
Food Crimes - Was schmeckt dahinter?
#86 Der Aufstieg und Fall einer amerikanischen Ikone
Dienstag, 7. Juli 2026 · 46 min
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Shownotes
In den einst sonnenverwöhnten Weiten im Herzen Floridas spielt sich derzeit ein Krimi ab. Einst gab es in diesem Gebiet die größte zusammenhängende Zitrusplantage der Vereinigten Staaten, ein grünes Denkmal für den wirtschaftlichen Erfolg des „Sunshine State“. Doch mittlerweile, im Sommer 2026, gleicht die Gegend mehr einem Friedhof als einem lebendigen Ort. Denn eine der wichtigsten Früchte Amerikas liegt im Sterben. In den letzten 20 Jahren ist die Produktion um 95 Prozent eingebrochen.
Doch wer hat die Florida Orange umgebracht? Die Antwort ist so kurz wie kompliziert: Es ist ein Geflecht aus mehreren Tätern, die der Florida Orange gemeinsam den Todesstoß setzten. Und somit das perfekte Verbrechen.
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Roy Pettyway ist verzweifelt. Denn der Zitrusfrüchtebauer in sechster Generation muss dabei zusehen, wie das Vermächtnis seiner Familie stirbt. Die Florida Orange. Die Zitrusbäume sind der Lebensunterhalt und die Zukunft für den Familienbetrieb, den es seit 1900 gibt. Doch nun faulen die alten Bäume von innen.
In seiner Not greift er zu Antibiotika wie Streptomycin und Oxytetrazyklin. Medikamente, die eigentlich zur Behandlung von Syphilis und Tuberkulose bei Menschen gedacht sind. Er spritzt sie in den Sand und injiziert sie direkt in die Stämme. Ein letzter, teurer Versuch, die Bäume künstlich am Leben zu erhalten.
Doch mit dieser Praktik macht er sich nicht nur Freunde. In den einst sonnenverwöhnten Weiten im Herzen Floridas spielt sich derzeit ein Kriminalfall ab. Der Tatort ist gigantisch und erstreckt sich über das gesamte Ridge-Gebiet in Central Florida. Doch nirgends ist das Verbrechen so offensichtlich wie im DeSoto County und in Sulphur Springs, wo die Pattiways ihren Familienbetrieb führen.
Einst gab es in diesem Gebiet die größte zusammenhängende Zitrusplantage der Vereinigten Staaten, ein grünes Denkmal für den wirtschaftlichen Erfolg des Sunshine State. Doch mittlerweile, im Sommer 2026, gleicht die Gegend mehr einem Friedhof als einem lebendigen Ort Denn eine der wichtigsten Früchte Amerikas liegt hier im Sterben, In den letzten 20 Jahren ist die Produktion um 95% eingebrochen.
Doch wer hat die Florida Orange umgebracht? Die Antwort ist so kurz wie kompliziert Es ist ein Geflecht aus mehreren Tätern, die der Florida Orange gemeinsam den Todesstoß setzten. Und somit das perfekte Verbrechen. Das ist Food Crimes. Was schmeckt dahinter? Mit Florian Reza und Lili Temme. Was ist das denn für eine wilde Geschichte? Erstmal möchte ich Hallo sagen und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Food Crimes.
Leute, der Sommer ist da und ich muss wirklich sagen, so ein erfrischender, eisgekühlter Orangensaft ist bei solchen Temperaturen schon ziemlich erfrischend. Ich trinke ihn auch sehr gerne mit ein bisschen Sprudelwasser für den Extra-Kick. Und wollte dich mal fragen, wie siehst du das denn, Flo? Trinkst du gerne O-Saft?
Ich trinke gerne O-Saft, aber irgendwie wenig, weil ich auch finde, dass der Orangensaft, den man so im Supermarkt mittlerweile kaufen kann, also man muss wirklich den frischen kaufen, der auch noch ein bisschen Fruchtfleisch hat, der ist teuer. Und das, was aber so als normaler O-Saft im Tetra Pak verkauft wird, da ist nicht mehr viel wirkliche Frucht drin, das ist viel Konzentrat, viel mit Aromen, was da gearbeitet wird.
Und das ist mir dann auch nicht wert, dafür irgendwie zwei, drei Euro hinzulegen. Deswegen, ich mag Orange Saft, trinke ihn aber wenig. Ich sehe es wie du. Und nach der heutigen Geschichte ist dem einen oder der anderen vielleicht auch ein bisschen klarer, warum. Denn es steht nicht gut um die Orange.
So viel sei verraten. Ich bin auf diese Geschichte gestoßen, weil ich für ZDF Besseresser etwas recherchiert habe. Und zwar etwas, was in die Kategorie Bullshit-Bingo im Supermarkt passt. Da ging es nämlich um einen Ehrmann-Almigurt-Nektarine-Florida-Orange und ich habe mich halt gefragt, was Florida-Orange eigentlich ist, und abgesehen davon, dass dieser Joghurt an sich schon ein Foodcrime ist, bin ich noch auf einen anderen Crime in Zusammenhang mit der Florida-Orange gestoßen.
Und wie ihr euch jetzt nach dem Intro vielleicht denken könnt, ist das ein Crime der etwas anderen Art. So viel kann ich schon mal verraten. Aber ich finde trotzdem eine Geschichte, die hier auf jeden Fall eine Daseinsberechtigung hat. Spannend. Die Florida Orange. Ich habe ehrlich gesagt noch nie so richtig darüber nachgedacht, dass die ja wahrscheinlich von dort kommt.
Aber weil ich weiß, dass die Pfirsiche aus Georgia kommen. Weil wie Justin Bieber schon sang, I get my peaches down from Georgia. Here I come. Here I Go. Weiß nicht, was er danach singt. Nein, ich bin so ein Dora. Nein, ich bin so ein Dora. Ich bin so ein Dora. Ich bin so ein Dora. Und die Florida-Orange.
Toll. Ich bin wirklich gespannt, was das für eine... Schmeckt die auch anders? Werden wir darüber sprechen? Hast du eine da? Ich werde natürlich zum Geschmack kommen. Eine da habe ich nicht, denn es gibt auch, wie sich vermuten lässt, nicht mehr so viele. Aber für Ermann reicht's. Für Ermann gibt es doch genug. Ich wollte jetzt nicht so auf diesen Ermann-Joghurt zu sprechen kommen, aber in diesem Joghurt ist tatsächlich keine echte Orange, sondern da sind Abfälle von Orangen drin und natürlich dann Aroma.
Das ist wahrscheinlich kein geschützter Begriff, die Florida Orange. Es ist halt eine Sorte. Spannend, ich bin sehr gespannt. Das erinnert mich vielleicht so ein bisschen an die Vanille-Geschichte. Ich möchte noch nicht zu viel verraten. Ich möchte vor allen Dingen jetzt ein paar Menschen namentlich erwähnen, die uns so nett bei diesem kleinen, schönen Podcast-Projekt unterstützen.
Nadine, Tobias, Manuela, Christiane, Tessa, Janine und Paulina. Schön, dass ihr da seid und den Weg zu uns gefunden habt. Wenn ihr auch möchtet, dass wir euch hier namentlich erwähnen, dann geht doch mal auf unsere Website www.wasschmecktdahinter.de, und dann werdet ihr sehen, dass ihr uns bei Steady unterstützen könnt, indem ihr ein Abo abschließt und dann extra folgen, werbefrei folgen und je nach Paket noch viel, viel mehr bekommen könnt.
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Und alle Fotos, die wir heute besprechen, findet ihr auch auf dieser tollen Website. Müssen wir noch auf irgendetwas anderes hinweisen? Nein, ich glaube nicht. Nein, nein. Okay, dann würde ich sagen, gehen wir rein. Wir gehen rein. Ins Land Florida. Oh Gott. Die Geschichte der Florida Orange beginnt vor langer, langer Zeit in...
Florida. Südostasien. Natürlich. Ja, ihr habt richtig gehört. Vor Jahrtausenden wurde da nämlich die erste Orange geboren. Über Handelswege und Eroberungszüge gelangte sie nach Europa, bis spanische Siedler den goldenen Schatz schließlich im Jahr 1579 nach St. Augustin in Florida brachten. Die Native Americans verbreiteten die Frucht dann im ganzen Staat.
Sie verehrten die Orange als Sundrop, übersetzt Sonnentropfen. Ein Geschenk der lebensspendenden Sonne. Nach dem Bürgerkrieg entwickelte sich aus den ursprünglich wild angelegten Zitrushainen dann eine mächtige Industrie. Eisenbahnverbindungen in den Norden und technische Innovationen wie das gefrorene Konzentrat nach dem Zweiten Weltkrieg machten Florida zum unangefochtenen Zitruskraftzentrum der Welt.
Die Florida Orange schmeckt intensiv süß, saftig und fruchtig, besitzt dabei aber eine sehr milde, kaum wahrnehmbare Säure. Da sie aufgrund des Klimas in Florida dünner und extrem prall sind, gelten sie weltweit als eine der besten Sorten für puren Orangensaft. In ihrer Blütezeit, um das Jahr 2000 rum, produzierte die Industrie jährlich fast 300 Millionen Kisten Früchte und war das kulturelle Markenzeichen des Sunshine State.
Die Orange war so tief in der Identität des Staates verwurzelt, dass sie auf fast 18 Millionen Nummernschildern prangte. Das wollte ich gerade sagen. Da war ich schneller. Du bist ja auch häufiger mal in Florida unterwegs, weil es da ja Familie gibt. Hast du von dieser Orangen-Identität mitbekommen? Ich habe mir tatsächlich noch nie so richtig darüber Gedanken gemacht, dass das so ein großes Thema ist, die Orange, weil die Prank, wie wir gerade gelernt haben, auf allen Nummern schildern.
Generell sind Florida-Kennzeichen sehr omnipräsent, weil irgendwie alle Mietautos in Florida immer registriert sind, wahrscheinlich aus steuerlichen Gründen. Deswegen ist immer, wenn man irgendwo ein Auto mietet, hat man meistens auch ein Florida-Kennzeichen. Aber ansonsten, ich habe mir da noch nie so richtig Gedanken drüber gemacht, dass sie da unten natürlich wächst.
Für mich war es da immer, ich weiß nicht warum, aber irgendwie ist Florida auch nicht so ein Land, wo ich Landwirtschaft verordne, weil das so eine komische Vegetation dort ist. Magst dann nicht so sehr. Die Vegetation hat sich vor allen Dingen auch verändert. Vielleicht hast du das deswegen auch nicht so richtig wahrgenommen. Die Blütezeit war ja um 2000 rum.
Und da bist du ja meines Wissens nach noch nicht ein- und ausgegangen. Nee, tatsächlich nicht. In den USA. Fakt ist auf jeden Fall, die Orange wird zur amerikanischen Ikone. Das Symbol für amerikanisches Frühstück und den Sunshine State. Doch wo einst noch fast 300 Millionen Kisten jährlich produziert wurden, sind es heute nur noch ungefähr 12 Millionen.
Ein Absturz von über 95 Prozent. Doch wie konnte es so weit kommen? So viel sei schon mal verraten, es gibt nicht diesen einen Täter. Es sind mehrere. Und um Ihnen auf die Schliche zu kommen, begeben wir uns zu Padaway Citrus & Kettle, Einem Familienunternehmen, das im Jahr 1900 gegründet wurde und sich seitdem zu einem führenden Zitrusbetrieb im Herzen von Florida entwickelt hat.
Und ich möchte dir und euch jetzt allen Roy Padaway vorstellen. Okay, der ist jünger als ich erwartet habe. Er trägt ein Bordeaux-rotes Polo-Shirt, kleine Goldkette. So Typ Bär, also bisschen kräftiger, Vollbart, eine kleine Stupsnase und der trägt so diese Brille, die immer Leute tragen, die sehr viel draußen unterwegs sind, sehr aktiv sind.
Also so diese Brille, die man so absetzen kann, hängt die einem um den Hals und wenn man sie aufsitzt, sieht sie sehr schnell aus. Ja, schnell und sportiv. Ich meine, der Mann ist viel draußen, auf seinen Zitrushaien unterwegs. Dafür hat er eine ganz gute Haut, finde ich. Also für die ganze Zeit draußen sein, unterwegs sein, sieht ja relativ gesund aus.
Im Gesicht. Und es sieht aus wie ein Mann, der anpackt und Dinge macht. Also wirklich macht. Und er ist in sechster Generation jetzt da zuständig im Familienbetrieb. Das heißt, da ist viel Expertise vorhanden. So sehen die aber immer aus, die irgendwie in sechster Generation so einen Lebensmittelbetrieb führen.
Die sehen auch immer so, weißt du, es gibt so die, die so ein Unternehmen aufbauen und das so sechster Generation, du weißt, hier läuft's ja eigentlich und wir machen den Betrieb ja einfach genauso weiter, wie schon Opa und Großoppa und Urgroßoppa das gemacht haben. Und die haben so eine gewisse Gelassenheit in ihrem Auftreten.
Es ist diese Mischung aus gelassen sein, aber trotzdem noch so körperlich anzupacken und Dinge zu machen. Ich weiß nicht, das ist eine komische Beschreibung. Ich weiß nicht, ob ich das richtig getroffen habe, aber ich finde, solche Leute sehen irgendwie ähnlich aus. Naja, ich meine, Macher sein mit anpacken und gelassen sein, Ich denke, wenn so viel Wissen über Generationen weitergegeben wurde, dann ist man sich seiner Sache ja auch relativ sicher.
Ich denke, das strahlt er so ein bisschen aus und trotzdem befindet er sich jetzt gerade in einer ziemlich bescheidenen Situation. Und ich sage jetzt auch warum. Roy ist Mitte 30, Familienvater und leitet, wie gesagt, das Familienunternehmen in sechster Generation. Und er hat ein Problem Denn ein fast unsichtbarer Killer ist unterwegs Und hat es sich zur Aufgabe gemacht, seine Orangen zu töten.
Eine verheerende Krankheit befällt die Orangenbäume von Roy Padaway. Die bakterielle Infektion, die von einem winzigen geflügelten Insekt aus Asien übertragen wird, hat sich allen Bemühungen zur Eindämmung entzogen, die Citrusindustrie Floridas dezimiert und zahlreiche Erzeuger zur Aufgabe gezwungen.
Huanglongbing, kurz HLB oder auch Citrus-Greening-Krankheit, ist eine unheilbare bakterielle Erkrankung von Citrusbäumen. Ausgelöst durch das Bakterium Candidatus liberibacter verstopft die Krankheit die Nährstoffbahnen der Bäume. Das führt zu vergilbten Blättern, bitteren deformierten Früchten und dem langsamen Absterben des gesamten Baumes.
Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass mittlerweile fast 100% der Orangenbäume in Florida infiziert sind. Und hier ist ein Foto von einer kranken Orange. Crazy, hab ich noch nie davon gehört. Das freut mich natürlich immer. Wie stellst du dir eine Orange vor und wie sieht die aus? Ja, ehrlich gesagt sieht die jetzt gar nicht mal so krank aus.
Also die ist noch ein bisschen grün und hat dann so bräunliche Flecken. Von innen sieht sie aber eigentlich normal aus. Von daher würde ich jetzt sagen, wenn ich die jetzt so am Baum sehen würde, würde ich nicht denken, die ist krank. Tatsächlich habe ich auch schon Orangen mit so leichten bräunlichen Punkten im Supermarkt gesehen, wo sich dann die Frage stellt, ob das Orangen waren, die mir dieser Krankheit befallen waren und vielleicht gerade noch gut genug waren, dass man sie ausliefern konnte.
Aber es ist jetzt nicht so, man kennt das ja auch von anderen Bäumen, von Pflanzen, wo man, ich glaube das bekannteste ist so die Kastanie in Deutschland, die jedes Jahr von diesem, jetzt darf ich nichts Falsches sagen, vielleicht muss ich eine Anmerkung der Redaktion rein, aber die im Herbst dann immer auch so, bräunlich wird und die Blätter richtig krank aussehen, die Bäume krank aussehen.
Jetzt bei der Orange würde ich das gar nicht mal so vermuten. Tatsächlich ist die Schale aber so grün. Weil sie krank ist. Also die ist nicht etwa noch nicht reif, sondern das ist eine befallene Frucht, die heißt ja auch Citrus-Greening-Krankheit. Ich hätte es mir denken können. Also auch den Blättern ist anzumerken, dass der Baum krank ist, aber der Frucht an sich eben auch.
Dann fallen die vom Baum, obwohl sie eigentlich gepflückt werden müssen und sind aufgrund ihres bitterschmeckenden Saftes unverkäuflich. Und ich denke, wenn du mal so eine Orange in der Hand gehabt hättest oder probiert hättest, hättest du das geschmeckt. Aber diese Orangen sind eh vornehmlich ja für den Orangensaft gebraucht, gemacht und bieten sich deshalb überhaupt nicht mehr an.
Das heißt, die wachsen und dann werden sie aber nicht gelber, sondern bleiben grün und das Fruchtfleisch sieht auf den ersten Blick normal aus, schmeckt aber überhaupt nicht. Genau, schmeckt überhaupt nicht. Schmeckt total bitter, ist überhaupt nicht süß, schmeckt nicht nach Orange. Übertragen wird diese Krankheit vom asiatischen Citrusblatt Flo.
Er ist ungefähr drei bis vier Millimeter groß und von ihm habe ich ein Foto. Okay, also ich merke so langsam, wir haben es hier mit einer invasiven Art zu tun. Auch, ich habe ja gesagt, es gibt mehrere. Ja, ja, okay. Rechts haben wir was und links haben wir was. Rechts? Ist das... Ich weiß nicht, was es ist. Ich finde, es sieht aus wie die Hülle von einem...
Ja, sieht aus, genau, als wäre es gerade geschlümpft worden. Aber wir konzentrieren uns mal auf die linke Seite. Das ist der Citrus Blattfloh, der die Krankheit überträgt. Also ein Insekt, was aussieht wie ein sehr, sehr kleiner Vogel, weil der Körper so länglich ist und die Flügel seitlich weggehen.
Aber für einen Insekt finde ich auch ein sehr großer Körper im Vergleich zu den Flügeln. Die Flügel sind durchsichtig teilweise. Also auf den ersten Blick, Also ich bin wirklich bei Insekten bin ich eigentlich raus, aber den finde ich eigentlich ganz schön. Den findest du ganz schön. Wie groß ist der? Vielleicht liegt das ja daran, dass es ein Floh ist. Und du sympathisierst mit Flöhen. Der ist drei bis vier Millimeter groß. Ja, okay.
Also ein kleiner, aber Flöhe sind ja grundsätzlich auch eher klein, ne? Naja, solche und solche, ne? Aber das heißt, man sieht den mit bloßem Auge auch noch. Man sieht den kaum. Also der ist ja auch so ein bisschen durchsichtig. Ja, okay. Deswegen ist er nur schwer zu erkennen, aber wenn man genau hinguckt, kann man ihn schon auch erspähen.
In Europa, falls ihr euch das gefragt haben solltet, gibt es den Flo zwar auch, aber hier setzt man, anders als in den USA, auf Biodiversität, die natürliche Fressfeinde fördert. In den USA setzt man nämlich auf Monokulturen. Und damit wären wir beim zweiten Tatverdächtigen. Denn jahrzehntelang, seit den 1970er Jahren, setzt die Orangenindustrie in Florida auf Monokulturen und massiven Glyphosateinsatz.
Bei Monokulturen handelt es sich um den Anbau einer einzigen Pflanzenart, also einer Reinkultur, über mehrere Jahre hinweg auf derselben Fläche. Und genau das ist auch in Florida passiert. Und Monokulturen sind eher schlecht, weil der dauerhafte Anbau derselben Pflanzenart auf einer Fläche den Boden auslaugen kann und die Artenvielfalt drastisch verringert.
Das macht die Pflanzen dann anfälliger für Schädlinge und Krankheiten, erfordert mehr Chemie- und Pestizideinsatz und schädigt das lokale Ökosystem. Monokulturen sind aber aus rein wirtschaftlicher und logistischer Sicht effizient. Da nur eine Pflanzenart angebaut wird, können Landwirte ihre Maschinen, Arbeitsabläufe und Vertriebswege extrem rationalisieren und zudem ermöglichen sie eine starke fachliche Spezialisierung auf eine einzige Kulturpflanze.
Kritiker glauben, dass dieser massive Chemieeinsatz den Boden ruiniert und die natürliche Immunabwehr der Bäume so weit geschwächt hat, dass die Greening-Krankheit leichtes Spiel hatte. Jetzt ist es aber nun mal so, dass die Krankheit überall ist und die Landwirte, die es überhaupt noch gibt, irgendwie versuchen müssen, mit der Situation umzugehen.
In einem letzten verzweifelten Versuch, die Ausbreitung der Infektion zu verlangsamen, startet Roy Padaway jetzt sein Sprühgerät und besprüht die Bäume mit einem neuartigen Pflanzenschutzmittel. Antibiotika, die zur Behandlung von Syphilis, Tuberkulose, Harnwegsinfektionen und einer Reihe anderer Krankheiten bei Menschen eingesetzt werden.
Wo hat er das Zeug denn her? Naja, dazu kommen wir noch. Also in den Mengen einfach erstmal so Antibiotika zu kaufen, da kannst du ja nicht zur Apotheke gehen und sagen, könnten Sie mir mal eine Tonne anrühren. Ja, aber Not macht erfinderisch und er ist auch nicht der Einzige, der das macht. Sondern, und das sagt er auch in einem Interview mit der New York Times, das Antibiotika ist das, was den Landwirten aktuell noch Hoffnung gibt.
Denn im Moment sei es so, als würden sie ohne Rettungsring im Wasser planschen und dabei Wasser schlucken. Seit 2016 erlaubt die Umweltschutzbehörde den Citrus-Bauern in Florida den Einsatz der Medikamente Streptomycin und Oxytrazyklin. Oxytetrazyklin im Notfall, doch nun weitet die Umweltschutzbehörde deren zulässige Verwendung erheblich aus.
Die Behörde genehmigte die erweiterte Anwendung trotz heftiger Einwände der FDA, und des Centers for Disease Control and Prevention, Die davor warnen, dass der intensive Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft dazu führen könnte, dass Keime mutieren und resistent gegen die Medikamente werden, was das Leben von Millionen von Menschen gefährden würde.
Der Gedanke war einfach, es ist ein Bakterium, also hauen wir Antibiotika drauf. Es gibt Forschung dazu, dass diese Antibiotika, was dagegen tun können und die Bäume nicht komplett retten, aber zumindest die Krankheit so weit eindämmen, dass es immer noch Früchte gibt, die man dann verkaufen kann. Boah, sehr schrecklich.
Also aus jeder Sicht, also es ist schrecklich, dass man das als Lösung sieht und es ist schrecklich, dass natürlich für viele ihre komplette Lebensgrundlage auf dem Spiel steht und man eigentlich nichts dagegen machen kann. Ja, das ist eine ziemlich verzwickte Situation, in der sich die Landwirte befinden.
Deshalb wurde ja auch nach Mitteln gesucht und die Umweltschutzbehörde hat jetzt vorgeschlagen, jährlich bis zu 650.000 Pfund Streptomycin auf Zitrusfrüchte sprühen zu dürfen. Und zum Vergleich, die Amerikanerinnen und Amerikaner verbrauchen jährlich 14.000 Pfund Aminoglykoside, zu denen auch Streptomycin gehört. Also es ist wirklich ein erheblicher Mehrverbrauch, der jetzt da auf die Pflanzen gegeben wird.
Die Europäische Union hat den Einsatz von Streptomycin und Oxytetrazyklin übrigens verboten in der Landwirtschaft. Das gleiche gilt auch für Brasilien, wo Orangenbauern auch gegen diese Krankheit kämpfen. Brasilien ist übrigens weltweit der größte Orangenproduzent. Also auch da gibt es die Krankheit, aber da ist der Einsatz dieser Antibiotika eben verboten.
Manche Expertinnen und Experten sagen, dass eine Steigerung des Einsatzes dieser Medikamente in der Landwirtschaft das Rezept für eine Katastrophe sind. Damit werden die Bedürfnisse der Zitrusindustrie über die menschliche Gesundheit gestellt, so wird ein Experte in der New York Times zitiert. Doch für Floridas angeschlagene Orangenbauern können die Zulassungen gar nicht früh genug kommen.
Denn die Verzweiflung ist deutlich zu spüren in dem Staat, der einst üppig mit Zitrusbäumen bewachsen war, darunter vor allem eben Saftorangen, die die Grundlage für eine 7,2 Milliarden Dollar Industrie gebildet haben, in der 50.000 Menschen beschäftigt sind und das sind mittlerweile ungefähr 40.000 weniger als noch vor zwei Jahrzehnten.
Heutzutage ist die Landschaft übersät mit verlassenen Plantagen und verkümmerten Bäumen, deren längliche gelbe Blätter ein unverkennbares Anzeichen für die Krankheit sind. Roy Padaway hingegen sagt, die Antibiotika würden dazu beitragen, viele seiner Bäume wieder zum Leben zu erwecken. Ich zitiere ihn, Früher hatten sie eine Lungenentzündung, jetzt ist es so, als hätten sie eine Erkältung.
Gott, ist das zynisch, ey. Ja. Was das, was Roy Padaway da gerade mit den Bäumen macht, für Auswirkungen haben wird, ist noch nicht bekannt. Und fest steht nur, den Bäumen geht es gerade besser. Aber Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler warnen wirklich vor dem Einsatz dieser Antibiotika, weil sie befürchten, dass es eben resistente Mutationen geben könnte, die die Menschheit gefährden könnten.
Und das Ganze ist so ein bisschen, wie soll man sagen? Ja, try and error, beziehungsweise so ein bisschen OP am offenen Herzen, weil schauen wir mal, was passiert, was wird. Ich glaube bei Fleisch und bei tierischen Produkten ist so der Einsatz von Antibiotika war schon lange ein Thema und ist auch glaube ich gesellschaftlich, so diskutiert worden, dass man sich denkt, das will man eigentlich nicht, weil man da die Resistenzen noch mehr vor Augen hatte, auch weil man es eben direkt an den Tieren gesehen hat, bei Früchten und Obst, war mir das wirklich noch nicht so ein Thema, dass auch das dort eingesetzt werden kann oder eingesetzt wird.
Ich wusste das auch ehrlicherweise nicht. Ich kenne natürlich die Diskussion auch um Glyphosateinsatz, die kenne ich. Ich weiß, dass man mit Pestiziden um sich sprüht, hier und da, aber das mit dem Antibiotikum, das war mir auch wirklich nicht bewusst. Ich habe letztens zu dem Thema Glyphosat nochmal ein bisschen recherchiert und das war mir tatsächlich gar nicht so bewusst, dass es bei dieser Klage, die gerade in den USA verhandelt wird, wo es darum geht, ob und wie viel Bayer an Schadensersatzforderungen zahlen muss, es nicht darum geht sozusagen, was im Essen landet und ob man beim Essen vergiftet wird, sondern es geht um die Menschen, die das Mittel auftragen und das Einatmen, das auf die Kleidung bekommen, auf die Haut bekommen,
und das eine Gefahr darstellt im Boden selber. Es ist wie mit allen Sachen weniger ist mehr aber es ist sozusagen nicht, dass es im Essen landet und man vergiftet wird wenn man das isst, Ich habe das auch so verstanden, dass Glyphosat ja benutzt wird, um Monokulturen beizubehalten oder sie erst auch zu errichten und das wiederum hat ja dann wieder Folgen, also dass der Boden eben nicht mehr so nährstoffreich ist wie vorher und so, darum wird es jetzt wahrscheinlich in der Klage nicht gehen, über die du gerade gesprochen hast aber ist vielleicht auch nochmal ganz gut zu wissen.
Kurz nach Aufnahme des Podcasts kam es am US-Supreme Court tatsächlich zu einer Entscheidung. Worum ging es? Ein Mann namens John Donnell hatte Monsanto verklagt, weil er nach rund 20 Jahren Roundup-Nutzung an Krebs erkrankte und dem Unternehmen vorwarf, nicht vor dem Risiko gewarnt zu haben. Eine Jury in Missouri sprach ihm 2019 eine Million Dollar zu, doch der Supreme Court hat dieses Urteil nun aufgehoben.
In seiner Entscheidung sagt der US-Supreme Court, dass das Unternehmen nicht auf einzelstaatlicher Ebene verklagt werden kann, da die Umweltbundesbehörde, die EPA, keine Krebswarnung verlangt und dieses Bundesgesetz die Vorgaben der Bundesstaaten verdrängt. Die beiden abweichenden Richter, Jackson und Gorsuch, warfen der Mehrheit vor, dass sie das Bundesgesetz falsch auslegen und den Kläger jetzt ohne Rechtsmittel lassen und damit auch auf den gesundheitlichen Kosten sitzen lassen.
Die Klägeranwälte und Gesundheitsaktivisten weisen außerdem darauf hin, dass die WHO Glyphosat 2015 als wahrscheinlich krebserregend eingestuft hat, während es die EPA weiterhin für unbedenklich hält. Also ich fasse mal kurz zusammen. Wir haben den asiatischen Citrusblatt Flo, der die tödliche HLB überträgt.
Wir haben den jahrzehntelangen Einsatz von Glyphosat zur Errichtung und Erhaltung von Monokulturen. Und wir haben Pharma wie Roy Padaway, die Antibiotika in ihre Orangenplantagen geben, damit das, was noch übrig ist, überlebt. Ohne zu wissen, was das für Auswirkungen auf die Menschheit haben kann. Aber das waren noch nicht alle Gründe für das Sterben der Florida Orange. Es gibt noch mehr Täter.
Flo, hast du eine Idee? Flo, hast du eine Idee? Ich? Moi? Ich meine, ich kann mir nicht vorstellen, dass da jemand aktiv irgendeine Krankheit eingeführt hat. Ich kann mir irgendwie auch nicht vorstellen, dass jemand mächtig genug ist, um eine ganze Industrie in einem Bundesstaat auszulösen. Das ist wirklich gerade komplett raten ins Blaue.
Nee, ich habe wirklich gar keine Idee. Dann habe ich noch eine Frage für dich. Ja. Was könnten Irma, Ian, Helene oder Milton damit zu tun haben? Das klingt wie andere Orangensorten. Ich mache mal weiter. Okay. Als ob das Problem nicht schon groß genug wäre, wurde die Orangenindustrie in Florida von einer Seite historischer Katastrophen heimgesucht.
Ich wollte gerade sagen, oder es könnten Wirbelstürme sein. Aha. Schwere Frostperioden trieben die Anbaugebiete immer weiter nach Süden und in Regionen, die anfälliger für Stürme waren. Und dann kamen sie Irma, Ian, Helene und Milton. Alles Namen von Hurrikanen in den letzten Jahren. Diese Stürme rissen nicht nur die Ernte von den Zweigen, sondern traumatisierten die durch HLB bereits geschwächten Wurzelsysteme der Bäume so stark, dass sie sich nie wieder erholten.
Und für alle, die sich gerade nochmal, wie ich, beim Schreiben gefragt haben, was eigentlich nochmal ein Hurricane ist, das ist ein tropischer Wirbelsturm, der über warmem Wasser entsteht. Wenn das Meerwasser sehr warm ist, steigt Wasserdampf nach oben und es bilden sich Wolken. Und wenn sich die Luft dabei immer schneller dreht und der Wind immer stärker wird, entsteht ein Hurricane.
Hurricane sind sehr gefährlich, weil sie Windgeschwindigkeiten von über 120, kmh erreichen können, oft sogar noch mehr. Und sie bringen eben nicht nur starken Wind, sondern auch heftigen Regen mit sich, der zu Überschwemmungen führt. Also auch davon ist Florida geplagt gewesen und ich habe zwei Fotos von ehemaligen Orangenbaumplantagen dabei. Ich finde, da wird die Tristesse dieser Situation ganz gut sichtbar.
Das ist spannend, dass die dann immer südlicher gerutscht sind mit ihren Anbaugebieten. Und das ist ja auch was, also das kannst du ja nicht von einem Jahr aufs andere machen, sondern das ist ja eine Entwicklung über Jahre. Oh, das ist ja traurig. Wir sehen ja eine Straße und da hinten hängt an dem Zaun ein Schild Oranges.
Schief, aber eben so schief, wie man das eigentlich trappieren würde, um zu zeigen, in einem Film zu zeigen, hier ist nichts mehr los, das Business ist tot. Und ja, das ist für mich schon sehr Florida, dieses Bild. So sieht irgendwie viel aus, was ich von Florida gesehen habe. Es macht nicht so richtig was mit mir, diese Gegend.
Und dann das zweite Bild? Auf dem zweiten Bild sehen wir jetzt die ehemaligen Orangenbäume, muss man sagen. Die sehen fast ein bisschen aus, als wären die verbrannt. Also sehr schwarze, dünne Stämme. Also die sind halt verdörrt. Keine Nährstoffe mehr drin. Ah, das ist ja schrecklich. Ganz schlimm, weil vor allem im Hintergrund, die Bäume sind ja schon relativ groß.
Also sehen schon so aussetzt, wären die viele Jahre alt und hätten viele Jahre gut Früchte getragen. Ja, ganz gut zu wissen ist vielleicht auch, dass sich so ein Orangenbaum erstmal ein bisschen Zeit nimmt, bevor er Früchte trägt. Also das dauert ein paar Jahre, bis du da wirklich eine Ernte erzielen kannst.
Anders bei anderen Pflanzen, wie zum Beispiel Mais oder so. Da kannst du ja jedes Jahr ernten. Bei Orangenbäumen ist das eben anders. Und wenn die erst mal gestorben sind und von innen langsam sterben, dann dauert das eben, bis du, wenn du neue pflanzt, überhaupt wieder ernten kannst und Sachen verkaufen kannst. Ja, ja.
Das heißt also, auch die Natur trägt ihren Teil dazu bei, dass die Florida Orange stirbt. Und dann sind da noch andere Lebewesen, die ihr Unwesen in Florida treiben. Alligatoren. Der Alligator hat es auf die Orange abgesehen. Es sind die Finanzhaie. Wirklich? Nein, war das jetzt dein Gag? Ja. Oh Mann, ey. Witzig, ne?
Kann ich auch. Ich kann auch Dad-Jokes. Ja. Die Finanzhaie, ja natürlich. Ich wollte vorhin schon was in die Richtung sagen, aber ich dachte mir, irgendeine Business-Entscheidung beziehungsweise Entwicklung muss es da ja auch noch geben, dass dieses Geschäft so zusammenbricht, dass wahrscheinlich Investitionen in solche Flächen zurückgehen.
Du meintest vorhin, die Gebiete sind immer weiter Richtung Süden gerutscht aufgrund der Kälteperioden. Das musst du ja irgendwie finanzieren. Du musst ja Plantagen aufbauen. Du sagst, die tragen dich sofort eine Zeit einplanen, wo du, Auf den Return on Investment wartest, dafür brauchst du dein Geld.
Also, dass diese Tierart dann zuschlägt, das habe ich natürlich nicht kommen sehen. Das hast du nicht kommen sehen, habe ich mir gedacht. Während die Bäume in Florida langsam starben, wuchs die Bevölkerung Floridas rasant an. Für viele Farmer war das Land plötzlich wertvoller als die Frucht. Ab dem Jahr 2007 begann die Landesregierung unter dem Druck der Immobilienlobby, Wachstumsmanagementpläne zu erarbeiten.
Der Gouverneur Rick Scott und später Ron DeSantis hoben Regulierungen auf, die die Zersiedlung bisher gebremst hatten. Unter Zersiedlung versteht man die geplante oder ungeplante Ausbreitung von Siedlungen in zuvor unbebaute oder landwirtschaftlich genutzte Gebiete. Diese Entwicklung bringt steigende Infrastrukturkosten mit sich und Naturschützerinnen und Naturschützer bemängeln den Verlust wertvoller Böden und eine erhöhte Umweltbelastung der Landschaft.
Das heißt aber, Orangenhaine werden jetzt gerodet und überall in Florida entstehen Wohnsiedlungen, Einkaufszentren, Solarparks und Rechenzentren, um Platz für Siedlungen wie Citrus Place zu erschaffen. Ein Name, den viele ehemalige Orangenbauern als persönliche Beleidigung empfinden. Also Orangenhaine wurden gerodet und dann sind da Siedlungen entstanden, die so viel heißen wie Citrus Ort, Citrus Place.
Ja, dass das sozusagen der Name der Community dann ist. Ja, ja. Das ist ja eh eine Entwicklung, dass viele nach Florida ziehen im Alter, weil es jahrelang günstig war. Und das ist ganz spannend, weil das verändert sich gerade ein bisschen, dass Florida nicht mehr so günstig ist, wie das jahrelang war.
Es hat immer noch steuerliche Vorteile, weil es dort keine Einkommenssteuer gibt. Das heißt, wenn du viel verdienst, beziehungsweise wenn du alt bist und irgendwie gewisse Auszahlungen hast, zahlst du darauf dann keine Steuern, keine Bundesstaatsteuern. Also du zahlst natürlich weiterhin Federal Taxes, heißt das.
Also du zahlst an das Land Amerika weiter Steuern, aber du zahlst nicht an den Bundesstaat. Deswegen ziehen da viele hin. Plus natürlich das Wetter. Aber die finanziellen Vorteile, also dass es irgendwie sehr, sehr günstig ist, dort zu wohnen, das ändert sich gerade so ein bisschen. Aber ja, von diesen Anlagen gibt es tausende Millionen.
Also es ist ja wirklich, an jeder Ecke gibt es halt so eine Community. Ja, du bist der richtige Gesprächspartner für diese Folge, denn du bringst dir die Informationen, die unser eins natürlich gar nicht wissen kann. Ja, über das amerikanische Steuersystem. Dann machen wir doch mal eine extra Folge dazu, oder? Sehr gern, ja. Ich liebe das Thema Steuern.
Also das ist das eine Ding, wo die Finanzhaie unterwegs sind beim Thema Zersiedlung und Verkauf oder Ankauf eben von Flächen. Aber ist es nicht nur das? Auch die Struktur der ganzen Citrus-Industrie hat sich verändert. Große Konzerne wie PepsiCo verkauften Traditionsmarken wie Tropicana an den französischen Private Equity Fonds PAI Partners.
Diese Firmen belasteten die Unternehmen mit hohen Schulden, reduzierten die Qualität und erhöhten die Preise. Das Ergebnis war eine Welle der Empörung über Shrinkflation, ein beliebtes Wort aus der Besseresserwelt. Gleichzeitig wurde Florida dann zu einem bloßen Lagerraum für Saft aus Brasilien oder Mexiko.
Heute stammen bis zu 80% des in Florida abgefüllten Saftes aus dem Ausland. Das war früher auch ganz anders. Also es gab natürlich nicht nur die Plantagen und Heine, sondern es gab auch riesige Abfüllanlagen und Verarbeitungsorte, an denen aus den Orangen eben der berühmte Saft geworden ist. Und mittlerweile wird da die Orange importiert und abgefüllt, aber es haben auch sämtliche Fabriken, Abfüllanlagen dicht machen müssen.
Am Ende, ja, das trifft die Orange und das trifft alles andere. Vor allem in der Landwirtschaft ist es einfach in westlichen Ländern schwer oder wird es immer schwerer, Preise zu produzieren, die Menschen zahlen wollen durch steigende Lohnkosten etc. Und Vorschriften werden viele Sachen einfach viel, viel teurer.
Und wenn dann so ein Private Equity Fund einsteigt, der sagt, das ist uns alles hier scheißegal, wir sehen nur das Geld und wir sehen am Ende nur die Zahl, dann geht das ganz schnell. Ja, das heißt, der Untergang der Floyd Orange kommt auch aus dieser Richtung der Industrie und der Finanzwelt. Der Fall der Florida Orange ist eine Tragödie der Kausalitäten.
Die Krankheit hat die Florida Orange nicht allein getötet. Die Hurricane auch nicht, die Antibiotika auch nicht, die Bauträger auch nicht, die Investoren auch nicht. Es war ein perfektes Zusammenspiel aus einer unheilbaren Seuche, einem unerbittlichen Klimawandel, der Gier des Immobilienmarktes und ökonomischen Fehlentscheidungen.
Und somit das perfekte Verbrechen, weil jeder Beteiligte nur einen kleinen Teil dazu beigetragen hat und man am Ende den Wald vor lauter abgestorbenen Orangenbäumen nicht mehr sieht. Die einst mächtige 7 Milliarden Dollar Industrie ist in sich zusammengebrochen. WissenschaftlerInnen arbeiten fieberhaft an gentechnisch veränderten Bäumen, doch die Entwicklung könnte noch 12 bis 18 Jahre dauern, Zeit, die die meisten verbliebenen Farmer nicht mehr haben.
Während Kalifornien Florida als führenden Citrusstaat abgelöst hat, bleibt im Sunshine State nur noch die Erinnerung. Die Orange verschwindet aus der Landschaft und bleibt nur noch als nostalgisches Symbol auf den Nummernschildern der Autos erhalten, die an den gerodeten Hainen vorbeifahren. Zehntausende Menschen haben ihre Jobs und damit ihre Lebensgrundlage verloren, Der Sundrop, wie die Native Americans die Orange einst nannten, ist versiegt.
Ha, verrückt. Ja, der Fall der Orange. Wirklich ganz spannend, weil du hast am Ende gerade angesprochen, wie lange das dauert, noch eigentlich neue Sorten zu entwickeln, die marktreif sind, die man wirklich anbauen kann. Ähnliches passiert auch gerade bei verschiedenen Äpfeln. Da wollte ich auch schon mal was zu machen. Aber vielleicht ist das mal was für eine gemischte Platte, wo es da ist eine sehr spannende Geschichte, wie an verschiedenen Apfelsorten geforscht wird, die man, natürlich resilienter machen kann gegen Umwelteinflüsse, gleichzeitig aber auch einen Apfel erschafft, der Menschen schmeckt.
Was das für ein kompliziertes Konstrukt ist, wie lange das dauert. Auch ich glaube, ohne dass ich jetzt tief drinstecken würde, ich glaube auch eine neue Sorte erstmal an den Mann oder an die Frau zu bringen ist gar nicht so leicht, weil man hat ja seine Produkte, seine Sorte, die man gerne mag und gerne isst und davon muss man ja erstmal abrücken.
Richtig, ja. Also ganz spannend, weil selbst wenn es vielleicht in 10, 15 Jahren eine neue Orange gibt, die man in Florida anbauen könnte, dann kommen wieder die anderen Themen dazu, die du angesprochen hast. Gibt es den Raum noch? Ist das Geld gerade dafür überhaupt da? Oder ist das jetzt das Ende des Orangenanbaus in Florida? Ja.
Also es sieht düster aus, so viel kann ich sagen. Und damit stirbt halt das Symbol einer ganzen Region. Das hatte ich so nicht auf dem Schirm. Ja, ich vorher auch nicht. Ich weiß, dass das kein klassischer Foodcrime war. Ich finde doch, dass er kriminelle Machenschaften und zumindest Eigenschaften von Kriminellen beinhaltet. Deswegen wollte ich ihn unbedingt machen.
Du musst dich gar nicht rechtfertigen dafür, dass das jetzt kein klassischer Fall ist, weil wir sind ja sehr breit in unserem Themengebiet und ich finde, also ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mir gefällt das an uns. Ja, ich glaube den Leuten gefällt das auch, ich wollte mich auch nicht unbedingt rechtfertigen, ich wollte nur nochmal erklären oder abschließend sagen warum solche Fälle dann doch Platz hier finden, weil sich vielleicht der ein oder die andere die Frage gestellt haben könnte und falls nicht dann nicht nicht wahr?
Okay, dann freue ich mich jetzt Flo auf deinen heutigen Foodcrime den du mitgebracht hast, Ja, ich habe einen Foodcrime von Daniel dabei. Daniel hat geschrieben und Daniel kommt aus dem schwäbischen Teil unseres schönen Landes, wie er schreibt. Er bezieht sich gleich auf zwei Produkte aus dieser Gegend. Zum einen einmal auf die Maultasche und auf die Spätzle. Und wir können die ja beide einmal gerne durchsprechen.
Und zum einen sagt er, es gibt Menschen, die Maultaschen und Spätzle mit Tomatensauce mischen oder Maultaschen mit Käse überbacken. Das ist nicht traditionell und auch nicht lecker. Maultaschen gehören in die Fleischbrühe und Spätzle nicht in Tomatensauce. Was meint ihr? Ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe noch nie jemand gesehen, der Spätzle mit Tomatensauce mischt. Aber wenn, würde ich auch sagen, raus, weg, tschüss.
Das geht gar nicht. Das geht gar nicht. Maultaschen mit Käse überbacken, bin ich gespalten. Ganz ehrlich, wer Dinge mit Käse überbacken möchte, soll dies tun. Es wird alles geiler. Egal, was du mit Käse überbackst, es wird immer besser. Meiner Meinung nach. Genau, da schließe ich mich komplett an. Ich finde die Vorstellung, eine überbackene Maultasche zu essen, schön, tatsächlich, auch wenn ich es noch nie gemacht habe.
Ganz warm. Aber warum sollte das nicht schmecken? Also ich meine, Spätzle mit Tomaten, die so werden auch schmecken. Aber genau, alles, was man mit Käse überbackt, ist eine gute Sache. Ich glaube, es ist das Traditionelle, dass das so bitte nicht geht. Auf der anderen Seite, und da möchte ich meinen persönlichen Foodcram zum Thema Maultaschen aufmachen, ist, dass Maultaschen in meinem Kopf, die sind, die man so im Supermarkt kauft.
Also die so ein bisschen ravioli-förmig, also eine gefüllte Teigtasche sind. Ja, die so, keine Ahnung, wie groß sind die, so zweimal fünf Zentimeter oder dreimal fünf Zentimeter. Also das ist für mich eine Maultasche. Als ich, es ist schon eine Weile her, aber als ich irgendwann mal in Stuttgart, in der Nähe von Stuttgart war, war ich in einem Restaurant und da habe ich auch eine Maultasche bestellt.
Wird mir so ein Teller hingestellt mit so einer großen Scheibe Fleischwurst. Also wirklich sah aus wie so eine aufgeschnittene Fleischwurst, so eine große, so Durchmesser, vielleicht zehn Zentimeter. Und ich schaue den Kellner völlig entgeistert an und bin so, äh, was ist denn das? Ich habe ihm eine Maultasche bestellt und er so, das ist eine Maultasche.
Ich so, hä? Aber das ist doch keine Maultasche. Doch, so und dann, das ist traditionell eine Maultasche. Es gibt scheinbar auch die Maultasche, wo man einfach sehr viel Fleisch in so eine hauchdünne Schicht Nudelteig einrollt. Und dann wird das aufgeschnitten, angebraten und auch in so einer Brühe serviert.
Das fand ich schrecklich, weil das war einfach nur so billiges Fleischbrät. Und ich möchte mir doch nicht so ein Radwurst einfach reinfahren. Das hat für mich nichts mit Maultaschen zu tun. Und mein Foodcrime ist also in der ganzen Maultaschengeschichte, dass es keine einheitliche Definition für Maultasche gibt.
Wir haben über die Klöße letzte Woche geschrieben. Klöße, Knödel, Dingsbums, auch alles irgendwie unklar. Bei der Maultasche, das sollte bitte mal von der Firma DIN, von der DIN-Norm mal bestätigt werden, dass es da eine Form von Maultasche gibt. Das andere ist von mir aus ein Fleischrad oder so. Das, was du gerade beschrieben hast, ist doch auch eine gefüllte Teigtasche.
Ja, aber nicht in der Form und der Menge. Ach so. Ja, die Dimension, die kann ich mir gerade irgendwie nicht so richtig vorstellen. Also ich habe nicht verstanden, wie das Produkt, was dir da vorgesetzt wurde, aussah. Ich halte es hier gerade von meinem Gesicht, ja, also kann niemand sehen, weil wir kein Videopodcast sind, aber ungefähr so groß, dieses Fleischteil war so groß wie mein Gesicht. Das war wirklich, das war wie so eine große, runde Scheibe Wurst einfach, die auf dem Teller lag.
Und das sah dann unaufgeschnitten auch aus, wie so eine fette Wurst und die wurde einfach so eine Scheibe von abgeschnitten. Warte mal kurz. Da wird sich einer weggetippt. Ich schau mal ganz kurz, ob ich ein Bild finde von dem, wie mir das serviert wurde. Weil ich hab das davor nicht gesehen und ich hab das danach nicht gesehen.
Aber dieser Kellner hat mich angeschaut, als wäre ich der dümmste Mensch auf der Welt, weil ich sowas noch nie gesehen habe. Und es war, ja, warte mal, so ungefähr das hier. Warte mal, ich schicke dir das mal. Vielleicht muss ich noch ein besseres Bild finden, weil es war größer als das, aber ungefähr so.
Also es war im Grunde fast nur Fleisch und dann so ein bisschen so hauchdünn Nudelteig drumrum. Da finde ich dich jetzt streng. Bitte? Das war größer als das, was ich dir geschickt habe. Es war ungefähr doppelt so groß. Ja, dann verstehe ich die Irritation. Aber an sich, finde ich, ist das von der Produktsituation ziemlich ähnlich einer Maultasche, wie wir sie kennen. Gut, dann lief mein Foodcreme hier komplett ins Leere.
Ist ja auch mal in Ordnung. Aber es ginge heute eigentlich auch nicht um deinen, sondern um den von ... Von Daniel. Von Daniel. Ja, und bei Daniel gehen wir mit. Spätzle gehören auf gar keinen Fall ... In Tomatensauce, aus unserer Sicht, darf die Maultasche aber gerne mit sehr viel Käse, mit einem schönen Gruyère überbacken werden. Mit allem, ja.
Ich kenne nicht nur die originalen Zubereitungsformen einer Maultasche. Aber ich habe letztens eine Maultasche in kleine Streifen geschnitten, angebraten und dann da so ein Ei drüber gehauen. Oh, das ist der Ohr. Und mit Zwiebeln. Und da meinten dann viele im Büro zu mir, ja, das ist auch klassisch. Ja. Aber ich haue ja gerne auch einfach ein Ei über alles drüber, was ich so noch in die Pfanne schmeißen kann.
Oh, das kommt doch fantastisch. Boah, das war so lecker, Flo. Also das war so gut. Da läuft mir schon wieder das Wasser im Mund zusammen. Also Mautascha an sich einfach ein gutes Produkt. Ja, und jetzt kleine Verbindung aus letzter Woche und heute. Wenn ihr mal in Wien seid, geht in das Café Europa im siebten Bezirk.
Am besten so nachts um drei, weil die haben auch die ganze Nacht auf. Bestellt Knödel mit Ei. Das hittet so hart. Wenn man so zwei, drei Bier drin hat und dann noch was zum Essen möchte, dann Knödel mit Ei, das ist genau das. Das ist einfach so aufgeschnittene Knödel. Ei drüber, Schnittlauch drüber und so ein ganz leichter Salat.
Einfach mit einem unspektaküllen Dress. Es ist so gut. Das ist so lecker. Ich habe wirklich so einen Hunger gerade. Das ist ganz schlimm. Es ist 8 Uhr. Ich habe auch Hunger. Ich würde sagen, damit beenden wir es. Ja, damit beenden wir es. Das war ein spannender Fall, von dem ich noch nie was gehört habe.
Der Fall der Florida Orange. Der Aufstieg und Fall der Florida Orange. Der Aufstieg und Fall einer amerikanischen Ikone. so möchte ich die Folge nennen. Okay, okay. Mach das doch. Ich wünsche euch was. Adele. Wir hören uns nächste Woche wieder. Liebe Grüße. Bis dahin. Tschüss. Ja, warte mal, ich glaube, die Bitch ist frustriert. Ich hole die mal kurz rein.
Flo spricht von seinem Hund. Falls ihr euch gefragt haben solltet, wer das ist. Aber vielleicht landet das eh nicht drin. Vielleicht hört ihr das jetzt aber auch bei den Outtakes. Wer weiß das schon. Ich rede einfach weiter. Was Frankie will spielen? Ich bin so frustriert. Die hat jetzt geschlafen und jetzt ist...
So ein bisschen, weißt du, wie in Deutschland jedes zweite Meet-Out... Fuck, Alter. Was ist mit Frankensperger? Stress, ey.