Ein Bayer und ein Halber – historische Zeitreisen mit Dr. Richard Loibl· Folge 3

Wirtshaussterben oder Wirtshausleben?

Donnerstag, 27. März 2025 · 38 min

MP3

Shownotes

In der dritten Folge des Geschichts-Podcasts „Ein Bayern und ein Halber“ sprechen Dr. Richard Loibl und Johannes Munzinger über jenen Ort, der lange als zweites Wohnzimmer der Bayern galt, in dem mittlerweile aber immer öfter das Licht ausbleibt. Dabei gehen sie auch der Frage nach, ob das Bayerische Wirtshaus überhaupt noch eine Zukunft hat, oder ob es ins Museum gehört.

Über die Hälfte aller Deutschen haben schon einmal ein bayerisches Wirtshaus besucht. Das ergab jedenfalls eine Studie des Zentrums für Bayerische Geschichte 2024. Kein anderer Teil Deutschlands kann sich rühmen, dass eine bestimmte Art der Gastronomie so eng mit dem Bundesland verknüpft ist. Bayern und Wirtshaus, das passt zusammen wie Bayern, Bier und Brezn. Das Wirtshaus ist im Freistaat neben der Kirche der Fixpunkt jedes Orts, der Umschlagplatz für Informationen und Waren, das Zentrum des sozialen Lebens. Jedenfalls war es das einmal.
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Heutzutage bekommt man gefühlt täglich Hiobsbotschaften zu hören. Tausende Orte habe gar kein Wirtshaus mehr, stündlich werden es mehr. Das Wirtshaussterben ist eine Pandemie, die unaufhaltsam scheint. Aber einen gibt es, der hat das Wirtshaus noch nicht aufgegeben: Dr. Richard Loibl. Der Chef des Hauses der Bayerischen Geschichte in Regensburg war schon ein begeisterter Wirtshausgeher, lange bevor er in seinem Heimatort Hengersberg zum ersten Mal einen Teller seiner Leibspeise – Geschnetzeltes Hawaii – kredenzt bekam.

In der dritten Folge des Geschichts-Podcasts „Ein Bayern und ein Halber“ sprechen Dr. Richard Loibl und Johannes Munzinger über jenen Ort, der lange als zweites Wohnzimmer der Bayern galt, in dem mittlerweile aber immer öfter das Licht ausbleibt. Dabei gehen sie auch der Frage nach, ob das Bayerische Wirtshaus überhaupt noch eine Zukunft hat, oder ob es ins Museum gehört.

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Und da ist der Grundstock meiner muskulösen Figur auch gelegt worden. Ein Bayer und ein Halber. Historische Zeitreisen mit Dr. Richard Leubel. Ein History-Podcast der Mediengruppe Bayern. Wird's Haus sterben oder wird's Haus leben? Guten Tag, grüß Gott, servus miteinander und HW Dere. Willkommen zurück zu einer neuen Folge von Ein Bayer und ein Halber.

Ich bin euer Pseudo-Bayer Johannes Munzinger und mir gegenüber sitzt der Parade Niederbayer schlechthin Dr. Richard Läubel. Schön, dass Sie wieder da sind. Bis gut, Herr Munzinger. Bis gut, Bayern. Ja, wir haben ja schon geredet über das wichtigste Was in Bayern, nämlich was trinkt man? Ein Bier. Wir haben auch geredet über das Wie, nämlich wie haben findige Bierbrauer im 19.

Jahrhundert Dank modernster Technologie und bester Medienkenntnisse und Werbekenntnisse das bayerische Bier, weltberühmt gemacht und ganz nebenbei das Image von Bayern erfunden, das heute noch gültig ist. Heute geht es um die nächste W-Frage, das Wo. Wo trinkt man klassischer Bier? Eh klar, im Wirtshaus. Und Herr Dr. Läubels, Sie haben mich ja fast bekniet, wie wir die Bierfolge gemacht haben.

Wir haben gesagt, Herr Munzinger, wir müssen ja unbedingt über das Wirtshaussterben reden. Sie sind großer Wirtshausgeher. Habe ich das richtig verstanden? Ja, vielleicht also nicht. Ich muss jetzt auch nicht jeden Tag ins Wirtshaus gehen, aber ich bin ein großer Freund des bayerischen Wirtshauses, ich bin auch ein Freund des bayerischen Kartenspiels und insofern will ich nicht sagen seit Kindesbeinen, aber seit Jugendbeinen in Wirtshäusern unterwegs.

Sie kommen ja aus dem beschaulichen niederbayerischen Hängersberg. Sie sind ja 60er-Jahrgaben, wo mich nicht alles täuscht. 65er. 65er. Aber ich schaue jünger aus. Schade, dass das nicht englige Zuhörer ist. Das blühende Leben. Gehen wir mal zurück in die vielleicht 70er, 80er Jahre, wo Ihr Wirtshauskarriere begonnen hat.

Wie war die Situation in so einem kleinen Städtchen wie Hängersberg wirtshaustechnisch? Also ich habe quasi noch die Situation miterlebt, die über viele, ich sage mal über 100 Jahre typisch war, weil wir an unserem Marktplatz tatsächlich sechs Wirtshäuser nachgehabt haben. Bei wie vielen Einwohnern? Nach den Eigengemeinungen, also nach 72 sind wir 8000 und vor den Eigengemeinungen so round about die Hälfte.

Und da sieht man auch, was so ein Markt früher bedeutet hat. Also ein Markt ist so die klassische altbayerische Klein- oder Münderstadt. In Franken zum Beispiel oder in Schwaben, da gibt es ganz wenige Märkte, die haben mehr diese kleinen Städte. Aber von den Einwohnerzahlen ist das genau das Gleiche.

Was macht so ein Markt aus? So ein Markt macht aus, dass wichtige Straßen durchgehen. Also auch schon wieder anders als heute, weil auch die wichtigen Straßen vorbei gehen. Weil man seine Ruhe haben mag. Weil man seine Ruhe haben mag. Also die sind früher mitten durch den Markt gegangen und dann war halt, wie der Name Markt schon sagt waren im Monat, unterschiedlich, also wenn es ein gescheiter Markt war sage ich mal zwei, drei Märkte und das waren aber nicht so Pseudomärkte wie wir es mir heute noch haben, wo halt der letzte eines Handwerks kommt der Kervitz seiner, also Körbeflechter und was weiß ich die Keramikerin und so, einen Haufen Händler die halt rumreisen und Queck die Fußballtrikots verkaufen

und Laserpointer Also das war damals anders, die waren da spezialisiert und es hat in die großen, Niederbayerischen Märkte bis weit in den Wald eigentlich, wenn man Dittling hier an den Pärlesreuth, die haben sogar korrespondierende Märkte gehabt, Felder, Viechtach. Gibt es viele Marktorte und für die waren typisch die großen Viehmärkte, weil im bayerischen Wald waren die Händelbauern, Händel von Horn, also das waren die Viehzüchter, währenddessen südlich der Donau hat es die Händelbauer gegeben, im fruchtbaren Gäuboden haben die Weizen angebaut.

Kennt man auch schon lange nicht mehr, Weil durch die Flurbereinigung und dann eben durch die Ausrichtung der Agrarindustrie, muss man fast schon sagen, in der EU. Perversität ist dieses Hochzehen, ist im Geib und Karwarzen mehr angebaut worden, wo es eigentlich gegangen hat, also der Vorteil vom Geib und Weizenanbau ohne großen Düngereinsatz.

Und so ein Kärntl und der Händlbauer, nachdem er seine Kärntl gesammelt und seine Händl zusammengeherdet hat, der hat einen Durst gekriegt natürlich. Ja, der hat einen Durst gekriegt. Aber ich muss noch mal kurz auf den Markt da zurückkommen. Also das müssen Sie sich auch so vorstellen, heute wenn man in das Hängersberg reinschaut oder in Berlersreuth, siehst du einen riesigen Platz und denkst, da passiert ist da was, obbrennt oder abgerissen oder wie auch immer.

Wenn aber diese großen Viehmärkte waren, dann ist da ein Ochs auf Ochs gestanden da drin und ganz schmale Reihen, dass du da durchgegangen bist und da sind die Händler bis von München, bis von Augsburg, bis von Nürnberg gekommen und haben dann eher ein Viech eingekauft, weil also gerade der Bayerische Wald war zum Großteil an der Fleischversorgung da beteiligt.

Und dann war natürlich an zwei, drei Tagen war da die Hölle los da drin, die Händler haben irgendwo übernachten müssen und der gelungene oder auch misslungene Kauf und Verkauf hat entsprechend begossen werden müssen. Und da waren dann quasi diese sechs Wirtshäuser, die wir mir noch gehabt haben. Waren da voll besetzt. Zu meiner Zeit hat es die Märkte auch schon nicht mehr gegeben, aber diese Wirtshäuser haben sich halt, weil die Wirt halt noch da waren und so und weil auch die Vereine noch reingegangen sind, die Vereinsheime dieser Stufe später, haben sich halt die dann noch geholt, aber das war dann schon der Ausklang einer alten Zeit.

Aber ein bisschen haben sie es noch mitgekriegt und sie sind ja dann ein fleißiger Wirtshausgeher geworden, oder? Ja, unbedingt. Also es hat ja nichts geholfen. Ich stamme aus einer Metzgerei, raus sind und damals war das auch noch so, dass sie halt die Wirt, die haben halt einen örtlichen oder den örtlichen Metzger, wir haben ja mehrere, vier haben den örtlichen Metzger halt das, was dann verkauft worden ist da drin und gekocht worden ist im Wirtshaus, haben die den abgekauft.

Später kommt das auf, dass dann die Großhändler kommen und das Eingefroren irgendwie gekauft wird und dann aufgewärmt. Die berühmte bayerische Mikrowelle, Standardinstrument der Wirtshausküche in den 70er bis 90er Jahren. Vorher hat man das frisch gekauft sozusagen, da haben die Metzgerner alle geschlacht, heute undenkbar.

Und von daher hat es den Kreislauf gegeben, diesen Wirtschaftskreislauf in so einem kleinen Markt, wo man schon geschaut hat, dass das Geld im Grunde am Markt bleibt und man nur heimlich, damals hat es auch noch keine Supermärkte gegeben, und man nur ganz heimlich, das waren bei uns immer super Geheimaktionen, wenn man auf Deggendorf oder auf Straubing gekauft hat, gefahren ist, weil es zum Beispiel in Deggendorf ein Beuger gegeben hat und in Straubing auch und das war so ein Essig, Gebürtsgurken, bla bla bla, Großhändler und da war halt der Essig billiger, wie wenn es vor Ort beim Grama gekauft ist. Aber es hat total geheim gehalten werden müssen.

Also auf alle Fälle sind wir dann natürlich in der Verpflichtung gewesen und haben mir jeden Sonntag zum Essen gehen müssen und wechseln halt dann natürlich. Aber das ist meine Kindheit und Jugend, jeden Sonntag standardmäßig zur ersten Kirche, dann bei irgendwo bei diesen sechs Wirtschaften sozusagen zum Essen gegangen.

Und ich sage es Ihnen, ich sehe die Wirten und vor allen Dingen die Wirtinnen, die sehe ich alle noch vor mir, wenn ich jetzt da dran denke und sage, in Niederbayern ist es mir ja oft als wenn grob, da hat es die Bärweiber gegeben, das waren zwar ganz nette Bärwirtinnen. Die Schweiger hat es gegeben, Steinbacher, also es ist ja ins Schuster, ich habe auch den ganzen Namen noch parat, ich bin da natürlich immer bevorzugt behandelt worden.

Und da ist der Grundstock meiner muskulösen Figur auch gelegt worden, weil ich halt dann immer, ich mag gern Nudeln und habe dann natürlich immer meine Extraportionen Nudeln oder Spätzle oder so gekriegt. Sie waren nicht der Schweinebraten-Typ. Ich habe gehört, Sie haben ein ganz ausgefallenes Lieblingsgericht damals gehabt.

Für die hat sich der Gerhard Polt wahrscheinlich mit Nossefetzen aus dem Wirtshaus gejoggt dafür. Der war nämlich immer gegen die Hawaii-Sierung des Abendbrots. Verraten Sie es nochmal, was war Ihr Lieblingsessen? Ich habe Hawaii-Geschnetzel, das war mein Lieblingsessen beim Lauerwirt. Einer von den zwei Lauerwirten lebt noch hoffentlich her, dass es auch.

Es war immer ganz exquisit und für mich auch eine Abwechslung. Weil wenn du aus einer Metzgerei kommst, tritt irgendwann der Effekt ein, dass du kein Fleisch mehr sehen kannst. Und dass um jedes Ananasstück und um jede Kirschen, die in deinem Essen drin ist, bist du froh dann. Ich weiß, weil es Metzgerei sind, ich finde das erstaunlich.

Also ich als Österreicher habe es gefühlt, immer wenn man in die Biografie von irgendwelchen Bayern, die was zum Song gehabt haben oder die was erreicht haben, reingeschaut, gefühlt ist man immer nur zwei, drei Generationen weg, dass einer aus einer Metzgerei oder einem Wirtshaus kommt. Ja, es stimmt schon so, weil diese ländliche Führungsschicht, da hat man ja witzigerweise eine Kürzung, die man halt mit was anderes in Verbindung tritt, das ist BMW.

Und das sind die Bäcker, Metzger und Wirte. Und die sind am Land auch noch in die Märkte, ist das die Führungsschicht, weil die Kapital halt haben, da auch Kapital zur Verfügung, wenn man irgendwas macht. Und so die ganz großen Aufsteiger in der Industrialisierung bei uns, das beginnt eigentlich in Niederbayern, es ist eine ganz andere Industrialisierung wie jetzt in Augsburg oder in Nürnberg, die beginnt nach der Säkularisation und da steigen diese Bäckermetzgerwirte, sind bei den Versteigerungen, wo das Klostergut versteigert worden ist und haben kapitalfrei eben und kaufen dann Teile zum Beispiel von der Klosterwirtschaft und von der Klosterbrauerei.

Und das ist der Grund, warum so Familien wie die Wieninger, die man heute noch kennt, im Passau verbindet sich das mit der Hefefabrik. Warum die diesen grandiosen Aufstieg schaffen oder die Familie Lang, die in ihrer Hochzeit 10, 11, 12 Brauereien gehabt hat und wo der Olle Lang, hat man gesagt, sogar geadelt worden ist, weil er irgendwo einen adeligen Hofmarkt gekauft hat im Oberbayerischen und damit er die Gerichtsbarkeit ausüben hat können, hat er von Adels auch müssen.

Und der erste bayerische König hat das dann einmal so locker nebenbei den ganz schnell geadelt. Das heißt, im Grund kommen Sie aus einer privilegierten Schicht her, Herr Dr. Wörbel? Ja, also wenn man das, muss man schon sagen, wenn man zurückgeht in die Nachkriegszeit, in der Tat. Ich habe auch studieren dürfen.

Weil mein Großvater irgendwann einmal erkannt hat und den flotten Spruch losgelassen hat und gesagt hat, den Buben kann man zur Arbeit nicht brauchen, den müssen wir studieren lassen. Und habe auch mit großzügiger Unterstützung von meiner Familie das Studium zwar sehr schnell, es war dann wieder mein Verdienst, beenden habe ich können, aber mir hat es da nie an was mangelnd getan.

Und ich kann es auch erzählen, es stimmt, was Sie sagen, dass viele bayerische Politiker, Wirtschaftsgrößen aus Metzgerfamilien kommen. Ich habe als junger Bub eine Begegnung gehabt in Niederhaltreich mit dem damaligen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß. Ein berühmter Metzgerbuch. Ein Metzger, Münchner Metzgersfamilie, wobei ich glaube, die auch aus Niederbayern abgestammt hat, dann in großväterlicher oder urgroßväterlicher Linie.

Und der hat irgendwas eingeweiht in den Alltag. Ich weiß auch nicht mehr was. Da habe ich ein Gedicht, ein lateinisches Gedicht aufsagen dürfen bei der Sache. Da haben sie mich dann natürlich eingedrichtert, dass wenn die Frage kommt und die ist dann gekommen, was bist denn du für einer vom Strauß, dass ich dann sage, ich bin wie du ein Metzgerbauer.

Und da ist natürlich die Umgebung erst hart Und der Strauß hat sich aber köstlich amüsieren können und hat sich richtig gefreut und hat mich dann gefragt, wie viel Sauern darf man schlachten und so daheim. Und ja, da sieht man die Verbindung halt. Jetzt gehen wir mal wieder zurück von den Metzger zu unserem eigentlichen Thema, nämlich Wirtshaus.

Aber bevor wir zur Malaise des Wirtshauswesens im heutigen Bayern kommen, würde ich gerne mal eine richtige Zeitreise machen, nämlich Weiz. Wo kommt es eigentlich her, das deutsche oder dann bayerische Wirtshauswesen? Und was war die Bedeutung von diesen Wirtshäusern früher? Also so deutsch ist eigentlich gar nicht in die Ursprünge. Das ist natürlich eine allgemeine Erscheinung, verbindet sich immer mit Straßen.

Wo gereist wird, musst du gerade bei diesen Reisegeschwindigkeiten, damals gibt es kein Auto, gibt kein Bus, gibt höchstens ein Pferdl. Und ein Pferdl kannst du auch nicht kilometerweise mit einem Galopp da durchlassen. Brauchst du, sagen wir mal, so alle 40 Kilometer, roundabout, brauchst du so eine Herberge.

Und daraus entwickelt sich dann diese Gastlichkeit. Also normal, wenn du an einem Ort ansässig warst, das ist ja schon erst eine mittelalterliche Erscheinung, dass du dann wirklich vorgehst, dass sich die Zünfte treffen an die Zünftstammtische oder sogar in der eigenen Herberge, das hat es damals auch schon gegeben.

Das Wirtshaus ist ein Gasthaus, wo du verköstigt wirst und wo dann in aller Regel, weil das sind ja relativ primitive Geschichten gewesen, deswegen kommt auch der Ausdruck der bayerische Hirwa, kommt von der Herberge. Und da hat man dann aus der Gaststurm auf den 18. Stuhl etc. Tisch weggeschoben, an den Rand geschoben, dann hat man genächtigt, vorher hat man Gessen drin.

Dann hat sich das in der römischen Zeit, hat sich sowas dann auch mit Bädern verbunden, mit Prostituierten und Bordellen und so. Deswegen ist also bis ins Mittelalter rein, das Wirtshaus oder das Gasthaus immer ein wenig so dubios. Aber gleichzeitig der Ort für Neuigkeiten aus aller Welt und aus dem Ort, oder? Ja, unbedingt.

Und das ist dann quasi mit dem Aufstieg der Städte und auch der Märkte im Mittelalter dann gewinnt dieses Wirtshaus eine ganz neue Bedeutung, weil da ist es dann auch nicht nur für die Fremden, sondern da geht man eben dann auch hin mit so frühen Stammtischen sozusagen. Es gibt ganz früh belegt im frühen Mittelalter schon die Honorationen-Stammtische, wo man dann später der Affenkubi sagt.

Affenkubi. Affenkubi, weil das war ein bisschen abgegrenzt vom restlichen Gastraum und hat oft so ein Holzgitter schön gestaltet, wo man ein bisschen durchschauen konnte, aber nur ein bisschen, damit die Leute getan sind und nicht angesprochen werden und so weiter. Und da in dieser Honorationsstube, da ist halt der Bürgermeister, der Pfarrer war drinnen, der Wirt selber, der oft wichtiger war wie der Bürgermeister.

Da ist dann gemaschelt worden, oder? Ja, da hat man halt dann die Geschäfte gemacht. Und die Wirtin hat dann was gebracht, Aber die Wirtinnen waren da oft nur dabei bei den Geschäften, weil gerade in Niederbayern gilt das, dass viele Bauernhöfe, große und viele Wirtschaften nur vordergründig von Männern geführt werden.

Ausschlaggebend waren in ganz vielen Fällen die tüchtigen Bäuerinnen und Wirtinnen. Es gibt ja diesen bläden Spruch, wer nix wird, wird, wird. Ein bisschen was hat man schon drauf haben müssen, das klingt eigentlich nach einer harten Arbeit. Das ist ja völliger Blödsinn natürlich, das ist ein Spruch, der kommt ein bisschen auch aus den 70er-Jahren, wo halt so verkrachte Studenten in München oder sonst irgendwo in den größeren Städten halt so diese typischen Boazner aufgemacht haben.

Aber diese Wirte und Wirtinnen in der früheren Zeit, die waren alle ausgebildet. Also Wirt war entweder oder sogar und ein Brauer oder Metzger, BMW in einem. Und die Wirtinnen, da hat man immer geschaut, deswegen sind also gerade in Altbayern, sind die englischen Fräulein sehr wichtig. Die Maiheit, es ist Wahnsinn, auch nicht mehr existieren so englische Freilein, die haben sich spezialisiert auf die Frauenausbildung.

Und da hast du im Grunde, wie soll man sagen, so einen praktischen Realschulabschluss gekriegt, wo aber natürlich immer sowas dabei, du hast gescheit nahe gelernt, du hast gescheit kocher gelernt und so weiter. Und das waren diese Schmieden, diese Talente-Schmieden dann für die weiblichen Käftsdamen.

Also jetzt haben sie verzeiht, also es beginnt in Rom, es beginnt an der Straße, es beginnt sozusagen als eine Durchlaufstation für Leute, die halt unterwegs sind, die irgendwo schlafen müssen, was essen müssen, was trinken müssen. Aber heute ist ja das Bayerische Wirtshaus so der Inbegriff der Gemütlichkeit.

Also das ist ja jetzt nichts, wo Fremde eher sind, sondern wo die Einheimischen sitzen. Wann beginnt diese Zeit, wann beginnt diese Ausformung des Gemütlichkeitshafens? Mit der Erfindung der Freizeit. Hat man erst erfinden müssen. Ja, die habe ich erst erfinden müssen, weil du hast halt beständig gehört sozusagen.

Das ist ja nicht in einer so landwirtschaftlichen Gesellschaft. Musst du sozusagen immer schauen, dass du das Fortkommen deiner Familie sicherstellst. Ich habe manchmal das Gefühl, im Grunde ist es jeden Tag darum gegangen, dass man heute genug Kalorien hat, damit man morgen genug Energie hat, dass man wieder genug Kalorien findet, damit man am nächsten Tag und so weiter und so weiter. Also da ist natürlich schon was dran.

Und das war natürlich alles primitiver. dann später in der Industriegesellschaft und wenn sie ihnen das vorstellen, also so Mächte. Knechte, Industriearbeiterinnen, diese frühen Industriearbeiterinnen und das ist ja abgeleitet von den Arbeitszeiten in der Landwirtschaft, die sind in der Woche arbeiten die 70 Stunden, also da hast du keine Freizeit mehr.

Sonntag frei, Samstag, wenn sie Glück gehabt haben, nur bis zwei oder so, frühen Nachmittag, dann sind sie heimgegangen, dann ist sie aber weitergegangen, man hat gewaschen werden müssen etc., um Kinder zu kümmern. Bla, bla, bla. Und da war keine Freizeit da. Das ändert sich dann langsam im Laufe des 19.

Jahrhunderts, wo das Bürgertum natürlich auch stärker wird und wo dann auch die Sommerfrüschen aufkommen, wo man dann gerne mal über den Sommer zwei, drei Wochen in Urlaub fährt. Also das hängt auch da dran. Und genau in dieser Bewegung, Freizeit, zurück zur Natur, Erholung, linkt dann diese Wirtshäuser als Zentrum der Kommunikation und als Zentrum der Naherholung.

So blöd, wie Sie das sagen, als Zentrum der Naherholung. Dabei so erholsam war es ja manchmal gar nicht, wenn man dann um fünf in der Nacht ins Bett gefallen ist. Nein, wobei, so Exzesse gibt es natürlich heute auch noch, hat es immer gegeben. Damals bist du natürlich auch gerade im Dorf ziemlich unter Sozialkontrolle gestanden, also da hast du schon aufpassen müssen, aber genau das ist sozusagen Freizeit, Wohlbefinden, Gemütlichkeit, das setzt man im Wirtshaus um, deswegen hat ein bayerisches Wirtshaus immer eine ganz typische Ausstattung.

Man sieht eigentlich, also der Kenner sieht heute noch, wobei man sagen muss, das ist ein weltweites Erfolgsmodell, bayerisches Wirtshaus, bayerische Gemütlichkeit. Da sind wir wieder bei der Erfindung des Images von Bayern durch die Brauer im 19. Jahrhundert mit weiß-blauer Raute und Maskrug und Brezen und Lederhosen und Folzvertefelung.

Und da ist das Bayernbild erfunden worden und das schwappt dann zurück. Weil im Ausland hat es sich bewährt, dass wir machen das dann in den Inland. Und diese Zeit ist natürlich auch der Ursprung des Tourismus. Also die sehen irgendwo auf einer Weltausstellung, was weiß ich, in London oder in Paris, sieht man so eine bayerische Gastronomie und dann denkt man sich, das möchte ich jetzt aber auch mal in echt sehen.

Und dann kommt die Reise nach München, die ist dann meistens verbunden mit dem Ausflug an die Alpen, weil die Alpenberge, das ist das, was für Bayern steht. Und diese alpenländischen Einrichtungsgewohnheiten, Sie haben es angesprochen mit der Vertäfelung, dass da diese schönen, ein bisschen gotisierenden Holztisch drin sitzen, ein Stuhl, der nicht nur einfach ein Stuhl ist, sondern ein wenig zisselierter Füße hat.

Weiß-blaue Tischdägen stehen da mit den typischen Gewürzen. Dieses Bild, Gemütlichkeit der Ludwig II., der Herrgutswinkel etc., wird dann von außen übertragen. Und das macht mündliche bayerische Wirtschaft aus. Die ist in einer Wirtschaft, im berühmten Bauernkirgel gegenüber der Münchner Residenz, da ist das losgegangen.

Da hat man das Bild kreiert und das ist dann weltweit und im zweiten Schritt dann wieder in Bayern ein Erfolgsmodell. Jetzt könnte ich als zynischer Halbösterreicher, Halbbayer natürlich sagen, ihr Bayern legt euch doch da was in den Birgröck rein, wenn ihr sagt, das ist unsere echte Gemütlichkeit und was ganz Authentisches und in Wahrheit ist es eine Erfindung von der Werbung.

Also da muss ich jetzt dazu sagen, in Richtung Österreich, wer kann, der kann. Das hätte es halt auch gerne zusammengebracht mit irgendwas, hätte es auch eine schöne Weinkultur gehabt, aber diesen Show-Effekt, das ist halt typisch bayerisch, das zu einem guten Essen und das Essen muss dann nicht einmal sehr gut sein.

Und zu einem mittelmäßigen Bier, wenn du eine gescheite Show dazu bietest, wenn da im Dirndl eine fesche Bedienung unterwegs ist und ein Wirt, der dich unterholt, das ist das typisch bayerische Wirtshaus, unübertroffen, vielfach beneidet, aber unübertroffen. Sie haben ja leider recht, der Erfolg gibt der Sache auch recht.

Ich habe mir was rausgesucht, es gibt eine Umfrage vom Bayerischen Zentrum für Tourismus. Vor ungefähr einem Jahr haben sie die durchgeführt, Bevölkerungsrepräsentativ, Leute gefragt von 18 bis 74 Jahren, gleich über 2000. Und von allen, die da befragt worden sind, haben 57 Prozent gesagt, dass sie schon mal in ihrem Leben ein bayerisches Wirtshaus besucht haben.

Also funktioniert hat es. Was unterscheidet jetzt das bayerische Wirtshaus vom hessischen Wirtshaus, vom thüringischen Wirtshaus? Die Show. Die Show. Ist es wirklich nur die Show? Dass du meinst, du sitzt in einer alpenländischen Hütten drin, also quasi unter einem oberbayerischen Berg, jetzt fällt mir gerade keiner ein, in Oberammergau, in einer Holzhütten drin und wirst von einer ganz lieben Hüttenwirtin, Sennerin, wirst du bedient.

Diese Show, das ist der Unterschied. Und so haben Sie es auch erlebt in Hängersberg. War da die Senderin und die Schuhplattler sind reingekommen und haben euch eine Show gemacht? Oder wie war es bei ihr noch am Stammtisch? Nein, gar nicht. Also da hat es das natürlich gar nicht gegeben, weil Niederbayern hat da natürlich auch den Unterschied zu Oberbayern.

Aber was es natürlich schon gegeben hat, ist diese typische Ausstattung. Was ich vorher gesagt habe mit der Stuhlverteflung etc. Versucht jedes Wirtshaus zu übernehmen und jedes Wirtshaus versucht zu dekorieren. Hat einen Ludwig drin, hat vom Stammtisch, wenn einer mal ein Sie gehabt hat, hat den Sie drin gehabt.

Also ein besonders gutes Blatt beim Schafkopf, verstehe ich das richtig? Ja genau, also das höchste, beste Blatt beim Schafkopf, hat die Beutel drin gehabt von den Vereinen, die da drin ihr Wirtshaus gehabt haben und genau diese, sage ich einmal, barocke Präsentation, die war schon wieder typisch, die hat es auch in Hörschberg gegeben, natürlich.

Ja, an diesen ganzen Dingen sieht man, das sind halt einfach Kommunikationszentren. Und damit waren sie ja eng in Verbindung mit der Kirche. Der Kirchen wird einer der wichtigsten Männer am Markt oder im ganzen Ort. Aber so richtig laufen tut es ja. Man hat das Gefühl, die Kirchen werden leerer, die Wirtshäuser werden leerer, die Wirtshäuser sterben weg, die Kirchen haben sich noch gehalten.

Was ist passiert, Herr Dr. Läubel? Also alles, was mit Kommunikation zu tun hat, ist in der Krise. Die Vereine sind in der Krise, sie haben es aufgezählt. Was ist passiert? Zum einen ist einmal dieses NS-Regime passiert und der Zweite Weltkrieg, das ist etwas, was man gemeinhin unterschätzt, das hat totale Auswirkungen gehabt.

Das, was ich Ihnen jetzt vorher erzählt habe für Hengersberg mit diesen sechs Wirtshäusern am Marktplatz, wenn sie da hingeschaut hätten in der Vorkriegszeit, da waren bei diesen sechs Wirtshäusern sechs Brauereien dabei und da hätten sie in dem Marktplatz kein Lauscht jetzt Geschäft oder sowas gesehen und die mehreren Wirtshäusern haben dann ja eine Seele gehabt, jeden Freitag, jeden Samstag war irgendwo eine Leihentheatervorstellung, Musikvorführung vom Gesangsverein oder sonst irgendwas.

Wanderndes Kino hat es noch gegeben waren dann das Kino. Das zieht sich dann natürlich schon in die 50er, 60er Jahre ein. Da hat es ja diese fortfahrenden Fortbildungszentren gegeben. Also das ist dann nochmal einen ganzen Schritt stärker und da schneit dann die NS-Zeit ein, weil man halt bestimmte Sachen einfach verbietet, wie die Ritterbünder und so weiter, weil die Leute fallen.

Man meint immer so, ja das ist schon alles so weiter gegangen, aber in dem Zweiten Weltkrieg kommen Millionen von Menschen ums Leben und, man zieht sich dann, da beginnt es, dass man sich auf sich selber zurückzieht, dann kommt der Fernseher, überhaupt nicht zu unterschätzen natürlich, das ist auch ganz solid daheim dann, in die 50er Jahre hat der Wirtner den ersten Fernseher gehabt, Erinnerung, die wir mir in die Zeitzeugen Interviews immer wieder auffangen, ist, dass man das Endspiel Deutschland-Ungarn, 56, 54, dass man das im Wirt zu Hause hat. Dass Sie das nicht wissen und ich schon.

Ja, ich habe eigentlich meinen Beruf verfehlt, weil ich mir keine Jahreszahl mehr kann. Aber es geht dann doch wieder ungefähr, der Historiker muss immer nur wissen, ungefähr, wo es nachschaut dann. Ich habe natürlich mehr Zahlen, wenn ich das mit Verlaub auch sagen darf. Ja, und nach dem Fernseher ist das Internet angekommen. Also das hat ihm dann wahrscheinlich einen Rest gegeben.

Das hat ihm einen Rest gegeben. Und dann natürlich, das darf man auch nicht vergessen, diese ganze gesellschaftliche Entwicklung, man weiß ja in Ruhe, man sitzt vor dem Fernseher, das Auto, das draußen vorbeifährt, stört, also muss die Umgehungsstraße weg. Das ist ein ganzer Schwung. Dann darf man nicht vergessen, so ein Wirt und eine Wirtin, das war eine Wirtsfamilie, die haben in einem Wirtshaus gelebt.

Also die sind da gar nicht rausgekommen. Das waren 100 Stunden, Wochen und mehr. Und das musst du schon machen. Wer mag das heute? Jeder möchte, wir haben uns an die Freizeit gewohnt, sozusagen. Wir möchten alle eine Freizeit, wir möchten eine Familie gründen. Also das läuft alles nicht mehr so. Der wichtigste Grund, wir haben da eine große Umfrage gemacht, Der wichtigste Grund, der genannt wird, warum das so ist, ist erstaunlicherweise die Bürokratie, weil die Wirtsam ist auch mal erklärender Koch oder sonst irgendwas, wir wollen mal kochen und wollen wir uns nicht hinsetzen und irgendwelche Fragebögen ausfüllen.

Das ist jetzt vielleicht nicht ganz hundertprozentig real, aber da sieht man den Mix, woraus eine Situation einfach entstanden ist, dass das nicht mehr in ist, betrifft nicht nur die Wirte, betrifft die Bäcker und Metzger, sind wir wieder bei BMW. Wir haben ja die letzten 20 Jahre in der Bundesrepublik die Hälfte der selbstständigen Bäcker, Metzger und Wirte verloren.

Und gefühlt lässt man jede Woche oder jeden Monat eine neue Schreckensnachricht, wie viele Orte mittlerweile gar kein Wirt mehr haben. Wir haben das Glück, wie Sie gesagt haben, wir haben nur eine Wirtsfamilie, die wohnt sogar noch im Wirtshaus. Und ich kann auch bestätigen, also ich kenne keinen fleißigen Mann als den Wirt in Oberkoppel. Sie dürfen ruhig ein bisschen Werbung machen.

Also ob 100 Stunden da gelangen, aber wer tut sich das heute noch? Aber wie ist es eigentlich bei Ihnen? Gängen Sie regelmäßig ins Wirtshaus oder was machen Sie? Ich muss gestehen, vielleicht bin ich schon... Eine Generation später gekommen. Gut, ich war erstens ein Zugröster bei uns, vielleicht ein bisschen ein Stubenhocker und bin dann auch zum Studium auf Minger raufgegangen.

Aber für mich ist dieses, habe ich das Gefühl, in meiner Generation, diese Sehnsucht nach der Zeit, wo man nur ins Wirtshaus gegangen ist und wo die Gemeinschaft noch stärker war, das ist bei mir schon Sehnsucht aus zweiter Hand in gewisser Weise. Also ich bin halt eine Generation Internet und auch in meinem Freundeskreis.

Die meisten meiner Freunde leben in München oder in Wien oder in Belgrad oder in Mexiko. Und dann unterhält man sich halt über das Internet und tauscht sich aus. Und ich habe das Gefühl, viele Leute ersetzen immer mehr ihrer zwischenmenschlichen Beziehung durch so parasoziale Beziehungen im Internet.

Da hat man seine Influencer, da hat man seine politischen Kommentatoren, da hat man die Leute, die haben die Filmkritik vorsagen. So schade es ist, manchmal hat man das Gefühl, braucht es das überhaupt noch? Und dann ist was passiert bei uns, das war jetzt zum Zeitpunkt dieser Aufnahme, ist schon bald zwei Monate her, bei uns, passiert eigentlich sonst nicht, hat es einen Mord gegeben in Oberkoppel.

Da ist ein Beziehungstrauma, soweit man weiß, Bayer ist über die Grenze gekommen, Ort ist ja direkt an der Grenze, war wohl in der Scheidung zu seiner Frau, klopft dann der Tier vom neuer Freund der Frau, am schürsten Tod. Wahnsinn. Drei Häuser weg von mir gegenüber vom Wirt. Und an dem Tag habe ich ins Wirt zu Hause gehen müssen, weil ich das Gefühl gehabt habe, auch wenn man jetzt nichts beitragen kann, man kann jetzt auch die Sache nicht lösen, aber es hat dann doch wieder Hitzung dort, wo man das Gefühl hat, da sollte man jetzt unter den Leuten sein, da sollte man jetzt nicht allein mit sich ausmachen, die Geschichte.

Und da war ich sehr froh, dass wir noch einen Wirt machen. Ja, aber da sehen Sie es, das ist jetzt zwar natürlich eine Extremsituation, die Sie da schildern, aber also so Orte der Gemeinschaft braucht es einfach und da gibt es aber auch positive Signale, also da entwickelt sich was Neues, das sind dann oft kombinierte Sachen, dass das was weiß ich, so ein Tante-Emma-Laden der da wieder aufmacht, wo aber auch ein kleines Kaffee dabei ist oder Wirtschaft, die halt nur drei Tage in der Woche off ist, Supermodell in Oberbayern, finde ich ganz grandios.

Gibt es aber jetzt mittlerweile glaube ich auch schon in Niederbayern dass der Wirt im Grunde der Bürgermeister ist, weil der Bürgermeister nimmt dann wird die Bürokratie ab. Der Bürgermeister und seine Verwaltung sind Bürokratie-Experten. Da ist dann sozusagen die zwei Seiten in einer Person verbandelt.

Finde ich klasse. Also Kommunalisierung des Wirtshauses. Ja, und die nehmen dann Koch, weil der Koch gesagt hat, Leute, ich möchte eine Familie machen. Ich sehe gar nicht, dass ich da 80 Stunden da drinstehe. Ich möchte auch kochen und nicht Fragebögen ausfüllen. Also jetzt werden die Fragebögen von den Experten in der kommunalen Verwaltung ausgefüllt und der Koch darf kochen.

Die DEHOGA wird über diese vielen Modelle sicher nicht in Begeisterung verfallen, weil die möchten halt das klassische Wirtshaus. Aber ich muss sagen, für mich jetzt, wie soll ich sagen, als Vertreter des alten Bayern und als Lobbyist für die Gestorbenen, ist mir das eigentlich völlig wurscht. Und ich glaube, dass das einfach total wichtig ist, dass du, wie auch immer aus diesem Bereich BMW, einem alten BMW, dass du da in deinem Ort so eine Anlaufstelle hast.

Für die Alten, es gibt so viele Leute, die allein sind im Alter, wo ich halt dann hingehe und sage, ich hole mir jetzt ein Kuvert oder sonst irgendwas oder ich kaufe richtig ein und habe da eine Bekannte drin, wo mich auch mal ein wenig unterhalten kann und wenn gerade meine Freundin drin ist, die ich zwei Wochen nicht mehr gesehen habe, dann sitze ich mit ihr hin und trinke einen Kaffee.

Oder wenn sowas passiert, wie Sie geschildert haben, dass man halt sagt, da kann sich jetzt die Gmor auch wieder mal treffen und sagen, auch wenn man sich vielleicht auch nur anschweigt, weil das alles so furchtbar ist, aber wenn man halt sagt, und auch zeigt, wir kehren jetzt auch zusammen, das stehen wir miteinander durch.

Jetzt, Sie haben vorher erwähnt, ganz beiläufig, früher sind ja die Vereine noch ins Wirtshaus gegangen, heute hat jeder Schützenverein, jeder Tennisklub, hat sein eigenes kleines Bistro, hat seine eigene Mikrowellen, der braucht die Mikrowellen vom Wirten nimmer. Und jetzt machen Sie ein Wirtshaus in einem Museum auf zusätzlich und beschweren Sie dann, dass die Wirtshäuser wegstirmen. Wie reiben Sie denn das zusammen, Herr Dr.

Leube? Reiben Sie zusammen, dass wir beim Museum ein ganz herausragendes Beispiel haben, wie ein Wirtshaus in der heutigen Zeit ausschauen kann und betrieben werden kann. Und wir haben jetzt ja quasi was Neues geschaffen da drin, weil das ist die Essenz aus ganz Bayern, aus Frankenschwaben und Altbayern.

Aus allen bayerischen Regionen kriegt man frisch, saftes Bier. Und die Spezialitäten serviert. Also insofern ist das nicht das Ende einer Entwicklung, sondern jetzt der Neuanfang eines Neubeginns im Wirtshauswesen. Und Sie sitzen dann als Wirt, also noch nicht als Bäcker, aber als Metzgersohn und Wirt, sitzen Sie dann am Stammtisch in Ihrem Museum und spielen Katteln, oder wie kann man sich das vorstellen? Ja, nein, eigentlich nicht natürlich.

Ich repräsentiere da natürlich schon und bin auch gern und oft in meinem Wirtshaus drin, logischerweise. Aber ich freue mich dann auch, wenn ich einmal über anders denke kann. Ich bin natürlich nicht der Wirt, ich habe da ganz professionelle Leute, die das gepachtet haben und die das toll führen. Aber ich habe sozusagen die Einrichtung mitentwickelt, weil unser Architekt, das war ein Hesse, das ist ihr Beispiel, das sie vorher gebracht haben.

Und der hat uns da ein hessisches Wirtshaus geplant und dann sind wir alle in Ohmacht gefahren, samt die Bauleute. Und haben wir halt aber dann miteinander, mit ihm, das ist ein ganz hervorragend super Architekt, haben wir dann dieses Wirtshaus entwickelt und wir haben im Bau, wie es meistens so ist, ein bisschen Verzögerung gehabt, weil uns ein Heckerangriff auf unsere Schreinerei durchgeführt worden ist und dann sind wir alle da gestanden und wir wollten mal einrichten und haben wir nicht können und dann werde ich nie vergessen, mit meinem Sammlungsleiter haben wir mir dann auf die Wandvertäfelung um, aus lauter Verzweiflung die Bierkrieg aufgestellt, die heute noch draufstehen und die ganz Bayern repräsentieren sollen.

Und was heute immer schönerweise, weil wir sagen, unsere Bierkrieg haben nicht gelangt. Und heute kommen die Kundschaften aus ganz Bayern, schauen sie das Museum an, suchen ihre Brauerei, finden sie nicht und kommen dann noch ein paar Wochen wieder und stellen den Brauereikrug, ihre Brauerei dazu. Und wann irgendwann, vielleicht ihr Wirtzhaus das letzte am Platz ist.

Dann haben sie die anderen verdritten. Ich würde jetzt nicht so sagen, dann haben wir die Stellung gehalten und wer als Letzter mit erfahren steht, das ist eine ganz große Auszeichnung. Ja, wird irgendwann ein letzter Wirt in Bayern unterwegs sein oder lässt es sich überhaupt noch aufhalten, das Wirtshaus sterben?

Nein, das lässt sich. Also in die großen Städte, also gerade in München oder in Nürnberg, die ja Bierstädte sind, da wird es das immer geben, weil die Touristen, die kommen, die erwarten das einfach, dass sie sowas finden. Also ist das immer ein Erfolgsmodell. Man muss sich dann die gesellschaftlichen Gepflogenheiten anpassen, aber das passiert ja auch schon seit geraumer Zeit, wenn sie in der Münchner Wirtschaft reingängen und haben eine bayerische Ansprache von der Bedienung, haben sie glückslos gezogen oder vielleicht auch nicht, weil die anderen sind auch alle nett und so, die man finden, die man drin findet, die kommen halt aus aller Herren Länder.

Also das hat sich an die Gesellschaft letztlich schon angepasst und es gibt da starke regionale Unterschiede. In Schwaben zum Beispiel haben sie da noch ganz viel von diesen Dorfwirts, das heißt erstaunlicherweise, aber auch von den Dorfbietzken und den Dorfbecken haben sie da überlebt. Wahrscheinlich, weil es eine gute Mischung ist, weil es die Leute vor Ort schätzen und weil die Leute aus der Großstadt, aus Augsburg rausfahren und halt da einkaufen und auch das einmal aufsagen.

Im Oberbayerischen hat man ja das oft auch bei den Mittelstädten rundherum. Da gibt es viele Ortschaften, die einen Wirt tatsächlich verloren haben mittlerweile. Aber diese Modelle, die ich vorher geschildert habe, wo das wieder ein wenig aufkeimt, weil man halt sagt, ich brauche eine Institution, wo man sozusagen mit dem Notwendigsten versorgen kann und wo er mich da hinsitzen kann.

Und das sind für mich Keimzellen. Die Gesellschaft ändert sich schon wieder mal irgendwann, das kann keiner voraussagen. Im Sinne Karl-Valentins, Prognosen sind schwierig, vor allen Dingen, wenn sie sich in die Zukunft richten. Aber diese Keimzellen, diese Traditionskerne, und da sehe ich auch mein Museum, die müssen bleiben, weil irgendwann kann man an sowas wieder im Sinne, das aus Alpen Neuen entsteht, anknüpfen.

Also wir haben einen Polt schon in der Sendung gehabt mit seiner Schelte der Hawaii-Sierung, also da sind sie nicht zusammengekommen, aber er hat auch einmal gesagt, ich paraphrasiere, wer das Wirtshausleben und den Stammtisch nicht kennt, der hat vom Leben an sich sehr wenig verstanden. Würden Sie das unterschreiben?

Ja, also jein. Vielleicht sollten wir mir einen Stammtisch gründen. Ja, das machen wir. Ich meine, wir sind ja vorhin nur Leute da in der Mediengruppe Bayern. Und wenn man jetzt da raus schaut, weil Dammlangen rennt etwa vorbei, man müsste halt ein wenig schauen, aber wenn man weiter so in Richtung Fürstenzell, reinfährt, Ortenburg und so, da findet man sich sicher ein schönes Wirshäuschen oder in die andere Richtung einpassen.

Also macht man für die letzten Hinterbliebenen, hätte ich gesagt, macht man ein Wirshäuschen auch. Da die sagen, für heute haben wir unseren Mund fußlich genutzt geredet, jetzt haben wir uns fast ein Bier verdient oder ein anderes Kaltgetränk, Vielleicht findet man nur ein schönes Wirtshaus, oder? Genau, also Prost.

Prosit und danke, dass Sie da waren und danke, dass Sie gehört haben. Bitteschön. Wenn ihr die nächste Folge nicht verpassen wollt, dann lasst gerne ein Abo da. Ihr habt Fragen, Anregungen, Kritik oder Lob? Dann schreibt uns gerne an podcast.mgbayern.de oder hinterlasst uns eine Bewertung. Ein Bayer und ein Halber. Historische Zeitreisen mit Dr.

Richard Leubel ist ein History-Podcast der Mediengruppe Bayern. Host in Recherche Johannes Munzinger und Dr. Richard Leubel Konzept Dr. Richard Leubel, Johannes Munzinger und Martin Wanninger Redaktion Johannes Munzinger Produktion Anja Kurz Sprecherin Katharina Czava mit Musik von ScoreSquad über Soundtaxi Besonderer Dank an Walter Berndl.

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