Food Crimes - Was schmeckt dahinter?

Der Pizzamord im Grunewald (feat. Hanna Reder)

Dienstag, 29. April 2025 · 1 h 08

MP3

Shownotes

Am Abend des 15. März 1982 wendet sich die Polizei Berlin in der Abendschau, den Nachrichten des Senders „Freies Berlin“ an die Bevölkerung. In den Morgenstunden entdeckte der Förster des Grunewalds eine Leiche. Das Opfer, eine junge Norwegerin, lag schrecklich zugerichtet mitten im Wald. Ein Mann, der am Tatort vorbeikam, erinnert sich, dass hier mitten im Grunewald ein unversehrter Pizzakarton lag. Ein Beweisstück, das die Polizei in den Ermittlungen wirklich voranbringen könnte. Doch jahrelang tappen die Ermittler:innen im Dunkeln. Bis der Pizzamörder ein weiteres Mal zuschlägt…

In dieser Folge geht es u.a. um sexuelle Gewalt, wenn ihr euch damit unwohl fühlt, überspringt die Folge lieber.

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Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin

Bevor es losgeht, ein kleiner Hinweis. In dieser Folge geht es unter anderem um sexuelle Gewalt. Wenn ihr euch damit unwohl fühlt, überspringt die Folge lieber. Am Abend des 15. März 1982 wendet sich die Polizei Berlin in der Abendschau, den Nachrichten des Senders Freies Berlin, an die Bevölkerung. In den Morgenstunden entdeckte der Förster des Grunewalds eine Leiche.

Das Opfer, eine junge Norwegerin, lag schrecklich zugerichtet mitten im Wald. Mit der Beschreibung des Opfers erhoffen sie sich nun Hinweise aus der Bevölkerung. Denn vom Täter fehlt jede Spur. Die Tote ist ca. 18 bis 25 Jahre alt und 1,60 Meter groß. Sie hat schwarze, kurze Haare. Und tatsächlich, kurz darauf meldet sich ein Mann bei der Polizei.

Er sagt, vom Mord hätte er zwar nichts mitbekommen, aber heute Morgen bei seinem Spaziergang ist er am angeblichen Tatort vorbeigekommen. Er erinnert sich deswegen so genau, weil er hier mitten im Grunewald einen unversehrten Pizzakarton gesehen hatte. Vielleicht hatte dieser ja etwas mit der Tat zu tun. Und tatsächlich, der Pizzakarton ist auch noch da, als die Polizei an den Ort kommt.

Das Ungewöhnliche, die Pizza war unangetastet, mit Salami, Ei und Peperoni belegt und eingewickelt in Aluminiumfolie. Ein Beweisstück, das die Polizei in den Ermittlungen wirklich voranbringen könnte. Doch jahrelang tappen die Ermittler in einem Dunkeln, bis der Pizzamörder ein weiteres Mal zuschlägt.

Das ist Foodcrimes. Was schmeckt dahinter? Mit Lilly Temmel, Florian Reza und der besten Gästin aller Zeiten. Hanna Reda. Wer Hanna bei Instagram und TikTok folgt, stellt schnell fest, Hanna lebt das Leben, das wir uns alle erträumen. Wenn sie im Sonnenaufgang in ihrem Garten Tomaten erntet, will man am liebsten selber die knackige Brandenburger Landluft durch die Kiemen ziehen und das Großstadtleben hinter sich lassen.

Mit ihren fantastischen Rezepten versucht sie uns ein Stück dieses Lebens mitzugeben. Möchte man die Zeichen richtig deuten, bald auch in ihrem ersten Kochbuch. Bis dahin vertreiben wir uns die Zeit mit ihrem Podcast Doppelrahmstufe, in dem sie und Zora Klipp jede Woche über allerlei Kulinarisches aus ihrem Leben erzählen.

Schön, dass du da bist. Oh mein Gott, I love it. Das war ganz doll süß. Ich freue mich richtig toll, hier zu sein. Danke. Wir freuen uns auch sehr. Stimmt das mit dem Buch? Ja, das mit dem Buch stimmt. Ich habe Doppelrahmstufe, es ist irgendwie so weird, weil ich doppe das immer mal wieder. Ich habe es nirgendwo so richtig gedroppt, Aber ich arbeite schon seit über einem Jahr an meinem ersten Kochbuch.

Ich shoote das auch schon ganz fleißig, denn das wird natürlich ein kleines, saisonales, regionales Kochbuch durch die Jahreszeiten werden. Und arbeite da mit meiner langjährigen Fotografin zusammen und shooten wirklich die Tomaten im Morgengrau mit Tautropfen obendrauf. Genau, das kommt im Oktober raus, mein erstes Kochbuch. Oktober, perfekt.

Wow, wie viel Arbeit ist das? Das klingt nämlich nach sehr viel Arbeit. Also ich finde es immer weird, zu sagen, wie viel das ist, weil ich habe ja eine lange Zeit, ich weiß nicht, ob ihr das wisst, aber ich habe bei Kitchen Stories gearbeitet, so ein Online-Kochbuch. Und da habe ich einfach fünf Jahre als Rezeptentwicklerin gearbeitet und jeden Tag Fotos geshootet.

Das heißt, ich bin so in dieser Fotorezeptentwicklungs- Shooting-Routine drin. Dass das ganz normal ist und dass ich vielleicht nicht merke, wie viel Arbeit es ist, aber es ist unglaublich viel Arbeit. Also es ist, naja, also ich will jetzt nicht sagen, dass man damit kein Geld verdienen kann mit so einem Kochbuch.

Aber es ist schon sehr, sehr viel Arbeit, was man da reinstecken muss, ja. Deswegen folgt Hannah einfach überall, wo ihr sie seht, damit ihr dann seht, wann das Buch rauskommt. Und übrigens den Podcast Doppelrahmstufe, den du mit Zora machst, der ist a-fantastisch, das habe ich ja schon mal hier gesagt, in der Folge, wo Zora zu Gast war. Mit Zora, ja.

Folge 4, der betrügerische Sternekoch, da könnt ihr auch gerne noch mal reinhören. Du wohnst ja jetzt zu einem großen Teil in Brandenburg auf dem Land. Von dem, was man so sieht, wirklich wunderschön, Grundstück, viel Wald drumherum. Und ich meine, auch heute unser Fall spielt in einem Wald, im Grunewald.

Und ich muss sagen, ich bin ja schon so ein bisschen ein Schisser, wenn es so darum geht. Also, weißt du, Land ist schon schön, bis es dann nachts wird und der Wald dunkel. Und alles still ist. Ja, wie geht es dir damit? Vor allem, wenn man es aus der Stadt rauszieht. Also, ich bin ja so, ich bin richtiger Dorfi. Ich bin auf so einem neuen Häuserdorf aufgewachsen.

Und deswegen kenne ich das nicht so anders. Aber nach zwölf Jahren Berlin hier wirklich in der absoluten Stille und unser Dorf, wo ich jetzt hier wohne, da ist nichts. Also hier ist wirklich still. Und man hört manchmal nachts wirklich so die Rehe schreien. Die schreien ja so komisch, die macht ganz wilde Geräusche.

Das war am Anfang schon ein bisschen spooky. Also am Anfang bin ich auch nicht gerne abends noch mal im Dunkeln eine Runde spazieren gegangen. Aber ich glaube, das ist wie mit allem, wenn man sich an so einen Ort gewöhnt und man die Biegungen und Strecken kennt, die man so geht, dann ist das irgendwann nicht mehr so schlimm.

Aber wir haben ja mal einmal eine Nachtwanderung nachts gemacht. Mach ich nicht nochmal. Bin ich auch raus. Ihr habt es ja in der Einleitung schon gehört, der Fall wird heute ein bisschen heftiger. Es kommen auch wieder andere Fälle. Aber der Fall heute ist, glaube ich, gar nicht so bekannt. Deswegen wollte ich da gerne einmal drüber sprechen und ist an seiner ganzen Geschichte sehr gut dokumentiert. Und was nicht, also beziehungsweise ist auch dokumentiert, Wie die Personen aussehen, über die wir heute sprechen. Allerdings sind die Bilder alle so verpixelt, dass man die Person eigentlich nicht erkennt.

Deswegen wird es heute wahrscheinlich keine Bilder geben von den Personen, aber Beschreibungen. Und ich werde auch in dieser Geschichte heute die veränderten Namen verwenden, die der Kriminalautor Stefan Harbord in seinem Buch über den Fall verwendet hat, das so eigentlich die Hauptquelle war zu diesem Fall.

Die richtigen Namen, die kann man im Internet auch finden, wenn man das möchte, aber ich dachte mir, wenn das in dem Buch mit sozusagen veränderten Namen beschrieben ist, dann übernehme ich das heute so. Ja, der Fall ist lang und deswegen würde ich mal sagen, gehen wir mal rein in die Geschichte. Eine Woche West-Berlin. Das ist für die Freundinnen Luisa Wagas und Carolina Harkonsson der absolute Traum.

Die geteilte Stadt mitten in der DDR ist wirklich so komplett anders als ihre Heimat Örnes. Knapp 1200 EinwohnerInnen leben in einem beschaulichen Dorf in Norwegen, knapp unterhalb des Polarkreises. Die nächstgrößere Stadt, Bode, ist gut zwei Stunden entfernt. Von hier brechen Luisa und Caroline mit ihren 32 MitschülerInnen auf in Richtung Berlin.

Eine letzte große Studienreise, bevor der Ernst des Lebens beginnt. Begleitet werden sie von drei Lehrern. Auch ihr Deutschlehrer Sven Hagen ist dabei. Denn klar, sie sollen ja auch ihr Deutsch verbessern. In Berlin angekommen, beginnt ein straffes Programm für die Gruppe. Tagsüber erkunden sie die Stadt, abends dürfen die Jugendlichen dann auf eigene Faust losziehen.

Für die 19-jährige Luisa und die 18-jährige Caroline ist das eine verlockende Chance. Besonders die Gegend um den Bahnhof Zoo hat es ihnen angetan. Es ist ein Paradies aus Bars, Kiosks, Clubs und Rotlichtetablissements. Und sie sind gut ausgestattet. Ihr Scheckheft und Postsparbuch prall gefüllt mit 8000 norwegischen Kronen. Das haben sie immer dabei.

Gut 2000 D-Mark sind das. Ein stattlicher Betrag. Am 14. März 1982 sind sie schon vier Tage in der Stadt. Sie entscheiden sich am Abend ins Quasimodo zu gehen. Ein Club auf der Cannststraße, der Tür an Tür mit dem Delphi-Kino liegt. Auf der Bühne spielt eine Bluesband. Oh, den kenne ich sogar, den Laden. Kennt ihr den? Wart ihr da schon mal?

Quasimodo? Also den gibt es noch? Ich glaube ja, es ist so ein Jazzclub. Ich weiß nicht, ob es früher das war, aber ich meine, ich war da mal drin und da war auf jeden Fall ein Jazzkonzert neben dem Delphi. Das ist ein guter Laden. Das ist genau, das ist wirklich in dem gleichen Gebäude. Das ist, wenn du von vorne von der Kantstraße auf das Kino zuläufst, dann gehst du ja links in das Kino rein und vorne, oder so leicht rechts vorne, da ist das quasi Modo. Also es existiert bis heute.

Habe ich schon tausendmal dran vorbeigelaufen und habe es nie wahrgenommen. Ja, ja. Ein paar Freunde aus ihrer Klasse und zwei ihrer Betreuer sind auch mitgekommen. Es ist genau so, wie sie sich das Zuhause in Oernes immer ausgemalt haben. Sie sind frei, hören gute Musik und hängen einfach mit ihren Freunden ab.

Luisa und Caroline möchten den Moment festhalten. Mit einem Audio-Rekorder nehmen sie die Band auf. Doch nach Mitternacht treibt die beiden Frauen der Hunger nach draußen. Irgendwo bekommen sie jedoch sicher einen Snack. Sie lassen ihre Jacken und Taschen in der Bar. Ihren Freunden sagen sie, dass sie gleich wieder zurück sind.

Die restliche Gruppe bleibt im Quasimodo. Der erste, der bald den Heimweg antritt, ist ihr Deutschlehrer. Gegen halb eins verlässt er den Club. Der Rest der Schulklasse folgt nur wenig später, als das Quasimodo schließt. Kurz fragen sie sich, wo Luisa und Caroline geblieben sind. Sie überlegen einen Moment, ob sie warten sollen. Aber eigentlich wissen die beiden ja, wo ihr Hotel ist. Und weit weg ist das ja auch nicht.

Sondern gleich um die Ecke in der Nähe vom Breitscheidplatz, keine zehn Minuten zu Fuß. Sie beschließen, nach Hause zu gehen. Ein langer Tag geht zu Ende für die norwegische Schulklasse. Am nächsten Morgen klingelt um 6.43 Uhr das Telefon bei der Berliner Polizeidirektion 2, Abschnitt 25. Am anderen Ende ist Karl-Heinz Strack, der Revierförster aus dem Grunewald.

Er hat schlimme Nachrichten. Er sagt, ich habe ihm eine Leiche gefunden. Im Grunewald in der Nähe des Teufelssees. Nur zwei Minuten später rasen zwei Streifenwagen in den großen Forst westlich der Stadt. Als die vier Polizisten am vermeintlichen Tatort ankommen, treffen sie auf ein Blutbad. Ihnen ist sofort klar, hier handelt es sich um einen Mord.

Oh Gott, ich muss sagen, ich finde alles, was sich im Grunewald abspielt, eh immer super spooky. Und die Vorstellung da im, oh, dieser riesige Wald. Und irgendwie ist das so ein Wald, der ist immer voller Menschen und immer wenn man da durchläuft, da begegnet man irgendwelchen gruseligen Personen. Ich gehe da ungern rein. Ich finde das richtig, richtig spooky.

Es ist doch auch so eine Area im Grunewald, wo es so Sextreffen gibt und das per se finde ich jetzt gar nicht so gruselig oder schlimm, aber wenn man nicht damit rechnet, dass man jemanden im Wald trifft und dann trifft man nackte Männer im Wald, die sich da irgendwie zum, Sex treffen. Als Frau ist es auf jeden Fall ein ganz, ganz komisches Gefühl und ein weirdes Gefühl. Und ich finde bis jetzt die Geschichte auch so, So schlimm, weil das das erste Mal ist, glaube ich, dass ich die Orte zumindest vom Namen her kenne, an denen dieser Crime stattfindet.

Und ich laufe gerade so im Geiste die Orte ab. Wandstraße lang. So ging es mir in der ganzen Recherche, dass ich glaube, kein Fall so nah war bis jetzt. Und dadurch, dass er auch so gut dokumentiert ist, ich habe alles nachgeschaut. Ich habe irgendwie auch die Orte nochmal nachgeschlagen und geschaut, was ist da heute, wo das alles spielt.

Gleichzeitig ist es Berlin der 80er Jahre natürlich so weit weg. Weißt du? Ich habe nie, Wir Kinder vom Bahnhof Zoo gelesen. Nee? Nee, hab ich nie gemacht. Aber in dem Buch ist es ja sehr gut beschrieben, glaube ich. Aber du hast es gelesen, Hanna? Ich hab das gelesen, ich glaub mit 14. Ich hab das gelesen. Ich bin da total drinnen versunken.

Es ist weird, wenn man sagt, ich fand das total toll. Aber ich fand das so spannend zu lesen. Und hab den Film auch geguckt. Ich fand das crazy. Ich hab aber trotzdem immer das Gefühl, die Kantstraße und die Ecke Breitscheidplatz Zoo, das ist immer noch teilweise ein bisschen wie in den 80ern. Also ich bin 92 geboren, ich habe keine Ahnung, wie das in den 80ern war, aber dieser Vibe, die kann straße lang und da Saviniplatz, das ist nicht wie der Rest von Berlin.

Das hat immer noch diesen alten Charme von I don't know. Wirkt so ein bisschen aus der Zeit gefallen. Charme aber auch, man hat nicht das Gefühl, dass da immer alles mit rechten Dingen zugeht in der Henke. Nee, nee. Und ich muss ja sagen, ich bin zwölf Jahre in Berlin und zwölf Jahre Gastro in Berlin.

Komm, hau mal einen raus. Ja, hau mal einen raus. Ich muss sagen, also ich habe mal in einem Restaurant gearbeitet, wo am nächsten Tag die Kriminalpolizei kam, weil die die Wand bei uns im Keller eingebrochen haben und den kompletten Keller ausgeräumt haben. Inklusive meiner Messertasche, die ich jahrelang angesammelt habe.

Da steckte viel Geld drin und die haben den Tresor da rausgetragen und am nächsten Tag kommen so richtig wie im Tatort typisch zwei KriminalpolizistInnen also ein Mann, eine Frau, der Typ hatte Fokuhila, so eine Bauchtasche eine Trainingssäcke und es war wirklich so die weirden, KriminalpolizistInnen aus Berlin und, es gibt das alles und es gibt so Spooky Mafia Sachen in Berlin das ist so, das ist nicht ausgedacht.

Kriminalpolizistinnen, die durch Restaurants ziehen, werden wir noch drauf zurückkommen. Ich bin sehr gespannt. Eine Sache, Flo, über die bin ich gestolpert. Die haben ihre Taschen in diesem Jazzclub gelassen und die Mitschüler und Mitschülerinnen, haben die dann da gelassen? Nee, die haben die wahrscheinlich mitgenommen.

Das ist nicht bekannt so im Detail, aber da bin ich drüber gestolpert, weil ich so dachte, das finde ich irgendwie komisch. Ich wollte euch tatsächlich fragen, wie ihr gehandelt hättet in der Situation. Weil gleichzeitig, wie gesagt, das war ja alles in einer Ecke. Es ist jetzt nicht so, dass die ans andere Ende der Stadt hätten fahren müssen zum Hotel, sondern es war ein paar Meter zu Fuß.

Gleichzeitig ist es schon irgendwie auch komisch, wenn die einfach nach einer halben, dreiviertel Stunde nicht wiederkommen. Ja, ich finde es auch witzig. Aber ich meine, es sind Jugendliche, meine Studienfahrt. Ich war in Italien und ich bin da auch alleine. natürlich nicht alleine, aber irgendwie, glaube ich, ist man noch nicht so sensibilisiert auch mit KlassenkameradInnen.

Dann denkt man so, ja, es wird schon alles okay sein. Ich glaube, man ist in dem Alter, wie alt waren die beiden? 18 und 19. 18 und 19. Ich glaube, vielleicht hat man da noch nicht so ... Man übersieht es wahrscheinlich schnell. Sie sind ja auch erwachsen. Ja, das stimmt. Deswegen, ja, also die, wenn das jetzt eine sehr gute Freundin von mir gewesen wäre, hätte ich glaube ich gewartet oder sie gesucht.

Aber wenn das einfach irgendeine Klassenkameradin von mir gewesen wäre, hätte ich wahrscheinlich gedacht, ja, die wird schon wieder auftauchen. Ach so, komisch klingt das gar nicht. Die weiß ja, wo sie hin muss. Und in den 80ern gab es auch noch keine Handys. Ich glaube, das ist auch noch mal was anderes, dass man sich nicht sofort irgendwie gegenseitig bei wo bist du finden kann oder sich anruft oder sonst was.

Sondern da ist, glaube ich, wahrscheinlich dieser Puffer ist größer, dass man denkt, dass irgendwas passiert sein könnte oder dass man irgendwie jemanden sucht. Das stimmt. Ja, und dadurch, dass sie die Taschen ja dagelassen haben, sind sie auch nicht davon ausgegangen, dass sie wirklich abhauen wollten oder sich irgendwie die Nacht um die Ohren schlagen wollten, sondern sind davon ausgegangen, dass sie einfach wirklich gleich wieder zurückkommen und dann rechnet man wahrscheinlich einfach nicht damit, dass da irgendwas sein könnte.

Ich würde mal sagen, wir gehen wieder zurück in den Grunewald, in den wir eigentlich alle nicht so gerne gehen, aber wo ein Großteil unserer Geschichte heute spielt. Nachdem die vier Polizisten die grausam zugerichtete Leiche der unbekannten Frau im Grunewald finden, beginnen sofort die Ermittlungen.

Bei der Mordkommission in Berlin-Schöneberg wird eine Sonderkommission aufgestellt. Über 20 Beamtinnen und Beamte unter der Leitung von Hans König nehmen die Arbeit an dem Fall auf. Der 55-jährige Kriminalhauptkommissar hat schon so einige komplizierte Fälle geleitet. Der gewiefte Ermittler weiß, wie er vorgehen muss.

An die große Medienglocke hängt er den Fall erstmal noch nicht. Die ersten Hinweise trudeln trotzdem bald ein. Sie erhalten die Info, dass eine norwegische Schülergruppe zwei junge Frauen vermisst. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich bei der Leiche im Grunewald um eine der beiden handelt. Doch das sind zu diesem Zeitpunkt alles nur Vermutungen. Um Klarheit zu bekommen, verhören die Vermittler daher zuerst den Deutschlehrer Sven Hagen.

Er soll die Frau auf dem Foto identifizieren. Handelt es sich hierbei um Luisa oder Caroline? Das wollen die Ermittler wissen. Doch als der Deutschlehrer das Foto sieht, muss er schlucken. Was er dort sieht, trifft ihn ins Mark. Es scheint, als sei ein Auto mehrmals über die Frau hin und her gefahren.

Ihm fällt es schwer, mit Sicherheit zu sagen, dass es sich hier um eine seiner Schülerinnen handelt. Die Kleidung, ein violett kariertes langärmliches Hemd und die Blue Jeans sprechen für Luisa, doch ganz sicher ist er sich da nicht. Um ihre Identität zu bestätigen, sucht die Polizei nach Fingerabdrücken der 19-jährigen Luisa.

Auf einer Zahnpastatube in ihrem Rucksack werden sie fündig. Und tatsächlich, er stimmt mit dem Abdruck ihres linken Mittelfingers überein. Der traurige Beweis. Bei dem Opfer handelt es sich um Luisa. Doch mehr Klarheit bringen die Ermittlungen nicht. Es ist völlig unklar, wer hinter der Tat steckt, was das Motiv war und wo eigentlich Caroline ist.

Auf all diese Fragen suchen Hans König und sein Team Antworten. Er entscheidet sich jetzt, die Medien einzuschalten. Ein Beitrag in den Abendnachrichten von West-Berlin und eine Belohnung von 5000 Mark für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, sollen Schwung in die Sache bringen. Und jetzt bittet die Polizei um ihre Mithilfe.

In den frühen Morgenstunden des heutigen Tages wurde in der Nähe des Teufelssees die Leiche einer jungen Frau gefunden. Die Leiche weist Kopfverletzungen auf. Und tatsächlich, schon kurz nach der Ausstrahlung der Abendschau, meldet sich ein Mann bei der Kriminalpolizei. Aber heute gegen 13 Uhr, also kurz nachdem die Polizei die Leiche gefunden hatte, einen Pizzakarton am alten Schildhornweg gefunden.

Die Polizei wird hellhörig. Noch spät in der Nacht begeben sich die Ermittler an die beschriebene Stelle. Sie liegt in der Nähe der Jagenkreuze 89, 90 und 117, rund eineinhalb Kilometer südlich des Teufelssees, wo Luisas Leiche gefunden wurde. Und tatsächlich, dort liegt ein Pizzakarton samt Pizza drin.

Und weil ich bei dem Begriff Jagenkreuze so ein bisschen hängen geblieben bin in der Recherche habe ich einmal geschaut, was das eigentlich ist und ich wusste nicht, dass der Grunewald in, ja so wie so. Jagdreviere aufgeteilt ist, aber ich habe eine Karte gefunden, die würde ich euch jetzt einmal zeigen und zwar von diesen, von diesen Jagenkreuzen und die Karte seht ihr auch bei Instagram, wer was schmeckt dahinter, zusammen noch mit zwei anderen Begleitfotos heute, also schaut da gerne parallel drauf.

So ist der Grunewald offiziell aufgeteilt und hier 89, 90, 117, 116, hier in diesem Bereich wird der Pizzakarton gefunden. Und die Leiche, wo lang die? Die ist, hier oben ist der Teufelssee. Die ist hier oben, also relativ nördlich im Grunewald. Und die Linien, sind das alles Wege, wo man mit dem Auto langfahren kann?

Also die dickeren Linien hier außen, das sind Straßen, auch das ist hier die Straße. Und hier dazwischen, manche von diesen … Das sind so Waldwege oder was? Genau, manche sind so Waldwege, genau. Ich glaube nicht alle, aber so grob, ja. Ja, also da steht Saubucht und Dachsberg, das hört sich so ausgedacht an.

Ja, die Polizei ist also jetzt in diesem Bereich zwischen den Jagenkreuzen angekommen, findet die Pizza und erhofft sich natürlich jetzt erste Ermittlungserkenntnisse. Und von Carolin gibt es keine Spur. Nein. Nichts, gar nichts. Nein. Zwei Sachen fallen der Polizei auf. Die Pizza ist ungewöhnlich belegt, mit Spiegelei, Salami und Peperonis und in Alufolie eingewickelt.

Sie ist quasi unversehrt. Die Ermittler sehen hier eine Chance, endlich voranzukommen. Und tatsächlich, auf der Folie finden sie Fingerabdrücke, die nicht zum Opfer gehören. Also zu Luisa. Doch das ist nicht alles, was die Polizei findet. In unmittelbarer Nähe stoßen die ErmittlerInnen auf Mullbinden, durchzogen von Draht.

Was hatte der Täter damit vor? Hat die Polizei es hier mit einem besonders grausamen Mordfall zu tun? Währenddessen bringt ein rechtsmedizinisches Gutachten erste Erkenntnisse zum Tathergang. Luisa wurde nicht wie zuerst vermutet sexuell missbraucht und dann umgebracht, ihre Todesursache, massive Verletzungen durch Überfahren.

Mehrfach brutal, kaltblütig. Doch diese Erkenntnisse machen das Motiv nicht klarer. Und auch auf die Frage, wo Caroline ist, finden sie keine Antwort. Hat es der Täter vielleicht nur auf das Geld von Luisa abgesehen? Und Caroline irrte alleine durch Berlin? Denn tatsächlich fehlt von dem Scheckheft und dem Postsparbuch jegliche Spur.

Die 8000 norwegischen Kronen auf dem Konto waren gut 2000 DM wert, etwas weniger als ein normales Monatsgehalt. Die Hoffnung der Ermittler ist nun, dass der Täter versucht, das Konto aufzulösen. Doch möglicherweise hatten sie es hier mit einem Profi zu tun. Denn ungewöhnliche Bankbewegungen lassen sich in den kommenden Tagen nicht feststellen.

Die einzig halbwegs warme Spur ist nun die kalte Pizza. Es liegt natürlich nahe, dass Luisa und Caroline die Pizza in der Nähe der Bar Quasimodo gekauft hatten. Dort wurden Luisa und Caroline ja zum letzten Mal gesehen. Und tatsächlich, direkt neben dem Quasimodo liegt die Pizzeria Delphi. Doch als die Beamtinnen dort aufkreuzen, müssen sie feststellen, dass die Pizzeria in der Tatnacht überhaupt nicht geöffnet hat.

Und doch ist klar, die beiden Frauen müssen am Tatabend im Umkreis des Bahnhofzoo eine Pizza gekauft haben. Nur wo? Die Polizei hat keine andere Wahl. Jede Pizzeria im Umkreis muss aufgesucht und verhört werden. Denn wenn sie wissen, woher die Pizza kam, wissen sie vielleicht auch, wer sie bestellt hat. Oder wer sonst noch zu Gast war um diese Zeit.

Und damit womöglich auch, wer Luisa das Leben genommen hat. Ich finde das so gruselig alles woher wissen denn die Ermittler, dass die Pizza dann mit dem Mordopfer zusammenhängt, weil das ist ja schon ein Stückchen weit weg oder es ist einfach der einzige Anhaltspunkt und darauf fokussieren wir uns jetzt und jetzt suchen wir alles nach, dieser einen Spur ab, weil das ist ja, so random Es ist komplett random, ja aber es ist gerade das Einzige, was sie haben, was in der Umgebung auffällig ist.

Und diese Mullbinden, sorry, alle so. Ja, die Mullbinden fand ich auch komplett verstörend, mit Draht durchzogen, also da hat sich ja dann auch noch jemand die Mühe gemacht, das zu machen, das finde ich komplett weird. Ich habe die Hoffnung, dass dadurch, dass die Pizza ja so komisch belegt ist, dass die Person, die die gemacht hat, sich daran erinnern kann, wer so eine komisch belegte Pizza bestellt hat.

Und die war in einem Karton in Alufolie eingewickelt. Genau, die war auf so einem Pappteller dann nochmal in Alufolie eingewickelt in einem Pizzakarton. Also wirklich zu mitnehmen. So packt ja auch eigentlich niemand eine Pizza ein, der eine Pizza zubereitet, oder? Ja, ich glaube, ich weiß nicht, mein Gedanke dazu ist, dass in den 80ern jetzt das Pizzageschäft noch ein bisschen anders war und wahrscheinlich man einfach so Pizzen damals eingewickelt hat zu mitnehmen.

Aber was ist das? Sie wurde ja überfahren, das heißt, sie wurde nicht vergiftet. Die Pizza ist nicht angerührt, das heißt, niemand hat von ihr gegessen. Wenn das die Pizza von den Mädels gewesen wäre, wäre die ja auch irgendwie Opfer dieses Kampfes, der da stattgefunden haben muss, geworden. Also die ist da ja platziert worden oder nicht?

Ja, weiß ich nicht. Also weiß ich doch, aber sage ich jetzt doch nicht. Er hat dein Gesicht sagt, es könnte sein, dass das wirklich, es gibt ja auch so kranke Mörder, die sich da Sachen ausdenken, weil sie eben entdeckt werden wollen und weil sie möchten, dass nach denen gesucht wird und weil sie irgendeine Geschichte auch noch erzählen möchten.

Das ist ja teilweise total perfide. Was denkt ihr denn, wie viele Pizzerien es im Umkreis des Bahnhofzohes gibt, die die Polizei jetzt abgrasen muss? Oder anders, Läden, die Pizza verkaufen. Das müssen ja nicht nur Pizzerien sein. Um den Zoo im Umkreis von, was sagt man, zwei Kilometer? Ja, also sowas man vielleicht in einer halben Stunde erlaufen kann, ja. Halbe Stunde.

68. Ich hätte 25 gesagt. Okay, dann schauen wir mal. Die Suche nach der Pizzeria, in der Luisa, Caroline und möglicherweise auch der Täter unterwegs waren, gestaltet sich als kompliziert. Insgesamt 19 Polizisten schwärmen aus und durchkämmen die Berliner Gastro-Landschaft. Wer hat überhaupt auf in der Nacht von Sonntag auf Montag? Und wer verkauft im Umkreis des Bahnhofs Zoo Pizza?

Insgesamt 89 Lokale klappert die Polizei ab. Sie befragen das Personal, sammeln Pappteller und Alufolie ein, nehmen sogar Wurstproben. Doch egal wie gründlich sie auch suchen, sie finden nichts. Keine Spur, kein Hinweis auf die entscheidende Pizza. Und niemand, der die beiden jungen Frauen gesehen haben will.

Irgendwie passt das alles nicht zusammen. Die Leiche im Grunewald, der Pizzakarton, die verschwundene Caroline. Die Ermittlungen geraten ins Stocken. Und Chefermittler Hans König beginnt die Hoffnung zu verlieren. Denn mit jedem Tag wird die Spur kälter. Doch am vierten Tag der Ermittlungen, also fünf Tage nach dem Mord, meldet sich eine Frau bei der Kripo.

Sie sagt, dass sie als Bedienung in der Pizzeria La Bohème arbeitet, in der Lietzenburger Straße, Ecke Falzburger Straße. Die Pizzeria ist den Ermittlern ein Begriff. Am Tag zuvor waren sie schon einmal dort und wollten mit ihr, Heidrun Kracht, sprechen, da sie in der Tatnacht angeblich eine Schicht hatte.

Sie kann der Polizei bestätigen. Ja, tatsächlich. Sie hatte in der Nacht von Sonntag auf Montag in der Pizzeria gearbeitet und sie kann sich auch an die beiden Frauen erinnern. Sie kann sich sogar sehr gut daran erinnern, weil sie keine Oliven auf ihre Pizza haben wollten. Die gehören sonst nämlich mit drauf bei der Variante.

Gegen ziemlich genau 1 Uhr kamen die jungen Frauen in den Laden. 15 Minuten später gingen sie mit der Pizza. Waren sie in Begleitung, wollen die Ermittlerin wissen? Nein, sagt Heidrun. Sie kamen und gingen alleine. Dem Täter sind König und sein Team durch diese Aussage noch nicht näher gekommen. Doch zumindest weiß die Polizei jetzt, wohin es Luisa und Caroline verschlagen hat, nachdem sie das Quasimodo verlassen hatten.

Ein Hoffnungsschimmer, der allerdings nicht lange schimmert. Denn als die Beamten einen Tag später noch einmal in die Pizzeria La Bohème kommen, um Heidrun Kracht nach weiteren Details zu fragen, ist die sich auf einmal doch nicht mehr so sicher, ob die Frauen in der Nacht auf Montag oder doch in der Nacht auf Sonntag da waren.

Die Polizei ist verwirrt. Hat sie sich einfach geirrt? Oder lügt sie bewusst, wer sie vielleicht dem Täter ein Alimi verschaffen will? Hans König ist frustriert. Die Ermittlungen stocken und die Berliner Boulevardpresse überschlägt sich Tag für Tag mit reißerischen Headlines, die die Arbeit der Polizei infrage stellen.

Unter normalen Umständen ist Heinz König dieser Form der Berichterstattung gar nicht so abgeneigt. Denn so melden sich dann auch mal Menschen, die die vermisste Person oder den angeblichen Täter gesehen haben wollen. Doch diesmal Stille, keine Hinweise. Noch Caroline bleibt spurlos vermisst. Die Ermittlungen stecken in einer Sackgasse.

Das ist so schräg. Also erstens, dass Carolin immer noch weg ist und ich muss noch mal was zu Pizza sagen. Es ist jetzt nicht schräg, dass da ein Spiegelei drauf ist, aber es ist schräg, dass keine Oliven drauf sind. Das ist wirklich eine ganz strange Pizza. Also die Pizza war wahrscheinlich nach, wahrscheinlich war das irgendwie Pizza Akropolis oder so, belegt mit Salami, Peperoni, Spiegelei und Oliven und die Oliven wollten die beiden nicht drauf haben.

Und zu dieser sehr speziellen Einpackform, gut, wir haben schon gesagt, es war die 80er, aber dazu, da brauchen wir auch nicht ins Detail reingehen. Das ist ja so schräg. Ja, vielleicht wird es sogar noch schräger, wenn ich euch ein Bild von dieser Pizzeria zeige. Die gibt es nicht mehr. Aber so sieht die Pizzeria aus von außen und so sieht die Pizzeria aus von innen. Boah, das sind die 80er. Volle Kanne, oder?

Was seht ihr? Wow, ich hatte mir unter La Bohème was anderes vorgestellt. Das sieht aus, ich weiß, wie es da so riecht. Sagen wir es mal so. Oh Gott, ja. Da wundert es mich auch nicht, dass man da eine Pizza mit einem Spiegelei kaufen kann. Also zum einen, ich finde es absurd, weil da drin ist ein Zigarettenautomat.

Und da konnte man, da steht ein Aschenbecher auf dem Tisch und dass es so normal war, dass man überall früher rauchen konnte. Ich kann es mir nicht mehr vorstellen. Ja, es sieht auch ehrlich, also heute würden wir wahrscheinlich sagen, es sieht aus wie eine deutsche Kneipe, so diese Eckbänke und rustikale Einrichtungen.

Ich finde es ja irgendwie schräg, war sie die einzige Mitarbeiterin an dem Tag, weil ein Uhr nachts, also macht sie Pizza und verkauft und ist auch noch im Gastraum, das ist ja auch irgendwie schräg. Nein, sie hat nur die Pizza verkauft, gekocht oder gebacken, hat noch jemand anderes und um das hier schon mal aufzulösen, die Fingerabdrücke, die die Polizei dort gefunden hat an der Alufolie, gehörten tatsächlich dem Koch.

Aus der Pizzeria. Ach, das heißt auch, die beiden Mädels haben die Pizza noch nie angerührt. Das heißt, die Pizza wurde nur vom Koch angefasst. Und die beiden haben da nicht die Verpackung, die einmal geöffnet wahrscheinlich. Genau, die haben einfach den Karton in die Hand genommen. Aber mein Gedanke ist gerade, wenn diese Frau ihre Aussage nochmal zurücknimmt, beziehungsweise sich nicht mehr sicher ist, muss ja jemand in ihrem Umfeld mitbekommen haben, dass sie mit der Polizei gesprochen hat.

Und die naheliegendste Person wäre ja jetzt der Pizzakoch. Ja, den können wir da, glaube ich, einmal rausnehmen aus der Rechnung. Weil, das habe ich hier ein bisschen rausgelassen, weil das sonst zu lange geworden wäre. Die Auflösung, dass die Fingerabdrücke zu ihm gehören, dauert auch ein bisschen, weil er illegal in West-Berlin war und Angst hatte, aufzufliegen und sich deswegen nicht bei der Polizei gemeldet hat oder sich versteckt hat.

Am Ende sozusagen kommt es raus, dass es seine Fingerabdrücke sind und ihm passiert auch nichts, aber der Koch hat damit nichts zu tun. Also wir wissen jetzt, die beiden Frauen waren scheinbar doch in der Pizzeria, die Fingerabdrücke gehören aber zum Koch. Caroline ist immer noch verschwunden, es ist alles irgendwie ein bisschen unklar.

So wirklich eine Richtung hat Hans König nicht, die er ermitteln kann. 1982 ist Rolf Hansen 27 Jahre alt und noch nicht lange als Beamter bei der Polizei in Berlin. Er ist so frisch dabei, dass er noch nicht einmal eine Leiche in Echt gesehen hat. In den Augen seiner Kollegen ist er ein Grünschnabel, der aber viel arbeitet, um voranzukommen.

Rolf liebt es, im Grunewald spazieren zu gehen. So kann er sich von der stressigen Arbeit ablenken. Auch am 18. März 1982 steigt Rolf gegen Mittag in sein Auto, um eine kleine Runde spazieren zu gehen. Er stellt sein Auto in der Nähe des Grunewaldturms ab, im Westen des Großen Forsts. Danach läuft er in Richtung Osten in den Wald.

Doch selbst in seiner Mittagspause bekommt er den Polizisten in sich nicht raus. Abseits des Weges weckt eine ungewöhnlich große Ansammlung aus Ästen und Stöcken seine Aufmerksamkeit. Darunter ragt eine blaue Tüte aus dem Boden. Mit einem handgeschriebenen Zettel, auf dem steht, bitte liegen lassen. Er tritt näher, um genauer zu sehen, um was es sich dabei handelt.

Aber was ist das? Neben der Tüte liegt eine Korthose und ein beiger Schuh. Nein, da liegt eine Person, die eine Korthose und einen beigen Schuh trägt. Die Frau hat rotblonde Haare. Rolf schreckt zurück. Er weiß, dass er soeben seine erste Leiche gesehen hat. Sofort erinnert sich Hansen an den Fall, dass er Tagen seine Kollegen beschäftigt.

Handelt es sich hier vielleicht um die vermisste Norwegerin? Um Karoline? Er läuft zu einer nahegelegenen Gaststätte und verständigt von dort seine Kollegen. Nur wenige Minuten später stehen die ersten Streifenwagen an der Fundstelle. Sie bringen den Leichnam in die Gerichtsmedizin. Die bestätigt, was Rolf sich schon dachte.

Bei der Frau handelt es sich um Karoline. Und wenn man schon dachte, der Mord an Luisa war grausam, sind die Ermittler nun komplett geschockt. Für sie wird klar, sie haben es hier mit einer sexuell-sadistischen Tat zu tun. Anders als im Fall Luisa. Caroline war nicht nur misshandelt worden. Auf ihrem Körper findet die Gerichtsmedizin Spuren von Zigaretten, die auf ihrer Brust ausgedrückt wurden.

Sie wurde geschlagen und anschließend mit ihrem eigenen Schal erdrosselt. Eine außergewöhnlich grausame Tat. Für Kommissar König ergibt sich dadurch ein neuer Ermittlungsansatz. Menschen, die zu solchen Taten in der Lage sind, das wusste man damals, entwickeln ihre grausamen Neigungen oft schon früh, in der Kindheit, in der Jugend.

Vielleicht kennt man den Täter also bereits, hatte ihn nur noch nicht mit dieser Tat in Verbindung gebracht. Auf Basis dieses Verdachts ordnet Hans König die nächste großflächige Ermittlung an. Mehr als 40 Zeugen werden in den nächsten Tagen verhört. Jeder und jede, die im Umkreis des Bahnhof Zoos verkehrte und Polizei bekannt war, war ein mögliches Puzzleteil in diesem komplexen Rätsel.

Restaurantpersonal, Stammgäste, Prostituierte, Kleinkriminelle, sie alle wurden verhört. Unter den Verdächtigen waren auch einige der Polizei bekannten Gewaltverbrecher und Serienvergewaltige. Doch keiner von ihnen kann mit den Morden an Luisa und Caroline in Verbindung gebracht werden Alle Mühe verläuft im Sand und der Fall bleibt ungelöst Ganze zwei Jahre lang, bis sie am 20.

Juni 1984 wieder eine Frau bei der Polizei meldet Musik. Oh Gott, ey. Ich finde es so krass, wie unterschiedlich das beides ist. Also als wäre Luisa quasi gar nicht das richtige Mordopfer, sondern nur so aus Versehen mit dabei oder sowas. Weil die lag ja, wurde ja überfahren und lag mitten irgendwo auf dem Weg wahrscheinlich.

Und Caroline wurde ja richtig versteckt. Sind die Todeszeitpunkte von den beiden denn gleich gewesen? Die werden ja innerhalb kurzer Zeit gefunden das heißt die Polizei, weiß, dass die Todesfälle schnell nacheinander passieren ich habe jetzt nicht genau im Kopf ob sie genau die genauen Todeszeitpunkte Aber schon an einem Tag, oder?

Also schon am gleichen Tag, ich meine weil Carolin wird ja so viel später erst gefunden Ja, genau. Also die liegen nicht weit auseinander. Ganz oft geht es doch auch bei so Fällen über die Autos und Autoreifenerkennung. Und dass man da zwei Jahre lang bei den Ermittlungen nichts irgendwie erreicht. Ich weiß nicht, wie das damals so war, ob man schon so weit ist und so Abdrücke von so Reifenprofilen und sowas nehmen kann.

Aber zwei Jahre lang, das ist ja wirklich verrückt. Ja, die Reifenprofile gab es im Grunewald an der Stelle, wo Luisa gefunden wurde. Es stellte sich dann aber heraus, dass das die Reifenspuren vom Förster waren, der dort vorbeigekommen ist. Das heißt, die führen auch ins Nichts. Könnt ihr euch vorstellen, wie die Stimmung in der Stadt war zu der Zeit?

Ja, es muss eine bedrückende Stimmung gewesen sein und wahrscheinlich vor allen Dingen für junge Frauen auch eine, in der sie sich nicht getraut haben, nachts alleine vor die Tür zu gehen und gleichzeitig denke ich mir, das ist ja zumindest heutzutage so, dass sowas dann doch auch relativ schnell wieder in Vergessenheit geraten ist.

Weil man ja auch irgendwie weitermachen muss. Man kann ja jetzt auch nicht zwei Jahre lang in West-Berlin in Angst leben. Aber unmittelbar nach der Tat kann ich mir vorstellen, dass es eine ganz komische Stimmung gewesen sein muss. Und auch eine, in der sich vielleicht viele Leute gegenseitig angefangen haben zu verdächtigen, weil, weiß ich nicht, man sich dann fragt, wo warst du denn eigentlich in der Nacht?

Und es muss ja auch, also ich finde eh immer auch, wenn es so Touristen trifft, Touristinnen trifft, Und es ist ja so schlimm für die Eltern eh. Und dann ist es noch so, die fahren auf Klassenfahrt und die Kinder kommen einfach nicht zurück. Und dann hast du keine Ahnung von der Stadt und hast keine Ahnung von dem Land.

Und das ist eh alles noch mal mehr, also weniger nachzuvollziehen als eh überhaupt, wenn das irgendwie in deiner Gegend ist, wo du irgendwie lebst oder sowas. Es muss so schrecklich sein. Von der norwegischen Seite gibt es auch nichts, was in den Ermittlungen irgendwie weiterhelfen kann. Aber es kommt ja jetzt Bewegung in die Sache.

Und ich sag mal schon, Farbe, es ist kein Cold Case. Wir werden hier heute zu einem Ende kommen. Am 20. Juni 1984 betritt die 20-jährige Johanna Kramer das Kommissariat für Sexualdelikte in Berlin. Sie wirkt angespannt, als sie dem Beamtinnen mitteilt, dass sie ein Verbrechen anzeigen möchte. In der letzten Nacht wurde sie im Europa-Center am Breitscheidplatz von einem Mann vergewaltigt.

Er war etwa 30 Jahre alt, ca. 1,80 groß, hatte kurze blonde Haare, einen Oberlippenbart und eine dickglasige Brille. Aber besonders auffällig waren seine Zähne. Die standen ungewöhnlich weit auseinander und waren sehr ungepflegt. Die Polizistinnen notieren sich alles genau. Diese Beschreibung macht den Täter quasi einzigartig. Damit können sie arbeiten.

Aber Johanna möchte noch etwas hinzufügen. Als die Tat vorbei war, wurde er ganz freundlich, der Täter. Er sagte, dass er Günther heißt und ich ihn duzen sollte. Danach nahm er ihr ihren Führerschein ab und sagte, das ist nur zur Sicherheit, wenn sie zur Polizei geht, weiß er wenigstens, wie sie heißt.

Zur gleichen Zeit im Wedding, nur wenige Kilometer entfernt, macht sich Günther Jacoby bereit für einen neuen Tag. Für ihn heißt das erst einmal eine filterlose Couloir. Er sitzt am Fenster in seiner Wohnung in der Martin-Oppitz-Straße 5. Es ist mittlerweile seine 15. Wohnung in gerade einmal vier Jahren Berlin.

Aber irgendwie ist es exemplarisch, denn so unbeständig wie seine Wohnsituation ist, war bisher sein gesamtes Leben. Günther Jacobi wird am 24. September 1960 in Bochum geboren. Er wächst als überbehütetes Einzelkind auf. Aber was ihn umgibt, ist keine Geborgenheit, sondern Isolation. Noch bevor er lesen oder schreiben kann, hält seine Mutter ihn von Gleichaltrigen fern.

Statt auf Spielplätzen mit anderen Kindern zu spielen, ist seine einzige Bezugs- und Spielperson seine Mutter. Für den kleinen Günther hatte die Mutter sogar ihren Job als Schneiderin in einer Fabrik aufgegeben. All das hatte sie gemacht, da Günther als Kleinkind unter den Nachwirkungen einer fast missglückten Geburt litt.

Ihr Sohn ist ihr Ein und Alles. Der Vater bekommt von all dem wenig mit. Als Lastwagenfahrer ist er nur unregelmäßig und wenn dann nur kurz bei der Familie. Einige Jahre geht das gut, doch als Günther älter wird, verstärken sich die Spannungen zwischen dem Vater und dem Kind. Günther sieht seinen Vater nicht als Vertrauten, er ist ein Mann, der in ihm Angst und Schrecken hervorruft und mit sadistischen Maßnahmen zu Gehorsam zwingt.

Für den Jungen sind es keine Erziehungsmaßnahmen, sondern Bestrafungen. Ob es an seinen Erkrankungen lag, der sozialen Isolation oder dem Verhalten des Vaters ist unklar. Aber schon bald fällt der Familie auf, dass Günther anders ist. Er beginnt seine Umwelt zu manipulieren. Im Sommer 1974, da ist er gerade einmal 13 Jahre alt, erpresst er seine Tante.

Er droht ihr, dass er ihr Geheimnis verrät, wenn sie nicht seinen Befehlen folgt. Günthers Tante hatte wohl eine Affäre mit ihrem Schwager. Und aus irgendeinem Grund weiß Günther davon. Aber er würde es nicht ausplaudern, wenn seine Tante unter dem Minirock keine Unterwäsche tragen würde. Die Tante gibt nach.

Günthers Leben nimmt immer dunklere Züge an, bis sie mit 14 Jahren eine schwere Hirnhautentzündung endgültig aus dem «normalen Leben» reißt. Immer wieder wird er auffällig, landet in Heimen, wird vom Jugendamt untersucht. Eine Fachärztin für Jugendpsychiatrie diagnostiziert bei ihm im Alter von 16 Jahren, viele seiner Fehlverhaltensweisen entspringen aus der Frustration seiner als dringend empfundenen Kontaktbedürfnisse.

Der Jugendliche befand sich dadurch dauernd in einem gespannten Zustand, in dem es zu aggressiven Durchbruchshandlungen kam. Was die Ärztin nicht ahnt, diese Gewalt wird nicht so schnell enden. Am 15. Oktober 1980 zieht Günther Jacobi nach West-Berlin. Hier will er neu anfangen. Dabei kommt dem frisch ausgelernten Maurer zugute, dass in der geteilten Stadt eine Menge Handwerker gesucht werden und es sogar noch ein Handgeld obendrauf gibt, wenn man hierher zieht.

Günther findet schnell eine möblierte Wohnung am Nauner Platz im Wedding. Hier wohnt er zusammen mit einer älteren Dame. Das Zusammenleben mit ihr gibt ihm eine Struktur – zumindest anfangs. Denn das Berlin der frühen 80er Jahre ist eine Stadt mit vielen Versuchungen. Immer öfters zieht es den Anfang 20-Jährigen in die Nähe des Bahnhofs Zoo.

Der Kuda mit seinen grellen Lichtern, den Piepschoß und der käuflichen Liebe fasziniert ihn. Und überfordert ihn auch. Wenn seine Kollegen auf dem Bau von Abenteuern, Frauen, Nächten voller Lust erzählen, kann Günther nur still daneben sitzen. Doch irgendwann geht auch Günther zu den Prostituierten. Als er wenige Monate später in die Dessauer Straße nach Kreuzberg zieht, fällt die ältere Dame seine letzte moralische Instanz weg.

Ab jetzt verschluckt ihn die Großstadt regelrecht. Er hat keine feste Arbeit mehr, hangelt sich von Job zu Job. Er arbeitet als Maurer, Kellner, Lkw-Fahrer, DJ, Weinvertreter, Rausschmeißer. Und nicht nur die Arbeit ist unbeständig. Auch die nichtkäufliche Liebe macht ihm zu schaffen. Günthers Leben ist ein Trümmerfeld aus Zurückweisung, Versagen und brennendem Verlangen.

Die ständige Ablehnung und anonyme Kälte Berlins wird so zum Nährboden für seine schrecklichen Taten. Johanna Kramer ist nicht die einzige Frau, die Günther Jakobi peinigt. Aber sie ist die einzige Frau, die sich von ihm nicht einschüchtern lässt und zur Polizei geht. Dass sich Günther Jakobi Johanna geöffnet hat, wird ihm nun zum Verhängnis.

Am 21. Juni 1984, einen Tag nachdem Johanna Kramer bei der Polizei war, klopft eine Gruppe von Beamten an die Wohnungstür in der Martin-Oppitz-Straße 5. Sie klopfen einmal, noch einmal, klingeln, aber niemand öffnet. Sie entscheiden sich, die Wohnung gewaltsam zu öffnen. Die Polizistinnen sind überrascht, wie leer und aufgeräumt die Wohnung ist.

Wohnt hier ein sadistischer Serienvergewaltiger? Die Beamten sind verwirrt, aber schnell finden sie in einer der Kommoden eine Pistole, Handschellen und den Führerschein von Johanna Kramer. Um 17.36 Uhr, knapp zwei Stunden nachdem die Polizei die Wohnung gewaltsam geöffnet hat, kommt Günther Jakobi nach Hause.

Noch vor seiner Haustür wird er festgenommen. Widerstandslos lässt er sich abführen. Auf der Polizeiwache gesteht er da nicht nur die Tat an Johanna Kramer, sondern auch von alleine viele andere Taten, die er über die letzten Jahre verübt hat. Die Polizei merkt, dass sie es hier mit einem mehrfachen Sexualstraftäter zu tun haben.

Aber die Fälle, von denen er erzählt, sind alle nur Sexualstraftaten. Für die Polizei steht die Frage im Raum, hat Günther Jakobi auch getötet? Haben sie es hier möglicherweise auch mit dem Mörder von Luisa und Caroline zu tun? Sie wollen den mysteriösen Pizzamord aus dem Grunewald nach zwei Jahren endlich lösen. Nur wie?

Das ist so krank. Das ist wirklich jetzt noch erschreckender, wenn man wirklich diese Orte in Berlin kennt. Also ich merke richtig, wie es so einen richtigen Kloß gibt, wenn ich höre, welche Straßen du vorliest. Und ich weiß, dass ich da um die Ecke gelebt habe. Und das wird einem so viel bewusster, wenn man sich in den Gegenden auskennt, dass das nicht alles Filme und surreale Geschichten sind, sondern dass das einfach in unserem Leben stattfindet. Das ist so krank.

Und auch krass, wie lange er unbemerkt so in der Stadt leben konnte und sein Unwesen treiben konnte. Ja, und er wurde ja von niemandem gestoppt, oder? Er hat ja das einfach durchgezogen über Jahre, also schon mit 13, als so ein kleines Kind, was da für kranke Gedanken im Kopf sein müssen. Und das habe ich jetzt hier in dem Teil rausgelassen, aber er ist auch zu dem Zeitpunkt schon verheiratet und wieder geschieden.

Also all das in der Zeit, wo er auch gleichzeitig als Serienvergewaltiger unterwegs war und nur darauf gesetzt hat, dass seine Opfer so eingeschichtet sind, dass sie nicht zur Polizei gehen. Umso mutiger ist ja diese junge Dame, die sich dann doch traut. Also Props an sie an dieser Stelle. Ich bin auch die ganze Zeit aus dem Grund, den Hanna gerade angesprochen hat, so in so einer ganz komischen, gebückten Haltung, weil ich mich so grusel und ekel und mich aber auch gerade daran erinnert habe, dass unsere Abschlussfahrt damals auch nach Berlin ging.

Und dieses Gefühl, was man damals hatte, so man ist irgendwie schon so halb erwachsen, aber ist man ja eigentlich nicht so richtig und ist in dieser großen Stadt und geht abends, zieht man um die Häuser, vor allen Dingen, wenn man jetzt aus einem Ort kommt, wie auch die beiden getöteten Norwegerinnen, in dem jetzt nicht so viel geht.

Und dann ist man auf einmal in dieser aufregenden Stadt unterwegs abends und fühlt sich vielleicht so frei und will was erleben. Dieses Gefühl hatten wir damals auch eins zu eins und, dann kennt man auch noch die ganzen Orte an denen, die sich rumgetrieben haben und wo er wohnte im Wedding, der Platz, den du angesprochen hast, den kenne ich auch Naumnerplatz, ja, ich habe da mal gewohnt, gruselig.

Gruselig, ja wirklich einfach nur gruselig, und es ist ja jetzt wahrscheinlich unser Mörder also sonst hättest du ja wahrscheinlich nicht von ihm erzählt, aber ich frage mich trotzdem, wie sie ihn jetzt überführen können und was den dazu veranlasst hat, diese schrecklichen Taten zu begehen. Ich erzähl's euch.

Die Polizei weiß, auch wenn Günther Jakobi bei seinem Verhör gesprächig ist, um ein wasserdichtes Geständnis zu bekommen, müssen sie jetzt ganz behutsam vorgehen. Sie fragen ihn, Herr Jakobi, ist Ihnen bekannt, dass wir mit Ihnen nicht nur über Ihre persönlichen Verhältnisse sprechen möchten, sondern auch über ein Tötungsdelikt, bei dem vor über zwei Jahren zwei junge Mädchen die Opfer waren?

Haben Sie damals von der Sache etwas mitbekommen? Günther Jakobi? Ich glaube, Sie meinen die Sache mit der Pizza, mit einer Spiegeleipizza. Ja, das war was ganz Auffälliges. In dem Zusammenhang ist meine Arbeitskollegin Bärbel Skoff von der Polizei vernommen worden. Da waren damals noch zwei Polizisten in Zivil im Tanzpalast und haben nach der Bärbel gefragt.

Als ich Bärbel zwei oder drei Tage danach gefragt habe, was die Kribu von ihr wollte, da hat sie mir das erzählt. Tanzpalast ist die Bar, in der Günther Jakobi zu der Zeit arbeitet. Damit können die Ermittler in nicht viel anfangen. Sie wollen von Jakobi jetzt wissen, warum seine Kollegin Bärbel befragt wurde.

Weil sie als Stammgast bekannt war in diesem Lokal, wo die die Pizza her haben. Da haben sie doch noch lange nach dem Lokal gesucht. Na, das war's eigentlich. Auch das bringt die Beamten nicht weiter. Sie schalten einen Gang hoch und erklären Jakobi, welche Indizien sie haben, dass er den Mord durchgeführt haben könnte.

Jakobi rührt sich nicht. Er wirkt von außen völlig unbeeindruckt. Haben die Ermittler ihre Hand überreizt? Doch dann sagt Günther Jakobi plötzlich ganz leise, ich kann ihre Gesichter einfach nicht vergessen. Alle halten inne. Sie fragen Jakobi, ob er etwas zu dem Vorfall sagen möchte, aber er fängt nun an zu weinen.

Er möchte eine Pause machen, aber die Ermittler sagen ihm, dass es doch besser wäre, jetzt alles hinter sich zu bringen. Und dann erzählt Günther Jakobi, was passiert ist, in der Nacht vom 14. auf den 15. März 1982. An diesem Abend war er für eine Schicht im Tanzpalast eingeteilt. Er ist dort Mädchen für alles, wie er sagt.

Kellner, Einkäufer, Toilettenmann, was halt anfällt. Nach seiner Schicht ging er nach nebenan ins Separé-Zentrum, eine Bar, die zum Tanzpalast gehört. Am späten Abend sitzt er da, trinkt noch ein Bier und möchte eigentlich schon nach Hause gehen. Als er auf einmal zwei Frauen sieht, die in die Bar kommen.

Sie schauen sich kurz um und gehen wieder nach draußen. Jakobi folgt den beiden Frauen nach unten und fragt sie, wonach sie suchen. Sie haben Hunger, sagen sie in gebrochenem Deutsch. Bekommen sie hier noch irgendwo eine Pizza her, fragen sie Jakobi. Kein Problem, sagt er. Steigt ein, ich fahr euch zu einer Pizzeria.

Luisa und Caroline steigen in den Ford Escort und schon sind sie auf dem Weg zur Pizzeria La Boheme. Günther Jakobi geht zusammen mit den beiden in den Laden und wartet, bis die Pizza fertig ist. Anders also als von der Bedienung Heidrunkracht angegeben, waren die beiden Frauen nicht alleine im Laden.

Als die Pizza fertig ist, bietet Günther Jakobi den beiden jungen Norwegerinnen an, sie wieder zurück ins Quasimodo zu fahren, wo sie ja herkommen. Doch als die beiden Frauen wieder im Auto sitzen, Caroline hinten, Luisa vorne, fährt er mit ihnen nicht zurück ins Quasimodo, sondern quer durch West-Berlin.

Die beiden Frauen merken schnell, dass das nicht der Weg ins Quasimodo sein kann. Als sie an einem Wald langfahren, werden sie unruhig und fragen, wo es denn genau hingeht. In dem Moment zieht Günther Jakobi seine Waffe. Die beiden Frauen erstummen. Im Grunewald angekommen, fesselt Günther Jakobi Luisa an einen Baum und vergewaltigt Caroline.

Wie schon bei seinen anderen Taten, bringt er sein Opfer danach nicht um, sondern verstaut, in sehr großen Anführungszeichen, Caroline im Kofferraum. Doch als er zurück in die Stadt fahren will, läuft alles aus dem Ruder. Luisa setzt er auf den Beifahrersitz. Doch die will diese Gelegenheit zur Flucht nutzen.

Sie reißt die Autotür auf und rennt auf dem Waldweg in die Nacht. Günther Jacobi fährt ihr hinterher und überfährt sie. Mehrmals, bis sie tot ist. Stundenlang fährt Günther Jakobi danach mit Caroline durch Berlin. Erst im Kofferraum, dann gefesselt auf dem Beifahrersitz. Als der Morgen anbricht, packt Günther Jakobi die Panik.

Was macht er jetzt? Sobald die Sonne da ist, werden Menschen die Frau auf seinem Beifahrersitz sehen. Er fährt also zurück in den Grunewald. Der mordet auch Caroline. Die Polizisten sind sprachlos. Die Gewalt, die Ruchlosigkeit, die Kälte. All das erschüttert selbst die hartgesottenen ErmittlerInnen.

Nach drei Stunden ist die Vernehmung vorbei. Nach 828 Tagen Ermittlungsarbeit klar, Sie haben den Mörder und Peiniger von Caroline und Luisa gefasst. Oh Gott. Man ist einfach sprachlos. Das ist so schlimm, das ist auch genau das, wovor ich immer Angst habe, wenn ich zum Beispiel alleine in einem Taxi sitze, dass der einfach irgendwo anders hinfährt, der Taxifahrer, als ich das möchte.

Und was ich daran wirklich ... Also, wenn man dem jetzt Glauben schenkt, dem Mörder, und er sie eigentlich leben lassen wollte, und dann hat er sie doch auf so eine Art umgebracht, das ist alles so schlimm. Ja. Was so den Schalter umlegt, dass er sich jetzt dazu entscheidet, das eben diesmal anders zu machen, als bei den anderen Malen.

Die waren da zu dritt in diesem Pizzaladen. Warum hat das denn niemand gesehen? Vor allen Dingen, wenn er so auffällig eigentlich aussah. Das wird leider nicht so richtig aufgelöst, welche Rolle die Bedienung hatte in dem ganzen Fall. Die kannten sich zwar einfach aus der Gegend, aber es gibt jetzt keinen Anhaltspunkt, dass sie ihn decken wollte.

Und es wird dann nicht weiter verfolgt, weil, wie gesagt, sie haben ihn jetzt. Und ja, es ist wirklich ein dramatischer Fall und das Buch, was ich gelesen habe zu diesem Fall, werde ich später nochmal drauf zurückkommen, es ist wirklich schwer zu lesen, weil das noch mehr ins Detail geht. Also ich habe das schon versucht, hier ein bisschen abzukürzen.

Es ist wirklich ganz, ganz schlimm, dieser ganze Fall. Und wie du sagst, Lilly, was, glaube ich, da so sehr mitnimmt, ist ... Dass wir uns alle in Situationen hineinversetzen können, ob das jetzt in einem Taxi ist oder dass man irgendwie Leute auf einer Straße mal getroffen hat oder ich hatte mal, ohne das in irgendeiner Form relativieren zu wollen, aber ich war mit einem Freund, auch als wir 18, 19 waren, waren wir in Schweden und mussten eine Nacht in Stockholm am Flughafen übernachten.

Dann hat uns auch so ein älterer Mann angesprochen und einfach gemerkt, dass dieses Gespräch in eine immer komischere Richtung ging. Und wir dann irgendwann gesagt haben, wir wollten doch jemand anrufen, sind dann in eine andere Ecke von dem Terminal gegangen. Jeder und jeder von uns hat genügend Situationen, in denen man einfach auf Personen getroffen ist, wo man einfach ein ungutes Gefühl hatte.

Und das hat mich irgendwie, glaube ich, in dem Fall so am meisten mitgenommen, dass das auf vielen Ebenen so nah ist. Vielleicht haben sie sich sicherer gefühlt, weil sie zu zweit waren. Ja. Ja. Ja, der Täter, Günther Jakobi, wird jetzt natürlich vor Gericht geführt und damit würde ich den Fall jetzt einmal abrunden und euch einmal mitteilen, wie das Ganze endet.

Am 4. März 1985 wird Günther Jacobi in der Justizvollzugsanstalt Moabit vor Gericht geführt. Die Anklageschrift ist 46 Seiten dick. Ihm wird Misshandlung und Mord in drei Fällen vorgeworfen. Denn in den Ermittlungen kommt heraus, dass Günther Jacobi noch eine weitere Frau missbraucht und umgebracht hatte.

Ihr Name und ihre Herkunft waren unbekannt. Sie arbeitete als Prostituierte am Bahnhof Zoo. Im Prozess wird der Sexualwissenschaftler Prof. Detlef Mackenroth gebeten, eine Analyse zu Günther Jakobi vorzutragen. Nach zehn Gesprächen mit dem Angeklagten kommt er zu folgendem Urteil. Günther Jakobi sei schon als Jugendlicher durch sein devotes und einschmeichlerisches Verhalten gegenüber Autoritätspersonen aufgefallen, während er Schwächere roh und verletzend behandelt habe.

Obwohl die Emotionalität Günther Jakobis extrem gestört sei, habe er während der Untersuchungen nie den Eindruck eines eiskalten Psychopathen gemacht. Tötungen wie die der Mädchen aus Norwegen seien von ihm nicht von vornherein generalstabsmäßig geplant worden, sondern stellten den Höhepunkt eines ihm aus der Hand geklittenen Geschehens dar.

An seiner Schuld hindere das aber nichts. Darüber hinaus sei klar, Günther ist eine Gefahr für die Gesellschaft. Eine tickende Zeitbombe. Diese Analyse folgt das Gericht. Am 20. März 1985, um 11.08 Uhr, wird Günther Jakobi schuldig gesprochen. Er wird zu zweimal lebenslanger Freiheitsstrafe sowie zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 15 Jahren verurteilt.

Das Strafmaß ist für Günther Jakobi keine Überraschung. Mit lebenslänglich hat er gerechnet. Doch dann sagt der Richter den für ihn alles entscheidenden Satz. Seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus wird angeordnet. Damit ist klar, für Günther Jacobi besteht nahezu keine Chance, je wieder auf freien Fuß zu kommen.

Heute ist Günther Jakobi 65 Jahre alt und im Maßregelvollzug in Berlin-Wittenau untergebracht. Von seinen Therapeuten wird er weiterhin als gefährlich eingestuft. Und ich habe ja schon gesagt, das Buch von Stefan Harbord über den Fall, das ich gelesen habe, was als Hauptquelle dient. Ist auch deswegen so, ja, eindrucksvoll ist das falsche Wort, einfach wirklich schwierig zu lesen, weil er Interviews mit Günther Jakobi geführt hat, vor zehn Jahren, glaube ich, ungefähr.

Und die machen ungefähr das letzte Viertel des Buches aus. Ich habe das nur überflogen, weil es wirklich an vielen, vielen Stellen unerträglich ist, wie er, also Günther Jakobi, noch heute zu seinen Taten steht oder wie er darüber spricht. Und ja, deswegen meine persönliche Einschätzung kann ich die Einschätzung der Therapeuten absolut nachvollziehen.

Ich finde das irgendwie die Vorstellung, dass er da hier in der Gegend sitzt, so gruselig. Und ich hätte mir, also hättest du jetzt gesagt, das Strafmaß ist ein anderes, wäre ich ausgeflippt. Was anderes kann es bei so einer Person nicht sein. Ja, ja. Das Ende dieser Geschichte soll aber Luisa und Caroline gehören.

Die Schulgruppe reist wie geplant nach einer Woche wieder aus Berlin ab. Auch die Körper der beiden jungen Frauen werden nach Norwegen überführt. In ihrem Heimatdorf Örnes in Norwegen werden sie im Kreis der Familie beigesetzt. Auf dem herzförmigen Grabstein von Caroline steht in weißer Schrift auf schwarzem Grund Unsere Tochter, geliebt und unvergessen.

Ja, das war der heute Gefallen. Wie hast du dieses Buch gefunden, Flo? Es gibt vom RBB, der True Crime Podcast, der über Fälle in Berlin-Brandenburg spricht. Die haben auch schon dazu eine Folge gemacht, die kann ich auch sehr empfehlen. Und dann habe ich das Buch im Zuge dessen gefunden und mir einmal besorgt.

Und ja, das ist wirklich sehr, sehr detailliert beschrieben. Ja, kann mir vorstellen, dass es nicht leicht war zu lesen. War nicht leicht zu lesen, das ist aber, also der Autor ist ein sehr guter Autor, man konnte das gut lesen, auch wenn es lang ist. Aber ja, ein sehr intensiver Fall auf jeden Fall. ähm.

Der, wir haben es schon ein paar Mal gesagt, glaube ich, auch uns so nahe geht, weil er so nahe an uns dran ist. Ja, total. Also ich muss sagen, ich bin in die Folge jetzt hier heute mit reingekommen und habe nicht erwartet, dass das so schrecklich wird. Und du hast es am Anfang oft gesagt, aber das hat wirklich alles übertroffen.

Ja, und ich glaube, wir laufen jetzt mit einem bisschen in einem anderen Blick durch West-Berlin, zumindest an den Orten vorbei, um die es heute ging. Und ja, erinnern uns dann vielleicht auch an die Opfer. Ja, es ist ein krasser Fall. Danke, dass du den aufbereitet hast. Und wir können ja vielleicht in die Zukunft blickend sagen, dass wir auch wieder Fälle haben, die nicht so hart sein werden und die vielleicht sogar auch mal wieder ein bisschen leichter und lockerer und vielleicht auch ein bisschen witziger sind.

Ja, das ist unser Ansatz, dass wir das gerne ein bisschen mischen, weil wir natürlich in dem Bereich Lebensmittel sehr viele unterschiedliche Kriminalfälle beleuchten können. Aber schreibt gerne auch mal, wenn ihr das bei Spotify hört, gerne hier rein, was ihr zu der Folge denkt. Schreibt uns gerne bei Instagram eure Gedanken. Ist auf jeden Fall, glaube ich, ein Fall, der einen noch länger beschäftigen kann.

Aber ja, danke Hanna, dass du da warst und auch deine Gedanken mit uns geteilt hast. Ja, sehr gerne. Ja, wir machen wieder leichtere Fälle. Und wenn man noch mehr von dir hören möchte, dann ist auch Doppelrahmstufe ein bisschen leichter. Ja, das stimmt. Das können wir, glaube ich, sagen. Da reden wir nicht so viel über Crime.

Nee. Außer verbotene Ei auf Pizza ist für mich auch ein Crime. Ja. Da kommt sowas vielleicht manchmal vor. Ja, über solche Food Crimes, Flo, könnten wir hier eigentlich auch mal sprechen. Kombinationen an Lebensmitteln, die wirklich verboten gehören. Ich weiß nicht, ob das jetzt on oder off the record ist, aber ich danke euch für euer Verständnis, Leute.

Ich weiß nicht, was das hier heute war mit meinen Internet- und Tonproblemen. Flo, ich hoffe, du kannst das irgendwie zusammenschneiden. Wenn das jetzt drin bleibt, alle, die das gehört haben und sich gefragt haben, vielleicht, warum da lange nichts von Lilly kam. Ja, ich war hier immer nur temporär am Start, aber Globebesserung.

Das ist eine ganz schöne Überleitung in ein paar Outtakes, die uns vielleicht wieder zurück in den Alltag holen, in das Jetzt-Outtakes von Lillys Tonproblem. Danke dir. Bis nächste Woche. Vielen, vielen Dank. Tschüss. Ciao. Tschüss. Jetzt ist Lilly weg, oder? Mhm. Hey Lilly, na? Hallo. Jetzt hängt sie wieder. Hört ihr und seht ihr mich?

Der Fall wird heute... Aber sind das bei dir die Vögel im Hintergrund? Wahrscheinlich, ne? Aber ich hab die Fenster zu. Oder ist das bei dir, Lilly? Ich hör auch nichts. Ich hab ein neues Kennzimmer zu tun. Ich hör auch keine Vögel. Es hätte jetzt bloß gut gepasst, wenn das natürlich dann auch noch die Vögel sind, die bei dir im Hintergrund switchen.

Ich hab eben nur schon eine kleine Diskussion mit meinem Vater gehabt, weil der gerade angefangen hat, den Rasen zu mähen. Obwohl ich gesagt habe, Leute, jetzt mal kurz für ein paar Stündchen alle Ruhe. Der Hund darf nicht bellen. Was macht mein Vater? Setzt sich schön auf den Rasenmäher und fängt an, so den Garten zu mähen.

Ansonsten gibt es hier, glaube ich, gerade keine Geräusche. Aber es fliegen auf jeden Fall sauviele Vögel hier rum. Alles voll.

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