
heute journal - der Podcast· Folge 86
Wohnen unbezahlbar: Muss der Staat mehr eingreifen? Mit Christine Hanneman und Maxim Winkler
Donnerstag, 24. September 2026 · 42 min
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Shownotes
Teure Mieten und knappe Wohnungen werden für immer mehr Menschen zum Problem. Gerade in Großstädten wie München haben die Mietpreise in den vergangenen Jahren stark angezogen. Parallel klettern die Baukosten für Eigenheime in die Höhe.
Eine große Rolle spielte das Thema zuletzt bei der Landtagswahl in Berlin. Dort wurde die Linke mit Abstand stärkste Kraft. Im Wahlkampf hatte die Partei unter anderem dafür geworben, große Wohnungskonzerne zu vergesellschaften.
Doch würden Mieten dadurch wirklich sinken? Welche Rolle sollte der Staat auf dem Haus- und Wohnungsmarkt spielen? Und was machen andere Länder besser?
Darüber sprechen Host Helene Reiner und heute journal-Moderatorin Marietta Slomka mit Christine Hannemann, Professorin für Architektur- und Wohnsoziologie an der Universität Stuttgart, und dem Architekten und Baufluencer Maxim Winkler ("bauherr_werden").
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Team:
CvD (ZDF): Erik Illenseer
Host: Helene Reiner
Mod: Marietta Slomka
Autorin: Esther Stephan
Redaktion: Christoph Wiesel-Lancé
Factchecking: Iris Schwarz, Julia Maas
Redaktion Pool Artists: Julia Illmer, Jan Schulze
Ton: Ralf Schönwiese
Kamera: Jonas De Lunardo
Weitere Links zum Thema:
zdfheute.de: Mieten: So haben sich die Preise in Ihrer Region entwickelt (zdfheute-stories-scroll.zdf.de/mietpreise-entw…)
zdfheute.de: Wohnungen in Berlin vergesellschaften: Was die Linke plant (zdfheute.de/politik/deutschland/linke-enteignu…)
zdfheute.de: Wie sich der Wohnungsbau in Deutschland ankurbeln lässt (zdfheute.de/wirtschaft/wohnungsbau-deutschland…)
zdfheute.de: Berlin-Wahl: Alle Ergebnisse in Grafiken (zdfheute.de/politik/deutschland/wahl-berlin-20…)
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Steigende Mieten, zu wenig Wohnungen und unfassbar viel Frust. Für viele Menschen ist Wohnen zu einem echten Problem geworden, wenn nicht sogar zum Luxusgut. Die Linke möchte deshalb große Wohnungskonzerne vergesellschaften und hat mit diesem Plan gerade sehr deutlich eine Wahl gewonnen. Wir wollen wissen, kann das die Mieten senken und ist der Staat wirklich der bessere Vermieter?
Außerdem blicken wir auf die Wohnsituation auf dem Land und fragen, warum Bauen auch dort so teuer ist und was andere Länder eigentlich besser machen, in denen Menschen sehr viel weniger fürs Wohnen ausgeben müssen. Damit sage ich herzlich willkommen zum Heute-Journal-Podcast. Und wir können heute in einer interessanten Runde über dieses Thema sprechen.
Mit dabei, uns zugeschaltet aus Berlin, ist Professor Christine Hannemann. Sie ist Soziologin und Wohnforscherin, leitet an der Uni Stuttgart das Fachgebiet Architektur und Wohnsoziologie. Sie beschäftigt sich unter anderem mit dem Wandel des Wohnens und sagt, es gäbe eigentlich nicht zu wenig Wohnraum, er sei nur nicht gerecht verteilt.
Herzlich willkommen, Professor Hannemann. Ja, guten Tag. Außerdem hat uns hier im Studio besucht, das ist auch immer was Besonderes, Maxim Winkler. Er ist Architekt, gibt auf Social Media unter dem Namen Bauherr werden Tipps an Leute, die selbst ein Haus bauen wollen. Und er sagt, dafür, dass Menschen heute weniger Eigentum besitzen, seien nicht nur Politik, Banken oder der Immobilienmarkt verantwortlich.
Hallo Herr Winkler, schön, dass das geklappt hat und herzlich willkommen. Danke, dass ich das so erinnere. Und natürlich mir gegenüber sitzt auch wieder Marietta Slomka, Moderatorin des Heute-Journals. Hi Marietta. Hallo. Heute ist der 24. September, 14 Uhr. Wir schreiben sozusagen die Woche nach dem Wahlsonntag.
Es war ja Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, aber auch die Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin. Und dort ist die Linke mit Abstand stärkste Kraft geworden. Und zwar mit einem Schlagwort im Wahlkampf, das auch über Berlin hinaus ja für viel Aufregung gesorgt hat. Und zwar Vergesellschaftungen von großen Wohnkonzernen.
Marietta, warum klingeln dabei eigentlich so viele Alarmglocken? Weil es gibt ja im Grundgesetz einen Artikel, der das eigentlich erlaubt, Grund und Boden zu vergesellschaften, also in Gemeinwohl zu überführen. Ja, der steht da, aber der ist noch nie gezogen worden, seitdem er da steht. Also was es gibt und auch häufig gibt, sind diese klassischen Enteignungen, dass jemand ein Stück Land verkaufen muss an den Staat, damit dann zum Beispiel Gleise gebaut werden oder eine Autobahn gebaut werden können.
Und dann gibt es aber auch einen Marktentschädigung. Man muss es aber halt dann in dem Moment an den Staat verkaufen. Aber Vergesellschaftung, dass also eine ganze Branche, ganze Unternehmen ins Kollektiv überführt werden, das haben wir jetzt so in den letzten Jahrzehnten nicht gehabt. Wie sich konkret das Die Linke vorstellt, ist, dass Unternehmen mit mehr als 3000 Wohnungen in eine Anstalt öffentlichen Rechts überführt werden sollen.
Die diese Wohnung dann verwalten und vermieten könnte. Das heißt, die wandeln aus der privaten Hand in die staatliche Hand und das beträfe in Berlin ganz schön viele Wohnungen, fast eine Viertelmillion wären das. Wichtig dabei ist und das ist auch in diesem Artikel im Grundgesetz ja vorgesehen, dass die Konzerne entschädigt werden müssen. Ja, aber nicht unbedingt zum Marktpreis.
Sondern die Linke stellt sich das so vor, dass das deutlich weniger ist, weil eben im Grundgesetz nicht steht, wie hoch der Preis zu sein hat. Und dass sie das dann über 100 Jahre mit Krediten finanzieren kann durch die Mieteinnahmen. Ob die Rechnung aufgeht, darüber reden wir gleich bestimmt noch etwas intensiver.
Aber das ist so die Vorstellung und dass die Konzerne im Grunde genommen nur einen Bruchteil dessen bekommen, was, Sie bekämen, wenn sie die Wohnungen auf dem Markt ganz normal verkaufen würden. Professor Hannemann, wie sehen Sie das für Gesellschaftung? Ist das eine Maßnahme, die Mietern und Mieterinnen helfen könnten, die hohe Mieten senken könnte?
Ja, das ist natürlich die Kernfrage und meine Antwort darauf ist leider ein klares soziologisches Ja hin, weil ich bin natürlich da sehr begeistert. Ich finde es sehr spannend, dass sich jetzt endlich auch in dieser Dimension um das Wohnen gekümmert wird. Aber ob diese geplante Strategie, wo wir ja alle noch nicht wissen, wie es ganz konkret aussehen wird, ob die dann wirklich zu einer veränderten Marktsituation führen wird, das ist ja ein Experiment.
Und insofern, wie gesagt, eine sehr spannende Sache. Und dass das jetzt auf der Ebene der Vergesellschaftung diskutiert werden muss, ist für mich natürlich auch ein Preis der Tatsache, dass dieses Thema, nur einer Partei überlassen wird und nicht als Thema behandelt wird, was eigentlich alle Parteien sehr interessieren müsste, weil Wohnen ist unsere Existenzdaseinsform.
Und das nur den Marktkräften zu überlassen, halte ich dann doch für sehr problematisch. Das ist übrigens auch nichts Neues als Thema, sondern wie gut gewohnt werden kann, das wird ja schon immer diskutiert, seitdem darüber verhandelt wird. Wie Wohnen gestaltet wird. Und das ist mit der Industrialisierung in Deutschland ist das zum Thema geworden.
Und über die Geschichte gibt es ja da auch viele Beispiele, wie damit umgegangen werden kann. Also ich finde, dass die Vergesellschaftung jetzt diskutiert wird, finde ich hervorragend in der Form, dass sie zum einen eine Aufmerksamkeit bekommt und damit eben auch wirklich an Lösungsansätzen gearbeitet wird.
Also ein Argument ist ja auch, dass man sagt, Wohnen ist jetzt nicht irgendein Gut wie Fahrrad, sich ein Fahrrad oder ein Auto kaufen, sondern das macht ganz viel mit deinem Leben und das ist auch städtebaulich und in der Prägung von Stadtvierteln ganz wichtig. Und da haben Politik und Staat auch eine Verantwortung, das zu steuern.
Man hat ja zum Beispiel auch öffentliche Schwimmbäder, die sind dann sehr einfach. Das ist dann nicht der Wellness-Tempel, für den muss man dann private Investoren haben und auch sehr viel mehr Eintritt zahlen. Aber auch da sagt der Staat, sowas stellen wir zur Verfügung. Und wenn man nach Berlin schaut, was sind denn, also das ist ja auch hier für unsere Architekten hier in unserer Runde auch ein Thema, wenn man nach Berlin schaut, was dann in den 20er Jahren für ein toller sozialer Wohnungsbau gemacht wurde. Bruno Taut und andere, die Hufeisensiedlung, Siemensstadt.
Total coole Architektur, neues Bauen und kommunale Bauherren, die dann eben auch Mietpreisbindungen gemacht haben. Nur das, was jetzt die Linke in Berlin will, ist ja nicht neue Wohnungen schaffen, sondern Wohnungen, die es schon gibt, kaufen und hoffen, dass man dann irgendwie das finanziert kriegt. Und da bin ich ehrlich gesagt sehr skeptisch.
Naja, das Problem ist ja, dass wie zum Beispiel die, es geht ja immer um die ortsüblichen Mieten. Und da hat die Linke ja ein Argument, Wenn ich die Mieten reguliere, dann kann ich die Neuvermietung nicht mit den hohen Preisen ansetzen, weil dann die ortsüblichen Mieten nicht so weit steigen, so wie es aktuell der Fall ist. Und das ist ja eben auch das Ziel.
Wie gesagt, ich bin da auch skeptisch, aber ich finde es gut, dass es diskutiert wird und dass diese Vergesellschaftungsmöglichkeit im Grundgesetz steht. Im Paragraf 15 ist ja auch eine Sache, wie Sie auch gesagt haben, das wurde noch nie gezogen, aber es ist eine Möglichkeit, die die... Väter und die eine Mutter des Grundgesetzes vorgesehen haben und insofern finde ich das gut, dass man das diskutiert.
Man muss ja dazu sagen, fairerweise, bei den Wohnungen, die durchschnittlichen Quadratmeter Mietpreise von der deutschen Wohnung oder so, die sind jetzt nicht irgendwie exorbitant hoch. Das sind ja auch keine, sage ich mal, jetzt hochwertigen Luxusgebäude. Nein, das sind ganz normale Standardwohnungen, die teilweise auch nicht mehr den neuen Anforderungen an Hitzeschutz und so weiter entsprechen.
Aber überhaupt dieses Thema der Wohnkosten, der Mieten. Und es ist ja so, dass eben die Hälfte der Menschen in Deutschland eben auch in Miete wohnt. Und dass es ein Problem ist, das überhaupt anzuerkennen und zu diskutieren. Das finde ich natürlich hervorragend. Ich denke auch, dass man darüber diskutieren sollte. Aber ich finde, diese Diskussion geht in eine falsche Richtung.
Also wir diskutieren da über Enteignungen. Und das Signal, was an Investoren dann rausgeht, das ist das, was gefährlich macht. Weil wenn wir dann die Signale rausschicken, in Berlin kann nicht mehr investiert werden. Also die Großen werden dann nicht mehr bauen wollen, weil die sagen, das ist uns zu unsicher. Aber die Großen bauen doch seit Jahren nicht.
Es werden nur Luxuswohnungen gebaut oder Wohnungen mit über 20 Euro der Quadratmeter. Also wenn was gebaut wird, dann ist es ja so, dass es nicht für die Menschen vor Ort ist. In Berlin wird schon auch anderes gebaut. Da gibt es ja auch Baugemeinschaften, Private. Ja, in den letzten Jahren hat sich was...
Das Problem ist halt, dass die Grundstückspreise so hoch sind und der Staat ja auch am Verkauf von staatlichen Grundstücken sich finanziert hat. Und wenn ein Grundstückspreis irrsinnig hoch ist, dann kann man eben auch nicht für 5 Euro den Quadratmeter bauen. Das kriegt man nicht hin. Oder dass in Berlin eben Genossenschaften zum Beispiel keine oder zu wenig Fläche bekommen, um zu bauen, die ja per se günstige Mieten anbieten wollen.
Aber die ganzen Neubauten oder die vielen, vielen Neubauten, die in den letzten Jahren entstanden sind, ist ja alles hochpreisiger Wohnungsbau überwiegend. Und erst in der letzten Zeit... Seit fünf Jahren wird eben auch stärker darauf geachtet, aber da hat sich natürlich was aufgestaut in den letzten Jahrzehnten. Ja, das ist wahrscheinlich auch das Problem.
Wenn wir jetzt in unsere Nachbarländer reinschauen, wie zum Beispiel nach Wien. Die haben eine ganz lange Tradition vom sozialen Wohnungsbau und haben da in den letzten Jahren schon reihenweise investiert und auch gefördert. Und diese Förderung hat man halt die letzten vielleicht 20 Jahre eben nicht gehabt oder 25 Jahre und fängt jetzt vielleicht damit an. Aber die Auswirkungen, die spürt man halt immer später. Das heißt, das ist ein Langzeitplan, den man natürlich angehen muss.
Aber nicht der einzige Weg, den man halt einsteigen kann. Und damit kann man ja auch die nicht nur private Investoren, die auch für viel Wohnraum sorgen, also die ganzen Sechsfamilienhäuser, Zehnfamilienhäuser, die von Privatinvestoren gebaut werden, die sind auch viel wert. Aber auch die großen, die halt die großen Siedlungen bauen dann, für die kann es auch natürlich schöne Anreize geben, wenn man hier den sozialen Wohnungsbau auch stärkt. Man hätte ja auch noch Flächen. Also Berlin hat durchaus Flächen.
Dazu muss man noch nicht mal das ganze Tempelhofer Feld bedauen. Aber ich wollte jetzt nicht über das Tempelfurhof auf Feld reden. Es gibt sehr viele andere Flächen. Also ich versuche bis hierhin noch mal ganz kurz zusammenfassen. Herr Winkler, Sie hatten auch angesprochen das Signal, was da rausgeht an Investoren.
Das ist auch ein Punkt, den Friedrich Merz bei dieser Debatte genannt hat. Er hat sozusagen versichern wollen, in Deutschland besteht nicht die Gefahr, dass privates Eigentum vergesellschaftet wird. Hat deswegen auch vorgeschlagen. Es gibt den Vorstoß, eventuell mit einem Bundesgesetz gegen diese Pläne vorzugehen. Da ist auch noch nicht so ganz sicher, wie das oder ob das umgesetzt werden kann.
Wenn man sich die Stimmen von Ökonomen, Ökonominnen anschaut, dann gibt es da auch viele, die nicht viel, wie man sich vielleicht vorstellen kann, von dieser Idee halten. Marcel Fratscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sagt zum Beispiel, die Mieten könnten weiter steigen, weil eben die Kosten für die Entschädigung zu hoch seien.
Es gibt aber auch Gegenstimmen, zum Beispiel von Tom Krebs, einem Ökonom von der Uni Mannheim, der sagt, dass Neubau und Instrumente wie die Mietpreisbremse eben nicht ausreichen würden, um die Wohnungskrise schnell in den Griff zu kriegen. Es geht ihm da vor allem darum, dass eben Menschen mit kleinem Einkommen nicht verdrängt werden.
Bei den Signalen kommt ja hinzu, dass Berlin schon zum zweiten Mal jetzt so ein Signal schickt. Weil es gab ja auch diesen Mietpreistreckel 2020, der zum Teil zu ganz absurden Ergebnissen führte. Also dass in Luxuswohnungen die Mieter sich kaputt lachten, weil sie nur noch einen Bruchteil zahlten. Und an anderer Stelle Vermieter, private Vermieter, die immer noch die größte Anzahl an Vermietern in Deutschland sind, auch in Berlin, die vielleicht ein oder zwei Wohnungen haben oder von mir aus auch drei Wohnungen als private Altersvorsorge, dass die dann plötzlich ihren Rechnungen mit den Krediten, die sie jetzt gleichzeitig laufen hatten, nicht mehr aufgingen.
Und ich kann mich insinnen, dass da damals einige sagten, also in Berlin brauchen wir keine Wohnungen mehr kaufen. Das ist nicht ganz unheikel, wenn man so ein Signal setzt. Ja, ich kann mich aber auch erinnern an eine große Schwarmrecherche erinnern vom Recherchezentrum Korrektiv. Da konnte man auch als Bürger selber mitmachen und Daten schicken, wem gehört die Wohnung, in der man lebt, zur Miete.
Und bei der Recherche kam raus, dass viele Städte gar nicht wissen, wem diese vielen Immobilien eigentlich gehören. Und in Berlin, da gehören laut Korrektiv über 3000 Wohnungen einer britischen Milliardärsfamilie, die dann so ein Geflecht an Briefkastenfirmen gegründet hat, um ihre Identität zu verschleiern, nebenbei noch Steuern zu sparen.
Also das ist dann das Signal an die Investoren oder möchte man solche Investoren überhaupt haben? Berlin hat Wohnungen verkauft, noch und nöcher. Auch Wohnungen, die in kommunalem Eigentum waren. Das hätte man natürlich eigentlich nicht tun dürfen. Und das war dieselbe Partei. Es war übrigens auch die Linkspartei dabei.
Das war auch die Zeit von Wovereit, Sparen bis es quietscht und von Sarrazin. Und die haben wirklich das Tafelsilber verscherbelt, muss man sagen. Und da haben natürlich Konzerne zugegriffen und sich eine goldene Nase mitverdient. Ja, haben die. Zu Spottpreisen. Aber das Angebot lag ja auf dem Tisch. Aber jetzt geht es ja darum, das Verhältnis der Wohnkosten, und es sind ja nicht nur die Mieten.
Also ich weiß nicht, ob Sie das auch in Ihrer Recherche dabei haben, Jetzt als Beispiel, Berlin ist die Hauptstadt der Nebenkosten beim Wohnen. Es geht ja generell darum, wie viel Geld im Verhältnis zu meinem Einkommen ich für das Wohnen ausgeben muss. Und diese Proportion ist in Berlin ungewöhnlich disproportional.
Das heißt, einfache Sache, umso kleiner die Einkommen, umso höher die Mietbelastung. Und da gibt es eben auch die Studien, die davon bis zu 70 Prozent sprechen, dass die Menschen dafür praktisch ihre finanziellen Aufwendungen haben. Und das finde ich schon problematisch. Und das kumuliert jetzt alles in dieser Vergesellschaftungsdiskussion.
Die natürlich, das nehme ich ja auch wahr, ich arbeite ja an der Uni Stuttgart, gerade in Süddeutschland, huch, da wird jetzt enteignet und so weiter. Ich sehe das noch nicht in der Form. Ich bin da auch gespannt. Und jetzt ist ja auch erstmal relevant, wie sich die Regierungsbildung in Berlin vollziehen wird, welche Konstellation dann letztendlich zum Tragen kommt und dann die Umsetzung.
Und wie gesagt, der zentrale Punkt für mich ist, dass jetzt endlich darüber diskutiert wird, dass den Anteil meines Einkommens, das ich fürs Wohnen ausgeben muss, und der steigt ja seit Jahren. Also das zeigen ja alle Statistiken, dass das eine bestimmte Grenze braucht. Professor Hannemann, Sie haben gerade ein gutes Stichwort genannt.
Wir wollen nämlich nicht nur die Kosten für Miete, die gestiegenen Kosten für Miete uns anschauen und auch nicht nur die Situation in der Stadt, sondern auch auf dem Land. Und da haben deswegen unsere Kollegin ZDF-Nachrichtenlegende Gundula Gause gebeten, sich das nochmal genauer für uns anzuschauen.
Mehr als jeder zweite Deutsche wohnt zur Miete. Und die Mieten sind in den letzten Jahren vielerorts gestiegen. Vor allem in Städten haben sie stark angezogen. Immer mehr deutsche Mieterhaushalte, inzwischen ein Sechstel, gelten laut einer Studie im Auftrag des Deutschen Mieterbundes als überlastet. Das bedeutet, sie geben 40 Prozent oder mehr ihres Einkommens im Monat fürs Wohnen aus.
Vor gut zehn Jahren kostete der Quadratmeter in Deutschland im Schnitt ungefähr 5 Euro Miete. Heute liegt er bei über 7 Euro. Besonders teuer die großen Städte. In München zum Beispiel liegen die Mieten schon bei mehr als 16 Euro für neue Mieter einer Bestandsimmobilie. Ganz anders sieht es auf dem Land aus. In manchen Kreisen in Ostdeutschland kostet der Quadratmeter noch immer circa 6 Euro.
Die Lücke zwischen Stadt und Land klafft also ziemlich auseinander. Aber nicht nur Mieten werden teurer, sondern auch Eigenheime. Seit 2004 haben sich die Preise für Bauland mehr als verdoppelt. Extrem ist die Entwicklung in Ballungsräumen. Am teuersten wieder München. Hier zahlt man das bis zu 14-fache für den Quadratmeter im Vergleich zum Rest Deutschlands.
Auch die Baukosten haben kräftig zugelegt. Die Preise für Wohnhäuser sind seit 2010 um fast 90% gestiegen. Ein eigenes Haus ist also an allen Ecken teurer geworden. Genau wie die Mieten in Großstädten. Die Preise sind für Wohnhäuser seit 2010 um fast 90 Prozent gestiegen. Können Sie uns da als Architekt aus der Praxis berichten? Was ist dabei der Hauptkostentreiber? Woran liegt das?
Es sind mehrere Faktoren, die da zusammenkommen. Zum einen haben wir Regularien, die uns immer mehr aufgelegt werden. Also energetische Standards. Wir müssen Brandschutzstandards einhalten, die vor 15, 20 Jahren noch anders waren. Wir haben natürlich auch die Sachen, die dann seit Corona und dem Ukraine-Krieg natürlich da im Raum stehen, auch nochmal Faktoren, die da mit reinspielen.
Und auch natürlich die Situation bei den Handwerkern, dass da keine Nachwuchskräfte kommen, dass Stellen unbesetzt bleiben, dass die Stundenlöhne dadurch steigen. Und man kann es schwer, meiner Meinung nach, immer nur auf ein Problem hinaus, kristallisieren und sagen, das ist dieses eine Problem. Wenn wir das gelöst bekommen, dann haben wir wieder die Preise vor 20 Jahren.
Nein, das sind einfach mehrere Sachen, die von vielen verschiedenen Seiten kommen. Und da muss man einfach gucken, wie man damit umgeht. Und das sind einfach Sachen, die man vielleicht auch in der Hand hat, auch die Regierung vielleicht in der Hand hat, auf der einen Seite. Aber es ist nicht die eierlegende Wollmilchsau, dass wenn die mit einem Schritt was machen, dass damit alles gelöst ist. Und Bestandsimmobilien, da sind die Preise natürlich auch ein Stück weit auch deshalb gestiegen, weil wir fast zehn Jahre so eine komplette Niedrigzinszeit hatten.
Wo dann eben auch viele Menschen gekauft haben, die bei einem 4-5% Bauzins das nicht getan hätten. Meistens steigen die Preise von Immobilien, wenn die Zinsen sinken. Also das ist ja so eine Schaukel. Auch das darf man nicht unterschätzen. Die Nachfrage wurde halt eben höher und der Zuzug nach Berlin ist natürlich stark angestiegen.
Also die Menschen sind mehr geworden, als man dachte. Und wo viel Nachfrage, da wird es auch teuer. Aber das betrifft natürlich nicht die Baukosten. Durch Enteignungen und durch Hin- und Herverschieben der Wohnungen oder der Wohnungseigentümer entsteht ja kein neuer Wohnraum. Nee, das ist das Problem.
Der neue Wohnraum entsteht ja dann, wenn halt neu gebaut wird. Und natürlich kommt dann immer wieder das Argument, aber wenn neu gebaut wird, dann sind das halt eben Hochpreiswohnungen, die dann entstehen. Ja, aber die müssen vielleicht auch entstehen, damit die Leute, die da einziehen, einfach eine Wohnung freimachen, beispielsweise.
Das stimmt doch nicht. Das ist die alte Sicker-Theorie. Das höre ich seit 40 Jahren. Immer wieder wird damit argumentiert, Entschuldigung, aber das ist einfach nicht wissenschaftlich nachgewiesen und es widerlegt, dass eben hochpreisiger Wohnraum keinen Wohnraum frei macht, der dann bezahlbar ist. Diese Zusammenhänge gibt es einfach nicht, aber es wird immer wieder auch natürlich in die Argumentation eingebracht.
Aber ich finde wichtig auch, dass wir nicht nur über Berlin sprechen, wenn es um die Wohnungsproblematik geht, sondern eben auch über die Baupreise. Und da hat mich jetzt gewundert, Herr Winkler, dass Sie gar nicht auf die... Grundstückspreise eingegangen sind. Das ist da auch ein enormer Kostenfaktor, der treibt. Das ist ein Kostenfaktor, der ist natürlich in den Städten enorm.
Der ist auf dem Land natürlich deutlich einfacher oder nicht so stark. Und da spielt eigentlich das Thema wieder in die Karten, in denen wir uns jetzt wiederfinden in Zeiten von Homeoffice. Und das erlebe ich auch immer wieder, dass immer mehr Leute sich hingehen und sagen, arbeite ich von meinem Standort, von meinem Wohnort einfach ein bisschen weiter weg.
Also ich kann es mir leisten, da ich zwei oder dreimal in der Woche nur noch, vor Ort sein muss, nehme ich auch mal eineinhalb oder zwei Stunden Fahrtweg in Anspruch. Aber dafür habe ich mein Haus in einer Umgebung, in der ich mich wohlfühle. Ich kann mir mehr Grundstück leisten. Ich kann mir ein Haus leisten, das dann vielleicht auch größer ist.
Ich fühle mich da wohl und das ist auch etwas, was dann sozusagen weg von der Stadt, sondern mehr aufs Land bringt. Aber dennoch haben wir starke Zuwächse in den Städten. Also das ist ja nicht so, dass durch Homeoffice dann man gemerkt hat, dass die Städte jetzt entspannter werden. Was wir ja auch schon seit langem hören ist, dass insgesamt ja mehr gebaut werden muss, dass es eine höhere, dass es ein größeres Angebot gibt, um eben die Nachfrage auch zu decken. Also bauen, bauen, bauen.
Jetzt wurde unter der Ampel-Koalition ja ein eigenes Bauministerium gegründet. Und da wurden 400.000 Wohnungen pro Jahr versprochen. Marietta, was ist aus diesem Versprechen eigentlich geworden? Nicht viel, soviel ich weiß. Also in Berlin bräuchte man 20.000 neue Wohnungen pro Jahr. Bundesweit hatte man gesagt 400.000. Aber ich kann jetzt nicht die genaue Zahl nennen.
Aber 400.000 Wohnungen wurden definitiv nicht pro Jahr gebaut. Woran liegt es? Das liegt auch eben an den hohen Kosten. Krieg kam auch hinzu. Und jetzt Straße von Hormuz und ähnliche Scherze. Aber es lag auch daran, dass Genehmigungen fehlten zum Teil. Das dauert, das ist alles aufwendig. Es muss Leute geben, die dann auch Grundstücke erwerben können.
Es ist nicht so banal zu sagen, jetzt bauen wir mal. Und der Staat hat, glaube ich, nicht so wahnsinnig viel gebaut. Ich fand ja interessant, dass man 2025, 200.000 Wohnungen fertiggestellt hat oder gebaut hat, aber über 700.000 Wohnungen jetzt nicht fertiggestellt sind. Also die genehmigt sind, aber nicht fertiggestellt sind. Natürlich sind die einen, also viele sind sicherlich im Bauprozess, deswegen sind die nicht fertiggestellt, aber einige davon sicherlich auch aus Gründen der Finanzierung, aus Gründen der Umgebung, dass man dann halt einfach sich dann doch dagegen entscheidet, obwohl die Baugenehmigung vorliegt.
Also das sind auch einfach Faktoren, die zeigen, dass da vielleicht der Wille da war, die Baugenehmigung einzuholen, aber in die Umsetzung zu gehen, dann vielleicht doch nicht. Und vor allem jetzt kommen wir in eine Hochzinsphase, sieht ganz danach aus und das wird noch lustig, weil dann wird nämlich erst recht das Bauen teuer.
Darf ich gerne auch noch was dazu sagen? Gerade wenn es da um das Neubauen geht, das ist ja auch ein wichtiges Argument und Sie haben ja auch zum Anfang mich so vorgestellt, dass ich sage, es ist auch eine Verteilungsfrage des Wohnraums, weil der Wohnflächenverbrauch in Deutschland, der steigt ja seit Jahren und wir sind ja inzwischen bei ca. 50 Quadratmeter pro Person.
Aber das ist natürlich eine statistische Größe, wo Babys und ältere Menschen alle mit einberechnet werden. Der Hauptpunkt ist doch, dass immer mehr Menschen immer mehr Fläche haben und immer mehr Menschen auf immer weniger Fläche leben. Also wir haben da so eine Schere, die immer weiter auseinander geht und das ist eben auch mit diesem Wohnflächenverbrauch verbunden und ich gehöre zu denen, die natürlich sagen, zum Wandel des Wohnens gehört eben auch...
Dass eben der Verbrauch pro Person an Wohnfläche auch eine bestimmte Grenze haben muss aus sozialen und ökologischen Gründen. Weil wir wissen ja alle, die ökologischen Aspekte des Wohnens werden immer wichtiger. Das ist die Hitze, Starkregen und so weiter. Das ist, glaube ich, alles auch gut bekannt. Wollen Sie denn jetzt Vorschriften machen, wie auf wie viel Quadratmeter man leben darf? Und auch weniger Einfamilienhäuser? Ist das die Konsequenz?
Da sind wir aber wieder im Sozialismus, Wohnungszuteilung. Um Gottes Willen, wir sind aber bei der Frage, was für eine Art von Wohnen wir fördern wollen oder beziehungsweise was ist gut. Für die soziale Situation, für den Zusammenhalt in der Gesellschaft und was ist auch gut für die ökologischen Bedingungen.
Und da ist eben die Frage, ob die Förderung von Einfamilienhäusern der richtige Weg ist oder ob nicht eher Wohnformen unterstützt werden sollten, die auf Gemeinschaftlichkeit ausgerichtet sind und die zum Beispiel das enorm wachsende Einsamkeitsproblem mit in den Fokus nehmen. Das wird ja wahrscheinlich auch nochmal ein Podcast zu lesen.
Es gab mal einen Brünenpolitiker, der genau darüber sprach, über die Sinnhaftigkeit von Versiegelung und Einfamilienhäusern. Und von dem Shitstorm hat er sich, glaube ich, bis heute nicht. war das für Anton Hofreiter. Und das war auch wunderbar, weil seitdem wird er immer genannt. Aber das Richtige ist ja richtig, dass in der Stadt Berlin natürlich gibt es Menschen, die in viel zu großen Wohnungen wohnen und das eigentlich auch gar nicht wollen.
Nur wenn sie sich eine kleinere, neue Wohnung angibt, dann bezahlen sie mehr als für die, ich sag mal, 150 Quadratmeter in Schöneberg, wo man früher mit Mann und Kindern wohnt. Jetzt bist du Witwe und 75, aber eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung, das kannst du vergessen, die zu finden. Und das ist auch beim Einfamilienhaus Das ist das Thema. Ich kann ja bestimmte Wohnsituationen vielleicht mit 86 nicht mehr so gut realisieren und dass dann von vornherein das mitgedacht wird, dass es da auch eine Veränderung geben muss und dass das unterstützt wird und nicht als, also Sie kennen vielleicht den Fachbegriff dafür, Locked In.
Dass ich mich gar nicht bewegen kann in der Wohnsituation, weil das mit steigenden Kosten verbunden ist. Und darauf will ich eigentlich hinaus. Frau Hannemann, also Sie sagen, man muss jetzt nicht den Leuten verbieten, Einfamilienhäuser zu bauen oder Senioren, Seniorinnen aus ihren großen Häusern, die ja auch ein Lebenswerk sind, das sie sich aufgebaut haben, vertreiben.
Aber zum Beispiel über Möglichkeiten nachdenken, dass dann beispielsweise die Vermietung von diesem Haus, wenn da dann dafür eine Familie mit Kindern oder so reinkommt, dass das zum Beispiel dann steuerfrei gemacht wird oder man da. Sonst in irgendeiner Art und Weise profitieren kann. Dankeschön. Das ist genau der Punkt, dass eben dieser, der vorhandene Wohnungsbestand, der ja da ist und wir haben ja sehr viel Wohnfläche in Deutschland, dass das anders verteilt wird und dass das mehr unterstützt wird und dass es vielleicht auch eine, Tauschpauschale gibt und nicht nur eine Pendlerpauschale und ein Liedswagenprivileg und so weiter.
Es geht doch einfach darum, was wird unterstützt Und was wird für die Gesellschaft, für den Zusammenhalt als förderungswürdig eingeschätzt? Herr Winkler, Sie haben vorher schon so ein Buzzword, da habe ich ganz genau hingehört, genannt. Und zwar sind das die Vorschriften, die beim Bauen gelten. Ich habe da nochmal nachgeschaut. Es gibt in Deutschland fast 4000 DIN-Normen für den Bau und bis zu 20.000 gesetzliche Bauvorschriften.
Jedes Bundesland hat da nochmal eine eigene Landesbauordnung. Das heißt, dass man so ein standardisiertes, günstiges Gebäude, spricht man ja auch vom seriellen Bauen, mit dem man vermutlich Kosten sparen würde, das kann man nicht einfach so von einem Bundesland auf den anderen übertragen. Und eigentlich sollte man ja meinen, dass zum Beispiel die Ansprüche für einen Rettungsweg überall gleich sind. Aber auch das ist nicht so.
Das ist teilweise von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt. Und in den Kommunen auch nochmal verschieden. Ja, aber wir lachen jetzt so darüber. Aber das ist doch ein Problem, das muss man doch angehen, dieses Problem. Aber wir leben nun mal in einem föderalen System. Das ist eben, wie in den Schulen ist es eben Landessache und die kümmern sich darum.
Es gibt ja auch die sogenannten Musterbauordnungen, die das sozusagen vereinheitlichen wollen. Die Landesbauordnungen sind schon sehr ähnlich, die unterscheiden sich im Detail. Deswegen muss man, bevor man halt ein Bauprojekt jetzt im anderen Bundesland hat, muss man da immer reinschauen und sich immer vergewissern, passt das denn mit dem, was ich sonst so baue.
Diese 20.000 Vorschriften, Normen, die da sind, ist das eine, dann gibt es noch die Regeln der Technik, also die nochmal den Standard auf der Baustelle nochmal definieren, da sind dann nochmal mehr und so weiter. Und das sind ja einfach Sachen, die jetzt in den letzten 20 Jahren dazugekommen sind. Also ich meine, vor 20 oder 25 Jahren gab es 5.000, und jetzt sind es 20.000.
Das heißt, wir haben immer mehr Lösungen gefunden, indem wir was regulieren. Und meiner Meinung nach sollten wir jetzt endlich aufhören zu regulieren, sondern einfach hingehen und es ermöglichen, dass man einfacher baut. Also Gebäudetyp E ist beispielsweise so ein Thema. Wir diskutieren seit vier Jahren, dass der Gebäudetyp E kommt.
Was heißt dann einfaches Haus? Dass man einfach bauen kann. Aber die Handwerker sind gar nicht mehr darauf eingestellt, an vielen Stellen so einfach zu bauen, weil die sind voll darauf getrimmt, auf diese Hochstandards. Ja, aber ich glaube, das kriegt man in den Griff. Also die wissen ja auch noch, wie man früher gebaut hat, also zumindest die Älteren.
Für den Dachdecken brauchst du heute schon Hochschulstudien. Und etwas weglassen, die Kreativität der Handwerker, die ist auch schon da. Also das haben wir schon immer so gemacht, das ist so der Standardspruch auf der Baustelle. Ob das richtig war oder nicht, das sei mal dahingestellt, aber das haben wir schon immer so gemacht.
Und ich glaube, anstatt jetzt vier Jahre über den Gebäudetyp E zu diskutieren, der Vereinfachungen bringt auf die Baustelle. Und wir müssen nicht immer. Ein Haus, überlegen Sie sich mal ein Haus, das 20 Jahre alt ist. Das hört sich auf den ersten Blick irgendwie alt an. Aber wenn wir uns überlegen und wir eine Anzeige sehen und da steht Baujahr 2026, dann sagen wir, oh, das ist ja relativ neu.
Also ein Haus, das 20 Jahre alt ist. 2016 meinen Sie jetzt Baujahr? Nee, 20 Jahre alt ist. 20 Jahre, dann ist es 2006. 2006, genau. Dann ist es ja relativ neu. Also vom Gefühl ist es ja relativ neu. Aber ja, es ist auch so, dass man 2006 relativ gut gebaut hat, auch energetisch gut gebaut hat. Die Häuser waren auf einem sehr guten Stand.
Nein, nein, nein. Na doch. Entschuldigung, ich bin in ein Haus von 2018 eingezogen. Ich habe jetzt eben auch schon an mein Alter denken mit Fahrstühlen und so weiter. Und in diesem Haus ist der... Ist Hitzeschutz noch weggespart worden. Ja, Hitze ist was ganz Neues. Das konnten wir vor 20 Jahren noch nicht wissen. Zum Beispiel auch was zu senken.
Und jetzt leiden wir darunter, dass bei den Temperaturen in Berlin da 40 Grad sind. Es gibt da natürlich immer wieder Ausnahmen. Und auch 2026 baut man immer noch mit Pfusch teilweise und hat immer noch Probleme. Natürlich gar keine Frage. Aber allgemein betrachtet waren wir 2006, 2009. Mit der NF 2009 waren wir auf einem sehr, sehr guten Niveau.
Was die Energiebilanz von unseren Häusern ausgeschaut hat. Wir haben es immer verschärft. Es ist immer stärker geworden. Es ist nach dem Pareto-Prinzip, 80-20. Das heißt, mit dem 20% Einsatz kriege ich die 80%. Um die letzten 10%, 5% rauszuquetschen, muss ich viel, viel mehr Energie reinstecken. Und genau da sind wir jetzt die letzten Jahre hingegangen.
Und deswegen müssten wir jetzt eigentlich wieder, deswegen finde ich den Baustand oder Gebäudetyp E eigentlich sinnvoll. Aber seit vier Jahren wird darüber diskutiert, aber es kommt halt nicht in Pötte. Aber zur Wahrheit gehört auch, gerade auch wenn man nach Berlin guckt, also wir hätten ja Stellschraubengebäude, Typ E, also ein einfacheres Bauen und so weiter und so fort.
Aber wo wird gebaut? Und da kommen dann natürlich auch wir alle, Bürgerinnen und Bürger, ins Spiel, die das gar nicht gerne haben, wenn verdichtet wird und wenn irgendwo gebaut wird, wo bisher aber nichts stand. Also ich erlebe das gerade jetzt hier in Mainz, neben unserem Haus in der Wohnanlage, wird jetzt auch neu gebaut. Und das ist nicht schön.
Das sorgt auch für sehr viel Unmut, aber es ist eigentlich vollkommen richtig. Da waren vorher so Grünanlage und Parkplätze und es ist absolut richtig, dass verdichtet und gebaut wird. Aber ich weiß auch, die gucken mir dann künftig in meinen Balkon und in mein Schlafzimmer und keiner von uns findet das toll.
Und dieses Widerwillen, dass gebaut wird in Städten, die schon recht dicht besiedelt sind, der ist gewaltig. Also ich wohne ja selbst auch auf dem Land und genau die Situation auch erlebt. Vor ein paar Jahren hat man dann angefangen, da in zweiter Reihe zu bauen. Und das ist ja auch etwas, was eigentlich auf dem Land üblich war.
Man hat ganz große Grundstücke gehabt, da hat man angebaut, da hat man Schuppen drauf gehabt, da hat man die Flächen gebraucht. Mittlerweile braucht man die Flächen nicht. Und diese Nachverdichtung einfacher zu ermöglichen, ist auch eine Stellschraube, die natürlich auch was bezwingt. Aber da muss man dabei auch nochmal bedenken, dass diese Konstellation ist meistens so, dass vorne jemand wohnt, der aus der Familie ist. Also Oma, Tante, Opa. Auf dem Land jetzt. Ja, auf dem Land, genau, auf dem Land.
Und hinten reinkommen dann die Verwandten. Es gibt ganz selten die Situation, dass vorne jemand Fremdes wohnt und dann hinten was abgezwackt wird und dann baut ein Fremder rein. Deswegen, also da hat man immer diese Nachverdichtungsoption. Die sollte einfacher gemacht werden, vor allem, wenn Bebauungspläne da sind, die das nicht erlauben, dass man dann sozusagen die Möglichkeit hat, hier nochmal nachzuverdichten.
Aber in der Praxis muss man dann auch natürlich schauen, wer lässt denn jemand Fremdes auf sein eigenes Grundstück nochmal drauf? Das ist natürlich eine echte Landthematik, wo ja auch zum Teil auch noch Grundstücke sind. Aber in der Stadt bedeutet das, dass der begrünte Innenhof, dass da dann nochmal ein Wohngebäude, das, was man früher Remise nannte, aber eben sehr viel höher reingebaut wird.
Und da hört der Spaß dann bei ganz vielen auf. Und das Tempelhofer Feld in Berlin, darüber fragen wir jetzt gar nicht an zu reden, weil dann explodieren, glühen uns hier die Leitungen weg. Ganz zu Beginn hatte ich die Frage gestellt, was man eigentlich von anderen Ländern lernen kann, in denen Menschen sehr viel weniger für Miete und fürs Wohnen ausgeben.
Und die Stadt Wien wird ja immer wieder als Vorzeigestadt genannt. Das Wiener Modell, weil dort sehr viele Wohnungen im Besitz der Stadt sind, also nicht im Markt überlassen sind. Das heißt, die Stadt kann das Mietniveau insgesamt dämpfen und auch Menschen mit mittlerem Einkommen können von geförderten Wohnungen profitieren.
Jetzt haben wir die Frage gestellt, auch ist eigentlich die Stadt oder ist der Staat der bessere Vermieter? In Wien scheint das so zu sein, dass eine Stadt als Wohnraummanagerin auftritt und das scheint zu funktionieren. Ist das nicht dann eigentlich das, was die Linke auch in Berlin erreichen möchte?
Also in Wien sind nicht viele Genossenschaften, das ist in Zürich, in der Schweiz gibt es ja sehr viele Wohngenossenschaften, sondern in Wien ist es wirklich kommunaler Wohnungsbau, Gemeindewohnungsbau. Aber am Stadtrand von Wien entstehen gerade ganz viele so genossenschaftlich Gebaute. Aber gut, ich glaube, das führt uns jetzt auch in Details. Ja genau, aber es geht ja darum, um dieses Modell und das ist natürlich ein Modell, was 60 Prozent des Wohnungsbestandes in irgendeiner Form, ich würde das nicht als staatlich bezeichnen, sondern als, Gemeindehoheit behält und es gibt ja trotzdem noch einen freien Wohnungsmarkt, der auch sehr exorbitant ist und wo eben auch Renditen erzielt werden können.
Aber es geht in Wien darum, aus meiner Sicht, dass die Proportion einfach viel besser ist. Also das, was an Wohnraum für die Menschen in Wien angeboten wird, also als bezahlbarer Wohnraum oder leistbar wird es ja dort genannt, das betrifft dann 60 Prozent, aber trotzdem sind noch 40 Prozent eben dann eben.
Über den Markt erreichbar. Und ich finde, das ist eine gute Proportion und das sollte eben auch bei der Vergesellschaftung diskutiert werden. In welchem Verhältnis soll denn das Wohneigentum oder überhaupt die Zuständigkeit fürs Wohnen geregelt sein? Und da finde ich eben auch, das ist nicht nur eine staatliche Frage und deshalb ist auch das Stichwort der Genossenschaften gerade so gut.
Es geht ja eben auch um Wohnformen, wo eher Menschen damit befasst sind, die eben auch vor Ort sind und nicht. Sie hatten da vorhin das Beispiel einer Immobilienfirma, die irgendwie international agiert und die gar nicht mehr diese ortskonkrete Bindung hat. Die Milliardärsfamilie aus Großbritannien war das. Dankeschön, genau. Und es gibt es ja auch in Luxemburg und so weiter diese Investmentfonds, wo man sich einkaufen kann, wenn man denn kann.
Und da ist eben auch die Frage, wem gehört der Wohnungsbestand und wer kümmert sich darum und dass das Ortskonkret da wird. Aber auch ein Staat muss dann ja irgendwie mit Preisen und so umgehen können und das finanzieren können. Und wenn jetzt von der Deutschen Wohnen oder so die Wohnungen übernommen werden, man weiß nicht, in welchem Zustand die sind, welche Instandhaltungskosten da kommen.
Und das muss nicht unbedingt besser laufen, als das, wie es im Moment läuft. Ich glaube, man kann weder sagen, der Staat kann kein Vermieter sein, das stimmt ja nun auch historisch und faktisch nicht, noch kann man sagen, der Staat macht das dann per se besser, weil auch der Staat muss Handwerker bezahlen und Baukosten bezahlen und Dächer sanieren und so weiter.
Und wenn man jetzt mal an die DDR zurückdenkt, hatte ich, als ich in den 90er Jahren nach Berlin kam, nicht den Eindruck, dass in der DDR mit Häusern super umgegangen wäre und die alle in einem Top-Zustand waren. Da konntest du noch die Einschusslöcher von der Roten Armee sehen. Und die Kohlelöfen. Oder die neue Heimat, ist ja ein anderes Beispiel.
Ein Riesenskandal, da hieß es dann, der Staat sollte besser mal nicht. Ich glaube, man kann es nicht so sagen, dass es so oder so nicht sein kann. Ja, so würde ich es auch einschätzen. Ich habe noch eine Abschlussfrage für Sie und für euch. Wie sähe denn euer perfektes Traumhaus oder die Traumwohnung aus und wo stünde sie?
Herr Winkler, wollen Sie anfangen? Boah, schwierig. Ich glaube, ich lebe schon sehr in meinem Traum. Das ist schön. Wenn Sie noch zusätzlich einen Traum hätten irgendwo auf der Welt. Ich verstehe deswegen gar nicht so diese Leute, die alle in die Stadt wollen und alle nach Berlin wollen. Ich will da gar nicht in die Großstadt. Ich bin da auf dem Land sehr wohl.
Und wir leben in einem schönen Haus gegenüber. Es ist ein See, Waldrand. Und wir können da spazieren gehen. Wir haben ein schönes Haus mit viel Technik auch. Also ein Haus aus den 90ern, das aber sowohl eine Wärmepumpe hat als auch eine Pelletanlage, also auch eine PV-Anlage mit Speicher, eine Bitcoin-Heizung und ein Kamin. Also ich bin voll ausgestattet.
Frau Hannemann? Ja, wunderbar. Ich bin das Gegenbeispiel. Also ich habe so gewohnt auf dem Land in einem sehr, sehr großen, schönen alten Fahrhaus. Und ich wusste aber von vornherein, dass das nicht mein Traumhaus ist. Ich habe das sehr genossen, gerade auch in der Corona-Zeit. Wenn ich aus dem Hausbrust gegangen bin, war ich im Wald, im Landschaftsschutzgebiet und so weiter.
Aber ich wohne in einem Haus, in dem es eine bestimmte Art von Gemeinschaftlichkeit gibt. Und es gibt ein Konzept des Wohnens, dass man sich im Alter unterstützt oder generell beim Wohnen. Weil Wohnen ist aus meiner Sicht auch sehr viel Arbeit und kostet nicht nur Kosten, sondern eben auch Lebenszeit.
Und ich gehöre zu den Menschen, die halt einfach anrufen möchten, wenn der Wasserhahn tropft und dann kommt der Herr sauer und bringt das in Ordnung, weil ich habe einfach andere Schwerpunkte in meinem Leben und ich finde es gut. So kann ich auch wohnen, dass eben die Energie, die ich beim Wohnen verbrauche, dass die möglichst nachhaltig erzeugt wird und dass ich kurze Wege habe.
Also ich bin ein sehr aktiver Mensch. Mir ist eine kurze Wegstrecke zu den Tätigkeiten, die ich so habe. Sport und Uni und weiß ich was. Ich reise auch sehr gerne. Also dass meine Wohnung pflegeleicht ist, weil ich komme gerade aus dem Urlaub und wir sind in einem Verein Mitglied, wo man die Wohnungen tauschen kann.
Und das geht natürlich sehr gut, wenn ich eine kleine pflegeleichte Wohnung habe, wo ich dann den Saugroboter losschicke schicke und erwischt mir das auch noch. Also solidarisch, ökologisch und noch pflegeleicht dazu. Das ist mein Grund. Ich habe natürlich auch einen Fahrstuhl, falls ich nicht mehr gut laufen kann. Marietta, dein Traumhaus?
Ich denke im Moment viel darüber nach, mit dem Freundeskreis, wie wollen wir in 10 oder 15 Jahren wohnen, wenn es so über die Rente hinausgeht, die dann irgendwann mal bei vielen von uns ansteht. Das sind jetzt so die Mit-50er. Und kann man nicht irgendwie zusammen in ein Haus ziehen und so eine Art Alters-WG gründen? Und wie könnte man das finanzieren und bauen? Und dann ist auch irgendwo noch Platz für eine Gemeinschaftsküche. Und das sind so Träume, über die wir im Moment im Freundeskreis viel nachdenken.
Bei mir wäre es entweder das Penthouse über den Dächern Londons. Das wird nie passieren. Oder irgendwo auf dem britischen Land so ein Cottage wie bei, kennt ihr, Liebe braucht keine Ferien. The Holiday, diesen Film, diesen wunderschönen Film und da so ein ganz kleines, gemütliches Cottage auf dem Land.
Also das könnte ich mir beides vorstellen. Also ich könnte mir auch als Ferienhaus, könnte ich mir auch noch so ein Lehmhaus in der afrikanischen Savanne mit Blick auf so ein Elefantenwasserloch vorstellen. Lehm bauen ist toll. Auch toll. Ja, absolut. Also Fantasien können wir jetzt noch ganz viele entwickeln. Nein, und wir zeigen eben auch die Vielfalt dessen, was an Wohnen möglich ist.
Und auch als Wandel des Wohnens ist ja mein Thema. Und das zeigt es eben auch, die Wohnvorstellungen sind sehr verschieden. Und es geht nicht nur um Mieten in Berlin. An der Stelle sage ich herzlichen Dank für diese lebhafte Runde an Professor Christine Hannemann, Wohnforscherin, die uns heute aus Berlin zugeschaltet war. Herzlichen Dank.
Dann an Maxim Winkler, Architekt, der ein schönes Häuschen auf dem Land hat und uns heute hier in Mainz besucht hat. Und natürlich auch an dich, Marietta, Marietta Slomka, Moderatorin des Heute-Journals. Vielen Dank. Gerne. Dankeschön. Ich wünsche allen frohes Wohnen natürlich. Frohes Wohnen, das wünschen wir euch, wünschen wir auch allen, die heute zugehört haben.
Ihr könnt gerne in die Kommentare schreiben, welche Erfahrungen ihr schon hattet mit Vermietern oder wenn ihr selbst Wohnungen vermietet habt. Vielleicht baut ihr auch gerade selber ein Haus oder renoviert eins. Erzählt uns gerne davon, entweder als Kommentar oder als Mail an heutejournal-podcast.zdf.de.
Da auch gerne Feedback, Anregungen, da freuen wir uns sehr drüber. Vielen Dank und bis nächste Woche. Heute Journal, der Podcast, wird produziert von Pool Artists.