
#268 Ein Nachmittag im Paris der Belle Époque - Einschlafen mit Nale
Mittwoch, 27. Mai 2026 · 29 min
Kapitelklicken springt direkt hin
Shownotes
Heute lassen wir die moderne Welt hinter uns und reisen zurück in die Belle Époque - in die goldene Zeit Frankreichs. Eine Epoche voller Aufbruchsstimmung, künstlerischer Freiheit und staunender Blicke auf eine Zukunft, die gerade erst beginnt. Zwischen Bohème-Cafés, in denen sich Künstlerinnen, Dichter und Revolutionäre die Hand reichen, erwachen elektrisches Licht, Theater und das Moulin Rouge zum Leben. Lass uns durch die Straßen von Paris wandeln und Inspiration suchen in einer Stadt, deren Zauber bis heute nicht verblasst ist.
Wir, das sind Nale und Balto, möchten dich auf eine Reise schicken, damit du so die Sorgen des Tages hinter dir lassen kannst. Unsere Geschichten sollen dir dabei helfen, zur Ruhe zu kommen und langsam in einen verdienten und erholsamen Schlaf zu gleiten.
Wir wünschen dir eine gute Nacht, schlaf schön!
Konnten wir dir beim Einschlafen helfen? Hast du eine Idee, wo die nächste Reise hingehen soll? Dann schreib uns gerne an geschichtenzumeinschlafen@julep.de. Wir freuen uns sehr, von dir zu hören!
***GzE Sternwarte***
Unterstütze unseren Podcast, höre alle Episoden ohne Werbung und freu dich auf viele weitere Vorteile unter steadyhq.com/gze ✨ Vielen Dank für deine Unterstützung!
***Werbung***
Informationen zu unseren Werbepartner:innen findet ihr unter: linktr.ee/einschlafen Vielen Dank an unsere Partner:innen, die es uns ermöglichen, euch weiterhin beim Einschlafen zu helfen.
Host: Nale und Balto
Text: Madeleine Walther
Musik: Milan Lukas Fey
Produktion & Schnitt: Martin Petermann
Eine Produktion der Julep Studios
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Geschichten zum Einschlafen Eine Produktion der Julep Studios. Psst. Hey, du schläfst ja noch gar nicht, oder? Das ist nicht schlimm. Ich bin Nale und ich freue mich sehr, dass du wieder dabei bist. Heute lassen wir die moderne Welt hinter uns und reisen zurück in die Belle. Epoque, in die goldene Zeit Frankreichs.
Eine europäische Blütezeit zwischen etwa 1871 und dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914. Eine Epoche voller Aufbruchstimmung, künstlerischer Freiheit und staunender Blicke auf eine Zukunft, die gerade erst beginnt. Zwischen Bohème-Cafés, in denen sich Künstlerinnen, Dichter und Revolutionäre die Hand reichen, erwachen elektrisches Licht, Theater und das Moulin Rouge zum Leben.
Lass uns durch die Straßen von Paris wandeln und Inspiration suchen in einer Stadt, deren Zauber bis heute nicht verblasst. Die heutige Geschichte entstammt unserer Umfrage auf Steady. Dort konnten alle Mitglieder darüber abstimmen, welches Thema wir als nächstes gemeinsam bereisen werden. Dass solche gemeinsamen Entscheidungen überhaupt möglich sind, verdanken wir unserer fantastischen Steady-Community.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an unsere Sternen- und Kometen-Supporterinnen und Supporter der Geschichten zum Einschlafen Sternwarte. Schaut gerne mal auf www.steadyhq.com slash gze vorbei, wenn ihr uns auch über das Hören hinaus unterstützen möchtet. Dort könnt ihr die Folgen ganz ohne Werbung hören, bei der nächsten Themenwahl selbst mitentscheiden und vieles mehr.
Wir freuen uns, euch dort in unserer Sternenwarte der sogenannten zu begrüßen. Apropos, bevor es jetzt gleich endlich losgeht, müssen wir jedoch einmal Werbung spielen. Unsere Autorinnen und wir stecken viel Liebe und Zeit in eure Geschichten zum Einschlafen. Das kostet natürlich auch Geld. Und um diesen Podcast weiterführen zu können, brauchen wir diesen einen Werbslot, um einige der Kosten wieder einzuspielen.
Wir hoffen, ihr habt dafür Verständnis. Danach geht es aber ohne Werbung in einem durch bis zum Ende. Jetzt schließ bitte deine Augen und entspanne dein Gesicht. Die Eisheiligen sind endlich vorbeigezogen und machen Platz für eine aufregende Zeit. Inspiration und Kreativität liegen in der Luft. Der Moment für etwas Neues ist gekommen.
Mut für ungedachte Ideen und waghalsige Abenteuer ist der Geist dieser Stunde. Was wird es bei dir wohl sein, das diese Tage unvergesslich werden lässt? Der Aufbruch zu unbekannten Ufern? Geben, das dich zurückhält und der schöpferischen Muse stählerne Fesseln anlegt. Aber was ist das nur? Unbegründete Selbstzweifel und einfallsarme Ideen sind oft das Resultat kopflosen Hetzens und überfordernden Stresses, die unsere moderne Gesellschaft bestimmen.
Wo wir einen solchen Ort finden, fragst Du Dich? Komm schon, ich lade Dich auf einen ganz besonderen Spaziergang ein. Auf einen Kaffee oder Tee, den Du so schnell nicht mehr vergessen wirst. Und dabei müssen wir gar nicht weit. Schließe nur die Augen und lass alles los. Erst sind es einzelne Töne, dann eine elegante, sanfte Melodie, die uns zu sich lotst.
Mit jedem Laut formen einzelne Lichtlein die Silhouette einer verborgenen Stadt in der düsteren Ferne. Erst nur als undefinierbare Formen, dann als glitzernde, schimmernde Metropole, die uns auf einen Spaziergang einlädt. Wie Sterne am Firmament strahlen uns die Lichter der Stadt entgegen und spiegeln sich auf der bewegten Oberfläche des Flusses.
Gelächter, klackernde Tanzschuhe, trabende Hufschläge und entschlossene Schritte geben der Nacht ihre Tiefe. In welche pulsierende Großstadt es uns nur verschlagen hat? Doch irgendetwas ist anders als in jenen kosmopolitischen Städten, die es uns sonst angetan haben. Eine sanfte Eleganz liegt in der Luft.
Kein Verkehr raumt über die Straßen. Keine schrille Leuchtreklame lässt den Himmel taghell erscheinen. Nur gedämpftes Licht zeichnet Wege und Gassen, wie wir sie nur aus Erzählungen kennen. Je näher wir den Fassaden und Giebeln kommen, desto vertrauter wirkt der unbekannte Ort, der sich dennoch in bedeckter Anonymität hält.
Mit unserer Ankunft nähert sich nun auch die neugierige Morgenröte. Das düstere Firmament bricht mit jedem Bruchteil einer Sekunde weiter, Auf einmal wird es taghell. Wie im Theater lüften sich die Vorhänge und unter grellen Scheinwerfern kann das Stück beginnen. Heute hat uns unsere Reise in eine der bekanntesten und faszinierendsten Metropolen der Welt geführt.
Die Stunde der Bohème, der Liebe und Romantik ist gekommen. Unter der aufgehenden Sonne türmt sich vor uns der majestätische Eiffelturm in die Höhe und heißt uns in Paris willkommen. Majestätisch, zeitlos und wunderschön. Im Antlitz des französischen Wahrzeichens bleibt die Zeit für einen kurzen Augenblick stehen.
Bilder und Geschichten, Gedanken und Assoziationen breiten sich in unserem Geist aus. Überwältigt und verzaubert verliert sich die Seele in diesem besonderen Erlebnis. Doch so schön die geistige Schwärmerei auch ist, so holt uns etwas Irdisches wieder in das Diesseits zurück. Ein Duft nach Kaffee und frisch gebackenen Croissants steigt uns auf einmal in die Nase.
Verführerisch süß und herb geröstet, ködert uns der Pariser Morgen mit ganz herrlichen Verlockungen. Die ersten Kaffeehäuser öffnen langsam ihre Pforten und säumen die Straßen unter uns. Die Avenue de Convents erwacht zum Leben und mit ihr die feine Pariser Gesellschaft, die einem neuen Tag entgegenblickt.
Komm nur, wir wollen den Tag begehen und mit einem Heißgetränk und etwas zum Naschen den neuen Morgen begrüßen. Einige Stufen, wieder nach unten geschwebt, steht an einer verschlafenen Ecke auch schon ein kleiner, runder Tisch mit üppigem Dekor und französischem Charme für uns bereit. Mit direktem Blick auf den Turm sind wir der Masse dennoch verborgen und dürfen bei französischem Gebäck einen Blick auf die erwachende Stadt werfen.
Setz dich nur und greif zu. Was könnte diese Szene noch vollkommener machen? Während wir uns den Magen füllen und den Tag genießen, zieht es nun auch die ersten Schlafmützen aus ihren Häusern. Mondäne Gestalten bewegen sich geschmeidig und elegant in Richtung ihres Tagesgeschäfts. Doch gehören sie nicht zu jenem Bild, das uns vom großstädtischen Trubel doch so vertraut ist.
Herren in dunklen Anzügen mit Westen und Hüten flanieren durch die Straßen der Stadt. Der eine schaut auf seine Taschenuhr, ein anderer zwirbelt sich den Schnurrbart zurecht. Von Hektik ist kaum etwas zu spüren. Von unserer überdigitalisierten Realität gibt es keine Spur. Auch die Damen lassen sich nicht lumpen. In langen, eleganten Kleidern und engen Korsetts zeichnen sie ein Bild, das wir heute nur noch aus nostalgischen Filmen kennen.
Die feinen Handschuhe und riesigen Hüte mit Federn lassen sie so edel und erhaben wirken, dass man es kaum wagen könnte, sie auch nur anzusprechen. Für jene, die nicht laufen wollen, fahren die ersten Pferdekutschen vor. Das regelmäßige Getrappel der Hufe gibt den Takt der Gesellschaft an. Ein Murmeln erfüllt die Straßen. Nicht zu laut, nicht aufdringlich, nur echt und lebendig.
Kein Motor, kein Schrein, kein schrilles Durcheinander. Es ist ein Sprung in der Zeit. Eine Reise durch die Epoche, die uns zurückgebracht hat in die Belle Epoque, in die goldene Ära Frankreichs. Es ist nicht lange her, dass Gustav Eifel 1889 sein eindrucksvolles Bauwerk fertigstellte. Den Eiffelturm. Als Symbol für modernste Technik und wirtschaftlichen Aufschwung pilgern die Schönen und Wohlhabenden zu jenem Ort, der auch später für immer ein Wahrzeichen der französischen Metropole darstellen sollte.
Nach zahlreichen Krisen und Kriegen scheint Ende des 19. Jahrhunderts endlich die Zukunft angekommen zu sein. Die Stadt bebt und verlangt nach individueller Freiheit, Fortschritt und künstlerischer Entfaltung. Es ist ein besonderer Moment, in dem Kreativität und Innovation versuchen, Althergebrachtes hinter sich zu lassen.
Im ausgelassenen Nachtleben scheinen die Fesseln der Vergangenheit langsam zu verschwinden. Und noch ein Grund lässt Aristokratie, Gelehrte und Vermögende just in diesem Augenblick die Stadt beleben. Wie du siehst, füllen sich die Straßen zunehmend und bilden einen Strom schaulustiger und interessierter, um dem Ereignis des Jahrhunderts beizuwohnen.
Weißt du, wovon ich spreche? Sieh nur da. Vielleicht wird es uns der kleine Botenjunge, der aufgeregt durch die Massen rennt, erzählen. Mit seiner Schiebermütze und den breiten Hosenträgern über einem weißen Hemd ruft er umher und verteilt Flugblätter an die Menge. Mein Französisch lässt zu wünschen übrig, aber das Blatt in Schwarz und Weiß wird uns vielleicht mehr Aufschluss geben.
In großen Lettern springt uns Exposition Universelle International ins Auge. Es ist die Internationale Weltausstellung im Jahr 1900, die noch lange Spuren im gesamten europäischen Raum hinterlassen wird und zu dieser Belle Epoque gehört wie Kunst, Theater und Kultur. Fein herausgeputzt zeigt sich die Hauptstadt von ihrer glanzvollsten und modernsten Seite.
Über 50 Millionen Besuchende haben sich den technischen Fortschritt im Bohème Flair angeschaut. Eine gigantische Ausstellung, die Telefontechnik, Rolltreppen und eine beleuchtete Stadt zeigt, so wie es die meisten noch nie gesehen hatten. Es war eine Nachricht an die Welt – wir sind das Zentrum der Moderne, wir sind Paris.
Doch komm, wir haben noch Zeit für einen Kaffee, ein Croissant und einen Einblick in eine Welt von Fantasie, Schöpferkraft und Genialität. Folge mir nun hinein. Hinter dieser Tür sprudelt der künstlerische Geist. Die Pforte öffnet sich. Wir treten hinein. Die frische Luft des Morgens vermischt sich mit schwüler Wärme und Zigarrenrauch.
Es riecht nach süßem Parfüm und geputztem Leder. Teller und Gläser klirren, Kellner huschen geschäftig umher. Ein weiter Raum, gefüllt mit Menschen verschiedensten Alters und Antlitzes, breitet sich wie ein Meer vor uns aus. Einige der bunten Kleider- und federbesetzten Kopfbedeckungen unterhalten sich angeregt mit der Nachbarin oder einer Dame von Welt.
Andere blättern in ihren riesigen Zeitungen oder machen sich bei einem Café oder Absinth Notizen über das Leben. Ein Schauspiel der feinen Gesellschaft, dessen Hauptdarstellende selbst nicht wissen, dass sie auf der Bühne stehen. Doch lass uns Platz nehmen und Teil eines Stückes sein, das in unserer Welt seinen Zauber schon längst verloren hat.
Es ist kein Kommen und Gehen. Es ist ein Knotenpunkt der Gesellschaft, an dem man verweilt und sich treiben lässt. So sahen wohl die sozialen Medien zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus. Analog, neugierig, anröchig. Gerüchte und Nachrichten werden ausgetauscht, Intrigen gesponnen Ruhig geht es hier nicht zu, angeregte Diskussionen erfüllen den Raum, Einige Herren berichten energisch mit hochgekrempelten Ärmeln von den Neuheiten der Weltausstellung, Auch der Eröffnung der Metro scheinen sie vor kurzem beigewohnt zu haben.
Was für uns zu Normalität und Alltag dazugehört, ist zu dieser Zeit eine Sensation. Unter uns verbindet das Tunnelsystem die Zukunft mit der nostalgischen Welt der Kutschen und Pferdewagen. Die Aufbruchstimmung ist hier zum Greifen nahe. Die Gedanken erblühen, die Ideen sprudeln nur so hervor. Ist es nicht erfrischend, wie der erwartungsvolle Blick in die Zukunft die Seelen der Menschen entzückt?
Zeitungen werden ausgetauscht, Karten verteilt, Wein und Absinth fließen. Zeit spielt keine Rolle mehr. Ein Herr in einer Ecke pafft an seiner Pfeife und skizziert etwas auf ein vergilbtes Blatt Papier. Ein anderer schreibt konzentriert das Gedicht seines Lebens. Es sind die Lebenskünstlerinnen und Artisten, die Dichterinnen und Denker, die Musen und Arbeiter des Fortschritts.
Die Bourgeoisie mischt sich unter das Volk. Armut trifft Reichtum, Ordinär trifft Extravaganz. Alle hier im zweiten Wohnzimmer, zusammen erwartungsvoll inspiriert. Es sind die großen Ambitionen und existenziellen Probleme, die die Künstlerinnen, Journalisten und Revolutionäre hier stundenlang mit nur einem Kaffee verweilen ließen, Doch zwischen Beobachten und Zuhören, zwischen Wein und Likör sind die Stunden verflogen wie im Nu.
Schau nur raus So schnell hat sich der Abend auch schon zu Wort gemeldet Und fordert nun unsere Aufmerksamkeit, Die Diskussionen sind verebbt Die Gesellschaft verlagert sich nach draußen, Auch wir wollen Ihnen folgen und das bewundern, was hier einem jeden den Atem stocken lässt. Das elektrische Licht, das für uns schon längst zur Last geworden ist, ist hier eine Sensation.
Mitten in der frischen Nacht erstrahlen die Straßen in einem herrlich warmen Glanz. Der Eiffelturm ist majestätisch beleuchtet und alle sind glücklich. Ein Teil dieser schönen Epoche zu sein. Lass alles ruhig noch einen Augenblick auf Dich wirken, bevor Du wieder nach Hause schwebst. Ich hoffe, Du warst genauso verzaubert wie all jene, denen wir heute begegnet sind.
Für einen kurzen Augenblick scheint diese Welt vollkommen. Doch wie alle goldenen Zeitalter wird auch die Belle Epoque eines Tages nur noch Erinnerung sein. Vielleicht berührt sie uns gerade deshalb bis heute. Und damit wünsche ich dir nun eine wundervolle gute Nacht und bis zum nächsten Mal. Deine Nale.