NZZ Akzent· Folge 1620
Route 60: Wo sich israelische Siedler und Palästinenser begegnen
Montag, 13. Juli 2026 · 19 min
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Shownotes
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Die Route 60 ist eine israelische Strasse, die aber auch quer durch das palästinensische Westjordanland führt. Sie gilt als eine der letzten Strassen, die sich Israelis und Palästinenser noch teilen. Ein Roadtrip zeigt jedoch, dass die geografische Nähe keineswegs zu mehr Verständnis führt. Stattdessen prallen im Alltag zwei völlig unversöhnliche Welten aufeinander.
Während israelische Militäreinsätze und abgeriegelte Städte den palästinensischen Handel regelmässig lahmlegen, beanspruchen radikale jüdische Siedler das Land auf Basis der Bibel für sich. Seit den Ereignissen vom 7. Oktober 2023 hat sich die ohnehin angespannte Lage im Westjordanland massiv verschärft. Eine grassierende Arbeitslosigkeit unter den Palästinensern treibt die wirtschaftliche Not voran und schürt die Angst vor weiterer Radikalisierung. Gleichzeitig eskaliert die Gewalt durch bewaffnete Siedler.
Gast: Rewert Hoffer, Nahostkorrespondent
Host: Antonia Moser
Rewerts Artikel zur Route 60 findet Ihr hier. (nzz.ch/international/israel-und-palaestina-auf…)
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Dieser Podcast wird Ihnen präsentiert von den Vodwas-Versicherungen, dem Versicherer für KMU und Selbständige. NCZ-Aktzent Sie heißt Highway des Blutes. Das ist ein ziemlich brutaler Name für eine Straße. aber die Voraussetzungen für diese Straße sind auch wirklich schwierig weil dieser Straße eigentlich Route Six durch Israel und durch Palästinensergebiet.
Und beide, israeli wie auch palästinenzer dürfen auf dieser Route SIGS die fahren.". Und Robert, nur schon das ist außergewöhnlich? Das stimmt! Denn es ist eine der letzten Straßen in diesem palästenensischen Westjordanland, die eben von beiden befahren wird. Dazu muss man wissen, in Israel dürfen keine Autos mit palästinensischen Nummernschildern fahren.
Und in ausschließlich palästenensischen Orten im Versjordanland sieht man quasi keine israelischen Nummernschilder. aber auf dieser Straße Auf der Route Sixty da sieht man eben beides und diese Straße ist damit einer der wenigen Orte die sich Israeli und Palästinenzer noch teilen zwei Welten, die dort aufeinandertreffen.
Und ich bin dort selbst für einige Tage auf dieser Route Sixty herumgefahren und habe mit ganz verschiedenen Leuten gesprochen. Am Ende meines Roadtrips ist mir klar geworden dass diese Nähe nicht zu mehr Verständnis führt sondern eigentlich nur den Hass nähert.". Auf der Route Sixtie zeigt sich der Nahostkonflikt jeden Tag.
Korrespondent Revatova erzählt, was ihm die Leute an dieser Straße berichtet haben. Ich bin Antonia Moser. Also zuerst noch mal diese Straße, Route Sixty. Kannst du uns kurz erklären wo die genau durchführt? Ja, das ist eine israelische Straße. Eine Autobahn eben von Israel gebaut und sie beginnt auch dort in Israel nämlich im Norden in der Stadt Nazareth Und dann führt Sie einmal quer durch das gesamte West-Jordanland also Palästinensergebiet.
Dort verläuft sie eben zum größten Teil und dann verlässt sie wieder das West-jordanland im Süden und führt in die israelischen Negelfüste. Und wo hast du jetzt angefangen zu fahren? Ich habe ganz im Norden angefangen in der palästinensischen Stadt Kabatia, im Westjordanland. Das ist eben ziemlich am Anfang dieser Route Sixty wenn man von Israel in das Westjordanland fährt.
und dort habe ich in Kabati Mohamed Kamil getroffen. Er ist ein Händler und er hat mir erzählt dass vor ein paar Monaten mitten in der Nacht um halb zwölf Es geklopft hat an seiner Tür. Und dort, eben als er aufgemacht hat, standen israelische Soldaten. die haben ihm und seine Familie befohlen das Haus sofort zu verlassen.
Er musste sofort weg und einen Grund beim diese Soldaten nicht angegeben. Also hat er dann noch rausgefunden, warum die in sein Haus wollten und kommt ja auch zurück? Er hat nachgefragt. Und ihm wurde keine Antwort gegeben. Dann ist der eben hinaus und am nächsten Tag, am nächsten Morgen, hat er sich zurückgetraut im Haus.
Und tatsächlich waren die Israelien weg. Aber was er im Haus gesehen hat, das hat ihn geschockt! Da waren immer noch junge Männer, Palästinenser, deren Hände auf dem Rücken gefesselt waren. Die Israelis hatten sie dort verhört und zurückgelassen. Es war ein ziemliches Chaos in seinem Haus. es gab auch hebräische Schmierereien an seinen Wänden Und er hat mir gesagt sein Haus wurde eigentlich zu einer Militärbasis umfunktioniert.
Das ist ebenso. bei diesen Einsätzen der israelischen Armee in palästinenzischen Orten die immer häufiger vorkommen passiert so etwas, was Mohammed Kamil passiert ist und dazu kommt auch noch dass die Soldaten dann oft die gesamte Stadt also ganz Kabatia abriegeln. Und für die Menschen dort, für Mohammed-Kamil ist es eine Katastrophe.
Also abriegen das heißt dann sie kommen nicht mehr raus und rein? Das ist damit gemeint. Ja Sie können eben diese Stadt nicht mehr verlassen. Sie können auf die wichtigen Straßen nicht mehr fahren unter anderem auch auf die Route Sixty. Und ich habe es der Eingang so gesagt, man hat mit Camille erst selbst Händler und in Kabatia ist auch ein sehr großer Obst- und Gemüsemarkt.
Er und die Menschen, die dort eben Handel betreiben. Die sind angewiesen auf die Route Sixty für ihren Warentransport. Und wenn solche Einsätze passieren alles abgeriegelt ist kann nichts mehr verkauft werden. Die Waren verderben. das betrifft nicht nur die Händler sondern auch die Bauern, die ihre Ernte nicht mehr verkaufen können.
Und er hat mir gesagt dass belaufe sich auf einen Schaden von bis zu sieben Millionen Schäkel am Tag. Das sind ungerechnet etwa eins Komma Sieben Millionen Franken. Die Losses für den Griffjohl waren ca. sieben Millionen Schägel pro Dach. will aber bleiben. Und er meinte zu mir auch, er hat diese Überzeugung, aber es wird immer schwieriger.".
Kürzlich hat ihn seine zwölfjährige Tochter gefragt, wann der Zeitpunkt gekommen sei, dass sie die Familie verreist und nie wieder zurückkommen wird? habe ich gemerkt, also Mohammed Kamil, der eben sehr eindringlich, sehr aufgebracht mit mir gesprochen hat. Das war das einzige Mal vor er nach Worten gesucht hat wo er Zweifel hatte ob er auch wirklich stark genug ist sein Prinzipien treu zu bleiben.".
Das klingt jetzt von ihm eher hoffnungslos? Also eben er kann nichts unternehmen gegen diese Schließungen. Du bist ja dann aber weitergefahren, also die Straße war offen und hast dann auch Israele getroffen. Was haben die dir erzählt? Ja, siezig Kilometer südlich von Kabatiya da bin ich nach Mali-Levonah gefahren und habe dort den Zweiundsitzigjährigen Yossi Maimon getroffen.
Mali-Levonat, das ist eine von vielen israelischen Siedlungen im Westjordanland. Nach gängiger völkerrechtlicher Interpretation gelten alle diese israelische Siedlung auf palästinensischem Gebiet als illegal aber jetzt gerade in den letzten Jahren haben sie sich immer weiter ausgebreitet und die israelischer Regierung hat auch neue Siedlungen genehmigt.
Und Josi Maimon ist interessant, denn er hat diese Siedlung vor vielen Jahren mit gegründet. Er hat dort ein Haus gebaut und dieses Haus ist wunderschön. Er sitzt dort hoch auf einem Hügel. von seiner Terrasse, blickt er auf die umliegenden palästinensischen Dörfer herunter und erblickt eben auch auf die Routesix, die herunter, die er braucht, um seine Siedlungen zu erreichen.".
Was sagt denn jetzt Josi An dieser Route Sixty so nahe mit Palästinänzern eigentlich zusammenlebt? Ja, für Jossi Maimon ist die Rollenverteilung in diesem umstrittenen Gebiet sehr klar. Maimon is ein sehr religiöser, ein sehr frommer Mensch der sich klar an den Worten der Torah oder der Bibel orientiert und er sagt eben – Die Bibel sagt sehr klar das Gott den Juden dieses Land, das heilige Land gegeben habe.
Und daraus schlussfolgert er, dass alle nicht Juden die sich dort befinden, sich als Gäste verstehen sollten und die Hausherren also die Juden respektieren sollten. Wer sich nicht wie ein Gast benehme, also wer nicht die jüdische Vorherrschaft auf diesem Land akzeptiert der müsse das land verlassen oder müsse akzeptieren dass er in Zweifel von israelischen Soldaten getötet wird.
Das ist aber eine sehr harte Linie, die ihr da vertritt. Es ist eine extreme Linie. Aber dazu muss man eben auch wissen dass die von Teilen von einigen Ministern, die heute in der israelischen Regierung sitzen genauso vertreten wird. sie vertrenten eben die Sichtweise von einem Prozentsatz von Siedlern, die eben besonders radikal sind und ihre radikale Politik mit einem religiösen Anspruch begründen.
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Du hast mit Palästinense angesprochen, einem ziemlich radikalen Siedler. Hast du denn auch gemäßigte Stimmen gehört auf deiner Reise? Auf meinem nächsten Stopp habe ich Jair Cohen getroffen! Er ist neunundzwanzig Jahre alt und in der Siedlung Pharezion, da betreibt er einen kleinen Laden für selbstgebrautes Bier.
Und er hat mir eben gesagt dort hat er seinen Laden aufgemacht weil dort noch Platz sei, dort sei auch die Miete günstig denn er wohnt dort nicht sondern er wohnte in Jerusalem dorthin zu kommen. Und da muss man eben wissen, diese Route Sixty verlässt einmal für einen kurzen Moment das Westjordan-Danz führt dann durch Jerusalem also durch israelisches Gebiet um dann wieder ins Westjordern dann zu führen.
und für ihr Kohlen der in Jerusalem wohnt aber in Quarition sein Laden hat ist das überhaupt kein Problem! Also wenn kein Verkehr ist dann braucht er nur zwanzig Minuten mit dem Auto. unmöglich, denn eben sobald man nach Jerusalem kommt ist dort ein Checkpoint den Autos mit palästinensischem Kennzeichen nicht passieren können.
Und wie sieht er dann jetzt dieses Gebiet wo er eben arbeitet? Wo alle irgendwie so nahe zusammen sind Israel und Palästinenza? Er hat zu sich selbst gesagt politisch in Israel verortet er sich im Zentrum. er sagt er findet es zwar richtig dass eben Juden das Versionen besiedeln aber Gleich danach gesagt, die Gewalt Radikada Siedler, die massiv zugenommen hat in den letzten Monaten.
Die verurteilt er. und er sagt eben auch es bereite ihm Sorge wie die Palästinenser seit dem siebten Oktober zwei tausenddreifundzwanzig also seit dem Massaker der Hamas im Westjordanland behandelt werden. was meinte damit? nun ist so dass eben die Palästinenser oft als billige Arbeitskräfte auf Baustellen in Israel, aber auch in den israelischen Siedlungen im Westjordanland gearbeitet haben.
Und nach dem siebten Oktober war damit größtenteils Schluss und jetzt gibt es eine große Arbeitslosigkeitskrise im WestJordanland. Und ihr Cohen hat mir gesagt, wenn eben diese Palästinenser keine Arbeit mehr bekommen dann werden sie hungern. Wenn Sie hungern, werden Sie sich radikalisieren und es wird nur mehr Probleme auch für die Israelis geben.
Und er hat dafür eine Lösung wie er es nennt. Er möchte dass die palästinenzischen Arbeiter quasi unter Bewachung in eingezollten Bereichen israelischen Siedlungen arbeiten können. Aber eingezäunte Bereiche, das klingt eher nach Gefängnis? Ja er stellt es sich sofort und er sagt, dass sei ein guter Kompromiss!
Er war da aber auch relativ realistisch, dass am Ende des Tages keine dieser beiden Seiten jemals diesen Konflikt gewinnen. Er meint zwar, dass auch wieder friedlichere Zeiten kommen werden. Aber es sei nur eine Frage der Zeit bis eben die Situation hier auf diesem Gebiet im Westjordanland wieder explodieren.
Und was glaubst du? Hat er damit recht? Leider sieht es sehr danach aus und das habe ich hautnah bei meinem Letztens stopp auf dieser Route Sixty erlebt, ganz im äußersten Süden des Westjordanlands. Dort war ich in Chirbet Sanuta. Das ist ein Bedouinendorf und das liegt heute komplett in Ruinen. Warum?
Wenige Wochen nach dem siebten Oktober sind dort eben bewaffnete Siedler von den umliegenden israelischen Außenposten in dieses kleine Dorf reingesammelt. Sie haben Steine auf die Bewohner geworfen, auf die Häuser. Sie haben ihre Waffen in dem Dorf abgefeuert und wurden dabei teilweise auch von Soldaten begleitet.
geflohen. So hat es mir Faiz Reberat berichtet, der Bürgermeister dieses Dorfes das heute nicht mehr existiert denn nachdem die Familien weg sind, sind eben die Siedler mit Bulldozern angerückt und haben alle Häuser zerstört.". Das heißt da konnten sie sich nicht wehren oder irgendetwas machen? Sie haben es versucht.
Sie sind vor Gericht gezogen und dieser Fall von Herbert Sanuta, der ist bis zu Israels obersten Gericht vorgedrungen und am Schluss bekam diese Bedouinen tatsächlich recht. also die israelischen Richter haben geurteilt dass sie eigentlich in ihre Häuser zurückkehren dürfen und das die israelische Polizei und die Armee auch das ermöglichen sollte.
Und Fais Khedrat, mit dem ich gesprochen habe, hat mir eben gesagt auch nach dem Urteil hörten die Attacken nicht auf. Sie hätten versucht zurückzukehren aber die israelischen Soldaten seien nicht eingeschritten. und er hat mir auch gesagt die Siebler respektieren gar nichts kein Recht keine Polizei.
Und mir schien es so, dass eben in manchen Teilen des Westjordanlands immer öfter nur noch das Recht der Stärkeren gilt. Robert, du warst jetzt ein paar Jahre na Ostkorrespondentin Israel und hast viele Reportagen geschrieben. Die kann man auch im Moment nachlesen, weil als Podcast-Hörerinnen bekommt ihr im Moment ein gratis Abon könnt euch da einlesen und das lohnt sich also wirklich um dieses Gebiet besser zu verstehen.
Für dich war es jetzt aber deine letzte Geschichte aus diesem Gebiet. Was bleibt da bei dir zurück, auch gerade nach dieser Reise über diese schwierige Straße? Ja ich glaube man muss schon sagen die Hoffnung dass sich vielleicht irgendwann mal zum besseren wendet ist nicht ganz tot also zb. als ich dort in Khebertsanuta war da hat dann auch die Mutter von Feisk Berat vom Bürgermeister angerufen und eben gesagt hoffentlich kehren wir eines Tages zurück.
Und man sieht eben auch, es gibt immer noch Möglichkeiten. Sie haben geklagt vor dem israelischen Gerecht sie haben recht bekommen aber Es ist eben nichts passiert. und am Schluss muss man auch anerkennen dass diese Ruinen eine andere Sprache sprechen. und es sieht eben im Versjordanland und auch im gesamten Konflikt zwischen Israeli und Palästinensern Immer mehr so aus das eine dieser beiden Welten die dort entlang der Route Sixty nebeneinander existieren, die Oberhand hat und keine Anstreiten macht irgendwann mal nachzugeben.
Danke dir vielmals, Revert! Gerne Antonia. Das war unser Akzent mit Korrespondent Revert Hofer. Ich bin Antonia Moser Bis bald.