heute journal - der Podcast· Folge 85

Merz und die Wahlen: Wie sehr wackelt der Kanzler? Mit „Monchi” und Wolfgang Muno

Donnerstag, 17. September 2026 · 46 min

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Shownotes

Am Sonntag wird in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin gewählt. Die CDU steht dabei massiv unter Druck. Manche sehen im Wahl-Sonntag einen „Schicksalstag” für Bundeskanzler Friedrich Merz. Wie geht es mit ihm weiter, wenn seine Partei aus dem Landtag von Mecklenburg-Vorpommern fliegt?

Wie ist es, in einem Ort auf dem Land zu leben, wo mehr als die Hälfte die AfD wählt? Wie bleibt man im Gespräch? Welchen Blick haben die Menschen auf die Politik?

Darüber sprechen Host Helene Reiner und heute journal-Moderator Christian Sievers mit dem Autor und Sänger der Punkrock-Band „Feine Sahne Fischfilet” Jan Gorkow („Monchi”) und dem Politikwissenschaftler Wolfgang Muno von der Universität Rostock. Ein Gespräch mit Blick auf die Ostsee, am Strand von Warnemünde.

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Team:
CvD (ZDF): Christoph Söller
Host: Helene Reiner
Mod: Christian Sievers
Autorin: Viola Koegst
Redaktion: Hannah Bitzer, Meike Srowig
Factchecking: Julia Maas, Beate Seck
Redaktion Pool Artists: Esther Stephan, Nicklas Stellhorn
Kamera: Željko Pehar, Clara Buttkereit, Yvonne de Fries-Lehmitz
Ton: Dirk Krings

Weitere Links zum Thema:
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Herzlich willkommen zum Heute-Journal-Podcast und das ist heute schon wieder eine sehr besondere Folge an einem besonderen Ort. Vor uns ein denkmalgeschützter Leuchtturm, das Wahrzeichen des Ostseebads Warnemünde und hinter uns der wunderschöne Ostseestrand. Wir sind also in Mecklenburg-Vorpommern. Hier wird am Sonntag ein neuer Landtag gewählt und dieser Tag könnte zum Schicksalstag für den Bundeskanzler werden.

Was passiert, wenn es die CDU hier nicht in den Landtag schaffen sollte? Das gab es so, noch nie aktuell besteht aber die Möglichkeit. Geht dann Friedrich Merz K.O.? So drückt das einer unserer Gäste aus, Wolfgang Munow. Er ist Professor für Politikwissenschaft an der Uni Rostock. Und er sagt, falls die CDU noch weitere Niederlagen einfährt, dann sei Merz wie ein Boxer, der deutliche Treffer hinnehmen musste.

Und dann fragt man sich, ob er K.O. geht oder nicht. Herzlich willkommen, Professor Muno. Hallo. Wir wollen natürlich aber auch über Mecklenburg-Vorpommern sprechen, was die Menschen hier umtreibt und wie man trotz der vielbeschworenen Polarisierung im Gespräch bleibt. Und das ist sozusagen das Spezialgebiet geworden von Jan Gorkow, besser bekannt als Monschi.

Er ist Autor und Sänger der Band Feine Sahne Fischfilet, wohnt in einem kleinen Ort namens Jamen und stellt fest, dass Avdela in der Stadt, Zitat, viel einfacher zu hassen sein als auf dem Land. Hallo Monschi. Moin. Und wer natürlich auch dabei ist, ist Christian Sievers, Moderator des Heute-Journals. Hi Christian.

Ich sage jetzt mal Moin, Moin und damit eigentlich schon viel zu viel für diese Gegend. Und Christian, für dich ist das jetzt hier wie so eine kleine Generalprobe, weil du heute Abend hier mit dem Heute-Journal auch noch eine Live-Sendung hast, und auch in den letzten Tagen hier viel unterwegs warst, gedreht hast, mit vielen Menschen gesprochen hast.

Das ist richtig. Wir gucken so ein bisschen auf die Lage und auf die Stimmung hier in Mecklenburg-Vorpommern und zwar nicht nur an der Küste. Das ist ja hier die Gegend, die eigentlich jeder kennt in Deutschland. Die größten Inseln Deutschlands, Usedom, Rügen und dann die Ferienorte hier oben. Aber wir gucken eben auch auf das große, weite und ehrlich gesagt auch echt schöne Land hier.

Wir waren in Vorpommern, wir waren bei Monschi zu Hause in Jarmen. Und das liegt ja ziemlich weit weg von allem. Aber wenn man mal in Jarmen unterwegs ist, ist jeder Ort nur noch maximal zwei Minuten voneinander entfernt. Und das sagt schon ein bisschen die beiden Gegensätze, in denen wir uns hier bewegen.

Ich bin sehr gespannt, was du noch erzählst von deinen Eindrücken und freue mich auf dieses Gespräch. Heute ist der 17. September. Zwölf Uhr. Monchi, du warst ja in letzter Zeit viel unterwegs, hattest auch viele Medienauftritte, und du beschreibst da immer wieder einen Moment nach der letzten Bundestagswahl, wo du inständig gehofft hast, Merz und Klingbeil, bitte verkackt es nicht, sagst du da.

Das war jetzt ein wörtliches Zitat, oder? Das war ein wörtliches Zitat. Jetzt bist du das Gesicht einer linken Punkband, das auf einmal Hoffnung in Friedrich Merz setzt. Wie konnte es dazu kommen und ist Friedrich Merz gerade dabei, um es nochmal in deinen Worten zu sagen, zu verkacken? Ich habe das ja im Buch aufgeschrieben und da auch ein bisschen differenzierter das betrachtet, wenn ich das sage.

Also erstmal denke ich in diesen Zeiten, Scheiß auf Punkrock. Ich glaube, da gibt es viel Wichtigeres. Mir ist scheißegal, was irgendwelche Leute daraus machen. Für mich ging es wirklich in diesem Moment, direkt nach den Bundestagswahlen, dass ich gedacht habe, Scheiße, hier ist richtig was im Wanken da, wo ich lebe. Bei mir im Ort haben 54 Prozent der Menschen die AfD gewählt.

Und ich kann dir sagen, dass ich eine CDU-SPD-geführte Regierung immer noch für besser halte als eine AfD-geführte Regierung. Da lebe ich. Da kann man sich dann das Maul drüber zerreißen und sich Lust drüber machen. Aber ich lebe in der Realität, dass ich mich drüber freue, wenn es in 10, 15 Jahren noch eine halbwegs stabile Demokratie gibt. Das heißt nicht, ich habe eher gesagt, oh Gott, oh Gott, ich bin da angekommen, dass ich in der Punkrock-Band spiele.

Früher hätte ich mir auf die Zunge gebissen. Und ich bin da angekommen und habe gesagt, hoffentlich verkacken die beiden das nicht. Und dann ist das Schreckliche, dass die sich selber wieder die ganze Zeit ins Knie ficken und dass man, die SPD, die Grünen, die CDU gegen die Linke, die Linke gegen die CDU, wo man so denkt, was für ein Kindergarten und das kommt bei den Leuten da, wo ich lebe, einfach nur wie ein Theaterstück an und man denkt die ganze Zeit, die sind Parteien, Friedrich Mehl jetzt ganz vorne weg jetzt auch, legt den AfDlern Elfmeter hin.

Schade, dass es so ist. Hoffnung hatte ich nicht. Ich habe aber gehofft, dass es ein bisschen besser wird und dass sie es irgendwie hinkriegen. Ich habe aber nicht das Gefühl, dass die die Zeichen der Zeit erkannt haben. Also deine Hoffnung wurde enttäuscht? Ja, also ich habe keine Hoffnung. Ich meine, wenn wir über die CDU reden, das ist mir fast auch schon zu dumm, gegen die jetzt zu pöbeln, weil das ist ja wie so, naja, ich pöbel nicht gegen die. Man tritt nicht nach auf jemanden, der am Boden liegt. So habe ich manchmal das Gefühl.

Ich meine, wenn wir das in MV betrachten, die CDU, die ist ja so ein Friedrich Merz. Ich würde denen sagen, das ist wie... Wie St. Pauli, so beliebt ist der hier. Also ich sag mal, vielleicht findest du ein, zwei Leute ganz versteckt, die den noch feiern oder mögen. Aber sonst finden den alle hier scheiße. Da glaubt keiner mehr dran.

Und ich glaube nicht, dass der das noch umgerissen bekommt. Ja, bitte aber wahr. Ja, lass uns mal kurz auf die Zahlen da schauen. Offenbar hat Merz die Hoffnungen einiger enttäuscht. Er hat viel versprochen. Da ist offenbar noch wenig davon bei den Leuten angekommen und er ist weit davon entfernt, die AfD wieder kleiner zu machen.

Seine Zustimmungswerte liegen laut dem aktuellen ZDF-Politbarometer bei 20 Prozent. Nur 20 Prozent sind zufrieden mit seiner Arbeit. Bei seiner Partei sieht es auch nicht besser aus. In Berlin, da wird am Sonntag ja auch gewählt, ein neues Abgeordnetenhaus. Da könnte es sein, dass die CDU von der Linkspartei überholt wird.

Und in Mecklenburg-Vorpommern spielt die CDU gar nicht vorne mit. Da kämpfen die SPD und die AfD um den ersten Platz. Die CDU liegt bei sieben Prozent und ich hatte es eingangs schon gesagt, sollte die CDU an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern und damit gar nicht in den Landtag einziehen, dann wäre das wirklich ein First.

Sowas gab es noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik, dass eine Unionspartei aus einem Landtag rausfliegt. Christian, es ging im Frühjahr mal der Begriff Kanzlertausch durch manche Medien. Das bezog sich auf ein Gerücht. Merz könne eventuell von Hendrik Wüst abgelöst werden, dem Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, um einiges beliebter als Friedrich Merz.

Man war damals vorsichtig, weil es sich, wie gesagt, um so ein Gerücht handelte, über das auch nicht alle berichtet haben, weil es nicht unbedingt für seriös befunden wurde. Und letzte Woche habe ich wirklich kaum ein Medium gesehen, das nicht in der Headline vom Kanzlertausch oder von der Kanzlerdämmerung geschrieben hat.

Was hat sich da verändert jetzt? Naja, zunächst mal die desaströsen Wahlergebnisse Sachsen-Anhalt, beziehungsweise Wahlumfragen Mecklenburg-Vorpommern. Und dann muss man aber bei dieser ganzen Sache sagen, diesem Label Kanzlertausch, das ist ja nicht so einfach. Wir haben ja in Deutschland aus guten Gründen, kann man nicht einfach den Kanzler tauschen, sondern man braucht einen neuen.

Oder ein Neu-Jeh. Das heißt, schon nach Verfassungslage müsste jemand anders sagen, so ich mache das. Und vor allem, ich habe im Parlament auch eine Mehrheit dafür. Und das sehe ich im Moment nicht, ehrlich gesagt. Wir haben jetzt gerade den Ministerpräsidenten der Union gehabt, die sich geschlossen hinter Friedrich Merz gestellt haben. Alleine die Tatsache natürlich, dass er sowas offensichtlich nötig hat, spricht schon Bände, auch was die Diskussion in seiner eigenen Partei angeht.

Aber die haben jetzt zumindest erstmal gesagt, nee, wir stehen hinter Friedrich Merz, er hat unsere Solidarität. Ich habe ehrlich gesagt noch ein ganz anderes Problem. Wir sind ganz schnell bei diesem Label Kanzlertausch und wir haben auch jetzt hier wieder sehr schnell geredet über die Person Merz. Kann der das? Ist der noch der Richtige? Mögen die Leute ihn?

Aber ich glaube, wir lügen uns ein bisschen in die Tasche. Denn unser Problem ist am Ende nicht eine einzige Person, sondern dieses Land hat auf ganz vielen Ebenen wahnsinnig viele Probleme und Herausforderungen zu lösen. Unfassbar viele Reformen, unfassbar viel, was liegen geblieben ist in den letzten Jahrzehnten, unfassbar viel, wo Geld dringend investiert werden müsste.

Und jetzt habe ich noch gar nicht gesprochen von den internationalen Herausforderungen, von Kriegen, Krisen, Populismus überall, von der KI-Herausforderung. Also wir haben es ja wirklich knüppeldicke gerade. Und es ist immer sehr einfach zu sagen, naja, der kann es ja nicht oder den mögen wir jetzt nicht mehr. Da nehmen wir einen anderen und stellen dann aber plötzlich fest, den mögen wir irgendwie auch nicht mehr nach zwei Monaten oder so weiter.

Am Ende entbindet uns das ja nicht von der Verantwortung und der Herausforderung, über die Sachen, die Sachlage, die Themen zu sprechen und nicht gleich wieder abzugleiten in eine Personaldiskussion. Ich glaube ehrlich gesagt, das hat die Union vielleicht so auf den letzten Drücker jetzt auch kapiert und gesagt, vielleicht werden die Leute am Ende gar nicht glücklich, wenn wir jetzt wieder eine Personaldiskussion aufmachen.

Sondern was, glaube ich, diesem Land wirklich helfen würde, wäre mal voranzukommen bei den Dingen, die tatsächlich auf den Nägeln brennen. Ich finde das auch gut, dass du das... Sie haben mich ja am Anfang zitiert und als ich sagte, Merz ist angeschlagen, wie ein Boxer, der einen Wirkungstreffer in Sachsen-Anhalt bekommen hat.

Er wird einen Wirkungstreffer in Mecklenburg-Vorpommern bekommen, weil das wird ein katastrophales Ergebnis für die CDU, so oder so. 7 Prozent wäre schon das allerschlechteste historische Ergebnis. Nicht im Landtag zu sein, wäre noch schlimmer. Und dann ist Berlin, da sieht es auch nicht so gut aus aktuell.

Das ist aber noch nicht so ganz klar. Aber es ist richtig, ich habe auch immer gesagt, es muss dann auch eine Alternative geben. Und die Unzufriedenheit, die ist viel tiefer. Wir erinnern uns, Merkel muss weg und Scholz muss weg und jetzt muss Merz weg. Und wenn Hendrik Wüst käme, würde man in zwei, drei Monaten sagen, schickt Wüst in die Wüste.

Das ist im Moment die aktuelle Stimmung. Bei Umfragen ist hier eine große Mehrheit nicht mehr zufrieden mit der Demokratie grundsätzlich. In Mecklenburg-Vorpommern haben wir weniger als ein Viertel der Bevölkerung bei verschiedenen Umfragen, die nicht mehr zufrieden sind mit der Demokratie. In Sachsen-Anhalt hatten wir über die Hälfte der Bevölkerung, die gesagt hat, ich wünsche mir eine einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft verkörpert.

Das ist dann aber auch keine Demokratie mehr und das ist das Problem. Und Herr Professor, da müssen wir unbedingt nachher vielleicht noch drüber reden, weil da läuft es einem ja kalten Rücken runter. Also wenn wir jetzt nicht mehr über Personen und auch nicht mehr über Themen reden, sondern über die Demokratie als solche.

Mein lieber Scholli, da kommen wir in schwieriges Fahrwasser. Also ich glaube zum Beispiel, wenn ich jetzt mit den Leuten bei uns im Dorf sprechen würde, die auch da AfD wählen, was ich ja andauert mache, die würden ja sagen, nee, die Demokratie funktioniert ja gerade total. Also wir sind ja sozusagen, haben so viele Leute an die Wahlen umgebracht, ja, wie vorher noch nie.

Also sozusagen, Demokratie kann ja nicht nur das sein, wenn so gewählt wird, wie ihr wollt. Nicht, dass es jetzt meine Meinung ist. Ich sage nochmal, was glaube ich Leute darauf erwidern würden. Und ich denke, der Punkt ist einfach, wenn ich jetzt zum Beispiel auf die Region, Provinz, da wo ich lebe, schaue, in Rostock ist das vielleicht noch anders, da hast du vielleicht noch präsente Parteien.

Aber diese Parteien sind einfach nahezu nicht präsent und ich würde es schön finden, wenn es anders ist. Und ich habe in diesem Buch geschrieben, für die Parteien ist wichtig vor den Wahlen und für die Leute hier bei uns im Mikro-Vorpommern ist nach den Wahlen wichtig. Und ich muss das leider revidieren, es ist richtig bitter.

Ich hätte wirklich gedacht, dass die bei uns in Jahren und der Umgebung vor diesen Wahlen total am rumrödeln sind und ganz viel machen. Aber Pustelkuchen, die AfD hat da zweimal Kundgebungen gemacht. Ich glaube, die Linke nochmal, die CDU, die SPD, die Grünen, habe ich nicht einmal da gesehen, nicht einmal wahrgenommen mit irgendwelchen Kundgebungen. Ich habe gedacht, die überhäufen das vor den Wahlen. Nicht mal mehr das.

Also, dass sich hier Leute abgehängt fühlen und vergessen fühlen, das ist einfach eine ganz klare Sache. Und das ist auch nicht die Schuld der Leute. Die Antwort, dass sie nachher die AfD wählen, die kann ich nicht nachvollziehen. Aber auch ich... Ich glaube nicht mehr daran, dass diese Parteien es schaffen, noch mal das rumzureißen, jedenfalls da, wo ich lebe, um mal ein Gefühl zu kriegen.

54 Prozent haben in Jahren die AfD gewählt, danach ist die zweistärkste Partei bei dem Bundestagswahl in die CDU gewesen mit 12 Prozent. 42 Prozent Unterschied. Danach, ich glaube, irgendwas die SPD 9 Prozent, die Grüne 2 Prozent. Also da lebe ich. Und ich glaube, es gibt viele Menschen, die in solchen Gegenden leben, wo die Parteien einfach die Leute einfach nicht mehr abholen.

Da würde ich gerne drauf einsteigen und sagen, ja, das ist richtig, die Parteien sind nicht mehr da. Das liegt aber auch daran, dass es keine Leute gibt, die in den Parteien mitmachen. Also wir sehen das in ganz Deutschland, dass man ja sich nicht mehr so gerne in Parteien engagiert. Aber in ganz Mecklenburg-Vorpommern mit 1,6 Millionen Einwohnern gibt es gerade mal 16.000 Menschen, die Mitglied in einer politischen Partei sind.

Zum Vergleich, der Anglerverband hat fast 50.000 Mitglieder, das sage ich immer gerne. Und dann sagt man immer, die Parteien kommen nicht. Ja, aber die Parteien in der Demokratie, das sind wir, das sind die Menschen. Die wollen sich auch nicht mehr in Parteien engagieren. Bestenfalls noch, teilweise, die AfD hat noch zugelegt. Das ist eine der wenigen Parteien, die an Mitgliedern zugelegt hat. Aber die anderen Parteien krebsen dann so ein bisschen herum und keiner will sich in der Partei engagieren.

Die Frage ist ja auch, wenn es jetzt ganz viele Stände gäbe in Jahren von allen Parteien, würde das irgendwas ändern? Nee, auf keinen Fall mehr. Du hast gerade das Wort abgehängt gesagt und da würde ich gerne nochmal ein bisschen nachfühlen, weil immer wenn ich abgehängt höre, weiß ich eigentlich gar nicht, was das jetzt bedeuten soll.

Was heißt denn abgehängt konkret? Weil du hast uns auch erzählt, als wir bei dir waren und, viel gedreht haben in dem Dorf, auch mit vielen Leuten gesprochen haben, dass es eigentlich gar nicht mehr so sehr um Argumente geht, also um tatsächliche Sachfragen, sondern dass es bei vielen Menschen eher um so eine Wut im Bauch geht, also so ein emotionales Gefühl.

Und da kommen wir ja an den Punkt, das ist ein bisschen das, was Sie vorhin gesagt haben. Da kommen wir an so einen Punkt, den man als Politiker ja kaum noch ändern kann. Also ich kann mit einem Zehn-Punkte-Programm versuchen, noch irgendwie eine Sachfrage in den Griff zu bekommen. Aber ich kann ja gegen Emotionen, gegen so ein Gefühl im Bauch nur noch schwer ankommen.

Was mache ich denn da? Keine Ahnung, ich bin kein Wissenschaftler. Ich kann nur sagen, wenn ich mit den Leuten da spreche, und das ist ja auch für mich eine bittere Erkenntnis, wenn du mit den Leuten argumentierst oder redest und sagst, Mensch, was weiß ich, ich stehe mit einer alleinerziehenden Mutti, die sagt, Mensch, scheiße, die Spritpreise kann ich nicht mehr bezahlen.

Ich fahre nicht in den Osterurlaub. Und dann sagt sie, ja, und die AfD und die wird das machen. Und dann sage ich, Mensch, bist du echt so sicher? Das ist doch eher eine Partei der Superreichen. Meinst du, die wird wirklich dein Anliegen vertreten? Das ist den Leuten fast wirklich, fast egal, ob sie sich selber ins Knie ficken. Es ist bitter, aber so, da wo ich lebe, es gibt natürlich auch, man muss das immer differenzieren.

Aber ganz viele Leute wählen eher nach Emotionen und nicht nach Argumenten. Und ich will nur kurz sagen, auch mit dieses Engagieren, da wo ich auch lebe, das ist nicht so, die Leute sind nicht alles irgendwelche Sesselfurzler, sondern die Leute, die brennen und engagieren sich auch ganz viel in Vereinen, in Kulturvereinen.

Gerade in Jahren wurden drei, vier neue Vereine wieder gegründet. Es passiert ganz viel. Leute haben auch Bock auf Demokratie. Ich glaube, auch das sollte man nicht so schlecht gehen. Aber nicht mehr auf die Parteien. Aber kein Bock mehr auf die Parteien. Aber Professor Muno, weil das ist ja unglaublich schwierig für Politiker und Politikerinnen, auch wenn sie da wirklich mit vollem Engagement sozusagen vorauspreschen und Dinge verändern wollen.

Ich habe dazu auch noch eine Studie gefunden vom Institut der deutschen Wirtschaft, das untersucht, wie gut Menschen versorgt sind, auch in der Stadt und auf dem Land. Also Ärzte, Schulen, Busse, Internetbehörden usw. Und welche Folgen das für die politische Einstellung hat. Und daran zeigt sich, dass bei den Befragten, dass je unzufriedener sie mit der Versorgung vor Ort sind, desto eher neigen sie zur AfD. Aber, und jetzt kommt es, Da zählt eben nicht nur die Realität und wie gut versorgt sie wirklich sind, sondern die persönliche Wahrnehmung, die subjektive Wahrnehmung.

Und die ist besonders bei AfD-Anhängern schlechter, beziehungsweise sie bewerten die Lage vor Ort oft negativer, als es sie eigentlich objektiv hergibt. Das heißt, selbst wenn der Bus häufiger käme, heißt das nicht automatisch, dass sie zufriedener sind, geschweige denn vielleicht auch ihr Wahlverhalten wieder ändern. Aber was können da Politiker, Politikerinnen denn überhaupt noch machen?

Ja, das ist extrem schwer, weil wenn man mit Fakten argumentiert, dann kommen die einfach nicht an. Man bräuchte im Prinzip positive Erzählungen, positive Narrative, dass es doch alles nicht so schlecht ist und nicht den Bach runtergeht. Wir leben immer noch in einem der reichsten Länder der Welt. Wir leben in einem Land, das einer der höchsten.

Sozialstaatsniveaus der Welt hat. Wir leben in einem Land mit einem der niedrigsten Kriminalitätsraten. Ich bin häufig in Lateinamerika unterwegs. Da kann man nicht auf die Straße gehen nachts. Und das ist hier einfach nicht so. Aber die Wahrnehmung ist halt eine ganz andere. Da gibt es diese Abstiegsängste eben ganz enorm. Exakt. Und es kommen natürlich noch Dinge auf einen zu, die man nicht so richtig kontrollieren kann. Man hat das Gefühl, und das haben wir, glaube ich, alle am Ende, wir leben in Zeiten, in denen...

Die Gefahren drohen, die alle außerhalb unserer Kontrolle sind. Und ich glaube, das ist etwas, was sich ja weltweit darstellt. Das ist gar kein Mecklenburg-Vorpommern-Problem und auch kein Sachsen-Anhalt-Problem, sondern das haben eigentlich alle Menschen auf dieser Welt. Und man hat das Gefühl, Strukturen sind nicht mehr das, was sie mal waren.

Ängste und Herausforderungen kommen auf uns zu, denen wir nicht wirklich gewappnet sind. Und dann spielt Social Media, ich muss es an dieser Stelle leider noch mal sagen, eine gewaltige Rolle aus meiner Sicht, weil das natürlich auch noch mal verstärkt, eine Bubble verstärkt. Man fühlt sich die ganze Zeit in einem Kreislauf verstärkt, in seinen engsten Nöten, denkt, okay, mein Gott, die Welt bricht zusammen.

Ich kenne es selber, wenn man manchmal am Scrollen ist, muss man sich selbst zwingen aufzuhören, weil man sonst in einer Spirale gefangen ist, aus der man nicht mehr wirklich rauskommt. Das Problem bei der ganzen Geschichte ist, das sind alles keine Landtagswahlthemen. Das sind alles Themen, die so groß sind, dass es vielleicht auch gar keine Bundestagswahlthemen am Ende sind.

Zumindest wird das nichts, was man in Schwerin ändern könnte. Trotzdem haben wir jetzt aber eine Landtagswahl, über die wir hier reden. Ja, ich will nur sagen, ich glaube, wenn man die ganze Zeit immer nur... Also, ich würde mich wirklich freuen. Kommt in ein paar Monaten wieder her. Das ist wie, wenn auch mal Bands Konzerte spielen. Und dann spielen die nochmal und so. Und dann wundern die sich, oh, das Ergebnis ist doch noch so.

Das alles hier, ob wir hier quatschen, ob hier ein Konzert ist, ob Feine Sahne noch ein Festival macht, das wird nichts an den Wahlen ändern. Ich glaube, das zu registrieren, ist, glaube ich, auch wichtig. Und das heißt aber nicht, davon irgendwie zu denken, oh, jetzt, das nimmt mir die Kraft, sondern ich glaube, man muss fernab von Wahlen aktiv sein.

Das ist vielleicht etwas, was dann punktuell Stimmung verändern kann. Man braucht sich nicht einreden, ich komme aus dieser Konturszene, auch ich mit dem Zeigefinger auf mich selbst, ich habe mir früher eingeredet, Mensch, machen wir noch eine Kampagne und noch ein Konzert und ich sage noch mal, mit feiner Sahne wird nicht die AfD.

Das interessiert hier keinen Schwein, das mache ich nicht mehr. So, ich brauche mir nicht selber bespaßen und die Kultur braucht, erzählt der Kultur, wie wichtig Kultur ist und irgendwann glaubt man sich das selber. Aber, Kein Konzert, keine Diskussion oder so wird jetzt an dieser jetzigen Situation, oder an der Wahl was verändern, sondern man muss, glaube ich, authentisch verkaufen können, dass man in der Region, wo man ist, aktiv ist, dass man sie liebt, dass man, ich bin Lokalpatriot, ich liebe es in Mecklenburg-Vorpommern, ich denke, was ist das für ein wunderschöner Ort, wo ich geboren wurde und ich will hier aktiv sein.

Und diesen Weltuntergangsszenarien, die es andauernd gibt und die AfD redet die Leute hier auch in Depressionen rein, ja, punktuell, diesen entgegenzuwirken in praktischen Sachen. Wenn wir in Jahren zusammen mit ganz vielen Leuten vier Jahre dafür kämpfen, einen Skatepark aufzubauen. Wir haben selber nicht mehr dran geglaubt, weil die Bürokratie so krass ist.

Dann haben wir den letzten Jahr am 3. Oktober eröffnet. Da sind 500 Leute. Bei den Aufbauarbeiten waren 60, 70 verschiedene Menschen. Auch ganz unterschiedliche Menschen. Das sind positive, für mich demokratische Momente, die, glaube ich, auch so eine Gemeinschaft dann prägen und wo man auch noch Akzente setzen kann.

Aber wenn du sagst, es verändert nichts jetzt an den Wahlen, warum machst du das? Es verändert was, aber nichts an den Wahlen. Ja, das sind langfristige Prozesse. Man braucht nicht davon denken. Mir ist doch klar, wenn wir zum Beispiel, Vor eineinhalb Wochen haben wir unser Westin-Jahren-Festival gemacht. Wir bringen da ganz, ganz viele Leute zusammen.

Den Frauenvolleyballverein, den Fußballverein, den Brauereiverein. Ganz viele Leute machen damit. Ich rede mir doch aber nicht ein, jetzt werden die aber alle irgendwas anderes wählen. Das ist doch Quatsch. Sondern im Kleinen kann man noch Akzente setzen, kann man Stimmung prägen. Und wenn man dazu nicht bereit ist und sagt, das ist man zu wenig, dann tschüss.

Mir ist es sozusagen, ich bin nicht bereit, irgendwie aufzugeben, sondern ich habe Bock, da zu kämpfen. und auch für humanistische, demokratische Grundwerte noch einzustehen. Wie lange ich die Kraft dafür noch habe? Keine Ahnung. Vielleicht setze ich mich auch irgendwann auf Instagram und pöbel mir nur von der Seitenlinie, was alle falsch machen.

Vielleicht, ja, aber noch nicht. Ich denke nur, damit man auch nicht so enttäuscht ist, weißt du, wenn ich mir jedes Mal einreden würde und sagen würde, oh Gott, jetzt sind ja Sonntag die Wahlen, jetzt sind ja Sonntag die Wahlen, dann bist du ja nachher irgendwann depressiv, das ist ja schlecht für die Seele.

Man kann nicht in diesen Habitus verfallen, die Welt geht unter, wenn ein Rainer Haselhoff, hier der Chefe von der CDU aus Sachsen-Anhalt, da erzählt, wenn die AfD... Der ehemalige Ministerpräsidentin in Sachsen-Anhalt. Wenn der sagt, oh ja, wenn die AfD an die Macht kommt, dann bin ich hier weg. Was ist das für eine Perspektive? Ja, wenn ich mit den Leuten bei uns rede, mit denen da streite, dann sagen die, was?

So einfach kriegen wir euch weg? Das ist wie der geilste Koks für die der Welt. So nein, da muss man sagen, ey Leute, nein, wir, wir bleiben hier, auch wenn es stürmisch ist. So und das muss man vertreten. Davon bin ich überzeugt. Ganz kurz, Haseloff noch, er hat jetzt gesagt, er bleibt doch, er geht doch nicht und er sei nicht ganz richtig zitiert worden aus dem Zusammenhang. Okay, arg.

Ich will nochmal kurz einwerfen, bevor wir auf die Landtagswahlen kommen. Es wird ja immer viel gesprochen von Problemen in Ostdeutschland und die AfD in Ostdeutschland. Aber wie wir eben richtig gesagt haben, das ist eigentlich ein globales Problem. Ich kenne auch Studien in Frankreich, nur ein Beispiel, die sagen, wenn in den Orten, in denen es noch einen Tabak gibt, das ist diese örtliche kleine Kneipe, wo man Zigaretten kauft, wenn die zumachen, dann steigt der Anteil.

Der Wähler für Rassemblement National. Also es ist überall so. Und Ostdeutschland ist keine besondere Ausnahme, sondern ist eigentlich fast ein europäischer Normalfall aktuell. Ich glaube, es ist kein großer Unterschied zwischen Osten und Westen, sondern der große Unterschied, auch wenn ich mit meiner Band unterwegs bin, wenn ich dieses Buch geschrieben habe und die Leute mich darauf ansprechen, dann merke ich, der große Unterschied ist zwischen Stadt und Land.

Die Leute, mit denen ich rede, die mir schreiben aus dem Saarland oder aus Baden-Württemberg, aus Kleinstädten schreiben, weil wir haben genau die gleichen Widersprüche, die gleichen Fragen. Wie geht man in dieser Zeit um? Wir leben da, wo man sich nicht in irgendwelchen Blasen verziehen kann und wo du sagen kannst, mit denen rede ich nicht, sondern wir leben da, wo man streiten muss.

Professor Monow, Sie haben gesagt, das sei ein globales Problem. Jetzt sind wir aber doch, ich wollte eigentlich erst am Ende drüber sprechen, aber jetzt sind wir ja schon in Jamen. Und Monchi, du hast ja schon erzählt, dass du da ganz viel auch engagierst. Du hast das Festival, du hast den Skatepark eröffnet.

Und du sagst, dass du dort auch jedem Menschen, der dabei sein möchte, der zum Beispiel beim Aufbauen helfen möchte, erstmal die Hand gibst. Ob er AfD wählt oder nicht. Warum hast du dich dafür entschieden? Weil es gibt ja schon auch die Kritik dabei, dass man dadurch auch extreme, rechtsextreme Einstellungen, zum Beispiel die Abwertung von bestimmten Menschengruppen, zum Beispiel Migranten, normalisiert dadurch.

Ja, das ist alles, theoretisch hört sich jetzt bestimmt alles total schlau an. Aber in der Praxis hat das nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Wenn wir unser Dorffest machen, ich sage ja nicht dann zu denen, ach Mensch, ihr Armen, kommt mal alle her und ich finde alles super, was ihr macht. Ich weiß nicht.

Wann hast du das letzte Mal richtig in deinem Alltag mit einer AfDler gestritten? Oder vorm Nazi gestanden? Wahrscheinlich bei mir auf dem Dorf. Ich komme auch vom Dorf. Zwei Monate. Okay, und wie war das so? Tja, wie war das so? Gehört jetzt nicht zu meiner Lieblingsbeschäftigung, aber ich habe trotzdem manchmal den Eindruck, dass sich dann Diskussionen lohnen, zumindest wenn man das Gefühl hat, man kommt da ein bisschen durch.

Aber manchmal hast du das Gefühl eben auch nicht. Ja, total. Dieses Gefühl kenne ich ständig. Also na klar, aber ich kann es mir ja gar nicht aussuchen. Ich lebe da, wo ich mir das nicht aussuchen kann, wo ich rausgehe. Das ist, ich sag mal, die Supermarktverkäuferin, das ist die Tankstellenverkäuferin, das ist, wenn mein Scheißhaus kaputt ist, der Sanitäter, der Sanitärtyp, der kommt.

Und das Thema kommt irgendwie, ist ja nicht, dass die Leute die ganze Zeit über Politik quatschen, aber immer mal wieder. Und wie gesagt, ich rede ja nicht davon, dabei seine Haltung zu verlieren, sondern ich glaube, ich bin noch jemand, der da sein Gesicht hinhält und mit den Leuten streitet. Ich will sagen...

Es geht nicht um Beliebigkeit, es geht nicht, dabei, das schreibe ich auch in diesem Buch, es geht nicht darum, irgendwie seine Haltung zu verlieren, sondern wenn wir das Dorffest machen, dann haben wir da gerade vor einer Woche, haben wir einen der letzten KZ Buchenwald Überlebenden gehabt, André Iwanowitsch, ja, haben Diskussionsrunde mit denen gehabt, wir haben eine Belesung gemacht.

Keine Macht der Unmacht, über den Aufstieg der AfD, wir machen Vorträge über die Seenotrettung, also, ich lebe da, wo ich einen Preis dafür zu bezahlen habe, wo ich dafür angerotzt werde, wenn irgendein. Islamist beim CSD reinfährt, stehen Leute vor mir und rotzen mich an und sagen, du hast Blut an den Händen.

Und trotzdem mache ich das, weil ich daran glaube. Und das heißt nicht mit irgendwelchen Überzeugungsarschlöchern, da brauche ich nicht meine Kraft reinstecken. Auch selbst, wenn ich mit denen mal streite. Aber es gibt einfach auch ganz viele Leute, die sind noch keine überzeugten Nazis. Und da muss man ran und da muss man rein und da muss man kämpfen.

Wenn man dafür nicht brennt, wenn man da aufgibt, dann ist hier alles verloren. Weißt du, wir haben in den letzten Jahren, und ich habe ja auch ganz oft daran geglaubt, Immer wieder wurde gesagt, ja, also das Wählerpotenzial ist erschöpft, das Wählerpotenzial ist erschöpft. Ja, hau mal rein, wo sind wir denn angekommen? Ja, also was für Fehler hat man denn auch selber gemacht?

Ich erzähle dir ein Beispiel beim Westen in Jahren. Wir haben diesmal eine Kids-Crew wieder gehabt und haben gesagt, wenn ihr Bock habt, mit Aufbau zu helfen, dann seid ihr mit am Start, kommt ihr her, ja. Und am Dienstag davor, bevor aufgebaut wurde, hat die AfD eine Kundgebung gemacht bei uns, zwei, drei Minuten entfernt.

Und dann kamen die Kids mit so AfD-Beuteln, einige von denen, mit Aufklebern bei uns an, auf den Platz. Und früher hätte ich denen gesagt, verpiss dich. Und mich selber damit irgendwie dann sagt, ja, ist ja toll, stabil, Monschi. Wir leben in Zeiten, wo die Leute sich einreden, dass es stabil ist, wenn man sich in Blasen begibt.

Ist es aber nicht. Und ich hab denen gesagt, pass auf, wir haben keinen Bock auf den AfD-Kram, wisst ihr, aber wenn ihr heute da seid und morgen wieder da seid, seid ihr Teil der Crew. Und dann waren die bis Samstag da, waren bei den Konzerten, haben mitgeholfen. Vielleicht, und ich rede mir nicht ein, oh, das verändert die Welt, aber vielleicht im Kleinen kann man einen Akzent setzen, vielleicht ist das auch alles Quatsch, vielleicht sollte man das auch alles anders machen, aber das sind Momente, wo ich mich reinversetze als 15, 16-Jähriger Monschi, wo wäre ich denn heute gelandet, in diesen ganzen abgefuckten Zeiten, vielleicht auch nicht eher bei der Woken-Bubble, sondern eher bei so Action-Kids,

die sich angezogen fühlen und von Leuten, die denen erzählen, du bist schon alleine geiler, weil du in Deutschland geboren wurdest. Professor Munur, ich schätze, dass man das aus wissenschaftlicher Sicht durchaus bestätigen kann, dass sich in Blasen verziehen, dass das aber mal gar nichts ändern wird an der Situation.

Das sowieso und was Monti da erzählt, ist im Grunde genommen das, was wir eigentlich auch schon seit Jahren wissen, nämlich dass die AfD es erfolgreich schafft, immer wieder neue Wählerschichten auch anzusprechen. Also das sind einmal die überzeugten Rechtsextremen, die gab es ja schon immer. Wir hatten auch in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg in den 60ern die NPD im Landtag. Sollte man nicht vergessen.

In Bremen war die DVU. Dann hatten wir nach der, in den 2000er Jahren hatten wir DVU in Sachsen-Anhalt, die NPD hier in MV und in Sachsen. Also das gab es immer wieder mal. Die AfD hat die aber alle gesammelt. Das sind sozusagen die Rechtsextreme, sind jetzt alle bei der AfD. Dann kommen die Menschen, die wirklich Probleme mit Migration haben und Migranten ablehnen.

Das sind die einen, die Angst haben, die anderen, die wirklich Rassisten sind. Das ist so auch eine große Gruppe. Und dann gibt es diese große Gruppe, die einfach sich abgehängt fühlt, die sich vernachlässigt fühlt, ganz viel im ländlichen Raum, aber auch... In anderen Gegenden. Und jetzt zuletzt sind es eben die Menschen, die einfach völlig unzufrieden sind mit Parteien, mit Politik, massiver Vertrauensverlust, was die Regierung betrifft.

Und das alles sammelt sich bei der AfD. Und deswegen steigt sie und steigt sie eigentlich permanent an. Und ja, genau, wir haben immer mal vor Jahren als Politikwissenschaftler gesagt, die ist jetzt sozusagen ausmobilisiert. Das habe ich jetzt gerade diese Woche für die letzte bundesweite Umfrage wieder gelesen.

Die seien jetzt ausmobilisiert. Ja, mal schauen, ob sie tatsächlich ausmobilisiert sind, aber sie es nicht doch schaffen, doch wieder neue Menschen zu erreichen. Vor einigen Jahren haben Frauen keine AfD, kaum AfD gewählt. Mittlerweile hat sie in Sachsen-Anhalt auch fast 40 Prozent von Frauen erhalten.

Also sie schaffen es einfach, die Menschen zu sammeln und von sich zu überzeugen. Wir sprechen ja auch immer davon oder versuchen dann zu analysieren, was jemand falsch gemacht hat. Jetzt gibt es ja aktuell jemanden, der offensichtlich auch etwas richtig macht. Und zwar ist das Manuela Schwesig. Da gab es ja einen rasanten Aufholkampf mit der AfD.

Bei 37 Prozent liegt aktuell die AfD also immer noch vorne. Aber SPD hat aufgeholt. Manuela Schwesig ist hier die amtierende Ministerpräsidentin der SPD. Und wenn man sie direkt wählen könnte, dann kämen sie auf knapp 60 Prozent. Warum ist sie hier so beliebt? Also was macht sie richtig? Also erst mal hat sie einfach den Amtsinhaberbonus und ist einfach total bekannt.

Und sie ist auch überall präsent. Sie reist durchs ganze Land, macht immer irgendwelche Bürgerdialoge, ist in den Medien immer präsent. Das ist das eine, dass sie einfach da ist und schon länger da ist. Das ist das, was Sven Schulze in Sachsen-Anhalt einfach gefehlt hat und anderswo. Und dann tritt sie immer auf, als ich bin für die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern da. Ich bin nicht für die SPD da.

Sie legt sich ja auch mit der Bundesregierung, mit der Bundes-SPD an, nimmt andere Positionen ein und das kommt gut an. Also sie sagt, ich vertrete die Interessen der Menschen hier und das nimmt man ihr auch ab. Das sind, glaube ich, zwei ganz, ganz wesentliche Punkte, die für Manuela Schwesig sprechen. Und deswegen haben wir ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Wir haben leider immer noch ungefähr 25 Prozent Unentschlossene. Bei den Umfragen hört man das eher selten, sodass wir tatsächlich aber auch noch nicht wissen, wie es ausgeht am Sonntag. Also es kann in alle möglichen Richtungen gehen. Wir wissen auch noch nicht, welche Parteien überhaupt im Landtag drin sind und welche Mehrheiten dann möglich sind.

Alles noch sehr ungewiss. Aber Emanuela Schwesig ist die mit Abstand beliebteste Politikerin im Land. Und ich denke mal, oh Gott, denn die ist jetzt noch eine halbwegs junge Frau aus Ostdeutschland, charismatisch. Oh Gott, die werden die in die Bundespartei holen und dann geht die hier weg. Oh scheiße, also kurzfristig freue ich mich.

Ja, das ist leider sehr möglich. Und die hätte noch viel mehr Stimmen, wenn nicht dahinter SPD wäre, hundertprozentig. Aber was ist, wenn so eine Leute weg sind? Und ich finde auch, für mich sind das ja sozusagen auch Leute, das meine ich ja auch mit, Es geht mir nicht um pauschales Politiker-Bashing, sondern es gibt hier echt viele Leute, die ich auch kenne, die sich den Arsch aufreißen.

Die, glaube ich, aber nicht mehr das umgerissen kriegen, was Berlin verreist und was dann bitte ist. Ja, hier ist noch zwei Ergänzungen. Also einmal tritt sie auch ganz stark für gute Löhne, Soziales, Wirtschaft und Soziale. Das sind ihre Kompetenzen, das verkörpert sie auch und das nimmt man ihr auch ab.

Und im Wahlkampf wird auch ganz stark auf sie gesetzt. Die SPD macht einen komplett personalisierten Wahlkampf. Auf vielen Wahlplakaten ist nur Manuela Schwesig zu sehen und man muss mit der Lupe oder man findet es gar nicht, das SPD-Logo. Also es ist tatsächlich so, ohne SPD hätte sie vielleicht noch mehr Stimmen und sie wird nicht gleich weggehen, aber wenn sie gewinnt hier, dann ist sie die nächste Kanzlerkandidatin der SPD. Das muss man...

Da würde ich Geld drauf wetten. Wir waren nach der Wende das jüngste Bundesland. Jetzt sind wir mit das Älteste. Was das alles für Fragen bei einem Auftauchen auch im Kopf? Für mich in der Region, ja, ich sage mal zum Beispiel medizinische Versorgung. Meine Mutter ist Zahnärztin, die hat am Tag 60 bis 70 Patienten.

Die würde sich über jeden Zahnarzt, der sich neu ansiedelt, freuen. Das wäre kein Konkurrenz, sondern Entlastung. Und du fragst dich dann, was bedeutet das in den nächsten 10, 15, 20 Jahren? Auf ganz, ganz vielen Ebenen. Und da habe ich schon das Gefühl, dass das ein Mensch ist. Manuela Schwesig, die dafür brennt. Und ich hoffe...

Und die versucht, eine positive Erzählung rüberzubringen. Sie sagt viel über Gemeinschaft. Wir müssen gemeinsam was für das Land machen. Sie erzählt auch viel über die positive wirtschaftliche Entwicklung. Also die Werften sind ausgelastet und hier gibt es jetzt Investitionen für... Heute wird sie bekannt geben, dass über eine Milliarde Auftrag hier in die Werft hier in Warnemünde kommt für Offshore- Windkraftanlagen.

Es soll über 5 Milliarden Investitionen von der Lidl-Schwarzgruppe für ein großes Rechenzentrum nach MV kommen. Das sind positive Erzählungen, die sie einfach da entgegensetzt, um eben nicht in diese Depri-Stimmung zu verfeinern. Ich glaube, das ist was ganz Wichtiges auch für einen selbst. Deswegen meine ich, weißt du, wenn wir hier sitzen, guck mal, wo wir sitzen. Ich denke, ich bin im Paradies geboren worden.

Und natürlich, wenn wir vorhin dieses Thema hatten mit, es gibt hier totale Jammerlappen. Ja, es gibt auch Leute, wenn ich die bei uns erkenne, die stehen mit zwei dicken Kahn vor dem Haus und fahren auch in Urlaub und heulen rum, als wenn sie hier im Kriegsgebiet leben. Also heult leise. Aber es gibt natürlich auch, sind wir gleichzeitig das Bundesland.

Mit dem geringsten Einkommen. Also wir sind ein Bundesland mit zwei Gesichtern. Ich denke aber auch, und das ist ganz, ganz wichtig, man muss diese positiven Geschichten erzählen, denn ganz viele Leute lieben es ja auch hier zu leben. Ja, wir wollen hier nicht weg und es passieren ja auch ganz viele tolle Sachen und das zu wertschätzen...

Wusste ich auch nicht immer. Ich habe gedacht, Demokratie, das ist das Selbstverständlichste der Welt. Wenn meine Eltern mir nach der Wende erzählt haben, ja, wie geil und dann konnten sie reisen, habe ich doch immer gedacht, das ist alles normal. Aber es ist alles keine Selbstverständlichkeit und wenn man irgendwie das so halbwegs dabei behalten will, dann muss man nicht schon auch selber den Arsch hochbekommen und sich nicht nur auf die Parteien verlassen.

Christian, du warst ja hier schon eine Weile unterwegs und hast auch gedreht. Was war da so dein Eindruck? Hast du auch diese positiven Geschichten? Hast du die erlebt? Hast du die gesehen? Also ich glaube, es stimmt schon sehr, dass diese Diskrepanz krass da ist. Das Bundesland ist wunderschön. Da würde, glaube ich, jeder unterschreiben.

Deswegen machen ja auch so viele Leute hier Urlaub. Es muss ja einen Grund dafür geben. Und obwohl die Preise echt sehr hoch sind, finde ich an der Küste. Also unfassbar hoch geradezu. Aber ihr seid auch in Wannemünde. Das ist hier der High-Society-Spot. Also in Jahren kriegt ihr schon wirklich... Sie waren noch beim Bäcker und haben geschwärmt, wie billig das Brötchen war.

Das ist richtig. Es war eigentlich kein Brötchen, sondern es war so ein wahnsinnig leckerer, das nannte sich Obstbecher. Der hatte aber nur in der obersten Schicht ein ganz bisschen Obst und danach kam Sahne, Sahne und nochmal Sahne. War aber unfassbar lecker und war auch echt preiswert. Aber nochmal zurück zur Schönheit auf jeden Fall. Es gibt auch in Jamenecken, die wirklich wunderschön sind.

Wir waren auf der Peene unterwegs mit deinem Boot und es ist jetzt nicht der, ich sag mal, der irrste Fluss der Erde, aber es ist der Amazonas des Nordens, sagt dein Vater offensichtlich immer. Und ein bisschen kann man das nachvollziehen. Es hat so ein Romantico-Feeling plötzlich. Und trotzdem spürt man aber auch, es ist wahnsinnig viel Leerstand.

Und da sind wir auch wieder beim Problem, das ist ja nicht Mecklenburg-Vorpommern, das haben wir überall. Und ich komme nochmal zurück auf das, was Sie vorhin gesagt haben, wenn der Tabakladen in Frankreich zumacht, steigt die Attraktivität von extremen Parteien in diesem Ort. Ich glaube, das ist essentiell. Und ich habe das mit dir auch schon tausendmal besprochen.

Die kleine Bar in Italien, wo man für einen Euro sein Espresso bekommt und dann kommen die Leute siebenmal am Tag rein, schnacken mal kurz, quatschen und haben sowas wie eine Gemeinschaft. In Jarmen schwierig, weil man läuft durch Straßen, Straßen, wo überall steht, geschlossen, zu vermieten. Hier war mal was, hier war mal was, aber hier ist nichts mehr.

Und ich glaube, das ist das, was... Am Ende dann auch zu dieser Stimmung beiträgt, zumindest die wir überall spüren, die man in Jamen spürt, in Warnemünde spürt, in Sachsen-Anhalt spürt, aber eben auch, und das würde ich total unterschreiben, die spüren wir in Rheinland-Pfalz, in Hessen und in Bayern.

Es ist kein Ost-West-Geschichte, sondern es ist das Gefühl, dass sich etwas total ändert und dass das etwas macht mit uns und dass das nicht gut für uns ist. Aber es ist auch nicht komplett abgehängtes Hinterland, sondern wenn man da durchfährt, das ist ein schöner Ort. Es ist zwei Minuten zum See, zwei Minuten zum Fluss und es gibt auch Geschäftseröffnungen.

Ja, ich meine, es gibt so viele Geschäftseröffnungen, aber dass unser Bürgermeister immer zu jeder Geschäftseröffnung hingeht und Blumen bringt. Das ist was Schönes, aber es steht natürlich auch dafür, dass es nicht andauernd sind. Er hat noch Zeit für die Blumen. Genau, aber ich will nur sagen. Für mich ist das nicht dem Untergang geweiht, sondern man muss dafür kämpfen.

Das ist glaube ich wirklich was für mich ganz ganz wichtiges, weil natürlich, ich meine Internet und sowas ist die Hölle und natürlich die ganzen Leute bestellen bei Amazon, okay wie sollen diese Läden denn da halten? Unser Schuhhaus Sorge, Peter, den gibt es noch, weil er da die Postpakete annehmen kann und so ein Kram alles.

Also diese Fragen, die werden in den nächsten Jahren, Jahrzehnten an allen Orten, in Europa, der Welt, wie auch immer, meines Erachtens nach, aufkommen und dafür Antworten zu finden, das wäre was Tolles. Wenn ihr zum Beispiel über diese Bar sprechen, mein Traum ist es, wir sind ja da Boot gefahren und ich habe ja gesagt, da ist die alte Mühle.

Das war der größte Arbeitgeber mit in Jam, die ist geschlossen worden. Nach 113 Jahren und die Leute waren völlig deprimiert, haben versucht eine Bürgerinitiative aufzubauen, waren ohnmächtig, haben es leider nicht geschafft. Und ich fand da immer dieser krasse Kontrast, der wunderschöne See, die leerstehende Mühle. Und ich denke immer, Alter, da ein Kulturraum, da eine Hafenkneipe.

Weil wenn du was machst, also ein Kampfsportstudio, mir ganz egal, irgendwie das mit Leben füllen, wenn hier irgendein Millionär zuhört. Ich schwöre dir, wir werden Leute in Jam finden, die dieses Ding zum Glühen bringen. Ja, das meine ich nur. Vielleicht darf ich da nochmal reingrätschen. Sind Sie Millionär?

Leider nein, leider nein. Also so viel verdient Universitätsprofessoren auch nicht. Ich habe Kinder, die studieren. Ich finanziere x Wohnungen in Deutschland sozusagen. Da bleibt gar nicht mehr viel übrig, auch nicht von einem Professorengehalt. Das gar nicht so hoch ist, wie viele Leute denken. Aber das ist ein anderes Thema.

Nee, ich wollte zwei Sachen sagen. Also einmal kann ich mich erinnern, bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz hat die SPD Wahlwerbung gemacht mit Dorfkneipen erhalten. Viel zu spät, weil sie ja 30 Jahre lang in Rheinland-Pfalz regiert. Und dann macht man mit sowas Wahlwerbung, wenn eigentlich alles schon dicht macht.

Und zweitens, und dann haben wir die AfD, die sagt, ja, wir haben eine Lösung für alles. Also irgendwie, mit uns wird alles besser, so wie früher alles schön war und deswegen wählt uns. Und da fragt dann auch keiner danach, wie wollen die das dann wirklich hinkriegen? Weil das haben sie auch nicht. Ich würde gerne, können wir noch eine Sache, weil das finde ich total wichtig. Eine Sache kurz besprechen, dass wir ein bisschen nochmal von Mecklenburg-Vorpommern auf die große weite Welt gucken. Es ist ja hier auch eine Hafenstadt, in der wir hier sind.

Sie haben gesagt, die Demokratie wird von immer mehr Menschen als, ja, weiß ich nicht, was ist das eigentlich? Kein Problemlöser mehr. Kein Problemlöser mehr gesehen. Das ist ja ein riesiges Problem für die Demokratie und irgendwie auch für uns alle, für eine Gesellschaft, eine freie, offene Gesellschaft.

Was kommt denn dann? Also wenn die Parteien, die aktuellen, die wir haben, von immer mehr Menschen offensichtlich nicht mehr als die Lösung gesehen werden, haben wir da etwas zu erwarten wie so eine revolutionäre Bewegung? Oder wird es so sein wie in manchen anderen europäischen Staaten, wo die alten Parteien ja abgelöst worden sind und neue Parteien gegründet wurden?

Ist das so eine Geschichte, die auch in Deutschland kommt? Werden wir neue Parteien erleben mit neuen, keine Ahnung, ganz neuer Agenda und auch neuen Menschen, die dann im Vordergrund stehen? Um es auf den Punkt zu bringen, wir sehen weltweit den Aufstieg der extremen Rechten von Rechtspopulisten, die vor allen Dingen charismatische, starke Führungspersönlichkeiten in den Vordergrund stellen wollen.

Ob Donald Trump eine charismatische Führungspersönlichkeit ist, wage ich zu bezweifeln. Aber es geht darum, einen starken Führer. Das ist das, was sich viele wünschen. Das sehen wir in ganz Lateinamerika sind jetzt mittlerweile rechte, extrem rechte Präsidenten gewählt worden. Wir haben Modi in Indien.

Wir hatten hier eben Viktor Orban, der lange Jahre in Ungarn regiert hat. Das gibt dann aber auch ein bisschen Hoffnung. Ungarn als Beispiel, da ist er wieder abgewählt worden. Also es ist jetzt kein Determinismus, dass das immer in diese Richtung geht. Vielleicht sind das Wellenbewegungen und jetzt sind die Menschen gesättigt und Demokratie nehmen sie als selbstverständlich wahr, wie Monchi sagte.

Ja, das wird gar nicht mehr wahrgenommen, was das für eine tolle Sache ist, dass man hier überall reisen kann, dass man seinen Mund aufmachen kann, ohne dass man ins Gefängnis gesteckt wird, dass man wählen kann überhaupt, dass man mitmachen kann. Das ist für die völlig belanglos, das interessiert viele Menschen nicht mehr und sie wollen lieber einen starken Mann, der sagt, wo es lang geht.

Bevor wir jetzt gleich über einen Wechsel des Parteiensystems oder gar der Staatsform sprechen, nochmal eine Miniklammer zum Anfang, haben wir am Sonntag, sollte es eine weitere krachende Niederlage für die CDU geben. Haben wir da noch denselben Bundeskanzler, Professor Muno? Ja, wie ich auch quasi die ganze Zeit sagte, es braucht eine Alternative und aktuell will das ja niemand machen.

Das ist ja wohl im Moment nicht so der beliebteste Job in Deutschland, Bundeskanzler. Und ja, wenn Wüst und die anderen, die in Frage kämen, eigentlich nur Wüst und Söder im Grunde genommen. Wenn beide auf jeden Fall sagen, nein, dann ist das jetzt erst mal nicht in Sicht, würde ich sagen. Dann haben wir einen angeschlagenen Bundeskanzler, der aber weitermachen wird und dass man ihn dann abwählt. Aber es wird massive Diskussionen innerhalb der CDU geben.

Sollen wir die Brandmauer aufrechterhalten oder wie sollen wir doch mit der AfD zusammenarbeiten? Das wird ganz deutlich zunehmen, auf jeden Fall. Ich frage mich immer, was der so, also wie gesagt, ich finde auch echt ganz viele politische Sachen richtig schrecklich, was der auch gebracht hat jetzt. Und Versprechen gebrochen hat etc.

Aber ich frage mich immer wirklich auf so einer ganz menschlichen Ebene, wenn der so mit seinen Leuten sitzt, vielleicht seinen engsten Freund oder so, seine Frau sitzt. Sitzt der und denkt, ja, das kriege ich wirklich noch umgerissen. Kriege ich das wirklich noch umgerissen? Das so wisst ihr. Aber manchmal ist das so Realitätsverleugnung.

Also ein Kollege hat mir mal erzählt, der hat einen Vortrag gehalten vor Politikern und sagte dann, der beschäftigt sich mit Jugend und Politik und sagt, viele junge Männer vor allen Dingen, aber viele junge Menschen, da ist die AfD mittlerweile stärkste Partei. Und dann sagte da eine Politikerin von der CDU, oh nee, das glaubt sie nicht, weil sie kennt so ganz viele junge Leute, die in der Jungen Union sind.

Und dann sagte mein Kollege, ja, das sind Zahlen, Fakten. Harte Daten, das stimmt so. Und sie, nee, das glaube ich aber nicht. Und trotzdem kann man den Job als Kanzler nicht machen, wenn man sagt, ich habe irgendwie aufgegeben. Ich glaube, dazu ist er zu hart. Eins muss er festhalten, das ist kein Job, den man mal eben so nebenbei macht.

Das ist auf jeden Fall allein von der Arbeitsbelastung, von dem, jetzt mal gar nicht inhaltlich gesprochen, sondern alleine von den Stunden, die man da reinbuttern muss, von dem wenigen Schlaf, den man bekommt. Jemand Schlaues hat mal gesagt, die wichtigste Voraussetzung, um Spitzenpolitiker zu werden, ist, dass man mit drei Stunden Schlaf über die Runden kommt pro Nacht.

Wenn man das nicht schafft, dann kann man es vergessen. Man muss sich über den Tag immer wieder so 15 Minuten Schläfchen holen. Insofern glaube ich, wenn man sich selbst aufgegeben hat und den Glauben daran aufgegeben hat, dass man es noch irgendwie reißen kann, wird es wahnsinnig eng. Auf jeden Fall definitiv kein Job für mich, was Schlaf.

Es gab heute sehr viel zu besprechen. Es wird auch nach Sonntag viel zu besprechen geben, wenn nicht sogar noch mehr. Noch ein kleiner Hinweis auf die Wahlberichterstattung. Ab 17.30 Uhr kann man sich das live im ZDF anschauen aus dem Wahlstudio in Schwerin. Und an der Stelle sage ich herzlichen Dank an die Runde Jan Gorkow, besser bekannt als Monschi, Sänger der Feine Sahne, äh, der Band Feine Sahne, nicht Sänger der Feinen Sahne, Sänger der Band Feine Sahne Fischfilet und Autor und an Wolfgang Munow, Politikwissenschaftler von der Uni Rostock und natürlich auch an dich, Christian. Danke dir, Helene.

Vielen Dank und dir noch eine gute Sendung heute Abend und an alle da draußen herzlichen Dank fürs Zuhören oder fürs Zuschauen. Wir freuen uns total, wenn euch das gefallen hat, wenn ihr uns weiterempfehlt, uns abonniert, uns ein Like dalasst oder auch Feedback schickt an heutejournal-podcast.rzdf.de oder als Kommentar.

Danke und bis nächste Woche.

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