
Hi, Family! Der Elternpodcast fĂŒr Familien mit neurodivergenten Kids (ehem. Hi, Baby! Podcast)· Folge 412
Marmeladenglas-Momente: Die lustigsten Akendoten unserer super ehrlichen, neurodivergenten Kinder
Sonntag, 16. August 2026 · 29 min
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Shownotes
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"....Hat er/sie nicht gesagt!" Diesen Gedanken kennen Eltern neurodivergenter Kinder wahrscheinlich ziemlich gut. Autsitsiche Kinder oder auch Kinder mit ADHS können unfassbar ehrlich sein.
In dieser Community-Folge teilen wir die lustigsten Anekdoten aus dem Familienalltag mit autistischen und neurodivergenten Kindern â direkt, ehrlich, manchmal maximal peinlich fĂŒr alle Beteiligten (auĂer das Kind, das nicht versteht, warum alle gerade so betroffen schauen) und oft einfach nur herrlich.
Du erfÀhrst auch noch:
â warum unsere Kinder solche Dinge meist ĂŒberhaupt nicht böse meinen
â was hinter dieser besonderen Direktheit stecken kann
â weshalb wir nicht jede ehrliche Aussage sofort weg-erziehen mĂŒssen
â wie wir stattdessen reagieren können
Eine leichte, lustige Folge ĂŒber Autismus, ADHS, Elternsein und Familienleben jenseits der Norm â mit ziemlich viel Humor und einem kleinen Perspektivwechsel zum Schluss.
đ Isabel Demirels Buch "Anders glĂŒcklich â Familienleben jenseits der Norm" (amzlink.to/az0YgeWRqK9zd )
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Alle leise, wir machen jetzt Quatsch! Schön, dass du da bist bei HiFamily, dem Elternpodcast SchĂŒlfamilien mit Autismus, ADHS und anderen Besonderheiten. Achtung, das fĂ€llt gleich runter. Mir doch egal. Und wer rĂ€umt das jetzt alles wieder auf? Ich nicht. Die Kackwurst-Mama. Der ist doch komplett irre.
Hallo, so schön, dass ihr wieder zuhört im Hi-Family-Podcast, eurem virtuellen Zuhause fĂŒr Familien jenseits der Norm, bei denen der Alltag einfach ein bisschen wilder, bunter, voller, chaotischer, anstrengender ist als bei vielen anderen Familien. Und trotzdem ja auch wunderschön. Und heute geht es um ein total lustiges Thema.
Das ist ganz spontan entstanden durch eine Instagram-Story, die ich gemacht habe mit einer Anekdote meines Sohnes, die erzÀhle ich euch dann auch gleich, wenn wir ins Thema eintauchen. Und dann kam mir die Idee, dass wir doch einfach aus der Community von euch die besten Anekdoten und Geschichten, von neurodivergenten Kindern und ihrer ungefilterten, unfassbarsten, wahren Ehrlichkeit sammeln können, und daraus eben eine High-Family-Community-Folge machen hier im Podcast.
Und es gibt wirklich so krasse Geschichten von euch. Ich habe so sehr gelacht, als ich diese Folge vorbereitet habe. Da dĂŒrft ihr euch echt drauf freuen. Wie immer starten wir hier aber im High-Family-Podcast mit einem kurzen gemeinsamen Check-In. Das ist der Moment, an dem du all deine Antennen von auĂen einfahren darfst, um bei dir mal kurz einzuchecken, um mal zu gucken, hey, klopf, klopf, wie geht es mir eigentlich im Moment, was ist eigentlich gerade los?
Und das ist so unfassbar wichtig und kommt im Alltag einfach viel zu kurz. Deswegen lade ich dich jetzt ein, gerne einmal die Augen zu schlieĂen, wenn es gerade geht oder auch den Blick einfach weich werden zu lassen. Tief in den Bauch einzuatmen. Du darfst gerne auch eine Hand an den Bauch halten. Durch die Nase einatmen in den Bauch.
Das darfst du gerne noch ein paar Mal machen. Durch die Nase, tief und vollstĂ€ndig einatmen. Und du darfst dir gerne vorstellen, dass du dich beim Einatmen mit all dem fĂŒhlst, was dir gerade gut tut. Entspannung, Liebe, Gelassenheit, Freude, Energie. Das atmest du ein. Und aus durch den Mund alles, was du loswerden möchtest.
MĂŒdigkeit, Frust, Traurigkeit, Genervtheit, Stress. Das darf alles gehen. Und spĂŒr auch gerne mal in deinen Körper rein, ob da irgendwas gerade angespannt ist. Vielleicht ist dein Gesicht ja ganz verkrampft und du hast von diesen ĂŒber 50, Muskeln in deinem Gesicht ĂŒber die HĂ€lfte angespannt und aktiviert.
Und dann kannst du auch mal ganz aktiv einfach loslassen und das Gesicht weich werden lassen. Kannst mal die Stelle zwischen deinen Augenbrauen massieren, ganz sanft. Lass auch mal ganz bewusst deine Schultern los, dass die nach unten hinten sinken dĂŒrfen. Und wenn du magst, kannst du auch mal so richtig wohlig seufzen, also tief einatmen und dann so, oh.
So, was tragen wir eigentlich den ganzen Tag und wie gut tut es, das einmal aktiv loszulassen, und mal all die ganzen To-Dos und Sorgen und PlĂ€ne und Ideen und Sorgen und Sorgen, und habe ich eigentlich Sorgen schon erwĂ€hnt, einfach mal in eine Box zu packen und unters Bett zu schieben und zu sagen, hey, jetzt gerade ist High Family Zeit, jetzt möchte ich mir was Gutes tun und um die Sorgen kĂŒmmere ich mich spĂ€ter wieder, wenn ich sie ganz aktiv wieder aus ihrem KĂ€stchen raushole.
Genau. Und jetzt bist du in der richtigen Stimmung und ich auch fĂŒr eine High-Family-Podcast-Folge. Wie bin ich heute da? Ich bin heute einfach, ich bin irgendwie so total im Ferienmodus. Wir sind ja in der zweiten Ferienwoche, Ende der zweiten Ferienwoche und es ist so komplett struktur- und planlos und letzter Hort- und Kindergartentag waren bei uns heute, und nĂ€chste Woche geht dann so diese komplett strukturfreie Zeit los.
Ich bin eben auch schon in Gedanken dabei, tausend PlĂ€ne und Ideen zu haben und zu machen, wie wir diese Struktur trotzdem beibehalten können. Und es ist einfach viel und trotzdem möchte man ja, dass es schön ist. Also ich finde immer so diese Mischung zwischen Sommerferien sollen schön sein, und gleichzeitig ist es auch einfach verdammt anstrengend fĂŒr uns Eltern und wahrscheinlich auch fĂŒr die Kinder.
Das ist immer so ein Balanceakt und da bin ich gerade auch mittendrin. Und jetzt dĂŒrfen wir alle mal ein bisschen lachen und ein bisschen schmunzeln ĂŒber diese super ehrlichen und ultra einmaligen Anekdoten unserer Kinder. Ich finde es ja mega geil, dass wir endlich mal wieder eine Community-Folge hier im Podcast haben. Hatte ich viel zu lange schon nicht mehr.
Und der Anlass war, wie schon gesagt, eine Anekdote in meinem Instagram-Feed, nee, in meinen Instagram-Stories. Wer mir da noch nicht folgt und das gerne tun möchte, isabel-demirel heiĂe ich da. Und da habe ich mit euch geteilt, dass mein Sohn eben zum GĂ€rtner rausging. Der hat mit so einer MotorsĂ€ge die BĂŒsche im GemeinschaftsgrundstĂŒck gekĂŒrzt.
Und das hat meinen Sohn total genervt. Es war einfach laut, es war störend. Wir waren gar nicht im Garten und es hat ihn trotzdem gestört. Und er ist dann rausgegangen, rausgestapft, so richtig nah an den Mann ran. Also ich wĂŒrde mal sagen, vielleicht so vier Meter Abstand. Und hat ihn dann ganz empört angeschnauzt. Kannst du mal leise sein?
Mit auch so einem einmaligen Gesichtsausdruck. So richtig, ich gehe da jetzt hin und beschwere mich. Und auch mit der AttitĂŒde, als wĂ€re es das Normalste der Welt. Der GĂ€rtner hat dann auch noch, ja, total, ich fand so ein bisschen doof reagiert. Da ging man so, nö, nö, kann ich nicht. Und dann hat man so nur, oh, nervig, sich umgedreht, wieder zurĂŒckgestapft, TĂŒre zugemacht und sich dann bei mir drĂŒber beschwert.
Und ich habe nur gedacht, krass, frĂŒher wĂ€re mir das ultra unangenehm gewesen und ich wĂ€re wahrscheinlich zu dem Mann rausgegangen und hĂ€tte mich, entschuldigt und eventuell auch erklĂ€rt, sorry, mein Sohn meint das gar nicht so, der ist Autist und der will nicht unhöflich sein, der ist einfach nur sehr ehrlich.
Und so weiter und so fort. Aber diesmal habe ich einfach nur lachen mĂŒssen und mir gedacht, cooler Typ, mein Sohn. Also auch richtig mutig. Ich fand das richtig mutig von ihm und dachte mir so, hey, er sorgt halt auch einfach fĂŒr seine BedĂŒrfnisse. Und da hinzugehen und den Mann zu fragen, ob er endlich mal leise sein kann, ist ja im Grunde auch gar keine Beleidigung.
Und ganz viele von euch haben das dann auch so gefeiert, als ich das in der Story geteilt habe. Und mir daraufhin ihre Geschichten geschickt, mit den super ehrlichen Aussagen ihrer Kinder. Und dann hatte ich eben so die Idee, okay, wir mĂŒssen unbedingt so eine Marmeladenglas-Momente-Folge machen, in der wir die Best-of-Geschichten unserer ehrlichen Kinder sammeln.
Also, here we go. Ich fange einfach mal mit der ersten Geschichte von euch an. Mutter-Kind-Kur-Edition. Schon so geil. Im Essenssaal ist mein Sohn regelmĂ€Ăig fast ausgerastet, weil es so wuselig und laut war. Einmal hat er auch einfach ganz laut geschrien. Immerhin weiĂ ich jetzt, dass ich ihm definitiv Mickey-MĂ€use fĂŒr die Schule besorgen werde.
Er durfte dann bei jedem Essen mit Kopfhörer Hörspiele auf der Tigerbox hören. Blicke von links und rechts waren mir sowas von egal. Einmal musste unbedingt sein Lego mit zum Essen. Das hat natĂŒrlich andere Kids an den Tisch gelockt. Seine Antwort? Haut ab! Mit so einem Todlacher hat sie dazu gemacht. Eine andere Mutter mit einem MĂ€dchen saà öfter bei uns am Tisch und war manchmal regelrecht empört, weil mein Sohn in AnfĂŒhrungszeichen mies drauf war und seinen Raum verteidigt hat.
Das MĂ€dchen war sehr aufdringlich mit NĂ€he und Worten und beide haben leider nicht so ganz verstanden, was bei meinem Sohn eigentlich das Thema war. Also das war die erste Anekdote von euch. Die zweite, meine Tochter sechs Jahre mit ADHS und mein Sohn vier Jahre, waren letztens im Supermarkt mit mir.
Vor uns ein weiteres Geschwisterpaar. Deren Tochter, circa zwei Jahre, hat einen theatralischen Wutanfall bekommen und der Bruder, circa fĂŒnf, stand genervt daneben. Meine Tochter geht ganz lĂ€ssig zu der Kleinen und sagt, ich habe frĂŒher auch immer geschrien, jetzt rede ich viel lieber. Die BrĂŒder tauschten wĂ€hrenddessen vielsagende Blicke aus.
Naja, die Kleine hatte sich dann erstaunlich schnell beruhigt und ich habe jetzt eine neue Supermarkt-Shopping-Buddy-Mama. So geil. Was fĂŒr eine coole Tochter hast du eigentlich. NĂ€chste Geschichte. Mein Sohn, Vier, der andere Menschen nicht mag und nicht mit Fremden redet, hat, wie wir spontan zu Pizzeria sind, in Klammer, wir gehen eigentlich nicht mehr essen, weil ihm alles zu laut ist und er schnell ĂŒberreizt ist, einfach hau raus, weil der Kellnerin eine eigene Pizza bestellt, nach seinen WĂŒnschen.
NĂ€mlich, ich will eine Pizza mit Salami, Mais und KĂ€se und groĂ soll sie sein. Danke schön. Er isst eigentlich auch nie wirklich etwas unterwegs. Wir wollten ihm keine eigene bestellen, aber nach dieser Ansage haben wir nur genickt und er hat tatsĂ€chlich ein ganzes StĂŒck davon komplett gegessen. Den Rest haben wir einpacken lassen und den nĂ€chsten Tag zusammen gegessen.
Es war die beste Pizza auf der Welt. Wir waren so mega stolz, weil er eine so tolle Zeit im Restaurant hatte und alleine ohne Fragen einfach direkt seine WĂŒnsche geĂ€uĂert hat. Wir waren alle geschockt und gleichzeitig haben wir uns so gefreut, dass er sich das einfach getraut hat. Ohne Absprache und noch mega deutlich gesprochen dabei, sodass keiner ĂŒbersetzen musste.
Oh Mann, das fĂŒhle ich auch einfach komplett super schön. Oh. NĂ€chste Nachricht. Die ist auch so geil. Meiner hat sich eben in der Achterbahn umgedreht und die Leute hinter uns angepflaumt, dass sie gefĂ€lligst nicht so schreien sollen. NĂ€chste Nachricht. Wir haben neulich eine Bekannte getroffen, die meine Tochter bestimmt ein halbes Jahr nicht gesehen hatte.
Sie schaut sie ganz begeistert an und sagt, wow, du bist aber groĂ geworden. Meine Tochter mustert sie kurz von oben bis unten und antwortet völlig ungerĂŒhrt, du nicht. Herrlich! Wir waren beim Kinderarzt, weil mein Sohn seit Tagen richtig erkĂ€ltet war und sich total mies gefĂŒhlt hat. Der Arzt kommt rein, setzt sich hin und fragt ganz freundlich, na, wie geht's dir denn heute?
Mein Sohn schaut ihn völlig verstĂ€ndnislos an und sagt, schlecht, sonst wĂ€ren wir ja nicht hier. Der Arzt musste lachen und meinte nur, ja gut, da hast du natĂŒrlich recht. Nein. Noch eine Anekdote von euch. Meine Mutter. Hatte sich ein neues ParfĂŒm gekauft und war total begeistert. Als wir bei ihr waren, fragte sie meinen Sohn, na, wie findest du meinen neuen Duft?
Muss ich kurz mal dazu sagen. Ey Oma, du weiĂt doch hoffentlich, dass dein Enkel Autist ist, oder? Also wie geht es mal davon aus? Oder Neurodivergent zumindest. Naja, genau. Sie fragt, wie findest du meinen neuen Duft? Er schnuppert kurz, verzieht komplett das Gesicht und sagt, das stinkt ja grĂ€sslich.
Schade, dass du es nicht mehr umtauschen kannst. Jetzt ist die Flasche ja schon geöffnet. Meine Mutter war kurz beleidigt, aber ich musste leider viel zu laut lachen. So herrlich. NÀchste Nachricht. Wir waren neulich tatsÀchlich mal in einem etwas schickeren Restaurant essen und der Kellner war sehr aufmerksam.
Er kam innerhalb kĂŒrzester Zeit zweimal zu uns und fragte jedes Mal, ob alles passe und ob es uns schmecke. Beim zweiten Mal schaut mein Sohn ihn leicht genervt an und sagt, du hast das vor acht Minuten schon einmal gefragt. Die Antwort verĂ€ndert sich nicht. Der Kellner war komplett perplex und ich habe doppelt freundlich alles Bestens gesagt, um die Stimmung zu retten.
Ja, sehr ehrlich, mein Gott. Ich verstehe das ja. Der Kellner oder die Kellnerin wollte ja auch nur das Beste. Und das Kind denkt sich so, ja, was soll sich jetzt in den acht Minuten verÀndert haben? Ich esse immer noch dasselbe Essen und es ist immer noch genauso gut oder schlecht wie zu Beginn. Mein Sohn war auf einem Kindergeburtstag und hat bis dahin eigentlich ganz zufrieden alleine vor sich hingespielt.
Irgendwann klatscht die Mutter des Geburtstagskindes in die HĂ€nde und sagt, so, jetzt spielen wir alle zusammen ein Spiel. Mein Sohn sofort, warum? Sie? Na, weil das SpaĂ macht. Er? Mir nicht. Ich kann es mir so vorstellen. Wir waren neulich in einem Aufzug und an einer Etage stieg noch ein Mann dazu, der wirklich sehr stark nach SchweiĂ gerochen hat.
Mein Sohn hĂ€lt sich sofort demonstrativ die Nase zu und schaut mich mit riesigen Augen an. Dann ruft er in voller LautstĂ€rke. Mama, sofort aussteigen, der Mann stinkt zu stark. Ich wĂ€re frĂŒher wahrscheinlich im Boden versunken. Heute denke ich nur, naja, subtil geht anders. Unsere Nachbarin hat sich neulich ein bisschen mit meiner vierjĂ€hrigen Tochter unterhalten, und sie hat sie die ganze Zeit gesiezt. Irgendwann sagt die Nachbarin ganz lieb, ach, du kannst mich ruhig duzen.
Meine Tochter schaut sie an und sagt völlig selbstverstĂ€ndlich, Ich will eigentlich lieber gar nicht mit dir reden. Es war ĂŒberhaupt nicht böse von ihr gemeint. Sie wollte einfach nur klarstellen, dass das Duzen gerade nicht ihr Hauptproblem war. Auch herrlich. NĂ€chste Nachricht. Wir waren im Freibad und ein kleines Kind ist leider in eine Biene getreten.
Das arme Kind hat natĂŒrlich richtig laut geweint und mein Sohn ist bei solchen GerĂ€uschen extrem empfindlich. Erst hat er sich die Ohren zugehalten und nach ein paar Sekunden brĂŒllt er quer ĂŒber die Liegewiese. Dein Bein nervt! Ich hĂ€tte ihm gleichzeitig gern erklĂ€rt, dass das Kind gerade Schmerzen hat, und ihm zugestimmt, weil es war wirklich sehr laut.
So, die letzte Anekdote von euch. Meine Tochter wollte unbedingt mal einen anderen Haarschnitt ausprobieren und ich hatte vorher noch zu ihr gesagt, wir testen heute einfach mal den neuen Friseur um die Ecke und wenn er uns nicht gefĂ€llt, gehen wir nĂ€chstes Mal wieder zum alten. Am Ende fragt die Friseurin natĂŒrlich, na, gefĂ€llt dir deine neue Frisur?
Meine Tochter betrachtet sich im Spiegel und sagt dann, nein, aber meine Mama hat gesagt, wir probieren das heute nur aus. Wenn es schlecht ist, gehen wir wieder zum anderen. Also ist es ja nur dieses Mal schlecht. Ich wollte mich gleichzeitig entschuldigen und ihr fĂŒr diese absolut wasserdichte Argumentation applaudieren.
Oh Gott, das sind halt so diese Momente, in denen man auch so einfach im Boden versinken möchte. Kind, diese Ehrlichkeit, ey. Und das sind ja alles lustige Geschichten. Wir lachen drĂŒber und ich finde auch, wir dĂŒrfen drĂŒber lachen. Wir haben ja wirklich auch wahrlich nicht genug in unserem Leben zu lachen.
Und es gibt viele Dinge in unserem Leben, die sind auch einfach nicht zum Lachen. Und wenn dann sowas passiert, ist es auch einfach schön, wenn man das mit Humor nehmen kann und wenn man manche Szenen auch einfach weglachen kann. Oder manchmal ist es ja auch einfach so krass peinlich, dass das Lachen dann auch einfach gut ist.
Aber ich möchte trotzdem noch mal kurz einordnen, warum viele neurodivergente Kinder solche Dinge ĂŒberhaupt sagen. Denn hinter diesem, der Mann stinkt oder das Weinen nervt, steckt ja in den allermeisten FĂ€llen nicht der Gedanke, so, wie kann ich diesen Menschen jetzt möglichst effektiv beleidigen, sondern es geht ja vielmehr darum, Ich nehme gerade etwas wahr und ich kommuniziere, ganz echt und ungefiltert, was ich wahrnehme.
Und das klingt jetzt erstmal so banal, aber das ist ja ein riesiger Unterschied, weil das eine ist ja eine Intention, ja, ich möchte diese Person jetzt beleidigen, ich möchte die jetzt verletzen. Und das andere hat ja ĂŒberhaupt keine negative Intention, sondern das ist ja, diese Kinder sind ja, wenn man die dann schimpft, total ĂŒberrascht.
So, hÀ, was ist denn jetzt los? Ich wurde doch gefragt und ich antworte. Und gerade autistische Kinder kommunizieren hÀufig einfach sehr direkt und Sprache wird, viel stÀrker nach dem eigentlichen Inhalt benutzt und so gut wie gar nicht oder deutlich weniger nach all diesen tausend unsichtbaren sozialen Regeln.
Die die meisten Menschen eben in ihrem Leben irgendwann lernen. Also wir wissen zum Beispiel oder fĂŒr viele neurotypische Menschen ist es vielleicht ganz klar, wenn Oma fragt, na, wie gefĂ€llt euch mein neues ParfĂŒm? Dann möchte sie wahrscheinlich jetzt nicht eine objektive oder eine subjektive, komplett ehrliche Geruchsanalyse.
Sie möchte eigentlich hören, das duftet ja toll oder zumindest das passt total gut zu dir. Aber insbesondere autistische Kinder finden eben diese sozialen Regeln unfassbar anstrengend und verstehen sie halt auch einfach nicht so intuitiv. Und wenn das Kind dann denkt, boah, es riecht ja furchtbar, dann beantwortet es halt auch einfach exakt die Frage genauso ehrlich, wie es das eben empfindet.
Also wie findest du mein neues ParfĂŒm? Furchtbar. Und aus der Sicht dieses Kindes Auftrag erfĂŒllt. Und bei manchen Kindern kommt auch noch was anderes dazu. Wenn die Impulse schneller sind als die soziale Kontrollinstanz im Kopf, hĂ€ufig bei ADHS so. Kennt man ja diesen Spruch so, man trĂ€gt das Herz auf der Zunge oder man redet schneller, als man denkt.
Da ist halt der Gedanke schon da und zack drauĂen, ohne dass er erstmal im Kopf nochmal gefiltert und verarbeitet wird. Und andere machen da vielleicht noch eben diese 14 Zwischenschritte und filtern das auf alle möglichen Ebenen. So, oh Gott, in echt riecht das total schlimm, aber das kann ich ja jetzt nicht sagen. Was sage ich denn stattdessen?
Vielleicht sage ich ja einfach, passt zu dir. Und das Kind sagt einfach, Oma, schade, dass du den nicht mehr zurĂŒckgeben kannst. Und dann gibt es Situationen, in denen noch ReizĂŒberflutung dazukommt. Das ist nochmal so eine dritte Komponente. Zum Beispiel Freibad, das ist eh schon alles laut, wild, viele GerĂŒche, viele Reize fĂŒr das Kind und dann schreit da auch noch ein Kind unfassbar laut oder weint.
Und natĂŒrlich weiĂ das Kind wahrscheinlich auch grundsĂ€tzlich, hey, das andere Kind gerade hat Schmerzen, dem geht es nicht gut. Aber trotzdem ist dieses laute Weinen dann einfach auch so brisant oder tut vielleicht auch körperlich dem neurodivergenten Kind richtig weh, weil das Nervensystem ja sowieso schon bis an Anschlag belastet ist, dass das Kind einfach nur noch denkt, mach das GerĂ€usch weg.
Und dann sagt es halt, das Weinen nervt. Und das bedeutet ja auch nicht automatisch, dass es mit dem Kind nicht empathisch mitfĂŒhlt, sondern es kann schlicht bedeuten, dass das Kind gerade das eigene BedĂŒrfnis und das BedĂŒrfnis des Kindes nicht gleichzeitig bearbeiten oder verarbeiten kann. Und deswegen finde ich es halt auch so wichtig, zwischen Absicht und Wirkung zu unterscheiden, denn natĂŒrlich darf jemand trotzdem auch verletzt sein.
Also die Absicht war jetzt keine böswillige. Unser Kind wollte jetzt nicht dem anderen Kind sagen, hey, interessiert mich ein ScheiĂdreck, ob du von der Biene gestochen wurdest. Das ist mir egal und deine Schmerzen sind mir auch egal, sondern die Absicht war ja einfach nur, hey, es ist gerade einfach zu laut hier und die Wirkung kann ja trotzdem verletzend sein.
Dass die Mutter von diesem Kind dann vielleicht sagt, wie kann ihr Kind denn jetzt hier mein armes Kind so anschreien, wenn es doch eh schon Schmerzen hat. Und natĂŒrlich ist das dann auch erstmal legitim. Und wenn ein Kind dann zu einem anderen sagt, hey, du stinkst oder so. Dann darf das ja auch fĂŒr das GegenĂŒber erstmal unangenehm, peinlich, traurig sein.
Und trotzdem darf Neurodivergenz natĂŒrlich auch nicht bedeuten, dass unsere Kinder alles sagen dĂŒrfen und andere auch alles aushalten mĂŒssen. Aber fĂŒr mich bedeutet sie schon, dass ich ganz klar unterscheiden möchte, dass ich mein Kind nicht fĂŒr etwas beschĂ€men will, dass es nicht mit böser Absicht getan hat.
Also ich kann halt dann zum Beispiel hinterher, das finde ich immer total sinnvoll, also ich möchte jetzt nicht in dieser, genau in diesem Moment mein Kind dann auch vor allen anderen bloĂstellen, sagen, wie kannst du jetzt das arme kleine Kind hier so anschreien, das hat ein Aua, das ist in die Biene reingetreten.
Aber ich kann halt sehr wohl im Nachhinein mein Kind zur Seite nehmen und es nochmal erklĂ€ren. Oder genauso mit dem stinkenden Mann im Aufzug, dass man dann sagt, hey... Du hast gemerkt, dass der Geruch fĂŒr dich sehr stark war. Ich verstehe das. Aber wenn wir einem anderen Menschen ganz direkt sagen, dass er stinkt, dann verletzt ihn das. Und das nĂ€chste Mal sagst du bitte einfach nur zu mir ganz leise, Mama, ich muss hier raus.
Und dann verstehe ich das. Also so. Und ich finde, das ist halt ein riesengroĂer Unterschied. Ob wir jetzt sagen, oh Gott, Also mein Kind hat jetzt komplett peinlich mich hier bloĂgestellt vor allen anderen. So was sagt man doch nicht. Entschuldige dich jetzt sofort. Also ganz oft wird ja dann auch von den Kindern verlangt, dass sie sich dafĂŒr entschuldigen, fĂŒr diese Beleidigung, die sie da jetzt gerade irgendwie rausgehauen haben.
Und das Kind lernt dann ja auch gar nicht. Wie könnte ich das denn besser kommunizieren, dieses innere BedĂŒrfnis, das ich habe oder auch diese innere Wahrheit, sondern das Einzige, was das Kind dann lernt, ist, so wie ich die Welt wahrnehme, ist es irgendwie falsch oder so wie ich die Welt wahrnehme, ecke ich damit an, oder finden das andere Menschen doof.
Und dann schlussfolgern die ja wieder, ich bin nicht gut genug, ich bin nicht liebenswert, ich bin nicht gut, so wie ich bin. Und das wollen wir ja natĂŒrlich auch nicht. Und ich glaube jetzt nicht, dass unsere Aufgabe ist, aus unseren neurodivergenten Kindern kleine Diplomaten zu machen. Das kriegen wir gar nicht hin.
Unsere Aufgabe ist, ihnen einfach StĂŒck fĂŒr StĂŒck zuvor zu machen. In einem gesunden Tempo, gesund fĂŒr uns, gesund fĂŒrs Kind zu helfen, diese ganzen unsichtbaren sozialen Regeln zu verstehen und da auch wirklich mit den Kindern nachsichtig zu sein. Die sind ja auch noch super klein. Und es reicht, wenn die das einfach ab einem gewissen Alter lernen und StĂŒck fĂŒr StĂŒck.
Und gleichzeitig, finde ich, dĂŒrfen wir uns auch ruhig von unseren Kindern dann so ein bisschen mehr Ehrlichkeit abschauen, weil ich finde tatsĂ€chlich, dass unsere Gesellschaft ganz oft nicht ehrlich genug ist. Wie oft saĂen wir schon im Restaurant und haben uns gedacht so, Alter, wie oft willst du denn jetzt noch kommen und fragen, ob alles in Ordnung ist und ob alles gut schmeckt?
Ich will mich hier in Ruhe unterhalten, zisch mal ab, es ist alles in Ordnung. Ich melde mich schon, wenn irgendwas nicht in Ordnung ist. Also ja, das haben wir ja auch oder ganz oft wĂŒrden wir vielleicht auch gerne ehrlicher sein und sagen, wow, also in diesem Aufzug kann ich jetzt gerade so nicht mehr mitfahren.
Ist da vielleicht auch mal eine wichtige Information fĂŒr das andere gegenĂŒber. Wir sagen es eben nur nicht. Also vielleicht können wir uns in dieser Hinsicht auch einfach mal ein StĂŒck mehr Ehrlichkeit von unseren Kindern abschauen. In diesem Sinne, lasst euch gut gehen, gönnt euch was. Wir hören uns nĂ€chsten Mittwoch wieder zu einem neuen Aha-Moment.
Oder ansonsten nÀchsten Sonntag wieder. Da gibt es ein super cooles Interview, das ich gemacht habe mit einer Autorin. ADHS verstehen ohne durchzudrehen. Das ist das Thema. Kommt nÀchsten Sonntag. Bis dahin, alles Liebe, lasst euch gut gehen. Gönnt euch was, habe ich schon gesagt. Eure Isa.