
HSV, wir müssen reden – der Fussball-Talk
So plant Loic Favé die Zukunft des HSV
Donnerstag, 16. Oktober 2025 · 1 h 02
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Shownotes
Loic Favé macht große Augen, wenn er über seine Ideen spricht. Der Co-Trainer von Merlin Polzin, der seit Januar 2024 als Nachwuchsleiter beim HSV arbeitet, hat viele Visionen für die Zukunft seines Vereins. Gerade erst hat der 32-Jährige das Projekt "Hamburg wächst" gestartet. "Wir wollen der Stadt etwas zurückgeben", sagt Favé im Abendblatt-Podcast "HSV - wir müssen reden". Der gebürtige Hamburger arbeitet auf vielen Ebenen an der Entwicklung des Clubs. Strategien, Trainingskonzeption, Talenteausbildung: Favé hat auf viele Fragen viele Antworten. Wie er die Ausbildung beim HSV verbessern will, welche Ideen dabei wichtig sind und wie er seine eigene Zukunft sieht, erzählt er in der neuen Ausgabe des Abendblatt-Podcasts.
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Die Länderspielpause ist fast vorbei. Leipzig gegen den HSV heißt es nun am Wochenende. Ein spannendes Spiel, darüber wollen wir sprechen in der neuen Folge von HSV. Wir müssen reden. Mein Name ist Henrik Jakobs und ganz gespannt ist auch mein Sportchef Alexander Lauchs. Moin Alex. Moin Henrik. Ja, woher weißt du das? Aber stimmt. Ja, habe ich mir gedacht.
Und vor diesem spannenden Spiel haben wir auch einen sehr spannenden Gast. Er ist Nachwuchsleiter beim HSV, Co-Trainer der Profis, war eigentlich auch Cheftrainer der U21 und das im Alter von nur 32 Jahren. Moin und herzlich willkommen, Loic Favé. Moin, freut mich hier zu sein. Weißt du, wann das letzte Duell war, HSV Leipzig?
Das ist jetzt gleich eine Frage. Bundesliga oder Pokal? Bundesliga. Sieben Jahre. Ja, genau. 2018 war es im Februar 1-1 nach Touren von Boomer und Kostic. HSV-Trainer Bernd Hollerbach. Kommen jetzt so ein bisschen Erinnerungen hoch? Ja, jetzt kommen Erinnerungen hoch. Leider nicht die Besten aus der Phase.
Das stimmt, es war eher eine freudlose Zeit. 2018, Januar war das. Wo warst du zu dieser Zeit? Nachwuchstrainer beim ETV? Boah, da muss ich mal kurz nachdenken. Ja, auf jeden Fall Nachwuchstrainer und bestimmt auch im Stadion bei dem ein oder anderen Spiel. Es musste die Zeit auch gewesen sein, wo die Arbeit mit der Hamburger Auswahl recht intensiv war.
Da waren Vita Ab und Joscha Wagnermann auch bei uns. Deshalb müsste das, glaube ich, auch hinkommen mit der Zeit, wo Fiete viel Spielzeit bekommen hat und habe das auch im Stadion immer wieder gerne. Ich erinnere mich, Joscha Wagnermann hat, glaube ich, ein oder zwei Wochen später dann sein Bundesliga-Debüt gegeben mit 16, damals bei den Bayern.
Genau, jetzt bist du Co-Trainer der HSV-Profis und bist in diesem Sommer im Mai in die Bundesliga aufgestiegen. Es war ein legendärer Abend, wir waren auch dabei. Wie oft denkst du denn noch so an diesen Abend zurück oder schaust dir mal die Bilder an? Ja, auf jeden Fall immer wieder, gerade wenn man Zeit hat, so ein bisschen zur Ruhe zu kommen, auch im Trainerteam.
Merlin erinnert uns schon immer auch dran, weil ich glaube, das hat er auch häufiger ja schon gesagt, Für uns ist das einfach total was Besonderes, so mit der ganzen Geschichte jetzt vom Aufstieg auch und sich das immer wieder bewusst zu machen, hilft, glaube ich. Und das waren Momente, die wird man nie vergessen.
Hast du das Abendblattbuch zu Hause und blätterst dann ab und zu mal? Auf jeden Fall. Aber es wird einem ja nicht leicht gemacht. Ich meine, bei uns ist es ja auch so, wir machen eine schöne Online-Geschichte oder Print und dann sagen wir, ja wunderbar, aber was macht ihr eigentlich morgen? Und bei euch ist es doch ein bisschen auch so. Ja, jetzt seid ihr aufgestiegen, das ist ja schön, aber was kommt jetzt?
Also dass man das noch so im Kopf behält, stelle ich mir gar nicht so einfach vor. Ja, es ist auch so, dass ich jetzt von meiner Persönlichkeit her dazu neige, relativ schnell so die nächste Challenge dann anzugehen. Ich habe witzigerweise mit Thorsten Rubisch darüber gesprochen, weil ich so, ich habe mich an dem Tag wahnsinnig gefreut.
Ich habe mich unglaublich geärgert, dass wir das Spiel in Fürth nicht gewonnen haben und am nächsten Tag aber gedacht, boah, das kann jetzt nicht die Freude wegnehmen für so einen besonderen Moment. Und trotzdem ging es dann relativ schnell so, dass die Gedanken waren, okay, wie können wir es hinbekommen, in der Bundesliga zu bestehen und habe da mit Horst drüber gesprochen, weil er meinte, das kennt er gut, das hat er auch immer irgendwie gehabt, sofort die nächste Challenge dann anzugehen.
Und deshalb meinte ich auch, was Merlin immer wieder, glaube ich, versucht, ist, sich diesen Moment so bewusst zu machen und trotzdem am Ende haben wir jetzt eine neue Challenge-Aufgabe und müssen die so gut es geht meistern. Du hast es gerade schon angesprochen, ihr wart ja relativ schnell dann auch beisammen und wusstet, ihr müsst Veränderungen vornehmen.
Ich glaube, du warst dann auch weit vorne dabei, als es darum ging, diese ganzen Daten zusammenzustellen. Die hat dann Merlin ja auch mal wieder zitiert, hat gesagt, ja, mit den Daten, die ihr zu dem Zeitpunkt hattet, was so Laufdaten angeht, intensive Läufe, hättet ihr in der Bundesliga keine Chance.
Kannst du mal so erzählen, wo du dich dann so bedient hast, an welchen Daten? Wo habt ihr da zusammengesessen? Erstmal, das will ich schon nochmal vorwegstellen, auch wenn ich mich freue, dass Merlin das immer mal anspricht. Aber ich bin gar nicht der Riesendaten-Fan, weil ich immer finde, dass da viel mehr zugehört. Wir haben es mit Menschen zu tun.
Das sind immer Dinge, die dann irgendwie auch zum ersten Mal passieren oder anders passieren, als es davor in der Vergangenheit dann analysiert worden ist. Und trotzdem war es zu dem Zeitpunkt einfach so, dass man bestimmte Dinge auch mal nutzt, um nochmal kritisch auch zu sein, zu gucken, reicht das von der Intensität her.
Der Ausgangspunkt ist aber dann häufig eher, dass man eine Beobachtung hat, sagt... In dem Bereich, einfach vom Gefühl her, stimmt es noch nicht so wie das, was wir brauchen, um in der Bundesliga zu bestehen oder auch in der zweiten Liga, um unbedingt aufzusteigen. Weil auch letztes Jahr, glaube ich, in Spielen gegen Elversberg, Paderborn, Magdeburg, auch wenn wir gewonnen haben, sind das Mannschaften, die sehr intensiv waren und wo wir schon auch das ein oder andere Problem hatten.
Und deshalb geht man dann nochmal ein bisschen genauer rein, schaut auch, bestätigen das vielleicht die Daten oder halt auch nicht. Aber du bist schon, korrigiere mich so für den Analysebereich, zuständig im Trainerteam oder wie würdest du es beschreiben? Boah, schwierig. Wir haben natürlich zwei Analysten und einen Co-Trainer-Analyse, die dann zusammen als Team mehr Analysearbeit auch leisten.
Ich würde jetzt gar nicht sagen, dass das so mein Hauptschwerpunkt ist, sondern vielmehr das Training, Trainingsgestaltung und dann auch zu schauen, okay, was ist unser Weg, welche Spielidee wollen wir mit der Mannschaft für die Saison Schritt für Schritt aufbauen. Und am Ende ist es so, wir sprechen natürlich im Trainerteam alle Dinge durch und Analyse der Situation ist immer irgendwie gefragt und trotzdem gibt es da Experten für den Videobereich.
Aber das klang ja auch ein bisschen so, einmal noch eine Nachfrage, dass du dich durchaus auch mal auf ein Bauchgefühl verlässt, also dass du dich nur, wenn du sagst, nicht nur streng nach Daten, sondern du sagst, wenn du beobachtest und sagst, ja, hier merke ich was, du hast ja bei der Bewertung von Spielern ja nicht nur die Daten, sondern auch Mentales und so weiter.
Ja, ich glaube generell im Fußball und auch in der Welt verändert sich vieles, KI kommt dazu. Ich glaube, sich komplett von Daten irgendwie zu trennen, ergibt überhaupt gar keinen Sinn, weil das wird kommen und immer mehr kommen. Und trotzdem, glaube ich, befinden wir uns jetzt in einer Phase im Fußball zumindest, wo ich tiefer natürlich drin bin, wo man sagen kann, dass viele Dinge auch mit Vorsicht zu genießen sind, weil man ist dann schnell dabei, nimmt Zweikampfwerte.
Da wurde mir mal gezeigt von jemandem, der bei Opta arbeitet, wie so Zweikampfwerte zustande kommen. Am Ende hat er zu mir gesagt, das ist die Statistik, wo man am meisten aufpassen muss. Das war ziemlich wild auch. Und ich glaube, da ist es bei vielen Sachen so, dass man ein bisschen aufpassen muss, was man so an Daten nimmt.
Man kann das immer, Ballbesitzwerte, wir hatten es heute auch wieder im Trainerteam, und das sind wirklich sehr einfache Dinge. Bei der DFL sind vielleicht 11 da, in einem anderen Anbieter 15 da, also was nimmt man da für Parameter, da muss man glaube ich aufpassen und deshalb ist das Bauchgefühl glaube ich schon auch immer sehr wichtig.
Und trotzdem waren diese Werte ja ausschlaggebend, dass ihr dann auch so eine große Veränderung vorgenommen habt im Sommer. Ja und eben dann nicht nur die Daten, sondern einfach unsere Analyse insgesamt als Trainerteam, wo wir geschaut haben, wie sind vergleichbare Teams, weil es gibt glaube ich schon einen Unterschied, ob ich jetzt ein Jahr in der zweiten Liga bin als etablierter Klub, wie es vielleicht bei Werder Bremen der Fall war, mit einem Jahr sofort wieder aufsteige und viele Strukturen auch noch bundesligatauglich sind oder ob ich eben nach mehreren Jahren in der zweiten Liga dann aufsteige.
Da haben wir uns angeschaut, wie sind diese Teams das angegangen, welche Teams sind auch erfolgreich gewesen für eine gewisse Zeit oder auch längerfristig und haben auch versucht, dann in den Austausch mit Trainern zu gehen aus diesen Teams, Co-Trainer, Spieler, einfach möglichst viele Erfahrungen mit in unsere Diskussion dazuzunehmen.
Und dass eine Mannschaft, die so lange jetzt nicht in der zweiten Liga war oder vielleicht neu aufsteigt, natürlich erstmal in einer Rolle ist, viel zu verteidigen, gut zu verteidigen, umzuschalten, bei Standards stabil zu sein, insgesamt einfach eine defensive Haltung an den Tag zu legen, das kam dann schon sehr klar auch bei unserer Analyse heraus.
Und intensiv zu sein, unangenehm zu sein für den Gegner. Und das waren so die ersten Analysepunkte dann. Du hast gerade schon gesagt, du beschäftigst dich vor allem so mit strategischen Fragen dann auch, so Trainingsgestaltung, Spielideen, Spielphilosophien. Das Gleiche gilt dann ja auch für den Nachwuchs.
Ich habe mich schon immer gefragt, wie machst du das von der Arbeitsteilung her überhaupt, diese beiden großen Bereiche auch zu betreuen? Ist das dann wiederum ein Punkt, was vielleicht manches einfacher macht, weil du eben genau diese Trainingsgestaltung zum Beispiel dann auch auf alles anwenden kannst?
Ja, auch da glaube ich, es gibt natürlich Riesenunterschiede und ich habe als Jugendtrainer immer auch gesagt, dass ich es sehr gefährlich halte, Dinge aus dem Profibereich 1 zu 1 auf den Jugendbereich zu übertragen. Und trotzdem gibt es natürlich Gemeinsamkeiten. Wir haben eine Trainingsmethodik zusammen entwickelt beim HSV, die sich über den Nachwuchs auch in den Profibereich durchzieht und glaube ich, viele Kommunikationsthemen auch vereinfacht.
Und ja, bei der Art und Weise, wie man spielt und ich glaube, das merkt ja auch jeder jetzt in dieser Saison sind wir, da würde ich Merlin jetzt mit einschließen, Trainer, die nicht sagen, wir haben eine bestimmte Idee und die ziehen wir einfach durch, sondern der Ausgangspunkt sind immer die Spieler, die Mannschaft, die für diese Saison dann so zusammenkommt und auch die Situationen.
Und diese Flexibilität erwarte ich auch von den Trainern im Nachwuchs, nicht rauszuholen aus ihrem Laptop, was sie sich vielleicht irgendwann mal überlegt haben, was die perfekte Spielidee ist, sondern eben danach zu gehen, was für Spielertypen, welche Charaktere. Welche Connections nennen wir es immer, aber so Beziehungen zwischen den Spielern da sind, die man aufbauen kann.
Aber ich habe jetzt gedacht, du hast den Jugendtrainern immer alle schön dein Buch gegeben, 350 Trainingsformen und da müssen sie immer schön alles abarbeiten. Das ist vielleicht auch eine witzige Geschichte, weil es ist auch so entstanden, dass Fabian Seger, der bei St. Pauli jetzt im Nachwuchsjahr ist, wir haben zusammen die Auswahl gemacht, er hat gesagt, du hast doch bestimmt so viele Zettel zu Hause mit Trainingsformen, wo du sagst, da können wir doch was draus machen.
Dann haben wir das zusammen gemacht und ehrlich gesagt ist jetzt nicht die beste Werbung für mein Buch, aber ich gucke da sehr selten rein, weil es einfach Fußball so dynamisch ist. Das war zu dem Zeitpunkt, waren das Ideen und ich hoffe, es inspiriert den einen oder anderen, aber ich will damit nur sagen, es ist einfach immer wieder ein neuer Prozess und man schaut auf die Spieler und die Mannschaften.
Das ist auch das, was ich immer, wenn man mit den Trainern zusammen auch vielleicht in Fortbildung oder so ist, Ich sage, wir beide, wenn wir jetzt die gleiche Trainingsform nehmen und wir machen die in einem Club mit einer Mannschaft, die wahrscheinlich komplett unterschiedlich aussehen am Ende, weil du deine Persönlichkeit einbringst, deine Ideen, deinen Schwerpunkt, obwohl wir die gleiche Trainingsform machen.
Und deshalb muss man, glaube ich, da immer wieder neu und quer denken. Du hast ja mal gesagt, glaube ich, so wie man trainiert, so spielt man auch. Den Satz fand ich sehr cool. Wie viel Zeit hast du dir denn eigentlich gegeben nach den ganzen Veränderungen, auch andere Spielweise, wo du gesagt hast, okay, bis dahin muss es drin sein?
Erstmal zu dem Satz, das sage ich den Spielern auch immer, dass mich noch keiner überzeugen konnte, dass Training nicht besonders wichtig ist, weil ich liebe Training und glaube einfach an diesen Prozess, mit einer Mannschaft an Dingen langfristig zu arbeiten, dass darüber Entwicklung stattfindet. Du hattest nochmal ein zweites Thema. Wie lange du dir, weil ja der ein oder andere vielleicht sich gefragt hat, wann funktioniert es denn?
Die Frage konnte ich leider auch noch nicht beantworten durch die letzten Jahre. Wie lange man genau braucht, bis man die ersten Veränderungen sieht. Was schon häufig der Fall ist, so drei bis sechs Monate, glaube ich, braucht man einfach, um eine gewisse Idee zu verändern. Das kennt ja nicht auch alle selber, wenn man Gewohnheiten verändert, dann bist du wirklich stabil.
Jeden Tag irgendwie abrufbar ist und vor allen Dingen in Stresssituationen und wir arbeiten nun mal dann im Umfeld mit höchsten Stresssituationen, dauert das dann schon eine gewisse Zeit und das war uns sofort bewusst und deshalb drehen wir jetzt auch nicht durch, auch wenn wir, in den letzten Spielen deutlich bessere Leistungen gezeigt haben, aber wir haben schon noch einen weiten Weg auch zu gehen, um diese Gewohnheiten weiter zu festigen.
Mein Sportchef neben mir versucht seit drei Monaten mich darauf hinzuweisen, meine Themen morgens in das neue Programm einzutragen und ich habe es noch immer nicht verinnerlicht. Du gibst dir Mühe. Eine leichte Entwicklung ist, glaube ich, zu erkennen. Das ist ja bei Gewohnheiten auch das Schwierige, wenn man dann ein Thema mal hat und dann kommen drei neue, dann ist das erste manchmal auch schnell wieder verloren.
Du hast auf jeden Fall gerade schon die Spielidee angesprochen, die ihr auch verändert habt. Jetzt RB Leipzig, die stehen ja seit Jahren für eine ganz klare Spielidee. Pressing, Gegenpressing, Umschalten, das haben die ja wirklich verinnerlicht mit allen ihren Mannschaften auch. Jetzt so Ole Werner bei RB Leipzig, wie beobachtet ihr den?
Hat der so seine eigene Idee da noch mit reingebracht? Oder rechnet ihr mit dem RB Leipzig, wie man es kennt über die Jahre? Ehrlich gesagt sind wir schon immer sehr auf uns fokussiert und auf das, was wir als Prozess verbessern wollen und welche Themen wir so haben. Natürlich in der Woche vor dem Gegner fängt man an, sich da ein bisschen mehr mit zu beschäftigen oder hat auch Spiele, einzelne Ausschnitte irgendwie an den ersten Spieltagen gesehen.
Was, glaube ich, schon sehr klar ist, dass Ole Werner in Kiel und auch bei Werder Bremen gezeigt hat, dass er eine Mannschaft auch nachhaltig entwickeln kann. Und es war jetzt auch spannend zu sehen, dass man schon einige Lösungen, die Leipzig so anbietet, auch dann erinnert aus vielleicht gemeinsamen Duellen mit St.
Pauli oder Werder Bremen, was dann schon klar dafür spricht, dass er seine Ideen da implementiert und trotzdem die Art und Weise, wie RB Fußball spielen möchte, zieht sich durch den Verein und dann, glaube ich, auch durch alle Personalentscheidungen. Und deshalb wird es auch immer irgendwie zu sehen sein.
Ihr habt ja jetzt auch eure Spielidee verändert, von im Prinzip einer Ballbesitzmannschaft zu einer Umschaltmannschaft, hast du ja eben schon gesagt, dass da jetzt andere einfach Elemente gefragt sind, um in der Bundesliga zu bestehen. War RB Leipzig da auch eine Art Vorbild für euch, da mal sich ein paar Sachen abzuschauen, was die so machen?
Erstmal glaube ich, dass es immer Phasen gibt. Also wir waren eben in einer Situation mit vielen neuen Spielern und dann kann man, wie wir gerade bei den Gewohnheiten auch schon gesagt haben, jetzt nicht alles auf einmal machen. Also... Ich denke, dass Umschalten eine sehr wichtige Phase im Fußball ist, aber nur weil wir jetzt Aufsteiger sind, wollen wir den Anspruch an unser Spiel mit dem Ball jetzt auch nicht so runter reduzieren, dass wir sagen, wir spielen nur noch den Ball lang nach vorne und haben da gar keinen Anspruch, sondern Ziel ist schon ganz klar, in allen Phasen Schritt für Schritt sich zu entwickeln.
Und ich glaube, das hat man die letzten Spiele auch mit dem Ball gesehen, dass da Ideen vorhanden sind und wir da Schritte machen. Und was das Umschalten angeht, die Geschwindigkeit in diesen Kontermomenten, ist natürlich die RB Leipzig-Salzburg-RB-Idee grundsätzlich für uns als Trainer immer auch eine Inspiration in den letzten Jahren gewesen.
Kannst du mal skizzieren, wie ihr dann so die Spieler abholt, also wie viel Szenen ihr überhaupt zeigt jetzt in so einer Woche vor dem Spiel, wie das so abläuft? Ja, also im Grunde arbeiten wir täglich im Video mit der Mannschaft. Das dauert so 10 Minuten bis 15 Minuten, weil wir einfach der Meinung sind, dass wir da lieber auf den Punkt kommen wollen und sehr klar versuchen zu sein in dem, was wir machen.
Und da dreht sich es am Anfang der Woche dann mehr um das eigene Spiel, um die Weiterentwicklung der eigenen Ideen. Das kann auch mal in Gruppen stattfinden. Wir haben dann einzelne Videos mit den Spielern, wo es vielleicht auch um ihr letztes Spiel geht, vielleicht auch mal ein Mix aus dem letzten Spiel und das, was den Spieler gegen RB dann erwartet.
Und was auch auf jeden Fall dann zum Ende der Woche dazugehört, ist eine Sitzung, vielleicht auch mal zwei kurze Sitzungen, dazu, wie die gegnerische Mannschaft sich verhält, was wir als Plan dagegen haben und auch eine individuelle Vorbereitung der Spieler auf ihre jeweiligen Gegenspieler. Und trotzdem ist es so ein Mix einfach über die ganze Woche auch, dass wir Themen aufgreifen, die dann passen und auch zu unserer Weiterentwicklung.
Ihr habt ja so einen kleinen Kinosaal euch eingerichtet vor ungefähr einem Jahr. Seid ihr dann quasi täglich da drin und macht dann die kleinen Videositzungen da alle? Ja, genau. Da hat die Mannschaft sich auch beteiligt, ihre Ideen eingebracht, sind ein paar Sprüche dran, ein paar Bilder. Ja, und glaube ich, lässt sich da ganz gut aushalten, auch wenn es, wie gesagt, immer sehr kurze Sitzungen sind.
Ich glaube, in der Doku, der Aufstiegsdoku, war ja auch so ein bisschen was zu sehen mit dieser 1-3-6. Da hat Merlin Polzin ja auch mal drüber gesprochen, eure Aufstiegszahlen quasi. Habt ihr so etwas Ähnliches euch jetzt auch überlegt für die neue Saison? Ja, Merlin ist da immer sehr kreativ. Wir haben auch für diese Saison natürlich uns kleine Dinge überlegt, die sich in der Kultur, die wir aufbauen wollen mit der Mannschaft, auch über die gesamte Saison ziehen.
Das muss er dann vielleicht mal in Ruhe beantworten. Da will ich keine Riesendoku rausgeben. Aber es ist schon so, dass natürlich dieses 1-3-6, die Tage waren ja bis zu dem Aufstiegsspiel. Und das ist auch wieder so dieses, es gibt dann eine Idee, die passt für die bestimmte Situation und verändert sich natürlich auch mit der jetzigen und da muss man immer wieder, glaube ich, als Trainer kreativ sein, um in die Köpfe auch der Spieler zu kommen.
Wenn man jetzt mal auf die jüngsten Ergebnisse guckt, du hast ja auch gesagt, so ein Prozess dauert ein paar Monate, trotzdem ist man immer auch so ein bisschen von Ergebnissen abhängig. Man kann sagen, eine Entwicklung hat schon stattgefunden, aber man braucht eben auch die Ergebnisse, damit sie dann auch positiv bewertet wird.
Wie bist du bisher jetzt so zufrieden mit der Entwicklung, aber auch den Ergebnissen so nach den ersten Spielen jetzt? Ja, wie ich vorhin schon meinte, die Entwicklung zieht sich ja mit dem Start, mit dem ersten Training, dann Vorbereitung, über die ja auch viel gesprochen worden ist. Und abschließend, wahrscheinlich können wir erst nach der Saison sagen, ob das die richtige Idee war, wirklich bewusst auch sehr schwierige Spiele zu wählen, um defensiv so gechallenged zu werden, um vielleicht auch diese Identität hin zu einer größeren Defensivlust auch von Anfang an mit der Mannschaft zu entwickeln.
Und wir haben dann ein sehr stabiles Spiel in Gladbach gemacht mit natürlich einer Derby-Niederlage und auch dem Spiel in München, wo man, auch wenn man weiß, dass es eine schwierige Aufgabe ist, sich einfach auch mehr erhofft, natürlich als Trainerteam. Und trotzdem finde ich, und das muss unser Job als Trainerteam sein, dann diese kleinen Dinge Step-by-Step anzugehen, natürlich auch mit den Neuverpflichtungen, die dann die letzten Tage dann noch dazu kamen, verändert auch immer Kleinigkeiten in diesen Verbindungen.
Aber wir sind schon zufrieden mit den letzten Spielen. Man hat ein bisschen mehr eigene Ballbesitzmomente gegen Union, vielleicht sogar durch das Spiel und den Kontext ein bisschen mehr. Wir verteidigen sehr, wie soll man es am besten beschreiben, mit viel Energie. Und das, glaube ich, ist das Wichtigste. Es muss nicht immer taktisch alles perfekt passen, wenn wie in Gladbach sich drei Leute in den Schuss reinwerfen.
Dieses Bild nehmen wir natürlich auch immer wieder. Es gab ein Ähnliches auch gegen Mainz, glaube ich. Genau so. Es gibt, glaube ich, auch eine Szene, wo Rambo an der Eckfahne nochmal grätscht und das ganze Stadion aufsteht. Und ich glaube, das spüren einfach auch die Fans, dass wir alles geben, um das eigene Tor zu schützen.
Und gerade in diesen Umschaltmomenten gegen Mainz, man habe, glaube ich, gesehen, dass das so auch erfolgreich sein kann. Und trotzdem ist jedes Spiel in der Bundesliga wieder eine eigene Geschichte. Wie schwer ist denn das eigentlich so als Trainerteam, wenn man eigentlich ja auch für eine gewisse Spielidee stand?
Viele Trainer stehen ja so für eine Idee, ob das nun Guardiola oder Klopp sind, so die großen Trainernamen, aber auch im kleineren. Ihr habt jetzt eure Spielidee komplett verändert. Man braucht ja auch eine Überzeugung so als Trainer in seine Idee. Wie schwer war das für euch dann, so einer Mannschaft das dann auch zu vermitteln?
Das, was ich vorhin so ein bisschen schreiben wollte, ich glaube, mit dem Ball sieht man trotzdem und wird man auch in den nächsten Monaten viele Gemeinsamkeiten auch sehen, weil natürlich eine gewisse Idee trotzdem bleibt, kurze Abstände zueinander zu haben, vielleicht auch mal eine Seite zu überladen und wie wir uns das vorstellen, wenn es dann so in Richtung letztes Drittel geht.
Und deshalb glaube ich, von der Grundherangehensweise, klar. Müssen sich Dinge ändern. Selbst wenn wir jetzt gesagt hätten, wir haben so Bock auf Ballbesitz und wir spielen das genau wie in der zweiten Liga, wäre die Realität wahrscheinlich, spätestens am zweiten Spieltag, dritter Spieltag, kannst du machen, was du willst.
Du wirst einfach mehr verteidigen müssen. Und deshalb ist es eine Umstellung auf jeden Fall und trotzdem haben wir beide in unserer bisherigen Trainerlaufbahn auch verschiedene Situationen gehabt. Mal Aufstiegskampf, Abstiegskampf, Merlin ja auch mit Osnabrück. Und deshalb sind das Situationen, die man als Trainer, glaube ich, auch kennt auf unserem Niveau, wenn man dann nicht bei Manchester City sich den Kader zusammenstellen kann. Jetzt fällt mir auch gerade das letzte Spiel, das bislang letzte Spiel des HSV und Leipzig ein.
Das war im Pokal vor zwei Jahren, glaube ich, mit Tim Walter noch. Damals auch als Zweitligist hat man wirklich auch, glaube ich, die erste halbe Stunde versucht, da Fußball zu spielen. Das sah auch richtig gut aus, aber dann hat RB, glaube ich, so mit den ersten drei Umschaltmomenten dann drei Tore gemacht.
Damals noch Josef Paulsen dann auch bei Leipzig auf dem Platz, hat, glaube ich, zwei Tore gemacht. An das Spiel erinnere ich mich gerade noch. Fehler werden in der Bundesliga schneller bestraft. Wo du Pausen sagst. Ich hatte auch gerade schon dran gedacht, das ist ja einer, der euch helfen sollte eigentlich bei der neuen Idee.
Er hat jetzt natürlich Pech gehabt in den vergangenen Wochen. Wie siehst du seine Rolle im Moment? Ich glaube, Berlin hat da auch schon viel drüber gesprochen. Er hat eine extrem hohe Bedeutung für uns als Trainerteam, aber auch für die Mannschaft. Er ist oft mitgefahren, auch wenn er verletzt war. Er versucht, sehr viel Einfluss über Gespräche mit den Spielern aufzubauen.
War auch wichtig, in der Vorbereitungsphase bestimmte Dinge zu moderieren, aber auch einzuordnen. War einer der Ersten, der auch zu mir beispielsweise gesagt hat, wenn wir eine Sache in der Vorbereitung jetzt auf jeden Fall gelernt haben, dann mit Frustration, mit schwierigen Situationen umzugehen. Und das wird sehr wichtig sein in der Bundesliga. Und ich glaube, diese Empathie, die er hat, mit jedem Spielertypen, der unterschiedlich ist, auch auf eine andere Art und Weise, das Gespräch zu suchen, zu helfen.
Dass diese Erfahrung, die er hat, die ist für die Spieler sicherlich sehr wertvoll, aber auch für uns als Trainerteam. Und das Gespräch suchen wir sehr oft. Er hat einen kleinen Nachteil, er spricht kein Französisch. Das ist eher eigentlich gerade so in Mode. Oder vielleicht spricht er ja Französisch, du weißt, worauf ich anspiele. Der hat so viele französische Mitspieler in Leipzig gehabt, dass der das schon hinkriegt, eine gute Verbindung aufzumachen.
Über die Franzosen beim HSV können wir gleich nochmal sprechen. Mir fällt gerade noch ein, wo wir jetzt über Joseph Paulsen gesprochen haben. Der bringt ja auch eine gewisse Größe mit. Also der wird bestimmt dann vielleicht nochmal ein, zwei Kopfballtore machen diese Saison. Du bist ja auch, glaube ich, im Bereich Standards sehr aktiv, oder? Ja.
Nee, klar. Okay, habt ihr da noch einen eigenen Experten im Trainerteam? Ja, also da ist es schon so, dass Merlin ja unter Steffen das Thema so ein bisschen aufgenommen hat und sich sehr viel ausgetauscht hat, auch international, was man so machen kann. Und diese Erfahrungen und Einblicke bringt er auch jetzt immer wieder ein.
Und auch Sven Hö, jetzt was die defensive Absicherung bei Standards als Beispiel angeht, übernimmt da immer mehr Themen. Bei mir ist es so, ich hatte es eine Zeit lang bei Timo Schulz, habe ich es auch gemacht. Da habe ich es, glaube ich, gestern nochmal gehört. Das kann sein aus der Zeit, aber ich habe jetzt gerade andere Themen.
Aber ja, das war natürlich auch vor einem Jahr immer ein großes Thema beim HSV. Da hat Merlin Polzin ja auch viel gearbeitet mit Steffen Baumgart. Da habt ihr sehr viele Standard-Tore gemacht, auch viele nach Ecken. Dann natürlich mit Davy Selke. Der letzte Sieg in Leipzig des HSV ist schon ein paar Jahre her.
Damals Papadopoulos und Wallacy, auch zwei Kopfballtore nach Ecken. Oh Gott, da hast du schön gekramt. Ja, da war ich dabei. Und dieser Kopfball von Papadopoulos, der lief gerade noch mal so ein bisschen auf. Über die sozialen Medien, das war schon ein echtes Geschoss damals. Ja, wer wird diesmal dann das Kopfballmonster in Leipzig? Buschkowitsch?
Ja, liegt nahe. Also klar, trotzdem ist es eben so, dass wir auch immer wieder uns Varianten überlegen, wo dann eben nicht der Zielspieler, mit dem alle rechnen, zum Abschluss kommt, sondern beispielsweise im letzten Spiel mit Rayan Verlieb bei Union auch über eine kurze Variante. Da wird sich das Team schon bestimmt wieder was Gutes ausdenken, bin ich mir sicher. Ja, Ryan Philipp ist ein gutes Stichwort.
Lauxi hat es gerade schon angesprochen. Ihr habt mittlerweile sehr viel Franzosen im Team. Jetzt im Sommer kam nochmal Ryan Philipp und war mit Omari dazu. Abu Bakr, Sumahoro im Winter schon. Ich glaube, fünf französisch sprechende Spiele habt ihr jetzt oder glaube ich sprechende sogar noch mehr. Jetzt mit Sami Lokonga auch noch. Welchen Anteil hattest du dann bei diesen Transfers, wenn es um Französisch ging?
Das war jetzt kein Einstellungskriterium, für das ich gekämpft habe, aber natürlich haben wir zusammen einfach im Trainerteam und mit dem Team drumherum, Klaus, Seba und Stefan, dann zusammen über die Spieler gesprochen. Und es hilft dann natürlich, wenn man vielleicht auch wie bei Wormit den ein oder anderen Kontakt in Frankreich aktivieren kann und nochmal eine Einschätzung zu dem Spieler bekommt, weil er ja letztes Jahr dann schon wenig Spielzeit hatte.
Ich kenne aber den Co-Trainer aus Lyon, der ihn letzte Saison begleitet hatte, auch ganz gut und sowas hilft. Und ich freue mich persönlich natürlich auch, wenn ich mein Französisch täglich immer wieder verbessern kann und trotzdem versuche ich auch Spanisch mit Carpaldo an Portugiesisch, habe ich mich noch nicht herangetraut, aber ich habe auch eine riesen Chance als Trainer, verschiedene Sprachen dann auch zu lernen, dass man mit den Jungs so ein paar Dinge besprechen kann. Aber wie ist denn das?
Natürlich kann es eine Integration beschleunigen, wenn man irgendwie auch irgendwo andocken kann. Birgt das als Frage, dann womöglich auch mal die Gefahr, dass es so eine Gruppe ist. So, wie pendelt man das aus? Ja, ich glaube, die Gefahr ist auf jeden Fall da und für uns als Trainerteam war es deshalb auch sehr wichtig, immer wieder bewusst dafür zu sorgen, Momente zu schaffen, wo die Jungs eben nicht nur in ihrer Gruppe dann sind, sondern sich mit allen Spielern aus der Mannschaft austauschen.
Und da gibt es aber auch mit Rayan und Willy jetzt zwei, die wirklich sehr gut auch Deutsch verstehen und sowieso dann immer in den Verbindungen drin sind. Klar, für einen Spieler wie Abu, der dann vielleicht weniger Deutsch und auch am Anfang weniger Englisch konnte, was mittlerweile aber auf ein sehr gutes Niveau gekommen ist, dann hilft es natürlich, diese Spieler auch da zu haben, um bestimmte Dinge zu verbinden, und auch in der Mannschaft Austausch zu fördern.
Aber da ist es auch mit der Sitzordnung beispielsweise so, dass die Jungs mittlerweile immer irgendwie sich durchmischen und das ist für eine Mannschaft, glaube ich, ganz entscheidend. Jonas Meffert hat nach dem Spiel in Mainz auch über die Entwicklung der Mannschaft gesprochen und hat euch auch gelobt für eure Integrationsfähigkeiten und für euer Gespür dann auch für eine Mannschaft, was ihr dann auch braucht, um so zusammenzufinden.
Hilft auch vielleicht euer junges Alter dabei im Trainerteam, dass sie schon alle noch nicht so weit entfernt sind von den vier Spielern? Naja, für den Erfahrungswert müsste ich ja wahrscheinlich noch ein paar Jahre älter sein, um zu wissen, wie es dann ist, wenn man als 50-, 60-Jähriger die Verbindung zu den Spielern hat.
Dann ist man auf höchstem Niveau. Ich glaube, dass man wahrscheinlich ganz andere Dinge, ganz andere Dinge dann nochmal an Lebenserfahrung auch einbringen kann. Deshalb habe ich mir da jetzt noch nicht so Gedanken gemacht, ob es jetzt am Alter liegt oder nicht, sondern wir versuchen einfach auf der Beziehungsebene mit den Spielern sehr, sehr viel zu investieren, weil das die Basis für alles ist und viel wichtiger als jede Taktik.
Aber habt ihr mal überlegt, auch einfach aus taktischen Gründen oder strategischen Gründen einen älteren dazu zu nehmen? Ich weiß, wahrscheinlich ist diese Altersfragen, kannst du wahrscheinlich auch nicht mehr hören, weil sie häufiger gestellt wurden. Nee, ich finde es dann immer nur ganz witzig, weil man sich so im Alltag einfach wenig Gedanken darüber macht.
Ich habe, wurde ja auch schon häufiger gefragt, wie es jetzt als junger Trainer dann ist manchmal. Und dann denke ich so, ah ja, okay, stimmt. Ich bin echt ziemlich jung oder jünger als der ein oder andere Spieler vielleicht in der Vergangenheit gewesen. Und so ist es, glaube ich, auch im Trainerteam jetzt, dass wir einfach geguckt haben, okay, wer passt von seiner Persönlichkeit her bei uns ins Team?
Was bringt er ein inhaltlich? Und ob das dann ein älterer oder jüngerer Staff-Mitglied ist, hat eigentlich dann geile Probleme. Obwohl du bist ja schon gefühlt seit 20 Jahren im Trainergeschäft. Du kannst wahrscheinlich mit 40 in Rente gehen, weil du dann schon die Jahre voll hast. Also Fußball habe ich ja als Hobby gestartet und habe schon gesagt, egal was passiert, das ziehe ich auf jeden Fall so lange durch, bis die Beine mich noch tragen können.
Dafür macht es viel zu viel Spaß. Ja, den Bedarf nach einem richtigen Trainerroutinie habt ihr aber offenbar im Sommer nicht ausgemacht. Ihr habt stattdessen euer Trainerteam sogar noch weiter verjüngt. Also mit Max Bergmann kam ja noch ein Co-Trainer Analyse dazu. Der ist 27 Jahre alt, auch euer Videoanalyst, glaube ich, mit 28, der neue, der dazu kam.
Ja, so gerade Max Bergmann ist mir jetzt auch aufgefallen beim Testspiel, schon sehr verbal dann auch aktiv. Was bringt er so an Skills in euer Team? Max ist unglaublich analytisch. Wir haben eben über Analyseexperten gesprochen, da würde ich ihn auf jeden Fall zuzählen. Wir haben auch mit Richie zusammen, die kennen sich ein bisschen länger, mehrere Punkte gehabt, auch in den letzten Jahren, wo wir mal zusammen über Fußball gesprochen haben.
Und es war schnell klar, weil trotz des jungen Alters, jetzt sehr, sehr jung schon, Cheftrainer, interimsmäßig auch mal beim Halleschen FC, hat da als Co-Trainer auch lange gearbeitet, in Hoffenheim wirklich eine super Arbeit gemacht und dort aufgestiegen mit der Mannschaft. Und ich glaube, was diese analytischen Dinge angeht, was auch Einzelcoaching angeht, was vielleicht mal Positionstraining angeht und ehrlich gesagt hilft er mir einfach jeden Tag, die Ideen, die wir haben, immer wieder zu challengen und da anders drauf zu blicken und ich glaube, auch das ist wichtig.
Wir kennen uns jetzt alle ein bisschen länger, wir haben ein paar Leute auch intern aus dem HSV-Kosmos, sag ich mal, dazu geholt und dann tut es ganz gut, wenn auch mal jemand mit einem frischen anderen Blick auf die Dinge schaut. Wir hören jetzt mal einen Einspieler, nicht von Max Bergmann, sondern von eurem zweitjüngsten Trainer in eurem Team.
Du hast den Namen gerade schon erwähnt. Hier kommt Richard Krohn. Moin Luik. Ich hoffe, dass du meine Stimme nach unserer langjährigen Zusammenarbeit erkennst. Ich habe zwei Fragen vorbereitet und zwar die erste. Du warst ja in deiner Laufzeit als Trainer schon wirklich bei sehr, sehr vielen Nachwuchsleistungszentren in Europa.
Und mich würde mal interessieren, welches Nachwuchsleistungszentrum hat dich am meisten begeistert und warum? Und die zweite Frage, die ich mir stelle und wahrscheinlich die eine oder andere Person auch ist, Wie wird dein Name denn nun richtig ausgesprochen? In diesem Sinne, bis morgen und viel Spaß weiterhin beim Podcast.
Ich würde sagen, wir fangen mit der zweiten Frage direkt an. Er hat eigentlich quasi selbst schon verraten, er spricht ihn selbst falsch aus. Ja, das habe ich jetzt gar nicht darauf geachtet, weil ich schon so viele Varianten von meinem Namen gehört habe, dass ich das manchmal ausblende. Aber das I mit zwei Punkten ist auch für die Trennung.
Also Loic, Fave wäre richtig. Loic, Loic. Loic, genau. Was helfst du denn am meisten? Boah, ich sag mal, Leuch habe ich schon gehört. Leuch. Luis, Luigi, Luik, Leuch, Lodge. Leuch war, glaube ich, unter Steffen Baumgart relativ populär. Genau. Steffen hat irgendwann mal auch zu mir gesagt, boah, das ist schon ziemlich schwer, Mama. Luis war auch in der Phase dann.
Aber da bin ich wirklich so, meiner Mutter ist das wichtig. Hat ja auch den Namen ausgesucht, aber solange ich weiß, dass es nicht gemeint bin. Na ja. Und Steffen Baumgart hatte mit den französischen Namen sowieso sein eigenes Ding. Ich glaube, er hat dann auch Dompe gerne mal gesagt. Also die Akzents sind ja sowieso schon mal so eine Sache für sich und dann die doppelten Punkte auf dem I.
Ja, das ist französisch. Kann nicht jeder. Und aber noch eine schöne inhaltliche Frage auch. Ja, du bist viel unterwegs gewesen in verschiedenen Nachwuchsleistungszentren. Ja, was hat dich am meisten inspiriert oder begeistert? Erstmal glaube ich, war einfach wichtig für mich mal rauszukommen. Man ist als Trainer immer so in seinem Trainerteam und dann ja auch wirklich sehr intensiv dabei.
Und wenn man den Luxus hat, dass man vielleicht mal rauskommen kann aus der eigenen Bubble, mal zu sehen, wie arbeiten andere, glaube ich. Er hilft einfach jedem und habe das so ein bisschen verbunden mit einer kleinen Europatour und es ist super schwierig, einen Verein gezielt rauszusuchen, weil es einfach so viele unterschiedliche Dinge auch sind.
Und für mich am Ende der Zeit auch mein Fazit war, dass es nicht den einen Weg im Fußball gibt, der erfolgreich ist, sondern eine klare Idee, nach der sich dann auch alle richten und in eine Richtung zusammen arbeiten, je nach Kontext und Verein natürlich. Würde trotzdem vielleicht mal Olympique Lyon rausnehmen für die Kultur, die ich dort kennengelernt habe.
Ich finde es beeindruckend, dass Spieler wie Tolisso, wie Lacassette nach ihrer Zeit auch dorthin wieder zurückkommen, weil sie einfach sagen, ich hatte da eine unglaublich tolle Zeit und eine hohe Verbundenheit, die dann entsteht. Wir können auch mal Luqueba jetzt vom kommenden Wochenende nehmen, der ja auch in Lyon ausgebildet worden ist, den ich in Clair Fontaine mal getroffen habe und der meinte, ich will auf jeden Fall irgendwann auch mal wieder in Lyon spielen, weil die Ausbildung, die ist einfach richtig gut, nicht nur sportlich, sondern auch menschlich.
Und da glaube ich, wenn das unsere HSV-Spieler nach ihrer Zeit im Campus sagen können, hat man schon viel richtig gemacht. Und dann gibt es Dinge in Alkmaar, wie neurowissenschaftliche Erkenntnisse ins Training eingebaut werden, bei Benfica, wie andere Sportarten gezielt dazugenommen werden, aber auch kleinere Clubs.
Ich habe bei Rayo Valecano den Spanischen Trainer kennengelernt, der jetzt bei Bournemouth in der Premier League arbeitet. Auch das war super interessant, einfach mal andere Perspektiven zu sehen. Du hast eben auch das Thema KI ja schon mal angesprochen. Nutzt ihr das eigentlich schon oder hast du mal einen Verein gesehen, der da schon sehr weit vorne ist?
Ja, es gibt viele Vereine, da wird natürlich dann ein bisschen mehr ein Geheimnis draus gemacht, weil wenn du jetzt einen Algorithmus hast, der aus verschiedenen Dingen errechnet wird, dann siehst du vielleicht die Zahl oder wie damit gearbeitet wird, aber nicht, was genau dahinter steckt. Das ist ja dann eher die Kunst, das irgendwie aufeinander abzustimmen.
Deshalb weiß ich von vielen Vereinen, dass sie es nutzen. Auch bei den Vereinen war das so. Bei uns ist es so, dass wir uns in dieses Thema so ein bisschen als Verein auch reinarbeiten. Ich weiß, dass Timo auch lange jetzt mit vielen Unternehmen zusammengesessen hat, geguckt hat, wie viel ist schon auf dem Fußball auch übertragbar.
Und ich glaube, da sind viele Unternehmen jetzt auch gerade am Start und es ist sicherlich spannend, die Entwicklung weiter zu verfolgen. Ich musste gerade, ich muss einmal noch mal kurz zurückdrehen, weil du es so erzählt hast, wenn du jetzt so auf Reisen bist und dir Wissen aneignest. Was treibt dich da speziell an oder ist das auch zum Teil ein Fluch, dass du immer sagst, ich möchte gerne alles ergründen, das ganze Fußballspiel, alles drumherum und es gibt immer noch mehr und ich versuche den heiligen Gral des Fußballs zu finden oder mal deinen eigenen Weg zu überprüfen.
Also zu viel Information kann ja auch ernsthaft jetzt belastend sein. Ja, bestimmt. Und deshalb habe ich das vorhin auch gesagt, dass ich glaube, den Heiligen Graal wird man nie finden, weil das Spiel einfach viel zu chaotisch auch ist, um das komplett zu durchdenken und zu verstehen. Das werden wir alle nicht schaffen.
Nee, ich nutze es eher auch da, einfach neue Menschen kennenzulernen, neue Impulse zu sammeln. Und die wichtigste Aufgabe ist sicherlich dann, das Ganze zu filtern und zu überlegen, was ist auf einen eigenen Kontext übertragbar. Und normalerweise entsteht das auch automatisch. Man ist in einem Verein, man hat 15, 20 Trainer und landet irgendwie bei den ein, zwei Trainern, wo man sagt, okay, da merkt man, da passt es vielleicht zwischenmenschlich oder auch so, dass man da für sich was draus ziehen kann und deshalb sehe ich das eher so, dass man im Leben, glaube ich, nie auslernt, immer irgendwie weitermachen muss, weiterschauen muss, was entsteht.
Aber du hast sicherlich recht, dass man es auch nicht zu kompliziert machen sollte. Gibt es denn so einen Club oder einen NLZ oder vielleicht einen Trainer, wo du gerne mal reinschauen würdest? AZ Alkmaar, jetzt noch ein bisschen weiter zu verstehen, steht bei mir noch auf meiner Liste. Würde jetzt auch nicht jeder gleich drauf kommen. Was hat dich da so, die Neurowissenschaftler hast du schon angesprochen?
Ja, es ist einfach ein Verein, der, glaube ich, immer im Schatten von Ajax irgendwie ihre Arbeit gemacht hat, jetzt die Youth League gewonnen hat. Viele Spieler einfach aus dem eigenen Nachwuchs und das von sehr früh auf Richtung Profibereich integriert hat. Und ich glaube, letztens kam mal eine Zahl raus, dass 50, 60 Prozent Chance besteht, wenn du U17-Spieler in Alkmaar bist, Profi zu werden.
Das ist mal eine sehr ordentliche Quote und einfach auch die ganze Herangehensweise, die Offenheit der Leute. Ich habe aber ehrlich gesagt in dem Klub weniger Einblicke gehabt, als es vielleicht in einem anderen Verein, wo ich dann länger da war. Deshalb das nochmal ein bisschen genauer zu sehen, wäre spannend. Und als Trainer...
Ich glaube, es gibt so viele unterschiedliche Trainer, von denen man was mitnehmen kann. Ich habe Inzaghi bei Inter Mailand, das wird ja immer so mit Verteidigen und Champions League im Spiel zusammengebracht, aber in der eigenen Liga auch wirklich einen sehr besonderen Fußballstil geprägt. Arteta finde ich schon auch sehr spannend.
Fabregas macht mit Como gerade Dinge, die mir sehr gefallen. Also da gibt es auf jeden Fall genug Ideen. Ab Diego Madrid finde ich auch mal interessant. Man lernt man auch zu verteidigen. Du hast gerade diese Quote angesprochen in Alkmaar, die ist ja tatsächlich sehr bemerkenswert, da könnt ihr nicht ganz mithalten.
Ihr habt natürlich jetzt schon auch ein paar Jungs hochgebracht, gerade zuletzt mit Otto Stange und auch Fabio Balde. Ihr habt allerdings auch einige Talente verloren so über die Jahre, die vielleicht den Sprung hätten schaffen können. Ist da jetzt auch gerade so dieser Aufstieg besonders wichtig, weil ihr dann auch nochmal mehr Chancen habt, dann solche interessanten Jungs auch einfach in den HSV langfristig zu binden.
Auf jeden Fall hilft ein Aufstieg, wie du gesagt hast, auf verschiedensten Gründen, glaube ich, Spieler, die den Verein verlassen haben in den letzten Jahren. Bei Karim Koulibaly war es zum Beispiel auch so, dass ich gerade zum HSV gekommen bin. Es hieß schon, okay, das ist so gut wie sicher irgendwie mit Werder Bremen und natürlich versucht man dann trotzdem auch nochmal in die Gespräche zu gehen.
Und ich glaube, wichtig für uns als Verein ist trotzdem, es wäre zu einfach, das jetzt alles nur auf Finanzielles und Bundesliga oder nicht zu schieben. Es ist sicherlich für viele Jungs, gerade wenn die Familien jetzt nicht das höchste Einkommen haben, auch eine Möglichkeit, ein deutlich verändertes Leben auch zu führen, auch schon früh als Nachwuchsspieler.
Deswegen ist der Punkt auf jeden Fall wichtig und trotzdem sind wir sehr fokussiert darauf, unsere Ausbildungsarbeit zu verbessern, die Beziehung zu den Spielern so zu verbessern, dass wir die Jungs dann halten können und im Volkspark zu Bundesligaspielern machen. Ja, dazu passt das Projekt Hamburg wächst. Ihr habt das gerade gestartet, wart jetzt am Montagabend beim USC Paloma zu Besuch.
Auch Merlin Polzin kam noch dazu. Kannst du mal erklären, was es damit auf sich hat? Ja, ich glaube, das Wichtigste daran ist für Merlin und für mich, wir sind beide aus dem Hamburger Amateurfußball gewachsen. Und wir haben eine sehr starke Verbindung zu der Stadt, zu dem Verein, aber auch zu diesem ganzen Amateurfußball, der in dieser Stadt passiert.
Und da war für uns relativ schnell klar, als wir die Aufgabe übernommen haben, dass wir auch ein Stück weit was zurückgeben wollen an die Stadt und an die Vereine. Und in der Kombi jetzt mit der Doppelrolle bei mir im Nachwuchs war es dann so, dass ich gemerkt habe und auch schon in der Funktion beim ETV gemerkt habe, dass vielleicht der HSV sich an der einen oder anderen Stelle auch ein bisschen distanziert hat vielleicht von der Basis.
Ich glaube gar nicht so bewusst, sondern es entsteht vielleicht dann auch durch die neuen Spielformate, die es jetzt ja auch immer früher schon gibt, dass man nur mit den NLZs halt oder unter den Akademien dann spielt. Und der Gedanke war schnell klar, viele Gespräche geführt, auch mit den Jugendleitern, Ehrenamtlichen aus den Vereinen.
Was brauchen sie vom HSV, um ihre Arbeit auch verbessern zu können? Und da sind viele Themen entstanden und daraus ist dieses Projekt Hamburg wächst. Jetzt entstanden, dass wir sagen, wir wollen dem Hamburger Fußball was zurückgeben, wir wollen helfen, wir wollen verschiedene Projekte angehen, um die Arbeit, die tolle Arbeit, die in den Vereinen gemacht wird, halt zu sehen, zu wertschätzen und im besten Fall auch Hamburg auf ein neues Niveau zu bringen, weil man kann es auch anders sehen und das ist dann die zweite Perspektive darauf, dass egal was wir machen, wenn wir gute Arbeit machen, Klar wird der Spieler sich verbessern und vielleicht auch der ein oder andere im Profibereich landen, aber je besser die Basis,
je besser und stärker der Fußball in Hamburg. Umso mehr Profis kommen am Ende auch bei herum und das ist die eine Sichtweise, was unser Job auch als Akademie ist, Profis auszubilden und das andere ist die Verbundenheit, die wir einfach zum Hamburger Fußball haben. Das heißt, ihr geht da jetzt richtig auf Tour durch die Hamburger Amateurclubs?
Ja, im ersten Schritt haben wir einfach gesagt, wir wollen jetzt nicht eine Info-Veranstaltung im eigenen Stadion machen, alle einladen, dann kommen die, die besonders happy sind oder die meckern wollen und die Mitte erscheint dann vielleicht gar nicht, sondern wir wollen aktiv den Schritt in die Vereine gehen.
Wir haben dafür jetzt erstmal mit 20 Vereinen gestartet, die ja meistens Spieler in den letzten Jahren zum HSV auch gebracht haben oder die sich dahin entwickelt haben und wollen da einfach mal raushören, was sind die Themen, die sie beschäftigen, wie können wir helfen und was kann man daraus dann für dieses Hamburg-Wächst-Projekt nehmen.
Aber wie wird denn der HSV dann von denen wahrgenommen, was du so hörst? Was kommt denn da so? Ja, ich glaube, es ist total unterschiedlich. Manchmal ist es die Kommunikation natürlich. Wenn du als Vater eine Mannschaft übernimmst und den ersten Berührungspunkt mit dem HSV hast und die wollen deinen besten Spieler aus der Mannschaft haben, dann ist, also diese Kommunikation findet natürlich statt.
Dann sind es manchmal Testspiele, manchmal ist es ein Unverständnis vielleicht, warum der eigene Spieler nicht gescoutet oder übernommen wird. Und ich glaube, das hat viel mit Kommunikation, mit Wertschätzung zu tun. Und da müssen wir einfach dann besser werden. Und das ist auch so das erste Feedback.
Und natürlich wünschen sich auch junge Trainer, die starten, aber wirklich gar nicht das aufs Alter reduzieren, sondern generell Trainer, die anfangen, auch Tipps. Was kann man im Training machen, worauf muss ich achten und auch da wollen wir versuchen zu helfen, wie kann ein Verein weiterentwickelt werden Welches wird der nächste Club dann sein, kannst du das schon sagen?
Ne, wir haben jetzt noch die Termine für die nächste Woche noch nicht festgezogen. FC Süderelbe sieht ganz gut aus. Aber wie ist das vielleicht, kannst du in dem Kontext dann mal erklären, welche Rolle die U21 jetzt so spielen soll? Ja, ich glaube generell in dieser Aufgabe muss man einfach wissen, dass Nachwuchsarbeit sehr, sehr lange braucht.
Also Zeit braucht, um Erfolge dann nach sich zu ziehen. Natürlich ist man immer gerne dabei und sagt, nach zwei, drei Jahren, wie ist jetzt das Fazit und welche Spieler haben es geschafft? Hat jetzt Bernhard Peters hier eine gute Arbeit gemacht oder nicht? Man ist ja schnell in diesen Analysen drin. Die Wahrheit ist aber, wenn man mit der U12 startet, mit dem Konzept, was ja am Anfang vielleicht auch noch nicht komplett zu Ende gedacht und wirklich verinnerlicht ist von allen.
Aber gehen wir jetzt mal davon aus, du startest seit so zwölf Spieler, dann braucht es ja mal mindestens sechs, sieben Jahre, bis der Spieler auch im Volkspark ankommt. Und das ist das eine, wo wir deutlich bessere Arbeit wieder machen müssen, die Jungs auszubilden, die Beziehung aufzubauen, von der ich gesprochen habe.
Und das andere ist der Übergangsbereich. Und das ist natürlich etwas, was auch kurzfristig Chancen hat, das durch die Doppelfunktion natürlich noch mal mehr Chancen mit sich bringt aktuell. Und da versuchen wir einfach den Jungs, die jetzt bei uns sind, immer wieder die Möglichkeit zu geben, mitzutrainieren, sich mit den Besten zu messen, mit Profis zu messen und so.
Ich würde sagen, einzuatmen, was Profi sein bedeutet. Und das kann zum einen sein, dass der Spieler eben mittrainiert und sieht, welche Themen hat er noch, woran muss er arbeiten. Das kann aber auch sein, wenn wie jetzt ein Giramos oder Noah Katerbach dann mal U21 spielt, dann wird es ja häufig so auf die Situation runtergebrochen, die helfen jetzt, weil die sind im Abstiegskampf und die müssen gewinnen.
Natürlich erhofft man sich, dass die eine gewisse Stabilität reinbringen, aber es ist ja auch so, dass erstmal alle Jungs gucken, wenn der Guy den Trainer fragt, was muss ich da machen, was muss ich hier machen und selber Fragen stellt, weil er weiß, es ist wichtig, um eine gute Leistung zu zeigen. Und dieses Profi-Sein und alles, was das dann mit sich bringt, ist glaube ich auch eine Sache, die durch diese enge Verzahnung, die wir mittlerweile aufgebaut haben zwischen U21 und Profibereich, Chancen geben.
Am Ende muss man sie nutzen und wir sprechen immer über Impact, den wir herstellen wollen im Volksparkstadion, also Unterschied zu machen als Spieler, was Otto Stange und Fabio, glaube ich, in der letzten Saison gezeigt haben, mit Toren, mit Vorlagen, mit entscheidenden Aktionen und diese Chancen wollen wir möglich machen und da ist jeder eingeladen, dann durch die Tür zu gehen.
Hat da die U21 auch dann diese Rolle, diesen Übergang dann zu schaffen und Spielern dann eben auch die Möglichkeit zu geben, früh schon im Herrenbereich sich zu entwickeln? Oder könnte man nicht eigentlich sagen, wer es nach der U19 nicht schafft, dann zu den Profis, da wird es dann sowieso schwierig.
Und wenn man sich jetzt so Übergangscoten aus der U21 anschaut, gibt es jetzt auch nicht so viele Spieler, die es dann geschafft haben. Viele dann so über den Umweg dann nochmal. Ja, und ich glaube, deshalb muss man vielleicht auch, Das U21-System, wie es jetzt jahrelang auch in Deutschland war, kann man hinterfragen, muss man nicht.
Jeder Klub hat seine eigene Wahrheit, seinen eigenen Kontext, aber wir haben es halt getan und das ja auch schon mit Horst Rubesch. Ganz gezielt junge Spieler schon früh Herrenerfahrung sammeln lassen wollte, auch mit der U21, diesem Schritt zu U21. Und da sind wir komplett auf einer Wellenlänge gewesen, weil das zeigt auch das Ausland, dass dieser Schritt immer mehr gegangen wird, früh Herrenerfahrung zu sammeln.
Wir haben viele Spieler, die jetzt A-Jugend spielen könnten, wo man sich dann freut, dass man so eine tolle A-Jugend hat. Oder eben die nächste Challenge. Da gibt es eine kleine Geschichte, die ich vielleicht erzählen kann, aus der letzten Saison. Wir hatten mit der U19 ein Aufstiegsspiel für diese weitere Runde oder für das 8. Finale gegen den VfL Bochum.
Und es war klar, dass Otto Stange und Alex Rössing-Lellisit Spielpraxis sammeln sollen im Nachwuchs. Dann lag unter anderem bei mir die Frage, okay, spielen die dann das U19-Spiel auf einem super Rasen zu Hause gegen Bochum? Die waren erst da und damit erhöht man die Wahrscheinlichkeit, dann ins Achtelfinale zu kommen.
Oder lassen wir sie bei der U21 auswärts in Todesfelde spielen. Da habe ich auch schon mal gespielt. Ja, super Atmosphäre. Den Platz kannst du gleich gerne beschreiben. Aber schnell war klar, diese Challenge brauchen wir, weil Herrenfußball was ganz anderes ist. Und Alex guckt mich nach dem Spiel an und sagt, oh Gott, was war denn das hier heute?
Und wir lachen manchmal auch heute noch über dieses Spiel. Und ich glaube, diese Momente, Herrenfußball, alles, was damit zusammenhängt, früh zu sammeln, ist für die Jungs eine super Erfahrung. Und ich glaube, um vielleicht auch zu deiner Frage nochmal eine Sache zu sagen. Auch Spieler danach noch ihren Weg gehen und auch mit 2022, 2023 über diese Plattform Regionalliga, wie bei Max Marie, der jetzt in Braunschweig spielt, viele gute Wege möglich sind.
Und Marzilla hat es bei uns jetzt vielleicht auch nicht geschafft, dafür in Fürth jetzt seine Einsätze. Nur wir haben für unseren Kontext halt gesagt, okay, wenn sie auf dieses Niveau Top-Zweite-Liga- oder-Bundesliga-kommen wollen, das so, dass wir sie einsetzen, dann müssen wir einfach früh damit anfangen.
Und deshalb ist das unser Weg, auch mit dem Wissen, dass vielleicht der ein oder andere dann, wenn er zwei, drei Jahre Herrenerfahrung hat und bei uns dann die neun jungen Wilden übernehmen, vielleicht woanders sein Weg dann geht. Aber das ist unser Weg und es geht am Ende darum, natürlich auch in der Liga zu bleiben, um ein gutes Gegnerniveau mal zu haben.
Aber alles andere, ob wir da Zweiter, Dritter oder Zwölfter werden, spielt dann nicht so die Rolle. Ja, du hast gesagt, das ist der... Moment, jetzt musst du erstmal erkennen, was das für ein Platz ist. Todesfelde? Ja, da kommst du nicht raus. Aber ich habe damals rote Karte bekommen, als junger Spieler.
Für den VfL Ollesloh, das weiß ich noch. Das war natürlich eine Fehlentscheidung. Also der Platz begünstigt, dass der Ball vielleicht ein bisschen häufiger in der Luft ist. Ja, okay. Das kann so gewesen sein. Coole Atmosphäre, wirklich. Super Rahmen und sind leider abgestiegen und einfach für das Erlebnis ist auch nicht so weit weg, wünsche ich mir auf jeden Fall, dass sie wieder hoch geht.
Du hast gerade gesagt, das ist euer Weg für die U21. Hast du auch so eine Vision dann für den Nachwuchs? Du hast jetzt auch schon so viele Sachen gesagt. Kann man überhaupt so eine Vision entwickeln in diesem ganzen Alltag? Oder hat man seine Ideen und versucht sie dann bestmöglich umzusetzen und viel zu entwickeln?
Ja, ich glaube ganz fest daran, dass man so eine Vision haben muss als Akademie, um erfolgreich zu sein, um eine Richtung für alle irgendwie auch klar zu haben, in die gearbeitet wird und trotzdem ist ja der Klassiker, kannst du diese Vision haben und auf einer PowerPoint und wenn die nicht mit Leben gefüllt wird, dann bringt das am Ende auch nichts.
Deshalb ist es beides aus meiner Sicht. Wir haben eine sehr klare Vision, wo wir hinwollen mit dem HSV-Nachwuchs, wie wir die im Alltäglichen mit allen Bereichen dann leben. Und da gibt es verschiedene Sachen. Vielleicht können wir ja über ein paar Themen dazu sprechen. Ich mache mal nur so die Headlines. Aber ein wesentlicher Punkt ist so das Thema Eigenverantwortung.
Auch da war es schon so, dass für Horst das sehr wichtig war. Ich glaube, es ist klar, dass viele NLZs eher den roten Teppich in den letzten Jahren auch mal ausgelegt haben. Das versuchen wir ganz bewusst nicht zu machen. In der U21 ist es beispielsweise so, dass die Spieler selber ihre Videos raussuchen müssen, um dann eine Analyse zu bekommen und nicht einfach nur morgens erscheinen und mal schauen, ob der Trainer gute Laune hatte.
Ein Spiel ins Kino setzen. Genau, das ist so die eine Headline, einfach Eigenverantwortung für den Weg zu übernehmen. Das Thema X-Faktor ist bei uns ein sehr großes. Also die Stärken. Genau, die Stärken des Spieler zu fokussieren, weil am Ende auch die Erfahrung jetzt aus den letzten Jahren zeigt, dass, die Spieler, die Richtung Profibereich gehen, häufig ein, zwei besondere Sachen haben und nicht alles so ein bisschen können.
Und wenn man da nur darauf fokussiert ist, was der Spieler alles nicht kann, wird es, glaube ich, wie im echten Leben auch schwierig, nach seinen Stärken zu leben und zu spielen. Das, glaube ich, ein ganz wichtiger Punkt ist. Und auch das Thema, anpassungsfähige Spieler auszubilden. Das haben wir auch eben gesprochen.
Die Vision zieht sich bei uns auch durch, dass wir eben nicht sagen, wir spielen jetzt 4-3-3 Und wenn wir zwei gute Stürmer haben, dann hat der Zweite halt Pech, sondern dass die Trainer sich ganz klar danach richten, welche Spieler haben sie, sich mit ihren Spielern halt beschäftigen und immer wieder neue Challenges aufbauen.
Das heißt, bei uns ganz klar, wenn ein Spieler unterfordert ist, dann gehen wir eben nicht aufs Ergebnis und eine noch bessere Leistung, sondern immer wieder auch neue Situationen, neue Challenges zu kreieren in einer älteren Mannschaft, in einem anderen Kontext, im Training eine neue Aufgabe, einen anderen Raum, eine andere Position.
Da gibt es ja verschiedene Sachen, um da die nächsten Schritte zu gehen. Und das immer mit dem Wissen, dass das Spiel einfach sehr komplex ist, weil es viele Facetten hat. Das ist aus Portugal so mein Spruch, den ich mitgenommen habe. Das Spiel ist sehr komplex, auch wenn immer alle gerne sagen, das Spiel ist einfach und Fußball ist als einfaches Spiel.
Ich sehe es anders. Das Spiel hat ganz viele Facetten, aber wir sollten es einfach für die Spieler halten. Und gut erklären. Sehr schöner Satz auf jeden Fall. Die nächsten Schritte hast du gerade gesagt. Wie sieht es denn bei dir aus eigentlich mit den nächsten Schritten? Also du hast vor einem Jahr ja eigentlich Cheftrainer der U21.
Dann bist du zu den Profis als Co-Trainer. Wo siehst du dich so in fünf Jahren? Willst du irgendwann wieder Cheftrainer sein? Oder gefällt dir diese strategische Arbeit auch als Nachwuchsleiter? Olympique Lyon, dann irgendwas. Ja, wobei da habe ich andere Vereine in Frankreich, die ich noch bevorzugen würde, außer die Arbeit, die da gemacht wird. Aber Spaß beiseite ist es schon so, dass.
Ich mich ganz bewusst für diesen Schritt als Cheftrainer entschieden hatte, auch nach der Zusammenarbeit mit Timo, die wirklich toll war und deshalb in diese Rolle mit der U21 auch absolut gehen wollte. War auch eine super spannende Zeit mit diesem schwierigen Start. Und als dann aber Merlin gefragt hat über die Zeit, die wir jetzt auch bei der Prolizenz zusammengearbeitet haben, war für mich sofort klar, okay, das ist eine Konstellation, die ich mir sehr gut vorstellen kann, weil das hat Merlin, glaube ich, auch häufig betont, dass er das absolut als Teamarbeit angeht und nicht einfach auch viele Dinge mitgestalten kann.
Und das ist eigentlich für mich viel wichtiger, wie sieht die Arbeit aus, zu gestalten, Dinge zu bewegen, mit guten Menschen zusammenzuarbeiten und viel wichtiger als die Rolle. Und trotzdem ist es ja häufig so, dass man in einer Cheftrainerrolle auch mehr gestalten kann und auch die Leute, mit denen man zusammenarbeitet, vielleicht mehr aussuchen kann.
Deshalb glaube ich schon, dass der Schritt auf jeden Fall irgendwann in diese Richtung auch wieder gehen wird und trotzdem bin ich super happy, gerade in dieser Doppelaufgabe beim HSV und sehe das auch als eine total tolle Aufgabe in meiner Stadt und auch in dem Verein, wo ich ja auch eine besondere Verbindung zu habe.
Und Merlin Polzin betont ja auch immer, dass sie eigentlich alles zusammen entscheidet. Also eigentlich bist du ja eher ein zweiter Cheftrainer als ein Co-Trainer, oder? Und ich glaube, am Ende mit euch auch noch mehr Diskussionen zu führen und nach außen hin im Verein ja viele Themen, die dann auch noch anstehen, ist dieser Cheftrainerjob ja viel mehr als nur Fußball geworden.
Und das macht Merlin richtig gut. Und trotzdem versuchen wir, viele Dinge zusammen auch dann anzugehen. Dann wollen wir jetzt aber auch Merlin zum Abschluss noch mal selbst hören mit ein paar Worten an dich. Loic, mein Lieber, hier ist Merlin und von mir kommt heute mal keine Frage oder keine Anekdote, die ich gerne hier loswerden möchte, sondern dir einfach nur mal auf diesem Wege zu danken für unsere gemeinsame Zusammenarbeit, für all das, was du tagtäglich für mich gibst, für unser Trainerteam gibst, für die Mannschaft gibst. Das ist unfassbar.
Du bist HSVer durch und durch und definitiv ein ganz, ganz wichtiger Baustein für den Aufstieg gewesen und auch für die Entwicklung nicht nur jetzt unserer Profis, sondern auch des gesamten Hamburger Fußballs. Deshalb absolut Daumen hoch für all das, was ich zusammen mit dir erleben darf. Ich kann es mir nicht ohne dich vorstellen und wünsche dir noch viel Spaß heute, und freue mich auf alles, was wir noch gemeinsam erleben und erreichen werden, mein Lieber.
Tja, das sind doch nochmal schöne Worte zum Abschluss. Mein Lieber hat er ja zweimal eingebaut, deswegen danke mein Lieber, den bringt er ja ganz gerne. Ne, freut mich natürlich zu hören und kann das nur zurückgeben, weil Merlin, und das habe ich ja auch an der einen oder anderen Stelle schon mal gesagt, ist einfach mit vollem Herzen dabei in jeder zwischenmenschlichen Beziehung, die so über die Zeit entsteht.
Und das macht ihn, glaube ich, auch so besonders, weil ich sage immer, jeder Spieler hat ja ein Gefühl, ob jetzt der Trainer vielleicht was gerade will und deshalb ja dann mal noch ein Gespräch mehr sucht oder so. Bei Merlin kommt es einfach vom Herzen und ich glaube, das spürt einfach dann auch jeder. Und deswegen Daumen hoch.
Ja, Daumen hoch auf jeden Fall auch für das heutige Gespräch. Waren viele spannende Themen dabei. Ja, vielen Dank, dass du dabei warst und dir die Zeit genommen hast vor allem, wovon du ja nicht so allzu viel hast. Ja, kann ich mich nur anschließen. Vielen herzlichen Dank für die Zeit hier. Danke euch, hat Spaß gemacht.
Genau, und wir sehen dich dann ja am Sonnenabend in Leipzig auf der Gästebank und wir sind auch dabei, werden dich von der Tribüne aus beobachten und dann nächste Woche über dieses Spiel sprechen. Bis dahin, in Hamburg sagt man Tschüss und bei uns heißt das Auf Wiederhören.