Im Krisenmodus· Folge 144

Die Leopardin, der Krieg und die Tierretter in Charkiw

Mittwoch, 8. April 2026 · 27 min

MP3

Shownotes

Im Feldman-Ökopark in Charkiw leben Leoparden, Affen, Alpakas – und Hunderte Tiere aus den Frontgebieten. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs steht der Park immer wieder unter Beschuss: Gehege werden zerstört, Mitarbeiter getötet, Strom fällt aus. Trotzdem wird der Ökopark wieder zu einem Ort, an dem nicht nur Tiere versorgt werden, sondern an dem auch Menschen für einen Moment Abstand vom Krieg finden. In dieser Folge von „Im Krisenmodus“ berichtet FUNKE-Kriegs- und Krisenreporter Jan Jessen (nrz.de/politik/article411623213/drohnen-feuern…) aus Charkiw: von der Evakuierung Tausender Tiere unter Beschuss, vom Alltag mit Stromausfällen und Drohnenangriffen – und von einem Tierpark, der plötzlich selbst Teil der Front wird.
Außerdem erzählt Tierschützer Ralf Seeger von seinen Einsätzen in den Kampfgebieten: von verlassenen Tierheimen, Evakuierungen mit Spezialeinheiten und der Frage, warum er im Krieg keinen Unterschied zwischen Mensch und Tier macht.

Gäste:
Olena Klymenko – Sprecherin des Feldman-Ökoparks bei Charkiw, verantwortlich für Kommunikation und Reha‑Programme für Menschen und Tiere im Park.
Ralf Seeger – Gründer des Vereins „Helden für Tiere“, mit dem er seit Beginn des russischen Angriffskriegs immer wieder Hilfstransporte in die Ukraine bringt und Tiere aus stark zerstörten Frontgebieten evakuiert. Bekannt aus der VOX‑Doku „Harte Hunde – Ralf Seeger greift ein“.

Host:
Jan Jessen – Politikchef der NRZ und Kriegs- und Krisenreporter für die FUNKE Mediengruppe

🧭 Kapitelübersicht

1 – Die Leopardin und der Krieg
Einstieg im Feldman-Ökopark: Leopardin, Hund Amira, Artillerie im Hintergrund – ein Tierpark als Frontort.
2 – Vom Ausflugsziel zum Kriegsgebiet
Olena Klymenko beschreibt den Park vor dem Krieg – und was nach Beginn der Angriffe davon übrig bleibt.
3 – Evakuierung unter Beschuss
Tausende Tiere werden aus dem Park gebracht, viele sterben, Mitarbeiter kommen ums Leben – der Versuch, ein System im Chaos zu retten.
4 – Alltag im Ausnahmezustand
Stromausfälle, Generatoren, Drohnenangriffe – und ein Streichelzoo, der selbst zum Ziel wird.
5 – Tierrettung an der Front
Ralf Seeger über Einsätze im Donbass: zerstörte Tierheime, Evakuierungen, Drohnengefahr und Zusammenarbeit mit Militär und Polizei.
6 – Zwischen Front und Zuflucht
Ein Tierpark als Rückzugsort für Menschen – und die Frage, was Orte wie dieser im Krieg überhaupt noch leisten können.

🎧 Hör-Empfehlungen
Die leisen Verletzungen: Psychologinnen im Krieg in der Ukraine (morgenpost.de/podcast/article410727982/die-lei…)
Die stillen Helden im Krieg (morgenpost.de/podcast/article407054243/die-sti…)

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Die schwarze Leopardin geht langsam und geduckt auf den Zaun zu und knurrt. Ihre Augen sind auf eine Hündin gerichtet, die neben mir durch den Schnee läuft. Amira, so heißt die Hündin, die wirkt nicht besonders beeindruckt. Für sie ist das ihr Alltag, sie weiß auch, die Leopardin ist sicher in ihrem Gehege, untergebracht, kann ihr nichts tun.

Gefährlich, richtig gefährlich ist hier eigentlich nur der Mensch. Im Hintergrund ist schon die Artillerie zu hören. Und für die Tiere hier im Feldmann Ökopark bei Charkiv gehört dieser Krieg schon lange zur Geräuschkulisse. Vor dem russischen Angriff vor vier Jahren ist dieser Park ein Ausflugsziel für Familien gewesen.

Heute ist er ein Ort, an dem die Tiere noch immer unter Beschuss leben und an dem Menschen versuchen, sich von diesem Krieg zu erholen. Kinder aus besetzten Gebieten, traumatisierte Soldaten, Journalistinnen, Rettungskräfte. Die Frage ist, wie rettet man Tiere in einem Krieg, in dem nicht einmal genug Schutz für Menschen da ist?

Und wie kann ein Tierpark trotzdem zu einer Art zerstören? Hallo, ich bin Jan Jessen, Politikchef der NAZ und Krisen- und Kriegsreporter für die Funke Mediengruppe. Meine Reportagen lest ihr in der NAZ, der WAZ, der Berliner Morgenpost, dem Hamburger Abendblatt und auf allen unseren Online-Portalen. Ich war bei meinem jüngsten Besuch in der Ukraine, auch in Charkiv, und habe da den Feldmann-Ökopark besucht, der eine Viertelstunde von dieser Millionenstadt im Nordosten der Ukraine entfernt ist.

In diesem Park haben einmal rund 5000 Tiere gelebt. Und ich spreche in dieser Folge unseres Podcasts mit zwei Menschen, die auf unterschiedliche Weise um das Leben dieser Tiere kämpfen. Mit Olena Klimenko, der Sprecherin des Feldmann-Ökoparks, und mit Ralf Seeger, Gründer des Vereins Helden für Tiere, vielen bekannt aus der Box-Doku, harte Hunde Ralf Seeger greift ein.

Wir fangen im Park an mit Olena. Wenn man zum Feldmann Ökopark kommt, dann sieht man erst mal am Eingang eine große schwarze Tafel. Und auf der schwarzen Tafel sind Fotos von Menschen zu sehen. Das sind Menschen, die ihr Leben gegeben haben, um Tiere zu retten. Tiere, die evakuiert wurden, als der russische Überfall im Februar 2022 begonnen hat.

Damals ist die Front über Kharkiv rübergerollt. Es gab russische Soldaten in Kharkiv selber. Und diese Gefechte haben auch massiv diesen Tierpark in Mitleidenschaft gezogen. Es gab damals eine beispiellose Evakuierungsaktion. Es sind tausende von Tieren rausgebracht worden. Es sind Tiere wieder eingefangen worden, die aus den zerstörten Gehegen rausgegangen sind.

Und das Ganze ist unter Lebensgefahr abgelaufen und es sind sechs Menschen gestorben. Und daran erinnert diese schwarze Tafel am Eingang dieses Tierparks. Olena, die hat uns dann begrüßt, als wir reingekommen sind in den Tierpark und hat uns über das Gelände geführt. Das ist ein weitläufiges Gelände. Ungefähr 140 Hektar ist das groß.

Und das ist ein bisschen wie ein Zoo, so eine Mischung aus Zoo- und Parkgelände. Also man hat überall noch Kioske, die mittlerweile natürlich leer sind. Es gibt Bänke zum Ausruhen. Es gibt dann wiederum die Gehege, die größtenteils wieder restauriert worden sind. Und an der einen oder anderen Stelle sieht man aber auch, dass dieser Park noch immer, gefährdet ist, denn beispielsweise das Verwaltungsgebäude ist kaputt oder eine Vogelboliere, eine riesige, die ist auch zerstört worden.

Im Januar gab es also noch einen Treffer von einer Gleitbombe, die da reingekommen ist. Im vergangenen Jahr gab es mehrere Drohnenangriffe. Also sicher ist dieser Park noch immer nicht, aber es gibt eben immer wieder Tiere hier. Und ich habe Olena natürlich am Anfang gefragt, was das für ein Park sei.

Und sie hat mir dann erzählt, dass dieser Park 2011 gegründet worden sei. Es hat dann 5000 Tiere da drin gegeben, rund 300 verschiedene Arten. Sie haben zusätzlich angeboten Therapien für Kinder mit Behinderung, für Veteranen, auch für Leute, die einfach zur Erholung kommen wollten. Es gab eine Reittherapie und andere Sachen. Und das war also immer kostenlos.

Gesponsert hat diesen Park ein Oligarch, ein sehr reicher Mann, für den das ein Anliegen war, eben in Kharkiv so eine Erholungsbelegenheit zu nutzen. Und es sind damals auch Menschen aus der ganzen Ukraine zu diesem Park gekommen, um sich da zu erholen und einfach da ein bisschen zu flanieren, spazieren und sich die Tiere anzuschauen.

Ja, und dann, wie gesagt, beginnt der russische Überfall. Alle haben über den Krieg geredet, aber alle haben gehofft, dass er nie passiert. 5000 Tiere auf einmal zu evakuieren, wäre unmöglich gewesen. Als wir die große Evakuierung begonnen haben, sind etwa 300 Tiere gestorben, durch Granaten und durch Stress.

Und sechs unserer Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Freiwilligen sind bei diesen Angriffen getötet worden. Ich danke allen Tierparks, die Tiere aufgenommen haben. Die Tiere sind über die ganze Ukraine verteilt worden. Dieser Beschuss hat knapp 200 Tage gedauert. Also 200 Tage lang war der Zoo unter Dauerbeschuss. Da blieb damals natürlich kein Gehege heil.

Es sind, wie Olena ja gesagt hat, 300 Tiere auch gestorben. Es sind viele Tiere damals entlaufen, sind in die nahen Wälder geflüchtet und sind dann von den Helfenden eben wieder zurückgebracht worden, beziehungsweise eingefangen worden und dann in den Westen des Landes gebracht worden, um erstmal sicher zu sein.

Und ja, ich habe ja am Anfang schon gesagt, also sechs Menschen sind dabei gestorben, sechs Mitarbeitende, die ihr geholfen haben, die versucht haben, die Tiere da heil rauszubringen, die sind bei dem russischen Beschuss gestorben und dann, als es im Herbst 2022 zu einer ukrainischen Gegenoffensive kommt.

Und die Russen wieder hinter die ukrainischen Grenzen gedrängt werden. Da fängt das wieder an, dass der Park eben nicht mehr unter Dauerschubbeschuss ist und deswegen die Parkleitung sich überlegt hat, dann lass uns das wieder anfangen, lass uns wieder beginnen, die Tiere hier zurückzubringen. Aber man sieht eben auch bis heute die Beschädigungen von damals.

Also überall haben sie immer noch kleine Denkmäler aufgebaut, wo Raketen runtergekommen sind. Man sieht immer noch Krater. Aber man sieht eben auch, dass eine ganze Menge jetzt gemacht worden ist in den vergangenen Jahren. Und dass eben, wie gesagt, wieder viele Tiere zurück sind. In dem Park sind Wölfe, in dem Park sind Bären, Leoparden, schwarzer Leopard, sehr, sehr selten, von dem ich am Anfang gesprochen habe.

Es gibt ganz viele Vögel und auch so eine Art Streichelzoo. Und ja, wie gesagt, dieser Park ist wieder, ja, wiederbelebt ein Stück weit, aber eben immer noch gefährlich. Und was sie jetzt aktuell haben, also sie haben ungefähr 1500 Tiere statt der früheren 5000 da, sind Tiere, die sie aus den Kampfzonen holen.

Also dieser Krieg in der Ukraine ist ja auch einer, der für Tiere super gefährlich ist. Die Raketen, die Artillerie, die Mörsergranaten, sie zermahlen natürlich auch die ganzen Wälder in frontnahen Gebieten, sterben Hirsche, sterben Rehe, sterben andere Tiere in den Wäldern. Menschen, die aus den Kriegszonen fliehen, lassen ganz oft ihre Tiere zurück.

Ob das jetzt Haustiere sind wie Hunde oder Katzen, aber auch Tiere, die sie als Nutztiere benutzen, Kühe, Schweine und so weiter. Und um diese Tiere kümmern sich eben die Leute vom Feldmann Ökopark. Gleichzeitig ist dieser Park allerdings auch wieder ein Ort geworden, zu den Menschen kommen, die selbst durch den Krieg traumatisiert sind.

Ich möchte von Udena wissen, was Rea hier konkret bedeutet. Es gibt Menschen, wenn sie sich psychologisch verabschieden können. Wir haben hier ganz unterschiedliche Angebote. Ich selbst habe die Besatzung erlebt und bin dann hierher gekommen und habe angefangen, im Park zu arbeiten. Die Gruppen, die zu uns kommen, sind sehr verschieden. Manche wollen einfach nur still mit den Tieren zusammensitzen.

Andere gehen zu den Lamas, umarmen sie, füttern die Lemuren, reden mit den Tieren, einfach um ein bisschen zur Ruhe zu kommen. Es gibt auch Gruppen, die mit Psychologinnen und Psychologen hierher kommen, vor allem mit Kindern. Dann machen wir verschiedene Aktivitäten und holen manchmal sogar Animateure dazu, die mit ihnen arbeiten. Und wir haben Hypotherapie, also Therapie mit den Pferden.

Und das ist, dass es die Epo-Therapie möglich ist. Insofern von Fragen. Es ist einfach nur ein Timo, zu sitzen und in der Hand. Wenn es jemand möchte, wenn es die Kinder gibt, kann man sich einen Anwalt-Ansuch-Ansuch-Ansuch-Ansuch-Ansuch-Ansuch-Ansuch. Insofern ist es auch, hier sind verschiedene Umstände für unsere Arbeit.

Jolena ist also nicht nur die Sprecherin des Parks, sie ist selbst vom Krieg geprägt. Sie hat die Besatzung erlebt und arbeitet heute an einem Ort, an dem Menschen Lamas umarmen, Affen füttern, in einer Laube sitzen, nur ein paar Kilometer von der Front entfernt. Der Feldmann-Ökopark ist aber eben nicht nur eine Reheinrichtung für Menschen, sondern auch ein Zufluchtsort für Tiere, die niemand mehr haben.

Und wie gesagt, der bleibt leider Gottes auch ein Ziel von Angriffen. Ich habe ja vorhin schon gesagt, wenn man durch den Park geht, sieht man überall auch frische Spuren von Angriffen. diese Vogelbollegiere, die es im Januar getroffen hat, im vergangenen Jahr, im Mitte vergangenen Jahres, Drohnenangriffe auf den Park.

Das ist alles auch ein bisschen verrückt, muss man sagen, weil man sich ja schon denkt, warum greifen die Zoos an, beziehungsweise Tierparks an? Und Olena hat allerdings auch keine Antwort drauf. Olena führt mich in den Kontaktbereich, das ist so eine Art Streichelzoo des Zoos, und hat mir dann eine Ziege gezeigt, die sah sehr putzig aus, Also war weiß, hatte einen buschigen Haarschopf und die war auch sehr zutraulich, kam dann auch direkt an.

Und ja, das ist, hat sie mir gesagt, der hübscheste Kerl in diesem Zoo. Das hier ist Snowy. Die Großmutter ist 92, der Großvater 98. Sie haben ihn geliebt und wollten ihn nicht schlachten, also haben sie ihn uns gegeben. Er ist jetzt sozusagen der modischste Typ hier im Dorf. Das sind vor allem Haustiere aus den Gebieten nahe der Front und das hier ist unsere Kontaktzone. Jeder kann herkommen, Zeit mit ihnen verbringen, sie umarmen.

Vor allem Kinder lieben das. Im vergangenen Jahr ist hier in diesem Kontaktbereich eine Drohne eingeschlagen und hat zwei Ziegen getötet. Einige andere haben eine Gehirnerschütterung bekommen. Eine Drohne, die einfach zufällig unsere Tiere trifft. Es ist schon verrückt. Wenn man auf der einen Seite sieht, dieser Streichelzoo ist im Platz, wo die Kinder hinkommen, Spaß mit den Tieren haben, die streicheln, die füttern.

Und dann jagen die russischen Streitkräfte in eine Drohne genau in diesen Bereich rein, wobei man natürlich jetzt nicht genau weiß, ist das eine Drohne gewesen, die möglicherweise einen Funktionsfehler hatte, ist sie abgeschossen worden. Also man kann sich ja kaum vorstellen, dass sowas extra gemacht wird, obwohl in diesem Krieg natürlich sehr, sehr viele Kriegsverbrechen passieren.

Aber das ist ja eigentlich auch überhaupt kein militärisches Ziel und eigentlich auch Verschwendung von Munition, wenn man so eine Einrichtung angreift. Aber gut, wie gesagt, man weiß es nicht. Es ist auf jeden Fall natürlich bitter, das zu hören, was in diesem Zoo da immer wieder auch heute noch passiert.

Der Feldmann Ökopark, der kämpft aber nicht nur mit Beschuss, sondern auch mit etwas, das viele von euch aus den Nachrichten kennen. Den russischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur. Also, ich habe das ja gerade im vergangenen Winter mitbekommen, dass hunderttausende von Menschen, ob in Kiew, in Odessa oder eben auch in Kharkiv, ohne Strom waren, ohne Wasserversorgung, ohne Heizung.

Und das trifft natürlich auch diesen Feldmann-Ökopark. Und Stromausfälle sind für einen Tierpark mit exotischen Tieren lebensgefährlich. Problem ist, dass wir von den Angriffen auch von der Angriffen haben, dass die Elektrik aus dem Angriffen ist und es ist nicht so lange. Einige Angriffen von der Angriffen sind, insofern, Wir haben große Probleme mit Strom und Heizung.

In manchen Bereichen hängt die Wärme komplett von der Elektrizität ab und wir haben hier ständig Stromausfälle. Wir haben Tiere wie Zebras, Affen, Lemuren, die in Räumen leben müssen, in denen es nie unter 25 Grad werden darf. Wenn der Strom ausfällt, schalten wir die Generatoren ein. Aber weil sie fast die ganze Zeit laufen, gehen sie immer wieder kaputt.

Wir sind unseren Partnern aus Deutschland sehr dankbar, die uns mit Generatoren und finanzieller Hilfe unterstützt haben. Denn den Tieren kannst du nicht sagen, es wird heute kalt und wir können dich heute nicht füttern. Und dank dieser Stelle wir auch nochmals zum Zimmel пережiven. Also mit Generatoren aus Deutschland wird irgendwie versucht, die Tiere warm zu halten.

Die heizen übrigens auch, das habe ich auch gesehen, mittlerweile auch mit Holz. Manche in manchen Gehegen, in den Affengehegen, da qualmt es dann eben aus irgendwelchen Stolzern. Da habe ich gefragt, wieso qualmt es das? Dann hat sie mir erzählt, dass sie eben auch jetzt Holz nutzen, um heizen zu können, weil für die Generatoren sind eben auch nicht immer genug Diesel da und die Generatoren, und können auch nicht die ganze Zeit durchlaufen, sonst gehen sie kaputt.

Also behelfen sie sich dann eben wie so häufig mit Improvisationen und in dem Fall eben beim Heizen mit Holz. Und gleichzeitig jagen die Russen immer wieder in die Energieinfrastruktur ihre Raketen, andere Beschossereien, treffen Umspannwerke und andere Einrichtungen der kritischen Infrastruktur. Also der Feldbahn Ökopark ist also auch so ein bisschen ein Symbol für vieles, was in diesem Krieg passiert. Die zivile Infrastruktur ist unter Beschuss, Freiwillige, die improposieren müssen, Freiwillige, die sich einsetzen und eine enorme Abhängigkeit von Hilfe von außen.

Ein anderer, der immer wieder an die Front fährt, um Tiere zu retten, ist Ralf Seeger. Viele von euch kennen ihn vielleicht aus der VOX-Doku Harte Hunde. Ralf Seeger greift ein. Ralf ist Kampfsportler, Tierschützer und Gründer des Vereins Helden für Tiere. Seit Beginn des Krieges oder seit Beginn der russischen Invasion vor vier Jahren ist er immer wieder in der Ukraine unterwegs.

Und ich habe mich mit ihm darüber unterhalten, warum er sich entschieden hat, in diesem Krieg aktiv zu werden und wie gefährlich seine Einsätze sind. Also bei mir war diese Entscheidung also sofort gefallen. Der Krieg hat angefangen und, oder der Krieg fing an, so muss man das sagen. Und ich habe zum Wort zum Steve gesagt, du musst fahren und dort helfen.

Am Anfang war er natürlich nicht so begeistert. Steve war wie ich auch, ehemaliger Fallschirmjäger und kennt natürlich auch die Gefahren von einem Krieg und weiß natürlich, dass es auch letztendlich da passieren kann. Und das ist natürlich immer ein Riesenproblem. Aber kurze Zeit später kamen wir zu mir und sagten, egal wo du hinfährst, ich komme mit.

Und dann sind wir direkt vom Beginn des Krieges losgefahren, direkt nach Otiankar. Das war damals Buscha, Irpin. War sehr, sehr schlimm. Und dort haben wir direkt unsere Einsätze begonnen. Weikar konnte man noch nicht fahren. Das war am Anfang also sehr, sehr gefährlich. Da gab es diese Drohngeschichte noch nicht, aber halt Beschuss, Raketen, Granaten und Sniper.

Und da haben wir uns versucht, so gut wie es halt eben ging, zu schwitzen. Und ich erinnere mich da auch noch, gerade Borodjanka, da war so eine ganz schlimme Geschichte mit über 700, 800 Hunden in einem Tierheim, was der Betreiber dort verlassen hat, die Tiere sich selbst überlassen hat. Das muss man einfach wissen.

Die haben sich selber getötet untereinander, weil sie nichts zu fressen hatten. Und haben dann die toten Kadaver da von ihren Freunden, so will ich das schon mal sagen. Und aufgefressen. Ich habe viele Tiere dort auch rausgeholt und wir haben sie nach Kiew gebracht. Wenn man dann in die Augen von diesen Tieren geschaut hat, war das einfach nur schlimm, was diese armen Wesen dort mitgemacht haben. Das war eine sehr schlimme Zeit.

Ja, Ralf Seger ist halt losgefahren, als viele noch überlegt haben, wie lange dieser Krieg überhaupt dauern wird. Er und sein Team standen damals in den Vororten von Kiew, in Butscher, in Irpin, Borodjanka, an Orten also, die später zum Synonym für Kriegsverbrechen werden. Und er sagt, die Tiere unterscheiden nicht zwischen russisch oder ukrainisch.

Und er unterscheidet auch nicht zwischen Mensch und Tier. Danach konnten wir natürlich weiterfahren in den Donbass, was wir bis heute auch noch machen, und haben dort sehr, sehr viele große Rettungsaktionen durchgeführt. Also für Mensch und Tier muss man sagen, das war immer bilateral, weil ich denke, es ist immer wichtig, wenn man im Krieg irgendwo sich bewegt, zu helfen, was zu helfen möglich ist.

Da differenziere ich nicht, ob das eine Katze ist und oder ein Mensch. Alles versuche ich zu evakuieren. Ja, das ist natürlich aller Ehren wert. Ich meine, man muss natürlich sagen, ich zucke manchmal selber so persönlich. Wenn Menschen sich so sehr in Kriegen, so sehr für Tiere einsetzen, ich bekomme das ja auch mal mit, wenn ich in den sozialen Medien irgendwas über den Krieg schreibe und menschliche Schicksale schildere, Und da dann zwar eine gute Response bekomme, aber wenn ich dann auf der anderen Seite irgendwas über Tiere mache, über einen traurigen Hund, der irgendwo rumsitzt, dann sind die Reaktionen deutlich ausgeprägter und die Posts auch wesentlich Reichweiten stärken.

Und da frage ich mich halt manchmal schon, ob sich gar nicht Maßstäbe verschoben haben. Aber das finde ich immer gut an Ralf, dass er sagt, wir holen alles raus. Also auch Menschen, die da gefährdet sind. Und wir versuchen also allen Dinge bewiesen zu helfen. Und das finde ich ist schon mal ein ganz guter Ansatz, der sich eben nicht nur auf die Tiere fokussiert.

Allerdings muss man auch sagen, dass das, was Ralf Seger und die anderen Tierhelfenden da machen, auch einfach extrem gefährlich ist. Die Front in der Ukraine, die hat sich massiv verändert. Am Anfang gab es gerade mal Aufklärungsdrohnen, die in der Luft waren und das Feuer der erschweren Artillerie gelenkt haben.

Und jetzt, das wisst ihr aus anderen Folgen dieses Podcasts, packen wir euch auch gerne ein paar in die Shownotes rein. Ist das Leben Richtung, oder das Arbeiten Richtung Front extrem gefährlich geworden für Berichterstatter, aber eben auch für Helfende. Und weil ja für die Todeszone so groß geworden ist, 40 Kilometer tief, Drohnen sind überall in der Luft, attackieren alles, was da unterwegs ist.

Und ich habe Ralf gefragt, wie sehr das seine Einsätze verändert hat. Ja, Jan, wir haben am Anfang, wie ich das schon erwähnte, schweren Beschuss erlebt, immer durch Akkullerie, Raketen, die waren sehr gefährlich, denn man muss wissen, die sind extrem stark. Zum Beispiel die S 300, wenn man da ein paar hundert Meter im Umfeld war, dann war man auch Geschichte.

Im Laufe der Jahre ist das natürlich viel verfiedert geworden, gerade was du angesprochen hast. Die Drohnen, das ist eine Nummer, die nicht mehr kontrollierbar ist. Egal wo man sich dort bewegt, man hat im Prinzip kaum eine Chance. Deswegen fahre ich meine ganzen Einsätze, zum Beispiel mit dem Kraken, das ist das Spezialkommando vom ukrainischen Militär.

Und mit den Weißen Engeln, das ist die Landespolizei der Ukraine, die spezielle Störeinrichtungen haben für Drohnen, aber nur für Drohnen, die halt gesteuert werden ohne Glasfaserkabel. Gegen diese Drohnen mit Glasfaserkabel, ja. Da gibt es keine Möglichkeit, sich zu schützen. Gute Freunde von mir. Beim letzten Einsatz kurz vor Weihnachten bin ich mit denen noch nach Kupanz gefahren, habe dort Tiere gewettet und auch zwei alte Frauen, weil eben an ihrem Haus eine Drohne eingeschlagen ist, da ist der Mann geschwommen.

Dann haben wir die rausgefahren. Kurz danach wurde dann erstmal die Staumauer da von dem riesen Stausee gesprengt. Und kurze Zeit später sind zwei Freunde von mir, die mit mir genau an dem Tag auch rausgefahren sind. Eine Frau, eine Polizistin, 23 Jahre, der Polizist, 35 Jahre, paar Wochen später genau in dem gleichen Gebiet auch von einer Drohne erwischt worden.

Und die beiden gibt es nicht mehr. Das habe ich so oft erlebt. Lehm und Tod ist da manchmal ganz irgendwie beieinander. Ja, und natürlich, muss man sagen, hat Ralf auch die Geschichte des Feldmann-Ökoparks verfolgt. Ich habe ja erzählt, also am Anfang des Krieges, als die russische Streitkräfte davor marschiert sind, im Februar 2022, war der Park die ganze Zeit unter Beschuss.

Es sind viele, viele Tiere gestorben. Es sind Helfende dabei gestorben bei dem Versuch, diese Tiere zu evakuieren. Und Ralf, der hat das selber auch miterlebt und war auch vor Ort. Wir waren in Harkow und dann kriegte ich durch den Sascha mit, aber auch durch die Polizei von dort, von Harkow, dass im Ekopark noch viele Tiere sind.

Ich kannte den Park gar nicht und dann wurde mir gesagt, das ist fast unmöglich da hinzukommen, weil der Okkupant auch noch Teile vom Park kontrolliert. Das ist also, ich wusste gar nicht, was das ist, also das ist so ein Freizeitpark gewesen mit vielen Tieren da drin, also ein ganz schönes Ding, aber sehr weit außerhalb von Hakow.

Und dann sind wir... Da hingefahren und da gab es auch noch unheimlich viele Chatballs und die wollten es fast nicht da durchlassen. Natürlich mit Sascha funktionierte das. Dann sind wir auch da angekommen und haben natürlich auch gesehen, da war noch ein riesen Wiesent angebunden. Ich meine, dass da auch noch ein paar Löwen, Bären waren und auf dem Weg dahin kam uns eine ganze Rotte von Schweinen entgegen, die auch dort ausgebrochen sind.

Und natürlich viele Sachen, die kaputt geschossen waren. Jetzt habe ich gedacht, wie geht das hier mal? Warum hilft hier keiner? Und dann kam auch schon das ukrainische Militär, die waren dort alle im Laufgräben, hatten sich versteckt und haben gesagt, schnell, schnell, schnell weg hier, weil dauernd kommt Beschuss.

Ja, und dann sind wir wieder weggefahren, haben aber noch Mitarbeiter auch getroffen von dem Park. Die haben nachher diese Tiere, die da angebunden waren, wir hatten sie vorbereitet, auch noch abgeholt. So, aber ich glaube, ein, zwei Tage später habe ich dann halt mitbekommen, dass dort auch Menschen gestorben sind, halt durch diese ganzen Angriffe, viele Tiere ums Leben gekommen sind.

Und Nasaores zum Beispiel waren auch dort mit uns. Die haben dort auch eine Ziege, genau, ich glaube, die lebt heute sogar noch in Lviv, bei Domivka, eine Ziege gerettet. Und das war natürlich auch eine ziemlich wilde Geschichte. Und gerade der Ecopark, das erinnere ich mich noch sehr gut daran, auch an dem Weg dahin. überall riesen Einschusskrater neben den Straßen, dauernd, dauernd war Bordement da.

Also das war schon richtig heftig und ich bin eigentlich auch dankbar dafür. Dass jetzt da in dem Gebiet wieder Ruhe eingekehrt ist. Ich war letztens nach Wotschans gefahren, sind auch noch da vorbeigekommen, haben wieder gesehen, dass dort gearbeitet wird. Also das freut mich, aber man darf nie vergessen, dass dort so viele Tiere, die auch eingesperrt waren, die da nicht wegkamen, die haben keine Option gehabt, ganz, ganz schlimm verhungert sind oder zerfetzt wurden von Granaten, Raketen und dass natürlich da auch viele Menschen ihr Leben gelassen haben.

Das ist natürlich, wenn man in diesem Feldmann-Ökopark steht vor dieser schwarzen Leopardin. Amira, diese Hündin neben sich und dann im Hintergrund den Kriegslärm hört, nicht super nah, aber man hört eben die Abschlüsse, man hört immer wieder auch den Luftalarm. Das wirkt alles so surreal und merkwürdig.

Aber es geht dann eben auch nicht mehr um den Krieg insgesamt. Es geht nicht mehr um Frontlinien auf der Karte, sondern um ganz konkrete Leben. Um eine Ziege wie Snowy, um die Kinder, die sie streicheln, um Leben huren, die Wärme brauchen, damit sie überleben. Und Olena, die hat gezeigt, was Krieg mit einem Ort macht, der einmal ein Volkspark war.

Der monatelange Beschuss in 2022, die zerstörten Gehege, die toten Tiere, tote Kolleginnen und Kollegen. Und trotzdem haben sie diesen Park eben wieder aufgebaut. Und auch das ist wieder für mich so ein Symbol gewesen für diese ukrainische Widerstandskraft, über die wir ja schon ganz häufig in diesem Podcast gesprochen haben.

Also dieser Widerstandswille nicht aufzugeben, zu sagen, wir machen weiter, weil wir eben auch die Sinnhaftigkeit sehen dieses Parks in dem konkreten Fall. Wir sehen also, dass das auch ein Ort ist, den Menschen brauchen. Wo Menschen Ruhe finden, wo Menschen hingehen können, um sich auszuruhen von dem Grauen, was sie erlebt haben an der Front, ob das Soldatinnen, Soldaten sind, Journalistinnen oder Rettungskräfte, wo auch Kinder hingehen können aus den besetzten Gebieten.

Und mancher fließt da eben auch alles zusammen. Jetzt haben sie beispielsweise in diesem Park, ich habe ja vorhin erzählt, auch. Tiere aufgenommen, die sie aus den frontnahen Bereichen retten. Darunter sind auch Vögel, die sich in den Netzen verfangen, die mittlerweile aufgezogen werden über den Straßen in den frontnahen Gebieten, um Menschen zu schützen vor russischem Beschuss, also damit die Drohnen abgehalten werden.

Da werden Netztunnel gebaut, zig Kilometer lang. Und jetzt für die Tiere ist das natürlich eine große Bedrohung. Die Vögel verfangen sich da drin. Und auch die kommen in diesem Feldmann-Ökopark unter. Und man versucht eben, sie da zu retten. Ralf Seger, der hat die gleiche Geschichte von der anderen Seite erzählt.

Aus Bussen voller Hunden und Katzen, aus zerbombten Dörfern, aus Einsätzen mit Spezialeinheiten, bei denen Drohnen jederzeit tödlich gefährlich werden können. Er pendelt vom Liederrhein an die Front, weil es nicht vernünftig ist, sondern weil es für richtig hält, Tiere und Menschen zu holen, die sonst kaum eine Chance hätten.

Beide, Olena und Ralf, können den Krieg natürlich nicht stoppen. Das können auch wir nicht stoppen. aber sie können dafür sorgen, dass er nicht alles entmenschlicht, auch nicht unseren Blick auf die Tiere. Und dann kommen genau wir ins Spiel. Ob wir hinschauen, spenden oder erzählen oder einfach wegklicken, weil wir den Krieg nicht mehr sehen wollen, auch das ist seine Entscheidung.

Und sie hat Folgen für Menschen und für Tiere. Das war im Krisenmodus. Dieser Podcast wurde produziert von Alexander Baumeister. Er ist auch Journalist und arbeitet bei einem Radiosender der Funke Mediengruppe. Wenn euch dieser Podcast gefallen hat, folgt uns und lasst uns eine Bewertung da. Das hilft, unsere Arbeit sichtbarer zu machen. Schreibt mir auch gerne, wenn ihr einen Vorschlag für eine unserer nächsten Folgen habt.

Krisenmodus at funkemedien.de Macht's gut. Bis demnächst. Alles Liebe. Ciao, ciao. Im Krisenmodus, der Podcast aus Krisen- und Kriegsgebieten aller Welt.

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