
Food Crimes - Was schmeckt dahinter?
Der Stickstoff-Shot & Ein Spitzenkoch auf Raubzug | Winter Spezial
Dienstag, 13. Januar 2026 · 41 min
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Shownotes
In unserem zweiten Winter-Spezial haben wir wieder Fälle dabei, die es nicht bis eine ganze Folge geschafft haben. Lilly nimmt uns mit nach Lancaster, einer englischen Studentenstadt. Hier feiert Gaby Scanlon ihren 18. Geburtstag in Oscar’s Wine Bar and Bistro. Als der Barkeeper ihr einen Nitro-Jägermeister-Shot mit flüssigem Stickstoff anbietet, wird aus der fröhlichen Feier ein Albtraum. In Flos Fall begleiten wir den Kochen Valentino Luchin, der einen letzten Ausweg für seine vertrackte Lebenssituation sieht: Ein Banküberfall.
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Oh Gott, man könnte meinen, ich nehme heute zum ersten Mal einen Podcast auf. Ich weiß überhaupt nicht mehr, wie es geht. Oder wenn man nicht in dieser Routine drin ist, dann geht es irgendwie alles den Bach runter. Vor der Weihnachtspause und ich bin wirklich nur noch ein Schatten meiner selbst. Okay, wenn die Party zum 18.
Geburtstag im Desaster endet und ein Koch auf Raubzug ist. Das ist Foodcrimes. Was schmeckt dahinter? Wir sind in Woche 2 vom neuen Jahr und haben wieder mal eine Spezialfolge für euch dabei. Flo und ich haben jeweils eine Geschichte im Petto, die nicht ganz für eine eigene Folge gereicht hat, aber trotzdem erzählenswert ist, weshalb sie in dieser Spezialfolge gelandet ist.
Der Hidden Champion unter unseren Folgen. Es freut uns, dass es euch genauso viel Spaß macht, diesen Film zu lauschen wie uns, weil wir da so ein bisschen die Sachen abarbeiten können, bei denen es aus unterschiedlichen Gründen nicht zu einer ganzen Folge gereicht hat. Und nachdem wir in der letzten Woche schon durch zwei Fälle durchgegangen sind, haben wir zwei neue mitgebracht.
Und du hast schon den 18. Geburtstag angesprochen. Ich würde sagen, wir labern gar nicht lange drum rum und gehen direkt rein, oder? Wir gehen rein. Aber vorher noch der Hinweis, ansonsten bleibt alles wie immer. Es gibt Begleitmaterial bei Instagram und wir haben Spaß. Das klang wie eine Drohung. Vielleicht war es auch eine Drohung.
Oktober 2012. Ach so, bevor ich anfange. Den heutigen Fall hat mir eine Followerin geschickt. Liebe Grüße an Joy an dieser Stelle. Liebe Grüße. Wir sind in Lancaster, einer mittelgroßen Stadt im Nordwesten Englands. Eine typische Studentenstadt, viele Bars, viel Nachtleben und an diesem Abend auch ein Geburtstag, der eigentlich gefeiert werden soll.
Gabby Scanion wird 18. Ein Meilenstein. Endlich ist sie volljährig, endlich kann sie offiziell feiern gehen und ist erwachsen. Zusammen mit Freundinnen zieht sie durch das Stadtzentrum von Lancaster und landet schließlich in der Oscars Wine Bar & Bistro. Die Bar ist noch relativ neu, erst fünf Monate hat sie geöffnet, sie ist modern eingerichtet und ambitioniert.
Hier will man auffallen, hier will man etwas Besonderes bieten. Und dieses Besondere kommt an diesem Abend in einem kleinen Glas. Wenig später ist hier nichts mehr, wie es war. Ich habe dir von dem Etablissement ein Foto mitgebracht. Also bevor du mir das Foto jetzt schickst, es klingt wie eine klassische Dive-Bar, wie man so schön auf Englisch sagt. Also eine Bar zum Abstürzen.
Bin ich gespannt, ob du das immer noch so siehst, wenn du das Foto siehst. Nee, gar nicht. Das sieht aus wie High-End-Cocktails und viel Fake-Marmor-Plüsch. Nee, also das ist in einem sehr schicken Gebäude. Also es ist ein sehr schickes Gebäude. Ich hätte gar nicht gedacht, dass es sowas in Lancaster gibt, ehrlich gesagt, weil so nordenglische Städte stehen jetzt nicht für schöne Architektur.
Große Fensterfronten. Es ist verkleidet oben. Sieht noch relativ neu aus alles. Ja, ich finde, es hat so Loft-Vibes, ne? Absolut, ja. Und es sieht so ein bisschen aus, wo so Anfang-20-jährige Studis hingehen, um zu arbeiten. Zu arbeiten? Naja, wenn man so Anfang-20 ist und studiert, dann hat man ja immer das Gefühl, man muss in ein Café arbeiten gehen, weil man da besser arbeitet.
Was Bullshit ist. Lasst euch das von einem alten Mann sagen. Es sieht nicht aus wie eine Bar, wo man jetzt zum Abstürzen hingeht. Das auf gar keinen Fall. Ja, aber es ist auch keine Bar, in der man arbeitet, sondern es ist schon eine Weinbar und ein Bistro, in der Cocktails gereicht werden und wo man eher zum Ausgehen hingeht.
Okay. Ich kann gut in Cafés arbeiten, lasst euch von dem alten Mann nicht sagen. Wenn man die Möglichkeit hat. Ich finde, dass manchmal, mir gibt irgendwie diese Atmosphäre um mich herum, die gibt mir manchmal ein bisschen Energie. Als Gabby und ihre Freundinnen bereits mehrere Getränke in Oscars Wine Bar getrunken haben, sagt ein Barkeeper irgendwann, dass das Geburtstagskind noch einen Gratisshot bekommen könne.
Es ist ein sogenannter Nitro-Jägermeister-Shot. Ein Liebling, dem flüssiger Stickstoff beigefügt wird, um einen Schreckleben-Rauch-Effekt zu erzeugen. Warum diese starke Reaktion? Magst du kein Jägermeister, Flo? Ich finde diesen Nitro-Trend ganz schlimm. Also ich habe bisher nur ein Nitro-Getränk bis jetzt getrunken. Das war ein Kaffee.
Und es schmeckt einfach so wie abgestandene Kohlensäure. Du hast einen Nitro-Kaffee getrunken? Ja, das ist doch, das ist total riesig gerade, habe ich das Gefühl. An mir ist dieser Trend völlig vorbei gegangen. Ich habe davon noch nichts mitbekommen. Vielleicht ist es ein amerikanischer Trend, aber ich habe das Gefühl, es gibt super viele Kaffees, die so Nitro-Code-Brew anbieten.
Und dann kommt der halt so leicht aufgeschäumt und ich finde, es schmeckt einfach nur wie abgestandene Kohlensäure. Oder es hat das Gefühl von abgestandener Kohlensäure. Also so, man denkt, es müsste blubbern, aber es tut es nicht. Meinst du es nicht? Und das Ganze dann noch als Jägermeister? Junge, Junge, Junge, Junge.
Und Jägermeister an sich? Bist du Fan von Jägermeister? Einmal darfst du raten. Nein. Da sind wir uns einig. Ich finde auch Jägermeister ist ein schreckliches Getränk. Ja. Aber der Barkiepa bietet Gabby jetzt diesen Special Drink an, dem flüssiger Stickstoff beigefügt wird, um diesen spektakulären Raucheffekt zu erzeugen.
Und der Schott kommt, Er dampft, es quillt Nebel aus dem Glas. Es sieht futuristisch aus, dramatisch, eindrucksvoll. Flüssiger Stickstoff wird genau für diesen Effekt verwendet. Er ist extrem kalt, etwa minus 196 Grad. Und wenn er mit Luft in Berührung kommt, entsteht diese dichte weiße Wolke. In der gehobenen Küche und in der Molekulargastronomie ist das längst kein Geheimnis mehr.
Okay, dann muss ich da glaube ich nochmal reingehen. Vielleicht ist das, was ich dann getrunken habe, nochmal was anderes, weil der schäumt nicht. Sondern es ist dann im Grunde nur ganz dünn aufgeschäumter Kaffee. Also es blubbert nicht und es wabert nicht, sondern es ist nochmal ein bisschen was anderes.
Das, was du meinst, ist ja dann wirklich so eher so ein Molekularküche-Action-Show. Vielleicht schmeckt er dann auch gar nicht anders, sondern er sieht nur anders aus. Das weiß ich jetzt nicht. Aber gut. Ich war schon irritiert darüber, dass das jetzt so ein Trend ist in Kaffeegerichten. Ja, das wäre vielleicht ein bisschen drüber. Also aus der gehobenen Küche und der Molekulargastronomie kennt man flüssigen Stickstoff schon länger.
Köche wie Heston Blumenthal haben den Einsatz populär gemacht, zum Beispiel für Eiscreme oder Shoeffekte am Tisch. Aber, und das ist entscheidend, flüssiger Stickstoff darf nur dann konsumiert werden, wenn er vollständig verdampft ist. Gabby steht mit dem Glas in der Hand in der Bar. Sie fragt noch nach, ob das trinkbar ist. Der Barkeeper sagt ja.
Sorry, dass ich dir hier gerade in einer Tour in die Parade und in den Fall fahre. Aber nochmal, man macht Stickstoff, also so Trockeneis, in den Shot rein. Und dann fängt er an zu rauchen. Ja. Das habe ich schon mal gemacht bei einer Party in Wien. Ich weiß gar nicht, wer auf die Idee kam. Irgendein Freund von einem Freund, der wusste nämlich, Gott, ich weiß gar nicht, ob man das jetzt so offen sagen kann, man kann sich dieses Trockeneis relativ einfach kaufen. Also bei Linde oder so.
In Wien gab es bei Linde Fabrikverkauf. Da hast du so eine riesige, Kiste Trockeneis, keine Ahnung, für 30 Euro oder so bekommen, in so kleinen Pellets. Und dann gab es halt Schottgläser und dann hast du dieses Ding da in den Alkohol geworfen und dann hast du diesen Rauch eingeatmet. Ist das was gleich passiert?
Ja, kann man im weitesten Sinne so sagen. Und ich wiederhole nochmal, schön, dass es dir gut geht, Flo. Ja, weil im Gegensatz zu getrunkenem Alkohol geht der Alkohol durch den Sauerstoff und den Wasserstoff, den man da einatmet, direkt ins Blut. Also es macht dich innerhalb von Sekunden besoffen. Ist gefährlich. Also ich habe es nur einmal so leicht so gemacht und dann habe ich gemerkt, so das reicht dann.
Das muss jetzt nicht mehr sein, aber ja. Da warst du vorsichtig genug. Gabby hat jetzt aber diesen Jägermeister in der Hand, fragt den Barkeeper, ob sie das trinken kann und der Barkeeper sagt ja. Und ein Freund von Gabby erinnert sich sogar daran, dass jemand gesagt hat, dass sie das trinken soll, solange es noch raucht.
Was Gabi zu dem Zeitpunkt nicht weiß, genau das ist lebensgefährlich. Sie setzt das Glas an und Sekunden später merkt sie, dass etwas ganz und gar nicht stimmt. Rauch tritt aus ihrer Nase und ihrem Mund. Ihr Bauch bläht sich auf und sie bekommt sofort massive Schmerzen. Es fühlt sich an, als würde etwas in ihr explodieren.
Vor Gericht wird später gesagt, dass sie nur etwa vier Sekunden nach dem Einschenken des Shots eine Art Explosion im Magen erleidet. Gabby krümmt sich vor Schmerzen, muss ihre Kleidung lockern, weil der Druck im Bauch kaum auszuhalten ist. Sie ringt nach Luft und bekommt Panik. Wenige Augenblicke später wird sie gegen 23 Uhr ins Royal Lancaster Infirmary gebracht.
Die Ärzte machen eine Computertomographie und sehen sofort, ihr Magen ist perforiert. Durchbrochen. Flüssiger Stickstoff hat das Gewebe zerstört. Sie wird notoperiert und die Ärztinnen sagen später, wäre sie nicht sofort operiert worden, wäre sie gestorben. Die OP, die durchgeführt wird, ist eine Gastrektomie, das heißt, Gabby's kompletter Magen wird entfernt.
Ihre Speiseröhre wird direkt mit dem Dünndarm verbunden. Eine Operation, die man eigentlich bei schweren Krebserkrankungen durchführt, nicht bei einer 18-Jährigen, die gerade ihren Geburtstag gefeiert hat. Gabby verbringt daraufhin drei Wochen im Krankenhaus und ihr Leben ist danach ein völlig anderes.
Sie kann nicht mehr normal essen, sie spürt kein Sättigungsgefühl mehr, Sie muss über den Tag verteilt immer kleine Portionen zu sich nehmen, darf nur bestimmte Lebensmittel essen und muss regelmäßig Vitamine einnehmen. Jahrelang leidet sie unter Schmerzen, unter Erschöpfung und ist sehr oft krank. Sie kann kaum arbeiten und während ihre Freunde anfangen zu studieren, die Welt zu erkunden und sich ein eigenes Leben aufbauen, kämpft sie darum, ihren Alltag überhaupt irgendwie zu bewältigen.
Schnell beginnen die Ermittlungen. In Oscars Wine Bar werden die Cocktails mit flüssigem Stickstoff sofort von der Karte genommen. Es wird klar, dass es in der Bar keine ordentliche Gefährdungsbeurteilung gegeben hat. Die MitarbeiterInnen wurden nicht ausreichend geschult. Warnungen eines Gesundheits- und Sicherheitsbeauftragten, der die Bar Monate zuvor besucht hatte, wurden ignoriert.
Die Verantwortlichen von Oscars Wine Bar werden angeklagt. Vor Gericht kommt heraus, dass die Schulungen, die sie bekommen haben, vage waren. Den MitarbeiterInnen wurde lediglich gesagt, dass man etwa 10 Sekunden warten solle, bevor man das Getränk trinkt. eine etwas willkürliche Regel ohne wissenschaftliche Grundlage.
Ja, hast du dazu Gedanken, Flo? Ja, viele Gedanken habe ich dazu. Grundsätzlich, du hast es ja angesprochen, ist jetzt Stickstoff oder dieses Trockeneis, was ja dann auf diesen Effekt auslöst, ist jetzt in der Molekularküche vielleicht keine unbekannte. Aber wie damit umzugehen ist, also auch bei der Party, die wir damals hatten, Da gab es jemand, der kannte sich damit aus, sozusagen. Der hat allen gesagt, was man da tun soll.
Dass man es bitte nicht anfasst und trinkt. Aber wenn man einmal so Trockeneis in echt gesehen hat, weil das ist vielleicht auch das Problem jetzt bei diesem Shot gewesen, dass sie ja das möglicherweise noch nie gesehen hat. Und dann weißt du nicht, was das auslösen kann, wenn man das in echt sieht und sozusagen in so einem Karton sieht.
Das ist auch beeindruckend. Also es ist auch ein bisschen beängstigend. Aber wenn das dann in diesem Shot, es ist ganz schlimm, Lili. Das ist ganz, ganz schlimm. Ich meine, wir haben bei den Drehs, wenn es besser ist, war es natürlich Trockeneis. Wenn Sebastian Wege damit Sachen experimentiert und das gibt eben auch diesen tollen Show-Effekt, dann haben wir immer einen Sicherheitsbeauftragten da.
Das heißt immer nicht einatmen, warten, geht weg davon und so. Und die haben das in der Bar einfach in Getränke gemixt. Und dann wurde denen gesagt, ja, dann sollen die Kundinnen und Kunden halt ein paar Sekunden warten, bis sie das trinken. Na ja, klar, das löst sich auf. Also am Ende ist es Eis, es löst sich tatsächlich dann irgendwann wieder auf und wird einfach zu Wasser.
Aber, boah, also ganz, ganz schlimm. Und scheinbar ist das ja davor noch nicht passiert, aber so lax, wie die damit umgegangen sind. Die Bar gab es aber auch noch nicht super lange. Oh Mann, war das ja abzusehen, dass das passiert. Richterin Pamela Badley spricht später von einer eklatanten Missachtung der Sicherheitsstandards und von schwerwiegenden systemischen Mängeln innerhalb des Unternehmens.
Im September 2015 wird Oscars Wine Bar & Bistro schließlich zu einer Geldstrafe von 100.000 Pfund, was umgerechnet ungefähr 120.000 Euro sind, verurteilt. An wen? Das Gericht stellt fest, dass das Unternehmen seine Pflicht verletzt hat, die Sicherheit seiner Gäste zu gewährleisten. Der Geschäftsführer erklärt, er habe keine Kenntnis von den Risiken gehabt.
Doch genau diese Unwissenheit wird dem Unternehmen zum Verhängnis. Einfach dieses Jahr, wo ich wusste nicht, dass das gefährlich ist. Also ja, okay. Dann lass es. Dann lass es, genau. Gabby sagt später, die Strafe bedeutet ihr relativ wenig, denn kein Geld der Welt könne ihr ihre Gesundheit zurückgeben.
Weil die kann im Grunde nur noch Brei essen, ne? Der direkt so zusammengesetzt ist, dass er nicht verdaut werden muss, sondern dann im Darm verarbeitet werden kann. Das ist so schlimm. Du hast dich ja auch mal eine Woche von Y-Food ernährt. Am Ende das. Die muss ja Leben lang Y-Food trinken. Für ein Experiment.
Ich habe es schon freiwillig gemacht. Ich wurde nicht dazu gezwungen, aber ich habe es nicht gemacht, weil ich das gerne ausprobieren wollte, sondern es war für ein Experiment. Ihr könnt ja auch immer noch finden auf YouTube. ist ein interessantes Video. Aber da hast du das ja erlebt, was das eigentlich mit deinem Leben macht, wenn du dich nur noch von funktionaler Nahrung ernährst.
Ja. Das ist auch so tragisch, wenn man sich vorstellt, dass sie einfach nur ihren 18. in dieser Bar feiern wollte. Ja, Mann, ey. Und einen blöden Mini-Shot Jägermeister getrunken hat und danach war alles anders. Ich habe aus der Zeit danach, ich weiß nicht genau, ob das Foto von vor dem Gericht ist oder zu welchem Zeitpunkt das ist, aber ich habe auf jeden Fall ein Foto von ihr noch für dich.
Klassische britische 18-Jährige. So ein Schnuff zu viel Schminke. Ansonsten, ja, sieht sie sehr sympathisch aus und natürlich ein bisschen niedergeschlagen. Ihre Hand ist so klein. Ja, ne, habe ich auch gedacht. Aber vielleicht ist es einfach der Winkel. Ja. Ist nur zum, ja, vielleicht einfach veranschaulichen, um wen es hier Der Fall schlägt natürlich riesige Wellen.
Die britische Lebensmittelbehörde warnt öffentlich vor den Gefahren von flüssigem Stickstoff in Getränken. PolitikerInnen fordern ein Verbot, was aber nicht eintritt. Und international reagiert man auch. In Australien zum Beispiel wird nämlich die Verwendung von flüssigem Stickstoff in Bars vorübergehend komplett untersagt.
Ich finde auch, also ich finde in Bars, also um vielleicht nochmal darauf zurückzukommen, so Molekularküche und diese Showküche, ich kann damit so gar nichts anfangen. Ich finde das so quatschig. Also mir ist es egal, ob meine Suppe raucht, die so schmecken. Und das macht ja, natürlich gibt es auch Ecken in der Molekularküche, wo du natürlich mit diesen chemischen Reaktionen auch geschmackliche Komponenten hervorheben kannst und möchtest, wenn du irgendwie aus einem Öl so eine Kugel formst, die deinen Mund aufplatzt oder so.
Aber alles, was einfach raucht und shows und einfach nur gut aussieht, das ist so ein Quatsch. Ja, das ist mittlerweile aber auch so ein bisschen trashig geworden, finde ich, weil als das modern wurde, weiß ich schon noch, dass wir, wenn wir mal zu essen waren, in Restaurants saßen und dann bekam man so ein Gericht unter so einer Glasglocke gereicht und man konnte nicht sehen, was drunter ist und dann hob man diese Glasglocke an und dann qualmte es und dann fand ich das schon cool.
Also kann ich jetzt nicht anders sagen. Aber die Zeiten sind irgendwie echt vorbei. Und vor allen Dingen sollte man, wenn man mit sowas arbeitet, geschult sein und sich der Gefahr bewusst sein, der man ausgesetzt ist. Und das war ja offensichtlich nicht der Fall. Weil nochmal, um das nochmal zusammenzufassen, flüssiger Stickstoff ist keine harmlose Spielerei.
Wenn man den verschluckt, kann er Kälteverätzungen verursachen, Gewebe abtöten und durch die schnelle Ausdehnung von Gasen den Magen sprengen. In der Medizin wird er eingesetzt, um Warzen oder Hautveränderungen zu entfernen, und eben nicht, um getrunken zu werden. Und in der gehobenen Gastronomie, wie eben schon gesagt, oder in der Molekularküche wird er eingesetzt. Oder in der niederen Gastronomie.
Oder in der niederen Gastronomie. Ja. Gabby Scanlon sagt natürlich heute, sie hätte dieses Getränk niemals angerührt, wenn sie gewusst hätte, was es anrichten kann und warnt eindringlich davor. Ähm... Und das ist die Geschichte von Gabby und ihrem 18. Geburtstag, der leider in einem Desaster geendet ist und ihr Leben komplett verändert hat.
Und jetzt, wo ich weiß, Flo, dass du zu Uni-Zeiten auch mit flüssigem Stickstoff rumgealbert hast, bin ich wirklich froh, dass das alles so glücklich ausgegangen ist. Wir können, glaube ich, festhalten, dass diese Geschichte A, ganz schlimm und dramatisch ist und B, eine Lehre sein sollte für alle, die da draußen denken, dass sie mal mit Trockeneis oder Stickstoff oder wie hantieren wollen.
Wenn, dann macht das, oder lasst das jemand machen, der sich damit auskennt. Es ist auch nicht geil. Muss man auch ganz ehrlich sagen, lasst es einfach. Trinkt einfach so einen normalen Cocktail und freut dich eures Lebens. Da muss man keinen Stickstoff mit dazu ballern. Also passt auf euch auf und lasst die Finger von flüssigem Stickstoff. Ja.
Wir bleiben in der Gastro, für meinen Fall. Oh, da bin ich gespannt. Wir wechseln aber den Kontinent. Wir gehen wieder einmal in die USA. Dort bis ganz an die Westküste. Schön da. Und zwar zu einem warmen Mai-Morgen im Jahr 2018. Diesem Tag steigt ein Mann mit grauem Bart aus einem Auto und betritt die Citibank-Filiale in Orinda, einem Vorort von San Francisco.
Der Mann ist gut 1,80 Meter, kräftig gebaut, trägt einen schwarzen Hoodie, Sonnenbrille, Latexhandschuhe und eine Duffelbag, also so eine große Tasche. Und als dieser Mann in die Bank kommt, weiß die Managerin, die an dem Tag dort Dienst hat, ganz genau, was passiert. Das ist ein Überfall. und für Valentino Lugin die letzte Chance, ein Restaurant wieder aus dem Dreck zu ziehen.
Der Moment, wenn du so als Bank mitarbeitende Person checkst, okay, ich weiß, was jetzt hier passiert. Ja. Und du bist ja wahrscheinlich geschult und trotzdem kann dich ja nichts darauf vorbereiten, wie es sich dann wirklich anfühlt, wenn jemand reinkommt. Dann stelle ich mir krass vor. Aber du hast natürlich absolut recht. Sie ist geschult und sie führt jetzt einfach das Standardprozedere aus, was sie gelernt hat für Überfälle.
Ruhig bleiben, Geld aushändigen und unauffällig den Alarm betätigen. Also so unter dem, ja, der Finger, der Meldeschin. Ja, ich muss an was denken, was ich gesehen habe. Das muss ich kurz mit euch teilen oder mit dir. Wir haben ein Reel gesehen bei Instagram aus Österreich. Da wurde eine, ich glaube, es war eine Tankstelle überfallen.
Ja. Und die beiden, die in der Tankstelle arbeiten, sagen in feinstem Dialekt, dass sie ihm leider das Geld nicht aushändigen können, weil das Kassensystem schon im Feierabend ist sozusagen. Es ist nach 18 Uhr und die kriegen die Kasse nicht mehr auf. Und die sagen das richtig so, ja, es tut uns wirklich wahnsinnig leid.
Wenn ich jetzt gut österreichisch nachmachen könnte, würde ich es natürlich machen. Und der ist richtig irritiert und sagt so, wie, was soll das denn jetzt? Und dann sagen die so, ja, es tut uns wirklich leid, sie hätten früher kommen müssen. Es ist so lustig, sich das anzuschauen und dann geht der einfach unverrichtet.
Oder die Kasse ist schon home. Ja, richtig. Geh, oder na, die Kasse ist home. Ja, da können wir nichts machen. Und dann geht der, kommt wieder und sagt, aber sie verarschen mich jetzt nicht. Und dann sagen die so, nee, wir verarschen sie nicht. Und dann geht der einfach wieder. Und das ist so lustig.
Also einfach sagen, sorry, können wir nichts machen. Das ist das Kassensystem. Das ist jetzt eine sehr subjektive Einschätzung, aber viele Banküberfälle sind ja gar nicht mal so professionell geplant, sondern das ist, wie wir später sehen werden, für Menschen, die irgendwie in einer Notsituation sind, vielleicht der erste, einfachste Ausweg.
Und so ist auch, dass die Managerin in der Filiale sieht, dass Valentino echt nervös ist, als er ihr sagt, dass er das Geld möchte und. Sie ist scheinbar wirklich sehr gut geschult, weil sie ihm sagt, es ist okay, dass er die Waffe auf sie halten kann und sie händigt ihm alles aus und wenige Minuten später steigt Valentino mit 18.000 Dollar in der Tasche, in sein Auto und fährt davon.
Das ist jetzt auch nicht so eine große Beute, oder? Bei einem Banküberfall? 18.000, naja, ich weiß nicht, wie viel hat eine Bank wirklich in Bada? Ich kann mir schon vorstellen, wenn du wirklich riesige Summen dort abheben möchtest, dann wird das angekündigt und dann wird das da hingefallen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Bank immer Millionen an Geld in Bada hat.
Die Zeiten sind ja vorbei. Und dass Valentino die Bank überhaupt überfällt, ist das Ergebnis von einer verquickten langen Reise mit vielen unglücklichen Zufällen. Und die möchte ich dir heute erzählen. Denn dass es überhaupt dazu gekommen ist, dass Valentino eine Bank überfallen hat, danach sah es lange nicht aus.
Geboren wird Valentino 1963 in der Nähe von Wededig. Mit 15 Jahren fängt er an, als Koch zu arbeiten und lernt die norditalienische Küche wirklich von der Pike auf. Anfang der 90er Jahre zieht er dann in die USA, arbeitet in New York in beliebten italienischen Restaurants, zum Beispiel Beko, sagte mir jetzt nichts, aber kann man ja mal auf die Liste setzen.
Er lernt Englisch und arbeitet wirklich im ganzen Land, in Seattle, in Luxushotels auf Hawaii, in Florida. Und überall, wo Valentino auftaucht, sind die Menschen nicht nur begeistert von seinen Fähigkeiten, von seinen Kochfähigkeiten, sondern auch von seiner Kreativität, mit der er arbeitet. Eins seiner Spezialgerichte ist seine Bolo.
Da hat er natürlich wie jeder ein ganz besonderes Rezept. Aber er wird es doch sicherlich Ragou nennen, oder nicht? Ich habe tatsächlich Bolognese gelesen. Und was bei ihm besonders ist, ist, dass er Leber mit in die Bolognese rührt, dort einkocht. Außerdem dampft er sein Risotto. Also es ist schon jemand, der versucht hat, neue Sachen zu machen und nicht einfach nur so klassisch 0815 zu kochen.
Und das spricht sich rum. 2007 holt ihn dann das berühmte italienische Restaurant Rose Pistola nach San Francisco. Und dieses Restaurant hat die italienische Küche in den USA entscheidend mitgeprägt. Das heißt, dass er dort jetzt als Küchenchef anfängt, ist schon wirklich eine große Auszeichnung und zeigt, wie sehr seine Fähigkeiten und seine Kreativität geschätzt werden.
Er macht das jetzt hier, was er am besten kann. Er kocht viel und gut. Valentino hat aber auch, wie so viele Köche, ein relativ großes Ego gepaart mit einer kurzen Lunte, was dazu führt, dass er sich bald mit seinem Team überwirft und er dort immer mehr Probleme bekommt, auch weil er zwar sehr kreativ ist, dabei aber so ein bisschen den Blick für Personal und Warenkosten aus dem Blick verliert.
Das führt dazu, dass er schon nach weniger als einem Jahr wieder gekündigt wird. Aber es dauert nicht lange, bis Valentino eine weitere Möglichkeit bekommt, sich zu beweisen. Und zwar stellt ihm ein Freund einen Geschäftsmann vor, der ein Restaurant aufbauen möchte und dafür Valentino als Küchenchef und sozusagen Kopf des Restaurants sieht.
Der Geschäftsmann und seine Frau und Valentino, die einigen sich und im Frühjahr 2010 eröffnet er dann das Ottavio in Oakland. Also Oakland ist ein Vorort von San Francisco. Für Basketball-begeisterte Menschen natürlich ein Begriff, weil dort die Golden State Warriors spielen. Und für Baseball-begeisterte Menschen natürlich auch, weil dort lange die Oakland Athletics gespielt haben, die Teil des Films Moneyball sind und jetzt mittlerweile in Sacramento spielen, bevor sie nach Las Vegas ziehen, so Gott will, irgendwann in der Zukunft.
Aber das ist ein Thema für einen ganz anderen Podcast, den ich irgendwann machen werde, um über meine Baseball-Leidenschaft zu sprechen. Egal, wir kommen zurück nach Oakland und stellen fest, dass Ottavio wirklich gut ankommt bei den Locals. Es ist ein sehr beliebtes Restaurant. Es gibt so besondere Gerichte wie frische Pappadelle mit Wildschwein-Sugo, Cordelettes mit Feigen-Aprikosen-Senf und einen Cocktail, der nach Valentino benannt war.
Und es läuft so gut, dass Valentino und seine Frau im Januar 2013, also gut drei Jahre nachdem sie das Restaurant eröffnet haben, einen Deal unterschreiben, um dem Geschäftsmann, Herr Maraccini, das Restaurant für 100.000 Dollar abzukaufen. Den Betrag wollen sie über die nächsten fünf Jahre abbezahlen.
Und bevor wir jetzt weitergehen, habe ich natürlich auch ein Foto für dich von Valentino. Und auch von ein, zwei Gerichten, die er gekocht hat. Aber erst mal Valentino. Bekomme ich jetzt Hunger? Ich habe heute noch nicht wirklich was gegessen. Och, der sieht ja total nett aus. Es ist ein Selfie aus einer Küche.
Ja. Er trägt Kochjacke und eine gestreifte Schürze, hat eine größere dunkelblaue Brille, lockiges, bisschen welliges, graues Haar. Und ich weiß nicht, für wen das Selfie war, aber die Person, die das Selfie bekommen hat, bekommt auf jeden Fall ein Lächeln von ihm. Also, sieht nach einem netten Mann aus. Sieht aber auch ein bisschen aus, als würde man alle deutschen Fernsehköche in eine Person morphen, oder?
Die Haare vom Trettl, die hohe Stirn vom Rosin. Ja, ja, das stimmt. Stimmt auf eine Art. Ich finde, er sieht aus wie ein klassischer Koch. So. Aber seine Gerichte, kannst du mal sagen, wie klassisch die aussehen? Ähm, boah, das erste ist ja genau meins. Hast du das extra für mich rausgesucht? Spaghetti Frutti di mare. Ja, sieht lecker aus.
Ich finde die Portionsgröße gut, denn das ist so ein Pastateller mit einem sehr, sehr breiten Rand und nur einer kleinen Kuhle und er hat aber in die Höhe gearbeitet und hat einfach einen sehr hohen Turm, Spaghetti Frutti di mare da angerichtet. Das sieht sehr lecker aus, aber jetzt auch nicht besonders, Kreativ, ehrlich gesagt. Also es ist halt für mich ein stinknormaler Spaghetti Frutti Di Mare. Spaghetti Frutti Di Mare.
Und das zweite Gericht sieht mir aus nach einem Fisch-Carpaccio. Ja, so ein bisschen Carbonata-artig sieht es aus, oder? Genau, also unten sieht es aber, glaube ich, wie ein dünn aufgeschnittener Rohrfisch. Und darauf liegt Carbonata, also Aubergine, Tomate. Es könnte aber auch Sellerie sein. So ein Sellerie-Carpaccio könnte es auch sein. Könnte es auch sein. Vielleicht ist das ein vegetarisches Gericht.
Oder da kann man essen gehen. Da kann man essen gehen, genau. Es sieht solide aus, aber auch nicht besonders fancy oder so. Nee, aber ich finde, bei guten italienischen Restaurants ist es ja so, das sieht klassisch aus und hat aber eine geschmackliche Tiefe, die besonders ist. Ich finde, die italienische Küche ist keine Küche, die man jetzt neu erfinden muss.
Oder um bei deinem Fall zu bleiben, mit irgendwie so fancy neuen Sachen wie Molekülarküche verbinden muss. Bring mir eine gute Tomate, bring mir ein gutes Wildschwein. Gutes Öl. Und gutes Öl und pack das in eine Nudel und dann ist auch gut. Es scheint super zu laufen, weil nicht umsonst wollen Valentin und seine Frau ja das Restaurant kaufen.
Man muss aber sagen, it's all downhill from here. Und wenn man sich jetzt das Restaurant genauer anschaut, darf man schon die Frage stellen, warum sie das überhaupt gekauft haben. Denn zu diesem Zeitpunkt gab es schon einige Probleme. Ein Lieferant hatte das Restaurant verklagt, da Waren nicht bezahlt wurden.
Zwei ehemalige Angestellte hatten das Restaurant ebenfalls verklagt, da ihnen Teile des Gehalts und des Trinkgelds nicht ausbezahlt wurden. Insgesamt 74.000 Dollar musste das Restaurant nachzahlen. Und damit hören die Probleme nicht auf. Im Gegenteil, es wird nur noch schlimmer. Denn das Geld, was er zurückzahlen musste, hatte Valentino nicht.
Ein Gericht ordnet daher an, dass das Restaurant seine Alkohollizenz verkaufen muss. Die ist ganze 17.000 Dollar wert. Nachdem sie das gemacht hatten, stellten die Lucchins die Zahlungen an den Geschäftsmann und Vorbesitzer Maraccini ein. Parallel fragt Valentino bei einem Stammkundenpaar nach, ob sie ihm bei ein paar Gehaltszahlungen unter die Arme greifen könnten. Ein paar tausend Dollar bräuchte er dafür.
Doch das Ehepaar lehnt ab. Sie können ihm nicht helfen. Im Herbst 2015, gut zweieinhalb Jahre nachdem die beiden den Kaufvertrag unterschrieben haben, meldet das Ehepaar Lugin private Insolvenz an. Und in den USA kann man das so strukturieren, dass man dem Fall dann noch sein Vermögen wie sein Haus oder sein Auto behält und die restlichen Schulden aktiv abstottert.
Also man kann sozusagen eine weiche Insolvenz und eine harte Insolvenz anmelden. Zu diesem Zeitpunkt haben sie Schulden in Höhe von mehr als 111.000 Dollar. In den zwölf Monaten zuvor hatte das Restaurant zwar auch 355.000 Dollar Umsatz gemacht. Aber es fällt auf, dass Valentino vor allem zuerst anderen gibt.
Einmal ist das Team der schon eben besprochenen Golden State Warriors im Ottavio zu Besuch. Und um dem Team die Ehre zu erweisen, lässt er eine sehr, sehr teure Flasche Wein auf seine Kosten servieren. An einem anderen Abend ist ein Freund von ihm im Restaurant, um den ersten Geburtstag seiner Tochter zu feiern.
Und auch dafür lässt Valentino ein sehr aufwendiges Menü servieren, das komplett aufs Haus geht. Das Ehepaar selber zahlt sich zusammen nur insgesamt 73.000 Dollar aus. An manchen Abenden serviert Valentino das Essen sogar selber, um sich mit dem Trinkgeld etwas dazu zu verdienen. Es knarzt an allen Ecken und Enden und das merken auch die Gäste so langsam.
Denn Valentino wirkt gehetzt, er versucht irgendwie einen Ausweg zu finden, irgendwie das Geld ranzubekommen. Aber es gibt keinen. Im Herbst 2016 schließt das Ottavio. Und das Restaurantbusiness ist immer hart und umso hochpreisiger oder umso höher man arbeitet, umso dünner wären auch die Margen, mit denen man da operiert.
Dazu kommt der ganze Stress und dieser Stress führt jetzt nach und nach dazu, dass Valentino immer mehr verhängnisvolle Fehler macht. Um das Geld und seine Schulden wieder reinzuarbeiten, versucht er jetzt, andere Gastrojobs zu finden. Sein Freund Jim Telford, das war der, der den ersten Geburtstag seiner Tochter bei ihm gefeiert hat, der bietet ihm eine Position in seinem Restaurant an, dort aber nur als Sous-Chef.
Das lehnt Valentino dankend ab, im Frühjahr 2018. Kurz darauf überfällt er die Citibank-Filiale in Orinda und er beutet 18.000 Dollar. Er kommt nicht sonderlich weit mit dem Geld und er wird im Zuge des Überfalls auch gefasst und erhält eine Gefängnisstrafe. Wie lang die genau ist, konnte ich nicht herausfinden.
Klar ist nur, dass er nach gut einem Jahr wieder auf freiem Fuß ist und diesmal anfängt, in anderen italienischen Restaurants zu arbeiten. Doch die Schulden verschwinden nur sehr langsam. Am 31. Dezember 2019 meldet Valentino Lugin dann vollständige Privatinsolvenz an. Das heißt, jetzt werden alle seine Besitztümer beschlagnahmt. Er macht tabula rasa.
Zu diesem Zeitpunkt verdient er gut 75.000 Dollar im Jahr. Ein Drittel davon geht an seine Kinder. Seine privaten Schulden betragen immer noch 97.000 Dollar. Was jetzt auch noch dazu kam, ist, dass die ehemaligen Mitarbeiter aus dem Ottavio, die auf nicht bezahltes Trinkgeld und Gehälter geklagt haben, Recht bekommen in einem Gerichtsverfahren.
Und er darüber hinaus weitere 134.000 Dollar zurückzahlen muss. Also der hat über 200.000 Dollar Schulden. Der hat richtig, richtig viel Schulden, ja. In den nächsten fünf Jahren versucht Valentino dann ein relativ unauffälliges Leben zu führen. Er arbeitet in verschiedenen Restaurants, versucht immer wieder auf die Beine zu kommen, doch es reicht nicht.
Ein Job, der ihm auf Maui, auf Hawaii in Aussicht gestellt wird, kommt nicht zustande. Er hat zwei schwere Motorradumfälle, mit Suchtproblemen zu kämpfen. Er klaut im Supermarkt und auch von seiner Frau lässt er sie scheiden. Die möchte daraufhin bei einem Gericht erwirken lassen, dass Valentino sich ihr nicht mehr nähern darf, da er zu verbalem Missbrauch und Gewaltausbrüchen neigt.
Aber er versucht einfach weiterzumachen. Er versucht irgendwie neues Business an den Staat zu bekommen und bietet in San Francisco Kochkurse an. Er versucht sich als Privatkoch. Er ist einfach ein Stehaufmännchen. Nur eines Tages bezahlt ihn einer seiner Kunden mit einem gefakten Check. Sein Konto wird gesperrt und an dem Tag muss es bei Valentino irgendwie Klick machen.
Er plant den noch größeren Coup. Am 10. September 2025 befällt er an einem Tag drei Banken in Downtown San Francisco. Und bei der Polizei ploppt direkt der Name Valentino Lucchin auf, denn auffälligerweise checkte er an dem Tag zuvor einen Hostel in Downtown San Francisco ein. Hier nimmt ihn die Polizei nach den Überfällen fest. Wie viel hat er da erbeutet?
Das konnte ich nicht rausfinden. Die Frage ist auch, ob er davon irgendwas hatte. Er hat seine Wohnung für ein paar Wochen bezahlt und dann wurde er gefasst. Damit ist der Fall im Grunde auch zu Ende. Er sitzt heute in einem Gefängnis in San Bruno, das ist ein bisschen südlich von San Francisco. Seine Sicherheitskaution beträgt 200.000 Dollar und im Moment ist unklar, wie lange er noch im Gefängnis sitzt.
Es gibt jetzt kein endgültiges urteil dadurch habe ich den fall jetzt eben auch nicht gemacht oder nicht länger erzählt weil er jetzt so ein bisschen im unklaren noch endet aber aber, Er natürlich trotzdem spannend ist, weil er zeigt, wie hart das Restaurantgeschäft sein kann. Ich finde, es ist leicht zu verurteilen, oh, er hat eine Bank überfallen, ja.
Aber wie du immer weiter in so eine Spirale reinkommen kannst, wo du fast keinen Ausweg mehr siehst und wie schlimm das ist für die einzelne Person. Ich finde, das zeigt es nicht, ja, also es zeigt, finde ich, wie verzweifelt er ist, dass er eine Bank überfällt und dann nochmal an einem Tag drei Banken.
Wenn gleich er ja wirklich ein ganz schlechter Bankräuber ist, weil er Spuren hinterlässt und einfach direkt wieder gefasst wird. Also das zeigt einem, dass es der einzige Ausweg war, den er für sich sah und der ja eigentlich schon von vornherein so zum Scheitern verurteilt war. Also es ist eher tragisch, finde ich.
Total, ja. Ja und irgendwie auch, es ist auch tragisch, weil sein Traum vom eigenen Restaurant ja zum Greifen nahe schien und alles gut lief und dann vielleicht auch zu schnell die Entscheidung gefällt wurde, das Restaurant abzukaufen und jetzt alles selber zu machen, ja um irgendwie den Traum zu leben und dass dann einfach sehr schnell alles richtig nach hinten losgegangen ist.
Und dann gleichzeitig auch, wenn er so großzügig war, das ist ja auch. Menschen sind ja dann einfach, Menschen sind ja vielschichtige Wesen. Also er war ja offensichtlich nicht der allertüchtigste Geschäftsmann, sag ich mal. Genau, ja, ja. Hat aber ja Leuten einen Gefallen getan. Ja, ja. Ja, kann man ihm irgendwie auch nicht verübeln. er war halt ein kreativer Kopf und das ist ja oft so, dass kreative Menschen dann, wenn sie ein eigenes Geschäft führen oder sich, oder diese Kreativität mit einer Wirtschaftlichkeit verbunden wird, schnell zu Problemen führt, weil das einfach ganz oft nicht zusammengeht.
Weil Kreativität heißt eben auch mal loslassen, schauen, was passiert, mal Energie, Zeit, Geld irgendwo reinstecken, ohne zu wissen, was am Ende bei rumkommt. Das kannst du dir aber nur leisten, wenn du nicht für eine Reihe von Mitarbeitenden zuständig bist, wenn du eine Miete zu zahlen hast. Und dann geht sowas schnell in die andere Richtung. Und vor allem wie in seinem Fall baut sich dann so ein Schneeball auf, der ganz schnell zu einer Lawine wird, die dich ab dem bestimmten Punkt überrollt.
Er sitzt wie gesagt heute noch im Gefängnis, aber in einem Interview mit der New York Times hat er schon sein nächstes Restaurantkonzept beschrieben, das ihm vorschwebt. Und zwar sagt er, ich möchte ehemalige Häftlinge einstellen, um ihnen eine Chance zu geben. Vorausgesetzt, sie sind clean und nüchtern. Sie sollen sich wieder ein Leben aufbauen.
Mir schwebt ein italienisch-kalifornisches Konzept vor, ergänzt durch einige asiatische Fusion-Gerichte. Vielleicht Rinderbäckchen mit rotem Curry und klassische Gnocchi mit einem Ragout von der geräucherten Ente. Ich finde, man kann nur hoffen, dass das Stehaufmännchen Valentino noch ein letztes positives Kapitel hat.
Schöner Abschluss, ja, das wünschen wir ihm. Weil Resozialisierung finden wir auch gut. Finden wir super. Und er ist irgendwo ein Visionär, er ist ein begnadeter Koch und er braucht vielleicht einfach jemand, der ihm da zur Hand geht und ein bisschen die Unterlagen ordnet. Ja, ein bisschen die Unterlagen ordnet, das hast du schön gesagt.
Das brauchen wir ja alle. Das brauchen wir alle, ja. Das war mein Fall, der es nicht geschafft hat. Und ich würde sagen, das war eine spannende Folge, weil auch dein Fall, den kannte ich so noch nicht, hatte ich noch nie gehört. Der war wirklich ein lehrreicher Fall, glaube ich, für uns alle. Und nächste Woche geht es dann ganz normal weiter mit einem großen Foodcrime, der es geschafft hat.
Der es geschafft hat, der meiner wird. Ich bin dran nächste Woche. Ja, ja, ja, genau. Wir freuen uns auf das kommende Jahr mit euch. Oh ja, oh ja, da freuen wir uns drauf. Und ihr könnt natürlich alle Bilder auch bei Instagram sehen. Das weiß ich gar nicht, ob wir das am Anfang gesagt haben. Ansonsten abonniert uns auf der Podcast-Plattform, wo ihr gerade seid.
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