NZZ Akzent· Folge 1616
Albanien: wie Jared Kushners Hotelprojekt die Flamingo-Revolution auslöste
Mittwoch, 8. Juli 2026 · 16 min
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Shownotes
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Ein unberührtes Naturparadies in Albanien soll einem Refugium für Milliardäre weichen. Um ein exklusives Luxusresort von Ivanka Trump und Jared Kushner zu ermöglichen, hebelte die albanische Regierung kurzerhand den gesetzlichen Schutzstatus eines der wichtigsten Feuchtgebiete des Landes aus. Doch als im Mai schliesslich die Bagger aufgefahren sind, formierte sich umgehend Widerstand unter den Anwohnern und Umweltschützern.
Mittlerweile haben sich die lokalen Proteste zu landesweiten «Flamingo-Revolution» ausgeweitet. Täglich demonstrieren Tausende in der Hauptstadt Tirana gegen die Vetternwirtschaft und das System von Regierungschef Edi Rama.
Im Podcast «NZZ Akzent» schildert Südosteuropa-Korrespondentin Nicole Anliker ihre Eindrücke vor Ort, erklärt, was die Menschen auf die Strasse treibt und wie die Regierung mit dem massiven Druck umgeht.
Heutiger Gast: Nicole Anliker, Südosteuropa-Korrespondentin
Host: Nadine Landert
Redaktion: Marlen Oehler
Die Reportage von Nicole aus Albanien findet ihr hier (nzz.ch/international/die-flamingo-rebellion-in…).
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alle Infos findet ihr in den Show notes. Ein Luxusresort auf einer unbewohnten Insel im Mittelmeer. In einem Podcast erzählt die Tochter von Donald Trump von einer Yacht-Tour, wo sie und ihr Mann Jared Kushner die schöne albanische Insel entdeckt haben. Einige Jahre später beginnt dieser Traum Wirklichkeit zu werden und führt in Albanien zu einer beispiellosen Protestbewegung.
Nicole, seit Wochen gehen in Albanian täglich Tausende Menschen auf die Straße. Ja, genau das ist so. Diese Bewegung begann Ende Mai als kleine lokale Umweltproteste gegen ein Luxusprojekt von Trump Schwiegersund Jared Kushner und damals brach die protestierende Schilder mit Rosa Flamingos und Aufschriften mit Ivanka Go Home Mit.
Das ist jetzt aber vierzig Tage her beinahe und jeden Abend geht immer noch tausende auf die Straße. Heute spielt Ivanka keine so große Rolle mehr, aber die Flamengos sind geblieben. Sie sind ein Symbol geworden von einer Protestbewegung, die sich mittlerweile gegen das ganze politische System in Albanien richtet.".
Die sogenannte Flamenco-Revolution wächst immer weiter und wird für Albaniens Regierung zunehmend zum Problem – was die heterogene Protestmenge erreichen will! klären wir mit Südosteuropa-Korrespondente Nicole Anglicke. Ich bin auch den Landrat.". Nicole Ebenes begann, mit dem Traum von Ivanka Trump und ihrem Mann in Albanien an der Küste ein Luxusresort zu bauen – was hat es damit genau auf sich?
Wenn man das genau nimmt, sind es zwei Orte, die gebaut werden sollen. Kuschners Firma möchte einerseits auf einer unbewohnten Insel, die Sasan heißt im Süden des Landes ein Refugium quasi für Milliardäre bauen. Das soll ein Luxusressort da entstehen, inklusive Yachthafen, Infinity Pulse und mehr Beachclubs.
Und genau gegenüber dieser Insel auf dem Festland bei Zvernek plant er eine Luxusanlage mit fünf Sternehotels, Wohnungen, Willen einer modernen Marina, Wellnessoisen sowie einer Flamirwelle mit teuren Boutiken. Fast eine kleine Stadt! Genau und die große Kontroverse, die es da jetzt aber gegeben hat ist diese Baufläche gehört zu einem berühmten Naturschutzgebiet Albaniens um die Lagune von Nata.
Da ist eines der wichtigsten Feuchtgebiete in Albanien und um diese Baupläne zu verwirklichen hat die albanische Regierung vor zwei Jahren den Schutzstatus des Gebiets durch eine umstrittene Gesetzesänderung aufgehoben Und etwas später, als dann bekannt wurde, dass diese Pläne von Kushner quasi auf dem Tisch sind, wurde er von der Regierung zum strategischen Investor erklärt.
Dieser Status gewährt ihm direkten Zugriff auf Staatsland ohne Ausschreibung und bekam auch beschleunigte Genehmigungsverfahren. Nur deshalb kann dieses Luxusresort Realität werden? Dann sind Mitte Mai für die Bauarbeiten die Backer am Strand aufgefahren. Begehen sich dann einige Leute gegen diesen Baustart zuvieren.
Genau, so war das! Das waren ganz wenige Leute zu beginnen und unter ihnen war Paziana Guri. Ich habe Bessiana getroffen in Tirana. Sie ist eine dreißigjährige Albanerin, eine ziemlich berühmte Umweltaktivistin aus Tirana und hat auch eine eigene NGO. Und sie war bei diesen ersten Protesten, als diese Bagger aufgefahren sind und der Strand eingezäunt wurde.
War sie dabei gemeinsam mit Anwohnern und Protestierten gegen dieses Bauvorhaben? Was war genau wie Anliegen damals? Die Lagunenlata ist ein bisher unberührtes Rast- und Brutgebiet für Tausende von Zugführern. Das heißt, es gibt da viele Flamingos, Pelikane und auch Meeresschildkröten. Und sie sind dagegen, dass da irgendwas gebaut wird.
Sie will – genau wie andere Umweltaktivisten – auch das dieses Bauprojekt gestoppt wird einerseits aber andererseits auch dieses umstrittene Gesetz dass dessen Schutzstatus aufhob, rückgemächt gemacht wird. Jetzt diese Proteste am Strand blieben anfangs relativ... Überschaubar, aber dann Ende Mai ist es eskaliert.
Da haben Sicherheitskräfte einen Anwohner gewaltsam zu Boden geworfen und durch den Sand geschleift. Diese Szene wurde gefilmt gegen viral. Nicole war das so ein bisschen der Start von dieser Protestbewegung? kann man das sagen? Ja ganz sicher, das war ein Turning Point weil dieses Video empfachte massive Wut.
Es waren paar wenige Leute oder ein paar dutzende Leute die in diesem Thema drin sind aber das gewaltsame Vorgehen von Sicherheitskräften, man muss sagen es waren private Sicherheitskräfte und daneben standen Polizisten die nicht dagegen taten. Das hat den Menschen wütend gemacht Etwas ausgebrochen, dass niemand erwartet hat.
Innerhalb von wenigen Tagen verlangt sich die Proteste von diesem kleinen Strandort in die Hauptstadt wo sich Abend für Abend jetzt eben diese Empörung entleht. Und vor allem auch das bemerkenswerte ist, immer mehr Albaner schlossen sich diesen Protesten an die Anfangs gar nichts damit zu tun hatten.
Also sind heute nicht nur die Umweltschützer auf der Straße und die Kunst- und Kulturszene sondern auch Liberale Albaner aber auch Nationalisten. also man sieht in dieser Menschenmenge nicht nur Flamengos sondern man sieht auch sehr viele Albanienflaggen von Menschen die da sind weil sie ihr Land schützen möchten.
Und da geht es den Protestierenden also längst nicht mehr nur um das Naturschutzgebiet? Nein, da geht's um etwas sehr Grundsätzliches. Ich habe vorhin gesagt Land schützen wollen weil sie finden dass ihr gesamtes politisches System das eigentlich nicht tut. Ich habe Erald neu getroffen. Erald ist ein Fortjahre alt, kommt nicht aus Tirana sondern erfährt extra für diese Proteste jeden Tag vierzig Kilometer mit dem Auto in die Hauptstadt.
und er stelle sich mir auch vor als einerseits als Soldat aber andererseits auch als Patriot der hier sei Abend für Abend um sein Land zu schützen. Warum geht er denn konkret auf die Straße? Was meint er mit seinen Landschützen. Neu ist ganz klar ein Nationalist und er fühlt sich anhand solcher Bauprojekte von seinem Staat beraubt, er findet auch.
sein Land wird verkauft an externe Investoren. dafür werden Gesetze angepasst der Rettstadt wird ausgehebelt. da ist er total dagegen. Er wirft die Regierung vor Geschäft mit Oligaschen und mafiosen Unternehmen zu machen, um diese auch durchzudrücken. Und benennen sie ganz heftig als korruptes der Regierung aller Zeiten.
Ist da was dran? Die Anschuldigungen sind natürlich sehr breit, aber man muss sagen die Korruption ist ein großes Problem in Albanien. Das weiß man auch und jetzt hat das sehr stark auch die Regierung vom Ministerpräsident Edirama getroffen. Das hat einen Grund. Meere Minister aus seinem Kaminett sind unter schweren Korruptionsverdacht gekommen.
eine unabhängige Sonderstaatsanwaltschaft. Dies gibt ihn an. Berlin hat auch Ermittlungen gegen diese aufgenommen. Und vor allem, was sicher auch etwas dran ist und was ein großer Teil der Kritik in diesen Protesten ist, er sammelt immer mehr Macht an. Die Leute fühlen, dass sie autoritär agiert. Das wird von den Menschen nicht mehr gutgeheißen.
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Sie ist eine thirty-sixjährige Albanerin. Sie lebt und arbeitet aber schon lange nicht mehr in Albanien, sondern seit über zehn Jahren ist sie in Rotterdam. Sie war eigentlich nur kurz für einen Arbeitsbesuch in ihre alte Heimat gekommen und ist tatsächlich in Tirana geblieben. Statt eine Woche war sie dann schon vier Wochen da, um jeden Abend quasi bei diesen Protesten mitzumachen.
Sie sagt auch, sie identifiziert sich sehr stark mit diesen Demonstrationen. Weil sehr viele der Kritikpunkte die da gemacht werden, der Regierung sei noch die Gründe gewesen weshalb sie dieses Land verlassen hätte. Sie nannte kaum Arbeit für junge Leute oder fehlende Chancengleichheit um einen Job zu bekommen wegen Fetternwirtschaft und Korruption.
Und Lodjana Milona steht für etwas, weil viele junge Albaner unter thirty-fünf Jahren alt sind in den letzten zehn Jahren ausgewandert. Es sind dreihundert Tausend. bei einer Gesamtbevölkung von zwei Komma vier Millionen ist das eine sehr große Zahl. und Diese Diaspora, die einerseits eine wichtige Stütze ist für die Wirtschaft des Landes.
Weil das Land ist arm und mittlerweile auch aber eine sehr wichtige Stützen bei diesen Protesten geworden. Viele Leute kommen zurück, viele Leute nehmen Urlaub dafür machen verlängerte Wochenende um protestieren zu können. man kann das nicht beweisen. aber es gibt auch sehr viele Menschen die sagen sie finanzieren Proteste mit.
Also das ist wirklich ein überraschend großes Ausmaß, dass diese Protestbewegung angenommen hat. Was sagt denn die Regierung um Edirama auf dieser Kritik? Aus einer Regierung selbst hört man eigentlich fast gar nichts außer nur von ihm. Was auch wieder so ein bisschen in diesem Vorwurf hineingeht, dass sich die Macht um ihn konzentriert.
und von Anfang an diskreditiert er eigentlich diese Protestierenden. Diskreditiert sie auf Social Media einerseits indem er sich teilweise lustig macht oder sie nicht ernst nimmt, macht immer sehr klar das er dieses Projekt nie und nimmer fallen lassen wird. Und sagt letztens auch bei einem Financial Times Interview, richtig direkt Fuck you zu den Protestierenen.
Das war gerade als ich da war. das kam gar nicht gut an und das merkt man auch. also es ist neben dem diese Grundsatzkritik gegen ihn ist auch diese Reaktion die nimmt man eigentlich so wie ein sehr gutes Beispiel für die Arroganz, die man ihm sowieso schon vorwirft. Er nimmt uns nicht ernst. Er hat jemand gesagt, du kommst aus der Schweiz?
Ah, Edirama war in Art Basel! Während wir protestieren, interessiert ihn mehr die Kunst als seine Leute auf der Straße sind. Glaubst Du denn, dass diese Proteste in Albanien etwas verändern? können, weil doch jetzt Albanien bislang keine Schlagzeilen gemacht hat von einer Wut gegen diese Regierung. Von Protestkritik an der Regierung.
kann das jetzt etwas in Bewegung setzen? Also muss ganz klar sagen was du sagst stimmt natürlich es hat in den letzten Jahren nie mehr Protests in so einem Ausmaß gegeben. und Ich glaube auch die Leute, die da sind, sie sind selber überrumpelt von dieser Größe und quasi dieser täglichen... weil es ist ja auch anstrengend jeden Tag dazu sein.
Die Leute müssen ja auch arbeiten! Das hört man ja auch und die wollen jetzt aber natürlich nicht aufgeben. Aber das muss man mal sagen, das ist sicher speziell. Dann was es verändern wird? Es ist natürlich schwierig voraus zu sagen ich persönlich glaube nicht daran dass es konkret zu einem Rücktritt vom Edirama führen wird.
Dazu sitzt er einfach grundsätzlich zu fest im Sattel. Man sieht aber schon auch, seine unbeholfene Art mit dieser Kritik umzugehen zeigt auch dass er sich diese Kritik wie nicht gewohnt ist. Und man muss auch sehen die ganze Protestaktion geht natürlich gegen ihn Aber wie ich vorhin gesagt habe es gegen ein Regierungssystem.
Auch die Oppositionspartei wird kritisiert an diesen Protesten Weil sie genauso als korrupt gilt und darum auch nicht als Alternative bei Wahlen beispielsweise. Wenn man von einer Nachhaltigkeit dieser Protestbewegung sprechen würde, wäre das natürlich einfach nur möglich wenn daraus eine neue Partei oder eine politische Organisation entstehen würden.
Darüber wird auch gesprochen – auch die protestierenden Sprechen davon. aber bisher halten sie sich auch sehr bedeckt wer da wie dahinter steckt und es gibt auch keine Führungsfigur. Und wenn man jetzt das noch mal runterbricht, nicht gerade auf die Regierungsebene sondern auf diese Umweltgeschichte zurück.
Da gibt es Hoffnung dass es einen Zurückdreh hin gibt von diesen Entscheidungen gerade mit diesem Kurschner Projekt ob Herr Rahmer einknicken wird oder nicht. Das ist natürlich schwierig zu sagen, die protestieren sind sicher davon auch motiviert dass es in Serbien auch Bauprojekte von Kuschners Investitionsfirma gab und sie nach vielen Protesten Kuschner selber tippte!
Ob das soweit kommen wird? Das werden wir sehen.