Food Crimes - Was schmeckt dahinter?

#82 Die Männer, die freiwillig Gift aßen

Dienstag, 9. Juni 2026 · 1 h 02

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Shownotes

Anfang des 20. Jahrhunderts steckt in vielen Lebensmitteln mehr als nur Essen: Formaldehyd, Borax oder andere Chemikalien werden eingesetzt, um Produkte haltbarer zu machen. Die meisten Verbraucher wissen davon nichts. Der Chemiker Harvey Wiley will das ändern. Weil Politik und Industrie seine Warnungen ignorieren, startet er ein ungewöhnliches Experiment: Zwölf junge Männer sollen freiwillig genau diese Stoffe konsumieren – unter medizinischer Beobachtung. Die Teilnehmer werden als „Poison Squad“ bekannt. Während die einen sie für Helden halten, sehen andere die Studie als unverantwortlichen Menschenversuch. Doch die Ergebnisse sorgen dafür, dass in den USA erstmals ernsthaft über Lebensmittelsicherheit diskutiert wird.

Das ist das Buch, von dem Lilly gesprochen hat: “The Poison Squad” von Deborah Blum (2019)
Das ist die Doku, von der Lilly gesprochen hat: “Gift auf dem Teller” von John Maggio (2019)
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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Vor über 100 Jahren, um genau zu sein, im Jahr 1902, treffen sich zwölf Männer in einem Keller in Washington DC, setzen sich an einen Esstisch und essen von Tellern, auf denen vergiftetes Essen liegt. Das machen sie freiwillig. Morgens, mittags, abends. Für mehrere Monate. Wir befinden uns in einer Zeit, in der es normal ist, Pfeffer oder Kaffee mit Kokosnussschalen zu strecken, Milch mit Kälberhirn zu vermengen, um die Farbe zu verbessern, oder Fleisch mit Formaldehyd zu versetzen, um es haltbarer zu machen.

Im Sommer 1890 berichtet die Zeitung The Indianapolis News über den Tod dreier Säuglinge im städtischen Waisenhaus aufgrund einer Formaldehyd-Vergiftung. Weitere Untersuchungen ergeben, dass bereits zwei Jahre zuvor mindestens 30 Kinder durch die Verwendung des Konservierungsmittels gestorben waren. Das Problem? Die Menschen wissen nicht, was in ihren Lebensmitteln steckt.

In der Lebensmittel- und Getränkebranche herrscht ein regelrechter wilder Westen. Es gibt kaum Vorschriften und keine Kennzeichnungspflicht. Mit dem Aufschwung der industriellen Revolution kommt auch eine Flut an neuen Entwicklungen in der industriellen Chemie. Plötzlich gibt es unzählige neue und kreative Stoffe, die man Lebensmitteln und Getränken zusetzen kann.

Genau in dieser Zeit sind Lebensmittelbetrug und Fälschungen weit verbreitet. Auch der großzügige Einsatz gefährlicher chemischer Verbindungen ist völlig legal. Unternehmen, die an der Qualität sparen oder ihre Gewinne steigern wollen, mischen die unterschiedlichsten und teilweise sehr ungewöhnlichen Stoffe in ihre Produkte.

Die VerbraucherInnen erfahren davon jedoch nichts, weil die Hersteller diese Zusätze nicht deklarieren müssen. Und genau an diesem Punkt tritt ein Mann namens Harvey Washington Wiley auf den Plan, ein Chemiker und Mediziner. Er ist frustriert über die fehlenden gesetzlichen Regelungen und startet Anfang des 20. Jahrhunderts ein äußerst gewagtes Experiment.

Wiley will Konservierungsstoffe und andere potenziell schädliche Substanzen an jungen Regierungsangestellten testen, indem er sie in ihr Essen mischt, um deren Auswirkungen zu untersuchen. Darf ich vorstellen? The Poison Squad, das Giftkommando. Was er damals noch nicht weiß, es wird eine der einflussreichsten wissenschaftlichen Studien des 20. Jahrhunderts.

Und mit dem Experiment verändert Wiley die Geschichte von Amerika. Das ist Food Crimes. Was schmeckt dahinter? Mit Florian Reza und Lilly Temme. Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge Food Crimes, eurem Lieblings-Podcast. Und jetzt alle Lieblings-Podcast. Lieblings-Podcast. Ich habe noch nie von dieser Poison Squad gehört. Noch nie.

Jawohl, jawohl. Und was ist das für eine geile Geschichte? Ich meine, die Umstände Anfang des 20. Jahrhunderts, die sind mir natürlich bekannt. Wir haben ja vor ein paar Wochen über The Jungle geredet, über dieses Buch, was in Chicago im Meatpacking District spielt, aber dass es in der Zeit dann diese Untersuchung, diese Studie gab, ich habe natürlich jetzt schon viele Fragen, die wirst du wahrscheinlich alle beantworten, ob die zum Beispiel wussten, was da passiert in diesem Keller, weil du meintest ja.

Sie essen das mit Absicht, ich bin nicht gespannt, aber wie crazy. Ich habe so sehr gehofft, dass du die Geschichte nicht kennst, Flo, weil es natürlich Bezüge gibt zu The Jungle, weil es in einer ähnlichen Zeit spielt und das, was sich aus allem entwickelt hat, was miteinander zu tun hat, dazu werden wir aber später nochmal kommen.

Diesen Fall heute, den hat mir irgendjemand empfohlen, aber ich weiß leider nicht mehr, wer das war. Schande über mein Haupt. Deswegen danke an Unbekannt an dieser Stelle. Es war mir wirklich eine sehr große Freude, ihn für heute vorzubereiten. Denn es ist wirklich eine unglaubliche Geschichte. Ja, es geht mir manchmal auch so, dass Leute mir was schicken und ich dann mir das aufschreibe und vergesse, den Namen dazu zu schreiben.

Und wenn ich die Folge machen möchte, muss ich dann ewig durch meine Instagram-Nachrichten schauen, um irgendwie zu schauen, wo das denn jetzt war und wer das war. Aber wir sehen euch. Ja, ich hab's nicht wiedergefunden. Ja, wir sehen euch. Wie gesagt, ich danke dir sehr, unbekannte Personen. Melde dich doch nochmal. Wenn du die Folge hörst, kannst du mir nochmal in die DMs sliden. Dann kann ich dir auch nochmal persönlich danken.

Alle Fotos zur heutigen Folge gibt es noch bei Instagram. Denn wir können ja schon mal verraten, dass es bald einen anderen Ort für die Fotos geben wird. Wir basteln, beziehungsweise ehrlicherweise Flo bastelt seit geraumer Zeit an einer Website. Die wird ganz fantastisch werden und dort wird es dann in Zukunft alle Fotos geben und noch mehr ja, seid gespannt ich würde sagen, hört mal am Samstag in die gemischte Platte rein hört mal am Samstag in die gemischte Platte rein würde ich empfehlen.

Naja aber wir haben keine Zeit zu verlieren ich habe heute einiges vor mit euch deswegen legen wir los, Harvey Washington Wiley wird im Oktober 1844 geboren. Er wächst in einer Blockhütte in Kent in Indiana auf und verbringt seine Jugend damit, auf dem Hof seiner Eltern zu arbeiten. Täglich werden Kühe gemolken, Böden gelockert und Butter hergestellt.

Sein Vater ist aber nicht nur Farmer, sondern ist während des Bürgerkriegs einer der Leiter der Underground Railroad, einem Netzwerk, das Sklaven dabei hilft, aus dem Süden über den Ohio River hinweg zu entkommen und dann ihren Weg nordwärts nach Kanada zu finden. Kanada hatte die Sklaverei damals bereits abgeschafft.

Wileys Vater ist willensstark und fühlt sich irgendwie zu etwas Höherem berufen. Dieses Gefühl will er auch seinem Sohn mitgeben. Und ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, das hat er geschafft. Wiley kann sich ein Leben auf der elterlichen Farm nicht vorstellen und will mehr vom Leben. Er beschließt deshalb, Medizin zu studieren.

Noch während des Studiums unterrichtet er in öffentlichen Schulen, er lernt Griechisch und Latein und macht 1871 seinen Abschluss. Aber er interessiert sich für mehr als nur Medizin, deshalb studiert er auch noch Chemie an der Harvard University und nimmt schließlich eine Stelle als Chemieprofessor an der Purdue University in Indiana an.

Aber er merkt schnell, dass er in Hörsälen eher unruhig wird und dass er sich viel wohler im Labor fühlt. Beim Experimentieren. Und genau hier, zwischen Messkolben, Pipetten und Wagen, beschließt er, er will seine Bildung für etwas Gutes einsetzen. Er will etwas verändern. Und er weiß auch schon was.

Denn während eines Aufenthalts in Europa, wo er sich mit den Meistern auf dem Gebiet der Lebensmittelchemie beschäftigt und in Deutschland Vorlesungen weltbekannter Wissenschaftler wie August Wilhelm Hofmann besucht hat, merkt er, wie fortgeschritten die Europäer in Sachen Aufspüren von chemischen Zusatzstoffen in Lebensmitteln sind. Bis heute.

Bis heute. Bis heute. Ich musste gerade dran denken. Stell dir mal vor, Sebastian würde irgendwann mal so eine Vorlesung an der Charité geben zum Thema Lebensmitteltechnik. Ja, dann macht er das hier und kippt das hier rein und dann wichst er die Scheiße irgendwie so zusammen und dann, ja, keine Ahnung, dann sieht man das halt.

Herr Professor, können Sie das... Nein, jetzt nicht! Ist das prüfungsrelevant? Egal, Prüfungen sind egal, alles scheiße, macht's einfach, macht einfach! So wäre es tatsächlich, auch wenn wir jetzt lachen. Also Wiley ist jetzt in Europa und in Deutschland und er lernt auch, welche Kraft die Wissenschaft hat, eine unregulierte, außer Kontrolle geratene Lebensmittelindustrie zu reformieren.

Denn schon 1860, also viele Jahre zuvor, hatte Großbritannien ein wichtiges Gesetz zur Begrenzung der chemischen Verfälschung von Lebensmitteln verabschiedet, nachdem eine Reihe von Todesfällen durch giftige chemische Zusatzstoffe die Öffentlichkeit empört hatte. Bei einem Vorfall starben über 20 Menschen aus der Stadt Bradford, nachdem sie durch mit Arsen versetzte Lebensmittelfarbstoffe in Süßigkeiten vergiftet worden waren.

Vielleicht ist das eine eigene Foodcrimes-Folge wert. Frankreich hatte die Verwendung der Chemikalie Salicylsäure in Wein verboten, nachdem französische Chemiker wegen ihrer toxischen Wirkung Alarm geschlagen hatten. Und auch Deutschland verbot die Chemikalie in Bier. Europa ist Amerika damals also weit voraus und man interessierte sich auf der anderen Seite des Atlantischen Ozeans besonders für die Lebensmittelanalyse, was Wiley faszinierte.

Denn in Amerika gibt es diese Art der Lebensmittelanalyse bis dato überhaupt gar nicht. Und viel schlimmer, zu dieser Zeit sind amerikanische Lebensmittel voller Chemikalien und Fälschungen. Aber Wiley ist davon überzeugt, dass jeder das Recht auf gesunde Lebensmittel hat. Als er nach Indiana zurückkehrt, beauftragt ihn das Gesundheitsamt des Bundesstaats Indiana damit, im Einzelhandel erhältliche Zucker und Sirupe auf mögliche Verfälschungen zu untersuchen.

Wiley ist entschlossener denn je, die amerikanische Lebensmittelindustrie zu untersuchen und die Öffentlichkeit für die Verbreitung von gefälschten Lebensmitteln und chemischen Verfälschungsmitteln zu sensibilisieren. Er beginnt jetzt also mit hochmodernen Laborgeräten, die er in Europa erworben hat, verarbeitete Lebensmittel zu untersuchen.

Im Jahr 1883 wird Wiley zum Chefchemiker des Bundeslandwirtschaftsministeriums ernannt. Er bezieht ein winziges Büro mit einem Labor im Keller. Als erstes will er die Milchwirtschaft überprüfen. Einschließlich der Qualität und Gesundheit von Milch, einem der wichtigsten Lebensmittel in der amerikanischen Ernährung und einem der am stärksten von weit verbreiteter Verfälschung betroffen.

Die Milchproduktion ist nämlich zunehmend problematisch. Mit dem Wachstum der Industrie rund um die großen Städte leben viele Menschen von sehr wenig Geld und können sich frische Milch direkt vom Bauernhof nicht leisten. Deshalb sucht die Milchindustrie nach immer neuen Möglichkeiten, besonders günstige Milch herzustellen.

Als Harvey Wiley 1885 seine Untersuchungen beginnt, haben viele Milchproduzenten bereits erkannt, dass sich mit der Verfälschung von Milch gutes Geld verdienen lässt. Eine gängige Methode besteht darin, die Milch mit Wasser zu verdünnen. Damit die Mischung nicht auffällig aussieht, setzen die Hersteller Weißmacher wie Gips oder Kreide zu.

Da viele Kunden außerdem eine Rahmschicht auf der Milch erwarten, werden teilweise auch gelbliche Zusätze verwendet, um den Eindruck von hochwertiger Milch zu erzeugen. In manchen Fällen kommen dafür sogar ungewöhnliche Stoffe wie püriertes Kälberhirn zum Einsatz. Na, gib bitte. Gib bitte. Da habe ich gerade einen Gedanken dazu, weil Rohmilch ist ja bis heute in den USA verboten.

Ich weiß jetzt nicht genau, wann das verboten wurde, aber du kannst zum Beispiel auch kein Rohmilchkäse so einfach kaufen. Und Rohmilch generell ist schwierig, ist eine schwierige Geschichte. Weiß ich jetzt tatsächlich nicht, ob das was damit zu tun hat. Ich finde gerade bei dem ganzen Fall auch so spannend, das war mein Gedanke gerade dazu, dass wir, wenn wir in die Geschichte schauen, immer das Gefühl haben, wie konnte man sowas damals noch essen?

Aber es hört ja nie auf. Also auch heute werden ja noch Sachen verboten, von denen man denkt, wie konnten wir das eigentlich jahrelang essen? Ich habe Lust, also wirklich ein ganz lustiger Zufall, ich habe für die gemischte Platte am Samstag auch noch was vorbereitet. Da geht es auch um das Verbot eines Stoffes. Und das sorgt gerade für viel Aufsehen in New York.

In New York. Aber das schließt interessanterweise wirklich direkt an deine Folge an, ohne dass wir uns abgesprochen haben. Aber man wird nie den Punkt erreichen, wo Lebensmittel zu 100% sauber sind, weil was heißt sauber? Sauber ist ein Apfel, den du vielleicht in deinem eigenen Garten anbaust und du ganz genau weißt, was du da so drauf spritzt und drumherum machst, aber gleichzeitig steht dieser Apfel ja in der Umwelt, wo auch Dinge sind, die du nicht kontrollierst.

Also es gibt ja keine sauberen Lebensmittel in diesem Sinne, sondern es geht ja immer nur darum, dass wir die Risiken immer weiter minimieren. Also verstehst du den Punkt? Ich verstehe den Punkt, aber ist das wirklich so? So wie zum Beispiel bei Bio-Lebensmitteln. Du kannst ja nicht einfach auch auf einem Feld Bio-Lebensmittel anbauen, sondern du musst ja erstmal nachweisen, dass dieser Acker dann, ich glaube, drei Jahre oder so, sich erstmal wieder eingepegelt hat.

Dass du da drei Jahre keine Pestizide etc. drauf sein könnt. Und selbst dann muss dieser Acker einen bestimmten Abstand zu anderen konventionellen Äckern haben. Und das meine ich mit, du bist ja immer auch an eine Umwelt gebunden oder du bist an das gebunden, was um dich herum passiert und die Illusion zu sagen, wir werden irgendwann zu 100% saubere Lebensmittel haben oder Lebensmittel, in denen nichts, drin ist, was wir da nicht drin haben wollen, das ist, glaube ich, eine Illusion.

Weil selbst sozusagen, wenn wir sagen, man spricht darüber, Zusatzstoffe rauszunehmen oder zu verbieten, viele Zusatzstoffe sind ja jetzt auch nicht giftig in dem Sinne, sondern sind Sachen, die man jetzt vielleicht einfach nicht braucht. Ja. Und bei denen auch die Dosis das Gift macht. Richtig, genau.

Aber das meine ich mit Illusion, dass man, glaube ich, nie zu 100% saubere und perfekte Lebensmittel haben wird. In dem Fall von der Milch, über die ich aber gerade gesprochen habe, ist es so, dass ... Da ja Sachen hinzugefügt werden, die da wirklich nicht reingehören, wie Gips oder Kreide oder Kälberhirn. Absolut.

Ich sage bloß sozusagen rückblickend, wenn man jetzt in die Geschichte schaut und sich denkt, wie konnten die damals Kälberhirn reinrühren, natürlich ist das, komplett gugugaga, aber es ist ja nicht so, dass wir heute einfach das Ende der Fahnenstange erreicht haben, sondern es wird weiter Sachen geben, über die wir diskutieren werden, ob wir die drin haben wollen oder nicht.

Ja, und auf eine Neuerung, die jetzt im Juni 2026 in Kraft tritt bezüglich der Lebensmittelsicherheit, komme ich gleich auch nochmal zu sprechen. Okay. Denn ja, du hast recht, wir sind heutzutage zwar viele Schritte weiter, aber auch noch nicht am Ende angekommen. Ja. Jetzt ist es aber auch so, dass die Milch auch gesundheitliche Risiken birgen kann, besonders in Städten. denn da ist es so, dass Millionen von Arbeiter in dicht besiedelten Mietskasernen leben, während es oft an einer funktionierenden Abwasserentsorgung und ausreichender Hygiene fehlt.

Dadurch entwickeln sich die Städte zu idealen Brutstätten für Bakterien und Viren, die über verdorbene Milch verbreitet werden können. Viele Milchhändler verkaufen daher Produkte, die mit gefährlichen Krankheitserregern belastet sind. Krankheiten wie Scharlach, Tuberkulose und Cholera treten regelmäßig auf.

Auch staatliche Untersuchungen zeigen das Ausmaß des Problems. Bei Kontrollen finden Forscher im ganzen Land zahlreiche Mängel. In einer Milchprobe entdecken sie sogar Würmer, die sich am Boden der Flasche bewegen. Um verdorbene Milch dennoch verkaufen zu können, setzt die Industrie häufig Formaldehyd ein.

Eine giftige Chemikalie, die den schlechten Zustand der Milch verschleiern soll. Jedes Jahr sterben deshalb Tausende von Kindern. Denn Formaldehyd kann, je nach Dosierung, unter anderem zu Atemlähmung führen. Aber da es keine Vorschriften gibt, werden auch keine Gesetze gebrochen. Das Beispiel der Milch ist besonders erschreckend, da Milch ein Lebensmittel ist, das stark an Kinder vermarktet wird und das Fehlverhalten der Unternehmen in diesem Bereich zu sehen, ärgert Wiley wirklich.

Wiley stören die chemischen Konservierungsstoffe an sich auch gar nicht so sehr, sondern vielmehr die Tatsache, dass die amerikanische Öffentlichkeit keine Ahnung hat, was sie zu sich nimmt und die Hersteller nicht verpflichtet sind, das offen zu legen. Es gibt keine Vorschriften in der Lebensmittel- und Getränkebranche und keine Kennzeichnungspflicht.

Und Wiley ist fest entschlossen, seine wissenschaftlichen Erkenntnisse zu nutzen, um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren. Und auch da habe ich gedacht, die Vorstellung, dass einem nicht gesagt wird, was in den Lebensmitteln, die man kauft, drinsteckt. Das kann man sich heute gar nicht vorstellen. Das klingt so unglaublich.

Noch dazu die Tatsache, dass es überhaupt gar keine Vorschriften gibt zu der Zeit. Das war in Deutschland ja zum Beispiel anders. Aber auch bei uns gibt es erst seit 1936 die erste Regelung zur Kennzeichnung von Lebensmitteln. Ja, krass. Aber er ist jetzt noch nicht in irgendeiner Regierungsposition oder in irgendeiner öffentlichen Position.

Doch, er ist mittlerweile der Chefchemiker des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Ah ja, stimmt. Ja, okay, gut. Ja, das ist natürlich exakt die Position, in der man sowas in Angriff nehmen sollte. Ja, sollte man meinen. Es ist gar nicht so leicht. Okay, okay. Werden wir den Herrn denn noch zu Gesicht bekommen?

Ja, werden wir. Aber ich habe ein Foto aus einer Zeit, in der wir noch nicht sind. Also er ist ja schon ein bisschen älter, deswegen zeige ich dir das erst gleich. Soweit sind wir nämlich nicht, wir stecken noch im Jahr 1885 fest. Wiley unternimmt in den folgenden Jahren weitere Bemühungen, das Bewusstsein für Verunreinigungen und Fälschungen zu schärfen und leitet Untersuchungen zu allem Möglichen ein, von Backpulver über Gewürze und Kaffee bis hin zu Gemüsekonserven.

Die Ergebnisse sind erschreckend. Seine Kaffeestudie deckt groß angelegte Fälschungen auf. Ein Produkt, das größtenteils aus Chicorée, Sägemehl und Asche besteht. What? Ein weiteres Produkt, das er untersucht, ist Honig. Wiley sammelt Proben aus dem ganzen Bundesstaat. Zu seiner großen Überraschung ergibt seine Analyse, dass bis zu 90% davon gefälscht sind.

Die meisten Gläser mit der Aufschrift Honig enthalten lediglich gefärbten Mais-Sirup, dem ein Stück gefälschte Wabenkrümel hinzugefügt worden waren. Um die Täuschung zu vervollständigen. Aber Lilly? Unterbrich mich doch hier nicht. Ich hab aber grad einen Gedanken, Mann. Ja, Mann. Die Menschen hatten natürlich keine Möglichkeit, das zu wissen, da diese Lebensmittel auch nicht gekennzeichnet waren.

Und darauf wollte ich eben hinaus. Honigfälschungen sind ja immer noch ein Thema. Richtig. Und ab Juni 2026 müssen alle Honiggläser in Deutschland eine deutlich genauere Herkunftsangabe tragen. Verbraucherinnen und Verbraucher sollen künftig klar erkennen können, woher der Honig stammt, ob aus Deutschland, der EU oder anderen Ländern.

Und damit reagiert die EU jetzt auf langjährige Kritik an unklaren Etiketten und undurchsichtigen Mischungen. Aber das Problem gab es eben auch schon im 19. Jahrhundert. Das fand ich schon auch erstaunlich, dass sich da offensichtlich dann gar nicht so viel getan hat. Das kannst du nicht wissen, weil wir ja manchmal ein bisschen aneinander vorbeiarbeiten und, wir nehmen jetzt auf, am Donnerstag, die Folge kommt erst am Dienstag, aber jetzt am Sonntag, also vor ein paar Tagen, kam mein Reel online bei Besseresser, wo es genau darum ging, um diese neue Holig-Vorschrift.

Und da spreche ich auch darüber, dass es 2022 eine Untersuchung der EU-Kommission gab, die festgestellt hat, dass heute immer noch gut 30 Prozent, nee, waren mehr, fast die Hälfte gestreckt ist. Eben mit Zuckersirup. Also ja, sorry, wir wollten beide die gleiche fantastische Information teilen. Es ist eine komplett absurde Zahl, finde ich.

Es ist doch schön, wie sich das hier alles überschneidet. Ja, das ist wirklich absurd viel. Und viele wissen auch nicht, also dieser Zuckersirup, mit dem häufig gestreckt wird, zum Beispiel auch Glucose-Fruktose-Sirup, der wird ganz anders im Körper verwertet als andere Zuckerarten. Glucose-Fruktose-Sirup zum Beispiel kann zu einer Fettleber führen, muss natürlich nicht, aber ist schwerer für den Körper zu verarbeiten als eben andere Zuckerarten. Und deswegen ist das wirklich ein Skandal, wie ich finde.

Und ich muss aber auch ganz ehrlich sagen, wenn man mal so einen richtigen Imkerhonig isst und dann irgendwie so einen Billohonig aus der Drücktube, das sind halt Welten. Also man weiß ja nie, wo dann was wie genau drin ist, aber das ist halt ein anderes Produkt. Das ist ein anderes Lebensmittel. Und auch ein anderes Lebensgefühl. Ich finde auch Imker, Honig, Gläser. Also ich finde die Infrastruktur dahinter, finde ich ja so süß.

Weil jeder Imker hat ja diese genormten Gläser. Du kannst im Grunde in ganz Deutschland zu jeder Imkerei gehen und deine alten Gläser zurückbringen und dir neue holen. Da besteht ein ganzer eigener Glaskreislauf unter den Imkern dieses Landes. Das finde ich ganz schön. Und Imkerhonig ist auch nicht so viel teurer. Das muss man halt auch mal dazu sagen.

Selbst wenn man für so ein Glas irgendwie 10, 12 Euro hinlegt, macht das erstmal alle. Also das ist, das dauert ewig. Wofür zahlt ihr sonst 10, 12 Euro? Also das ist, ich finde, das ist ein Produkt, das kann man sich schon leisten. Für Vapes. Für Vapes zum Beispiel, richtig. Vapes Honey Watermelon Lavendel.

Das ist ja mein Lieblingsgeschmack. Ja, wusste ich, wusste ich. Habe ich dir auch gekauft nochmal zum Auffüllen. Ja. Aber zurück zu Wiley. Wir driften hier heute zu viel ab. Klingt auch wie eine Vape-Marke. Wiley, bestimmt. Der hat jetzt herausgefunden, bis zu 90 Prozent des Honigs ist gefälscht. Und natürlich ist er total empört. Aber wer auch empört ist, sind die Lebensmittelhersteller.

Denn die finden das natürlich gar nicht gut, dass Wiley da jetzt so rumstochert und rumrecherchiert und auf gut gehütete Geheimnisse hinweist. Aber das ist dem Herrn egal. Er will ja einfach nur, dass hinzugefügte Chemikalien gekennzeichnet werden, Produkte nicht einfach so gestreckt werden können, damit die Menschen, die die Produkte kaufen, eine Wahl haben.

Und jetzt habe ich endlich ein Foto von Wiley. Okay. Spannendes Gesicht. Erinnert mich an irgendeinen Schauspieler. Er hat so ein bisschen was, wie heißt der nochmal? Armin Müller Stahl-artiges. Oder auch so ein bisschen, da ist auch ein bisschen Lars Eidinger drin. Ja, und ein bisschen Kevin Spacey auch, oder?

Ein bisschen Kevin Spacey auf jeden Fall, vor allem so die hohe Stirn und das breite Gesicht. Er hat interessante Augen, er sieht auch so, die Augen geben mir so ein bisschen was Gustav Gründgens als Mephisto-artiges für die Theater-Affizionados unter uns. Wer kennt ihn nicht? Ja, Gustav Gründgens hat man, glaube ich, vielleicht schon mal gehört, oder?

Das macht's jetzt nicht besser. Achso, gut. Aber ja, also er hat einen sehr durchdringenden Blick und ich sag mal so, wenn der in so einen Raum reinkommt und sagt, jetzt untersuch mal mal die Milch, dann würde ich auch stramm stehen. Dann würde ich sagen, Herr Wiley, wo geht's los? Welchen Euter soll ich zuerst anpacken?

Der Blick ist prüfend Das ist was leicht schelmisches, also ich kann mir vorstellen, wenn er irgendwie so, Gespräche mit Industriegiganten hat, dass er dann da so da sitzt und einfach diese Einwände so einfach mir dir nichts weglächelt, Sie wissen ja, dass wir das machen müssen. Ich glaube auch, dass er so war. Ich weiß ja jetzt schon ein bisschen mehr über ihn.

Aber ein, zwei Parts habe ich noch, bei denen auch sein Humor eine Rolle spielt. Und da ist auf jeden Fall ein bisschen was Suffisantes dabei, ja. Ich habe gerade eine mega lustige Idee für ein Reel. Wir können einfach diese Vergleiche, diese drei Leute, die packe ich einfach rein und dann versuche ich das irgendwie zu morphen mit Journey.

Ja, geil. Das wäre lustig. Wir sind noch nicht mal bei der Hälfte. Aber ich finde es verdammt spannend. Ich liebe die Geschichte, weil die hat so viel Anknüpfungspunkt. Das ist ja auch okay, wenn wir da jetzt heute mal... Ja, der hat einen Weg geebnet, dieser Mann. Was? Sie sind doch nicht kurz. Wir landen jetzt teilweise schon...

50 Minuten? Ja, teilweise knapp so ein bisschen runtergerutscht. Und wir wissen ja, es gibt da draußen viele von euch, die das leben, wenn die Folgen ein bisschen länger sind. Aber ich persönlich finde ja kürzere Folgen besser. Also zum Hören, nicht zum Vorbereiten. Nicht unbedingt immer. Also ich finde es manchmal sehr schwer, mich kurz zu fassen.

Aber wenn ich selber Podcasts höre, finde ich das manchmal ganz nett, wenn die ein bisschen kürzer und knackiger sind. Du, ich finde es auch scheiße, wenn ich längere Folgen schneiden muss. Weil das zieht sich. Aber ich fliege ja am Sonntag zurück. Das heißt, sie Stunden im Flugzeug eh rumkriegen. Gut.

Na, dann gebe ich dir mal ein bisschen was zu tun. Ich verspreche mich auch ein, zwei Mal. Im Jahr 1900 ist Wiley zum führenden Lebensmittelchemiker des Landes geworden und hat Techniken perfektioniert, um diverse Zusatzstoffe in Lebensmitteln zu identifizieren. Konservierungsstoffe wie Formaldehyd im Schweinefleisch, Salicylsäure in Obstkonserven, Borax im Landschinken und eine Vielzahl anderer giftiger Chemikalien sind in fast jedem Gericht auf den Esstischen im ganzen Land zu finden.

Doch der mittlerweile 56-Jährige ist frustriert. Nach all dem, was er herausgefunden hat, scheint der amerikanische Kongress immer noch nicht daran interessiert zu sein, etwas dagegen zu unternehmen. Und so kommt er auf eine Idee. Der einzige Weg, die amerikanische Regierung davon zu überzeugen, sich für Lebensmittelsicherheit einzusetzen, besteht laut Wiley darin, bestimmte Chemikalien an Menschen zu testen und ihre Auswirkungen zu dokumentieren.

Sein Plan ist relativ einfach. Er will eine Gruppe von Freiwilligen zusammenstellen, ihnen drei Mahlzeiten am Tag mit Lebensmitteln geben, die er gezielt mit gängigen Konservierungsstoffen vergiftet hat und dann beobachten. Wiley wendet sich an den Kongress, um persönlich für dieses Experiment zu werben und tatsächlich.

1902 stimmt der Kongress zu seiner großen Überraschung zu, Wileys Menschenversuche zu finanzieren und gewährt ihm 5000 Dollar für den Start. Nun musste der Chemiker nur noch willige Versuchspersonen finden. Also ich frage mich gerade, warum die das genehmigt haben. Haben die wirklich gedacht, das kann nicht so schlimm sein?

Weil das ist für mich gerade die einzige Erklärung, dass sie so ein Experiment zulassen. Weil wenn die wirklich wüssten... Wie schlimm das ist, dann hätten die doch so ein Experiment nicht einfach gegreenlighted, wie wir Marketingleute heute sagen. Das ist die einzige Erklärung. Ja, ich kann es dir nicht mit absoluter Sicherheit sagen, warum sie zugestimmt haben, aber ich kann mir vorstellen, dass es ein Konglomerat aus mehreren Sachen war.

Also einmal waren es ja Konservierungsstoffe, die weit verbreitet waren. Das waren jetzt keine Dinge, die total unbekannt waren. Das heißt, man wusste, formaldehyd ist in diversen Sachen drin. Viele Menschen essen das, da stirbt jetzt gerade keiner von, auch wenn schon Menschen daran gestorben sind. Das kann man ruhig mal machen und untersuchen. Dann war Wiley ja seit Jahrzehnten, daran, Dinge zu untersuchen und zu testen.

Und ich glaube, man hat ihm schon sehr vertraut, dass er jetzt keine Studie auf die Beine stellt, die dafür sorgt, dass alle Probanden sterben. Nur manche. Und ich kann mir auch vorstellen, dass er so willensstark und durchsetzungsstark war, dass die dann gesagt haben, ja okay, dann mach das jetzt. Aber ja, das Problem ist natürlich, dass er jetzt Versuchspersonen finden muss, weil ohne Versuchspersonen kann man auch keine Studie durchführen.

In seiner Idealvorstellung sind es robuste junge Männer mit Abenteuerlust und einem starken Magen. Als Entschädigung für die Teilnahme an der Studie verspricht Wiley den Probanden kostenlose Verpflegung. Und 5 Dollar im Monat. Das sind umgerechnet ungefähr 190 Dollar heute, also circa 160 Euro. Das war ganz schön viel Geld. Ja, das ist auch gefühlt so ein bisschen das, was man bekommt, wenn man heute an so Studienteilen, oder wenn man so in der Berliner U-Bahn sitzt und dann nehmen sie an dieser Studienteil 150 Euro Entschädigung.

Ja, habe ich auch gedacht. Was glaubst du denn, wie die Resonanz ist, Flo? Groß, weil am Ende, ich glaube, auf der anderen Seite sitzen auch ganz viele Menschen, die sich denken, ja, das esse ich eh jeden Tag, mein Gott, dann kann ich auch das gleiche Essen essen und dafür noch bezahlt werden. Ich glaube auch nicht, dass er diese Studie angekündigt hat mit den Worten wir testen hier was super Giftiges. Sondern gesagt hat, wir machen hier ein...

Also deswegen würde ich sagen, sehr groß. Eine Studie für die Menschheit. Richtig, ja. Zu Wileys großer Freude ist die Resonanz überwältigend. Er erhält Bewerberbriefe aus dem ganzen Land. Und einen dieser Briefe habe ich dabei. Ach wirklich, ist sehr wild. Okay, ein Brief aus Philadelphia. Oder nee, nach Philadelphia wurde der geschickt oder kam der aus Philadelphia? Der kam aus Philadelphia.

Wiley sitzt ja mittlerweile in Washington. In Washington, ja. Dear Sir, I read in the paper of your experiments on diet. I have a stomach can't stand anything. I have a stomach that will surprise you. I'm afflicted with seven diseases. Never went to a doctor for 15 years. They told me 15 years ago that I could not live eight months.

What do you think of it? My stomach can hold anything. Okay, also übersetzt man. Das ist im Grunde dieser, ich nehme mal an, dieser Mann berichtet davon, dass sein Magen alles aushält. Er hat einen Magen, der Wiley auch überraschen wird. Er hat, I'm afflicted with seven disease, also ich habe sieben Krankheiten und bin nie zum Doktor gegangen für die letzten 15 Jahre.

Vor 15 Jahren hat man mir gesagt, ich werde nicht länger als acht Monate leben. Was denken Sie davon? So nach dem Motto, können Sie mir da vielleicht noch eine kurze medizinische Einschätzung geben? Wahrscheinlich wenn man schon mal dabei ist wenn man ihn schon mal an der Strippe hat und dann aber hinten raus nochmal um das Ganze zu versichern my stomach can hold anything also mein Magen hält alles aus ich glaube dem, sofort.

Dass der Wagen alles aushält. Ja, den würdest du einstellen, ja? Für deine Studie? Ich frage mich, was das für ein ehemaliger Landsmann ist, weil das Englisch ist ein bisschen ruppig. Es klingt ein bisschen deutsch. Also weißt du, dass es ein deutscher Einwanderer war, der sich dafür beworben hat? Ja, vielleicht hat er sich auch vertippt. Das ist ja offensichtlich mit einer Schreibmaschine.

Wenn man sich da einmal vertippt hat, dann kann man das auch nicht rückgängig machen. Und deswegen, da steht ja auch eine 7 und danach ist 7 nochmal ausgeschrieben. Also vielleicht musste es auch ganz schnell gehen. Wer weiß das schon? Wer weiß das schon? Es ist auf jeden Fall so, dass Wiley keine großen Schwierigkeiten hat, Teilnehmer zu finden.

Und er ist auch ein bisschen überrascht davon, dass so viele Menschen bereit sind, anzureisen, um an den Versuchen teilzunehmen. Wiley entscheidet sich dann für zwölf Freiwillige. Alles junge Männer in ihren Zwanzigern. Nein. Ah, okay. Erstmal. Der Deal ist, als Gegenleistung für das Essen und die Bezahlung müssen die Männer zustimmen, dreimal am Tag und sieben Tage die Woche nur das zu essen, was Wiley serviert.

Sich nach jeder Mahlzeit einer Reihe von körperlichen Untersuchungen zu unterziehen und zu versprechen, die Bundesregierung nicht zu verklagen, falls sie dabei zu schaden kämen. Geil. Wiley will den zwölf Männern jetzt monatelang unterschiedliche Chemikalien verfüttern und herausfinden, ob man stirbt, wenn man zu viel von ihnen isst.

Was hältst du von dieser Idee, Flo? Ja, nicht viel. Ich hätte jetzt gedacht, dass er ihnen das Essen so vorsetzt, wie es auch verfügbar ist auf dem freien Markt. Aber dass er das Ganze mit dem Ziel angeht, zu schauen, ob die sterben, das ist schon wild. Also das grenzt an Menschenversuche, die man sonst nur aus anderen Zeitepochen kennt.

Ja, aber das ist schon die Frage, die über allem steht, wie gefährlich sind diese Chemikalien und das Ende ist tatsächlich auch offen. Also es wird natürlich eng begleitet von Wiley, aber ich sag gleich nochmal mehr zu dem genauen Ablauf der Studie, aber es ist nicht klar, wie es ausgehen wird. Und ich finde auch, wenn man von diesem Experiment heutzutage liest, denkt man als erstes, dass das heutzutage natürlich unmöglich wäre.

Also man würde das natürlich an keiner einzigen Kontrolle vorbeibringen. Der Mann weiß aber ja, was er tut. Also im Dienste der Wissenschaft. Weiß ich nicht. Doch er ist schon wirklich, er ist seit Jahren im Labörchen und untersucht alle möglichen Stoffe. Und es ist mit einem gewissen Risiko verbunden, keine Frage.

Aber alle haben Vertrauen in ihn. Ja, aber ich finde, Menschen irgendwie an den Rand des Todes zu bringen, naja, okay, machen wir weiter. Ich bin mal gespannt, wo das Ganze hier hingeht. Ja, die ganzen Menschen, die mitmachen, also die Probanden, wollen auch im Dienste der Wissenschaft mitmachen. Und das habe ich dann nämlich auch gedacht, so Medikamentenstudien heutzutage sind ja auch nicht viel anders. Also klar steht da selten die Option im Raum, dass man auch sterben könnte.

Aber ganz ausgeschlossen ist das ja auch nicht. Ich liebe ja auch hier in den USA, müssen ja bei so Medikamenten Werbung, die es ja sehr viel gibt, müssen ja immer alle Nebenwirkungen mitgenannt werden. Das heißt, so eine Werbung für irgendein Medikament ist meistens so anderthalb Minuten lang und die ersten 10 Sekunden, 15 Sekunden ist, dieses Medikament rettet dein Leben. Und dann kommen die ganzen Nebenwirkungen, das ist irgendwann auch immer plötzlicher Tod.

Ja? Oh Gott. Also, weil natürlich irgendeine Nebenwirkung kann das ja schon immer sein. Medikament, aber ich übertreibe hier natürlich schamlos, aber meistens sind die Nebenwirkungen auch exakt das, was behandelt werden soll. Egal, komm, wir machen weiter. Ich rede mich heute irgendwie um Kopf und Kragen.

Ja, das merke ich. Im Winter 1902 ist es dann soweit. Das Experiment startet. Wileys Speisesaal wird eröffnet. Und ganz im Sinne seines eigenen schwarzhumorigen Charakters stellt Wiley ein Schild neben dem Eingang auf, auf dem steht »Nur die Mutigen dürfen hier speisen«. Ich habe ein Foto von einigen Männern, die bei dem Experiment mitmachen, damit wir die Probanden auch endlich mal sehen können. Okay, also Wiley steht in der Mitte.

Jetzt ist es wirklich Gustav Gründgens in Mephisto. Also diese Augenbrauen. Also ich muss den Gustav Grundgründgens, muss ich jetzt googeln. Also Gustav Gründgens. Grundgütiger, denke ich mir nur. Gründgen. Also es sind zwölf adrette junge Herren. Alle schick gekleidet, also alle in so Anzügen und Gelees.

Ich checke den Mephisto-Bezug jetzt, sorry. Okay, gut. Ich muss sagen, die sehen alle schick aus. Und die sehen jetzt nicht aus wie Männer, die irgendwie das Geld nötig hätten. Also weißt du, ich hätte jetzt gedacht, oder die wurden halt ein bisschen schick hergerichtet für dieses Bild. Ich hätte jetzt gedacht, dass sich da auch Leute bewerben, die vielleicht irgendwie am Rande der Armut leben und sich denken, ja, die 5 Dollar, die nehme ich mit.

Aber die sehen alle so aus, als hätten die auch irgendwo an den Elite-Unis studiert, oder würden Medizin studieren und sich jetzt für dieses Experiment bewerben, weil sie so an die Medizin glauben zum Beispiel. Genau, aber das ist auch der Fall. Die wollen das alle im Dienste der Wissenschaft. Ja, und man sitzt da an einem Tisch mit einer weißen Decke in einem holzvertefelten Raum, stehen die ganzen.

Und ja, es könnte halt irgendwie auch so ein Kongressbild sein. Dass man sich jetzt einfindet, gut speist und dann über die neuesten OP-Techniken spricht. Ich finde, der zweite von links in der unteren Reihe sieht wahnsinnig jung aus. Ja, habe ich auch gerade gesehen. Und der rechts neben ihm sehr alt. Ah, das ist, glaube ich, dieser Schnauze.

Ja, das macht der, der Schnörres, ja. Der macht ihn alt. Aber das könnte auch irgendwie so ein Bild vom Pfingst-Opening von Sylt sein. Also die sehen alle so aus, als wüssten die, wie man so eine Magnum-Flasche Dom Perignon öffnet. Hast du recht. Das Experiment geht jetzt los und ab jetzt bereitet Ihnen ein professioneller Koch jeden Tag wunderschön angerichtete Speisen zu.

An Weihnachten gibt es sogar Truthahn, ansonsten häufig Kartoffeln, Fleisch mit Soße und Gemüse. Die Versuchsgruppe vereinbart, keine Speisen oder Getränke von außerhalb zu konsumieren, außer Wasser. Aber selbst das muss abgemessen und gemeldet werden. Jeder Teilnehmer notiert vor jeder Mahlzeit sein Gewicht, seine Temperatur und seinen Puls sowie das, was er isst.

Jede Woche untersuchen Ärzte des Public Health and Marine Hospital Service die Teilnehmer. Alle Symptome werden gemeldet. Regelmäßig werden Urin- und Stuhlproben zur Analyse abgegeben. Die Männer wissen natürlich, dass sie potenzielle Gifte zu sich nehmen. Sie wissen aber nicht, welche Lebensmittel die Substanzen enthalten.

Zunächst wird Borax der Butter beigemischt, woraufhin die Männer plötzlich eine Abneigung dagegen entwickeln. Wiley probiert es dann in Milch, Fleisch und Kaffee aus. Aber er beobachtet, dass die Männer, sobald sie herausfinden, welche Lebensmittel die Substanzen enthalten, anfangen, weniger davon zu essen und diese Lebensmittel schließlich ganz meiden.

Daher beschließt er, schon früh in den Versuchen, die Konservierungsstoffe nicht länger zu verbergen und beginnt stattdessen sie in Gelatinekapseln einzufüllen. Vorherige Tests hatten gezeigt, dass sich die Kapseln, wenn sie mitten während der Mahlzeit eingenommen werden, schnell in der verdauten Nahrung auflösten, im Falle von Borax ohne Beschwerden.

Für den Rest der fünf Jahre, die die Studie andauern soll, werden nur noch Kapseln verwendet. Jeder Proband willigt ein, für mindestens sechs Monate an der Studie teilzunehmen. Das heißt also von diesen ursprünglichen zwölf, die mitgemacht haben, haben nicht alle diese fünf Jahre durchgestanden. Ich glaube ehrlich gesagt kein einziger der zwölf, sondern die mussten einwilligen, dass sie mindestens sechs Monate mitmachen und danach wurden neue Probanden gesucht und eingestellt.

Du wirst wahrscheinlich noch darauf zurückkommen, ob jemand gestorben ist, deswegen stelle ich die Frage hier noch nicht. Aber Gelatinekapseln heißt, die haben einfach normal gegessen und sich dann einfach wie so Tabletten eingeworfen? Okay. Haben die geschmeckt, dass da Borax drin war? Also hat das eine geschmackliche Veränderung gehabt?

Ich glaube nicht. Ich glaube auch, wenn man zustimmt, dass man an so einem Experiment teilnimmt, dass man dann irgendwann so. Ein bisschen verhalten wird, wenn man vor sich ein Stück Fleisch sieht und denkt, das ist das Stück, was vergiftet wurde, das möchte ich lieber nicht essen. Während es, wenn du die Pille vor dir liegen hast und weißt, okay, da ist das jetzt drin, das vielleicht irgendwie für den Kopf leichter zu...

Beziehungsweise kommst du ja dann nicht mehr drum rum. Also das ist dann so, entweder du isst das jetzt oder du bist halt nicht mehr Teil des Experiments. Und wenn du schon im großen Dienste der Wissenschaft stehen möchtest, dann kannst du die Tablette ja auch dann schlucken. Haben die zusammen dann auch gewohnt dort irgendwie in der Gegend?

Weil das ist ja schon auch ein Aufwand, dreimal am Tag dann da hinzukommen und zu essen. Also da kannst du ja nicht mehr viel anderes nebenbei noch machen. Also ich habe jetzt nichts dazu gefunden, dass sie da irgendwelche Wohnungen gestellt bekommen haben oder so. Ich weiß, dass sich eben Leute aus dem ganzen Land beworben haben und er deshalb ja so überrascht war davon, dass Leute gewillt sind, extra anzureisen.

Ich glaube, dass die aber weitestgehend ihrem normalen Leben, Beruf nachgegangen sind und vielleicht sogar selber auch am Ministerium oder so gearbeitet haben. Und eben nur zum Essen vorbeigekommen sind. Aber ich habe jetzt nichts dazu gefunden. Wie die gelebt haben. Fünf Jahre ist schon echt lang, ne?

Also da hoffe ich jetzt auch mal, dass der da was rausgefunden hat. Ja, hat er. Aber bevor wir zu seinen Ergebnissen kommen, kommen wir jetzt erst mal darauf, was diese Studie so mit der Bevölkerung gemacht hat. Denn man kann sich ja sicherlich vorstellen, dass die Studie schnell Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ja.

Vor allen Dingen, die amerikanischen Zeitungen schmeißen sich auf die Geschichte. Die Washington Post gibt der Studie den Namen Poison Squad. Und während die amerikanische Bevölkerung mal mehr, mal weniger empört darüber diskutiert, ob diese Studie wirklich sein muss, untersucht Wiley fröhlich weiter.

Er untersucht während der Poison Squad Experimente Formaldehyd in Lebensmitteln, er untersucht Borax, ein Reinigungsmittel, er untersucht Salicylsäure, ein fiebersenkendes Medikament und er wechselt diese Substanzen in den Tests immer wieder ab. Innerhalb weniger Tage beginnen die Männer, alle möglichen Magendarmprobleme und andere Beschwerden zu entwickeln.

Für Wiley ganz klar ein Indiz, amerikanische Lebensmittel sind giftig. Als er erfährt, dass Reporter begonnen hatten, den Koch der Poison Squad durch ein Kellerfenster zu interviewen, folgt er sich dem unvermeidlichen Interesse und nimmt die Reporter ins Vertrauen. Er berichtet in Zeitungen ab jetzt die jedeste Teil des Experiments und dessen Auswirkungen auf die Männer.

Und nun beginnt sich eine Welle der öffentlichen Empörung abzuzeichnen. Obwohl Wiley befürchtet, die Boulevardgeschichten könnten seine wissenschaftliche Arbeit untergraben, sieht er ein, dass die Nation dank der Berichterstattung zum ersten Mal über Lebensmittelsicherheit spricht. Das heißt, die Empörung richtet sich nicht gegen sein Experiment, sondern gegen die Lebensmittel und was da drin ist? Jetzt ja.

Anfangs fand man das Experiment auch empörenswert. Aber jetzt, wo er ans Licht kommt, was für Beschwerden die Männer teilweise entwickelt haben, Wird immer mehr über mangelnde Lebensmittelsicherheit in Amerika diskutiert. Es gibt auch ein Foto von dem Koch, was ich dir nicht vorenthalten möchte. Da siehst du nämlich dann auch die Küche, in der er die Gerichte zubereitet.

Also Küche ist ein großes Wort. Also das ist... Naja, es sind zwei Öfen. Ja, und rechts ist so ein kleiner Tisch und links ist so ein kleiner Tisch. Ja, ich meine, wir haben 1902, ne? Wir haben 1902, aber das ist schon rough, ne? Also das sind so zwei gusseiserne Öfen mit insgesamt dann acht Kochflächen, so wie es aussieht.

Der Koch ist schwarz. Wissen wir, wie er heißt? Ja, sein Name ist William R. Carter. Wissen wir, ob Wiley ihn bewusst eingestellt hat? Weil ich meine, Anfang des 20. Jahrhunderts, die Sklaverei ist zwar abgeschafft, aber sozusagen die Rassentrennung ist in den USA ja immer noch sehr präsent. Und das kann ja in beide Richtungen als ein Statement gelesen werden.

Und du hast ja vorhin angesprochen, dass sein Vater auch vielen Sklaven geholfen hat, aus der Sklaverei zu fliehen. Sehe ich das so ein bisschen als Statement von ihm, ihn in so ein Experiment mit einzubinden, als ich möchte hier jemandem die Möglichkeit geben, sich in so einem Kontext einzuarbeiten?

Das kann ich leider nicht sagen. Das sind Mutmaßungen, aber ich finde, die klingen ganz schlüssig. Aber noch bevor Wiley auch nur ein einziges Ergebnis seiner Studie veröffentlicht, ist die Poison Squad zu einem kulturellen Phänomen geworden und ihre Heldentaten, ob real oder imaginär, werden legendär.

Sie inspirieren Karikaturen, Gedichte und sogar Lieder. Das ganze Land ist wie gebannt von den Schilderungen einst gesunder junger Männer, die durch eine Borax-Vergiftung krank wurden. Nur die Hälfte der Teilnehmer, so Wiley, habe es geschafft, die letzte Testrunde durchzuhalten, während der Rest aufgrund von Krankheit ausgeschieden sei.

Niemand fiel tot um. Aber der Kontakt mit dem Borax machte sie krank. Wiley beendet die Experimente erst, als die Chemikalien mehrere der Probanden so krank machen, dass sie arbeitsunfähig sind. Sie klagen über Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Letztendlich verhilft die öffentliche Aufmerksamkeit Wiley zu einer Anhörung vor dem Kongress, sowie zur Unterstützung für seine These, dass chemische Konservierungsstoffe in hohen Mengen in Lebensmitteln nichts zu suchen hätten.

Ich muss die folgenden Jahre jetzt etwas zusammenfassen und zusammenraffen, weil das hier sonst den Rahmen absolut sprengen würde. Aber es ist so, dass die Lebensmittelindustrie schon damals starken Einfluss auf die Gesetzgeber ausübt. Und Wiley hat natürlich mit Gegenreaktionen der Industrie gerechnet, aber es überrascht ihn dann doch, dass der Kongress, nachdem er ihn angehört hat, keine Lebensmittelgesetze verabschiedet.

Die großen Lebensmittelhersteller haben gewonnen und nichts verändert sich. Obwohl er die Ergebnisse der Studie hat, obwohl die Öffentlichkeit jetzt auch immer lauter wird, aber er ist einfach nicht so einflussreich wie die Hersteller. Aber Wiley ist ein hartnäckiger Mensch. Er hat dieses eine Ziel und er will es einfach nicht aufgeben.

Was er schließlich tut, ist, sich zurückzuziehen und zu beschließen, dass er sich Verbündete suchen muss. Er muss effektivere Wege finden, um für Lebensmittelgesetze zu kämpfen. Und die findet er in der aufkeimenden Frauenrechtsbewegung. Er sucht sich Unterstützung von Frauengruppen. Nicht wegen ihres direkten politischen Einflusses, denn den haben sie damals nicht, sondern wegen des Drucks, den sie im privaten Bereich ausüben könnten.

Die sind schließlich diejenigen, die die Lebensmittel kaufen. Sie sind diejenigen, die für die Versorgung ihrer Familie zuständig sind. Daher sind das alles Informationen, die für sie relevant sind. Wiley macht sich auf den Weg und spricht vor Frauengruppen im ganzen Land und mobilisiert sie, sich seinem Kreuzzug für Lebensmittelsicherheit anzuschließen, ihre Stimmen zu erheben und sich Gehör zu verschaffen.

Seine Bewegung gewinnt dann deutlich an Bedeutung, als sich Fanny Farmer der Sache anschließt. Sie gehört zu den bekanntesten progressiven Stimmen ihrer Zeit, setzt sich für die Stärkung der Frauen ein und gilt als eine der Wegbereiterinnen der modernen Hauswirtschaft. Außerdem ist sie die erfolgreichste Kochbuchautorin des Landes.

Die Martha Stewart des frühen 20. Jahrhunderts. Als sie beginnt, sich öffentlich für reine und sichere Lebensmittel einzusetzen, hört ihr Publikum aufmerksam zu. Vor allem Mütter und Hausfrauen. Pharma warnt ihre Leserinnen vor den Gefahren von Stoffen wie Borax oder Salicylsäure. Genau diese Zusätze bereiten ja auch Harvey Wiley große Sorgen.

Und dann beginnt sich auch in der Industrie der Wind zu drehen. Henry J. Heinz erkennt, dass sich die öffentliche Meinung verändert. Er spürt, dass das Interesse an sicheren und unverfälschten Lebensmitteln wächst und dass sein Unternehmen davon profitieren könnte. Dabei geht es nicht nur um Idealismus oder darum, etwas Gutes zu tun.

Heinz sieht darin auch eine wirtschaftliche Chance. Der entscheidende Auslöser ist für ihn Ketchup. Sein Unternehmen entwickelt eine neue Rezeptur, die deutlich mehr Essig enthält und dadurch einen höheren Säuregehalt besitzt. So wird sein Ketchup länger haltbar, ohne dass zusätzliche Konservierungsstoffe nötig sind.

Gleichzeitig schmeckt die neue Rezeptur besser und kommt vollständig ohne künstliche Zusätze aus. Genau damit wirbt Heinz jetzt auch in seiner Werbung. Das Unternehmen betont immer wieder, dass sein Ketchup rein ist und macht Reinheit zu einem zentralen Bestandteil seiner Markenbotschaft. Da habe ich noch einen Gedanken dazu, weil ich musste ganz am Anfang schon daran denken, dass ja viele Marken, die wir heute noch so kennen, eben genau dadurch groß geworden sind, dass man groß geschrieben hat, wir sind sauber.

Und es ist immer eine gleichbleibende Qualität. Also eine Coca-Cola schmeckt überall auf der Welt gleich, ein Heineken schmeckt überall auf der Welt gleich. Dieses Gleichbleiben, Einfach ein Qualitätsmerkmal ist, was man vor allem Anfang des 20. Jahrhunderts, wo all diese Marken groß geworden sind, nicht unterschätzen darf.

Das wollte ich am Anfang schon sagen, aber dachte, ich habe mir das nicht reingepasst. Ja, also wir bewegen uns auf jeden Fall gerade in einer mega spannenden Zeit. Was unter anderem die Lebensmittelindustrie angeht, aber auch andere Industrien. Wir befinden uns ja auch in der Industrialisierung. Aber es gibt dann so einen Vorfall, der das letzte Tröpfchen ist, was alles dann zum Überlaufen bringt.

Im Jahr 1906 sind alle Zeitungen des Landes voll von ekelerregenden Details über die schmutzigen Zustände bei Chicagos größten Rindfleischunternehmen, wie sie in einem vernichtenden Buch namens The Jungle des Schriftstellers Abton Sinclair beschrieben werden. Das ist das, was Flo eben auch schon mal angesprochen hat und auch schon in einer anderen Folge.

Und ich denke, dass diese Geschichte verrückt genug ist, um eine eigene Folge zu bekommen. Ja, ich habe darüber schon mal nachgedacht, ob man darüber eine eigene Folge macht. Das Ding ist, diese Zustände in diesen Fleischfabriken ist eigentlich immer nur so ein Beiwerk. Weil die Geschichte selber ist eigentlich eine Immigrationsgeschichte, die darin endet, dass es eigentlich eine Kampfschrift für den Sozialismus ist. Ohne jetzt zu spoilern.

Aber ich weiß nicht, wie man das Buch am besten im Podcast bespricht. Aber vielleicht muss man nicht das Buch besprechen, sondern vielleicht gibt es ja trotzdem eine Geschichte eines Fleischbetriebschefs oder eines Mitarbeiters oder so. Ja, oder auch wie es dazu kam, weil Abtun Sinclair hat ja auch in dieser Zeit gelebt. Ja, ich denke nochmal drüber nach.

Ja, deswegen, also genau, ich gehe da jetzt nicht so drauf ein, aber Fakt ist auf jeden Fall, nachdem die Zeitungen alle darüber geschrieben haben, die amerikanische Lebensmittelindustrie ist bis ins Mark verdorben. Am 30. Juni 1906 unterzeichnet der amerikanische Präsident Theodore Roosevelt offiziell sowohl das Fleischkontrollgesetz als auch das Lebensmittel- und Arzneimittelgesetz.

Die allerersten Verbraucherschutzgesetze in der amerikanischen Geschichte. Es ist das erste Mal, dass die US-Regierung erklärt, sie sei für den Verbraucherschutz zuständig. In den Zeitungen und in der Öffentlichkeit erhält das Gesetz über reine Lebensmittel und Arzneimittel jedoch einen anderen Namen.

Wiley Act oder Dr. Wileys Gesetz. Nachdem das Lebensmittelgesetz in Kraft getreten ist, fordert Wiley ein vollständiges Verbot von Formaldehyd und allen anderen chemischen Verfälschungsmitteln, die er im Poison Squad getestet hat. Doch dazu soll es vorerst nicht kommen. Denn ein anderes Ereignis steht ins Haus.

1911 heiratet der 67-jährige Junggeselle seine große Liebe, die 30 Jahre jüngere Anna Kelton. Eine Frau, die ihn mehr als ein Jahrzehnt zuvor abgewiesen hatte. Zu diesem Zeitpunkt ist Anna eine bekannte und lautstarke Frauenrechtlerin, die Wyleys Leidenschaft für soziale Reformen teilt. Sie bekommen sogar noch mehrere Kinder. Am 15. März 1912 tritt Harvey Wiley nach fast 30 Jahren als Chefchemiker offiziell aus dem Bundeslandwirtschaftsministerium aus.

Die Aufzüge und Treppen, die zu seinem Büro führen, sind voller Gratulanten, die seinen Abschied bedauern. Aus dem ganzen Land strömen Würdigungen seiner Arbeit herein. Aber der 68-jährige Wiley wird nicht lange aus der Öffentlichkeit verschwinden. Denn er startet einen Podcast. Fast. Die Frauenzeitschrift Good Housekeeping ist damals für ihren kämpferischen Geist bekannt und Wiley hatte das Landwirtschaftsministerium kaum verlassen, als ihm eine Stelle als Leiter der Abteilung für Ernährung, Gesundheit und Hygiene bei der Zeitschrift angeboten wird.

In seiner neuen Position leitet Wiley ein hochmodernes Labor, um Produkte zu testen und die Leserinnen über deren Sicherheit zu beraten. Außerdem verfasst er eine Kolumne über Lebensmittelsicherheit und Ernährung. Für Wiley war die neue Stelle wie geschaffen. Ist ja geil, ist eigentlich unser Kollege.

Ist eigentlich unser Kollege. Deswegen meinte ich, hat fast einen Podcast gestartet. Faszig. Wenn er damals schon ein Mikro gehabt hätte, hätte er mit Sicherheit einen Podcast gehabt. Wiley verbringt den Rest seines Lebens damit, gegen eine korrupte Lebensmittelindustrie zu wettern. Und er legt sich im Laufe der Jahre immer wieder mit großen US-Konzernen an.

So auch mit Coca-Cola. Deren stark koffeinhaltiges Getränk Coca-Cola eher für Kinder, die Hauptzielgruppe dieser Limonade, als nicht geeignet empfiehlt. Also die Schnauze halten, also wirklich, also jetzt mit sowas um die Ecke zu kommen, unsere Coca-Cola so in den Dreck zu ziehen hier. Ich will nur nochmal unterstreichen, er hat vor keinem Hersteller zurückgescheut. Witzig.

Ja, spannend. Auch mit der Regierung spricht er natürlich immer wieder über schärfere Gesetze und Kontrollen. Als er 1930 im Alter von 85 Jahren stirbt, wird Harvey Washington Wiley auf dem Arlington-Friedhof beigesetzt. Auf seinem Grabstein stehen die Worte, Vater des Gesetzes über reine Lebensmittel.

Nach seinem Tod wird in den USA im Jahr 1938 ein Gesetz verabschiedet, mit dem die moderne FDA, also die Food and Drug Administration, geschaffen wird. Das ist die US-amerikanische Zulassungs- und Überwachungsbehörde. Viele Menschen bezeichnen Wiley immer noch als den Vater der FDA, obwohl er starb, bevor diese gegründet wurde, Die Männer der Giftkommando-Truppe sind weitgehend in Vergessenheit geraten.

Ihre Namen wurden der Öffentlichkeit vorenthalten. Ihr Einsatz wurde zwar nie gewürdigt, aber er war ein wichtiger Beitrag zur Wissenschaft und zur öffentlichen Gesundheit. Das war die Geschichte von Harvey, Wiley und der Poison Squad. Und obwohl sein Essensexperiment stark polarisiert und auch bis heute übrigens wissenschaftlich umstritten bleibt, führt seine Bemühungen zu einer wissenschaftlich fundierten Regulierung von Lebensmittelzusatzstoffen mit vernünftigen Beschränkungen.

Und ich finde, es sind eigentlich zwei Food Crimes in einem. Also einmal ist es natürlich ein Crime aus unserer heutigen Sicht, dass man Menschen Gift füttert, um zu gucken, was das mit denen macht, also für eine wissenschaftliche Studie. Auf der anderen Seite sind natürlich die ganzen Machenschaften der Industrie genauso große Crimes gewesen und auch bis heute auch immer noch Crimes.

Deswegen sind es zwei Food Crimes in einem gewesen. Für alle, die noch mehr wissen wollen, es gibt eine Art Dokumentation mit dem Titel Gift auf den Teller von John Maggio. Sie behandelt das Leben von Harvey Wiley und es gibt ein Buch mit dem Namen The Poison Squad, One Chemist's Single-Minded Crusade for Food Safety at the Turn of the 20th Century von der Autorin Deborah Bloom.

Sie ist Wissenschaftsjournalistin und Autorin und arbeitet am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge. Ihr Buch wurde 2020 auch als PBS-Dokumentarfilm verfilmt. Ich habe ihn nicht geschaut und weiß auch nicht, wo man hier den in Deutschland gucken kann, wo der verfügbar ist, aber wenn ihr euch dafür interessiert, das ist ja nicht Wege, den Film zu schauen.

Ich schreibe euch das natürlich alles in die Infobox. Ich glaube, PBS kann man sogar mit einem VPN schauen. Das ist ja der öffentliche Rundfunk, der amerikanische. Man muss nur zahlen, aber man kann so viel zahlen, wie man möchte. Ja, guck mal. Dann habt ihr ja hiermit schon einen Weg. Ja, das war die heutige Geschichte rund um Harvey Wiley und den Poisson Squad.

Ah, fantastisch. Ich bin großer Fan dieser Folge. Wirklich von vorne bis hinten. Da war so viel dabei, von dem ich noch nie was gehört habe. Und diese ganze Geschichte ist absurd. Also schon schlimm auch, wie du gerade schon angesprochen hast. Aber vor allem in erster Linie faszinierend. Danke. Gerne. Und ich fand es nochmal interessant zu lesen, dass das alles ja, ein bisschen länger als 100 Jahre her ist.

Und die Vorstellung, dass man einfach nicht sicher sein konnte, dass das, was man isst, einen nicht umbringen würde, die finde ich, die fand ich spooky. Ja. Also klar, man kann das immer alles nicht so easy peasy miteinander vergleichen, aber wenn ich mir vorstelle, dass ich jetzt in den Supermarkt gehe und da irgendwie eine Konserve mit Erbsen oder so kaufe und es sein kann, dass die mich umbringt, wenn da irgendwie zu viel von der Chemikalie drin ist.

Die geht irgendwie nicht in meinen Kopf rein. Nee. Und das waren einfach damals noch andere Zeiten. Aber Florian, du weißt ja, was jetzt noch kommt. Um diese Folge noch rundab schließen zu können, würde ich dich bitten, einmal deinen persönlichen Foodcrime mit uns zu teilen. Ich habe natürlich wieder einen aus der Community dabei und zwar von Alex.

Und Alex hat mir geschrieben, sein absoluter Foodcrime. Sind viele griechische Restaurants, weil es scheint immer noch nicht so ganz angekommen, dass vegetarische oder vegane Gerichte in griechischen Restaurants serviert werden. Die meisten Gerichte sind total fleischlastig, da ist es schwierig, ein normales Gericht zu bestellen.

Meist muss man Variation der Vorspeisen nehmen. Und ich kann das dahingehend nach, ich war noch nie in Griechenland, aber ich wollte darüber sprechen, weil du schon in Griechenland warst. Und ich von vielen Seiten schon gehört habe, dass in Griechenland das eigentlich total einfach ist, vegan zu essen, weil die griechische Küche ganz viele vegane und vegetarische Speisen bereithält.

Nur bei uns in Deutschland, wenn man in Restaurants geht, in griechische Restaurants, das scheinbar komplett in Vergessenheit geraten ist und man eigentlich nur rechts und links mit Fleisch und Moussaka und wie es alles heißt zugeschissen wird, das ist auch immer zu schwer. Also ich kann da voll mitgehen. Du bestellst den kleinen Fleischteller und kriegst fünf Kilo.

Richtig. Ich gehe auch ungern in griechische Restaurants. Es gibt in Berlin am Weinberg, gibt es so einen ganz kleinen Laden, das ist so griechisches Essen, wie ich es gerne essen würde. Also die haben auch viele vegetarische Sachen, macht Spaß dahin zu gehen. Namen weiß ich nicht, findet ihr, wenn ihr das wollt.

Aber ich kann das auf jeden Fall nachvollziehen, was Alex sagt. Ich kann es auch nachvollziehen. Ich finde, bei griechischen Restaurants gibt es keine normalen, guten, soliden Griechen. Es gibt entweder diese Griechen, bei denen dir danach wirklich, du hast das Gefühl, du hast ein halbes Schwein gegessen und das war auch noch frittiert.

Oder du hattest so ein ganz tolles Erlebnis. Es gibt nicht so wie bei italienischen Restaurants, so ja, das ist so ein solider, solider Pizzeria, kann man machen, machst du nichts falsch. Da gibt es auch eine breite Auswahl. Du machst entweder was falsch oder du machst alles richtig. Richtig. Das, da gehe ich mit.

Ich finde aber auch, wenn du dann einen guten erwischt hast, gibt es wirklich fantastisches essen also es gibt den du jetzt empfohlen dass den kenne ich gar nicht in berlin ich habe auch in kreuzberg hier, Ich wohne ja in Kreuzberg, jetzt kann ich es ja mal sagen. Gibt es auch einen Fantastischen bei mir in der Nähe.

In Griechenland habe ich auch solche und solche Erfahrungen gemacht. Also ich war auch schon mal auf einer kleinen griechischen Insel. Da gab es abends im Restaurant nur frischen Fisch, was ich natürlich super fand, weil ich gerne Fisch esse. Aber da war für vegetarisch lebende Menschen und vegan lebende Menschen auch wäre nichts dabei gewesen.

Also man muss auch dazu sagen, auf dieser Insel leben, glaube ich, wirklich ungelogen 300 Menschen und sonst war da niemand. Da gibt es jetzt vielleicht auch einfach nicht so AbnehmerInnen für anderweitige Ernährungsgeflogenheiten. An anderen Orten habe ich das auch so erlebt, dass du sehr, sehr leicht vegetarisch essen kannst und vegan wahrscheinlich auch.

Ich könnte manchmal nachts für griechischen Salat aufstehen, aber dann halt auch nur den griechischen Salat, den es in Griechenland gibt. Also bei dem jedes Produkt, und da ist ja nicht viel drin, so aromatisch und lecker schmeckt. Ich habe in allen Griechenland-Urlauben, die ich gemacht habe, jeden Tag mindestens einen griechischen Salat gegessen, weil der mich süchtig macht.

Der ist eine Offenbarung für mich. Und der ist ja sehr vegetarisch. Ich freue mich jetzt so auf den Sommer. Ich verstehe den Foodcrunk. Wenn jetzt hier die Bauernstände aufmachen, das ist ja hier in New Jersey, wo wir wohnen, an jeder Ecke hast du irgendwie so einen kleinen Stand von so kleinen Bauerbetrieben oder Bauereibetrieben, die ihre Sachen verkaufen.

Und wenn man dann wieder anfangen kann, sich so frische Tomaten, frische Gurken, dann noch eine rote Zwiebel und dann hier vorne gibt es so eine Käserei und dann noch so einen frischen Feder. Und mehr brauchst du ja nicht. Und die Sachen einfach zusammenwerfen. Schmackofatz. Und ich habe ein neues Wort gelernt. Bauereibetrieb habe ich vorher noch nie gehört. Ich wusste gar nicht, wie ich Farm übersetze.

Bauerei. Ich arbeite auf einer Bauerei. Ja, warum denn nicht? Wie würdest du sagen? Also Bauernhof? Bauernhof. Hilfe, ich werde einer von diesen Menschen, die sich nicht mehr an deutsche Begriffe ändern können. Ja, Bauerei. Schlimm, schlimm, schlimm. Ja, kein Problem. Deswegen aber übrigens auch diese ganzen englischen Begriffe immer, über die sich die eine oder andere Person manchmal beschwert.

Leute, Florian lebt in Amerika. Der redet den ganzen Tag nur Englisch. Das stimmt nicht. Außer er tauscht sich mit mir aus. Ich rede auch mit meiner Frau Deutsch. Ich weiß. Ich rede auch mit Leuten auf der Straße Deutsch und die gucken dann immer komisch. In Amerika wird er angefeindet dafür, dass er immer mit deutschen Begriffen um sich wirft und in Deutschland wird er dafür angefeindet, dass er so viel Denglisch redet.

Leute, was er macht, er macht es falsch. Lasst ihn in Ruhe. Der Prophet im eigenen Land geht nicht. Und auch Solidarität spreche ich auch manchmal in Englisch. Yes, ma'am. Das war eine Folge. Das war eine runde, lange Folge. Ich freue mich auf Samstag. Schaltet ein, wenn es heißt, wir haben große Nachrichten.

Ja, macht das. Und seid weiterhin so lieb und freundlich zueinander und auch zu uns. Weiß auch nicht, Leute. Drückt euch doch einfach mal wieder. Selber. Auch selber. Gibt euch selber Liebe, aber auch anderen Leuten. Das ist ganz schön. Die meisten Leute sind nämlich auch nett. Ich weiß auch nicht, was das gerade ausmacht. Das war das Wort zum Sonntag.

Wir hören uns am Samstag wieder. Bis dahin. Gut. Tschüss. Im Sommer 1990 berichtet. Die Zeitung The Indianapolis News. Ganz kurz, du hast vorhin 1990 gesagt bei The Indianapolis News. War wahrscheinlich 1909, oder? Oh, wahrscheinlich 1890. Scheiße, jetzt muss ich den Namen der Zeitung nochmal sagen. Im Sommer 1890, berichtet die Zeitung The Indianapolis News. Das finde ich ganz schwer zu sagen.

Im Jahr 1883 wird Wiley zum Chefchemiker, da kommt der Kölsch in mir raus. Chefchemiker. The Chemiker. Zum Chefchemiker des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Chefchemiker. Chef, Chef, habe ich hier? Der Chefchemiker. Oh Gott, heute habe ich das mit der Aussprache. Er bezieht ein winziges Labor mit... Sag mal.

Er bezieht ein winziges Büro mit einem Labor am Keller. Als erstes will er die... Das Labor ist so klein, es ist nur ein Labor. Hab ich lacht? Das ist gar nicht mal so lustig. Ein ganz, ganz kleines Labor. Oh Mann. Wird's lustig. Ich lach eigentlich nur, weil du dich da so tierisch drüber freust über deinen Laborwitz. Das ist mein Erfolgsgeheimnis.

Ihr Einsatz wurde zwar nie gewürdigt, aber er war bei ... Aber scheiße, wie habt ihr das geschrieben? Da gibt's mir auch oft am Ende von so einem Skript, weil ich einfach noch so Sätze teilweise auch vergesse, zu Ende zu schreiben und so.

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