
Im Krisenmodus· Folge 158
Venezuela nach dem Doppel-Erdbeben – Augenzeugen aus Caracas
Donnerstag, 25. Juni 2026 · 20 min
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Shownotes
Innerhalb von nur 39 Sekunden erschüttern zwei schwere Erdbeben Venezuela. Wohnhäuser stürzen ein, Menschen werden unter Trümmern verschüttet. Während Rettungskräfte nach Überlebenden suchen, berichten deutsche Augenzeugen aus Caracas, wie sie die Katastrophe erlebt haben.
In dieser Sonderfolge spricht FUNKE-Kriegsreporter Jan Jessen (nrz.de/panorama/article412387919/deutsche-schi…) mit Cornelia Leitner und Gisela Fernow, die das Beben selbst erlebt haben. Außerdem erklärt Paul-Philipp Braun von ISAR Germany, warum internationale Rettungsteams nicht sofort starten können, weshalb die ersten 72 Stunden entscheidend sind und wie sich die Hilfsorganisation auf einen möglichen Einsatz vorbereitet.
Eine aktuelle Folge über die ersten Stunden nach der Katastrophe – und darüber, warum für viele Menschen die eigentliche Krise erst nach dem Erdbeben beginnt.
Stimmen im Podcast
Cornelia Leiter, Prädikantin der deutschsprachigen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Caracas: über den Moment, als das Erdbeben begann, einstürzende Gebäude und das Gefühl, das Vertrauen in den Boden zu verlieren.
Gisela Fernow, Direktorin des Deutschen Altenheims Caracas: über Warnmeldungen, Nachbeben und die ersten Stunden nach der Katastrophe.
Paul-Philipp Braun, Sprecher von ISAR Germany: über internationale Katastrophenhilfe, die entscheidenden ersten 72 Stunden und die Vorbereitung eines möglichen Einsatzes in Venezuela.
Host:
Jan Jessen, Politikchef der NRZ und Kriegs- und Krisenreporter der FUNKE Mediengruppe.
🧭 Kapitelübersicht
1 | Zwei Erdbeben in 39 Sekunden
Jan Jessen ordnet die aktuelle Lage ein und erklärt, was bislang über die Katastrophe bekannt ist.
2 | Augenzeugen aus Caracas
Cornelia Leiter erlebt das Erdbeben mitten in der Hauptstadt. Gebäude schwanken, Menschen fliehen auf die Straße und innerhalb weniger Sekunden verändert sich alles.
3 | Eine Nacht voller Nachbeben
Gisela Fernow berichtet von Warnmeldungen, weiteren Erschütterungen und den ersten Nachrichten über eingestürzte Hochhäuser und schwere Zerstörungen.
4 | Internationale Hilfe läuft an
ISAR Germany bereitet sich auf einen möglichen Einsatz vor und erklärt, wie internationale Katastrophenhilfe organisiert wird.
5 | Warum jetzt jede Stunde zählt
Die ersten 72 Stunden entscheiden oft über Leben und Tod. ISAR Germany erklärt, warum Rettungsteams nicht sofort starten können.
6 | Die Suche nach Überlebenden
Jan Jessen ordnet die aktuelle Lage ein und erklärt, warum die Rettungsarbeiten jetzt besonders schwierig werden.
7 | Wie es jetzt weitergeht
Was bisher über die Folgen des Doppel-Erdbebens bekannt ist und warum für viele Menschen die Katastrophe noch lange nicht vorbei ist.
🎧 Hör-Empfehlungen
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🤝 Unterstützungsmöglichkeiten
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Die Duisburger Hilfsorganisation bereitet sich auf internationale Katastropheneinsätze vor und hilft weltweit bei der Suche und Rettung von Verschütteten sowie der medizinischen Notfallversorgung. Weitere Informationen und Spendenmöglichkeiten gibt es hier:
🔗 ISAR Germany – Spenden (isar-germany.de/de/spenden/?utm_source=chatgpt…)
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Wie fühlt sich das an, wenn man sich plötzlich nicht mehr auf den Boden unter den Füßen verlassen kann? Wir haben seitdem schon wieder mehrere Nachbeben gehabt. Also das ist äußerst unangenehm. Egal, wenn man es hört oder wenn man irgendwo sitzt und plötzlich wackelt der Stuhl unter einem. Und ja, man hat ein absolutes, oder was sagt man, man hat das Vertrauen verloren in den Boden.
Das kann man eigentlich nicht mit Worten beschreiben Das ist wirklich was, wenn man das einmal erlebt hat Dass der Boden nicht das ist, was er sein sollte, was man gewöhnt ist Sondern sich in was ganz anderes verwandelt, was sich bewegt Was man nicht kontrollieren kann Das ist, ein Gefühl der Machtlosigkeit und der absoluten Ausgeliefertsein Im Norden von Venezuela hat in der Nacht zu Donnerstag deutscher Zeit die Erde gebebt.
Gleich zweimal und das nicht zu knapp. Mit einer Stärke von 7,5 und 7,2 gehören die beiden Erdbeben zu den stärksten weltweit in diesem Jahr. Zwischen ihnen lagen gerade einmal 39 Sekunden. Und sie treffen ein Land, über das wir in den letzten Monaten mehrfach berichtet haben. Was würdet ihr tun, wenn ihr plötzlich nicht mehr sicher wisst, ob euer Zuhause noch sicher ist?
Im Krisenmodus, der Podcast aus Krisen- und Kriegsgebieten aller Welt mit Journalist Jan Jessen. Hallo, ich bin Jan Jessen, Kriegs- und Krisenreporter der Funke Mediengruppe. Ihr findet meine Reportagen in der NRZ, der WRZ, der Berliner Morgenpost und dem Ammauger Abendblatt und natürlich auch auf allen unseren Internetportalen.
Innerhalb von 39 Sekunden erschüttern zwei schwere Erdbeben Venezuela. Wohnhäuser stürzen ein, Menschen werden unter den Trümmern verschüttet. Während wir diese Folge aufnehmen, suchen Rettungskräfte noch immer nach Überlebenden. Niemand weiß genau, wie viele Opfer es am Ende geben wird. Zum Zeitpunkt der Aufnahme des Podcasts heißt es, mindestens 164 Menschen sterben, mindestens 1.000 sind verletzt und es ist die Rede von 10.000 und mehr Vermissten, und es gibt Schätzungen, dass die Zahl der Opfer noch drastisch steigen wird.
Für diese Sonderfolge unseres Podcasts haben wir mit Menschen gesprochen, die das Beben selbst erlebt haben. Deutsche, die in Venezuela leben, schon seit vielen Jahren und sie erzählen, wie sich der Moment angefühlt hat, als der Boden plötzlich zu schwanken begann. Außerdem sprechen wir mit ISA Germany aus Duisburg. Diese Hilfsorganisation, bereitet sich auf einen möglichen Einsatz vor und erklärt, warum jetzt jede Stunde zählt.
Die Hauptstadt Caracas liegt zwar rund 200 Kilometer vom Epizentrum der Erdbeben entfernt. Trotzdem stürzen auch da Gebäude ein. Genau dort erlebt Cornelia Leiter das Erdbeben. Sie lebt in Karakas und arbeitet als Prädikantin, ehrenamtliche Predigerin für die deutschsprachige evangelisch-lutherische Gemeinde.
Am Feiertag wollte sie eigentlich nur Essen für ihre Familie holen, dann verändert sich innerhalb weniger Sekunden alles. Ich befand mich heute Nachmittag in der Kirche und bin dann danach in ein Brathähnchen-Restaurant gegangen, um zum Abendessen auch zu meiner Schwiegermutter Brathähnchen mitzunehmen.
Wir hatten heute Feiertag und da ist es eigentlich üblich, dass man zusammen isst auch. Und ich war gerade kurz vor sechs dort, habe das bestellt zum Mitnehmen und stand dann gerade an der Theke und habe gesehen, wie das vorbereitet wird, geschnitten wird und eingetütet wird. Und auf einmal spürte ich, dass der Boden unter meinen Füßen vibrierte.
Ich habe das am Anfang gar nicht so ernst genommen. Ich hatte das überlegt so, also meine erste Assoziation war, ja, Holzfußboden und es fährt ein großer Schwerlasttransporter draußen vorbei, und die Schwingung wird einfach übertragen. War ich manchmal von zu Hause aus gewöhnt. Dann ist mir aber aufgefallen, ich stehe auf einem Betonfußboden mit Fliesen und das kann nicht sein.
Und dann spürte ich erneut diese Schwingungen und dann fing auch die Theke an zu wackeln, und dann kam auch unter den anderen Besuchungen Panik auf und alle standen auf und liefen zur Tür. Es gab noch in diesem Restaurant noch eine Etage drüber mit einer Treppe. Da kam die dann runter, aber die Treppe und auch alles, die ganze Struktur hat so gewackelt, sage ich mal, oder geschwankt, dass man Probleme hat, das Gleichgewicht zu bewahren.
Und mehrere sind auf der Treppe gestürzt, sogar beim Runterkommen. Was viele Menschen zunächst für vorbeifahrende Lastwagen halten, entwickelt sich innerhalb weniger Sekunden zu einer Katastrophe. Menschen verlieren das Gleichgewicht, Gebäude beginnen zu schwingen. Niemand weiß in diesem Moment, ob weitere Erdstöße folgen.
Wir sind dann raus. Vor dem Restaurant war erstmal ein Parkplatz. Der war relativ frei. Und dann ist da auch noch allgemein dort ein freier Platz vor dem Restaurant. Das ist dieser Plaza Altamira, nennt sich das. Das ist wirklich ein 60 bis 80 Meter breiter Platz, der sich über. Drei Straßenzüge hinzieht, also wo auch Treffen gemacht werden und so und da, stehen keine Häuser und da sammelten sich dann die Leute, und also ich kam aus dem Restaurant raus und sah auf den zwei Restaurants nebenan, da kamen auch die Leute alle rausgerannt, mein Mann stand beim Auto draußen und das Auto hüpfte auf der Straße.
Also die Federung, das war richtig, man kann wirklich sagen, das hüpfte und ich versuchte dann so schnell wie möglich zu ihm zu kommen und zum Auto zu kommen, was überhaupt nicht einfach war, weil ich kein Gleichgewicht hatte. Also diese Bewegung vom Boden zu kompensieren. Das ist überhaupt kein Niemand gewöhnt, würde ich sagen. Aber, das war furchtbar. Man hat es auch nicht koordinieren können.
Ja, ich bin dann glücklicherweise, habe ich dann mehr oder weniger zum Auto hinlaufen können, mich dort festgehalten, habe mich dann umgeschaut. Neben dem Restaurant, 30 Meter entfernt ungefähr, war ein circa zehnstöckiges Gebäude. Dieses Gebäude hat angefangen zu schwingen, richtig schwingen wie eine Route und dann sind in verschiedenen Stellen die Wände rausgefallen, die Außenwände rausgefallen.
Und das war, ja, es war irgendwie surreal. Also es war, ich war da, aber irgendwie konnte ich es nicht so richtig, war das eigentlich, ich war nicht da. Also es war, ja, als ob das ein Film wäre trotzdem. Dann haben wir gesehen, ca. 300 Meter Luftlinie entfernt, eine riesige Staubwolke. Und da kamen schon die ersten Befürchtungen aus, dass da ein Gebäude zusammengestürzt sein musste.
Also so wie die Staubwolke war, gab es da keine andere Erklärung. Und ich kann nicht sagen, wie lange das gebebt hat. Also das kann man eigentlich, nicht in Zeit messen. Also das ist eine Erfahrung, die, wenn man die macht, so die dauert ewig. Wenig später wird klar, dass nicht nur einzelne Fassaden beschädigt sind.
Mehrere Hochhäuser stürzen ein oder sind schwer beschädigt. Rettungskräfte beginnen sofort mit der Suche nach Verschütteten. Das Ausmaß der Katastrophe lässt sich zu diesem Zeitpunkt aber noch gar nicht abschätzen. Während Cornelia mitten in Caracas unterwegs ist, erlebt Gisela Fernow das Beben etwas außerhalb der Hauptstadt.
Sie ist die Direktorin des Deutschen Altersheims in Caracas und war aber bei sich zu Hause, als die Erde bebte. Wie fing das an? Plötzlich hatte ich auf meinem Cellular eine rote Lampe an. Das war Alarm und ich habe mich noch gewundert, weil das war 6 Uhr am Nachmittag. Und ich dachte mir im ersten Moment, ich habe doch um diese Uhrzeit keinen Wecker gestellt.
Abends um 6 Uhr, bis ich dann gesehen habe, dann kam auch schon die Nachricht über mein Cellular. Templor, also Templor, Erdbeben. Nach den ersten Erdstößen folgt das, wovor viele Menschen jetzt Angst haben. Nachbeben. Die Behörden zählen innerhalb weniger Stunden bereits mehr als 20 weitere Erschütterungen.
Das ist besonders kritisch natürlich dann, wenn es draußen dunkel ist. Und das war eben so, dass dann die Nacht angebrochen ist, als die Nachbeben kam. Und beschädigte Gebäude können dadurch jederzeit weiter einstürzen. Okay, wir waren dann alle auf der Straße, die ganzen Nachbarn, und haben eben gewartet, bis das dann wieder aufgehört hat.
Es dauerte aber nicht lange, dann kamen nochmal zwei, drei, vier Replikas, Wiederholungen. Und die Situation bei uns, Gott sei Dank, wir sind gesund, die Häuser haben nicht gelitten, wir haben auch nichts. Aber die Nachrichten, die ich aus der Stadt höre, von meinen Mitarbeitern, schreckliche Nachrichten, ganz schreckliche Nachrichten.
Hochhäuser eingestürzt, überall Zerstörung, unten am Strand. Ich kann ihnen Videos schicken. Also die Situation ist wirklich schrecklich, kann man einfach sagen. Bis zu 70 Nachbeben sein zu erwarten, sagt sie. Da hat keiner mehr geschlafen. Ich habe auch mit den beiden gesprochen, aber schon spätabends Nacht in Venezuela.
Aber wie gesagt, der Schlaf ist natürlich in unserer Situation kaum zu denken. Während viele Menschen noch in Venezuela auf der Straße stehen und versuchen, Angehörige zu erreichen, beginnt auf der anderen Seite der Welt die internationale Hilfe anzulaufen, auch in Deutschland. Wir haben mit Paul Philipp Braun von ISA gesprochen. ISA Germany, das ist eine Hilfsorganisation, die in Duisburg sitzt und die gehört zu den international zertifizierten Such- und Rettungsteams der Vereinten Nationen.
Unsere ersten Informationen über das Beben in Venezuela sind heute Nacht, kurz nach Mitternacht deutscher Zeit, eingetroffen über ein, automatisiertes Informationssystem der Vereinten Nationen, welches über ein schweres Erdbeben damals oder zu dem Zeitpunkt war noch von einem gesprochen, der in Venezuela uns informierte.
Seitdem beobachten wir, monitoren wir die Lage, sind im engen Austausch mit Behörden, mit den Vereinten Nationen, aber auch mit dem Robert-Koch-Institut hier in Deutschland und bereiten parallel einen möglichen Einsatz vor. ESA Germany gehört zu den wenigen deutschen Organisationen, die von den Vereinten Nationen und der Weltgesundheitsorganisationen für internationale Katastropheneinsätze zertifiziert sind.
Zuletzt war das Team nach dem schweren Erdbeben im Februar 23 in der Türkei im Einsatz. Innerhalb von sieben Tagen retteten die Helfer dort sieben Menschen aus den Trümmern. Auch eine Person, die erst rund 100 Stunden nach dem Beben gefunden werden konnte. Ist allerdings tragisch ausgegangen, dieser Fall. Sie haben also eine 60-Stunden-Rettungsaktion gemacht. Sie konnte lebend geborgen werden, starb aber in der folgenden Nacht im Krankenhaus.
Diese Erfahrungen fließen jetzt auch in die Vorbereitung für einen möglichen Einsatz in Venezuela ein. Die Vorbereitung besteht im Moment erst mal im Wesentlichen darin, zum einen alle Informationen zu sammeln, zu den Geschehnissen vor Ort, zu möglichen Zahlen von Opfern, zu konkreten Gefährdungslagen vor Ort.
Häufig sind ja dann auch ... Ja, Teil der Infrastruktur zerstört. Wir wissen jetzt beispielsweise bereits, dass der Flughafen in Caracas wohl sehr stark beschädigt ist. Und deswegen ist noch nicht ganz klar, ob der für eine mögliche Landung von Hilfs- und Rettungsflügen überhaupt zur Verfügung steht.
Parallel prüfen unsere Mitglieder ihre Einsatzfähigkeit. Wir sind eine Organisation, die komplett aus Ehrenamtlichen besteht, mit einem ganz kleinen Verwaltungsstab nur obendran. Und dementsprechend muss da jetzt erstmal geklärt werden, mit Arbeitgebenden gesprochen werden, mit Familienangehörigen gesprochen werden etc..
Um dann schnell und effizient in den Einsatz gehen zu können. Während in Duisburg die ersten Einsatzpläne entstehen, läuft in Venezuela die Suche weiter. Immer wieder gibt es Nachbeben. Rettungskräfte müssen deshalb entscheiden, welche Gebäude überhaupt noch betreten werden können. Jede weitere Erschüttung gefährdet natürlich nicht nur die Verschütteten, sondern auch die Helfer selbst.
Im Moment steht für uns die große Frage, in welcher Form das Team rausgeht. Zum einen haben wir natürlich die Möglichkeit, als zertifiziertes Insarac-Team im Bereich Suche und Rettung von Vermissten und Verschütteten in das Land zu gehen. Wobei man hier ganz ehrlich sein muss, dass eine Schwelle von ungefähr 72 Stunden nach einem Ereignis immer so als magische Schwelle bezeichnet wird, als goldene Schwelle.
Weil ganz einfach nach diesen 72 Stunden, das sehr, sehr schwierig ist, Menschen noch lebend aus Trümmern zu retten. Vor dem Hintergrund, dass all die Vorbereitungen jetzt und Absprachen, aber natürlich eben auch das Warten auf Hilfe ersuchen, ziemlich lange dauert. Eröffnet sich für uns parallel die zweite Option, dass wir als durch die Weltgesundheitsorganisation WHO zertifiziertes Emergency Medical Team in das Land reisen und dort eine medizinische Erstversorgung machen.
In jedem Fall werden wir mitnehmen, unser Team zum einen, zum anderen natürlich Equipment für die medizinische Versorgung vor Ort, entweder von Teammitgliedern, oder dann eben auch für Externe, für Patientinnen und Patienten, die vom Erdbeben direkt betroffen sind. Ja, das Problem, was Paul Philipp da beschreibt, ist, dass nach mehr als 72 Stunden die Chance, Überlebende zu finden, sehr, sehr gering wird.
Die Menschen brauchen natürlich, wenn man verschüttet ist, brauchen sie Wasser. Und wer nicht an Wasser kommt, hat nach 72 Stunden ein Problem mit den Vitalfunktionen. Also dann sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass man Menschen lebend rettet. Und diese Vorbereitungen, die sind ja nicht nur eine Organisation wie ISA, die könnte relativ schnell rausgehen.
Die stehen da gewehrbeifuß und könnten also los. Aber die Frage ist natürlich auch immer, werden die angefordert? Und Stand jetzt zur Aufnahme dieses Podcasts, da hat die venezolanische Regierung, die Interimspräsidentin Rodriguez, bislang nur Hilfe angefordert aus lateinamerikanischen Ländern, aus China und den USA.
Ob Hilfe aus Europa überhaupt notwendig sein wird oder angefordert werden wird, das muss man eben sehen. Und deswegen bereiten sich die Leute aus Duisburg eben auf diese zwei Szenarien vor. Einmal, sie kommen noch rechtzeitig rein, um diese 72-Stunden-Frist zu erreichen. Und dann kann man natürlich noch mit Search und Rescue arbeiten, sondern ansonsten würden sie eben medizinische Hilfe leisten.
Venezuela liegt in einer seismisch-aktiven Zone. Dort treffen die karibische, und die südamerikanische Platte aufeinander. Solche Bewegungen können immer wieder Erdbeben auslösen. Nach Einschätzung von Fachleuten handelt es sich diesmal um zwei sehr starke Erdstöße. Sehr kurzer Folge, die US-Erdbebenwarte, USGS, gibt die Stärke mit 7,2 und 7,51 an.
Das letzte große Erdbeben gab es in Venezuela übrigens 1967. Und je länger die Intervalle zwischen Erdbeben sind, desto stärker werden die dann auch. Also wenn sich sozusagen durch diese Reibung Spannungen aufbauen und nach zehn Jahren wieder ein Erdbeben passiert, dann ist das meistens nicht so stark.
Weil wenn das eben jetzt wie in diesem Fall fast 60 Jahre dauert, dann kann es natürlich sein, dass es eben zu diesen starken Erdbeben kommt. Für die Rettungsteams ist es aber jetzt nicht nur wichtig, warum es gebebt hat, entscheidend ist auch, was in den nächsten Stunden passiert, denn ich habe es ja gerade gesagt, die internationalen Teams dürfen nicht einfach losfliegen, sie brauchen ein offizielles Hilfersuchen des betroffenen Staates.
Erst dann können Such- und Rettungsteams ihre Arbeit aufnehmen. Wenn die Abfrage von einem Orban Search & Rescue Team, so heißt das im Fachjargon, ein User-Team kommt, dann. Reisen wir in das Land mit Rettungshunden, die dann zunächst eine unglaubliche Arbeit machen, die keine menschliche und kein technisches Gerät kann, weil sie einfach eine ganz feine Nase haben und Menschen auch unter ganz dicken Trümmern noch aufspüren können.
Dann nehmen wir dort ganz viel technisches Equipment mit, um die Menschen, die dann durch die Runde gefunden wurden, auch entsprechend zu retten. Das reicht von einer Betonkettensäge über verschiedene Bohrer, über Äxte und Ähnliches, um die Menschen dann dort möglichst zügig und zielgerichtet aus den Trümmern retten zu können.
Also nochmal, ob Isar Germany tatsächlich nach Venezuela fliegt, hängt jetzt von diesem offiziellen Hilfersuchen ab. Gleichzeitig läuft vor Ort die Suche nach Überlebenden weiter und besonders schwer betroffen ist nach Angaben der Regierung der Bundesstaat Lagiera an der Karibikküste. Dort liegen auch der internationale Flughafen und der wichtigste Seehafen des Landes.
Dutzende Gebäude sollen dort eingestürzt sein. Videos, die wir bekommen haben, zeigen schwer beschädigte Häuser, zerstörte Straßen und Menschen, die im Freien ausharren. Während wir diese Folge veröffentlichen, ist vieles noch unklar. Wie viele Menschen noch unter den Trümmern liegen, wie schwer die Schäden wirklich sind und wie viele Nachbeben noch folgen.
Klar ist nur, für viele Menschen in Venezuela ist diese Katastrophe nicht vorbei, wenn der Boden nicht mehr bebt. Dann beginnt erst die Suche nach Angehörigen, nach Wasser, nach Lebensmitteln, nach Medikamenten, nach einem sicheren Ort für die Nacht. Und Cornelia Leiter hat am Anfang dieser Folge gesagt, man verliert das Vertrauen in den Boden.
Vielleicht beschreibt das am besten, was ein Erdbeben hinterlässt. Nicht nur zerstörte Häuser, sondern auch das Gefühl, dass selbst das, worauf man steht, plötzlich keine Sicherheit mehr gibt. Wir haben in der Vergangenheit auch Folgen zu den schweren Erdbeben in Afghanistan und Myanmar gemacht. Die packen wir euch natürlich in die Shownotes.
Übrigens auch die Episoden, die wir bei Venezuela gemacht haben, kurz vor den amerikanischen Luftschlägen, Gegenwinde zu jeder der Entführung des damaligen Präsidenten Maduro. Und in der Zeit danach auch das, wie gesagt, packen wir euch alles in die Shownotes rein, damit ihr da auch auf Stand seid. Das war die heutige Folge unseres Podcasts im Krisenmodus. Dieser Podcast wurde produziert von Alexander Baumeister.
Er ist Journalist und arbeitet bei einem Radiosender der Funke Mediengruppe. Wenn euch dieser Podcast gefallen hat, liked und folgt uns. Das hilft uns, unsere Arbeit sichtbarer zu machen. Schreibt mir auch gerne, wenn ihr einen Vorschlag für eine unserer nächsten Folgen habt. Krisenmodus at funkemedien.de Und vielleicht noch einen Aufruf am Ende dieses Podcasts.
Wenn ihr die Möglichkeit habt, spendet an Organisationen wie Isar Germany, die machen wirklich einen super Job, wenn die unterwegs sind, sind natürlich als ehrenamtliche Organisation auch Spenden angewiesen. Also wenn ihr da die Möglichkeit habt zu spenden, dann wäre das natürlich toll, Wenn ihr das machen könntet, auch da packen wir euch den Link in die Show Notes rein.
Passt auf euch auf, bis bald, macht's gut.