
Hi, Family! Der Elternpodcast für Familien mit neurodivergenten Kids (ehem. Hi, Baby! Podcast)· Folge 416
ADHS verstehen ohne als Familie den Verstand zu verlieren – mit ADHS Ratgeber Autorin Berit Hullmann
Sonntag, 23. August 2026 · 42 min
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Shownotes
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„Ich will es doch richtig machen – warum fühlt sich trotzdem alles so verdammt anstrengend an?“
In dieser "Hi, Family!"-Podcast-Folge spreche ich mit Autorin Berit Hullmann über das Familienleben mit ADHS – ehrlich und ohne Hochglanz-Elternschaft.
Du erfährst u.a.:
✔ wie Berit den Weg zur ADHS-Diagnose ihrer Tochter erlebt hat
✔ welche Dinge sie früher für Erziehungsfehler hielt und heute ganz anders sieht
✔ welche ADHS-Irrtümer Eltern besonders belasten
✔ welche Tools ihren Familienalltag wirklich leichter machen
Eine Folge über ADHS bei Kindern, Diagnose, Familienalltag, Überforderung und ganz viel Entlastung – mit vielen Gedanken, die hoffentlich noch lange nachwirken.
📔 Hier gehts zuBerits Buch "ADHS verstehen – ohne als Familie den Verstand zu verlieren" (dtv.de/buch/adhs-verstehen-ohne-als-familie-de…)
📖 Isabel Demirels Buch "Anders glücklich – Familienleben jenseits der Norm" (amzlink.to/az0YgeWRqK9zd )
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Alle leise, wir machen jetzt Quatsch! Schön, dass du da bist bei HiFamily, dem Elternpodcast für Familien mit Autismus, ADHS und anderen Besonderheiten. Achtung, das fällt gleich runter. Mir doch egal. Und wer räumt das jetzt alles wieder auf? Ich nicht. Die Kackwurst-Mama. Das ist doch komplett irre.
Hallo, so schön, dass du heute wieder dabei bist bei HiFamily, deinem Eltern-Podcast für Familien mit Autismus, ADHS und anderen Besonderheiten. Ich habe heute ein ganz besonderes Gespräch für dich. Bei mir im Podcast ist Autorin Berit Hullmann zu Gast. Berit hat das Buch geschrieben, ADHS verstehen, ohne als Familie den Verstand zu verlieren.
Ich glaube, diesen Titel fühlen alle Eltern, die auch ein ADHS-Familienleben zu Hause haben. Sie ist selbst Mutter einer Tochter mit ADHS und mit Berit spreche ich sehr ehrlich darüber, wann sie als Mutter an ihre Grenzen gekommen ist. Wie bei ihnen der Weg zur Diagnose war, welche Dinge sie früher als Erziehungsfehler hielt und wie sie die heute komplett anders sieht und auch komplett anders damit umgeht.
Und wir sprechen vor allem auch darüber, was im Familienalltag mit ADHS wirklich hilft. Also es geht um diese typischen ADHS-Irrtümer, um ganz konkrete Tools, um dieses typische schlechte Gewissen, das wir Eltern ja auch oft haben, und die Frage, was Berit heute gerne viel früher gewusst hätte. Ich wünsche dir ganz viel Freude mit diesem Gespräch.
Berit, du hast ein Buch geschrieben, das heißt ADHS Verstehen, ohne als Familie den Verstand zu verlieren. Und ich freue mich schon wahnsinnig drauf, jetzt mit dir über all diese Themen zu sprechen. Schön, dass du da bist. Ich danke dir, Isa, für die Einladung. Ich freue mich, dass du an mich gedacht hast bei deinem schönen Podcast.
Also ich muss ja sagen, dein Buchtitel, ich fühle ihn komplett. Und dieses, als Familie den Verstand zu verlieren. Ich finde, das ist so, das trifft das Ganze so auf den Punkt. Weil ich habe dann direkt so ein Bild im Kopf. Ich stelle mir dann direkt vor, wie man da als Mama steht oder auch als Papa. Aber lass uns mal ehrlich sein, in den meisten Fällen ist es einfach die Mama.
Und dann stehst du in diesem lauten, wilden Chaos und du denkst einfach nur, oh mein Gott, ich verliere jetzt einfach gleich den Verstand, oder? Ja, das lässt sich wahrscheinlich auch gar nicht so ganz vermeiden. Und ich glaube, man sollte auch nicht den Anspruch haben, dass man immer total cool bleibt, sondern das ist halt einfach Work in Progress.
Also mal einen Tag klappt es, einen Tag klappt es nicht so gut und ich glaube, wenn man das akzeptiert, dann geht es auch ein bisschen besser. It's part of the game, glaube ich auch. Du hast zwei Töchter, richtig? Und genau, erzähl doch mal, die Große hat ADHS? Genau, also beziehungsweise wir wissen mittlerweile, dass die Kleine auch ADHS hat, aber das ist jetzt noch kein Thema in dem Buch. Da geht es jetzt erstmal um meine Große, die ist jetzt 13 und wir wissen, dass sie ADHS hat, seitdem sie so acht Jahre alt ist.
Und ja, das war so ein relativ langer Prozess, also sie war schon immer so ein, sag ich mal, wildes Kind, lautes Kind, wir haben immer so Fragen bekommen, ist die immer so laut, ist die immer so frech, und das war schon so in der Kindergartenzeit so, dass sie halt immer das matschigste Kind auf dem Spielplatz war und nie in den Klamotten, in denen ich sie morgens abgegeben habe, auch wieder abgeholt wurde.
Aber sie war auch immer... Immer Wächtelkleidung gehabt. Oder war es aus dem Fundus, weil die Wechselkleidung dann auch schon verdreckt war. Aber sie war auch immer sehr kreativ und hat immer viel gemalt, gebastelt, getanzt und so weiter. Also es war jetzt eigentlich gar nichts, was so sehr negativ aufgefallen ist, ehrlich gesagt. Es war so ein bisschen, dass wir dachten, ja, die ist halt irgendwie so ein Freigeist und so ein kleiner Wildfang.
Und auch das Feedback in der Kita von den Erziehern war jetzt auch wirklich nicht negativ, wie man das so kennt, so klischeehaft ADS, also aggressiv oder störend oder sowas. Das war gar nicht so bei ihr. Das wurde dann halt erst schwierig mit ihr, als sie in die Schule kam tatsächlich. So ganz klassisch, ne?
Ja, ich bin total gespannt auf diese Geschichte. Ich würde noch mal einen Schritt zurückgehen, weil wir vorhin noch gesagt haben, als Familie den Verstand nicht zu verlieren. Wollte ich dich mal fragen, wann war denn dein letzter Moment, an dem du als Mama gedacht hast, jetzt kriege ich gleich die Krise?
Also den Moment gibt es fast täglich. Also ich besonders... Ich wollte auch fragen, wie viele Stunden ist es her? Nicht wie viele Tage, wie viele Wochen, sondern wie viele Stunden? Also es ist eigentlich, was wirklich schwierig ist, ist das ganze Thema Ordnung und Aufräumen. Also das ist im Prinzip nicht vorhanden.
Und ich würde jetzt auch nicht behaupten, dass ich besonders ordnungsliebend bin. Also ich mag es schon aufgeräumt, aber es ist jetzt nicht so, dass ich irgendwie ein Putzteufel wäre oder dass man bei uns vom Boden essen muss. Aber dieses Zimmer, jetzt ist sie ja nun mal auch ein Teenager, das ist einfach Next Level. Also ich räume das auch ab und zu so als kleinen Service für sie auf.
Aber es dauert wirklich zwei bis fünf Minuten, bis man da nicht mehr durchkommt. Also da liegen dann alle Klamotten auf dem Boden. Sie ist ja jetzt ein Teenie, der Schminktisch quillt über vor Produkten, von denen ich noch nie gehört habe. Und. Dann steht irgendwo noch eine Schüssel mit Nudeln oder eine Dose Red Bull oder was man halt so als Teenager in seinem Zimmer hat.
Und da muss ich schon manchmal wirklich tief durchatmen, wenn ich da die Tür öffne. Zu ihrem Zimmer kann ich sehr gut nachfühlen. Erinnerst du dich dann auch an den Moment, an dem du zum ersten Mal gedacht hast, Vielen Dank. Ich schaffe das nicht mehr. Das ist einfach zu viel. Also so einen konkreten Moment gab es da eigentlich gar nicht.
Das ist eher so, würde ich mir eher sagen, so eine Ansammlung. Von kleinen Dingen. Also was super schwierig war oder wo ich das oft gedacht habe, ist das Thema Schule. Also wenn man ein normal intelligentes oder gut intelligentes Kind hat, was aber in der Schule so gar nicht klarkommt, das finde ich schon schwierig, weil so ein Chaos ist eine Sache.
Aber Schule ist halt so ein Thema, was sich so auswirkt auf das ganze Leben. Also wenn sie keinen Schulabschluss schaffen würde zum Beispiel oder, die ADS-Kinder bleiben ja auch mal öfter sitzen oder zweimal oder keine Ahnung. Man hat irgendwie auch so viel Kontakt einfach zu der Schule, viel mehr als man möchte, weil man andauernd irgendwelche Elternbriefe unterschreiben muss und zu spät gekommen und Hausaufgaben vergessen, dass ich dachte, die Schule ist halt einfach so ein großes Thema, was auch andere Auswirkungen auf das Leben hat, als wenn das Zimmer unordentlich ist.
Und da habe ich schon echt oft gedacht, nee, das kriegen wir auch alleine nicht mehr hin. Wir haben dann auch so eine Lerntherapeutin, Lerncoach mit ins Boot geholt und so weiter. Also das finde ich ist auch vor der Diagnose oder danach, als wir das schon wussten. Also wie du auch sagtest, als Familie nicht den Verstand zu verlieren, das ist ja auch einfach ein Thema, was nicht nur diese eine Person betrifft, Sondern was einfach die ganze Familie betrifft und was auch die gesamte Familiendynamik natürlich beeinflusst.
Das ist einfach ein Thema, was man als Familie halt irgendwie gemeinsam stemmen muss und wo man das Kind ja auch nicht mit alleine lassen kann. Ja, und es beeinflusst ja auch alle, weil man ja zusammenlebt. Und wenn da jemand ist, der dann auch sehr oft sehr einnehmend ist, sage ich vielleicht mal, das ist dann auch mit Geschwisterkindern.
Aber nehmen uns da gerne nochmal mit. Du hast vorhin gesagt, das war einfach am Anfang ein, wo ihr gesagt habt, ein sehr kreatives, sehr lebendiges und freigeist einfach ein Kind. Das finde ich total schön, weil das ist ja, also ich sehe ja auch generell. ADHS jetzt nicht als Schwäche, sondern wirklich als ein Spektrum von Anderssein, das ja nicht nur Nachteile, sondern auch extrem viele Vorteile hat.
Ich habe ja selbst auch eine ADHS-Diagnose. Und erzähl doch mal so ein bisschen, im Kindergarten war das dann schon dieses, okay, hattest du da auch manchmal dieses Gefühl, oh Gott, so the walk of shame. Alle anderen Kinder, die fallen nicht so aus dem Rahmen wie mein Kind. Und wie hat das dann geswitcht, als sie in die Schule kamen?
Also im Kindergarten fand ich das sogar eigentlich ehrlich gesagt eher positiv. Also es war schon so, dass sie auf dem Spielplatz, sie wollte auch immer so den Ton angeben und sagen, wir spielen jetzt das und das. Und das wurde auch eigentlich von den anderen Kindern ganz gut angenommen. Die fanden das gar nicht so schlecht, dass da jemand mal Vorschläge gemacht hat und Ideen hatte und so.
Das waren so eher die Eltern, die dann irgendwie auch manchmal nicht so das Gefühl, die wollen so ihre kleinen Kinder so beschützen oder sagen, jetzt setz dich doch auch mal durch gegen die und so. Das war immer irgendwie, ich meine, du kennst ja dann diesen Satz, sei Pipi nicht Annika. Und das ist ja auch irgendwie cool, aber wenn man halt selber so eine Pipi-Langstrumpf hat, dann ist es auch manchmal, das habe ich auch in meinem Buch so geschrieben, dass man sich manchmal wünscht, das wäre einfach mal eine Annika.
Ja, kenne ich total. Also wie gesagt, im Kindergarten fand ich das eher positiv. Das kommt vielleicht auch darauf an, was für ein Umfeld man so ist. Also ich sage mal so, unsere komplette Familie ist ja neurodivergent. Also auch mein Mann und ich haben auch eine ADS-Diagnose, auch im Zuge dieser ganzen, also der Diagnostik bei meiner Tochter.
Ich hätte da selber gar nicht so dran gedacht, dass uns das auch betrifft. Ich meine, das kennst du ja wahrscheinlich, weil es halt einfach auch ADHS jenseits dieses Klischees vom Zappel-Philipp halt einfach gibt. Und also wie gesagt, im Kindergarten fand ich das noch eher positiv. Also ich meine, du hast ein Kind, was total gerne malt und die konnte sich auch stundenlang damit beschäftigen und so.
Das war eigentlich eher in der Schule, wo ich dachte, also wenn ich gehört habe, was andere Eltern für Themen haben und für Probleme, dass ich dachte, da finde ich mich überhaupt nicht wieder. Wie du das schon anschauen kannst. Der hat jetzt eine 3 in Deutsch geschrieben. Also da muss er beim nächsten Mal besser lernen.
Oder guck mal, wie der Turnister hier aussieht. Und dann hat irgendwie ein Buch so ein Eselsohr. Und bei meiner Tochter stecken einfach nur lose Blätter im Turnister. Und immer ist irgendwas weg. Was ist der Turnister? Bitte? Eine Arbeitsmache? Turnister, ach so Schulranzen. So. Ja, und ja, also es war halt einfach immer, war irgendwas weg, überall immer Steine und Stöcke und, ja, dass ich einfach so, wenn am Elternabend oder bei so, wenn man andere Eltern trifft und wenn die so über ihre Herausforderungen gesprochen haben in der Schule, dann dachte ich immer so, okay, das ist für mich, das wäre für mich ein Normalzustand, ich wäre froh, wenn ich diese Probleme hätte, ne?
Ich glaube, das kennen ganz, ganz viele Eltern von neurodivergenten Kindern, diesen Spruch. Den sage ich auch oft und ich glaube, das können viele mitfühlen. Wenn ich eure Probleme hätte, dann wäre ich echt happy. Dann hätte ich keine Probleme. Das ist einfach ein anderes Level nochmal so an Thematik.
Vor allem, wenn es dann eben auch darum geht, wie du vorhin meintest, wenn du dich wirklich fragst, so ich habe ein kluges Kind zu Hause und ich habe trotzdem Angst, dass das Kind keinen Schulabschluss macht. Ja, und das ist auch immer dieses, also die ist jetzt in der siebten Klasse und ich... Was wollte ich denn jetzt sagen? Achso, ich habe mich immer gefragt, ob Kinder, die so wirklich so sehr gut durch die Schule kommen, also die wirklich nur Einsen und Zweien irgendwie haben und die alles irgendwie so mitmachen, das sind ja selten die Kinder, die neurodivergent sind, glaube ich.
Also es gibt sicherlich auch neurodivergente Kinder, die gut in der Schule sind, keine Frage. Aber die Kinder mit ADHS bleiben halt einfach so oft unter ihren Möglichkeiten, weil sie halt einfach in diesem System mit den Anforderungen einfach nichts anfangen können. Und weil da ja auch nicht viel Rücksicht drauf genommen wird.
Also ich finde, das kommt so stark auf die Lehrkraft an, wie mit diesen Kindern umgegangen wird. Manche nehmen da Rücksicht drauf und haben Verständnis, aber ich habe auch bei der Schule meiner Tochter oft das Gefühl, da ist einfach Friss oder Stirb. Wenn das nicht funktioniert, hast du Pech gehabt. Wie war das denn dann bei euch, dass ihr diesen Weg zur Diagnostik gegangen seid?
Was war da der ausschlaggebende Punkt? Also das war, kann ich ganz genau sagen, die hatte eine U-Untersuchung bei der Kinderärztin. Da war sie so in der zweiten Klasse und das war mitten in der Corona-Zeit. Also mit Maske und so sind wir dann dahin. Und sie hat einfach gar nicht so zugehört, was die Ärztin gesagt hat.
Da müssen wir so auf so einer Linie balancieren. Und sie ist aber gar nicht auf der Linie balanciert, sondern hat nur Pirouetten gedreht und wollte sich auf das Gespräch auch irgendwie gar nicht einlassen. Und über die Schule wollte sie gar nicht reden. Lieblingsfach Pause und sowas halt. Und da hat unsere Kinderärztin das erste Mal gesagt, also die ist zwar lebhaft, aber da steckt doch mehr dahinter.
Und hat dann gesagt, da würde sie empfehlen, eine Diagnostik zu machen. Und wie gesagt, das war in der Corona-Zeit. Sie ist 2019 eingeschult worden. Das heißt, sie hatte ein Halbjahr, das normal war. Und dann ging dieser Homeschooling-Albtraum, sag ich jetzt mal. Für uns war es das so. Ging dann los. Und ich weiß nicht, wie deine Kinder zu der Zeit waren, aber...
Mein Sohn ist 2018, gibt es noch. Ja, okay. Der war noch ganz klein. Also sie war halt in der ersten Klasse und immer, wenn man mit Eltern gesprochen hat, die fingen ja gerade dann an, lesen und schreiben zu lernen. Alle Eltern haben gesagt, oh, es ist schrecklich im Homeoffice mit Homeschooling parallel und die Kinder machen nichts und das ist so schwierig.
Vereinzelt haben auch mal Leute gesagt, das ist gut und bei uns läuft es, aber die Mehrheit hat ja gesagt, Das ist super schwierig. Bei uns war es auch super schwierig. Aber ich habe dann gedacht, okay, es ist ja bei allen super schwierig. Ist ja nichts Besonderes. Also bei uns war es wirklich so, die sollte dann da ihre Aufgaben machen, Buchstaben nachspuren und da ist alle zwei Sekunden der Bleistift runtergefallen.
Das Level an Schwierigkeiten, das finde ich ja auch so ein Ding. Also du kannst ja was schwierig finden auf ganz vielen verschiedenen Leveln. Und ich habe dann auch oft, das war auch oft mein Gedanke, wo ich dann auch mich mit anderen Mamas unterhalten habe und dachte, ah ja gut, die haben ja auch Struggles. Die haben ja auch ihre Themen.
Und irgendwann diesen Moment, wenn man immer öfter merkt, es ist irgendwie anders. Das ist nicht das Schwierig. Das ist nicht das Schwierig, das ich meine. Das ist wieder dieses, ich wäre ja froh, wenn das mal schwierig wäre. Das kennst du ja dann auch, so eine Starthemmung einfach, bis sie überhaupt mal angefangen hat, diese Aufgaben zu erledigen. Das hat schon länger gedauert als die Aufgabe an sich.
Erstmal den Tisch einrichten und dann habe ich, also wir wussten ja nicht um die ADS-Diagnose und ich hatte da auch, also ADS war für mich, hatte ich schon mal gehört, aber kam gar nicht irgendwie in meiner Gedankenwelt vor, dass sie das haben könnte. War eine kleine Zappel für dich. Und dann habe ich noch gesagt, wir stellen den Schreibtisch hier unter das Fenster. Das Fenster hat aber Blick auf einen Spielplatz gegenüber. Da war die natürlich nur abgelenkt.
Oder dann bin ich mit ihr, habe ich gesagt, mein Mann und die Kleine bleiben zu Hause und wir gehen hier in so ein Café, um ein paar Aufgaben nachzuholen. Das war natürlich überhaupt nicht das Richtige für sie, weil sie da ja noch mehr abgelenkt war. Aber ich wusste es halt auch nicht besser. Wie ging es dir denn damit, als diese Kinderärztin diesen Verdacht geäußert hat?
Was hat das mit dir gemacht, als du das gehört hast? Ich finde, das. Sagen die ja nicht einfach so, als würden sie sagen, jetzt gehen wir heute doch mal, es gibt heute ein Eis für alles. Also ich habe das Gefühl, da ist noch mehr und da steckt noch mehr und ich würde eine Diagnostik empfehlen. Ich habe erst mir gedacht, ach Quatsch, das kann ja nicht sein.
Also, weil, wie gesagt, Adia, das hat man ja irgendwie schon mal gehört, aber das war ja so das Klischee, das sind so Zappelphillips, meistens ja auch Jungs, die dann in der Schule irgendwie mit dem Stuhl kippeln oder auch stören. Und sie war jetzt gar nicht so jemand, der andauernd gestört hat oder die ist auch nicht im Unterricht aufgestanden oder sowas.
Oder Kinder, die irgendwie aggressiv sind und rumschreien und sowas. Und so war sie ja gar nicht. Und dann habe ich gedacht, okay, dann machen wir halt die Diagnostik und dann habe ich aber auch direkt parallel auch angefangen, mich mit dem Thema zu beschäftigen und habe sie dann doch an vielen Stellen wiedererkannt und dann, war ich auch irgendwie erleichtert, dass wir auch eine Erklärung einfach dafür hatten, warum ihr viele Sachen so schwer fallen und das ist, glaube ich, auch das Wichtige für Familien, wenn man das weiß, Wenn man nicht sagt, die ist irgendwie schlecht erzogen, die ist vorlaut, die ist aufmüpfig und so, man kann ganz anders damit umgehen, mit dem Wissen.
Also es ist trotzdem herausfordernd und ich bin auch nicht immer super verständnisvoll, nur weil ich es weiß, aber man kann sich immer so wieder zurückbesinnen, auf das jetzt gehe nochmal einen Schritt zurück, das ist auch ADHS. Weil das wäre jetzt auch meine nächste Frage gewesen. Wie hat sich denn, bei euch der Familienalltag verändert oder was hat sich vielleicht auch am stärksten verändert, seitdem dieses Thema ADHS Teil eures Lebens ist?
Also seitdem ihr wisst, okay, unsere Tochter hat ADHS. Also ich glaube, wir sind weniger starr und haben uns von vielen so Glaubenssätzen oder so muss Familie sein, so muss Familie in dem funktionieren. Davon haben wir uns verabschiedet. Zum Beispiel essen wir nicht alle Mahlzeiten immer zusammen, so wie ich es mir eigentlich auch gewünscht hatte.
Also bevor man Kinder kriegt, wir sitzen ja immer alle schön am Tisch und so. Aber das ist halt auch ganz oft, gerade so nach der Schule, wenn die schon irgendwie den ganzen Tag mit vielen anderen Leuten verbracht haben, ist das halt auch einfach schwierig, dann sich noch mit der Familie an den Tisch zu sitzen und wahrscheinlich auch noch anständig sitzen zu bleiben und so weiter.
Und sich zu unterhalten. Und die Schwester schmatzt und dann stört ja auch jedes Geräusch. Und deswegen dürfen die auch nach der Schule, kann sie in ihrem Zimmer mal essen. Wir machen auch noch gemeinsame Familienessen, aber nicht mehr unter Zwang und nicht mehr alles muss, sondern eher so als Angebot.
Und dann kann sie sich auch mit dem Bein über die Stuhllehne setzen oder... Ja, weiß ich nicht, einfach so sitzen und essen, wie sie möchte. Niemand muss am Tisch sitzen bleiben, wenn er nicht mehr möchte und fertig ist mit Essen und so weiter. Also wir nehmen schon mehr Rücksicht auf Sonderwünsche auch einfach und sind, glaube ich, entspannter bei ganz vielen Themen geworden, auch was so Ordnung und so angeht.
Also das hat auch der, auch was Schule angeht, also das hat auch der, sie war dann in der Diagnostik bei einem Kinderneurologen auch und der hat als erstes gesagt, verabschieden Sie sich von allen Erwartungen. und. Er hat es glaube ich positiv gemeint, also er war immer sehr wohlwollend er hat immer sehr wohlwollend darüber geschrieben, also schrauben sie die Erwartungen runter weil dann wird alles besser funktionieren und, ja, ich meine es ist trotzdem noch herausfordernd, aber ich glaube man muss einfach ganz andere Maßstäbe anlegen also wir haben das jetzt, wir waren jetzt in Österreich und wir waren da auch mit anderen Familien zusammen, als so ein Beispiel, waren wir in einem Kletterpark und die Kinder hatten dann
schon ihre Montur an und da mussten die sich noch ein Video angucken, bevor es losgeht. Und die anderen Kinder standen da mit ihren Sachen an, guckten sich das alles an und meine Kinder, oh, der Helm ist zu eng, der Gurt sitzt nicht richtig, oh, guck mal, da fliegt gerade einer über diese, hier so, eine Seilbahn und das hat sie halt einfach alles abgelenkt.
Und dass man einfach mit so Situationen toleranter umgeht und auch weiß, warum die so sind, das ist nicht, dass sie jetzt irgendwie die Situation sprengen wollen, sondern das sind einfach eine ganz neue Situation mit ganz vielen neuen Reizen, da können die gar nicht anders. Gab es denn auch früher so Dinge, wo du vor der ADHS-Diagnose gedacht hast, das ist, ganz schlimm, das ist ein riesen Erziehungsfehler, wenn ich das jetzt so und so mache, wo du inzwischen sagst, nee, das machen wir auf jeden Fall so, also gerade so wie dieses Essen.
Viele denken ja, das gemeinsame Essen am Familientisch ist ja auch so ein Ideal, das man im Kopf hat. Und da seid ihr jetzt auch schon komplett so weg von. Gab es noch mehr Dinge, wo du sagst, also das hätte ich früher nie gemacht, bis ich mich mit ADHS beschäftigt habe? Ja, ich glaube, viele Dinge sind auch so Sachen, dass man die Kinder so.
Ja, nicht so auflaufen lässt. Wo man sagt so, okay, wenn du bist, also man versucht die immer wieder so, ich hätte zum Beispiel nicht gesagt, okay, wenn du morgens nicht aus dem Bett kommst, das ist dein Problem, dann kommst du halt zu spät zur Schule. Oder dass ich sie aber dabei unterstütze, dass ich dann doch nochmal auf den letzten Drücker fahre und ja, irgendwie, ich habe auch schon mal die Hausaufgaben für sie gemacht, zum Beispiel.
Also das hätte ich zum Beispiel, das fände ich immer, habe ich mir gedacht, das ist doch Quatsch und das hilft ja den Kindern nicht weiter. Weil manchmal haben die auch, muss man nicht auch mal ehrlicherweise sagen, in der Schule komische Sachen auf und dann haben die so einen vollgepackten Tag und dann geht es irgendwie darum, kriegt ihr jetzt eine 3 oder eine 4, wenn sie die Hausaufgaben abgibt.
Und dann habe ich sie halt mal dabei unterstützt oder so, auch wenn das vielleicht pädagogisch nicht so wertvoll ist, aber dass man einfach so, überlegt, wo man jetzt seine, oder wo man wirklich Prinzipien hat, also was wirklich wichtige Prinzipien für einen sind oder wo man auch mal fünfe gerade sein lassen kann.
Also was hat das jetzt, wenn sie zehn Jahre zur Schule geht oder zwölf, dreizehn, keine Ahnung wie lange, für eine Auswirkung, wenn ich jetzt an dieser einen Stelle mal was zugestehe. Hat sie denn da keine Sonderstellung in der Klasse? Also einen klassischen Nachteilsausgleich? Nachteilsausgleich, aber...
Ich habe jetzt nicht so das Gefühl, dass da so sehr groß Rücksicht drauf genommen wird. Schade. Denn gerade so diese Sache mit Hausaufgaben ist ja auch so ein großes Thema bei neurodivergenten Kindern, wo ja auch viele echt empfehlen, hey, dann zur Not lasst die Hausaufgaben auch einfach weg. Und man dann mit den Lehrkräften noch spricht. Ich habe schon oft die Hausaufgaben für mein Zuge gemacht.
Und dann schreibe ich das auch dazu. Der ist ja jetzt in der zweiten Klasse. Und ich schreibe dann auch direkt dazu, er hat es mir gesagt und ich habe es geschrieben. Weil so einfach auch unterstützen. Ich finde, das ist schon auch wichtig, was du vorhin gesagt hast, dass es so individuell in Deutschland leider noch an den Lehrkräften hängt, die da dann rein zufällig diese Klasse unterrichten.
Ja, das ist wirklich Zufall. Ob man eine Lehrkraft hat, die sich auch vielleicht mit dem Thema entweder schon auskennt oder zumindest die Bereitschaft hat, sich damit zu beschäftigen. Also ich meine, die haben natürlich viel zu tun. Die haben eine Klasse von 32 Leuten. Das ist natürlich schwierig, klar, keine Frage. Aber es sind ja nicht 32 Leute neurodivergent. Das ist ja eine Handvoll Kinder, wenn überhaupt, die irgendwie was anderes brauchen.
Und das fände ich eigentlich schon schön, wenn das irgendwie ernst genommen würde. Also zum Beispiel bei meiner Tochter an der Schule gibt es ein Jogginghosenverbot. Und das ist auch so ein Ding, wo ich dachte, als wir die da angemeldet haben, dachte ich, super, da lernt die mal hier sich anständig anzuziehen.
Aber dann habe ich mich ja auch mit dem Thema mehr beschäftigt und das ist halt einfach eine Wohlfühlkleidung. Und sie ist dann auch mal mit einer Jogginghose zur Schule gegangen und ich sollte sie dann abholen. Und beziehungsweise da rief der Lehrer an und sagte, ihre Tochter trägt eine Jogginghose, das verstößt gegen die Kleiderordnung und entweder fährt sie jetzt mit dem Bus nach Hause oder, und dann habe ich gesagt, ich kann auch vorbeikommen, um ihr eine andere Hose zu bringen. Und da habe ich gedacht, wie bescheuert ist das denn bitte?
Die hat eine Hose an, das war jetzt noch nicht mal so eine, sag ich mal, klassische Jogginghose, sondern es war, sag ich mal, eine Stoffhose, die einfach mit einem Band zugemacht wurde. Und dann habe ich mich auf dem Weg wirklich so aufregt, weil sie ja nun mal auch eine Schülerin ist, die andere Themen einfach hat als diese Jogginghose.
Und da fand ich das von der Schule wirklich, sie musste am Sekretariat warten, bis ich komme. Und da habe ich gedacht, es geht sowieso schon nicht gerne zur Schule. Warum gängelt man die dann jetzt noch mit sowas? Das fand ich wirklich... Warum macht man es diesen Kindern so noch extra schwer? Und dann habe ich ihr eine Jeans vorbeigebracht, die komplett an den Beinen ausgefranst war. Also das sah viel schicker aus, was sie vorher anhatte, obwohl es dann so eine Stoffhose war. Und damit war der Lehrer dann zufrieden.
Es steht halt in der Ordnung. Das ist die Norm. Und so wird es gemacht. Also man muss halt einfach ein bisschen flexibler sein, so bei vielen Themen. Das lernt man, glaube ich, mit ADHS total. Diese Flexibilität. Und du bist ja inzwischen auch ADHS-Expertin, hast ja davor auch eher so dieses Klischee gehabt und dich jetzt total in das Thema reingearbeitet, auch durch dein Buch.
Was sind denn deiner Meinung nach die drei größten Irrtümer, die Menschen über ADHS haben, wo du denkst, es wäre richtig toll, wenn man das mal aufklären könnte? Also erstmal würde ich sagen, dass das immer nur sich in Wildheit und Lautstärke und Zappelfilipptum äußert, sondern dass auch ADHS hat halt auch eine stille Seite, eine leise Seite.
Das ist ja auch was bekannter wird gerade bei Frauen und Mädchen, dass halt auch dieses hyperaktiv einfach auch nach innen gerichtet sein kann und eine Person wirkt ruhig und funktioniert, aber ist innerlich einfach permanent auf 180 und das kann halt auch ADHS sein. Das ist so eine Sache. Dann gibt es ja immer noch diese Modediagnose.
ADHS ist eine Modediagnose und jetzt haben sie alle ADHS und so. Das ist ja auch was, wenn man sich damit beschäftigt. Gibt es das ja schon lange, schon immer. Und. Bekommt jetzt halt mehr Sichtbarkeit. Also diese Kinder gab es ja schon immer. Oder auch diese Erwachsenen, einfach diese Menschen, die neurodivergent sind, mit ADHS oder sonst was, das hat es schon immer gegeben.
Und deswegen ist das mit dieser Modediagnose, und wenn das ADHS sein soll, dann habe ich auch ADHS. Das finde ich immer so ein bisschen nervig, weil, es ist halt komplex und es ist auch ein breites Spektrum. Es kann sich auf ganz verschiedene Arten und Weisen äußern und das ist nichts Neues. Es spricht einem auch dann so viel ab, oder? Wenn du dann mit deinem Riesenthema, mit deinem Riesenpaket ankommst und dich so irgendwo gesehen fühlen möchtest und dann kommt da jemand an und sagt, du bist ja eh gerade in Mode und das habe ich.
Also dann habe ich auch ADHS. Ich habe auch nicht aufgeräumt. Danke für nichts. Und natürlich auch das Thema, auf der anderen Seite diese Superkraft ist ja auch. ADHS ist eine Superpower. Und das finde ich halt auch schwierig, Weil ich glaube, viele ADHSler haben viele Stärken. Gerade Kreativität gehört ja dazu und so ein bisschen um die Ecke denken, unkonventionelle Lösungen finden und so.
Und vielleicht so Muster erkennen, Strukturen irgendwie erkennen oder so. Oder auch einfach mal so eine gewisse Risikobereitschaft, auch mal was Neues auszuprobieren und so. Also Risikobereitschaft im Guten wie im Schlechten. Ja, ja. Aber diese Superpower, das ist eine Superpower, wenn du halt in einem perfekten Umfeld lebst und deine ganze Power halt ausleben kannst.
Da gab es jetzt auch Paris Hilton, hat das ja auch gesagt, sie hat ihrer ADHS so viel zu verdanken. Oder Heidi Klum. Und es kann auch sein, ich möchte denen auch keinen Leitdruck irgendwie absprechen, aber es ist natürlich einfacher, als Paris Hilton ADHS zu haben. Als vielleicht ein Kind, was nicht in so.
Sicheren finanziellen Verhältnissen aufwächst. Also das muss man sich halt leisten können, das als Superpower zu bezeichnen, weil die meisten gehen ja nicht zum Arzt und möchten eine Diagnose, weil sie denken, sie haben so eine tolle Superpower, sondern weil es ja auch einfach einen Leidensdruck gibt.
Und der wird eben auch abgesprochen, wenn man nur von Superpower spricht. Es ist ja auch dasselbe mit Autismus. Ich höre auch ständig, die sind ja alle so super. Die sind alle Rain Man. Ja, genau. Und die sind auch alle wirklich ultra gut mathematisch begabt. Und ich auch so, nee Leute, so ist es halt auch wieder nicht.
Weil dann wird es auch wieder so verharmlost. Und genau dieser Leidensdruck ist dann auch gar nicht mehr sichtbar. Es ist ja schön, dass Menschen mit ADHS auch sagen können, hey, für mich ist es eine Superpower. Und trotzdem gibt es eben auch diese Schattenseiten, wie du schon gemeint hast. Dieses Mutigsein und Vorausgehen, das kann total positiv sein.
Es kann aber auch echt gefährlich sein. Das ist ja auch so das Thema mit den ADHS-Medikamenten. Wenn Kinder mit ADHS ADHS-Medikamente nehmen, dann gibt es ja wirklich Studien dazu, die zeigen, dass die Kinder dann weniger häufig Unfälle haben. Weil dieses kleiner Flummi, der überall rumhüpft und nicht mehr nach links und rechts guckt und das wird dann auch einfach reduziert.
Und das ist eben so dieses Thema, finde ich. Also kann ich total mitgehen mit allem, was du da sagst. Weiß denn deine Tochter, dass sie ADHS hat? Ja, natürlich. Also ich sage jetzt natürlich, aber ich kenne auch Familien, die sagen, wir haben dir das gar nicht gesagt. Oder man sagt dann, hier, du kriegst jetzt Tabletten, das sind Vitamine.
Also ich finde das wichtig, mit denen darüber zu sprechen. Meine Tochter hat aber gar keine Lust, das sich immer anzuhören. Also die möchte, also am Anfang, wir leben ja jetzt auch schon ein paar Jahre damit, am Anfang habe ich halt versucht, ihr das so altersgerecht zu erklären und jetzt sagt sie mir, jetzt sag nicht wieder, das ist auch ADHS, wenn sie wieder irgendwas macht, wo ich denke, das, passt jetzt aber auch wieder.
Ich habe es noch vor zwei Tagen zu ihr gesagt, jetzt fällt mir gerade gar nicht mehr der Zusammenhang ein. Vielleicht komme ich gleich noch drauf. Aber dass sie momentan gar nicht so viel davon hören möchte, aber sie weiß es halt. Und ich glaube, dass es auch wichtig ist, dass die Kinder das wissen, weil das ist ja untrennbar einfach mit dir verbunden.
Und dass sie auch, wenn sie sich mit anderen Kindern vergleichen, was sie ja auf jeden Fall machen, auch einfach wissen, ich bin jetzt nicht dümmer als andere, weil ich schlechtere Noten habe oder weil mein Zimmer nicht so ordentlich ist oder, keine Ahnung, weil ich mich jetzt hier schon wieder gestoßen habe und ein Bein gebrochen habe oder weiß ich nicht was, mir einfach mehr Sachen passieren und ich schon wieder was verloren habe und so, dass es für dir einfach wichtig ist, eine Erklärung zu haben, auch wenn sie vielleicht mal eine Zeit lang gar nichts davon wissen wollen.
Wie hast du es, weißt du noch, wie du es ihr erklärt hast oder was dir dabei wichtig war bei dieser Erklärung? Weil das ist auch eine häufig gestellte Frage in meiner Community. Ja, wann sagt man es dem Kind? Worauf achtet man? Worauf sollte man achten, wenn man es dem Kind sagt? Also ich meine, wir haben das damals so, nachdem wir dann bei der Kinderärztin waren, habe ich ihr gesagt, wir.
Versuchen jetzt mal herauszufinden, warum es dir in der Schule so schwerfällt. und, weiß ich gar nicht mehr so, also wir gucken halt mal wie dein Gehirn so tickt, ne? Ob da bei dir vielleicht etwas anders verdrahtet ist als bei anderen und als wir die Diagnose dann hatten da hatte ich so ein YouTube Video gefunden, das war irgendwie ganz süß das war so gezeichnet, ich weiß nicht, ob ich das noch finde kann ich dir sonst auch mal schicken, wo halt so eine Person also so ein Schulkind sitzt in der Schule und merkt, wie es abschweift und draußen ist alles interessanter und die Uhrzeit, die Zahlen purzeln so aus der Uhr und dann trödelt es auf dem Schulweg und verpasst den Bus und steht dann im Regen und dann passieren immer so Dinge,
und da habe ich gedacht, so fühlt sich das an und das habe ich mir mit ihr halt angeguckt und ja, so halt versucht mir das irgendwie zu erklären und ich lasse das auch zwischendurch einfach nochmal fallen, das ist halt so Und das ist auch eine Erklärung. Ich finde es schon wichtig, den Kindern das zu sagen und nicht zu sagen, du kriegst hier Vitamine und nach den Vitaminen fühlen die sich irgendwie ganz anders.
Das fände ich jetzt komisch, das so zu machen. Ja, ist natürlich auch immer eine Altersfrage, glaube ich. Und ich sage auch immer, also inzwischen bin ich auch so ein Mensch, aufgrund unserer Familiengeschichte, dass ich immer sage, don't judge what you can't understand. Weil es ist einfach so, ich habe früher auch oft so Vorurteile gehabt, wo ich mir gedacht habe, also das wird ein Leben tun.
So wird das nicht ablaufen. Und inzwischen sage ich, okay, also wirklich, ihr werdet das am besten wissen. Macht ihr das so, wenn ihr das so denkt. Kann ich aber sehr gut nachvollziehen. Vor allem dann auch ab einem gewissen Alter, dass man das den Kindern dann auch erklärt. Das ist ja auch ihr Körper und ja, diese Medikamente machen eben auch was mit einem.
Jetzt hast du ja auch dieses Buch geschrieben mit einem sehr positiven Tränen. Hey, wie schaffen wir es im Alltag nicht unterzugehen? Hast du denn so drei Tools, wo du sagst, die sind für uns essentiell, damit wir nicht untergehen? Also erstmal für mich To-Do-Listen. Ich habe immer, also hier liegen allein schon drei, die ich gerade nochmal so ordentlich runtergeschrieben habe in verschiedenen Kategorien, beruflich, Familie, sonstiges und so weiter, weil ja, das hilft mir halt einfach das zu strukturieren.
Dann versuche ich auch meinen Kindern, schreibe es dir auf. Dann vergisst du es vielleicht nicht. Dann also für das Kinderzimmer, um da so ein bisschen Ordnung reinzukriegen, einfach so statt Schränke vielleicht Körbe einfach hinzustellen. Dann hat man viel schneller aufgeräumt. Also wenn sie aufräumt und sie hat dann so einen großen, hübschen Korb stehen, einfach alles in den Korb zu schmeißen, ist halt schneller gemacht, als das zu falten, an die richtige Stelle im Schrank zu legen.
Das ist ja auch, das ist für neurotypische Menschen vielleicht nicht so nachvollziehbar, wie viele Schritte an exekutiven Funktionen das erfordert, so einen Kleiderschrank ordentlich zu halten. Das ist vielleicht für manche Leute gar nicht so verständlich, dass das schon auch eine Aufgabe ist. Also einfach alles in den Körbe schmeißen.
Und ja. Und ansonsten, also was für mich so ein kleiner ADHS-Hack war, waren Zahlenschlösser, zum Beispiel für Fahrräder, für Spinde, für irgendwas, weil wenn du ein Schloss mit Schlüssel hast, kannst du davon ausgehen, dass der Schlüssel entweder weg ist oder nicht da, wo das Schloss ist und so weiter.
Also ich habe dann irgendwann mal für alle unsere Fahrräder vier Zahlenschlösser bestellt. Weil wir einfach so einen halben Tag immer damit verbracht haben, diesen kleinen Prinzessin-Lilifee-Schlüssel zu suchen, der zum Fahrradschloss passte. Gleiches halt für einen Spind oder für alles, was man halt irgendwie so sichert.
Also alles, was halt einfacher ist. Traust du dich, ihr einen Hausschlüssel mitzugeben? Mit Erdrich. Hast du, weil das ist bei uns gerade so ein Thema, also wie können wir das, wie schaffen wir das, dass dieser Hausschlüssel nicht innerhalb der ersten zwei Tage verloren geht? Also ich meine, sie ist ja 13, das heißt klar hat die einen Schlüssel.
Also es kommt natürlich aufs Alter an. Die ist natürlich dann auch mal alleine zu Hause oder kommt nach Hause, wenn wir noch nicht da sind oder so. Das ist ja was anderes als beim Erstklässler. Aber es ist tatsächlich so, ich gebe ihr einen Schlüssel. Das heißt aber nicht, dass sie den auch mitnimmt.
Das ist eher so das Thema. Ich habe jetzt auch so gedacht, das wäre auch so geil, wenn man dann für solche Familien auch wirklich diese Türen mit Fingerabdrücken hat. Das fände ich auch. Also dann würde bei uns auch ganz, ganz vieles erleichtern. Gab es denn auch so einen Tipp, den du im Laufe der Zeit irgendwie mal gelesen oder gehört hast und von dem du dann so dachtest, ey, wieso hat mir das niemand früher gesagt?
Das hätte mir so viel Leid erspart. Ja, das stimmt. Das stimmt. Da muss ich wirklich mal nachdenken. Ähm. Ja, also mir fällt jetzt spontan keine, also ich glaube, sich von diesen Glaubenssätzen zu verabschieden. Man muss nicht so als Familie sein wie in der Werbung. Also das gibt es bei uns nicht, dass wir bevor alle dahin müssen, wo sie morgens hin müssen, dass wir noch alle gemütlich am Frühstückstisch sitzen.
Das wird nicht passieren. Und dann, wenn man einfach sagt, das wird bei uns einfach nicht passieren, dann ist es auch in Ordnung. Meine Tochter frühstückt im Bett morgens, wenn überhaupt. Und dem auch nicht so eine negative Wettbewerb zu geben. Genau, und dann einfach sagen, okay, das funktioniert für uns.
Aber wir sitzen nicht zu viert noch gemütlich, wo alle, zum Beispiel die Kinder zumindest, auf dem letzten Drücker aufstehen, sitzen wir nicht noch zu viert gemütlich am Tisch und quatschen. Also ich bin froh, wenn überhaupt alle einigermaßen pünktlich kommen. Und es nicht schon drei Vollkatastrophen davor gab und drei Ausraster von irgendjemandem, oder?
Was würdest du denn jetzt mit deinem Wissen einer Mama sagen, die regelmäßig in ihrem Familienalltag denkt, Mann ey, ich will es so unbedingt richtig machen, aber ich mache es irgendwie komplett falsch. Ich mache irgendwie ständig immer alles falsch. Und eigentlich würde ich es so gern richtig machen. Vielleicht muss man auch immer überlegen, was ist denn richtig und was ist falsch. Also was ist wirklich richtig und was ist wirklich falsch? Also ist das wirklich so falsch?
Das ist ja auch so eine Sache, was ist normal, was ist nicht normal, was ist richtig und was ist falsch? Also muss man sich halt vielleicht auch mal überlegen oder sein Denken über richtig und falsch vielleicht so ein bisschen neu justieren. Also was ist mir wirklich wichtig? Oder mache ich das nur so, weil ich glaube, dass ich das so machen muss?
Schön. Und wenn du jetzt nochmal, zurückfliegen könntest in der Zeit direkt nach Geburt deiner ersten Tochter, und dieser Berit von damals so einen, Mantra oder einen Wissenssatz in das Gehirn einpflanzen könntest, was sie nie vergessen wird, während sie dieses Leben dann mit ihrer Tochter lebt. Gibt es da was, wo du denkst, das würde ich mir in der Vergangenheit einfach gerne nochmal sagen?
Das weiß ich jetzt nicht so genau, aber es gibt eine Sache, die mir immer wieder im Kopf schwebt. Und zwar hat meine Tochter, als sie so in der zweiten Klasse oder so war, da musste sie irgendwas in Mathe machen, wir. Gingen so komplett an der Aufgabenstellung vorbei. Aber sie hat sich was ganz Tolles einfallen lassen. Es war irgendwie sehr kreativ, was sie gemacht hat.
Es hatte nur absolut gar nichts mit der gestellten Aufgabe zu tun, aber es war mit Glitzer verziert und wunderschön. Und dann hat die Lehrerin darunter geschrieben, Aufgabe nicht verstanden, aber sich viel Mühe gegeben. Und da habe ich gedacht, das ist doch eigentlich ein total gutes Lebensmotto. Wir wissen irgendwie gar nicht so genau, was wir hier gerade machen, aber wir versuchen unser Bestes.
Superschön. Berit, vielen Dank für deine Zeit. Ich danke dir. Genau, und Berit hat das tolle Buch geschrieben, ADHS verstehen, ohne als Familie den Verstand zu verlieren. Ich habe euch den Link zum Buch in die Shownotes gepackt. Guckt da gerne mal rein, wenn euch das interessiert. Ansonsten hoffe ich, dass ihr ganz viel aus diesem Gespräch mitnehmen konntet für euch und euren wilden, kunterbunten Familienalltag mit ADHS.
Wir hören uns hier im High Family Podcast wieder nächsten Mittwoch zu einem neuen Aha-Moment. Und gerne auch wieder ganz regulär zu einer normalen Podcast-Folge. Nächsten Sonntag gibt es August-Recap. Mein Gott, dann ist auch schon wieder der August vorbei. Ich wünsche euch bis dahin eine gute Zeit. Lasst es euch gut gehen.
Gönnt euch was. Alles Liebe, eure Isa.