell die Information zu teilen.
Torsten Frenzel Apropos Lagebild, wir hatten ja vorher ganz kurz über ein Thema gesprochen, was jetzt bei Feuerwehren immer mehr Einzug hält, dass das ganze Thema Drohnen. Vielleicht kannst du dazu ganz kurz was sagen, was euch das bringt.
Florian Fastner Genau, also da gibt es aus meiner Sicht zwei Dinge, die man damit tun kann. Das eine, und das ist schon sehr weit verbreitet bei den Feuerwehren, Dass ich an der Einsatzstelle bin, einen Blick von oben auf die Einsatzstelle brauche, dann alarmiert man eine Drohnenanheit dazu, die kommt an die Einsatzstelle gefahren, die fliegt mit der Drohne in die Luft und kann dann einfach ein normales Bild dem Einsatzleiter geben oder eben was mit einer Wärmebildkamera, was natürlich bei uns bei Bränden durchaus interessant ist, um zu sehen, okay, wie hat sich denn der Brand unter Umständen unter dem Dach entwickelt, was ich von außen gar nicht so wahrnehmen kann.
Florian Fastner Ein spannendes Thema ist jetzt aktuell bei der Feuerwehr München am Laufen. Da ist es nicht so, dass wir selbst an der Einsatzstelle sind und die Drohnen-Einheit nachalarmieren, sondern es soll so sein, dass die Drohne schon startet von einer Feuerwache, wenn der Notruf reinkommt. Das heißt, ich habe dann schon Live-Bilder, bevor das erste Fahrzeug eingetroffen ist.
Florian Fastner Und das ist natürlich für uns insofern wieder sehr spannend, weil es gibt sehr komplexe Einsatzstellen wie Wasserrettungseinsätze. Also wenn du jetzt dir überlegst, in München, wenn da jemand in die Isar fällt, dann... Dann bleibt der ja nicht statisch, sondern schwimmt der mit der Isar mit und dann ist es nicht ganz so einfach immer zu gucken, wo ist denn derjenige jetzt.
Florian Fastner Wenn ich da eine Drohne mit Wärmebildkamera habe, kann ich unter Umständen dann die Anfahrt ändern, obwohl noch keine Einsatzkraft vor Ort ist. Das ist ein Riesenvorteil. Oder ich kann, wenn ich jetzt zu einem kleinen Brand alarmiert werde, fliegt die Drohne hin und die stellt dann fest vor Ort, ui, da brennt ja nicht nur eine Mülltonne, sondern das hat schon auf dem Gebäude übergegriffen und ich kann dann sehr frühzeitig entsprechende Einheiten nachalarmieren.
Florian Fastner Und das sind halt Dinge wiederum mit dem Ziel, möglichst schnell die richtigen Einsatzmittel am Einsatzort zu haben. Und das ist natürlich ein Zeitvorteil, den wir dadurch wieder reinholen können.
Torsten Frenzel Ja, ich kann mir gut vorstellen, dass dann auch das Thema Fehlalarme wesentlich weniger Geld kosten, weil du erstmal gucken kannst und dann muss vielleicht doch keiner ausrücken.
Florian Fastner Ja, wobei das kann ich mir jetzt wiederum weniger vorstellen, weil du kannst ins Gebäude nicht reingucken. Und wenn du jetzt, also quasi die klassischen Brandmeldeanlagen, das ist ja das, was relativ viel Fehlalarme auslöst, da musst du ja immer ankommen, musst du gucken, wo ist der Melder, der ist in irgendeinem Gebäude drin oder im Keller, da muss ein Trupp vorgehen und erkunden, wo das Ganze ist.
Florian Fastner Ich denke, da wird man nicht sagen, oh, ich sehe von außen nichts, wir rücken da gar nicht an, sondern eher andersrum, ich fahre klein hin und merke dann über die Drohne, das ist viel größer, als wir angenommen haben und dann lege ich noch eine Schippe obendrauf.
Torsten Frenzel Und wie ich natürlich unseren Föderalismus so kenne in Deutschland, sind alle Feuerwehren gleich aufgestellt.
Florian Fastner Also wie gesagt, es ist ja so, kommunale Selbstverwaltung. Also jede Gemeinde kann, je nachdem wie viel Geld sie zur Verfügung hat, ihre Feuerwehren ausstatten. Was schon so ist, wir sind untereinander kompatibel. Also die Schläuche passen, man kann miteinander funken, das funktioniert wunderbar. Und es gibt auch so bundeseinheitliche Vorschriften, aber dann hört es auch schon auf. Also wir haben gerade das Thema Tablet angesprochen oder welches Führungseinsatzsystem nutzt die Feuerwehr.
Florian Fastner Da gibt es Feuerwehren, die nutzen gar nichts und andere Feuerwehren nutzen diverse Anbieter, aber da gibt es keine Einheitlichkeit. Da macht auf gut Deutsch jeder, was er möchte.
Torsten Frenzel Wir beide so als alte ITler, wenn ich mir vorstelle, in einem Wirtschaftsunternehmen laufen die Server 24-7 durch und verlieren einen Haufen Geld, wenn der Server mal nicht läuft. In der Verwaltung ist es so, am Wochenende arbeitet eh keiner. Das heißt, ich kann am Wochenende schön die Serverwartung machen.
Torsten Frenzel Das ist ja bei der Feuerwehr ja ungünstig, oder?
Florian Fastner Genau und das ist einer der Konfliktpotenziale, warum die Feuerwehren immer irgendwelche Sonder locken wollen, was dann bei der IT der Stadtverwaltung oftmals gar nicht so ankommt, weil wenn halt alle Feierabend haben oder Wochenende oder Feiertag, die Feuerwehr muss halt immer funktionieren. Und wenn du halt dann am Wochenende gerade einen Einsatz hast oder die Leitstelle funktionieren muss, dann ist es halt doof, wenn du anfängst, die Server zu warten.
Florian Fastner Und das ist halt einer der Gründe, warum die Feuerwehr dann halt immer wieder sagen muss, liebe IT, denk bitte auch an uns, weil wir müssen eben andere Dinge erfüllen wie der Rest von der Verwaltung. Und das sorgt aus meiner Sicht gerade in kleinen Kommunen schon immer wieder dafür, dass die IT dann schon mal die Augen verdreht und halt denkt so, ach, was will ich vorher jetzt schon wieder?
Florian Fastner Aber klar, ich meine, wir haben halt eine andere Denkweise, weil wir halt 24 Stunden, sieben Tage im Jahr denken und halt nicht von Montag bis Freitag, neun bis 16 Uhr.
Torsten Frenzel Aber wie mache ich das dann? Also die Systeme müssen gewartet werden, die müssen Updates gemacht werden. Gut, Backups laufen inzwischen automatisiert, da brauchen wir die Systeme nicht abschalten für. Aber es müssen Updates gemacht werden, es müssen vielleicht mal neue Systeme mit reingenommen werden.
Torsten Frenzel Die muss ich einfach mal abschalten. und das kann auch mal einen Tag dauern. Wie macht man das dann sinnvollerweise bei so einer Feuerwehr?
Florian Fastner Also es ist so, wenn du, wichtigstens erstmal die Leute informieren, also was für Ausfälle gibt es, dass sich die Feuerwehr oder eben auch dann die Leitstelle vor allem, das ist ja der springende Punkt, dass sie sich darauf einstellen können. Und dann ist es aber so, die Feuerwehr und die Leitstellen haben immer Rückfallebenen, weil es kann ja auch sein, dass mal ein Server ausfällt oder dass mal der Strom weg ist oder was auch immer. dann muss es auch alternative Systeme geben.
Florian Fastner Und auf die wird dann umgeswitcht. Die sind dann vielleicht nicht immer so luxuriös wie die 100% rundum sorglos Anwendung, aber man kann trotzdem damit arbeiten. Und so läuft es dann meistens. Also man schaltet halt dann das Hauptsystem ab, man hat ein Redundanzsystem, damit wird weitergearbeitet. Wenn dann alles wunderbar läuft, dann wird einfach wieder zurückgeschaltet.
Florian Fastner Aber was ich eingangs erwähnt habe, wichtig ist halt erstmal, dass die IT an sowas denkt. Weil wenn man sowas halt spontan macht, dann ist es halt blöd, weil dann weiß die Leitstelle nicht Bescheid und denkt eher, sie haben jetzt ein Serverproblem, als dass die IT gerade brav ihre Server wartet.
Torsten Frenzel Das ist das Schöne hier an dem Podcast. Hier hören ganz viele Kommunalverwaltungen auch zu und auch viele ITler aus Kommunalverwaltungen. Vielleicht kann man hier auch mal wieder ein bisschen anstoßen, dass dieses Thema auch auf der Liste ganz oben ist, auch wenn man es nicht tagtäglich sieht tatsächlich.
Torsten Frenzel Weil wenn beim Bürgermeister der Computer nicht funktioniert, dann steht er sofort in der IT-Abteilung. Die Feuerwehr sieht man im Idealfall nie.
Florian Fastner Da hast du vollkommen recht. Auf der anderen Seite müssen sich dann natürlich auch die Feuerwehren so ein bisschen an der eigenen Nase packen, weil es geht ja nicht nur in eine Richtung, sondern auch in die andere. Also ich als Feuerwehr kann ja auch mal die Hand heben, mal zur IT, der Stadtverwaltung oder der Gemeinde gehen und sagen, hey, denkt übrigens auch an uns.
Florian Fastner Also ich denke, wenn beide Seiten das mal auf dem Schirm haben, du machst ja in deinem Kreis über deine Podcast Werbung bei der Verwaltung, ich mache über meine Social Media Kanäle Werbung bei der Feuerwehr und dann kommen wir hoffentlich ideal zusammen. Genau.
Torsten Frenzel Interessanterweise sind ja viele Hausmeister auch gerade von Schulen und von Rathäusern in der Freiwilligen Feuerwehr. Ich bin gespannt, wann die ersten ITler, wahrscheinlich gibt es da auch einige, in der Freiwilligen Feuerwehr dabei sind.
Florian Fastner Oh ja, auf alle Fälle. Also man muss ja dazu sagen, das ist vielleicht auch dem einen oder anderen Hörer oder Hörer nicht bekannt, der Großteil der Feuerwehrleute in Deutschland ist ehrenamtlich. Also es gibt nur ganz wenige Berufsfeuerwehr in Deutschland, müssten aktuell so um die 115, 120 sein. Dann gibt es noch ein paar hauptamtliche Wachen, das sind sozusagen kleine Berufsfeuerwehren.
Florian Fastner Und der Rest sind alles freiwillige Feuerwehren. Und das meiste wird aus dem Ehrenamt geleistet. Und Ehrenamt bedeutet einfach, dass alle von denen, die gehen einem normalen Job nach und haben halt nebenbei Übungen oder wenn der Pieper geht oder der Funkmeldempfänger heißt es bei uns, rennt man halt zum Feuerwehrhaus und rückt aus.
Florian Fastner Und das ist eben das Schöne an der freiwilligen Feuerwehr. Dadurch, dass wir einen Schnitt der Gesellschaft haben und da vom Metzger bis zum Doktoranden, vom ITler bis zur Krankenschwester alles dabei ist, hat man halt, dadurch, dass man halt 100, 150 Mitglieder hat, von jeder Berufsgruppe jemand dabei.
Florian Fastner Und deswegen gehe ich davon aus, dass in jeder freiwilligen Feuerwehr auch bestimmt eine Handvoll ITler sind, weil die das eben im Hauptjob machen und dann eben die Ideen und die guten Erfahrungen, die sie in ihrem Hauptjob sammeln, dann eben auch in der freiwilligen Feuerwehr anwenden können. Deswegen sind oftmals auch die Feuerwehren so ein bisschen der Innovationstreiber, weil die halt sagen, hey, wir haben jetzt hier in meiner freiwilligen Feuerwehr was entwickelt und versuchen das dann natürlich auch für andere Feuerwehren vielleicht anzubieten oder auch für die weiterzuentwickeln.
Torsten Frenzel Was ich immer so beeindruckend finde, ich beobachte, ich wohne hier in einem kleinen Ort außerhalb von der Stadt München und wir haben eine freiwillige Feuerwehr bei uns und ich beobachte immer, wir sind sehr transparent, wenn die einen Einsatz hatten, wird das direkt bei denen im Blog auch dokumentiert und kommuniziert und ich finde das so beeindruckend, wie kurz die Einsatzzeiten sind tatsächlich.
Torsten Frenzel Also die haben Einsätze, wo ich denke, da wüsste ich gar nicht, wo anfangen. Da sind die aber in zwei Stunden fertig und man sieht nichts mehr davon und dokumentieren das noch nebenher. Kriegt ihr da auch digitale Unterstützung, weil ihr wisst ja wahrscheinlich hinterher auch Einsatzberichte schreiben und wahrscheinlich nicht auf der Schreibmaschine tippen, oder?
Florian Fastner Genau, also wir haben auch wieder da, kommt so ein bisschen auf die Feuerwehr drauf an, aber die meisten Feuerwehr werden da digitale Systeme haben. Und also beispielsweise jetzt bei meiner Feuerwehr, da war es früher so, ich konnte das nur zu Hause, also im Büro am Rechner machen, das heißt, ich musste mir alles notieren an der Einsatzstelle, bin dann ins Büro gefahren, habe dann meinen Einsatzbericht dort geschrieben und jetzt Vorteil auch, dass wir das jetzt auf dem Tablet umgestellt haben, das heißt, jetzt kann ich entweder durch gewisse Führungsgehilfen, die vor Ort sind, können da schon mit der Dokumentation anfangen oder aber dann, wenn ich auch auf der Fahrt zurück bin, weil natürlich auch
Florian Fastner viele Eindrücke noch viel mehr präsenter sind, als wenn ich erst nach einer Stunde alles zusammengeräumt habe und wieder im Büro sitze. Und das Schöne ist halt dann auch mit den digitalen Medien, man kann auch immer viele Fotos dazu machen und dadurch kann ich halt gerne das anders dokumentieren als irgendeinen Fließtext, wie es halt noch irgendwie vor 30 Jahren war.
Florian Fastner Aber die meisten Feuerwehren müssten das schon digital haben, weil natürlich auch die ganzen Auswertungen, die müssen ja dann auch irgendwie elektronisch erfolgen. Da wird ja keiner ins Archiv gehen und drei DIN A4 Ordner rausziehen, um jetzt mal zu gucken, wie viele Einsätze wir jetzt im Jahr hatten.
Torsten Frenzel Wie kann ich mir so einen Einsatzbericht vorstellen? Was steht denn da so drin?
Florian Fastner Meistens ist es so eine Kombination aus einem Freitext. Also du schreibst einfach, sag ich mal, Prosa, was du da alles gemacht hast, was hat gebrannt, wie viele Menschen hast du gerettet, wie bist du vorgegangen, was war deine Einsatztaktik, das ist das eine. Und das andere ist, dass aber viele Berichtssysteme auch Felder haben.
Florian Fastner Also dass du eben reinschreibst, wie viele Löschrohre hast du vorgenommen, wie viel Löschwasser hast du verbraucht, wie viele Türen hast du geöffnet, dass du es danach auch systematisch auswerten kannst. Das Problem ist natürlich bei dem Fließtext, da ist es halt mit der Analyse ein bisschen schwierig.
Florian Fastner Meistens ist es so eine Kombination aus beiden, also dass du eben Texte hast oder ein Textfeld, wo du ausführlich schreibst und diverse Datenfelder, die du ausfüllen musst.
Torsten Frenzel Der Hintergrund meiner Frage ist, ich kann ja schon wahnsinnig viel tracken. Also wo der Einsatzort ist, kann ich durch Geolokalisierung tracken. Wie viel Wasser ich verbrauche, könnte ich theoretisch auch elektronisch tracken, weil wenn ich das irgendwo anschließe, ist ja auch eine 10 Uhr dran, wie viel Wasser da rausgenommen wurde.
Torsten Frenzel Und wenn das alles elektronisch ist, kann ich das ja eigentlich direkt per Funk oder wie auch immer schon in bestimmte Systeme reinspielen. Gut, wenn jetzt Personenschäden sind, gut, das sind halt so Sachen, die sind nicht elektronisch erfasst, aber man könnte es ja noch ein ganzes Stück weiter treiben in Richtung, wie sagt man so schön, Internet of Things.
Florian Fastner Das kommt auch immer mehr. Also ich sehe es ja jetzt gerade auch in meinem Umfeld. Früher musstest du halt die EKG-Daten alles abtippen und das wird jetzt zum Beispiel auch schon übertragen. Also wir schreiben ja nicht nur Einsatzberichte bei einem Brand. Wir müssen ja auch, gerade wenn wir Patienten versorgen, also in meiner Folge, kümmern wir uns auch um den Rettungsdienst.
Florian Fastner Da schreibst du danach natürlich auch ein entsprechendes Rettungsdienstprotokoll. Und da brauchst du auch viele Patientendaten. Und die werden beispielsweise jetzt schon elektronisch von den Systemen übertragen, also Sauerstoffsättigung, EKG etc. etc. Wird da eben alles automatisch schon übertragen und du musst es dann gar nicht mehr manuell machen.
Florian Fastner Und was du auch gerade angesprochen hast, der Löschwasserverbrauch, da sind wir bei der Feuerwehr noch so ein bisschen am Anfang, aber die nächsten Jahre wird da auch immer mehr kommen. Also viele Fahrzeuge oder immer mehr Fahrzeuge werden wie so ein Flottenmanagement behandelt. Also die haben dann entsprechende Auswertedaten, GPS-Tracker, alles mit drin.
Florian Fastner Und dadurch wird es dann hoffentlich auch für den Einsatzleiter einfach sein. Einfacher sein, weil es natürlich danach auch immer sehr mühsam, von Auto zu Auto zu laufen und zu fragen, wie viel Löschwasser hast du jetzt verbraucht? Also das wäre für uns auch eine Riesenerleichterung und ist dann natürlich in der Nachbetrachtung auch super relevant, um dann zu schauen, okay, wie viel Löschwasser verbrauchen wir eigentlich bei was für Einsatztypen?
Florian Fastner Und gibt es vielleicht auch da Dinge, die wir zukünftig verbessern können?
Torsten Frenzel Ja, vielleicht könntest du ja sogar in Richtung Live-Reporting, Live-Tracking gehen, dass du frühzeitig noch irgendwie Wasser organisierst, wenn die Tanker leer sind.
Florian Fastner Ja, das ist nicht so ein großes Thema bei uns, weil wir, also das Wasser im Lösch, den Tank, den wir dabei haben, der hat meistens nur zwischen 1200 und 2000 Liter, also der ist nur zum Überbrücken da und wir schließen uns in der Regel immer sofort ans Hydrantennetz an oder holen uns das Wasser aus irgendeinem Teich raus.
Florian Fastner Aber gerade wenn es um das Thema Waldbrände geht, wenn die Fahrzeuge dann ein bisschen weiter weg sind, dann spielt es wiederum eine Rolle. Also ich gebe dir vollkommen recht, umso mehr Daten ich mir ziehen kann, umso besser. Aber zur Wahrheit gehört natürlich auch dazu, es muss auch jemand die Zeit haben, die ganzen Daten dann auszuwerten.
Florian Fastner Das heißt, sie müssen so aufbereitet sein, dass ich auch sinnvoll damit umgehen kann. Also sprich, da kann jetzt keiner irgendwie stundenlang irgendwelche Listen durchgehen, sondern ich brauche halt irgendeine Warnung, die dann sagt, hey, ich habe jetzt hier drei Fahrzeuge, die zu wenig Wasser haben.
Torsten Frenzel Und die Einsatzleitung ist bei euch immer vor Ort oder kommt da was aus der Leitstelle?
Florian Fastner Die Feuerwehr führt in der Regel von vorne. Also unsere Einsatzleiterinnen und Einsatzleiter sind immer an der Einsatzstelle. Bei sehr, sehr großen Lagen, also wenn du jetzt irgendwie eine Überschwemmung hast oder Stromausfall oder eine große Katastrophe, wenn du jetzt einen Flugzeugabsturz in der Stadt hast, dann wird in der Regel ein Einsatzstab berufen.
Florian Fastner Der ist dann in einem Gebäude, auch irgendwo in der Stadt, der muss auch nicht regional vor Ort sein. Und dann wird von dort aus der Einsatz geleitet. Aber alle normalen Einsätze, so der Dachstuhlbrand, der Brand von einem Hochhaus wird in der Regel immer von vorne geführt, was dazu führt, dass auch viele Feuerwehren größere Einsatzleitwegen haben.
Florian Fastner So ein 2-3-Achser-Lkw, der dann wie so eine kleine Leitstelle ausschaut und damit kann man dann auch vor Ort führen und hat auch die ganze IT-Ausstattung, die man dafür braucht.
Torsten Frenzel Und was mir auch direkt einfällt, ist, so eine Feuerwehr ist ja letztendlich auch nur eine öffentliche Verwaltung. Und ihr seid ja nicht nur vorne, sondern ihr habt ja auch Backends. Also ihr habt ja Büros, die besetzt sein müssen, Leitstellen, die besetzt sein müssen. Wie sieht es denn da aus mit der Digitalisierung? Gibt es da noch Handakten?
Florian Fastner Ja, die gibt es dann noch. Auch da kommt es halt wieder auf die Feuerwehr drauf an, in welcher Stadt wir uns befinden. Da ist man halt letztendlich von der Verwaltung abhängig. Also sprich, wenn die Verwaltung anfängt, ihre Personaldaten oder ihre Personalakten zu digitalisieren, dann zieht die Feuerwehr einfach mit.
Florian Fastner Gefühlt ist es so, dass wir über alles, was wir uns die ganze Zeit schon unterhalten haben, das Thema Einsätze, das sind vor allem die Feuerwehren der Treiber, weil die halt sagen, okay, wir wollen einfach an der Einsatzstelle besser werden und wir wollen auch die Informationen schnellstmöglich zur Verfügung haben.
Florian Fastner Bei den anderen Dingen, die du gerade beschrieben hast, wenn es um Personalverwaltung geht, irgendwelche Vorgänge, dann sind, glaube ich, viele Feuerwehren, wenn die einfach sagen, okay, ich gucke, was die Verwaltung macht. Wenn die digitalisiert, dann ziehen wir mit und wenn nicht, dann eben nicht.
Torsten Frenzel Ja gut, da hängt ja ein riesen Rattenschwanz dran. Also gerade freiwillige Feuerwehren, da gibt es ja eine Einsatzentschädigung. Das muss ja auch alles ausgezahlt werden.
Florian Fastner Das ist richtig. Da ist es aber so, dass in der Regel die Gemeinde die Abrechnung macht. Also sitzt nicht der Kommandant und rechnet da mit einem Taschenrechner, sondern die Daten werden halt der Gemeinde übermittelt. Und also ich begrüße es natürlich, wenn es möglichst elektronisch ist. Aber letztendlich muss die Gemeinde sich dann Gedanken machen, wie sie das dann möglichst effizient umsetzt, ob sie dann eine Excel-Tabelle hat oder ein super cooles Tool.
Florian Fastner Aber in der Regel ist es schon auch wieder so, dass die Feuerwehren, Wenn jetzt zum Beispiel Sicherheitswachen gemacht haben, dass sie das auch schon elektronisch irgendwo eintragen in ein Portal und dann die Kommune sich dann die Daten holen kann und dann in ihr Abrechnungssystem idealerweise importieren kann.
Florian Fastner Also soweit sind schon die meisten Feuerwehren. Da wird jetzt keiner mehr mit einem Zettel rumlaufen und den dann irgendwie bei der Gemeinde einschmeißen, wenn er jetzt irgendeine Wache gemacht hat.
Torsten Frenzel Du hattest vorhin erzählt, dass gerade die freiwilligen Feuerwehren auch so eine Dynamik entwickeln, dass die sich selber Lösungen bauen. Waren das früher hauptsächlich Hardware-Lösungen. Inzwischen fangen die an, auch sich Software-Lösungen zu bauen und die dann quasi in den Markt zu bringen. Wie sieht das da überhaupt aus? Gibt es da ein paar große Player?
Torsten Frenzel Gibt es da nur so, ich nenne es jetzt mal ganz despektierlich, Bastellösungen? Es ist nicht so gemeint, aber solche Lösungen, wie sieht es denn da aus?
Florian Fastner Also die Feuerwehr ist schon eine Nische und das Blöde ist halt in dem Bereich, dass auch die Feuerwehren sehr national sind. Also sprich, das Feuerwehrsystem in Deutschland ist ein völlig anderes als wie jetzt in Frankreich oder in Spanien. Und dadurch hast du sehr regionale Anbieter. Und da der Markt nicht besonders groß ist, sind es oftmals ja schon so kleinere IT-Buden, die da was entwickelt.
Florian Fastner Klar, es kann sein, dass dann irgendwie ein großer Fahrzeughersteller mal auf den Zug aufspringt und da jemand aufkauft. Aber erfahrungsgemäß sind kleine IT-Unternehmen dahinter mit den Vor- und Nachteilen. Vorurteile sind natürlich, sie können durchaus auch mal schnell was umsetzen, weil sie halt nah am Kunden dran sind.
Florian Fastner Aber sie haben dann vielleicht auch nur eine Handvoll Entwickler. Das heißt, wenn du größere Änderungen hast oder plötzlich mehrere Kunden dazukommen, dass dann gewisse Änderungen lange dauern. Und du bist halt auch von denen abhängig. Also wenn dann zwei Entwickler das Unternehmen verlassen, dann hast du als Feuerwehr wieder das Problem, dass es vielleicht mit der Entwicklung nicht mehr vorangeht.
Florian Fastner Das sind zumindest die Erfahrungen, die ich immer wieder höre, dass das manchmal so ein bisschen volatil ist, so kleine Anbieter von Feuerwehrlösungen.
Torsten Frenzel Wie viele Feuerwehren gibt es? Es gibt ja 11.000 Kommunen in Deutschland. Also müssten das auch ungefähr in der Richtung Feuerwehren sein, oder?
Florian Fastner Ja, das hängt so ein bisschen vom regionalen Feuerwehrrecht ab, weil es in Bayern zum Beispiel so ist, dass du sehr, obwohl du jetzt eine Gemeinde hast, also die Stadt Kempten, die hat eigenständige Feuerwehren in der Stadt Kempten. Jetzt gibt es andere Bundesländer, da sind alle Feuerwehren in diesem Ort dann wieder unter einer Feuerwehr subsumiert.
Florian Fastner Und das ist das Problem. Aber in der Regel ist es schon so, dass du jetzt pro Gemeinde gibt es zumindest eine federführende Feuerwehr, die sich dann schwerpunktmäßig um die Themen kümmert. Also das ist immer so ein Hauptverantwortlichen, nenne ich es mal.
Torsten Frenzel Okay. Da ist ja der Markt eigentlich gar nicht so klein. Da ist ja einiges noch an dem Markt da. Also auch in der öffentlichen Verwaltung gibt es große Player, was Verwaltungssoftware angeht.
Florian Fastner Das stimmt. Du musst allerdings dazu sagen, dass halt der Kostendruck in der freiwilligen Feuerwehr nicht so hoch ist, weil alles ehrenamtlich ist. Also was will ich damit sagen, wenn du jetzt in der Verwaltung bist und du sagst, ich muss jeden Monat ganz viele Abrechnungen machen und ich spare mir durch die Digitalisierung zwei Stellen.
Florian Fastner Dann kannst du halt die 130.000 Euro, die du dadurch sparst, dir nehmen und in eine Softwarelösung investieren. Wenn ich jetzt im Ehrenamt irgendeine Verbesserung herbeiführe, dann ist es erst mal 20.000 Euro, die im Raum stehen, die ausgegeben werden, weil ich spare dadurch ja nicht viel, weil ich habe ja keine Personalkosten an der freiwilligen Feuerwehr.
Florian Fastner Und das führt aus meiner Sicht dazu, dass wenn jetzt halt die freiwillige Feuerwehr um die Ecke kommt und der Gemeinde halt irgendwie 20.000 Euro, also nicht auf dem Tisch liegt, sondern irgendwas haben möchte, was eben so viel kostet, dass man dann erst mal gucken muss, wie schnell man dann den Geldbeutel aufmacht.
Florian Fastner Ich glaube, bei Feuerwehrfahrzeugen und Ausrüstung ist das relativ schnell der Fall, weil da habe ich natürlich die Verpflichtung. Aber wenn es dann um Optimierungen geht, um Digitalisierung, da könnte ich mir vorstellen, dass dann die eine oder andere Gemeinde ein bisschen zurückhaltender ist. Weil wie gesagt, du hast nicht so einen Personalkostendruck dahinter.
Torsten Frenzel Naja, in den Kommunen werden auch schneller neue Rathäuser gebaut, wie neue Fachverfahren angeschafft. Also so hat man zumindest manchmal den Eindruck. Aber kommen wir noch zu einem anderen Thema. Ich hatte ja vorhin schon gesagt, dass ich den Blog von unserer Feuerwehr hier beobachte. Und wenn ich mir das anschaue, das ist unsere Feuerwehr eher so am unteren Level der Transparenz.
Torsten Frenzel Man muss sich schon dafür interessieren. Du machst Social Media ganz stark mit Feuerwehrleben. Wie ist denn da die Feuerwehr überhaupt aufgestellt? Ist das auch wieder so total divers von Hochglanz bis hin zu wir machen gar nichts?
Florian Fastner Genau. Also es gibt Feuerwehren, die haben eigene Pressestellen und Pressebereiche, sowohl im hauptamtlichen als auch im ehrenamtlichen Bereich. Und es gibt Feuerwehren, die machen gar nichts. Zur Wahrheit gehört auch dazu, hängt so ein bisschen aber auch von der Gemeinde ab, weil die Feuerwehr ist erstmal nicht eigenständig. Das heißt, ich kann ja nicht einfach Öffentlichkeitsarbeit machen, wie ich will.
Florian Fastner Genauso auch wenig wie das Wasserwirtschaftsamt oder das Einwohnermeldeamt, sondern es gibt ja eine Pressekommunikationsabteilung der Gemeinde und die legt erstmal fest, wie kommuniziert wird. Auch da ist dann meistens die Feuerwehr so eine Sonderlocke, weil auch da muss ich halt auch zum 3 beim Großbrand irgendein Statement dazu abgeben und kann ich dann darauf verweisen, dass am Montag irgendwann in der Früh dann der Pressesprecher bereitsteht.
Florian Fastner Aber man muss dazu sagen, es muss halt dann wieder irgendjemand machen. Und gerade im Ehrenamt ist halt, also ich habe es früher ehrenamtlich gemacht, ich war Pressesprecher bei der Freiwilligen Feuerwehr in Kempten und da geht schon unglaublich viel Zeit rein. Auf der anderen Seite ist es aber auch so, ich muss natürlich als freiwillige Feuerwehr auch für Mitglieder werben und da muss ich auf mich aufmerksam machen.
Florian Fastner Also aus meiner Sicht ohne gute Öffentlichkeitsarbeit und ohne gute Mitgliederwerbung geht es heutzutage nicht mehr und deswegen ist da auch viel passiert in den letzten Jahren, aber es gibt sicherlich noch Feuerwehren, die da so ein bisschen hinterherhängen und noch Luft nach oben haben.
Torsten Frenzel In der öffentlichen Verwaltung sprechen wir ganz viel von Standardisierung. Jetzt hast du gesagt, dass ihr hardwaremäßig voll durchstandardisiert seid. Die Schläuche passen alle zusammen, die Löschmittel sind alle die gleichen und so weiter. Wie sieht es da aus mit dem Thema Datenerfassung, Datenübertragung, Software, Datenformate?
Torsten Frenzel Gibt es da Tendenzen oder gibt es vielleicht schon Standardisierung? Also in der öffentlichen Verwaltung haben wir das gute XÖV. Da gibt es jetzt ein paar Leute, die drüber schimpfen. Aber was anderes haben wir aktuell nicht. Wie schaut es da bei der Feuerwehr aus?
Florian Fastner Also es gibt keinen bundesweit einheitlichen Standard. Ist möglich, dass es in den Bundesländern etwas besser ist, weil auch da, wie ist die Feuerwehr gegliedert? Also es gibt erstmal, jedes Bundesland hat sein eigenes Brandschutzrecht. Und es kann eben sein, dass man da eben, wie gesagt in Bayern, man führt eben da ein System ein, um beispielsweise die Mitgliederdaten, die Einsatzdaten zu erfassen.
Florian Fastner Und dann werden eben den Feuerwehren bestimmte Zugangsmöglichkeiten zur Verfügung gestellt, um die Daten zu erfassen. Das heißt, da gibt es keine Schnittstelle und kein Datenformat. Aber es ist klar, wenn die Feuerwehr in diesem Tool, was zur Verfügung gestellt wird vom Freistaat Bayern, wenn sie da ihre Daten erfassen, können sie ihre eigenen Daten pflegen und automatisiert werden die Daten zusammengeführt.
Florian Fastner Aber ansonsten sind mir jetzt keine standardisierten Schnittstellen bekannt, die jetzt bundesweit einheitlich sind bei den ganzen Feuerwehren. Ich denke, bei den Leitstellen schaut es ein bisschen besser aus, weil man da eben dann auch auf Systeme zurückgreift. Da gibt es nicht so viele Anbieter auf dem Markt.
Florian Fastner Und wenn da ein Anbieter eine Schnittstelle baut, dann kann er die natürlich auch allen anderen anbieten. Aber auch da gibt es aus meiner Sicht schon noch eine ganze Menge Wildwuchs bei den Feuerwehren.
Torsten Frenzel Okay, also das gleiche Problem wie die öffentliche Verwaltung. Man könnte, aber man hat nicht. Dann rufe ich hierzu auf für das Format X-Feuerwehr. Vielleicht findet sich jemand, der das mitstandardisiert und mit dran denkt, wenn die Verwaltung digitalisiert wird.
Florian Fastner Ja, es ist zu begrüßen auf alle Fälle, ja.
Torsten Frenzel Genau. Standardisierung haben wir jetzt abgehakt. Wenn wir jetzt darüber sprechen, die Systeme sind alle vernetzt, die Systeme kommunizieren irgendwie miteinander. Wie sieht es mit dem Thema IT-Sicherheit aus?
Florian Fastner Ich muss zugeben, ich selbst habe das vor fünf, sechs Jahren auch eher ein bisschen lockerer gesehen, weil ich mich auch gefragt habe, wer hat Interesse an unseren Daten? Das hat sich jetzt natürlich so die letzten drei, vier Jahren extrem geändert. Also diese Bewusstsein, IT-Sicherheit ist natürlich auch bei uns Feuerwehrleuten angekommen.
Florian Fastner Da ist natürlich dann immer so ein Spagat zwischen, wie komfortabel ist es und wie sicher ist es. Und da habe ich halt auch Erfahrungen gesammelt, dass man sagt, es muss alles super sicher sein. Das heißt, wir dürfen diverse Tools nicht mehr nutzen, was dazu geführt hat, dass wir kaum mehr arbeitsfähig waren. Das ist dann wieder die Kehrseite.
Florian Fastner Aber das Thema ist bei uns schon sehr präsent und wird auch immer präsenter. Also da guckt, es gibt IT-Sicherheitskonzepte, die erstellt werden müssen. Wir haben einen IT-Sicherheitsbeauftragten bei uns im Haus und der guckt da natürlich ganz genau drauf, dass da auch keine Daten abfließen. Großes Problem ist natürlich das Thema Schatten-IT, weil wir haben ja schon gesagt, es gibt da viele freiwillige Vorwärme auch und das ganze Thema KI-Tools nutzen, muss man eben auch gucken, was da für Daten eben dann rausfließen.
Florian Fastner Aber ich hoffe doch sehr, dass durch die Ereignisse in den letzten Jahren die Leute echt sensibilisiert sind und da viel mehr Augenmerk drauf legen, als es halt noch vor fünf, sechs Jahren der Fall war.
Torsten Frenzel Mir geht es bei dem ganzen Thema eher um das Thema Resilienz. Also wenn ich jetzt eine Alarmierungsstelle oder sonstiges hacke, könnte nicht mehr alarmiert werden. Leitstelle, Abkappe von jeglichen Verbindungen, wird es schwierig mit der Koordinierung. Wie seid ihr da redundant aufgestellt?
Florian Fastner Also wir haben den Anspruch, es muss auch immer ohne gehen. Also ich habe es ja vorhin schon gesagt, als wir uns über die Leitstelle unterhalten haben, die Leitstellen haben Rückfallebenen. Das heißt, wenn das Hauptsystem nicht geht, gibt es ein Alternativsystem. Wenn ich nicht mehr per Luft alarmieren kann, dann muss ich eben schauen, dass ich über das Handy vielleicht alarmieren kann.
Florian Fastner Oder ich löse die Sirenen aus. Auch das ist ja ein Grund, warum viele Gemeinden wieder Sirenen aufbauen, um eben wieder einen alternativen Alarmierungsweg zur Verfügung zu stellen. Und ich glaube schon, dass die Feuerwehren immer im Hinterkopf haben, was ist denn, wenn das System nicht geht. ist auch der Anspruch, den wir an uns selbst haben.
Florian Fastner Also du kannst mir mein Tablet wegnehmen, mein Funkgerät wegnehmen und trotzdem kriege ich irgendwie den Einsatz hin, weil dann habe ich halt einen Zettel in der Hand. Und das ist eigentlich bei den meisten Vorhaben schon im Hinterkopf, weil wir sind ja oftmals auch in Katastrophengebieten im Einsatz oder bei Großschadenslagen.
Florian Fastner Und da ist es eben durchaus möglich, dass du weder Strom noch Internet noch Telefon hast. Und dann gibt es da beispielsweise dann auch so Rückfallebenen wie Satellitentelefonie, auf die man dann zurückgreift. Ist natürlich dann immer wieder so eine Frage, wie viel ist man bereit zu investieren? Aber es wird schon mitgedacht und es wird auch die letzten Jahre vermehrt Geld in die Hand genommen, um solche resiliente Systeme auch aufzubauen.
Torsten Frenzel Das heißt, ihr könnt auch, wenn es hart auf Hab geht, einen Melder mit dem Zettel hin und her schicken.
Florian Fastner Ja, also es gibt auch dann einen Kratmelder, der dann mit dem Motorrad hin und her fährt. Also klar, irgendwann ist jedes System am Ende. Also ich kann jetzt eine Großstadt nicht ohne Funk, ohne IT, ohne Strom abwickeln. Also das funktioniert dann irgendwann natürlich auch nicht mehr. Aber es ist schon so, dass du viele Rückfallebenen hast, die erstmal greifen, bis irgendwann gar nichts mehr geht.
Florian Fastner Und meine Erfahrung, jetzt bin ich auch seit über 30 Jahren bei der Feuerwehr, es ist schon mal so, dass was ausfallen kann und ich hatte jetzt auch schon Stromausfälle und Leitstellenausfälle und was weiß ich noch alles. Aber irgendwie hat es dann schon noch funktioniert, weil in den Köpfen eben drin ist, wie es Feuerwehr müssen irgendwie immer funktionieren und zur Not fährt halt einer mit dem Auto mal von A nach B, um die Information weiterzugeben.
Torsten Frenzel Können da vielleicht die Verwaltung auch was von euch lernen?
Florian Fastner Ja, da würde ich gerne Werbung dafür machen, weil, also Feuerwehrleute denken halt anders. Wir haben halt jetzt ein Problem, es ist irgendwie Samstagnacht und irgendwie kriegen wir das jetzt hin. Alle kommen zusammen und wir finden Lösungen. Das ist natürlich jetzt bei der Verwaltung ein bisschen was anderes, weil die gar nicht gewohnt sind, so zu arbeiten.
Florian Fastner Zur Wahrheit gehört dazu, dass wir manchmal vielleicht auch ein bisschen hemmsamlich sind, aber irgendwie komme ich halt zu einer Lösung. Und da müssen sich aus meiner Sicht auch die Gemeinden umstellen, weil Großschadenslagen ist nicht eine Aufgabe der Feuerwehr, sondern eine Aufgabe der Gemeinde. Und auch die muss ich dann Gedanken machen.
Florian Fastner Was mache ich denn, wenn jetzt in meiner Gemeinde oder wenn in meiner Stadt ein großflächiger Stromausfall ist? Wie kann ich denn als Verwaltung noch arbeiten? Wie kann ich Schulen, Tonhallen in Betrieb nehmen? Wie kann ich herausfinden, wo ich vielleicht noch irgendwelche bestimmten Notstromaggregate heranziehen kann?
Florian Fastner Und das sind so Sachen, die nicht nur die Feuerwehr interessieren, sondern vor allem auch die Verwaltung, weil die dafür verantwortlich ist.
Torsten Frenzel Also ich kann da nur drauf nochmal referenzieren. Ich war mal bei einer Katastrophenschutzübung in einem Landratsamt dabei. Mit dem Mikrofon, also tatsächlich vor Ort, das war sehr interessant, gibt es eine Podcast-Folge, die werde ich natürlich verlinken, sodass das jeder auch nochmal anhören kann. Wo ich noch drauf hinaus möchte ist, die Feuerwehr ist ja gewohnt in unbekannter Lage zu leben oder überhaupt in der Lage zu leben.
Torsten Frenzel Jetzt haben wir leider das Problem, dass innerhalb der öffentlichen Verwaltung immer wieder sogenannte IT-Lagen passieren, Cyberangriffe, wie man es auch immer nennen mag, wo plötzlich gar nichts mehr geht. Wäre das vielleicht eine Idee, dass man sich dann jemanden von der Freiwilligen Feuerwehr holt, der solche Lagen koordinieren kann, dass der mit in so einen Krisenstab mit reingeht?
Florian Fastner Also normalerweise ist es so, dass jede Gemeinde muss ja einen Krisenstab vorplanen. Wie du gerade gesagt hast, es gibt ja auch Lagen, die haben mit der Feuerwehr gar nicht so viel zu tun und normalerweise ist bei einem Krisenstab in der Gemeinde auch die Feuerwehr in irgendeiner Form vertreten. Es kann nicht schaden, einen Fachmann dabei zu haben, aber es muss schon klar sein, dass, die Feuerwehr dann nicht kompensieren kann. Weil ich muss ja davon ausgehen, dass wenn ich jetzt einen großflächigen Cyberangriff habe, dass die Feuerwehr ja tätig ist.
Florian Fastner Also sprich, ich kann ja nicht sagen, ich stelle jetzt meine Feuerwehrtätigkeit ein und kümmere mich jetzt um die Cyberlage, sondern ich muss ja trotzdem irgendwie funktionsfähig bleiben, weil der Cyberangriff hat ja vielleicht Auswirkungen aufs Gemeindegebiet, weil keine Ampeln mehr gehen oder die Wärmeversorgung zusammenbricht oder oder oder.
Florian Fastner Und dann ist die Feuerwehr halt wieder beschäftigt. Man muss aber dazu sagen, und du hast ja auch schon ein Beispiel angesprochen, Es gibt ja regelmäßig oder hoffentlich regelmäßig Katastrophenschutzübungen. Dann wird ja genau dieses Zusammenspiel geübt. Also wie funktioniert dann der Krisenstab der Gemeinde?
Florian Fastner Wie funktioniert der Krisenstab der Feuerwehr oder auch andere Krisenstäbe? Und die werden dann hoffentlich regelmäßig beübt, um dann einfach einen Ablauf zu haben. Also ich glaube, die meisten Gemeinden haben dann schon irgendwie schon mal was in der Tasche, um zu sagen, wir haben jetzt ein spontaner Ereignis mit dem Cyberangriff und dann kommen die entsprechenden Gremien zusammen und arbeiten dann, egal ob dann mit oder ohne Feuerwehr.
Torsten Frenzel Naja, die Cyberlagen, die ich bis jetzt miterlebt habe, da war niemand von der Feuerwehr dabei. Die haben die Krisenstäbe quasi aus dem ITler und dem Bürgermeister aufgebaut. Aber das ist ein anderes Thema. Also vielleicht auch hier wieder, denkt dran, liebe Kommunen, ihr habt Fachleute in den Kommunen.
Torsten Frenzel Das ist die Freiwillige Feuerwehr, die haben für vieles Know-how.
Florian Fastner Genau, also klar, wenn es jetzt darum geht, dass jetzt irgendein Server kaputt ist, da brauchst du keinen Stab einberufen. Aber klar, wenn der Cyberangriff so massiv ist, dass die Gemeinde nicht mehr arbeitsfähig ist oder eingeschränkt ist, dann macht es sicherlich Sinn, dann auch ein paar Leute von der Feuerwehr hinzuziehen, die dann mal so die Grundstruktur eines Stabes da zumindest mal unterstützen können.
Florian Fastner Ich formuliere es mal so.
Torsten Frenzel Genau, also das ist genau das, was ich mir auch vorstelle, dass ihr seid gewohnt, in Lagen zu leben und das ist die normale öffentliche Verwaltung, ist das einfach nicht. Da passiert was und dann, oh Gott, wie macht man jetzt weiter, wenn man aber mal jemanden hat, der sagt, ja gut, ist jetzt nicht das übliche Hausbrenn oder Unfall auf der Straße, sondern ist eine Cyberlage, aber wie man so eine Lage strukturiert oder wie man so eine Lagesteuerung strukturiert, das hat ja jeder Feuerwehrmann in sich.
Florian Fastner Und ja, also es kommt immer darauf an, auf welcher Ebene man als Feuerwehrmann unterwegs ist, weil das, was du ansprichst, sind ja wirklich Stabslagen. Und da hat man jetzt als normaler Feuerwehrmann auch nicht tagtäglich damit zu tun. Das gehört zur Wahrheit schon auch dazu. Aber man hat halt so ein Feuerwehr- oder Blaulichtgen in sich drin und man weiß halt schon, jetzt kommt es darauf an, jetzt halten wir zusammen und ich habe die grundsätzliche Hierarchie und Arbeitsweise und dann funktioniert das schon.
Florian Fastner Also ich kann es nur begrüßen, wenn ich eine Lage in der Gemeinde habe, mit der ich nicht zurechtkomme, kann es nicht schaden, da mal die Feuerwehr hinzuzuziehen. Da aber natürlich voraus, oder wäre eigentlich meine Hoffnung, dass man auch ohne Feuerwehr so gute Krisenstrukturen hat, die dann einfach auch funktionieren.
Torsten Frenzel Apropos Krisenstrukturen, das Thema KI. Welche Rolle spielt das Thema KI bei den Feuerwehren?
Florian Fastner Es ist noch so, dass man sehr zurückhaltend damit umgeht, weil das Problem ja immer ist, wo fließen denn die Daten hin. Das ist einfach das große Thema, was wir haben. Ich bin aber davon überzeugt, dass die nächsten Jahre das ein Riesenthema sein wird. Zum einen, um eben die riesigen Datenmengen auszuwerten und eben auch sich Gedanken oder dass die KI sich dann auch Gedanken macht, wie kann ich beispielsweise in der Stadt meine Fahrzeuge besser verteilen, weil die KI halt weiß, okay, wir haben morgen Abend ein Fußballspiel, wir haben 30 Grad.
Florian Fastner Deswegen gehe ich davon aus, dass im Süden der Stadt ein erhöhtes Einsatzaufkommen ist und ich verschiebe schon oder ich mache einen Vorschlag, um die Fahrzeuge zu verschieben. Das werden sicherlich Dinge werden, die immer mehr kommen werden, wird auch unter dem Titel Predictive Analytics eben auch behandelt.
Florian Fastner Und wo man sich sicherlich auch vorstellen kann, ist beispielsweise in der Leitstelle, dass man sagt, okay, du rufst an und während du in der Leitstelle, Warteschleife hängst, wenn man dich noch nicht sofort entgegennehmen kann, dass dann eine KI schon mal mithört oder dir Fragen stellt, die dann schon mal automatisiert ausgewertet werden.
Florian Fastner Also das sind so Sachen, die spannend sein werden. Und irgendwann Thema Robotik, finde ich gerade aus Feuerwehrsicht auch noch sehr, sehr spannend. Wir haben ja immer mal wieder Einsätze, die sind auch ziemlich gefährlich. Wenn ich da zukünftig da irgendwie dann auch einen Roboter hinschicken kann, dann ist es wahrscheinlich auch für uns, etwas weniger gefährlich und das Verletzungsrisiko wird massiv reduziert.
Torsten Frenzel Du hast gerade gesagt, Fahrzeuge verschieben oder Einsatzkräfte verschieben, werden dann quasi die Fahrzeuge irgendwo an den Straßenrand gestellt, schon mal irgendwie in die Nähe oder werden dann bestimmte Feuerwehr, bestimmte Feuerwehr, Depots nennt ihr das, keine Ahnung, da mit Zusatzequipment aufgerüstet?
Florian Fastner Also was wir jetzt schon machen, aber alles manuell, ist beispielsweise, wenn du jetzt ein großes Ereignis in der Stadt hast, dann werden eben weitere Fahrzeuge oder weitere Rettungswege alarmiert und halt im Stadtgebiet verteilt, um die Wachen, die jetzt halt nicht mehr da sind, um das einfach zu kompensieren.
Florian Fastner Was man eben auch machen kann, wenn du jetzt eine Veranstaltung hast, dass du sagst, okay, du nimmst jetzt mal zwei Rettungswagen und stiebst sie mal in dem Bereich, weil du davon ausgehst, dass da mehr Einsätze sind. Aber das sind halt Entscheidungen, die, sage ich mal, noch nicht so auf einer sehr großen Datenbasis basieren.
Florian Fastner Ich finde es halt sehr, sehr spannend, dass man halt sich mal wirklich anguckt, was für ein Tag ist, welche Uhrzeit, was macht das Wetter. Dann gibt es vielleicht eine Korrelation, dass halt in gewissen Stadtteilen mehr los ist. Und ich meine, die Polizei hat ja auch ähnliche Ansätze, um zu gucken, wo wird denn dann eingebrochen oder wo habe ich mehr Schlägereien.
Florian Fastner Und sowas finde ich dann schon sehr spannend, weil ich habe ja ganz am Anfang gesagt, das Interesse der Feuerwehr ist ja immer, so gut wie möglich zu helfen. Und wir haben ja momentan uns unterhalten zum Zeitpunkt, wenn jemand anruft. Aber cooler ist natürlich, wenn ich halt noch vor dem Anruf vielleicht schon mal präventiv ein bisschen was machen kann.
Florian Fastner Und ich glaube, dass da KI zukünftig eine große Rolle spielen wird.
Torsten Frenzel Da könnte ich mir auch gut vorstellen, dass die KI gut auch in der Prävention eingesetzt wird. Also auch so, wenn gerade Thema Veranstaltungen, wenn Veranstaltungen sind, zu checken, was könnte denn passieren? Wo könnte man dann vielleicht schon einen Kübel Wasser mehr hinstellen oder so?
Florian Fastner Ja, oder was ich auch spannend finde, wenn du halt von oben auf die Stadt schaust, dir die Personen- und Verkehrsströme anguckst und da schon mal präventiv was machen kannst, wenn du eben merkst, oh, da entwickelt sich jetzt irgendwie ein Stau, dass man dann eben schon mal sagt, okay, ich muss halt jetzt ein paar Rettungswagen von der Nordseite der Stadt in die Südseite verschieben, weil die KI anhand der Bewegungsmuster erkennt, dass sich da eben langsam ein Stau bildet und ich deswegen eine längere Anfahrt habe.
Florian Fastner Und das sind so Dinge, die aus meiner Sicht die nächsten Jahre auf jeden Fall kommen werden und dann hoffentlich dazu führen, dass wir wiederum schneller werden.
Torsten Frenzel Jetzt habe ich noch eine persönliche Frage. Ich habe mir vor vielen, vielen Jahren ein Elektroauto gebaut. Und überall immer mir anhören müssen, die Feuerwehren können damit nicht umgehen, du wirst verratzt, wenn du einen Unfall baust. Also habe ich mir so einen QR-Code gekauft, den man einscannt und die Feuerwehr sehen kann, wo sie welches Kabel durchknipsen darf, muss oder soll.
Torsten Frenzel Aus Sicht eines Profis, macht sowas Sinn? Macht sowas Sinn, dass man sich im Auto darauf vorbereitet, dass irgendwas passieren kann und die Feuerwehr irgendwie leichtgewichtig Informationen zu dem Fahrzeug zum Beispiel bekommt?
Florian Fastner Also es kann nicht schaden. Die spannende Frage ist natürlich, finde ich dann in der Nacht oder wo das auch immer der Einsatzort ist, so schnell den QR-Code. Meine Anspruchshaltung ist da eine andere. Also wenn man das macht, ist es schon mal prima, aber die Feuerwehr sollte natürlich vorbereitet sein.
Florian Fastner Auch da kommt wieder das Thema Digitalisierung. Ich kann über die Kennzeichenabfrage mir Fahrzeugdaten holen. Also sprich, ich melde der Leitstelle das Kennzeichen. Das ist übrigens auch interessant, wenn man den Notruf wählt, weil manche Leitstellen das schon abfragen. Also nicht wundern, wenn man beim Notruf dann auch die Frage gestellt bekommt, nennen Sie mir bitte das Kennzeichen des Fahrzeugs, weil ich dann über die Daten mir ein Datenbad runterziehen kann, schon auf der Anfahrt und gucken kann, okay, was ist es für ein Auto?
Florian Fastner Du hast gerade gesagt, Thorsten, welche Kabel kann ich wo durchschneiden? Ist es überhaupt ein Elektrofahrzeug oder ein Gasbetrieb in das Fahrzeug? Und das wäre jetzt der Anspruch an mich als Feuerwehr, dass sich eben nicht der Besitzer darum kümmern muss, sondern ich als Feuerwehr, als Serviceleistung anbiete.
Florian Fastner Aber da nicht alle Feuerwehren über sowas verfügen, kann es nicht schaden, wenn du eben die Informationen über den QR-Code oder einfach im Handschuhfach drin liegen hast oder oben in der Sonnenblende drin hast, dass ich mir dann das Datenblatt holen kann als Zettel und gucken kann, was das für ein Fahrzeug ist.
Torsten Frenzel So, jetzt sind wir schon ganz schön mit einem ziemlich schnellen Ritt durch unsere Themen durch. Wir sind schneller, als wir eigentlich geplant hatten. Gibt es noch was, was du unbedingt noch zum Thema Digitalisierung der Feuerwehren noch mitsagen möchtest?
Florian Fastner Also ich denke, das Allerwichtigste, das Thema haben wir auch schon kurz angeschnitten, ich bin ein großer Freund von Digitalisierung und wir müssen uns da auch weiterentwickeln. Man muss sich aber immer noch bewusst sein, die Feuerwehr muss auch funktionieren und auch die Gemeinde muss auch funktionieren, wenn das alles nicht zur Verfügung steht.
Florian Fastner Und da bin ich manchmal so ein bisschen vorsichtig. Weil man eben sich dann sehr viel auf so Hypes draufstürzt und es alles so wunderbar ist. Aber wenn mal der Strom weg ist oder der Server weg ist, müssen wir immer noch arbeiten. Das ist das eine. Also da auch immer noch einen Plan B haben oder noch besser einen Plan C.
Florian Fastner Und was man sich auch bewusst machen muss, es darf nicht zu komplex sein, weil die ganzen Anwendungen, die man so nutzen kann, das klingt wunderbar, wenn man sich tagtäglich damit beschäftigt. Das tut der Feuerwehrmann und die Feuerwehrfrau aber nicht, sondern der hat mal zwei, drei Monate nichts im Einsatzzeitwagen zu tun, weil er keine Einsätze sind, wenn ich jetzt bei einer kleineren freiwilligen Feuerwehr bin und dann muss es wieder klappen.
Florian Fastner Und da bin ich auch so ein Freund zu back to the roots. Also lieber habe ich weniger Anwendungen, die ich sicher und gut bedienen kann, als wenn ich da lauter Hightech-Sachen habe, wo ich mir dann echt schwer tue, dann nachts um drei Uhr das sicher zu bedienen. Und deswegen Digitalisierung da, wo es Sinn macht, aber nicht mit aller Gewalt, weil zum Schluss habe ich dann vielleicht ein Problem, was ich davor nicht hatte und dann habe ich das auch nicht besser gemacht.
Torsten Frenzel Ja, und letztendlich, der Einsatz wird immer analog sein. Digitales Wasser, digitales Feuer gibt es nicht.
Florian Fastner Ja, das habe ich auch erst mal gedacht, aber wenn ich mir die aktuellen Videos anschaue, was humanoide Roboter schon leisten können, dann bin ich mir ehrlich gesagt nicht so sicher, ob in 30 oder 40 Jahren noch Menschen mit Atemschutzgeräten und Strahlrohren ins Gebäude gehen, sondern da könnte ich mir schon vorstellen, dass du zukünftig außen bist mit einem Einsatzleitwagen und eine Armee von Robotern steuerst, die dann ins Gebäude reingehen oder vielleicht gar nicht mehr vor Ort bist, sondern nur noch an der Leitstelle sitzt und da alles koordinierst.
Florian Fastner Also ich denke, das wird über kurz oder lang die Zukunft sein, wenn man sich anschaut, wie rasant die Entwicklung die letzten Jahre war.
Torsten Frenzel Florian, vielen Dank. Jetzt erzählst du vielleicht nochmal ganz kurz was zu deinem Social-Media-Auftritt Feuerwehrleben, dass die Leute wissen, wo sie sich finden, weil ich finde, der Content ist super interessant, auch wenn man nicht bei der Feuerwehr ist.
Florian Fastner Thorsten, danke für die Rückmeldung. Ja, relativ einfach, einfach mal bei Google Feuerwehrleben eingeben. Ich bin da auf den gängigen Social-Media-Kanälen und mache diverse Themen rund um die Feuerwehr. Das sind manchmal sehr spezifische Themen, also wenn wir uns über das Leiten von Einsätzen Gedanken machen, wie so ein Einsatzstab aufgebaut ist oder wie man am besten mit Schere und Spreizer ein Auto auseinander nimmt, das verunfallt ist.
Florian Fastner Aber ich gehe auch auf allgemeine Themen an. Vor kurzem war ja erst die in der Schweiz, dieser dramatische Brand in der Bar. Und da habe ich dann auch ein ausführliches Video dazu gemacht, um einfach mal jemand, der nichts mit Feuerwehr zu tun hat, zu erklären, wie es denn zu so einem Brand kommen kann, was da die Probleme waren und was dann auch die Herausforderungen für die Feuerwehr sind.
Florian Fastner Und wie gesagt, ob es TikTok, Instagram, Facebook, YouTube ist ja einfach mal Feuerwehrleben eingeben. Da müsste man dann meinen Kanal ziemlich schnell finden.
Torsten Frenzel Ja, Florian, vielen Dank, dass du bei mir warst im E-Gamman-Podcast. Euch, liebe Hörerinnen und Hörer, vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.
Florian Fastner Danke auch für die Einladung, Thorsten, und alle, die zugehört haben, noch einen schönen Tag. Tschüss.