Food Crimes - Was schmeckt dahinter?

#83 Charles Francis Hall: Ein letzter Kaffee im ewigen Eis (feat. Darwin Gefällt Das)

Dienstag, 16. Juni 2026 · 1 h 04

MP3

Shownotes

Es weht ein eisiger Wind über die grönländische Weite. Seit Wochen liegt das Expeditionsschiff USS Polaris hier im Eis. Das Einzige was Charles Francis Hall jetzt braucht, ist eine Tasse Kaffee. 14 Tage war er unterwegs, hat Moschusochsen gejagt und eine Route zum Nordpol gesucht. Im kommenden Frühjahr soll er, im Auftrag der US-Regierung, als erster Mensch den Nordpol erreichen. Doch dazu wird es nicht kommen.

Wenige Minuten nachdem Hall den Kaffee getrunken hat, bricht er zusammen. Er muss sich übergeben und fällt kurz darauf in ein Delirium. In den Momenten in denen er sprechen kann, sagt er immer wieder: Der Schiffsarzt, der hat mich vergiftet. Wenige Tage später, ist er tot. Und mit ihm verschwindet im grönländischen Permafrost-Boden ein Geheimnis, dass die US-Regierung unter den Teppich kehren und erst 100 Jahre später gelüftet wird.

Unsere Gäste sind Anna und Christian vom Podcast “Darwin Gefällt Das” (darwingefaelltdas.de). Am Südpol waren sie für eine Folge schon einmal, Zeit also, dass wir gemeinsam in Richtung Norden reisen.
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Es wird ein eisiger Wind über die grönländische Weite. Seit Wochen liegt das Expeditionsschiff USS Polaris hier im Eis. Das Einzige, was Charles Francis Hall jetzt braucht, ist eine Tasse Kaffee. 14 Tage war er unterwegs, hat Moschusochsen gejagt und eine Route zum Nordpol gesucht. Im kommenden Frühjahr soll er im Auftrag der US-Regierung als erster Mensch den Nordpol erreichen.

Doch dazu wird es nicht kommen. Wenige Minuten nachdem Hall den Kaffee getrunken hat, bricht er zusammen. Er muss sich übergeben und fällt kurz darauf in ein Delirium. In den Momenten, in denen er sprechen kann, sagt er immer wieder, der Schiffsarzt, der hat mich vergiftet. Wenige Tage später ist er tot.

Und mit ihm verschwindet im grönländischen Permafrostboden ein Geheimnis, dass die US-Regierung unter den Teppich kehren und erst 100 Jahre später gelüftet wird. Das ist Food Crimes. Was schmeckt dahinter? Mit Lili Temmel, Florian Rietzer und den besten Gästen aller Zeiten. Anna und Christian vom Podcast Darwin gefällt das.

Der Mensch ist ein faszinierendes Wesen. Das weiß niemand besser als unsere heutigen Gäste. Denn für jede erfolgreiche und tolle Idee gibt es jemand, der im Größenwahn und Desaster endet. In ihrem Podcast widmen sich die beiden genau diesen Menschen. Den Fails der Geschichte, den Ideen, die oft aus gutem Grund nichts wurden.

Diese Momente erzählen sie nicht nur gut informiert, sondern auch immer mit einer guten Prise Humor. Am Südpol waren sie für eine Folge schon einmal. Zeit also, dass wir gemeinsam in Richtung Norden reisen. Schön, dass ihr da seid. Danke für die Einladung. Ja, danke für diese nette Intro. Das hat sich so ein bisschen so angefühlt wie bei, kennt ihr noch diese Talkshow Roche und Böhmermann? Ja.

Wo die alle so ein geiles... Da geht es jetzt aber schon mit großen Komplimenten rein. Ja, das ist so geil, weil es jetzt auch nicht... Nein, Quatsch. Aber so hat man sich so gefühlt, so, ah ja, was erzählen die jetzt über mich? Ah ja, gut informiert, humor. Ich muss sagen, ich habe diesen Fall zuerst gefunden und habe festgestellt, dass ihr schon mal so eine ähnliche Folge gemacht habt. Es ist jetzt schon drei Jahre her, ich weiß nicht, ob ihr euch noch daran erinnert, aber im Allgemeinen so Polarexpeditionen, da könntet ihr wahrscheinlich ein halbes Jahr mit füllen.

Immer ein gutes Thema. Auf jeden Fall. Könnt ihr euch noch an alle eure Fälle erinnern? Weil ihr macht es ja schon wesentlich länger und mir geht es jetzt schon so bei Flo und mir, dass ich manchmal denke, haben wir diese Geschichte schon mal erzählt? Irgendwie bin ich mir ganz oft ganz unsicher und euch muss das ja wahrscheinlich auch so gehen, oder?

Also ich glaube, ob wir es schon mal erzählt haben, kriege ich gerade noch so auf die Kette. Erst recht, wenn man anfängt nochmal reinzulesen. Aber manchmal trifft man ja Hörerinnen oder Hörer und dann sagen sie, ja, also in der Folge, wenn dann irgendwie dann in der Hälfte der Folge, da sagt er folgendes und ich so, wann? Das war vor drei Jahren.

Ich kann mich ja nichts, also so ist alles gelöscht von den Details, aber grob kriege ich noch. Also die Folge heißt Ice Edge, ist auch ein fantastischer Titel, für alle die da nochmal reinhören wollen. Es gibt auch viele Parallelen tatsächlich zu dem heutigen Fall, die werde ich immer wieder ansprechen, vielleicht glimmt dann noch so ein letzter Erinnerungsfunk auf.

Das ist die Folge von Falcon Scott Robert Falcon Scott und die Expedition zum Südpol, Und genau, heute geht es ja an den Nordpol. Habt ihr von Charles Francis Hall schon mal gehört? No. Nein. Perfekt. Kicken euch so Polarexpeditionen? Also so eine, man kann ja auch so reisen zum Südpol, kann man ja buchen, weiß nicht, wie weit man in den Norden reisen kann, aber kickt euch sowas?

Ich habe Angst vor sowas auf jeden Fall. Ich habe immer Angst, zu weit weg zu sein von Zivilisation. Das ist einfach, da kriege ich sofort irgendwie Zustände. und ich mag Kälte auch nicht besonders. Also da kommt eigentlich alles zusammen. Also das wird nix. Das wird nix. Das ist bei mir ganz ähnlich. Also, nee.

Ich schließe mich an. Das Maximum wäre noch mit so einem Luxuskreuzfahrtschiff so an so ein paar Pinguinen vorbeituckern. Auch das nicht. Zu eng. Ich muss da weglaufen. Nee, da kommst du mit Hunter-Virus zurück. Da funktioniert das Klo zwei Wochen nicht. Da hab ich keinen Bock, da bleib ich lieber zu Hause.

Ich schließe mich den beiden an, plus der Faktor Boot ist wirklich abstoßend für mich, ich kann mir wirklich gar nicht vorstellen, für längere Zeit auf einem Boot zu sein und das wäre bei so einer Polarexpedition ja der Fall, deswegen nein. Das klang aber ganz anders, als du letztens diese Yacht gekauft hast.

Das läuft gut bei euch. Too soon. Ja, ja, es läuft, habe ich mir mal was Kleines gehört. Nee, ich finde mal einen kleinen Bootsausflug an sich, den finde ich ganz nett. Aber so große Schiffe, ja, Horror. Wir werden das Schiff heute noch sehen. Generell, für einen historischen Fall gibt es heute A, sehr, sehr viele Informationen und auch sehr, sehr viele Bilder.

Was mich natürlich freut, weil ich endlich mal wieder einen historischen Fall erzählen kann, ohne auf die Detailtiefe zu verzichten. Das heißt, ihr bekommt Fotos, die ihr jetzt auch auf unserer Website sehen könnt. Wasschmecktdahinter.de, ihr könnt sie sehen. Wenn ihr unseren Newsletter abonniert, alles neu.

Es ist ganz aufregend für uns. Schreibt uns bitte, was ihr dazu denkt, wie ihr die Website findet. Es gibt nichts mehr auf Instagram. Also doch, ein bisschen was gibt es noch auf Instagram. Da könnt ihr uns auch folgen. Aber die Fotos gibt es ab jetzt auf unserer Website und im Newsletter. Und über Steady könnt ihr die folgen. Werbefrei hören und euch Zusatzmaterial freischalten.

Und wir sind ganz beseelt, weil es haben schon die ersten von euch Abos abgeschlossen. Deswegen haben wir heute folgende Parten für die Folge. Julia, Mario, Gabriele, Jan, Sarah, Andreas, Svanche, Luna, Judith, Felix und Gabriela. Vielen, vielen Dank. So, jetzt noch der Hinweis, dass dieser Fall ein Vorschlag war. Und zwar von unserem Edelfan und der Frau, die mich und meine Frau getraut hat. Johanna, danke dir.

Liebe Grüße. Ich glaube, das ist schon das zweite Mal, dass wir den Fall von Johanna besprechen. Ja, ja. Toll. Also an alle da draußen, nehmt euch ein Beispiel an Johanna. Ich muss aber sagen, ihr schickt eh sehr viele Fälle. Wir kommen nicht hinterher. Wir wollen auch noch unsere eigenen Fälle machen.

Hört bitte auf damit. Richtig. So, los geht's. Eigentlich hatte nichts darauf hingedeutet, dass Charles Francis Hall irgendwann einmal die ambitionierteste Polarexpedition der USA leiten würde. Geboren wird Hall 1821 in New Hampshire. Die Schule beendet er nach der 8. Klasse und beginnt dann eine Ausbildung als Schmiedelehrling.

Viel mehr ist über seine Jugend und frühen Zwanziger nicht bekannt. Wir wissen nur, dass er zu dieser Zeit seine Frau Mary heiratet und mit 27 Jahren und wenig Geld nach Cincinnati in Ohio umzieht. Damit entfernt er sich zwar erstmal geografisch weiter weg vom Nordpol, es wird zu dieser Zeit aber klar, dass wir es hier mit einem Getriebenen zu tun haben.

Einem Mann, der das große Abenteuer sucht, aber auch einem, der als ehrgeizig, launisch, jehzornig und unruhig beschrieben wird. Und jetzt habe ich diese Begriffe schon einmal in den Raum geworfen. So normalerweise nicht machen, bevor wir Bilder sehen. Aber ich möchte euch jetzt ein Bild von ihm zeigen. Und ihr könnt ja mal abgleichen, ob das mit diesem Mann übereinstimmt, den ihr da seht.

Der sieht aber ganz schnick aus, finde ich. Ja, ne? Macht seine Frisur. Ja, der sieht aus, als wäre er der Herausgeber von der großen ostdeutschen Tageszeitung oder so. Oh Christian, du wirst dich doch freuen, was gleich kommt. Ja, beschreibt ihn gerne noch ein bisschen. Was seht ihr da? Einen sehr tief sitzenden Seitenscheitel. Ja.

Also ich hatte so einen ähnlichen Scheitel in der 12. Klasse ungefähr. Einer, der man so über die Stirn kämmt. Und er hat einen ziemlich dicken Rauschebart, Vollbart. Und er sieht gut gekleidet aus. Man sieht seine Kleidung nur so angeschnitten, aber es sieht aus, als würde er ein Jackett oder vielleicht sogar ein Frack oder sowas tragen. Und drunter auf jeden Fall eine schimmernde Weste.

Also der sieht auf jeden Fall auch so aus, als hätte er Geld. Als Bartträger, Christian, bist du da neidisch? Nee, gar nicht so. Ich überlege mir ja seit inzwischen schon fast Jahren, ob ich meinen Bart wieder abnehmen soll. Weil ich glaube, die Zeit des Bartes, war zwischen 2012 und 2024. Und ich glaube, ich altere da langsam raus. Mein Vater hatte fast sein ganzes Leben lang einen Schnurrbart, einen Oberlippenbart.

Und der hat ihn dann abgenommen, gerade als er wieder cool wurde. Also er hat es gerade nicht geschafft und deswegen irgendwie, also ich muss irgendwie den Absprung rechtzeitig kriegen und ich überlege mehr. Na gut, dann werden wir dich wahrscheinlich nicht in Charles Francis Hallmann hier sehen, aber du hast es gerade schon angesprochen, er sieht aus wie ein Verleger einer ostdeutschen Zeitung.

Ja, wie Holger Dingens, man kennt's ja doch von der Berliner Zeitung, Holger und Simone heißt doch dieses Gruselpaar, dass er diese Zeitung hat, oder? Die Berliner Zeitung. Haben die die immer noch? Ich glaube schon, ja. Ich lese mal den nächsten Satz vor. In Cincinnati sitzt Charles Francis Hall nicht still.

Er meldet ein Patent für eine Siegelpresse an und mit Ende 20 publiziert er seine eigene Zeitung. Die Cincinnati. Christian. Musik. Die Zeitung heißt Cincinnati Occasional. Also so die Cincinnati gelegentlich. Und Zeitung ist vielleicht etwas hochgegriffen. Es waren eher ein paar Blätter mit aktuellen News, die der junge Mann Woche für Woche auf den Markt wirft.

Die Occasional war vielleicht also eher das, was heute ein Nischen-Podcast wäre. Ein Ort, an dem ein junger Mann seine Faszination und besonderen Interessen teilt. Occasional ist aber auch so maximal unambitioniert, oder? Ja, also ich bringe ja was raus, aber es kommt nur manchmal. Mal. Er hat sich mal zu weekly geschafft.

Nur ganz manchmal. Das muss schon besonders sein. Ich finde das aber ganz gut. Ich finde, da wird Erwartungsmanagement betrieben. Da erwartet man einfach nicht zu viel von seinem Blättchen. Aber so wie ich das verstanden habe, ist die trotzdem wöchentlich rausgekommen. Aber mal montags, mal dienstags. Wahrscheinlich, ja.

Ich habe die Zeit so ein bisschen zusammengedampft, weil noch so viel passiert, dass ich mich jetzt nicht zu sehr in diese Zeit vertieft hat. Wer da weiterlesen möchte, es gibt zwei Bücher, die man auch online lesen kann, also wo man gezielt suchen kann nach der Zeit, wo er in Cincinnati war, kann ich gerne mit auf die Website packen.

Also der Mann sitzt in Cincinnati, hat seine Zeitung gegründet, aber er will ja irgendwann zum Nordpol und wie es dazu kommt, ist eine lange Geschichte. Ob er in seiner Zeitung auch schon über die Arktis geschrieben hat, lässt sich heute nicht mehr so richtig nachvollziehen. Klar ist nur, Mitte des 19. Jahrhunderts löste die Arktis auf die Menschheit eine ähnliche Faszination aus, wie heute für uns die Raumfahrt und eine Reise zum Mond.

Technisch irgendwie möglich, aber quasi unerreichbar. In den USA war insbesondere die Franklin-Expedition in aller Munde. Eine Expedition, bei der die britische Royal Navy unter dem Kommando von Sir John Franklin einen Weg durch die Nordwestpassage finden wollte. Also eine Abkürzung vom Atlantik zum Pazifik durch die arktischen Gewässer des heutigen Nordkanada.

Doch obwohl diese Expedition exzellent vorbereitet ist, verschwinden sie 1845 spurlos im Eis der Arktis. Niemand weiß, was mit den 129 Besatzungsmitgliedern passiert ist. Mehr als 80 Suchexpeditionen machen sich auf die Suche nach Franklin und seinen Männern. Und auch ein semi-erfolgreicher Verleger aus Ohio ist davon überzeugt, dass Überlebende der Franklin-Expedition bei den Inuit leben könnten und es seine christliche Pflicht sei, diese zu finden und zu retten.

Du hast gerade so wissend genickt, Christian, bei der Franklin-Expedition. Nee, ich denke die ganze Zeit darüber nach, ob ich einen dummen Joke machen soll. Aber ich vergleiche es mir. Du, dafür ist hier Raum. In meinem Kopf ist die ganze Zeit so, kennt ihr noch Franklin, den Sat.1 Nachmittagstalker aus den 90ern, der danach auch so Zaubershows ein bisschen gemacht hat?

Ich denke mir die ganze Zeit, das ist Franklin, der da gesucht werden muss, der lebt bei den Inuit oder so. Gleichzeitig gibt es aber auch irgendwie so einen kleinen Kinder-Cartoon, wo Franklin eine Schildkröte ist. Ich muss dafür beim Namen Franklin schmutzeln. Es tut mir leid, so funktioniert mein Hirn.

Für den großen Seit-eins-Film-Film wurde Franklin in die Arktis geschickt. Ja, Franklin darf aber nur die Leute interviewen, die da gehen, weil noch nicht mal dahin schafft das. Wann kommt eigentlich der Podcast raus, was ist eigentlich aus Franklin geworden? Oh ja, die Franklin-Story. Die Franklin-Story.

Frage ich mich gerade, wo wir doch bei so schönen 90er-Nostalgie- oder Nullerjahre-Nostalgie-Podcasts gerade angekommen sind, die irgendwie hypen. Also die Idee dürft ihr haben, alle Podcast-Produzenten da draußen. Die Idee schenke ich euch, könnt ihr haben. Bietet es mal an. Ja, also Franklin ist in der Arktis unterwegs und ich habe das gerade in so einem Halbsatz schon reingeworfen.

Charles Francis Hall ist sehr, sehr christlich und sehr, sehr gläubig und das wird im Laufe der Folge noch ein Thema. Also er will jetzt nicht da hochreisen und diese Leute finden, weil er irgendwie Bock auf Arktis hat, sondern weil er das als seine christliche Pflicht sieht. Das mal so für den Hinterkopf.

Aber ihr könnt es euch denken, als Schmied und Zeitungsverleger hat Hall ungefähr so viel Wissen zum Thema Arktis-Expedition wie ich, also Cero. Im Gegensatz zu mir entwickelt er aber geradezu eine Obsession. Er liest alles, was er über arktische Geografie und die Geschichte früherer Expeditionen findet.

Er analysiert Reiseberichte von Personen, die in lebensfeindlichen Regionen überlebt hatten und bringt sich die Grundlagen der Navigation im Selbststudium bei. Von 1860 bis 1862 geht er dann auf seine erste Expedition. Er lebt bei den Inuit, lernt deren Sprache, Essgewohnheiten und schläft in Iglus. Hawr sagt später selbst, die Arktis sei sein Heim, sein irdischer Himmel.

Und von dieser Zeit mit den Inuit gibt es auch ein Foto, was ich euch natürlich nicht verheimlichen möchte. Es ist eine Zeichnung? Ja, ich würde gerade sagen, cooles Foto. Die hat er selbst gemacht, oder? Ja, wobei sie ist eigentlich ziemlich gut, aber er sieht halt extrem geil aus. Also deswegen, Christian, ich bin bei dir, das hat er selber gezeichnet.

Alle sind kleiner als er. Ja. Er umarmt. Schlecht ausgeleuchtet. Das sieht aus wie so, ihr kennt ihr doch diese Facebook-Fotos aus den 10er Jahren, wenn Leute dann irgendwann ihr soziales Gewissen entdeckt haben für so ein halbes Jahr und dann irgendwie in Afrika einen Brunnen gebaut haben oder so. Es hat was Gönnerhaftes.

Ja, auf jeden Fall. Das war auch mein erster Impuls, glaube ich, als ich das Foto gesehen habe. Kommt mal her, stellen uns mal hin. Komm, der Vati ist doch da und beschützt euch. Die Person rechts, der Name steht auch unten, Ebir Bing, ist ein Inuit, der ihn auch in den nächsten Jahren bei seinen weiteren Reisen begleiten wird.

Also das wird im Grunde so sein, vielleicht könnte man sagen, sein persönlicher Assistent. Ja, der ist immer da, genau, der ist immer da, begleitet ihn bei allen Reisen und ist sein Best Man. Ist es wie so, wenn man irgendwie im Himalaya wandern, also Bergsteigen geht, wie so ein Sherpa oder sowas? Ja, genau. Und das sind ja meistens in diesen Geschichten diejenigen, die eigentlich die ganze Arbeit machen, während sich die dann irgendwie so rumtragen lassen. Also ja, ja, mach mal, geh mal jagen.

Ich muss ein bisschen schlafen. Aber, und das hatte ich ja schon vorher angesprochen, Charles Francis Hall ist ein Getriebener. Also der lässt jetzt nicht andere vorgehen. Der will schon immer selber an der Front sein und den ersten Schritt machen. Also da ist ja nicht so, dass er die Arbeit komplett von anderen machen lässt.

Er findet tatsächlich auf dieser Expedition auch Knochen und andere Überreste der Franklin-Expedition. Also in gewisser Weise war diese erste Expedition auch erfolgreich. Er erstellt auch Karten von unbekannten Gegenden. Also ja, es ist schon faszinierend, was er sich da in kurzer Zeit drauf geschafft hat.

Man könnte auch sagen, Charles, Francis Horace, der lebende Beis, für den dämlichen Satz, alle haben gesagt, es geht nicht und dann kam einer und hat es einfach gemacht. Beziehungsweise in seinem Fall, er hat es jezornig und launisch gemacht. Denn hatten ihn die Inuit und ihre freie Art zu leben anfangs noch fasziniert, fand er sie bald nur noch unzivilisiert und unzuverlässig.

Dass man bei Hall immer mit einem plötzlichen Stimmungswandel rechnen musste, zeigte sich auch auf seiner zweiten Reise in die Arktis zwischen 1864 und 1869. Als diese Expedition 1868 nicht mehr wie gedacht vorankam, erschießt Hall einen Mann aus der Crew, da er davon überzeugt war, dass dieser mit anderen eine Meuterei plante.

Da der Vorfall aber außerhalb des britischen Territoriums stattfindet, wird Hall nie strafrechtlich verfolgt. Im September 1869 kehrt Hall dann als freier Mann zurück und hat nur ein Ziel. Er möchte als erster Mensch den Nordpol erreichen. Ihr hattet in der Ice Edge Folge auch über die Kosten so einer Reise gesprochen.

Ich werde auch gleich noch auflösen, was die Reise dann gekostet hat am Ende. Wenn ihr jetzt daran denkt, ihr wollt zu diesem Zeitpunkt, wir sind jetzt 1869, so eine Reise zum Nordpolplan, wie finanziert ihr euch das? Wo kommt das Geld am besten her? Naja, er wird sich wahrscheinlich irgendwelche Geldgeber aus höheren Schichten gesucht haben.

Also er geht wahrscheinlich zu irgendwelchen hochrangigen Leuten in Großbritannien, die was zu sagen haben und die vor allem Kohle haben, um solche Expeditionen zu unterstützen und da natürlich auch ihren Namen drunter setzen wollen. Ja, da gehe ich mit. Oder er macht halt irgendwie so ein Steady oder so auf.

Und dann sagt so, hey, Leute, für 4,99 Euro im Monat, mein Ziel, ich will Nordpol, seid doch dabei. Da gibt es nämlich auch irgendwie occasionally den Reisebericht. Occasionally eine extra Folge. Genau. Ja, auch eine schöne Idee. Und natürlich Merch vom Nordpol. Ja. Perfekt. Le, hast du noch Gedanken?

Wen könnte man sonst noch fragen? Wer hätte denn ein Interesse daran, dass er als erstes den Nordpol erreicht, außer ihm selber? Vielleicht Leute aus der britischen Regierung? Aber wir sind in den USA. Aus der amerikanischen Regierung? Ja, er hat unter anderem Kooperationen mit Walfängern, die ihn finanzieren, wo man, möglicherweise davon ausgehen kann, dass sie sich eine Erweiterung ihres Fanggebiets erhofft haben, dass er im Grunde auskundschaftet, wie es da oben aussieht und sie dann wissen, wir können noch ein paar Meter hochfahren und noch einen dickeren Fisch da rausziehen.

Das wäre jetzt so mein Gedanke. Und er hat eine Art, um auf deinen Steady-Vergleich zurückzukommen, Christian, eine Art Werbevertrag mit der American Geographical and Statistical Society. Für die hält er nämlich Vorträge, veröffentlicht ein Buch und die unterstützen ihn dafür, dass er im Grunde Gelände kartografiert, was so noch nicht kartografiert wurde.

Aber für die Reise zum Nordpol muss er jetzt schon noch noch größere Geschütze auffahren. Und da habt ihr natürlich recht, da kommt dann die amerikanische Regierung ins Spiel. Denn 1870 war der amerikanische Bürgerkrieg mittlerweile seit fünf Jahren vorbei. Das Land hatte also wieder die Kapazitäten, sich den größeren, also imperialistischeren Fragen zu stellen.

Eine erfolgreiche Expedition zum Nordpol wäre da genau das Richtige. Diese könnte nicht nur den nationalen Geist ein- und die Stärke der USA als aufstrebende Seemacht demonstrieren. Nein, solch eine Expedition würde auch ein Zeichen an Schweden, England oder auch Deutschland schicken, die allesamt Arktis-Expeditionen planten.

Man könnte also denken, es war ein leichtes für Hall, das Geld für seine Nordporexpeditionen zusammenzutreiben. Doch im US-Kongress stellten sich viele quer. Und das, obwohl die Summe von 100.000 Dollar, die Hall forderte, einigermaßen überschaubar war. Heute wären das ungefähr 2,5 Millionen Dollar, also ca. 2,1 Millionen Euro.

Wo ich mir dachte, das ist, wenn man das jetzt auch mit so Mondexpeditionen oder generell größeren Expeditionen vergleicht, relativ wenig. Wir haben letztens über Mount Everest gesprochen, da brauchst du ja schon mal irgendwie 50.000 bis 100.000, um überhaupt da ran und hoch zu kommen. Also da fand ich dann irgendwie zwei Millionen, dafür, dass man da so ein Schiff baut und fast irgendwie, also mehrere Jahre unterwegs ist, überschaubar.

Ja, finde ich eigentlich auch. Also das kann man schon machen. Also zweieinhalb Millionen. Ich frage mich die ganze Zeit, wie findet man raus, ob man am Nordpol ist? Haben die einfach einen Kompass dabei und sobald sich dieses Ding nicht mehr dreht, dann sind sie da oder wie geht das? Ja, das ist eine gute Frage. Das habe ich mich bei eurer Folge auch gefragt mit dem Südpol. Die habt ihr auch nicht beantwortet.

Touché! Der kam ganz übel zurück. Es gibt ja den geografischen Nord- und Südpol und dann gibt es ja den magnetischen Nord- und Südpol. Und deswegen dachte ich mir immer, dass wenn man mit einem Kompass losläuft, dann muss man ja nochmal woanders, also dann kommt man ja nochmal woanders raus. Wenn man sozusagen den Punkt sucht, wo die Nadel sich im Grunde die ganze Zeit um sich selber dreht, dann ist man ja nur am magnetischen Südpol oder Nordpol, aber nicht am geografischen.

Also ich würde denken, dass man das über Längen und Breitengrade dann berechnet, weil die wussten ja schon immer relativ genau, an welchem Längen und Breitengrad die waren. Die haben die sechs Tanten zum Glühen gebracht einfach. Richtig. Gut, dass ich das trotzdem nicht weiter nachrecherchiert habe, obwohl ich mich das auch gefragt habe.

Und es ist einfach in diesem Fall so viel passiert, dass ich mir dachte, komm, egal wie sie den Nordpol finden Du kannst doch auch im Nachgang nochmal gucken Flo und vielleicht nochmal so eine kleine Info und einen kleinen Infokasten einbauen Ach stimmt, eine Anmerkung der Redaktion meinst du? Ja sowas Gut, dann kommt hier jetzt eine Anmerkung der Redaktion.

Also Leute, ich wusste nicht, auf welches Rabbit Hole ich mich hier einlasse. Zum einen erstmal, der geografische und magnetische Pol, sowohl im Norden als auch im Süden, sind wirklich zwei komplett unterschiedliche Punkte. Der geografische Nord- und Südpol ist im Grunde der Punkt, wo die Erde auf der Spitze stehen würde.

Das ist das, was man auch erreichen wollte Anfang des 20. Jahrhunderts. Der magnetische Nordpol liegt tatsächlich 470 Kilometer weit entfernt in Richtung Sibirien. Und im Süden sind es sogar 2.900 Kilometer, die der geografische Südpol vom magnetischen Südpol entfernt ist. Die liegt dann irgendwo im südlichen Polarmeer in Richtung des Indischen Ozeans.

Also es sind wirklich zwei unterschiedliche Orte. Und Anfang des 20. Jahrhunderts hat man die geografischen Nord- und Südpole darüber gefunden, dass man sich an den Sternen orientiert hat. Man hat also mit sechs Tanten gearbeitet, die eine Orientierung am Sternenhimmel zuließen. Wir können noch ewig weiterreden. Ist ein sehr spannendes Thema, aber ich würde sagen, wir machen mit der Folge weiter.

Das unterscheidet euren Podcast übrigens von unserem, weil wir hätten das einfach nicht gemacht. Ich wollte es gerade nicht sagen, Christian, weil wir wollen auch irgendwie, dass Leute vielleicht doch auch zu uns rüberkommen. Bei uns ist es aber so, Christian behauptet dann einfach irgendwas und wir widerlegen und wir recherchieren es dann aber nicht nach. Nee, wir lassen uns die Leute in den Kommentaren ausfragen. Ja, ist gut, da gibt es Traffic in den Kommentaren.

Wir machen das aber auch nur occasionally. Ruhigt mich. Das Gute ist, dass Charles Francis Hall jetzt einen nicht ganz unwichtigen Unterstützer auf seiner Seite hat. Und zwar den damaligen US-Präsidenten Ulysses Grant. Der gilt als skeptisch gegenüber reinen Büchergelernten und war fasziniert von praktischen Männern.

Halls bärbeißige Art, seine unbändige Energie und Fähigkeiten unter Extrembedingungen in der Arktis zu überleben, machen also einen großen Eindruck beim Präsidenten. Hall präsentiert ihm seine Vision der Nordpolreise. Er ist besessen von der Idee, den Nordpol zu erreichen und dieses nationale Ziel zu erfüllen.

Aber da gibt es noch einen Grund, warum er die Reise antreten möchte. Er hatte ein Zeichen von Gott bekommen, diese Mission der Liebe anzutreten. Der fromme Charles Francis Hall glaubte, dass Gott ihn dazu bestimmt hatte, dort erfolgreich zu sein, wo professionelle Marineoffiziere und Entdecker versagt hatten.

Also ich würde sagen, auch in 150 Jahren hat sich nicht so viel geändert, dass viele Leute glauben, sie können Sachen besser als Leute, die das lange studiert haben. Ob auch Präsident Grant von dieser göttlichen Bewegung wusste, ist nicht bekannt. Klar ist aber, er setzt sich vehement für das Projekt ein und bringt den Kongress dazu, am 12. Juli 1870 ein Gesetz zu verabschieden.

Hall und seine Nordpol-Expedition sind damit nicht nur dem Marineminister unterstellt, sondern haben jetzt auch ein Budget von 50.000 Dollar. Also am Ende nur die Hälfte von dem, was er gefordert hat. Am 29. Juni 1871 legt die USS Polaris im Hafen von Brooklyn ab und setzt die Segel auf Norden. Die Crew an Bord könnte nicht gemischter sein. Amerikaner, Deutsche, Inuit, Wissenschaftler und Seeleute teilen sich die engen Kajüten.

Und mittendrin Charles Francis Hall, der das alles zusammenhalten soll. Aber schon bald merken wird, dass er die Kontrolle an Bord verliert. Und das liegt an diesem jungen Deutschen, der perfekt zurückgekämmtes Haar hat und einen Blick, der sagt, ich weiß alles besser. Sein Name? Emil Bessels. Und Dr. Emil Bessels ist der wissenschaftliche Leiter und Schiffsarzt der Polaris-Expedition.

Und bevor wir jetzt ein bisschen mehr zu ihm erfahren, habe ich ein Bild von ihm dabei. Und dieses Bild ist mein absolutes Lieblingsbild seit langem. Ich sage nichts dazu, beschreibt bitte einfach, was ihr seht und was ihr vor allem fühlt. Oh. Also das könnte jetzt auch echt ein Aufmacher irgendwie oder halt ein Titelbild von der Vanity Fair oder so sein. Ja.

Oder? Neue Winter Collection Balenciaga 27. Was ist das denn für einer? Geil. Ist das geil, oder? Ja, richtig gut. Ein hotter Typ einfach. Absolut. Es gibt doch so im Teleshopping so Decken, die man kaufen kann, in die man sich so einen Deckenanzug hat. Ah ja, ja. Wie so ein Ransi. Ja, stimmt. Heißt das Snuggi oder so.

Die man auch beheizen kann. Mit so einem Snuggi an. Stimmt, geil. So eine Decke mit so Ärmeln, meinst du, ne? Genau, genau, genau, genau. Aber Lilly, ich finde deinen Vergleich, wenn da jetzt Balenciaga draufstehen würde, auch nicht falsch. Wie alt schätzt du ihn? 23%. 36. Ja, ich hätte jetzt Anfang 30 getippt.

Ja, okay, er ist 33 auf dem Bild, aber zum Zeitpunkt der Reise, also es ist ein bisschen später, zu dem Zeitpunkt der Reise ist er gerade mal 24. Also der ist mit 24 der Schiffsarzt und wissenschaftliche Leiter dieser Polarexpedition. Wie ist er denn da hingekommen? Weiß man dazu mehr? Ja. Okay. Das täte mich doch interessierend. Der nächste Satz lautet, dass Emil Bessels mit an Bord war, hatte einen politischen Hintergrund.

Da die Polaris-Expedition vor allem eine wissenschaftliche Reise sein sollte und der Kongress diese Wissenschaftlichkeit Hall nicht zutraute, waren noch eine ganze Reihe anderer Personen mit an Bord. Unter anderem Emil Bessels. Der ist zum Zeitpunkt der Abfahrt, wie ich schon gesagt habe, 24 Jahre alt.

Er spricht fließend Deutsch, Englisch und Französisch und ist ansonsten so ziemlich exakt das genaue Gegenteil von Charles Francis Hall. Er ist ein feiner Akademiker, der mit 18 Jahren in seiner Heimatstadt Heidelberg promoviert und somit zum jüngsten Doktor in der Geschichte der Universität wird. Er ist aber auch ein kühler Wissenschaftler, der mit Halls göttlicher Mission nicht viel anfangen kann.

Über ihre Unterschiede sind sich die beiden Männer bewusst. Vor der Abfahrt aus Brooklyn hatten sie genug Zeit, sich kennenzulernen. Bei diesen Anlässen finden sie aber auch eine Gemeinsamkeit. Sie verehren beide die gleiche Frau. Vinnie Ream, eine 22-jährige Bildhauerin und Sängerin. Sie hat als erste Künstlerin überhaupt ein mietfreies Atelier im US-Kapitol bekommen.

Ihre Statue von Abraham Lincoln steht bis heute in der Rotunde des Kapitols. Sie ist eine faszinierende Frau, der sowohl Hall als auch Bessels den Hof machen. Das wird nix, Leute. Das wird nix. Wie? Naja. Zwei Männer, die die gleiche Frau begehren? Was soll denn da schon schief gehen? What could possibly go wrong? Okay, dann erzähl mal weiter, Flo.

Bevor ich weitererzähle, zeige ich euch noch ein Bild von Vinnie Ream. Das ist sie. Ah ja. Ich glaube, das bessere Match ist schon der junge Doktor. Auf jeden Fall. Das wäre das absolute Hipster-Couple. Also wirklich sie mit ihrem Wolf-Cut. Also Winnie Ream hatte eine Kristallsammlung, sage ich einfach.

Ich würde sie auch eher zu Emil Bessels packen, als zu Charles Francis Hawn. Ja, auch als Bildhauerin macht das wahrscheinlich doch mehr Spaß, so einen getrimmten Oberkörper von so einem sexy Doktor da irgendwie in Stein zu meißeln, als jetzt jedes einzelne Haar des Vollbarts von Francis Hall. Christian, sie meint das nicht so.

Ist okay. Er wollte den Mann doch eh abnehmen. Er hat doch eh gesagt, er will den Nuss werden. Genau. Und dann wirst du auch in Stein gemeißelt, Christian. Endlich. Also, mich kannst du höchstens aus, keine Ahnung, Butter formen oder so. Jetzt dem Darwin gefällt das Fanshop. Hall lernt Vinnie Ream in Washington kennen, während die Polaris dort für die Expedition ausgerüstet wird.

Wenig später stellt er sie dann Bessels vor. Der ist sofort hin und weg. Nach dem Vorabend der Abreise aus New York schreibt Bessels Vinnie einen emotionalen Brief und bittet seine teure Vinnie um eine Antwort, damit er ihre Erinnerungen in der Eiseskälte aufrechterhalten kann. Auch Hall schreibt ja einen Brief. Im August 1871, da sind sie schon unterwegs in Richtung Norden, schreibt Hall aus Upanavik einen Brief an Vini zurück.

Er bedankt sich bei ihr für ihre Geschenke, die seine Kajüte auf dem Schiff zu einer Sweet Little Cabin machen. Eine Dreiecksbeziehung im endlosen Eis. Was soll da nur schief gehen? Während die Polaris nordwärts segelt, wird allen an Bord schnell klar, diese Crew ist nicht eine Crew. Sie ist gespalten.

Auf der einen Seite die Amerikaner um Hall, auf der anderen Seite die neunköpfige deutsche Fraktion um Emil Bessels. Dass das nicht gut gehen könnte, hatte Hall schon vor der Abfahrt im Gefühl. Am liebsten hätte er Bessels noch in New York abgesetzt, doch aufgrund des massiven Drucks der Regierungsstellen sowie der Sorge um die Stabilität der Mission sah er von einer Ablösung ab.

Denn Bessels brachte ebenfalls Arktiserfahrung mit. Schon 1869 hatte er an einer Expedition unter dem deutschen Polarpionier August Petermann teilgenommen. Trotzdem war Hau kein großer Fan von ihm. Die Spannung zwischen den beiden Antipoden entlädt sich daher schon gut zwei Monate nach Beginn der Expedition.

Im August 1871 erreicht die Polaris die Disco-Insel an der grönländischen Westküste. Die gibt's wirklich. Hall verlangt hier vom deutschen Meteorologen Frederik Mayer, Sekretärsdienste zu übernehmen. Eigentlich eine normale Anweisung, doch Mayer verweigert den Befehl. Emil Bessels stellt sich hinter ihn und droht, die gesamte deutsche Besatzung würde geschlossen zurücktreten, sollte Hall auf seiner Anweisung beharren.

Das kann sich Hall nicht leisten. Er gibt nach. Seine Autorität ist angekratzt und Hall muss ab nun um seine eigene Mannschaft kämpfen. Das in einem Moment, wo es nicht besser laufen könnte. Am 30. August 1871 überquert die Polaris den 82. Breitengrad. So weit ist dort niemand gekommen. Doch genau hier kommt es zur nächsten Konfrontation.

Es geht darum, wo die Polaris überwintern soll, bevor sie im kommenden Frühjahr weiter in Richtung Norden geht. Hall will weiterfahren. Doch Bessels widerspricht ihm. Er argumentiert, dass die Westseite Grönlands optimal für eine Überwinterung ist. Der Segelmeister Sidney Buddington stellt sich auf Bessels Seite.

Hall gibt wieder nach und lässt sich überreden, das Schiff in einer kleinen Bucht zu ankern. Der gläubige Hall tauft sie Thank God Harbor. Doch Gott wird ihn nicht erhören. Sind die dann an Land gegangen, wenn die da überwintert haben? Oder waren die monatelang auf dem Schiff gefangen? Weil ich habe ja eben schon mal gesagt, die Vorstellung, dass man die ganze Zeit auf diesem Schiff bleiben muss, die finde ich scary.

Und wenn dann da auch noch eine Person ist oder jetzt mehrere Personen, mit denen man sich irgendwie nicht so richtig grün ist und Streit hat und dann, was macht man denn dann da die ganze Zeit auf diesem Schiff? Das frage ich mich wirklich bei all diesen alten Expeditionen, also wo man eigentlich immer nur so das Anfang und das Ende kennt.

Sowohl bei eurer Südpol-Expedition als auch hier, die sind ja irgendwie dann jahrelang unterwegs, sitzt man da den ganzen Tag zusammen und spielt Karten, lesen die? So viele Bücher kannst du aber nicht mitbringen. Trinken, ja. Und ansonsten wahrscheinlich den Tag irgendwie festhalten und sich irgendwie beschäftigen. Aber ja, keine Ahnung.

Man kann ja auch miteinander schlafen. Richtig. Auch alleine. Richtig. Das frage ich mich schon immer, weil das sind dann da irgendwie 50 Männer an Bord. Das kannst du mir doch nicht sagen, dass da nie was passiert ist. Ja, auf jeden Fall. Das muss schon ganz schön langweilig gewesen sein. Sex, Drugs und Rock'n'Roll. Das ist da, was da passiert, Lilly. Alles klar.

Notiert. Weil du gefragt hast, ob die dann da im Eis feststecken, würde ich sagen, dann ziehe ich mal ein Bild vor, um euch einmal das Schiff zu zeigen, weil das habt ihr ja auch noch nicht gesehen. Und dann erklärt sich die Frage, glaube ich, so ein bisschen. So sieht das Ganze wahrscheinlich aus, so ungefähr.

Also das ist ein Gemälde von der USS Polaris. Über den Winter muss man irgendwo dann feststecken. Und im Frühjahr, wenn das Ganze dann wieder taut, kann man weiterfahren. Abgefahren irgendwie. Mich wundert es, dass das Boot nicht kaputt geht, wenn es dann so drumherum friert irgendwie. Ja, aber wir sehen einen Zweimaster und das ist glaube ich alles, was ich zu schiften weiß. Ich weiß nicht, ob ihr Schiffe noch besser detailliert beschreiben könnt.

Ne, das war schon, ich fand das schon sehr gut. Fand ich auch extrem spezifisch. Oh, ich war letztens im Technischen Museum in Berlin und die haben eine absurde, Sammlung an Miniaturschiffen. An so Holzschiffen. Und ich bin wirklich jetzt kein großer Fan von so Modellbau. Aber das hat mich wirklich fasziniert. So diese ganzen spanischen und niederländischen Galären aus dem 16. Jahrhundert.

Im Maßstab 1 zu 50. Also sie sind dann teilweise einen Meter groß. Und so detailliert gearbeitet. Empfehlung. Auch wenn man keine Bote mag. Da sieht man dann auch den einen oder anderen zwei Master. Ich habe noch eine Frage. Du hast doch auch zu Eingang gesagt, dass der Hall eine Frau hatte. Ja, guter Punkt. Dass sie eigentlich verheiratet war. Das ist, wie so oft in dieser Zeit, man weiß nichts darüber, was die in der Zeit gemacht hat.

Irgendwann später taucht sie nochmal auf. Sie hat auch Geld gegeben für diese Expedition. 25 Dollar habe ich irgendwo gelesen. Aber ehrlich gesagt, ich meine, der ist, der war in den letzten zehn Jahren gefühlt, sieben Jahren. Nee, der war ja nie da. Da das Gleiche. Vielleicht war das das Geheimnis der Ehe.

Und er hat Liebesbrief an eine andere Frau geschrieben. Ja, genau. Ja, also das ist wie so oft zu dieser Zeit, da wird geheiratet und dann macht so jeder irgendwie seins. Aber die beiden hatten auch keine Kinder, also man weiß darüber nicht viel. So, wir sind jetzt also da oben in Thank God Harbor und bevor die lange Polarnacht endgültig beginnt, bricht Hall am 10. Oktober auf eine Erkundungstour auf.

Mit seinem ersten Offizier und zwei Inuit-Begleitern möchte er eine mögliche Route in Richtung Nordpol finden und sehen, wie weit sich die Landmasse in Richtung Norden erstreckt. Und er braucht Fleisch, denn Hall weiß, ohne Frischfleisch besteht die Gefahr, dass die Besatzung während der Polarnächte an Skorbut erkrankt.

Laut Hall steht auch dieser Ausflug unter dem Schutz und der Führung des Himmels. Doch der Himmel scheint ihn nicht vor irdischen Problemen zu schützen. Hall hat schlecht gepackt. Schon am Morgen nach seinem Aufbruch schickt Hall einen der Inuit-Begleiter zurück zum Schiff und bestellt nach. Zwölf Kerzen, ein Schneeschuh, ein paar Bärenfell-Fäustlinge, Robbenfellhosen, Zwiebeln und ein Pfund Kaffee.

Also auf diese Annehmlichkeiten will er dann dort auch nicht verzichten. Das scheint zu reichen, denn in den nächsten 14 Tagen hören wir von keinem weiteren Problem. Im Gegenteil, Hall ist fasziniert vom reichhaltigen Leben in dieser scheinbar lebensfeindlichen Region. Er sieht Robben, Gänse, Moschusochsen, Wölfe und Lämminge und fühlt sich, so schreibt er, bei guter Gesundheit.

Doch das soll sich schlagartig ändern, als er am 24. Oktober nach zwei Wochen zur Polaris zurückkehrt. Charles Francis Hall betritt die Kabine der Polaris mit dem Habitus eines Mannes, der es geschafft hat. So weit nördlich war noch kein Mensch auf dieser Erde unterwegs. Nach den Wochen der Kälte gibt es jetzt nichts Besseres als eine Tasse Kaffee in der warmen Kabine des Schiffes.

Seinen dicken Pelzmantel hat er noch nicht einmal abgelegt, da sippt er schon am Käffchen. Schon nach wenigen Minuten verändert sich Halls Stimmung. Von glücklich erleichtert zu angespannt und schwindelig. Er hat auf einmal starke Kopfschmerzen und muss sich übergeben. Wenig später am Abend stellt der Schiffsarzt Emil Bessels die Diagnose aus, dass es sich hierbei um die Vorboten eines Schlaganfalls handelt, da mittlerweile Halls linke Körperhälfte komplett gelähmt ist.

Bessel äußert die Vermutung, dass der schnelle Temperaturwechsel und die heiße Tasse Kaffee diese Symptome bei Hall ausgelöst haben könnten. Der deutsche Arzt beginnt am nächsten Tag direkt mit der Behandlung. Er legt kalte Kompressen auf und bereitet warme Senffußbäder vor. Könnte auch ein Foodcrime sein. Hall erholt sich langsam.

Bessels schlägt daraufhin eine Chinin-Injektion vor. Das nutzte man vorrangig für Malaria. Gegen einen Schlaganfall sollte es aber auch helfen, sagt Bessels. Doch die Injektion verfehlt ihre Wirkung. Im Gegenteil. Hall leidet bald an schweren mentalen Störungen und verfällt in ein Delirium. Er entwickelt eine extreme Paranoia und ist davon überzeugt, dass verschiedene Offiziere ihn ermorden wollen. Vor allem Emi Bessels.

In den Tagen danach verweigert Hall jede medizinische Behandlung von Bessels. Und siehe da, es geht ihm so langsam besser. Für Hall ist das Bestätigung genug. Doch darüber hinaus fällt ihm auf, dass sich der deutsche Schiffsarzt irgendwie komisch verhält. Als ein Crewmitglied anbietet, sich ebenfalls Chenin spritzen zu lassen, um die Unbedenklichkeit der Medizin zu testen, verweigert Bessels das.

Und auch ein Brechmittel, das manche an Bord für Hall fordern, verweigert er. Anfang November ist Hall so weit wieder auf dem Dampfer bzw. Dem Seegeboot, dass er laufen kann. Er kann feste Nahrung zu sich nehmen. Doch das klingt nur so lange gut, bis man erfährt, dass die Verpflegung zu dieser Zeit vor allem aus Robbenfleisch und Rotwein bestand.

Hall geht es jetzt auch so gut, dass er beginnt, die Ereignisse seiner letzten Reise für sein Tagebuch zu diktieren. Doch der gute Schein trügt. Am nächsten Tag fällt Hall nach einem zweiten Schlaganfall in ein Koma. Wenige Stunden später, am 8. November 1871, um 3.25 Uhr morgens, ist Charles Francis Hall tot.

Die Crew der Polaris wickelt Hall in eine amerikanische Flagge und legt ihn in einen Sarg aus Weißkiefer. Sie heben in der Nähe des Schiffes ein Grab aus, also knapp 60 Zentimeter tief, denn der Permafrost lässt keinen tieferen Aushub zu. Am Tag seiner Beerdigung weht ein eisiger Wind über die unendliche Weite.

Mehr als ein kurzes Gebet und das Läuten der Schiffsglocke ist nicht drin. Dann verschwindet Hall im grünländischen Boden. Bessels stellt die offizielle Todesursache fest. Charles Francis Hall ist an einem Schlaganfall aufgrund extremer Temperaturschwankungen gestorben. Aber ist er das wirklich? Sass, klingt dieser Arzt, wie die Kids sagen. Eifersucht ist natürlich auch ein klassisches Mordmotiv, ne?

Ich finde auch, der Typ ist das schuldig. Zack verurteilt. Ja, ganz klar. Ich bin da total bei Lilly, der hat einfach ein Motiv. Also wer weiß auch, welche Briefe eventuell konnten die noch Briefe empfangen. Noch von der, wie hieß die, Willi, Willi, Winnie kam, genau, der Bildhauerin und so. Oder was vielleicht auch Hall versucht hat, noch an Winnie zu schreiben.

Ich finde, Schlaganfall aufgrund von Temperaturschwankungen, ich meine, Ende des 19. Jahrhunderts, man war in der medizinischen Forschung noch nicht so weit, aber das müsste ja heißen, dass auf jeder Almhütte im Winter reihenweise die Menschen umkippen müssten, wenn sie da reinkommen und sich erst mal so einen Grog reinstellen.

Vielleicht war auch einfach so happy, einfach wieder ein Tässchen Kaffee zu trinken, dass sein Körper dachte, boah, geil, das ist so geil, ich sterbe, weil das so gut ist. Wenn du so einen Monat, nee, zwei Wochen war er unterwegs, wenn du wochenlang unterwegs bist und hast keinen Kaffee und dann plötzlich kriegst du wieder Kaffee.

Aber der hatte auch Kaffee dabei. Der hat sich ja extra nochmal Kaffee nachbestellen lassen. Ah, scheiße, okay, ja. Mit Polaris Prime. Dann war es doch der Deutsche. Und woran Charles Francis Hall jetzt gestorben ist, das schauen wir uns gleich an. Ich zeige euch aber schon mal das Grab von ihm, weil das steht bis heute.

Ich bin gerade irritiert. Du hast gesagt, du sagst uns, woran er gestorben ist. Das heißt, es wurde dann im Nachgang doch noch aufgeklärt, woran er wirklich gestorben ist. Richtig. Weil, wahrscheinlich, weil er im Permafrost lag. Oh, stimmt. Er ist ganz lange gut erhalten gewesen. Du hast eine gute Idee da, Lilly. Richtig. Also das ist das Grab, wie es heute aussieht. Und das finde ich schon faszinierend, dass es einfach 150 Jahre später immer noch da ist. Aber ja, könnt ihr gerne mal beschreiben, was ihr da seht.

Also man sieht eine Art Strand, also ich meine im Hintergrund sieht man noch so ein bisschen das Meer und eine Sandlandschaft und da ist dann so ein Haufen Geröll, und ein Schild, das sieht aus wie ein Grabstein und so ein Pfosten, der da so hingestellt ist, also man sieht auf jeden Fall, da ist. So ein Fleck, unter dem etwas liegt.

Und es ist ein bisschen bewachsen. Ja, wie so Flechten. Ja genau, das ist die Grabbepflanzung. Es sieht aus wie so ein typischer deutscher Vorgarten auch. So ein Steingarten. Ja, so ein Steingarten. Da muss das Duell der Gartenprofis mal hin, um das Graf von Hall wieder auf Vordermann zu bringen. Auf jeden Fall.

Ja, aber viele Steine, die da rumliegen. Möglicherweise kann ich mir auch vorstellen, dass da Leute hinreisen und so eine Art Erinnerung da auch Steine ablegen. Aber Lilly, du hast schon richtig gedacht. Wir befinden uns hier im Permafrost-Boden und das heißt, der Körper ist sehr gut erhalten. Kommen wir gleich zu.

Noch ganz kurz, wie ging diese Expedition jetzt eigentlich zu Ende nach dem Tod? Mit Charles Francis Hall stirbt auch die Polaris-Expedition. Ganze eineinhalb Jahre dauert es dann noch, bis die Crew wieder zurück in den USA ist. Die Geschichten der Überlebenden sind so unfassbar, dass die US-Marine eine offizielle Untersuchungskommission einberuft.

Und diese anderthalb Jahre Rückreise sind eh so absurd, die spalten sich danach auf und erleben noch tausend andere Sachen. Also das wäre noch mal eine eigene Folge. Musste ich leider rauslassen. Was ist passiert, dass die als Überlebende gelten und nicht einfach nur als die Leute von der... Naja, sie kommen überhaupt von dieser Expedition zurück. Also ich hatte es ja am Anfang schon angesprochen, es war jetzt zu dieser Zeit nichts Ungewöhnliches, dass man auf so einer Expedition dann einfach zugrunde ging.

Und vor dem Untersuchungsausschuss sagt jetzt auch unter anderem der Offizier George Tyson aus. Er beschreibt, wie es immer wieder zu Streit zwischen Hall und Bessels kam. Dass Bessels sich geweigert hat, Brechmittel zu verabreichen und Hall den Schiffsarzt beschuldigt hat, ihn zu vergiften. Auch Emil Bessels sagt aus. Seine Version ist weiterhin, Hall hatte einen Schlaganfall, und er, also Emil Bessels, hat alles in seiner Macht Stehende getan.

Die Kommission folgt Bessels. Er darf am Smithsonian Institute den wissenschaftlichen Abschlussbericht der Expedition zusammenstellen. Die nun auch offizielle Todesursache lautet Schlaganfall. Ein großer Skandal ist damit abgewendet, denn eine gescheiterte nationale Mission brauchte auch nicht zusätzlich noch einen Mordverdacht.

Diese Version der Geschichte soll fast 100 Jahre Bestand haben. Doch im Jahr 1968 entscheidet sich ein Professor vom Dartmouth College, den Tod von Charles Francis Hall noch einmal genauer zu untersuchen. Mit moderner Technik will er der eigentlichen Todesursache auf den Grund gehen. Ihm kommt dabei entgegen, dass der Permafrostboden Halls Leichnam quasi mumifiziert hat.

Im Sommer 1968 erreicht Chauncey C. Loomis das Grab in Thank God Harbor. Und was er hier herausfindet, stellt alles auf den Kopf. Habt ihr eine Vermutung, was er hier findet? Ich habe Gänsehaut. Ich weiß nicht, ob man es sieht, aber es ist ja ein Foodcrime. Also wird er wohl die Leiche untersuchen und irgendwelche Rückstände eines Kriminalfalls finden? Wahrscheinlich Gift.

Gift. Hätte ich jetzt auch gesagt. Das klingt naheliegend. Aber das ist doch irre, dass man das so lange, so viel später dann noch feststellen kann. Was könnte das denn für ein Gift sein? Alter, seid ihr ja die Experten, ne? Also ihr kennt ja wahrscheinlich jedes einzelne Gift, was man als Food Poison hernehmen kann. Ich bin da, ich hab das noch nie gemacht. Also jetzt mal Offenlegung.

Okay, das ist gut. Nee, das ist, ey. Ich schäme mich so ein bisschen jetzt. Aber ich hab's noch nie gemacht. Nee, war auch ein Grund, warum ich euch angefragt habe. weil ich hatte immer bei dir schon irgendwie so ein bisschen das Gefühl, ey, das könnte sein. Und es ist gut, dass du das jetzt offenlegst.

Nee, genau, das wollte ich auf jeden Fall jetzt. Irgendwann muss ich sagen. Lili, komm, hau mal eins raus. Ja, ich überlege gerade, ob wir schon häufiger in dieser Epoche oder in dem Jahrzehnt waren und was da so das Go-To-Gift war. Aber wir waren noch nicht so häufig in der Zeit. Der Klassiker ist natürlich Arsen. Dann schauen wir uns das Ganze doch mal an, oder? Naja, das klingt doch nach einem Treffer.

Dann gehen wir doch mal rein in den Körper. Chauncey C. Loomis kommt bei seinen Recherchen zur Polaris-Expedition immer wieder auf eine Frage zurück. Wie kam es eigentlich zu dem Schlaganfall? Um das wirklich herauszufinden, gibt es nur einen Weg. Er muss zu Halls Grab und reinschauen. Er holt sich vom dänischen Ministerium für Grönland eine Genehmigung, den Leichnam zu exhumieren.

Nachdem ihm diese erteilt wird, steht er am 8. August 1968 am Grab von Charles Francis Hall. 35.337 Tage, nachdem der Polarforscher im Permafrostboden beerdigt wurde, wird sein Sarg wieder geöffnet. Und die Beschreibungen sind jetzt ein bisschen eklig, das heißt, wenn ihr das nicht hören wollt, dann könnt ihr gerne mal so halbe Minute, Minute vorskippen.

Der Bereich der Lungen war leer und im Bauchraum waren die Eingeweide nur noch als dünnliches, gelbliches, pergamentartiges Band vorhanden. Leber- und Bauchspeicheldrüse waren durch eine strukturlose weiße Substanz ersetzt. Doch alles in allem war der Oberkörper durch die Kälte erstaunlich gut erhalten.

Die Haut war wie gegerbt und auch die Haare und der Bart sind gut erhalten. Nur die Augenhöhlen sind leer und die Nasenspitze geschrumpft und dunkel verfärbt. Loomis und sein Team nehmen Proben. Das heißt, sie nehmen eine ganze Reihe an Körperteilen mit. Haare mit Kopfhautfragmenten, ein Fingerendglied, Knochen, Gewebe, aber auch zwei Bodenproben aus der Umgebung.

Die Proben gehen nach Kanada. An der McMaster University werden sie mit einer Neudronenaktivierungsanalyse untersucht. Es dauert nicht lange, dann steht das Ergebnis fest. In Halls Fingernagelbett finden die Forscher eine Arsen-Konzentration von 76,7 parts per million, kurz ppm. In den Bodenproben rund um das Grab liegt die Belastung nur bei ca. 22 ppm.

Das reicht nicht ansatzweise aus, um die Werte in Halls Nägeln zu erklären. Eine Migration aus dem Erdreich also ist ausgeschlossen. Die hohen Werte an der Wurzel zeigen, Hall hat in den letzten zwei Wochen seines Lebens massive Mengen an Arsen aufgenommen. Und noch etwas ist auffällig. Die Werte zeigen nicht eine einmalige Dosis, sie zeigen mindestens zwei separate Dosen.

Eine erste massive, dann eine kurze Erholungsphase, dann eine zweite Aufnahme. Es spiegelt also exakt das wieder, was die Crew der Polaris beschrieben hatte. Der Zusammenbruch nach dem Café, die Woche, in der Hall Bessels Behandlung verweigert und sich erholt, der Rückfall, als Bessels wieder ans Bett darf. Dann der Tod.

Hall hatte recht. Auf seinem Sterbebett im Delirium hatte er die Wahrheit ausgesprochen. Er war vergiftet worden. Nur von wem? Natürlich ist Emi Bessels der Hauptverdächtige. Er hatte Zugang zur Bordapotheke, in der das arsenhaltige Mittel Fouler Solution zum Standardrepertoire gehörte. Dazu schien sein Verhalten darauf hinzuweisen, dass er etwas zu verbergen hatte.

Er verabreichte Spritzen, er verweigerte die Brechmittel und über all dem hatte er mehrere Motive. Er verachtete die unwissenschaftlichen Motive von Hall, seine religiös-nationalistische Schwärmerei stieß ihn ab und dann war er da auch noch Vinnie Rehm. Ohne Haal hätte Bessels wohl bessere Chancen, um die junge Bildhauerin anzuhalten, sollten sie wieder zurück nach New York kommen.

Genau, anderthalb Jahre später. Weil die wartet, so eine, sorry, Hippie-Frau wartet genau auf so einen wie den. Die hat anderthalb Jahre, die verzehrt sich nach dem. Das ist eine klasse Frau, die könnte jeden haben. Warum sollte sie so auf so einen Typ dann warten, bis der aus Grönland zurückkommt? Komm!

Jetzt mach ich Abram Lincoln fertig und dann kannst du alle haben, jeden Hand, den du willst, du musst dich so einen Larry da irgendwie rankarren. Hallo, für die große Liebe wartet man auch gern mal ein paar Jahre. Jeder von denen hat die ungefähr einen Tag gesehen. Oh mein Gott, was für eine tolle Frau.

Und sie so, wahrscheinlich so, mein Gott, was wollen diese Typen die ganze Zeit von mir? Können wir bitte aufhören, mir Mails zu schreiben? Ich hab ein Leben, ich bin irgendwie ich bin ein Mensch, ich seh nicht nur irgendwie cool aus, könnte aufhören so. Ja, also für deine Theorie, würde ich mal sagen ich würde hier so unterschreiben, es gibt tatsächlich keine Belege dafür dass sich Bessels und Vinnie Ream nach der Expedition noch einmal gesehen hätten, Und das, obwohl Bessels danach in Washington wohnt und weiter am Smithsonian Institute forscht.

Was wir wissen sind, wir haben diese Motive, aber nichts davon lässt sich natürlich belegen. Von daher endet der Fall hier, dass wir wissen, dass Charles Francis Hall an Arsen gestorben ist, an einer Arsenvergiftung gestorben ist. Wir wissen aber nicht zu 100 Prozent, wem das verabreicht hat. Natürlich ist Bessels am wahrscheinlichsten, weil er auch Zugang zu diesem Arsenhaltigen Mittel hat.

Wir haben ja auch schon in vielen Arsen-Fällen darüber gesprochen, dass so eine Behandlung mit Arsen ja lange Zeit völlig normal war. Also dass man das gegen verschiedene Sachen verabreicht hat. Das heißt, es war vorhanden an Bord. Aber ob es Bessels wirklich war, werden wir nie wissen, weil Bessels auch relativ früh verstorben ist.

Und zwar schon 1888, als er auf einer Deutschlandreise in Stuttgart war und mit 41 Jahren stirbt. Woran ist er gestorben? Das weiß ich leider nicht. Das findet man nicht. Ja, das war der heutige Fall. Das war Charles Francis Hall und sein letzter Kaffee im ewigen Eis. Schöner Untertitel. Der gefällt mir sehr gut.

Ich hoffe, das lässt euch nicht zu frustriert zurück, dass wir hier nicht zu 100% aufwissen. Wir sind uns ja einig, wer es war. Wollte ich gerade sagen. Ich weiß nicht, wer es war. Frustriert. Stimmt, Anna hat ja schon vor einer halben Stunde hier das Urteil gesprochen. Ja, wir hätten den Podcast vor einer halben Stunde beenden können.

Sagen wir mal so. Wenn ich jetzt Tatort-Kommissarin wäre, dann wären wir alle am Sonntagabend nach 15 Minuten entlassen aus dieser Scheiße. Weil ich würde halt hingehen und sagen... Du warst es. Bist du so eine von denen, die da 15 Minuten immer schon weiß, wer es ist? Es geht ja auch gar nicht darum, ob das dann richtig ist oder nicht, aber dann ist halt der Fall gelöst, ja.

Du sagst, das ist vor allem bei diesem Fall, muss ich sagen, deswegen wollte ich ihn auch machen, wir wissen nicht, ob Spassels wirklich war am Ende, aber die ganze Reise dahin, diese beiden Männer, die sich gegenüberstehen, unterschiedlicher nicht sein könnten. Ich finde, das ist einfach so eine faszinierende Geschichte.

Ja, das verging. Diese Reise deswegen. Also wir können davon ausgehen, dass es richtig ätzend abging zwischen den beiden auf dem Boot. Einfach nur, um mal das Gegenteil zu sagen, ich sag, es war ein Unfall. Ich glaube, er hat sich in freudiger Erwartung an Vinnie Rehm im Internet sowas wie Viagra bestellt. Oder so Cialis oder so.

Und hat sich einfach selbst vergiftet. Er hat sich selbst vergiftet. Oder auf den Inuit Potenzmittel schon mal geholt hat. Das sag ich. Das waren doch schöne Theorien, mit denen wir, glaube ich, hier den Fall gut, ad acta legen können und jetzt noch mal zu etwas Persönlichem. Oh, schön, schön. Gefällt mir.

Toll. Lilly, that's why we pay you the big bucks. Die Yacht zahlt sich ja nicht von alleine. Also wir kommen noch zu etwas Persönlichem und zwar euren persönlichen Food Crimes, die wir von unseren Gästen natürlich immer einfordern. Und ich bin gespannt, was ihr mitgebracht habt. Wer möchte den Anfang von euch beiden?

Ich bin großer Freund des Bordrestaurants. Ich liebe das Bordrestaurant der Deutschen Bahn. Und ich habe da, glaube ich, schon im Laufe der letzten Jahre alles gegessen. Erstens möchte ich dafür plädieren, dass endlich der Eintopf wieder auf die Speisekarte kommt. Der ist leider weg. Ich weiß nicht, wo er hin ist, aber den Dinseneintopf habe ich immer gerne gegessen.

Aber mein Foodcrime ist, die haben seit Neuestem ein Eggdrop-Sandwich. Und dieses Egg Drop Sandwich ist wirklich furchtbar. Und weil ich so dumm bin, ich habe es einmal gegessen, fand es echt nicht geil und dann habe ich es ein halbes Jahr später, weil ich vergessen hatte, dass ich es nicht mochte, nochmal bestellt, jetzt letzte Woche und ich fand es schon wieder scheiße, weil da ist einfach so eine Frischkäsepampe noch drauf und dann kommt Ei und ich glaube dann ist auch irgendwie so ein bisschen Ekelbaken drauf und es schmeckt einfach scheiße. Es schmeckt einfach scheiße.

Und ich habe mich schon wieder gefragt, warum habe ich das bestellt? Ja. Als ich das gesehen habe, dachte ich mir auch, das ist so ein Klassiker, da hat irgendjemand wahrscheinlich in der Marketingabteilung gesagt, das ist jetzt der neueste Trend, das müssen wir auch machen. Ohne zu vergessen, was eigentlich die komplette Faszination eines Eggdrop Sandwiches ist. Und zwar, dass es komplett frisch ist. Dass du frische Brioche hast, frisches Ei, einen frisch fließenden Käse, dass alles daran frisch ist.

Und das macht das auf keine Art und Weise im Bordrestaurant. Es ist wirklich furchtbar. Ganz schlimm, ja. Und ich bewundere dich und bemitleide dich gleichzeitig dafür, dass du es gegessen hast. Ja, ich bin ja sehr, sehr groß und deswegen im ICE kann ich meistens nur bequem über mehrere Stunden im Bordrestaurant sitzen. Da sitze ich dann aber die ganze Zeit. Deswegen probiere ich irgendwann alles.

Hauptsache, ich muss nicht auf meinem Platz sitzen. Aber ja. Dann würden mich deine Top 3 aus dem Bobi noch interessieren oder dem Bordrestaurant. Okay, pass auf. Top 3. Christian wartet seit Jahren, dass ich diese Frage stelle. Jetzt endlich kommt ihr. Also, Linsensuppe ist eigentlich bei mir auf Platz 1.

In der Mangelung einer geilen Linsensuppe auf Platz 2, dann Currywurst mit Pommes, das geht eigentlich immer. Und dann finde ich das dieses Baguette mit Schinkenkäse auch nicht schlecht. Ah, das wird auch warm gemacht, ne? Das wird auch warm gemacht, aber das kann ich ja tolerieren. Da ist der Senf noch drauf und das hat noch was. Schön.

Anna, wie sieht es bei dir aus? Mir ist ganz spontan was eingefallen und das kommt aus der Lebenswelt eines Elternteils. Also absoluter Foodcrime und ich bin da in einem Dilemma, weil ich habe es ziemlich lang gemacht, aber jetzt damit aufgehört, weil es absolut illegal ist. Die Reste aus der Brotzeitdose von deinem Kind...

Die Reste aus der Butterbrotdose von deinem Kind essen, wenn es aus der Kita oder aus dem Kindergarten Reste mit nach Hause bringt. Das ist so eine Sache, wo ich immer abends dachte, wir sind so eine Familie, wir schmeißen nichts weg. Hier so ein angebissenes Brot, ist sowieso oft immer nur so ein Bissen und dann war da irgendwas drauf, was nicht geschmeckt hat.

Dann nehme ich dieses tolle Vollkornbrot, was ich, ich habe es in unserem Podcast schon mal erzählt, für viel Geld manchmal aus Versehen, wenn ich über den Tisch gezogen werde, gekauft habe und dann esse ich das auf und so und neulich saß ich abends da, dann hab ich halt diese Reste in mich reingestoppt und dachte schon wieder so, boah, nicht geil ist es nicht, aber es muss dafür nicht weggeschmissen werden und mein Kind ist es nicht so.

Ich so, und dann guckt mich mein Kind an und sagt, Mama, heute im Kindergarten ist was passiert. Die Melli, saß bei der Brotzeit neben mir und die hat auf den Tisch gekotzt. Und dann dachte ich nur so, ab heute werden die Reste auf jeden Fall... Immer, egal wie viel, Himmelleimer geworden. Oh Gott, oh Gott. Tja.

What happens in the kindergarten stays in the kindergarten. Ja, eben halt nicht, weil Novo-Virus halt nicht. Ja, oh Gott. Aber das habe ich dann in so einer Gruppe mit anderen Freundinnen, die Mütter sind, geteilt. Und die waren so, oh Gott, danke, dass du das sagst, weil ich mache das auch immer und so.

Aber es ist halt wirklich einfach, als würdest du beim Ikea im Bällebad die Bälle ablecken. Es ist, glaube ich, ungefähr von der Kontamination, vom Grad der Kontamination, ja, ziemlich ähnlich. Sorry an alle, die es bis jetzt gemacht haben und jetzt nicht mehr können, aber ich muss das auch echt sagen, also als Warnung. Das ist jetzt, als Warnung. Ja, das ist ja auch ein Servicehinweis.

Absolut. An alle. Oh Mann. Herrlich. Das reiht sich, glaube ich, in die Top 3 meiner Foodcrams, die wir hier besprochen haben, ein. Wie geil ist das denn? Ja, das ist noch sehr jung, die Erinnerung. Das war eine fantastische Folge. Das hat sehr viel Spaß gemacht mit euch. Schön, dass ihr da wart. Danke für die Einladung. Ich kann noch einmal die Folge Ice Edge von euch empfehlen, so wie alle anderen Folgen natürlich.

Von Darmin gefällt das. Ich bin fröhlicher Hörer und kann das nur jedem ans Herz und ans Ohr legen. Ansonsten kann ich nur noch mal darauf hinweisen, dass es alle Fotos auf der Website gibt und im Newsletter. Und ansonsten war es das für diese Woche und wir hören uns bald wieder. Ich weiß gar nicht mehr, ob wir uns jetzt schon im Samstag wieder haben.

Ich habe den Überblick verloren. Bald. In Bälde. Occasionally. Und Anna, Christian, vielen, vielen Dank, dass ihr da wart. Danke für die Einladung. Das hat Spaß gemacht. Absolut. Tschüss. Ciao. Tschüssi. Und jetzt kommen noch zwei, drei Outtakes. Da war ein bisschen was dabei. Da war es dabei. Tschüss.

Das ist gut. Oh, wow. Das mache ich nochmal. Und hat nur ein Ziel. Jetzt habe ich hier geschrieben, was könnte das sein? Aber ich habe ja schon gesagt, dass ich jetzt zum Nordpol möchte. Also mache ich mal einfach weiter mit dem nächsten Satz. Am 30. August 1871 erreicht die Polaris den breiten Grad 82...

Scheiße, wie sagt man das nochmal? 82 Grad 11 Nord. Nee, 82. Kannst du nicht einfach sagen, den 82. Breitengrad? Und ein bisschen mehr. Ja.

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