Ein Bayer und ein Halber – historische Zeitreisen mit Dr. Richard Loibl· Folge 4

Warum Bayerns Ritter das Rheuma plagte

Donnerstag, 24. April 2025 · 39 min

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Shownotes

Woran denkt man, wenn man das Wort „Mittelalter“ hört? Klar, an Ritterburgen! Sie wecken bis heute die Sehnsucht nach der Vergangenheit, nach einem romantischen Leben über dem Rest der Welt, umgeben von Prunkt sicheren Mauern. In Folge 4 des Podcasts „Ein Bayern und ein Halber“ verrät Dr. Richard Loibl, was es mit Burgen wirklich auf sich hat – und warum Bayerns Ritter oft das Rheuma plagte.

Österreich hat ein eigenes Burgenland, aber auch Bayern braucht sich nicht verstecken, wenn es um imposante alte Gemäuer geht. Hunderte Burgen und Ruinen säumen die Landschaften des Freistaats. Aber warum brauchte es sie eigentlich, und dann gleich so viele von ihnen? Und wie lebte es sich als Rittersmann wirklich in den alten Gemäuern?

Das fragt sich MGB-Redakteur Johannes Munzinger. Antworten liefert ihm einer, der es wissen muss: Dr. Richard Loibl. Der ist nicht nur Historiker und Leiter des Hauses der Bayerischen Geschichte, er war jahrelang quasi selber Burgherr, als er das Oberhausmuseum in der alten Passauer Festungsanlage leitete. Er weiß also genau, wie der Alltag in so einer Burg aussieht. In Folge 4 des Podcasts „Ein Bayern und ein Halber“ verrät er, was es mit Burgen wirklich auf sich hat – und warum Bayerns Ritter oft das Rheuma plagte.

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Ja, der Läubel, der hat uns schon bedroht. Also wenn wir nicht Spuren, wenn wir was Blöds schreiben, dann schießt er mit dem Katapult auf uns. Also da habe ich wirklich alle bedroht, nicht nur die Passauer Neue Presse, sondern auch am liebsten die Stadtverwaltung und den Stadtrat in Passau. Und dann habe ich noch das Glück auch gehabt, dass aus irgendwelchen Gründen auf dem Dach des Rathauses ein Farbfleck war. Kein Mensch weiß nicht, wie das da hingekommen ist.

Und ich habe das aber aufgenommen und habe behauptet, dass es ein Probeschuss war von unserer Blüte. Ein Bayer und ein Halber. Historische Zeitreisen mit Dr. Richard Läubel. Ein History-Podcast der Mediengruppe Bayern. Ja, guten Tag, grüß Gott miteinander, servus und HW Derre. Willkommen zurück zur nächsten Folge von Ein Bayer und ein Halber.

Mit mir, eurem halben Bayern, Johannes Munzinger und unserem Vollblut-Bayern, Dr. Richard Läubel. Schön, dass Sie wieder da sind. Ja, grüß Gott, Bayern. Herr Läubel, das können Sie jetzt nicht wissen, weil Sie haben damals was anderes zum Tag gehabt. Und ich erinnere mich noch, das war, also ich bin ein 90er Jahrgang und es muss dann 93, 94, 95 gewesen sein, da habe ich die Burg meiner Jugend entdeckt.

Es ist nämlich, also wir haben in Österreich, da in Oberkoppe, wo ich wohne, sehr klein in der Gegend, haben auch unsere kleinen Schlösserl und Burgen, aber eine richtige Burg, dafür habe ich nach Passa fahren müssen. Und ich erinnere mich noch, erst taucht die Ortsspitze auf mit dem riesigen Dom, der alles dominiert.

Man fährt weiter Richtung der Stadt und dann schirbt sie von rechts ein. Und der Dom wirkt auf einmal ganz winzig im Vergleich. Das ist die riesige feste Oberhaus, die wie ein Schiff in Donau und in eine ragt. Und ich habe gar nicht gewusst, weil man fährt ja dann unter der Festung durch, den Berg durch.

Und oben waren sie der Burgherr damals. Stimmt das noch? Ja, es war knapp sozusagen. Ich bin 91 als wissenschaftlicher Mitarbeiter ins Oberhaus gekommen und 96 bin ich dann Direktor geworden. Also das war so der Imzenit des Aufstiegs sozusagen. Ja, liebe Hörer, ihr merkt es schon, heute geht es um das Geschichtsthema schlechthin.

Wer denkt nicht an Ritter und ihre Burgen, wenn er hört, ah, es geht um Geschichte. Haben Sie Ritter gespielt damals als Kind? Ja, unbedingt. Selbstverständlich. Ich war international schon unterwegs, ich hab auch Cowboy gespielt. Bei uns hat es auch einmal, es hat drei Fraktionen gegeben quasi bei uns, die Ritter, die Cowboys und die Piraten.

Pirat war ich weniger, muss ich sagen. Weil ich schon klar war, dass ich Beamter bin halt. Aber wie war das für Sie? Es ist ja selten, dass man mit einem redet, wo man sagen kann, der war wirklich nur eine Burgherr. Wie war das für Sie, wie Sie angefangen haben am Oberhaus? Das ist ja doch eine der größeren Festungs- und Burgenanlagen, die noch erhalten sind in Deutschland.

Wie fühlt sich das an, wenn man plötzlich auf so einer Anlage als Historiker das Regiment führt? Das war schon eine große Verantwortung, natürlich muss ich dazu sagen, weil damals das Oberhaus auch ziemlich obergekommen war, oberberlt, wie man sagt. Und es ist, wie Sie schon gesagt haben, es ist eine riesige Anlage.

Wenn ich das noch richtig im Kopf habe, glaube ich, ist es 65.000 Quadratmeter umbaute Fläche, weil das nicht nur diese Kernburg ist, was man eigentlich als Burg bezeichnet, sondern das Oberhaus ist ja zur Festung ausgebaut worden im 17. und 18. Jahrhundert und jetzt gehen da wahnsinnig viele Festungswerke außen rum, dazu mit den Türmen, als Beobachtungstürme von der Artillerie, dann gibt es die Bastionen mit den netten Namen, es gibt eine Bastion Katz und eine Bastion Maus, weil die Bastion Katz, die sitzt so über der Maus drüber in Richtung Ilstadt, also das ist schon ein ganz schönes Ding und für mich war das quasi, naja, zum einen natürlich eine Riesenkarriere, Schritt, weil ich war damals der.

Jüngste Museumsleiter, mindestens in der Bundesrepublik und dann noch dazu auch Festungskommandant, weil es meine Aufgabe hat, dass es auch wirklich gehört, zum Schauen, dass die Festung halt nicht zusammenfällt. Und das war oft einmal brisant, wir waren auch manchmal knapp davor, das haben wir dann gerade noch erwischt, dass die Festungswerke zur Stadtseite, wo ja drunter die, was ist denn das, irgendeine Bundesstraße da am Anger läuft, aber da haben wir eine gerade noch erwischt, Bevor die da runtergebrochen ist und so, gell. Und diese Verantwortung habe ich natürlich stark auf den Schultern gespürt und dann auch so was, dass wir uns, und da sieht man wieder, dass also Museum und Festung ist oft nicht so romantisch.

Passau hat damals größte finanzielle Probleme gehabt, wegen der Kanalisation, weil man die anders bauern müssen, aufwendiger bauern müssen, wie man gedacht hat. Und von daher war die Finanznotlage groß Und der damalige Oberbürgermeister, immer noch mein Lieblingschef Willi Schmöller, hat das Unternehmensstaat Passau eingeführt.

Und da waren wir sozusagen Vorläufer vor, weil im Museum hat man nicht so viel kaputt machen können. Wir haben da anfangen dürfen, haben wir eine kaufmännische Buchführung eingeführt. Und ich habe aber wahnsinnig viele Freiheiten dadurch gekriegt, weil man Mittel, die man freigesetzt hat, selber wieder verwenden hat können.

Also das war eine unternehmerische Aufgabe, wirklich auch. Und ich habe in Passau viel gelernt und viel mitgenommen, was mir dann bei meinen weiteren Schritten total geholfen hat. Was aber jetzt, es tut mir leid, ganz wenig mit Burgenromantik zu tun hat. Eins muss ich noch sagen, also soweit ich das gehört habe, aus verlässlichen Quellen haben sie ja ein Schreckensregiment da oben geführt und waren eine richtige Angstgestalt.

Also ich habe noch ältere Kollegen, die damals schon in der Stadt tätig waren, und die haben gesagt, ja, der Läubel, der hat uns schon bedroht. Also wenn wir nicht spüren, wenn wir was Blöds schreiben, dann schießt er mit dem Katapult auf uns. Also da habe ich wirklich alle bedroht, nicht nur die Passauer Neue Presse, sondern auch am liebsten die Stadtverwaltung und den Stadtrat in Passau, weil wir zu dieser Rütherburg-Ausstellung, die wir 98 gehabt haben, mit einem riesen Erfolg, damals 130.000 Besuche im ersten Jahr und dann fast nochmal 100.000 im zweiten Jahr.

Da habe ich von den Pionieren in Bogen, die waren so nett und haben eine Bliede gebaut. Das ist so ein mittelalterliches Katapult. Trebuchet, sagen die Franzosen glaube ich. Ja, genau. Also wo halt hinten das Gewicht ist und das hat so einen schwenkbaren Anker oder Arm besser gesagt und da kannst du vorne halt so ein Lederteil anhängen, was dann nicht die Kugel sondern ein Storbrocker oder Schlimmer ist.

Also die haben ja damals nichts gekannt, da sind auch Leichenteile in die Städte reingeschmissen worden. Also was du das quasi da erschießen kannst. Und mir hat das natürlich gefallen, weil ich habe dann an jeden gesagt, ich habe dann auch die Passauer Kriegsfahne gehisst wieder, die haben wir uns wieder machen lassen und habe dann gesagt, jetzt ist diese schreckliche Zeit, wo das Oberhaus unbewaffnet war, und nicht wehrfähig vorbei und zukünftig werden wir zu Stadtratsentscheidungen, die nicht in unserem Sinne verlaufen, entsprechende Kommentare dann abgeben.

Und dann habe ich noch das Glück auch gehabt, dass aus irgendwelchen Gründen auf dem Dach des Rathauses ein Farbfleck war. Kein Mensch weiß nicht, wie das da hingekommen ist. Und ich habe das aber aufgenommen und habe behauptet, dass es ein Probeschuss war von unserer Blüte. Also Ihre Schreckensherrschaft ist Gott sei Dank vorbei. Sie sind mittlerweile in Regensburg. Wie viele Schrecken Sie dort verbreiten, ist mir nicht bekannt.

Das muss ich demnächst einmal ein bisschen recherchieren. Aber auch Regensburg ist eine Stadt, die heißt schon noch an einer Burg, auch die hat eine große Anlage. Es gibt Augsburg, gut es gibt noch Salzburg, das ist jetzt einmal österreichisch, aber auch mit bayerischen Wurzeln sozusagen. Und ich habe mich so ein bisschen gefragt, was ist das? Warum sind die Burgen für viele bayerische Städte so wichtig?

Und ganz allgemein, wozu braucht es eigentlich so eine Burg und woher kommt das alles? Und jetzt frage ich Sie als Historiker und nicht als Katapultbesitzer. Schade. Wo kommen Sie denn her? Womit beginnt der Burgenbau in Bayern? Also der Burgenbau, da muss man immer wissen, dass eine Burg kommt von Burgus aus dem Lateinischen und das hat ursprünglich weniger mit einer Burg zu tun als mit einem Stadtbereich.

Deswegen heißt es zum Beispiel Augsburg, obwohl Augsburg ja gar keine Burg hat. Und Rengsburg heißt Rengsburg, obwohl Regensburg auch keine Burg hat, weil die Burg der Bischöfe von Regensburg ist ja außerhalb dieses Börd. Währenddessen die Burg der Bischöfe von Passau mitten drin ist, mitten im Oberhaus.

Und weil sie Salzburg genommen haben, ein gutes Beispiel, auch in Salzburg, ist natürlich die Burg der Fürst-Erzbischöfe mitten in der Stadt. Und das ist der Grund eigentlich, warum Regensburg freie Reichsstadt geworden ist, Passau nicht und Salzburg auch nicht. Weil der Bischof wehrhaft war über diese Burgen und so seine Staatsherrschaft verteidigt hat. in Passau ganz massiv.

Und also um auf das noch mit Druck zu kommen, was ist Burgust? Das ist schon so ein ummauerter, abgegrenzter Bereich. So ein Festungsbereich. Ja, Festung ist vielleicht noch ein bisschen über drinnen. Ich würde mal sagen, einfach mit der Stadtbefestigung. Wobei sie auf der anderen Seite auch wieder recht haben, wenn man jetzt Augsburg anschaut und vor allen Dingen Regensburg.

Regensburg hat ja als Wurzel dieses römische Kastell. Also das war eine Festung, eine römische Festung, kann man so sagen. Und dieses Kastell, das ist eher im vierten Jahrhundert nach dem Markomanen-Einfälle, ist ja das einfach zu groß geworden, weil es nicht mehr so viele Legionäre gehabt haben. Das haben sie nicht mehr verteidigen können.

Und jetzt hat man quasi in diesem Kastell einen Teilbereich abgemauert. Und das war dann der militärische Bereich. Und jetzt kommt das Entscheidende und den restlichen Kastellbereich hat man für die Bürger freigegeben. Und die zieht dann da eine und damit ist eigentlich, man kann das wunderbar an diesem Rendsburg ein Beispiel sagen, damit ist die mittelalterliche Stadt geboren.

In der Kontinuität zur römischen Herrschaft. Aber wenn man jetzt Burg hört, zumindest ich als Autonomalbürger, der jetzt kein Historiker ist, dann denkt man ja doch an Anlagen, die irgendwo auf einem Berg stehen, an außerhalb der Stadt schwer erreichbar, uneinnehmbar. Wo kommen diese Burgen her? Das ist ja das, was man als Burg kennt, landläufig. Also Sie müssen jetzt eins mitnehmen, wenn wir jetzt die Geschichte aufheben.

Das ist dieser befestigte mit Mauern umwerte Bereich. Der, wie Sie richtig sagen, wenn man von der Zeitung 500 ausgeht, so die nächsten 500 Jahre, es hat 500 Jahre dauert, auf die Berge wandert. Vorher waren diese Burgen eigentlich eher immer im Flachland. Na gut, es hat schon welche am Berg gegeben. Keltische Befestigungen sind am Berg.

In Niederbayern kennt man Bogen, da muss auch schon irgendwas gewesen sein. So eine keltische, prähistorische Festung. Das sind eigentlich eher als Fluchtburgen das heißt, wenn es unten zu kreislich wird, dann Marsch und es gibt die Siedlung halt neben an so einem befestigten Bereich und wenn der Feind kommt, dann haut man sich in diesen umwehrten Bereich das ist oft nicht mehr wie eine Palisade.

Mit Baumstamm halt aneinander Schicht, ein Kram vorher damit man einfach gegenüber dem Angreifer erhöhte Position hat und selber gesichert ist, selber ausschießen kann, ohne dass man vom Angreifer leicht getroffen wird. Das heißt, ein gut gebautes Haus mit einem großen Zaun drumherum war eigentlich schon eine Burg. Ja, genau.

Und eigentlich kein Türm. Da reden wir jetzt wahrscheinlich noch ohne Türme. Das ist wirklich dieser ummauerte, umwehrte Bereich mit einem Heißer vielleicht drin. Das ist dann aber schon wieder ein weiterer Schritt. Das ist dann keine Fluchtburg mehr, sondern dann sitzt sozusagen der, der die Herrschaft führt über die Truppe außen rum, der sitzt dann schon drin. Das ist wieder so ein Schritt.

Und Bedeutung kriegt dann, also erneute Bedeutung kriegt das Ganze dann in der Ungarn-Zeit durch die Ungarn-Einfälle. Wo sind wir da? 950. Die berühmte Schlacht am Lechfeld, die übrigens gar nicht stattgefunden hat, war 955. Da werden jetzt diese Sachen schon wehrhafter. Im niederbayerischen Bereich haben wir da zum Beispiel die Wischelburg.

Das ist sowas, was auch in der Ungarn-Zeit wieder Bedeutung hat. Da kommen jetzt Türme, kommen Gräben, kommen Wassergräben, aber das Ganze ist eigentlich noch unter. Und das ändert sich dann im 11. Jahrhundert um 1050, wo dann plötzlich die Burgen auf die Berge wandern. Und das ist eine ganz seltsame Geschichte.

Das ist reichsweit sozusagen, läuft diese Entwicklung ab. Und es ist einmal gesagt worden, der Zäune hat das gesagt, aber ich werde recht haben, es ist eigentlich eine Modeerscheinung die da durchläuft und es läuft alles so immer gleich ab, die alte Burg aus der alten Burg wieder Kloster macht bestes Beispiel Vornbach am Inn, war vorher die Burg der Grafen von Vornbach, das war es nicht mehr so war im Flachland sozusagen und die geben diese Burg auf und gründen ein Kloster und ziehen selber um, jetzt in dem Fall, auf die Neuburg, Neuburg am Inn, die am Berg umsteht, da haben sie das schon.

Die ziehen dann auch ins Bühlviertel übrigens um, weil dann die Familie erweitert sich natürlich. Die bauen sich die Burg Fichtenstein bei Engelharzzell, ein anderer Familienzweig geht in Nefergöttweig in Österreich, bauen sich die Burg Radlberg und nochmal ein anderer Familienzweig geht und ungarische Grenze und da bauen sie sich die Burg Pitten hinter Wien.

Und das sind alles Höhenburgen zu der Zeit. Und das ist tatsächlich eine Modeerscheinung, weil man sich über diesen tatsächlichen Vorteil. Einer Höhenburg gegenüber einer Flachlandanlage kann man sich ja streiten, weil eigentlich der einzige Vorteil ist, dass du nah schlechter eingenommen werden kannst, aber du kommst da selber schlechter runter sozusagen.

Also wenn ich jetzt an Burgen denke, dann denke ich natürlich aus meiner Jugendzeit an Herr der Ringe, weil es Belagerungsschlachten, das ist so immer die Vorstellung, eine Burg, die baut man, damit es belagert wird und damit die möglichst lang belagert werden kann. Dann kommen sie mit den Katapulten und mit den riesigen Lörtern und 10.000 Mann rennen an gegen 500 Stramme, Bewacher und jahrelang zieht sich der Kampf.

Und dann schaue ich mich in die Geschichte der Burgen in der Gegend um und stelle fest, so richtig belagert worden sind die eigentlich praktisch nie. Also selten würde ich sagen, ab und an gibt es das schon. Das erwähnte Neuburg ist zum Beispiel 1.177 vom Kaiser Heinrich IV. Belagert worden und auch relativ schnell eignommen worden.

Das Oberhaus in seiner gesamten Geschichte im Mai ist vielleicht fünf- oder sechsmal umgekämpft worden. Und nach dem 14. Jahrhundert ist eigentlich dem ersten, der in Passau da war, übergeben worden. Aber wann wer das Oberhaus belagert hat, dann waren das doch fast immer die eigenen Bürger, oder? Also 1298 ist dieser erste große Bürgeraufstand, der zweite ist 1367, ich glaube, ich habe es noch richtig im Kopf.

1298 ja, versuchen die Bürger dieses Oberhaus einzunehmen, also das geht völlig in die Hosen, 1367 schnappen sie zumindest Niederhaus und beschießen dann vom Niederhaus Oberhaus, aber auch das geht in die Hosen und das habe ich jetzt vorher vergessen, weil sie gefragt haben, was war so als Burgherr beeindruckend, es gibt den Schachnerbau im Oberhaus und unterm Schachnerbau waren laut Inventar die mächtigsten Kanonen drin Und wenn man sich das vom Schachnerbau anschaut, das waren wirkliche Trümmerkanonen, die hast du auch nicht opeinanderschwenken können wie ein Flak oder wie ein Maschinengewehr, sondern du hast nicht da hinschießen können, wo der Kanonenlauf hingezeigt hat.

Und die gingen da ohne genau aufs Rathaus. Und das war eigentlich auch immer die erste Maßnahme, wenn sie die Mucht haben darunter, dass der Bischof gesagt hat, schau mal die Drohgebärde dann gehabt hat, schau auf, Mucker, aber die ersten drei Kugeln treffen euch in der Stadtratssitzung drin, Burschen.

Und das ist natürlich, ich habe es jetzt ein bisschen zugespitzt formuliert, das Ganze, aber das war eigentlich die Hauptaufgabe des Oberhauses, die Stadtherrschaft des Bischofs zu sichern und dann natürlich auch Feinde abzuwehren. Und deswegen werden dann auch in der späteren Zeit, ab dem 16. Jahrhundert, hinteraus, sage ich einmal, diese ganzen Bastionen aufgeführt, weil eigentlich wirklich angreifend hast du die Burg nur von Westen her.

Über diesen Bergrücken, verdammt, wie heißt der denn? Georgsberg. Ja, genau, genau, über diesen Bergrücken her. Und von daher ist das dann gegen die Feinde von außen so ausgebaut worden. Nur die Festung ist so groß geworden, du hättest 300, 400 Mann gebraucht, um die zu verteidigen. Und die ständige bischöfliche Truppe, das waren vielleicht 50 oder so.

Also hat das Ganze eigentlich auch keinen Sinn mehr gehabt. Das war aber auf alle Fälle eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, weil die Bastionen, die sind gut gebaut und so, das sieht man auch noch und da war halt ein Teil der Passauer Bevölkerung eine Zeit lang schon wieder einmal beschäftigt. Also so richtig erschließt sie mir jetzt noch nicht, warum jetzt quasi überall in Spuck, weite eine Burg an der anderen steht, weil belagert hat es nicht.

Sie haben schon gesagt, da hockt man dann oben am Berg und braucht eine Ewigkeit, bis man mal in seine Ländereien überhaupt unten ist. Und ich denke mir zur Verteidigung immer, warum sollte man eine Burg attackieren? Interessanter sind doch die Felder, sind doch die Viehherden, die sich im Umland rumtreiben, die sind doch interessant.

Was hindert jetzt einen feindlichen Fürsten von nebenan, dass er rüberkommt, an der Burg vorbeimarschiert, einschiert, der vielleicht nur einen Mittelfinger zeigt und sie die ganzen Viecher schnappt, die Felder verwüstet und wieder abmarscht zurück ins eigene. Das ist ja oft noch passiert, natürlich.

Aber es geht ja darum, dass der Burgherr in Sicherheit ist. Also Bauern sind wieder relativ wurscht, wobei man sagen muss, die sind schon auch, also wenn da feindliche Truppen angerückt sind, hat man es die Bauern schon auch ermöglicht, dass sie in Burg reingegangen. Aber wenn sie nicht schnell genug waren, haben sie halt Pech gehabt.

Also das oberste ist sozusagen, dass der Burgherr in Sicherheit ist, Da gibt es jetzt weitere Motive natürlich. Im Mittelalter sind ja die Möglichkeiten, zu renommieren, anders. Es hat keine besondere Uhren gegeben, es hat keine italienischen Sportwägen und deutsche Riesenzuffs gegeben. Pferdl schaut halt auch relativ gleich aus im Grunde. Gut, du hast da vielleicht von deiner Waffengarnitur her, wenn du einen besonders guten Schmied gehabt hast, hast du von dem halt ein besonders Schwert oder sowas machen lassen können.

Aber das hast du auch alles nicht auf den ersten Blick gesehen. Also wenn man jetzt sagt, dass keiner will, dann hat es auch noch keine gegeben. Und also die Möglichkeit zu renommieren, war relativ gering. Mit einer großen Ausnahme, mit so einer Burg. Das ist wahrscheinlich der Grund, auch warum die im Bergaufwandert, weil es dann quasi jeder sagt, hoppla, das sind jetzt die Grafen vom Boden.

Das ist also sozusagen wie man heute eine Fahne auf dem Berg oben steckt oder am Nordpol oder auf dem Mond und sagt, hier sind wir. Und Sie dürfen natürlich auch da eins nicht vergessen, das ist natürlich schon ein äußerst militantes Signal und damit sagt man das da rund um, liebe Freunde, Mainz, Vorsicht.

Und weil sie das angesprochen haben mit der Burgenhäufung, das hat auch seinen Grund. Also ganz viele Burgen gibt es die Donau entlang, von Degendorf und von Passau, das hat es früher gegeben, die Windberg, das ist über Windorf gestanden, Hilgertsberg, Winzer, im Passhaus Oberhaus, was weiß ich, noch viele andere.

Wenn man dann von der Donau abzweigt Richtung Norden, also wenn man zum Beispiel auf Dittling hin trifft, da gibt es das sogenannte Drei-Burgen-Land mit Fürstensteuer, Engelburg, Saltenburg. Eigentlich müssten es 30-Burgen-Land heißen, weil es dann mindestens 25-Rundum-Sona gibt. Warum ist das so? Kann man ganz genau nachvollziehen, weil da die goldenen Steige aufgegangen sind.

Also die Handelswege. Die Handelswege und vor allen Dingen die bayerischen Versuche und die Versuche von Karl IV. König von Böhmen, einen Gegensteig zu schaffen zu den Passauer goldenen Steigen und die Passauer quasi den Böhmenhandel abzunehmen. Und das war ein Schlachtfeld, kann man sagen, über 100 Jahre, aber das muss man sich eher so vorstellen.

Also nicht wie beim Heer der Rünge, sondern das war eher so ein Schachspät. Da hat der eine seine Burg gestellt, da hat der andere seine Burg gestellt. Dann hat sich die Straße wieder verlagert, weil man gesagt hat, ja genau, ich werde meine Straße unter deiner Burg laufen lassen. Das ist ein bisschen ein Schwanzvergleich, wer hat die Grässern und wer hat die Mehreren. Genau.

Und wirklich so ein taktisches Spiel, weil das hat natürlich schon funktioniert, dass du diese Straßen beherrschst hast. Es gehört auch immer, das ist bei der Donau so wichtig, zu diesen Burgen gehören immer die Zollstationen. Also damals hat man Maut gesagt, das ist das, was bei uns schief gegangen ist vor ein paar Jahren.

Im Mittelalter ist Maut klassisch nur Schiffsmaut, was wir wissen. Und diese Mautstationen, die waren unterhalb von der Burg, aber in der Burg haben sie gesehen, Was kommt? Obacht Schiff. Ja, und dann haben sie gesagt, passt auf, in einer halben Stunde ist ein Schiff da. Und dann sind diese Positionen unten besetzt worden und dann haben die Zoll kassiert.

Und das ist ein ganz komplexes System. Das sind auch neuere Forschungen, wir haben das lange nicht verstanden. Wieso jetzt auch, also gerade da in dem Vilshof, da ist das Hilgertsberg und dann gibt es Pleinting auch noch und Wiendorf und Hofkirche und alles sind Märkte und drüber stehen dann die Burgen.

Und das kommt daher, weil das so ein komplexes System war, an der Stelle hast du sozusagen drei Möglichkeiten gehabt, diese Donauengstellen zu passen, die waren da Engstellen. Die einen haben vor diesen Engstellen, sind aussehbar, haben die Schieflaufer beigeführt, haben die Ladung abgeladen und die hat man dann sozusagen, die sind im Blinding verzohlt worden.

Die anderen, die am Schiff geblieben worden sind, die sind in Vaishof verzohlt worden, die von der anderen Seite gekommen sind, im Schiffszug, die sind wiederum in Winzerwald verzahlt worden. Das heißt, man hat schauen müssen, dass es keinen Totenwinkel gibt. Ja, genau. Es klingt jetzt so, da wird da geschwindet mal eine Burg gebaut, dann bauen wir da auch noch eine und da auch noch eine.

Wie kriegt man das eigentlich so hin? Das schaut eigentlich nach einer ziemlich teuren und ziemlich komplizierten Aufgabe, wenn ich mir von unten so eine Burg ausschaue. Also ich würde mir das nicht so trauen, dass ich baue. Wo finden wir Leute, die so etwas können? Ja, da muss man auch wissen, dass es natürlich, es gibt schon Bauspezialisten, die müssen auch ausgelastet werden, die sind schon mit den Kirchenbauten beschäftigt, das ist eine gotische Kathedrale, da hat man schon mal ein paar hundert Jahre hingebaut, also da waren schon welche beschäftigt, aber die haben nicht auch gute Stornetzen und so weiter ausgebildet.

Und diese Baumeister, die die Kirchen gebaut haben und konstruiert haben, die haben natürlich für die war eine Burg sozusagen die leichtere Übung im Grunde. Also die Spezialisten hat es gegeben und dann hat es natürlich auch kostenlose Arbeiter gegeben, weil die Bauern der verschiedenen Grafen oder Fürsbischöfe oder was auch immer, die waren zum Scharwerk verpflichtet, das heißt, die hat abziehen können und hat gesagt, ihr habt die Ernte herinnen, sagen wir mal Anfang September und jetzt da könnt ihr euch drauf einstellen, drei Monate wirkelt es jetzt an meiner Burg. War eine Burg in drei Monate fertig?

Nein, manche. Also es gibt da viele unterschiedliche Burgtypen. Ein relativ einfacher Burgtypus, der ein wenig abgeleitet ist von der Bauweise, vom römischen Kastell, ist die sogenannte Motte. Kann man sich wunderbar anschauen im Geschichtspark in Birnau, da ist das ganz perfekt nachgebaut worden. Das ist ein Holzturm, um den eine Holzpalisade mit einem Krom rundum geht und dann habe ich extra gesichertes Tor und fertig.

Und das ist natürlich schon mit überschaubarem Aufwand hinzubringen. So eine richtige Storburg wie das Oberhaus, ja da hast du natürlich schon fürst sein müssen, dass du so etwas hinstellst. Oder halt so ein Donaugraf, der einfach über den Donauverkehr, der ja immer sehr regischer war, diese Zolleinnahmen gehabt hat.

Und auch die guten Einnahmen aus der Landwirtschaft, man darf das nicht vergessen, dass der Dungau ist der fruchtbarste Boden, der greift zwischen Rengsburg und Deggendorf, greift er in die, Flussschleifen immer über die Donau, gell, ist auch dieser fruchtbare Boden. Und da hast du natürlich gegen jeden einen riesen Vorteil gehabt, wenn ich da gerade die Wittelsbacher hernehme, die man in Bayern so schätzt, weil die sitzen ein paar Amper einen kleinen, ja was ist, das ist ein Sandboden, da kannst du vielleicht einen Spargel anbauen, aber nicht an Wurzeln, da hast du auch keine Zahleinnahmen, also da gibt es die entsprechenden Unterschiede.

Ich habe was, Stichwort Kosten von so einer Burg, ich habe was Putzigs gefunden in einem Zeitdokument, nämlich im Katalog zu ihrer großen Ritterburg-Ausstellung vor 25 Jahren sind sie jetzt, ein bisschen mehr sogar, und da sieht man mal, wie sich die Zeiten geändert haben, also es ist wirklich wie schon eine historische Quelle, da haben sie so eine kleine Berechnung gemacht, die heute wirklich putzig anvorkommt, nämlich haben sie berechnet, die Baukosten von so einer kleinen Basisausstattung Burg, sagen wir mal, war im Jahr 1400 ungefähr 1600 Gulden.

Heute, also 1998, rund 1.700.000 Mark, also sagen wir mal 850.000 Euro. Also da kann ich mir das heute aussuchen, entweder kaufe ich mir in Tegern, sehe ich fast eine ganze Doppelgarage oder eine ganze Burg drauf. Ich habe natürlich nicht dazu geschrieben damals, wo das ist, also der Grundstückspreis ist ausgenommen gewesen.

Das sind die reinen Baukosten, ich habe die damals aus irgendeinem Passauer Rechnungsbüchel, außer wenn ich mich recht erinnere. Und zwar sind das die Baukosten für den Scheiblingsturm. Ein guter kleiner Turm, ja schon. Aber wenn man es dann wieder ummünzt auf diese Motte, dann ist das berücksichtigt, dass die Arbeitskraft ja umsonst war, mehr oder weniger. Die haben wir müssen.

Ich glaube, hast du dir Zeit, also eine Motte hast du locker gekriegt. Man muss natürlich auch einberechnen, dass gerade die letzten drei, vier Jahre die Baupreise natürlich explodiert sind zu der Zeit vorher. Also wenn ich es so recht überlege, so schlecht war die Rechnung nicht von mir. Was mich jetzt besonders interessieren würde, ist also auch als Kind, ich habe auf die Burg raufgeschaut und habe mir vorgestellt, das ist das wahre Leben, nicht das Kleinbürgerliche hier im Drehkleben mit dem Hund.

Nein, nein, oben auf der Burg, da ist Luxus, da werden die rauschenden Feste im Saal gefeiert, da lodert das Kaminfeuer, da werden die ganzen Schweine auf den Tisch gelegt mit dem Apfel im Mund. Also da war der Luxus für mich daheim, in meiner Vorstellung zumindest. War das Leben auf der Burg, und Sie wissen es ja besser als fast jeder andere, war das Leben auf der Burg so schön und so romantisch, wie man sich das vorstellt?

Ich sage einmal jein. Es hängt auch wieder mit der Gesellschaftsschicht zusammen. Wir haben ja damals bei unserer Ausstellung, da hat mein lieber Kollege, der Herbert Feldmayer, der hat eine... Ja, wie soll man sagen, eine Jauchekrube, ist ja so ein preisiges Wort, sagt man, ein Odelgruam, der hat einen Odelgruam, ausgehoben und da hat man die Speisereste, also die Gnochen gefunden und da hat man ein wenig so rekonstruieren können, was der Fürstbischof quasi da zu sich nimmt und der hat das schon gut gelassen.

Da waren da alles Muscheln, Wachteln, alles, was das Tier- und Fischreich da hergibt. Also so bei diesen Festivitäten hat man es schon kracher lassen. Der Unterschied ist natürlich zum normalen kleinen Burkherr, der so eine Motte hat, war der Unterschied natürlich gigantisch. Also da trifft diese Vorstellungen, die sie da geäußert haben, natürlich eher zu.

Was man sagen muss, ist, dass diese natürlich, das haben wir in 1998 da in einer netten Inszenierung, wie ich immer noch finde, deutlich gemacht. Es war natürlich immer saugold in diesen Kisten da drin, das waren große Räume und Säle, da hat er so ein blöder Kamin, was du unten sozusagen eingeheizt hast und eins zu eins ist das, die Wärmeentwicklung durch den Kamin wieder abgehaut, dann sowas hast du nicht wahrgebracht.

Und ich habe damals, das war so damals so eine neue Sicht auch, wo man gesagt hat, das war so schlimm, auf die Burgen und ich kann mich da noch gut erinnern, das war ein großer Medienerfolg, auch die Ausstellung und so ab der Mitte der Ausstellung sind schon gekommen und wollten einen Satz von mir her, den ich immer gesagt habe.

Ich habe nämlich da gesagt, dass so mancher edler Ritter mit 30 Jahren seinen Schlachtrost nicht mehr besteigen konnte, weil ihm das Rheuma so tief in die Knochen steckt. Das heißt, das Leben auf der Burg, das war ein richtiges Gesundheitsrisiko? Das Gesundheitsrisiko. Und dann haben die natürlich schon sauber zwei Fleisch gegessen.

Und also hast du nicht nur Räumer, sondern eine saubere Gicht gekriegt. Ja, genau. Und das war so bewegend, ich habe eine Mitarbeiterin gehabt, die hat erzählt, wie ihr Oma das gesehen hat und die hat gesagt, man hätte um Gottes Willen die armen Ritter haben zu hart gehabt dafür, die Burg. Also ich habe einen Gewehrsmann für diese Ansicht gefunden, nämlich den Ulrich von Hutten, da sind wir auch so im 14.

Jahrhundert, der hätte eigentlich die Burg erben können, die Burg Steckelberg, in Hessen sind wir da Allerdings, der ist aber lieber in die Stadt gegangen, der ist lieber Humanist und Denker und Schriftsteller geworden. Und der hat einmal an einen Freund geschrieben, an einen Patrizia. Einen langen Brief, wo er sich beschwert, wie er kreislich ist, nicht auf der Burg ist.

Überall riecht es noch Hundeträg und überall liegen die Viecher umeinander. Und wo keine Viecher liegen, nur noch liegen die ganzen Kriegsgeräte und es stinkt nach Pech und nach Schwefel und nach Schwarzpulver. Und ich darf zitieren, also das Leben beschreibt er so, es ist das Blöken der Schafe, das Brüllen der Rinder und Bellen der Hunde zu hören.

Das laute Schreien der Arbeiter auf dem Felde, das quietscht und ratternder Karren und Wagen, ja bei uns zu Hause sogar das Heulen der Wölfe, weil die Wälder ganz nahe sind. Den ganzen Tag gibt es Mühe und Sorge für den folgenden Tag, unablässige Geschäftigkeit und beständige Unruhe. Die Äcker müssen gepflügt und wieder bestellt werden, in den Weinbergen muss gearbeitet werden, Bäume müssen gepflanzt und Wiesen trockengelegt werden, man muss ecken, säen, düngen, ernten und dreschen, da rücken schon wieder die Ernte und die Weinlese heran.

Wenn nun ein Jahr einmal schlechten Ertrag bringt, wie es bei dem unfruchtbaren Klima häufig der Fall ist, dann tritt entsetzliche Not und Armut ein, sodass immer etwas da ist, was einen aufregt, stört, beunruhigt, zermürbt und aufreibt, was einen herbeiruft, wegruft oder hinaustreibt. Und da heim er doch, Mensch, der arme Mann.

Also ein bisschen jammern auf hohem Niveau ist schon, oder? Ja, schon, was hätte der Bauer gesagt, der in seiner Sturm drin genannt ist und die Missernte als Olaerstaus auslöfen hat müssen. Aber es ist natürlich trotz allem auch eine gute Schilderung. Seine Perspektive geht auch in Stodei zu der Stadtpatrizier, die durch den Handel reich waren, wo sich die Damen in Seide gekleidet haben.

Da hat er seiner Frau nicht kaufen können. Das Ganze führt dann auch tatsächlich zum Ende der Burgen, weil sie aus diesen Burgen die Schlösser entwickeln, die dann keine wehrhafte Funktionen mehr gehabt haben, sondern nur eine repräsentative. Die waren ein Heizbaar dann zum Teil. Hat es ein kleineres Stumme gegeben wie die Repräsentationsräume.

Das hat man sich da entsprechend schon gerichtet. Wobei auch mit heutigen Verhältnissen, wenn man da in die Barockzeit reingeht, wenn kein gescheites Bad nicht da war, Klo haben sie auch kein gescheites gehabt. Wollten sie auch vielleicht gar nicht haben. Da sind, wie man auf bayerisch so schon sagt, die Potschamperl hin und her geschoben worden.

Entspricht jetzt unseren Bedürfnissen und Verhältnissen auch nicht gerade. Aber das war halt diese eine Entwicklungsstruktur. Man geht in die Schlösser und die Burgen sind halt durch die militärische Innovation der Kanonen im Grunde sinnlos worden. Die sind dann im wahrsten Sinn, wie man halt sagt, sturmreif geschossen worden.

Und zwar in wenigen Stunden. Also wir haben da die entsprechenden Schilderungen im Löwler und Böckler Aufstand, der im bayerischen Wald und im Oberpfalzer Wald, wo sich ein paar Adelige, also was der Boer ganz viel Adelige gegen den bayerischen Herzog aufgelehnt haben, den sie verspottet haben als Schreiberling.

Aber der Schreiberling hat halt was von moderner Militärtechnik gekommen, verstanden ist mit seinen fünf, sechs Kanonen, das hat gelangt. Da anmarschiert und hat in einer Stunde die Burg zur Sturmreif geschossen. Da war es vorbei. Und dann kommen eben, damit man der Artillerie begegnen kann, kommen diese Festungsbauten nach dem Prinzip, bevor du Angreifer, das weiß ich auch noch, habe ich auch oft gesagt den Spruch damals, bevor du Angreifer mit deinen Kanonen meine Festung zusammenschießt, schieße ich von meiner Festung deine Kanonen zusammen.

Aber so richtig braucht es also einfach nimmer die Burgen, offenbar, also zumindest nicht in der Häufung. Nein, man darf auch nicht vergessen, dass der Adel stark dezimiert worden ist. Man schimpft heute oft so und sagt, denen ist es gut gegangen, aber sie haben nicht einfach diese militärische Verpflichtung.

Und das ist also gerade im Dreißigjährigen Krieg, verabschieden sie zwei Drittel der bayerischen Adelsgeschlechter von der Bildfläche, weil die alle fallen. Und damit verfallen auch ihre Burgen. Damit verfallen sie. Jetzt sind sie seit bald 20 Jahren oder sind sie schon seit 20 Jahren in Regensburg? Nein, ich bin ja eigentlich dann 2001 nach Augsburg gegangen und habe das Textil- und Industriemuseum aufgebaut und seit 2007 bin ich Direktor vom Haus der Bayerischen Geschichte und in Regensburg bin ich eigentlich erst seit 2019.

Sehr gut. Ich habe nicht vorher auf der Baustelle auch schon, sagen wir seit 2000. 14. Vermissen Sie Ihr Leben als Burgherr irgendwie oder haben Sie damals schon auf die Patrizia in Regensburg geschaut und Sie dachten, in so einem richtig schön beheizbaren, selber ein Neubautenmuseum war schon schöner?

Ich habe da eine andere Motivation gehabt, muss ich sagen, weil ich habe natürlich in Passau da schon Blut gelegt. Ich war ein guter Ausstellungsmacher, aber wir haben auch nie ein Geld gehabt. Also das war, wir haben 1995 diese Weiße Gold Ausstellung gehabt mit einem Zehntel vom Etat, wo das Haus der Bayerischen Geschichte gehabt hat.

Und seit diesem Jahr 1995 schiele ich auf das Haus der bayerischen Geschichte und habe dann schon relativ früh meine Fühler ausgestreckt, habe aber dann gehört, also da langt Passau nicht, du musst da schon noch mal eine Station haben, wo du dich bewährst und das war dieses Textil- und Industriemuseum in Augsburg und das war ein sehr schwieriges Projekt, aber ist gegangen dann am Schluss und dann bin ich tatsächlich direkt da, also lang geplant, diesen langen Abend habe ich vielleicht von Passau aus mitgenommen und mir ist Passau am Anfang schon gescheit, also muss ich sagen, am Anfang der Augsburger Zeit ist mir Passau schwer abgegangen.

Und jetzt mal, wenn ich wieder nach Passau reingefahren bin und auf die Burg raufgeschaut habe, habe ich mir gedacht, bist du ein Idiot gewesen, wie hast du diese Burg aufgeben können, aber dann bin ich übernachgeblieben und habe am nächsten Tag in die PMP den Lokalteil durchgeblättert und dann habe ich wieder gewusst, warum ich weggegangen bin. Nämlich?

Ja, weil es halt in Passau dass sich da relativ wenig über viele Jahre geändert hat, wo ich immer mich sozusagen, wo es mich immer zerlegt hat, das muss ich wirklich sagen, weil das oft war, wenn ich die Zeitung aufgemacht habe, Lokalteil, hat es geheißen, mein lieben Chef hat es da immer erwischt. Kulturreferent Max Brunner, in Auseinandersetzung mit dem Stadtrat Feurer, dann haben wir gedacht, oje, das ist immer noch genau dasselbe wie vor fünf oder zehn Jahren, jetzt mittlerweile nicht, weil jetzt haben natürlich die Akteure gewechselt, aber Passa hat da schon sehr große Konstanz eben zorgt.

Und wenn man jung ist, dann, mei, dann muss sich halt auch mal ein bisschen was passieren und man möchte ein bisschen was anderes sehen. Jetzt, man darf es verraten, Sie feiern heuer einen runden Geburtstag der 60er. Also es ist, sind Sie mal nicht böse, wenn ich sage, ein Ende Ihrer Karriere irgendwann sichtbar. Irgendwann werden Sie sich wahrscheinlich auf einen alten Teil setzen, weil Sie Schluss haben.

Wie schaut es dann aus? Immer 1.700.000 Mark Burgbau? Nein, also eine Burg, das muss ich sagen, das ist allerletzte. Aber was mir zur Zeit vorschwebt, da kann sich stündlich ändern. Nein, stündlich nicht, aber vielleicht vom Jahr her, ich hätte ganz gern einen schönen, kleinen Hof im borischen Wald. Das würde man schon lange mit ein paar Viechern und so eine Burg brauche ich nicht mehr. Da kriegt man dann keine Räume.

Wenn man es nicht schon woanders eingefangen hat, in früheren Burg. Also wir sind nämlich natürlich auch ein Service-Podcast. Der Ratschlag von mir, eurem halben Bayern Johannes Munzinger und von unserem vollen Bayern Dr. Richard Läubel ist, Wenn ihr eine Burg kaufen wollt oder bauen wollt, überlegt euch das gut.

Und mit diesem Ratschlag verabschieden wir uns, Herr Leubel. Schön, dass Sie wieder da waren. Gern geschehen. Und bis bald. Servus. Wenn ihr die nächste Folge nicht verpassen wollt, dann lasst gerne ein Abo da. Ihr habt Fragen, Anregungen, Kritik oder Lob? Dann schreibt uns gerne an podcast.mgbayern.de oder hinterlasst uns eine Bewertung.

Ein Bayer und ein Halber historische Zeitreisen mit Dr. Richard Läubel ist ein History-Podcast der Mediengruppe Bayern. Host und Recherche Johannes Munzinger und Dr. Richard Läubel. Konzept Dr. Richard Läubel, Johannes Munzinger und Martin Wanninger. Redaktion Johannes Munzinger. Produktion Anja Kurz.

Sprecherin Katharina Czava. Mit Musik von ScoreSquad über Soundtaxi. Besonderer Dank an Walter Berndl. Vielen Dank.

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