
Future Weekly· Folge 550
#550 - Andreas Ambros-Lechner über Elementarbildung, Politik Startups & Spenden
Sonntag, 25. Oktober 2026 · 57 min
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Shownotes
In diesem Deep Dive spricht Markus mit Andreas Ambros-Lechner, der sich nach sechs Jahren als Generalsekretär der MEGA Bildungsstiftung als Impact-Unternehmer selbstständig gemacht hat. Davor war er erster Mitarbeiter beim Aufbau der NEOS und hat das Sozialunternehmen Sindbad mitgegründet.
Den größten Hebel im österreichischen Bildungssystem sieht Andreas im Kindergarten und im Lehrerdienstrecht. In die Elementarbildung fließen 0,7 % des BIP, weit unter dem EU-Schnitt, während Österreich eines der teuersten Schulsysteme Europas hat. Und Schulleitungen können ihr Personal weder selbst auswählen noch verpflichtend zu einer Teamsitzung einladen.
Aus seiner Zeit bei Sindbad erzählt er, warum private Spender aus seiner Erfahrung die stabilsten Partner sind, stabiler als öffentliche Mittel und zahlende Unternehmen. Und warum er nach rund 70 Gesprächen bewusst einen Mitgründer mit fast identischen Skills gewählt hat, statt auf Ergänzung zu setzen.
Außerdem: was Bildungsinitiativen brauchen, um zu wachsen, warum er sein Buch über zwei Jahre ohne KI geschrieben hat und warum Bildung für ihn auf die Agenda der Regierungschefs gehört.
Production: Hanna Moser
Musik (Intro/Outro): www.sebastianegger.com
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Markus Einen wunderschönen guten Morgen, guten Mittag, guten Abend, willkommen bei Future Weekly. Heute mit mir Markus und White Lip Dive Tag ist mit einem großartigen Gast und das ist diese Woche der Andreas Ambros Lechner. Hallo Andi.
Hallo, schönen guten Morgen oder guten Abend.
Markus Ja, wir freuen uns sehr, dass du heute bei uns bist und ein Blick auf LinkedIn verrät uns, du bist Impact-Unternehmer Bildung und Gesellschaft. Erzähl einmal, was meinst du damit?
Naja, das ist quasi eine Zusammenfassung meiner beruflichen Laufbahn ein Stück weit, weil ich einerseits in diesen Feldern Bildung und Gesellschaft, Politik und dann auch immer auch einen Fokus hatte auf Impact, also welches Problem kann man auch Gesellschaftskrieg lösen, entweder politisch, unternehmerisch oder auch in der Non-Profit-Welt.
Genau. Und das ist jetzt seit zehn Monaten und einigen Tagen bin ich Impact-Unternehmer und habe da ganz unterschiedliche Projekte und Aufträge am Laufen, wo ich meine Erfahrung beisteuere.
Markus Wahrscheinlich kennt man ein paar von den Dingen, die du Federführerin mitgestaltet hast. Du hast unter anderem am Sint-Part gegründet, du warst lange Generalsekretär der Mega-Bildungsstiftung und auch korrigier mich, wenn ich das falsch sage, aber eigentlich von Anfang an auch bei den Meos damals dabei.
Markus In der Koordination, im Aufbau. Und ja, machen wir mal einen Schritt ganz zurück. Denke mal an den kleinen Andreas, der vielleicht in die Volksschule gegangen ist. Hat dich damals das Thema Impact, Politik, Bildung, haben dich diese Themen damals schon fasziniert oder hat sich das erst später entwickelt?
Naja, schon auch insofern fasziniert, als ich dieses während der Schulzeit, also ich bin nur ein, zwei Wochen Kindergarten gegangen, weil ich das ja gestreikt habe und das habe ich nicht verstanden, wie so er hingehen soll. Und ich habe in meiner, also so vier, fünf, sechs, sieben war, habe ich auch liebend gern einfach nur bei Fenster rausgeschaut als Kind.
Also so dieses Spiel mit anderen Menschen und anderen Kindern, das war mir eigentlich eher mühsam. Aber während der Schulzeit ist es dann durchaus anders geworden und ich war dann auch in der Volksschutzzeit in der dritten und vierten Klasse Klassensprecher. Also so Dinge zu organisieren, mit anderen Kindern damals, Mitschülern zu reden, zu überlegen, was da ein Problem gibt, wie man was lösen kann.
Das habe ich schon zu meiner Volksschutzzeit dann entwickelt. Und ich meine, wenn du es jetzt ganz konkret ansprichst, die beiden Themen Politik und Bildung, wenn man Bildung, wenn man Schule geht, bist du betroffen. Haut nah, tagtäglich. Und Politik habe ja ein sehr breites Verständnis. Das ist ja quasi der Ort, wo wir uns ausmachen, wie wir miteinander leben, wie wir uns organisieren, wie wir gemeinsam Entscheidungen treffen und überall, wo mehr als eine Person aufeinandertrifft, also ab zwei Menschen ist ja diese Frage, wie wir miteinander tun, wo geben wir uns Regeln, wie entscheiden wir, also insofern ist Politik ja fast überall zu sehen.
Zumindest ich sehe sie fast über alle. Okay.
Markus Das heißt, das Organisieren und Initiative ergreifen war schon damals sichtbar. Gut, dann hast du unser Bildungssystem durchlaufen. Warst du am Ende dann glücklich? Oder ist, sage ich mal, der Veränderungswille in diese Richtung schon damals entstanden?
Naja, ich habe eine ziemlich turbulente Schulzeit dann gehabt weiter. Also ich war damals, ich bin aus der Oststeiermark am quasi Land aufgewachsen und am Ende von der Volksschulzeit ist ja dann die Frage, wo geht man weiter in Schule? Geht man in die örtliche Hauptschule oder geht man ins Gymnasium?
Das war schon 50 Kilometer weiter weg. Ich war angemeldet fürs Gymnasium, habe auch einen Platz gehabt, aber meine Mutter hat dann einen Rückzieher gemacht, weil sie gemeint hat, naja, ins Gymnasium, da 50 Kilometer in die Bezirkshauptstadt nach Hartzberg, da gibt es ja, weiß ich nicht, das ist irgendwie Drogen vielleicht oder irgendwie auch Gewalt oder was, da kann man nicht einschätzen, das war ja nicht ganz spooky.
Und bin dann in die Hauptschule gegangen und das war schon interessant. Ich kann mich dann gut erinnern, da gab es eine Einstufung in Leistungsgruppen. Erste Leistungsgruppe, zweite Leistungsgruppe, dritte Leistungsgruppe in Hauptfächern, Mathematik, Deutsch und Englisch. Und das hat mich schon sehr beschäftigt, diese Differenzierung, dass man dann plötzlich die Schulkollegen in einzelnen Gegenständen und Fächern nicht mehr sieht und andere sieht man dann.
Und warum ist das so? Also ich habe mir da schon auch Gedanken gemacht, wieso das so abläuft und wie so eine Schule so ist und wieso beim einem Lehrer jenes erlaubt ist und beim anderen nicht. Und der eine Lehrer, der schießt mit Kreiden auf die Schüler und bei der anderen Lehrerin wäre das nie und nimmer vorstellbar gewesen.
Also ich habe da immer wieder auch viel nachgedacht und dann hat mich der Sport eigentlich, ich habe Fußball gespielt und dann sehr viel Tennis. Der hat mich dann Richtung Schulwahl Leistungssportgymnasium gebracht mit 14. Und dieser Sprung von Hauptschule ins Gymnasium, das war schon ein ziemlich kultureller und auch schulleistungsmäßiger Schock zu Beginn.
Also da habe ich mir nicht einfach dann. Und bin dann auch dreimal in die siebte Klasse gegangen. Also ich habe relativ spät maturiert, mit 20 erst und habe sehr viele unterschiedliche Lehrerinnen und Lehrer auch durch dieses Sitzenbleiben kennengelernt. Aber dadurch habe ich sehr viel auch wieder mitgenommen und auch gesehen.
Und ich habe nichts aufgeben und habe dann gewusst, beim Studium könnte es potenziell einfacher werden, weil ich mir das aussuche, welche Themen und Fäche ich wirklich vertiefen will. Und das Studium war dann eigentlich im Vergleich zur Schulzeit. Relativ einfach, ja.
Markus War das für dich von Anfang an klar, dass du studieren willst? Weil ich habe gesehen, du bist jetzt dann nach Wien gegangen und hast Politikwissenschaften studiert. Weil jetzt, ich sage jetzt mal, einfach salopp oft ist so, wenn man sich in der Schule nicht leicht tut, dass man dann sagt, okay, fangen sich jetzt noch einmal das antut für drei bis fünf Jahre besser gleich arbeiten anfangen.
Also ich wollte eigentlich ein Tennisprofi werden, das habe ich dann gesehen, mit 15, 16, das geht so nicht aus. Dann habe ich schon gewusst, dass ich studieren will und einen Job haben möchte, wo ich auch wesentlich was mitentscheiden oder mitgestalten kann. Und das war damals Anfang der Nuller Jahre, vor mittlerweile 20 Jahren, war ein Studium schon auch ein Stück weit ein sozialer Aufstieg und auch eine Position, wo man einfach mehr Möglichkeiten hat danach.
Das ist heutzutage etwas relativer in meiner Einschätzung. Aber das war dann klar, dass ich etwas sozialwissenschaftlich und etwas Wirtschaftliches studieren will und habe dann im Endeffekt eben Politikwissenschaften und an der Wirtschafts-Uni Betriebswirtschaft studiert.
Markus Spielst du heute noch Tennis?
Ganz selten. Einmal im Jahr mit meiner Schwester, wenn es sich wünscht, zu Weihnachten. Aber ich war noch während der Studienzeit Lehrer, quasi ein Tennislehrer, weil man gut verdient. Aber ich habe den Schläger sehr adacter gelegt und habe da nach wie vor wenig Lust selbst. Ab und zu schaue ich mir ein Tennismatch kurz einmal an und habe mir diese Dschokovic-Dokko angeschaut mit sehr viel Interesse, weil mich die Personen und Persönlichkeiten schon sehr interessieren, die da eben an der Spitze ist auch geschafft haben, was ich mir früher eigentlich auch selbst gewünscht habe.
Markus Wie hat dich dieser ursprüngliche Gedanke, dass du Tennisprofi werden willst und dementsprechend auch der Ehrgeiz, da viel Zeit reinzustecken, hat dich das geprägt?
Ja, ich denke schon, weil ich gelernt habe, an Dingen dran zu bleiben und Ziele zu verfolgen und viel zu trainieren. Also das war damals einfach mein Leben, da ganze Tennisplatz. Ich war da jeden Tag dort, habe da gespielt, trainiert, meine Freunde gehabt, mein Umfeld gehabt. Und du lernst ja auch sehr schnell mit Niederlagen und auch mit Siegen umzugehen, weil im Sport so wie Tennis weißt du ganz klar, entweder hast du den Punkt gewonnen, hast das Match gewonnen oder eben auch nicht.
Das ist in vielen anderen Lebensbereichen und Berufsbereichen ja nicht so klar ersichtlich, was jetzt der Sieg und Niederlage ist und wie du damit umgehst und wie du auch ein Stück weit besser werden kannst. Also die quasi Messung von Erfolg ist sehr knallhart im Sport. Und das Training auf ein Ziel hin, das lernst du auch, wenn du das wirklich professionell betreibst.
Markus Also es ist definitiv wird es auch, wenn ich einfach meine Future wirklich gehört hier ranziehe, ein Muster, dass ich sehe, dass viele erfolgreiche Gründer und Gründerinnen irgendwann einmal ambitioniert Sport betrieben haben, oft eben auch in der Kindheit. Okay, aber das heißt, du hast dann studiert und danach kam, korrigiere mich, relativ schnell Neos als erster Mitarbeiter dort und einfach sehr stark in den Aufbau eines Politstartups, wenn man so will, involviert.
Markus Wie kam es dazu? Wie kommt man als erster Mitarbeiter zu einem Politstartup?
Naja, ich habe in Wirtschaft und Politik studiert und als ich das abgeschlossen habe 2011, habe ich überlegt, soll ich selbst was gründen? Ich habe damals auch Entrepreneurship Innovation in der Spezialisierung gehabt und habe aber keine wirkliche Idee gehabt. Also das hat sich nicht irgendwie weiterentwickelt, aber ich habe gewusst, das Thema Organisationsentwicklung, Innovationsmanagement interessiert mich und Politik eben auch, und habe dann bei Google eingegeben, Wien Politik und Organisationsberatung und bin damals auf die damalige Firma eben von Matthias Strolz gestoßen.
Das hat mir vom Ansatz her von der Website her gut gefallen, hat mich dort initiativ beworben und nach fünf Minuten Gespräch über Organisationsberatung haben wir dann sehr rasch über das Projekt einer neuen Parteigründung gesprochen, die damals noch keinen Namen hatte und dann ein paar Wochen später hieß es Phoenix Austria als Arbeitstitel.
Und bin dann bei diesen ersten 30, 35 Leuten gewesen, die da eben auch sich zusammengesetzt haben und überlegt haben, soll es eine neue Partei geben oder eben auch nicht? Und am Ende von dieser Klausur mit den 35 Leuten ist der Matthias Stolz mit dem Hut herumgegangen und hat ein paar hundert Euro eingesammelt, wo dann ich auf Projektbasis angestellt wurde.
Markus Stark. Okay, wie war das? Wenn, nämlich auch als erster Job, dann gleich, weil Politik ist ja auch ein Häufigbecken. Ich kann mir vorstellen, dass man wahrscheinlich zuerst belächelt wurde und dann irgendwann, wenn es absehbar war, dass das ein ernstzunehmender Konkurrent ist, dann mit allem bekriegt wurde, was es halt so im politischen Betrieb gibt.
Markus Wie war das für dich persönlich?
Für mich persönlich war ja alles sehr neu. Das war ja mein erster Full-Time-Job. Ich habe zuvor ein andere Internships gehabt und war mal eben im Sport als Tennislehrer und als Animateur in einem Urlaubsclub länger tätig. Aber das war mein erster Full-Time-Job nach dem Studium. Und es war insofern, wurde ich sehr gut begleitet, weil einerseits der Matthias Stolz einer ist, der sehr gut Menschen begleiten kann und Personalführung kann.
Und auch die anderen Mitstreiter, die waren da um die 40, 45, die allermeisten, die haben schon alle ein gutes Gespür gehabt, auch wie man sowas aufsetzen kann. Das ist alles sehr neu gewesen und ein Polit-Startup ist ja etwas, was man jetzt da nicht klassisch reinweise kennt. Zumindest die Erfolgreichen, die mehr als zwei Männer sind.
Es gibt ja viele Parteigründungen in Österreich, ich glaube fast tausend Parteigründungen in den letzten Jahrzehnten, aber wenige, die es halt dann auch Richtung Parlament schaffen. Und ich habe halt sehr schnell gelernt, ich bin ja von meinen Typen ein Generalist. Und was ich ja sehr gern mache, ist mit unterschiedlichen Leuten reden und auch mit unterschiedlichen Menschen zusammenzuarbeiten.
Und das brauchst du, wenn du etwas Politisches startest, brauchst du ein Sensorium für unterschiedliche Menschen und musst ja schauen, wie du aus einer kleinen Gruppe, aus einer mittelgroßen Gruppe auch einen gemeinsamen Konsens findest, um dann auch eine Position und ein gemeinsames Ziel zu verfolgen.
Und das habe dort sehr, sehr intensiv praxisnah erleben können, mitgestalten können und von diesen Erfahrungen und Learnings habe ich jetzt noch vieles, was ich jetzt auch weiterverwende und an anderen Orten einszeit.
Markus Und jetzt hast du schon gemeint, okay, das war der absolute Outlier unter all diesen vielen Polizstartups, die da draußen gibt, habt ihr es tatsächlich geschafft, wart dann sicher auch auf einer Erfolgswelle. Und trotzdem bist du nach vier Jahren dort rausgegangen oder knapp vier Jahren dort rausgegangen.
Markus Warum, wenn es ja gut läuft, man als erster Mitarbeiter sicher auch eine sehr relevante Position in einer dann doch mächtigen Organisation hat, warum der Schritt woanders hin?
Naja, mein Plan war ja nie, dass ich jetzt hauptberuflich politisch in einer Partei arbeite. War auch die Frage, soll ich einmal auch kandidieren für ein Mandat? Da war dann die Wiener Gemeinderatswahl 2015, aber irgendwie so eine Gemeinde, Kommunalpolitik, da habe ich zu wenig Leidenschaft gehabt für diese Themen.
Und dann war die Frage, wie lange mache ich das noch? Und bin dann, also wir sind ja im September 2013 ist Neos ins Parlament eingezogen und war ein riesengroßer Hype. Ich bin dann auch mitgegangen ins Parlament als Mitarbeiter damals vom Hauptmann Matthias Stroll. Und nach einem halben Jahr habe ich mich dort aber unwoll gefühlt.
Also ich wollte eigentlich, Oppositionspolitik ist schon sehr ermüdend und sehr zar. Und wenn du siehst, dass alle Anträge und Ideen schuplatisiert werden, dann wollte ich eigentlich wieder relativ zügig raus. Und die Beate Meinl Reisinger, die hatte damals schon, die war die Neos-Wien-Chefin. Und die hat diesen Aufbau der ganzen Bezirksorganisationen und Richtung Wiener Landtags 2015 vorbereitet.
Und das war wieder ein Aufbau innerhalb von einer Organisation, der interessant war. Und dann hat sie mich gefragt, ob ich das machen will. Und dann habe ich noch einen kurzen Überlegen gesagt, ja, das mache ich, weil das hat auch wieder ein Enddatum mit dem Wahltag Oktober 2015. Aber da habe ich schon mit dazu gesagt und auch gewusst, wenn die Wahl fertig ist, dann gehe ich einmal, weil ich möchte auch beruflich noch etwas anders sehen.
Und es war ja damals auch eine Zeit, wo Neos auch gesagt hat, sie sind keine Sesselgeber. Das heißt, sie sind ja auch Politikerinnen und Politiker auf Zeit und wollen nicht so enden wie viele andere nach 20, 30, 40 Jahren dasitzen und eigentlich nur mehr ihr Ding absitzen. Zu dem können wir auch noch reden.
Das hat so Vor- und Nachteile, finde ich, diese Haltung. Aber ich persönlich habe dann gesagt, das so reicht. Und bin dann raus und drei Monate nach Kolumbien zum Durchlüften und bin dort im Fliege schon gesessen mit einer Studie zum Thema Social Business in Österreich und habe gewusst, das nächste, was ich mache, beruflich, ist die Gründung eines Sozialunternehmens.
Markus Und warum? Also die Studie hast du erwähnt, aber das hat dich inspiriert oder warum genau ein Sozialunternehmen?
Naja, weil ich schon von meiner Interessenslage, mich hat immer interessiert, das wirtschaftlich-unternehmerische, aber in Kombination mit etwas Gesellschaftlich und politischem. Und wenn du diese beiden Interessensgebiete über mehrere Jahre hinweg hast, dann ist das Thema Sozialunternehmertum aus meiner Sicht schon fast logisch aufgelegt.
Und ich habe auch damals 2010 einen Unikurs besucht zum Thema Social Entrepreneurship. Das heißt, ich habe mich mit dem Thema schon auch näher beschäftigt und ich habe gewusst, dass es ja genügend Problemlagen und Herausforderungen gibt, die gesellschaftlich sind. Und dann war nur mal die Frage, zu welchem Thema genau und mit wem gehe ich es an.
Markus Spannend. Weil das heißt eigentlich, du bist wirklich mit dem konkreten Wunsch reingegangen, du willst ein Sozialunternehmen aufbauen und dann wahrscheinlich relativ strukturiert auch an, ich nenne es jetzt Ideenfindung, aber Problemfindung, die ihr anpacken wollt. Und wie seid ihr dann bei Synthbad gelandet?
Ich bin vor gut zehn Jahren, im Frühjahr 2026, haben sich drei Themen rauskristallisiert, die ich angehen wollte. Also eigentlich wollte ich eins von den dreien angehen, aber ich habe halt drei zu meiner inneren Auswahl gehabt. Das eine war soziale Isolation im Alter, das heißt 60, 70, Plusjährige, die eigentlich vereinsamen und was man da tun kann.
Das zweite Thema war das Thema Demokratie, Innovation, wie man Bürgerbeteiligung, politische Prozesse, Zivilgesellschaft anders gestalten kann, dass es besser funktioniert. Und das dritte Thema war Jugend und Bildung, was es dann auch geworden ist mit der Sindbord-Gründung. Und bin wirklich zwei, drei Monate mit allen drei Themen unterwegs gewesen und irgendwann habe ich dann auch gespürt, dass das Thema Bildung, Jugend den meisten Zug hat und habe auch zu dem Thema einen Mitgründer gefunden, der auch bei dem Thema am meisten angesprochen ist.
Markus Am meisten Zug hat. Der Zug kam durch die Gespräche, die du geführt hast mit der Zielgruppe oder potenziellen Mitstreitern. Wie hast du diesen Zug gespürt?
Einerseits aus Gesprächen mit potenziellen Mitstreitern, mit persönlichen Mentoren, ehemaligen Arbeitskollegen mit meinem Umfeld. Und andererseits auch, also ich weiß noch damals im April 2016 bin ich ja mal drei Tage lang nach Salzburg gefahren, allein in eine Berghütte und habe mich zurückgezogen, um auch zu schauen, was beschäftigt mich wirklich, was will ich wirklich.
Also ich bin schon einer, der sich auch dann auch zurückzieht und in der Ruhe auf mich selbst oder in mich selbst reinhört, was ist es, wo quasi kitzel es mich am allermeisten. Weil ich ja weiß, wie viel Energie es braucht, wenn du etwas Neues gründest und wirklich nachhaltig etablieren möchtest. Und da braucht es ja brauchst du ja diese Gründungsenergie und Und die ist bei mir, das ist ein langes, wochenlanges, monatelanges Entwickeln.
Da gibt es Windungen, Wendungen, ab und zu mehr, ab und zu weniger. Ich frage mich dann auch immer wieder, reicht es auch aus? Und das war dann eben bei dem Thema, da hat es eben einen Zug entwickelt.
Markus Spannend. Und woran hast du festgemacht, dass der Co-Founder, den du jetzt vorher angesprochen hast, dass das der richtige ist, dass das die Person ist, mit der du jetzt da auch gemeinsam diese Reise starten willst?
Na, ich habe jetzt ca. 70 Gespräche geführt, um einen Mitgründer und Mitgründerin zu finden. Unter Josef Kapper, der war damals am Ende von seinem Studium, und ich kannte ihn schon zumindest aus zwei, drei Arbeitskontakten beruflich. Und so nach zehn Minuten habe ich gemerkt, wie ihm das erzählt hat, dass ich da etwas Neues gründen will, Sozialunternehmertum, hat er eigentlich wenig Ahnung gehabt, was es jetzt da ist, quasi von der Form her.
Aber ich habe gemerkt, der ist gesellschaftlich, politisch interessiert, ist sehr gut kommunikativ, mündlich und auch schriftlich, eigentlich weil der damals Journalist werden nach dem Studium. Und dann nach 10 Minuten, vielen Stunden habe ich dann gemerkt, puh, der springt an. Der springt an und das passe ich mich gut zusammen.
Und dann ein paar Tage später haben wir uns wieder getroffen und ein Woche wieder und dann haben wir schon die ersten Pläne verschriftlicht und sind dann ins Konkret gegangen. Das ist irgendwie, ich merke schon viel, dass bei der Partnersuche, andererseits sind es so formelle Dinge wie zum Beispiel, was ist in die Lebensphase von der Person, ist der Mitgründer, die Mitgründerin auch vom Profil her ergänzend oder genau auch das, was man sucht, also ich suche mich eigentlich fast in der Verdopplung eher.
Also ich halt von diesen Ergänzungen nicht so viel. Von quasi Co-Foundern. Aber letzten Endes ist es auch wieder hier ein zwischenmenschliches Gespür, ob man miteinander halt auf einer ähnlichen Linie tickt.
Markus Okay, und warum bist du eher ein Fan der Verdopplung und nicht der Ergänzung? Das finde ich jetzt schon spannend.
Ja, wenn man sich das aus meiner Sicht dann auch zum Teil zukaufen kann oder als Mitarbeiter mit dazu holen kann. Also ich habe da nie wirklich viel Augenmerk darauf gelegt, dass es irgendjemand ist mit ergänzenden Kompetenzen. Weil meine Hypothese war und ist nach wie vor, dass wenn ich zwei oder drei Founder habe, die ziemlich idente Kompetenzen und Skills haben, dass das ihre Power hat.
Markus Und es war dann nie ein Problem, dass für euch die gleichen Dinge interessant und spannend waren und man sich dann eher auf den Zehen gestanden ist.
Naja, ich meine, es gibt ja schon dann Nuancen und Unterschiede, wenn man genauer hinschaut, das ist ja nicht mehr genau gleich vom Interessen- und Skills-Set her. Aber zu Beginn brauchst du halt enorm viel Kommunikationsbower, Fundraising-Interesse, Entwicklungsinteresse und auch ein sehr unkompliziertes Umsetzungspeed, damit du die ersten besser auf den Boden bringst.
Und dann musst du natürlich schon schauen, wo du zum Beispiel waren wir dann sehr rasch zu dritt bei Synth und alle drei haben keine ausgewiesene pädagogische, sozialarbeiterische Bildungsexpertise gehabt. Wo heißt du das flankierend mit dazu? In deinem Team oder in deinem Organisation im weitesten Sinne?
Markus Ich verstehe schon, was du meinst, im Sinne von, es ist natürlich besonders am Anfang, wenn man etwas neu gründet, braucht sehr viel Bandbreite für die unterschiedlichsten Kanäle, die man bespielen muss. Und wenn man da halt mehrere Menschen hat, die das übernehmen kann, dann entwickelt sich sich ja auch mehr Power und dadurch auch genau die Frequenz, die Geschwindigkeit, die es braucht, damit Dinge im Momentum entwickeln.
Markus Wie ist aus der Idee dann ein Unternehmen geworden? Wo habt ihr gewusst, hey, jetzt gründen wir, da gibt es wirklich, das kann sich tragen, wie seid ihr auch die natürlich harte Nuss immer im Sozialwirtschaft-Geschäftsmodell angegangen, damit das auch langfristig Bestand haben kann?
Ja, also vielleicht hier vorneweg, ich glaube auch, dass etwas sehr gut tragen kann und auch langfristig Bestand haben kann, wenn es zu 100% sogar von privaten Spenden getragen wird. Es gibt ja auch zahlreiche NGOs mit Millionen Budgets in Österreich, die über Jahrzehnte hinweg fast ausschließlich über Spenden finanziert sind und sehr stabil sind.
Aber natürlich war es unser Anspruch damals besinnbar, dass wir ein Social Business sind und eben auch in der Finanzierung auch ein Markteinkommen erwirtschaften, das schon substanziell beiträgt. Und wir haben zu Beginn einen gemeinsamen Verein gegründet und haben dann so nach einem halben, dreiviertel Jahr das erste Geschäftsmodell, das wir entwickelt haben, war, wir haben die Hypothese gehabt oder haben gedacht, dass Lehrlingsbetriebe Interesse haben an Begleiteten und durch Mentoren vor mit ausgebildeten 15-, 16-Jährigen.
Wir haben dann aber rasch gesehen, dass mit der Zielgruppe an 14-, 15-, 16-Jährigen, mit denen wir bei Sinnbad arbeiten, da keine Zahlungsbereitschaft da ist, weil das Niveau oftmals so niedrig ist und die eigentlich eher die HTL- und AHS-Abbrecher suchen. Nach einem halben, dreiviertel Jahren wir gesehen, dass auf der Seite der Mentorinnen und Mentoren, das sind 20- bis 35-Jährige in der Regel, dass hier so viel an Mehrwert und Nutz entsteht in diesem Mentoring, weil sie in eine andere Lebenswelt eintauchen, weil sie lernen, wie sie mit einem 14-, 15-Jährigen kommunizieren, wie sie mit Frustration und Rückschlägen umgehen, wie sie das Thema Empathie und gemeinsam ein Ziel zu entwickeln rausfinden.
Dass wir hier gesehen haben, da entsteht ein Nutz- und Mehrwert, den wir auch ökonomisieren können. Und haben dann, ich glaube, der erste Kunde war dann Wien Energie, die ihre High Potentials zu Sinnbar geschickt haben als Mentorinnen und Mentoren, begleitet mit einem Social Leadership Programm, wo sie auch dafür bezahlt haben, für diese Mentorentätigkeit.
Und dann haben wir auch gesehen, dass es über den Verein nicht abzuwickeln ist, weil der dafür nicht zu sehr unternehmerisch tätig werden. Und haben dann 2018 eine GmbH mit dazugründet. Und mittlerweile trägt die GmbH so circa 25 bis 30 Prozent bei zum Gesamtbudget und die GmbH hat ca. knapp 500.000 Euro Umsatz.
Markus Cool. Und der Rest sind Spenden oder der Rest sind Spenden und öffentliche Mittel.
Und auch hier wieder vielleicht auch nochmal kurz, weil es vielleicht auch einige von den Zuhörerinnen interessiert. Also der Glaube, dass private Spenden weniger stabil und langfristig sicher sind, wie jetzt der öffentliche Mittel oder auch Markteinkommen, das kann ich nicht unterschreiben. Also ich sehe eigentlich, dass die privaten Spender in vielen Organisationen auch bei Synpat die stabilsten Partner sind und öffentliche Hand und Markteinkommen wie Unternehmen bei uns in dem Fall, die eigentlich die instabilsten sind.
Ja, spannend.
Glaubt man auf den ersten Blick nicht so, aber ist zumindest oftmals sehe ich das so.
Markus Wenn du da jetzt daraufblickst, ist ja sinnball schon sicher eine Success-Story im österreichischen Sozialunternehmertum. Er hat auch immer noch Bestand. Du bist dann nach einigen Jahren operativ rausgegangen und hast aber übergeben und es funktioniert trotzdem. Wie hat sich das für dich angefühlt? Wie, also auch dieser Schritt quasi aus dem eigenen Baby raus, das übergeben.
Markus Wie geht es dir damit? Wie ist es dir damit gegangen?
Gefühlt ist es schon lange her, das war im Jahr 2019, ist auch faktisch auch schon eine Zeit lang her. Es ist mir immer ziemlich gut dabei gegangen, weil wir zwei, wir drei Gründer von Anfang an gesagt haben, wir wollen, dass personenunabhängig aufbauen und nicht ewig dort bleiben. Seit dem heutigen Jahr sind ja alle drei Gründer raus operativ von Sinkbad, also auch der Josef und Matthias.
Und ich damals 2019, das war schon der allererste, der da raus ist. Es hat schon eine gewisse Unsicherheit dann gegeben, aber es war dann eigentlich sehr, sehr stabil, wie das weitergeführt wurde. Und es wurde ja sogar wesentlich größer noch die Organisation und erfolgreicher, als ich dann weg war. Insofern ist es schon schlau, wenn es zwei, drei Leute gibt, die Mitgründer sind und das dann schon auch tragen, wenn er mal eine Person das operativ verlässt.
Und auch von den Mitarbeitern her man schon ein gutes Auge drauf hat, wer künftig auch noch mehr Führungsverantwortung übernehmen kann.
Markus Ja. Das hast du schon angesprochen, natürlich ist es für eine Organisation immer schwierig, auch wenn dann eben einer der Gründer rausgeht, oder auch wie jetzt alle drei Gründer rausgehen, was habt ihr gemacht, um dem entgegenzuwirken, dass das auch als Signal wirkt, dass da jemand potenziell nicht mehr dran glaubt oder dass jemand da nicht mehr bereit ist, auch dafür weiterzukämpfen.
Einerseits sich blicken zu lassen. Also ich glaube, es ist wichtig, dass die Gründe im Fall von uns dreien, die operativ nicht mehr tätig sind, schon noch präsent sind. Also ab und zu bei Netzwerkveranstaltungen für Sinkpad auch nach innen hin, bei einigen Mitarbeiter-Events oder Mitarbeiterklausuren.
Also ich glaube, das tut schon noch gut und wir sind ja bei Sinkpad auch noch in einem Gründerkollegium formalisiert schon noch mit dabei. Es ist ja nicht so, dass wir jetzt das völlig verlassen haben, sondern wir haben ja auch noch eine Rolle und eine Position, wo wir das Ganze mit begleiten und mitlenken.
Und das stabilisiert gegenüber Spendern, Stakeholdern, denke ich schon, bis zu einem gewissen Grad. Dass wir jetzt nicht gesagt haben, wir sind völlig weg.
Markus Bei dir war dann der nächste Schritt die Mega-Bildungsstiftung. Wie kam es dazu?
Naja, wir haben damals als Synthbad 2016 gab es einen Preis zu gewinnen, wenn man da viele Likes und Stimmen lokriert. Und der wurde damals gesponsert von der Berndorf Privatstiftung, Familie Zimmermann. Und das haben wir dann gewonnen. Und dann sind wir mit der Familie in Kontakt gekommen als Sintbad.
Und die haben uns dann auch weiter unterstützt und wir haben uns gekannt. Und die Berndorf-Stiftung hat 2019 gemeinsam mit der B ⁇ C-Stiftung ein gemeinsames neues Bildungsprojekt losgestartet. Eben diese Mega-Bildungsstiftung mit einem Startbudget von damals 5,5 Millionen Euro. Das war sehr groß für den gemeinnützigen Bildungsbereich in Österreich und haben dazu jemanden gesucht, der das Ganze als Geschäftsgeneralsekretär aufbaut.
Und dann haben sie mich angerufen. Und ich habe einige Tage, waren schon vier, fünf, sechs Wochen überlegt und auch mit meinen Sintbad-Gründern gesprochen, kann ich jetzt gehen, schon von Sintbad oder ist es zu früh? Ist es das Richtige für mich, quasi wieder in ein Anstiegsverhältnis zu gehen? Weil vorher war ja Gründer und zwischen Gründer und erster Mitarbeiter ist schon ein großer Unterschied.
Habe mich dann aber dafür entschieden und es war auch eine gute Entscheidung, weil es eine gute, schöne Zeit war in den letzten sechs Jahren, wo ich da tätig war bei der Stiftung.
Was ist der Unterschied zwischen Gründer und erster Mitarbeiter? Die Letzte Entscheidung und Letztverantwortung haben die Gründer.
Als erster Mitarbeiter oder auch als erster Angestellter und auch wiester war jetzt in der Rolle eines Geschäftsführers, ja, du kannst ja schon, du bist nicht, du fühlst dich nicht letztverantwortlich und bist es letzten Endes auch nicht. Und du kannst schon jeden Tag Daumen hoch oder Daumen runter kriegen.
Ja.
Markus Gut, aber das heißt, du bist dann quasi gestartet als erster Mitarbeiter, Generalsekretär der Mega-Bildungsstiftung. Mit, wie du richtig gesagt hast, glaube ich, sehr ordentlichem Budget auch. Gab es damals grüne Wiese oder gab es damals schon sehr konkrete Ideen, was gemacht werden soll? Wie seid ihr da reingegangen?
Naja, es gab keine völlige grüne Wiese, weil ja quasi meistens Stiftungsgelder ja auch an Stiftungszwecke gebunden sind. Und der Stiftungszweck zum Beispiel der BNC-Privatstiftung ist Förderung von Unternehmertum in Österreich. Das heißt, es war schon wichtig, dass die Mega-Bildungsstiftung mit Wirtschaftsbildung, Finanzbildung, Unternehmensbildung im engeren und weiteren Sinne zu tun hat.
Insofern war das Thema Wirtschaftsbildung schon einmal fix gesetzt, also einer der thematischen Schwerpunkte. Und die Bernder-Stiftung hat auch immer, vor allem auch die Sonja Zimmermann, das Thema Chancenfairness, Chancengerechtigkeit in der Bildung war ja schon damals wichtig und hat das Thema mit dazu auch noch genommen.
Und dann haben wir gemeinsam überlegt, in welcher Form wir dieses Geld auch einsetzen wollen für die Bildung und haben gesehen, dass es ja viele tolle Initiativen, NGOs, Schulen bereits gibt, wer durch Österreich, aber die nicht über diesen ersten Wachstumsschritt hinauskommen. Also sie sind schon für das weitere Wachstum, damit sie ihre Wirkung multipliziert unterfinanziert.
Und haben dann gesagt, wir wählen in Fördercalls, da haben wir dann jährlich eine sogenannte Megabildungsmillion gemacht, wo wir auch sechsprojekte auswählen, die wir mit bis zu 200.000 Euro pro Projekt auch unterstützen, damit die auch einen super Wachstumsschritt schaffen und begleitend auch noch mit Know-how-Support und Netzwerk fördern.
Markus Jetzt habt ihr ja da über die letzten Jahre, wenn ich es richtig gelesen habe, ich glaube über 10 Millionen Euro vergeben. Dadurch haben wir aber auch sicher den besten Überblick über die österreichische Bildungslandschaft, was es da, sag ich mal, auch an Initiativen gibt. Wenn du da jetzt über deine Zeit zurückblickst, gibt es für dich irgendwelche Erfolgsfaktoren, wann es ein Projekt schafft, das Geld da auch als Hebelwirkung einzusetzen, tatsächlich ins System zu kommen, auf eigenen Beinen zu stehen, also auch wirklich Wirkung zu entfalten.
Also ein wichtiger Faktor ist aus meiner Sicht schon Ambition und überhaupt wachsen zu wollen. Weil das ist ja, ich meine, jetzt ist dieser Podcast hat ja viel auch mit Startups und Wachsen und Scaling zu tun. Aber in der Bildungswelt, in der Schulwelt und Gemeinnützigkeitsbubble, da ist dieser Begriff Wachsen ja ziemlich umstritten.
Weil der einerseits was Kapitalistisches hat oder so hat er zum Teil auch, ja. Und die Frage ist, zu welchem Preis wachsen und warum wachsen. Natürlich wird jetzt da, wenn man zweimal nachdenkt, jeder sagen, auch damit mehr Kinder und mehr Schulen vom Angebot profitieren. Aber das ist, wenn man da mal so eine Initiative gestartet hat, da startet man als quasi Verein oder NGO in der Regel oder von mir aus auch als Social Business.
Und dann hat man mal etwas erreicht, und dann ist man so damit beschäftigt, dieses Erreichte zu quasi halten, weil ja schon vieles instabil ist und dann hat zehn Jahre Stabilität in den ersten Monaten oder ein, zwei, drei Jahren, dass man dann noch die Energie hat und auch das Mindset hat, dann immer an Weiterentwicklung und Wachsen zu denken, das ist ja bei vielen nicht der Fall.
Und das ist auch, habe ich auch dabei gelernt in den vergangenen sechs, sieben Jahren, ein Stück weit auch okay, weil jede Organisation und jede Gründerin einer Bildungsinitiative ist nicht dieser Wachstums- und Scaling-Typ. Aber wir mit dieser Bildungsmillion haben eben die gesucht, die das schon wollen und auch realistisch umsetzen können.
Also das eine ist schon Ambition, Wachstum überhaupt denken zu können und zu wollen und auch einen Plan dafür zu entwickeln. Und dann denke ich auch, es ist wichtig, Bildung und Schule ist ja in Österreich ein öffentliches Gut und das ist ja auch gut und soll so bleiben, aber gleichzeitig ist der Staat und die öffentliche Hand so eng drauf, dass kaum Platz ist für private oder für zivilgesellschaftliche Initiativen.
Das heißt, wenn du wirklich Impact erzeugen willst und mehr erreichen willst mit deiner Idee, dann musst du ja irgendwie mit dem System, also mit der öffentlichen Hand zusammenarbeiten. Und dieses Verständnis zu haben, wie dieses Bildungssystem tickt und wie die Verwaltung funktioniert, welche Logiken die haben, welche Logiken einzelne Politikerinnen haben in dem Bereich.
Das ist da schon sehr komplex. Und hier haben wir immer drauf geschaut, haben das die Initiative oder die jeweiligen Personen. Dieses Grundverständnis, wie da auch die anderen Partner und das öffentliche System tickt. Sehr spannend.
Markus Und du hast nach einigen Jahren Mega-Bildung stiftend und dann im letzten Jahr den Beschluss gefasst, wieder unternehmerisch tätig zu werden. Du hast dich in dem Fall dann selbstständig gemacht, eben als Impact-Unternehmer mit unterschiedlichsten Standbeinen, bist du auch Autor geworden, hast ein Buch veröffentlicht.
Markus Warum dann der Schritt wieder quasi ins Selbstständige wirken?
Naja, ich bin ja von meinem Type einer, der gerne Dinge aufbaut und so von Beginn an mit dabei ist in den ersten Monaten und in der ersten Phase, vielleicht auch in der zweiten Phase. Und wenn es dann aber eine gewisse Routine gibt oder wenn ich den Eindruck habe, es geht auch ohne mich sehr gut, frage ich mich dann schon immer wieder mal, wozu braucht es dann mich konkret?
Das können andere Leute wahrscheinlich sogar besser. Weil ja auch unterschiedliche Organisations- und Unternehmensphasen unterschiedliche Typen brauchen. Und auch unterschiedliche Skills von Personen. Und das war eben letztes Jahr bei der Megabildungsstiftung auch der Fall. Wir haben da, glaube ich, das Grundgerüst, was wir machen mit der Megabildung Stiftung, gut etabliert.
War keine einfache Entscheidung, weil ich schon auch einige Entwicklungsfelder gesehen habe, auch innerhalb der Mega. Und quasi ist auch interessant war zu sehen, ich war noch nie sechs Jahre lang bei einer Organisation und bei der Mega war ja sechs Jahre. Also das fünfte und sechste Jahr ist schon sehr anders als das dritte und vierte Jahr.
Weil es eben da schon darum geht, wie du auf etwas Etablierten etwas weiterentwickeln kannst. Und das hat eine andere schöne, gravitas und eine andere Form von Impact auch. Und das war, da tut es mir fast absolut leid, dass ich diese Phase jetzt auch nicht mehr weiterverfolgt habe, operativ war dann mega.
Aber es war dann eine Entscheidung, will ich auch mittel langfristig bei einer Organisation bleiben oder will ich wieder etwas Neues gründen oder will ich auch wieder mehr quasi eigene Letztentscheider-Chefs sein. Das bist ja, wenn du quasi wieder auch als Einzelunternehmer bist zwar alleine, aber letzten Endes bin ich schon auch danach allein Letztverantwortliche.
Und das habe ich dann so entschieden, weil ich mir auch da wieder andere Dinge anschauen wollte und habe ein Einzelunternehmen gegründet, Impact-Büro Andreas Ambrus Lechner. Und es ist sehr vielfältig, in welche Projekte und Aufträge ich da in den letzten Monaten eingetaucht habe. Und das hat schon auch einen spannenden Wert, da auch nochmal etwas Neues wieder zu sehen von einer anderen Seite.
Markus Wie hast du das Buch geschrieben?
Ohne KI, mit vielen, vielen, vielen Stunden über zwei Jahre hinweg. Also ich schreibe nicht schnell. Insofern habe ich zwei Jahre gebraucht und so meistens zwischen 20 Uhr und 23 Uhr, wenn die beiden Kinder schlafen gegangen sind. Und das Buch, das Buch wirken, das ist irgendwie auch entstanden. Ich habe immer gerne Dinge mitgeschrieben und notiert schon während meiner Schul- und Studienzeit.
Und irgendwann wollte ich meine Gedanken und Notizen noch mehr sortieren und habe überlegt, in welcher Form kann ich das machen. Ja, ich könnte es einmal zu einem Buch schreiben, aber nur für mich selbst mag ich es auch nicht schreiben. Es soll schon einen Mehrwert oder auch eine Inspiration für einige Leute haben, die sich mit ähnlichen Themen beschäftigen.
Und dann ist es vom Genre her zu einem Mix aus Berufsautobiografie und einem How-to, wie engagiere ich mich in der Gesellschaft worden.
Markus Damals bewusst keine KI, weil du deine persönliche Note erhalten willst oder weil es damals noch nicht so gut war wie jetzt.
Es war damals sicherlich noch nicht so gut wie jetzt. Es war damals vor zwei, drei Jahren, als ich begonnen habe mit dem Buchschreiben. Und auch, ich habe das sehr genossen, mich vor ein komplett leeres Word-Dokument hinzusetzen und dann zu beginnen zu tippen. Ich habe ja auch kaum extra Bücher gelesen dafür, dass ich das irgendwie dann groß referenziere, sondern ich habe sehr frei von der Leber weg auf einer weißen Leinwand gefühlt losgekünstelt mit Buchstaben und Wörtern.
Und das hat mir sehr taugt, weil wann hat man schon beruflich oder privat irgendwie die Möglichkeit, so frei etwas zu denken und zu schreiben. Sonst schreibt man eine E-Mail, weil man irgendein Ziel verfolgt oder irgendwie sich einen Termin ausmacht oder irgendein Paper abgeben muss und so. Das ist alles immer sehr, boah.
Aber das ist freie Schreiben, das hat mir sehr gut gefallen. Insofern habe ich das als dann auch als Leitlinie verfolgt.
Markus Vielleicht noch eine letzte Frage, bevor wir zu unserer Speedrun kommen. Hast du wirklich Bildung aus den unterschiedlichsten Perspektiven gesehen außerhalb des Systems, aber du hast auch innerhalb des Systems jetzt in einigen Rollen auch aus deiner Selbstständigkeit heraus. Und ich glaube, wir alle wissen, gibt es viele Baustellen von dieser Studie über das, was wir natürlich über unsere Stiftungsarbeit in den Vordergrund stellen, dass wir laut Global Entrepreneurship Monitor die drittschlechteste unternehmerische Bildung in ganz Europa haben.
Markus Also sicher ausbau fähig. Was ist, glaubst du, für dich, mit dieser Gesamtperspektive, die du hast, die wichtigste Stellschreiber, der wichtigste Hebel, wo man sagt, wenn man das verändern könnte in Österreichs Bildungslandschaft, im Österreichs Bildungssystem, dann hast du den größten Hebel. Dann werden alle anderen Dinge vielleicht einfacher, dann könnte sich wirklich was zum Besseren bewegen.
Kindergarten und Lehrerdienstrecht. Warum?
Weil alles, was wir im Kindergarten nicht an Grundbasis schaffen, das schleppen wir dann in Volksschulhauptschule oder weiterführende Schulen mit. Und wir sind im Elementarbildungsbereich in Österreich nach wie vor einfach schlecht. Ressourcenmäßig, mit Aufmerksamkeit, mit Fokus, innerhalb von Bildungssystem, aber auch quasi gesellschaftlich, wie wir darüber reden, nach wie vor, nicht dort, wo wir sein sollten.
Weil meine Hypothese ist, wenn wir die besten Kindergärten haben, haben wir auch in den Jahren darauf die besten Schulen. Das wird sich dann multiplizieren oder auch hochranken, die Qualität. Und Lehrerdienstrecht beispielsweise, ich finde es erschütternd, dass sich Schulleitungen, Schuldirektorinnen zum Teil ihr Personal nicht selbst aussuchen können, niemanden von ihrem Team kündigen können und auch nicht einmal zu einer Teamsitzung um 14 Uhr am Nachmittag eigentlich einladen können, weil die Lehrer sind nicht zu verpflichten, dass sie hinkommen.
Das ist irgendwie, das ist nicht mehr zeitgemäß und ich glaube auch für eine moderne Arbeitswelt, wo man schon noch kooperiert mit anderen Kollegen zusammen und sich überlegt vorher nachher, wie man was macht, nicht mehr passend.
Markus Und Kindergarten, ich meine, der Personalschlüssel ist, glaube ich, bekannt, aber gibt es da noch andere Quick Wins, wo du sagst, da können wir uns von XY was abschauen oder das fehlt aktuell ganz stark?
Es ist, der Schulbereich ist aus meiner Sicht nicht das riesengroße Geldressourcenthema. Aber im Kindergartenbereich sind wir da ja auch mit 0,7% vom BIP, der dort reinfließt, wirklich weit unterm EU-Schnitt. Schulbereich sind wir ja auch international europaweit gesehen eines der teursten Schulsysteme.
Aber der Kindergartenbereich ist da unterbelichtet. Und da würde ich wirklich auch für Ressourcenumschichtung in den Kindergartenbereich plädieren. Weil eben dieser Betreuungsschlüssel, Fachkraft, Kindschlüssel, der ist schon sehr wesentlich.
Markus Sehr spannend. Bringt uns zu unserer Speedrun. Wenn du jetzt zurückblickst auf die vielen unterschiedlichen Erfahrungen, die du in den letzten Jahren gemacht hast.
Was ist dein größtes Learning?
Dass die persönliche Beziehungsebene zwischen Menschen, die zusammenarbeiten, das um und auf ist. Das Allerwichtigste. Auch das kann irgendeiner Beamter von einem Ministerium sein oder ein Schulleiter oder sonst jemand, es steht und fällt mit den Personen unter Beziehungen zwischen den Personen.
Was ist dein bester Lifehack? In Ruhe Kaffee zu trinken und einfach nur zu beobachten. Und hast du eine Buchempfehlung für uns?
Ja, ich habe im Sommer ein super Buch gelesen vom Hanno Sauer, das ist ein deutscher Philosoph, der hat ein Buch geschrieben zum Thema Klasse, da geht es um die sozialen Klassen. Und das ist höchst spannend, wenn man sich für Menschen interessiert, was die anziehen, auf was sie Wert legen, welche Umgangsformen sie haben, wie sie sich unterscheiden wollen, bewusst, unbewusst, hochinteressant.
Hast du ein Lieblingsprodukt? Eigentlich meine analoge Uhr.
Die habe ich sehr gern.
Markus So, jetzt stell dir vor, diese analoge Uhr hört auf zu ticken und du gehst zum Uhrmacher und er sagt, die ist nicht mehr zu retten. Was ist dein Lieblingsschimpfwort?
Sors.
Markus Sehr fein. Da kommen die Wurzeln dann doch durch. Das bringt uns zu unserer letzten Rubrik und das sind natürlich Moonshots und Predictions. Das heißt, wir brauchen von dir einen Moonshot, Freie Nacht JFK, der damals gesagt hat, in der nächsten Dekade bringen wir einen Menschen auf den Mond. Was ist eine Vision, die du für sehr wünschenswert hältst und dadurch, dass du sie aussprichst, wird sie ein bisschen realer.
Markus Darf ruhig sehr groß geträumt sein. Und das zweite, eine Prediction, eine Vorhersage für die Zukunft, von der du Felsenfest überzeugt bist.
Moonshot, ich wünsche mir, dass in Europa und auf der Welt das Schul- und Bildungsthema auf die Ebene der Regierungsspitze kommt.
Von den Regierungschefinnen und Chefs. Unter die Top 3 Themen. Das wäre mein Mundschutz. Kann ich gut nachvollziehen. Und deine Prediction?
Prediction, das ist was Kurzfristiges, ja, gell?
Markus Für die nächsten Jahre, aber jedenfalls etwas, wo du nicht darf natürlich groß geträumt sein, aber du musst auch wirklich phasenfest davon überzeugt sein, dass das passieren wird.
Dann mag ich die Überzeugung, dass es nächstes Jahr in der Ukraine endlich Frieden gibt.
Markus Cool. Das sind großartige Schlussworte, lieber Andi. Vielen Dank für den spannenden Insets, fürs Mit dabeisein. Vielen Dank auch euch da draußen fürs Reinhören. Wir wünschen euch einen guten Start in die Woche und hören uns wieder am Donnerstag.