NZZ Akzent· Folge 1622
Auf Virenjagd - wie Forscher in Afrika die nächste Pandemie verhindern wollen
Mittwoch, 15. Juli 2026 · 16 min
Kapitelklicken springt direkt hin
Shownotes
Exklusiv für dich als Podcast-Fan: 7 Tage NZZ-Digitalabo geschenkt. Unverbindlich testen. (probeabo.nzz.ch/podcast?utm_source=shownotes&a…)
Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo macht erneut die Gefahr von Zoonosen deutlich, also wenn Krankheiten vom Tier auf den Menschen überspringen. Im Nachbarland will ein Tierarzt dafür sorgen, dass das künftig weniger passiert.
Dafür sind Frédéric Singa und sein Team im Regenwald des Naturschutzgebiets Dzanga-Sangha unterwegs - im Süden der Zentralafrikanischen Republik. Ihr Ziel ist ein kleiner Wasserfall und die Grotte direkt dahinter: eine Höhle voller Fledermäuse. Die Forscher wollen einige der Tiere fangen, denn in ihnen könnten Viren schlummern, zum Beispiel Ebola. Auch die Covid-Pandemie wird auf Viren zurückgeführt, die von einer Fledermaus über einen Zwischenwirt zum Menschen gelangt sind.
Frédéric Singa will herausfinden, welche Viren in seinem Gebiet vorkommen. Sein Ziel: Es sollen weniger infizierte Tiere in Umlauf gebracht werden. Wie er vorgeht, um um Aufklärungsarbeit zu leisten und dabei die Unterstützung der Menschen vor Ort zu gewinnen, erzählt der NZZ-Reporter Jonas Gerding im Podcast. Er hat Singa über mehrere Wochen begleitet.
Heutiger Gast: Jonas Gerding, NZZ-Reporter
Host & Redaktion: Sarah Ziegler
Produktion: Benjamin Gysler
Hier könnt ihr den ganzen Dokumentarfilm von Dietmar Klumpp und Jonas Gerding von "NZZ Format" (nzz.ch/video/format/wie-zentralafrikas-regenwa…) anschauen.
Exklusiv für dich als Podcast-Fan: 7 Tage NZZ-Digitalabo geschenkt. Unverbindlich testen. (probeabo.nzz.ch/podcast?utm_source=shownotes&a…)
Transkriptvom Podcast bereitgestellt · Zeitmarken springen hin
Dieser Podcast wird Ihnen präsentiert von den Vodwas-Versicherungen, dem Versicherer für KMU und Selbständige. Tierarzt Frederik Singer und sein Team sind im Regenwald unterwegs – im Sanger Sanga Schutzgebiet ganz im Süden der Zentralafrikanischen Republik. Ihr Ziel ist heute eine Grotte, die sich hinter einem plätschanten kleinen Wasserfall verbergt.
Und diese Grotte ist voller Fledermäuse. Das Team spannt davor so Netze auf mit denen sie dann einzelne Fledermeuse einfangen wollen. Jonas du warst da dabei. hat das geklappt mit dem Einfangen? Das hat geklappt, aber es war gar nicht so einfach. Weil manche von den Fledermäusen sind erst mal übers Netz hinweggeflogen, aber einige sind dann doch auch reingefloggen und da musste man total aufpassen weil ja das ist eben sehr fragile Lebewesen die haben sich dann teils verheddert dass sie sich dabei dann nicht verletzten wenn man sie dann wieder entnimmt.
und ja das eine Tätigkeit wird öfters gemacht das ist eine ziemlich wichtige Arbeit. wir sind ja mit Friedrich Singer, dem Tierarzt unterwegs. Das ist wirklich sein Forschungsterra. Und er erforscht Zoonosen. also das sind Krankheiten die vom Tier auf den Mensch überspringen. und ja warum ist es ganz wichtig muss man sich nur wieder die Covid-IX Pandemie vor Augen führen.
und da war's auch sehr wahrscheinlich dass Fledermäuse, also Tiere am Anfang dieser Kette waren. und hier gehts eben darum dass man versucht so was auf größerer Ebene zu verhindern, also dass man im Kleinen schaut was kann man machen? das so was da nicht wieder zu einer großen Pandemie ausartet. In der Zentralafrikanischen Republik arbeiten Forscher daran Viren wie Saars oder Ebola aufzuhalten bevor sie auf den Menschen übergehen können.
doch dafür braucht es nicht nur die Forschung sondern auch die Unterstützung der Bevölkerung vor Ort. Das hat NZZ Reporter Jonas Gerding herausgefunden. ich bin Sarah Ziegler. Was ist mit den Fledermäusen passiert, nachdem sie im Netz hingen? Man musste sie erst mal in so einen kleinen Beutel packen.
Den gut verschließen und der wurde dann in ein Feldlabor gebracht was zum Glück gleich um die Ecke war. das ist so ein Camp das auch genutzt wird um Expeditionen zu Gorillas und sowas vorzunehmen also Infrastruktur die schon besteht Und dort wurden Sie ganz vorsichtig wieder ausgepackt. Man braucht Fingerspitzengefühl im wahrsten Sinne des Wortes, weil man mit einer kleinen Nadel in die feinen A dann reingehen muss um ihnen zum Beispiel das Blut abzunehmen.
Um dann zu wissen was haben sie möglicherweise für Krankheitserreger? Und ich glaube, es ist wichtig zu erwähnen, dass das jetzt keine völlig isolierte Tätigkeit ist. Sondern dass das Ganze in einer größeren Forschung hilft. und am Ende des Ganzen steht auch das Helmholtz-Institut für One Health in Greifswald in Norddeutschland wo Daten aus solchen Regionen zusammengeführt werden um eine bessere Früherkennung auf die Beine zu stellen.
Du hattest eben schon die Covid-IX Pandemie erwähnt. Nach welchen Krankheitserregern suchen Frederik und sein Team denn jetzt konkret in diesem Schutzgebiet? Was schlummert möglicherweise in den Fledermäusen? Im Blut der Fledermeuse schlummet möglicherweise Ebola, der Marburg Virus könnte auch eine Krankheit sein, die sie in sich tragen.
Und es gibt natürlich auch noch andere Tiere im Wald, die möglicherweise M-Pox diesen sogenannten Affenpockenvirus in sich tragen. Da gibt's immer wieder Ausbrüche in der Region und Ebola hab ich ja gerade schon angesprochen. da muss man nur ins Nachbarland schauen, die demokratische Republik Kongo. Da gibts grade einen ganz schlimmen Ausbruch.
mittlerweile mehr als ein tausend siebenhundert Menschen, die erkrankt sind ungefähr drittel der infizierten Stirb. daran liegt der Verdacht nahe, dass Fledermäuse der Ursprung dieses Ausbruchs waren. Und das liegt auch meines Wissens daran, dass man den Fledermäusen nur vor dem Kopf gucken kann. also denen machen diese Erreger selber gar nichts aus so dass man kranke Tiere gar nicht erkennen kann?
Genau! Also möglicherweise haben die irgendwie leichte Symptome aber an sich leben die weiter tragen als sogenanntes Reservoir diese Krankheiten und können sie dann eben auf andere Tiere oder eben auch auf Menschen übertragen. Und darum tragen Tierarzt Frederik und seine Helfer natürlich Schutzausrüstung, wenn sie diese Fledermäuse fangen oder ihnen das Blut abnehmen.
Davon könnt ihr euch auch selber überzeugen. Jonas hat nämlich zu seiner Recherche einen ganzen Dokumentarfilm gemacht für NZZ-Format. diesen Film könnt ihr bei uns schauen oder auf YouTube und die Links packe ich euch natürlich in die Shownotes. Jetzt ist es aber so, Schutzausrüstung hin oder her bei Frederik.
Die Viren breiten sich aus. Kongo war dein Beispiel? Wie genau kommen die Menschen in und um dieses Schutzgebiet herum... ...in den Kontakt mit diesen wilden Tieren? Es gibt einmalem was ich jetzt also indirekten Kontakt beschreiben würde. Also es kann ja zum Beispiel sein das ein Erkranktes. Tier scheidet Kot aus, Urin und das dann beispielsweise Mitlebensmittel in Kontakt kommen mit Früchten.
Und die wiederum können von Menschen gegessen werden oder auch von anderen Tieren. Darüber überträgt sich der Virus. Und dann der direkte Kontakt und das ist eine Besonderheit in der Gegend, dass dort in manchen der Gemeinden auch Fledermäuse gegessen werden. Dann hat man natürlich einen direkten Übertragungsweg.
aber es geht eben nicht nur um die Fledermäuse sondern es gibt auch diverse andere Tiere die Krankheiten übertragen können und da lohnt sich mein Blick auf den lokalen Markt zu werfen. Und wenn man sich da umschaut, dann sieht man wirklich die ganze Palette. Also da gibt es Tiere, die ja gar nicht so ungewöhnlich sind von dem was man vielleicht auch in Deutschland kennt also das Wildschwein das gibt's dort auch.
aber es gibt auch Tiere die dann für ein europäisches Auge eher etwas irritieren sind. also da werden dann auch Affen verkauft. Es gibt so größere Ratten die offenbar auch genug Fleisch haben dass Menschen sagen Ja das kann man essen Und das sind letztlich die Tiere, die gejagt wurden. Dann gibt es den riskanteren Part und das ist der Part was letztendlich Kadawa sind.
Also Tiere die erkrankt sind wie dann verstorben sind und dann aufgesammelt wurden und dann von Menschen gegessen werden können. Da gibt's auch ein gewisses Risiko dass sowas auch auf Märkten landet was man natürlich auf den ersten Blick nicht sehen kann. aber ich glaube bis trotzdem so wichtig auch nochmal zu sagen, dass man das jetzt nicht verteufeln soll.
Also wie gesagt in Europa gibt es auch Wildtiermarkt, das ist auch traditionell tief verwurzelt und so ist das eben auch dort in der Kultur und für viele Menschen ist es einfach eine wichtige Einkommensquelle aber auch in der Region in der es wenig Viehzug gibt. Das ist auch einfach als Nahrungsmittel wichtig weil es eine wichtige Proteinquelle ist.
Wir sind gleich zurück. Als Unternehmerin oder Unternehmer sind sie hundert Prozent bei ihrem Projekt, wir hundert prozent bei ihrem Schutz. Bei der Voodooise begleiten wir Sie rasch präzise und langfristig mit einer vertrauenswürdigen Ansprechperson die Ihnen jederzeit zur Seite steht. so können Sie sich auf das Wachstum Ihres Geschäfts konzentrieren und Ihren Unternehmageist frei entfalten.
Man kann also nicht einfach sagen Es werden keine wilden Tiere mehr gegessen, dafür sind die für die Menschen vor Ort viel zu wichtig als Einkommen und als Nahrungsquelle. Kann man denn dann überhaupt so richtig verhindern, dass die Menschen mit kranken Tieren in Kontakt kommen oder mit Tieren, die einfach die Erreger unbemerkt in sich tragen?
Also wahrscheinlich wird man sie nie so ganz verhindert bekommen. aber man kann natürlich das Risiko... und da ist natürlich der erste wichtige Schritt, dass man Wissen sammelt. Dass man Forschung betreibt um aber auch zu wissen welche von den Tieren sind denn die am ehesten auch diese Erreger in sich tragen?
Und welche sind vielleicht auch relativ harmlos genau. und deshalb ist es für Frederick eben wichtig mit verschiedenen Gruppen vor Ort zusammenzuarbeiten. das sind zum einen die Jäger also diejenigen die ja direkt mit den Tiern im Wald in Kontakt sind. Dann hat man die Marktfrauen und die Menschen auf dem Markt, die eben verkaufen also mit diesem Wildtier Fleisch dann in Kontakt kommen.
und dazwischen gibt es noch einige Menschen, die in den Transport und ansonsten die Logistik eingebunden sind.". Wie geht man das denn an? Gerade bei so einem Thema dass für die Leute existenziell ja auch ist. Ein wichtiger Part sind Ranger, wir befinden uns hier in Naturschutzgebieten. deswegen haben die auch das Mandat Kontrollen zu betreiben.
sie wurden von Frederick Singer geschult und wir waren bei einer dieser Kontrolln waren wir dabei. man muss also so vorstellen dass den Ranger das heißt die sind auch bewaffnet Und auf einer der Straßen sind wir dann paar Jägern begegnet. Also die hatten ihre Waffen dabei, die hatten die toten Tiere dabei, und sie frisch geschossen haben.
Dann sind wir angehalten mit der Patrouille, da gab es eine Konfrontation. Dann mussten die Tiere der Rheinacht zeigen. Es wurden die Patronenhülsen auf dem Boden ausgelegt und genau gezählt, wie viele das denn letztlich waren. Es wurde ein Blick auf die Tiere geworfen. in welchem Zustand waren sie? Also waren da Tiere dabei, die möglicherweise auch schon offensichtlich krank waren oder nicht?
Da gab es dann auch ein Gespräch zwischen der Janita Abuka, das ist die Rangerin, die wir da begleitet haben und den Jägern. Und was war bei dieser Kontrolle? Und anderen deinen Eindruck kommt da etwas an bei den Jägern oder versuchen sie eher schnell aus diesen Kontrollen wieder rauszukommen? Ja also ich glaube insgesamt hilft so eine Präsenz insgesamt.
Aber es ist natürlich so, dass solche Jäger natürlich sagen ja es ist irgendwie alles in Ordnung und wir waren jetzt an der großen Straße wo man natürlich auch wahrscheinlich eher nicht unterwegs ist wenn man jetzt wirklich mit dem ganz großen kriminellen Guter unterwegs ist. Deswegen gibt's natürlich nach wie vor das Risiko dass dann auch Leute mit Kriminelleren Absichten Dem ist auch egal, was die da aus dem Wald rausholen.
Dann irgendwelche Schleichwege nehmen. Das ist natürlich ein Ansatz. aber ich sage mal so es reicht nicht aus und deshalb hat Frederik größeren Plan. also ihm geht's jetzt darum zu sagen Nicht nur die Jäger sondern wir müssen wirklich auch auf die Märkte weil dort eben das ganze Fleisch umgeschlagen wird.
Und dort gehts dann darum Proben im großen Stil zu nehmen Auf den Markt selber Was gar nicht so einfach ist und dafür muss er sich die Einverständnis von der lokalen Gemeinde holen. Wir begleiten ihn da auf eine Veranstaltung, wo er sein Vorhaben vorstellt. Und wie kommt seinen Plan da bei den Verkäufern an?
Ja, so gemischt sag ich mal! Also es gibt grundsätzlich schon ein Verständnis dafür dass es gut ist wenn man Krankheiten vermeidet Aber man merkt auch, es geht viel darum um die Einkommensverhältnisse der Person vor Ort. Also da haben dann viele die Sorge geäußert zum Beispiel was sie denn davon haben und dann hieß es auch.
ja können wir nicht zehn Dollar zum Beispiel bekommen für jede Probenentnahme? Okay, das wird teuer. Genau oder andere haben einfach gesagt was passiert denn? Nachher wird gesagt ja das Tier ist krank es wird mir weggenommen und dann habe ich da letztlich meinen Kapital verloren und deswegen gab's dann durchaus einiges auch an kritischen Stimmen.
Konnte Frederik das nachvollziehen? Ja, auf jeden Fall. Also Frederik kennt natürlich die Gemeinden vor Ort und kennt die Bedürfnisse. aber der hat dann natürlich auch trotzdem gesagt also es tut mir leid. Wir machen das ja nicht einfach nur aus Spaß oder für irgendwelche Forschung in entfernen Ländern sondern das geht ja auch um euer Wohl.
Und mit dem Argument hatte am Ende auch die Gemeinde bekommen also zu sagen, ihr seid die allerersten die von dieser Prävention auch profitieren und es gab da eine Abstimmung Und die ist auch mit einem sehr guten Ergebnis ausgefallen. oder dann hundertundzwanzig zu sechzehn Stimmen positiv und man konnte das Frederick dann total ansehen, wie erleichtert er am Ende war.
Weil es seine Arbeit erleichterte und diese Arbeit ist ja eine von der am Ende mal die ganze Welt profitieren soll. ich finde jetzt aber die Vorstellung noch schwierig. Er macht das in einem kleinen Schutzgebiet in der zentralafrikanischen Republik. Wie kann man wirklich mit Hilfe eines solchen Projektes zu Nosen in den Griff bekommen?
Ich würde schon sagen, dass man hier wirklich ein tolles Modell hat und es bräuchte halt noch viel mehr Menschen. Das Wissen und die Kapazitäten haben wie Frederick, also der ist eine große Ausnahme in Tierarzt. Wie er sich so gut auskennt, der eben auch die Bildung dazu hat. es bräuchte viel mehr Mittel um solche Forschungsstationen ja flächendeckend zu haben.
Und man muss dann nur aufs Nachbarland in den Kongo blicken. und dort hat das Virus sich über ein Monat lang einfach unentdeckt ausgebreitet weil die entsprechenden Teststrukturen einfach nicht gut funktioniert haben. und dann plötzlich hat man so viele Erkrankte. Und dann bekommt man das einfach nicht mehr richtig eingefangen, deswegen ich sehe da wirklich eine große Chance und würde sagen es bräuchte noch viel mehr davon.
Sehr gerne Sarah bis zum nächsten Mal! Die ganze Doku von Jonas Gerdig und seinem Kollegen Dietmar Klump die könnt ihr euch bei NZZ Format anschauen. Infos dazu packe ich euch in die Show Notes Und dann packe ich auch noch ein Geschenk dazu, nämlich einen Link zu einem sieben Tage grates Abo für die digitale NZZ.
Für euch ohne jede Verpflichtung und einfach nur als Dankeschön! Das war NZZ-Aktzent. Ich bin Sarah Ziegler Macht's Gut.