
eGovernment Podcast· Folge 261
Lisa vs Thorsten - Einsatz von KI in der öffentlichen Verwaltung
Samstag, 9. Mai 2026 · 45 min
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Shownotes
Lisa vs Thorsten ist das neue Debattenformat im eGovernment Podcast.
In dieser Sendung geht es um die Frage: Soll der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in bestehenden Verwaltungs- und Arbeitsprozessen erst erfolgen, nachdem diese grundlegend überprüft, vereinfacht oder abgeschafft wurden?
Wir wollen hier verschiedene Positionen debattieren und sichtbar machen, wobei die vertretenen Positionen nicht unbedingt den persönlichen Positionen der Debatant:innen entsprechen müssen.
Shownotes und Kommentare unter: egovernment-podcast.com/egov261-lvt-ki-verwalt…
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Torsten Frenzel Ja, hallo und herzlich willkommen beim E-Gammerman-Podcast. Ich bin Thorsten Frenzel und wenn ihr das hier hört. Lisa, das ist Thorsten. Dann wisst ihr, worum es heute wieder geht. Ich habe wieder die Lisa und den Thorsten bei mir im Studio und die werden sich wieder einen ordentlichen Schlagabtausch liefern.
Torsten Frenzel Hallo Lisa, hallo Thorsten, ich grüße euch.
Lisa Froschhammer Hallo zusammen.
Thorsten Rode Moin Moin!
Torsten Frenzel Schön, dass ihr da seid. Das Format ist gefällt mir immer besser. Das macht riesig Spaß. Auch der Tatsache, dass ich wenig vorbereiten muss, dass die ganzen Vorbereitung bei euch liegt. Das ist natürlich auch ein großer Vorteil. Aber bevor wir loslegen wollen, möchte ich den Zuhörerinnen und Zuhörern nochmal erklären, worum es hier in dem Format geht.
Torsten Frenzel Das ist ein Format nach dem klassischen Debattenformat von Jugend debattiert. Da haben wir uns einfach ein bisschen bedient. Also ihr werdet da viele Ähnlichkeiten feststellen. Jeder wird zu Beginn fünf Minuten seinen Pro- und beziehungsweise seine Kontraargumente vortragen. Dann gibt es 20 Minuten Diskussion. Aber auch hier werde ich ein bisschen aufpassen, dass nicht zu lange Monologe passieren, weil wenn zu lange Monologe passieren, dann wird ihr das hören.
Torsten Frenzel Und dann wissen auch die Zuhörerinnen und auch die Debatanten, dass sie sich vielleicht jetzt mal etwas kürzer fassen müssen. Genau, und diese ganze Debatte beginnt mit... Wenn ihr das hört, dann geht es los und dann beginnt heute die Lisa, weil der Thorsten hat die Abstimmung gewonnen. Und zwar, wir machen ja am Ende eine Abstimmung, wer die Debatte gewonnen hat.
Torsten Frenzel Und da hat Thorsten wirklich, wirklich hauchzart gewonnen vor Lisa und er hat sich dann für die Pro-Seite entschieden. Da er den Vorteil hat der ersten Wahl, hat Lisa den Vorteil des ersten Einstieges. Und ja, ihr beide seid fit, ihr seid soweit, dass wir loslegen können. Dann würde ich nämlich mal das Thema vorlesen.
Torsten Frenzel Soll der Einsatz von künstlicher Intelligenz in bestehenden Verwaltungs- und Arbeitsprozessen erst erfolgen, nachdem diese grundlegend überprüft, vereinfacht oder abgeschafft wurden? Ein Thema, wo, glaube ich, jeder was zu sagen kann, aber es beginnt als allererstes mal die Lisa und los geht's.
Lisa Froschhammer Ich freue mich, also hallo Thorsten und hallo Thorsten und hallo alle die zusammen, die draußen zuhören. Ich möchte anfangen und einem der hartnettigsten und zugleich gefährlichsten Zeugungen in unserer heutigen Verwaltungszeit widersprechen. Dem Logma, dass wir alles erst grundlegend aufräumen müssen, bevor wir künstliche Intelligenz überhaupt einsetzen dürfen.
Lisa Froschhammer Diese Logik mag vernünftig klingen, aber in der Realität ist sie eine Sackgasse. Denn sie basiert auf der Annahme, dass ein komplexes System wie unsere Verwaltung jemals fertig aufgeräumt sein kann. Verwaltung ist kein statisches Gebilde. Sie verändert sich permanent durch neue gesetzliche Anforderungen, politische Prioritäten und steigende Erwartungen.
Lisa Froschhammer Wer darauf wartet, dass dieses System stabil und perfekt ist, wird niemals beginnen. Und genau darin liegt unser eigentliches Problem. Wir haben keine Zeit mehr für Vorübungen. Bis 2030 verliert der öffentliche Dienst über eine Million Beschäftigte. Das ist auch kein theoretisches Szenario mehr, sondern eine konkrete Entwicklung, die unsere Handlungsfähigkeit unmittelbar betrifft.
Lisa Froschhammer Wenn wir jetzt Jahre damit verbringen, Prozesse zu analysieren und zu restrukturieren, verschieben wir nicht die Lösung, nein, wir verlieren sie. Wir haben kein Danach mehr, in dem wir in Ruhe digitalisieren können. Transformation muss im laufenden Betrieb stattfinden oder sie wird gar nicht stattfinden.
Lisa Froschhammer Vor diesem Hintergrund greift auch das Argument zu kurz, künstliche Intelligenz funktioniere nur auf bereits optimierten Prozessen. Das Gegenteil ist der Fall. KI ist nicht das Ergebnis von Ordnung, sie ist ihr Auslöser. Ein ineffizienter, manueller Prozess bleibt oft über Jahre bestehen, weil seine Schwächen im Alltag verborgen bleiben. Er funktioniert irgendwie.
Lisa Froschhammer Langsam. Intransparent. Aber doch so stabil genug, um nicht grundsätzlich hinterfragt zu werden. Und ohne KI bleibt dieses Problem unsichtbar. Aber mit KI wird es messbar und damit veränderbar. Das heißt, KI wirkt wie ein Kontrastmittel im System. Sie macht sichtbar, wo Daten fehlen, wo Logiken nicht greifen und wo unsere Strukturen unnötig komplex sind.
Lisa Froschhammer Sie zwingt uns zur Aufgabenkritik, nicht theoretisch, sondern im konkreten Arbeitsalltag. Genau darin liegt ihr eigentlicher Wert. Nicht nur in der Automatisierung, sondern in der Offenlegung von Schwachstellen. Damit wird auch deutlich, warum der klassische Ansatz, Erst optimieren, dann digitalisieren, wenn der Praxis einfach nicht funktioniert.
Lisa Froschhammer In komplexen Systemen entsteht Erkenntnis nicht allein durch Analyse, sondern immer durch Anwendung. Prozesse lassen sich nicht vollständig im Vorfeld verstehen. Sie werden erst im Einsatz wirklich sichtbar. Und wer KI nutzt, lernt durch Nutzung. Wer nur vorbereitet, produziert weitere Konzepte, aber keine Veränderung.
Lisa Froschhammer Deshalb braucht es einen Perspektivwechsel. Digitalisierung darf nicht länger als Belohnung für eine bereits optimierte Organisation verstanden werden. Nein, sie ist das Werkzeug, mit dem diese Optimierung überhaupt erst möglich wird. Das bedeutet nicht unkontrolliertes Vorgehen, sondern bewusstes, gesteuertes Lernen im Betrieb.
Lisa Froschhammer Agilität statt Perfektionismus. Anwendung statt Analyse. Daher ist meine Position eindeutig. Wer heute fordert, erst aufzuräumen und dann KI einzusetzen, verschiebt notwendige Entscheidungen in eine unbestimmte Zukunft. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen bedeutet das faktisch, auf Veränderungen zu verzichten.
Lisa Froschhammer Wer wartet, wird nicht besser organisiert. Er verliert die Fähigkeit zu handeln. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob unsere Prozesse bereit für KI sind. Die entscheidende Frage ist, ob wir es uns leisten können, weiter ohne sie zu arbeiten.
Torsten Frenzel Lisa, nahezu perfekt 5 Minuten fast auf die Sekunde, hervorragend vielen Dank für deine Kontra-Argumente und jetzt ist Thorsten dran mit seinen Pro-Argumenten und du hast auch wieder 5 Minuten.
Thorsten Rode Stell dir vor, liebe Lisa, dein Büro ist ein einziges Chaos. Akten überall, kein System, niemand findet nur im Ansatz irgendetwas. Und jetzt kommt jemand und sagt, kein Problem, wir kaufen einen Roboter und das Chaos für dich, das ist verwaltet. Würdest du das wollen? Wahrscheinlich ja. Würde das Sinn machen? Ich denke, nee.
Thorsten Rode Genau, aber das ist das, worüber wir heute sprechen. Denn genau das passiert gerade in vielen Verwaltungen, wenn KI eingesetzt wird. nicht als Werkzeug der Erneuerung, sondern als digitales Pflaster auf ein wundes System. Bill Gates hat einmal gesagt, Automatisierung, die auf einen ineffizienten Prozess angewendet wird, vergrößert die Ineffizienz.
Thorsten Rode Das ist keine Provokation, das ist eine Warnung. Wahrscheinlich aus einem ähnlichen Hintergrund hat George Westermann vom MIT gesagt, digitale Transformation dreht sich nicht um Technologie, sondern um Strategie und neue Denkweisen. Lisa, wahrscheinlich wirst du auch gleich in der Debatte sagen, wir haben keine Zeit zum Aufräumen.
Thorsten Rode Die Verwaltung steht unter Druck. Wir müssen jetzt handeln, sofort mit den Mitteln, die wir haben. Das klingt entschlossen. Das klingt mutig. Aber Lisa, es ist ein Irrtum. Denn Schnelligkeit ohne Richtung ist keine Stärke. Sie ist Aktivismus. Und teure Technologie, die auf kaputten Grundlagen aufsetzt, wird nicht besser, sie wird nur schneller falsch.
Thorsten Rode Ich rede nicht von Perfektion. Ich rede nicht davon, jahrzehntelang auf den idealen Moment zu warten. Das wäre meine Kritik an der Verwaltung und auch nicht mein Programm. Ich rede von einer einfachen, professionellen Grundregel, die in jedem Unternehmen gilt. Bevor ich etwas automatisiere, muss ich verstehen, was ich da eigentlich tue.
Thorsten Rode Ist dieser Schritt überhaupt nötig? Macht dieser Prozess Sinn oder haben wir ihn nur so lange gemacht, dass niemand mehr fragt, warum? Wenn wir das nicht klären, bevor wir KI einschalten, dann kaufen wir uns Geschwindigkeit auf dem falschen Weg. Und je schneller man auf dem falschen Weg unterwegs ist, desto schwieriger wird die Umkehr.
Thorsten Rode Lisa, du sagst, KI kann der Motor der Veränderung sein. Da gebe ich dir sogar recht. Aber der Motor ohne Lenkrad ist kein Fortschritt. Er ist ein Unfall. Auf Sicht. Der öffentliche Dienst trägt Verantwortung, nicht nur für Effizienz, sondern für Verlässlichkeit, für Rechtskonformität, für das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger.
Thorsten Rode Das Vertrauen rechtfertigt keine Experimente auf Kosten laufender Prozesse. Es verlangt Sorgfalt. KI ist ein mächtiges Werkzeug, aber ein Werkzeug verstärkt immer das, was schon da ist, das Gute wie das Schlechte. Wer also wirklich besser werden will, nicht nur schneller, der muss zuerst wissen, wohin er will.
Thorsten Rode Erst denken, dann bauen. Erst aufräumen, dann automatisieren. Lisa, ich bin sehr gespannt auf diese Debatte.
Torsten Frenzel Wunderbar. Also ich bin sehr froh, dass ich nicht mit euch diskutieren muss, weil bei diesen Argumenten, da fällt mir wenig ein. Aber jetzt kommen wir zum interessanten Thema. Und jetzt könnt ihr direkt in den Infight gehen. Und Lisa, magst du vielleicht anfangen? 20 Minuten haben wir Zeit.
Lisa Froschhammer Sehr gerne. Können wir historisch gewachsene Ineffizienten gar nicht unbedingt sofort erkennen. Genau dafür gibt es KI-gestütztes Process Mining. Die Prozesse werden datenbasiert in Echtzeit analysiert, anstatt sie theoretisch am Reißblatt zu planen. Und unsere KI-Sprachmodelle können wir als intelligente Schutzschicht über bestehende, unvollkommene Abläufe legen und dadurch können die Menschen trotzdem auf der Stelle sofort entlastet werden und wir können unser System iterativ besser machen.
Thorsten Rode Also du sprichst gerade von Process Mining, liebe Lisa, aber so ein Einsatz von Process Mining, wie erfolgt denn der? Planst du den oder erfolgt der auch iterativ? Wenn du Process Mining einsetzen möchtest, dann musst du Process Mining auch planen. Dann musst du erstmal wissen, was will ich überhaupt wissen, was will ich überhaupt sehen.
Thorsten Rode Und da fängt es nämlich schon an. Du argumentierst an der Stelle schon mit einem Ding, was du vorab planen musst, um KI einzusetzen. Und nicht einfach zu sagen, so pass mal auf, ich mache hier Process Mining, ich setze das Ding hier einfach rein. Und ja, dann kommt da mal irgendwas raus. Du musst auch wissen, wo du hin willst und du musst wissen, was du sehen willst. Und das ist der Punkt.
Thorsten Rode Genau das ist der Punkt, wo ich sage, wir müssen genau planen, was wir wollen. Wir müssen Ziele vor Augen haben und wir müssen uns das heraussuchen, was wirklich weh tut. Wir haben die Möglichkeit, uns die Prozesse anzugucken, die wirklich viel von der Uhr nehmen, vielleicht Vollzeitäquivalenten an Erleichterungen und so weiter und so fort.
Thorsten Rode Und das ist das, was wir tun müssen. Wir haben 3000 Prozesse und das können wir nicht alles gleichzeitig und einfach nur mal sagen, wir schmeißen da mal ein bisschen KI rein und dann läuft das alles.
Lisa Froschhammer Ich habe auch nie gesagt, dass wir KI blind reinwerfen, aber ich habe dir gesagt, dass es uns nichts bringt, wenn wir uns ganz genau davor überlegen, was ich denn verbessern möchte. Weil wenn ich davor weiß, was ich präzise verbessern will, dann ist eher die Frage, wieso zur Hölle habt ihr das nicht schon längst getan?
Thorsten Rode Ja, die Frage ist natürlich auch schnell.
Lisa Froschhammer Ja, aber du gehst davon aus, dass alles erst geplant und überdacht werden muss. Während ich sage, okay, lasst uns einmal kurz anfangen. Ich habe auch gesagt, wir müssen iterativ arbeiten. Das heißt, wir haben ein Ziel, wir fangen an anzusetzen und dann nehmen wir das Beispiel von den Stadtwerken Bonn.
Lisa Froschhammer Die haben mit ihrem Prozess Mining festgestellt in einer Plausibilitätsprüfung, dass 75% ihrer Meta-to-Cash-Prozesse überflüssig waren. Das brachte eine Einsparung von 570 Arbeitsteigen. Und jetzt sag mir mal, dass das nicht auch ein Thema ist, was du nicht sowieso weißt, wenn du in der Verwaltung täglich bist.
Lisa Froschhammer Die Prozesse, die wehtun, die kennen wir. Viel wichtiger ist es anzufangen und zu versuchen, unsere Prozesse zu überarbeiten und Process Mining und KI können hier wahnsinnig gut helfen.
Thorsten Rode Ich gebe dir gar nicht Unrecht, dass Prozessmining an der Stelle helfen kann. Nur wie viele Prozesse hat denn eine Stadtverwaltung und wie viele Prozesse hat denn eine Stadtwerke? Jetzt guckt dir mal den großen Spielraum an, den wir bei uns in der Stadtverwaltung haben. Vom Friedhofswesen über Grünflächenamt bis hin zu Antragswesen und vielleicht Finanzen oder andere zentrale Dinge.
Thorsten Rode Das kann man gar nicht so genau miteinander vergleichen, muss man ganz ehrlich sagen. Und wir haben so viele Prozesse, wo es überhaupt gar nicht darauf ankommt, dass wir uns die anschauen. Sondern wir haben ganz bestimmt Prozesse, die wir uns ganz dringend, ganz genau anschauen müssen. Es ist klar, dass du sagst, ja, das hätte man vorher auch verändern können.
Thorsten Rode Ja, richtig, aber nie war es so einfach und nie hatten wir so Werkzeuge, wie wir es jetzt haben. Und das wird Tag für Tag besser. Und an der Stelle, wo wir wirklich planen können, was können wir mit den neuen Techniken wo erreichen? Wo können wir irgendwelche Sachen aufbrechen, wo wir im Prinzip Datensilos haben?
Thorsten Rode Da ist es an der Stelle eben wichtig, auch vorher zu planen und vorher zu wissen, wie ist meine Lage überhaupt und wo kann ich da überhaupt ansetzen, um die richtigen Dinge zu tun?
Lisa Froschhammer Ich verstehe den Gedankengang, dass du sagst, wir haben so viele verschiedene Bereiche in der Verwaltung. Aber ich muss dir auch sagen, jeder, der in der Verwaltung arbeitet, weiß genau, welche Bereiche die Bereiche sind, die A. Zuerst anfangen müssen, weil sie möglicherweise am stärksten unterbesetzt sind oder B.
Lisa Froschhammer Die überhaupt dazu bereit sind, sich darauf einzulassen. Aber du sprichst von einer 100% Planung gefühlt und das ist für mich eine Planungsillusion und eigentlich eine Grundlage, warum ganz, ganz viele IT-Projekte heutzutage scheitern. Der Perfektionismus von wegen, wir müssen den Prozess auf dem Papier erst optimieren, führt zwangsläufig dazu, dass nichts getan wird.
Lisa Froschhammer Das heißt, die Versuchung ist wirklich groß, vor allem in Bereichen der Verwaltung, wo so viele strukturierte und logisch denkende Menschen arbeiten, die dann im Vorfeld alles perfekt planen wollen. Und da entstehen dann Informationsasymmetrien zwischen den Planern und der gelebten Praxis in den Fachbereichen.
Lisa Froschhammer Die Realität zeigt doch, je länger und starrer ein Projekt geplant wird, desto höher ist das Risiko, dass das Budget explodiert oder das Verfehlen der Projektziele eintrifft. Wir brauchen vielmehr istruptive Innovation mit Trial & Error und Pilotierungen.
Thorsten Rode Und du gehst ein Stück weit aber davon aus, dass Technologien irgendwelche Organisationen transformieren können. Und das können sie nicht. Das Konzept von Learning by Doing, das setzt voraus, und dann sind wir beim Thema Kultur, dass Feedback-Schleifen existieren, Fehler sichtbar gemacht werden und Anpassungen schnell implementiert werden können.
Thorsten Rode Öffentliche Verwaltungen, die sind nicht so gestrickt, dass sie sagen, oh, pass mal auf, wir machen hier Fehlerkultur, sondern es geht ja eigentlich um Fehlervermeidung. Es geht genau darum, Fehler zu vermeiden. Das ist das, wie die öffentliche Verwaltung tickt. Und das ist das typische Ding, wo man sagt, Culture eats strategy for breakfast an der Stelle.
Thorsten Rode Und je länger ich die Möglichkeit habe, Dinge vernünftig durchzuplanen, alle Leute mitzunehmen, die zu beteiligen. Mitspracherechte einzuräumen, je mehr ich die Möglichkeit habe, punktuell diese Leute auch so mitzunehmen, wie sie es benötigen, damit das, diese Transformation gelingt, desto besser ist es.
Thorsten Rode Und das muss ich sehr, sehr gut planen. Und ich kann nicht einfach auf eine Verwaltung, die allein im Kopf eine Kultur hat, die eigentlich das, was du beschreibst, überhaupt, ja, also die kann das gar nicht umsetzen. Das kann nicht funktionieren. Wir brauchen einen vernünftigen Plan, wie wir Verwaltung an der Stelle so mitnehmen können, dass das auch funktionieren kann und dass wir die Prozesse dann auch umsetzen können. Und dafür brauchen wir vernünftige Pläne.
Lisa Froschhammer Davon, wo du sprichst, von diesem Mitnehmen der Verwaltung, dann das wäre wundervoll, wenn wir auf diese Idee vor zehn Jahren gekommen wären. Dann hätten wir die Zeit gehabt, das zu tun. Aber dazu kann ich zwei Dinge sagen. Zum einen, wenn du im Bereich Change-Prozessmanagement denkst, dann darfst du nie vergessen, dass du niemals alle mitnehmen kannst.
Lisa Froschhammer Es wird immer einzelne Charaktere geben, die deinen Prozess, egal was du verbessern möchtest, was du einsetzen möchtest, was du verändern möchtest, die sich sperren werden. Das heißt, wenn wir uns darauf konzentrieren, genau diese Personen mitzunehmen und die zu überzeugen, dass wir jetzt hier den Prozess optimieren und dann KI vorsichtig einsetzen, vielleicht, falls wir sie einsetzen, weil wir brauchen ja noch fünf Jahre Planung, bis wir soweit sind, um dann eine Technik zu nutzen, die dann eh schon wieder veraltet ist.
Lisa Froschhammer Ja, dann wird nie irgendwas passieren und wir werden uns immer wieder in die gleiche Richtung drehen. Und zum anderen, wie gesagt, du sprichst von vielen Personen, die vielleicht in fünf, sechs Jahren gar nicht mehr da sind. Und das ist auch ein ganz, ganz wichtiger Punkt, weil du redest, als hätten wir Zeit und wir haben keine Zeit mehr.
Thorsten Rode Und selbstverständlich haben wir Zeit. Also eine Verwaltung funktioniert. Und eine Verwaltung funktioniert auch schon seit Jahrzehnten. Und sie wird auch in mehreren Jahren funktionieren. Das ist erstmal ganz klar. Die Formulierung, dass wir irgendwo handlungsunfähig werden, das mag rhetorisch wirksam sein, aber das ist empirisch nicht zu belegen.
Thorsten Rode Ein koordinierter Reformansatz könnte auch kleineren Kommunen helfen. Kleinere Kommunen haben oftmals weder personell noch irgendwelches Know-how, um sich diese Möglichkeiten zu erschließen und sich zu entwickeln. Wir reden jetzt von Dingen, die wir privilegiert in großen Verwaltungen machen, die genügend Personal haben und wo die Schere immer weiter auseinander geht und kleine Kommunen und mittlere Kommunen ratlos zurücklässt.
Thorsten Rode Das ist das, worüber wir reden. Und wenn wir einen geplanten Ansatz haben und voneinander Dinge lernen können und die geplant weitergeben können, dann haben alle was davon. Und es geht nicht nur darum, dass Einzelne das haben, sondern wir müssen uns gemeinschaftlich in irgendeine Richtung entwickeln und das funktioniert nur so.
Thorsten Rode Und wenn wir dann das Ganze auch nochmal geplant aufsetzen, haben wir vielleicht die Möglichkeit an der Stelle auch zu sagen, der eine fängt damit an, der andere macht dies, der andere macht das. Unsere Verwaltungsprozesse sind in vielen Dingen gleich und so haben wir die Möglichkeit auch geplant. Einzelne Dinge in den Verwaltungen umzusetzen, ohne dass wir einfach blind mit irgendwelchen Werkzeugen um sich werfen.
Lisa Froschhammer Ja, da muss ich dir widersprechen. Du magst vielleicht recht haben, dass die Verwaltung früher funktioniert hat. Aber bei den jetzigen Geschwindigkeiten, wie wir uns weiterentwickeln und digitalisieren, werden wir in 5-6 Jahren nicht handlungsfähig sein, wenn wir nicht auf den Gedanken des demografischen Wandels eingehen.
Lisa Froschhammer Wir verlieren massiv am Personal. Wir haben bereits jetzt rund 550.000 Vollzeitkräfte zu wenig. Und bis 2035 sprechen wir von einer Million Personen. Wenn ich jetzt überlege, dass der gesamte öffentliche Sektor um die fünf Millionen Mitarbeiter hat, sprechen wir von einem Fünftel. 20 Prozent, die uns fehlen, die nicht nachbesetzt werden können.
Lisa Froschhammer Das kann nicht funktionieren. Ja gut, einen Plan lasse ich mir eingehen, gemeinsames Arbeiten auch. Aber die Zeit, dass wir jetzt wochenlang, monatelang, jahrelang vorarbeiten, die haben wir definitiv nicht. Und es gibt ja bereits Agenturen oder beziehungsweise die Bundesagentur für Arbeit, die zeigt, dass mithilfe von KI im Masseverfahren wahnsinnig viel Zeit und Ressourcen eingespart werden können.
Lisa Froschhammer Die schaffen es heute, rund 165.000 Vollzeitstellen mit KI zu ersetzen. Das heißt, dass trotz der absehbaren Personalabgänge, die kommen werden, die kommen müssen, einfach aufgrund der Pensionsabgänge und Rentenabgänge, die können ihr Leistungsniveau halten. Wenn ich mir das bei uns oder in den Gemeinden ansehe, mit denen ich mich unterhalten habe, sehe ich das nicht.
Lisa Froschhammer Da ist keine KI da, die diese Optionen bringt und einsteckt. Und wir haben einfach mit KI die Möglichkeit. Viele, viele, viele Prozent an Automatisierung zu nutzen. Wir sprechen von aktuell 20 Prozent, bis in fünf, sechs Jahren können wir bis zu 55 Prozent erreichen, dass wir automatisieren können, sogar in den komplexen Fachwissensbereichen.
Lisa Froschhammer Also sagt mir jetzt nicht, dass wir nicht ganz dringend auf diese Themen losgehen müssen und aktiv darauf arbeiten. Denn die Zeit, von der du sprichst, die sehe ich bei uns nicht mehr.
Thorsten Rode Nur, du hast gerade Beispiele genannt, Und da frage ich mich, wie groß ist denn diese Institutionen? Das ist genau das, was ich gerade gesagt habe. Die haben unheimlich viel Mittel, die haben sich darauf konzentriert. Das kann keine kleine, keine mittlere Verwaltung, das funktioniert nicht. Dieses Argument, wir haben keine Zeit und die geburtenstarken Jahrgänge scheiden irgendwann aus, wir haben einen Fachkräftemangel, ist auf der einen Seite ein valides Argument, auf der anderen Seite sind wir aber auch an Recht und Gesetz gebunden.
Thorsten Rode Und wenn wir uns das mal anschauen, und das ist viel, viel wichtiger, wenn wir uns mal anschauen, wie die meisten Verwaltungsanwendungen, die wir bei uns haben, die wirklich Zeit von der Uhr nehmen und Vollzeitequivalente von der Uhr nehmen, klassifiziert werden, dann reden wir von Hochrisiko-KI. Hoch-Risiko-KI sind KI-Anwendungen, die ich ganz besonders absichern muss, die ich an der Stelle ganz besonders dokumentieren muss, wo ich ganz, ganz viele Dinge machen kann, ohne die ich ohne Plan überhaupt gar nicht herangehen kann.
Thorsten Rode Ich finde diesen Hebel nicht und diesen Hebel, den kannst du nur dann bedienen, wenn du das vernünftig durchplanst, wenn du deine Ressourcen vernünftig durchplanst und wenn du die Dinge einzeln Prozess für Prozess angehst mit deinen wichtigsten Prozessen. Und das musst du wirklich ganz strukturiert machen.
Thorsten Rode Und da musst du im Prinzip auch sagen, so pass mal auf, was von den Dingen hier kann wegfallen? Was von den Dingen brauchen wir überhaupt gar nicht mehr? Denn das sind Dinge, da sagst du mir jetzt nachher vielleicht, ja, das hättest du vor zehn Jahren machen können. Ja, hätte man vielleicht tun sollen. Aber wir haben jetzt die Möglichkeit, das zu tun, weil uns jetzt die Möglichkeit gibt, die Technik die Möglichkeit gibt, zu sagen, wir müssen das jetzt tun, wir müssen alles transformieren, dann müssen wir das auch direkt mit anpacken und nicht schon wieder liegen lassen.
Thorsten Rode Das führt doch nur dazu, dass das Ganze nicht besser wird, es wird einfach nur noch schneller.
Lisa Froschhammer Ja, aber momentan bin ich schon dankbar, wenn wir schneller sind. Weil besser werden wir dann definitiv mit den Iterationen. Aber du sagst, wir müssen uns an Recht und Gesetz halten. Da gehe ich auch 100% mit dir mit. Aber jetzt gucken wir doch mal einen Blick nach links und einen Blick nach rechts über die deutschen Grenzen hinaus.
Lisa Froschhammer Müssen sich die Nachbarländer nicht an die Gesetze halten? Wieso klappt es denn bei denen? Denken wir an Estland oder Singapur. Gut, Singapur ist vielleicht kein Nachbarland, aber grundsätzlich auch. Ein Staat mit Rechten und Gesetzen, an die sie sich zu halten haben. Die kriegen das hin und die leben nicht mit vorherigen, ewigen Aufräumen, sondern die sind für schnelle Einführung mit klaren Leitlinien.
Lisa Froschhammer Wir sprechen von Guardrails, Governance und Schulungen. Die risikoreichen Bereiche, von denen du sprichst, gebe ich dir voll recht, die brauchen ein System. Aber der Nutzen im risikoarmen Bereich, der muss sofort realisiert werden.
Thorsten Rode Ich finde es schön, dass du gerade Estland ansprichst, weil Estland im Vorhinein, bevor sie sich so stark transformiert haben, ganz gezielt Investitionen getätigt haben und ganz gezielt strukturiert geplant haben, dass sie sich überhaupt dahin entwickeln können und die Prozesse vernünftig aufgenommen haben.
Thorsten Rode Die sind nicht hingegangen und haben gesagt, wir machen das Ganze iterativ, sondern die sind hingegangen und haben gesagt, wir planen das vernünftig und wir schaffen erstmal vernünftig die Voraussetzungen und schauen dann auf die Prozesse drauf, die wir dann nach und nach entwickeln. Genau das ist das, was Estland getan hat.
Thorsten Rode Die sind nicht einfach hingegangen und haben gesagt, wir schmeißen ein bisschen KI hier auf unsere Landschaft drauf und danach funktioniert alles. Die haben es auch getan und die halten sich natürlich an Recht und Gesetz. Wobei man bei den Dingen natürlich immer sagen muss, dass dort auch die Kultur ein Stück weit eine andere ist.
Thorsten Rode Ja, es gibt vielleicht in anderen Kulturen durchaus auch nicht so ein hohes Datenschutzbedürfnis. Das ist das, was dem Deutschen ein Stück weit eigen ist. Ja, und ein Verwaltungshandeln durch KI, das ohne ausreichende politische und gesellschaftliche Debatte eingeführt wird, entzieht sich demokratischer Kontrolle.
Thorsten Rode In einer Demokratie muss öffentliches Handeln nachvollziehbar, kontrollierbar und politisch verantwortbar sein und auch bleiben. Und das sind Dinge, die wir, wenn wir einfach KI in diese Sachen reinschmeißen, überhaupt gar nicht mehr händeln können. Wir müssen es planen und wir müssen auch eine gesellschaftliche Debatte führen, welche Prozesse und welche Dinge wir durch Technik und KI entscheiden lassen wollen und welche Dinge wir nicht in diese Richtung lenken wollen, wo wir sagen, das wollen wir auf gar keinen Fall.
Lisa Froschhammer Wenn du von der Politik sprichst und deren Wünschen, dann möchte ich dazu noch zwei Punkte ergänzen. Zum einen die OECD und die G7 empfehlen beide in ihren Toolkits ausdrücklich einen inkrementellen und experimentellen Ansatz und warnen davor, aus einem reinem Risikofokus den Einsatz nutzenstarker, risikoarmer KI zu verhindern.
Lisa Froschhammer Du konzentrierst dich hier jetzt nur auf die komplexe, risikoreiche KI und tust so, als hätte ich vorgeschlagen, alle Bereiche komplett automatisch blind zu machen und den Mensch rauszunehmen. Und das war gar nicht der Ansatz. Mir ging es darum, mit iterativen Prozessen und Vorgehensweisen die kleinen Dinge schnell zu verbessern und dann in die Themen reinzugehen, um mit Iterationen und Dazulernen auf die großen Themen anzupacken.
Lisa Froschhammer Aber ich möchte noch einen.
Thorsten Rode Wenn ich da eben einhaken darf. Nur der Punkt an der Stelle ist, sobald ich den Schmerzpunkt wegnehme, und das ist genau der Punkt, schaue ich mir die ganzen Prozesse nicht mehr an. Ich habe einen Schmerzpunkt wegdigitalisiert und dann ist der aus den Augen aus dem Sinn. Und das ist der Punkt an der Geschichte.
Thorsten Rode Wir werden uns die Sachen danach nicht mehr angucken.
Lisa Froschhammer Werden wir müssen. Wir kriegen ja die Daten, wir kriegen die Infos, wir werden drauf gucken müssen. Aber ich möchte noch ein letztes Argument vorbringen, solange ich noch die Zeit habe. Und zwar ein, du hast auch den Staat angesprochen, die kleinen Kommunen, das kleine Geld. Ja, das mag alles sein, aber die Verzögerung der KI-Einführung aus Gründen des Perfektionismus verursacht auch noch massive ökonomische Opportunitätskosten und schwächt die deutsche Wettbewerbsfähigkeit.
Lisa Froschhammer Denn wir dürfen nicht vergessen, dass die Verwaltung aufgrund der hohen Staatsquote, Ich meine, wir reden von knapp 50 Prozent. Einen enormen Hebel auf die Gesamtwirtschaft hat. Fehlen die Effizienz- und Produktivitätsgewinne in der Verwaltung, steigen entweder die Abgaben oder die Innovationsspielräume sinken noch stärker, was unsere Wirtschaft noch schwächer machen würde.
Lisa Froschhammer Und da leiden dann die kleinen Kommunen, die großen Kommunen, da leidet dann jede Institution bei uns.
Thorsten Rode Ja, wenn du gerade über Investitionen sprichst, wir haben 11.000 Kommunen bei uns. Wie viele verfügen denn überhaupt schon von KI? Wie viele müssten denn massiv investieren, um teure Technik einzukaufen, die im Übrigen nicht billiger wird, sondern eher teurer von den Tokenkosten an der Stelle? Das sehen wir im Moment bei Anthropic, die in die Richtung gehen und das werden die anderen auch tun.
Thorsten Rode Und wir müssen schon auch dann schauen, wie wir effizient bleiben und nicht einfach sagen, es ist alles egal und wir verbrennen hier einfach blind Geld. Sondern wir müssen schon gucken, dass wir effizient bleiben und uns auch die Dinge heraussuchen, wo wir effizient werden können. Und das müssen wir geplant tun.
Thorsten Rode Das können wir nicht einfach so tun und sagen, oh, wir schmeißen einfach mal irgendwas irgendwo hin. Und egal, was da verbrannt wird, es ist, ja, oh, der Thorsten hebt schon die Hand, wir sind durch.
Torsten Frenzel Genau, ihr seid durch. Die 20 Minuten habt ihr hervorragend genutzt und jetzt könnt ihr noch mal kurz durchatmen und eure Abschlussstatements vorbereiten. Und traditionell beginnt Pro mit dem Abschlussstatement.
Thorsten Rode Der Gegenseite gebührt Respekt für ihre Dringlichkeit. Was ihr fehlt, ist Unterscheidungsvermögen zwischen Tempo und Überstürzung. Wir streiten heute nicht darüber, ob KI in die Verwaltung gehört. Die Antwort ist Ja. Wir streiten darüber, ob ein aus deiner Sicht, liebe Lisa, schlechter Plan besser ist als ein aus meiner Sicht, komplett fehlender Plan.
Thorsten Rode Die Antwort ist, ein komplett fehlender Plan bringt uns definitiv nicht weiter. Wir schulden den Menschen, die diesem Staat ihre Daten anvertrauen, mehr als gut gemeinte Experimente unter Zeitdruck. Für eine Verwaltung, die wieder handlungsfähig sein will, brauchen wir keine schnelle Lösung. Wir brauchen eine haltbare Handeln, ja, aber mit Verstand, mit Verantwortung und mit dem Respekt vor einer Aufgabe, die größer ist als jede Deadline.
Torsten Frenzel Lisa, du bist dran mit deinem Abschlussstatement.
Lisa Froschhammer Ja, bin dabei. Also nochmal, danke für den intensiven Austausch, Thorsten. Thorsten, du hast heute sehr deutlich gemacht, dass wir erst das Fundament reparieren müssen, bevor wir Künstliche Intelligent einsetzen. Das klingt nach Ordnung, das klingt nach Sicherheit und das klingt nach Kontrolle. Und genau das macht diese Position so überzeugend und gleichzeitig so gefährlich.
Lisa Froschhammer Denn sie setzt immer noch voraus, dass wir Zeit haben. Und genau das ist der Punkt, an dem ich dir widerspreche. Diese Zeit haben wir nicht mehr. Wenn wir uns die Realität anschauen, dann sehen wir keine geordneten, stabilen Prozesse, die nur noch ein wenig Feinschliff brauchen. Wir sehen ein System, das unter Druck steht, in dem Bürger Monate auf Termine warten und Mitarbeiter an der Belastungsgrenze arbeiten.
Lisa Froschhammer In dieser Situation wirkt der Gedanke, wir könnten erst alles analysieren, optimieren und neu strukturieren, bevor wir handeln, wie eine theoretische Lösung für ein sehr praktisches Problem. Du warnst davor, dass wir mit KI bestehende Ineffizienzen beschleunigen. Aber genau hier lohnt sich doch der Perspektivwechsel. Ein ineffizienter Prozess, der schneller und transparenter wird, schafft sofort Entlastung.
Lisa Froschhammer Ein ineffizienter Prozess, der manuell bleibt, bleibt langsam, intransparent und unangetastet. Das eigentliche Risiko ist also nicht die beschleunigte Ineffizienz, sondern die dauerhaft unsichtbare Ineffizienz. Hinzu kommt noch zu Schluss die Frage der Souveränität, was du angesprochen hast. Du hast zu Recht darauf hingewiesen, dass wir uns nicht in die Abhängigkeiten der großen Firmen geben und die Tokenkosten bedachten müssen.
Lisa Froschhammer Aber Souveränität bedeutet doch vor allem handlungsfähig zu sein. Wenn wir jetzt darauf warten, dass für jeden einzelnen Prozessschritt die perfekte, vollständig kontrollierte Lösung bereitsteht, dann treffen wir am Ende gar keine Entscheidung mehr. Souveränität entsteht nicht durch Abgrenzung, sondern durch Kompetenz.
Lisa Froschhammer Und diese Kompetenz entsteht durch Anwendung. Und dann ist dann auch die Perspektive der Menschen, die heute in der Verwaltung arbeiten. Für die ist diese Debatte keine theoretische Grundsatzfrage mehr, sondern gelebter Alltag. Sie tragen doch die Last der ineffizienten Prozesse jeden Tag. Wenn wir ihnen sagen, dass sie erst noch Jahre warten müssen, bis wir strukturell bereit sind, bevor sie Unterstützung durch BI bekommen können, dann ist das kein vorsichtiges Vorgehen.
Lisa Froschhammer Das ist eine Verschiebung von Entlastung auf unbeschirmte Zeit. Deshalb müssen wir die zentrale Annahme hinterfragen, dass Digitalisierung erst dann sinnvoll ist, wenn die Organisation bereits optimiert ist. Ich bin überzeugt, dass es genau andersrum ist. Digitalisierung und insbesondere KI ist das Werkzeug, mit dem diese Optimierung überhaupt desmöglichen wird.
Lisa Froschhammer Nicht im perfekten Konzept, sondern im realen Einsatz. Die größte Gefahr für die Verwaltung ist deshalb nicht eine unperfekte Digitalisierung. Die größte Gefahr ist der Glaube, wir könnten uns Perfektion noch leisten. Wenn wir darauf warten, dass das Fundament stabil ist und ideal ist, wird das System darüber längst an seine Grenzen gestoßen sein.
Lisa Froschhammer Also, Agilität bedeutet nicht Planlosigkeit. Es bedeutet den Mut zu haben, unter realen Bedingungen besser zu werden. Schritt für Schritt im laufenden Betrieb. KI ist dabei nicht das Ziel, KI ist das Werkzeug. Und deshalb geht es am Ende nicht um die Frage, ob wir bereit sind. Es geht um die Frage, ob wir es uns überhaupt noch leisten können, zu warten.
Torsten Frenzel Ja, vielen Dank. Das ging ja heute hervorragend. Man merkt, ihr seid ein eingespieltes Team inzwischen.
Thorsten Rode Wir üben noch ein bisschen. Also das ist schon schwierig, lieber Thorsten, sich auf so Debatten vorzubereiten. Und ähnlich wie beim letzten Mal geht es mir auch heute so, von den 20 Minuten Debatten weiß ich gar nicht mehr so viel.
Torsten Frenzel Ja, das ist ja gut, dass wir es aufgezeichnet haben. Das kannst du ja hinterher nachhören.
Lisa Froschhammer Das ist wahr, aber ich verstehe Thorsten, also da ist man so in seinem Schema drin, man versucht alle Ideen und Gedanken, die man hatte, irgendwie als Gegenargumente anzubringen ja.
Torsten Frenzel Ich fand es heute viel dynamischer als das letzte Mal, mir hat es Spaß gemacht, ich hoffe den Hörerinnen und Hörern hat es auch Spaß gemacht, ich sehe in eure glücklichen Gesichter, ihr habt Spaß dabei gehabt auf jeden Fall wir.
Thorsten Rode Haben immer Spaß, also ich habe immer Spaß dabei ich will jetzt nicht für Lisa sprechen, aber mir macht das sehr sehr viel Spaß Das muss ich ganz ehrlich sagen. Wobei es auch wirklich dann schon, das ist schon eine harte Geschichte.
Lisa Froschhammer Kann ich mich nur anschließen.
Torsten Frenzel So, und jetzt haben wir nochmal die Chance, nicht, dass alle da draußen denken, dass ihr beide Fortschrittsverhinderer seid. Jetzt habt ihr nochmal die Chance, eure echte eigene Meinung hier preiszugeben.
Lisa Froschhammer Ich wage es jetzt mal zu behaupten, dass wir wahrscheinlich beide denken, die Realität ist irgendwo in der Mitte.
Thorsten Rode Genau.
Lisa Froschhammer Also ich würde niemals ungeplant Prozesse überarbeiten oder KI irgendwo draufkippen, weil das würde einfach nichts bringen. Aber den Gedankengang mit, wir warten bis es perfekt ist, den teile ich, das funktioniert nicht. Also den Druck, den wir in den Verwaltungen täglich erleben, ich meine, den sehen wir alle, den kennen wir alle.
Lisa Froschhammer Wir werden was tun müssen und wir müssen schnell arbeiten.
Thorsten Rode Ja, das sehe ich auch so. Ich sehe es auch so, dass es irgendwo in der Mitte ist. Wir brauchen auf der einen Seite natürlich die Planung von den wichtigen Dingen. Ich habe es vorhin in der Debatte ein Stück weit ja auch gesagt, also insbesondere da, wo wir im Hochrisikobereich irgendwo unterwegs sind, wo wirklich viel, viel passiert.
Thorsten Rode Da braucht es natürlich eine Gründlichkeit und diese Gründlichkeit ist schon schwierig, das Ganze iterativ und ohne Plan zu machen. Auf der anderen Seite brauchen wir auch natürlich ganz, ganz viel Agilität und einfach mal Leute, die einfach machen und einfach mal was umsetzen und sagen, wir probieren das jetzt einfach und das funktioniert nicht.
Thorsten Rode Dann machen wir diesmal und jenes Mal. Es ist wirklich so die Mischung. Die Mischung macht es.
Torsten Frenzel Das ist ja das Schöne an agilen bzw. iterativen Prozessen. Wenn ich sehe, es funktioniert nicht, wie ich mir das gedacht habe, dann muss ich sowas wieder aufhören. Fail fast, fail early.
Lisa Froschhammer Ja, genau.
Thorsten Rode Ja, ja, ist richtig. ist richtig. Wir haben im Moment...
Lisa Froschhammer Doch das Argument, dass wir... Auch das Argument, das du hattest, wir gucken das danach nicht mehr an. Das ist genau das, das natürlich nicht passieren darf. Also, wenn wir iterativ arbeiten, brauchen wir diese veränderte Fehlerkultur und wir brauchen dann natürlich auch Systeme, die darauf gucken, okay, was sind denn jetzt die Dinge, die wir verbessern können und dann müssen wir auch nacharbeiten.
Torsten Frenzel Mut zum Wegschmeißen. Wenn der Prozess blöd ist, entweder überarbeiten und wenn sich das nicht lohnt, wegmachen, neu machen.
Thorsten Rode Ja, aber auf der anderen Seite ist es aber schon so, dass wir im Prinzip auch, und das ist eines von den Dingen, was wir verstehen müssen, einen echten Kulturwandel auch brauchen. Also wir sind wirklich so, Fehler vermeiden und so weiter und so fort. Das ist in bestimmten Dingen auch vollkommen in Ordnung.
Thorsten Rode Und wir brauchen auf der anderen Seite aber trotzdem auch ein Mindset, wo dann sagst du, pass mal auf, hier, Fehlerkorrektur. Ich nenne das nicht, die meisten sagen ja so Fehlerkultur, ich sage immer, das ist eine offene Lernkultur, wo du auch mal Dinge in eine Richtung entscheidest und dann sagst, so pass mal auf, nee, das war nicht, hier, weg, andere Richtung gehen wir da.
Thorsten Rode Das ist nicht typisch für Verwaltung. Das ist eins von den Dingen, das siehst du ganz, ganz selten. Oder zum Glück siehst du es heute häufiger, aber früher war es wahrscheinlich noch schlimmer, denke ich mal so. Aber das siehst du echt selten. Ich weiß nicht, ob das bestätigen kannst, Horsten, oder ob, Lisa, ob du es in die Richtung auch so siehst.
Torsten Frenzel Also ich kann das generell bestätigen. Natürlich nicht von meinem aktuellen Arbeitgeber, weil da arbeiten wir tatsächlich so. Wir probieren viele Sachen aus und wenn es nicht das Richtige ist, dann machen wir halt was anderes. Und das ist auch ein öffentlicher Arbeitgeber.
Lisa Froschhammer Das ist schön. Aber es ist ja gut zu hören, dass es die ersten gibt, die in die Richtung gehen und neu denken und neu lernen. Nee, Thorsten, ich sehe das wie du. Wir brauchen dann auch ein bisschen, bis sich die Kultur verändert. Aber ich könnte mir auch vorstellen, dass das die nächsten Jahre doch durchaus auch kommt.
Thorsten Rode Fehlt uns nichts anderes übrig bleiben.
Torsten Frenzel Genau.
Thorsten Rode Ja, und das.
Torsten Frenzel So ist es. Also, eine Aufgabe haben wir noch, beziehungsweise ihr da draußen habt nur eine Aufgabe. Und zwar, ihr müsst abstimmen, wer diese Debatte gewonnen hat. Und nicht, wer die coolste Idee hat oder nicht, wer die richtigen Argumente hat, sondern wer hat in dieser Debatte die Debatte kontrolliert, dominiert bzw.
Torsten Frenzel Konnte mit seinen Argumenten überzeugen, auch wenn es vielleicht nicht eure eigenen Argumente sind. Die Abstimmung wird wie immer in den Shownotes sein. Ihr habt wieder wie immer zwei Wochen Zeit abzustimmen. Und der Gewinner oder die Gewinnerin hat wieder die Wahl der Seiten beim nächsten Thema. Haben wir eigentlich schon ein nächstes Thema oder seid ihr noch dabei?
Thorsten Rode Ich glaube, beim letzten Mal hatten wir gesagt, wir machen mal eine Abstimmung von drei Themen. Da sind wir jetzt nicht dazu gekommen, weil Lisa ihre Masterarbeit geschrieben hat. Und deswegen sind wir ja auch ein bisschen zeitlich im Verzug. Ich glaube, das würden wir jetzt, glaube ich, gerne nachholen und mal drei Thematiken zur Auswahl stellen, dass die Zuhörerinnen und Zuhörer das nächste Thema aussuchen dürfen.
Thorsten Rode Und danach würden wir dann schauen, wer sich in welche Richtung ja dann eine Position aussuchen kann. Ja, ich finde es auch spannend, da mal drei verschiedene Sachen zu haben, weil sonst hast du wirklich eine Thematik, wo du sagst, die steht fest und dann kannst du dich relativ gut auch darauf vorbereiten, auch viel länger.
Thorsten Rode Und wenn du es aber kurzfristiger machen musst, wird es vielleicht nochmal ein bisschen spannender.
Torsten Frenzel Genau, und die Abstimmung findet statt.
Lisa Froschhammer Dann hoffe ich, dass es ein Thema wird wie bei KI, wo wir beide eh mit drin sind und nicht eins, in dem ich mich komplett von Null einarbeiten muss.
Torsten Frenzel Und die Abstimmung wird stattfinden über eure beiden Social-Media-Accounts. Wahrscheinlich hauptsächlich über LinkedIn. Aber da werdet ihr ganz laut trommeln und abstimmen.
Thorsten Rode Sehr gut. Thorsten, ich möchte noch eins gerne hinzufügen. Und zwar möchte ich auf etwas hinweisen, wenn ich das darf.
Torsten Frenzel Natürlich darfst du.
Thorsten Rode Und zwar möchte ich auf den MyAI 2026 hinweisen. Eine ganz tolle Geschichte, die wir mit ganz, ganz vielen Kommunen gemeinschaftlich machen. Mit der KGST, die auch mit dabei ist, mit den digitalen Profis, die auch mit dabei sind. Wo es darum geht, dass wir als Kommunen zeigen, was wir mit KI machen, wie wir KI in die Breite bringen, wie wir KI-Wissen vermitteln und so weiter und so fort.
Thorsten Rode Da gibt es fast an jedem Tag irgendwelche Aktionen von ganz, ganz vielen Leuten. Das ist toll geplant und schaut einfach überall in die sozialen Medien, wo ihr was finden könnt, nach Hashtag MyAI M-Y-A-I 2026 und ihr werdet all diese Aktionen finden. Ja, wir würden uns freuen, wenn ihr diese Angebote alle irgendwie annimmt, weil ich glaube, das kann wirklich jeder benötigen.
Thorsten Rode Also es kann wirklich jeder gebrauchen, sich irgendwo mal über den Tellerrand Informationen holen und schauen, wie anderes machen.
Torsten Frenzel Und vielleicht findet sich sogar jemand, der das in den Kalender des eGovend-Podcast, einträgt und dann habt ihr es direkt, wenn ihr den Kalender abonniert habt, in euren Outlook-Kalendern stehen.
Thorsten Rode Vielleicht finden wir da eine KI.
Torsten Frenzel Vielleicht finden wir da eine KI. Lisa und Thorsten, vielen, vielen Dank für diese unterhaltsame Debatte und euch da draußen nicht vergessen abzustimmen und ich wünsche euch allen noch einen schönen Tag und bis bald.
Thorsten Rode Tschö.
Lisa Froschhammer Bis bald.