Ein Bayer und ein Halber – historische Zeitreisen mit Dr. Richard Loibl· Folge 5

Dialekt: Warum die Bayern Bairisch sprechen

Donnerstag, 29. Mai 2025 · 42 min

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Shownotes

Warum sprechen die Bayern eigentlich Bairisch? Woher kommt dieser Dialekt? Und kann man das Bairische überhaupt anständig als Fremdsprache lernen? In Folge 5 des Podcasts „Ein Bayer und ein Halber“ gehen Dr. Richard Loibl und Johannes Munzinger auf die Suche nach den Wurzeln des Bairischen.

Kann man das Bairische überhaupt anständig als Fremdsprache lernen? Diese Frage hat MGB-Redakteur Johannes Munzinger ganz besonders interessiert. Er ist halber Bayern, halber Österreicher, und in seiner Jugend im Grenzland ist er dreisprachig aufgewachsen: Hochdeutsch, Bairisch, Oberösterreichisch. Jedenfalls in der Theorie. Wie gut sein Bairisch tatsächlich ist, hat er auf den Prüfstand gestellt.

Der Prüfer heißt Dr. Richard Loibl. Er ist nicht nur der Chef des Hauses der Bayerischen Geschichte in Regensburg, sondern auch Träger der Bayerischen Sprachwurzel. Diesen Preis bekommen nur jene Promis, die ihren Dialekt auch in der Öffentlichkeit mit Hingabe pflegen. Gemeinsam haben der Vorzeige- und der halbe Bayer sich auf die Suche nach den Wurzeln des Bairischen gemacht, und Dr. Loibl hat es sich nicht nehmen lassen, seinem Gesprächspartner auf den Zahn − beziehungsweise die Zunge – zu fühlen und dessen Bairischkenntnisse zu testen.

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Mein Lieblingsschimpfwort ist der Maustolschmauzer. Ein Bayer und ein Halber. Historische Zeitreisen mit Dr. Richard Leubel. Ein History-Podcast der Mediengruppe Bayern. Guten Tag, grüß Gott miteinander, servus und habi deri. Willkommen zurück zu Ein Bayer und ein Halber. Mit mir, eurem halben Bayern und halben Österreicher Johannes Munzinger und unserem Vollblut Bayern Dr.

Richard Leubel. Und ich möchte den Podcast heute einmal beginnen mit einer Warnung. Nämlich, also wir reden ja im Dialekt hier miteinander, das machen wir schon seit der ersten Folge so. Aber heute geht es so richtig um einen Dialekt. Und deswegen, da die Sagen, also wer in den nächsten zehn Sekunden kaum was versteht, für den ist der weitere Verlauf des Podcasts heute wahrscheinlich sinnlos. Herr Dr. Läubel.

Aus ist's leid, ist dieser Jammer, mit dem Schreiner zu picken, Denn sein Weih ist Lunglfeili und jetzt liegt's am Sterbett da. Da schlagt Henguhr langsam Zweifel auf den Rohrbohn schlaffend pflang und keinen toten Wurm herrst mehr klopfen und kein Weih mehr abmzahlen. Ja, damit ist die Stimmung vorbereitet. Ich muss nämlich auch gestehen, das ist die Folge, von der ich am meisten Angst gehabt habe, seit wir gewusst haben, dass wir diesen Podcast gemeinsam machen.

Weil in Ostfriesland, glaube ich, gehe ich relativ problemlos als ein Bayer durch, wenn ich es drauf anlege. Bei den Isarpreisen in München würden sie mich wahrscheinlich auch nur für Niederbayern halten, wenn ich es drauf anlege. Aber hier in Niederbayern, also ich glaube, wer gut zuhört, merkt schon, so ganz richtig ist es nicht.

Wie schlage ich mich denn bis jetzt so mit dem Bayerischen, Herr Dr. Läubel? Ja, also für einen Österreicher nicht gerade schlecht, was ich sage. Das klingt wie ein vergiftetes Lob. Nein, Sie sind ja aus dem Mühlviertel, da sind die Ähnlichkeiten natürlich auch viel größer, wie wenn man jetzt einen Mayan Wiener oder so da geht.

Wobei, ich weiß nicht, ob Sie das wissen, wir haben ja eine Wiener Sprachinsel im Bayerischen Wald. Eine Wiener Sprachinsel? Ja, Rautenberg im bayerischen Wald, die hat genau ein Wiener Dialekt drin. Mit allen Feinheiten. Also mit Havara und mit Schmäh und allem. Ja, vielleicht geht ja der Ort ein neuerer Ausdruck ab, aber wissen Sie, warum wird das hergegangen?

Weil das war eine Bergwerksstadt, eine Bergwerksregion und die hatten immer schon einen engen Kontakt mit die BEM. Und im Kontakt mit die BEM hat sich genauso wie in Wien, also das Wienerische, was wir heute so kennen, ist ohne sozusagen die Zuwanderung von den Böhmen her überhaupt gar nicht denkbar.

Und durch das hat sich die Wiener Tonation überhaupt erst entwickelt. Und das sind die zwei Parallelen. Deswegen gibt es tatsächlich Rattenberg, wer es nicht glaubt, hinfahren, Kindergarten gehen. Sie haben sich ja lange geschäumt dafür, aber mittlerweile wissen sie, dass das eine Riesenrarität ist. Jetzt wird es wieder gepflegt.

Sie können im bayerischen Wald original wienerische Herren von Kindern, die noch nie in ihrem ganzen Leben in Wien waren. Also Dialekt ist eine lebendige Geschichte, das merkt man jetzt schon an dieser ersten Anekdote. Wir wollen heute so ein bisschen nachforschen, wo kommt da eigentlich her, der bayerische Dialekt?

Aber wir wollen uns auch die Frage stellen, wo geht er hin und hat er überhaupt noch eine Zukunft? Weil über das Wirtshaussterm haben wir schon geredet einmal und heute reden wir auch ein bisschen über das Dialektsterm. Und ich weiß gar nicht, ich glaube, das ist für sie fast noch schlimmer als das Wirtshaussterm, weil einen Dr.

Richard Läubel ohne Dialekt kann man sich überhaupt nicht vorstellen. Sie sind ja schließlich gleich noch ein Papst, Träger der bayerischen Sprachwurzel. Ist das die wichtigste Auszeichnung, die Sie in Ihrem Leben gekriegt haben? Also ich habe, wie ich es gekriegt habe vor einigen Jahren, habe ich gesagt, das ist also wirklich die schönste Auszeichnung, die ich je gekriegt habe.

Sie ist zwar meine erste, aber selbst wenn ich schon mehr hätte, wäre es mir die allerliebste. Warum legen Sie so großen Wert darauf, dass Sie weiterhin, und zwar wirklich mit einer erstaunlichen Konsequenz einfach immer, immer Niederbayerisch reden. Ja, also ich muss sagen, ich kann mir das auch leisten. Bei mir gehört es auch irgendwie dazu.

Ich bin der Direktor vom Haus der Bayerischen Geschichte. Da fällt das schon mal nicht unangenehm auf. Ich habe schon so Phasen gehabt, wo ich ein wenig so Hochdeutsch geredet habe, wie ich in München an der Uni studiert habe oder das wenigstens probiert habe. Aber ich bin da immer wieder zurückgekehrt, weil ich einfach, muss ich sagen, wieso soll ich jetzt nicht bayerisch reden?

Ich habe auch das immer so gesehen, dass dieser Dialekt, dass das eine unglaubliche Bereicherung ist, wenn man sich das nur vorstellt, dass wir mir 21 Bayerwald-Mundarten haben, 21 und insgesamt 24 Zwielaute. Und 16 Selbstlaute. Also Vokale. Ah, und die Schriftdeutsche hat drei und fünf. Haben Sie alle 16 Vokale drauf im Bayerischen? Unbedingt, aber da muss ich vorher zwei Bier trinken.

Auch übrigens mein Ratschlag an alle, die vielleicht weiß, ich habe das Gefühl, der Herr Dr. Läubel hat noch ein paar Fiesheiten heute auf Lager, mit denen er mich nachher quälen wird. Wer mitmachen will, schon mal ihren Kiefer ein bisschen ausrenken, vielleicht die Kehle noch mal ein bisschen ölen, weil heute gehen wir tief in die Laute hinein. Sollen wir gleich anfangen mit einem Test für Österreicher oder warten wir noch ein wenig?

Ich habe das Gefühl, Sie können uns nicht mehr da warten, oder? Dann fangen Sie halt an. Also ich habe jetzt zwei Tests für Ihnen, eigentlich ganz leichte. Also Ur-Test für Österreicher ist eigentlich die Vorstellung, man spielt Gitarre und es reißt sozusagen eine Seite jetzt ab. Und das teilen Sie mir jetzt mit.

Wir teilen Sie jetzt da sagen, im Dialekt. Auf bayerisch. Jetzt ist es mit Zeiten gewesen. Ja, da sieht man, dass Sie eine Sache schon aus dem Weg gehen, nämlich den verschiedenen A's. Ganz instinktiv wahrscheinlich. Ich sage es Ihnen jetzt noch einmal Hochdeutsch vor, was ich mit vorher im Dialekt hören möchte. Also direkt ganz wörtlich übersetzt.

Jetzt ist die A-Seite auch ab. Jetzt ist die A-Seiten auch ab. Da hat man so gesehen, dass sie beim ersten A kann man schon sagen, okay, abhaken Österreicher. So schlimm? Ja, weil die Österreicher haben nur, da kriegst du nichts dafür, die Österreicher haben nur zwei A, währenddessen der Bayer drei A hat.

Sagen Sie es nochmal schnell hintereinander. Jetzt ist die A-Seiten auch ab. Jetzt ist die A-Seiten auch ab. Aha, genau. Und der große Unterschied ist natürlich, das hört man, wenn man in Wien, also es geht immer, die Unterschiede zwischen bayerischem und österreichischem, es ist eigentlich dieselbe Sprache, beides ist mittelbayerisch.

Bisher haben die Österreicher nicht gern. Da ist mir völlig wurscht, das ist einfach so. Der große Unterschied sind die Vokale. Und wir haben da einen konkreten Beispiel, die Österreicher haben uns ja unverschämterweise 1778 das Innenviertel gestohlen, eine urbayerische, wirklich eine urbayerische Region, wer nicht weiß, was das ist, mit Schering Braunau riert.

Und da haben die Kinder, sind in die Schulen dann umtrainiert worden, von österreichisch auf bayerisch und die Hauptübung war mit die Vokale, weil nämlich so der Hauptunterschied, das ist der Österreicher, hat dieses ganz helle A. Wenn man jetzt wie in der Straßenbahn sitzt, hört man Linie 21 A, 22 A.

Das gibt es in Bayern überhaupt nicht. Sie verzieren zwar einen Mund, so für mich klingt das ganz normal. Nein, ich muss das machen, damit ich das rausbringe. Und das erste A der Bayern ist einfach dunkler als das österreichische. Und das hat man tatsächlich, das müssen Sie sich Ihnen vorstellen, die Schulkind so mitgebracht, damit die zukünftig österreichisch reden, was auch im Innenviertel ganz gut hingekaut hat.

Es gibt nur eine Sprachinsel im Kobanauser Wald und da hat das nicht hingekaut. Die redet heute noch klassisch sporisch. Also so an manchen Stellen halt, dass ich doch nur der Dialekt, das hört man auch an Herrn Aiwanger. Ja, genau. Genau, also wobei beim Aiwanger die Meinungen auseinander gehen. Ich habe einen Mitarbeiter gehabt, der war aus derselben Ortschaft und er hat das weit von sich gewiesen, dass der Dialekt diese Ortschaft wäre.

Das ist eine Sonderaussprache des Aiwangerhofes. Ich würde ganz gerne ein bisschen in die allgemeine Geschichte einigen, ein bisschen vom bayerischen Dialekt und da gleich, ich glaube, das ist in ihrem Sinne, mit einem Vorurteil bzw. einer Fehlinformation ausräumen, weil... Oftmals wird man als Österreicher und Bayern im Rest der Republik oder im Rest der deutschsprachigen Länder belächelt, weil wir könnten ja kein Hochdeutsch, heißt es.

Und da muss ich aber wirklich auf den Tisch hauen und sagen, also wenn einer Hochdeutsch redet, dann sind das ja wohl wir, oder? Weil Hochdeutsch ist eine geografische Angabe. Das hat man in den hohen Gebieten gesprochen. Ich weiß nicht, die Hannoveraner können gerne Niederdeutsch reden, wenn sie glauben.

Aber in Wahrheit reden die halt Schriftdeutsch oder Standarddeutsch. Aber Hochdeutsch, das reden wir mehr. Das Hochdeutsch reden wir mehr. Und das Hochdeutsch ist sozusagen eine Kunstsprache, eine Schriftsprache. Also Standarddeutsch jetzt. Ja, Standarddeutsch. Das ist quasi aus unserem Dialekt Hochdeutsch entwickelt worden.

In Augsburg, in Nürnberg auch. Das Fränkisch ist ja gerade im Nürnberger Raum sehr ähnlich dem Bayerischen. Auch wenn es jetzt natürlich jeder Franke massiv abstreiten wird. Und da hat man dieses Hochdeutsch quasi in die Schriftform gegossen. Und das Irre ist dann, dass das in Buchform in den Norden gewandelt ist.

Und der Norden nimmt dann unser Schrifthochdeutsch an und lässt sozusagen seinen eigenen Dialekt schaffallen und spricht dann mit der typischen norddeutschen Intonation, spricht unser Schrifthochdeutsch. Und diese nordische Intonation, da seht man, wie blöd wir eigentlich sind, diese nordische Intonation übernehmen wir jetzt wieder in das Gesprochene.

Das heißt, wenn wir jetzt Standarddeutsch reden, dann reden wir im Grunde die Bastardisierung einer Sprache, die uns gestohlen worden ist. Genau. Und noch dazu ganz verrückt, wenn man sagt, also im BR sind ja so frühe Sprechordnungen vom Theater übernommen worden, also wo da sozusagen, Entschuldigung, der Sau graust, wenn eine bayerische Nachrichtensprecherin zum Beispiel was sagt, also das SCH weglasst, jetzt wollte man gerade kein Beispiel, die Staunsee, also für die Mücke, Stauzense, kennt man das nicht?

Stauzense halt, sagt man. Also das ist so diese norddeutsche Weise, Stauzense, das Tee. Oder was Ostpausch, das ist auf der Straße. Ja, genau, ich kann das gar nicht so machen, muss ich sagen. Ich kriege eine Gänsehaut bei sich in den Geschichten. Und also das ist einfach kreislich. Das muss ich jetzt mal einen Appell lassen, weil ich habe das sogar bei Mitarbeitern, die plötzlich mit diesem ST daherkommen. Leute, lasst das.

Das ist kreislich in der süddeutschen Aussprache. Das ist nicht sexy und sonst irgendwas, sondern einfach nur kreislich. Also ihr seht, das ist ein Thema, das brennt unter den Nägeln der sonst so milde Dr. Läubel, der sich selten aus der Reserve locken lässt. Kaum geht es um einen Dialekt, noch wird er richtig feurig.

Ja, weil das wichtig ist, das ist der Dialekt bereichert. Das ist mittlerweile auch durch tausend Studien nachgewiesen. Also die Urstudie, wenn ich das schnell sagen darf, die ist von einem Essener Professor, von Ulrich Amhorn, der in den 70er Jahren hat eine Studie gemacht und ist draufgekommen, dass das Dialektsprechen ein Nachteil ist, wenn man später die Schriftsprache lernt, gerade im Dialekt, auch mit der korrekten Schreibweise.

Das haben unsere ganzen Schlaumeier im Kultusministerium und so weiter, das ist sofort adaptiert worden, bei euch in Österreich ja nicht, aber bei den unseren. Und dann ist das sofort umgesetzt worden und gesagt, da müssen wir die Kinder als Bayerischerin verbieten. Und diese Studie, die hat sich so verbreitet, dass das quasi auch die bayerisch sprechenden Eltern übernommen haben und mohnt haben. Und das gibt es ja bis heute.

Bis heute glauben die bayerisch sprechenden Eltern, es sind deren, deren Kinder ihnen gefallen, wenn sie die in Schriftdeutsch sozusagen aufziehen. Und mein Gott, wenn sie so oft das mal hörst, im Biergarten, wenn so ein Native Speaker dann probieren, dieses Schriftdeutsch zu sprechen, da schmeckt der Wurst, der hat schon gar nicht mehr.

Und das Bier auch nicht mehr, weil das wirklich hässlich ist, diese Aussprache. Und dann reden die Ehren der Kinder auch so hässliche Dinge hinterher, diese jetzt schon wieder abgeschlossene Umgangssprache, die es da gibt. Also das ist alles nur künstlich aufgesetzt und jetzt kommt aber eigentlich der Gipfel, dass dieser Armand so 15 Jahre nach seiner ersten Studie nochmal eine Studie gemacht hat und genau das Gegenteil von dem ausgebracht hat, von seiner ersten Studie und alles widerrufen hat und sagt, das ist ein Vorteil, für die Sprachkompetenz.

Ist eigentlich eh logisch, wenn man das, wir haben es ja vorher schon gesagt, wenn du da über drin gesagt 100.000 Tiftungen und Zeug da drin hast, da bist du natürlich eine Sprache wie dem Französischen oder auch dem Portugiesischen oder sonst irgendwas, bist du fein näher. Weißt ja, du mit allem redest, wir reden ja mit den Nebenhöhlen, mit den Stirnnebenhöhlen, mit allem möglich. Ja, mit dem Brustkorb.

Alles vorhanden und da sieht man auch, was das für ein Reichtum ist. Und wenn man das sozusagen aufgibt gegenüber einer schlecht gesprochenen Schriftsprache, ja wie blöd ist denn das? Ich kann das tatsächlich nur bestätigen, also erstens, weil ich unlängst mit einer fähigen Passauer-Logopädin eine Geschichte gemacht habe, die erzieht ihr kein zweisprachig, Schwedisch und Deutsch, weil ein schwedischer Mann.

Und die hat auch gesagt, also das Schlimmste, was du machen kannst, gerade wenn du Ausländer bist in Deutschland, ist, dass du zwanghaft daheim Deutsch mit dem Kind redest, auch wenn du das selber nicht gescheit kannst. Das Wichtigste ist, du redest mit dem Kind die Sprache, die du wirklich drauf hast. Und wenn das der Dialekt ist, dann ist das halt der Dialekt.

Und dann kann ich auch bestätigen, dass es durchaus hilfreich sein kann, weil ich bin ja dreisprachig aufgewachsen mit Hochdeutsch, also Isarpreisisch daheim, Münchner Vater, mit Niederbayerisch und mit Oberösterreichisch. Da legst du dich nicht auch. Brutal. Globalisiert bist du im Letzten. Ich bin der moderne Europäer.

Und ich habe es gemerkt, ich habe dann Germanistik studiert und wie es jetzt so ist bei Germanistik, irgendwann kommst du ins Mittelhochdeutsche und in die mittelalterliche Literatur und wie ich das erste Mal das gelesen habe, habe ich mir gedacht, was heißt denn da lernen müssen? So reden wir zum Teil einfach noch.

Und da würde ich jetzt gerne den Schwenker schaffen, auch um ihren Blutdruck vielleicht ein bisschen runterzubringen, weil der wird nachher sicher wieder in T gehen. Wo kommt es eigentlich her? Unser Bayerisch war immer, wenn man jetzt biblisch rangeht, ist klar, dann kommt es aus Babylon, oder Entschuldigung, Babylon.

Aber wo taucht das erste Mal auf? oder zumindest was, was wir als bayerisch identifizieren würden? Ja, also das ist relativ früh der Fall. Es gibt den berühmten Tegern sicher Antichrist, also so frühe Schriftwerke 12. und 13. Jahrhundert. Manche setzen es sogar schon früher auf. Also sicher wissen wir, im Hochmittelalter haben wir die ersten Schriftspuren für eine bayerische Sprache.

Vorher ist ja das alles noch in Entwicklung. Ist ja klar, wenn du eine recht mobile Zeit hast, wie die Völkerwanderung war, da kristallisieren sich die Unterschiede erst heraus. Man sagt, dass wir im Frühmittelalter noch ziemlich schwäbisch geredet haben. Das war auch schwarz zum Vorstellen, dass Sie schwäbisch reden.

Doch, ich habe das sogar schon mal ganz gut gesehen, weil ich eine Augsburger. Ersatzmutter, kann man jetzt nicht sagen, aber eine zweite Augsburger Mutter gehabt habe. Wie sagt der Augsburger, wenn er ihm die Gitarrenseiten reißt? Ich muss dazu sagen, ich kann es nicht mehr, weil das Niederbayerische ist dann bei mir so stark, da, wo ich aufgewachsen bin, das zertrümmert alles.

Ja, das zertrümmert alles. Aber eigentlich kommt das Ganze ja von diesen zwei Großdialekten her. Es gibt das Hochdeutsche, das sind wir, wie schon gesagt, es gibt das Niederdeutsche. Schöne Beispiele sind da immer das Warten für Wasser oder das Macken für Machen und das Lappen für Schlafen. Oder der Apel für Napfe. Genau.

Und da teilt sich das quasi auseinander, hoch- und niederdeutsch. Und, Das Bayerische bildet sich halt, weil wir dann so eine Phase haben im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit, wo es also eigentlich ganz wenig Migration und sowas gegeben hat. Dadurch bilden sich auch diese ganzen Regionaldialekte aus, so wie eben diese 21 Dialekte im bayerischen Wald, was schon der Hammer ist.

Es ist irgendwie so eine schöne Vorstellung, wenn man sich denkt, diese ganzen Gelehrten aus der Zeit, die haben Lateinisch geschrieben und das wirkt so hochgestochen und mein Gott, waren das Menschen von Welt und dann stellt man sich vor, wie die daheim sitzen und halt dürfst das niederbayerisch miteinander reden.

Und das bayerische ins lateinische einbringend. Ein Lieblingsgebet vom Papst Benedikt XVI., das er auch bei jeder Gelegenheit, an die Frau oder an den Mann gebracht hat, zum Beispiel an die Bundeskanzlerin. Rem, regem, regimen, regionem, religionem, conserva, varvaris, virgo, patrona, tuis. Ich glaube, ich könnte hexameter sein. Habe ich voll schockgefangen, aber am Schluss hat es gestimmt.

Wenn man das jetzt übersetzt, heißt es das Sach und den Herrn. Die Ordnung, das Land und die Religion erhalte deinen Bayern, Jungfrau Maria. Das Sach. Das Sach. Wie geht es dann weiter? Also das Bayerische verfranzte dann quasi aus in einen Haufen verschiedene kleine Unterdialekte. Und die waren ja eigentlich, wir sind ein langer Flickerlteppich gewesen, Die waren doch eigentlich die Landessprachen. Die waren die Landessprachen.

Das war auch völlig wurscht, dass die in Rappenberger wegen Wienerisch geredet haben und was weiß ich, mit der Fels wieder stärker Mittelbayerisch. Das war so. Also die Sprache ist dann erst im Grunde thematisiert worden, wie man im 19. Jahrhundert, wie eben das Bayern sich deutlich erweitert, wo die Franken und die Schwaben eben kommen und damit zwar ganz neue Sprachgruppen, wobei es Die Übergänge da auch fließend sind, wenn man in Neumarkt ist oder so.

Da werden schon die ersten Zwischenformen zum Fränkischen geboren. Also da ist auch viel sozusagen konstruiert worden, gegensätzlich konstruiert worden, das gar nicht geht. Aber da wird das ganze Thema und da kommt dann jetzt auch dadurch die Aufklärung der vermehrte Anspruch sozusagen, das Schriftdeutsche zu sprechen.

Kommt da zum ersten Mal so ein bisschen auf, dass der Dialekt so etwas Primitivs ist vielleicht ein bisschen, dieses Stereotyp? Ja, gerade aus der norddeutschen Sicht heraus wird das Bayerische als Primitiv angesehen wie alles Bayerische und wie alles Katholische. Weil das ist so der Zwischbach, das waren lauter Protestanten und die haben natürlich sowas, die sind alle noch nachgefallen, wenn die eine Frauen-Leichnams-Prozession gesehen haben.

Was ist denn da los? Jetzt die alle verlegt, jetzt hupfen sie da mit die Fahnen durch die Gegend, weil sie es halt nicht gekannt haben. Und reden ein Deutsch, dass sie einem die Zechennägel aufstellt. Ja und sie halt auf einmal das nicht verstehen. Und sie da einhören müssten und da haben sie einfach keine Lust drauf.

Wo beginnt es, also heute leben wir in einer Zeit, wo man immer mehr Angst hat, der Dialekt geht verloren, auch wegen vielleicht Leuten wie diesem Herrn Amon, aber wann beginnt das, wann fängt es an, dass das Standarddeutsch wirklich den Dialekt immer mehr an den Rand drängt und in die kleinen Inseln zurück drängt, weiß ich noch heute.

Also wieder mit einem politischen Ereignis, hängt zusammen mit der Reichsgründung, mit der deutschen Reichsgründung, wo wir Bayern, natürlich muss ich jetzt auch mal sagen, breiten Sie ja noch nichts ein drauf, einen schweren Verlust erlitten haben, weil die Österreicher aus diesem deutschen Reich ausgeschlossen worden sind.

Und 1866 haben wir ja noch an der Seite der Österreicher gekämpft gegen die Preußen. Viele sagen, das war die letzte richtige Richtung. Und 1871 haben wir ja dann mit den Preußen gegen die Franzosen siegen müssen, gegen unseren alten Standardverbündeten. Bayern war ja fast immer mit den Franzosen verbündet.

In dieser Reichsgründung, die sehr militant abläuft, preußisch militant und demokratisch abläuft, Gar nicht gemütlich. Gar nicht gemütlich. Geht es dann los, weil halt dann natürlich auch stärkerer Austausch da ist, zum Beispiel mit den bayerischen Abgeordneten in Berlin im Reichstag drin, die natürlich als unwahrscheinlich grob empfunden worden sind.

Manche haben sich dann auch einen Scherz draus gemacht und sind also gerade die Bauernbündler mit den genogelnden Stiefeln dann aufmarschiert, wie später übrigens die ersten Grünen, die dann da drin sind. Und unter den Grünen hat es den berühmten Matthias Kreuz wiedergegeben. Der seine Reden standardmäßig im Bundestag im Bayerisch geholfen hat.

Und wenn dann der Einspruch des Präsidenten gekommen ist, hat der Matthias Kreuzheder gesagt, ja, da musst du gescheit hinhören, dann verstehst du das schon. Das Fernsehen und das Radio hat einem auch nicht gut da am Dialekt, oder? Nein, vor allen Dingen, weil selbst der Bayerische Rundfunk, Sie werden es alle abstreiten, aber in ihrer Frühzeit extrem dialektfeindlich war, weil also die Nachrichtensprecherinnen und Redakteure sind alle auf diese norddeutsche Theaterordnung da.

Also diese Theatersprache, die für das Theater entwickelt worden ist Ende des 19. Jahrhunderts festgelegt worden. Und schön hat das die Luise Kinsicher geschildert, die ist auch noch in dem trainiert worden und hat gesagt, da ist dann so ein kleiner Wendepunkt in die 70er-Jahre, hat man das Bayerische wieder wertgeschätzt und sie sagt, sie hat das daheim eigentlich nicht gehört, weil ihr Vater, glaube ich, auch kein Hiesiger war und bei der Kinslerin, die musste erst die norddeutsche Aussprache lernen und dann ihrerweise tatsächlich die süddeutsche, weil da der Wechsel dann stattgefunden hat.

Wie war es in Hengersberg in Ihrer Jugend? Hat da noch jeder Niederbayerisch gekriegt? Ja unbedingt, das waren Ausnahmeerscheinungen, dass da der eine oder andere mal zugezogen ist. Ich muss auch sagen, wir waren natürlich extrem integrativ, damals schon absolute Migrationsexperten in jeder Hinsicht.

Bei uns ist ja unser Vorzeigebeispiel geglückter Integration der Ugo Bakislavi, den man besser kennt unter dem Namen Django Asyl. Der in meiner Nachbarschaft aufgewachsen ist und wo wir alle miteinander vereint, dem Buam eine gescheite Sprache gelernt haben, nämlich bayerisch. Und ich kann mich noch gut erinnern, dass unser Pfarrer damals ein bisschen Kopfschüttel das Feld verlassen hat und gesagt hat, es ist satsnarrisch, wir können es dem Buam bayerisch beibringen, es müsst ihr dem Buam Hochdeutsch beibringen.

Und zur Antwort hat er dann gekriegt, der Pfarrer Hochdeutsch kann ich selber nicht gescheit, jetzt bringe ich lieber bayerisch bei. Und was war der Django Asyl, wenn man mir dem Hochdeutsch beibraucht hätte. Ja, nix war der Banker war der weiter. Ah, der Ärmste. Das war schlimm. Letztes Mal, wie wir über Hängersperk geredet haben, ist es um das Wirtshaus sterben gegangen, dass sie in den 60er Jahren noch quasi vor einem Wirtshaus ins andere haben reinfallen können und jetzt schaut es langsam mau aus.

Ist Hängersperk zumindest in Dialektsicht noch immer eine starke Bastion geblieben? Ja, also ich glaube schon. Man merkt natürlich da auch den Zuzug, ist eh klar. Man merkt schon auch, dass die Kinder halt im Kindergarten manchmal, das hängt ja ganz von der Kindergärtnerin ab. Wir haben ja im Freistaat, ich will es euch nicht dazu sagen, hat es einen riesen Ärger gegeben in den 90er Jahre, weil man da gemerkt hat, dass die Kindergärtnerinnen auch auf Anraten der Eltern die Kinder halt beide schon abgewählten.

Und da hat sich damals die Frau Stevens, Ministerin, da hat man damals eine Handreichung und Ordnung erlassen, wie man das machen kann, wenn man norddeutsche Kinder jetzt da drin hat und bayerische, dass man halt da beide sozusagen beide Richtungen gelten lässt. Und da gibt es wunderbare Beispiele, wo man dann bayerische Theaterstücke aufgespielt hat und wo norddeutsche Kinder das innerhalb von wenigen Monaten in dem Alter nach diese schöne bayerische Intonation gelernt haben und damit zweisprachig agieren konnten zur großen Freude ihrer Eltern.

Und damit ist ja dann das Feld bereitet, dass man einen Haufen andere Sprachen auch noch lernt, oder? Ja. Wie viele Sprachen kennen Sie jetzt eigentlich noch? Außer, ich weiß, Sie kennen bayerisch. Können Sie überhaupt Standarddeutsch reden? Also ich muss Standarddeutsch reden können, weil ich in vielen wissenschaftlichen Bayerien im Norden tätig bin.

Hören Sie auf, es hört sich falsch schon. Bitte reden Sie wieder bayerisch. Ich muss jetzt trotzdem noch fertig sagen und natürlich, damit ich mich einigermaßen verständlich machen kann und das funktioniert auch, aber ich werde immer darauf angesprochen, dass die sagen. Also es ist ja schön, wie sie jetzt mittlerweile durch mich trainiert den bayerischen Dialekt verstehen, weil das Hochdeutsche, das ich drauf habe, ist für meine Kollegen jetzt im Norden trotzdem noch bayerisch.

Wie ist das immer? Die Wissenschafts-Community ist ja doch sehr international. Es kommt ja vor, dass Leute da aus dem Ausland kommen, die vielleicht weder bayerisch noch standarddeutsch reden. Wie verständigen Sie sich mit denen? Also zu meiner Zeit an der Universität München haben wir sogar Gastprofessoren gehabt, die haben nicht Englisch gekriegt und nicht Französisch.

Das waren vor allen Dingen die aus den nordischen Ländern gekommen sind. Und da war das auch noch für mich ein Schlüsselerlebnis. Also ich bin ein relativ guter Lateiner. und ich habe dann... Dank Dialekt. Dank Dialekt. Und mein Professor Andreas Graus hat gesagt, Herr Löw, übernehmen Sie den Kollegen, und betreuen Sie den ein bisschen.

Und ich habe dann gesagt, was soll ich denn mit dem reden? Dann habe ich gesagt, ja, rennen Sie Latein mit dir. Und dann habe ich gesagt, ah, okay, Lateinrennen. Und wenn man sich das wirklich ernsthaft vornimmt und eine Übung hat. Ich habe im Mittelalter promoviert, Ich habe des Nächten meine Urkunden auf und runter gesagt im Schlaf dann da.

Also ich war da schon gut drin. Aber es geht tatsächlich. Man kann dann auch Worte finden für Flughafen und solche Dinge, die man einfach dann aus dem, was man so intus hat mit Luft und Hafen und so, sich da zusammensetzen kann. Aber heute, glaube ich, ist das anders, weil das ist natürlich das Englische, das ist international.

Und aber es ist eigentlich schade, dass dieses Lateinische als Weltsprache, das war ja wirklich eine Weltsprache, dass man das eigentlich so ad acta gelegt hat. Also ich kann mir gut vorstellen, bayerisch und lateinisch, mir dauert es langer. Jetzt haben Sie also zur Kommunikation die tote Sprache Latein nun mal wiederbeleben können.

Haben Sie nicht vielleicht Angst, dass der Dialekt, das Niederbayerische irgendwann auch tote Sprache ist und in 50 Jahren ist dann, wie man, ah, der Läubel, der kann Latein reden, dass in 50 Jahren Leute sagen, Jesus, der kann. Huch, der kann nie der Bayerisch. Also zu mir nicht mehr in 50 war, sage ich einmal, da bin ich ziemlich safe.

Aber haben Sie Angst, dass diese Sprachen, also diese Dialekte wirklich verloren gehen können? Nein, Angst habe ich nicht, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das der Fall sein wird. Weil man sieht so schon in die Städte, wenn ich in Rengsburg durch die Straßen gehe und die Kinder sehe, höre ich kein Bayerisch mehr.

Und wenn es bayerisch herrscht, dann sind das irgendwelche Gastschüler, die halt was weiß ich, von Neumarkt, von Burk-Legenfeld oder sonst irgendwas da reinfahren. Also jetzt haben wir diesen Status erreicht, also in den Mittel- und Großstädten ist eigentlich schon Geschichte. In München gibt es eine neuere Umfrage, da hat man insgesamt, glaube ich, noch zwei Prozent von den Schülern in München, die noch dialektfähig sind, dialektsprecher sind.

Also das ist in München schon abgeschlossen, das ist erledigt. Wie schaut es im Haus der bayerischen Geschichte aus? Wird da bayerisch geredet? Sie reden immer bayerisch? Ja, ich rede immer bayerisch. Da wird schon überwiegend bayerisch geredet. Wobei, ich habe es schon erwischt, dass sie mit mir bayerisch reden und wenn sie untereinander sind, dann reden sie wieder Hochdeutsch miteinander.

Also es kann mir so und so sehen, entweder die Tabo machen sie bei mir oder sie haben Angst. Weil die Macht mit mir ist. Haben Sie schon mal einen Bewerber abgelehnt, weil er nicht gut genug bayerisch kann? Nein, aber wo ich schon kritisch bin, auch in den Bewerbungsgesprächen, wenn ich sehe, dass da eine grundlegende Abneigung und quasi so ein Höherwertigkeitsgefühl, da ist das berücksichtigt, weil der ist eigentlich dann bei uns oder die, ist da nicht wirklich gut aufgekommen.

Was macht man jetzt? Wie rettet man den Dialekt ins nächste Jahrhundert? Also ich glaube da wirklich, dass er nicht mehr zu reden ist, weil diese Meinung, dass das was Minderwertiges ist, das ist so weit verbreitet und es ist nichts schwieriger wegzubringen als ein Vorurteil. Das Vorteil wird bestehen bleiben.

Dann ist natürlich auch der Druck, sich anzupassen, wird immer größer. Wir haben ja da in den 90er Jahren diesen Wahnsinnsfall gehabt, dass eine Lehrerin in Miersbach draußen einem Dialektschüler ins Zeugnis eingeschrieben hat, dass er sich halt sehr schwer verständlich machen kann, weil zu Hause nur bayerisch gesprochen wird.

Da schon in Bayern wird da ein bayerisch gesprochen. Und in das Schlimmste kommt noch und dann hat diese Entschuldigung, Wahnsinnig, ich muss mich an meinen Großvater denken, der hat einen Lieblingsspruch gehabt, der hat geheißen, 99 Baden und war Schüler, das sind 100 Narre Schee. Und dann hat sich diese Dame nicht entblödet, der Mutter zu raten, sie soll den Kontakt des Sohnes mit dem Vater zu unterbinden, weil der sprachlich so einen schlechten Einfluss auf den Buben hat.

Und das waren die 90er Jahre und da hat es einen großen Aufruhr gegeben, gerade im Oberbayerischen. Die sind schon wieder ständig da draußen. Und dann hat dieses Zeugnis geändert werden müssen. Aber man hat halt gesehen, dass, wie gesagt, aus dem norddeutschen Bereich, dass da nicht nur Leute kommen, die uns bereichern, sondern dass da welche auch kommen mit wahnsinnigen Vorurteilen.

Und insofern wird es schwierig sein. an der Uni besteht natürlich ein großer Anpassungsdruck, auch schon an der Passau-Uni, da habe ich auch schon so ähnliche Sachen im Grunde gehört also du musst schon. Widerständig sein dass das dann durchhäst in der Wirtschaft ist oft anders, ich war erst in Oberpfaffenhofen draußen wo sie ja die, Satelliten und so zusammenbauen also wo wirklich die absoluten Kriegs da draußen sitzen und das ist brutal gewesen, muss ich sagen, da war ich in einem Großraumbüro drin, weil ein Verwandter von mir da drin war, aus Plattling, und dann waren noch diverse andere Bayern da, und dann war der Inder da, und die anderen habe ich jetzt nicht zuordnen können, aber die haben sichtlich

einen Migrationshintergrund gehabt, und die ganze Truppe hat bayerisch geredet miteinander. Also nicht Englisch, sondern ich habe bayerisch geredet. Keine Ahnung, wo die Inder jetzt das bayerisch hergehabt haben. Also da die Techniker sind da, glaube ich, auch noch widerständig, sogar widerständiger, wie die Handwerker.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sie gerade die Leute aus Tschechien zu uns kommen und arbeiten, dass sie die mit dem Bayerischen sogar leichter werden, wie mit dem Hochdeutschen. Insofern ist das. Wird man aber den Druck, glaube ich, also in den Städten, das dauert nicht mehr lange, in den Städten ist das alles erledigt.

Du hörst da in Augsburg kein Schwäbisch mehr, wobei Augsburg vielleicht der Sonderfall ist mit 60% Migrationshintergrund. Wenn jetzt in der Schulklass 20 Nationen drin hast, ja, weil du musst dann den kleinsten gemeinsamen Nenner finden und der ist halt dann nicht Schwäbisch, sondern Schriftdeutsch. Wobei lustig ist, dass die in der Umgangssprache dann trotzdem die schwäbischen Brocken plötzlich alle drin haben.

Also diese Zischlaute, die dann da zum Vorschein kommen. Ich hätte eine große Hoffnung, dass es für bestimmte Regionen einfach dass es ein Identitätsmerkmal wird, dass man sagt, nein, wir geben das nicht auf, wir pflegen unseren Dialekt weiter und mein erster Anwärter war der Bayerische Wald, der sich da größte Verdienste schaffen könnte und Weitler sind, widerstandsfähig, das weiß man.

Und da bin ich auch überzeugt, wenn diese Region so durchzieht, das wird gerade für den Tourismus ein absolutes Bonus sein. Aber irgendwie ist es ein trauriger Gedanke, wenn man jetzt fatalistisch an die Sache geht und sie denkt, 900 Jahre spricht vielleicht überhaupt keiner mehr bayerisch und dann taucht unser Podcast auf irgendeiner bis dahin verschollenen Festplatte wieder auf.

Dann braucht es irgendeinen Sprachwissenschaftler, der überhaupt in Ziffern kommt, was wir da miteinander reden. Oder so ein Stor wie beim Ägyptischen, wo die zwei Sprachen eigentlich meistens anders sind. Der Rosetta-Stor vom Bayerwald. Was das für eine Sensation ist dann? Wenn wir zwei auf ewig und sterben. Aber es darf einen Haufen verloren gehen.

Es gibt einen Haufen schöne Begriffe im Bayerischen, die es nur im Bayerischen gibt. Haben Sie einen Lieblingsbegriff? Also mein Lieblingsschimpfwort ist der Maustodschmerzer. Jetzt könnten Bülsezungen natürlich behaupten. Ja, ich weiß auch, was Sie anspielen. Ich habe da ein nettes Erlebnis in Freising gehabt. Da war der Ministerpräsident Hasselhoff da, den habe ich geführt.

Und dann hat er ein schönes Gespräch mit einer Freisingerin geführt. Und dann hat ihm die Freisingerin erklärt, dass der Bayer ja im Allgemeinen wenig spricht. Und dann hat sie zu mir hingezogen und hat gesagt, es gibt da eine gewisse Ausnahme. Was sind noch so Lieblingswerte? Ja, also mein absolutes Lieblingswort ist jetzt eigentlich was österreichisches mehr, weil wenn ich jetzt zu ihr noch sagen würde, Herr Munzinger, jetzt geben Sie halt Ruhe, weil das alles logisch ist, das kann ich in einem Wort sagen und das heißt, eh.

Also zum Abschluss ist jetzt das vielleicht ganz gut. Jetzt muss ich mit ihr noch diesen zweiten Sprachtest machen. Ich lese Ihnen einen Text vor und Sie müssen also erst einmal versuchen, den Text zu verstehen und zweitens einmal versuchen, die Anleihen herauszufinden. Also es sind viele Wörter drin, die aus anderen Sprachen kommen.

Lassen Sie kurz in mich gehen, Moment kurz. Ja, so schlimm ist es jetzt auch wieder nicht. Obwohl, ein Irrder auf Nacht ist noch so warm gewesen, dass ich gerade mit der Jeans unten, fort zum Bahnhof umgereist bin und hab Mara Piletl auf München und Retour gekauft. Kommt da nicht eine Spezi von mir? Der DJ von der Disco mit seinem Gespuse und meiner Schickster her. Servus Sie und Pussel her.

Nachher haben wir noch ein Massel gehabt, dass wir in Greenhorns Pub noch einen Platz gekriegt haben. Okay, jetzt schauen wir mal, ob ich noch alles hinbringen. Ich glaube, ich habe noch ein Problem. Was ist der Irda? Der Irda ist der Dienstag. Okay. Am Dienstag ist es so warm gewesen, dass ich nur mit Jeans bekleidet zum Bahnhof gehen und mir eine Fahrkarte kaufen konnte.

Da kam mir schon... Hin und Retour. Hin und Retour. Da kam mir schon... Ist ganz schön lang gewesen, die Passage. Da kam mir schon der DJ vom... Eine Spezi von mir. Da kam mir schon ein Freund von mir vom... Was für ein Pub? Der DJ von der Disco. Also der DJ von der Disco entgegen. Mit seiner Freundin und auch meiner im Schlepptau. Meiner schick's daher.

Ein Küsschen hin, Küsschen her. Was war der letzte Pass? Da haben wir noch Massel gehabt. Da hatten wir noch mal Glück. Dass wir im Grünhorn das Bad. Dass wir in der Grünhornkneife noch einen Platz gekriegt haben. Noch einen Platz gekriegt haben. Sehr gut übersetzt. Und jetzt wo kommen diese ganzen Ausdrücke?

Massel ist glaube ich aus dem Aramäischen und aus dem Jüdischen, wenn man nicht alles täuscht. Also Glück, so wie Masseltoff. Da haben wir noch zwei Zwoord drin gehabt, die sind auch aus dem Jüdischen gekommen. Schicks. Schicks, sehr gut. Ist Schicks eine nicht-jüdische Frau? Ja, und zwar ein bisschen negativ belastet. Ah, okay.

Ihr da wird wahrscheinlich einfach wirklich tiefstes Niederbayerisch sein? Ja, also im Wald sagt man es normal. Und DJ ist, glaube ich, aus dem Englischen. DJ ist sicherlich aus dem Englischen. Im Grunde natürlich auch, naja, wobei halb Übernahme. Also die Disco, das kommt ja von Le Disque eigentlich und kommt damit aus dem Französischen.

Aber ist im Englischen dann natürlich aufgenommen worden. Tiefstes Französisch ist natürlich das Biletl. Und natürlich auch Retour. Gut, das trinkt man dann schon gar nicht mehr. Das stimmt, ist schon so eingespeist. Italienisch haben wir noch was drin gehabt, die Parallele zu schicksen. Gspusi? Gspusi ist von Sposa. Ah.

Und erstaunlicherweise das meiste, was wir an Fremdwörtern im Grunde drin gehabt haben, kommt aus dem Lateinischen. Er sagt ja zu seinem Spezi, sagt er, Servus! Und wie sagt da einer? Also Servus, klar, der Sklave. Und sein Freund ist der Spezi, kommt von Amicus Specialis. Also ein ganz besonderer Freund. Genau, ist der Spezi.

Wenn man will, kann man sogar das Bussl von Basiolum als Küsschen herleiten. Und dann natürlich Minger, weil Minger ist Apotmonarchus bei den Mönchen. Das heißt, eine babylonische Sprachenverwirrung in jedem bayerischen Satz. Der Irda, der Dienstag, kommt aus dem Griechischen. Die Disco, wenn man jetzt das will, kann man von Discos auch herleiten.

Sehr schön ist aber auch nur mehr im Wald gebräuchlich, ist der Begriff Fort. Fort. Fort für Hemd. Und da gibt es im Lateinischen zum Beispiel den Ausdruck, beziehungsweise im Griechischen den Ausdruck des Paida. Das ist ein Messgewand, also das ist diese Wurzel, wo das herkommt. Dann sagt aber auch für den Irr, das ist eher gotisch.

Was auch so kann, weil wir lange unter gotischem Einfluss gestanden sind. Das Ungarische fehlt mir jetzt noch ein bisschen. Ja, das Ungarische haben wir natürlich auch da. Aber nur so eigentlich, er hat das sehr gewusst. Dann sagt man auch, kommt so ursprünglich aus dem Lateinischen, ist aber dann halt österreichisch-ungarisch hergeleitet.

Aber das geht vielleicht ein bisschen weit. schau. Aber sehr schön ist natürlich, dass Sie das auch sofort drauf gehabt haben, ist, dass das Massel, dass das aus der jüdischen Sprache kommt. So wie Schlamassel. Ja, und damit muss ich Ihnen eigentlich fast einen Einser geben auf diesen Sprach. Wahnsinn, das ist... Bin ich jetzt ein Bayer? Wenn es noch eine bayerische Staatsangehörigkeit gibt und eigentlich statt das nur mir zustande, dass ich die verleihe als Direktor vom Haus der Bayerischen Geschichte, würde ich jetzt die bayerische Staatsangehörigkeit anbieten.

Aber wenn Sie mal zu einem Staatsgehörigkeitstest kommt und jetzt versuche ich mich nur mal im Bayerisch, da würde mir der Leibe da helfen, oder? Ja, sowieso. Herzlichen Dank, dass ihr wieder eingeschaltet habt und Zögert habt bei Ein Bayer und Ein Halber mit mir, eurem halben Bayern Johannes Munzinger und mit Dr. Richard Läubel.

Bis, Servus und Pfiatzeich. Wenn ihr die nächste Folge nicht verpassen wollt, dann lasst gerne ein Abo da. Ihr habt Fragen, Anregungen, Kritik oder Lob? Dann schreibt uns gerne an podcast.mgbayern.de oder hinterlasst uns eine Bewertung. Ein Bayer und ein halber historische Zeitreisen mit Dr. Richard Leubel ist ein History-Podcast der Mediengruppe Bayern.

Host in Recherche Johannes Munzinger und Dr. Richard Leubel. Konzept Dr. Richard Leubel, Johannes Munzinger und Martin Wanninger. Redaktion Johannes Munzinger. Produktion Anja Kurz. Sprecherin Katharina Czava. Mit Musik von ScoreSquad über Soundtaxi. Besonderer Dank an Walter Berndl.

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